Rückenprobleme – Reiten, ja oder nein?

Eigentlich sollte es diesen Blogbeitrag gar nicht geben müssen und es macht mich traurig, dass ich ihn dennoch schreiben muss… Auf meinen Kursen stellen sich bei vielen Pferden Rückenprobleme heraus und in diesem Zusammenhang kommt meist sofort die Frage nach der Reitbarkeit. Auch per Mail werden mir oft deutliche Symptome von Rückenbeschwerden beschrieben, oft verbunden mit der Frage, welcher Hilfszügel am besten hilft, damit das Pferd beim Reiten den Kopf nicht so hochreißt oder was man dagegen machen kann, wenn das Pferd unter dem Sattel buckelt. Deshalb hier also meine ganz klare Antwort auf die folgende Frage:

Kann ich ein Pferd mit Rückenproblemen reiten?

Nein! Ein Pferd mit Rückenschmerzen, oder auch nur mit dem Verdacht auf solche, darf meiner Ansicht nach genauso wenig geritten werden, wie ein Pferd, das lahmt.

Bei Rückenschmerzen tut Gerittenwerden weh

Eigentlich ist es so offensichtlich, dass man es nicht zu erklären braucht, aber da Pferde selbst mit heftigen Rückenproblemen tatsächlich geritten werden, ist es wohl doch nötig: Als Reiter sitzen wir mit unserem gesamten Gewicht (das oft nicht gerade wenig ist) GENAU auf der schmerzenden Stelle, nämlich dem Rücken. Da sollte es doch auf der Hand liegen, wie viel Leid das Reitergewicht für ein Pferd bedeutet, das Rückenschmerzen hat. 

Pferde mit Rückenproblemen haben, wenn sie geritten werden, Schmerzen, manchmal leichte, oft aber starke. Würden Pferde winseln, wimmern oder auch schreien können, könnten sie uns vielleicht deutlicher machen, was ihnen eine Qual ist. Die einzige Lautäußerung bei Schmerzen ist meist ein Stöhnen. Und wie reagieren viele Reiter/innen darauf, wenn ihr Pferd tatsächlich beim Reiten stöhnt? Sie lachen darüber und machen Witze alá „Ach, du Armer, du hast es aber auch schwer!“

Pferde haben keinen Schmerzlaut, sie äußern Schmerzen anders: Manche versuchen sich durch eine bestimmte Haltung Linderung zu verschaffen: nehmen also vielleicht den Kopf hoch und drücken den schmerzenden Rücken weg oder sie verkriechen sich hinter dem Zügel. Andere verweigern die Mitarbeit, indem sie immer langsamer werden oder auch stehen bleiben. Wieder andere zeigen das, was man so gerne als „Widersetzlichkeiten“ bezeichnet: Buckeln, Losstürmen oder auch Steigen. 

All diesen Reaktionen ist fast immer eines gemein: Sie sind Ausdruck von Not.

ruecken_weg

Da Pferde still leiden, müssen wir die (leisen) Zeichen für Schmerzen erkennen lernen und diese genauso ernst nehmen wie eine Lautäußerung, wie z.B. ein Winseln. Wir dürfen nicht einfach über sie hinweggehen und weiter machen, wie bisher bzw. nach Hilfsmitteln suchen, damit wir weiter machen können.  Reißt ein Pferd den Kopf beim Reiten hoch, kann die Antwort nicht sein, den Kopf mit Hilfszügeln in die „richtige“ Position zu bringen, sondern es muss nach der Ursache gesucht werden. Dasselbe gilt für das Buckeln, Steigen, eine deutliche Trägheit und andere Anzeichen für Rückenschmerzen. 

Was tun bei Rückenschmerzen? 

Für mich sieht der pferdegerechte Weg bei Rückenproblemen so aus:

  • Beim Verdacht auf Rückenprobleme (s. diese Checkliste) sollte das Pferd als erstes gründlich von einem guten Tierarzt untersucht und eine sichere Diagnose gestellt werden (z.B. müssen Erkrankungen wie z.B. Kissing Spines ausgeschlossen werden). Zusätzlich rate ich zu Behandlungen von guten Physiotherapeuten/Osteopathen. 
  • Gibt es keine tierärztlichen Bedenken gegen das Training, sollte das Pferd durch gute, gymnastizierende Bodenarbeit (s. Longenkurs und Aufbaukurs) behutsam trainiert werden und das solange, bis das Pferd eine gute Laufmanier gelernt und eine gute, lockere Muskulatur entwickelt hat.
    ruecken_longe
  • Erst dann sollte sich nach einer ausreichend langen Lösephase an der Hand der Reiter für eine kurze Zeitspanne wieder auf das Pferd setzen (zu Beginn nicht länger als 10 Minuten!).
  • Wenn alles gut läuft, sieht das Ergebnis dann so aus, dass das Pferd unter dem Reiter am langen Zügel den Hals entspannt fallen lässt und locker losmarschiert. Erst von dieser Basis aus können dann langsam die Zügel aufgenommen und damit begonnen werden, dem Pferd auch unter dem Sattel eine gute Laufmanier zu vermitteln, die weiteren Rückenproblemen vorbeugt.

Leider wird das fast überall noch „anders“ gemacht. Mir ist bewusst, dass viele Menschen sich ein Pferd zum Reiten anschaffen und dass sich der Weg, den ich hier vorschlage, lang anhört. Für mich aber ist selbstverständlich, dass jeder, dem das Wohl seines Pferdes am Herzen liegt, bereit sein muss, bei Schmerzen auf das Reiten zu verzichten – und das gilt nicht nur, wenn das Pferd z.B. lahmt, sondern eben auch bei Schmerzen, die es nicht so klar zuordbar zeigen kann.

6. Juni 2017 von Babette Teschen • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Gesundheit, Longieren, Reiten 7 Kommentare »

Ein gelungenes Pferde-Event von „Pfernetzt“

Am vergangenen Wochenende fand in der Nähe von Fulda ein besonderes Pferde-Event statt: Pfernetzt hatte verschiedene Trainer eingeladen, ihre jeweiligen Methoden vorzustellen. Ich durfte dabei sein, um den Longenkurs zu präsentieren, worüber ich mich sehr gefreut habe! 🙂

Am Samstag war ich gleich als Erste dran und hatte 60 Minuten Zeit für eine Praxisvorführung zum Thema „Anatomisch korrektes und pferdefreundliches Longieren“.

Ich muss gestehen, ich war ganz schön nervös vor so vielen Menschen, … aber zum Glück stand mir ein wunderbarer vierbeiniger Partner zur Seite. Ganz herzlichen Dank an Hero Merkel, dass sie mir ihr Pferd Omen für die Vorführung anvertraut hat. 

pfernetzt_omen

pfernetzt

Einige kurze Ausschnitte meiner Vorführung habe ich Euch in einem Video zusammengestellt – das könnt Ihr Euch hier anschauen: 

pfernetzt_youtube

Den Rest des Tages hatte ich dann frei und habe die Zeit genutzt und mir noch einige der anderen interessanten Vorträge angeschaut. Mein persönliches Highlight war zum Abschluss des Tages ein Kinoabend mit dem Tierfilmer Marc Lubetzki, der uns mit in eine Wildpferdeherde genommen hat.  

