Mit dem Herzen voran – Die Geschichte zum Reitkurs

Der Reitkurs von Wege zum PferdNach vielen Monaten intensiver Arbeit ist er nun erschienen:

Mit dem Herzen voran!
– der „Wege zum Pferd“-Reitkurs

Die Idee für unseren Reitkurs ist schon fast so alt wie „Wege zum Pferd“ selbst, denn gleich nach dem Erscheinen des ersten Longenkurses (2008) wurden wir gefragt, ob es so etwas nicht auch als Reitkurs geben könnte. Damals haben wir das erstmal weit von uns gewiesen, denn im Gegensatz zum Longenkurs, bei dem wir von Beginn an das Gefühl hatten, damit wirklich etwas Hilfreiches und auch Neues bieten zu können, hatten wir den Eindruck, dass es zum Thema Reiten einfach schon sehr viel gibt, … zu viel, als das wir da auch noch unseren Senf dazu geben müssten. 

Das liegt nun über zehn Jahre zurück und in diesen zehn Jahren ist viel passiert. Was mit „Wege zum Pferd“ als kleine Webseite begann, ist heute ein großes Portal geworden. Wir bekommen immer wieder das wundervolle Feedback, dass unsere Artikel und Kurse ganz viele von Euch dazu ermutigt, nicht länger automatisch auf herkömmlichen Pfaden zu wandeln, sondern Euren ganz eigenen Weg mit Euren Pferden zu finden und zu gehen. Als wir Ende letzten Jahres darüber nachdachten, wie es mit „Wege zum Pferd“ weitergehen soll, klaffte ganz deutlich eine große Lücke: das Thema Reiten.

Und als wir dann wieder einmal überlegten, ob wir nicht doch einen Kurs dazu herausbringen sollten, stellten wir fest, wie stark sich die Diskussion um das Thema „Reiten“ in den letzten Jahren verändert hatte: Früher wurde vor allem um die verschiedenen Reitweisen gestritten und welche davon nun die beste wäre, nicht aber über die Tatsache, dass das Reiten an sich schon fragwürdig sei – was für ein Wandel, der da bereits stattgefunden hat!

Spannenderweise fanden wir uns dann irgendwo in der Mitte von zwei Lagern wieder: 

  • Auf der einen Seite warfen uns manche vor, dass wir ja „gar nicht richtig reiten würden“ mit unserem ganzen Bodenarbeitsgetüddel und
  • auf der anderen Seite mussten wir uns bei anderen wiederum dafür rechtfertigen, dass wir uns nicht ausdrücklich gegen das Reiten aussprachen. 

Und da wurde uns klar, dass sich hier „unser Thema“ auftat: Dass es für uns nämlich nicht um die Frage geht, ob das Reiten an sich falsch und abzulehnen ist, sondern wir wollten danach fragen, WIE Reiten eine gute Sache für beide werden kann – also für Mensch UND Pferd, und wir wollten genau diese Frage auch beantworten. Denn wir sind fest davon überzeugt, dass Reiten eine wundervolle Sache für Menschen und Pferde gleichermaßen. Die Messlatte dabei ist für uns „Pferdefreundlichkeit“, denn so wollen wir reiten: auf eine Art und Weise, die dem Pferd nicht schadet, sondern im Gegenteil, die ihm gut tut und die ihm sogar Freude macht. Und wie das praktisch geht, DAS ist genau das, was worum es uns immer schon bei „Wege zum Pferd“ ging und das nun für das Thema „Reiten“ aufbereitet werden wollte. Es gibt zum Thema „Pferdefreundlichkeit“ zwar viele schöne Sprüche, aber nur wenige wirklich konkrete Anleitungen, wie man denn eine „bessere“ Art des Reitens tatsächlich umsetzen kann, so dass viele aus Hilflosigkeit doch bei dem bleiben, was sie eigentlich nicht mehr wollen, oder ganz mit dem Reiten aufhören…

Reitkurs von Wege zum PferdSo entschieden wir, genau da anzusetzen: 

  • Offen benennen, was alles falsch läuft, und
  • praktisch umsetzbare Alternativen aufzeigen, die sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene hilfreich sind. 

Und damit machten wir uns an die Arbeit.

Für diesen Reitkurs haben wir auf unsere gesamte Reitzeit zurückgeschaut und uns an unzählige Erlebnisse erinnert, von denen manche schmerzlich, andere wunderschön und ganz viele erhellend waren. Wir haben uns unangenehmen Fragen gestellt und beleuchtet, woran wir oft gescheitert sind. Wir wissen nur allzu gut um die Fehler, die wir gemacht haben und auch immer noch machen, und wir sind uns bewusst, dass auch wir immer weiter und weiter an uns arbeiten müssen, denn wir sind alles andere als perfekt. Was wir aber vielleicht ein bisschen intensiver als andere tun, ist, aus der Selbstreflexion und dem Hinterfragen unseres Tuns gewonnene Erkenntnisse in Handlungswissen zu bringen und damit konkreten Rat, praktische Tipps und umsetzbare Anregungen bieten zu können. So haben wir eine Fülle von Überlegungen, Wissen und praktische Übungen zusammengetragen, die uns dabei helfen, jeden Tag ein bisschen pferdefreundlicher zu werden im Umgang, beim Training und auch im Sattel.

Für diesen Kurs haben wir uns alle nur erdenklichen Facetten des Reitens vorgenommen:

  • von der Frage danach, ob und wie Reiten überhaupt okay ist und
  • was Pferde brauchen, damit wir sie so reiten können, dass es ihnen nicht schadet und sie idealerweise Freude daran haben,
  • über die Frage, welches Zubehör pferdefreundlich ist und
  • wie wir einen ausbalancierten Sitz erreichen können,
  • bis hin zu einer pferdefreundlichen Hilfengebung, die eine echte Kommunikation mit unserem Pferd möglich macht, und
  • Fragen danach, wie Reiteinheiten am besten aufzubauen und auszugestalten sind und
  • welche Lektionen zu reiten sinnvoll ist.

Wisst Ihr was? Ein gutes Stück weit haben wir auf diese Weise den Kurs geschrieben, den wir gerne gehabt hätten, als wir mit dem Reiten anfingen.

Mit dem Herzen voran

Der Titel unseres Reitkurses lautet „Mit dem Herzen voran“, weil darin einerseits so vieles von dem steckt, was uns Der Reitkurs von Wege zum Pferdpferdefreundliches Reiten ermöglicht, und es andererseits die Quintessenz unseres eigenen Weges beschreibt. Mit dem Herzen voran bedeutet, dass uns tatsächlich immer die Liebe zu den Pferden die Richtung weisen sollte, damit wir nie aus den Augen verlieren, dass sich unsere Pferde gut fühlen sollen bei dem, was wir mit ihnen machen und unternehmen.

Unser Herz führen zu lassen, heißt

  • mehr zu fühlen,
  • sich berühren zu lassen und
  • empathisch zu sein.

