Erfahrungsbericht zum Longenkurs von Ann-Sophie

Von Ann-Sophie

Paul ist ein 18-jähriger Haflingerwallach, der 2016 zu mir kam. Er war zu diesem Zeitpunkt kaum nennenswert ausgebildet und geriet zudem sehr schnell in Stress. Generell zeigte er sich ängstlich und skeptisch gegenüber den Menschen. 

Sowohl am Boden als auch aus dem Sattel konnten wir gemeinsam ein gute Basis finden. Vor allem durch die Seitengänge erlangte er Körperbewusstsein, Sicherheit und Selbstvertrauen, sodass sich seine stark ausgeprägte Schiefe langsam ausgleichen ließ und er Vertrauen in die Menschen generell, vor allem aber auch wieder in den Reiter fasste. 

Vor zwei Jahren ging die Leichtigkeit beim Reiten zurück und als den Ursachen auf den Grund gegangen wurde, stellte sich durch einen Röntgenbefund heraus, dass Paul eine leichte Arthrose im linken Fesselgelenk der Vorhand hat. Durch diesen Befund war für mich klar, dass ich ihn nicht mehr reiten möchte, da ich ihm eine zusätzliche Belastung durch mein Körpergewicht nicht zumuten möchte. Wir arbeiteten viel vom Boden aus, doch fehlte mir dabei die Möglichkeit, Paul darin zu unterstützen, seine Haltung zu verbessern. Ich recherchierte viel und stieß auf die YouTube-Videos von Babette. Begeistert von der tollen Laufmanier der Pferde in diesen Filmen war mir klar, dass ich diesen Weg auch mit meinem eignen Pferd gehen möchte.

Im August 2019 besuchte ich Babette auf einem Lehrgang, an welchem ich als Zuschauerin teilnahm. Hatte ich auch vorher schon am Kappzaum longiert, so konnte ich nach diesem Input mit Paul endlich so arbeiten, dass es dem Training vom Sattel aus gleichkam. Ich hatte durch Babette einen Weg gefunden, mit ihm alle Seitengänge auch vom Boden zu erarbeiten. Die Freude, die Paul zeigte, als wir die ersten Schritte Travers an der Longe erarbeiteten, war sehr rührend. Er hatte diese Lektion immer gern gezeigt, und so hatte ich so einen Weg gefunden, sie „auf den Boden“ zu bringen. Dafür bin ich dir, Babette, unendlich dankbar.

Im Oktober 2020 durften wir nun das erste Mal als aktive Teilnehmer am Longenkurs mitmachen und übten vor allem die Seitengänge auf Distanz. Das hat uns beiden großen Spaß gemacht!

Erfahrungsbericht Longenkurs

Erfahrungsbericht LongenkursDa Paul in Situationen, in denen er neue Inhalte kennen lernt, teilweise immer noch Anzeichen von Stress zeigt, fühlte ich mich mit Babette an meiner Seite sehr wohl. Sie forderte nie zu viel von uns/ihm, sondern fand genau jenes Maß an Forderung, das zur Förderung führte und das ich für mein Pferd als angemessen halte.

Erfahrungsbericht Longenkurs

Im kommenden Jahr haben wir das Glück, wieder an einem ihrer Kurse teilnehmen zu können. Darauf freue ich mich sehr. 

Und hier könnt Ihr Ann-Sophie und Paul in einem Film anschauen.

Erfahrungsbericht Longenkurs

 

12. Januar 2021 von Gastautor • Kategorie: Arbeit an der Hand, Gesundheit, Longieren, Übungen 1 Kommentar »

Finde das richtige Maß! – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Finde das richtige Maß!

Wir leben in einer Zeit, in der alles immer schneller, höher und weiter werden muss. Immer mehr Gewinn wird angestrebt und immer mehr Besitz. Die Ziele werden immer größer, die Erlebnisse sollen immer intensiver werden – und doch werden die meisten immer weniger satt. Dieses Phänomen ist gerade auch in der Pferdewelt deutlich zu spüren, denn viele sind vor allem eines: unzufrieden. 

Trägt uns das Pferd im Schritt, wollen wir traben. Trabt es, wollen wir galoppieren. Galoppiert es für uns, soll es springen. Und dass dann alles möglichst auf Knopfdruck unter jeder Bedingung und mit spektakulären Bewegungen und einer umwerfenden Ausstrahlung. Klappt es auf dem Platz, wollen wir ins Gelände. Und dann wollen wir Zirkuslektionen oder auf Turnieren Schleifen gewinnen und so weiter und so fort. Und selbst bei denen von uns, die nicht ganz so hoch zielen, schleicht sich oft unbemerkt eine permanente Unzufriedenheit und damit auch eine bohrende Unsicherheit ein: Läuft mein Pferd gut genug? Könnte es nicht noch mehr von hinten kommen? Trägt es den Kopf nicht zu hoch oder zu niedrig? Sollte es inzwischen nicht schon halbe Tritte zeigen? Richtig gut motiviert wirkt es eigentlich nicht, oder? Vertraut es mir auch genug? Müsste es dann nicht viel weniger scheuen? Fragen über Fragen, Ansprüche und Erwartungen, ständige Zweifel an dem, was ist  – damit zermürben wir uns selbst und auch unsere Pferde. 