Es war eine rundum gelungene Veranstaltung – ein großes Lob und meinen Dank an das Team von „Pfernetzt“!

8. Mai 2017 von Babette Teschen • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Longieren, Sonstiges 0 Kommentare »

Die Arbeit an der Longe – Fallbeispiel 3: Das Kleben an der äußeren Bande

Heute habe ich ein weiteres Fallbeispiel aus der praktischen Arbeit nach meinem Longenkurs für Sie (weitere Beispiele finden Sie hier und hier). 

Das Kleben an der äußeren Bande

Eine neunjährige Islandstute läuft auf dem Longierzirkel brav und lässt sich recht manierlich stellen und biegen. Sobald sie aber im Viereck longiert wird und keine äußere Begrenzung mehr hat, zieht sie heftig nach außen weg.

So gehe ich vor:

Viele Pferde neigen dazu, sich an Zäune oder Banden „anzulehnen“ und regelrecht daran zu kleben. Versucht man ein solches Pferd ohne äußere Begrenzung, also z.B. in der Mitte der Reitbahn zu longieren, zieht es sie entsprechend stark zur Wand. Das hat nichts mit Widersetzlichkeit oder Bockigkeit zu tun, sondern es handelt sich dabei schlicht und einfach um ein Balanceproblem, das sich durch gezieltes Training beheben lässt. 

Die Stute aus dem Beispiel würde ich zunächst für einige Einheiten in der Quadratvolte mit Dualgassen arbeiten. Diese geben dem Pferd zwar noch eine äußere Orientierung, sind aber schon eine deutliche Stufe weniger als die Bande. Wenn das Pferd diese Aufgabe gemeistert hat, versuche ich es für kurze Sequenzen ohne die Quadratvolte, kehre aber gleich wieder dorthin zurück, wenn das Pferd wieder nach außen driftet. Hier muss man genau die Zeit und Geduld investieren, die das Pferd braucht, um seine Schulterbalance von sich aus zu finden, bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen dauert es länger.

Parallel dazu übe ich mit einem solchen Pferd intensiv, ruhig an der Hand anzutraben. Dazu führe ich das Pferd mit meiner Hand direkt am Kappzaum vom Schritt in einen langsamen Trab und dann in diesem langsamen Trab auf Volten und größere Kreise. Das mache ich so lange, bis ich merke, dass das Pferd nicht mehr nach außen zieht und ganz leicht an der Hand ist. Sobald ich das spüre, lasse ich langsam die Longe Stück für Stück länger werden und entferne mich vorsichtig vom Pferd. Bleibt das Pferd in guter Balance, kann ich mich auf Longendistanz entfernen und normal weiter longieren. Bleibt das Pferd leicht und im guten Gleichgewicht, versuche ich dann, das Pferd vorsichtig zum aktiven, schwungvollerem Laufen zu animieren.

Merke ich aber, dass wieder Zug auf die Longe kommt, gehe ich sofort dichter an das Pferd heran und nehme das Tempo wieder heraus. Wenn nötig gehe ich wieder so dicht an das Pferd heran, bis ich es erneut direkt am Kappzaum führen kann.

Mit solchen Pferden arbeite ich gerne auf sehr großen Plätzen, so dass ich immer viel Abstand zur Bande halten kann. So lernen die Pferde schneller ohne Wand zum Anlehnen zu laufen.

fallbeispiel3

Tipps: Wichtig ist auch zu wissen, dass viele Pferde dann nach außen ziehen, wenn der Mensch

  • zu früh viel Tempo fordert und damit das Pferd aus dem Gleichgewicht bringt oder
  • sich körpersprachlich falsch zum Pferd ausrichtet.

Viele drehen ihren Körper beim Longieren zum Pferd hin. Dadurch „drückt“ der Mensch das Pferd gleichsam nach außen. Gerade bei Pferden, die sowieso schon dazu neigen nach außen zu ziehen, müssen wir sehr darauf achten, unseren Körper in die Bewegungsrichtung auszurichten, also nach vorn und nicht zum Pferd hin. Die Schulter des Menschen sollte immer so gestellt sein, wie die Schulter des Pferdes (genau wie beim Reiten auch).

31. Mai 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Longieren 5 Kommentare »

Das Abspulen erkennen, verstehen und auflösen

Mein letzter Beitrag über das Abspulen bei der Freiarbeit brachte viele Reaktionen und warf die Frage auf, wie man damit umgehen kann, wenn man ein solches Abspulen bei seinem Pferd bemerkt. Deshalb kommt hier nun ein weiterer Artikel, in dem ich das Thema vertiefen möchte. 

Das Abspulen erkennen

Zunächst müssen wir ein Abspulen überhaupt erst einmal erkennen. Für mich spult ein Pferd ab, wenn das Training kein Miteinander mehr ist, sondern eine mehr oder weniger einseitige Angelegenheit. Das Pferd tut Sachen, von denen es annimmt, dass es diese tun soll, ob der Mensch das nun angeregt hat oder nicht. Das kann sich in kleinen Dingen zeigen oder auch zu einem maschinenartigen Funktionieren führen, es kann momenteweise auftreten oder auch ganze Einheiten bestimmen.

Mein Aramis hatte schon immer eine Tendenz zum Abspulen: Er zeigt oft Sachen, von denen er glaubt, dass ich diese gerade möchte. Das können Seitengänge sein oder ein Angaloppieren oder ein spanischer Gruß und anderes mehr. Zu Beginn fand ich das natürlich oft toll, dass er plötzlich Travers geht, scheinbar „ganz leicht“ – … nur hatte ich gar keine Hilfe dazu gegeben. Oder er galoppierte an der Longe an, obwohl ich eigentlich nur den Trab verstärken wollte – hübsch, aber nicht das, worauf es mir in diesem Moment ankam und es war auch kein übermütiges Angaloppieren aus Freude, das ich gerne angenommen hätte, sondern es fühlte sich anders an. Und auch beim Clickern zeigte er dieses Verhalten und bot mir oft alles Mögliche an, ohne überhaupt noch auf mich zu achten. 

Seine Motivation dabei war unterschiedlich: Als ein Pferd, das möglichst alles richtig machen will (vor allem mir gegenüber), tat er vieles aus Nervosität und Stress heraus. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich das eigentlich immer selbst mit meinen hohen Erwartungen an ihn ausgelöst habe. Manchmal aber spulte er auch Sachen ab, weil das eigentlich Gewünschte zu anstrengend oder schwierig war. Auch das musste ich erst lernen zu erkennen und zu akzeptieren (mir selbst erschien ja vieles gar nicht als sooo schwierig, aber genau darauf kommt es eben nicht an…) und dabei wieder an meinen Erwartungen und Ansprüchen arbeiten.

