Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 37: Da ist was (oder auch nicht)

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

 

Wegen des aktuellen Sauwetters habe ich Monty zum überdachten Teil des Putzplatzes geführt. Während Monty beim Putzen sonst gerne döst, ist er heute ein Nervenwrack. Er kann kaum ruhig stehen, sondern will immer rausschauen. Ich versuche, das zu ignorieren und selbst Ruhe auszustrahlen, was nicht gerade einfach ist, wenn man ständig aufpassen muss, nicht über den Haufen gerannt zu werden.

„Monty, geh bitte mal einen Schritt zur Seite.“

Mein Pferd ist taub. 

„Mooonty.“, rufe ich laut und er schreckt zusammen.

„Ja, oh, was denn?“

„Mach mal ein bisschen Platz bitte, du quetschst mich total ein. Was gibt es denn da so Wichtiges zu sehen, dass du unbedingt immer hinaus starren musst?“

„Ich … ich weiß auch nicht.“

„Heute ist also mal wieder einer dieser Tage, vielleicht sollten wir lieber nichts machen?“

„Was? Nein, geht schon, kein Problem.“

Wieder schießt er unerwartet herum.

„Ey!“, brülle ich und ich buffe ihn reflexartig in die Seite.

„Na, na – Sie müssen nicht grob werden.“, sagt er etwas irritiert.

„Doch, denn du stehst auf meinem Fuß!“

„Oh!“ Er hebt den Huf und macht einen Schritt von mir weg „Entschuldigen Sie, das wollte ich nicht.“ Doch noch während er spricht, ist er mit seiner Aufmerksamkeit schon wieder draußen.

Ich reibe meinen Fuß und versuche, meine Wut in den Griff zu bekommen. An solchen Tagen ist es echt nicht einfach mit diesem Riesentier. Da wird mein sonst so höfliches Pferd zum Rabauken und ich könnte glatt meine eigenen Manieren und guten Vorsätze vergessen.

„Monty … MONTY!“ Ich muss wieder laut werden, damit er mich überhaupt wahrnimmt. „Kann ich irgendetwas tun? Da draußen ist nichts, es ist nur windig, sonst nichts.“

Er schaut mich fast mitleidsvoll an, mich Ahnungslose, denn aus seiner Sicht bin ich einfach mal wieder zu doof, etwas mitzubekommen.

„Da ist was.“

„Was soll denn da sein, Monty? Da ist nichts. Es ist alles in bester Ordnung, glaub mir doch bitte.“

Aber mein Pferd steht weiterhin wie ein Flitzebogen im Anschlag da und hört mich wieder nicht. Ich atme durch, einmal, zweimal. Eigentlich denke ich immer, dass er mir doch langsam mal vertrauen müsste, aber in solchen Momenten macht es offenbar keinen Unterschied, ob ich da bin oder nicht. Und das tut weh. Das ist schlimmer, als gesiezt zu werden.

Einen Moment lang tue ich mir furchtbar leid, weil mir mein Pferd nicht vertraut, aber dann wird mir klar, dass sich Monty wirklich Sorgen macht und dass ich ihm in diesen Moment einfach nicht das geben kann, was er braucht. Und es hilft auch nicht, wenn ich mich damit fertig mache, das macht es nur noch schlimmer.

Ich gehe einmal um ihn herum auf die andere Seite, so dass er mich sieht, und sagte: „Pass auf, Monty, ich bringe dich jetzt zurück zu den anderen. Ich glaube, die sind gerade besser für dich, als ich es bin. Aber du musst dann schon auf mich aufpassen auf dem Weg, ja? Nicht losreißen und mich nicht über den Haufen rennen. Dafür passe ich gut auf dich auf. Dir wird nichts passieren, okay?“

Obwohl Monty wirklich unter Strom steht, schaffen wir es heil zur Weide. Kaum dass ich das Halfter abgezogen habe, rast er los, mein sonst so ruhiges und gelassenes Pferd …

Pferde, denke ich, … Pferde. Manches versteht man selbst dann nichts, wenn das eigene Pferd sprechen kann. Aber ich bin ein bisschen stolz auf meine Entscheidung, ihn zurückzubringen. Langsam lerne ich wenigstens, mit meinem Nichtverstehen besser umzugehen. Das ist doch auch schon was. 

 

–> Fortsetzung folgt

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

17. Januar 2022 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 37: Da ist was (oder auch nicht)

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 36: Ich bekomme ein Lob

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Montys Wunde ist fast verheilt, aber ich will ihn noch nicht reiten. Also gehen wir gerade viel spazieren, so wie auch heute. Wir sind im kleinen Wäldchen unterwegs und ich gehe so meinen eigenen Gedanken nach, als Monty plötzlich stehen bleibt und den Kopf zu mir dreht.

„Alles klar, Monty?“, frage ich etwas erstaunt, denn normalerweise bin ich es, die ein Gespräch beginnt, nicht er.

„Wissen Sie, ich würde Ihnen gerne etwas sagen.“

„Na klar, Monty, raus damit.“, sagte ich und versuche, nicht so unsicher zu klingen, wie ich mich gerade fühle. Wer weiß schon, was jetzt kommt.

„Es ist viel angenehmer mit Ihnen geworden ohne den Stress.“

„Oh, das freut mich zu hören, Dankeschön.“, sage ich und werde sogar ein bisschen rot. „Was genau meinst du denn mit Stress?“, hake ich nach, weil ich die Kritik darin natürlich auch höre.

