Die Trust Technique – ein Erfahrungsbericht

Bei meinen Praxiskursen zum Longenkurs stelle ich immer fest, dass so eine Teilnahme für viele Menschen und ihre Pferde eine sehr aufregende, ja teilweise auch stressige Situation ist. Deutlich wird dabei auch immer wieder, dass das Verhalten des Pferdes sehr stark von der Ausstrahlung des Menschen abhängt, mit dem es im Augenblick im Kontakt ist. Deshalb arbeite ich bei nervösen, angespannten und widersetzlichen Pferden zunächst vorrangig mit dem dazugehörigen Menschen, sie sind oft der entscheidende Schlüssel. Dabei bemühe ich mich, meinen zweibeinigen Schülern zu einem guten emotionalen Zustand zu verhelfen, in dem es ihnen gelingt, sich zu entspannen, gut zu atmen, schöne Bilder im Kopf zu haben und auf diese Weise eine Ausstrahlung auf das jeweilige Pferd zu haben, die  wiederum diesem hilft, sich ebenfalls zu entspannen und so seinerseits in einen Zustand zu gelangen, indem es lernen und gut mitarbeiten kann.

Es ist einfach eine Tatsache: Pferde spiegeln uns, wir können ihnen nichts vormachen – und genau das können wir auch nutzen, wenn wir bereit sind, an uns zu arbeiten.

Während mir der Zusammenhang zwischen dem inneren Zustand des Menschen und dem des Pferdes immer bewusster wurde, bekamen wir zeitgleich bei „Wege zum Pferd“ in kurzer Folge mehrere E-Mails, in denen uns Leserinnen unabhängig voneinander auf die „Trust Technique“ aufmerksam machten. Bei dieser Methode geht es spannenderweise genau um die Wirkung unserer Ausstrahlung auf unsere Pferde. Und wie es der „Zufall“ dann weiter so wollte, sprach ich darüber während einer meiner Kurse auch mit Alexia Meyer-Kahlen, die sich genau mit dieser Methode seit 2015 befasst.

Alexia ist Pferdebuchautorin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Fachberaterin für Stress-und Burnout. So war Alexia für mich die perfekte Frau für dieses interessante Thema und ich bat sie, einen Beitrag für uns zu schreiben, damit wir diese Methode hier einmal vorstellen können. Ich freue mich sehr, dass sie meiner Bitte nachgekommen ist, und für uns folgenden Gastbeitrag geschrieben hat. Viel Spaß beim Lesen und beim Ausprobieren der praktischen Übung, die Alexia am Ende des Artikels anleitet.

Die Trust Technique  – Heilung und Kommunikation in innerer Stille

Von Alexia Meyer-Kahlen

Ich bin im Sommer 2015 auf „Trust“ gestoßen, als ich mit meinen beiden Pferden in einem Pensionsstall stand, in dem es viele Probleme gab – unter anderem eine chaotische Herdenintegration, die dazu führte, dass meine Stute ständig bestiegen und der Wallach von den anderen Pferden nicht ans Heu gelassen wurde. Also Stress pur für die Pferde. Als wir ihnen in dieser Situation das „Trust“-Gefühl anboten, sogen sie es auf wie ein Schwamm und wurden zusehends sicherer und gelassener. Auch benutzten wir die in der Trust Technique  integrierte Tierkommunikation, um den Pferden Bilder von ihrem neuen Zuhause zu schicken, das wir in dieser Zeit für sie bauten. Als die Beiden Anfang Oktober endlich umziehen konnten, war es, als hätten sie niemals woanders gelebt.

Die Trust Technique  (trust-technique.com) ist laut ihrem Erfinder, dem englischen Reiki-Meister James French, im Wesentlichen eine Achtsamkeitspraxis des Menschen mit seinem Tier. In Stille gemeinsam in den gegenwärtigen Moment einzutauchen, öffnet einen Raum jenseits unserer alltäglichen Grübeleien und Emotionen. Einen Raum, in dem wir einfach gemeinsam DA SEIN können. Wir kommen in einen Zustand inneren Friedens. Wenn wir mit unserem Pferd diesen Frieden immer wieder teilen, kann sich mit der Zeit Angst in Vertrauen wandeln. Ruhe kehrt ein. Alte Wunden können heilen. Die Vertrauensbasis, die sich so aufbaut, wird sich auch auf andere Bereiche des gemeinsamen Lebens auswirken.

James French ist ein hervorragender Didaktiker, der sich bemüht, die Dinge einfach darzustellen. Mit Hilfe von drei Sinnesankern für die innere Ausrichtung (siehe nachfolgende Übung) findet man in die gedankenfreie Erfahrung inneren Friedens. Den Pferden ist dieser Zustand aus ihrem sozialen Leben vertraut und sie stimmen sich schnell ein. Das führt zu einer merklichen Entspannung: Der Blick des Pferdes wird weich, es senkt den Kopf, schließt die Augen. Irgendwann legt es sich sogar hin und fällt in einen tiefschlafähnlichen Zustand, in dem laut James French nachhaltige Heilung geschehen kann.

In den 15 Jahren, in denen es sie jetzt gibt, entwickelte sich die Trust Technique  immer weiter. Man kann sie in einem umfangreichen Online-Videokurs erlernen (allerdings nur auf Englisch), irgendwo auf der Welt den Trust Technique I have a dream – Schnuppertag besuchen oder James und seine Frau Shelley dabei antreffen, wie sie mal wieder einem Tierschutzprojekt ihre Dienste kostenfrei zur Verfügung stellen. Neben Pferden, Hunden und Katzen arbeiten sie auch mit Löwen und Bären. In England ist der „Trust-Practitioner“ mittlerweile sogar ein offiziell anerkannter Abschluss.

Seit fast dreißig Jahren begleitet Achtsamkeitspraxis mein persönliches Leben. Ich  kann mir das Zusammensein mit Pferden nicht mehr anders als auf dieser Basis vorstellen und bin immer wieder überrascht und bezaubert von der unaussprechlichen Tiefe, die sich im stillen Miteinander öffnet. Meine Stute holt sich ihre „Meditationseinheiten“ regelmäßig ab, indem sie sich einfach neben mich stellt und in ihre innere Ruhe geht. Als wolle sie mich dazu auffordern, dasselbe zu tun. Durch das Praktizieren von “Trust“ verändert sich grundlegend etwas im Pferd-Mensch-Verhältnis.


Fotos von Rachel E. Jackson

Der Trust-Ansatz ist von seiner Ausrichtung her eher passiv. Mir persönlich fehlte irgendwann ein Anschluss zu all den anderen Facetten des Zusammenseins mit dem Pferd, der über eine allgemeine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ hinausging. Ich habe mir einen achtsamkeitsbasierten Ansatz gewünscht, der mich nicht nur ins Sein, sondern auch ins Tun mit dem Pferd, etwa in die Boden- oder Freiarbeit, konkret begleitet. Einen solchen habe ich seither sowohl bei Stefan Valentin („Feine Sprache“) als auch bei Elsa Sinclair („Freedom Based Training“) gefunden, die jeder auf ihre Weise das gemeinsame Da-Sein in innerer Ruhe als ein wesentliches Element in ihre Pferdearbeit integriert haben. Die Trust Technique  ist für mich aber nach wie vor ein schöner und tiefer Weg des in Stille verbundenen Zusammenseins mit dem Pferd, der wechselseitige Heilung und Kommunikation fördert.

Übung: Ganz entspannt im Hier und Jetzt

In der Trust Technique  gibt es zwei grundlegende Stufen:

  • Auf der ersten Stufe machen wir erst uns und dann unser Pferd mit dem Zustand der Gegenwärtigkeit vertraut.
  • Auf der zweiten Stufe versuchen wir, den Zustand des inneren Ruhens im Hier und Jetzt in alles zu integrieren, was wir ohnehin mit dem Pferd so machen.

Der Zustand von Gegenwärtigkeit / reiner Präsenz / einfachem Da-Sein (oder wie immer wir ihn nennen wollen) ist ein innerer Raum, in den viele Wege und Türen führen. Die folgende Übung zeigt dir den Zugang, wie er in der Trust Technique  beschrieben wird.

