Eine tolle Entwicklung – der Erfahrungsbericht von Daniela und Ebony

Hier möchten wir zwei Mails von Daniela mit Euch teilen, über die wir uns riesig gefreut haben. Es liegen anderthalb Jahre zwischen der ersten und der zweiten Mail und wir hoffen, dass sie möglichst vielen von Euch Mut machen, den ganz eigenen Weg zum Pferd zu finden, denn der ist einfach wunderschön!

 

Liebe Babette Teschen,
liebe Tania Konnerth,

Seit ca. vier Monaten arbeite ich mit meinem Pferd nach Ihrem Konzept und bin unglaublich glücklich, dass ich auf Ihre Homepage und die Bücher gestoßen bin.

Letztes Jahr im Juli habe ich mir eine zweijährige Friesenstute gekauft. Am Anfang lief auch alles super. Ebony stand im Offenstall, war ausgeglichen und lernwillig. Wir machten Spaziergänge nur mit Halfter, sie hatte viel Spaß an Zirzensik. Kurz gesagt: es war alles perfekt.

Dieser Zustand dauerte circa drei Monate an. Dann kam leider die Wende. Ebony fing an zu lahmen, sie stand eigentlich nur noch auf drei Beinen. Sämtliche Untersuchungen ergaben keinen Befund, der Verdacht auf einen Haarriss im Röhrbein war aber gegeben. Ebony musste aus dem Offenstall in eine Box umziehen und sechs Wochen fest stehen. Natürlich wurde die Unzufriedenheit immer größer. Als Ebony nach sechs Wochen die Box zur tierärztlichen Untersuchung wieder verlassen durfte, war das nur mit doppelter Sedierung möglich. Plötzlich erschreckte sie sich und trotz Sedierung kam sämtliche überschüssige Energie raus. Sie machte mehrere Bocksprünge und feuert nach hinten aus. Dabei traf sie mich mit beiden Hinterbeinen am Oberschenkel. Mir war im Endeffekt nichts Schlimmes passiert, aber Muskel, Nerven und Gewebe in dem Bereich sind irreversibel kaputt. Seit diesem Tag hatte ich Angst vor meinem Pferd. Ebony spürte diese Angst und fing an, gegen mich zu gehen, und ich fand keinen Ausweg aus diesem Teufelskreis.

Im Januar wechselten wir dann den Stall. Ich stellte Ebony auf die Koppel und fing erst Ende März ganz langsam wieder mit ihr an. Ich habe Ihren Clickerkurs gemacht, das Buch über Bodenarbeit gelesen und auch „10 Wege zu meinem Pferd“. Seit wir diesen Weg eingeschlagen haben, geht es stetig bergauf. Wir konnten gegenseitig neues Vertrauen aufbauen und auch wenn es mal nicht so gut läuft, weiß ich, dass es morgen schon wieder anders aussehen kann. Als ich vor einigen Tagen mit einer Freundin und unseren beiden Pferden spazieren war, regte sich die Stute meiner Freundin plötzlich furchtbar auf, tänzelte rum und war kaum zu bändigen. Ebony machte natürlich sofort mit. Aber mit Kopf senken, Clickern usw. brachte ich sie zur Ruhe. Wir gingen dann vor und pufferten das Ganze ab.

Vorgestern war ich mit Ebony alleine spazieren. Wir trafen auf zwei andere Pferde und sie wollte unbedingt hinterher. Sie galoppierte wild bockend um mich herum. Auch hier konnte ich ruhig bleiben und mein Pferd wieder zur Besinnung bringen. Wir gingen entspannt in den Stall zurück. Noch vor drei Monaten hätte ich mit Ebony vor Angst den Hof nicht verlassen und jetzt können wir sogar solch eine Situation gelassen angehen.
Auf dem Platz arbeiten wir oft mit dem Target-Stick und selbst longieren klappt wieder ohne Probleme. Ihren Longenkurs werde ich demnächst auch noch angehen.

Ich danke Ihnen sehr für diese super geschrieben Bücher und dafür, dass sie sehr viele Denkanstöße für verschiedene Wege geben. Machen Sie weiter so! Ich folge Ihnen auf jeden Fall.

Viele liebe Grüße,
Daniela Fietzek mit Ebony

*****

Liebe Tania,
liebe Babette,

ich hatte euch letztes Jahr im Juni schon mal eine Mail geschrieben und berichtet, dass ich durch Eure tollen Ratschläge wieder einen Weg zu meiner Stute Ebony gefunden habe. Jetzt möchte ich Euch gerne ein Feedback geben, wie es bei uns weitergegangen ist.

Ebony ist jetzt gerade fünf geworden und entwickelt sich super. Wir haben nach dem Longenkurs gearbeitet und auch viele Elemente aus dem Aufbaukurs, wie z.B. Doppellonge und klassische Handarbeit, dazu genommen. Euren neuesten Kurs habe ich natürlich auch schon gekauft und wir fangen gerade Schritt für Schritt mit dem Reiten an.

Selbstverständlich arbeiten wir auch weiterhin an gegenseitigem Vertrauen und sind inzwischen zu einem super Team geworden. Ich habe gar keine Angst mehr vor Ebony und kann jede Situation mit ruhigem Kopf meistern. Auch lange Spaziergänge zu unbekannten Orten sind problemlos möglich. Wir waren im August sogar gemeinsam schwimmen. Das war für mich immer ein großer Wunsch und ich hatte gehofft, dies mit Ebony irgendwann zu schaffen.

Auch mein neunjähriger Sohn kann inzwischen problemlos mit Ebony umgehen. Das freut mich besonders!

Alle zwei bis drei Monate wird Ebony physiotherapeutisch von Philipp Lomax behandelt. Er ist total begeistert über den Muskelaufbau von ihr und sagt, was sie in ein paar Monaten aufgebaut hat, schaffen andere erst in mehreren Jahren. Er hat mich nach dem Ausbilder gefragt und ich habe ihm gesagt, dass ich sie allein nach Eurem Kurs arbeite. Ein großes Lob daher auch von ihm an Euch und die super Übungen. 

Bleibt gesund und macht weiter wie bisher. Ihr seid super!

Liebe Grüße,
Daniela Fietzek

24. August 2021 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Erfahrungsberichte, Jungpferdausbildung, Reiten 1 Kommentar »

Erfahrungsbericht zum Longenkurs von Ann-Sophie

Von Ann-Sophie

Paul ist ein 18-jähriger Haflingerwallach, der 2016 zu mir kam. Er war zu diesem Zeitpunkt kaum nennenswert ausgebildet und geriet zudem sehr schnell in Stress. Generell zeigte er sich ängstlich und skeptisch gegenüber den Menschen. 

Sowohl am Boden als auch aus dem Sattel konnten wir gemeinsam ein gute Basis finden. Vor allem durch die Seitengänge erlangte er Körperbewusstsein, Sicherheit und Selbstvertrauen, sodass sich seine stark ausgeprägte Schiefe langsam ausgleichen ließ und er Vertrauen in die Menschen generell, vor allem aber auch wieder in den Reiter fasste. 

Vor zwei Jahren ging die Leichtigkeit beim Reiten zurück und als den Ursachen auf den Grund gegangen wurde, stellte sich durch einen Röntgenbefund heraus, dass Paul eine leichte Arthrose im linken Fesselgelenk der Vorhand hat. Durch diesen Befund war für mich klar, dass ich ihn nicht mehr reiten möchte, da ich ihm eine zusätzliche Belastung durch mein Körpergewicht nicht zumuten möchte. Wir arbeiteten viel vom Boden aus, doch fehlte mir dabei die Möglichkeit, Paul darin zu unterstützen, seine Haltung zu verbessern. Ich recherchierte viel und stieß auf die YouTube-Videos von Babette. Begeistert von der tollen Laufmanier der Pferde in diesen Filmen war mir klar, dass ich diesen Weg auch mit meinem eignen Pferd gehen möchte.

Im August 2019 besuchte ich Babette auf einem Lehrgang, an welchem ich als Zuschauerin teilnahm. Hatte ich auch vorher schon am Kappzaum longiert, so konnte ich nach diesem Input mit Paul endlich so arbeiten, dass es dem Training vom Sattel aus gleichkam. Ich hatte durch Babette einen Weg gefunden, mit ihm alle Seitengänge auch vom Boden zu erarbeiten. Die Freude, die Paul zeigte, als wir die ersten Schritte Travers an der Longe erarbeiteten, war sehr rührend. Er hatte diese Lektion immer gern gezeigt, und so hatte ich so einen Weg gefunden, sie „auf den Boden“ zu bringen. Dafür bin ich dir, Babette, unendlich dankbar.

Im Oktober 2020 durften wir nun das erste Mal als aktive Teilnehmer am Longenkurs mitmachen und übten vor allem die Seitengänge auf Distanz. Das hat uns beiden großen Spaß gemacht!

Erfahrungsbericht Longenkurs

Erfahrungsbericht LongenkursDa Paul in Situationen, in denen er neue Inhalte kennen lernt, teilweise immer noch Anzeichen von Stress zeigt, fühlte ich mich mit Babette an meiner Seite sehr wohl. Sie forderte nie zu viel von uns/ihm, sondern fand genau jenes Maß an Forderung, das zur Förderung führte und das ich für mein Pferd als angemessen halte.

Erfahrungsbericht Longenkurs

Im kommenden Jahr haben wir das Glück, wieder an einem ihrer Kurse teilnehmen zu können. Darauf freue ich mich sehr. 

Und hier könnt Ihr Ann-Sophie und Paul in einem Film anschauen.

Erfahrungsbericht Longenkurs

 

12. Januar 2021 von Gastautor • Kategorie: Arbeit an der Hand, Erfahrungsberichte, Gesundheit, Longieren, Übungen 1 Kommentar »

Erfahrungsbericht zum Longenkurs Deborah mit ihrem Islandwallach Garpur

Wir haben wieder einmal einen inspirierenden Erfahrungsbericht zur Arbeit nach unserem Longenkurs für Euch: die Geschichte von Deborah und Garpur. Hier könnt Ihr Euch Deborah und Garpur in einem Video auf YouTube anschauen, welches auf dem Kurs bei Babette entstanden ist, und hier kommt ihr Bericht:

 

Verfasst von Deborah Wildegger

Garpur wurde 2007 geboren und 2013 ist er zu mir gekommen. Wir hatten und haben immer ein bisschen mit der körperlichen Losgelassenheit  zu tun (wie bei vielen Islandpferden aufgrund der erhöhten körperlichen Grundspannung, die sie für Tölt und Pass benötigen). Da ich natürlich möchte, dass Garpur möglichst lange gesund bleibt, war ich immer auf der Suche nach einer guten Alternative zum Reiten.

