Das Reiten im Ausland

Es gibt immer wieder Themen, über die man am liebsten nicht nachdenken möchte, weil sie zu anstrengend und unbequem sind und sie einem ein schlechtes Gewissen machen – und genau deshalb sind sie so wichtig. Im Folgenden findet Ihr einen sehr berührenden und nachdenklich stimmenden Erfahrungsbericht zum Thema „Reiten im Ausland“ von Teresa Moninger. Teresa hat vor einigen Jahren bei Babette ein einjähriges Praktikum gemacht und ist inzwischen in die USA gezogen, wo sie nun als Yogalehrerin arbeitet. Ihre Liebe zu den Pferden ist ihr dabei nicht verloren gegangen. Aus dieser Liebe heraus hat sie diesen Artikel verfasst, in dem sie ein Thema anspricht, über das nur wenig zu lesen ist, weil es heikel und unbeliebt ist. Ein ziemliches „Spaßbremsen-Thema“, also – um so wichtiger, es anzusprechen.

Ganz grundsätzlich werden Missstände in der Pferdewelt oft nur zögerlich angesprochen, man will ja niemanden auf die Füße treten, weil man selbst auch schon einiges gemacht hat, von dem man genau weiß, dass es nicht okay war. Und wenn es dann noch um den Urlaub geht und um fremde Länder, in denen das Leben aus verschiedenen Gründen ein bisschen anders abläuft als bei uns, wird es noch schwieriger. Teresa hat dieses so wichtige Thema auf eine ebenso persönliche wie differenzierte Weise verarbeitet, so dass ihr Text aus unserer Sicht, die Grundlage für die unerlässliche Portion Selbstreflexion bietet, die wir alle aufbringen müssen, wenn wir echte Pferdefreunde sein wollen, und das, ohne alles nur schwarz-weiß zu zeichnen.

Viele von Euch werden die in diesem Jahr geplanten Urlaube wohl nicht antreten können und so bietet sich in dieser Zeit eine gute Gelegenheit, einmal ganz in Ruhe für sich selbst zu überlegen, wie man in Zukunft mit der Frage umgeht, ob man auch im Ausland auf das Reitvergnügen nicht verzichten will und unter welchen Bedingungen das zu vertreten ist … 

Das Reiten im Ausland

Von Teresa Moninger

Weißer, endloser Strand, wehende Mähnen, das Rauschen des türkisfarbenen, karibischen Meeres neben dir und du im Galopp – eine kitschige, wenngleich auch traumhafte Pferdemädchen-Szene. Ich habe sie selbst erlebt: als Mitreiterin, als Guide und in den Augen der verschwitzten Touristen, deren Pferde ich nach dreistündigen Strand- und Dschungelritten entgegennahm. Ich habe die Pferde für sie abgesattelt, geputzt, gefüttert und auf die Weide entlassen. 

Meine Zeit in Costa Rica

Dort wo ich wohne, gibt es Wildpferde und damit nicht die Möglichkeit, selbst ein Pferd zu halten. Deshalb verlasse ich jedes Jahr im Winter die Insel, auf der ich in den USA lebe, und reise in ein fremdes Land, um mit Pferden zu arbeiten. Dieses Mal war ich fünf Wochen lang in einem kleinen Dorf direkt an der karibischen Küste Costa Ricas. Ein Ort mit Faultieren, Dschungelgeräuschen, Palmen und sehr vielen, vorwiegend deutschsprachigen Touristen. 

Costa Rica hatte ich bisher nur als Backpacker erlebt. Damals sah ich kleine, dünne Pferde am Straßenrand, wie sie Einheimischen beim Treiben der Viehherden halfen. Nach einigen Recherchen stellte sich heraus, dass Costa Rica voll von Pferderanches ist, auf denen sich Reisende ihren Traum von einem Strandritt verwirklichen können. Ein paar Emails später hatte ich einen Job als Volontärin, um beim Pferdetraining und der Pflege von über zehn Pferden zu helfen.

Mir, wie vermutlich den meisten Pferdeinteressierten, war im Vorfeld klar, dass ein Pferd in Zentralamerika ein anderes Leben führt als in einem europäischen Land und dort auch heute noch hauptsächlich als Lasten-, Treib- und Transportmittel dient. Der besonders in Costa Rica immer größer gewordene Tourismus hat ausländische Investoren dazu veranlasst, Strandritte mit Pferden anzubieten. In der Regel werden diese von einheimischem Personal geleitet, welches mit der Sprache und den Örtlichkeiten besser vertraut ist. Die Pferde werden meist mit landestypischer Hakima (entspricht einem Bosal) und Freizeit-Sattel im Westernstil geritten und sind aufgrund des steinigen Bodens sehr häufig beschlagen.

Ein Pferd in Costa Rica kann für circa 350,- Euro erworben werden und lebt, je nach Einsatzzweck, gewöhnlich auf mit einer Stacheldraht umzäunten Weide oder angebunden auf einem Feld. Bei meiner Ankunft fiel mir auf, dass alle Pferde freundlich, aber am Menschen relativ uninteressiert waren, was bei täglich wechselnden Reitern durchaus verständlich ist. Mit Ausnahme der noch nicht eingerittenen Pferde, wiesen alle von ihnen Narben, haarlose Stellen und teils knotige Wunden am Rücken und auf der Nase auf. Besonders der Widerrist, welcher normalerweise weich  in Muskulatur eingebettet sein sollte, war davon betroffen. Er ragte mit deutlichen Verletzungen hervor und sollte daher von mir mit zurecht geschnittenen Schaumstoffstücken oder kleinen Kissen unterpolstert werden. Keiner der Sättel passte den Pferden, alle waren extrem eng am Widerrist, erlaubten kaum Luftzirkulation an der Wirbelsäule und verhinderten somit das Wachsen der Tragemuskulatur. Immerhin wurde die Sattellage von allen Guides gründlich geputzt, was einiges wert ist, einen verschmutzten Sattelgurt und einen unpassenden Sattel allerdings nicht wettmachen kann.

Die Pferde bekamen täglich Pellets und Heu zusätzlich zum Weidegras, dennoch ragten bei vielen die Hüftknochen und sogar die Dornfortsätze hervor. Die Hals- und Rückenmuskulatur war nahezu vollständig atrophiert und in Folge dessen erkannte ich zwei Laufmuster der Pferde: Die einen, welche trippelten, rannten und sehr taktunrein gingen, mit hochgerissenem Kopf und gestressten Augen und die anderen, deren Lauffreude unter dem Reiter nicht mehr vorhanden war. Sie schlurften, ließen sich kaum vorwärts bewegen, selbst wenn der Rest der Gruppe davonpreschte. Sie zeigten seitlich hängende Ohren, zusammengekniffene Kiefer und sorgenvoll ausgehöhlte Augen. 

Ich beschloss nach meinem ersten Ausritt, dass ich so wenig wie möglich daran teilnehmen wollte, und beschränkte meine Pferdearbeit vornehmlich auf deren Wellness. Ich massierte verspannte Pferdekörper, worauf die Tiere erst skeptisch drohend dann kauend mit geschlossenen Augen diese Art der Berührung erlebten und erlaubten. Jedes der Pferde reagierte äußerst druckempfindlich auf Berührungen im Sattelbereich und am Genick und die Hälfte der Pferde zeigte deutlichen Sattelzwang. Dennoch ertrugen sie täglich, ein- bis zweimal gesattelt zu werden, mit der für Pferde typischen und mir fast unbegreiflichen Geduld und Nettigkeit. Würde man mich jeden Tag einer solchen Tortur aussetzen und mir zu kleine Schuhe oder einen unpassenden Rucksack verpassen, so würde ich mich spätestens am Folgetag vehement wehren. Ich versuchte, das Beste aus der Situation zu machen, und ging mit einigen Pferden spazieren und übte ein kleines bisschen Stellung und Biegung vom Boden aus. Da die Pferde wirklich nur geradeaus geritten wurden, war dies etwas völlig Neues für sie. Oft fühlte sich aber jede zusätzliche Arbeit mit den Vierbeinern falsch an, da ich ihnen einfach Ruhe gönnen wollte.

Der von einer Europäerin betriebene Hof bietet zweimal täglich Ausritte in die Berge, in den Dschungel und an den Strand an. Das Können und Alter der Reiter bleibt dabei unbeachtet. Allerdings gibt es laut Besitzerin eine Gewichtsgrenze, die nicht überschritten werden darf.
Nach Aussagen der Besitzerin und des Guides lieben sowohl erfahrene Reiter als auch Einsteiger, einen schnellen Galopp am Strand. Da die Pferde kaum schwungvolle Gangarten haben, lassen sie sich einigermaßen von jedem sitzen. Ich sah Anfänger unsanft im Sattel herumwackeln, doch alle bleiben oben – getragen werden statt reiten …

Ja, es ist ein Traum am endlosen Strand mit einer Gruppe von bis zu zehn Pferden zu galoppieren. Und wenn einer sein bereits gesatteltes Pferd besteigt, ist alles was dann zählt, dieser Traum, der auf Reisen in Erfüllung geht. Dort, wo wir die Welt ohnehin anders betrachten. Und wenn man absteigt, verschwitzt und glücklich, den Kopf und das Handy voller märchenhafter Bilder, dann vergisst man vielleicht, sich bei seinem Pferd zu bedanken. Während die Volontäre sich an das Absatteln machen, jagt man schon dem nächsten Highlight der Reise hinterher. Man hat ja vielleicht nur diese zwei Wochen, um seinem Alltag zu entkommen, und hat diesen teuren Flug bezahlt, um eine Auszeit von seinen Sorgen und Gedanken zu erleben. Ich verstehe das gut und gönne es jedem. Reisen erweitert den Horizont, wir entdecken nicht nur ein fremdes Land, sondern auch ganz unbekannte Wege in unserem Inneren. Das Zeitgefühl ändert sich und unser Nervensystem bekommt neue Reize durch das exotische Essen, eine andere Kultur, fremde Tiere und das warme Klima.