Sehr dabei geholfen hat mir die Freiarbeit, denn da wurde deutlich, dass ich jeden echten Kontakt zu Aramis verlor, wenn er abzuspulen begann. Zu Beginn lief er oft einfach um mich herum, und lief und lief und lief. Er ließ sich nicht verkleinern, nicht anhalten, reagierte auf nichts – ich konnte machen, was ich wollte. Sein Laufen hatte dabei wenig Freudvolles und ich fühlte mich hilflos und wurde traurig. Es tat mir leid, ihn so zu erleben, aber es machte mir klar, dass er auch in anderen Bereichen manchmal genauso reagierte, ohne dass ich verstanden hatte, was da geschah. Erst seitdem ich sein Spulen als Ausdruck von Überforderung erkenne (durch Ansprüche, die Stimmung oder auch konkrete Aufgaben), kann ich es auf eine gute Art für uns auflösen. 

Verstehen, warum ein Pferd abspult

Pferde sind Gewohnheitstiere, insofern kann das Abspulen schlicht und einfach übernommenes Verhalten sein, denn auch wir Menschen sind oft Gewohnheitstiere und machen unbewusst manches immer sehr gleich. Die meisten von uns dürften das kennen, dass das Pferd z.B. immer am selben Punkt angaloppiert, nach dem Anhalten an der langen Seite gleich rückwärts geht oder genau weiß, dass nach den anstrengenden Traversalen Schluss mit der Einheit ist. So zeigen sich schnell die Trainingspunkte, die wir besonders oft gemacht haben, und das lässt sich durch etwas mehr bewusster Abwechslung meist leicht auflösen. 

Das Abspulen ist aber eben häufig auch eine Vermeidungsstrategie des Pferdes, von der es sich erhofft, weniger Ärger zu bekommen. Und das kann, wie ich anhand von Aramis weiter oben aufgezeigt habe, ganz unterschiedliche Ursachen haben: Manche Pferde tun das aus Angst und Unsicherheit. Sie wollen auf keinen Fall Fehler machen, weil sie Strafen fürchten. Manche Pferde machen das auch aus Bequemlichkeit, weil es ihnen leichter erscheint, das anzubieten, was sie schon können, als etwas Neues zu erlernen. Und manche spulen das ab, was sie schon kennen, weil sie nicht verstehen, was der Mensch möchte. Es ist wichtig, die Motivation des Pferdes zum Abspulen zu erkennen, um auf eine hilfreiche Weise reagieren zu können. 

Achtung: Ein Abspulen hat eine ganz andere Energie als wenn das Pferd von sich aus eigene Vorschläge macht oder Ideen einbringt – das gilt es, gut zu unterscheiden!

Und so können wir auf das Abspulen reagieren

Das Allerwichtigste beim Abspulen ist  zu verstehen, dass es sich dabei nicht um eine Widersetzlichkeit handelt. Das Pferd ist nicht stur und nicht bockig. Sein Ziel ist eigentlich, es uns recht zu machen, nur wählt es dafür eben manchmal einen Weg, der wie das genaue Gegenteil wirkt.

Ein Pferd, das an der Longe nicht mehr zu traben aufhört, gilt bei vielen als „unerzogen“, „wild“ oder „widersetzlich“, dabei kann es schlicht und einfach unsicher sein und Angst haben, dass es Ärger gibt, wenn es langsamer wird. Gleiches gilt für Pferde, die z.B. nur noch Travers laufen oder bei der Bodenarbeit ständig spanischen Schritt anbieten. Sie sind so sehr davon überzeugt, das Richtige zu tun, dass sie gar nicht mehr zuhören. Zuhören ist aber wichtig, damit das Training wieder eine gemeinsame Angelegenheit werden kann. 

Schritt 1 lautet also: erkennen und vor allem würdigen, dass das Pferd mit seinem Abspulen etwas „Gutes“ tun will. Ich sage in solchen Momenten zu meinem Pferd: „Das ist lieb, dass Du das jetzt machst, dankeschön, aber eigentlich möchte ich was anderes.“

Damit wir das Pferd aus seinem inneren Film heraushohlen können, damit es wieder auf uns achtet und uns zuhört, ist es unerlässlich, die Situation zu entstressen. Selbst Pferde, die vollkommen cool wirken, können innerlich stark gestresst sein und deshalb ins Abspulen kommen. Das sind z.B. Pferde, die einem im Schritt durchgehen. Sie laufen einfach weiter und lassen sich nicht mehr anhalten. Die meisten dieser Pferde sind meiner Erfahrung nach nicht „stur“, sondern vor allem verunsichert und versuchen, etwas Richtiges zu tun.

Schritt 2  besteht deshalb darin, für Ruhe und Entspannung zu sorgen. Dafür gilt es, die eigenen Erwartungen und Ansprüche loszulassen und erst einmal nur dafür zu sorgen, dem Pferd zu vermitteln, dass alles ok ist. Hier lautet meine Botschaft an mein Pferd: „Wenn Du mir gerade nicht zuhören kannst, dann lass uns eine Pause machen.“

Achtung: Bei sehr nervösen und unsicheren Pferden ist allein das schon eine schwierige Aufgabe! Doch ohne ein Grundmaß an innerer Ruhe ist jedes Training Stress. Wer clickert, kann hier gezielt Ruhe und Entspannung clickern.

Habe ich das Abspulen auf diese Weise ruhig und liebevoll stoppen können, überlege ich, wie ich sinnvoll weitermachen kann:

  • Vielleicht ist es nötig, das Training ganz anders aufzubauen?
  • Brauchen wir mehr Freude und Spaßmomente?
  • Mehr Pausen?
  • Vielleicht überfordere ich mein Pferd mit dem, was ich will?
  • Arbeite ich mit zu viel Druck und zu wenig Lob?
  • Reagiere ich unbewusst unwirsch und streng auf Fehler?
  • Vielleicht habe ich ihm noch nicht verständlich machen können, worum es mir eigentlich geht?
  • Vielleicht kann es mir einfach auch nicht geben, was ich möchte und bietet mir deshalb etwas anderes an? 

Mit all diesen Fragen setze ich bei mir an, denn das Abspulen sehe ich als menschengemachtes Problem, das auch nur von der Menschenseite her gelöst werden kann. 

Schritt 3 beginnt mit Überlegungen, wie ich es meinem Pferd ganz praktisch leichter machen kann und wie ich es schaffe, das Training so zu gestalten, dass es nicht mehr in sein Abspulmuster fallen muss. Dazu gehören für mich diese Punkte: 

  • Fehler zu machen ist erlaubt! Sie werden nicht bestraft und nur wenn nötig, sanft korrigiert. 
  • Pausen sind mindestens so wichtig wie die Arbeit selbst, ich belohne also auch das gemeinsame Nichtstun. 
  • Ich freue mich über jede eigene Idee vom Pferd und sei sie noch so zaghaft. 
  • Ich versuche nichts zu erwarten und nichts vorauszusetzen, sondern schaue jeden Tag neu, wie die Stimmung ist.
  • Mein Ziel ist eine liebe- und freudevolle, humorvolle Grundstimmung, in der auch gelacht werden darf und das Pferd Faxen machen kann. 

