Der hat nichts, der läuft doch… 

Darf man ein lahmendes Pferd reiten? Darf man sich auf ein Pferd setzen, das Rückenschmerzen hat? Darf man ein Pferd mit Gebiss reiten, das Zahnprobleme hat? Mit diesen Fragen, die man eigentlich für rhetorische halten sollte, lege ich einmal mehr den Finger in eine Wunde in der Pferdewelt: Es geht um das Thema Schmerzen beim Pferd und da liegt leider einiges im Argen. 

Ist doch nicht so schlimm!?

Einige Beispiele aus der ganz normalen Pferdewelt: 

  • Da ist der schon etwas betagte Wallach, der seine jugendliche Reiterin mehrfach in der Woche eine Stunde in der kleinen Halle herumträgt. Er tickt dabei auffällig, aber weist man das Mädchen oder deren Mutter darauf hin, dass das Pferd lahmt, sagen die nur: „Ja, der ist schon alt und hat Arthrose. Aber Bewegung ist gut für ihn und so lange er noch läuft, ist alles okay.“ 
  • Oder nehmen wir die junge Stute, die beim Aufsteigen beharrlich solange ausweicht, bis ihre Reiterin irgendwie doch raufkommt und die dann die gesamte Zeit mit durchgedrückten Rücken läuft. Darauf hingewiesen, dass dem Pferd der Sattel vielleicht nicht passt, wird abgewunken: „Doch, der passt, das hat ein Sattler im letzten Jahr gecheckt.“
  • Wir können auch einen Blick auf den Spanier werfen, der zu Beginn jeder Reitstunde und jedes Ausritts von sich aus keinen Schritt vorwärts gehen mag. „Ach, der fragt immer nur, wer der Boss ist. Setzt man sich durch, macht er auch alles mit“, ruft seine Besitzerin, während sie ihm eins mit der Gerte auf den Hintern gibt. 
  • Und noch ein Beispiel: Da ist der Haflinger, der seinen Besitzer durchs Gelände trägt, aber dabei sichtlich klamm läuft. Darauf angesprochen, wird erklärt, dass der Schmied gerade die Hufe gemacht hatte, und der habe wohl etwas zu viel weggenommen, das gibt sich schon wieder. Und in der Herde laufe er prima mit, also könne es ja nicht so schlimm sein. 

In all diesen und leider vielen anderen Fällen zeigen Pferde deutlich, dass sie Schmerzen haben, doch die verantwortlichen Menschen wischen diese mit verschiedenen Aussagen einfach weg. Der gemeinsame Nenner ist der, dass solange das Pferd läuft, es ja auch nicht so schlimm sein kann.

Tja, und genau damit können wir ganz, ganz gewaltig falschliegen. 

Verstehen, was das Wesen Pferd ausmacht

Dass Pferde Herden- und Fluchttiere sind, hat sich inzwischen herumgesprochen. Was aber aus diesen Tatsachen folgt, leider nicht: 

  • Als Herdentier wird jedes Pferd instinktiv versuchen, Anschluss zu halten – auch unter Schmerzen. Stehen zu bleiben bedeutet zurückzubleiben und das kann sich kein Pferd erlauben. 
  • Als Fluchttiere müssen Pferde auch unter Schmerzen laufen können, denn davon hängt im Ernstfall ihr Überleben ab. Während Raubtiere sich bei Schmerzen eher in eine geschützte Ecke zurückziehen, können Schmerzen bei Pferden gerade erst recht zu Unruhe und vermehrte Energie führen, da sie instinktiv wissen, durch die Schmerzen vielleicht gehandicapt zu sein. 
  • Als Fluchttiere verfügen Pferde darüber hinaus über keinen Schmerzlaut, denn dieser würde sie einem potentiellen Jäger verraten. Sie leiden deshalb still.
  • Und ein weiterer, ganz wichtiger Faktor: Pferde sind als soziale (Herden-)Tiere in der Lage, Gefühle und Erwartungen nicht nur von anderen Pferden, sondern auch von uns Menschen wahrzunehmen (siehe dazu auch diesen Text). Sehr viele Pferde wollen ihren Besitzern/innen gefallen, wollen deren Erwartungen erfüllen oder haben Angst vor negativen Folgen, wenn sie nicht tun, was von ihnen verlangt wird, und reißen sich deshalb in ihrer Gegenwart zusammen. So kommt es nicht selten vor, dass der Stallbesitzer den Pferdebesitzer über eine Lahmheit oder Bauchschmerzen informiert, das Pferd aber „ok“ wirkt, wenn sein Mensch auftaucht beziehungsweise, dass es dann „funktioniert“. Daraus kann aber eben nicht einfach geschlossen werden, dass dem Pferd wirklich nichts fehlt oder wehtut, sondern es ist sehr wichtig, die Schilderungen des Stallbesitzers oder andere Personen, die das eigene Pferd über längere Zeiträume sehen, ernst zu nehmen und der Sache auf den Grund zu gehen. 

Für die konkreten Beispiele von weiter oben folgt daraus:

  • Den älteren Wallach mit seiner Arthrose stumpf in der Halle auf engen Wendungen zu reiten, grenzt an Tierquälerei. Ein Pferd mit Arthrose braucht ein einfühlsames und seinem Krankheitszustand entsprechendes Training, wie z.B. ruhige Schrittausritte im Gelände oder Spaziergänge und behutsames Aufbautraining an der Hand. Nur weil sich ein solches Pferd nicht wehrt, heißt es nicht, dass es keine Schmerzen hat, wer das annimmt, ist ignorant und unfair. 
  • Ein Sattel, der bei einem jungen Pferd angepasst wurde, kann schon nach kurzer Zeit wieder unpassend sein, denn gerade junge Pferde verändern sich muskulär oft sehr stark. Aber auch bei allen anderen Pferden darf nie vorschnell davon ausgegangen werden, dass ein Sattel wirklich passt. Veränderungen im Training, in der Haltung oder durch die Jahreszeiten mit dem Wechsel von der Weide zum Paddock können Veränderungen in Bezug auf das Gewicht und die Muskeln mit sich bringen und dazu führen, dass ein einmal passender Sattel schmerzhaft zu drücken beginnt. Pferde können nicht sagen: „Du, der Sattel drückt ganz doll“, sondern sie zeigen es eben genau durch die beschriebenen Verhaltensweisen: Sie weichen beim Aufsteigen aus und drücken den Rücken weg. Werden die Schmerzen stärker, weil der Mensch nichts tut, um das Übel abzustellen, können irgendwann auch Buckeln und Abwerfen des Reiters folgen – das aber eben nicht, wie so oft behauptet, aus Böswilligkeit, sondern weil die Schmerzen zu groß werden. 
  • Wenn ein Pferd nur unter Druck oder mit Gewalt vorwärts läuft, dann gibt es dafür immer eine Ursache, und die liegt ganz sicher nicht darin, dass diesem Pferd erst gezeigt bekommen muss, wer das Sagen hat. Andauernde Bewegungsunlust kann neben psychischen Ursachen auch konkrete körperliche Gründe haben, wie z.B. Verspannungen oder Schmerzen unterschiedlichster Art. Auch eine Atemproblematik oder Erkrankungen des Stoffwechsels, ein Mangel an Mineralien oder Spurenelementen können die Bewegungslust hemmen. Ein solches Pferd mit Sporen oder Gerte zum Vorwärts zu zwingen, ist grob und brutal.
  • Bei dem Wallach mit dem klammen Gang sollte zunächst die Arbeit des Schmieds kritisch überprüft und ggf. über einen Wechsel entschieden werden, denn es ist keinesfalls in Ordnung, dass ein Pferd nach dem Ausschneiden so fühlig ist. Ein klammer Gang sollte immer ein klares Warnsignal für uns sein, denn hier zeigt das Pferd deutlich, dass ihm etwas weh tut. Im schlimmsten Fall ist nicht nur die Hufbehandlung schuld, sondern es kann sich auch um eine nicht erkannte Erkrankung, wie z.B. eine Entzündung der Hufrolle, oder um eine schleichende, nicht erkannte Hufrehe handeln. Ein Pferd, das so deutlich zeigt, dass ihm die Füße weh tun, braucht Hilfe und es darf nicht einfach „darüber hinweggeritten werden“. 

