Mit dem Herzen voran – Die Geschichte zum Reitkurs

Der Reitkurs von Wege zum PferdNach vielen Monaten intensiver Arbeit ist er nun erschienen:

Mit dem Herzen voran!
– der „Wege zum Pferd“-Reitkurs

Die Idee für unseren Reitkurs ist schon fast so alt wie „Wege zum Pferd“ selbst, denn gleich nach dem Erscheinen des ersten Longenkurses (2008) wurden wir gefragt, ob es so etwas nicht auch als Reitkurs geben könnte. Damals haben wir das erstmal weit von uns gewiesen, denn im Gegensatz zum Longenkurs, bei dem wir von Beginn an das Gefühl hatten, damit wirklich etwas Hilfreiches und auch Neues bieten zu können, hatten wir den Eindruck, dass es zum Thema Reiten einfach schon sehr viel gibt, … zu viel, als das wir da auch noch unseren Senf dazu geben müssten. 

Das liegt nun über zehn Jahre zurück und in diesen zehn Jahren ist viel passiert. Was mit „Wege zum Pferd“ als kleine Webseite begann, ist heute ein großes Portal geworden. Wir bekommen immer wieder das wundervolle Feedback, dass unsere Artikel und Kurse ganz viele von Euch dazu ermutigt, nicht länger automatisch auf herkömmlichen Pfaden zu wandeln, sondern Euren ganz eigenen Weg mit Euren Pferden zu finden und zu gehen. Als wir Ende letzten Jahres darüber nachdachten, wie es mit „Wege zum Pferd“ weitergehen soll, klaffte ganz deutlich eine große Lücke: das Thema Reiten.

Und als wir dann wieder einmal überlegten, ob wir nicht doch einen Kurs dazu herausbringen sollten, stellten wir fest, wie stark sich die Diskussion um das Thema „Reiten“ in den letzten Jahren verändert hatte: Früher wurde vor allem um die verschiedenen Reitweisen gestritten und welche davon nun die beste wäre, nicht aber über die Tatsache, dass das Reiten an sich schon fragwürdig sei – was für ein Wandel, der da bereits stattgefunden hat!

Spannenderweise fanden wir uns dann irgendwo in der Mitte von zwei Lagern wieder: 

  • Auf der einen Seite warfen uns manche vor, dass wir ja „gar nicht richtig reiten würden“ mit unserem ganzen Bodenarbeitsgetüddel und
  • auf der anderen Seite mussten wir uns bei anderen wiederum dafür rechtfertigen, dass wir uns nicht ausdrücklich gegen das Reiten aussprachen. 

Und da wurde uns klar, dass sich hier „unser Thema“ auftat: Dass es für uns nämlich nicht um die Frage geht, ob das Reiten an sich falsch und abzulehnen ist, sondern wir wollten danach fragen, WIE Reiten eine gute Sache für beide werden kann – also für Mensch UND Pferd, und wir wollten genau diese Frage auch beantworten. Denn wir sind fest davon überzeugt, dass Reiten eine wundervolle Sache für Menschen und Pferde gleichermaßen. Die Messlatte dabei ist für uns „Pferdefreundlichkeit“, denn so wollen wir reiten: auf eine Art und Weise, die dem Pferd nicht schadet, sondern im Gegenteil, die ihm gut tut und die ihm sogar Freude macht. Und wie das praktisch geht, DAS ist genau das, was worum es uns immer schon bei „Wege zum Pferd“ ging und das nun für das Thema „Reiten“ aufbereitet werden wollte. Es gibt zum Thema „Pferdefreundlichkeit“ zwar viele schöne Sprüche, aber nur wenige wirklich konkrete Anleitungen, wie man denn eine „bessere“ Art des Reitens tatsächlich umsetzen kann, so dass viele aus Hilflosigkeit doch bei dem bleiben, was sie eigentlich nicht mehr wollen, oder ganz mit dem Reiten aufhören…

Der Reitkurs von Wege zum PferdSo entschieden wir, genau da anzusetzen: 

  • Offen benennen, was alles falsch läuft, und
  • praktisch umsetzbare Alternativen aufzeigen, die sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene hilfreich sind. 

Und damit machten wir uns an die Arbeit.

Für diesen Reitkurs haben wir auf unsere gesamte Reitzeit zurückgeschaut und uns an unzählige Erlebnisse erinnert, von denen manche schmerzlich, andere wunderschön und ganz viele erhellend waren. Wir haben uns unangenehmen Fragen gestellt und beleuchtet, woran wir oft gescheitert sind. Wir wissen nur allzu gut um die Fehler, die wir gemacht haben und auch immer noch machen, und wir sind uns bewusst, dass auch wir immer weiter und weiter an uns arbeiten müssen, denn wir sind alles andere als perfekt. Was wir aber vielleicht ein bisschen intensiver als andere tun, ist, aus der Selbstreflexion und dem Hinterfragen unseres Tuns gewonnene Erkenntnisse in Handlungswissen zu bringen und damit konkreten Rat, praktische Tipps und umsetzbare Anregungen bieten zu können. So haben wir eine Fülle von Überlegungen, Wissen und praktische Übungen zusammengetragen, die uns dabei helfen, jeden Tag ein bisschen pferdefreundlicher zu werden im Umgang, beim Training und auch im Sattel.

Für diesen Kurs haben wir uns alle nur erdenklichen Facetten des Reitens vorgenommen:

  • von der Frage danach, ob und wie Reiten überhaupt okay ist und
  • was Pferde brauchen, damit wir sie so reiten können, dass es ihnen nicht schadet und sie idealerweise Freude daran haben,
  • über die Frage, welches Zubehör pferdefreundlich ist und
  • wie wir einen ausbalancierten Sitz erreichen können,
  • bis hin zu einer pferdefreundlichen Hilfengebung, die eine echte Kommunikation mit unserem Pferd möglich macht, und
  • Fragen danach, wie Reiteinheiten am besten aufzubauen und auszugestalten sind und
  • welche Lektionen zu reiten sinnvoll ist.

Wisst Ihr was? Ein gutes Stück weit haben wir auf diese Weise den Kurs geschrieben, den wir gerne gehabt hätten, als wir mit dem Reiten anfingen.

Mit dem Herzen voran

Der Titel unseres Reitkurses lautet „Mit dem Herzen voran“, weil darin einerseits so vieles von dem steckt, was uns Der Reitkurs von Wege zum Pferdpferdefreundliches Reiten ermöglicht, und es andererseits die Quintessenz unseres eigenen Weges beschreibt. Mit dem Herzen voran bedeutet, dass uns tatsächlich immer die Liebe zu den Pferden die Richtung weisen sollte, damit wir nie aus den Augen verlieren, dass sich unsere Pferde gut fühlen sollen bei dem, was wir mit ihnen machen und unternehmen.