Bezahlbare Träume und die nackte Realität

Ich verstehe, dass sich viele Zuhause das Reiten nicht leisten können und wie verlockend dann so ein im Verhältnis günstiger Ritt im Paradies sein kann. Und ich verstehe auch, dass ein absoluter Pferde-Neuling keinen Blick dafür haben kann, ob ein Pferd gesund ist oder ausgebeutet wird. Was ich aber nicht verstehe ist, warum wir Reiter oder Pferdebesitzerinnen im Ausland unsere Werte bezüglich artgerechten Reitens (falls es das gibt) nicht mit in den Reisekoffer packen. Schaut man hinter die Fassade des netten Reisetraums, dann wird man sie sehen, die Sorgenfalten um Augen und Nase, das Desinteresse am Menschen, die Narben auf dem Nasenrücken, die Taktunreinheiten. Und auch den Satteldruck, den wir nicht übersehen würden, wenn wir beim Satteln oder Absatteln darauf bestehen würden, anwesend zu sein. Anwesend beim Satteln war jedoch keiner der wöchentlich eintreffenden Reitergruppen, die eine Reise über eine der bekannten weltweit operierenden Organisationen gebucht hatten und fast ausschließlich aus Europa und Nordamerika kamen.

Niemand fragte nach den Eigenheiten der Pferde, danach, wie geritten würde oder unter welchen Bedingungen sie gehalten werden. Aber alle kamen pünktlich zum Aufsteigen. Es gab von den Guides keine Einführung zur Art des Reitens oder zur Hilfengebung. Ein Ritt startete mit Aufsteigen, in-den-Bauch-treten und am-Zügel-ziehen zum Lenken und Anhalten. Ich konnte die Hofbetreiberin zumindest davon überzeugen, dass alle Reiter von einem Stuhl aus auf die Pferde stiegen, wenngleich der Guide sich weigerte und mit einem beherzten Satz aufsprang und unsanft auf dem schon loslaufenden, nach Balance suchenden Pferd landete. Ich versuchte den englisch- und deutschsprachigen Reitern kleine Anhaltspunkte zu geben. “Lass sie vorne los, sie schlägt sonst mit dem Kopf”, “Achte darauf dass er nicht ganz vorne in der Gruppe läuft, weil er sich sonst aufregt.”, “Bleib mit der Mutterstute in der Nähe des frei mitlaufenden Fohlens”, “Wirke mit ruhiger Stimme und Sitz auf ihn ein, wenn ein Lastwagen an euch vorbeikommt” – das waren meine kleinen Versuche, ihnen etwas von der Persönlichkeit der Pferde zu vermitteln.

Nachdenken, fühlen und immer wieder neu entscheiden

Was also bleibt zu tun? Sollen wir den Traum vom Strandritt für immer begraben und all die Pferde arbeitslos machen? Was passiert dann mit ihnen? Und sind Pferde, die in einer Gruppe am Strand laufen, nicht vielleicht doch glücklicher als so manches Schulpferd, das seine Kreise in einer staubigen Halle zieht? Tierleid durch Unwissenheit, Geldgier, Missbrauch, Ausnutzung oder aus Armut heraus gibt es überall, in Industrie- wie auch Entwicklungsländern. Und ebenso gibt es überall auch liebende, fürsorgliche, wissende und sensible Menschen, deren Pferde ein artgerechtes und schönes Leben führen und vielleicht trotzdem etwas Geld mitverdienen.

Es geht nicht darum, mit dem Finger von sich weg zu zeigen. Auch ich will das nicht. Ich habe mir mein Essen und meine Unterkunft damit verdient, für eine Frau zu arbeiten, die ihr Geld unter anderem mit Pferden macht. Auch ich habe als Fünfjährige meine Eltern im Türkei Urlaub angefleht, einen Strandritt machen zu dürfen. Und ich durfte. Auch ich bin Schulpferde geritten, deren Leben rückwirkend betrachtet wirklich kein schönes war, hinter Gittern und voller Angst vor der Reitlehrerin. Fühle ich mich schlecht deswegen? Absolut. Genau deswegen spüre ich, wie wichtig es ist, meine Stimme und mein Wissen jetzt dafür zu verwenden, um für die zu sprechen, die uns stumm tragen.

Unsere Nachfrage bestimmt das Angebot. Daher lasst uns die richtigen Fragen stellen und aufmerksam beobachten, was die Pferde uns schon vor dem Buchen eines Rittes erzählen können:

  • Wie ist der Allgemeinzustand der Pferde, ihrer Hufe, Fütterungszustand, Fell?
  • Wie oft und wie lange laufen sie?
  • Haben die Tiere freie Tage?
  • Wie reagieren sie auf ihr Pflegepersonal?
  • Würde ich zuhause auf einem Pferd reiten, das offene Stellen am Rücken hat?
  • Was bin ich bereit zu zahlen?
  • Hat jedes Pferd eine passende individuelle Ausrüstung und lässt sich diese entspannt anlegen? 
  • Werden die Pferde liebevoll vor, während und nach der Arbeit versorgt?
  • Welche Energie herrscht am Anbindeplatz?
  • Welche Erwartungen bringe ich als Tourist und möchte ich diese unter allen Umständen erfüllt bekommen? 
  • Traue ich mich, von einem lahmenden Pferd abzusteigen?
  • Hinterfrage ich, warum mein Pferd unentwegt mit dem Kopf schlägt oder einfach nicht vorwärts gehen möchte?
  • Kann ich die Pferde vor dem Reiten ansehen, wird mir Auskunft gegeben und vermittelt der Besitzer benötigtes Fachwissen?

Das alles klingt nach Arbeit. Und auch noch im Urlaub. Wie war das doch gleich mit Kopf-abschalten und Sich-treiben-lassen auf Reisen? Ich bin sicher, mit etwas Pferdeverstand und ein paar gezielten Fragen und Blicken, erhält man eine Antwort, aus der man seine Schlüsse ziehen kann und sollte.

Ein erleichterndes Kriterium bei der Suche nach der richtigen Ranch, ist das Vorhandensein eines Zertifikats. Um mehr darüber herauszufinden, nahm ich Kontakt zu der Nonprofit Organisation McKee-Jaco in Costa Rica auf. Diese befasst sich schon seit Jahren, neben anderen Tierschutz-Aktionen, mit der Aufklärung von Pferde-Missbrauch durch Tourismus und stellt Hinweisschilder zum Thema Pferdegesundheit an Stränden auf. Ein Mitglied der  McKee-Jaco-Organisation erzählte mir von SENASA, einer Einrichtung, die sich unter anderem für Tierschutz in Costa Rica einsetzt und Zertifikate ausgibt. Hiernach muss jede Geschäftsperson eine Lizenz ( “Patente”) haben. Ein Gesundheitszertifikat, ausgestellt und unterschrieben von SENASA, ist Teil dieser Lizenz. Leider gibt es nach wie vor Unternehmen, die diese Lizenz besitzen, ohne je eine Bescheinigung von SENASA beantragt und erhalten zu haben. Vitamin B ist in Zentralamerika kein Geheimnis. 

Wenn ein englischsprachiger Reiter auf einem gut aussehenden Pferd am Strand Touristen für seine Ritte ködert, ist das eine effektive Masche, oft steht jedoch kein vertrauenswürdiges, lizenziertes Unternehmen dahinter. Und wo kein offizieller Reitbetrieb gemeldet ist, kann laut Costa Ricanischer Behörden auch nicht auf Schließung eines fragwürdigen Unternehmens beharrt werden.

Mit den mir typischen “Ich-will-die-Welt-verbessern”-Plänen war ich angereist, um schon am ersten Tag zu merken, dass ich es langsam angehen muss. Eine weiße Frau gilt in Costa Rica nicht unbedingt als Autoritätsperson und auch sprachlich gibt es Hürden. Ich habe mit den mir gegebenen begrenzten Mitteln  versucht, zumindest kurzzeitig etwas zu verbessern für diese Tiere, die mir so viel bedeuten. Ich habe Gespräche mit der Besitzerin gesucht und wurde abgewiesen. Es sei eben anders hier, sagte man mir. Sie erklärte mir auch, dass Pferde im Gegensatz zu Hunden keine Menschen mögen würden, sondern einzig und allein an Futter interessiert sein.

Ich denke nicht, dass Boshaftigkeit oder Geldgier dahinter stecken, sondern sehr oft Unwissenheit. Und genau da können wir einen Unterschied machen. In kleinen Schritten. Mir ist klar, dass ein Tourenpferd nicht sechs Stunden in Anlehnung geritten werden kann, und mit gymnastizierenden Seitengängen unter Anfängern am Strand entlang traben wird. Es gibt im Dschungel auch weder Platz, noch passende Bodenverhältnisse für einen Longierzirkel. Auch wird kein 3D-Scanner für jedes Pferd einen individuellen Sattel ausmessen. Aber vielleicht kann man einfach das Gespräch suchen, wenn einem auffällt, dass die Tiere Leid erfahren.

Viele Menschen an den Küsten leben vom Tourismus. Sie bauen trendige Cabinas und melden sie bei AirBnB an, und sie lesen die Tripadvisor Bewertungen. Sie wollen, dass die Touristen ihren Ort weiterempfehlen. Also nutze deine Stimme für die Tiere und verlange einen ähnlichen Gesundheitszustand deines Reitpferdes, wie du ihn auch zuhause erwartest.

Was ich für immer mitnehmen werde …

Gegen mein Gefühl bin ich nicht gleich wieder abgereist, aber doch einige Wochen früher als geplant. Neben vielen Momenten, auch wunderschönen, möchte ich den ergreifendsten und zugleich schwersten teilen.