Wenn wir beim Reiten unser Herz voranschicken, dann richten wir uns körperlich auf und werden weich und offen. Unser Herz weiß genau, wann wir in der falschen Richtung unterwegs sind. Und unser Herz ist jederzeit bereit, das Gute zu sehen und sich begeistert darüber zu freuen und genau das dem Pferd zu zeigen.

Wir hoffen sehr, mit diesem Kurs nun tatsächlich etwas erschaffen zu haben, das für das Reiten unser Motto umsetzbar macht: Es geht auch anders! Hier findet Ihr alle Infos zum Kurs und die Möglichkeit, ihn zu bestellen.Der Reitkurs von Wege zum Pferd

29. September 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Sonstiges 0 Kommentare »

Welche Art Reiter will ich sein? – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Welche Art Reiter will ich sein?

Vieles beeinflusst die Art, wie wir reiten: Zunächst sind es natürlich vor allem die Trainerinnen und Trainer, bei denen wir Unterricht hatten und haben. Aber darüber hinaus schauen wir auch auf unsere Freundinnen und auf Stallkollegen, auf andere Reiterinnen und Reiter in Nachbarställen oder auf Turnierplätzen und natürlich auf all jene, die wir in den Social-Media-Kanälen und im Fernsehen sehen. Und da passiert etwas, das den allerwenigsten bewusst ist: Wir können fest davon überzeugt sein, dass es zum Beispiel nicht richtig ist, Pferde grob zu behandeln oder gar zu schlagen, wir können es ablehnen, wenn Pferde gegen ihren Willen zu etwas gebracht werden und es kann uns traurig machen, wenn Pferde mit einer viel zu tiefen Kopfhaltung direkt in die erlernte Hilflosigkeit geritten werden – … und dann machen wir Ähnliches selbst, obwohl wir genau wissen, dass es nicht richtig ist und uns sogar schlecht dabei fühlen. Schon verrückt, oder? 

Die Bilder, die wir täglich aufnehmen, haben eine enorme Wirkung auf unser Tun, denn wir orientieren uns stark an dem, was wir sehen. Durch die Bilderflut, der wir uns täglich aussetzen, speichern wir ganz vieles als „normal“ und „geht halt nicht anders“ ab und machen (oft unbewusst und sogar ungewollt) genau das dann selbst. Und weil sich das so schwer ändern lässt und uns oft auch die Alternativen (sprich andere Bilder) fehlen, haben wir das Gefühl, dass wir gar kein anderer Reiter sein können als der, der wir eben sind. Aber das stimmt nicht.

Jedes Mal, wenn wir uns auf ein Pferd setzen, können wir neu entscheiden, ob uns formulierte Ziele wichtiger sind als Freude, ob wir streng oder einfühlsam sein wollen, ob wir unser Pferd bezwingen oder es begeistern wollen und ob wir nach Macht streben oder nach Leichtigkeit.

Damit Veränderung möglich wird, müssen wir uns eines klarmachen: Nur weil wir etwas gestern auf eine bestimmte Art gemacht haben, heißt das nicht, dass wir es heute nicht anders machen können, und nur, weil wir noch nicht wissen, wie es anders geht, heißt das nicht, dass wir weitermachen müssen wie bisher. Der erste Schritt beginnt mit zwei Fragen: Welche Art Reiter will ich wirklich sein und was brauche ich dafür?

Reiten – Wege zum Pferd

15. September 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten 1 Kommentar »

Wie wirke ich auf mein Pferd?

Wenn wir mit Pferden arbeiten, dann beobachten wir sie meist sehr genau. Dabei übersehen wir aber oft, welche große Bedeutung unsere eigene Ausstrahlung hat. 

Die Pferde fest im Blick

Pferde gut sehen und spüren zu lernen, ist im Umgang und Training sehr wichtig, damit wir jederzeit bedarfsgerecht reagieren können. Wir achten dabei sowohl auf die Mimik des Pferdes als auch auf den Körper, darauf, ob unser Pferd gestresst wirkt oder entspannt, wie es sich bewegt, was ihm Probleme macht und vieles mehr. So können wir uns idealerweise jederzeit ein Bild davon machen, ob unser Pferd gerade losgelassen ist, wie es sich fühlt, ob seine Hinterhand aktiv und seine Haltung gut ist, um es dann mit passenden Übungen darin zu unterstützen, immer besser und freudvoller zu laufen und mitzuarbeiten. Soweit so gut.

… aber was ist mit uns selbst?

Wir wünschen uns ein Pferd, welches möglichst vom Genick bis hin zur Schweifrübe losgelassen und zufrieden ist. Aber was ist mit uns? Oftmals übersehen wir, dass wir so in unserer Konzentration versunken sind, dass wir gar nicht merken, wie verkniffen wir starren, wie fest wir unseren Po anspannen, wie sehr wir die Schultern hochziehen. Und genau deshalb ist es ganz wichtig, den Fokus hin und wieder auch mal weg vom Pferd hin zu sich selbst zu lenken und darauf zu achten, mit welcher Ausstrahlung wir auf unser Pferd einwirken – innerlich und äußerlich.

Sie merken alles

Pferde sind naturgemäß sehr sensibel und empathisch. Sie spüren unsere Anspannung sehr genau und bekommen sogar unsere inneren Bilder mit und reagieren oft sehr stark darauf. Und das macht es uns nicht immer ganz so leicht. Wer kennt es nicht, dass wir beim Reiten so etwas denken, wie „Hoffentlich erschrickt sich mein Pferd nicht vor dem komischen Gegenstand dort …“ und prompt scheut das Pferd? Oder dass man nur ans Antraben denkt und schon trabt das Pferd? 

Ich erlebe immer wieder, wie wenig sich viele von uns eigentlich ihrer eigenen Ausstrahlung bewusst sind. Zum Beispiel glauben viele, eigentlich ganz ruhig zu wirken, tatsächlich aber gehen sie mit einer sehr hohen Körperspannung zum Pferd, worauf dieses bereits in eine Hab-Acht-Stellung gerät. Weit verbreitet ist auch ein geradezu böse wirkender Gesichtsausdruck, obwohl wir nur sehr konzentriert sind. Auf unser Pferd wirken wir aber dadurch unter Umständen sogar bedrohlich. Genauso merken viele von uns nicht, wie unzufrieden wir wirken, denn obwohl wir eigentlich ganz stolz auf unser Pferd sind, reden wir nur über das, was noch nicht klappt … 

Wenn es uns gelingt, mit einer sanften, liebevollen Energie und positiven Ausstrahlung ans Pferd zu gehen, erhöht das unsere Chance für ein harmonisches und entspanntes Miteinander sehr und dem Pferd wird die Arbeit mit uns viel mehr Freude bereiten. 