„Ach, früher musste oft alles sehr zackig und schnell gehen. Wissen Sie, Menschen sind immer so hektisch. Alles folgt Schlag auf Schlag.“ Dann fügt schnell hinzu: „Aber, das meine ich bei Ihnen jetzt natürlich nicht wörtlich.“, sagt er und lacht über seinen eigenen Witz.

Im ersten Moment will ich mich verteidigen, denn ich hatte oft gedacht, dass ich Monty geradezu endlos viel Zeit lassen würde. Seine Tendenz zum Herumtrödeln hatte mich oft gereizt, aber ich war eigentlich ganz stolz auf mich gewesen, dass es mir immer besser gelungen war, ihm Zeit zu lassen, und jetzt sagte er mir, ich sei immer so zackig gewesen? Ich hielt mich aber zurück und ließ seine Worte erst einmal in mir nachklingen.

„Tja, ich glaube, du hast Recht, Monty. Ich bin oft viel zu hektisch, das fällt mir jetzt selbst auf. Eigentlich ist das hier doch meine Freizeit, die ich genießen sollte, und ich dachte auch, ich wäre entspannt, wenn ich herkomme. Aber es ist oft nicht so einfach, aus dem Stress herauszukommen, den man so mitbringt, von der Arbeit und dem Leben draußen.“

Ich denke weiter nach.

„Du hast tatsächlich ein ganz anderes Tempo als ich. Jedenfalls wenn du nicht gerade eilig zu deinen Kumpels willst oder wenn nicht gerade ein Grasbüschel vollkommen unwiderstehlich ist, nicht wahr?“, lache ich.

„Na, das ist etwas ganz anderes.“, sagt Monty.

„Schon klar.“ Ich zwinkere ihm zu. „Aber, im Ernst: Bevor du gesprochen hast, habe ich dich sicherlich viel zu oft überrumpelt, das tut mir leid. Da habe ich viel mehr automatisch gemacht, ohne über alles nachzudenken. Manches sollte einfach zacki-zacki funktionieren, weil ich mir das in den Kopf gesetzt hatte. Und das geht jetzt nicht mehr, zumindest nicht mehr so leicht. Siehst du, und das meinte ich am Anfang, als ich sagte, dass nun alles anders ist. Für mich ist tatsächlich vieles anders geworden. Aber ich weiß, hektisch bin ich manchmal trotzdem noch. Das kannst du mir dann ruhig sagen, ich versuche, es zu ändern, ja?“

Wir stehen noch für ein Weilchen mitten auf dem Weg in dem kleinen Wäldchen und atmen tief ein und aus. Die Vögel zwitschern in den Bäumen über uns und das Herbstlaub riecht feucht und erdig.

„Schön ist das.“, sage ich. „Wie gut es tut, auch einfach mal nur dazustehen.“

Statt einer Antwort schnaubt Monty zufrieden ab und wir gehen ganz gemütlich zurück.

 

–> Fortsetzung Kapitel 37

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

6. Dezember 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 36: Ich bekomme ein Lob

Sag ja zu Deinem Weg! – Inspiration des Monats

Mit der  Rubrik Inspiration des Monats nehme ich mir jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das ich Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denke ich, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sag ja zu Deinem Weg!

Wir haben Pferde, weil wir sie lieben und weil sie uns glücklich machen. Doch nicht immer läuft alles glatt, im Gegenteil: Sorgen um unser Pferd können uns das Leben genauso schwer machen, wie auftretende Probleme, Fehler, die wir machen, zunehmende Ratlosigkeit, Überforderung und anderes mehr.

Oft verlieren wir gerade in den schwierigen Phasen viel kostbare Energie dadurch, dass wir hadern – mit der Situation, mit dem Pferd, mit uns selbst. Wir wünschen uns dann alles anders und kämpfen ein Stück weit gegen die Wirklichkeit, statt das anzunehmen, was ist: und zwar als Teil unseres Weges.

Auch wenn sich das natürlich keiner wünscht, so sind es oft die holprigen Wegstücke und auch die Irrtümer und Irrwege, die uns im Nachhinein weitergebracht haben. Sie tun das dann, wenn wir bereit sind, aus ihnen zu lernen und sie zu nutzen, um zu wachsen und uns weiterzuentwickeln. Den Weg als solchen zu genießen, egal wie er verläuft, und immer wieder bewusst dankbar für das zu sein, was ist, kann viel Hoffnung, Kraft und Trost in schwierigen Zeiten schenken. Und unserem Pferd können wir auf diese Weise vermitteln, dass wir es trotz allem lieben, und es nicht vor allem eine Belastung ist … 

Deshalb: Schau mit ganz viel Liebe, Nachsicht und Dankbarkeit auf Dich und Dein Pferd und nimm Deinem Weg mit Deinem Pferd ganz bewusst an –  er ist einzigartig.

Ja zum eigenen Weg

30. November 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Sonstiges, Umgang 2 Kommentare »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 35: Der Verbandwechsel

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich gebe es zu, mir graut davor, dass ich heute Montys Verband wechseln muss. Am liebsten hätte ich ja einfach den Tierarzt dafür gerufen, aber Montys Reaktion war erst ein „Das ist nicht nötig.“ und als ich betonte, dass das aber sehr wichtig sei und auf jeden Fall gemacht werden müsste und ich es mir eigentlich nicht zutraue, kam ein klares „Auf keinen Fall der Tierarzt!“ von ihm. Bei dem Theater, das er vor zwei Tagen gemacht hat, nehme ich das sehr ernst. Also werde ich es nun erst einmal selbst versuchen. Er musste mir allerdings versprechen, dass er mitarbeitet, sonst würde ich sofort den Tierarzt rufen, ohne Wenn und Aber, schauen wir mal, ob er sich daran hält. 