Unser Herz führen zu lassen, heißt

  • mehr zu fühlen,
  • sich berühren zu lassen und
  • empathisch zu sein.

Wenn wir beim Reiten unser Herz voranschicken, dann richten wir uns körperlich auf und werden weich und offen. Unser Herz weiß genau, wann wir in der falschen Richtung unterwegs sind. Und unser Herz ist jederzeit bereit, das Gute zu sehen und sich begeistert darüber zu freuen und genau das dem Pferd zu zeigen.

Wir hoffen sehr, mit diesem Kurs nun tatsächlich etwas erschaffen zu haben, das für das Reiten unser Motto umsetzbar macht: Es geht auch anders! Hier findet Ihr alle Infos zum Kurs und die Möglichkeit, ihn zu bestellen.Der Reitkurs von Wege zum Pferd

29. September 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Sonstiges 0 Kommentare »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 18: Früher war es irgendwie leichter

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich muss sagen, dass mich die kleine Begebenheit mit dem Gras neulich ganz schön nachdenklich gemacht hat. Eigentlich halte ich mich nicht gerade für einen besonders strengen Menschen, aber, wenn ich ehrlich bin, bin ich es Monty gegenüber schon.

Seltsam, das war doch nicht immer so! Früher war ich viel lockerer, wenn die Ponys Flausen im Kopf hatten. Was haben wir gelacht, wenn die mit uns mal wieder gemacht haben, was sie wollten und ich mochte ganz besonders die frechen Ponys. Ich hatte viel weniger Angst und machte mir viel weniger Sorgen. Aber damals wusste ich auch viel weniger und hatte auch nicht die Verantwortung.

Irgendwie ist mir meine Unbedarftheit verloren gegangen, seitdem ich ein eigenes Pferd habe. Ich möchte doch alles richtig machen, aber ich habe das Gefühl, keine Chance zu haben! Es gibt so vieles zu beachten, so vieles zu bedenken. Ständig lese ich in Blogs oder Artikel bei Facebook, recherchiere nach Tipps und Übungen und kaufe Zeitschriften und Bücher, aber der eine sagt dies, die andere sagt das. So vieles widerspricht sich und ganz ehrlich, etliches, von dem, was einem so geraten wird, will ich auch einfach gar nicht so umsetzen. Und wenn ich auch noch auf all das hören würde, was mir andere im Stall raten und sagen, dann wüsste ich gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Fragst Du fünf Leute hast Du zehn Meinungen …

„Der Monty müsste mehr tun, wirklich fit ist der ja nicht gerade“ – das war ein netter Kommentar einer Miteinstellerin vor einigen Wochen. „Pferde dürfen keine eigenen Ideen entwickeln, das nutzen die total aus und dann hat man nichts mehr unter Kontrolle“ – das ist die Ansicht unseres Stallbesitzers. „Der Mensch muss immer der Chef sein, Pferde suchen Führung, vor allem die dominanten unter ihnen“ – das predigt eine Horsemanship-Trainerin bei uns im Stall.

Ganz ehrlich, manchmal habe ich schon gar keine Lust mehr, mich mit Trainingstipps oder Ausbildungskonzepten zu befassen, weil sich alles so ernst anhört, alles so schwer wirkt und mir irgendwie Schuldgefühle macht. Es reicht irgendwie nie, was ich weiß oder kann, und nie ist richtig, was ich tue. Immer müsste es mehr und toller und schneller und sonst was sein. Und noch weniger mag ich über das Thema Gesundheit nachdenken, denn da komme ich sofort in endlose Sorgen- und Grübelschleifen. Ich habe Angst, dass Monty krank wird, dass ich etwas übersehe, dass ich mehr wissen müsste und überhaupt.

Wo ist nur die Leichtigkeit meiner Jahre als Reitkind hin? Die Zeit, in der Pferde einfach nur die wundervollsten Wesen auf diesem Planeten waren und ich stundenlang an Weidezäunen stand, um sie anzuhimmeln und das Tollste überhaupt war, ein paar Runden auf einem Ponyrücken sitzen zu dürfen … Wie sehr ich mich danach manchmal zurücksehne.

Und heute, wo ich mir meinen Kindertraum vom eigenen Pferd erfüllt habe? Heute lasse ich, noch bevor ich Monty begrüße, meinen Scannerblick über mein Pferd laufen, mit dem ich checke, ob er okay ist, also nicht lahmt, keine Verletzungen hat, nirgendwo Beulen oder irgendwas anderes zu sehen ist. Dann registriere ich natürlich, dass er auf mein Rufen nicht kommt (sollte er sich nicht freuen, mich zu sehen?), dass er dann, wenn ich vor ihm stehe, mir eigentlich gleich viel zu nahe kommt (ist das nicht respektlos?), dann nervt mich, dass er, wenn ich ihn halftern will, immer erstmal ins Halfter beißt (müsste ich ihm das nicht abgewöhnen?) und so weiter und so fort.

Während ich so darüber nachdenke, wird mir klar, dass einiges ganz schön schiefläuft. Und ich frage mich: Sollte ich mich nicht vor allem darüber freuen, mein wundervolles Pferd zu sehen und nicht gleich nach möglichen Krankheiten suchen? Sollte ich mich nicht viel achtsamer nähern, um zu erspüren, ob ich ihn vielleicht gerade bei etwas störe, statt einfach hinzugehen und davon auszugehen, dass ich ihn holen kann? Und sollte ich nicht einfach voller Freude sein über dieses tolle Pferd, statt mich gleich über das erstbeste Verhalten zu ärgern, zumal es tatsächlich nichts Schlimmes, sondern nur eine kleine Macke ist?

Wieder einmal fühle ich mich mies. Aber, Moment! Genau da liegt doch das Problem: dass ich mich so oft mies fühle. Dass ich das Gefühl habe, alles falsch zu machen, so oder so. Mache ich zu viel, ist es falsch, mache ich zu wenig, auch. Nie stimmt was. Nie ist es genug. Und vielleicht fühlt sich Monty genauso?

Ich weiß, ich muss bei mir beginnen und kann nicht erwarten, dass mein Pferd das für mich löst. Aber das sagt sich immer so einfach und ist doch schwer umzusetzen. Wie komme ich nur heraus, aus diesen doofen Mustern? Wie kann ich meine Sorgen reduzieren und wie fühle ich mich wieder leichter und ohne ständige Schuldgefühle meinem Pferd gegenüber?