Garpur 2016

Das klassische Longieren mit Ausbindern war mir immer schon ein Dorn im Auge, aber mit Giraffenhals durch die Gegend zu laufen ist ja auch nicht sonderlich gesund. Und so war ich sehr froh, dass ich dann 2016 vom Longenkurs gehört habe. Ich war dann mit Garpur direkt bei einem Kurs bei Lisa Kittler und von da an longenkurs-infiziert. Schon nach der ersten Einheit habe ich gemerkt, wie gut Garpur diese Arbeit tut. Auf ganz sanfte Weise bringt man den Pferden bei, in guter Haltung zu gehen.

Wir begannen mit dem Führen in Stellung, was ich auch jetzt nach den paar Jahren natürlich immer noch ganz regelmäßig mit einbaue und auch fast vor jedem Reiten mache, weil es einfach super zum Lösen ist.

Recht schnell konnte ich dann auf etwas mehr Distanz gehen und Garpur konnte die Haltung auch da im Schritt gut beibehalten und so haben wir bald viel Abwechslung in unsere Arbeit gebracht: Viele Handwechsel, Seitengänge, Anschraten und Schlangenlinien standen auf dem Programm. Auf dem nächsten Kurs mit Lisa Kittler haben wir dann an der Verfeinerung der Seitengänge und an Tempounterschieden innerhalb der Gangarten gearbeitet und wir haben den Galopp dazugenommen. 

Garpur tat sich gerade in den schnelleren Gangarten erstmal schwer, ausbalanciert und in guter Haltung um die Kurven zu gehen. Aber der Longenkurs hat uns genau dabei so gut geholfen. Stück für Stück kann Garpur nun immer geschmeidiger und trotzdem stabil und kraftvoll im Schritt, Trab und Galopp auf Distanz an der Longe gehen. Es macht mir soviel Freude, ihn dabei zu sehen, und nicht nur an der Longe kann er jetzt gesund laufen.

Ab und zu probiere ich etwas Freiarbeit mit ihm und auch da kann er die Hilfen zum gesunden Laufen meistens schon gut annehmen.

Foto von Emma Floßmann,
Insta: magic_specially_moments

Und nicht zuletzt merke ich beim Reiten einen wahnsinnigen Unterschied. Seit ich den Longenkurs mit Garpur mache, geht er auch beim Reiten immer lockerer, ausbalancierter und beweglicher. 

Im August 2020 war ich dann das erste Mal bei Babette zum Kurs. Ich war ganz aufgeregt, aber das war unnötig. 🙂 Garpur hat seine Sache wie immer souverän gemeistert und durch Babettes ruhige, liebe Art konnte ich mich auch schnell wieder beruhigen und wir haben soviel mitnehmen können.

Ich habe viele tolle neue Ideen bekommen, unsere Arbeit fortzusetzen. Die nächste große Aufgabe für uns sind jetzt die Seitengänge auf Distanz. Die haben wir mit Babette auf dem Kurs begonnen und üben jetzt fleißig zu Hause. Ich freue mich sehr, dass wir schon soweit gekommen sind, und bin gespannt auf den nächsten Kurs!

Liebe Babette, vielen lieben Dank, für dieses geniale Konzept  oder auch die Philosophie „Longenkurs“. Ich hoffe, ich kann noch ganz viel bei dir lernen!

Foto von Emma Floßmann,
Insta: magic_specially_moments

Foto von Emma Floßmann,
Insta: magic_specially_moments

Foto von Emma Floßmann,
Insta: magic_specially_moments

Und hier seht Ihr die beiden im Film (Link führt zu YouTube).

13. Oktober 2020 von Gastautor • Kategorie: Erfahrungsberichte, Gesundheit, Longieren 0 Kommentare »

Das Reiten im Ausland

Es gibt immer wieder Themen, über die man am liebsten nicht nachdenken möchte, weil sie zu anstrengend und unbequem sind und sie einem ein schlechtes Gewissen machen – und genau deshalb sind sie so wichtig. Im Folgenden findet Ihr einen sehr berührenden und nachdenklich stimmenden Erfahrungsbericht zum Thema „Reiten im Ausland“ von Teresa Moninger. Teresa hat vor einigen Jahren bei Babette ein einjähriges Praktikum gemacht und ist inzwischen in die USA gezogen, wo sie nun als Yogalehrerin arbeitet. Ihre Liebe zu den Pferden ist ihr dabei nicht verloren gegangen. Aus dieser Liebe heraus hat sie diesen Artikel verfasst, in dem sie ein Thema anspricht, über das nur wenig zu lesen ist, weil es heikel und unbeliebt ist. Ein ziemliches „Spaßbremsen-Thema“, also – um so wichtiger, es anzusprechen.

Ganz grundsätzlich werden Missstände in der Pferdewelt oft nur zögerlich angesprochen, man will ja niemanden auf die Füße treten, weil man selbst auch schon einiges gemacht hat, von dem man genau weiß, dass es nicht okay war. Und wenn es dann noch um den Urlaub geht und um fremde Länder, in denen das Leben aus verschiedenen Gründen ein bisschen anders abläuft als bei uns, wird es noch schwieriger. Teresa hat dieses so wichtige Thema auf eine ebenso persönliche wie differenzierte Weise verarbeitet, so dass ihr Text aus unserer Sicht, die Grundlage für die unerlässliche Portion Selbstreflexion bietet, die wir alle aufbringen müssen, wenn wir echte Pferdefreunde sein wollen, und das, ohne alles nur schwarz-weiß zu zeichnen.

Viele von Euch werden die in diesem Jahr geplanten Urlaube wohl nicht antreten können und so bietet sich in dieser Zeit eine gute Gelegenheit, einmal ganz in Ruhe für sich selbst zu überlegen, wie man in Zukunft mit der Frage umgeht, ob man auch im Ausland auf das Reitvergnügen nicht verzichten will und unter welchen Bedingungen das zu vertreten ist … 

Das Reiten im Ausland

Von Teresa Moninger

Weißer, endloser Strand, wehende Mähnen, das Rauschen des türkisfarbenen, karibischen Meeres neben dir und du im Galopp – eine kitschige, wenngleich auch traumhafte Pferdemädchen-Szene. Ich habe sie selbst erlebt: als Mitreiterin, als Guide und in den Augen der verschwitzten Touristen, deren Pferde ich nach dreistündigen Strand- und Dschungelritten entgegennahm. Ich habe die Pferde für sie abgesattelt, geputzt, gefüttert und auf die Weide entlassen. 

Meine Zeit in Costa Rica

Dort wo ich wohne, gibt es Wildpferde und damit nicht die Möglichkeit, selbst ein Pferd zu halten. Deshalb verlasse ich jedes Jahr im Winter die Insel, auf der ich in den USA lebe, und reise in ein fremdes Land, um mit Pferden zu arbeiten. Dieses Mal war ich fünf Wochen lang in einem kleinen Dorf direkt an der karibischen Küste Costa Ricas. Ein Ort mit Faultieren, Dschungelgeräuschen, Palmen und sehr vielen, vorwiegend deutschsprachigen Touristen. 

Costa Rica hatte ich bisher nur als Backpacker erlebt. Damals sah ich kleine, dünne Pferde am Straßenrand, wie sie Einheimischen beim Treiben der Viehherden halfen. Nach einigen Recherchen stellte sich heraus, dass Costa Rica voll von Pferderanches ist, auf denen sich Reisende ihren Traum von einem Strandritt verwirklichen können. Ein paar Emails später hatte ich einen Job als Volontärin, um beim Pferdetraining und der Pflege von über zehn Pferden zu helfen.

Mir, wie vermutlich den meisten Pferdeinteressierten, war im Vorfeld klar, dass ein Pferd in Zentralamerika ein anderes Leben führt als in einem europäischen Land und dort auch heute noch hauptsächlich als Lasten-, Treib- und Transportmittel dient. Der besonders in Costa Rica immer größer gewordene Tourismus hat ausländische Investoren dazu veranlasst, Strandritte mit Pferden anzubieten. In der Regel werden diese von einheimischem Personal geleitet, welches mit der Sprache und den Örtlichkeiten besser vertraut ist. Die Pferde werden meist mit landestypischer Hakima (entspricht einem Bosal) und Freizeit-Sattel im Westernstil geritten und sind aufgrund des steinigen Bodens sehr häufig beschlagen.

Ein Pferd in Costa Rica kann für circa 350,- Euro erworben werden und lebt, je nach Einsatzzweck, gewöhnlich auf mit einer Stacheldraht umzäunten Weide oder angebunden auf einem Feld. Bei meiner Ankunft fiel mir auf, dass alle Pferde freundlich, aber am Menschen relativ uninteressiert waren, was bei täglich wechselnden Reitern durchaus verständlich ist. Mit Ausnahme der noch nicht eingerittenen Pferde, wiesen alle von ihnen Narben, haarlose Stellen und teils knotige Wunden am Rücken und auf der Nase auf. Besonders der Widerrist, welcher normalerweise weich  in Muskulatur eingebettet sein sollte, war davon betroffen. Er ragte mit deutlichen Verletzungen hervor und sollte daher von mir mit zurecht geschnittenen Schaumstoffstücken oder kleinen Kissen unterpolstert werden. Keiner der Sättel passte den Pferden, alle waren extrem eng am Widerrist, erlaubten kaum Luftzirkulation an der Wirbelsäule und verhinderten somit das Wachsen der Tragemuskulatur. Immerhin wurde die Sattellage von allen Guides gründlich geputzt, was einiges wert ist, einen verschmutzten Sattelgurt und einen unpassenden Sattel allerdings nicht wettmachen kann.

Die Pferde bekamen täglich Pellets und Heu zusätzlich zum Weidegras, dennoch ragten bei vielen die Hüftknochen und sogar die Dornfortsätze hervor. Die Hals- und Rückenmuskulatur war nahezu vollständig atrophiert und in Folge dessen erkannte ich zwei Laufmuster der Pferde: Die einen, welche trippelten, rannten und sehr taktunrein gingen, mit hochgerissenem Kopf und gestressten Augen und die anderen, deren Lauffreude unter dem Reiter nicht mehr vorhanden war. Sie schlurften, ließen sich kaum vorwärts bewegen, selbst wenn der Rest der Gruppe davonpreschte. Sie zeigten seitlich hängende Ohren, zusammengekniffene Kiefer und sorgenvoll ausgehöhlte Augen. 