Kleiner Selbst-Check mit Tipps

Dieser kleine Selbst-Check für eine gute Ausstrahlung eignet sich unabhängig davon, ob wir nun longieren, reiten, unser Pferd putzen oder führen wollen. Richtet hin und wieder Euren Fokus mal ganz auf Euch selbst und achtet auf die folgenden Punkte: 

  • Fließt mein Atem ruhig? Atme ich tief und ruhig? Wenn Ihr merkt, dass Ihr oberflächlich und hektisch atmet, dann versucht Euch bewusst zu entspannen und verlängert Eure Atemzüge: erst für zwei Schritte ein- und für zwei Schritte ausatmen, dann für drei, für vier und für fünf… 
  • Ist mein Blick sanft?  Ein konzentriertes (und dabei oft auch kritisches) Anstarren empfinden viele Pferde als sehr unangenehm. Außerdem verkürzt ein starrer Blick unsere Atmung und macht uns insgesamt „fester“. Übt Euch deshalb in einem weiten, weichen Blick, mit dem Ihr nicht nur einen einzelnen Punkt fixiert, sondern auch die Umgebung sehen könnt. Versucht immer, Euer Pferd mit ganz sanften Augen anzuschauen, habt, wie ich es immer nenne, „Herzchen in den Augen“ und lächelt mindestens innerlich, am besten aber auch sichtbar. 
  • Ist mein Gesicht entspannt? Wenn wir sehr konzentriert oder angespannt sind, neigen wir dazu, die Kiefer zusammenzupressen und die Stirn zu runzeln. Wenn Ihr das bei Euch merkt, dann löst bewusst die Zunge vom Gaumen, macht leichte Kaubewegungen, so als wenn Ihr ein Kaugummi kauen würdet, und lockert die Kiefergelenke. Entspannt auch die Stirn und die Augenbrauen. Und lächelt 🙂
  • Sind meine Schultern locker? Sehr häufig ziehen wir unbewusst die Schultern hoch und werden dabei im ganzen (Ober-)Körper fest. In meinen Longenkursen kann ich häufig beobachten, dass diese meist unbewusste Haltung bei sensiblen Pferden schon ausreicht, um sie z.B. antraben zu lassen. Oftmals versteht der Longenführer gar nicht, warum sein Pferd plötzlich losläuft, aber es hat nur auf die Spannung seines Menschen reagiert. Ähnliches gilt für das Reiten. Deshalb rate ich Euch, immer mal wieder in die Schultern zu spüren und sie genüsslich nach hinten kreisen und dann sanft nach hinten-unten sinken zu lassen. 
  • Lasse ich meine Oberarme entspannt am Körper fallen? Wenn wir angespannt sind, sind unsere Oberarme oftmals ganz fest, obwohl wir eigentlich nur unsere Unterarme brauchen, um z.B. die Bewegungen an der Longe auszuführen oder die Zügel zu halten. Wir tragen die Arme oft auch viel höher als nötig oder spannen auch den Arm an, der gerade gar nichts tun muss. Auch hier immer mal wieder hineinspüren und ganz bewusst die Spannung loslassen – keine Sorge: die Arme fallen nicht ab, wenn man sie lockert 😉
  • Ist meine Bauchdecke weich? Gerade Frauen ziehen oft unbewusst dauerhaft den Bauch ein, wodurch eine hohe Körperspannung entsteht. Eine gewisse Aufrichtung für eine gute Körperhaltung brauchen wir natürlich, aber achtet mal darauf, was passiert, wenn Ihr beim Reiten oder Longieren, bewusst die Bauchdecke an- und dann entspannt. Nicht selten schnauben Pferde ab, wenn wir Spannungen bei uns lösen. Findet hier das richtige Maß. 
  • Ist mein Po entspannt? Das ist besonders beim Reiten ein ganz wichtiger Punkt, denn ein angespanntes Gesäß macht es dem Pferd sehr schwer, im Rücken loszulassen und Euch, die Bewegungen weich zu sitzen. Hier deshalb immer mal wieder ganz bewusst die Pobacken in den Sattel schmelzen lassen. 
  • Klemmen meine Beine? Auch dieser Punkt ist für das Reiten wichtig. Mit klemmenden Beinen kann man keine feinen Schenkelhilfen geben. Wir blockieren damit auch in der Hüfte und können die Bewegungen des Pferdes nicht weich mitgehen. Mit so einer Kralle auf seinem Rücken können Pferde nur schwer loslassen und manche reagieren auch mit deutlichem Stress. Also: immer wieder die Beine lösen. Ein sicherer Sitz entsteht nicht dadurch, dass wir unser Pferd mit unseren Beinen einklemmen, sondern durch das flexible und weiche Mitgehen in den Bewegungen. 
  • Kann ich Bewegung in meinen Gelenken zulassen? Die Gelenke in unserem Körper ermöglichen uns Bewegung. Blockieren wir ein Gelenk, entsteht sowohl ein Bewegungs- als auch ein Energiestau. Beides nehmen Pferde deutlich wahr und reagieren manchmal sehr stark darauf. Nicht umsonst können wir mit einem einfachen Abkippen des Beckens ein Pferd durchparieren. Geht deshalb immer mal wieder bewusst alle entscheidenden Gelenke durch: Seid Ihr zum Beispiel beim Reiten beweglich in der Hüfte, kann das Becken frei mit der Bewegung des Pferdes mitgehen? Sind Eure Fußgelenke locker, so dass sie die Bewegungen gut auffangen können? Sind Eure Handgelenke geschmeidig, damit sie die Bewegungen der Zügel oder der Longe ganz weich ausführen und durchlassen können?
  • Welche Bilder habe ich im Kopf? Oftmals sehen wir vor unserem inneren Bild genau das, was wir nicht wollen, also das, was wir befürchten, was alles passieren könnte. Diese negativen Bilder oder zumindest die Stimmung daraus kann sich auf unser Pferd übertragen. Versucht statt dessen immer das zu sehen, was Ihr haben oder erreichen möchtet: also zum Beispiel ein entspanntes Pferd, auch wenn es gerade noch aufgeregt ist, ein Pferd, welches loslässt, auch wenn es gerade noch angespannt ist, ein Pferd, welches ruhig durchpariert, auch wenn es gerade noch hektisch um Euch herumläuft. Und das tiefe, ruhige Atmen dabei nicht vergessen – und, ja genau: immer schön lächeln 🙂
  • Wie ist meine Erwartungshaltung? Oftmals gehen wir mit sehr hohen Erwartungen in die Arbeit mit unserem Pferd und übersehen dabei, dass unser Pferd in diesem Moment noch nicht in der Lage ist, diese zu erfüllen, sei es aus körperlichen oder psychischen Gründen. Es spürt aber genau, dass wir eigentlich mehr von ihm wollen, und kann deshalb verunsichert oder gestresst werden. Versucht, möglichst immer frei von Erwartungen zu sein. Ihr könnt schöne Zielbilder im Kopf formen, aber seht immer auch den Weg dorthin ganz positiv und liebevoll und nehmt ohne Groll oder Frust das an, was gerade möglich ist.
  • Welche persönlichen Themen belasten mich im Moment? Auch was wir von außen mit in den Stall bringen, ist für viele Pferde spürbar. Sie reagieren zum Teil sehr sensibel auf unseren Stress auf der Arbeit, unsere Sorge um ein Familienmitglied, unsere Krise mit unserem Partner. Hier ist es wichtig, sich immer wieder zu prüfen, ob man diese Themen vielleicht für die Trainingseinheit loslassen kann und wenn nicht, die Arbeit mit dem Pferd entsprechend zu gestalten, zum Beispiel lieber mit einer Spiel- und Kraulstunde als mit konzentriertem Training.