Im Gegensatz zu deinen kreisenden Gedanken und aufflackernden Gefühlen, mit denen du an dem hängst, was war und auf das spekulierst, was wird, ist dein Körper der Teil von dir, der immer gegenwärtig ist.  Wenn du dich innerlich ganz auf den Körper mit seinen Sinnen ausrichtest, ankert er dich automatisch im Hier und Jetzt.

  1. Setze, stelle oder lege dich bequem und entspannt hin.
  2. Konzentriere dich nun darauf, deinen Körper so ruhig wie möglich zu halten.
  3. Dann lasse deine Augen mit weichem Blick auf einem Punkt etwa zwei Meter von dir entfernt ruhen.
  4. Dann lausche einem Geräusch, das dich gerade umgibt.
  5. Dann spüre in den Kontakt deiner Hände zum Untergrund, auf dem sie gerade aufliegen.
  6. Versuche nun, dich auf diese drei Sinneskanäle (Sehen-Hören-Empfinden) gleichzeitig zu konzentrieren.
  7. Verweile absichtslos in dem, was hier und jetzt ist.
  8. Wenn du merkst, dass ein Gedanke deine Ausrichtung unterbricht, kehre einfach wieder zum Sehen-Hören-Empfinden im gegenwärtigen Moment zurück. 

Im Gefühl der reinen Präsenz zu verweilen, braucht Zeit. Wenn du dich mit der beschriebenen Übung etwa eine Woche lang für mindestens 5 Minuten am Tag vertraut gemacht hast, kannst du sie einfach mal in Gegenwart deines Pferdes ausführen. Am besten zu einer Zeit, in der es ohnehin eine Ruhephase hat.

Du setzt oder stellst dich in seine Nähe, ohne es anzuschauen. Und begibst dich dann mit Hilfe der Konzentration auf die drei Sinneskanäle in einen Zustand von Gegenwärtigkeit. Vielleicht nimmt das Pferd deine Einladung, gemeinsam still zu werden, gerne an und hilft dir mit seiner Gegenwärtigkeit, deine eigene zu vertiefen. Irgendwann öffnet sich ein Raum, in dem ihr beide ganz eins seid. Bleibe darin, so lange du und dein Pferd es mögen.

Tipp: Auf meiner Webseite achtsamkeit-am-pferd.de findest du kostenlose Audio-Downloads für zwei weitere Übungen, um in einen Zustand innerer Ruhe zu finden: Atem beobachten (ca. 15 min.) und Körper scannen (ca. 30 min.) Die Übungen entstammen dem Buch „Feine Sprache. Die tiefe Verbindung zum Pferd und zu sich selbst“, das ich gemeinsam mit Stefan Valentin geschrieben habe. Es erscheint im Müller-Rüschlikon Verlag am 19.9.19.

Alexia Meyer-Kahlen ist Pferdebuchautorin, Psychosynthesetherapeutin und Achtsamkeitslehrerin für Mensch und Pferd. (alexia-meyer-kahlen.com)

 

Hinweis: Wir verzichten in dem Text auf das „®“ hinter dem Namen mit Hinweis auf diesen Artikel, in dem ausgeführt ist, dass die Verwendung des „®“  in Deutschland nicht erforderlich ist.  

17. September 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Sonstiges, Übungen, Umgang 9 Kommentare »

Nutzerumfrage 2019 – Wo geht es hin?

Wir hatten im Juli für zehn Tage unsere Newsletter-Abonnenten und Leser/innen unserer Facebook-Seite gebeten, uns einige Fragen zu beantworten – und, wow, es haben sich wirklich sehr, sehr viele Leute an unserer kleinen Nutzerumfrage beteiligt. Dafür auch an dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön! Die Ergebnisse sind natürlich nicht wissenschaftlich repräsentativ, haben uns aber sehr viele gute Anregungen, Ideen und Hinweise auf die Frage gegeben, wohin es mit „Wege zum Pferd“ gehen kann und soll.

Zusammenfassung

Hier findet Ihr eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse: 

  • Wir werden von Leserinnen der ersten Stunde bis hin zu solchen genutzt, die uns erst seit kurzem kennen. 
  • Was die meisten mit uns verbinden: immer pro Pferd, pferdegerechte Ansätze und das Ziel eines gewaltfreien Umgangs mit Pferden. Darüber hinaus gehören Babettes Longenkurs sowie unsere anderen Selbstlernkurse für viele untrennbar zu „Wege zum Pferd“. 
  • Riesig gefreut haben wir uns über den überwältigenden Zuspruch und über die Dankbarkeit für unsere Arbeit. Viele berichteten von konkreten Einzelfällen, in denen wir inspirieren und helfen und manchmal auch zu einem kompletten Umdenken anregen konnten. Eben so viele schreiben uns eine Vorreiterrolle in verschiedenen Themen zum pferdegerechten Umgang zu. Immer wieder war zu lesen, dass wir nicht entbehrlich sind und das tut uns natürlich richtig gut!
  • Die Themenbreite, die uns zugeordnet wird, ist tatsächlich so groß, wie wir es auch selbst immer wollten. Trotz Babettes Spezialisierung auf den Longenkurs wird „Wege zum Pferd“ auch zu allen möglichen anderen Fragen rund um’s Pferd konsultiert.
  • Häufig war zu lesen, dass unsere umfangreiche Artikelsammlung gerne als Nachschlagewerk genutzt wird und dass viele von Euch immer wieder gerne einfach darin stöbern. Bei denjenigen, die uns noch nicht so lange kennen, wurde deutlich, dass vieles von dem, was es bei uns gibt, noch gar nicht entdeckt wurde. 
  • Kritische Anmerkungen kamen zu einigen Punkten, auf denen wir selbst immer wieder herumkauen, wie z.B.: Wie erreicht man Aufklärung ohne den Fokus zu sehr auf das Negative zu legen? Wie schafft man es, nicht nur die zu erreichen, die sich eh schon viele Gedanken machen, sondern eben auch solche, die leider kaum pferdegerecht handeln? Wie ist der schwierige Grad zwischen Freiwilligkeit und dem notwendigen Setzen von Grenzen zu meistern? Damit werden wir uns weiter befassen.
  • Auf der Wunschliste stehen vor allem mehr Videos und Foto-Anleitungen für ganz praktische Herausforderungen im Pferdealltag – von den Basics im Umgang und am Boden bis hin zum Reiten. Hier haben wir uns eine Reihe von Themen notiert und werden zusehen, was davon wir umsetzen können. Darüber hinaus wird immer wieder angeregt, dass wir Trainer ausbilden sollen und dass es unsere Selbstlernkurse auch in Buchform geben soll. Über eine Ausbildung haben wir schon öfter nachgedacht, scheitern aber an der Umsetzbarkeit, weil so etwas ein Riesenprojekt ist. Unsere Selbstlernkurse als Buch würden zu sehr hohen Produktionskosten führen, von denen wir annehmen, dass sie den Rahmen vieler von Euch sprengen würden. Hier möchten wir Euch den Tipp geben, die Kurse in einem Copyshop drucken und binden zu lassen. 
  • Dann noch zum Newsletter: Die überwältigende Mehrheit der Antwortenden haben sich für einen zweiwöchigen Rhythmus ausgesprochen. Den werden wir also beibehalten, mit der Option, hin und wieder eine Sonderausgabe zu verschicken, wenn uns das sinnvoll erscheint. 