Was würde Monty wohl zu all diesen Gedanken sagen? Wahrscheinlich würde er einfach nur den Kopf schütteln und mich fragen, ob er nicht eine Möhre bekommen könnte … Na, vielleicht traue ich mich ja, beim nächsten Mal mit ihm darüber zu reden …

 

–> Fortsetzung folgt

 

Monty Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

22. September 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 18: Früher war es irgendwie leichter

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 17: Es ist halt so lecker!

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich staune immer wieder darüber, dass meine Annahme, dass alles im Zusammensein mit dem Pferd einfacher werden würde, wenn man ihm genau erklären kann, was man möchte und auch warum, nicht wirklich zutrifft. Denn, ehrlich gesagt, ist man in vielen Fällen oft ratloser als zuvor. Man kann nämlich manche Dinge so oft und so viel erklären, wie man will, und es ändert sich trotzdem nichts, … überhaupt nichts. Ein gutes Beispiel dafür ist das Führen.

Ich führe Monty von der Weide Richtung Stall. Er läuft brav neben mir, doch zieht mich plötzlich deutlich nach rechts, um eine Butterblume am Seitenrand zu fressen. Früher hätte ich in diesem Fall kräftig am Strick gerupft und geschimpft. Nun versuche ich, das vernünftig in einem Gespräch zu klären.

„Du, Monty, das ist nicht so toll, wenn du einfach frisst.“

„Ach, natürlich, tut mir leid.“

Er kommt wieder zu mir, wir gehen drei Schritte weiter, doch dann taucht sein Kopf tief in ein dickes Grasbüschel am Rand.

„Monty! Das ist echt doof!“, rufe ich, denn er reißt mich wieder ein gutes Stück mit.

„Entschuldigung.“, sagt er und rupft noch eine ordentliche Portion Gras ab, bevor er den Kopf hochnimmt, und wir weiterlaufen. Dazu könnte ich auch wieder etwas sagen, aber lasse es sein.

Kurz danach zieht er mich ein ganzes Stück rüber mitten ins Gras. Ich weiß gar nicht wie mir geschieht und gerate ins Stolpern.

„Hey, Monty!“ Ich werde langsam sauer. „Das kann doch nicht dein Ernst sein.“, rufe ich und rucke wütend am Strick.

„Ach, tut mir leid.“, sagt er.

Tja, und so geht das noch einige Male weiter. Ich werde immer gereizter und würde ihm am liebsten einen ordentlichen Klaps geben, aber da kann ich mich gerade noch zurückhalten. Dafür stelle ich ihn zur Rede, schließlich will ich das Ganze respektvoll lösen.

„Was soll denn das, Monty? So ist das wirklich blöd. Ich habe dir erklärt, dass du nicht fressen sollst, wenn ich dich führe.“

„Ach, tut mir leid, aber es ist doch immer nur ganz kurz.“

„Ob kurz oder lang, darum geht es nicht. Es ist einfach nicht in Ordnung, Monty. Du ziehst mich durch die Gegend und das ist unhöflich und gefährlich für mich. Da gab es schon früher Ärger, das weißt du ganz genau. Es geht einfach nur mit einigen Spielregeln, sonst haben wir ein Problem. Führen ist führen und fressen ist fressen. Warum lässt du es nicht einfach sein?“, herrsche ich ihn an.

„Tut mir leid, ich kann nichts dafür.“

„Wie…, du kannst nichts dafür?“

„Ich kann einfach nicht widerstehen, das passiert von ganz allein.“, sagt er.

„Von ganz allein? Monty, das ist doch Blödsinn. Niemand zwingt dich dazu, mich durch die Gegend zu ziehen, das bist du selbst. Du ziehst einfach rüber, ohne auf mich zu achten.  Aber ich hänge doch am Strick! Spätestens da musst du doch merken, was du tust!“

„Ach, wissen Sie, manchmal vergesse ich Sie einfach.“

„Du vergisst mich?“

„Ja, das Gras ist Schuld.“

„Das Gras ist Schuld.“, wiederhole ich blöde.

„Ja!“, ruft er und nickt eifrig. „Es ist einfach so lecker. Da kann ich wirklich nichts dafür!“

Was, bitteschön, soll ich dazu sagen?

„Und wie lösen wir nun dieses Problem?“, frage ich mein Pferd.

Er schaut mich nur an.

„Du lässt mir ja gar keine Wahl!“, rufe ich „Dann muss ich mich ja bemerkbar machen und am Strick rupfen oder so.“

„Ja, machen Sie das nur, das ist schon okay.“

„Nein, Monty, das ist nicht okay, weil ich das gar nicht will. Himmel, ich habe ein sprechendes Pferd und soll dann trotzdem grob werden müssen? Das macht doch keinen Sinn! Wir können doch darüber reden. Ich erkläre dir die Gründe für die Regel und du verstehst sie auch. Kannst du nicht bitte einfach lernen, das sein zu lassen?“

„Ich werde es versuchen.“, verspricht Monty, aber, ich habe meine Zweifel, dass das klappen wird … Ich atme einmal tief durch und mir kommt ein neuer Gedanke.

„Sag mal, Monty, würde es helfen, wenn du ein paar Minuten von dem leckeren Gras fressen darfst? Ich verstehe ja, dass das sehr verlockend ist. Aber du musst wiederum verstehen, dass ich dich nicht alles entscheiden lassen kann, sondern dass du auf mich achten musst. Was meinst du: etwas naschen und dann diszipliniertes Neben-mir-bleiben?“

Ich schwöre, mein Pferd grinst in diesem Moment ganz breit und ruft: „Das wäre einfach großartig.“

„Aber dann diskutieren wir nicht endlos darüber, dass es zu kurz war, okay?“

„Selbstverständlich!“, sagt mein Pferd.

Ich erlaube ihm also, seine Nase ins Gras zu stecken. Während ich ihn so glücklich grasen sehe, rührt er mich sehr an, mein Monty. Er hört nach ein paar Minuten tatsächlich anstandslos auf und kommt brav mit. Auf dem Heimweg bin ich dann ziemlich nachdenklich und frage mich mit bangem Herzen, ob ich vielleicht manchmal einfach ein bisschen zu streng bin?