Inmitten dieses Dschungels, in dem Grillen zirpten, erhielt die Besitzerin einen Anruf, dass der Teil der Pferde, der auf einer entfernteren Weide stand, abgehauen sei. Es wurden Straßen im Dunkeln abgesucht und am folgenden Morgen und Mittag liefen wir nach Huf- und Fressspuren suchend durch den Dschungel. Über fünfzehn Stunden waren die Pferde nun schon verschwunden, das Eingangstor aus Stacheldraht halb zerrissen. Die Besitzerin vermutete, ein schon mehrfach ausgebrochener Eselhengst habe ihre Pferde in Panik versetzt und aufgescheucht.

Als wir bis zum Nachmittag keine Spur hatten, wurde beschlossen, dass ein Guide und ich die vermissten Tiere zu Pferd suchen sollten. Ich fühlte mich unfassbar schuldig, da der Guide und ich auf den beiden Pferden saßen, deren Rücken am schlechtesten waren, und doch war die Strecke am Strand und im Dschungel viel zu weit um zu Fuß fünf Pferde zu suchen. Wir ritten genau die Strecke, welche sonst auf der dreistündigen Tour geritten wird, und hatten wenig Hoffnung, so weit von Zuhause ein Lebenszeichen zu finden, besonders weil aufgrund der heißen Außentemperaturen damit zu rechnen war, dass sich die Pferde versteckten. Im Schritt ging es weiter Richtung Fluss, der einzige Ort am Strand, an dem die Pferde nach nun achtzehnstündiger Abwesenheit Wasser hätten finden können. Dann erreichten wir die kleine Lichtung, auf der bei Reittouren stets eine Pause gemacht wird, um den Touristen Kokosnüsse zu öffnen. Und da sahen wir sie. Alle zusammen standen sie genau in dieser Lichtung und schauten uns an. Mein Herz wurde schwer. Freie Pferde, die für einen einzigen Sonnenauf- und -untergang zurückgekehrt waren an einen vertrauten Ort der Ruhe, fernab von Menschen, das ist es, was mir im Gedächtnis bleiben wird. Wir öffneten eine Kokosnuss und während ich ansetzte, um zu trinken, hoben zwei der Pferde ihre Mäuler und wir tranken zu dritt. Ein unvergesslicher Moment.

Wir kehrten mit allen Fünfen als Handpferde zurück, die nach kurzer Überprüfung nur wenige Wunden hatten. Zurück an ihren Arbeitsplatz, an dem sie weder frei noch schmerzfrei sein würden. Wir brachten der besorgten Besitzerin ihre Pferde und Angestellten zurück, die nun nicht verhungern oder im Dschungel von Schlangen gebissen werden würden.

Was wollen wir mittragen?

Ich bin abgereist und habe mich für ein paar Tage an anderen Stränden ausgeruht. Und dort viele weitere Pferde gesehen. Manche wohlgenährter. Manche offensichtlich lahmend mit Touristen auf dem Rücken. Eines unentwegt mit dem Kopf schlagend. 

Es sind keine Einzelfälle. Das kann ernüchternd sein und wir fühlen uns hilflos. Aber dann erinnern wir uns, wie viel wir bewirken können. Wenn wir aufstehen. Aufschreien. Aufzeigen. Nein sagen. Auf unser Gefühl vertrauen.

Verstand, Tierliebe und Wissen passen immer ins Gepäck, wohingegen Nichtstun und Wegsehen schwer auf den Schultern lasten können.

Reiten im Ausland – Wege zum Pferd

30. Juni 2020 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Engagement und Pferdeschutz, Reiten 8 Kommentare »

Nutzerumfrage 2019 – Wo geht es hin?

Wir hatten im Juli für zehn Tage unsere Newsletter-Abonnenten und Leser/innen unserer Facebook-Seite gebeten, uns einige Fragen zu beantworten – und, wow, es haben sich wirklich sehr, sehr viele Leute an unserer kleinen Nutzerumfrage beteiligt. Dafür auch an dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön! Die Ergebnisse sind natürlich nicht wissenschaftlich repräsentativ, haben uns aber sehr viele gute Anregungen, Ideen und Hinweise auf die Frage gegeben, wohin es mit „Wege zum Pferd“ gehen kann und soll.

Zusammenfassung

Hier findet Ihr eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse: 

  • Wir werden von Leserinnen der ersten Stunde bis hin zu solchen genutzt, die uns erst seit kurzem kennen. 
  • Was die meisten mit uns verbinden: immer pro Pferd, pferdegerechte Ansätze und das Ziel eines gewaltfreien Umgangs mit Pferden. Darüber hinaus gehören Babettes Longenkurs sowie unsere anderen Selbstlernkurse für viele untrennbar zu „Wege zum Pferd“. 
  • Riesig gefreut haben wir uns über den überwältigenden Zuspruch und über die Dankbarkeit für unsere Arbeit. Viele berichteten von konkreten Einzelfällen, in denen wir inspirieren und helfen und manchmal auch zu einem kompletten Umdenken anregen konnten. Eben so viele schreiben uns eine Vorreiterrolle in verschiedenen Themen zum pferdegerechten Umgang zu. Immer wieder war zu lesen, dass wir nicht entbehrlich sind und das tut uns natürlich richtig gut!
  • Die Themenbreite, die uns zugeordnet wird, ist tatsächlich so groß, wie wir es auch selbst immer wollten. Trotz Babettes Spezialisierung auf den Longenkurs wird „Wege zum Pferd“ auch zu allen möglichen anderen Fragen rund um’s Pferd konsultiert.
  • Häufig war zu lesen, dass unsere umfangreiche Artikelsammlung gerne als Nachschlagewerk genutzt wird und dass viele von Euch immer wieder gerne einfach darin stöbern. Bei denjenigen, die uns noch nicht so lange kennen, wurde deutlich, dass vieles von dem, was es bei uns gibt, noch gar nicht entdeckt wurde. 
  • Kritische Anmerkungen kamen zu einigen Punkten, auf denen wir selbst immer wieder herumkauen, wie z.B.: Wie erreicht man Aufklärung ohne den Fokus zu sehr auf das Negative zu legen? Wie schafft man es, nicht nur die zu erreichen, die sich eh schon viele Gedanken machen, sondern eben auch solche, die leider kaum pferdegerecht handeln? Wie ist der schwierige Grad zwischen Freiwilligkeit und dem notwendigen Setzen von Grenzen zu meistern? Damit werden wir uns weiter befassen.
  • Auf der Wunschliste stehen vor allem mehr Videos und Foto-Anleitungen für ganz praktische Herausforderungen im Pferdealltag – von den Basics im Umgang und am Boden bis hin zum Reiten. Hier haben wir uns eine Reihe von Themen notiert und werden zusehen, was davon wir umsetzen können. Darüber hinaus wird immer wieder angeregt, dass wir Trainer ausbilden sollen und dass es unsere Selbstlernkurse auch in Buchform geben soll. Über eine Ausbildung haben wir schon öfter nachgedacht, scheitern aber an der Umsetzbarkeit, weil so etwas ein Riesenprojekt ist. Unsere Selbstlernkurse als Buch würden zu sehr hohen Produktionskosten führen, von denen wir annehmen, dass sie den Rahmen vieler von Euch sprengen würden. Hier möchten wir Euch den Tipp geben, die Kurse in einem Copyshop drucken und binden zu lassen. 
  • Dann noch zum Newsletter: Die überwältigende Mehrheit der Antwortenden haben sich für einen zweiwöchigen Rhythmus ausgesprochen. Den werden wir also beibehalten, mit der Option, hin und wieder eine Sonderausgabe zu verschicken, wenn uns das sinnvoll erscheint. 

Noch ein bisschen was Persönliches

„Wege zum Pferd“ wird noch immer von uns beiden gemacht: von Babette und Tania. Wir sind bei all der Größe und Bedeutung, die „Wege zum Pferd“ bekommen hat, zwei ganz normale Frauen geblieben, die, genau wie Ihr alle auch, ihren Weg durch das Leben gehen. Dementsprechend beeinflussen persönliche Ereignisse und private Entwicklungen und Entscheidungen unweigerlich unsere Arbeit für „Wege zum Pferd“ und das ist uns jetzt in der Rückschau sehr bewusst geworden. Hier einige Beispiele dafür: 

  • Nachdem Babette ihren Hof verkauft hatte, verlor „Wege zum Pferd“ ein Stück weit sein Zuhause. Ein eigener Hof mit vielen Pferden ermöglichte uns eine Form von Leben und Arbeiten mit Pferden, aus der wir perfekt für „Wege zum Pferd“ schöpfen konnten. Gleichzeitig nahm uns genau das auf eine Weise in Beschlag, die für viele Jahre gut und stimmig war, nun aber teilweise anderen Bedürfnissen und Prioritäten gewichen ist.
  • Auch wenn wenige Trainer dazu je etwas schreiben, so haben wir für uns festgestellt, dass es wichtig ist, sich gerade bei einer solchen starken beruflichen Ausrichtung das Zusammensein mit Pferden weiterhin als geliebtes Hobby zu bewahren und sich bewusst erlauben, auch zweckfrei mit Pferden zusammen zu sein und nicht alles, was man mit Pferden tut, für das Angebot „nutzen“ zu wollen. Sonst können Leichtigkeit und Spaß verloren gehen.
  • Genauso muss man auch als Trainer akzeptieren, dass sich durch Krankheit, Alter, Tod und andere Einflüsse die Einsatzmöglichkeiten der eigenen Pferde verändern können und es nicht immer möglich ist, für „Nachschub“ zu sorgen. Viele denken vielleicht, dass wir sehr viele Pferde haben, aber zur Zeit haben wir zusammen noch vier Pferde, die nur sehr bedingt oder gar nicht mehr einsetzbar sind. 
  • Dann kann es über einen so langen Zeitraum auch dazu kommen, dass sich die beruflichen Ziele verändern. So ist Tania, die nun seit über zwanzig Jahren Sachtexte und Sachbücher schreibt, gerade dabei, endlich das zu tun, was sie immer tun wollte: Schriftstellerin zu sein. Auch hier verschiebt sich also der Fokus und auch das beeinflusst „Wege zum Pferd“.