„Na, Monty.“, begrüße ich mein Pferd. „Was macht dein Fuß?“

„Alles bestens, danke.“, antwortet Monty und er läuft tatsächlich etwas besser.

„Du weißt, was heute ansteht?“, frage ich vorsichtig. 

„Natürlich.“, sagt er.

 „Und du erinnerst dich noch an unsere Abmachung, ja?“ 

„Selbstverständlich.“ 

„Gut, dann wollen wir mal.“, sage ich zuversichtlicher, als ich mich fühle und führe ihn zum Anbinder. 

„Monty, gibt es irgendwas, womit ich uns die ganze Sache leichter machen kann? Brauchst du etwas? Soll ich erklären, was ich tue? Sonst irgendwas?“

„Na, nun machen Sie sich mal keine Sorgen.“

„Leicht gesagt, Monty. So wie du dich beim Tierarzt aufgeführt hast, traue ich mich ja kaum, an dein Bein zu fassen.“

„Sie übertreiben mal wieder maßlos.“, sagt Monty ziemlich von oben herab. 

Ich hole Luft, aber entscheide mich dann, nicht in diese Diskussion zu gehen, sondern mich einfach auf das zu konzentrieren, was ich nun zu tun habe, nämlich den Verband abzumachen. 

„Also, ich löse jetzt erstmal den äußeren Verband. Dafür schneide ich eine Schicht davon mit der Schere ab, ja? Das dürftest du kaum merken, in Ordnung?“ 

„In Ordnung.“, sagt Monty. 

Als ich sein Bein berühre, springt er zur Seite und ich erschrecke mich furchtbar. „Mensch, Monty!“, rufe ich laut und hüpfe selbst ein Stück zurück. „Das kann doch nicht wahr sein, dass du schon zickst, bevor ich anfange.“, schimpfe ich und schaue ihn böse an. 

Mein Pferd steht da und grinst. „Kleiner Scherz.“, sagt er und kichert ein bisschen. Mein Pferd kann kichern.

„Sehr witzig, wirklich witzig.“, fauche ich und finde es kein bisschen witzig. Jetzt bin ich nicht nur nervös, sondern habe auch noch weiche Knie. Nichts anmerken lassen, sage ich zu mir, nichts anmerken lassen. 

Beim nächsten Versuch, sein Bein zu berühren, ruft er ein kurzes „Buh!“ direkt in mein Ohr und wieder erschrecke ich heftig. „Monty, hör auf damit. Heb dir deinen blöden Humor für später auf, ja? Ich will die Sache jetzt hinter uns bringen.“ Mein Ton ist scharf.

„Na, na, Sie sind wohl etwas angespannt, was?“, schmunzelt er und scheint sich prächtig zu amüsieren.

„Ja, Monty, ich bin angespannt, verdammt angespannt sogar. Und es wäre wirklich toll, wenn du jetzt einfach nur still hältst, damit ich den Verband abmachen kann. Geht das? Bitte?“, zische ich mit zusammengebissenen Zähnen.

„Selbstverständlich.“, sagt Monty. 

Ein paar Minuten später habe ich es tatsächlich geschafft, den Verband abzumachen. Ich bin schweißgebadet. Aber wenigstens sieht die Wunde gut aus. 

„Sehr schön, das ist doch schon prima geheilt, Monty. Da brauchen wir nicht mal einen kompletten Hufverband zu machen. Es reicht, nochmal die Salbe draufzumachen und das leicht zu verbinden. Ist ja auch nicht matschig im Moment.“ Ich schaue mein Pferd an. „Schaffen wir das?“ 

„Selbstverständlich.“ 

Ich lege mir alles zurecht, was ich brauche, und bitte Monty um seinen Huf. Den gibt er mir und ich lege los. Eine Miteinstellerin kommt vorbei und sagt: „Wow, hast du ein braves Pferd! Meiner spielt immer komplett verrückt, wenn er behandelt werden muss. Ich wünschte, meiner wäre auch so cool.“ 

„Tja.“, höre ich mein Pferd sagen und ich schaffe es tatsächlich, den Verband anzulegen. 

„Na, das ging ja doch einfacher als gedacht, Monty.“ 

„Haben Sie etwa an mir gezweifelt?“ 

„Na ja, … ich denke nur an vor drei Tagen … “ 

„Sie sind aber nachtragend. Wollen Sie mir das jetzt für den Rest meines Lebens vorwerfen? Sie haben doch gehört, andere wünschten, ihr Pferd wäre so wie ich. So cool.“ Er lässt das Wort auf seiner Zunge schmelzen wie ein Stück Schokolade. „Sie dürfen es ruhig zugeben: Ich bin ein cooles Pferd. Cool, cool, cool.“, singt er vor sich her.

Und da muss ich dann selbst grinsen. „Ja, Mr. Cool, dann können wir ja demnächst den Tierarzt zum Impfen holen, nicht wahr?“ 

Monty tut, als hätte er das nicht gehört. 