Ich beschloss nach meinem ersten Ausritt, dass ich so wenig wie möglich daran teilnehmen wollte, und beschränkte meine Pferdearbeit vornehmlich auf deren Wellness. Ich massierte verspannte Pferdekörper, worauf die Tiere erst skeptisch drohend dann kauend mit geschlossenen Augen diese Art der Berührung erlebten und erlaubten. Jedes der Pferde reagierte äußerst druckempfindlich auf Berührungen im Sattelbereich und am Genick und die Hälfte der Pferde zeigte deutlichen Sattelzwang. Dennoch ertrugen sie täglich, ein- bis zweimal gesattelt zu werden, mit der für Pferde typischen und mir fast unbegreiflichen Geduld und Nettigkeit. Würde man mich jeden Tag einer solchen Tortur aussetzen und mir zu kleine Schuhe oder einen unpassenden Rucksack verpassen, so würde ich mich spätestens am Folgetag vehement wehren. Ich versuchte, das Beste aus der Situation zu machen, und ging mit einigen Pferden spazieren und übte ein kleines bisschen Stellung und Biegung vom Boden aus. Da die Pferde wirklich nur geradeaus geritten wurden, war dies etwas völlig Neues für sie. Oft fühlte sich aber jede zusätzliche Arbeit mit den Vierbeinern falsch an, da ich ihnen einfach Ruhe gönnen wollte.

Der von einer Europäerin betriebene Hof bietet zweimal täglich Ausritte in die Berge, in den Dschungel und an den Strand an. Das Können und Alter der Reiter bleibt dabei unbeachtet. Allerdings gibt es laut Besitzerin eine Gewichtsgrenze, die nicht überschritten werden darf.
Nach Aussagen der Besitzerin und des Guides lieben sowohl erfahrene Reiter als auch Einsteiger, einen schnellen Galopp am Strand. Da die Pferde kaum schwungvolle Gangarten haben, lassen sie sich einigermaßen von jedem sitzen. Ich sah Anfänger unsanft im Sattel herumwackeln, doch alle bleiben oben – getragen werden statt reiten …

Ja, es ist ein Traum am endlosen Strand mit einer Gruppe von bis zu zehn Pferden zu galoppieren. Und wenn einer sein bereits gesatteltes Pferd besteigt, ist alles was dann zählt, dieser Traum, der auf Reisen in Erfüllung geht. Dort, wo wir die Welt ohnehin anders betrachten. Und wenn man absteigt, verschwitzt und glücklich, den Kopf und das Handy voller märchenhafter Bilder, dann vergisst man vielleicht, sich bei seinem Pferd zu bedanken. Während die Volontäre sich an das Absatteln machen, jagt man schon dem nächsten Highlight der Reise hinterher. Man hat ja vielleicht nur diese zwei Wochen, um seinem Alltag zu entkommen, und hat diesen teuren Flug bezahlt, um eine Auszeit von seinen Sorgen und Gedanken zu erleben. Ich verstehe das gut und gönne es jedem. Reisen erweitert den Horizont, wir entdecken nicht nur ein fremdes Land, sondern auch ganz unbekannte Wege in unserem Inneren. Das Zeitgefühl ändert sich und unser Nervensystem bekommt neue Reize durch das exotische Essen, eine andere Kultur, fremde Tiere und das warme Klima.

Bezahlbare Träume und die nackte Realität

Ich verstehe, dass sich viele Zuhause das Reiten nicht leisten können und wie verlockend dann so ein im Verhältnis günstiger Ritt im Paradies sein kann. Und ich verstehe auch, dass ein absoluter Pferde-Neuling keinen Blick dafür haben kann, ob ein Pferd gesund ist oder ausgebeutet wird. Was ich aber nicht verstehe ist, warum wir Reiter oder Pferdebesitzerinnen im Ausland unsere Werte bezüglich artgerechten Reitens (falls es das gibt) nicht mit in den Reisekoffer packen. Schaut man hinter die Fassade des netten Reisetraums, dann wird man sie sehen, die Sorgenfalten um Augen und Nase, das Desinteresse am Menschen, die Narben auf dem Nasenrücken, die Taktunreinheiten. Und auch den Satteldruck, den wir nicht übersehen würden, wenn wir beim Satteln oder Absatteln darauf bestehen würden, anwesend zu sein. Anwesend beim Satteln war jedoch keiner der wöchentlich eintreffenden Reitergruppen, die eine Reise über eine der bekannten weltweit operierenden Organisationen gebucht hatten und fast ausschließlich aus Europa und Nordamerika kamen.

Niemand fragte nach den Eigenheiten der Pferde, danach, wie geritten würde oder unter welchen Bedingungen sie gehalten werden. Aber alle kamen pünktlich zum Aufsteigen. Es gab von den Guides keine Einführung zur Art des Reitens oder zur Hilfengebung. Ein Ritt startete mit Aufsteigen, in-den-Bauch-treten und am-Zügel-ziehen zum Lenken und Anhalten. Ich konnte die Hofbetreiberin zumindest davon überzeugen, dass alle Reiter von einem Stuhl aus auf die Pferde stiegen, wenngleich der Guide sich weigerte und mit einem beherzten Satz aufsprang und unsanft auf dem schon loslaufenden, nach Balance suchenden Pferd landete. Ich versuchte den englisch- und deutschsprachigen Reitern kleine Anhaltspunkte zu geben. “Lass sie vorne los, sie schlägt sonst mit dem Kopf”, “Achte darauf dass er nicht ganz vorne in der Gruppe läuft, weil er sich sonst aufregt.”, “Bleib mit der Mutterstute in der Nähe des frei mitlaufenden Fohlens”, “Wirke mit ruhiger Stimme und Sitz auf ihn ein, wenn ein Lastwagen an euch vorbeikommt” – das waren meine kleinen Versuche, ihnen etwas von der Persönlichkeit der Pferde zu vermitteln.

Nachdenken, fühlen und immer wieder neu entscheiden

Was also bleibt zu tun? Sollen wir den Traum vom Strandritt für immer begraben und all die Pferde arbeitslos machen? Was passiert dann mit ihnen? Und sind Pferde, die in einer Gruppe am Strand laufen, nicht vielleicht doch glücklicher als so manches Schulpferd, das seine Kreise in einer staubigen Halle zieht? Tierleid durch Unwissenheit, Geldgier, Missbrauch, Ausnutzung oder aus Armut heraus gibt es überall, in Industrie- wie auch Entwicklungsländern. Und ebenso gibt es überall auch liebende, fürsorgliche, wissende und sensible Menschen, deren Pferde ein artgerechtes und schönes Leben führen und vielleicht trotzdem etwas Geld mitverdienen.

Es geht nicht darum, mit dem Finger von sich weg zu zeigen. Auch ich will das nicht. Ich habe mir mein Essen und meine Unterkunft damit verdient, für eine Frau zu arbeiten, die ihr Geld unter anderem mit Pferden macht. Auch ich habe als Fünfjährige meine Eltern im Türkei Urlaub angefleht, einen Strandritt machen zu dürfen. Und ich durfte. Auch ich bin Schulpferde geritten, deren Leben rückwirkend betrachtet wirklich kein schönes war, hinter Gittern und voller Angst vor der Reitlehrerin. Fühle ich mich schlecht deswegen? Absolut. Genau deswegen spüre ich, wie wichtig es ist, meine Stimme und mein Wissen jetzt dafür zu verwenden, um für die zu sprechen, die uns stumm tragen.

Unsere Nachfrage bestimmt das Angebot. Daher lasst uns die richtigen Fragen stellen und aufmerksam beobachten, was die Pferde uns schon vor dem Buchen eines Rittes erzählen können:

  • Wie ist der Allgemeinzustand der Pferde, ihrer Hufe, Fütterungszustand, Fell?
  • Wie oft und wie lange laufen sie?
  • Haben die Tiere freie Tage?
  • Wie reagieren sie auf ihr Pflegepersonal?
  • Würde ich zuhause auf einem Pferd reiten, das offene Stellen am Rücken hat?
  • Was bin ich bereit zu zahlen?
  • Hat jedes Pferd eine passende individuelle Ausrüstung und lässt sich diese entspannt anlegen? 
  • Werden die Pferde liebevoll vor, während und nach der Arbeit versorgt?
  • Welche Energie herrscht am Anbindeplatz?
  • Welche Erwartungen bringe ich als Tourist und möchte ich diese unter allen Umständen erfüllt bekommen? 
  • Traue ich mich, von einem lahmenden Pferd abzusteigen?
  • Hinterfrage ich, warum mein Pferd unentwegt mit dem Kopf schlägt oder einfach nicht vorwärts gehen möchte?
  • Kann ich die Pferde vor dem Reiten ansehen, wird mir Auskunft gegeben und vermittelt der Besitzer benötigtes Fachwissen?

Das alles klingt nach Arbeit. Und auch noch im Urlaub. Wie war das doch gleich mit Kopf-abschalten und Sich-treiben-lassen auf Reisen? Ich bin sicher, mit etwas Pferdeverstand und ein paar gezielten Fragen und Blicken, erhält man eine Antwort, aus der man seine Schlüsse ziehen kann und sollte.

Ein erleichterndes Kriterium bei der Suche nach der richtigen Ranch, ist das Vorhandensein eines Zertifikats. Um mehr darüber herauszufinden, nahm ich Kontakt zu der Nonprofit Organisation McKee-Jaco in Costa Rica auf. Diese befasst sich schon seit Jahren, neben anderen Tierschutz-Aktionen, mit der Aufklärung von Pferde-Missbrauch durch Tourismus und stellt Hinweisschilder zum Thema Pferdegesundheit an Stränden auf. Ein Mitglied der  McKee-Jaco-Organisation erzählte mir von SENASA, einer Einrichtung, die sich unter anderem für Tierschutz in Costa Rica einsetzt und Zertifikate ausgibt. Hiernach muss jede Geschäftsperson eine Lizenz ( “Patente”) haben. Ein Gesundheitszertifikat, ausgestellt und unterschrieben von SENASA, ist Teil dieser Lizenz. Leider gibt es nach wie vor Unternehmen, die diese Lizenz besitzen, ohne je eine Bescheinigung von SENASA beantragt und erhalten zu haben. Vitamin B ist in Zentralamerika kein Geheimnis. 

Wenn ein englischsprachiger Reiter auf einem gut aussehenden Pferd am Strand Touristen für seine Ritte ködert, ist das eine effektive Masche, oft steht jedoch kein vertrauenswürdiges, lizenziertes Unternehmen dahinter. Und wo kein offizieller Reitbetrieb gemeldet ist, kann laut Costa Ricanischer Behörden auch nicht auf Schließung eines fragwürdigen Unternehmens beharrt werden.

Mit den mir typischen “Ich-will-die-Welt-verbessern”-Plänen war ich angereist, um schon am ersten Tag zu merken, dass ich es langsam angehen muss. Eine weiße Frau gilt in Costa Rica nicht unbedingt als Autoritätsperson und auch sprachlich gibt es Hürden. Ich habe mit den mir gegebenen begrenzten Mitteln  versucht, zumindest kurzzeitig etwas zu verbessern für diese Tiere, die mir so viel bedeuten. Ich habe Gespräche mit der Besitzerin gesucht und wurde abgewiesen. Es sei eben anders hier, sagte man mir. Sie erklärte mir auch, dass Pferde im Gegensatz zu Hunden keine Menschen mögen würden, sondern einzig und allein an Futter interessiert sein.