Ich bin fest davon überzeugt: kein Pferd spult freiwillig ab. Das Abspulen ist für mich im besten Fall eine Verlegenheitslösung, in den meisten Fällen aber ein Ausdruck von innerer Unsicherheit und oft sogar Not. Und sehe es so, dass es in meiner Verantwortung liegt, dafür zu sorgen, kein Pferd überhaupt erst in eine Situation zu bringen, in der es glaubt, abspulen zu müssen.

abspulen_a

24. Mai 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Clickertraining, Freiarbeit, Longieren, Reiten, Umgang, Verhalten 2 Kommentare »

Die Arbeit an der Longe – Fallbeispiel 2: Zäh, mühsam und steif

Nach dem ersten Fallbeispiel zur praktischen Arbeit nach meinem Longenkurs, möchte ich hier nun wieder exemplarisch auf ein ganz typisches Problem beim Longieren eingehen:

Zäh, mühsam und steif

Ein 17-jähriger Welsh-Cob ist eher gemütlich veranlagt. Er schlurft über den Platz und lässt sich auch mit viel Mühe kaum motivieren. Im Hals bleibt er sehr starr und lässt sich kaum stellen. 

Wenn ein Pferd sehr schwer zu motivieren ist und steif und unbeweglich ist, mache ich mich immer zuerst auf die Suche nach möglichen Ursachen. Gibt es vielleicht körperliche Probleme, die seine Motivation bremsen und den starren Hals verursachen? Ein Pferd mit Schmerzen oder Beschwerden wird zwangsläufig zäh und unmotiviert sein. Liegt vielleicht ein Mineralstoffmangel vor? Ein Pferd wie diesen Wallach würde ich also zunächst immer erst einmal von einem guten Pferdphysiotherapeuten/Osteopathen und/oder einen Tierarzt untersuchen und wenn nötig behandeln lassen.

Sind körperliche Ursachen ausgeschlossen, schaue ich mir auch die Lebensumstände des Tieres kritisch an: Wird das Pferd artgerecht gehalten? Hat es Kontakt mit anderen Pferden, kann es sich frei bewegen, hat es Freude- und Spaßmomente in seinem Alltag? Und wie sieht es mit dem Futter aus, bekommt es genug zu fressen, um Energie zu haben?  Auch hier sollten wenn nötige Änderungen erfolgen, damit das Pferd wieder mehr Lebensfreude und Energie hat. 

Um die Motivation im Training selbst zu verbessern eignet sich aus meiner Sicht am besten das Clickertraining. Wichtig ist, die Pferde zu begeistern und herauszufinden, woran sie Spaß haben. Ewig eintöniges im Kreis laufen und ein Mensch, der in der Mitte steht und ständig treibt, nehmen vielen Pferden schnell jeden Spaß an der Sache! Ganz entscheidend ist auch, solche Pferde nicht müde zu arbeiten, denn so lernen sie nur, ihre Reserven noch mehr zu schonen.

Mit eher unmotivierten Pferden mache ich kurze, witzige Einheiten mit vielen Spielchen: Slalom longieren, Achten longieren, mit dem Pferd die lange Seite um die Wette laufen usw. Jedes Mehr an Vorwärts und jede positive Reaktion auf treibende Hilfen lobe ich begeistert. Ich habe immer wieder festgestellt, welchen großen Einfluss meine eigene Stimmung und Energie auf die Pferde hat, ich muss also gleichsam mit positiver Kraft in Vorleistung gehen und hoffe damit, auch das Pferd begeistern zu können. 

Bei der praktischen Arbeit wechsele ich dann häufig zwischen verschiedenen Arbeitsphasen: Auf der einen Seite nutze ich ruhige Schrittphasen mit gezielter Biegearbeit (Seitengänge) und einer Lockerung des Halses mittels Massagen und Dehnübungen. Hier lasse ich übrigens das Pferd zunächst das Tempo bestimmen. Ständiges Treiben führt bei eher phlegmatischen Pferden in der Regel zu immer mehr Abstumpfung.

Dann würde ich wieder eine peppige Phase einlegen, in der ich mit viel Energie und Freude versuchen würde, das Pferd zum frischen Laufen zu animieren. Hier würde ich zunächst den Schwerpunkt noch nicht auf die Laufhaltung legen, also nicht schon versuchen zu sehr an Biegung und Aufrichtung des Pferdes zu arbeiten. Hauptsache es kommt überhaupt erstmal ein Vorwärts, dass ich dann auch prompt begeistert lobe. Erst wenn das Pferd von sich aus gut vorwärts läuft und wieder Motivation und Freude an der Longe zeigt, würde ich den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Laufmanier legen. 

Wichtig ist, immer sowohl den Körper des Pferdes zu berücksichtigen, aber eben auch seine Stimmung. Beides beeinflusst sich wechselseitig: ein motiviertes Pferd läuft freier und lockerer und ein Körper, der sich gut anfühlt, weil er locker ist und nicht verspannt ist, führt zu mehr Motivation.  

fallbespiel2

3. Mai 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Jungpferdausbildung, Longieren 5 Kommentare »

Erfahrungsbericht zum Longenkurs von Anne

Der Longenkurs für kleine Hektiker
– ein Erfahrungsbericht von Anne und ihrem Pferd Pia

Hier geht es zum Video von Anna und Pia.

Pia ist mein Herzenspferd. Bis ich sie kennen lernte, hätte ich nicht gedacht jemals ein eigenes Pferd zu haben. Ich reite seit ich 11 Jahre alt bin, also nun seit 20 Jahren. Dabei war ich als Schulpferdereiter ganz zufrieden mit einem Mittelmaß an Reitspaß und einem Mittelmaß an Verantwortung.

Dann kam Pia. Ihr schöner Name steht im wahrsten Sinne für „Pony in action“ – PIA. Als ich Pia gekauft habe, war sie sieben Jahre alt. Für fast drei Jahre war sie im Schulbetrieb eines Reitvereins. Dieser Job hat bedeutet, dass sie zwei bis drei Reitstunden je Tag hatte, darüber hinaus kam sie nur selten raus. Im Sommer war sie höchstens ein bis zwei Stunden allein auf einer kleinen Mini-Koppel. Auf dem Platz und in der Halle wurde Pia dann heiß, das heißt schnell. Ihr einziger Weg aus dem Nicht-Verstehen war die Flucht nach vorne. Das gipfelte darin, dass regelmäßig nach einer Reitstunde, wenn man entspannt im Schritt abreiten wollte, Pia im Schritt immer schneller wurde. Immer schneller, bis sie irgendwann von alleine in den Trab fiel. Auch da wurde sie immer schneller, bis sie irgendwann von alleine anfing zu galoppieren. Ohne kurzen, engen Zügel war ihr nicht zu vermitteln, dass sie einfach entspannen sollte. Das führte dazu, dass sie wieder verkauft werden sollte.