Aus diesen und weiteren Gründen sind wir in der letzten Zeit ein Stück weit weniger als Team wahrgenommen worden als wir es früher waren. Das Gute aber ist ja, dass so etwas auch wieder zu ändern ist! Allein diese Umfrage und das Nachdenken über unser Angebot hat uns beiden ganz viel Motivation geschenkt, wieder mehr gemeinsam für „Wege zum Pferd“ machen zu wollen, denn wir sind einmal mehr darin bestätigt worden, dass unsere Arbeit Sinn macht und „Wege zum Pferd“ für viele hilfreich ist. 

Nach wie vor werden wir dabei für das kritische Hinterfragen von Bestehendem stehen, auch wenn das unsere Beiträge manchmal etwas unbequem macht. Wir werden die Augen nicht verschließen und werden nichts gutheißen, nur um neue Nutzer zu gewinnen oder Likes zu sammeln, sondern wir werden weiter benennen, was aus unserer Sicht falsch läuft. Genauso war es uns immer wichtig, Euch auch an unseren ganz persönlichen Entwicklungen teilhaben zu lassen, die nicht immer glatt sind, was viele von Euch als sehr wertvoll empfinden, aber eben manchmal auch in schwierige Themen führt. Damit Freude und Leichtigkeit bei all dem nicht zu kurz kommen, erkennen wir aber auch, dass es wichtig ist, den Finger nicht nur noch auf Wunden zu legen oder immer nur tief in der „Psychobrühe“ zu fischen, sondern auch einfach mal Spaß an unserem geliebten Hobby zu haben und das zu vermitteln. Wir werden uns hier um etwas mehr Ausgleich bemühen und möchten auch wieder mehr Tipps und Anregungen für den alltäglichen Umgang und das ganz normale Training bieten. 

Ausblick

Vielleicht die wichtigste Schlüsselfrage, die sich für ganz viele Pferdebesitzer/innen stellt, ist aus unserer Sicht die, wie sich im praktischen Pferdealltag Probleme und Herausforderung möglichst pferdegerecht und gewaltfrei lösen lassen. Hier sind viele oft ratlos und verunsichert, weil es immer noch zu wenige gute Beispiele und Alternativen gibt. Der Herausforderung, hier noch mehr praktisch Umsetzbares zu bieten, wollen wir uns in Zukunft noch deutlich mehr stellen, getreu unserem Motto „Es geht auch anders“.

Aus verschiedenen Gründen war es für uns schwieriger geworden, gemeinsame Termine zu finden und Möglichkeiten, mit Pferden so zu arbeiten, dass wir das für Blogbeiträge nutzen können. Damit es nicht nur noch „philosophisch“ bei uns zugeht, sammeln wir bereits fleißig Ideen und Lösungen, um auch wieder für neue praktische Inputs bei uns sorgen zu können. 

Tania ist aufgrund ihrer beruflichen Ausrichtung schon ganz konkret dabei, auch noch etwas wirklich Neues und Anderes für „Wege zum Pferd“ zu basteln, das hoffentlich vielen von Euch Freude bereiten wird – seid gespannt! 

Fazit: Wir sind wieder auf dem Weg!

Ihr seht also: Wir sind dran. Wir haben uns beide klar dazu entschieden, dass wir „Wege zum Pferd“ aktiv und gemeinsam weiterführen wollen, denn es ist und bleibt ein Herzensprojekt und wir sehen nach wie vor die Notwendigkeit, noch viele, viele konstruktive, hilfreiche, praktische, inspirierende, nachdenklich machende und manchmal auch unbequeme Impulse in die Pferdewelt zu schicken, damit sie sich weiter zum Guten wandelt. Und das ist und bleibt unser Ziel! 

Ergebnisse der Nutzerumfrage von Wege zum Pferd

23. Juli 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Sonstiges 1 Kommentar »

Probleme beim Clickertraining: Übermotiviert und unter Stress

Wir beide arbeiten ja begeistert mit dem Clickertraining. Leider gibt es aber noch immer viele Vorbehalte gegen diese Art der Ausbildung, die unserer Einschätzung nach vor allem auf Unsicherheiten, Ängsten und Unwissenheit beruhen. Vielleicht können wir hier ein bisschen Abhilfe schaffen, indem wir uns einmal einem sehr typischen Problem widmen, auf das viele stoßen, die mit dem Clickern beginnen und das nicht selten dazu führt, dass das Clickertraining wieder abgebrochen wird, obwohl sich gerade darin eine große Chance für ein harmonisches Miteinander bietet. Es geht um den Übereifer beim Pferd.

Der Übereifrige –
„Clickern macht mein Pferd ganz wuschig“

Das Problem: Isa hat mit ihrem jungen Haflingerwallach zu clickern begonnen, da sie ihn möglichst gewaltfrei ausbilden möchte. Der Einstieg klappt auch gut, der Youngster lernt schnell. Es dauert aber nicht lang und es zeigt sich ein Problem: Isas Haflinger ist vom Clickern so begeistert, dass er bald damit beginnt, hektisch alles Mögliche anzubieten und gar nicht mehr auf Isas Signale achtet. Sie ist seinem Übereifer nicht gewachsen und überlegt, mit dem Clickern wieder aufzuhören. 

Begeisterung ist etwas Gutes

Schauen wir uns einmal an, was hier passiert: Isa hat mit dem Clickertraining eine Möglichkeit gefunden, mit ihrem Pferd so zu arbeiten, dass es mit Feuereifer dabei ist. Diese Freude und Begeisterung sind etwas Gutes, denn genau darum geht es doch: unsere Pferde zur Mitarbeit zu motivieren. 

Wie aber bei so vielen, kann etwas Gutes auch ins Gegenteil umschlagen, wenn es zu extrem wird. Pferde, die sich sehr für das Clickertraining begeistern, entwickeln oft zu viel Energie und achten im Übereifer nicht mehr auf den Menschen. 

… Stress aber nicht

Bei übereifrigen Pferden schlägt die Begeisterung schnell in Stress um. Sie wollen um jeden Preis alles richtig machen und schießen dabei über das Ziel hinaus. Das ist sowohl für das Tier als auch für den Menschen unangenehm und macht ein Lernen schwer bis unmöglich. 

Hier liegen die Ursachen aber weniger im Clickertraining selbst, sondern sind zum einen in der Persönlichkeit des Pferdes oder aber noch mehr  in der Beziehung zwischen Mensch und Pferd zu suchen. 

Das Problem an sich ist leicht zu lösen: Ruhe als Übung

Das Problem des Übereifers lässt sich meist gut in den Griff bekommen, indem man von Beginn an systematisch Pausen und Ruhemomente konsequent als Übungen einbaut und auch diese clickert.

Wichtig ist, dass man eine so genannte „Null-Position“ bestimmt, also z.B. das entspannte Stehen. Immer wieder gilt es, auch diese Null-Position zu clickern, also die Pausen-Momente, in denen nichts zu tun ist, genauso attraktiv zu gestalten, wie die Lernphasen. 

Schwieriger ist, an der eigenen Einstellung zu arbeiten

Interessanterweise tun sich viele Menschen recht schwer damit, Nichts-Tun zu belohnen. Hier zeigt sich der weitverbreitete Ansatz, dass nur Leistung ein Lob verdient und das wiederum deckt eine Strenge auf, die viele von uns in sich haben und so unbewusst auch ausstrahlen. 

Die meisten von uns lernen das Reiten in herkömmlichen Reitschulen und entwickeln auf diese Weise die Einstellung, dass Pferde tun müssen, was der Mensch will. Der eigene Wille wird mit mehr oder weniger Druck durchgesetzt und Fehlverhalten des Pferdes wird vom Menschen mehr oder weniger freundlich korrigiert oder auch bestraft. 

In einem Pferdeleben geht es naturgemäß nicht um Leistungen oder darum, Dinge zu erreichen oder gut zu machen. Pferde wollen ihr Überleben sichern, Zugang zu Ressourcen wie Futter und Wasser haben und innerhalb ihres Sozialsystems möglichst stressfrei und harmonisch leben. Sie wollen vor allem eines: sich wohl fühlen.

Nun bringen wir Menschen, in dem wir mit Pferden arbeiten, etwas Neues in ihr Leben: nämlich Erwartungs- und Leistungsdruck. Wir Menschen haben bestimmte Vorstellungen davon, was Pferde tun und können sollen, wir stellen Forderungen und Aufgaben, die wir erfüllt sehen wollen und wir geben mehr oder weniger nette „Befehle“, die wir befolgt sehen wollen. Damit bauen wir, oft unbewusst und vielleicht sogar ungewollt Druck auf, den Pferde mit ihrer feinen Wahrnehmung spüren, egal wie sehr wie ihn auch verbergen wollen.

Manche Pferde reagieren auf Druck mit Entzug oder Verweigerung, andere wollen unbedingt ungute Erlebnisse vermeiden und setzen darauf, alles richtig machen zu wollen. Genau diese zeigen dann oft Übereifer. Da aber Pferde oft gar nicht genau wissen, was wir eigentlich von ihnen erwarten, bieten sie unter Stress oft alles Mögliche an.

Und hier müssen wir Menschen ihnen helfen, indem wir ihnen deutlich machen, dass gar nicht immer etwas getan werden muss, sondern dass es genauso gut und richtig ist,  auch einfach mal entspannt beieinander zu stehen. 

Unsere Tipps für alle anderen mit übereifrigen Pferden

  • Von Beginn an eine Null-Position einführen, in der es nur um Ruhe und Pause geht und diese nicht erst bei Übereifer, sondern auch schon zwischendurch genauso wie eine Lektion clickern und loben, um dem Pferd deutlich zu machen, dass es nicht ständig Leistung bringen muss. 
  • Die eigene Ausstrahlung, die Ansprüche und Erwartungen an das Pferd überprüfen:
    • Bin ich ungewollt zu streng?
    • Erwarte ich vielleicht zu viel von meinem Pferd?
    • Bin ich zu hart in meiner Ausstrahlung? 
    • Wie reagiere ich bei Fehlern meines Pferdes?
    • Wie geht es mir, wenn ich selbst Fehler mache?
    • Kann ich selbst auch einmal nichts tun?
    • Wie kann ich für mehr Leichtigkeit und Freude in unserem Miteinander sorgen? (Tipp: Speziell dazu gibt es viele Tipps in unserem Freudekurs.)