Ein Grundsatz

Für mich gibt es einen simplen Grundsatz für die Arbeit mit Pferden: Ich versuche immer das auszustrahlen, was ich mir von meinem Pferd wünsche. 

  • Möchte ich ein freundliches, entspanntes Pferd? Dann strahle ich Freundlichkeit und Entspannung aus!
  • Möchte ich ein fröhliches und motiviertes Pferd? Dann bringe ich mich mit meinen eigenen fröhlichen und motivierten Anteilen in Kontakt!
  • Möchte ich, dass mein Pferd in einer guten Haltung läuft, achte ich auch auf meine eigene Haltung!

Es gibt einen schönen Spruch der die Kindererziehung betrifft: „Wie erziehen keine Kinder, sie machen uns eh nach“. Das gilt für mich auch für den Umgang mit Pferden 🙂

Ausstrahlung bei der Arbeit mit dem Pferd

17. März 2020 von Babette Teschen • Kategorie: Arbeit an der Hand, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Longieren, Reiten, Umgang, Verhalten 3 Kommentare »

Lache viel öfter – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Lache viel öfter!

Mal Hand auf’s Herz: Wie viel lachst Du, wenn Du etwas mit Deinem Pferd machst? Beim Putzen? Beim Führen? Beim Reiten? Beim Longieren? Im Unterricht? 

Es wäre superschön, wenn Du jetzt antwortest: Sehr viel! Denn schau Dich einmal um: in vielen Pferdeställen wird leider nur wenig gelacht. Statt dessen nehmen wir so vieles ganz furchtbar ernst, hadern mit uns und unserem Pferd bei Fehlern, sind unzufrieden, unwirsch und werden oft sogar wütend. 

Dabei gibt es sehr viele Anlässe zum Lachen: Wir können zum Beispiel bestens über uns selbst lachen: zum Beispiel wenn wir mal wieder hoffnungsloses Longengetüddel veranstalten, zum zwanzigsten Mal in der Reiteinheit auf dem falschen Fuß leichttraben oder immer noch Renvers mit Travers verwechseln. Oder über unser Pferd: vielleicht über die empörten Blicke bei neuen Übungen, über das betonte „Boah, das ist aber viel zu anstrengend!“, über den amüsierten Blick, wenn wir gerade mal selbst wieder mit etwas durcheinander kommen und gar nicht mehr genau wissen, was wir eigentlich wollten oder das regelrechte Grinsen wenn sie selbst einen Scherz machen. Und erst recht über Pferde untereinander: über deren Mimik, deren Spiele und Faxen, deren witzige Einfälle und vieles, vieles mehr. 

Wenn wir mit etwas Abstand auf alles schauen, gibt es tatsächlich unendlich viele witzige Situationen und Momente zu entdecken, über die wir aber deshalb viel zu selten lachen, weil wir sie eben oft gar nicht wahrnehmen, weil wir viel zu sehr nur auf das schauen, was noch nicht klappt und uns darüber ärgern.

Deshalb lautet die Inspiration dieses Monats: Betrachtet Euch immer mal wieder mit ein bisschen Abstand von außen, lernt über Euch selbst zu lachen und entdeckt auch den feinen Humor, den ganz viele Pferde haben. Öfter mal zu lächeln und auch herzlich lachen zu können, verändert ganz viel zum Positiven.

Tipp: In unserem Freudekurs geht es unter anderem auch um dieses Thema!

Lache öfter

7. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang 5 Kommentare »

Sei klar – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sei klar!

Klarheit ist ein unerlässlich Element in der Kommunikation mit einem Pferd, wird aber gerade im Umgang mit Pferden leider oft gründlich missverstanden. Häufig wird „Klarheit“ nämlich mit „sich durchsetzen“ gleichgesetzt, was zu einer ganzen Kette von unschönen Entwicklungen im Miteinander von Mensch und Pferd führt, weil der Mensch glaubt, grob werden zu dürfen oder gar zu müssen. Schauen wir an den Anfang der Kette, so finden wir ganz oft Unsicherheit und Unwissenheit auf Seiten des Menschen, auch, aber gar nicht mal nur dem Pferd gegenüber, sondern Unsicherheit und Unwissenheit vor allem über das Ziel, also z.B. die gewünschte Lektion oder Übung. Unsicherheit und Unwissenheit führen zu Hilflosigkeit und die mündet dann oft in Grobheiten oder Gewalt.

Klarheit bedeutet, eine klare Vorstellung von dem zu haben, was man erreichen möchte, aber genau da liegt oft das Problem. Wir Menschen müssen selbst wissen, was genau eine bestimmte Lektion oder Übung wirklich beinhaltet, wir müssen sie also erst einmal selbst verstanden haben und auch wissen, wie es im besten Fall aussehen soll oder sich anfühlt (z.B. beim Reiten). Mit einem solchen (hoffentlich richtigen) Zielbild in unserer Vorstellung sind wir ganz automatisch klarer in unserer Ausstrahlung und viel gelassener in unserem Verhalten.

Beispiel: Wer ein Schulterherein führen oder reiten möchte, muss also zunächst selbst wissen, wie ein Schulterherein aussieht, was der Sinn dieser Lektion ist und worauf es dabei ankommt (und nicht nur so eine ungefähre Idee davon haben). Wie sonst sollen wir dem Pferd vermitteln können, was zu tun ist? Von sich aus wird ein Pferd kein Schulterherein gehen und es weiß auch nicht, dass es das tun soll, nur weil eine Hilfe gegeben wird (selbst wenn sie korrekt ist). Es muss die Sache erst lernen. Dafür muss es erklärt bekommen, was zu tun ist und es muss angstfrei ausprobieren können, was richtig ist und was nicht. Dem Pferd das so zu vermitteln, dass es verstehen kann, darin besteht die  konstruktive und förderliche Klarheit, die für eine gute Kommunikation sorgt.

Prüfen wir uns also immer selbst: 

  • Weiß ich in diesem Moment wirklich, was genau ich von dem Pferd will? 
  • Sind mir Sinn und Ausführung einer Lektion oder Übung klar, weiß ich also, warum ich will, dass das Pferd das macht? 
  • Habe ich eine Vorstellung von der korrekten (idealen) Ausführung der Übung oder Lektion im Kopf (und nicht nur das, was ich z.B. bei meiner Freundin oder anderen im Stall gesehen habe)? 
  • Bin ich selbst fähig, dem Pferd das, was ich möchte, zu vermitteln, also z.B. reiterlich im Sattel oder am Boden durch eine sinnvolle Kommunikation und hilfreiche Zwischenschritte?
  • Und wenn nicht: Wo und wie kann ich das lernen?