Es gilt für so vieles: Wir müssen lernen, wieder zu einem gesunden Maß zu finden. Nicht jedes Pferd ist zum Dressur-Crack geboren und nicht jedes Pferd kann die vielfältigen Erwartungen moderner Freizeitreiter/innen erfüllen. Genauso kann nicht jeder zum Super-Reiter werden oder ist in der Lage, alle Sparten des Pferdetrainings mit Bravour zu meistern. Wir müssen die Ansprüche an unsere Pferde und uns selbst, die durch all das, was wir in den sozialen Medien oder auf Shows gezeigt bekommen, ins Unermessliche steigen (und von denen wir ja meist gar nicht wissen, auf welchen Wegen das Gezeigte überhaupt erreicht wurden) wieder auf ein gesundes Maß zurückschrauben. Denn das Wichtigste für ein gelungenes Miteinander ist beidseitige Zufriedenheit. Beginnen wir doch damit, uns zu erlauben, weniger zu wollen und dafür richtig stolz auf unser Pferd zu sein.  

 

Inspiration des Monats – Wege zum Pferd

 

 

10. November 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Longieren, Reiten, Umgang 2 Kommentare »

Sei respektvoll! – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sei respektvoll!

Es gibt ein Phänomen, dessen sich viele von uns oft gar nicht bewusst sind: Und zwar sind wir unserem eigenen Pferd gegenüber oft viel weniger respektvoll als anderen, fremden Pferden gegenüber. Natürlich lieben wir unser Pferd und wir schwärmen in Gesprächen auch gerne davon, wie süß oder toll es ist, aber im praktischen Umgang und im Training haben viele von uns dem eigenen Pferd gegenüber nicht nur einen viel strengeren Blick, sondern wir verhalten uns oft auch viel ungeduldiger und ruppiger, als wir es einem fremden Pferd gegenüber tun würden. 

Achtet einmal ganz bewusst darauf: Scheut das Pferd einer Freundin, zeigen sich viele von uns verständnisvoll, scheut das eigene, reagieren wir jedoch oft ungehalten und rügen es für das „Gehampel“. Schnabbelt einem ein fremdes Pferd spielerisch an der Jacke herum, lacht man, tut es das eigene, bekommt es dafür nicht selten eins auf die Nase. Macht ein fremdes Pferd etwas beim Reiten anders als wir es wollten, reagieren wir nachsichtig und versuchen es einfach nochmal, bei unserem eigenen Pferd hingegen sind wir schnell genervt und strafen es womöglich noch dafür, weil es das doch schließlich kann und sich nicht so dumm anstellen soll … 

Oft geht es sogar noch weiter: Da wird dem eigenen Pferd unterstellt, dass es „einen ausnutzt“, dass es einen „ärgern will“ oder dass unser Pferd „es einfach immer wieder drauf anlegt“, ganz so als würden unsere Pferde jedes Mal, bevor wir kommen, Pläne dafür schmieden, wie sie uns das Leben besonders schwer machen können. Das ist nicht nur vermenschlichter Unfug, es ist vor allem unfair und respektlos. Und das wirklich Schlimme ist, dass das, was wir unserem Pferd unterstellen, wiederum die Basis für unsere Reaktionen und unser Verhalten bildet … 

Auch das eigene Pferd verdient unser Verständnis, unsere Nachsicht und ganz besonders unseren Respekt. Wir sollten versuchen, ihm in gewisser Hinsicht immer wieder neu zu begegnen und immer erst einmal hineinspüren, wie es ihm an diesen Tag geht und welche Signale es uns sendet, genau so, wie wir es mit einem Pferd tun würden, das wir noch nicht kennen. Macht es einen fröhlichen oder eher bedrückten Eindruck? Wirkt es munter oder schläfrig? Freut es sich, uns zu sehen, oder ist es gerade mit anderen Dingen beschäftigt? Im Training selbst können wir dann immer wieder nachfühlen, ob da eine gute Verbindung zwischen uns ist, ob wir die einzelnen Sachen wirklich gemeinsam machen oder ob es ein einseitiges Wollen von unserer Seite ist, auf das das Pferd dann mehr oder weniger gut reagiert. Und statt von unserem Pferd immer nur Gehorsam zu fordern, können wir einmal darüber nachdenken, was es braucht, damit sich unser Pferd wohler fühlt und motivierter mitarbeitet, denn das können wir ganz wesentlich durch unser Verhalten beeinflussen.

Ein respektvolles Miteinander beginnt immer mit einer respektvollen Kontaktaufnahme und erfordert im Miteinander Achtsamkeit dem anderen Wesen gegenüber – das gilt für fremde, aber eben genauso auch für das eigene Pferd.

Wege zum Pferd

 

 

27. Oktober 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Longieren, Reiten, Umgang 6 Kommentare »

Erfahrungsbericht zum Longenkurs Deborah mit ihrem Islandwallach Garpur

Wir haben wieder einmal einen inspirierenden Erfahrungsbericht zur Arbeit nach unserem Longenkurs für Euch: die Geschichte von Deborah und Garpur. Hier könnt Ihr Euch Deborah und Garpur in einem Video auf YouTube anschauen, welches auf dem Kurs bei Babette entstanden ist, und hier kommt ihr Bericht:

 

Verfasst von Deborah Wildegger

Garpur wurde 2007 geboren und 2013 ist er zu mir gekommen. Wir hatten und haben immer ein bisschen mit der körperlichen Losgelassenheit  zu tun (wie bei vielen Islandpferden aufgrund der erhöhten körperlichen Grundspannung, die sie für Tölt und Pass benötigen). Da ich natürlich möchte, dass Garpur möglichst lange gesund bleibt, war ich immer auf der Suche nach einer guten Alternative zum Reiten.