Und das sind nur einige Beispiele von typischen Schmerzen, die Pferde haben. Denken wir ruhig auch an Wirbelprobleme, Magengeschwüre, Zahnschmerzen, alte Verletzungen, noch nicht erkannte Chips und vieles andere mehr, das Pferden Beschwerden bereiten kann. 

Wir dürfen die Bereitschaft unserer Pferde nicht ausnutzen

Leider neigen viele Menschen dazu, die Tatsache, dass viele Pferde ihrer Natur entsprechend bei Schmerzen die Zähne zusammenbeißen und trotzdem ihren Job machen, so zu interpretieren, dass es ok ist, sie auch mit Beschwerden nach unseren Vorstellungen zu nutzen. Und mehr noch: Wir schimpfen auch noch auf sie, wenn sie in der Leistung nachlassen oder ab einem bestimmten Punkt tatsächlich den Dienst quittieren – das nämlich wird ihnen dann als Ungehorsam ausgelegt.

Es ist aus unserer Sicht dringend nötig, sich darüber bewusst zu werden, wie oft das überall in der Pferdewelt passiert und sich auch selbstkritisch zu prüfen. Uns macht es sehr traurig, dass so vielen die Nutzung ihrer Pferde so wichtig ist, dass viele nicht bereit sind, ihre Pferde als fühlende Wesen zu sehen und auf Schmerzen und Beschwerden angemessen zu reagieren. Aber ist das nicht eigentlich das Mindeste, wenn wir behaupten, Pferde zu lieben?

Tipp: Hier erfahrt Ihr, wie Ihr Schmerzen beim Pferd erkennen könnt.

3. Juli 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Gesundheit, Verhalten 11 Kommentare »

Pferde können unsere Gefühle erkennen

Ich freu mich mich immer aufrichtig darüber, wenn es wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die bestätigen, wovon ich schon lange ausgehe. Das war vor einiger Zeit zum Beispiel die klare Aussage, dass Dominanz nicht pferdegerecht ist und jetzt wurde von Forschern nachgewiesen, dass Pferde in der Lage sind, unsere Gefühle zu erkennen (hier gibt es einen Artikel in der Süddeutschen dazu und hier geht’s zur Originalstudie). 

Was die Forscher erkundeten

Pferde nutzen nach den Erkenntnissen der Forscher verschiedene Aspekte, um unsere Gefühlslage einzuordnen, wie unsere Körperhaltung und -ausstrahlung, Mimik und Stimme. Normalerweise stimmen diese Elemente überein, ein wütender Mensch hat eine entsprechende Körperhaltung, spricht auf eine bestimmte Art und auch seine Mimik spiegelt Wut. Die Forscher prüften nun, was geschieht, wenn etwas davon abweicht.

Was passiert also, wenn das Pferd eine wütende Stimme hört, aber einen freundlichen Menschen sieht? Die Forscher nahmen verschiedene Faktoren in die Wertung, wie „Blickdauer des Pferdes“, „Reaktion“, „Rate des Herzschlags“ und konnten nachweisen, dass sich das Verhalten der Pferde deutlich unterschied, wenn Bild und Stimme widersprüchlich waren als wenn sie übereinstimmten, vor allem dann, wenn ihnen der Mensch vertraut war. Ein solches Verhalten wurde bisher vor allem bei Hunden beobachtet. Aus ihren Beobachtungen leiten die Forscher die Schlussfolgerung ab, dass Pferde in der Lage sind, aufgrund des Gesichtsausdrucks menschliche Emotionen zu erkennen.  

 Was das für den Umgang mit Pferden bedeutet

Wir schreiben ja immer wieder, für wie wichtig wir es im Umgang mit Pferden halten, dass wir uns über unsere eigene Ausstrahlung bewusster werden und sehen uns nun in unseren Anregungen bestätigt, denn für uns ist ganz klar: Wenn sie schon, wie in der Studie nachgewiesen, eindeutig unsere Mimik lesen können, können sie erst recht unsere Körpersprache und -ausstrahlung interpretieren. 

Unsere Erfahrung ist: Pferde reagieren ständig auf uns und werden durch unser Verhalten wesentlich beeinflusst. Tun sie also etwas, was wir nicht wollen oder unschön finden oder reagieren sie anders, als wir es erwartet hätten, gilt es sich zunächst zu fragen, ob wir vielleicht selbst die Ursache für das Verhalten sind:

  • Wie wirke ich in diesem Moment auf mein Pferd?
  • Was strahle ich gerade aus – und was macht das mit meinem Pferd?
  • Welche vielleicht widersprüchlichen Botschaften sende ich?
  • Wodurch könnte mein Pferd verwirrt werden?

Tipp: Hier kann es ausgesprochen nützlich sein, sich selbst zu filmen und das später in Ruhe anzuschauen. Da wird einem manches sichtbar gemacht, von dem man keine Ahnung hatte. Auch ein wohlwollender Blick einer vertrauten Person kann hilfreich sein, aber Vorsicht: Die Anwesenheit anderer kann uns angespannt und verkrampft werden lassen, so dass wir dann wieder ganz anders wirken als normalerweise. Eine Kamera, die einfach mitläuft, während wir mit unserem Pferd zusammen sind, zeigt unser gewöhnliches Verhalten oft besser auf. 

Der Vorwurf der Vermenschlichung

Viel zu oft hört man noch immer, dass man „Pferde nicht vermenschlichen“ soll und rechtfertigt damit Ignoranz, einen groben Umgang und ein unfaires Verhalten. Dabei wird aber leider übersehen, dass „vermenschlichen“ und „menschlich sein“ zwei ganz verschiedene Paar Schuhe sind…

Wir vermenschlichen ein Pferd keineswegs, wenn wir seine hoch entwickelten Sozialfähigkeiten anerkennen und begreifen, wie empfindsam sie sind – im Gegenteil, nur dann können wir wirklich pferdegerecht reagieren. 