Ich denke nicht, dass Boshaftigkeit oder Geldgier dahinter stecken, sondern sehr oft Unwissenheit. Und genau da können wir einen Unterschied machen. In kleinen Schritten. Mir ist klar, dass ein Tourenpferd nicht sechs Stunden in Anlehnung geritten werden kann, und mit gymnastizierenden Seitengängen unter Anfängern am Strand entlang traben wird. Es gibt im Dschungel auch weder Platz, noch passende Bodenverhältnisse für einen Longierzirkel. Auch wird kein 3D-Scanner für jedes Pferd einen individuellen Sattel ausmessen. Aber vielleicht kann man einfach das Gespräch suchen, wenn einem auffällt, dass die Tiere Leid erfahren.

Viele Menschen an den Küsten leben vom Tourismus. Sie bauen trendige Cabinas und melden sie bei AirBnB an, und sie lesen die Tripadvisor Bewertungen. Sie wollen, dass die Touristen ihren Ort weiterempfehlen. Also nutze deine Stimme für die Tiere und verlange einen ähnlichen Gesundheitszustand deines Reitpferdes, wie du ihn auch zuhause erwartest.

Was ich für immer mitnehmen werde …

Gegen mein Gefühl bin ich nicht gleich wieder abgereist, aber doch einige Wochen früher als geplant. Neben vielen Momenten, auch wunderschönen, möchte ich den ergreifendsten und zugleich schwersten teilen.

Inmitten dieses Dschungels, in dem Grillen zirpten, erhielt die Besitzerin einen Anruf, dass der Teil der Pferde, der auf einer entfernteren Weide stand, abgehauen sei. Es wurden Straßen im Dunkeln abgesucht und am folgenden Morgen und Mittag liefen wir nach Huf- und Fressspuren suchend durch den Dschungel. Über fünfzehn Stunden waren die Pferde nun schon verschwunden, das Eingangstor aus Stacheldraht halb zerrissen. Die Besitzerin vermutete, ein schon mehrfach ausgebrochener Eselhengst habe ihre Pferde in Panik versetzt und aufgescheucht.

Als wir bis zum Nachmittag keine Spur hatten, wurde beschlossen, dass ein Guide und ich die vermissten Tiere zu Pferd suchen sollten. Ich fühlte mich unfassbar schuldig, da der Guide und ich auf den beiden Pferden saßen, deren Rücken am schlechtesten waren, und doch war die Strecke am Strand und im Dschungel viel zu weit um zu Fuß fünf Pferde zu suchen. Wir ritten genau die Strecke, welche sonst auf der dreistündigen Tour geritten wird, und hatten wenig Hoffnung, so weit von Zuhause ein Lebenszeichen zu finden, besonders weil aufgrund der heißen Außentemperaturen damit zu rechnen war, dass sich die Pferde versteckten. Im Schritt ging es weiter Richtung Fluss, der einzige Ort am Strand, an dem die Pferde nach nun achtzehnstündiger Abwesenheit Wasser hätten finden können. Dann erreichten wir die kleine Lichtung, auf der bei Reittouren stets eine Pause gemacht wird, um den Touristen Kokosnüsse zu öffnen. Und da sahen wir sie. Alle zusammen standen sie genau in dieser Lichtung und schauten uns an. Mein Herz wurde schwer. Freie Pferde, die für einen einzigen Sonnenauf- und -untergang zurückgekehrt waren an einen vertrauten Ort der Ruhe, fernab von Menschen, das ist es, was mir im Gedächtnis bleiben wird. Wir öffneten eine Kokosnuss und während ich ansetzte, um zu trinken, hoben zwei der Pferde ihre Mäuler und wir tranken zu dritt. Ein unvergesslicher Moment.

Wir kehrten mit allen Fünfen als Handpferde zurück, die nach kurzer Überprüfung nur wenige Wunden hatten. Zurück an ihren Arbeitsplatz, an dem sie weder frei noch schmerzfrei sein würden. Wir brachten der besorgten Besitzerin ihre Pferde und Angestellten zurück, die nun nicht verhungern oder im Dschungel von Schlangen gebissen werden würden.

Was wollen wir mittragen?

Ich bin abgereist und habe mich für ein paar Tage an anderen Stränden ausgeruht. Und dort viele weitere Pferde gesehen. Manche wohlgenährter. Manche offensichtlich lahmend mit Touristen auf dem Rücken. Eines unentwegt mit dem Kopf schlagend. 

Es sind keine Einzelfälle. Das kann ernüchternd sein und wir fühlen uns hilflos. Aber dann erinnern wir uns, wie viel wir bewirken können. Wenn wir aufstehen. Aufschreien. Aufzeigen. Nein sagen. Auf unser Gefühl vertrauen.

Verstand, Tierliebe und Wissen passen immer ins Gepäck, wohingegen Nichtstun und Wegsehen schwer auf den Schultern lasten können.

Reiten im Ausland – Wege zum Pferd

30. Juni 2020 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Engagement und Pferdeschutz, Erfahrungsberichte, Reiten 9 Kommentare »

Dran bleiben ist die Devise – ein Erfahrungsbericht zum Longenkurs

Von Heike Kocherscheidt-Riemann
zum 10jährigen Jubiläum des Longenkurses

Longieren ist für Pferde gesund, das war mir schon lange klar, aber wer erklärt es mir richtig, zeigt mir Tricks und unterstützt mich sinnvoll und zwar so, dass es kein reines Zentrifugieren um mich herum wird?

Erfahrungsbericht zum LongenkursIrgendwann schenkte mir eine liebe Freundin den Longenkurs von Babette Teschen und Tania Konnerth zum Geburtstag und dadurch bekam ich langsam einen Plan vom Longieren, zumindest theoretisch. Bald darauf zog ich mit meinem steifen, dickköpfigen, viel zu dicken, mitunter buckelnden Haflinger Flensburger los, um das Longieren in der Praxis bei Babette zu vertiefen.

Anstrengend war es nicht nur für Flensburger, auch ich kam total ins Schwitzen und wir sind erschöpft, aber zufrieden nach Hause gefahren. Wir hatten viel über das Longieren und uns gelernt und Flensburger, der Streber, lief nach 2 Tagen Kurs viel lockerer, schien Gefallen an der Arbeit zu finden und zeigte sich kooperativ.

Aber wie so oft im Leben ist man zunächst hoch motiviert, weiß, dass die Arbeit funktionieren könnte, aber findet keine Zeit zur Fortführung. Auch ich hatte andere Dinge im Kopf und verschob das Longieren von einen Tag auf den nächsten.

Dann suchte Babette Teilnehmerpaare für ihr Projekt Sehen lernen. Ich hab mich mit Flensburger beworben, es schien mir genau das Richtige für uns zu sein. Dadurch hätte ich die Möglichkeit, endlich den Longenkurs dauerhaft in die Praxis umzusetzen und das unter kompetenter Anleitung.

Groß war die Freude, als wir tatsächlich ausgewählt wurden, um an diesem tollen Projekt teilnehmen zu können. Die Paare trafen sich etwa alle sechs Wochen mit Babette. Wir bekamen Unterricht, Anleitungen und Tipps und fuhren mit neuen Anregungen und Hausaufgaben nach Hause.

Erfahrungsbericht zum Longenkurs

Bis zu jedem nächsten Treffen habe ich konsequent mit dem Haflinger gearbeitet. Er wurde dreimal wöchentlich longiert, dreimal wöchentlich leicht geritten und an einem Tag hatte er Pause. Ich weiß immer noch nicht, wie ich das so konsequent durchhalten konnte, schließlich haben wir noch einige andere Ponys hier, die auch bewegt werden mussten. Aber wir haben es geschafft!

Bei allen Treffen wurden Videoaufnamen gemacht, um die Entwicklung der Pferde im Lauf der Zeit zu dokumentieren. Die Aufnahmen dienten auch zur Verwirklichung des Selbstlernprogrammes Sehen lernen. Ich war sehr stolz, an dem Projekt teilhaben zu können, aber noch viel glücklicher, dass ich den faulen, steifen Haflinger und mich in Bewegung gebracht habe. Es hat unendlich viel Spaß gemacht, vor allem, wenn man den Erfolg auch per Videoaufnahmen nachvollziehen kann. Flensburger hat seine Hinterhand aktiviert, tritt unter, hebt die Schultern und sein Rücken schwingt wunderbar mit.

Erfahrungsbericht Longenkurs

Nach 3 Monaten konnte jeder die Veränderung sehen und auch beim Reiten spüren. Seine zwischenzeitliche Buckelei verschwand und aus dem dicken, trägen Haflinger wurde eine kleine Sportskanone. Seit dieser Erfahrung arbeite ich mit allen unseren Pferden nach dem Longenkurs!

Ich kann ihn wärmstens weiter empfehlen. Gebt aber bitte nicht so schnell auf, wie ich bei den ersten Anläufen! Dran bleiben ist die Devise! Von nix kommt nix und von jedem Tag ein bisschen kommt ganz viel!

19. Mai 2020 von Gastautor • Kategorie: Erfahrungsberichte, Longieren 2 Kommentare »

Die Trust Technique – ein Erfahrungsbericht

Bei meinen Praxiskursen zum Longenkurs stelle ich immer fest, dass so eine Teilnahme für viele Menschen und ihre Pferde eine sehr aufregende, ja teilweise auch stressige Situation ist. Deutlich wird dabei auch immer wieder, dass das Verhalten des Pferdes sehr stark von der Ausstrahlung des Menschen abhängt, mit dem es im Augenblick im Kontakt ist. Deshalb arbeite ich bei nervösen, angespannten und widersetzlichen Pferden zunächst vorrangig mit dem dazugehörigen Menschen, sie sind oft der entscheidende Schlüssel. Dabei bemühe ich mich, meinen zweibeinigen Schülern zu einem guten emotionalen Zustand zu verhelfen, in dem es ihnen gelingt, sich zu entspannen, gut zu atmen, schöne Bilder im Kopf zu haben und auf diese Weise eine Ausstrahlung auf das jeweilige Pferd zu haben, die  wiederum diesem hilft, sich ebenfalls zu entspannen und so seinerseits in einen Zustand zu gelangen, indem es lernen und gut mitarbeiten kann.

Es ist einfach eine Tatsache: Pferde spiegeln uns, wir können ihnen nichts vormachen – und genau das können wir auch nutzen, wenn wir bereit sind, an uns zu arbeiten.