Sei klar – Wege zum Pferd

3. September 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Jungpferdausbildung, Reiten 0 Kommentare »

Eine fast magische Frage für das Training

Heute gibt es wieder mal ein kleines Geständnis von mir: Als wir uns an das Projekt Sehen lernen machten, hatte ich mich mit der ursprünglichen Idee zunächst etwas schwer getan, denn ich fürchtete, dass wir damit eigentlich das verstärken, was eh schon so verbreitet in der Pferdewelt ist: nämlich die Fehlerguckerei.

Skeptische oder auch besorgte Blicke, Dauerkritteleien oder Meckereien… – viele von uns gucken, bewusst oder unbewusst, leider oft vor allem negativ auf unser Pferd. Unsere Beweggründe dafür sind eigentlich fast immer gut, schließlich wollen wir das Beste für unser Pferd, doch die Wirkung ist oft gegenteilig, denn beim Pferd kommt in der Summe oft nur eines an: „Du bist falsch.“ 

Tja, und wie würde es wohl erst mit einem Kurs sein, der ausdrücklich als Lernziel hat, zu erkennen, ob eine Laufmanier gut oder eben nicht gut ist? 

Ein echter Perspektivwechsel

Nun wäre Babette nicht Babette, wenn ihre Art die Laufmanier eines Pferdes zu betrachten, nicht anders wäre! Von ihr habe ich gerade in diesem Projekt etwas gelernt, das ich mit Euch teilen möchte: Es geht darum, den Fokus nicht auf die „Fehler“ zu legen, sondern die Beurteilung der Laufmanier als Standortbestimmung in der Gesamtentwicklung zu sehen.

Und, wow, DAS ändert wirklich Grundlegendes! 

Spürt einmal nach, wie sich Euer Blick, Euer Denken und Eure Gefühle verändern, wenn Ihr Euer Pferd speziell beim Laufen (aber auch sonst) nicht mit der Frage „Was ist alles nicht gut?“ anschaut, sondern mit dieser fast schon ein bisschen magische Frage:

 „Sind wir auf einem guten Weg?

Die Frage nach der Entwicklung schafft ein Wir von Mensch und Pferd. Sie würdigt alles schon Erreichte und das, was schon gut ist. Sie verharrt nicht im Vorwurf und Hadern, sondern sie öffnet die Türen nach vorn. Damit schafft eine solche Frage eine positive, konstruktive Stimmung, die allen gut tut. 

Sind wir auf einem guten Weg?

6. Februar 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Longieren, Reiten, Umgang 0 Kommentare »

Wie finde ich den richtigen Trainer – eine Checkliste

Die meisten kommen wohl über Empfehlungen zu ihren Reitlehrern oder Trainern. Man nimmt meist zunächst den, den auch die Freundin oder der Miteinsteller hat oder geht zu der, die eh im Stall unterrichtet. Für Kurse sucht man dann vielleicht auch mal gezielter nach einem Ausbilder, zum Beispiel zu einem bestimmten Thema oder einer besonderen Reitweise. Und spätestens, wenn der Unterricht nicht so gut läuft, fragt man sich: Wie finde ich jemanden, der besser zu uns passt? 

Das Problem ist, dass viele erstmal gar nicht so recht wissen, worauf sie achten sollen, wenn es um die Auswahl eines geeigneten Trainers geht. Und dafür haben wir Euch mal eine Checkliste erstellt. Hier findet Ihr Reflexionsfragen zu den Punkten, die wir bei der Entscheidung, ob ein Reitlehrer oder eine Trainerin für Euch passt, für wichtig halten.

Wir hoffen, sie ist hilfreich für Euch!

Checkliste Trainerauswahl

17. Oktober 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Engagement und Pferdeschutz, Jungpferdausbildung, Sonstiges 3 Kommentare »

Wo Pferde unter Regenbögen warten – oder: Ein Coaching auf La Palma

Ich war mal wieder in Sachen Coaching unterwegs und hier kommt ein kleiner Bericht über meine Tage bei Birgit und ihrem Giaco.

Birgits Coaching-Anfrage kam im grau-kaltem November und spontan entschied ich, drei Tage später zu ihr nach La Palma zu fliegen – der Sonne entgegen! Schon vor einigen Jahren war Babette bereits zu Birgit nach La Palma zum Longentraining gereist und so war Birgits Anliegen in ihrer Mail zunächst auch vor allem das Longentraining gewesen. Aber schon im ersten Gespräch auf der Autofahrt vom Flughafen zu meiner Unterkunft formulierte sie den eigentlichen Wunsch für das Coaching, nämlich mehr Leichtigkeit und Freude – also Lieblingsthemen von mir!

Das Pferd unter dem Regenbogen

Es begann wie im Märchen: als wir gleich am frühen Abend meiner Ankunft die Pferde besuchen gehen, begrüßte uns ihr Giaco unter’m Regenbogen:

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Birgit, gestandene Pferdefrau mit jahrzehntelanger Pferdeerfahrung, hat zur Zeit zwei Pferde: den zwölfjährigen PRE Giaco und den zweiunddreißigjährigen Traber-Mallorquin-Mix Tizon. Den Dritten im Bunde, Alazan, musste sie leider vor kurzem gehen lassen. 

Tizon und Giaco leben auf einem traumhaften Grundstück mit viel Platz, einem tollen Blick aufs Meer und einer Versorgung, die sich wohl kaum ein Pferd besser wünschen könnte. 

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Über die (nicht immer positive) Macht der Gewohnheit

Wann immer ich zu einem Pferd-Mensch-Paar komme, habe ich dem Eigentümer gegenüber einen ganz entscheidenden Vorteil: Es handelt sich nicht um MEIN Pferd, sprich: ich habe keine Beziehung zu dem Pferd. Folgerichtig bin ich unbelastet und offen und nehme nichts als selbstverständlich an. So ist es mir möglich, zunächst vollkommen ohne Erwartungen und ganz behutsam und respektvoll mit dem Pferd umzugehen und darauf reagieren die Pferde ausnahmslos positiv.

Ich bin mir sicher: Könnten wir uns immer wieder in den Zauber des Erstkontakts bringen, würden sich sicher die allermeisten Probleme, zu denen es im täglichen Umgang und Training kommt, gar nicht erst zeigen. Aber, wir alle sind nur Menschen und so geraten wir in dauerhaften Beziehungen fast alle in gewisse Muster, die sich leider negativ auf das Miteinander auswirken können. 

Meine Aufgabe im Coaching besteht also ganz oft darin, solche hinderlichen Muster anzusprechen und sichtbar zu machen. Es ist sehr schwer, immer selbst zu erkennen, warum sich manches im Zusammensein mit dem Pferd mit der Zeit immer unschöner anfühlt. Und genau da hilft ein einfühlsamer und achtsamer Blick von außen oft weiter.