Pferde können Gefühle lesen

26. Juni 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 3 Kommentare »

Blinde Flecken – wer hat sie nicht?

Wisst Ihr, was ein so genannter blinder Fleck ist? Nein, keine Augenkrankheit des Pferdes, sondern hier geht es mal wieder um uns selbst. Als „blinden Fleck“ bezeichnet man Teile der eigenen Person oder auch Verhaltensweisen, derer wir uns nicht bewusst sind. Die gibt es in allen Lebensbereichen, aber gerade in der Pferdewelt lassen sie sich besonders anschaulich aufzeigen, denn die ist leider voll davon. Und weil blinde Flecken oft zu krassen Widersprüchen zwischen Tun und Handeln führen, halte ich es für wichtig, sich einmal genauer damit zu befassen.  

Ein anschauliches Beispiel

Vor einiger Zeit fand ich ein inspirierendes Foto mit sehr klugen Aussagen, wie zum Beispiel die, dass Pferde nicht dafür da sind, unser Ego zu befriedigen. Als ich dann aber auf die Quelle klickte wurde mir dort ein Foto von der Verfasserin mit einem sehr jungen Fohlen gezeigt, das mit Showhalfter, Siegesschärpe und Gewinnerrosette zu sehen war… 

Ist doch nicht so schlimm? So etwas kann ein Fohlen schon mal ab? 

Tja, mag sein, … aber wenn ich das tue, kann ich meiner Ansicht nach nicht schreiben, dass Pferde nicht dafür da sind, unser Ego zu befriedigen, denn die Teilnahme mit einem vielleicht einige Wochen (!) alten Fohlen an einer Show hat aus meiner Sicht vor allem etwas mit Ego-Befriedigung zu tun und nichts mit art- und altersgerechter Fürsorge. Nur, und das ist der Punkt, könnte es gut sein, dass die Verfasserin sich kein bisschen darüber bewusst ist, dass sie selbst genau das tut, wogegen sie vorher geschrieben hat. Das ist ein sehr gutes Beispiel für einen blinden Fleck, der zu einem krassen Widerspruch führt und die Frau tun lässt, was sie eigentlich ablehnt.

Was wir bei anderen schnell sehen… 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass fast jede/r von uns solche Beispiele parat hat: 

  • Da ist die Miteinstellerin, die sagt, dass sie ihr Pferd so doll lieb hat und ständig neue Decken, glitzernde Stirnbänder, säckeweise Möhren und dergleichen mehr kauft, aber wenn das Pferd aus ihrer Sicht einen Fehler macht, wird es grob bestraft. 
  • Da ist der Pferdebesitzer, der viel Geld in den tollen Westerntrainer investiert, damit sein Pferd eine gute Ausbildung bekommt, dem aber im Falle einer ungeklärten Erkrankung das Rufen eines zweiten Tierarztes oder eine alternative Behandlung seines Pferdes zu teuer ist. 
  • Da sind die Trainer, die auf ihren Webseiten mit „Pferdegerechter Ausbildung“ werben, aber in der Praxis noch immer der längst überholten Dominanztheorie folgen.
  • Da sind all die vielen Leute, die in den Social Media schon fast wie die Hyänen auf andere Pferdebesitzer losgehen, wenn sie etwas wittern, was nicht ok ist, aber selbst den Sperrriemen noch ein Loch enger ziehen, damit sie ihr Pferd kontrollieren können oder den wochenlang klammen Gang ihres Pferdes mit einem „Ach, der simuliert nur!“ abtun.
  • Und so weiter und so fort.  

… erkennen wir bei uns selbst oft nicht

Mal ganz ehrlich: Erkennen wir solche Widersprüche auch bei uns selbst?

  • Greife ich andere vielleicht genau für solche Fehler an, die ich selbst mache? 
  • Kritisiere ich andere vielleicht genau für die Schwächen, die ich selbst habe? 
  • Predige ich vielleicht oft genau das, was ich selbst falsch mache? 
  • Lästere ich vielleicht genau darüber, was ich bei mir selbst doof finde? 

Tatsächlich nämlich provozieren uns unbewusst nämlich oft genau die Sachen, die wir bei uns selbst für falsch halten und es kann sehr hilfreich sein, sich bei jedem Impuls, andere anzugehen, erst einmal zu fragen: 

Was hat das vielleicht mit mir selbst zu tun? 

Der Schlüssel ist Selbstreflexion

Und damit sind wir wieder einmal bei einem der wichtigsten Punkte im Zusammensein mit Pferden: nämlich der Bereitschaft, das eigene Verhalten selbstkritisch zu hinterfragen. 

Selbstreflexion ist eine Übungssache und die Herausforderung besteht darin, das auf eine konstruktive Weise zu tun. Immer mal wieder tief in ein schlechtes Gewissen zu versinken, bringt nämlich leider gar nichts. Es geht darum, auch tatsächlich etwas zum Guten zu verändern

Und so möchte ich diesen Beitrag als Einladung und vielleicht auch Aufforderung verstanden wissen, dass jeder von uns einmal sehr bewusst nach den krassen und vielleicht auch weniger krassen, dafür aber trotzdem unschönen Widersprüchen im eigenen Verhalten sucht, also nach Widersprüchen

  • zwischen dem, was wir sagen oder wofür wir uns ereifern und 
  • dem, was wir tatsächlich selbst tun (und mit ach so guten Gründen entschuldigen, denn bei uns ist ja aaaaalles ganz anders…).

So bekommen wir Anhaltspunkte dafür, wo wir an uns selbst arbeiten können, anstatt immer nur mit den Fingern auf andere zu zeigen. Ja…, das kann ganz schön unbequem sein, wie ich aus eigener Erfahrung nur allzu gut weiß, aber es ist unerlässlich, wenn wir wirklich pro Pferd handeln und nicht nur darüber reden wollen. 

 

Blinde Flecken

5. Juni 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse 4 Kommentare »

Pferde sind Egoisten und anderer Unfug

Es gibt Sätze, die machen mich auch nach all den Jahren, die ich nun schon mit Pferden (und deren Menschen) zu tun habe, sprachlos. Neulich erschien ein solcher Satz in den Kommentaren auf meiner Facebookseite: „Pferde sind Egoisten.“

Die Wirkung

Es gibt viele solcher Sätze und sie haben leider eine große Macht, denn sie bewirken Verschiedenes: 

  • Sie machen einen entweder stumm, weil man angesichts einer solch dummen wie falschen Aussage kaum noch etwas zu erwidern weiß oder
  • sie machen einen wütend und damit wird man gerade in einem Austausch oft viel zu emotional,
  • vor allem aber setzen sie sich, weil sie so schön griffig sind, in vielen Köpfen als Tatsache fest und das ist aus meiner Sicht das Schlimmste an der Sache… 

Es handelt sich hierbei um so genannte Killerphrasen oder Totschlagargumente. Zitat wikipedia: „Totschlagargumente sind inhaltlich nahezu leere Argumente, also Scheinargumente, bloße Behauptungen oder Vorurteile, von denen der Sprecher annimmt, dass die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer entweder mit ihm in der Bewertung übereinstimmt oder keinen Widerspruch wagt… haben das gleiche kommunikative Ziel, nämlich den Gegner mundtot zu machen und jedes lösungsorientierte Denken zu verhindern beziehungsweise zu unterbinden. Stattdessen soll der aktuelle Zustand aufrechterhalten werden…“

Ehrlich gesagt habe ich keinen guten Tipp, wie man konstruktiv mit solchen Killersätzen umgehen kann, da bin auch ich immer wieder aufs Neue gefordert. Provokationen dieser Art sind ja geradezu darauf angelegt, destruktiv zu sein, sprich: Personen, die solchen Unsinn sagen, haben gar kein Interesse an Argumenten, die solche Aussagen widerlegen oder einem echten Austausch.