Während mir der Zusammenhang zwischen dem inneren Zustand des Menschen und dem des Pferdes immer bewusster wurde, bekamen wir zeitgleich bei „Wege zum Pferd“ in kurzer Folge mehrere E-Mails, in denen uns Leserinnen unabhängig voneinander auf die „Trust Technique“ aufmerksam machten. Bei dieser Methode geht es spannenderweise genau um die Wirkung unserer Ausstrahlung auf unsere Pferde. Und wie es der „Zufall“ dann weiter so wollte, sprach ich darüber während einer meiner Kurse auch mit Alexia Meyer-Kahlen, die sich genau mit dieser Methode seit 2015 befasst.

Alexia ist Pferdebuchautorin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Fachberaterin für Stress-und Burnout. So war Alexia für mich die perfekte Frau für dieses interessante Thema und ich bat sie, einen Beitrag für uns zu schreiben, damit wir diese Methode hier einmal vorstellen können. Ich freue mich sehr, dass sie meiner Bitte nachgekommen ist, und für uns folgenden Gastbeitrag geschrieben hat. Viel Spaß beim Lesen und beim Ausprobieren der praktischen Übung, die Alexia am Ende des Artikels anleitet.

Die Trust Technique  – Heilung und Kommunikation in innerer Stille

Von Alexia Meyer-Kahlen

Ich bin im Sommer 2015 auf „Trust“ gestoßen, als ich mit meinen beiden Pferden in einem Pensionsstall stand, in dem es viele Probleme gab – unter anderem eine chaotische Herdenintegration, die dazu führte, dass meine Stute ständig bestiegen und der Wallach von den anderen Pferden nicht ans Heu gelassen wurde. Also Stress pur für die Pferde. Als wir ihnen in dieser Situation das „Trust“-Gefühl anboten, sogen sie es auf wie ein Schwamm und wurden zusehends sicherer und gelassener. Auch benutzten wir die in der Trust Technique  integrierte Tierkommunikation, um den Pferden Bilder von ihrem neuen Zuhause zu schicken, das wir in dieser Zeit für sie bauten. Als die Beiden Anfang Oktober endlich umziehen konnten, war es, als hätten sie niemals woanders gelebt.

Die Trust Technique  (trust-technique.com) ist laut ihrem Erfinder, dem englischen Reiki-Meister James French, im Wesentlichen eine Achtsamkeitspraxis des Menschen mit seinem Tier. In Stille gemeinsam in den gegenwärtigen Moment einzutauchen, öffnet einen Raum jenseits unserer alltäglichen Grübeleien und Emotionen. Einen Raum, in dem wir einfach gemeinsam DA SEIN können. Wir kommen in einen Zustand inneren Friedens. Wenn wir mit unserem Pferd diesen Frieden immer wieder teilen, kann sich mit der Zeit Angst in Vertrauen wandeln. Ruhe kehrt ein. Alte Wunden können heilen. Die Vertrauensbasis, die sich so aufbaut, wird sich auch auf andere Bereiche des gemeinsamen Lebens auswirken.

James French ist ein hervorragender Didaktiker, der sich bemüht, die Dinge einfach darzustellen. Mit Hilfe von drei Sinnesankern für die innere Ausrichtung (siehe nachfolgende Übung) findet man in die gedankenfreie Erfahrung inneren Friedens. Den Pferden ist dieser Zustand aus ihrem sozialen Leben vertraut und sie stimmen sich schnell ein. Das führt zu einer merklichen Entspannung: Der Blick des Pferdes wird weich, es senkt den Kopf, schließt die Augen. Irgendwann legt es sich sogar hin und fällt in einen tiefschlafähnlichen Zustand, in dem laut James French nachhaltige Heilung geschehen kann.

In den 15 Jahren, in denen es sie jetzt gibt, entwickelte sich die Trust Technique  immer weiter. Man kann sie in einem umfangreichen Online-Videokurs erlernen (allerdings nur auf Englisch), irgendwo auf der Welt den Trust Technique I have a dream – Schnuppertag besuchen oder James und seine Frau Shelley dabei antreffen, wie sie mal wieder einem Tierschutzprojekt ihre Dienste kostenfrei zur Verfügung stellen. Neben Pferden, Hunden und Katzen arbeiten sie auch mit Löwen und Bären. In England ist der „Trust-Practitioner“ mittlerweile sogar ein offiziell anerkannter Abschluss.

Seit fast dreißig Jahren begleitet Achtsamkeitspraxis mein persönliches Leben. Ich  kann mir das Zusammensein mit Pferden nicht mehr anders als auf dieser Basis vorstellen und bin immer wieder überrascht und bezaubert von der unaussprechlichen Tiefe, die sich im stillen Miteinander öffnet. Meine Stute holt sich ihre „Meditationseinheiten“ regelmäßig ab, indem sie sich einfach neben mich stellt und in ihre innere Ruhe geht. Als wolle sie mich dazu auffordern, dasselbe zu tun. Durch das Praktizieren von “Trust“ verändert sich grundlegend etwas im Pferd-Mensch-Verhältnis.


Fotos von Rachel E. Jackson

Der Trust-Ansatz ist von seiner Ausrichtung her eher passiv. Mir persönlich fehlte irgendwann ein Anschluss zu all den anderen Facetten des Zusammenseins mit dem Pferd, der über eine allgemeine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ hinausging. Ich habe mir einen achtsamkeitsbasierten Ansatz gewünscht, der mich nicht nur ins Sein, sondern auch ins Tun mit dem Pferd, etwa in die Boden- oder Freiarbeit, konkret begleitet. Einen solchen habe ich seither sowohl bei Stefan Valentin („Feine Sprache“) als auch bei Elsa Sinclair („Freedom Based Training“) gefunden, die jeder auf ihre Weise das gemeinsame Da-Sein in innerer Ruhe als ein wesentliches Element in ihre Pferdearbeit integriert haben. Die Trust Technique  ist für mich aber nach wie vor ein schöner und tiefer Weg des in Stille verbundenen Zusammenseins mit dem Pferd, der wechselseitige Heilung und Kommunikation fördert.

Übung: Ganz entspannt im Hier und Jetzt

In der Trust Technique  gibt es zwei grundlegende Stufen:

  • Auf der ersten Stufe machen wir erst uns und dann unser Pferd mit dem Zustand der Gegenwärtigkeit vertraut.
  • Auf der zweiten Stufe versuchen wir, den Zustand des inneren Ruhens im Hier und Jetzt in alles zu integrieren, was wir ohnehin mit dem Pferd so machen.

Der Zustand von Gegenwärtigkeit / reiner Präsenz / einfachem Da-Sein (oder wie immer wir ihn nennen wollen) ist ein innerer Raum, in den viele Wege und Türen führen. Die folgende Übung zeigt dir den Zugang, wie er in der Trust Technique  beschrieben wird.

Im Gegensatz zu deinen kreisenden Gedanken und aufflackernden Gefühlen, mit denen du an dem hängst, was war und auf das spekulierst, was wird, ist dein Körper der Teil von dir, der immer gegenwärtig ist.  Wenn du dich innerlich ganz auf den Körper mit seinen Sinnen ausrichtest, ankert er dich automatisch im Hier und Jetzt.

  1. Setze, stelle oder lege dich bequem und entspannt hin.
  2. Konzentriere dich nun darauf, deinen Körper so ruhig wie möglich zu halten.
  3. Dann lasse deine Augen mit weichem Blick auf einem Punkt etwa zwei Meter von dir entfernt ruhen.
  4. Dann lausche einem Geräusch, das dich gerade umgibt.
  5. Dann spüre in den Kontakt deiner Hände zum Untergrund, auf dem sie gerade aufliegen.
  6. Versuche nun, dich auf diese drei Sinneskanäle (Sehen-Hören-Empfinden) gleichzeitig zu konzentrieren.
  7. Verweile absichtslos in dem, was hier und jetzt ist.
  8. Wenn du merkst, dass ein Gedanke deine Ausrichtung unterbricht, kehre einfach wieder zum Sehen-Hören-Empfinden im gegenwärtigen Moment zurück. 

Im Gefühl der reinen Präsenz zu verweilen, braucht Zeit. Wenn du dich mit der beschriebenen Übung etwa eine Woche lang für mindestens 5 Minuten am Tag vertraut gemacht hast, kannst du sie einfach mal in Gegenwart deines Pferdes ausführen. Am besten zu einer Zeit, in der es ohnehin eine Ruhephase hat.

Du setzt oder stellst dich in seine Nähe, ohne es anzuschauen. Und begibst dich dann mit Hilfe der Konzentration auf die drei Sinneskanäle in einen Zustand von Gegenwärtigkeit. Vielleicht nimmt das Pferd deine Einladung, gemeinsam still zu werden, gerne an und hilft dir mit seiner Gegenwärtigkeit, deine eigene zu vertiefen. Irgendwann öffnet sich ein Raum, in dem ihr beide ganz eins seid. Bleibe darin, so lange du und dein Pferd es mögen.

Tipp: Auf meiner Webseite achtsamkeit-am-pferd.de findest du kostenlose Audio-Downloads für zwei weitere Übungen, um in einen Zustand innerer Ruhe zu finden: Atem beobachten (ca. 15 min.) und Körper scannen (ca. 30 min.) Die Übungen entstammen dem Buch „Feine Sprache. Die tiefe Verbindung zum Pferd und zu sich selbst“, das ich gemeinsam mit Stefan Valentin geschrieben habe. Es erscheint im Müller-Rüschlikon Verlag am 19.9.19.

Alexia Meyer-Kahlen ist Pferdebuchautorin, Psychosynthesetherapeutin und Achtsamkeitslehrerin für Mensch und Pferd. (alexia-meyer-kahlen.com)

 

Hinweis: Wir verzichten in dem Text auf das „®“ hinter dem Namen mit Hinweis auf diesen Artikel, in dem ausgeführt ist, dass die Verwendung des „®“  in Deutschland nicht erforderlich ist.  

17. September 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Erfahrungsberichte, Sonstiges, Übungen, Umgang 10 Kommentare »

Longieren macht Spaß – ein Erfahrungsbericht zum Longenkurs

Von Lea Hogrewe zum 10jährigen Jubiläum des Longenkurses

So schnell sind zehn Jahre um! 2008 habe ich das erste mal vom Longenkurs gehört und gelesen. Schnell stand fest, das möchte ich mir mal in echt anschauen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte meine Familie mehrere Pferde, unter anderem eine Haflingerstute, mit der ich auf Turnier ging und die sich nicht „normal“ longieren ließ. Versuchte man es, rannte sie in schräger Motorradhaltung und mit viel Stress in sehr hohen Tempo um einen herum. Losgelassenheit und Freude waren da nicht zu finden. So wollte ich nicht longieren und so ritt ich sie eher, als dass ich Bodenarbeit machte.