Wenn sich immer mehr nicht mehr gut anfühlt

In vielen Mensch-Pferd-Beziehungen spielen sich mit den Jahren bestimmte Verhaltensmuster ein, ganz ähnlich wie auch in zwischenmenschlichen Beziehungen. In positiver Hinsicht sind das z.B. solche, die Vertrauen zeigen oder solche, durch die man sich ohne große Worte und Gesten versteht. In negativer Hinsicht lassen aber manchmal auch die Achtsamkeit füreinander, der Respekt und die Wertschätzung ein bisschen nach und damit kann der Umgang immer quengeliger oder ruppiger werden.

Birgits Wunsch nach mehr Leichtigkeit haben meiner Erfahrung nach ganz viele Pferdemenschen. Immer mehr hinterfragen das, was herkömmlicherweise „ganz normal“ ist genauso wie das eigene Tun, weil sie es leid sind, Druck zu machen und sich durchsetzen zu wollen. Oft beginnen auch die Pferde einen anderen Umgang einzufordern, wodurch der Mensch überhaupt erst an den Punkt kommt, das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Leichtigkeit hat viel mit Loslassen zu tun

Ob nun an der Longe, im Sattel oder im freien Spiel, das Thema ist ganz oft loszulassen. Was wir loslassen sollen? Zum Beispiel unsere Ansprüche, unsere Erwartungen und unsere Vorstellungen, aber auch all die kleinen Vorannahmen, die wir über die Zeit angesammelt haben und die unser Verhalten dem Pferd gegenüber entscheidend prägen. 

Birgit nahm zum Beispiel an, dass Giaco oft eher triebig ist und gar nicht so recht von allein laufen möchte. Sie trieb deshalb meist schon von Beginn einer Arbeitseinheit unbewusst eher stark und Giaco blieb erst recht stehen. Ich hingegen hatte ihr Bild nicht im Kopf, sondern ging, wie immer, erstmal davon aus, dass Giaco Lust haben würde, etwas mit mir zu machen. So trieb ich kaum und er reagierte prompt: er lief freiwillig.

Und genau das erlebe ich ganz oft: Zwei Menschen mit verschiedenen Grundannahmen können gleichsam zu zwei verschiedenen Pferden führen. 

Immer bei uns selbst anfangen

Es ist wahrscheinlich einfach naheliegend und menschlich, dass wir, wenn Probleme mit dem Pferd auftauchen, so gut wie immer am Pferd ansetzen. Im besten Fall suchen wir nach Ursachen (körperliche, psychische, Haltung, Zubehör usw.), im schlechteren Fall interpretieren wir das Verhalten des Pferdes als widersetzlich, frech oder „dominant“ und reagieren mit Härte. 

Birgit war da schon einen deutlichen Schritt weiter und ahnte, dass das Zähe und etwas Freudlose in ihrem Miteinander mit Giaco etwas mit ihr selbst zu tun hatte. Wenn die Bereitschaft da ist, sich in dieser Weise zu hinterfragen, wird es spannend! Denn dann wird das Pferd tatsächlich als Partner wahrgenommen und hat ein Mitspracherecht. Und so wurde das Coaching, für das ich gerufen wurde, wirklich zu einem Beziehungscoaching. 

Es war für mich einfach großartig und sehr berührend zu erleben, wie sehr Birgit bereit war, Impulse und Anregungen anzunehmen und umzusetzen. Und das Schönste: Giaco reagierte unmittelbar und antwortete oft so punktgenau, dass man kaum daran zweifeln konnte, dass er alles, was wir besprachen, sehr genau mitbekam.

Dazu ein Beispiel: Gleich zu Beginn hatte ich meinen Eindruck geäußert, das Giaco Birgit sehr viel geben wollte, aber dass er das VON SICH aus tun wollte und nicht, weil man es von ihm forderte. Und es war fast magisch: Als Birgit damit begann, ihre Erwartungen und Vorstellungen loszulassen, bekam sie Geschenke. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich an einige Situationen denke, in denen Birgit nur noch inform innerer Bilder eine Einladung aussprach und Giaco genau dieser nachkam – einfach zauberhaft war das!

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Weniger zu wollen, heißt aber nicht, sich alles gefallen zu lassen

Wenn man zu Pferdemenschen sagt, dass sie ihre Erwartungen und Anforderungen an das Pferd loslassen sollen, reagieren viele empört, so nach dem Motto „Na, aber dann macht es doch, was es will.“ Ja, das mag tatsächlich der Fall sein, wenn man in das Loslassen der Anforderungen auch gleich alle Elemente der Erziehung miteinbezieht. Genau darum geht es aber gerade nicht! Und auch das war bei Giaco und Birgit sehr hübsch zu sehen. 

Giaco war lange Hengst und ist erst seit einem knappen Jahr Wallach. Er weiß sehr genau, wie er z.B. seine Schulter einsetzt, um jemanden über den Platz zu schieben, wie er Birgit beim Longieren oder Führen umpositionieren kann oder wie er, wenn die beiden nebeneinander stehen, Birgit immer wieder dazu bringt, vor ihm zu weichen. Ich legte viel Wert darauf, ihr all die kleinen Momente bewusst zu machen, in denen Giaco Birgit bewegte, ohne dass es ihr bewusst geworden war und ermunterte sie, die Sache umzudrehen. Dabei geht es nicht darum, das Pferd mit wildem Gefuchtel weichen zu lassen oder böse zu werden, wenn das Pferd einen mal wieder umpositionieren will. Ganz im Gegenteil: es geht darum, achtsam zu werden für die kleinen Scherze und die subtilen Umpositionierungsversuche und diese ganz nebenbei souverän einfach mit einem freundlichen „Hab ich gemerkt und möchte ich nicht.“ zu beantworten und darüber hinaus selbst immer mal wieder das Pferd ganz nebenbei und elegant umzupositionieren. Es war faszinierend zu sehen, wie sehr Giaco dadurch von Birgit beeindruckt war! 

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Ganz ins Jetzt kommen

Ein großer Schlüssel für ein achtsames Miteinander mit dem Pferd, das ist mir selbst in den Tagen bei Birgit und Giaco wieder einmal bewusst geworden, ist, wirklich voll und ganz beim Pferd anzukommen. Und damit meine ich nicht nur, den Alltagsstress und die damit verbundenen Aufgaben und Anforderungen hinter sich zu lassen, sondern möglichst auch keine Pläne im Kopf zu haben, keine festen Vorstellungen und auch keinen Druck alá „Ich müsste mehr trainieren, weil mein Pferd zu dick wird.“ oder ähnliches. Beim Pferd zu sein, heißt immer ganz im Hier und Jetzt zu sein, denn Pferde denken nicht in Zeit. Sie SIND. Und um wirklich mit ihnen sein zu können, müssen wir zunächst nur eines tun: ebenfalls SEIN. Daraus kann sich dann ganz viel entwickeln, aber nicht, indem wir immer mehr tun, sondern vielmehr uns immer mehr auf das Sein einlassen. 