Aber ist es deshalb gut, solche Aussagen einfach unkommentiert stehen zu lassen (was ich in diesem Fall getan habe)? Es fühlt sich für mich nicht so an und so tue ich das, was meine Art ist: ich schreibe darüber. 

Warum wird so etwas gesagt?

Ich frage mich nicht nur bei Pferden immer, was die Ursache für ein Verhalten ist, sondern ich versuche auch Menschen zu verstehen, die aus meiner Sicht etwas Falsches, Unsinniges oder auch Verwerfliches tun.

Als Ursache für solche Killerphrasen sehe ich vor allem die Tatsache, dass sie bestens dazu geeignet sind, das eigene Verhalten nicht hinterfragen zu müssen. Sie dienen dazu, nicht-pferdegerechtes Verhalten zu rechtfertigen. 

Selbstreflexion ist nicht jedermanns Sache, aber unbedingt nötig

Das eigene Verhalten zu hinterfragen, erfordert einen selbstkritischen Blick und die Bereitschaft, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und die Bereitschaft, dazuzulernen. Und das kann unbequem und aufwühlend sein, da man sich, sofern man eigene Fehler erkennt, eventuell auch mit Schuldgefühlen und einem schlechten Gewissen befassen muss. Genau das aber sollten vor allem die haben, die sich eben nicht hinterfragen und nicht diejenigen, die gemachte Fehler erkennen und in Zukunft vermeiden wollen. Ein schlechtes Gewissen sollten Killerphrasen-Drescher haben, die nicht nur nicht bereit sind, das eigene Verhalten zu reflektieren, sondern mit solchen Aussagen auch noch dafür sorgen, dass andere sie übernehmen. 

Da ich Killerphrasen nicht verhindern kann, setze ich da an, wo ich hoffe, etwas bewirken zu können: Bei der Bitte, nicht alles zu glauben, was sich griffig und schmissig anhört und keinen Aussagen oder Ansätzen zu folgen, die nicht-pferdegerechtes Verhalten gutheißen. Bitte bewahrt oder entwickelt den Mut und die Bereitschaft, immer selbst zu denken und vor allem selbst zu fühlen – FÜR die Pferde.

Killerphrasen

28. Mai 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang 9 Kommentare »

Erlernte Hilflosigkeit?

Seit einiger Zeit wird auch in der Pferdewelt immer wieder über „erlernte Hilflosigkeit“ gesprochen. Diese Formulierung stammt von den amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und Steven F. Maier zur Erklärung von Depressionen. Beschrieben wird damit die Tatsache, dass ein Wesen (Mensch oder Tier) sein eigenes Verhalten einschränkt und unangenehme Zustände nicht verändert, obwohl er oder es das von außen betrachtet eigentlich können müsste. Ursache dafür ist die wiederholte Erfahrung von Machtlosigkeit. 

Bezeichnenderweise wurden für dieses Phänomen grausame Versuche an Hunden gemacht, durch die eines deutlich wurde: Wesen, die nichts gegen Leid machen können (also ihm z.B. nicht entfliehen können), geben irgendwann auf und lassen das Leid über sich ergehen.

Und damit kommen wir genau zu dem Punkt, um den es mir hier geht. Für mich ist der Begriff  „erlernte Hilflosigkeit“ sträflich irreführend. Er umschreibt nämlich auf eine viel zu harmlose Weise etwas sehr Schlimmes. 

Tatsache ist:

Hilflosigkeit wird
viel mehr erzeugt als erlernt.

Und verantwortlich dafür sind sehr oft wir Menschen. Überlegen wir doch einmal selbstkritisch und ehrlich, in wie vielen Situationen Pferde durch Menschen in eine hilflose Position gebracht werden. Mir fallen sehr, sehr viele ein…  

Hilflosigkeit ist eine schlimme Erfahrung

Hilflosigkeit, das wissen wir alle,  ist ein Zustand, der ausgesprochen unangenehm ist und das gilt ganz besonders für ein instinktiv reagierendes Wesen wie das Fluchttier Pferd.

Versetzt man ein Wesen immer wieder in diesen Zustand, dann lernt es Ohnmacht und reagiert mit (Selbst-)Aufgabe, es reagiert immer weniger um seine Situation zu verbessern, sondern es erträgt, was mit ihm gemacht wird. 

Was diese eh schon traurige Tatsache dann noch furchtbarer macht, ist dass dieses Nicht-Reagieren gerade in der Pferdewelt dann auch oft noch so interpretiert wird, dass das, was der Mensch macht, ja nicht so schlimm sein kann, weil sich das Pferd doch sonst wehren würde und weil die untereinander ja auch nicht zimperlich sind oder weil das Pferd einfach so „stur“ und „bockig“ ist… 

Ursachen von Hilflosigkeit

Die Ursachen für ein Gefühl von Hilflosigkeit bei Pferden können vielfältig sein und es sind so gut wie immer wir Menschen, die wir ein Pferd in diesen Zustand bringen, z.B. durch Folgendes:

  • Wir Menschen überfordern Pferde mit Anforderungen oder unklaren Zeichen und bestrafen sie dann durch aggressives Verhalten (Anbrüllen, Schlagen, andere körperliche Strafen) für unerwünschtes Verhalten, was das Pferd aber nicht verstehen und umsetzen kann. Es weiß oft nicht, wofür es bestraft wird und es hat keine Chance, herauszufinden, was der Mensch will oder nicht will —> die meisten Pferde resignieren dann irgendwann. 
  • Mit Hilfsmitteln wie scharfen Gebissen, Sporen, Hilfszügel & Co sorgen wir Menschen dafür, unsere Einwirkung um ein Vielfaches erhöhen und damit enorm viel Kraft und Schmerzen ausüben zu können; je mehr sich das Pferd wehrt, desto stärker erfolgt der Einsatz –> irgendwann erlischt die Gegenwehr bei den meisten Pferden.  
  • Pferde werden oft systematisch auf eine Weise geritten, die sie in eine hilflose Postion bringt (Stichwort „Rollkur“ und vergleichbare Trainingsmethoden) –> sie resignieren irgendwann vollständig.
  • Nicht passendes Zubehör oder falsche Einwirkung von „Hilfen“ sorgen für dauerhafte Schmerzen, denen das Pferd nicht entkommen kann —> die meisten Pferde ertragen es irgendwann nur noch.
  • Das Pferd empfindet Angst, aber statt dass der Stressfaktor reduziert wird, wird das Pferd auch noch für sein Verhalten (Scheuen, Tänzeln etc.) bestraft oder der Stressreiz wird mit dem Ziel der Desensibilisierung erhöht, bis das Pferd versteht, dass es keine Angst haben muss —> tatsächlich gibt es aber nur auf.
  • Die Haltung des Pferdes ist nicht artgerecht: zu wenig Bewegung, keine Sozialkontakte, zu wenig Futter usw.) —> das Pferd verkümmert und gibt innerlich auf. 
  • Und anderes mehr. 