–> Fortsetzung Kapitel 36

 

Monty Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

9. November 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 35: Der Verbandwechsel

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 34: Nur ein Verband

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Es ist immer wieder spannend, wie sehr man sich doch in seinem eigenen Pferd täuschen kann, spannend und manchmal erschreckend. Ich hätte schwören können, dass mein höflicher, gut erzogener und alles in allem ziemlich cooler Monty beim Tierarzt keine Probleme machen würde.

Weit gefehlt.

Sehr weit gefehlt.

So weit gefehlt, dass ich jetzt darauf warten darf, dass die Narkose nachlässt, denn Monty musste sediert werden. Wofür? Für eine Kolik-Operation? Für eine Zahnbehandlung? Nein, nur für einen dämlichen Verband am Huf. Ich kann es immer noch nicht fassen.

„Was ist nur in dich gefahren?“, frage ich mein schlafendes Pferd. „Nie hätte ich für möglich gehalten, dass du dich so aufführen kannst.“

Als Antwort schnarcht er leise.

Ich könnte heulen. Heute hat sich mehr als deutlich gezeigt, dass Monty mir nicht vertraut. Es geht um viel mehr als um das doofe „Sie“ oder um Freundschaft, es geht darum, dass ich meinem Pferd genug Sicherheit geben möchte, damit er mir glaubt, wenn ich ihm versichere, dass nichts Schlimmes passieren wird. Und das kann ich nicht. 

Ich hatte ihm doch genau erklärt, warum ich den Tierarzt rufen musste und was der machen würde, aber es hatte nichts genützt. Von dem Moment an, als der Tierarzt auftauchte, war es, als würde mein Pferd kein einziges Wort mehr verstehen, mehr noch, als wäre ich überhaupt nicht sein Mensch. Dass ich dabei war, half ihm gar nicht, letztlich war ich genauso Feind wie der Tierarzt. Und das tut richtig weh.

Ja, zugegeben, ich steigere mich da gerade ein bisschen hinein. Aber wenn man sein sonst so braves Pferd erlebt, wie es nach dem Tierarzt schlägt und das Halfter sprengt, weil es sich losreißen will, dann darf man schon schockiert sein. Aber es hatte doch sein müssen! Der Ballentritt war wirklich tief gewesen und die Wunde hatte sich tatsächlich schon leicht entzündet.

Warum konnte ich Monty so gar nicht mehr erreichen? Und warum, verdammt noch mal, nutzt es einem oft gar nichts, dass man mit seinem Pferd sprechen kann?

„Wollen wir es mit einer Nasenbremse probieren oder gleich sedieren?“, fragte mich der Arzt. 

„Sedieren.“, seufzte ich. Wenigstens die Nasenbremsenfolter wollte ich ihm ersparen.

Allein die Spritze zu setzen war dann schon Herausforderung genug. Da ich Monty noch nicht so lange habe, musste ich ihn bisher auch noch nicht impfen lassen, wusste also nicht, wie er überhaupt beim Tierarzt ist. Ich hätte nie gedacht, dass es so schlimm werden würde. Mit Leckerlis ließ er sich keinen Moment lang ablenken. Ich dachte schon, er beißt mir in die Hand. Wir hielten ihn dann zu dritt fest und ich redete mit Engelszungen auf ihn ein, sodass es dem Tierarzt gelang, die Spritze zu geben.

Dann ging alles ganz schnell. Montys Hals sank tiefer, die Augenlider wurden schwer und die Gegenwehr ließ nach. Er stand nur noch leicht schwankend da. Der Tierarzt konnte die Wunde in Ruhe säubern, entfernte gleich noch etwas loses Fleisch und legte einen Hufverband an. Ich ließ ihn bei der Gelegenheit noch ins Maul schauen und er fand einen Haken hinten rechts, denn er abschliff. Wenigstens dafür war die Sedierung gut, so muss ich über den Zahnarzt erstmal nicht nachdenken. Aber trotzdem, ich fühle mich mies. Saumäßig mies. Mein Pferd vertraut mir nicht.

„Wie kann ich nur dein Vertrauen gewinnen?“, frage ich mein schlafendes Pferd und erhalte natürlich keine Antwort.

Als er eine Stunde später wieder halbwegs wach ist, schaut er sich seinen Huf mit dem Verband an. Vorsichtig testet er, ob er damit laufen kann, und sieht dabei aus wie ein Storch im Salat. Unwillkürlich muss ich grinsen.

„Na, wird’s denn gehen, Monty?“

„Muss ja.“, sagt er.

„Du hast ja eine ganz schöne Show gemacht, vorhin.“ Ich kann mir einen Kommentar nicht verkneifen.

„Ich weiß gar nicht, was Sie meinen.“, erwidert er und betrachtet weiter seinen eingepackten Huf.

„Schon klar, Monty. Aber du weißt, dass wir das jetzt üben werden, das mit den Verbänden und den Spritzen und dem Tierarzt und so?“

Monty zieht es vor, einige Schritte von mir wegzugehen und in den Sand zu pinkeln.

„Ich weiß, dass du gehört hast, was ich gesagt habe, und glaub mir, ich meine das ernst.“

Mein Pferd gibt mal wieder eines seiner verächtlichen „Pfffts“ von sich, aber das wird ihm nicht helfen.

„Na komm, ich bring dich zurück, für heute war das mehr als genug.“ Und wir gehen schweigend zusammen zur Weide.