–> Fortsetzung Kapitel 18

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

4. August 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 17: Es ist halt so lecker!

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 16: Können eigentlich alle Pferde sprechen?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Als Monty mit mir zu sprechen begann, habe ich mich gefragt, wie das eigentlich mit den anderen Einstellern im Stall werden soll. Aber es fällt offenbar niemandem wirklich auf. Das mag daran liegen, dass ich schon früher viel mit meinem Pferd geredet habe und dass andere das ja auch machen. Irgendwie quatschen doch viele von uns ganz gerne unsere Pferde voll, die sich dann Wer-weiß-was dabei denken. Dass Monty nun tatsächlich sprechen kann, hört jedenfalls offenbar niemand außer mir und so wurde ich bisher noch nicht darauf angesprochen.

Da kommt mir allerdings eine Frage in den Sinn: Ob auch andere Pferde sprechen können? Wenn die anderen Monty nicht hören können, kann ich wiederum vielleicht die anderen Pferde nicht hören und weiß gar nicht, dass sprechende Pferde ganz normal sind? Na, das wär’ ja ein Ding! Das muss ich unbedingt mal Monty fragen.

Am nächsten Tag auf unserem Spaziergang platze ich gleich damit heraus: „Sag mal, Monty, können eigentlich alle Pferde reden?“

„Natürlich.“, sagt er schlicht.

Aha, natürlich also.

„Und warum tun sie es dann nicht?“, frage ich.

„Viele tun es ja.“

„Ach, echt?“ Da hatte ich also sogar Recht gehabt mit meinem Gedanken. „Und wie kommt es, dass man davon nichts mitbekommt?“, frage ich. „Ich habe noch nie ein Pferd reden hören außer dich.“

„Darüber habe ich noch nie nachgedacht.“, erwidert mein Pferd.

„Aber, Monty, alle Pferde sollten sprechen! Ich bin mir sicher, dass die Pferdewelt eine deutlich bessere wäre, wenn Pferde reden würden.“

„Meinen Sie.“ Das ist keine Frage, sondern eine Aussage und sie gibt mir irgendwie das Gefühl, ein bisschen naiv zu sein.

„Ja, glaubst du das denn etwa nicht?“ Ich kann nicht fassen, dass Monty so ruhig bleibt, wo wir doch gerade dabei sind, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie sich all die Probleme lösen lassen, die durch die Unwissenheit und Grobheit vieler Menschen entstehen. Ich führe aus, dass Mensch und Pferd sich endlich besser verstehen könnten. Und das würde bedeuten, dass es viel weniger Gewalt und Missbrauch geben würde. Menschen würden viel respektvoller mit Pferden umgehen, wenn sich diese mit Worten bemerkbar machen würden. Doch das sieht Monty anders.

„Ich wüsste nicht, wieso.“, sagt er.

„Na, Pferde könnten sagen, wenn es ihnen nicht gut geht, wenn ihnen etwas nicht gefällt oder wenn sie schlecht behandelt werden. Sie könnten sich beschweren. Sie könnten fluchen und den Menschen beschimpfen, wenn er sich mies verhält. Sie könnten andere Menschen um Hilfe bitten und sich sogar zusammentun, um ihrer Stimme mehr Kraft zu verleihen.“

„Und was, meinen Sie, würde sich dadurch ändern?“

„Na, alles würde sich ändern! Es würde es viel schwerer machen, euch schlecht zu behandeln! Es könnte eine Revolution in der Pferdewelt geben!“, rufe ich.

Monty rollt nur mit den Augen.

Wir kommen zum Stall, wo gerade Susanne versucht, ihrer Stute die Hufe auszukratzen. Die steht aber nicht still, sondern tritt immer zur Seite. Susanne wird wütend und haut ihrem Pferd auf den Hintern. Gerade als ich mich frage, ob sie vielleicht einfach nur äppeln muss, weil sie die ganze Zeit den Schweif hebt, tut sie genau das, während Susanne nun gerade ihren Hinterhuf auskratzt. Natürlich bekommt sie fast die Äppel ab. Dafür schimpft sie dann noch lauter und gibt ihr noch einen kräftigen Klaps auf den Hintern.

Monty schaut mich an.

„Na, wenn sie gesagt hätte, dass sie mal muss, hätte Susanne sicher anders reagiert.“, sage ich kleinlaut.

„Meinen Sie.“, sagt er wieder.

Als wir in der Halle sind, buckelt der junge Holsteiner von Miriam jedes Mal beim Angaloppieren und schlägt deutlich mit dem Kopf. Für mich sieht es aus, als hätte er Probleme mit dem Rücken oder mit dem Sattel, aber Miriam reißt nur am Zügel und bringt ihre Sporen zum Einsatz.

Wieder schaut mich Monty an.

„Sie kommt wahrscheinlich gar nicht auf die Idee, dass der Sattel nicht passt.“, flüstere ich Monty zu und rufe dann: „Sag mal, Miriam, könnte es sein, dass der Sattel drückt?“

„Wie kommst du denn darauf?“, fragt sie ziemlich gereizt. Sie ist ganz offensichtlich nicht gerade begeistert darüber, dass ich mich einmische.

„Na, weil es so aussieht, als würde ihm etwas weh tun.“

„Ne, lass mal, der Sattel passt, ich hatte den Sattler gerade da. Der ist einfach nur mies drauf heute, dann benimmt der sich immer so. Kenne ich schon von ihm, dem muss ich nur klar machen, wer hier Chef ist.“, sagt Miriam und treibt ihr Pferd wieder energisch voran.

Ich trau’ mich kaum, zu Monty zu schauen.

„Man muss schon auch hören wollen, um etwas zu verstehen.“, sagt er und damit hat er wohl Recht.

–> Fortsetzung: Kapitel 17

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

21. Juli 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 16: Können eigentlich alle Pferde sprechen?

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 15: Reden hilft,  … oder auch nicht

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich gewöhne mich langsam daran, dass mein Pferd spricht und versuche, damit praktisch zu leben. Denn vieles ist nun wirklich umständlicher für mich geworden und mir wird immer bewusster, wie oft ich früher doch einfach über die Interessen meines Pferdes hinweggegangen bin. Allerdings bin ich immer noch ziemlich ratlos, wie ich jetzt damit umgehen soll. Nehmen wir zum Beispiel die Sache mit dem Weidetor …

Eigentlich möchte ich als Erste durch das Tor gehen, dann soll Monty mir folgen, ohne mich umzurennen, sich umdrehen und kurz warten, so dass ich in Ruhe das Tor wieder schließen kann. Theoretisch macht das durchaus Sinn, das sieht auch Monty so, denn ich habe ihm natürlich erklärt, wie ich es gerne hätte und warum – praktisch aber läuft es ganz anders.