Ein hilfloses Pferd ist immer ein Pferd in Not

Um es ganz deutlich zu sagen: Ein hilfloses Pferd ist in den meisten Fällen (wenn wir nicht gerade von Unfällen o.Ä. sprechen) ein Pferd, das nicht pferdegerecht, sondern falsch und schlecht behandelt wurde. Es lernt in diesem Fall nichts, sondern es wird durch das Fehlverhalten des Menschen in eine Notsituation gebracht – sei es, dass er es nicht besser weiß oder nicht anders kann oder auch noch der Meinung ist, dass er sich richtig verhält. 

Lernen müssen in all diesen Fällen wir Menschen, denn für den Zustand der Hilflosigkeit gibt es immer Ursachen, die nicht das Pferd lösen kann, sondern nur wir. Nur, wenn wir bereit sind, unseren eigenen Teil in dem Ursache-Wirkung-Kreis zu erkennen, können wir unser Verhalten verändern, um Pferde nicht immer wieder hilflos zu machen. 

 

Erlernte Hilflosigkeit

Zum Weiterlesen: 

17. April 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 5 Kommentare »

Missverstandenes Anti-Scheu-Training

Sehr viele Konflikte zwischen Mensch und Pferd beruhen meiner Erfahrung nach auf der Tatsache, dass Pferde leider noch immer zum Teil von Grund auf missverstandene Wesen sind. Viele Interpretationen von Pferdeverhalten und aus diesen Interpretationen entwickelte Ausbildungsansätze oder Methoden stammen aus der menschlichen Erfahrenswelt und übersehen dabei oft gründlich das Wesen Pferd. Das führt zu viel Leid und Not. 

Missverstandenes Anti-Scheu-Training

Gerade am eigentlich so gut gemeinten „Anti-Scheu-Training“ lässt sich leider sehr anschaulich zeigen, wie doll Pferde oft missverstanden werden und wie viel leichter wir es ihnen machen könnten. Siehe dazu auch „Anti-Scheu-Training“ bitte immer individuell.

Beim Anti-Scheu-Training gehen viele von folgender Grundannahme aus: Das Pferd soll lernen, den Menschen so zu vertrauen, dass es auch bei Angst ruhig stehen bleibt. Also wird es so lange mit einem gruseligen Gegenstand konfrontiert und oft auch berührt, bis es still hält. Dann wird der Gegenstand entfernt, wodurch, so nehmen viele an, das Pferd lernt, dass wenn es still stehen bleibt, die unangenehmen Dinge verschwinden. 

Schauen wir aber einmal genauer hin. 

Die Natur eines Fluchttieres ist die Flucht

Es gibt zwei Faktoren, die wir hier beachten müssen: 

Bei einem Fluchttier ist es sozusagen sein „Job“ bei angstauslösenden Dingen mit einem Scheuen zu reagieren. Das ist genetisch eingebaut und gehört zum Pferd dazu. Es dafür zu schelten oder gar zu strafen, ist keine pferdegerechte Reaktion, sondern es wird die Angst des Tieres immer eher verstärken. Trotzdem ein unbedingtes Stillstehen von ihm zu erwarten, geht komplett gegen seine Natur.

Kein Pferd erschrickt oder scheut, um den Menschen zu ärgern oder weil es nicht vertraut, sondern weil es zunächst nicht anders kann. „Zunächst“ deshalb, weil dem Fluchtreflex andere natürliche Regungen ein Stück weit entgegenwirken können. Pferde sind nämlich von Natur aus auch neugierige und interessierte Wesen, weshalb sich fast alle Pferde nach dem ersten Scheuen umdrehen und schauen, was da eigentlich genau ist. 

Die Angst eines Pferdes sehen wir Menschen als Defizit, also etwas, das nervig, unangenehm oder auch gefährlich sein kann, weshalb wir daran arbeiten wollen, dass das Pferd weniger Angst hat. Das ist auch sehr sinnvoll, aber wir sollten dafür auf die uns natürlicherweise zur Verfügung stehende Ressource der Neugier setzen, anstatt das Pferd „abhärten“ zu wollen.

Das Märchen von der Desensibilisierung

Immer wieder heißt es, dass Pferde „desensibilisiert“ werden müssen, indem man sie angstauslösenden Reizen aussetzt. Sie würden sich dann irgendwann daran gewöhnen. Das stimmt so aber einfach nicht.

Desensibilisierung funktioniert in den allerwenigsten Fällen, sondern führt fast immer zu einer Überreizung und damit zu mehr Stress = mehr Angst. Pferde lernen, dass sie angstauslösenden Situationen ohnmächtig ausgeliefert sind und dass Menschen ihnen nicht helfen, sondern im Gegenteil: dass sie durch Menschen in diese Situation kommen. Viele von ihnen lernen weiterhin, dass sie bestraft werden, wenn sie ihre Angst zeigen. 

Irgendwann geben die meisten Pferde tatsächlich auf und halten dann mehr oder weniger still. Damit machen sie aber eben NICHT die Erfahrung, dass sie aktiv etwas tun können, um mit Angst umzugehen, und auch nicht, dass zunächst bedrohlich wirkende Dinge interessant und lustig sein können. Im Gegenteil, sie erfahren, dass sie NICHTS tun können und dürfen. Was hier passiert ist, dass Pferde gebrochen werden und sie geraten in das, was man „erlernte Hilflosigkeit“ nennt. 

Tierschutzrelevante Trainingsansätze

Ein Pferd gezielt in eine aus seiner Sicht bedrohliche Situation zu bringen und das Pferd vorsätzlich zu zwingen, Nervosität und Angst auszuhalten oder gar zu verstärken, bedeutet für ein Pferd Leid und Qual. So etwas darf aus meiner Sicht nur in Notsituationen von einem Pferd gefordert werden, also in solchen Situationen, in denen es nicht anders geht, weil sonst Mensch und Tier in Gefahr geraten würden – aber das darf keinesfalls als Trainingsgrundlage gesehen werden!