Noch ein bisschen was Persönliches

„Wege zum Pferd“ wird noch immer von uns beiden gemacht: von Babette und Tania. Wir sind bei all der Größe und Bedeutung, die „Wege zum Pferd“ bekommen hat, zwei ganz normale Frauen geblieben, die, genau wie Ihr alle auch, ihren Weg durch das Leben gehen. Dementsprechend beeinflussen persönliche Ereignisse und private Entwicklungen und Entscheidungen unweigerlich unsere Arbeit für „Wege zum Pferd“ und das ist uns jetzt in der Rückschau sehr bewusst geworden. Hier einige Beispiele dafür: 

  • Nachdem Babette ihren Hof verkauft hatte, verlor „Wege zum Pferd“ ein Stück weit sein Zuhause. Ein eigener Hof mit vielen Pferden ermöglichte uns eine Form von Leben und Arbeiten mit Pferden, aus der wir perfekt für „Wege zum Pferd“ schöpfen konnten. Gleichzeitig nahm uns genau das auf eine Weise in Beschlag, die für viele Jahre gut und stimmig war, nun aber teilweise anderen Bedürfnissen und Prioritäten gewichen ist.
  • Auch wenn wenige Trainer dazu je etwas schreiben, so haben wir für uns festgestellt, dass es wichtig ist, sich gerade bei einer solchen starken beruflichen Ausrichtung das Zusammensein mit Pferden weiterhin als geliebtes Hobby zu bewahren und sich bewusst erlauben, auch zweckfrei mit Pferden zusammen zu sein und nicht alles, was man mit Pferden tut, für das Angebot „nutzen“ zu wollen. Sonst können Leichtigkeit und Spaß verloren gehen.
  • Genauso muss man auch als Trainer akzeptieren, dass sich durch Krankheit, Alter, Tod und andere Einflüsse die Einsatzmöglichkeiten der eigenen Pferde verändern können und es nicht immer möglich ist, für „Nachschub“ zu sorgen. Viele denken vielleicht, dass wir sehr viele Pferde haben, aber zur Zeit haben wir zusammen noch vier Pferde, die nur sehr bedingt oder gar nicht mehr einsetzbar sind. 
  • Dann kann es über einen so langen Zeitraum auch dazu kommen, dass sich die beruflichen Ziele verändern. So ist Tania, die nun seit über zwanzig Jahren Sachtexte und Sachbücher schreibt, gerade dabei, endlich das zu tun, was sie immer tun wollte: Schriftstellerin zu sein. Auch hier verschiebt sich also der Fokus und auch das beeinflusst „Wege zum Pferd“.

Aus diesen und weiteren Gründen sind wir in der letzten Zeit ein Stück weit weniger als Team wahrgenommen worden als wir es früher waren. Das Gute aber ist ja, dass so etwas auch wieder zu ändern ist! Allein diese Umfrage und das Nachdenken über unser Angebot hat uns beiden ganz viel Motivation geschenkt, wieder mehr gemeinsam für „Wege zum Pferd“ machen zu wollen, denn wir sind einmal mehr darin bestätigt worden, dass unsere Arbeit Sinn macht und „Wege zum Pferd“ für viele hilfreich ist. 

Nach wie vor werden wir dabei für das kritische Hinterfragen von Bestehendem stehen, auch wenn das unsere Beiträge manchmal etwas unbequem macht. Wir werden die Augen nicht verschließen und werden nichts gutheißen, nur um neue Nutzer zu gewinnen oder Likes zu sammeln, sondern wir werden weiter benennen, was aus unserer Sicht falsch läuft. Genauso war es uns immer wichtig, Euch auch an unseren ganz persönlichen Entwicklungen teilhaben zu lassen, die nicht immer glatt sind, was viele von Euch als sehr wertvoll empfinden, aber eben manchmal auch in schwierige Themen führt. Damit Freude und Leichtigkeit bei all dem nicht zu kurz kommen, erkennen wir aber auch, dass es wichtig ist, den Finger nicht nur noch auf Wunden zu legen oder immer nur tief in der „Psychobrühe“ zu fischen, sondern auch einfach mal Spaß an unserem geliebten Hobby zu haben und das zu vermitteln. Wir werden uns hier um etwas mehr Ausgleich bemühen und möchten auch wieder mehr Tipps und Anregungen für den alltäglichen Umgang und das ganz normale Training bieten. 

Ausblick

Vielleicht die wichtigste Schlüsselfrage, die sich für ganz viele Pferdebesitzer/innen stellt, ist aus unserer Sicht die, wie sich im praktischen Pferdealltag Probleme und Herausforderung möglichst pferdegerecht und gewaltfrei lösen lassen. Hier sind viele oft ratlos und verunsichert, weil es immer noch zu wenige gute Beispiele und Alternativen gibt. Der Herausforderung, hier noch mehr praktisch Umsetzbares zu bieten, wollen wir uns in Zukunft noch deutlich mehr stellen, getreu unserem Motto „Es geht auch anders“.

Aus verschiedenen Gründen war es für uns schwieriger geworden, gemeinsame Termine zu finden und Möglichkeiten, mit Pferden so zu arbeiten, dass wir das für Blogbeiträge nutzen können. Damit es nicht nur noch „philosophisch“ bei uns zugeht, sammeln wir bereits fleißig Ideen und Lösungen, um auch wieder für neue praktische Inputs bei uns sorgen zu können. 

Tania ist aufgrund ihrer beruflichen Ausrichtung schon ganz konkret dabei, auch noch etwas wirklich Neues und Anderes für „Wege zum Pferd“ zu basteln, das hoffentlich vielen von Euch Freude bereiten wird – seid gespannt! 

Fazit: Wir sind wieder auf dem Weg!

Ihr seht also: Wir sind dran. Wir haben uns beide klar dazu entschieden, dass wir „Wege zum Pferd“ aktiv und gemeinsam weiterführen wollen, denn es ist und bleibt ein Herzensprojekt und wir sehen nach wie vor die Notwendigkeit, noch viele, viele konstruktive, hilfreiche, praktische, inspirierende, nachdenklich machende und manchmal auch unbequeme Impulse in die Pferdewelt zu schicken, damit sie sich weiter zum Guten wandelt. Und das ist und bleibt unser Ziel! 

Ergebnisse der Nutzerumfrage von Wege zum Pferd

23. Juli 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Sonstiges 1 Kommentar »

Was brauchen wir Pferdemenschen?

Heute mal wieder ein Beitrag, in dem es vor allem um uns Pferdemenschen geht. Eigentlich sollen das Reiten und unsere Pferde unser Hobby sein, also etwas, das uns Freude macht, etwas, wo wir auftanken können und mit dem wir uns rundum wohl fühlen. In vielen Fällen ist es ja glücklicherweise auch so, aber einige von uns kennen auch Phasen, in denen es nicht so rosig aussieht:

  • Vieles rund ums Pferd kann uns große Sorgen bereiten: drohende oder bestehende Krankheiten, Gefahren für unser Pferd, Unsicherheiten über Haltung, Ernährung oder Behandlungen und etliches mehr.
  • Wir tragen viel Verantwortung und müssen ständig Entscheidungen in allen möglichen Fragen und Bereichen treffen, mit denen wir manchmal schlicht und einfach überfordert sein können. 
  • Viele von uns sind auch frustriert, weil wir immer und immer wieder an bestimmten Sachen scheitern (wie z.B. Leichtraben, Angaloppieren usw.) oder weil unser Pferd trotz aller möglichen teuren Behandlungen einfach nicht gesund wird. So etwas kann entmutigen oder auch wütend machen.
  • Bei zu viel Selbstreflexion und Selbstkritik können manche auch das Gefühl bekommen, immer alles falsch zu machen und geraten in eine Lähmung.
  • Viele Menschen, die mit Pferden zu tun haben, haben – oft auch ohne es sich eingestehen zu können – Angst zum Beispiel vor dem Reiten, vor den Pferden, vor Unfällen usw. Das kann sehr belasten.
  • Dann haben es etliche von uns auch immer mal wieder mit Schuldgefühlen und einem schlechten Gewissen zu tun, denn es läuft leider noch vieles falsch im Umgang mit Pferden. 
  • Manche von uns haben vielleicht auch das Gefühl, dass uns unser Pferd nicht mag oder dass wir keinen richtigen Draht zu ihm finden und sind traurig darüber, keine echte Beziehung mit dem Pferd zu führen. 
  • Viele leiden auch unter einem schlechten Stallklima, Mobbing und anderen Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Pferdemenschen oder fühlen sich, wenn sie ihre Pferde selbst halten, in vielem sehr allein. 
  • Und dann kommen noch die Vergleiche mit all denen dazu, bei denen alles so leicht und toll und happy aussieht, während wir bei uns selbst das Gefühl haben, so etwas nie erreichen zu können. 