 

–> Fortsetzung Kapitel 35

 

Monty – Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

12. Oktober 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 34: Nur ein Verband

Botschaften an unsere Pferde

Zur 555. Ausgabe unseres Newsletters fragten wir in einer Mitmach-Aktion unsere Leser/innen:

„Wenn Du sicher sein könntest,
dass Dein Pferd Deine Worte verstehen kann
– was wäre der wichtigste Satz,
den Du Deinem Pferd unbedingt sagen würdest?“

Es kamen fast 300 Einsendungen. Die schönsten und berührendsten Antworten haben wir für Euch in diesem Video zusammengestellt:

Botschaften an unsere Pferde(Link führt zu Youtube)

Und, … wie lautet Euer Satz für Euer Pferd?

19. September 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Sonstiges 0 Kommentare »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 33: Wir brauchen einen Tierarzt

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Als Monty mir heute entgegenkommt, sehe ich sofort, dass er leicht lahmt. Vorne rechts tritt er nicht richtig auf.

„Hey, Monty, was ist los? Was hast du mit deinem Bein gemacht?“

„Ach, das ist nichts.“

„Du lahmst aber.“

„Gar nicht.“

„Doch, ich hab’s ja gesehen. Lass mich mal schauen.“

Er weicht mir aus und tritt zur Seite, damit ich sein Bein nicht anschauen kann.

„Da ist nichts.“, ruft er mit einer höheren Stimme als sonst.

„Bleib mal ganz cool, Monty, ich will dein Bein ja nicht abhacken. Aber ich muss mir das mal anschauen. Ich fass nichts an, nur angucken, ja?“

Er ziert sich noch ein bisschen, lässt mich dann aber schauen.

„Hui, du hast einen Ballentritt, das blutet sogar. Da bist du dir aber ordentlich reingelatscht.“

„Gar nicht.“, sagt Monty.

„Na, lass uns erstmal runtergehen, dann versorge ich das. Wird schon wieder.“ Wirklich beruhigt wirkt Monty nicht und er humpelt neben mir zum Stall. Am Putzplatz binde ich mein Pferd an und bitte ihn, mir den Huf zu geben.

„Ich würde es bevorzugen, Ihnen meinen Huf jetzt nicht zu geben.“, sagt Monty widerstrebend.

„Tja, da kann ich aber leider keine Rücksicht drauf nehmen, ich möchte deinen Huf. Ich muss die Wunde versorgen. Wenn sich das entzündet, muss der Tierarzt kommen.“

Nach einigem Hin und Her gibt er mir den Huf. Leider sieht der Ballentritt nicht gut aus. Die Wunde ist ganz schön tief und ich traue mir nicht zu, das selbst zu versorgen.

„Tja, Monty, ich fürchte, da müssen wir den Tierarzt rufen.“

„Aber ich habe Ihnen meinen Huf doch gegeben! Das ist nicht fair. Sie haben mich betrogen.“

„Nun mach mal nicht so viel Wind, Monty. Die Wunde ist zu tief. Wenn das oberflächlich wäre, würde ich es ja einfach verbinden, aber so ist mir das zu heikel. Sorry, Monty, ich ruf da gleich mal an.“

Ich gehe raus auf den Vorplatz, wo ich Handy-Empfang habe, und komme nach zwei Minuten wieder zurück.

„Wir haben Glück, Monty, denn der Tierarzt ist in der Nähe und kommt gleich vorbei.“, sage ich zu meinem Pferd.

„Glück? Sie scherzen!“, ruft er und reißt die Augen auf.

„Du wirst sehen, das ist keine große Sache. Er wird das desinfizieren und vernünftig verbinden, dann ist das in einigen Tagen alles abgeheilt.“

„Das heilt auch so.“

„Vielleicht würde es auch so heilen, kann sein, vielleicht aber würde es einen Einschuss geben und so eine Entzündung dauert viel länger. Lieber einmal zu viel den Tierarzt gerufen, als einmal zu wenig.“

„Da stimme ich Ihnen nicht zu.“ 

„Hilft aber nichts.“

„Werden wir ja sehen.“, sagt mein Pferd und es ist gut, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, was genau er damit meint …

 

–> Weiter mit Kapitel 34

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

14. September 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 33: Wir brauchen einen Tierarzt

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 32: Eine Zumutung namens Waage

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Das Thema „Gewicht“ ist mir noch weiter durch den Kopf gegangen. Irgendwie ist es ja schon gemein, dass wir Menschen so einfach für unsere Pferde entscheiden können, was, wann und wie viel sie zu fressen bekommen, und die Menge eben auch empfindlich einschränken, auch wenn wir das aus guten Gründen tun. Es ist schon eine große Verantwortung, die man so als Pferdebesitzer hat, und es gibt viel zu bedenken. Oft bin ich selbst unsicher und halte mich für zu streng, aber dann habe ich auch wieder Sorgen, dass er mir doch krank wird, wenn ich zu großzügig füttere. Vielleicht, so denke ich, wird es für mich leichter zu entscheiden und für ihn etwas leichter einzusehen, wenn wir eine neutrale Einschätzung über sein Gewicht bekommen.