Wenn wir von der Weide gehen, lässt Monty sich nämlich gerne viel Zeit. Und das sieht dann so aus:

Ich stehe mit dem offenen Tor in der einen und dem Ende des Führstricks in der anderen Hand und warte, dass er kommt. Er aber schaut über die Felder. Früher habe ich da einfach geschnalzt und am Strick gezupft. Das kann ich aber jetzt irgendwie nicht mehr machen, oder?

Also sage ich: „Äh, Monty, kommst du?“

„Selbstverständlich.“, antwortet er, reagiert aber nicht.

Ich warte. Meine Hand zupft, ohne dass ich es will, ungeduldig am Strick und ich beeile mich zu sagen: „Entschuldige, Monty, ich wollte nicht zupfen. Kommst du oder brauchst du noch Zeit, denn dann schließe ich das Tor erstmal wieder.“ Ich sehe nämlich gerade, dass zwei von Montys Kumpels interessiert zu uns herüberschauen – nicht, dass die gleich losschießen und abhauen. Das würde mir noch fehlen!

„Ja, ich komme.“, sagt mein Pferd, bewegt sich aber keinen Zentimeter.

„Moooonty, komm doch bitte einfach durch’s Tor, und schau’ von hier an, was immer du da anschaust, okay?“

„Ja, mach ich…“, sagt er und starrt weiter, aber setzt sich endlich in Bewegung, nur dass er dabei nicht darauf achtet, wo ich stehe und mich fast umrennt.

„Hey, Monty, pass ein bisschen auf mich auf, ja? Ich steh doch hier!“, rufe ich.

„Oh, tut mir leid, ich habe Sie nicht gesehen.“, sagt Monty und ist mit seiner Aufmerksamkeit immer noch irgendwo dort ganz hinten auf dem Feld.

„Was ist denn da bloß, Monty? Ich sehe überhaupt nichts!“, frage ich und versuche zu erkennen, was mein Pferd sieht. „Ach, doch, Moment, da ganz hinten ist tatsächlich etwas. Ein Fuchs, oder? Ja, das ist doch nur ein Fuchs, Monty, nichts Schlimmes.“

Mein Pferd starrt noch einen Moment weiter, nimmt dann den Kopf herunter und ist wieder ganz der Alte, ruhig und gelassen, als wäre nichts gewesen.

„Sag mal, kannst du mir nicht einfach sagen, wenn du etwas Beunruhigendes siehst? Dann schauen wir gemeinsam und klären, ob es wirklich gefährlich ist oder nicht, ja?“

„Wie Sie wünschen.“, sagt mein Pferd, aber ich fürchte, ich weiß genau, wie die Sache das nächste Mal aussehen wird …

Tja, und wenn wir zurück auf die Weide kommen, ist es meist genau umgekehrt, denn da hat es Monty mehr als eilig:

Sowie ich zum Torschloss greife, um es zu öffnen, drängelt Monty, als stände es bereits offen.

„Monty, nicht drängeln, das hatten wir doch abgemacht.“

„Oh, selbstverständlich, tut mir leid!“

„Gehst du bitte einen Schritt zurück, damit du mich nicht ans Tor drückst?“

„Wie Sie wünschen.“

Zwei Sekunden später drängelt er schon wieder gegen mich.

„Monty, du machst das schon wieder! Das macht es wirklich nicht leichter.“

„Oh, tut mir leid.“

„Ehrlich, das geht so nicht. Wie soll ich denn das Tor öffnen, wenn ich fürchten muss, dass du mich zerquetschst?“

„Ich, … ach nein, das würde ich nie tun. Tut mir leid.“

„Aber warum machst du das denn, Monty?“, frage ich und versuche ruhig zu bleiben, während er schon wieder am Schubsen ist.

„Ich, … ach, ich weiß nicht, die anderen, … ich muss … Tut mir leid.“

„Also, ich verstehe ja, dass du zu deinen Kumpels willst, aber es dauert alles viel länger, wenn du nicht ein bisschen Abstand hältst und mich das Tor aufmachen lässt.“

Dann habe ich das Tor offen und spüre schon wieder seine Schulter an mir.

„Monty, es reicht!“, rufe ich laut, langsam bin ich wirklich genervt.

Wieder entschuldigt er sich. Irgendwie kommen wir dann durch das Tor, aber er starrt nur zu den anderen und ich komme kaum dazu, das Halfter zu öffnen, so hoch trägt er seinen Kopf.

„Monty, du musst schon ein bisschen mithelfen, ehrlich. Wie soll ich denn dein Halfter abmachen, wenn du den Kopf so hochnimmst? Komm bitte etwas runter, das kann doch nicht so schwer sein!“

„Entschuldigung!“, ruft mein Pferd, als ich das Halfter dann abgemacht habe, und rast zu den anderen.

So viel hilft also Reden …

–> Fortsetzung Kapitel 16

 

Monty - Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

7. Juli 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 15: Reden hilft,  … oder auch nicht

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 14: Die Sache mit dem „Sie“, die zweite

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Irgendwie wurmt es mich doch sehr, dass Monty mich nicht duzen will und dass er unser Miteinander als seinen Job ansieht, auch. Hey, ein bisschen Wendy ist doch in jeder von uns, nicht wahr? Ich will mich nicht als Arbeitgeberin meines Pferdes sehen (naja, wenn man es genau nimmt, bin ich ja eigentlich sogar noch eher so etwas wie eine Leibherrin über einen Leibeigenen, aber das hört sich ja noch viel schrecklicher an). Ich möchte doch, dass uns eine Partnerschaft verbindet, im Idealfall eine Freundschaft.

Ich beschließe, ihn noch einmal darauf anzusprechen.

„Du, Monty, ich muss noch mal über die Sache mit dem Beruf mit dir reden.“

Monty schaut mich an.

„Na ja, du sagtest, dass du Berufs- und Privatleben trennen möchtest. Aber, … Beruf, … ich meine, siehst du das hier wirklich als deine Arbeit?“

„Ja, natürlich, als was denn sonst?“

Ich schlucke. Ein dicker Kloß ist in meinem Hals. Komisch, wie emotional man doch immer gleich ist, wenn es um das eigene Pferd geht, oder? Ich meine, als er noch in der Reitschule war und ich ihn einmal in der Woche geritten bin, habe ich ihn gemietet wie ein Auto, nicht wahr? Natürlich sah er das als Job. Und dann habe ich ihn gekauft wie ein Auto …, denke ich. Irgendwie schon nachvollziehbar, dass er das nicht wirklich anders sehen kann.

„Ich dachte halt, es ist etwas anderes …“, erwidere ich hilflos.