Und noch ein wichtiger Punkt

Manchmal müssen wir die Ursachen für ein (Fehl-)Verhalten auch außerhalb der eigentlichen Situation suchen. Wirkt ein Pferd im Training sehr fahrig, nervös und überaktiv, so kann das auch daran liegen, dass wichtige Grundbedürfnisse unerfüllt sind. Viel mehr Pferde, als man denken sollte, haben z.B. permanent Hunger, weil sie zu wenig Raufutter bekommen. Kommt nun durch das Clickertraining Futterlob ins Spiel, ist vollkommen verständlich, dass der Erregungslevel steigt! Ähnliches gilt für Pferde, die Durst haben, nicht genug Bewegung bekommen, keinen ausreichenden Kontakt zu Artgenossen haben, nicht genug Ruhe oder Schlafmöglichkeiten haben und vieles mehr. Also bitte auch immer auf das Gesamtbild schauen. 

 

 

2. April 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Clickertraining, Jungpferdausbildung, Umgang, Verhalten 5 Kommentare »

Pferdeschutz beginnt bei uns selbst

Im Großteil unserer Beiträge hier bei „Wege zum Pferd“ geht es – natürlich – um Pferde. Vielleicht verlieren wir da manchmal ein bisschen uns Menschen aus dem Blick. Heute will ich deshalb einmal bewusst die Seite wechseln und etwas für und über uns Pferdeleute schreiben. 

Warum es wichtig ist, auch mal an uns zu denken

Im Miteinander von Mensch und Pferd kommt es immer wieder zu einem Phänomen, das auf den ersten Blick verblüffen mag: Alle, die Pferde lieben, möchten, dass es Pferden gut geht – und doch kommt es im Umgang, beim Reiten und in Pferdeställen ganz allgemein immer wieder zu unschönen Szenen, in denen wir Menschen Pferde nicht nur unfair behandeln, sondern es leider oft auch zu Gewalt kommt. Es gibt leider nur wenige Ställe, in denen es nicht vollkommen normal ist, dass Pferde mit Gerten geschlagen oder mit Sporen gestochen werden, dass an Stricken oder Zügeln gerupft wird, dass gebrüllt, gebufft oder gehauen wird. Und immer wieder fragt man sich, wieso gerade an einem Ort, wo Menschen mit ihren Lieblingstieren doch eigentlich nur eine gute Zeit verbringen wollen, so viel Mist passiert. 

Um zu verstehen, was da genau geschieht – denn die wenigsten von uns handeln vorsätzlich und bewusst so – und auch wie sich die Sache zum Positiven verändern lässt, müssen wir einen kleinen Ausflug in die Psychologie machen. 

Wie wir mit uns selbst umgehen, bestimmt, wie wir mit anderen umgehen

Aus der Psychologie ist bekannt, dass wir andere nur dann lieben und annehmen können, wenn wir uns selbst lieben und annehmen, dass wir anderen gegenüber nur dann respektvoll sein können, wenn wir uns selbst respektieren, und dass wir erst dann für andere gut sorgen können, wenn wir gut für uns selbst sorgen. 

Nun einmal Hand aufs Herz: Wie viele von uns sind sich selbst wirklich nah? Wie viele von uns nehmen sich an und mögen sich selbst? Und wie viele von uns sorgen wirklich gut für sich? 

Hadern nicht viel mehr ganz viele mit sich, finden sich selbst zu dick, zu doof, zu hässlich, zu unfähig und so weiter und so fort? Beschimpfen wir uns oft nicht selbst in Gedanken und auch laut („Ich bin so dämlich!“ oder „Was bin ich nur für eine doofe Kuh!“)? Vergleichen wir uns nicht immer und immer wieder mit anderen und stellen fest, dass die viel besser reiten können, viel toller aussehen und die viel besseren Pferde haben? Kurz und gut: Behandeln wir uns selbst nicht oft so, wie wir niemals wollen würden, dass jemand, der uns nahe steht, behandelt wird? 

Und was soll daraus entstehen? Wie wollen wir einfühlsam, verständnisvoll und geduldig mit unseren Pferden sein, wenn wir uns selbst nur fertig machen? Wie fair glauben wir anderen im Stall gegenüber sein zu können, wenn wir uns selbst gegenüber so mies behandeln? Wie wollen wir überhaupt etwas geben können, wenn wir uns selbst nichts gönnen? 

Das Leben ist leider oft genau wie auf dem Ponyhof

Pferdeställe werden gerne vollkommen verklärt dargestellt: lauter nette Mädels mit lauter netten Pferden, alle haben Freude, alle haben Spaß. Und so mag das, was ich hier schreibe, für viele überzogen klingen, aber meiner Erfahrung nach sieht die bittere Realität leider so aus, dass in vielen Reitställen sehr viele wirklich unschöne menschliche Charakterzüge gelebt werden. Ja, es gibt auch Gegenbeispiele (und das ist wundervoll!), die aber sind zumindest meiner Einschätzung nach leider noch immer die Ausnahmen.

Überlegen wir einmal: Der Großteil von uns kommt zu den Pferden, wenn wir kurz vor oder schon in der Pubertät sind – eine der schwierigsten Zeiten überhaupt. Wir treffen mit unserer Unsicherheit und unserem Weltfrust auf Tiere, die durchaus nicht immer leicht zu handhaben sind und die allein schon durch ihre Kraft und Körpergröße Angst machen können. In vielen Reitställen wird dann den meisten von uns vermittelt, dass man sich durchsetzen muss und wer das am besten kann, wird bewundert. Schleifen bekommen leider auch nicht die, die pferdegerecht handeln, sondern oft ausgerechnet die, die in Rollkur-Manier trainieren und kein Problem damit haben, Sporen und Gerte zu nutzen. 

Hinzu kommt noch die Tatsache, dass Mädchen (und Frauen) untereinander extrem fies sein können. In Pferdeställen geht es letztlich immer um eine ebenso begehrte wie auch begrenzte Ressource, denn nicht jede, die gerne ein Pferd hätte, darf auch eines haben, also wird oft mit allem gekämpft, was zur Verfügung steht.  Wie gesagt, es gibt Ausnahmen, aber was ich hier skizziere ist leider noch immer „ganz normal“ …

Keine konstruktiven Energien in Sicht

Nur selten gibt es in den Ställen Erwachsene, die bereit oder in der Lage sind, die vielen Emotionen, die in Pferdeställen aus den unterschiedlichsten Gründen hochkochen, überhaupt zu erkennen, geschweige denn in halbwegs vernünftige Bahnen zu leiten. Zu oft sind wir alle selbst viel zu sehr emotional verstrickt und selbst wenn jemand versucht etwas zu verändern, wird nicht selten genau diese Person gemeinschaftlich gemobbt. 

Die Leidtragenden in dem Spiel sind nicht nur wir selbst, sondern eben immer auch die Pferde, denn der Frust, die Wut, die Angst, der Ärger, die Traurigkeit und viele andere negative Gefühle, die in Reitställen einen leider perfekten Nährboden finden, entladen sich fast immer auch im Umgang mit den Tieren. So kommt es, dass selbst Kinder und Jugendliche schon tierschutzrelevantes Verhalten zeigen – niemand hat ihnen vermittelt, dass das falsch ist und niemand hat ihnen gezeigt, wie es anders geht. Und als Erwachsene machen wir dann oft weiter, weil wir es nicht besser wissen und können. 

Wir müssen lernen, anders mit uns selbst und mit anderen umzugehen

Einmal mehr geht es darum, bei uns selbst anzusetzen – und das im denkbar besten Sinne! 

Ich weise ja oft darauf hin, wie wichtig Selbstreflexion ist, also die Bereitschaft, das eigene Tun immer wieder zu hinterfragen. Dabei geht es aber keinesfalls nur um Selbstkritik, ganz im Gegenteil: es geht auch um Selbstversöhnung, Selbstannahme und Selbstfürsorge. Denn all das ist wichtig, damit wir überhaupt in der Lage sind, etwas zu geben – anderen Menschen, anderen Wesen. 

Selbstreflexion ermöglicht uns zu erkennen, wenn es uns nicht gut geht, also dass wir zum Beispiel traurig sind, frustriert, wütend, gereizt, müde oder erschöpft. Selbstreflexion ermöglicht uns herauszufinden, was wir brauchen, damit es uns wieder besser geht, und was wir uns Gutes tun können, damit wir wieder zu Kräften kommen. Selbstreflexion ist auch die Basis dafür, im Miteinander mit anderen Menschen klare Grenzen setzen zu können und konstruktive Beziehungen zu gestalten.

Damit es unseren Pferden gut geht, muss es auch uns selbst gut gehen – das ist eine Lektion, die ich selbst über viele Jahre und leidvolle Irrwege begriffen habe. Mit Artikeln wie diesen möchte ich Euch dazu ermutigen, Euch selbst besser kennen zu lernen und zu entdecken, wie Ihr seid, wenn Ihr in Eure Kraft kommt und was Ihr zu geben habt, wenn es Euch gut geht. Ich bin fest davon überzeugt, dass es diese Kräfte sind, die Reitställe zu den Oasen machen können, die wir uns doch eigentlich alle wünschen – denn: Die Pferde warten schon auf uns, um genau das mit uns zu leben!

Pferdeschutz beginnt bei uns selbst

2. Oktober 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse 8 Kommentare »

Rat gesucht: Wie weicht mein Pferd?

Wir bekommen viele Fragen per Mail und es ist nicht immer leicht, diese zu beantworten, da gerade bei Ferndiagnosen die Gefahr besteht, am eigentlichen Problem vorbeizuschreiben. Aber genau an dieser Tatsache kann man gut deutlich machen, was zwischen Mensch und Pferd oft nicht optimal läuft, denn selbst vor Ort kann einem genau das leicht passieren.  