Garpur 2016

Das klassische Longieren mit Ausbindern war mir immer schon ein Dorn im Auge, aber mit Giraffenhals durch die Gegend zu laufen ist ja auch nicht sonderlich gesund. Und so war ich sehr froh, dass ich dann 2016 vom Longenkurs gehört habe. Ich war dann mit Garpur direkt bei einem Kurs bei Lisa Kittler und von da an longenkurs-infiziert. Schon nach der ersten Einheit habe ich gemerkt, wie gut Garpur diese Arbeit tut. Auf ganz sanfte Weise bringt man den Pferden bei, in guter Haltung zu gehen.

Wir begannen mit dem Führen in Stellung, was ich auch jetzt nach den paar Jahren natürlich immer noch ganz regelmäßig mit einbaue und auch fast vor jedem Reiten mache, weil es einfach super zum Lösen ist.

Recht schnell konnte ich dann auf etwas mehr Distanz gehen und Garpur konnte die Haltung auch da im Schritt gut beibehalten und so haben wir bald viel Abwechslung in unsere Arbeit gebracht: Viele Handwechsel, Seitengänge, Anschraten und Schlangenlinien standen auf dem Programm. Auf dem nächsten Kurs mit Lisa Kittler haben wir dann an der Verfeinerung der Seitengänge und an Tempounterschieden innerhalb der Gangarten gearbeitet und wir haben den Galopp dazugenommen. 

Garpur tat sich gerade in den schnelleren Gangarten erstmal schwer, ausbalanciert und in guter Haltung um die Kurven zu gehen. Aber der Longenkurs hat uns genau dabei so gut geholfen. Stück für Stück kann Garpur nun immer geschmeidiger und trotzdem stabil und kraftvoll im Schritt, Trab und Galopp auf Distanz an der Longe gehen. Es macht mir soviel Freude, ihn dabei zu sehen, und nicht nur an der Longe kann er jetzt gesund laufen.

Ab und zu probiere ich etwas Freiarbeit mit ihm und auch da kann er die Hilfen zum gesunden Laufen meistens schon gut annehmen.

Foto von Emma Floßmann,
Insta: magic_specially_moments

Und nicht zuletzt merke ich beim Reiten einen wahnsinnigen Unterschied. Seit ich den Longenkurs mit Garpur mache, geht er auch beim Reiten immer lockerer, ausbalancierter und beweglicher. 

Im August 2020 war ich dann das erste Mal bei Babette zum Kurs. Ich war ganz aufgeregt, aber das war unnötig. 🙂 Garpur hat seine Sache wie immer souverän gemeistert und durch Babettes ruhige, liebe Art konnte ich mich auch schnell wieder beruhigen und wir haben soviel mitnehmen können.

Ich habe viele tolle neue Ideen bekommen, unsere Arbeit fortzusetzen. Die nächste große Aufgabe für uns sind jetzt die Seitengänge auf Distanz. Die haben wir mit Babette auf dem Kurs begonnen und üben jetzt fleißig zu Hause. Ich freue mich sehr, dass wir schon soweit gekommen sind, und bin gespannt auf den nächsten Kurs!

Liebe Babette, vielen lieben Dank, für dieses geniale Konzept  oder auch die Philosophie „Longenkurs“. Ich hoffe, ich kann noch ganz viel bei dir lernen!

Foto von Emma Floßmann,
Insta: magic_specially_moments

Foto von Emma Floßmann,
Insta: magic_specially_moments

Foto von Emma Floßmann,
Insta: magic_specially_moments

Und hier seht Ihr die beiden im Film (Link führt zu YouTube).

13. Oktober 2020 von Gastautor • Kategorie: Gesundheit, Longieren 0 Kommentare »

Sieh Dein Pferd als Teampartner – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sieh Dein Pferd als Teampartner!

Das Schönste an der Arbeit mit Pferden ist für uns immer wieder der Moment, in dem das Pferd beginnt, aktiv mitzumachen und nicht mehr nur auf Signale reagiert, die wir geben. Wenn es also Eigenmotivation entwickelt, Ideen hat und anfängt, Aufgaben oder Lektionen mitzugestalten. Aus unserer Sicht ist es schade, dass das noch immer in weiten Kreisen keineswegs erwünscht ist, sondern dass man dort Pferde möchte, die exakt und ausschließlich das tun, was man als Mensch vorgibt (… oder sollte man sagen „befiehlt“?).

Wir können zum Beispiel gerade bei der Arbeit nach unserem Longenkurs im Vergleich zum herkömmlichen Longieren immer wieder erleben, was für einen Unterschied ein Training auf Augenhöhe macht: Das herkömmliche Longieren besteht ja immer noch oft vor allem darin, dass das Pferd mehr oder weniger eintönig um den Menschen herumläuft, sodass das Longieren nur sehr bedingt eine wirklich gemeinsame Aktion ist. Dementsprechend wenig Freude haben viele Pferde daran und dementsprechend wenig wirkliche Entwicklung in Hinblick auf eine Verbesserung der Laufmanier ist zu erreichen. Der Zauber, den die Arbeit nach dem Longenkurs ermöglicht, ist dagegen das: Dadurch, dass die Pferde immer besser verstehen, was wir von ihnen möchten, merken sie, dass es gute Vorschläge sind, die wir machen, und gewinnen immer mehr Freude an der Arbeit. Sie spüren, dass sie sich immer besser bewegen können, erleben ein immer angenehmeres Körpergefühl und bewegen sich auch immer lieber. So verbessern sich Laufmanier und Muskulatur enorm. Das Pferd dann die Vielfalt der verschiedenen Übungen und Lektionen auch noch mitgestalten zu lassen, fordert unsere eigene Flexibilität, Offenheit und Sportlichkeit und macht das Longieren dann noch zusätzlich zu einer „gemeinsamen Sache“ mit unendlich vielen Möglichkeiten. Das Ergebnis besteht in Freude und Fitness von Pferd & Mensch.