Wäre sie gegangen, hätte ich den größten Liebeskummer meines Lebens gehabt. Also kaufte ich sie.

Erste Bodenarbeit mit einigen Tiefpunkten

Von Anfang an wollte ich alles richtig machen. Ich begann noch vor der Kaufentscheidung mit simpelster Bodenarbeit, also etwas Grunderziehung vom Boden aus. Schon bei Übungen wie Schritt – Halten – Schritt – Halten war Pia sehr nervös. Sie wollte verstehen und konnte nicht. Ihr „Ich versteh nicht was du meinst“ endete immer in Kopflosigkeit. Bei der Bodenarbeit fing sie an zu steigen.

Pia’s Umzug in einen neuen Stall brachte soziale Kontakte und viel mehr Licht, Luft und Weidegang. Rückblickend ist Pia aber nun einmal Pia und die Haltung hat weniger dazu beigetragen aus ihr ein gelassenes Pferd zu machen als die richtige Ausbildung und der ruhige, bestimmte Umgang mit ihr. Aber selbstverständlich ist alles ein Gesamt-Paket und eine artgerechte Haltung ist elementar. Da sie diese im Schulbetrieb nicht bekommen hatte, waren zu Beginn Umwelteinfüsse jeder Art eine immense Reizüberflutung. Ich fing an mit ihr Spaziergänge auf dem Vereins-Gelände zu machen. Anfangs nicht mehr als 100m weg vom Stall. Jeden Tag 10m mehr. Dann auch mal erste Versuche in den angrenzenden Wald. Nach langer Zeit, in der Pia ausschließlich die Halle und die Gitterbox von innen gesehen hatte, war das für sie zu viel. Es ging schließlich nur mit langem Bodenarbeitsstrick, Gerte, Trensenzaum, Handschuhen und Bachblüten-Rescue-Tropfen für sie und für mich.

ap1

Nach vielen Einheiten, in denen Pia im Galopp um mich herum gerast ist, kann ich heute sagen, dass sich die Geduld gelohnt hat. Ich arbeitete permanent an meinem inneren OHM und erkannte kleine Erfolge großzügig an.

Ich stieß dann auf die Online-Angebote von Tania und Babette und hatte Glück, dass Babette mehrmals im Jahr eine halbe Stunde von uns entfernt Live-Longenkurse gibt.

Erster Kurs mit Babette

Wir bereiteten uns etwa vier Wochen auf den ersten Live-Kurs bei Babette im März 2013 in Heidelberg vor. Ein Führen in Stellung konnten wir tatsächlich auch in fremder Umgebung abrufen. Das war ein Erfolg! Von Anfang an mochte Pia die Hand auf der Nase nicht sonderlich. Sie spannt sich sehr an und fängt gern an zu schnappen, wenn ihr die Hand zu nahe kommt oder der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe zu hoch wird.

Im ersten Kurs war sie dann erstmals mit Dualgassen konfrontiert und mit ersten Versuchen, auf geringe Distanz zu longieren. Pias Überforderung zeigte sich deutlich. Ein kleines Wildpferd sprang da um uns herum. Ich musste in der Folgezeit lernen, ganz viel auszuatmen. Ich war ehrgeizig, wollte ich doch meinem Pferdemädchen dabei helfen, gelassener zu werden.

Wir longierten drei bis viermal pro Woche. Am Anfang dachte ich, das wird nie was. Über Wochen! Ich sah keine Erfolge. Konnte mich aber zurückhalten, erbost zu werden oder aufzugeben. Was hätte es gebracht? Ich konnte trotzdem spüren, dass das unser Weg ist. Und ganz plötzlich, drei Monate nach dem ersten Kurs bekam ich von Pia eine positive Antwort auf mein Locken an der Longe auf etwa zwei Meter Distanz. Sie sagte „So, soll ich machen? So?“ und bot eine super feine Stellung an. Der Himmel auf Erden!

ap2

Von da an gab es kein Halten mehr. Wir starteten einen Dialog. Der war immer wieder holprig, aber allmählich sagte Pia nicht mehr so oft „Ich weiß nicht, was du von mir willst und ich kann das nicht“ sondern sie sagte „Was soll ich machen? So oder so?“ Ein ganz anderes Arbeiten!

Zeitgleich folgte ich Babettes Rat und begann beim Longieren zu clickern und mit Futterlob zu arbeiten. Außerdem stieg ich auf Babettes Kappzaum um, der Pia ein sichtbar besseres Gefühl gab und mir die Sicherheit, stets die weichest mögliche Verbindung zu behalten. Im Jahr 2013 waren wir insgesamt dreimal bei einem Live-Kurs mit Babette. Die Fortschritte waren beachtlich. Wir wurden einfach ein besseres Team.

ap3

ap4

Viele Lernziele auf einmal

Zeitgleich war es nicht sinnvoll möglich, mit Pia auszureiten. Niemals war es ein alleinstehender Umweltreiz, der sie zu sehr stresste. Ein Traktor war ok. Eine Gruppe Radfahrer, ok. Aber wenn zu viel nacheinander kam, dann war ihr Speicher irgendwann voll. Und dann kam erneut die Kopflosigkeit. Die zeigte sich, indem Pia nicht mehr vorwärts, sondern nur noch im Stechschritt rückwärts ging. Bei völlig losgelassenem Zügel half nichts. Die anderen Pferde ritten weg, warteten, kein sanfter, kein kräftiger Schenkeldruck… Es blieb mir nur, sie nach Hause zu führen. Ein Pferd neben mir, das auf dem Heimweg hochsensibel auf meine Signale reagierte und eindeutig meine Hilfe brauchte.

Wir intensivierten unsere Spaziergänge. Immer neue Strecken, immer andere Strecken. Ich bestand auf guter Erziehung. Ab und an war Pia aufgeregt und drängelte. Ich duldete das nicht, schickte sie immer wieder auf Abstand. Außerdem verknüpfte ich die Spaziergänge mit Bodenarbeitsübungen, darunter viele Anregungen aus Babettes Blog. Ich möchte behaupten, viele Dinge intuitiv richtig gemacht zu haben, und gewann immer mehr Pias Vertrauen. Und sie meins.

Auch im zweiten gemeinsam Jahr besuchten wir mehrere Kurse bei Babette. Sowohl die Longier-Einheiten als auch der sonstige Austausch brachten immer sehr wertvolle Impulse für die nächsten Monate zu Hause. Ich weiß noch, wie mich ein anderes Lehrgangspferd mit dem gelockten Travers an der Bande beeindruckte. Das wollte ich auch. Ich arbeitete recht konsequent nach dem Longenkurs von Babette und näherte mich diesem Ziel.

ap5

Da ich Ende 2013 schwanger wurde, mochte ich nicht mehr ausreiten, ritt aber weiter in der Halle und longierte weiterhin viel. Wir nahmen in dieser Zeit zweimal an Kursen teil. Unsere Basis wurde immer stabiler, Pia immer lockerer.