Beispiel: Der Fels in der Brandung

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, was zu tun ist, wenn man einem Pferd das Weichen beibringen will, das Tier aber wie ein Fels in der Brandung stehen bleibt. Die Fragende beschrieb dann noch das recht gängige Vorgehen mit verschiedenen Stufen von Druck („Fell“, „Haut“ und „Muskel“), aber das Pferd reagierte auf keine Stufe. 

Wenn ich eine solche Frage gestellt bekomme, springe ich nicht an die Stelle, wo die Person steht, die mir die Frage stellt. Ich gehe vielmehr etliche Schritte zurück und versuche das Gesamtbild zu sehen.  

Der Wunsch der Fragestellerin war eigentlich nur ein Tipp oder eine Technik, mit der sie das Pferd innerhalb der Methode, die sie nutzte, bewegen kann. Nun greifen aber Methoden jeder Art leider sehr oft viel zu kurz. Ein Pferd ist ja keine Maschine, bei der man nur verschiedene Knöpfe und Hebel nutzen muss, um den gewünschten Effekt zu erhalten, sondern ein Pferd ist ein komplexes Lebewesen. Das beschriebene System der verschiedenen Druckstufen führt bei vielen Pferden zur Gegenwehr, denn Druck erzeugt oft einfach nur Gegendruck. 

Die Frage ist für mich in einem solchen Fall nicht die, wie man das Pferd doch bewegen kann, sondern ich möchte das Verhalten des Pferdes verstehen, bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann, was zu tun ist. Ich frage also: Warum mag das Pferd nicht weichen?

Oder ist vielleicht alles ganz anders?

Statt also auf solche Mails mit einem kurzen Tipp zu antworten, versuche ich den Blick immer auf das Miteinander mit dem Pferd zu legen, also in diesem Fall

  • einerseits auf das Pferd, das vielleicht einfach nicht versteht, was es tun soll, das es keinen Fehler machen will, auf die Tatsache, dass es sich in der Nähe des Menschen vielleicht einfach sicherer fühlt, ob es gesundheitliche oder andere Gründe für das Verhalten geben kann usw.,
  • andererseits auf die eigene Ausstrahlung, mögliche widersprüchliche Botschaften und die (vielleicht viel zu starke oder nicht eindeutige) Qualität der Energie, mit der das Pferd weggeschickt werden soll und
  • im dritten Schritt dann auf die gemeinsame Kommunikation, also auf das Verstehen und Verstanden werden, die Stimmung und das Grundgefühl, das zwischen Mensch und Pferd ist und ähnliches. 

Weniger Methoden, dafür mehr Verständnis

Pferden, die sehr „am Menschen“ kleben, tut man oft großes Unrecht, wenn man sie rüde über Druck wegschickt, weil sie einfach gar nicht verstanden haben, worum es dem Menschen geht oder sie haben Gründe nicht zu tun, was der Mensch will. Sie suchen zum Beispiel Nähe, vielleicht aus Unsicherheit, manchmal auch weil sie sich beim Menschen einfach nur wohl fühlen oder sie spüren dass der Mensch die Nähe des Pferdes gern hat und können die widersprüchlichen Signale nicht deuten. Viele Menschen aber interpretieren das Verhalten als „Verweigerung“, „Widersetzlichkeit“ oder sogar als „Dominanz„… 

Einfach einen Tipp für „mehr Druck“ oder „Druck an einer besonderen Stelle“ zu geben, ist sinnlos, wenn es um das komplexe Thema „Kommunikation“ geht. Druck ist hier aus meiner Sicht vollkommen fehl am Platze. Es gilt viel mehr, dem Pferd behutsam und vor allem für das Pferd auf eine gute Weise verständlich zu erklären, dass es eben manchmal auch etwas Abstand einnehmen soll und das das nichts Schlimmes ist. Tipp: Eine Möglichkeit, dem Pferd das Kommando „Ab“ beizubringen, findet Ihr hier erklärt.  

Bei so gut wie allen Fragen, die uns erreichen, ist es also mit einem einfachen „Tipp“ oder einer „Methode“ nicht getan, sondern es ist sinnvoll und nötig, den Blick von dem vermeintlichen Problem wegzunehmen, das fast immer nur ein Symptom ist, und zu schauen, worum es wirklich geht. Zugegeben, das ist zunächst immer etwas anstrengender, führt aber zuverlässig zu viel pferdegerechteren und schöneren Lösungen für beide Seiten. 

Wie weicht mein Pferd?

22. Februar 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Umgang, Verhalten 3 Kommentare »

Warum arbeiten Pferde eigentlich mit?

Vor einiger Zeit fragte mich eine Leserin, warum Pferde eigentlich überhaupt mit Menschen zusammenarbeiten wollen – und ganz ehrlich, diese Frage habe ich mir selbst auch schon sehr oft gestellt.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind ja die meisten Pferde tatsächlich immer wieder bereit, sehr viel für Menschen zu tun und das selbst dann,  

  • wenn sie dabei nicht gut behandelt werden,
  • sie oft nicht verstehen, was von ihnen gewollt wird und nur raten können,
  • die Arbeitsbedingungen schlecht sind, 
  • das Zubehör scheuert, nicht passt oder anderweitig Schmerzen bereitet, 
  • sie immer wieder zum Teil vollkommen ungerechtfertigt bestraft werden, 
  • die gegebenen Hilfen grob sind, 
  • die Stimme viel zu laut und unfreundlich ist,
  • das Training körperliche Schmerzen oder psychische Überforderung bedeutet, 
  • sie nicht immer genug zu fressen haben oder viel zu dick gefüttert werden, 
  • oft nicht pferdegerecht leben können
  • und vieles andere im Zusammenhang mit Menschen ganz schön unangenehm sein kann.

Tja, warum tun Pferde das? 

Dumm, oder was?

Es gibt Leute, die den Schluss ziehen, dass Pferde ziemlich dumme Tiere sein müssen oder dass es ihnen einfach so viel Spaß mit uns macht, dass sie dankbar sind oder dass das was mit ihnen gemacht wird, halt offenbar vollkommen ok so ist (sonst würden sie ja nicht mitmachen, nicht wahr?)… – Aussagen, die ich für großen Blödsinn halte. 

Ich denke, die Antwort finden wir viel mehr im Wesen der Pferde.

Die Natur der Pferde

Aus meiner Erfahrung sind Pferde grundsätzlich sehr kooperative Tiere. Als Herdentiere hängt ihr Überleben ganz wesentlich davon ab, sich in eine Gruppe einzufügen und kooperativ zu sein. Die Bereitschaft zur Mitarbeit könnte bei ihnen also ein Stück weit in den Genen liegen. Bei einigen Rassen dürfte durch gezielte Zucht auch eine Art Leistungswille eingebaut sein, also der Drang, etwas zu tun.

Viele Pferde schätzen dann sicher auch einfach die Abwechslung, die das Zusammensein mit Menschen bedeutet. Denn so, wie viele Pferde gehalten werden, gibt es viel Langeweile für sie und vieles, von dem, was Menschen mit Pferden machen, ist ja durchaus auch spannend, lustig oder wohltuend und macht Freude. Andere Pferde wiederum denken vielleicht gar nicht darüber nach, sondern nehmen es einfach wie es kommt, so wie sie auch Regen nehmen, wenn es regnet oder den Wind, wenn es stürmt oder die Sonne, wenn sie scheint. 

Ganz persönlich denke ich, dass auch die Fähigkeit von Pferden, im Hier und Jetzt zu leben, eine große Rolle dabei spielt. Sie macht es ihnen möglich, immer wieder neu zu beginnen und uns immer wieder zu verzeihen und frische Chancen zu geben. Pferdeherzen und -seelen sind sehr groß, vielleicht können sie sich tatsächlich immer und immer wieder neu für uns öffnen. 

Mitarbeit ist nicht selbstverständlich!

Wie auch immer die Antwort tatsächlich sein mag, ich habe für mich begriffen, dass ich trotz aller Bereitschaft NICHTS im Zusammensein mit Pferden als selbstverständlich nehmen darf. Mir ist sehr bewusst, dass jedes Pferd, sei es noch so klein oder zart, mir kräftemäßig überlegen ist, und dass ich kein Pferd, das nicht ein Stück weit von sich aus mitmacht, zu etwas zwingen könnte. Das Bewusstsein darüber, dass mir also jedes Pferd im Zusammensein immer etwas von sich aus schenkt, lässt mich sehr dankbar sein, vor allem dann, wenn ich immer wieder sehe, was Pferde auch für uns aushalten und wie sie all unsere Fehler und Grobheiten ertragen, ohne uns zu grollen und vor allem ohne ihre Kraft gezielt gegen uns einzusetzen. 

Ich glaube, viel wichtiger als die Frage, warum sie das alles tun, ist die, was wir daraus von ihnen lernen können, denn das ist unglaublich viel. 

5. September 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse 8 Kommentare »

Fühl doch mal!

Da wir mit „Wege zum Pferd“ auch bei Facebook aktiv sind, bekommen wir dort entsprechend viel mit, vor allem auch die Diskussionen über eingestellte Videos von Trainern und Reitern. Und immer wieder erstaunt und bewegt es mich sehr, diese Diskussionen zu verfolgen.

In vielen Fällen sehe ich persönlich gestresste Pferde und hektische Menschen, ich sehe ruckende Stricke und Zügel, bohrende Sporen, „touchierende“ Gerten und schlagende Schweife, weggedrückte Rücken, zugeschnürte Mäuler und viel zu tiefe Köpfe und ich sehe so viele leere Blicke und Pferde, die wie Marionetten funktionieren … und ich frage mich: Warum wird so vieles davon toll gefunden? Warum werden Videos bejubelt? Warum schauen so wenige mal wirklich hin?

Und vor allem: FÜHLT denn kaum jemand mal beim Anschauen von Filmen? 