Aber das Longieren ist ja nur ein Beispiel von vielen! Versucht doch ab sofort das, was Ihr alles mit Eurem Pferd macht, als „Team-Sport“ zu sehen und nicht so, dass Ihr Euer Pferd trainiert oder ihm etwas beibringt. Fragt Euch immer, was Ihr tun könnt, damit Euer Pferd wirklich verstehen kann, worum es geht, damit es auf Augenhöhe mit Euch zusammenarbeiten und erfahren kann, dass Ihr prima Ideen habt, und lasst zu, dass es etwas ausprobiert und Eigenes einbringt. Das verändert unglaublich viel!

Pferde, denen die Chance gegeben wird, wirklich zu verstehen und aktiv mitzugestalten, werden selbstbewusster und vertrauen in schwierigen Situationen ihrem Menschen deutlich mehr als solche, die nur wie Befehlsempfänger behandelt werden. Das ist zumindest unsere Erfahrung.

 

Teampartner Pferd

14. Juli 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Longieren, Reiten, Umgang 1 Kommentar »

Dran bleiben ist die Devise – ein Erfahrungsbericht zum Longenkurs

Von Heike Kocherscheidt-Riemann
zum 10jährigen Jubiläum des Longenkurses

Longieren ist für Pferde gesund, das war mir schon lange klar, aber wer erklärt es mir richtig, zeigt mir Tricks und unterstützt mich sinnvoll und zwar so, dass es kein reines Zentrifugieren um mich herum wird?

Erfahrungsbericht zum LongenkursIrgendwann schenkte mir eine liebe Freundin den Longenkurs von Babette Teschen und Tania Konnerth zum Geburtstag und dadurch bekam ich langsam einen Plan vom Longieren, zumindest theoretisch. Bald darauf zog ich mit meinem steifen, dickköpfigen, viel zu dicken, mitunter buckelnden Haflinger Flensburger los, um das Longieren in der Praxis bei Babette zu vertiefen.

Anstrengend war es nicht nur für Flensburger, auch ich kam total ins Schwitzen und wir sind erschöpft, aber zufrieden nach Hause gefahren. Wir hatten viel über das Longieren und uns gelernt und Flensburger, der Streber, lief nach 2 Tagen Kurs viel lockerer, schien Gefallen an der Arbeit zu finden und zeigte sich kooperativ.

Aber wie so oft im Leben ist man zunächst hoch motiviert, weiß, dass die Arbeit funktionieren könnte, aber findet keine Zeit zur Fortführung. Auch ich hatte andere Dinge im Kopf und verschob das Longieren von einen Tag auf den nächsten.

Dann suchte Babette Teilnehmerpaare für ihr Projekt Sehen lernen. Ich hab mich mit Flensburger beworben, es schien mir genau das Richtige für uns zu sein. Dadurch hätte ich die Möglichkeit, endlich den Longenkurs dauerhaft in die Praxis umzusetzen und das unter kompetenter Anleitung.

Groß war die Freude, als wir tatsächlich ausgewählt wurden, um an diesem tollen Projekt teilnehmen zu können. Die Paare trafen sich etwa alle sechs Wochen mit Babette. Wir bekamen Unterricht, Anleitungen und Tipps und fuhren mit neuen Anregungen und Hausaufgaben nach Hause.

Erfahrungsbericht zum Longenkurs

Bis zu jedem nächsten Treffen habe ich konsequent mit dem Haflinger gearbeitet. Er wurde dreimal wöchentlich longiert, dreimal wöchentlich leicht geritten und an einem Tag hatte er Pause. Ich weiß immer noch nicht, wie ich das so konsequent durchhalten konnte, schließlich haben wir noch einige andere Ponys hier, die auch bewegt werden mussten. Aber wir haben es geschafft!

Bei allen Treffen wurden Videoaufnamen gemacht, um die Entwicklung der Pferde im Lauf der Zeit zu dokumentieren. Die Aufnahmen dienten auch zur Verwirklichung des Selbstlernprogrammes Sehen lernen. Ich war sehr stolz, an dem Projekt teilhaben zu können, aber noch viel glücklicher, dass ich den faulen, steifen Haflinger und mich in Bewegung gebracht habe. Es hat unendlich viel Spaß gemacht, vor allem, wenn man den Erfolg auch per Videoaufnahmen nachvollziehen kann. Flensburger hat seine Hinterhand aktiviert, tritt unter, hebt die Schultern und sein Rücken schwingt wunderbar mit.

Erfahrungsbericht Longenkurs

Nach 3 Monaten konnte jeder die Veränderung sehen und auch beim Reiten spüren. Seine zwischenzeitliche Buckelei verschwand und aus dem dicken, trägen Haflinger wurde eine kleine Sportskanone. Seit dieser Erfahrung arbeite ich mit allen unseren Pferden nach dem Longenkurs!

Ich kann ihn wärmstens weiter empfehlen. Gebt aber bitte nicht so schnell auf, wie ich bei den ersten Anläufen! Dran bleiben ist die Devise! Von nix kommt nix und von jedem Tag ein bisschen kommt ganz viel!

19. Mai 2020 von Gastautor • Kategorie: Longieren 2 Kommentare »

Schau immer auf das Gute – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Schau auf das Gute!