„Ich fürchte, ich verstehe nicht.“ sagt Monty.

„Ach, ich weiß auch nicht, irgendwie tut es mir weh, dass du die Zeit mit mir als Berufsleben bezeichnest.“

„Entschuldigung.“, sagt Monty.

„Das gibt mir das Gefühl, dass ich dich benutze.“

„Sie sagen das, als ob das was Schlechtes ist.“

„Aber das ist es doch auch!“, rufe ich entsetzt.

„Aber Sie haben mich doch gekauft, um mich reiten zu können.“

Er sagt das ohne jeden Vorwurf, ohne jede Häme, ohne jede Gefühlsregung. Es ist für ihn einfach eine Tatsache. Aber es ist eine, die sich für mich schrecklich anfühlt! Ja, klar, ich habe mir ein Pferd zum Reiten gewünscht. Aber doch auch viel mehr. Ich sehne mich nach einer tiefen Beziehung zu meinem Pferd, nach einem echten Miteinander, nach inniger Verbundenheit – und ich dachte, dass wir so etwas über die Jahre vielleicht erreichen könnten.

„Warum soll das was Schlechtes sein?“, hakt Monty nach.

„Na, ich will dich doch nicht benutzen.“ Ich lasse den Kopf hängen und fühle mich richtig mies.

„Entschuldigung, aber das ist wieder einmal zu kompliziert für mich. Sie wollen mich reiten, aber sie wollen mich nicht benutzen. Das muss wohl menschliches Denken sein.“

„Ich möchte, dass du die Sachen freiwillig und gerne mit mir machst.“, sage ich leise.

„Ob gerne oder nicht, darüber habe ich noch nie nachgedacht.“

Ich sage nichts und kann ihn auch nicht anschauen. Ich stehe da und gucke auf meine Füße.

„Wissen Sie, ich sehe das so: Ich bin Ihr Pferd und damit habe ich den Job, Ihr Pferd zu sein. Und als Ihr Pferd mache ich das, was Sie möchten. Ganz einfach, ganz normal.“

Mir fällt immer noch nichts zu sagen ein. Am liebsten würde ich heulen.

„Glauben Sie mir, ich hätte es schlimmer treffen können. Ich habe es gut bei Ihnen.“ sagt er, wahrscheinlich um mich zu trösten.

„Danke.“, antworte ich kleinlaut.

Und damit scheint für ihn das Thema durch zu sein.

Ich wiederhole mein neues inneres Mantra: „Mach kein Problem daraus, mach kein Problem daraus…“ und nehme mir fest vor, Monty zu zeigen, dass er bei mir nicht nur Angestellter ist, sondern dass ich ihm ein echter Freund sein will und kann.

-> Fortsetzung: Kapitel 15

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

16. Juni 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 14: Die Sache mit dem „Sie“, die zweite

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 13: Dann mal ganz praktisch gefragt

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Nachdem ich mit den großen Fragen bei Monty nicht wirklich weitergekommen bin, beschließe ich, dann wenigstens all die vielen kleinen zu stellen, die ich so habe. Endlich kann ich herausfinden, was mein Pferd mag und was nicht, was ich richtig mache und was falsch und was ich alles ändern kann, damit es ihm gut geht.

Theoretisch.

Denn praktisch sieht es so aus, dass ich eigentlich immer nur dieselbe, nicht wirklich hilfreiche Antwort bekomme:

„Sag mal, Monty, drückt eigentlich der Sattel irgendwo?“

„Der Sattel ist okay.“

„Ist er nur okay oder sitzt er wirklich gut? Du kannst mir das ruhig sagen. Wir können ihn umpolstern lassen. Oder wir suchen einen anderen, wenn der nicht gut ist.“

„Der Sattel ist okay.“

„Hm, ist dir denn die Satteldecke angenehm? Es gibt auch solche Polster, die man unterlegen kann, vielleicht wäre so etwas gut?

„Die Decke ist okay.“

„Hm, aber du sagst, wenn was drückt, ja? Und … , magst du dein Gebiss eigentlich oder willst du lieber ohne geritten werden? Oder mit einem anderen?“

„Es ist okay mit dem Gebiss.“

„Aber wäre es besser ohne?“

„Es ist in okay mit Gebiss.“

„Sitze ich denn eigentlich gut genug oder ist das für dich unangenehm, wenn ich dich reite?“

„Es ist okay, wie Sie sitzen.“

„Ich denke, ich bin etwas schief und komme auch hin und wieder ganz schön aus dem Gleichgewicht. Aber, ich arbeite dran, das verspreche ich.“

„Es ist okay so.“

„Monty, ist diese Bürste besser oder diese hier?“

„Die Bürsten sind okay.“

„Aber, wenn du dir eine aussuchen könntest?“

„Sie sind beide okay.“

„Monty, gehst du lieber Trab oder Galopp?“

„Ist beides okay.“

„Wir können gerne mehr von dem machen, was dir besser gefällt. Galopp ist sicher anstrengend, oder?“

„Ist beides okay.“

„Monty, …“

Da unterbricht mich mein Pferd: „Sagen Sie mal, hört das auch mal wieder auf?“

„Was denn, Monty?“

„Na, dass Sie so viele Fragen stellen.“

„Aber ich möchte doch, dass es dir gut geht!“

„Mir geht es gut.“

„Ich möchte, dass dir gefällt, was ich mache.“

„Ich bin zufrieden.“

„Ich möchte dich kennen lernen.“

„Sie kennen mich doch.“

„Ich möchte einfach mit dir reden.“

„Na, das tun wir doch mehr als genug.“

Da weiß ich mal wieder nichts mehr zu sagen und seufze. Ganz ehrlich: mit einem Pferd zu sprechen, ist viel schwieriger, als ich das je für möglich gehalten hätte.

–> Fortsetzung Kapitel 14

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

2. Juni 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 13: Dann mal ganz praktisch gefragt

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 12: Große Fragen, kleine Antworten

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Je bewusster mir wird, dass ich tatsächlich ein sprechendes Pferd habe, desto mehr begreife ich, was das doch für eine unglaubliche Chance ist, ja, mehr noch: es ist geradezu ein Wunder! Endlich kann ich all die Fragen loswerden, mit denen ich mich schon so lange befasse – Fragen über das Pferd-Sein, darüber, wie Pferde die Welt sehen und welche Botschaften sie für uns haben – und ich bekomme Antworten von einem Pferd darauf, erfahre also, wie sie wirklich ticken und was sie denken. Wer weiß, vielleicht werde ich ein Buch darüber schreiben und zwischen Menschen und Pferden vermitteln können, wäre das nicht großartig?

