Wie sinnvoll sind Methoden in der Pferdewelt?

Ausbildungs-, Reit- oder Erziehungsmethoden faszinieren und begeistern viele von uns, denn Methoden versprechen, dass wir nur Das-und-das machen müssen, damit wir Dieses-und-jenes erreichen. Methoden erscheinen oft sehr logisch und vermitteln uns das Gefühl, dass wir durch sie wissen, was das „Richtige“ ist.

Genau damit sind wir aber auch schon mitten im Problem, denn Methoden können leider nie allgemein, sondern immer nur punktuell „richtig“ sein, da sie zwangsläufig auf einer Vereinfachung von sehr komplexen Prozessen basieren. Und so ist es leider eine oft schmerzliche Illusion, dass uns eine Methode zuverlässig zu dem bringen kann, was wir uns wünschen – und das gilt für alle Bereiche unseres Lebens, aber eben vor allem auch in der Pferdewelt. Hier haben wir es ja nicht nur mit uns selbst zu tun, sondern mit einem anderen, komplexen Wesen und darüber hinaus mit einer noch komplexeren Wechselwirkung (auch Beziehung genannt).

Für mich gilt:

Methoden können uns wichtige Bausteine liefern,
aber nie den ganzen Weg bereiten.

Und das hat einen ganz simplen Grund: Jeder Weg ist anders und muss es auch sein, denn jedes Pferd ist anders, jeder Mensch und natürlich auch jede Kombination von Pferd und Mensch. Hinzu kommen dann noch jeweils verschiedene Lebensphasen, die Tagesform, Stimmungen, Einflüsse von außen und anderes mehr. Es liegt auf der Hand, dass jede Methode naturgemäß zu kurz greifen muss, denn kein noch so ausgefeiltes System kann all das berücksichtigen. Meiner Erfahrung nach entsteht aus der Vorstellung, dass wir nur dem folgen müssen, was uns ein „Experte“ rät, was wir in einem Buch gelesen oder auf einem Seminar gehört haben, und dass wir nur ganz bestimmte Dinge vielleicht noch in einer bestimmten Reihenfolge tun müssen, damit etwas mit dem Pferd funktioniert oder es ihm besser geht, viel Not, einfach deshalb, weil das, wenn überhaupt, nur teilweise klappen kann. Oft wird aber eine Methode um jeden Preis weitergeführt, sei es, weil man sich selbst nicht traut, sie abzuwandeln oder weil alle anderen es doch auch so machen oder weil man vielleicht schon einiges an Geld und Zeit investiert hat. 

Der Ausweg aus dem Dilemma ist, Methoden viel, viel mehr als Anregungen zu sehen und als Quellen von Ideen und Möglichkeiten, aber eben nicht als Weg an sich. Denn in dem Moment, in dem wir den Mut finden, uns von allgemeinen Vorgaben, Ratschlägen und Methoden zu lösen, wird überhaupt erst der eigene Weg möglich. Denn dann stellen wir uns Fragen, wie:

  • Was habe ich denn eigentlich wirklich für ein Pferd? – statt: Was würde ich gerne für eines haben?
  • Was kann ich wirklich geben und leisten? – statt: Wozu bringe ich mich, weil ich denke, ich muss?
  • Was braucht mein Pferd und was brauche ich?  – statt: Was sagen andere, dass mein Pferd und ich brauchen?
  • Worum geht es uns wirklich? – statt: Was geben mir andere vor, worum es gehen soll?

Und das sind Fragen, die wirklich weiterbringen. 

Tipp: In der neuen Pferde-Community Dein Weg zum Pferd geht es genau darum, den Mut und die Kraft für den eigenen Weg zu finden – schaut mal vorbei.

Methoden in der Pferdewelt

14. Dezember 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Longieren, Reiten, Umgang, Verhalten 1 Kommentar »

Sag ja zu Deinem Weg! – Inspiration des Monats

Mit der  Rubrik Inspiration des Monats nehme ich mir jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das ich Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denke ich, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sag ja zu Deinem Weg!

Wir haben Pferde, weil wir sie lieben und weil sie uns glücklich machen. Doch nicht immer läuft alles glatt, im Gegenteil: Sorgen um unser Pferd können uns das Leben genauso schwer machen, wie auftretende Probleme, Fehler, die wir machen, zunehmende Ratlosigkeit, Überforderung und anderes mehr.

Oft verlieren wir gerade in den schwierigen Phasen viel kostbare Energie dadurch, dass wir hadern – mit der Situation, mit dem Pferd, mit uns selbst. Wir wünschen uns dann alles anders und kämpfen ein Stück weit gegen die Wirklichkeit, statt das anzunehmen, was ist: und zwar als Teil unseres Weges.

Auch wenn sich das natürlich keiner wünscht, so sind es oft die holprigen Wegstücke und auch die Irrtümer und Irrwege, die uns im Nachhinein weitergebracht haben. Sie tun das dann, wenn wir bereit sind, aus ihnen zu lernen und sie zu nutzen, um zu wachsen und uns weiterzuentwickeln. Den Weg als solchen zu genießen, egal wie er verläuft, und immer wieder bewusst dankbar für das zu sein, was ist, kann viel Hoffnung, Kraft und Trost in schwierigen Zeiten schenken. Und unserem Pferd können wir auf diese Weise vermitteln, dass wir es trotz allem lieben, und es nicht vor allem eine Belastung ist … 

Deshalb: Schau mit ganz viel Liebe, Nachsicht und Dankbarkeit auf Dich und Dein Pferd und nimm Deinem Weg mit Deinem Pferd ganz bewusst an –  er ist einzigartig.