An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön, Birgit, für Dein Vertrauen und Deine immense Offenheit und auch eines an Dich, Giaco, für Dein Sein und Dein wundervolles Co-Coaching. Es waren sehr schöne Tage bei Euch auf La Palma!

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Und hier kommt noch Birgits sehr berührender Bericht über meine Tage bei ihr: 

Schon bei der Heimfahrt vom Flughafen konnte ich Tanias Tiefe und die feine, differenzierte Art ihrer Wahrnehmung kennen lernen. Mein Wunsch war tatsächlich Longentraining oder auch feiner Reitunterricht gewesen, aber eben auch Spiegelung und Ursachenforschung über Giacos Zähigheit, seine „Jains“ und manchmal Neins.

Tania machte mir schnell bewusst, wie fordernd ich mit Giaco während der Arbeit umgehe. Und ja, es stimmt schon, ich ging immer davon aus, er will eh nicht so recht … Im Sattel wurde meine fordernde, nicht fragende Art nochmal deutlicher sichtbar, geprägt durch unendlich viele „englische“ Reitstunden in meiner Jugend. Mir war gar nicht bewusst, dass ich am Dauertreiben war und auch mein Sitz nicht losgelassen war, sondern anschiebend. Also genau so, wie es nicht sein soll, wenn ein Pferd sich losgelassen bewegen soll. Bingo!

Da wurde ich erstmal sehr nachdenklich und dann kam auch Ratlosigkeit: Wie denn dann, wenn nicht so? Giaco lief dann tatsächlich auch erstmal gar nicht mit mir auf dem Rücken. Bei der Freiarbeit legte er sich hin, sobald er sich von mir gegängelt fühlte (das tat er schon jahrelang). Als ich den Mut aufbrachte, mir das wirklich mit Tania zusammen anzusehen und zu erspüren, wurde ich erstmal sehr, sehr traurig. Das galt es dann auszuhalten, mitsamt allen Gefühlen, die dann kommen.

Ich hatte ja durchaus den Anspruch gehabt, meinem Pferd so viel Freiheit und Mitspracherecht wie möglich zu geben. Durch Babette war ich 7 Jahre zuvor aufs Clickern gekommen und hatte diese Form der Kommunikation bald in den Pferdealltag integriert. Dennoch meinte ich an bestimmten Punkten, z.B. beim Treiben am oder auf dem Pferd nicht ohne Druck auszukommen. Dazu kommt noch, dass ich eine“ hohe körperliche Grundspannung“ mitbringe, wie mir Tania sehr wahr spiegelte. All das war Giaco zu viel und es hinderte ihn daran, sich zu zeigen, loszulassen und ja, auch daran, mir etwas zu schenken.

Überwältigend schön waren dann die Momente, wo es mir gelang die alten Muster zu durchbrechen und ich mich anders verhielt und mit freundlicherer Energie mit ihm arbeitete: Giaco reagierte prompt und bewegte sich freier und losgelassener, einfach viel schöner und viel leichter! Ich erlebte Giaco endlich wieder als fein reagierendes Pferd, wenn es mir gelang, die Überflutung zu regulieren und auch fein zu senden.

Das durfte ich mir bei Tania in der Freiarbeit mit Giaco dann mehrmals abschauen, was mir unwahrscheinlich viel gebracht hat: leise, mit freundlicher Stimme, fragend nicht fordernd, statt direkt zu treiben, den Raum spielerisch einnehmen. Das war für mich total spannend, hatte ich doch immer direkt das Pferd getrieben und fokussiert – was Giaco eindeutig doof fand. Toll zu sehen, dass beide Pferde fein reagieren auf das Spiel mit Raum geben und nehmen.

Technik fürs Longieren und Handarbeit wie Seitengänge flossen immer wieder quer und gut verständlich ein. Ebenso das Spiel mit der Schulter, das Tania schon beschrieben hat. Als das geklärt war, ging das Longieren plötzlich ganz leicht und auch bei der Arbeit an der Hand hält Giaco jetzt zufrieden seinen Abstand ein. „Kleine“ Dinge mit großer Wirkung.

bundgNun, eine Woche nach dem Coaching mit Tania, hat sich manches gesetzt, vieles ist noch in Aufruhr und sorgt für Bewegung. Denn so ein tief gehendes Coaching bleibt nicht im Stall, sondern sickert ins Leben außerhalb der Pferdewelt: Fragen wie „Wie gehe ich mit meinem Pferd um?“ werden zu Fragen wie: „Wie gehe ich mit mir selbst um? Und wie lasse ich mit mir umgehen, wahre ich meine Grenzen? Wie viel Druck erlebe ich und gebe ich ihn weiter…?“

An dieser Stelle möchte ich jetzt enden, obwohl es da eigentlich erst beginnt. Und Tania danken, für ihren enormen Einsatz und dafür, dass sie immer, immer bei den Pferden ist, aber auch mich nie im Regen stehen ließ. Ich bin sehr gespannt, wohin uns dieser Weg führt.

Herzensgrüße
von Birgit

29. November 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse 3 Kommentare »

Eine Idee: Supervision für Trainer und Reitlehrer

Bei vielem, über das wir in Sachen Pferdeschutz und Engagement schreiben, kommt man über kurz oder lang zu der wichtigen Rolle, die Reitlehrer und Trainer spielen. Sie sind es, die Anfänger und auch Fortgeschrittene oft entscheidend prägen und das zum Guten oder auch zum Schlechten. Es sollte eine ihrer Aufgaben sein, Reitschülern/innen zu vermitteln, dass man sich immer wieder selbst hinterfragen muss und nie etwas beim Pferd als selbstverständlich zu sehen. Leider aber erlebe ich immer wieder, dass Reitlehrer und Trainerinnen irgendwann genau damit aufhören: sich und ihr Tun zu hinterfragen und das hat oft sehr negative Folgen. Deshalb möchte ich die Idee einer Supervision für alle, die in Sachen Pferde Unterricht geben, in die Runde werfen. 

Was ist Supervision? 

Supervisionen gibt es vor allen in psychosozialen Berufen und ist z.B. bei Therapeuten ein wichtiger Bestandteil ihrer Ausbildung und Arbeit. Supervisionen haben das Ziel, blinde Flecke aufzudecken und stellen so etwas wie eine „Qualitätssicherung“ dar.

Bei der Supervision gibt es eine außenstehende und meist gezielt dafür ausgebildete Person (den Supervisor) und es geht darum, auf die so genannte Meta-Ebene zu gehen, also gleichsam das eigene Tun mit etwas Abstand und ein bisschen wie aus der Vogelperspektive zu betrachten. Dabei wird das Verhalten beobachtet, analysiert und reflektiert, mit dem Ziel einer positiven Weiterentwicklung.