Theoretisch wäre es das …,  aber in der Realität läuft das alles ein bisschen anders, als ich es mir vorgestellt habe. Jetzt, da Monty tatsächlich spricht, komme ich mir irgendwie immer blöder vor mit meiner Naivität. Denn Monty geht das alles ziemlich ab.

Neulich fragte ich ihn zum Beispiel: „Monty, was denkt Ihr eigentlich über uns Menschen?“

„Nicht viel.“, war seine Antwort.

„Das kann nicht sein. Ihr macht euch doch sicher Gedanken über uns? Wie wir mit euch umgehen, wie wir uns verhalten und so etwas.“

„Nein, eigentlich nicht.“

„Das glaube ich dir nicht! Du denkst doch sicher nach über unsere Reiteinheiten oder Spaziergänge oder was ich mit dir gemacht habe, oder?“

„Nein, ich wüsste nicht, wieso.“, sagt mein Pferd.

Ich schaue ihn mit offenem Mund an und lasse es gut sein.

 

Bei der nächsten Gelegenheit fragte ich ihn: „Sag mal, was würdest du dir eigentlich für die Pferdewelt wünschen, Monty?“

„Mehr Gras.“, antwortete er.

„Nein, ich meine das anders, mehr so in Richtung, wie ein Pferdeleben idealerweise aussehen würde?“

„Mit mehr Gras.“

„Ach Monty, denk doch mal über ein ideales Miteinander von Mensch und Pferd nach, wie würdet Ihr behandelt werden wollen in einer idealen Pferdewelt?“

„Wir bekämen mehr Gras.“

Ja, genauso laufen diese Gespräche …

 

Heute versuche ich es nochmal und frage Monty: „Gibt es etwas, das du als Pferd mir als Mensch sagen möchtest?“

„Ich verstehe die Frage nicht.“, sagt Monty

„Na, was ist deine Botschaft als Pferd an mich oder an uns Menschen im Allgemeinen?“

„Ist das eine Trick-Frage?“, fragt er.

„Nein, Monty, das ist keine Trick-Frage, sondern echtes Interesse. Ich habe ein sprechendes Pferd, da kann ich doch endlich die Fragen stellen, über die ich schon so lange nachdenke. Ich bin immer überzeugt davon gewesen, dass Ihr Pferde uns Menschen etwas vermitteln und beibringen wollt. Viele sagen das, weil Ihr so weise wirkt. ‚Die Botschaft der Pferde‘ und so weiter, ich glaube, da gibt es sogar ein Buch mit diesem Titel und viele schreiben darüber, was wir alles von euch lernen können. Und ich kann nun direkt nachfragen, was für eine Chance! Also, Monty: Hast du eine Botschaft für mich?“

„Nein.“, erwidert mein Pferd.

Tja, Gespräche mit Monty sind manchmal wirklich ziemlich ernüchternd, muss ich sagen.

Fortsetzung: Kapitel 13

 

Monty - Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

12. Mai 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 12: Große Fragen, kleine Antworten

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 11: Es ist genau richtig, wie es ist

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Monty und ich sind auf dem Reitplatz. Es ist einer dieser Tage, an denen die Sonne nicht so genau weiß, ob sie scheinen mag oder nicht und sich deshalb hinter einer leichten Decke aus Wolken versteckt. So ist es nicht wirklich warm und nicht wirklich kalt. Alles fühlt sich irgendwie so zwischendrin an… – und damit genauso wie ich mich gerade auf meinem Pferd fühle.

Ich reite Monty und obwohl es mein eigenes Pferd ist, auf dem ich sitze, fühlt sich nichts mehr vertraut oder bekannt an. Seit Monty spricht, ist es, als ob alles neu beginnt. Monty sagt zwar immer, dass alles einfach bleiben kann, wie es war, aber das geht einfach nicht, denn: Es IST anders, jetzt.

Ganz ehrlich, ich habe das Reiten bisher nie in Frage gestellt. Seit ich fünf bin, liebe ich Pferde. Pferde und Reiten, das gehörte für mich immer zusammen. Klar, später habe ich dann natürlich auch gelernt, dass Pferde eigentlich gar nicht dafür gemacht sind, uns auf ihrem Rücken zu tragen. Das hört man als Reiterin natürlich nicht gerne. Und die Gewalt, mit der so viele Pferde zu dem gezwungen werden, was Menschen von ihnen wollen, finde ich einfach schrecklich, aber irgendwie glaubt man ja doch immer, dass man es selbst besser macht. Und damit gibt man sich dann zufrieden.

Sind wir Menschen nicht echte Meister im Verdrängen (… und das nicht nur, wenn es um Pferde geht)? Aber in gewisser Hinsicht hat das auch seinen Sinn, stelle ich jetzt fest. Denn nicht ständig über alles nachzudenken und alles in Frage zu stellen, macht uns oft überhaupt erst handlungsfähig. Genau das ist mir durch die Tatsache, dass mein Pferd sprechen kann, ein ganzes Stück verloren gegangen und ich schätze, ich muss es mir erst wieder zurückerobern. Denn, wenn ich ehrlich bin, reite ich eigentlich gerade gar nicht, sondern ich sitze nur auf dem Rücken meines Pferdes. Ich traue mich kaum, zu atmen, geschweige denn einen Mucks zu machen. Bei jedem Handwechsel, den ich gerne reiten würde, bei jeder Hilfe, die ich geben will, bei jedem Wechsel der Gangart möchte ich vorher fragen, ob er das überhaupt möchte und ob es für ihn okay ist, das für mich zu machen. Dadurch verliert die Sache jeden Fluss und jede Natürlichkeit. Ich bin nur noch im Kopf und damit ein einziges Fragezeichen.

Und dann frage ich mich, ob es aber so nicht eigentlich sein sollte?

Natürlich nicht die quälende Unsicherheit, die mich fast handlungsunfähig macht, und nicht das schlechte Gewissen, das zu nichts führt, aber was ist mit der Behutsamkeit, mit der ich nun meine Hilfen gebe? Oder was ist mit dem Bewusstsein darüber, dass nichts selbstverständlich ist? Und was ist mit dem Respekt, der zusammen mit der Tatsache, dass mein Pferd sprechen kann, nun einen ganz neuen Stellenwert bekommen hat? Sollte genau das alles nicht die Basis jeden Miteinanders von Mensch und Pferd sein: Behutsamkeit, Bewusstsein und Respekt?