Die meisten von uns sind – nicht nur, aber vor allem eben auch – bei der Arbeit mit Pferden mehr oder weniger ausgeprägte Fehlergucker. Damit meint es natürlich kaum jemand böse, denn wir alle zielen auf Verbesserung und darauf, sich weiterzuentwickeln. Unseren Pferden tun wir damit oft aber gar nicht gut und uns selbst auch nicht. Ob nun beim Reiten, beim Longieren oder anderen Dingen, die wir mit unseren Pferden machen: Wenn wir im Training immer vor allem das wahrnehmen, was noch nicht gut oder nicht gut genug ist, sind wir ständig am Kritisieren, am Korrigieren und am Fordern. Und das frustriert viele Pferde ganz enorm und gibt uns selbst ein Gefühl von Unvermögen. 

Genau deshalb lieben wir das Prinzip der positiven Verstärkung, bei dem das Training konsequent auf Lob und positive Bestätigung aufbaut. Es verändert sich wirklich alles, wenn wir unseren Blick immer mehr auf das legen, was super ist und gut klappt und vor allem, wenn wir das Training gezielt dahingehend verändern, dass es ganz viel und immer mehr zu loben gibt – es verändert die Stimmung, das Miteinander, es verändert uns selbst und die Pferde blühen regelrecht auf! 

Viele befürchten, dass ein Fokus nur noch auf das Gute zum Nachlassen von Leistung führt oder dazu, sich etwas schön zu reden. Das aber ist unserer Erfahrung nach ganz und gar nicht der Fall, im Gegenteil: Zu erkennen, was alles schon gut läuft und mit ganz viel Lob und Freude zu arbeiten, ist ein regelrechter Motiviationsbooster für Mensch und Pferd! 

 

Schau auf das Gute

5. Mai 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Jungpferdausbildung, Longieren, Reiten, Umgang 0 Kommentare »

Frag‘ Babette: Warum fasst Du bei der Übung „Führen in Stellung“ direkt am Kappzaum an?

„Frag‘ Babette“ ist eine neue Kategorie bei uns und der Titel ist Programm, denn hier nimmt sich Babette Fragen vor, die ihr häufig gestellt werden. Wer ebenfalls eine Frage an Babette hat, schreibt einfach eine Mail an team@wege-zum-pferd.de. Und für alle, die uns noch nicht so gut kennen: Babette arbeitet seit über 20 Jahren als Pferdetrainerin und hat sich als vor allem als Spezialistin für das gesundheitsfördernde Longieren und dem Longenkurs einen Namen gemacht. Zusammen mit Tania gibt sie seit 2008 den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ und weitere Selbstlernkurse wie Der Aufbaukurs zum Longenkurs, Sehen lernen und andere mehr heraus. 

 

Wieso ist es wichtig, bei der Übung „Führen in Stellung“ direkt am Kappzaum anzufassen?

Viele Anwender/innen unseren Longenkurses finden es gewöhnungsbedürftig, die Pferde mit der Hand direkt am Kappzaum zu führen. Doch dieses Vorgehen hat gute Gründe.

Welche das sind, erklärt Babette ausführlich und anschaulich in diesem Video:

(Link führt zu youtube)

 

31. März 2020 von Babette Teschen • Kategorie: Arbeit an der Hand, Longieren 0 Kommentare »

Wie wirke ich auf mein Pferd?

Wenn wir mit Pferden arbeiten, dann beobachten wir sie meist sehr genau. Dabei übersehen wir aber oft, welche große Bedeutung unsere eigene Ausstrahlung hat. 

Die Pferde fest im Blick

Pferde gut sehen und spüren zu lernen, ist im Umgang und Training sehr wichtig, damit wir jederzeit bedarfsgerecht reagieren können. Wir achten dabei sowohl auf die Mimik des Pferdes als auch auf den Körper, darauf, ob unser Pferd gestresst wirkt oder entspannt, wie es sich bewegt, was ihm Probleme macht und vieles mehr. So können wir uns idealerweise jederzeit ein Bild davon machen, ob unser Pferd gerade losgelassen ist, wie es sich fühlt, ob seine Hinterhand aktiv und seine Haltung gut ist, um es dann mit passenden Übungen darin zu unterstützen, immer besser und freudvoller zu laufen und mitzuarbeiten. Soweit so gut.

… aber was ist mit uns selbst?

Wir wünschen uns ein Pferd, welches möglichst vom Genick bis hin zur Schweifrübe losgelassen und zufrieden ist. Aber was ist mit uns? Oftmals übersehen wir, dass wir so in unserer Konzentration versunken sind, dass wir gar nicht merken, wie verkniffen wir starren, wie fest wir unseren Po anspannen, wie sehr wir die Schultern hochziehen. Und genau deshalb ist es ganz wichtig, den Fokus hin und wieder auch mal weg vom Pferd hin zu sich selbst zu lenken und darauf zu achten, mit welcher Ausstrahlung wir auf unser Pferd einwirken – innerlich und äußerlich.

Sie merken alles

Pferde sind naturgemäß sehr sensibel und empathisch. Sie spüren unsere Anspannung sehr genau und bekommen sogar unsere inneren Bilder mit und reagieren oft sehr stark darauf. Und das macht es uns nicht immer ganz so leicht. Wer kennt es nicht, dass wir beim Reiten so etwas denken, wie „Hoffentlich erschrickt sich mein Pferd nicht vor dem komischen Gegenstand dort …“ und prompt scheut das Pferd? Oder dass man nur ans Antraben denkt und schon trabt das Pferd? 