Gleichzeitig zeigten sich selbstverständlich unsere Dauerbaustellen immer besser. Das wäre zum einen die Toleranz der Hand auf dem Kappzaum-Naseneisen. Das mag Pia einfach nicht. Ich fürchte, ich war auch mal zu fest in meiner Hand. Daher setzen wir das nur in homöopathischen Dosen ein und regelmäßig üben wir, entspannt den Hals fallen zu lassen mit Hand auf der Nase im Stand. Ich sage dazu „Ohm“, massiere gegebenenfalls den Hals und lobe, was das Zeug hält, wenn ich eine positive Antwort bekomme.

ap6

Plötzlich Freiarbeit

Anderthalb Jahre nach meinem Beginn mit dem Longenkurs ließ ich Pia in der Halle frei laufen, da ich spät am Stall war und keine Zeit für andere Beschäftigung war. Ich wollte Pia noch einmal fortschicken und da bot sie mir etwas Stellung und Biegung auf einer Volte um mich herum an. Ich nahm das wahr, lobte sie mit Leckerli und fragte sie nach einer Wiederholung. Die Antwort war genial. „So soll ich machen, so? Ok, das kann ich tun.“ Das war unsere erste Freiarbeit!

Wir haben das nie viel gemacht. Immer hab ich ein bisschen befürchtet, enttäuscht zu werden. Aber wenn man nur mal für ein paar Sekunden sieht, was möglich ist, dann macht es süchtig. Ich begann selten, aber doch ab und an in der Halle die Quadratvolte aufzubauen und versuchte, Pia frei ohne jedes Hilfsmittel dort durch zu „longieren“, besser zu navigieren. Das Clickertraining ist an dieser Stelle Gold wert. Pia hatte schon immer viele Ideen und hat bei mir gelernt, dass sie sie einbringen darf. In Kombination mit einer soliden Ausbildung an der Longe brauchte es gar nicht viel, auch in Freiarbeit weiterzukommen.

ap7

Lebenslanges Lernen mit Pia

Zu Beginn unserer Longenarbeit kommunizierte Pia oft mit mir, wenn sie fand, dass sie etwas gut gemacht hat. Sie brummelt dann und sagte „Brummel brummel, hab ich doch gesagt, ich hab das gut gemacht.“ Auch heute macht sie das noch bei Lektionen, die sie als besonders schwer empfindet. Aber es kommt kein „Nein“ mehr, kein „Das kann ich nicht“ und das ist so unglaublich schön.

Letzten Sommer sind wir wieder ausgeritten. Erst nur mit Pia’s Paddock-Partner, mittlerweile sogar mit mehreren Pferden. Auch hier ist es noch ein weiter Weg bis zu wirklicher Gelassenheit. Aber die vergangen drei Jahre zeigen mir, dass alles geht.

Danke Babette, für die gute Wegbegleitung. Dein Kurs ist ein super Selbstlernkurs und die Live-Kurse mit dir sind eine echte Bereicherung. Wir bleiben dir treu. Wir haben ja noch Ziele. 😉 Wie wäre es bald mal mit einem Galopptravers? Und an den einfachen Galoppwechseln an der Longe wollen wir auch noch arbeiten ….

Danke Pia, ich bin durch dich ein besserer Mensch. Ich liebe dich.

ap8

19. April 2016 von Gastautor • Kategorie: Freiarbeit, Longieren 11 Kommentare »

Sehen lernen leicht gemacht

Oft wird uns die Frage gestellt, wie man beim Longieren von der Zirkelmitte aus sehen kann, ob das Pferd z.B. auf die innere Schulter fällt und auf der Vorhand läuft oder ob es es sich korrekt stellt und biegt. Die Antwort lautet: indem Sie es gezielt üben! Und wie Sie das am besten tun können, verraten wir Ihnen hier. 

Die Möglichkeit der Selbstanalyse

Das Laufverhalten eines Pferdes aus der Position des Longierenden zu beurteilen, ist schwieriger als von außen. Deshalb raten wir dazu, eine Kamera zu nutzen und hin und wieder eine Longiereinheit zu filmen, um sie dann später in Ruhe anschauen und beurteilen zu können. Zum einen können Sie auf diese Weise sehr gut einen Eindruck der Gesamtstimmung bei Ihrer Arbeit gewinnen und Sie können nach Fehlern und Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf Ihre Longiertechnik suchen.

Um die Laufmanier Ihres Pferdes besser überprüfen können, bietet Ihnen ein Video die Möglichkeit, jederzeit die Standbildeinstellung zu wählen und damit sehr genau anschauen zu können, wie das Pferd läuft. In ein solches Standbild können Sie sich (gedanklich oder tatsächlich) Hilfslinien einzeichnen, so wie wir sie auch im Longenkurs in den Beispielbildern eingezeichnet haben, und auf diese Weise die Haltung Ihres Pferdes im Nachhinein beurteilen. theorie1

Gezielt das Sehen üben

Um nun aber auch direkt bei der Arbeit immer besser die Haltung des Pferdes erkennen zu können, gibt es noch einen Trick: Geben Sie sich selbst in die Kamera hinein Feedback und überprüfen Sie später Ihre Einschätzung.

Nehmen wir an, Sie möchten sehen lernen, ob Ihr Pferd gerade auf die innere Schulter fällt oder schön aufgerichtet ist. Dann longieren Sie Ihr Pferd und lassen die Kamera mitlaufen. Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Pferd gerade in guter Balance ist, also weder auf die innere Schulter fällt, noch über die äußere Schulter wegläuft, zeigen Sie kurz zur Kamera hin mit Ihrem Daumen nach oben oder Sie nicken sichtbar mit dem Kopf. Wenn Sie hingegen den Eindruck haben, dass das Pferd gerade auf die innere Schulter fällt und in schlechter Balance läuft, zeigen Sie mit Ihrem Daumen nach unten oder schütteln sichtbar den Kopf. Zu Hause können Sie dann anhand der Aufnahme und ggf. Standbildern genau überprüfen, ob Ihre Einschätzung richtig war oder nicht. 

Merke: Sehen lernt man durch viel „sehen lernen üben“ 😉 – wenn Sie Ihre Einschätzung regelmäßig in dieser Weise überprüfen, werden Sie feststellen, dass Sie immer häufiger richtig liegen! 