Nun muss man das Ganze ja aber gar nicht gleich ganz so hoch aufhängen. Ich denke, es wäre schon viel geholfen, wenn jeder, der unterrichtet, sich hin und wieder dabei filmt und sich seine eigene Arbeit einmal aus etwas Abstand anschaut und hineinspürt. Wenn man dann noch jemanden, dem man vertraut und dessen Arbeit man selbst schätzt, hin und wieder um ein Feedback bittet, bekommt man sicher schon einige gute Impulse für die eigene Arbeit. 

Brauchen Reitlehrer so etwas überhaupt? 

Nun werden viele vielleicht denken, dass so etwas ja ein bisschen übertrieben ist, ist doch schließlich nur Reitunterricht oder nicht?

Fakt ist: Beim Reitunterricht geht es nicht nur um ein anderes Lebewesen (den Menschen), sondern auch noch um ein ganz anderes (das Pferd) – und der Spagat den Bedürfnissen beider gerecht zu werden, ist oft sehr, sehr schwer. Ein Reitlehrer ist ja eben nicht nur dafür da, dem Reitschüler bestimmte Techniken zu vermitteln, sondern eigentlich soll er zwei (oft sehr unterschiedlichen) Wesen ermöglichen, sich zu verständigen, um gemeinsam lernen zu können und wenn es sich um ein eigenes Pferd handelt, die beiden im besten Fall zu einem Team zu machen. 

Nun ist Reitlehrer kein geschützter Beruf. Quasi jeder kann Reitunterricht geben, unabhängig davon, wie viel Pferdeverstand, wie viel Erfahrung und Wissen die Person hat, von den pädagogischen Fähigkeiten, Einfühlungsvermögen und Kommunikations-Knowhow und dergleichen mehr mal ganz abgesehen. Selbst wenn Reitlehrer eine spezielle Ausbildung dafür gemacht haben (ob nun Trainerscheine der FN, Seminare, Ausbildungsgänge oder ähnliches), heißt das noch lange nicht, dass sie tatsächlich gut sind in dem, was sie tun. Und es überschätzen sich leider doch ganz schön viele Pferdemenschen, wenn es um ihre Fähigkeiten geht, andere zu unterrichten. 

Selbstreflexion ist die wichtigste Grundlage eines jeden, der unterrichtet!

Für mich macht gute Reitlehrer und Pferdetrainerinnen aus, wenn ich merke, dass sie nie vorgeben, alles zu wissen, sondern wenn sie selbst in einem ständigen Lern- und Dazulern-Prozess sind und das transparent machen. Keiner muss alles wissen, aber wir sollten uns immer darüber bewusst sein, dass wir alle Lernende sind, eben auch die, die unterrichten. 

Ich denke, der Schlüssel zu einem menschen- und pferdegerechten Unterricht ist immer Selbstreflexion. Und die ist verdammt schwer. Es kann deshalb sehr hilfreich sein, sich hier von anderen helfen zu lassen – sei es durch einen liebevoll-kritischen Blick, durch einige Anregungen oder auch durch gezielte Weiterbildung. Und ja, als erster Schritt könnten auch schon Videos von der eigenen Arbeit zur Selbstreflexion helfen.

Mir ist klar, dass die Idee einer Supervision für Reitlehrer und Trainer ganz schön unbequem ist und ja, das Ganze kann mit Kosten und Zeitaufwand verbunden sein. Ich weiß auch nur zu gut, dass man manches eigentlich auch gar nicht so genau wissen möchte, weil man ahnt, dass das größere Veränderungsprozesse anstoßen könnte. Entscheidend für mich ist an dieser Stelle, aber überhaupt einmal für die enorme Verantwortung zu sensibilisieren, die all jene haben, die andere unterrichten (und sei es nur „nebenbei“) –  und zwar in Bezug auf Mensch UND Pferd. Genau das möchte ich gerne zur Diskussion stellen und ich bin gespannt auf Eure Ansichten dazu!

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22. November 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse 6 Kommentare »

Das Lot für die Aufrichtung am Boden und im Sattel

Von Carla Bauchmüller

Heute habe ich eine Übung für Sie, die Sie sowohl beim Führen und der Handarbeit als auch beim Reiten nutzen können: 

Hinweis: Beginnen Sie mit der Übung bitte immer zuerst am Boden und nicht gleich im Sattel, auch wenn Sie sie vor allem zum Reiten einsetzen möchten, es hilft sehr dabei, sich die inneren Bilder wirkungsvoll erarbeiten.

Stellen Sie sich also zunächst ohne Pferd aufrecht hin, Ihre Füße stehen stabil auf dem Boden, die Knie sind entspannt. Stellen Sie sich nun eine vertikale Linie vor, also ein Lot, das über Ihrem Kopf beginnt und bis zu dem Bereich zwischen Ihren Füßen fällt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, dieses Lot zu erspüren.
 Haben Sie es? Dann stellen Sie sich bitte ein ebensolches Lot etwa einen Meter vor sich vor.

Wenn Sie nun losgehen, bringen Sie gedanklich das Lot in Ihnen und das Lot vor Ihnen in Deckung. Der Clou dabei: Das Lot vor Ihnen bewegt sich von Ihnen weg, wenn Sie auf es zugehen! Es bleibt also immer etwa einen Meter vor Ihnen. Sie bleiben mit Ihrer Aufmerksamkeit bei dem Lot in Ihnen und bringen dieses Lot immer wieder mit dem Lot vor Ihnen in Deckung. Gehen Sie auf diese Weise verschiedene Wendungen und gerade Linien immer mit der Vorstellung des Lotes. Atmen Sie gleichmäßig weiter.

Sie werden feststellen, dass Ihnen das Lot Stabilität vermittelt. Es erzeugt eine gute Spannkraft ohne Verspannung. Arme und Beine können frei schwingen. Wenn Sie das Bild vom Lot verinnerlicht haben, können Sie es auch zusammen mit dem Pferd nutzen, also z.B. bei der Hand- oder Longenarbeit und damit erreichen, dass Sie gut in Ihrer eigenen Spur laufen und nicht „in Ihr Pferd fallen“. 

Im Sattel geht diese Übung ganz ähnlich: Auf Pferd sitzend stellen Sie sich ebenso das Lot vor, das durch Sie durch und weiter durch Ihr Pferd bis zum Boden geht. Das andere Lot ist wieder ungefähr einen Meter vor Ihnen.

Wenn Sie jetzt losreiten, bringen Sie wieder gedanklich das Lot in Ihnen mit dem vor Ihnen in Deckung, während aber das Lot vor Ihnen immer im Abstand von einem Meter entfernt bleibt.

Diese Übung dient dazu, senkrecht zu bleiben und auch in Wendungen nicht in der Hüfte einzuknicken. Sie finden durch die kleine Visualisierung eine gute Stabilität, Ihre Schultern und Arme bleiben entspannt. Dadurch, dass Sie dem Lot folgen, schauen Sie automatisch geradeaus und folgen einer klaren Absicht, die das Pferd wahrnimmt und sehr zu schätzen weiß.

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28. Juni 2016 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Arbeit an der Hand, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 0 Kommentare »

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