Dann gab es einen Kurs in meiner Nähe. Zwei Stunden Fahrtzeit ist immer noch nahe bei meinem Wohnort! Es war einfach nur faszinierend: Da stand Babette und strahlte eine Ruhe und Souveränität aus, die mich sehr beeindruckte. Diese Ideenvielfalt, die der Longenkurs bietet, und das individuelle anpassen an Pferd und Mensch waren einfach für mich zu dem Zeitpunkt unbeschreiblich. Für jedes Problem hatte Babette eine Lösung und es herrschte eine Empathie, die ich immer bei der „konventionellen“ Methode vermisst habe.

Ein Erlebnis ist mir in diesem Kurs sehr in Erinnerung geblieben. Es hatte ein Herr mit seinem Friesen teilgenommen. Der Friese war recht dominant und sehr unzufrieden. Der Mann berichtete, dass das Pferd zuhause ausgebunden aus dem Longierzirkel gesprungen ist und er gerne einen besseren Weg für das Pferd gehen möchte. Am Anfang des Kurses war es nur ein Kampf zwischen den beiden. Das Pferd biss, der Mann schimpfte und buffte. Babette hatte auch für die beiden gute Vorschläge und so wurde es im Laufe des Kurses immer besser. Der Mann hat zu Beginn nicht einmal sein Pferd gelobt, so sehr hatte er die Zähne aufeinander gebissen. Am Ende der zwei Tage war eine Harmonie zwischen Mensch und Pferd entstanden, dass ich beim Schreiben immer noch Gänsehaut bekomme! Der Satz der mich am meisten beeindruckt hat war von dem Mann: „Endlich hat mir mal jemand gezeigt, wie ich ihm zeigen kann, dass er etwas gut macht.“

Nach diesem Kurs war ich Feuer und Flamme, eine alte Matratze wurde zerschnitten für Gassen und ein Kappzaum gekauft. Meine Stute war erst skeptisch, was das denn nun wieder sollte. Doch sie verstand und es kam immer mehr Ruhe in die Longeneinheiten. Ich lernte meinen Blick zu schulen und ihn liebevoll aufs Pferd zu richten. Beim Reiten wurde mir plötzlich perfektes Zügel-aus-der-Hand-kauen geschenkt, was immer mal ein wenig Schwierigkeiten gemacht hatte.

Ich besuchte weiterhin jedes Jahr mindestens einmal einen Kurs als Zuschauerin bei Babette und habe jedes Mal viele tolle Eindrücke und Ideen mit nach Hause nehmen können.

Dann kam 2009 mein großes Pferd zu mir. Schwierig und manchmal gefährlich war sie am Boden und im Sattel. Auch hier hat mir der Longenkurs unglaublich viel Unterstützung geboten. Es gab tatsächlich für jedes Problem einen, meist sogar mehrere Lösungswege! Ich lernte kleinschrittig zu denken und meine Einheiten sinnvoll aufzubauen. Doch ganz wichtig: Es macht Spaß ohne Ende und ich erfreue mich immer an meinen Pferden!

Erfahrungen zum Longenkurs

Ein paar Jahre später war ich wieder auf einem Kurs und eine Dame zeigte mit ihrem Pferd eine eindrucksvolle Einheit. Es gab ein „Aus-der-Ecke-kehrt“ mit einfachem und später mit fliegendem Galoppwechsel. Dies beeindruckte mich zutiefst. Diese Leichtigkeit, mit der die Dame und ihr Pferd zusammen Dinge taten, war sehr schön anzusehen.

Dann bei einem Kurs bekam ich die Erarbeitung der gelockten Seitengänge zu sehen. Ich kannte es nur, dass von einem weg gearbeitet wurde. Damals dachte ich mir, wenn ich Bilder davon gesehen hatte, wenn Babette es zeigte: „Ok, Babette’s Pferde machen das, aber mit einem anderen klappt das bestimmt nicht“. Dann durfte ich es erleben und war begeistert. Als ich später aktiv an einem Kurs teilnahm und wir diese Seitengänge erarbeiteten und mein Pferd da einfach sagte: „Ok, kann ich, was soll ich jetzt machen?“ war ich stolz auf mein Pferd und froh, den Longenkurs und Babette auf meinem Weg kennengelernt zu haben.

Vielen Dank für den Longenkurs! Ohne ihn würden meine Pferde mir nicht so vertrauen und ich wäre mit meinem Wissen und meinem Werdegang nicht dort, wo ich jetzt bin. Danke!

Danke an Babette für ihre Kurse! Ohne diese eindrucksvollen Veranstaltungen würde der Pferdewelt ein großes Stück Fachwissen und Herz fehlen. Auch als Zuschauer ist man immer willkommen und bekommt einen großen Schatz an Wissen an die Hand. Danke!

Vielen Dank, ohne den Longenkurs würde ich nicht da stehen, wo ich jetzt bin. Danke, dass ich mich weiterentwickeln, sanfter, verständnisvoller und pferdegerechter werden durfte! Ich habe durch den Longenkurs viel über mich selbst, meine Pferde und die gemeinsame Freude gelernt und erlebt!

Erfahrungen zum Longenkurs

28. Mai 2019 von Gastautor • Kategorie: Erfahrungsberichte, Jungpferdausbildung, Longieren 1 Kommentar »

10 Jahre Longenkurs oder: Neue Wege sind nicht immer leicht

Arbeit nach dem Longenkurs

Babettes Longenkurs gibt es jetzt seit 10 Jahren.

Zu diesem Jubiläum haben wir unsere Leserschaft nach Erfahrungsberichten zur Arbeit nach dem Longenkurs gefragt und dazu sind uns ganz wundervolle Texte und Fotos geschickt worden. Dafür ein dickes Dankeschön für alle Einsendungen und Gratulationen, wie beispielsweise die von Daniela und ihrer Stute links auf dem Foto 🙂 

Aus einigen Erfahrungsberichten werden wir noch extra Blogbeiträge machen, doch an dieser Stelle möchten wir schon mal ein paar Ausschnitte und Bilder mit Euch teilen. Wir hoffen, dass diese Euch Mut machen, wenn es mal nicht so gut vorangeht, oder auch neugierig, falls Ihr diese Arbeit selbst noch nicht kennt. 

Als erstes möchten wir Victorias Video mit Euch teilen. Ihre Geschichte hat uns sehr berührt und sie zeigt, was für ein wunderschöner Weg die Arbeit nach dem Longenkurs sein kann. Klickt hier oder direkt auf das folgende Bild, um Euch den kleinen Film bei Youtube anzuschauen:

Video 10 Jahre Longenkurs

Henrikje hat uns dann mit einer sehr berührenden Offenheit geschrieben, was sie mit dem Longenkurs verbindet: „Die Frage ist schwierig zu beantworten, tatsächlich würde ich sagen, der Longenkurs ist unbequem. Denn er ist für mich wirklich unbequem gewesen, diese Selbstreflexion, das ständige Hinterfragen und dann hat auf einmal auch das Pferd eine Meinung. Eiieiieii, ich sag euch, das war schockierend. Denn mein Training war bis dato schockierend … „ –  und damit trifft sie wohl einen der entscheidendsten Punkte: Der Longenkurs ist keine reine „Trainingsmethode“, sondern er ist eine Einladung und auch eine Aufforderung, unser eigenes Tun zu prüfen und zu hinterfragen. Er ist für die allermeisten ein neuer Weg.

Arbeit nach dem LongenkursAm einfachsten haben es sicher diejenigen, die schon in jungen Jahren eine „andere“ als die herkömmliche Herangehensweise im Umgang mit Pferden kennen lernen konnten und deshalb gleich neu- und weniger um-lernen mussten, wie zum Beispiel Carina, die unseren Longenkurs mit 15 entdeckte, hier rechts in der Anfangsphase zu sehen. 

Für diejenigen von uns, die in normalen Reitschulen groß geworden sind, ist der Weg oft schwieriger. Und das kann unter Umständen zu  Unsicherheit und Frust führen, denn rückwirkend zu erkennen, dass manches nicht so gut war, was man gemacht hat, kann auch lähmen. Die meisten treffen irgendwann auf die Frage, wie man denn nun damit umgehen soll, wenn ein Pferd nicht mitmachen will und man eben keine Gewalt anwenden will. Bisher schien die Antwort klar: man setzt sich durch, … aber genau das will man ja nicht mehr tun. Da fragt sich manch‘ einer möglicherweise sogar, ob man überhaupt noch etwas mit Pferden tun sollte und stellt für den Moment vielleicht alles in Frage. Ja, ein neuer Weg wirft immer auch viele Fragezeichen auf…

Unsere Antwort darauf war nie, Pferde einfach in Ruhe zu lassen, wenn sie nicht mitmachen wollen, sondern unsere Anregungen zielen konsequent darauf, ein freudvolles Miteinander von Mensch und Pferd zu erreichen, also ein Training, das beiden Spaß macht. Das ist und bleibt auch eines der Hauptziele der Arbeit nach dem Longenkurs. Denn: Es gibt sie, die schönen Wege, das echte Miteinander und die Freude am gemeinsamen Tun! Und wer Babette in ihren Kursen mit den Pferden erlebt, kann immer wieder sehen, wie sie auch solche Pferde wieder ins „aktive“ Leben holen kann, die eigentlich schon dicht gemacht haben. 

Also, ja, der Longenkurs kann anstrengend sein, für Körper, Geist und Seele – aber er ist bei weitem NICHT NUR anstrengend, sondern im Gegenteil: Diese Arbeit ist in der Folge dann eben auch gewinnbringend für Körper, Geist und Seele zusammen – und das bei Mensch und Pferd.

Ein neuer Weg kann zu viel Wundervollem führen, das man sonst nie erlebt hätte! 

Arbeit nach dem LongenkursFeedbacks, wie das von Beate: „Du mit deinem Training, Babette, damals noch auf deinem Hof, ganz für mich allein ;-), ganz intensiv und Tania mit ihren Gesprächen, Ihr habt mich im Laufe der Zeit völlig umgekrempelt.“ oder von Helen: „… Irgendwas fehlte da noch für die gute Laufmanier, ich wusste einfach nicht weiter, bis der Tag X kam, ich las einen Bericht von Babette (…), wie die Pferde gesund laufen lernen, an der Longe (…) Ich war sehr begeistert, verschlang buchstäblich alles von ihr und dann probierte ich es aus, und die Pferde liefen einfach viel schöner, auch gerade in der Volte (und nicht mehr auf der Vorhand wie ein Motorrad) konstanter an der Longe, es war kaum zu beschreiben.“ zeigen, dass sich das Umlernen und Dranbleiben wirklich lohnt. 