Ich war immer der Ansicht, dass ich eine von denen bin, die schon vieles ziemlich gut machen, aber jetzt wird mir klar, dass ich doch in vielem zu gedankenlos war. Man ist so schnell dabei, andere dafür zu verurteilen, was sie mit Tieren machen, nur bei sich selbst schaut man oft nicht so genau hin. Und wenn, dann hat man ein schlechtes Gewissen und schiebt das schnell wieder weg. Vielleicht gewöhnt man sich über die Zeit auch einfach an so vieles, was eigentlich nicht okay ist, einfach weil es alle machen und weil man es auch so vermittelt bekommen hat …

Aber letztlich haben wir doch in jedem Moment die Möglichkeit, uns neu zu entscheiden. Wir können grob werden oder wir können inne halten. Wir können automatisch reagieren oder nachdenken. Wir können uns durchsetzen oder auf Verständigung zielen. Sind das Gedanken, die mir auch gekommen wären, wenn mein Pferd nicht sprechen würde? Immerhin habe ich mich auch schon mal geweigert, Dinge zu machen, zu denen ich angeleitet wurde. Ich habe nein gesagt, als ich ein Pferd mit der Gerte schlagen sollte, das nicht vorwärts gehen wollte, und ich bin von einer Stute abgestiegen, die ich nicht anders im Schritt halten konnte, als den Zügel so kurz zu nehmen, dass mir die Arme weh taten. So wollte ich nie reiten: mit Kraft und Gewalt. Ich sehe aber genau das immer wieder im Stall. Es ist normal. Unnormal bin eher ich, die nun auch noch Gespräche mit ihrem Pferd führt.

Und das ist gut so, denke ich. Normal ist oft gar nicht gut, wir machen nur immer so weiter, weil Gewohnheiten einfacher sind als Neues anzugehen. Weil wir nicht auffallen wollen. Weil wir keine Ahnung haben, wie das Andere aussehen kann und uns das hilflos und ratlos macht. So wie ich mich gerade fühle, da ich nach wie vor nicht weiß, wie es nun mit mir und meinem sprechenden Pferd weitergehen wird. Alles ist offen, alles ist neu und unbekannt.

Aber ich will mich darauf einlassen. Ich möchte lernen. Ich möchte zu einem Menschen werden, den sein Pferd duzen mag. Ich möchte mir die Zuneigung meines Pferdes verdienen.

„Monty, halt mal an.“, sage ich und schlinge meine Arme um seinen Hals.

„Ach, sind Sie wieder anwesend?“, fragt er ein etwas spöttisch.

„Ja, das bin ich. Und es ist schön, dass du da bist.“, sage ich.

„Haben Sie mal wieder gegrübelt?“

„Ja, schon … Aber das ist genau richtig so.“ Ich richte mich wieder auf und fühle mich eigentlich ganz gut.

„Na, wenn Sie meinen.“

„Was hältst du von ein bisschen Bewegung?“

„Wie Sie wünschen.“, sagt mein Pferd und trabt so schwungvoll an, so dass ich zusehen muss, nicht nach hinten über zu kippen.

„Hey, das hast du doch voll absichtlich gemacht, Monty!“

„Selbstverständlich.“, sagt mein Pferd und ich lache.

–> Fortsetzung Kapitel 12

 

Monty Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

28. April 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 11: Es ist genau richtig, wie es ist

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 10: Die Sache mit dem „Sie“

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ok, Monty hat natürlich recht, dass man sicher nicht aus allem ein Problem machen muss, aber es gibt Dinge, die wurmen einen doch so sehr, dass man sie nicht einfach ignorieren kann. Genau so ist es mit der Tatsache, dass Monty mich siezt. Ich finde das ziemlich schräg und irgendwie verunsichert es mich, nein, ehrlich gesagt kränkt es mich sogar.

Als Monty und ich nach der Reiteinheit am Tor zum Weidepaddock stehen, entscheide ich mich, das anzusprechen:

„Du Monty, … darf ich dich noch etwas fragen?“

„Selbstverständlich.“

„Warum siezt du mich eigentlich?“

Er schaut mich wieder nur an. Diesmal halte ich den Blick. Ich möchte eine Antwort, denn dieses Sie verunsichert mich doch sehr.

„Ach, wissen Sie“, sagt er dann „ich bevorzuge klare Verhältnisse auf der Arbeit.“

„Oh.“, sage ich, weil mir nichts anderes einfällt. Mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet.

„Ja, Sie wissen schon, es ist nicht ratsam, das Berufs- und das Privatleben allzu sehr zu vermischen, das schafft meist nur Probleme.“

„Ach so?“

„Duzen Sie denn Ihren Chef?“

„Äh, … nein.“

„Na, sehen Sie.“

„Aber, manche machen das durchaus, … dass sie ihren Chef duzen, meine ich, ist doch eigentlich auch ganz schön, … viel lockerer, vertrauter, aber … hm, … also gut“, stottere ich, nachdem ich seine unerschütterliche Miene sehe und frage beklommen: „Und …, also, dann sollte ich dich wohl auch besser siezen, oder?“

„Ach, nein, das ist nicht nötig. Wissen Sie, das war ja immer schon so, damit kann ich gut leben. Es kann einfach so bleiben, wie es ist.“

Monty wendet seinen Kopf in Richtung der anderen Pferde und tritt unruhig von einem Bein auf das andere.

„Ach, da bin ich aber sehr froh, weil das würde mir doch ziemlich schwer fallen, Monty.“, sage ich und schaue ihn liebevoll an. Doch mein Pferd starrt weiter zu den anderen Pferden und bekommt das gar nicht mit. Er macht einige Schritte nach rechts, dann nach links und wirkt immer angespannter.

„Du willst zu den anderen, richtig?“

„Ja, das wäre sehr freundlich.“, antwortet er.

„Na, dann.“ Ich öffne das Tor, er dreht den Kopf zu mir und ich nehme ihm das Halfter ab und sage: „Dann hab’ einen schönen Feierabend.“ Eigentlich meinte ich das als Scherz, aber Monty bedankt sich artig und trabt davon.

Mein Pferd sieht mich als Arbeitgeber und will mich nicht duzen …, das klingt irgendwie ziemlich verrückt, oder? Und, ehrlich gesagt, fühlt sich doof an. So bekommt die Tatsache, dass mein Pferd mit mir redet, ein bisschen so etwas wie einen schalen Nachgeschmack. Ich lasse es für diesen Moment gut sein, aber nehme mir vor, das bei Gelegenheit noch einmal anzusprechen. Da kann das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.

Fortsetzung: Kapitel 11

 

 

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Tania Konnerth

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Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

3. April 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 10: Die Sache mit dem „Sie“

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