4. April 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Longieren, Sonstiges 1 Kommentar »

Die Arbeit an der Longe – Fallbeispiel 1: das hektische Pferd

Mit meinem Longenkurs gebe ich eine sehr praxisorientierte Anleitung für das korrekte Longieren nach biomechanischen Grundsätzen und zeige darin kleinschrittig, wie sich das gute Laufen erarbeiten lässt. In der Praxis zeigen sich dann oft recht ähnliche Probleme oder Herausforderungen und so denke ich, dass es für viele von Ihnen hilfreich ist, wenn ich hier hin und wieder anhand von Praxisbeispielen aufzeige, wie ich mit ihnen umgehe. 

Alles zu hektisch!

Eine junge Warmblutstute wirkt an der Longe sehr nervös. Sie gibt zwar schnell im Genick nach, drängt aber auch immer wieder nach innen und zeigt kurze, hektische Tritte. 

So gehe ich vor:

Zunächst muss die innere Losgelassenheit des Pferdes erarbeitet werden und dafür muss ich als Longierende viel Ruhe in die Einheiten bringen. Mittels Führübungen wie z.B. das „Führen in Stellung“ und mit beruhigenden Übungen wie das Kopf tief arbeite ich ein nervöses Pferd erst einmal solange, bis es ruhig im Schritt auf etwas Distanz zu mir gehen und sich immer besser entspannen kann. Erst dann lasse ich das Pferd für ein paar Schritte ruhig antraben und pariere es gleich wieder durch, möglichst, bevor das Pferd wieder hektisch oder zu schnell geworden ist.

fis

Ruhe vor allem anderen

Bleibt das Pferd im Trab entspannt und ruhig, darf es im Trab bleiben. Ich gehe mit ca. drei Metern Abstand neben dem Pferd auf Kopfhöhe mit und wirke beruhigend auf das Pferd ein. Meiner Erfahrung nach wirke ich beruhigend auf Pferde, wenn ich mich selber etwas klein mache und mit leisen, beruhigenden Worten mit dem Pferd sanft rede. Grundsätzlich gilt, dass Sie die Energie ausstrahlen sollten, die Sie sich vom Pferd wünschen. Um zu beruhigen, strahlen Sie also so viel Gelassenheit und Ruhe aus, wie nur möglich. Stellung und Biegung können zu diesem Zeitpunkt noch vernachlässigt werden, zunächst muss das Pferd gelernt haben, wirklich stabil losgelassen neben dem Menschen zu traben. In den Momenten, in denen das Pferd nach innen drängt, gebe ich mit einer Gerte oder einer kurzen Fahrpeitsche langsame, vorsichtige Berührungen an die Schulter, bzw. bei sehr sensiblen Pferden reicht oft auch schon das Hinzeigen mit der Gerte zur Schulter des Pferdes.

Achtung: Das Pferd darf dadurch nicht wieder Stress bekommen! Ist das der Fall, wurde die Hilfe zu schnell und/oder zu stark gegeben. Auf keinen Fall darf das Pferd Angst vor der Hilfe haben.

Hilfe durch eine innere Bande

Sehr hilfreich ist für solche Pferde auch die Arbeit mit einer inneren Bande aus Dualgassen. Diese Bande hilft dem Pferd, seine Lauflinie zu halten, wodurch das Hereindrängen auch ohne viele Hilfen oft gut verhindert wird.

Hält das Pferd dann seine Lauflinie auf dem Kreis und trabt ruhig auf dem Zirkel, beginne ich damit, mit weichen Impulsen an der Longe um etwas mehr Stellung zu bitten. In Kombination mit der Gertenhilfe zur Schulter sollte sich das Pferd im Laufe der Zeit immer mehr aufrichten und biegen lassen. Jede richtige Idee des Pferdes, sich im Genick zu stellen, die innere Schulter anzuheben und sich zu biegen, lobe ich begeistert.

Bleibt das Pferd ruhig und hat sich die Haltung verbessert, verlängere ich langsam die Longe und versuche behutsam mit etwas mehr Energie und vorsichtig treibenden Hilfen die Hinterhand des Pferdes aktiver zu machen und die Schritte des Pferdes zu vergrößern. Gerät das Pferd dabei wieder in Hektik, muss der Mensch das Pferd erst wieder beruhigen. Klappt das im Trab nicht, geht man wieder zurück zur Schrittarbeit. Ist das Pferd wieder entspannt, versucht man es erneut und geht erst über das ruhige Antraben wieder in die Trabarbeit.

Bei nervösen Pferden, egal welchen Alters, empfehle ich also grundsätzlich dieses schrittweise Vorgehen:

  • Ruhe und Losgelassenheit erarbeiten
  • an der Verbesserung der Haltung feilen,
  • dann die vorsichtige Vergrößerung der Distanz zum Menschen und
  • erst dann das Erarbeiten von Schwung und einem frischen Vorwärts.

Und hier finden Sie Fallbeispiel 2: Mühsam, zäh und steif

29. März 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Jungpferdausbildung, Longieren 4 Kommentare »

Doppellonge mal anders: das Fahren vom Boden

Auf unseren Beitrag zum Thema Bodenarbeit mit Pferden haben wir einen Beitrag von Gesine bekommen, der sicher eine schöne Inspiration für viele ist, die mal Lust darauf haben, am Boden etwas Neues auszuprobieren. Wir selbst kennen das unter „Langzügelarbeit“ bzw „Fahren vom Boden“ und stellen das ausführlich in unserem Aufbaukurs zum Longenkurs vor. Diese Arbeit ist grundsätzlich eine wirklich nette Ergänzung zu den bereits bekannteren Bodenarbeitsweisen und eignet sich hervorragend dazu, (auch, aber nicht nur nicht-reitbare) Pferde fit zu halten.

fabHier also nun Gesines Text:

Die Arbeit an der Doppellonge kennt man ja; hier in Norwegen bin ich aber einer ein bisschen anderen Art der Doppellongen-Arbeit begegnet, die hier für viele, besonders Jungpferde in der Ausbildung, egal ob zum Reit- oder Fahrpferd, angewandt wird. Genannt wird das tømmekjøring, ”Fahren mit Leinen”, oder besser:  Fahren ohne Wagen. Natürlich wird das erstmal in der Bahn geübt, das Pferd an die Leinen gewöhnt, an die Führposition hinter dem Pferd und grundlegende Kommandos. Manche hören da auch schon wieder auf, aber dann, finde ich, wird es erst spannend. Dann geht es nämlich raus, auf die Wege, rauf und runter, rechts und links.