Claudia  geht noch auf einen weiteren Punkt ein: „Für mich tat sich eine neue Welt auf und ich begriff, wie viel Spaß es macht, mit dem Pferd gemeinsam vom Boden aus zu arbeiten.“ Tatsächlich liegt für viele der Fokus des Zusammenseins mit Pferden vor allem beim Reiten, aber nicht alle Pferde können oder wollen geritten werden, manchmal nur phasenweise nicht, manchmal auch dauerhaft. Und auch uns Menschen tut es oft gut, nicht nur auf das Reiten fixiert zu sein, vor allem dann, wenn wir immer mal wieder auch mit Ängsten zu tun haben oder merken, dass unser Ehrgeiz nicht immer kontrollierbar ist. Der Longenkurs bietet ein sinnvolles, gesundheitserhaltendes und fitness-förderndes Miteinander, das Freude macht – und führt letztlich durchaus oft auch wieder zurück zum Reiten und zwar auf eine für beide Seiten gute Art.

Ganz besonders freuen uns auch immer wieder die vielen Geschichten, in denen die Arbeit nach dem Longenkurs kranken Pferden helfen konnte. Stellvertretend dafür  ein Foto von Katharinas Aramis, bei dem kurz nach dem Kauf das Kissing-Spines-Syndrom diagnostiziert wurde. Heute schreibt sie: „Nicht nur Aramis, sondern auch mir hat unser anfangs oft steiniger Weg geholfen, da ich heute deutlich selbstbewusster und strukturierter an unser Training gehe und wir eine gute und abwechslungsreiche Mischung haben, unsere Zeit miteinander zu gestalten. Wir haben uns gemeinsam weiterentwickelt, sind zusammen durch Höhen und Tiefen gegangen und genießen heute endlich unbeschwert und ohne viele Gedanken an das KSS unsere gemeinsame Zeit.“

Arbeit nach dem Longenkurs

Und zum Abschluss haben wir noch ein tolles Gedicht, das uns Carolin geschickt hat: 

Als der Longenkurs 2008 erschien,
dachte ich sofort: “Das ist was für ihn!“

Ihr fragt euch, für wen? Wofür?
Na, für meinen Islandwallach Birtingür!

2002 lernte ich diese gute Seele kennen,
ab 2005 durfte ich ihn mein Eigen nennen.

Wir waren beide in den besten Jahren,
sind von Turnier zu Turnier und von Kurs zu Kurs gefahren.

Aber schon nach kurzer Zeit hab ich kapiert,
mein Pferd braucht etwas andres, damit es wieder fröhlich galoppiert!

Der arme Kerl war ganz tief in sich gekehrt,
hat sich schon bald gegen nichts mehr gewehrt.
Hat sich bei allem nur noch fest gemacht,
und Frauchen hat kaum noch gelacht.

Reiten war keine Freude mehr,
also musste eine Alternative her.

Der Longenkurs kam gerade zur rechten Zeit,
das damalige Forum dazu hat uns befreit!

Anfangs taten wir uns schwer,
wir kannten nichts Entspanntes mehr.
Doch als ich das Clickern noch begann,
war es für uns der Neuanfang!

Birtingur lernte sich zu freuen,
sagte endlich JA zu allem Neuen!
Konnte traben wie ein großer Held,
aus dem Kopf war der feste Tölt!

Auch neue Freunde traf ich beim LK,
die wohnten sogar ganz nah!

Aber nicht nur Birtingur durfte profitieren,
auch mein Jungpferd konnte ich inspirieren!
Mit dem Longenkurs begann er seine Karriere,
– ob er ohne ihn auch schon so weit wäre?!

Meine eigene Persönlichkeit hat sich ebenfalls sehr entfaltet,
die Arbeit mit dem Pferd habe ich vollkommen neu gestaltet.
Wir sagen sehr oft ja zueinander,
gehen alle Wege MITeinander.

Lieber Longenkurs, wir danken dir so sehr!
Das Leben gibt uns mit dir so viel mehr!

10 Jahre Longenkurs

In diesem Sinne: Auf die nächsten 10 Jahre Longenkurs! 

16. Oktober 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erfahrungsberichte, Erkenntnisse, Jungpferdausbildung, Longieren 4 Kommentare »

Sure Foot© – The Murdoch Method

In der letzten Woche hatten wir Besuch von Pferde-Physiotherapeutin Brinja Riedel. Sie stellte uns die Sure Foot© Pads vor. Dabei handelt es sich um ein ausgefeiltes System aus verschiedenen Schaumstoffpads in unterschiedlichen Stärken. Die „Arbeit“ mit diesen Pads besteht allein darin, dass sich das Pferd darauf stellt – und das schien uns ein ideales Testfeld für Tanias Anthony zu sein, der sich mit Bewegung im Moment sehr schwer tut. 

Brinja ließ zuerst uns die Pads ausprobieren: 

Und dann durfte Anthony die Sache prüfen. 

Wie man sehen kann, war er recht angetan von der Sache:

Wir haben Euch hier einen Film von der Demo zusammengestellt, der sehr anschaulich zeigt, wie man die Pads einsetzt und wie interessiert und aktiv Anthony mitmacht. 

Es ist wirklich erstaunlich und faszinierend zu erleben, was das alleinige Stehen auf den Pads im Körper bewirkt. Neben der (Mikro-)Muskeltätigkeit für das Ausbalancieren werden das Körpergefühl, das Stehen und das Gehen zerebral neu wahrgenommen und organisiert. Die Pferde lernen, ihren Körper besser zu spüren. Die wohltuende und entspannende Wirkung und das Miteinander ohne jeden Druck (denn allein das Pferd entscheidet, worauf es seine Füße stellen mag und auch wie lange es auf den Pads stehen möchte) führen zu einem sehr innigen Zusammensein von Pferd und Mensch. Wir sind schon sehr gespannt auf die weitere Entwicklung mit Anthony und werden darüber sicher noch berichten.

An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Brinja Riedel für ihre tolle und einfühlsame Arbeit. Brinja gibt Workshops für Pferde-Physiotherapeuten und Pferdebesitzer, so dass jeder die Pads auch einmal für sich und sein Pferd ausprobieren kann – mehr Infos unter www.murdochmedthod.de

Brinja vertreibt die leider sehr hochpreisigen Pads selbst nicht, zu beziehen sind sie aber über www.petphysio-shop.de. Günstigere Alternativprodukte aus dem Humanbereich eignen sich für den Einsatz mit Pferden aufgrund der geringen Haltbarkeit nur bedingt. 

7. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Anatomie und Körper, Erfahrungsberichte, Gesundheit, Spiele & Co, Übungen 10 Kommentare »

Wo Pferde unter Regenbögen warten – oder: Ein Coaching auf La Palma

Ich war mal wieder in Sachen Coaching unterwegs und hier kommt ein kleiner Bericht über meine Tage bei Birgit und ihrem Giaco.

Birgits Coaching-Anfrage kam im grau-kaltem November und spontan entschied ich, drei Tage später zu ihr nach La Palma zu fliegen – der Sonne entgegen! Schon vor einigen Jahren war Babette bereits zu Birgit nach La Palma zum Longentraining gereist und so war Birgits Anliegen in ihrer Mail zunächst auch vor allem das Longentraining gewesen. Aber schon im ersten Gespräch auf der Autofahrt vom Flughafen zu meiner Unterkunft formulierte sie den eigentlichen Wunsch für das Coaching, nämlich mehr Leichtigkeit und Freude – also Lieblingsthemen von mir!

Das Pferd unter dem Regenbogen

Es begann wie im Märchen: als wir gleich am frühen Abend meiner Ankunft die Pferde besuchen gehen, begrüßte uns ihr Giaco unter’m Regenbogen:

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Birgit, gestandene Pferdefrau mit jahrzehntelanger Pferdeerfahrung, hat zur Zeit zwei Pferde: den zwölfjährigen PRE Giaco und den zweiunddreißigjährigen Traber-Mallorquin-Mix Tizon. Den Dritten im Bunde, Alazan, musste sie leider vor kurzem gehen lassen. 

Tizon und Giaco leben auf einem traumhaften Grundstück mit viel Platz, einem tollen Blick aufs Meer und einer Versorgung, die sich wohl kaum ein Pferd besser wünschen könnte. 

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Über die (nicht immer positive) Macht der Gewohnheit

Wann immer ich zu einem Pferd-Mensch-Paar komme, habe ich dem Eigentümer gegenüber einen ganz entscheidenden Vorteil: Es handelt sich nicht um MEIN Pferd, sprich: ich habe keine Beziehung zu dem Pferd. Folgerichtig bin ich unbelastet und offen und nehme nichts als selbstverständlich an. So ist es mir möglich, zunächst vollkommen ohne Erwartungen und ganz behutsam und respektvoll mit dem Pferd umzugehen und darauf reagieren die Pferde ausnahmslos positiv.

Ich bin mir sicher: Könnten wir uns immer wieder in den Zauber des Erstkontakts bringen, würden sich sicher die allermeisten Probleme, zu denen es im täglichen Umgang und Training kommt, gar nicht erst zeigen. Aber, wir alle sind nur Menschen und so geraten wir in dauerhaften Beziehungen fast alle in gewisse Muster, die sich leider negativ auf das Miteinander auswirken können. 

Meine Aufgabe im Coaching besteht also ganz oft darin, solche hinderlichen Muster anzusprechen und sichtbar zu machen. Es ist sehr schwer, immer selbst zu erkennen, warum sich manches im Zusammensein mit dem Pferd mit der Zeit immer unschöner anfühlt. Und genau da hilft ein einfühlsamer und achtsamer Blick von außen oft weiter.

Wenn sich immer mehr nicht mehr gut anfühlt

In vielen Mensch-Pferd-Beziehungen spielen sich mit den Jahren bestimmte Verhaltensmuster ein, ganz ähnlich wie auch in zwischenmenschlichen Beziehungen. In positiver Hinsicht sind das z.B. solche, die Vertrauen zeigen oder solche, durch die man sich ohne große Worte und Gesten versteht. In negativer Hinsicht lassen aber manchmal auch die Achtsamkeit füreinander, der Respekt und die Wertschätzung ein bisschen nach und damit kann der Umgang immer quengeliger oder ruppiger werden.

Birgits Wunsch nach mehr Leichtigkeit haben meiner Erfahrung nach ganz viele Pferdemenschen. Immer mehr hinterfragen das, was herkömmlicherweise „ganz normal“ ist genauso wie das eigene Tun, weil sie es leid sind, Druck zu machen und sich durchsetzen zu wollen. Oft beginnen auch die Pferde einen anderen Umgang einzufordern, wodurch der Mensch überhaupt erst an den Punkt kommt, das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Leichtigkeit hat viel mit Loslassen zu tun

Ob nun an der Longe, im Sattel oder im freien Spiel, das Thema ist ganz oft loszulassen. Was wir loslassen sollen? Zum Beispiel unsere Ansprüche, unsere Erwartungen und unsere Vorstellungen, aber auch all die kleinen Vorannahmen, die wir über die Zeit angesammelt haben und die unser Verhalten dem Pferd gegenüber entscheidend prägen. 