Ich erlebe immer wieder, wie wenig sich viele von uns eigentlich ihrer eigenen Ausstrahlung bewusst sind. Zum Beispiel glauben viele, eigentlich ganz ruhig zu wirken, tatsächlich aber gehen sie mit einer sehr hohen Körperspannung zum Pferd, worauf dieses bereits in eine Hab-Acht-Stellung gerät. Weit verbreitet ist auch ein geradezu böse wirkender Gesichtsausdruck, obwohl wir nur sehr konzentriert sind. Auf unser Pferd wirken wir aber dadurch unter Umständen sogar bedrohlich. Genauso merken viele von uns nicht, wie unzufrieden wir wirken, denn obwohl wir eigentlich ganz stolz auf unser Pferd sind, reden wir nur über das, was noch nicht klappt … 

Wenn es uns gelingt, mit einer sanften, liebevollen Energie und positiven Ausstrahlung ans Pferd zu gehen, erhöht das unsere Chance für ein harmonisches und entspanntes Miteinander sehr und dem Pferd wird die Arbeit mit uns viel mehr Freude bereiten. 

Kleiner Selbst-Check mit Tipps

Dieser kleine Selbst-Check für eine gute Ausstrahlung eignet sich unabhängig davon, ob wir nun longieren, reiten, unser Pferd putzen oder führen wollen. Richtet hin und wieder Euren Fokus mal ganz auf Euch selbst und achtet auf die folgenden Punkte: 

  • Fließt mein Atem ruhig? Atme ich tief und ruhig? Wenn Ihr merkt, dass Ihr oberflächlich und hektisch atmet, dann versucht Euch bewusst zu entspannen und verlängert Eure Atemzüge: erst für zwei Schritte ein- und für zwei Schritte ausatmen, dann für drei, für vier und für fünf… 
  • Ist mein Blick sanft?  Ein konzentriertes (und dabei oft auch kritisches) Anstarren empfinden viele Pferde als sehr unangenehm. Außerdem verkürzt ein starrer Blick unsere Atmung und macht uns insgesamt „fester“. Übt Euch deshalb in einem weiten, weichen Blick, mit dem Ihr nicht nur einen einzelnen Punkt fixiert, sondern auch die Umgebung sehen könnt. Versucht immer, Euer Pferd mit ganz sanften Augen anzuschauen, habt, wie ich es immer nenne, „Herzchen in den Augen“ und lächelt mindestens innerlich, am besten aber auch sichtbar. 
  • Ist mein Gesicht entspannt? Wenn wir sehr konzentriert oder angespannt sind, neigen wir dazu, die Kiefer zusammenzupressen und die Stirn zu runzeln. Wenn Ihr das bei Euch merkt, dann löst bewusst die Zunge vom Gaumen, macht leichte Kaubewegungen, so als wenn Ihr ein Kaugummi kauen würdet, und lockert die Kiefergelenke. Entspannt auch die Stirn und die Augenbrauen. Und lächelt 🙂
  • Sind meine Schultern locker? Sehr häufig ziehen wir unbewusst die Schultern hoch und werden dabei im ganzen (Ober-)Körper fest. In meinen Longenkursen kann ich häufig beobachten, dass diese meist unbewusste Haltung bei sensiblen Pferden schon ausreicht, um sie z.B. antraben zu lassen. Oftmals versteht der Longenführer gar nicht, warum sein Pferd plötzlich losläuft, aber es hat nur auf die Spannung seines Menschen reagiert. Ähnliches gilt für das Reiten. Deshalb rate ich Euch, immer mal wieder in die Schultern zu spüren und sie genüsslich nach hinten kreisen und dann sanft nach hinten-unten sinken zu lassen. 
  • Lasse ich meine Oberarme entspannt am Körper fallen? Wenn wir angespannt sind, sind unsere Oberarme oftmals ganz fest, obwohl wir eigentlich nur unsere Unterarme brauchen, um z.B. die Bewegungen an der Longe auszuführen oder die Zügel zu halten. Wir tragen die Arme oft auch viel höher als nötig oder spannen auch den Arm an, der gerade gar nichts tun muss. Auch hier immer mal wieder hineinspüren und ganz bewusst die Spannung loslassen – keine Sorge: die Arme fallen nicht ab, wenn man sie lockert 😉
  • Ist meine Bauchdecke weich? Gerade Frauen ziehen oft unbewusst dauerhaft den Bauch ein, wodurch eine hohe Körperspannung entsteht. Eine gewisse Aufrichtung für eine gute Körperhaltung brauchen wir natürlich, aber achtet mal darauf, was passiert, wenn Ihr beim Reiten oder Longieren, bewusst die Bauchdecke an- und dann entspannt. Nicht selten schnauben Pferde ab, wenn wir Spannungen bei uns lösen. Findet hier das richtige Maß. 
  • Ist mein Po entspannt? Das ist besonders beim Reiten ein ganz wichtiger Punkt, denn ein angespanntes Gesäß macht es dem Pferd sehr schwer, im Rücken loszulassen und Euch, die Bewegungen weich zu sitzen. Hier deshalb immer mal wieder ganz bewusst die Pobacken in den Sattel schmelzen lassen. 
  • Klemmen meine Beine? Auch dieser Punkt ist für das Reiten wichtig. Mit klemmenden Beinen kann man keine feinen Schenkelhilfen geben. Wir blockieren damit auch in der Hüfte und können die Bewegungen des Pferdes nicht weich mitgehen. Mit so einer Kralle auf seinem Rücken können Pferde nur schwer loslassen und manche reagieren auch mit deutlichem Stress. Also: immer wieder die Beine lösen. Ein sicherer Sitz entsteht nicht dadurch, dass wir unser Pferd mit unseren Beinen einklemmen, sondern durch das flexible und weiche Mitgehen in den Bewegungen. 
  • Kann ich Bewegung in meinen Gelenken zulassen? Die Gelenke in unserem Körper ermöglichen uns Bewegung. Blockieren wir ein Gelenk, entsteht sowohl ein Bewegungs- als auch ein Energiestau. Beides nehmen Pferde deutlich wahr und reagieren manchmal sehr stark darauf. Nicht umsonst können wir mit einem einfachen Abkippen des Beckens ein Pferd durchparieren. Geht deshalb immer mal wieder bewusst alle entscheidenden Gelenke durch: Seid Ihr zum Beispiel beim Reiten beweglich in der Hüfte, kann das Becken frei mit der Bewegung des Pferdes mitgehen? Sind Eure Fußgelenke locker, so dass sie die Bewegungen gut auffangen können? Sind Eure Handgelenke geschmeidig, damit sie die Bewegungen der Zügel oder der Longe ganz weich ausführen und durchlassen können?
  • Welche Bilder habe ich im Kopf? Oftmals sehen wir vor unserem inneren Bild genau das, was wir nicht wollen, also das, was wir befürchten, was alles passieren könnte. Diese negativen Bilder oder zumindest die Stimmung daraus kann sich auf unser Pferd übertragen. Versucht statt dessen immer das zu sehen, was Ihr haben oder erreichen möchtet: also zum Beispiel ein entspanntes Pferd, auch wenn es gerade noch aufgeregt ist, ein Pferd, welches loslässt, auch wenn es gerade noch angespannt ist, ein Pferd, welches ruhig durchpariert, auch wenn es gerade noch hektisch um Euch herumläuft. Und das tiefe, ruhige Atmen dabei nicht vergessen – und, ja genau: immer schön lächeln 🙂
  • Wie ist meine Erwartungshaltung? Oftmals gehen wir mit sehr hohen Erwartungen in die Arbeit mit unserem Pferd und übersehen dabei, dass unser Pferd in diesem Moment noch nicht in der Lage ist, diese zu erfüllen, sei es aus körperlichen oder psychischen Gründen. Es spürt aber genau, dass wir eigentlich mehr von ihm wollen, und kann deshalb verunsichert oder gestresst werden. Versucht, möglichst immer frei von Erwartungen zu sein. Ihr könnt schöne Zielbilder im Kopf formen, aber seht immer auch den Weg dorthin ganz positiv und liebevoll und nehmt ohne Groll oder Frust das an, was gerade möglich ist.
  • Welche persönlichen Themen belasten mich im Moment? Auch was wir von außen mit in den Stall bringen, ist für viele Pferde spürbar. Sie reagieren zum Teil sehr sensibel auf unseren Stress auf der Arbeit, unsere Sorge um ein Familienmitglied, unsere Krise mit unserem Partner. Hier ist es wichtig, sich immer wieder zu prüfen, ob man diese Themen vielleicht für die Trainingseinheit loslassen kann und wenn nicht, die Arbeit mit dem Pferd entsprechend zu gestalten, zum Beispiel lieber mit einer Spiel- und Kraulstunde als mit konzentriertem Training.