Ein Experiment

Ich möchte Euch mal ein Experiment vorschlagen: 

Schaut Euch Pferde-Videos immer erst einmal OHNE Ton an, also ohne Musik und ohne Kommentar. Lasst ganz bewusst nur die Bilder wirken. Achtet nicht nur auf das vordergründig Spektakuläre, wie zum Beispiel schwierige Lektionen, dramatisches Steigen, hohe Sprünge oder viel Beinaktion, sondern achtet auf die Mimik, die Körpersprache und die Stimmung des Pferdes und auf die Ausstrahlung des Menschen. Versucht erst einmal nur so viel wie möglich wahrzunehmen und lasst vor allem Eure Gefühle zu. Spürt nach, wie Ihr Euch beim Anschauen der Filme fühlt und notiert Eure ganz persönlichen Wahrnehmungen in Stichworten.

Schaut Euch erst dann die Videos noch einmal mit Musik bzw. Sprechertext an und lest erst dann die Kommentare anderer. Spürt genau hinein, ob sich Eure Wahrnehmung durch den Ton ändert und ob Ihr die Meinung der anderen teilt oder nicht und was sich für Euch am wahrhaftigsten anfühlt.

Tipp: Diese Übung könnt Ihr auch sehr gut zusammen mit jemanden durchführen, dem Ihr vertraut. Redet aber erst am Ende der Übung über Eure jeweiligen Wahrnehmungen und zwar nicht mit dem Fokus, wer nun Recht hat, sondern mit der Neugier darauf, was der andere wahrgenommen hat.

Fühlen kann (und muss) man üben

Tatsächlich gilt es das Fühlen ein Stück weit zu üben, damit wir mehr Mitgefühl für Pferde entwickeln können (denn daran fehlt es leider meinem Eindruck nach doch sehr in der Pferdewelt).

Wenn wir etwas sehen, lassen sich viele von uns schnell von anderen in unserer Wahrnehmung beeinflussen. Ein, zwei Sätze können unsere ganze Wahrnehmung in eine bestimmte Richtung lenken und wir nehmen ein Geschehen komplett anders wahr als wenn wir diese Sätze nicht gehört hätten! Deshalb ist es so wichtig, wirklich erst einmal bei sich selbst zu bleiben und nicht nur zu schauen, sondern dem, was wir da sehen, auch nachzufühlen. Und das gilt nicht nur für Videos, sondern auch für alles was wir im realen Leben mit Pferden erleben…

Inzwischen vertraue ich meinem Bauch mehr als meinem Verstand, denn es ist mein Bauch, der sich mit den Pferden verbindet und mit ihnen fühlt. So beeindrucken mich heute immer weniger Videos, die als „fantastisch“ oder „super“ angepriesen werden, als dass mich viele von ihnen vor allem traurig machen, und nur weil jemand an der Bande neben mir die „Wahnsinnsgänge“ eines Pferdes preist, entgeht mit nicht das Geriegel und Sporengepiekse und die Schmerzreaktionen des Pferdes darauf.

Ich denke, je mehr von uns beginnen, hinter die schillernden Kulissen zu schauen, die so gerne gezeigt werden, und Pferde wirklich fühlen lernen, desto mehr werden auch ihre Eindrücke schildern und manches Fragezeichen an eine umjubelte Vorführung setzen – und zwar nicht aus Neid oder Missgunst, sondern für die Pferde!

1. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse 14 Kommentare »

Guten Tag, mein Pferd ist ein Problem

Zugegeben, die Überschrift „Guten Tag, mein Pferd ist ein Problem“ klingt vielleicht etwas seltsam. Tatsächlich aber bringt sie genau auf den Punkt, worum es hier gehen soll. 

Wenn jemand zu unserem Pferd kommt oder wenn wir anderen von unserem Pferd erzählen, passiert oft etwas Bemerkenswertes, das aber den wenigsten von uns bewusst ist: Das komplexe Wesen und Sein unseres Pferdes wird schlagartig reduziert auf ein oder zwei – fast immer negative – Aussagen.

Am deutlichsten wird das bei Pferden, die eine chronische Krankheit haben, wie z.B. Sommerekzem oder Husten. Da wird oft noch vor dem Namen die Krankheit genannt: „Ja, und das ist meine Stute, Ekzemerin.“ oder „Ich habe einen  Huster.“ Aber auch bei Problemfällen erfolgen oft solche Vorstellungen oder Beschreibungen: „Da steht er, leider ein Beißer.“ oder „Meine Stute kann ich nicht im Gelände reiten, sie ist ein Durchgänger.“ 

Was an den Sätzen falsch sei? An den Sätzen selbst nichts, aber ein Stück weit am Fokus. In ihm drückt sich aus, wie wir auf unser Pferd schauen und was an ihm wir vor allem wahrnehmen. Es ist natürlich verständlich, dass jemand, der immer wieder Sorgen oder Schwierigkeiten mit seinem Pferd hat, auch darüber redet, aber ich denke, dass es sich wirklich lohnt, einmal darauf zu achten, wie wir unser Pferd vor anderen Menschen darstellen und was das mit uns und vor allem mit unserem Pferd macht. Denn es geht hier nicht nur um Worte, sondern um viel mehr… 

Ich selbst habe meinen Anthony oft mit „Ein Neinsager“ oder „Kein leichtes Pferd.“ vorgestellt oder bezogen auf seine vielen gesundheitlichen Probleme: „Mein Montagspferdchen“. Das möchte ich ändern, denn Anthony ist so viel mehr und diese Reduzierung wird ihm einfach nicht gerecht. Auch wenn er mich manchmal wirklich fordert, so klappen unzählig viele Sachen wunderbar. Er schenkt mir sehr viel, er ist in ganz vielen Bereichen super erzogen und brav. Und er ist auch mehr als sein Husten oder seine Hufgeschwüre. 

Der entscheidende Punkt an dieser Art über unsere Pferde zu reden ist der: Kein Pferd ist nur seine Krankheit und kein Pferd ist nur ein Problem. Oft aber reden wir über unsere Pferde als seien ihre Krankheiten oder Auffälligkeiten so etwas wie ihr Name: … ist Kolikerin … ist ein Steiger … ist Freikopper … ist schwierig … ist stur … usw. Damit bestätigen und manifestieren wir in gewisser Hinsicht genau das, was wir eigentlich nicht wollen, denn wir schenken der Sache sehr viel Aufmerksamkeit und Energie. 

Es heißt ja, dass wir die Wirklichkeit durch unsere Gedanken und unsere Aufmerksamkeit gestalten. Ob das so stimmt, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass die Beziehung zu meinem Pferd in einem großen Maße von meinem eigenen Fokus abhängt. Sehe ich vor allem das Problem, dann wird es größer und bekommt mehr Macht und Einfluss. Richte ich meine Aufmerksamkeit hingegen auf das, was toll ist, verschwindet es natürlich nicht, aber es bekommt eine andere Gewichtung im Gesamtbild. Und das Wichtigste ist für mich: Unsere Pferde spüren sehr genau, wo unser Fokus liegt und reagieren darauf. 

Achtet doch einmal selbst darauf, wie Ihr Eure Pferde anderen vorstellt, womit Ihr sie beschreibt und was Ihr selbst bei ihnen in der Hauptsache wahrnehmt. Vielleicht reduziert Ihr ja unbewusst Eure Pferde auch in einer Weise, die nicht gerade förderlich und vielleicht auch nicht fair ist? Dann denkt daran: selbst kleine Fokusverschiebungen können Türen öffnen und damit sehr viel in Bewegung bringen.

Mein Pferd ist ein Problem

13. Juni 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Umgang 17 Kommentare »

Vom Umgang mit Hilflosigkeit

Hilflosigkeit ist ein mir sehr vertrautes Gefühl im Umgang mit meinem nicht gerade einfachen Pferd Anthony und, wenn ich mir andere Pferdemenschen anschaue, dann gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass Hilflosigkeit tatsächlich eine der größten Herausforderungen für uns Menschen im Umgang mit Pferden ist.

Hilflosigkeit bringt uns oft in große Not und wir reagieren aus ihr heraus ganz anders als wir es eigentlich wollen. Hilflosigkeit macht viele von uns hart und lässt uns oft mit Gewalt reagieren. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, sich einmal genauer mit diesem Thema zu befassen. 

Wann Hilflosigkeit entsteht

Schauen wir zunächst, was genau uns hilflos macht. Hilflosigkeit kann in ganz unterschiedlichen Situationen entstehen: 

  • Hilflos fühlen wir uns zum Beispiel oft dann, wenn ein Pferd nicht tut, was wir möchten, und wir nicht wissen, wie wir es dazu bringen können. 
  • Hilflos fühlen wir uns auch dann, wenn wir mit unseren bisherigen Techniken oder dem, was wir zu wissen glauben, nicht weiterkommen. 
  • Hilflos fühlen sich viele von uns auch, wenn wir merken, dass unser Pferd Angst hat und nicht mehr zuhört oder/und wenn wir selbst Angst haben.
  • Hilflos fühlen wir uns oft auch dann, wenn uns andere zu etwas raten oder drängen, das wir eigentlich nicht tun wollen. 

Denkanstoß

Was ist es bei dir? Vervollständige einmal den folgenden Satz schriftlich immer und immer wieder, bis dir wirklich nichts mehr einfällt:

Ich fühle mich hilflos, wenn… 

 

… und wozu Hilflosigkeit führt

Sehr viele Menschen werden wütend, wenn sie hilflos sind, und die Folge von Wut ist wiederum ganz oft Gewalt: 

  • Wenn ein Pferd nicht tut, was es tun soll, wenden viele Menschen Druck und Gewalt an, um ihren Willen durchzusetzen. 
  • Wenn jemand merkt, dass seine Hilfen oder Techniken bei einem Pferd versagen, wird ganz oft mehr davon eingesetzt, die „Hilfen“ werden also verstärkt, die Technik deutlicher eingesetzt – es wird nicht mehr nur getrieben, sondern getreten, es wird nicht mehr nur am Zügel oder Strick gerupft, sondern gerissen, die Gerte tippt nicht mehr nur, sondern schlägt usw. 
  • Wer sein Pferd nicht beruhigen kann und/oder selbst Angst hat, fängt oft an, am Strick zu zerren, das Pferd anzubrüllen oder gar zu schlagen. 
  • Wenn wir nicht weiterkommen und andere uns einen Rat geben, befolgen wir den oft aus Hilflosigkeit, obwohl wir spüren, dass es nicht richtig ist, was wir tun. So kommt es gerade unter Anleitung oft zum Einsatz von Gewalt gegen Pferde. 