Birgit nahm zum Beispiel an, dass Giaco oft eher triebig ist und gar nicht so recht von allein laufen möchte. Sie trieb deshalb meist schon von Beginn einer Arbeitseinheit unbewusst eher stark und Giaco blieb erst recht stehen. Ich hingegen hatte ihr Bild nicht im Kopf, sondern ging, wie immer, erstmal davon aus, dass Giaco Lust haben würde, etwas mit mir zu machen. So trieb ich kaum und er reagierte prompt: er lief freiwillig.

Und genau das erlebe ich ganz oft: Zwei Menschen mit verschiedenen Grundannahmen können gleichsam zu zwei verschiedenen Pferden führen. 

Immer bei uns selbst anfangen

Es ist wahrscheinlich einfach naheliegend und menschlich, dass wir, wenn Probleme mit dem Pferd auftauchen, so gut wie immer am Pferd ansetzen. Im besten Fall suchen wir nach Ursachen (körperliche, psychische, Haltung, Zubehör usw.), im schlechteren Fall interpretieren wir das Verhalten des Pferdes als widersetzlich, frech oder „dominant“ und reagieren mit Härte. 

Birgit war da schon einen deutlichen Schritt weiter und ahnte, dass das Zähe und etwas Freudlose in ihrem Miteinander mit Giaco etwas mit ihr selbst zu tun hatte. Wenn die Bereitschaft da ist, sich in dieser Weise zu hinterfragen, wird es spannend! Denn dann wird das Pferd tatsächlich als Partner wahrgenommen und hat ein Mitspracherecht. Und so wurde das Coaching, für das ich gerufen wurde, wirklich zu einem Beziehungscoaching. 

Es war für mich einfach großartig und sehr berührend zu erleben, wie sehr Birgit bereit war, Impulse und Anregungen anzunehmen und umzusetzen. Und das Schönste: Giaco reagierte unmittelbar und antwortete oft so punktgenau, dass man kaum daran zweifeln konnte, dass er alles, was wir besprachen, sehr genau mitbekam.

Dazu ein Beispiel: Gleich zu Beginn hatte ich meinen Eindruck geäußert, das Giaco Birgit sehr viel geben wollte, aber dass er das VON SICH aus tun wollte und nicht, weil man es von ihm forderte. Und es war fast magisch: Als Birgit damit begann, ihre Erwartungen und Vorstellungen loszulassen, bekam sie Geschenke. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich an einige Situationen denke, in denen Birgit nur noch inform innerer Bilder eine Einladung aussprach und Giaco genau dieser nachkam – einfach zauberhaft war das!

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Weniger zu wollen, heißt aber nicht, sich alles gefallen zu lassen

Wenn man zu Pferdemenschen sagt, dass sie ihre Erwartungen und Anforderungen an das Pferd loslassen sollen, reagieren viele empört, so nach dem Motto „Na, aber dann macht es doch, was es will.“ Ja, das mag tatsächlich der Fall sein, wenn man in das Loslassen der Anforderungen auch gleich alle Elemente der Erziehung miteinbezieht. Genau darum geht es aber gerade nicht! Und auch das war bei Giaco und Birgit sehr hübsch zu sehen. 

Giaco war lange Hengst und ist erst seit einem knappen Jahr Wallach. Er weiß sehr genau, wie er z.B. seine Schulter einsetzt, um jemanden über den Platz zu schieben, wie er Birgit beim Longieren oder Führen umpositionieren kann oder wie er, wenn die beiden nebeneinander stehen, Birgit immer wieder dazu bringt, vor ihm zu weichen. Ich legte viel Wert darauf, ihr all die kleinen Momente bewusst zu machen, in denen Giaco Birgit bewegte, ohne dass es ihr bewusst geworden war und ermunterte sie, die Sache umzudrehen. Dabei geht es nicht darum, das Pferd mit wildem Gefuchtel weichen zu lassen oder böse zu werden, wenn das Pferd einen mal wieder umpositionieren will. Ganz im Gegenteil: es geht darum, achtsam zu werden für die kleinen Scherze und die subtilen Umpositionierungsversuche und diese ganz nebenbei souverän einfach mit einem freundlichen „Hab ich gemerkt und möchte ich nicht.“ zu beantworten und darüber hinaus selbst immer mal wieder das Pferd ganz nebenbei und elegant umzupositionieren. Es war faszinierend zu sehen, wie sehr Giaco dadurch von Birgit beeindruckt war! 

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Ganz ins Jetzt kommen

Ein großer Schlüssel für ein achtsames Miteinander mit dem Pferd, das ist mir selbst in den Tagen bei Birgit und Giaco wieder einmal bewusst geworden, ist, wirklich voll und ganz beim Pferd anzukommen. Und damit meine ich nicht nur, den Alltagsstress und die damit verbundenen Aufgaben und Anforderungen hinter sich zu lassen, sondern möglichst auch keine Pläne im Kopf zu haben, keine festen Vorstellungen und auch keinen Druck alá „Ich müsste mehr trainieren, weil mein Pferd zu dick wird.“ oder ähnliches. Beim Pferd zu sein, heißt immer ganz im Hier und Jetzt zu sein, denn Pferde denken nicht in Zeit. Sie SIND. Und um wirklich mit ihnen sein zu können, müssen wir zunächst nur eines tun: ebenfalls SEIN. Daraus kann sich dann ganz viel entwickeln, aber nicht, indem wir immer mehr tun, sondern vielmehr uns immer mehr auf das Sein einlassen. 

An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön, Birgit, für Dein Vertrauen und Deine immense Offenheit und auch eines an Dich, Giaco, für Dein Sein und Dein wundervolles Co-Coaching. Es waren sehr schöne Tage bei Euch auf La Palma!

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Und hier kommt noch Birgits sehr berührender Bericht über meine Tage bei ihr: 

Schon bei der Heimfahrt vom Flughafen konnte ich Tanias Tiefe und die feine, differenzierte Art ihrer Wahrnehmung kennen lernen. Mein Wunsch war tatsächlich Longentraining oder auch feiner Reitunterricht gewesen, aber eben auch Spiegelung und Ursachenforschung über Giacos Zähigheit, seine „Jains“ und manchmal Neins.

Tania machte mir schnell bewusst, wie fordernd ich mit Giaco während der Arbeit umgehe. Und ja, es stimmt schon, ich ging immer davon aus, er will eh nicht so recht … Im Sattel wurde meine fordernde, nicht fragende Art nochmal deutlicher sichtbar, geprägt durch unendlich viele „englische“ Reitstunden in meiner Jugend. Mir war gar nicht bewusst, dass ich am Dauertreiben war und auch mein Sitz nicht losgelassen war, sondern anschiebend. Also genau so, wie es nicht sein soll, wenn ein Pferd sich losgelassen bewegen soll. Bingo!

Da wurde ich erstmal sehr nachdenklich und dann kam auch Ratlosigkeit: Wie denn dann, wenn nicht so? Giaco lief dann tatsächlich auch erstmal gar nicht mit mir auf dem Rücken. Bei der Freiarbeit legte er sich hin, sobald er sich von mir gegängelt fühlte (das tat er schon jahrelang). Als ich den Mut aufbrachte, mir das wirklich mit Tania zusammen anzusehen und zu erspüren, wurde ich erstmal sehr, sehr traurig. Das galt es dann auszuhalten, mitsamt allen Gefühlen, die dann kommen.

Ich hatte ja durchaus den Anspruch gehabt, meinem Pferd so viel Freiheit und Mitspracherecht wie möglich zu geben. Durch Babette war ich 7 Jahre zuvor aufs Clickern gekommen und hatte diese Form der Kommunikation bald in den Pferdealltag integriert. Dennoch meinte ich an bestimmten Punkten, z.B. beim Treiben am oder auf dem Pferd nicht ohne Druck auszukommen. Dazu kommt noch, dass ich eine“ hohe körperliche Grundspannung“ mitbringe, wie mir Tania sehr wahr spiegelte. All das war Giaco zu viel und es hinderte ihn daran, sich zu zeigen, loszulassen und ja, auch daran, mir etwas zu schenken.

Überwältigend schön waren dann die Momente, wo es mir gelang die alten Muster zu durchbrechen und ich mich anders verhielt und mit freundlicherer Energie mit ihm arbeitete: Giaco reagierte prompt und bewegte sich freier und losgelassener, einfach viel schöner und viel leichter! Ich erlebte Giaco endlich wieder als fein reagierendes Pferd, wenn es mir gelang, die Überflutung zu regulieren und auch fein zu senden.

Das durfte ich mir bei Tania in der Freiarbeit mit Giaco dann mehrmals abschauen, was mir unwahrscheinlich viel gebracht hat: leise, mit freundlicher Stimme, fragend nicht fordernd, statt direkt zu treiben, den Raum spielerisch einnehmen. Das war für mich total spannend, hatte ich doch immer direkt das Pferd getrieben und fokussiert – was Giaco eindeutig doof fand. Toll zu sehen, dass beide Pferde fein reagieren auf das Spiel mit Raum geben und nehmen.

Technik fürs Longieren und Handarbeit wie Seitengänge flossen immer wieder quer und gut verständlich ein. Ebenso das Spiel mit der Schulter, das Tania schon beschrieben hat. Als das geklärt war, ging das Longieren plötzlich ganz leicht und auch bei der Arbeit an der Hand hält Giaco jetzt zufrieden seinen Abstand ein. „Kleine“ Dinge mit großer Wirkung.

bundgNun, eine Woche nach dem Coaching mit Tania, hat sich manches gesetzt, vieles ist noch in Aufruhr und sorgt für Bewegung. Denn so ein tief gehendes Coaching bleibt nicht im Stall, sondern sickert ins Leben außerhalb der Pferdewelt: Fragen wie „Wie gehe ich mit meinem Pferd um?“ werden zu Fragen wie: „Wie gehe ich mit mir selbst um? Und wie lasse ich mit mir umgehen, wahre ich meine Grenzen? Wie viel Druck erlebe ich und gebe ich ihn weiter…?“

An dieser Stelle möchte ich jetzt enden, obwohl es da eigentlich erst beginnt. Und Tania danken, für ihren enormen Einsatz und dafür, dass sie immer, immer bei den Pferden ist, aber auch mich nie im Regen stehen ließ. Ich bin sehr gespannt, wohin uns dieser Weg führt.

Herzensgrüße
von Birgit

29. November 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erfahrungsberichte, Erkenntnisse 3 Kommentare »

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