Es gibt also einiges, was uns ganz schön belasten kann … 

Nicht immer braucht es Tipps und Ratschläge

Nun überlegen wir mal, wie wir normalerweise reagieren, wenn wir mitbekommen dass ein anderer Pferdemensch Probleme hat. Wie schnell sind wir da mit zahlreichen Tipps und Ratschlägen dabei und glauben genau zu wissen, was der andere mit einem Pferd machen soll, welche Ausbildungs- oder Behandlungsmethode er ausprobieren soll, oder wie ein Problem ganz sicher zu lösen ist!

So gut gemeint das auch immer sein mag, dabei übersehen wir schnell, wie viel zusätzlichen Druck genau das für die Person bedeuten kann und wie wenig hilfreich es möglicherweise gerade in dieser Situation ist. Vielleicht wissen wir gar nicht viel über die Person oder das Pferd und können uns eigentlich gar kein wirkliches Urteil erlauben?  Vielleicht haben wir keine Ahnung davon, welchen langen Weg diese Person schon gegangen ist, wie viel sie möglicherweise schon ausprobiert hat und wie viel sie auch schon selbst weiß. Und ja, vielleicht braucht sie etwas ganz anderes, als wir gerade geben wollen (oder auch aufdrängen).

Manchmal muss es gar nicht um Lösungen gehen, sondern manchmal sollte ein Problem oder eine schwierige Phase einfach nur gesehen und mit Verständnis gewürdigt werden, damit der andere ein bisschen Trost findet, durchatmen und wieder neuen Mut schöpfen kann.  

Was vieles verändern könnte

Eine simple Frage könnte die Welt für uns Pferdemenschen ganz erheblich verändern, wenn wir sie stellen, bevor wir all unsere Ideen, Tipps und Ratschläge verteilen, und das ist diese: 

Sag mal, wie geht es Dir gerade? 

Idealerweise sollten wir dann auch bereit sein, einfach mal nur verständnisvoll und emphatisch zuzuhören, denn: 

  • Manchmal braucht man einfach nur ein offenes Ohr, ohne gleich 20 praktische Tipps geliefert zu bekommen.
  • Manchmal brauchen wir einen Menschen, der die eigene Not oder auch einfach nur Unsicherheit versteht, also jemanden, der für diesen Moment da ist, damit man sich nicht so allein fühlt.. 
  • Manchmal braucht man jemanden, der nur so etwas sagt,wie: „Hey, das geht mir auch oft so.“
  • Und manchmal tut es endlos gut zu hören, dass man sein Bestes gibt, dass also jemand sieht, wie viel man macht und tut, wie viel man nachdenkt und sich bemüht, wie viel man schon gelernt und geschafft hat. 

Das alles können wir aber nur dann geben, wenn wir nicht einfach davon ausgehen, dass wir wissen, was gut für den anderen und sein Pferd ist. Und dafür können wir uns öfter einmal selbst eine Frage stellen, die im Miteinander unter Pferdeleuten (und natürlich nicht nur da) vieles zum Positiven verändern kann. Und diese lautet:

Was braucht dieser Mensch wohl gerade wirklich?

 

Pferdemenschen

Foto von Horst Streitferdt

5. März 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Sonstiges 6 Kommentare »

Wer muss hier was lernen?

Wenn es um das Thema „Lernen“ geht, dann denken die meisten Menschen vor allem daran, was ein Pferd alles lernen muss, denn schließlich sind ja wir es, die das Tier ausbilden. Tatsächlich aber müssen wir Menschen meist viel mehr lernen als die Pferde – und das hört nie auf, egal wie fortgeschritten wir auch zu sein glauben. Und dabei geht es nicht nur um Wissen und Technik, sondern auch um Erfahrungen, Einfühlungsvermögen und Bauchgefühl.

Das Lernen hört nie auf

Ich selbst habe jetzt seit rund 40 Jahren mit Pferden zu tun. Was für eine unglaublich lange Zeit. Zahlreiche Bücher habe ich in Sachen Haltung und Gesundheit gelesen, Unterricht genommen, Seminare besucht und Fachleuten gelauscht. Ich habe in diesen Jahrzehnten so unendlich viel gelernt und dennoch habe ich noch immer viele Fragezeichen und lerne täglich dazu. Wann immer ich glaubte, etwas verstanden zu haben, konnte ich sicher sein, dass neue Herausforderungen mir zeigen würden, dass es noch viel, viel mehr zu begreifen gibt.

Ich habe mir viel Wissen und viele Techniken angeeignet und habe sowohl meinen Geist als auch meinen Körper trainiert, dennoch bin ich lange nicht „fertig“. Von Natur aus war ich nie besonders begabt für das Reiten und habe viele, viele Unterrichts- und Trainingsstunden gebraucht, um einen halbwegs brauchbaren Sitz zu entwickeln. Eine Zeitlang war ich in Sachen Dressur ganz passabel, aber ich hatte nie das Gefühl, wirklich reiten zu „können“, denn schließlich ist mit jedem Pferd alles unter Umständen wieder ganz anders. Immer wieder muss Neues ausprobiert, gelernt und vor allem auch geübt werden, damit einem das bereits Erarbeitete auch weiter verfügbar bleibt (zum Beispiel allein in Bezug auf Beweglichkeit, Flexibilität, Gleichgewicht, aber auch vielem anderen mehr).

Noch komplexer ist die Sache mit dem Umgang mit Pferden. Bei all dem, was ich schon über Pferde gelernt habe, weiß ich im Großen und Ganzen was ich tue. Aber auch ich bin nicht davor gefeit, mich in Situationen zu wieder zu finden, in denen ich rat- und manchmal auch hilflos bin, weil mir all mein Wissen nichts nützt – und das ganz besonders oft bei meinem eigenen Pferd. Manchmal scheint es mir, als hätte Anthony den Job übernommen, mich demütig zu halten, denn er bringt mich immer wieder an die Grenzen meines Vermögens.

Was bedeutet das nun ganz konkret?

Für mich ist der Umgang mit Pferden eine lebenslange Entwicklungsmöglichkeit, denn ich werde immer wieder auf allen Ebenen gefordert. Das mag nun alles mühsam und anstrengend klingen und ja, manchmal ist es das auch. Meist aber ist es vor allem das: spannend und unendlich gewinnbringend.

Ich habe Euch hier einmal eine kleine Checkliste für unsere eigene Lernbereitschaft erstellt. Sie besteht aus fünf Fragen, die wir uns immer wieder stellen können und auch sollten:  

Frage 1: Was sagt mein Pferd? 

Selbst erfahrene Pferdemenschen können auf Pferde treffen, die ihnen den Dienst verweigern und die deutlich zeigen, dass sie nicht wollen, was dieser Mensch mit ihnen vorhat. Darauf zu beharren, da man ja weiß, was man tut, und mehr vom Gleichen zumachen, bringt einen in der Regel nicht weiter, sondern führt zu Gewalt. Wenn ein Pferd zum Beispiel die gegebenen Hilfen nicht versteht oder auf die Art, wie mit ihm umgegangen wird, mit Stress reagiert, nützt es nichts, die Hilfen zu verstärken, da das Pferd sie dann auch nicht besser verstehen wird und ihm das auch noch mehr Stress bereiten wird. In solchen Fällen müssen wir bereit sein, unserem Pferd zuzuhören und seine Signale ernst zu nehmen. Wenn wir immer wieder an dieselben Grenzen mit unserem Pferd stoßen oder immer wieder dieselben Probleme mit ihm haben, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass wir etwas anders tun sollten als bisher – und dann müssen erst einmal wir lernen, nicht das Pferd.

Frage 2: Was sollte ich lernen?

Wenn wir dazulernen wollen, geht es darum, realistisch einzuschätzen, in welchen Bereichen wir vielleicht noch zu wenig Wissen haben oder an welchen Fähigkeiten es uns mangelt, um flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren oder auch, um es unserem Pferd leichter mit uns zu machen. Videos von uns selbst, wie wir mit dem Pferd umgehen oder wie wir reiten, können sehr entlarvend sein, wenn es darum geht, Lernbedarf bei uns zu ermitteln. Und ein liebevoll-ehrlicher Blick einer Person, der wir vertrauen, kann ebenfalls sehr hilfreich sein. 

Frage 3: Wie lerne ich am besten?