Ansätze, die das so genannte Aussacken systematisch nutzen, sind für mich eh eindeutig tierschutzrelevant, da sie jedes Verständnis für das Wesen Pferd missen lassen. Aber auch die abgeschwächten, diversen Abhärtungsversuche, die herkömmlicherweise beim Anti-Scheu-Training erfolgen, sind für mich mehr als fragwürdig. Und vor allem meiner Erfahrung nach nicht zielführend!

Echte Vertrauensarbeit

Viel sinnvoller ist es, dem Pferd die Chance zu geben, in seinem eigenen Tempo Selbstbewusstsein und Mut zu entwickeln und seine natürlich Neugier zu aktivieren. Und das ist viel einfacher, als die meisten annehmen, und es führt zu echtem Vertrauen, nicht zu hilflosem Aufgeben. 

Vertrauen schafft niemals Abhängigkeit, sondern im Gegenteil: Es schafft Unabhängigkeit.

Und das ist auch gut für uns Menschen, denn ein Pferd, das Selbstvertrauen gewinnt und vor allem Selbstsicherheit, ist ein Pferd, das auch mit neuen Situationen immer besser umgehen wird, als eines, das nur gelernt hat, auszuhalten, denn so ein Aushalten ist ja immer abhängig vom Grad der Intensität… 

Und so geht es pferdegerecht

Jedes Anti-Scheu-Training sollte immer den Fokus darauf legen, ein Pferd nicht zu überfordern oder in Not zu bringen. Stress und Angst sollten unbedingt vermieden werden und stattdessen mit viel Geduld, Zeit und Einfühlungsvermögen für gute Erfahrungen und das Wecken von Neugier gesorgt werden. 

Grundsätzlich haben sich meiner Erfahrung nach in für das Pferd bedrohlichen Situationen diese Schritte bewährt:

  1. Es ist unser Job, immer vorausschauend zu handeln und potentielle Angstfaktoren zu erkennen, wenn möglich vor dem Pferd, damit wir unser Verhalten auf das jeweilige Pferd abstimmen können. 
  2. Erschreckt sich ein Pferd, scheut es oder zeigt auf eine andere Weise Angst, dann dürfen wir es dafür nicht rügen, anbrüllen oder bestrafen, denn damit verstärken wir den Stress. Wir sollten selbst so ruhig wie möglich bleiben und dem Pferd vermitteln, dass wir die Sache auch sehen und erkennen, sie aber selbst nicht für gefährlich halten. 
  3. Dann ist immer im Einzelfall zu entscheiden, ob wir eine Situation, die unserem Pferd Angst macht, vermeiden wollen, also z.B. erst einmal weg von der bedrohlichen Situation zu gehen, oder ob wir uns annähern wollen und dem Pferd dann vermitteln können, dass wir auf es aufpassen. In manchen Fällen ist es besser, das Pferd nicht zu konfrontieren, sondern sich die Sache in Ruhe gemeinsam zu erarbeiten. Das immer wieder angeführte Argument, dass ein Pferd „dann gewinnt“, zeigt einmal mehr, wie wenig Pferde verstanden werden, denn ein ängstliches Pferd versucht nicht, „zu gewinnen“, es hat schlicht und einfach Angst. 

Bedrohliches erkunden lassen

Ein Pferd sollte also nie aktiv mit beängstigenden Objekten, wie zum Beispiel einer Plastikplane, einem Regenschirm o.Ä. konfrontiert und so lange damit belästigt werden, bis es die Sache erträgt, sondern es soll die Möglichkeit haben, sich den Sachen von sich aus zu nähern und sie zu erkunden. Deshalb ist das Anti-Scheu-Training möglichst immer auf einem sicher eingezäunten Platz durchzuführen, auf dem wir das Pferd frei laufen lassen können und nicht am Strick halten müssen. Wir können dann beispielsweise die Plastikplane zunächst ganz klein und überschaubar zusammengefaltet weit weg vom Pferd auf den Boden legen. Am besten schon gleich ein Stück Möhre darauflegen und eine darin verstecken. Dann warten wir zunächst einfach ab und lassen das Pferd entscheiden.

Die meisten Pferde werden sich nach kurzer Zeit für das Objekt interessieren und hingehen. Manch eines forscher, manch eines braucht länger. Wir können dem Pferd gut zureden und es ermuntern, aber bitte nicht aktiv hinführen oder doch noch den Gegenstand zum Pferd holen. Der Impuls zur Auseinandersetzung soll immer vom Pferd ausgehen! 

Sollte ein Pferd so viel Angst haben, dass es überhaupt keinen Impuls zeigt, sich mit dem Gegenstand zu befassen, kann man selbst ein bisschen etwas damit tun, also es „beschnuppern“, mit dem Fuß berühren usw. Jedes Hinschauen können wir bereits freudig loben. Oft ist es gut, den Gegenstand ruhig noch weiter wegzulegen oder mit etwas zu beginnen, vor dem dieses Pferd keine Angst hat, damit es die Erfahrung machen kann, dass es eine tolle Sache ist, sich mit Dingen zu befassen. 

Das Ziel ist (Selbst-)Vertrauen

Durch diese Vorgehensweise entsteht das, was ich beim Anti-Scheu-Training anpeile: echtes (Selbst-)Vertrauen.

Ein Pferd mit (Selbst-)Vertrauen ist Neuem gegenüber viel aufgeschlossener als eines, das nur gelernt hat, Stressfaktoren zu ertragen. Pferde, die durch ein Anti-Scheu-Training innerlich wachsen konnten, sind verlässlicher auch in vollkommen neuen Situationen und die Chance, dass sie sich in wirklich brenzligen Situationen vom Menschen beruhigen lassen, ist deutlich größer. Mehr zu diesem Thema bietet auch unser Anti-Angst-Kurs.

Foto von Horst Streitferdt

13. März 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Jungpferdausbildung, Umgang, Verhalten, Vertrauenstraining 10 Kommentare »

Das Dankbarkeitsexperiment

Ich denke in diesen Tagen viel über das Thema „Dankbarkeit“ nach. Immer noch unendlich traurig über den Verlust meines Aramis, schöpfe ich mit vollen Armen aus all den Erinnerungen und dem, was er mir schenkte. Ich bin sehr froh, dass ich schon all die letzten Jahre mit ihm sehr bewusst voller Dankbarkeit für jeden Augenblick war. Ich wusste das, was er mir schenkte genauso zu schätzen, wie das, was uns verband und vor allem ihn genauso wie er war. Und ich war mir auch immer klar darüber, dass unser Zusammensein, unser Miteinander und sein Tun für mich nicht selbstverständlich waren und diese Wertschätzung konnte ich ihn in den Jahren mehr und mehr spüren lassen. So wuchsen wir gerade in den letzten Jahren noch mehr zusammen. 