Deshalb sage ich am nächsten Tag zu ihm: „Du, Monty, ich habe mir etwas überlegt.“

Er schaut mich mit seinem typischen Und-was-kommt-jetzt-wieder-Blick an, sagt aber höflich: „Ich höre.“

„Wir hatten doch gestern über dein Gewicht gesprochen.“

„Pffffft.“, macht mein Pferd und dreht den Kopf weg. „SIE hatten darüber gesprochen, mir würde nicht im Traum einfallen, das Thema einfach so zu wählen. Ich spreche ja auch nicht IHR Gewicht an.“

Die kleine Spitze ignoriere ich.

„Ja, stimmt, ich hatte darüber gesprochen, weil DU es bist, der gerne mehr zu fressen hätte. Und da du meine Einschätzung anzweifelst, habe ich gedacht, dass wir dich doch einfach mal wiegen können, dann werden wir sehen, wer recht hat.“

Sein Kopf schießt zu mir, die Augen sind weit aufgerissen und für einen Moment verschwindet seine Reserviertheit und wird ersetzt durch Empörung.

„Wie meinen Sie das? Wiegen? Mich?“

„Keine Sorge, das ist alles ganz easy. Es gibt mobile Pferdewaagen …“

„Das ist nicht Ihr Ernst.“

„… die kommen dann in den Stall und man kann sein Pferd wiegen lassen. Ist doch eine prima Sache, dann brauchen wir nicht weiter über die Futtermenge zu streiten.“

„Das ist wirklich erniedrigend. Da macht man einmal einen kleinen Vorschlag und dann kommt so etwas. Ich werde nie wieder einen Wunsch äußern, das können Sie glauben.“, schimpft mein Pferd.

„Aber wieso erniedrigend? Es geht doch um deine Gesundheit, Monty. Ich stelle mich auch auf eine Waage. Mir ist sehr bewusst, dass auch ich auf mein Gewicht achten muss!“

Der Blick, mit dem er mich von oben nach unten mustert, spricht Bände. Mein sonst so höfliches Pferd kann schon auch echt gemein sein und trifft mich natürlich wieder einmal mitten in dem wunden Punkt meiner Schuldgefühle.

„Ja, auch mein Gewicht ist ein Thema, ich weiß. Ich verspreche, ich werde weiter an mir arbeiten, denn schließlich musst du mich tragen. Aber tatsächlich geht es jetzt gerade nicht um mich, sondern um dich. Die Pferdewaage ist bestellt und dann sehen wir weiter.“

Mein Pferd schweigt.

„Du wirst sehen, das geht alles ganz leicht und schnell. Du bist auch nicht der Einzige, fünf andere hier im Stall werden auch gewogen.“

„Fünf andere Pferde? Die werden mit dabei sein?“ Wieder sind seine Augen weit aufgerissen. 

„Ja, ab fünf Pferden ist es billiger.“

„Sie haben keine Ahnung, was Sie mir damit antun.“, zischt Monty.

Diesmal ist es an mir zu schweigen.

„Das ist mehr als erniedrigend.“

„Du wirst es überleben.“, sage ich und hoffe, dass er den Humor aufgreift. Aber Humor ist nicht gerade eine Stärke meines Pferdes, wenn er beleidigt ist.

Und für diesen Tag spricht mein Pferd kein einziges Wort mehr mit mir.

Monty hat den Wiegetermin einige Tage später übrigens tatsächlich überlebt. Er hat zwar vorher kein Wort mehr mit mir gesprochen, ist aber, um allen zu beweisen, wie souverän er ist, als Erster vollkommen entspannt auf die Waage gegangen und bekam dafür prompt Leckerlis von der Waage-Frau („Sehr nett, die Frau.“, flüsterte er mir zu. Immerhin sprach er von da an wieder mit mir). 

Dann bescheinigte sie ihm „ganz gut beieinander zu sein“ und sagte, dass er nicht mehr auf den Rippen haben sollte („Manche, die zuerst nett wirken, erweisen sich erst später als fies.“, war sein Kommentar). 

Ich lag also nicht falsch mit meiner Einschätzung und damit ist das Thema erstmal vom Tisch.

 

–> Weiter mit Kapitel 33

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

17. August 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 32: Eine Zumutung namens Waage

Typische Probleme mit Pferden: Mein Pferd gibt seinen Huf nicht

In dieser Kategorie widme ich mich ganz typischen Problemen mit Pferden, zu denen mich immer mal wieder Mails erreichen oder die in Gesprächen über Pferde auftauchen. Besonders soll es hier um Probleme gehen, bei denen herkömmlicherweise oft Druck oder Strafen angewendet werden, damit das Pferd etwas tut oder lässt. Ich möchte zeigen, wie es anders gehen kann. Wenn Ihr auch so eine Frage habt, schreibt sie gerne an tania@wege-zum-pferd.de

„Mein Pferd gibt seinen Huf nicht“

Ein sehr häufiges Problem, das man so ziemlich allen Ställen beobachten kann: Der Mensch möchte seinem Pferd die Hufe auskratzen, aber es gibt seinen Huf nicht. Daraufhin wird der Mensch „deutlicher“ und das Pferd gibt seinen Huf immer weniger gern. Irgendwann reißt dem Menschen der Geduldsfaden und er wird sauer. „Der ist nur bockig“ heißt es dann oder: „Die will mich mal wieder in den Wahnsinn treiben“ und im schlimmsten Fall kommt dann die Gerte ins Spiel, bis das Pferd endlich seinen Huf gibt. Wie so oft, wird versucht, das gewünschte Verhalten notfalls zu erzwingen, anstatt sich die Sache gemeinsam mit dem Pferd zu erarbeiten.