Es ist nützlich, herauszufinden wie man selbst am besten lernt – manch einer lernt gut aus Büchern, eine andere besser durch praktische Demonstrationen, wieder andere durch Ausprobieren. Je besser wir unser eigenes Lernverhalten verstehen, desto optimaler können wir unser Wissen und unsere Kenntnisse erweitern.

Frage 4: Von wem will ich lernen?

Das Angebot von Möglichkeiten, sich in Sachen Pferde weiterzubilden, ist schier unendlich. Es gibt zahllose Ausbildungsansätze, die sich oft allerdings widersprechen, so dass man am Ende gar nicht mehr weiß, wem man nun glauben und folgen soll. Ähnliches gilt für alle Fragen rund um die Haltung oder Gesundheit von Pferden. Es ist wichtig, gut zu prüfen, wem man vertrauen und ein Stück weit folgen will, wohl wissend, dass man niemanden blind folgen sollte.

Frage 5: Was will ich für mich übernehmen?

Wenn wir ein Buch lesen, Unterricht nehmen oder einen Kurs besuchen, heißt das nicht, dass wir immer auch alles daraus übernehmen müssen und dem Gesagten strikt folgen müssen. Viel sinnvoller ist es aus meiner Sicht, sich aus verschiedenen Ansätzen alles Mögliche für den ganz persönlichen Weg zusammenzusuchen. Ansätze, die genau davon abraten, sind für mich kritisch zu bewerten. Hören wir lieber auf unser Pferd, das meist recht deutlich zeigt, wie es unsere neuen Ideen findet.

Und zu guter Letzt…

Bei all dem sollten wir eines nicht vergessen: Es geht immer nur um die Bereitschaft, nie um Perfektion! Perfekt sein muss niemand, das erwartet auch unser Pferd nicht von uns. 

 

Vom Pferd lernen

19. Februar 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Sonstiges 6 Kommentare »

Wie geht es eigentlich Pepe, Ronaldo und Buddy?

Sehr häufig werde ich gefragt „Hast du eigentlich noch Pferde?“ und „Wer arbeitet deine Pferde, wenn du unterwegs bist?“ und „Wie viele Pferde hast du noch?“ Da das doch viele zu interessieren scheint, möchte ich Euch in diesem Beitrag zeigen, wie meine Pferde heute leben und erzählen, wie es ihnen geht.

Als ich 2014 die Entscheidung traf meinen Hof aufzugeben, bedeutete diese Entscheidung nicht nur für mich eine große Veränderung in meinem Leben, auch für meine Pferde. Auch sie zogen aus ihrem langjährigen Zuhause aus und bekamen eine neue Heimat, mit neuen Kumpels und neuen Aufgaben bzw. „Nicht-Aufgaben“. 

Buddy

Buddy ist ja das Shetty meiner Tochter. Da sie nach Hannover zum Studieren ging, suchten wir für ihn einen Platz, wo er wieder eine Aufgabe hat. Buddy ist ein Pferd, das etwas tun will, er wird unglücklich, wenn er nicht „bespaßt“ wird. Und wir hatten das große Glück, eine tolle Pferdefrau zu kennen, die einen kleinen Stall hat, auf dem sie mit Kindern und Ponys arbeitet. Ihre Pferde werden optimal gehalten, behandelt und versorgt und ich könnte mir keinen besseren Platz für Buddy wünschen. Dort darf er regelmäßig sein gesamtes Arsenal an Kunststückchen und Spielereien zeigen, die wir ihm beigebracht haben und die er so sehr liebt.

Er gehört nach wie vor uns und wir besuchen ihn regelmäßig, auch wenn die Abstände dazwischen manchmal schon sehr lang sind. Was einfach wunderschön ist: Auch wenn ich mal zwei Monate nicht zu Besuch war, reicht ein Ruf und Buddy kommt! Er erkennt uns immer sofort, er vergisst uns in keinster Weise. 

Wenn Lena Buddy besucht, ist die Freude bei Beiden riesengroß

Zusammenfassend kann ich sagen: Buddy geht es rundum gut 🙂 und so möchte ich an dieser Stelle ein riesengroßes Danke sagen an Marita, dass sie so gut für unseren Buddy sorgt und er ein so glückliches Leben bei ihr führen darf!

Pepe

Pepe ist im Juli 2016 gemeinsam mit Ronaldo auf einen wunderschönen Paddock-Trail in der Nähe von Lüneburg gezogen.


Foto: Maren O´Sullivan

Foto: Maren O´Sullivan

Foto: Maren O´Sullivan

Pepe hatte 2013 einen Tritt ans Karpalgelenk bekommen, welches daraufhin stark anschwoll, und er deutlich lahmte. Leider hat sich aus dieser Verletzung eine Arthrose gebildet, die sich im Verlauf der Jahre weiter verschlechterte. Dadurch ist Pepe nicht mehr „belastbar“. Ich habe eine tolle Pflege-/Reitbeteiligung, die sich um Pepe kümmert und auch ab und an noch kleine Schrittrunden mit ihm ins Gelände geht. Ich selber reite ihn nicht mehr. 

Neues Leben, neue Freunde

Abgesehen von der Arthrose im Karpalgelenk geht es Pepe sehr gut. Er fühlt sich auf dem Trail sehr wohl und macht einen rundum zufriedenen Eindruck. Wir haben in diesem Stall eine sehr nette, hilfsbereite Gemeinschaft und ich habe zwei liebe Miteinstellerinnen, die Pepe mit füttern wenn ich „on Tour“ bin. Diese werden sehr gut angenommen und so werden, selbst wenn ich da bin und die Versorgung meiner Pferde erledige, Kathrin und Anette gerne gefragt, ob nicht vielleicht noch ein Futtereimer „drin“ ist. Das sieht dann so aus:

 

Ronaldo

Auch Ronaldo lebt seit 2016 auf dem Paddock-Trail und genießt sein Pferdeleben. Ich habe ihn ja schon mit deutlichen körperlichen Handicaps übernommen (wie und warum Ronaldo zu mir kam könnt Ihr hier nachlesen) und außer einigen Malen zu Zeiten der Korrekturausbildung bin ich ihn nie wirklich geritten. Ich reite ihn auch heute nicht und Ronaldo führt ein sehr entspanntes, sorgenfreies Leben auf dem Trail. Wie Pepe freut auch er sich, wenn ich komme, und holt sich seinen bis zum Rand gefüllten Eimer ab, denn nach wie vor ist Ronnie sehr schwerfuttrig und es ist geht viel Futter ins Pferd, damit er überhaupt ein bisschen was auf den Rippen hat.

Auch Ronaldo wird von meinen Stallkolleginnen mit gefüttert und ich möchte mich an dieser Stelle sehr bei Christiane, Kathrin und Anette bedanken <3 ! Und bei meiner Stallchefin Maren, die einen so schönen Platz für Pferde erschaffen hat und immer ein wachsames Auge auf alle ihr anvertrauten Pferde hat.

So bin ich also heute nur noch die Futterlieferantin für meine Pferde, die sich freut, wenn sie ihren Pferden über ihre zufriedenen Nasen streicheln darf. Ja, manchmal vermisse ich die Ausritte mit Pepe und die Zeiten, in denen ich noch so intensiv mit ihnen „gearbeitet“ hatte, dass sie gut bemuskelt waren und wunderschön liefen. Und es war nicht einfach, die Ansprüche, die ich an mich selbst als „gute“ Pferdebesitzerin stelle, so deutlich herunterzufahren.

Aber, die Dinge ändern sich … Heute ist mir am wichtigsten, das meine Pferde ein glückliches Leben in einer schönen Herde führen können und ich dadurch nur ein kleines schlechtes Gewissen habe, nicht mehr so für sie da zu sein, wie ich es früher war und wie es auch immer mein eigener Anspruch an mich gewesen ist. Das Leben ist Veränderung. Und dazu gehört halt manchmal auch das Loslassen von etwas, was schön und intensiv war. Mir geht es in meinem neuen Leben sehr gut. Und ich spüre, meinen drei Pferden geht es in ihrem neuen Leben auch sehr gut. Und somit ist alles anders, aber gut 🙂

Und wer möchte, kann sich hier noch ein paar bewegte Bilder den Dreien anschauen.