Ein Grundsatz

Für mich gibt es einen simplen Grundsatz für die Arbeit mit Pferden: Ich versuche immer das auszustrahlen, was ich mir von meinem Pferd wünsche. 

  • Möchte ich ein freundliches, entspanntes Pferd? Dann strahle ich Freundlichkeit und Entspannung aus!
  • Möchte ich ein fröhliches und motiviertes Pferd? Dann bringe ich mich mit meinen eigenen fröhlichen und motivierten Anteilen in Kontakt!
  • Möchte ich, dass mein Pferd in einer guten Haltung läuft, achte ich auch auf meine eigene Haltung!

Es gibt einen schönen Spruch der die Kindererziehung betrifft: „Wie erziehen keine Kinder, sie machen uns eh nach“. Das gilt für mich auch für den Umgang mit Pferden 🙂

Ausstrahlung bei der Arbeit mit dem Pferd

17. März 2020 von Babette Teschen • Kategorie: Arbeit an der Hand, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Longieren, Reiten, Umgang, Verhalten 3 Kommentare »

Alina und Moonlight – ein Erfahrungsbericht zum Longenkurs

Heute haben wir wieder einmal einen Erfahrungsbericht zur Arbeit nach unserem Longenkurs für Euch: die wirklich wundervolle und hoffentlich für viele Mut machende Entwicklung von Moonlight und Alina: 

Verfasst von Alina

Hallo Ihr Lieben,

das hier ist Moonlight, sie wurde 2006 geboren. Ich erzähle Euch unsere Geschichte und wie der Longenkurs uns verändert hat – einmal als Video und auch als Text.