Schauen wir uns dieses Problem einmal genauer an. 

Worum geht es hier eigentlich? 

Zunächst müssen wir uns Folgendes klarmachen: Für ein Lauf- und Fluchttier sind seine Füße noch wichtiger als für uns Menschen. Ein Bein, das nicht zu nutzen ist, weil es zum Beispiel festgehalten wird, ist, solange das Pferd nicht gelernt hat, dass ihm dabei nichts passiert, eine hochbedrohliche Angelegenheit. Aus der Balance zu kommen, ist ebenfalls kein angenehmer Zustand. So haben wir schon mal zwei nachvollziehbar gute Gründe für ein Pferd, uns seinen Huf nicht geben zu wollen. Und dann kann es auch sein, dass körperliche Beschwerden es dem Pferd unangenehm bis schmerzhaft machen können, seinen Huf länger zu heben (das bei einem Verdacht unbedingt mit einem guten Physiotherapeuten oder Arzt abklären lassen und entsprechend Rücksicht nehmen). 

Wenn ein Pferd seinen Huf nicht geben will, rucken und zerren viele Menschen an dem Bein herum oder lehnen sich auch mit ihrem Gewicht gegen das Pferd, in der Hoffnung, so den Huf zu bekommen. Genau das löst in den meisten Fällen aber nur aus, dass sich das Pferd seinerseits verstärkt gegen uns lehnt, denn es wird instinktiv gegen das Gefühl „umgekippt zu werden“ angehen. Oder es macht einen Schritt zur Seite, steht dann aber auch wieder auf allen vier Hufen, eher noch mehr davon überzeugt, dass es keine gute Idee ist, dem Menschen seinen Huf anzuvertrauen. 

Wenn wir nun aber zum Beispiel ein Pferdebein bandagieren oder einen Verband anlegen oder es auch einfach nur putzen wollen, reagieren wir hingegen schnell genervt, wenn das Pferd seinen Huf hebt (weil ihm das vielleicht ungewohnt, unangenehm oder unheimlich ist). In diesen Fällen bekommt das Pferd nicht selten Ärger fürs „Herumzappeln“, ohne dass wir uns klarmachen, dass es ja gar nicht wirklich wissen kann, wann es nun den Huf heben soll und wann nicht,  wenn wir immer dasselbe machen – also das Bein anfassen. Mal gibt es Ärger fürs Nichtheben des Beines, dann gibt es welchen für das Heben des Hufes. Das ist natürlich höchst verwirrend für ein Pferd und so kann das Hufegeben schnell stressbehaftet oder sogar vergiftet werden. 

Klare Signale für eine klare Kommunikation

Überlegen wir doch einmal: Jedes Pferd hebt problemlos sein Bein, wenn es eine Fliege verscheuchen will. Hier tut es das aus eigenem Antrieb heraus. Es steht dabei sicher und ausbalanciert und hat keinen Stress, höchstens vielleicht durch das Kitzeln der Fliege. 😉

Und genau das können wir prima nutzen! 

Ich bringe meinem Pferd bei, auf ein kleines Signal hin seinen Huf von sich aus zu heben – eine Anleitung dazu findet Ihr hier. Das ist viel leichter als oft vermutet, erfordert nur ein bisschen Konsequenz von uns. Ich beachte dabei die folgenden Punkte:

  1. Zunächst überlege ich mir ein eindeutiges Signal, welches das Pferd gut erkennen kann und das ihm nicht unangenehm ist, also zum Beispiel ein Stimmsignal oder ein Antippen oder auch nur ein Zeigen zum Bein. 
  2. Ich belohne jede noch so kleine richtige Reaktion prompt, also auch schon das erste Zucken des Beines. 
  3. Hebt das Pferd sein Bein nicht, wirke ich nicht stärker ein und ich schimpfe und strafe auch nicht, sondern ich warte auf den entscheidenden Moment, den ich belohnen kann. Für den Anfang kann ich mit einer Gerte ein bisschen „Fliege“ spielen (vorausgesetzt, das Pferd hat keine Angst vor Gerten!).
  4. Wenn das Pferd das Bein hebt, schnappe ich mir nicht sofort seinen Huf und halte ihn fest, sondern ich etabliere erst einmal das Heben des Beines als etwas vollkommen Selbstverständliches. Erst wenn das wirklich sitzt, berühre ich sanft das Bein und schau, ob es für das Pferd okay ist, wenn ich meine Hand darum lege. Das längere Halten des Hufes erarbeite ich mir dann einfühlsam und Schritt für Schritt – immer darauf achtend, dass mein Pferd freiwillig und entspannt mitmacht. Den Huf lasse ich dann auch nicht einfach fallen, sondern setze ihn sanft ab.
  5. Sollte mal durch ein doofes Erlebnis, wie z.B. ein Hufgeschwür oder ein Erschrecken beim Auskratzen die Sache wieder nicht mehr so gut laufen, erarbeite ich es mir neu (das geht in der Regel sehr schnell). 