5. Februar 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Sonstiges 2 Kommentare »

Unser Bild vom Pferd

Ich komme so gut wie täglich an einem Reiterdenkmal vorbei. Es ist ein ungewöhnliches Denkmal, denn es stellt Pferd und Mensch ganz anders dar als gewohnt. Sonst werden Pferde fast immer in spektakulären Posen gezeigt, stürmend und steigend, man kann ihr scharfes Ausatmen förmlich hören und ihr erhitztes Gemüt spüren. Der Mensch auf ihrem Rücken kontrolliert das überschäumende Temperament mit Zügeln, scharfen Gebissen und Sporen und wird als Sieger über das Biest dargestellt. Er macht aus dem Wildfang einen gezähmten Untertan, weil er es will und weil er es kann.

Das Denkmal, an dem ich so oft vorbei komme, ist ein ganz anderes. Es zeigt ein gelassen dastehendes Pferd, das den Kopf erhoben trägt und in die Ferne schaut. Auf seinem blanken Rücken sitzt ein nackter Reiter und er hat keine Zügel in der Hand. Seine linke Hand ruht auf dem Mähnenkamm des Pferdes. Das Maul und der ganze Gesichtsausdruck des Pferdes ist weich und entspannt, sein Auge ist rund, es hat keine Stresskuhlen. Hier ist kein Kampf zu sehen, sondern ein Miteinander. Auch wenn der Mensch auf dem Pferd sitzt, so steht er nicht über ihm und hat es nicht gebrochen. Er wird mit dem Einverständnis des Pferdes getragen, das sich seiner entledigen könnte, wenn es wollte. Das tut es aber nicht, denn es wirkt einverstanden. Es sagt ja.Unser Bild vom Pferd

Für mich handelt es sich bei diesem Denkmal um eine der schönsten Darstellungen von Pferd und Mensch, die ich kenne, und ich habe bisher nichts Vergleichbares gesehen. Wenn ich in die Pferdewelt schaue, dann wird mir immer wieder deutlich, wie weit verbreitet dort noch immer das andere Bild ist – der Mensch im Kampf gegen das Pferd mit verbissenen Mienen, Zwangsmitteln und einem alles andere als pferdegerechten Umgang. Aber, so wie es das Denkmal gibt, das ein anderes Miteinander von Pferd und Mensch zeigt, so gibt es überall in der Pferdewelt auch immer mehr Menschen, die das Pferd als Mitgeschöpf sehen und nicht als Sportgerät. Die nicht kämpfen und nicht siegen wollen, sondern die bereit sind, sich in das Wesen Pferd einzufühlen und denen ein gemeinsamer Weg wichtig ist. Ein Weg, zu dem beide Ja sagen und der nur so zu einem echten Wir führen kann. 

Fragt Euch doch mal, welche Bilder Ihr von Pferd und Mensch im Kopf habt und ob Euch diese als energievolles Leitbild für den Weg dienen können, den Ihr Euch mit Eurem Pferd wünscht.

Ein inneres Leitbild kann einem Kraft für den eigenen Weg geben, wenn einem andere raten, sich doch „durchzusetzen und dem Pferd zu zeigen, wer das Sagen hat“. Kampf, Gewalt und Zwang können nie zu Harmonie führen, das können nur Achtung, Respekt und Einfühlungsvermögen.

Welches Bild vom Pferd hilft Euch dabei, das anzustreben? 

Unser Bild vom Pferd

4. Dezember 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Sonstiges 8 Kommentare »

Über Gratwanderungen, oder: Die Pferdewelt ist bunt

In der letzten Zeit gab es eine Reihe von, sagen wir mal, „schwierigen“ Blogbeiträgen bei uns, zum Beispiel solche, in denen es um Schmerzen bei Pferden ging darum, was nicht gut läuft in der Pferdewelt und darum, was es besser zu machen gilt. Diese Texte zu schreiben, war wahrscheinlich genauso wenig leicht, wie es ist sie zu lesen, denn sie rühren vieles an, mit dem sich keiner von uns gerne beschäftigen mag. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, genau dazu wieder einmal etwas sehr Persönliches, weil ich glaube, es geht hier um eine ganz wichtige Gratwanderung, die uns alle verbindet.

Das Ziel ist gemeinsame Freude

Ganz klar: Wir alle wollen Freude mit unseren Pferden haben, deshalb schaffen wir uns Pferde an und verbringen so viel Zeit mit ihnen, wie möglich. Mit Pferden zusammensein zu können, ist doch das Schönste, was es gibt! Und es ist vollkommen verständlich, dass wir uns diese Freude nur ungern durch erhobene Zeigefinger oder Hinweise auf Unrecht trüben lassen – das geht uns nicht anders als Euch…

Wir haben“Wege zum Pferd“ immer sehr bewusst als ein Angebot geführt, das Wege zu einem freudvollen Miteinander aufzeigen will, und gerade mir war es immer extrem wichtig, gezielt einen positiven Fokus einzunehmen. Negatives haben wir zum Teil sehr bewusst ausgeblendet, weil wir glauben, dass es wichtig ist, vor allem Energie in das zu geben, was man erreichen möchte und nicht in den Kampf gegen etwas.

So habe ich mich auch lange innerlich gewehrt, Schmerzbilder rauszusuchen und Ungutes anzuprangern, weil mir die Auseinandersetzung damit selbst ins Herz schneidet. Doch auch wir leben nicht in einem Elfenbeinturm. Wir bekommen täglich mit, was in der Pferdewelt los ist und fragen uns manchmal wirklich, was all unser Einsatz eigentlich bringt, wenn sich in der Summe so wenig zu ändern scheint. Die letzten Texte sind aus aktuellen, persönlichen Erlebnissen heraus entstanden und damit aus meiner eigenen Ohnmacht heraus, vor Ort mitansehen zu müssen, was Pferde alles erleiden müssen, ohne dass ich real und praktisch etwas tun kann. Und bei mir ist das so: Wenn ich praktisch nichts tun kann, schreibe ich eben darüber, denn das Schreiben ist mein Weg. Zugegeben, dabei kann durchaus auch mal etwas ins Negative kippen,  … ganz einfach weil es das Negative eben auch tatsächlich gibt. 

Das aber heißt wiederum nicht, dass ALLES negativ ist! Schaut Euch in unserem Blog um, all die vielen positiven Ansätze überwiegen bei Weitem und das wird auch so bleiben! Wir wollen niemanden lähmen, wollen nicht frustrieren und nicht ohnmächtig machen, aber um nicht selbst in ein Gefühl der Ohnmacht und Lähmung zu kommen, müssen wir hin und wieder unser Angebot auch dafür nutzen, ein bisschen wachzurütteln. Leider ist es dann so, dass sich meist vor allem diejenigen angesprochen fühlen und in Frage stellen, die eh schon zu viel über sich selbst grübeln, aber deshalb gar nichts mehr anzusprechen, ist auch keine Lösung, weil uns unser Angebot die Möglichkeit gibt, eben auch die zu erreichen, die einfach noch ein bisschen zu wenig nachdenken und fühlen.

Letztlich geht es immer wieder darum, Vielfalt zu erkennen. Die (Pferde-)Welt ist bunt. Es gibt alle Farben, nie nur eine. Manchmal ist einem allerdings eine Farbe besonders nah, je nachdem, was man gerade selbst erlebt oder wie man sich fühlt, und in diese Farbe wird dann erstmal alles getaucht, das kenne ich von mir selbst nur allzu gut. Um bei Frust nicht alles schwarz zu malen, fordert das Schreiben von Texten für so ein Blog also immer auch ähnlich viel Selbstreflexionsvermögen wie die Arbeit mit Pferden 😉 

Bestätigung ist wichtig, Aufklärung aber auch

Ich persönlich weiß sehr genau, wie wichtig ein positiver Fokus im Leben ist und dass Ermutigung und Bestätigung die entscheidenden Energien für positive Veränderungen sind. Das gilt für alle Bereiche im Leben. Deshalb werden wir uns unsere positive Ausrichtung auf jeden Fall bewahren – einmal für uns selbst, aber natürlich vor allem auch für Euch, um all diejenigen weiter zu nähren und zu stützen, die auf guten Wegen unterwegs sind – Ihr seid diejenigen, die Pferde brauchen!