Wenn ich mich nun umschaue und so manche Mensch-Pferd-Paare sehe, möchte ich oft laut rufen: „Hey, statt Dich darüber zu ärgern, dass Dein Pferd falsch im Galopp anspringt, sag‘ doch danke dafür dass es Dich gerade trägt. Und hey, statt damit zu hadern, dass Du immer noch keinen runden Zirkel mit ihm hinbekommst, sag danke, dass Du Zeit mit ihm verbringen kannst! Und hey, statt zu schimpfen, wenn es sich mal wieder gar nicht konzentrieren kann, dann sag ihm doch: Schön, dass es Dich gibt!“ 

Dankbar zu sein verändert viel

Wer das nun für ein bisschen gefühlsduselig hält, hat natürlich recht, denn ich schreibe das aus meinem Schmerz heraus und weil mir mein Großer so sehr fehlt. ABER darüber hinaus steckt darin ein ganz wunderbar praktischer Tipp, der das Zusammensein mit unserem Pferd so viel schöner machen kann! 

Ich höre schon den Einwurf, dass man doch aber nicht einfach über alles hinweg gehen kann und dass man doch zusehen muss, dass man vorankommt… – und ich kann diese Gedanken verstehen. Immer mehr komme ich aber dazu, dass es doch vor allem die Freude an- und miteinander sein sollte, die unsere gemeinsame Zeit prägt und nicht Kritik, Hadereien oder Geschimpfe. 

Das Experiment

Wenn Ihr mutig seid, dann möchte ich Euch zu einem Experiment einladen – „mutig“ deshalb, weil meiner Erfahrung nach Dankbarkeit wie eine Portion Magie sein kann, die alles verändert – aber zum Guten!

Was würde wohl passieren, wenn wir immer dann, wenn wir merken, dass wir uns gerade über unser Pferd zu ärgern beginnen (möglichst nicht erst, wenn wir schon stinksauer sind, aber im Notfall eben auch erst dann) uns selbst zurufen würden:

Wofür kann ich jetzt gerade
Danke! zu meinem Pferd sagen?

Spür doch mal hinein oder besser noch: Probiere es tatsächlich aus. Und wenn Du magst, schreib mir über Deine Erfahrungen. 

Dankbarkeit

Foto von Horst Streitferdt

5. Dezember 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang 15 Kommentare »

Wie finde ich den richtigen Trainer – eine Checkliste

Die meisten kommen wohl über Empfehlungen zu ihren Reitlehrern oder Trainern. Man nimmt meist zunächst den, den auch die Freundin oder der Miteinsteller hat oder geht zu der, die eh im Stall unterrichtet. Für Kurse sucht man dann vielleicht auch mal gezielter nach einem Ausbilder, zum Beispiel zu einem bestimmten Thema oder einer besonderen Reitweise. Und spätestens, wenn der Unterricht nicht so gut läuft, fragt man sich: Wie finde ich jemanden, der besser zu uns passt? 

Das Problem ist, dass viele erstmal gar nicht so recht wissen, worauf sie achten sollen, wenn es um die Auswahl eines geeigneten Trainers geht. Und dafür haben wir Euch mal eine Checkliste erstellt. Hier findet Ihr Reflexionsfragen zu den Punkten, die wir bei der Entscheidung, ob ein Reitlehrer oder eine Trainerin für Euch passt, für wichtig halten.

Wir hoffen, sie ist hilfreich für Euch!

Checkliste Trainerauswahl

17. Oktober 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Engagement und Pferdeschutz, Jungpferdausbildung, Sonstiges 3 Kommentare »

Die Grenze zwischen Nutzung und Missbrauch

Wir werden nicht müde, immer wieder auch darauf hinzuweisen, dass vieles in der Pferdewelt falsch läuft und eine ständige Quelle von Missbrauch gegenüber Pferden ist aus unserer Sicht der Anspruch des Menschen, ein Pferd für seine eigenen Ziele und Vorhaben zu benutzen. Deshalb gehören wir aber nicht zu denen, die die Arbeit mit Pferden gleich komplett ablehnen.

Wie so oft liegt die Wahrheit nicht in den Extremen, sondern in der Mitte und sie gestaltet sich sehr vielfältig. Es ist für uns keineswegs grundsätzlich falsch, ein Pferd zu „nutzen“, ganz im Gegenteil: Gemeinsame Erlebnisse mit Pferden sind etwas Wunderschönes! Aber – und das ist leider das, was oft schiefläuft – es soll für beide Seiten etwas Schönes sein. 

Es kommt immer darauf an…

Nun gibt es keine festen Regeln, an die man sich halten kann, wenn es darum geht, was man von einem Pferd verlangen kann und wann man über seine Grenzen geht, sondern es muss im Einzelfall, je nach Stimmung, Persönlichkeit und Situation immer wieder neu überprüft werden, ob die Erwartung und Forderung des Menschen etwas ist, das das Pferd einlösen mag und kann oder eben nicht. Um hier angemessene Entscheidungen treffen zu können, müssen wir uns freimachen von herkömmlichen Sprüchen wie „Pferde müssen geritten werden!“ genauso wie von den anderen Extremen à la „Jede Arbeit mit einem Pferd ist Gewalt“, um wirklich hinschauen und vor allem hinspüren zu können. 

Es spielen viele Faktoren in die Frage hinein, ob mit einem Pferd etwas getan werden muss oder nicht, wie zum Beispiel: 

  • die Haltung (je pferdegerechter die Haltung ist, desto weniger zwingend ist eine Beschäftigung der Pferde),
  • die Rasse (bei manchen Rassen sind Leistungswille und Temperament Zuchtziele, diese Pferde brauchen eine andere Auslastung als Rassen bei denen vielleicht Gelassenheit und Ruhe Zuchtziele sind),
  • das Alter (sehr junge Pferde brauchen, sofern sie altersgerecht gehalten werden, noch keine Beschäftigung durch den Menschen, sondern sollten möglichst Pferd sein können, während zum Beispiel gerade ältere Pferde nicht einfach vorschnell in Rente geschickt werden sollten, denn für manche von ihnen bricht eine kleine Welt zusammen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden),
  • die Gesundheit (bei gesundheitlichen Problemen sollte noch genauer überlegt werden, was mit einem Pferd wirklich gemacht werden kann und was nicht, gleichzeitig können alternative Aktivitäten mit einem Pferd es gerade bei gesundheitlichen Problemen ablenken, für Freude sorgen und auch nötig für eine Genesung sein),
  • die Persönlichkeit (ein sehr wichtiger und oft entscheidender Punkt, der unbedingt zu berücksichtigen ist!),
  • die aktuelle Situation (wie die momentane Laune und Stimmung (bei Pferd und Mensch) oder besondere Vorkommnisse, die Einfluss auf die Bereitschaft des Pferdes haben, etwas mit uns zu machen)
  • und anderes mehr. 