Hier seht Ihr, wie Anthony seinen Huf nur auf ein Zeichen hin von sich aus anhebt – vorne und auch hinten:

Parallel dazu übe ich, dass er den Huf am Boden lässt, wenn ich sein Bein anfasse und entlangstreiche, da ich zum Beispiel beim Verarzten von Wunden oder beim Putzen gerne möchte, dass er den Fuß nicht hochhebt: 

Hier noch mal gut zu sehen: Anthony hebt den Huf selbst und erst dann erst nehme ich ihn, um ihn auszukratzen: 

Und dasselbe hinten: 

Wie auf den Bildern zu sehen ist, kann ich Anthony frei die Hufe auskratzen, denn für ihn ist dabei nichts Stressiges. Das ist immer ein guter Test für mich. Ich lobe und belohne das Hufegeben auch später immer wieder, damit es eine positiv besetzte Sache bleibt!

Extra-Tipp: Es sehr sinnvoll sein, das Heben der Hufe mit verschiedenen Personen zu erarbeiten und zu üben, denn nur weil ein Pferd lernt, einem Menschen zu vertrauen, wird es nicht automatisch jedem seinen Huf geben wollen. Da aber das Heben der Hufe auch bei anderen Menschen wichtig ist, also zum Beispiel bei der Hufpflege oder für nötige Kontrollen oder Behandlungen, sollte es auch daran gewöhnt werden und es entspannt auszuführen.

6. Juli 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Jungpferdausbildung, Sonstiges, Umgang, Verhalten 0 Kommentare »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 31: Mehr ist wirklich nicht drin

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Wir sind am Futterplatz und ich befülle gerade Montys Schüssel mit aufgeweichten Heucobs und einer Handvoll Hafer.

„Ähm …“, sagt mein Pferd.

„Ja, Monty?“

„Sie sagen ja immer, dass ich sagen soll, was ich so denke.“

„Klar, Monty, raus damit!“

„Also, ich würde gerne einmal die Futtersituation besprechen.“

„Okay.“

„Vielleicht könnte es etwas, wie soll ich sagen, etwas mehr und etwas leckerer sein?“

„Oh, bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass du dein Futter nicht magst. Es ist jedenfalls immer sehr schnell weg.“, sage ich mit einem Augenzwinkern.

Monty ignoriert die kleine Spitze.

„Na ja, sehr groß sind die Portionen ja nicht gerade. Und, wissen Sie, ein bisschen mehr Hafer wäre schön. Bananen mag ich auch gern und Sie haben da öfter diese kleinen Kekse, die so laut krachen, wenn man sie kaut, von denen könnten gerne auch welche drin sein … und …“

„Moooment, Moment, Monty. Das glaub ich dir sofort, dass du von all dem gerne mehr hättest, aber ich fürchte, das geht nicht. Über ein bisschen mehr Hafer können wir reden, aber nur, wenn du davon nicht zu wild wirst.“ Ich zwinkere ihm noch einmal zu. „Aber sehr viel mehr ist leider nicht drin. Ich will doch nicht, dass du krank wirst.“

„Krank?“, fragt er mich.

„Tja, Monty, du bist nicht gerade der Schlankste.“

„Pffft.“, macht mein Pferd und zieht den Bauch ein. „Ich und dick?“

„Ich habe nicht gesagt, dass du dick bist, aber ich möchte verhindern, dass du es wirst.“ Ich fahre mit meinen Fingern über seine Rippen, die sich beim besten Willen nicht ertasten lassen.

Er weicht zur Seite. „Bitte lassen Sie das, das ist unangenehm.“

„Tut mir leid, aber eigentlich soll man die Rippen bei einem Pferd gut ertasten können. Deine finde ich nicht mal, wenn ich bohre.“

„Sie sind ganz schön gemein heute.“

„Tut mir leid, Monty, aber das mit dem Futter ist eben schwierig. Ich würde es dir ja gönnen, aber es gehört zu meinem Job, dafür zu sorgen, dass du gesund bleibst.“

„Wissen Sie was, vergessen Sie es. Ich habe ja nur mal gefragt. Da sagen Sie immer, ich soll was sagen, doch wenn ich es tue, bringt das nichts außer Fiesheiten.“ Er dreht den Kopf weg von mir. 

„Ach, Monty, jetzt sei nicht beleidigt. Schau, ich mach ein bisschen mehr Hafer rein, ja?“, und greife eine zweite Handvoll.

Er schaut zu mir, hebt eine Augenbraue und ich komme mir furchtbar kleinlich und geizig vor.

„Monty, das ist nicht fair. Zu viel ist nicht gut für dich.“

Die Augenbraue bleibt oben. Wie lange kann ein Pferd eigentlich eine Augenbraue anheben? Ich fasse nochmal in den Hafersack und streue noch einige Körner mehr über die Heucobs. Die Augenbraue bleibt unverändert oben.

„Sorry, aber da bleibe ich jetzt eisern. Mehr gibt es nicht. Voilá, es ist angerichtet.“, sage ich und stelle ihm die Futterschüssel hin.

Er schaut mich noch für einen Moment länger an, den Kopf hoch, die Augenbraue noch höher, und ich frage mich, ob er jetzt das Futter verweigert. Aber dann höre ich nur ein kurzes „Pffft“ und seine Nase verschwindet in der Schüssel.

„Du magst doch Möhren, oder?“, fragte ich, während er frisst. „Davon kann ich ja ein paar mehr mitbringen. Was hältst du davon?“

„Ja, das wäre nett.“, sagt er mit vollem Maul und die Stimmung ist gleich wieder besser.

 

–> Weiter mit Kapitel 32

 

Monty – Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

29. Juni 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 31: Mehr ist wirklich nicht drin

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