Gleichzeitig ist aber auch Wissensvermittlung nötig, denn Unwissenheit ist ganz oft eine Quelle von unschönen Dingen. Wie sollen Leute Schmerzen bei Pferden erkennen, wenn man ihnen nicht zeigt, wie Schmerz beim Pferd aussieht? Nein, es ist nicht schön, Fotos von leidenden Pferden zu sehen, aber sie sind wichtig, weil immer noch viele einfach nicht wissen, wie sie überhaupt Schmerzen erkennen können! Ein Stück weit halten wir es tatsächlich für unsere Pflicht, unsere Präsenz dafür zu nutzen, klar zu sagen, wo es hakt, denn die Unwissenheit und Ignoranz ist in vielen Bereichen immens. Deshalb bewegen sich unsere Texte zwangsläufig zwischen warmen Wohlgefühl und bohrender Unbequemlichkeit. 

Mein Traum…  

Nach wie vor ist unser Motto „Es geht auch anders!“. Wie es anders gehen kann, zeigen die meisten unserer Blogbeiträge und vor allem auch unsere Kurse, in denen wir ganz viele praktische, schöne und freudvolle Wege auffächern. Aber hin und wieder ist es aus unserer Sicht auch nötig, Klartext zu reden, um Augen zu öffnen, sonst wird uns zu Recht das Tragen einer rosaroten Brille vorgeworfen.  Rückmeldungen darüber, dass dann tatsächlich der eine oder die andere durch einen Artikel bei uns wachgerüttelt wurde und erst durch die Anstöße etwas geändert hat, machen mir Mut, dass es richtig ist, auch dafür zu schreiben – keinesfalls nur, aber eben auch.

Und nun verrate ich Euch noch etwas: Meine ganz persönliche Traumvorstellung ist die, dass die Pferdewelt irgendwann gar kein „Wege zum Pferd“ mehr braucht – wäre das nicht wundervoll?

Bis es soweit ist, denke ich, sind aber unsere Impulse – positive, wie aber auch die unbequemen – wichtig und berechtigt. Ich ganz persönlich fühle mich dabei immer wieder auf’s Neue gefordert, diese Impulse konstruktiv zu setzen, sodass sie annehm- und verarbeitbar bleiben und werde dafür weiterhin mein Bestes geben. Eure vielen schönen Geschichten und all die tollen Beispiele, wie es tatsächlich anders geht, helfen uns sehr dabei! 

Gradwanderung

Foto von Horst Streitferdt für Kosmos

6. November 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Sonstiges 7 Kommentare »

Ein ganz besonderes Buch

10 Wege zu meinem PferdIn diesen Tagen ist mein Buch „10 Wege zu meinem Pferd“ erschienen. Ich habe zwar schon einige Bücher geschrieben, aber dieses ist ein ganz besonderes und deshalb möchte ich hier noch ein bisschen etwas über die Entstehung mit Euch teilen.

„10 Wege zu meinem Pferd“ ist in einer für mich sehr schweren Zeit entstanden, in einer Zeit des Loslassens und des Umbruches. Vielleicht war es mir gerade deshalb möglich, es genau so zu verfassen, wie es geworden ist. 

Ich habe mich beim Schreiben eines immer wieder gefragt: „Wenn das mein letztes Pferdebuch wäre, was würde ich der Pferdewelt unbedingt sagen wollen?“ – und diese Frage hatte es in sich. Sie zwang mich, konsequent auf den Punkt zu kommen. Herausgekommen ist auf diese Weise ein, wie ich hoffe, ebenso persönliches wie engagiertes und trotzdem bodenständig-praktisches Buch für Menschen, die Pferde nicht nur als Sportgerät ansehen, das zu funktionieren hat, sondern als Mitgeschöpf mit einer eigenen Persönlichkeit. 

10 Wege zu meinem PferdIn diesem Buch steckt sehr viel von mir und noch mehr von meinen Pferden. Das Fundament bildet mein Aramis, der im letzten Jahr starb, noch bevor ich mit dem Buch begonnen hatte. Achtzehn gemeinsame Jahre durfte ich mit ihm erleben und vieles in meinem Denken, Fühlen und Tun im Zusammenhang mit Pferden ist geprägt durch das, was er mir schenkte und was ich mit ihm erleben durfte. Er lebt als Mentor und guter Geist ein Stück weit auch durch dieses Buch weiter.

Noch mehr aber hat mein Anthony dieses Buch geprägt und mitgestaltet. Ohne dieses Pferd hätte es dieses Buch nicht gegeben. Anthony hat wie kein anderes Pferd dafür gesorgt, dass ich mich in meinem Tun und Denken immer und immer wieder hinterfragt habe. Manchmal schon fast gnadenlos hat er mir meine hässlichen Flecken aufgezeigt und mich an und auch über meine Grenzen gebracht. Und obwohl ich leider vieles falsch gemacht habe und oft an meinen eigenen Ansprüchen gescheitert bin, hat er nie ganz dicht gemacht, sondern immer einen Spalt offen gelassen. Unser Weg war kurvenreich, hatte Höhen und viele Tiefen, er führte durch schwieriges Terrain und forderte uns beide immer wieder neu und in jeder Hinsicht. Heute bin von Herzen dankbar für dieses Pferd und ich bin dankbar für unseren gemeinsamen Weg, genauso wie er war und ist. 

10 Wege zu meinem Pferd

Ich habe mit „10 Wege zu meinem Pferd“ ein Buch geschrieben, in dem ich ganz vieles von dem sage, was mir wichtig ist, wenn es um das Zusammensein mit Pferden geht. Ich habe in diesem Buch die Essenz meiner Erfahrungen aus fast 40 sehr bewegten Jahren mit Pferden verdichtet. Ich wünsche diesem Buch vor allem deshalb viele Leser/innen, weil ich davon überzeugt bin, dass das, was ich vor allem durch Anthony gelernt habe, vielen Pferden helfen kann, besser verstanden zu werden und vielen Menschen zu einem schöneren Miteinander mit Pferden verhelfen kann. Ein kleines bisschen träume ich davon, was auch Babette in ihrem Nachwort in meinem Buch formulierte: dass es vielleicht die Pferdewelt ein Stückchen besser machen kann und wenn auch nur ein klitzekleines.

Mit jedem Kapitel in diesem Buch möchte ich Euch ermutigen, Euren ganz eigenen Weg mit Euren Pferden zu finden. Lasst Euch dafür immer auch wieder von ihnen ein Stück weit führen, hört ihnen zu und fühlt Euch in sie hinein. Wir können so viel von ihnen lernen, wenn wir uns öffnen und nicht nur unsere eigenen Vorstellungen und Erwartungen erfüllt sehen wollen. Ja, vielleicht ist das nicht nur die große Kunst, sondern auch der Punkt, an dem Magie entsteht: wenn wir begreifen, dass es viel weniger darum geht, Pferden etwas beizubringen, als viel mehr darum, von ihnen zu lernen.  

Und nun freue ich mich von Herzen, Euch dieses Buch vorstellen zu können – mit einem Klick hier findet Ihr eine ausführliche Beschreibung des Buches mit Beispielseiten. Ihr bekommt es in jeder Buchhandlung oder Ihr bestellt es hier direkt bei Kosmos.

10 Wege zu meinem Pferd

Foto von Horst Streitferdt für Kosmos

12. Juni 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Buchtipps, Sonstiges 4 Kommentare »

Schon mal über’s Putzen nachgedacht?

Viele Auseinandersetzungen mit dem Pferd entstehen bei ganz alltäglichen Dingen und wir machen uns oft gar nicht klar, dass wir selbst die Auslöser für unerwünschtes Verhalten sind und dass uns das Pferd mit seinem Verhalten etwas sagen will

Zum Beispiel das Putzen

Wie oft ist beim Putzen zu beobachten, dass das Pferd nicht stillsteht, sondern herumhampelt und dabei auch den Menschen anrempelt. Manchmal wird auch das Hinterbein drohend gehoben oder das Pferd schnappt nach dem Menschen. Der wiederum reagiert dann unwirsch und straft das Pferd für das Fehlverhalten:

  • „Himmel, nun steh doch endlich mal still!“
  • „Du bist aber wieder nervig, heute!“
  • „Die Zicke spinnt heute wieder total…“

wird dann gerufen und nicht selten wird das Pferd gebufft, geklapst oder auch geschlagen.