Es gibt Pferde, die sehr glücklich und zufrieden damit sind, einfach nur Pferd zu sein und sich hin und wieder von ihrem Menschen betüddeln zu lassen. Wenn sie artgerecht in einem funktionierenden Herdenverband leben, nicht übergewichtig sind und kein Reitergewicht zu tragen haben, müssen viele Pferde nicht unbedingt systematisch gymnastiziert werden, um gesund zu bleiben – obwohl Bewegung natürlich grundsätzlich gut ist. Für manche Pferde hingegen ist ein Grundmaß an guter und angepasster Gymnastizierung notwendig, damit sie dauerhaft gesund bleiben. Dann gibt es Pferde, die sich selbst in einer artgerechten Haltung mit Pferdegesellschaft schnell langweilen und unterfordert sind und die einfach ein Stück weit körperliche Auslastung brauchen, um zufrieden und ausgeglichen zu sein. Und viele Pferde nehmen, was kommt, sie genießen Ruhe, aber es macht ihnen auch nichts aus, Dinge für uns zu tun, die sie sonst vielleicht nicht tun würden; in diesen Fällen ist es gut, immer wieder darauf zu achten, dass solche Pferde auch Freudemomente erleben und nicht nur Dienst nach Vorschrift machen. 

Wo beginnt der Missbrauch?

Die Nutzung eines Pferdes ist aus unserer Sicht vollkommen in Ordnung, wenn beide dazu ja sagen, keiner darunter leidet und beide im besten Fall etwas Positives daraus ziehen können. Missbrauch findet für uns dann statt, wenn einer der Beteiligten etwas nicht will und dann mit Gewalt und Druck gezwungen wird.

Wichtig für uns Pferdemenschen ist, immer achtsam für unser Pferd zu bleiben und wahrzunehmen,

  • was es tut, weil es das von sich aus gerne macht,
  • was es für uns tut, aber nicht aus eigenem Antrieb,
  • was es tut, weil wir es ihm schmackhaft machen
  • und was es aus Angst (wovor auch immer) tut oder weil es zu kämpfen aufgehört hat. 

Das Ziel ist Freiwilligkeit

Für uns ist freudige Freiwilligkeit immer das Ziel.

Tut ein Pferd etwas, das wir möchten oder für wichtig halten, nicht, so ist es unsere Aufgabe, Wege zu suchen, die dem Pferd ein Ja zu unseren Absichten möglich machen beziehungsweise müssen wir unsere Erwartungen und Forderungen anpassen.

Hin und wieder wird es im Miteinander von Mensch und Pferd auch Momente geben, in denen wir Menschen unser Pferd zu etwas bringen müssen, das vielleicht wichtig oder gar unerlässlich ist. Je nach Dringlichkeit (z.B. durch Gefahren) ist in solchen Ausnahmesituationen unter Umständen auch Druck angemessen (der ja auch in sehr unterschiedlicher Stärke eingesetzt werden kann).

Dauerhafter Druck hingegen, ein gewohnheitsmäßiger Einsatz von Zwangsmitteln und ständige Gewalt auch im Kleinen sind aus unserer Sicht immer als Missbrauch zu bewerten und damit abzulehnen. 

Nutzung oder Missbrauch

19. September 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 5 Kommentare »

Wer darf hier was sagen?

Den meisten Pferdemenschen ist durchaus klar, dass vieles in der Pferdewelt nicht gut läuft. Gewalt gegenüber Pferden kennt so gut wie jeder und was alles in Sachen Haltung, Zucht oder Spitzensport & Co falsch läuft, wissen wir auch zur Genüge. 

Was aber passiert, wenn denn nun mal jemand den Mund aufmacht und z.B. einen hochgejubelten Ritt einer bekannten Reiterin kritisiert oder auf körperliche Auffälligkeiten eines Spitzenpferdes hinweist oder einen Denkanstoß in einer Runde von Pferdefans in Bezug auf das Gewicht eines Pferdes oder des Reiters macht oder etwas zur Haltung anmerkt oder… oder… oder…? Fast unmittelbar erfolgen Reaktionen wie: „Na, wer bist Du schon, dass Du das beurteilen willst?“ und es wird der Person schnell ein Urteilsrecht abgesprochen, weil sie z.B. nicht selbst Grand-Prix-Reiterin ist oder „nur“ ein Pony hat oder noch nicht einmal ein eigenes Pferd, sondern nur eine Reitbeteiligung… 

Mich stimmt das sehr nachdenklich. Ich selbst bin jemand, der sehr darauf achtet, einen positiven Fokus zu wahren und wenig zu kritisieren, sondern lieber den Blick auf das zu richten, was gut ist. Dennoch müssen auch kritische Gedanken möglich sein. Und, mal ganz ehrlich, wem gestehen wir eigentlich überhaupt ein Beurteilungsvermögen zu? Müssen wir uns mit einer kritischen Bemerkung oder einem Denkanstoß nicht befassen, nur weil die Person, von der das kommt, vielleicht selbst gar nicht reiten kann oder wenn, dann vielleicht nicht besonders gut? Kann ich Hinweise zum Gesundheitszustand meines Pferdes von Personen ignorieren, nur weil deren Pferd selbst krank ist? Brauche ich Bemerkungen von allen, die unter S reiten, gar keine Beachtung zu schenken? Und muss ich denen, die ich nicht leiden kann, sowieso nicht zuhören?

Kritik ist ein schwieriges Thema

Mit Kritik und Ratschlägen ist das ganz grundsätzlich eine schwierige Sache – kaum jemand tut sich leicht, Kritik anzunehmen. Wenn wir all den vielen Nickeleien und/oder Ratschlägen, die man gefragt oder ungefragt bekommt, zu viel Beachtung schenken, weiß man letztlich gar nicht mehr, was überhaupt noch richtig ist. Insofern ist der Impuls, eine gewisse Gewichtung von solchen Hinweisen vorzunehmen und nicht alles an sich herankommen zu lassen, schon richtig.

Es stellt sich hier nur die Frage, WIE wir diese Gewichtung vornehmen – und hier tut vielleicht etwas mehr Bewusstheit Not.

Ich habe z.B. schon sehr wertvolle Hinweise gerade in Bezug auf das Miteinander von Mensch und Pferd von absoluten Laien in Sachen Pferd bekommen, die einfach nur spontan aussprachen, was ihnen durch den Kopf ging. Die wussten nichts über Hilfengebung oder Lektionen, benannten aber vollkommen unbeirrt das Unwohlsein und den Schmerzausdruck eines Pferdes, das gerade geritten wurde oder machten auch mich selbst oft schon sehr nachdenklich, wenn es um meinen eigenen Umgang mit meinem Pferd ging.

Natürlich ist es sehr bequem, Äußerungen vom Tisch zu wischen, indem man der jeweiligen Person zu wenig Kompetenz zuspricht, aber damit ist die geäußerte Sache noch lange nicht falsch. Um zum Beispiel zu beurteilen, ob es in Ordnung ist ein Kind zu schlagen, muss man nicht Erzieher sein und genauso wenig muss man eine S-Dressur reiten können, um beurteilen zu können, ob ein Pferd Schmerzen im Maul durch zu viel Zügelzug oder Sporengebohre hat. 

Tja, nehmt diese Gedanken vielleicht einfach mal als Frage für Euch selbst mit und achtet darauf, wem Ihr welche Kompetenz zu- oder absprecht und WARUM – und ob diese vielleicht unbewusste Einteilung tatsächlich immer auch die beste beziehungsweise sinnvollste ist… 

 

12. September 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Reiten, Umgang 7 Kommentare »

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