Wie alles begann

Fangen wir ganz vorne an: Moonlight kam in Dänemark zur Welt und mit fünf Jahren ging es dann für sie nach Deutschland zum Händler. Dort ließ sie sich nicht gerne anfassen und war noch sehr scheu. Sie versuchten sie irgendwie anzureiten, doch wohl eher schlecht als recht. Dann kam eine Familie, die noch Ponys für ihren Hof suchten. Mooni gefiel ihnen auf den ersten Blick. Sie nahmen sie mit auf ihren Kinderferienhof, um aus ihr ein Schulpony zu machen. Es war ein sehr professioneller Stall und sie gaben sich sehr viel Mühe mit ihr, doch sie machte nur langsam Fortschritte, zu oft wieder Rückschritte und benötigte mehr Zeit, als man auf einem Hof mit so vielen Pferden für ein einzelnes aufwenden kann. Zudem konnte sie von nur wenigen fortgeschrittenen Reitschülern geritten werden. Und selbst denen rannte sie regelrecht unter dem Hintern weg, buckelte, machte den Rücken fest und lief wie eine Giraffe durch die Halle.

Ich machte schon seit einigen Jahren regelmäßig in den Ferien Urlaub auf diesem Hof. Im Sommer 2012 ritt ich Moonlight dann das erste Mal und hatte mich direkt in sie verliebt. Warum genau? Keine Ahnung! Sie war echt nicht angenehm zu reiten. Im Gegenteil: die Reiterin, die Moonlight weiter ausgebildet hatte, meinte, ihr wird auf Moonlight immer schlecht. Moonlight war einfach zu sensibel für den Schulbetrieb und nicht für wechselnde Reiter gemacht. Somit stand dann für den Hof fest, dass sie Mooni in private Hände geben wollten. Ich versuchte mit aller Macht meine Eltern von Moonlight zu überzeugen, weil sich dieses graue, aufmerksame Pony sofort einen Platz in meinem Herzen verschafft hat. Und somit erfüllte sich im Sommer 2013 mein Traum seit ich denken kann: mein erstes eigenes Pony!

Doch wir hatten es nicht leicht. Bis wir anfingen, ein richtiges Team zu werden, verging ein Jahr. Bis dahin jagte ein Rückschlag den anderen. Beim Dressurreiten lief sie viel zu eilig und mit weggedrücktem Rücken, beim Longieren riss sie sich los und rannte vom Platz und beim Ausreiten ging sie regelmäßig durch.

Einmal stürzten wir dabei im Wald und sie lief ohne mich weiter. Natürlich machten wir auch Fortschritte, besonders an der Bodenarbeit hatte sie Spaß, jedoch lief alles nicht so, wie ich es erwartet und erhofft hatte.

Im Sommer 2014 wechselten wir die Trainerin, Moonlight war regelmäßig in osteopathischer Behandlung und langsam ging es in allen Bereichen voran. Sie lernte, statt mit weggedrücktem Rücken vor den Reiterhilfen wegzurennen, vorwärts-abwärts zu laufen und sich selbst zu tragen.

Durchbruch mit dem Longenkurs

Die richtigen Fortschritte, gerade was die Dressur angeht, kamen erst 2015, als wir anfingen, nach dem Longenkurs zu arbeiten. Sie verstand das Prinzip sehr schnell. Angefangen beim Führen in Stellung und dem „Anschraten“. Sie lernte, fernab von Ausbindern oder anderen Hilfsmitteln, einfach durch die Hilfen, die der Longenkurs vermittelt, ihren Rücken aufzuwölben, vorwärts-abwärts und in Biegung und Stellung zu laufen. Dies war erstmal natürlich nur phasenweise. Durchgängig und in allen Gangarten konnte sie es noch nicht halten. Und trotzdem machte Moonlight mehr Fortschritte als je zuvor. Wir wuchsen immer besser zusammen und aus dem Pony, was im Gelände durchgegangen war, ist eines geworden, welches sich draußen auch mit Halsring sicher reiten lässt. 

Ende 2015 besuchten wir unseren ersten Longenkurs bei Babette, da mir diese Arbeit mit Moonlight so viel Spaß machte und ich natürlich überprüfen wollte, ob ich ihr es bis hierhin richtig beigebracht hatte. Wir erarbeiteten uns den Slalom im Schritt und im Trab, das Schulterherein im Schritt sowie einen besseren Bewegungsablauf. Ich war mehr als begeistert von diesem Kurs und wir nahmen eine Menge mit, um Zuhause weiterzuarbeiten.

Der nächste Longenkurs folgte für uns dann schon vier Monate später. Diese Mal lernte Moonlight in Rekordschnelle das Travers und wir arbeiteten vermehrt am Galopp. Ich war wieder erstaunt, mit was für kleinen Schritten man bei Babette doch so viele Fortschritte in kürzester Zeit machen konnte. Die Lektionen waren immer ganz klein gesplittet, um es den Pferden verständlich zu machen.

Heute habe ich ein Pony, das immer motiviert ist und sich gesundheitserhaltend reiten lässt, statt unter dem Reiter wegzulaufen. An der Longe haben wir viel an fließenden Übergängen und Seitengängen geübt und das Ganze versucht, auch in der Freiarbeit umzusetzen.

Mittlerweile lässt sie sich frei in allen drei Gangarten „longieren“. 

Zurückblickend weiß ich nicht, wo wir ohne den Longenkurs heute wären und ob ich sie nicht irgendwann aufgegeben hätte.

Unsere ganze Geschichte könnt Ihr im folgenden Video angucken.

Viel Spaß,
Eure Alina

18. Februar 2020 von Gastautor • Kategorie: Jungpferdausbildung, Longieren 4 Kommentare »

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    Vor allem Babette hat sich vor einigen Jahren auf das Thema Longieren spezialisiert. Gemeinsam haben wir den Longenkurs und den Aufbaukurs zum Longenkurs erstellt. In dieser Kategorie finden Sie unsere Artikel und Tipps zum Thema Longieren in chronologischer Reihenfolge.

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