Wie wäre es statt dessen einmal über das Putzen nachzudenken und was uns das Pferd vielleicht mit seinem Verhalten zeigen will? Denn eigentlich soll das Putzen ja etwas Schönes FÜR das Pferd sein und keine ständige Stressquelle… 

Eine Studie macht nachdenklich

Eine französische Studie fand heraus, das beim Putzen vieles falsch läuft (hier ist der ausführliche Artikel dazu nachzulesen) und dass es für viele Pferde eher eine Quelle von Unbehagen ist, als dass sie es genießen können. Aussagen von Dr. Lea Lansade: „Die Hälfte der Pferde benahm sich beim Pflegen aggressiv oder zeigte Schmerzreaktionen … Lediglich 5 % der Pferde zeigten ein positives Verhalten während der Pflege-Einheit, etwa indem sie ihrerseits versuchten, die „Körperpflege“ zu erwidern oder indem sie näheren Kontakt zum Reiter suchten.

Wenn also unser Pferd beim Putzen nicht stillsteht oder sogar deutlich abwehrend reagiert, könnten wir, statt das Pferd zu strafen, uns fragen: 

  • Ist meinem Pferd das, was ich tue, vielleicht unangenehm?
  • Tue ich ihm ungewollt weh oder kitzele ich es? 
  • Putze ich zu doll oder zu grob oder zu hektisch? 
  • Sollte ich einen anderen Striegel nutzen?
  • Womit und wie wird mein Pferd gerne berührt?
  • Ist ihm die Situation, in der ich es putze, vielleicht unangenehm?
  • Was bereitet ihm Stress?
  • Kommt es vielleicht mit dem Angebundensein nicht klar oder findet es bestimmte Sachen bedrohlich?
  • Muss es vielleicht äppeln oder pinkeln?
  • Hat es Hunger oder Durst?
  • Wie ist meine eigene Ausstrahlung beim Putzen? Bin ich vielleicht genervt und gestresst? 
  • Wie kann ich herausfinden, was mein Pferd wirklich mag und braucht, um das Putzen entspannt genießen zu können? 

Viele Faktoren spielen hinein

Jedes Pferd ist anders und jedes Pferd mag und braucht andere Sachen. Während der eine gerne ausgiebig geschrubbt wird, ist der anderen schon jedes sanfte Bürsten zu viel. Manche Pferde reagieren beim Putzen stark auf die Stimmungen des Menschen und viele haben Sorgen, weil sie angebunden sind oder fürchten sich vor einer groben Behandlung. Vielleicht hören sie den Kumpel auf der Weide rufen oder die Gerüche am Putzplatz sind seltsam. Auch das Geschehen rund um den Putzplatz hat Einfluss auf das Verhalten des Pferdes (andere Menschen und Pferde, Geräusche, Bewegungen usw.). Und so wird beim Beispiel Putzen sehr deutlich, dass jedes Miteinander mit dem Pferd durch viele Faktoren beeinflusst wird.

Ich denke, als Pferdemensch ist es unsere Aufgabe, das Miteinander möglichst immer so zu gestalten, dass es unser Pferd nicht nur über sich ergehen lässt, sondern es wirklich etwas Schönes für es darstellt. Herauszufinden, wie unser Pferd das Putzen genießen kann, ist eine tolle Chance, es besser kennen zu lernen und an der Beziehung zu arbeiten.

Da muss es eben durch?

Manch einer wird nun sagen: „Da müssen die durch.“, doch ist das wirklich so? Hat ein Pferd nicht das Recht zu zeigen, wenn ihm etwas unangenehm ist und ist es nicht unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass es das Putzen als etwas Angenehmes empfindet? Ein Pferd kann nicht sagen: „Hey, du tust mir gerade weh.“, sondern es wird entweder versuchen, der Berührung auszuweichen oder sie mit einer Gegenreaktion zu beantworten. Sollte es nicht in unserem Interesse liegen, das, was uns unser Pferd sagen will, zu verstehen, damit wir dem Pferd die Zeit mit uns so schön wie möglich machen können und nicht einfach von ihm zu verlangen, dass es auch das über sich ergehen lässt, was ihm Unbehagen oder gar Schmerzen bereitet? 

Für mich zeigt dieses Beispiel (und es ist nur eines von vielen) wieder einmal auf, dass es ungerecht ist, einfach das Pferd für sein Verhalten zu bestrafen, während wir doch diejenigen sind, die es (oft unbewusst) überhaupt erst in eine unangenehme Situation bringen. Also: Schon mal über’s Putzen nachgedacht?

Pferd putzen

Foto von Horst Streitferdt

1. Mai 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Sonstiges, Umgang, Verhalten 13 Kommentare »

Trauer und Tod dürfen keine Tabu-Themen sein

Am 31.3.18 jährte sich der Tod meines Pferdes Aramis zum ersten Mal. Ein Jahr ohne ihn liegt hinter mir. 

So ein Trauerjahr ist lang und kurz zugleich. Wenn wir trauern, fallen wir ein Stück weit aus der Zeit. Die Erde dreht sich weiter, während wir sehr viel Zeit brauchen, erst um überhaupt zu begreifen, dann um damit leben zu lernen. Dabei ist Trauer ein Wandelwesen. Es gibt viele verschiedene Stadien von Trauer. Trauer kann die Hölle sein und auch Glückseligkeit und alle Stufen dazwischen. Und Trauer kann leider auch einsam machen, dann, wenn Trauer zu einem Tabu-Thema wird. 

Immer noch da

Was mir in meiner Trauer am meisten hilft, ist dass Aramis für mich noch immer da ist. Fühlbar da. Seine Präsenz, vielleicht auch seine Essenz. Er begleitet und trägt mich noch immer. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke und das ist keineswegs nur schmerzlich, sondern oft wunderschön.  

Vielen Menschen fällt es schwer, mit Trauer und vor allem auch mit Trauernden umzugehen. Nicht nur die Unsicherheit darüber, wie man sich verhalten soll, ist groß, sondern hinzu kommen eigene Berührungsängste mit den Themen „Tod“ und „Verlust“. Die betretenen Mienen kennt sicher jeder, der auch nach der akuten Phase noch über das verstorbene Wesen reden möchte, und das ungute Gefühl, dass das Thema, ja, sogar der Name nach und nach auf eine merkwürdige Art tabu wird…  

Der Tod meines Pferdes ist kein Tabu-Thema für mich, ganz im Gegenteil. Sein Tod ist genauso Teil meines Lebens wie es sein Dasein war. So wie ich mit ihm lebte, lebe ich nun ohne ihn weiter, aber deshalb verdränge ich ihn nicht und vergessen tue ich ihn schon gar nicht. 

Auch wenn es stimmt, dass Trauer ein individueller Prozess ist, so sollte, denke ich, keiner ganz allein sein müssen damit. Für viele ist es sehr heilsam, nicht nur über den Verlust reden zu können, sondern vor allem auch über die schönen Erinnerungen – und das eben nicht nur für einige Wochen, sondern auch noch viel, viel später. 

Ich bin sehr dankbar, dass es um mich herum Menschen gibt, die meine Trauer einfach genau so sein lassen können, wie sie ist. Ich kann kleine Anekdoten erzählen und von den vielen, wundervollen Erlebnissen berichten. Ich kann Aramis in einem Nebensatz erwähnen oder auch einfach nur die Tränen laufen lassen, wenn er mir gerade besonders doll fehlt oder auch besonders nah ist. Meine Trauer darf sein und muss nicht verändert oder versteckt werden. Das ist sehr kostbar.

Feiern, was war

Aktive Trauer ist bei weitem nicht nur Schmerz, sondern ja, sie kann auch ein Fest sein. Indem ich an Aramis denke und über ihn rede, feiere ich das, was wir hatten, denn das kann mir keiner nehmen. Das ist, was bleibt.

Aramis
 

3. April 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Sonstiges 3 Kommentare »

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    Und hier geht es zu unseren Büchern bei Kosmos:

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