Denkanstoß

Wie reagierst du, wenn du hilflos bist?

Schreibe es auf!

 

Was genau ist Hilflosigkeit?

Hilflosigkeit ist eine gesteigerte Form von Ratlosigkeit. Wir erleben einen Kontrollverlust und wissen nicht mehr weiter. Dieses Gefühl ist für die meisten Menschen sehr unangenehm. Gerade da im Umgang mit Pferden so viel Wert auf Kontrolle gelegt wird und viele von uns (oft unbewusst) Angst vor den Reaktionen von Pferden haben oder davor, verletzt zu werden, ist Hilflosigkeit schon im Ansatz bedrohlich und wir versuchen vieles, um möglichst schnell aus diesem Zustand wieder herauszukommen. Im Affekt reagieren viele dann aggressiv und gewaltbereit. 

Dauert das Gefühl von Hilflosigkeit an, können wir auch resignieren und uns letztlich ganz gelähmt fühlen. In diesen Fällen hört man vielleicht mit dem Reiten auf oder das Pferd wird verkauft.  

Wie kann man besser auf Hilflosigkeit reagieren? 

Ein wichtiger Schritt ist der, die eigene Hilflosigkeit überhaupt erst einmal wahrzunehmen, denn so automatisch wie wir dieses Gefühl durch Aktionen (und oft auch Aktionismus) zu vermeiden versuchen, fällt es uns meist schwer, Hilflosigkeit zu benennen. Wir müssen aber unsere Hilflosigkeit erst einmal wahrnehmen, um dann fragen und verstehen zu können, woher sie kommt und wie wir besser mit ihr umgehen können. Hier ist viel Selbstreflexion nötig. 

Denkanstoß

Denk einmal zurück an Situationen, in denen Du hilflos warst. Konntest Du Deine Hilflosigkeit erkennen oder wurde Dir erst später bewusst, dass Du hilflos warst? Woran könntest Du Deine Hilflosigkeit in Zukunft erkennen?

Vervollständige diesen Satz schriftlich so lange, bis Dir nichts mehr einfällt: 

Wenn ich hilflos bin, dann …

Zulassen und schauen, wohin sie uns führt

Wenn wir Hilflosigkeit als Gefühl bei uns wahrnehmen, steht es an, sie uns einzugestehen, sie ein Stück weit zu zulassen und auch auszuhalten.

Hilflosigkeit bringt uns an unsere Verletzlichkeit, denn sich nicht zu helfen zu wissen, schwächt sehr. Indem wir uns aber bewusst auf das Gefühl einlassen, können wir die Erfahrung machen, dass Hilflosigkeit nicht immer eine Katastrophe ist, sondern manchmal eigentlich gar nicht schlimm ist oder sogar z.B. auch witzige Momente haben kann oder dass sie uns ermöglicht, in eine ganz andere Richtung zu denken, die wir vorher nicht sehen konnten.

Drei Tipps für den Umgang mit der eigenen Hilflosigkeit

Wenn Du Dich das nächste Mal hilflos im Umgang mit Deinem Pferd erlebst, dann probiere einmal das aus: 

  • Mach, wenn es irgendwie möglich ist, nicht einfach weiter, sondern beende entweder die Lektion, an der Du gerade arbeitest, mach eine Pause mit dem, was Du gerade tust oder bitte jemanden, Dein Pferd zu halten. So verhinderst Du, dass Du etwas tust, was Du hinterher bereust. 
  • Versuche, im Ja zu bleiben. Sprich aus, was gerade in Dir vorgeht: „Ok, ich weiß gerade nicht weiter und das fühlt sich überhaupt nicht gut an.“ oder sprich dein Pferd direkt an: „Ich verstehe Dich nicht und habe keine Ahnung, was ich jetzt mit Dir machen soll.“
  • Öffne Dich für andere Ideen und Wege. Hilflosigkeit entsteht oft, wenn wir das Gefühl haben, keine Wahlmöglichkeiten zu haben. Wir tun z.B. etwas, das wir gelernt haben, aber das Pferd reagiert nicht wie vorgesehen. Das verunsichert uns, weil wir keinen Plan B haben. Versuche, Dich nicht unter Druck zu setzen, sofort eine Lösung finden zu müssen, sondern atme durch und versuche, Dich wenigstens ein bisschen zu entspannen. Frage Dich dann, welche Möglichkeiten Du vielleicht noch hast außer diesen einen Weg, der im Moment (oder auch grundsätzlich) nicht hilft. Gib Dir Zeit, wenn Dir nicht gleich etwas einfällt.

Mittelfristig gilt es dann vielleicht, sich Hilfe zu suchen, aber auch das, ohne in Aktionismus zu verfallen. Manchmal fehlen uns einfach ein paar Informationen, Techniken oder Fertigkeiten oder einfach nur mal ein neutraler Blick von außen, der besser erkennen kann, was gerade falsch läuft.  

Manchmal aber ist es auch wichtig, sich klarzumachen, dass nicht jedes Problem, nicht jede Schwierigkeit immer einer sofortigen Lösung bedarf. Sollte ein Pferd zum Beispiel eine Lektion partout nicht ausführen wollen, hilft es oft, sie einfach eine ganze Weile nicht mehr zu fordern. Irgendwann kann man sie ganz nebenbei noch einmal abfragen oder neu aufbauen und in vielen Fällen hat sich das Problem dann von allein erledigt.  

Mein Anthony hat mich gelehrt, mich meiner Hilflosigkeit immer wieder neu zu stellen und sie anzunehmen. Meistens kann ich sogar schon darüber lachen, wenn ich mal wieder komplett ratlos vor ihm stehe. Und interessanterweise sind das oft genau die Momente, in denen ich ihm ein großes Stück näher komme.  

hilflosigkeit

9. Januar 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang 20 Kommentare »

Nimm’s doch mit Humor!

Eine Sache vermisse ich sehr in der Pferdewelt und das ist der Humor. Wie verbissen wird da erzogen und trainiert, wie hart gearbeitet, wie ernst gesorgt und wie wütend und böse werden viele, wenn die gesetzten Ziele nicht erreicht oder das gewünschte Verhalten nicht gezeigt wird.

Himmel, möchte ich dann oft rufen, das Ganze soll doch Spaß machen! 

Warum sind wir nur so verbissen?

Wie kommt es nur, dass wir in dem, was doch unser Hobby ist, oft so schrecklich verbiestert sind? Warum können wir so selten darüber lachen, wenn unser Pferd seine eigenen Ideen zeigt oder über uns selbst, wenn wir zum hundertfünfzigsten Mal denselben Fehler machen? Warum reagieren wir bloß so streng, wenn unser Pferd herumkaspert oder eine Lektion nicht so zeigt, wie wir glauben, dass es das können muss? Warum sind Reitlehrer/innen oft so streng und kritteln an wirklich allem herum, obwohl es ganz viel zu loben gäbe? Warum neiden wir anderen ihren Spaß, indem wir fiese Blicke werfen oder gar gehässige Bemerkungen machen? 

Und ist Euch mal aufgefallen, dass wir oft vor allem mit uns selbst und mit unseren eigenem Pferd besonders humorlos sind? Bei anderen Pferden haben wir meist einen viel milderen Blick, finden deren Scherze witzig und sehen es auch gar nicht so eng, wenn das Angaloppieren oder das Anhalten mal nicht punktgenau funktioniert. Bei unserem eigenen Pferd und uns selbst hingegen kommt all das eher einem schweren Vergehen gleich… 

Wieder lachen lernen!

Ich wünsche mir ganz doll, dass im Pferdetraining nicht nur der Sitz geschult und die Hilfen vermittelt werden, sondern dass Pferdemenschen auch lernen, über sich selbst und ihr Pferd zu lachen. Denn im Reitunterricht wird leider meist das genaue Gegenteil vermittelt.

Statt Angst zu haben vor Fehlern und ständig unsere kritische Brille aufzuhaben, sollten wir alle erkennen, wie viel Humor Pferde haben. Ganz viele von ihnen sind echte Spaßvögel, aber den meisten ist das leider aberzogen worden.

Aber: Was ist die Welt ohne Lachen? 

Achtet doch mal darauf, wie oft in Eurem Umfeld beim Reiten oder der Arbeit mit dem Pferd gelacht wird. Wie viele strahlende Gesichter seht Ihr? Wie viel Spaß scheinen Mensch und Pferd zu haben? Oft nicht viel, oder?

Einfach anfangen!

Zugegeben, auch mir fiel es nicht gerade leicht, lockerer zu werden, wenn es um meine Pferde und mich ging. Irgendwann begann ich aber damit, ganz bewusst mehr zu lächeln und auch zu lachen. Und wenn ich ehrlich bin, dann kam das zu Beginn nicht immer von Herzen, aber das veränderte sich stetig.

Heute lache ich sehr viel mit und über meine Pferde und zwar wirklich aus dem Bauch und Herzen heraus – über die kleinen und größeren Missgeschicke und Missverständnisse, die uns immer wieder passieren, und über ihre Scherze, die sie immer öfter machen, über die Ideen, die sie so haben und vieles andere mehr.

Ich bin fest davon überzeugt, dass hier viel Potential für einen anderen, schöneren Umgang mit Pferden ist. Schaut doch gleich heute mal selbst, worüber Ihr lachen oder wenigstens lächeln könnt!

humor

6. September 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Umgang 14 Kommentare »

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