  • Vorteile gegenüber dem Führen: Das Pferd hat mehr Platz um sich herum, man kann schmale Wege entlang balancieren, es macht nichts, wenn das Pferd mal zur Seite hüpft; es bekommt dann nicht automatisch einen Ruck am Strick oder hüpft einen selbst über den Haufen, es kann seinen Weg in unebenem Gelände selber suchen. Auf offenen Flächen kann man auch gerne mal eine Runde oder zwei um Trab doppel-longieren, wenn man denn möchte.
  • Vorteile gegenüber dem Fahren: Man braucht keinen Wagen 🙂 Man kann alle möglichen Wege und Pfade entlanggehen, man kann im Wald klettern, ohne das Pferd zu behindern, ein paar unkontrollierte Bewegungen des Pferdes bringen einen nicht gleich in Lebensgefahr. Man kann Steigungen zum Intervall-Training nutzen, ohne dass das Pferd Gewicht ziehen muss. Dabei kann man das Pferd quasi nicht physisch überfordern, denn man läuft ja selber jeden Meter mit, und normalerweise haben unsere Pferde uns ja einiges voraus in Sachen Kondition 😉
  • Vorteile gegenüber dem Reiten: Das Pferd kann sich ohne Gewicht bewegen, man ist auf minimale Hilfengebung angewiesen, das Pferd lernt, selbständig Gefahrensituationen einzuschätzen. Reiter, die nicht hundertprozentig ausbalanciert sitzen, können so trotzdem Natur und Landschaft gemeinsam mit ihrem Pferd genießen. Man selbst lernt, sehr kleinschrittig zu trainieren, denn sollte man das Pferd mental überfordern – wird es z.B. nicht an Autos gewöhnt, bevor man an die Landstraße geht o.ä. – ja, dann geht man alleine nach Hause. Aus meiner Erfahrung ist es nicht möglich, ein Pferd an den Leinen zu behalten, wenn es das nicht will, weder mit Halfter, Sidepull noch mit Trense. (Die Verwendung von schärferen Gebissen oder Zäumungen schließt sich eh aus.) Also empfehle ich, mit einem leichten Zaum ohne Gebiss zu arbeiten, damit, wenn das Pferd mal tatsächlich auf dem Hacken kehrt macht und nach Hause rennt, es nicht zu Verletzungen im Maul kommt, sollte das Pferd auf die Leinen treten.

Herzlichen Dank an Gesine und nun die Frage in die Runde: Wer hat damit schon Erfahrungen gemacht und mag berichten? Gibt es Tipps oder weitere Anregungen? Wir sind gespannt!

14. April 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Arbeit an der Hand, Jungpferdausbildung, Longieren 12 Kommentare »

Eine Übung für das gesetzte Angaloppieren

Hier bei „Wege zum Pferd“ geht es immer wieder um das gute Laufen des Pferdes (s. z.B. hier und hier). Ein Pferd soll idealerweise korrekt gestellt und gebogen sein, der Rücken soll schwingen und es soll Last mit der Hinterhand aufnehmen und losgelassen und in Balance laufen können – und das in allen Gangarten.

Während viele sich das mit ihrem Pferd im Schritt und Trab recht gut erarbeiten können, zeigen sich im Galopp häufig größere Probleme. Hier nämlich kommt es sehr schnell zu einem Balanceverlust und das Pferd versucht, sich ins Tempo zu retten, stürmt also los. In unserem Longenkurs empfehlen wir, zunächst nur das Angaloppieren zu üben, also wirklich nur die ersten Galoppsprünge und nicht mehr, um das heillose Davonstürmen zu vermeiden. Sehr gut unterstützen lässt sich das mit der folgenden Übung.

Das Angaloppieren aus dem Schulterherein

Für uns stehen die Seitengänge in der Ausbildung vor dem Galoppieren an, wir erarbeiten uns also z.B. das Schulterherein schon sehr früh. Bereits in der stellenden und biegenden Longenarbeit fragen wir ein leichtes Schulterherein ab, um z.B. das innere Hinterbein zum vermehrten Untertreten anzuregen. Zuerst nur im Schritt, dann aber auch im langsamen Trab. Das Schulterherein kann dann sehr gut durch die Arbeit an der Hand weiterentwickelt und auch unter dem Sattel erarbeitet werden.

Wenn Ihr Pferd das Schulterherein beherrscht, können Sie folgende Übung probieren – und das sowohl an der Longe als auch geritten:

  • Lassen Sie das Pferd ganze Bahn im Schulterherein traben.
  • An der nächsten langen Seite nutzen Sie den Mittelzirkel (damit haben Sie genug Strecke, um ein lockeres Schulterherein zu erarbeiten, später können Sie auch auf einen normalen Zirkel gehen), um im Moment des Abwendens sanft die Galopphilfe zu geben – wichtig: das Pferd soll auf dem Zirkel nicht mehr im Schulterherein galoppieren, sondern dort dann einfach der Zirkellinie entsprechend korrekt gebogen.
  • Freuen Sie sich über jeden Galoppimpuls des Pferdes – es muss noch gar nicht richtig angaloppieren, sondern soll erst nur verstehen, dass es aus dem Schulterherein angaloppieren soll und das möglichst ohne loszustürmen.
  • Auf dem Hufschlag gehen Sie wieder Trab, führen das Pferd behutsam zurück ins Schulterherein und lassen es wieder ganze Bahn gehen.

sh_galoppBitte schön locker und ohne große Erwartungen

Der Wechsel von Schulterherein und Angaloppieren ist sowohl für Sie als Reiter/in als auch für das Pferd eine anspruchsvolle Lektion. Geben Sie sich also beiden Zeit, die Aufgabe zu bewältigen. Vermeiden Sie jede Hektik und werden Sie nicht unwirsch, wenn Ihr Pferd beim Abwenden losstürmt, sondern setzen Sie wieder neu an. Geben Sie sich zu Beginn damit zufrieden, dass Ihr Pferd nur einen Galoppimpuls zeigt und loben Sie es ausgiebig, wenn es sich vom Tempo her leicht wieder einfangen lässt.

Üben Sie auch bitte nicht zu lang und oft, denn diese Aufgabe kostet viel Kraft und Konzentration. Bauen Sie die Übung lieber immer mal wieder zwischendurch ein, so als würden Sie einfach aus Interesse die Frage stellen: „Lass uns doch mal schauen, ob du vielleicht aus dem Schulterherein angaloppieren kannst?“ Nach und nach wird Ihr Pferd diese Frage immer öfter mit „Ja, kann ich!“ beantworten und Sie werden einen immer schöneren, gesetzten Galopp erleben dürfen.

Tipp: Probieren Sie auch aus, aus dem Schritt im Schulterherein anzugaloppieren.

17. März 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Longieren, Reiten, Übungen 3 Kommentare »

  • Herzlich willkommen im Themenbereich „Longieren“

    Vor allem Babette hat sich vor einigen Jahren auf das Thema Longieren spezialisiert. Gemeinsam haben wir den Longenkurs und den Aufbaukurs zum Longenkurs erstellt. In dieser Kategorie finden Sie unsere Artikel und Tipps zum Thema Longieren in chronologischer Reihenfolge.

    Die Termine zu Babettes Live-Kursen finden Sie hier.

    Und hier geht es zu unserem Buch bei Kosmos:

  • Praktische Hilfe gesucht?

    Wir bieten Ihnen auch persönliche Unterstützung für Sie und IhrPferd – Bitte hier klicken.

  • Kategorien

  • Neueste Beiträge

  • Neueste Kommentare

  • Archive

  • Meta