Ja zum eigenen Weg

30. November 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Sonstiges, Umgang 2 Kommentare »

Echtes Vertrauen ist oft unspektakulär

Wenn es um das Thema „Vertrauen“ geht, dann werden oft spektakuläre Dinge gezeigt:

  • Pferde, die durch Feuerreifen springen. 
  • Pferde, die mit unzähligen Gegenständen behangen oder konfrontiert werden. 
  • Pferde, die nicht mal mit der Wimper zucken, wenn Peitschen laut neben ihnen geknallt werden.
  • Reiter/innen, die auf dem blanken Rücken steigender Pferde sitzen. 
  • Reiter/innen, die im rasenden Galopp über Felder fliegen. 
  • Reiter/innen, deren Pferde monströse und gefährliche Hindernisse überwinden und dergleichen mehr… 

Nun mache ich mir wahrscheinlich nicht nur Freunde, wenn ich sage: Ja, solche Bilder können auch etwas mit Vertrauen zu tun haben, aber leider ist genau das aus meiner Erfahrung heraus oft nicht der Fall! Häufig wird es so dargestellt, dass vieles nur möglich ist, weil das Pferd seinem Menschen „ach so sehr vertraut“ und dann sind natürlich alle beeindruckt von dem Trainer oder der Reiterin. Meine Erfahrung ist aber die: Man kann Pferde zu unglaublichen Sachen bringen und das unabhängig davon, ob sie dem Menschen vertrauen oder nicht. Die meisten Pferde lassen sich mit genug Druck (also Krafteinsatz durch Sitz, Schenkel, Sporen und Gerte, aber auch psychischen Druck) über kurz oder lang durch ein Feuer treiben, an allen möglichen gruseligen Dingen vorbei oder auch über bedrohlich wirkende Sprünge, und viele Pferde lernen, alle möglichen Dinge zu ertragen, auch wenn sie innerlich am liebsten einfach nur weglaufen würden. Leider hat all das nichts mit Vertrauen zu tun, sondern mit einer Reaktion auf Druck und Zwang – siehe dazu auch meinen Text zur erlernten Hilflosigkeit

Meine große Bitte an Euch „ganz normale“ Pferdebesitzer/innen: Lasst Euch nichts von schönen Worten und tollen Aufnahmen vormachen, sondern seid bereit, immer einfühlsam auf die Pferde zu achten. Stress und Angst äußern sich bei Pferden oft sehr subtil (siehe dazu auch „So unterschiedlich zeigen Pferde Stress„). Fotoaufnahmen, im richtigen Moment gemacht, können den Eindruck von Vertrauen vermitteln, obwohl sie eigentlich in einer stressvollen und sogar angstbesetzten Atmosphäre entstanden sind. Videos, die beweisen wollen, dass man mit dem Mittel der Desensibilisierung auch Pferde, die sich stark gegen einen Reiz wehren, „zum Vertrauen bringen kann“, zeigen leider in Wahrheit oft das Gegenteil: nämlich Pferde, die aufgeben (siehe dazu auch „Missverstandenes Anti-Scheu-Training„). „Wilde Pferde“ zu zähmen, macht in den Social Media natürlich mehr her, als ein wirklich vertrauensvolles, entspanntes Pferd… Und deshalb ist sehr wichtig, dass wir hier viel genauer hinschauen und lernen, die Anzeichen für Stress und Angst bei Pferden erkennen, um nicht mitzujubeln, wenn ein Pferd eigentlich in Not ist. 

Echtes Vertrauen

Vertrauen zeigt sich für mich nicht darin, ob ich es schaffe, ein Pferd meinem Willen zu unterwerfen und es bereit ist, für mich großen Stress auszuhalten, sondern echtes Vertrauen führt dazu,

  • dass sich ein Pferd bei mir wohl und sicher fühlt,
  • dass es Gutes erwartet, 
  • dass es weiß, dass ich gut aufpassen werde, dass es nicht überfordert wird und
  • dass es sich deshalb aus sich heraus immer mehr zuzutrauen beginnt.

Und um das zu erreichen, finde ich es ganz wichtig, ein Gefühl dafür bekommen, wo die jeweilige Grenze eines Pferdes ist. Und zwar eben genau nicht, um dann alles daran zu setzen, diese aktiv verschieben zu wollen, sondern um ihm zu beweisen, dass ich achtsam genug bin, sie zu respektieren und es so annehme, wie es ist. Tja, und das ist ein grundsätzlich anderer Ansatz als er oft im Anti-Scheu-Training verfolgt wird.

Fazit

Echtes Vertrauen ist oft ganz unspektakulär, denn es führt zu einer entspannten und gelassenen Basis, auf der Mensch und Pferd gemeinsam auch schwierige Situationen gut bewältigen können. Das gibt vielleicht nicht die aufregendsten Fotomotive, ist aber für mich ein sehr viel erstrebenswerteres Ziel. Was mein Ihr?

Lesetipp: Der Anti-Angst-Kurs

23. November 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Vertrauenstraining 2 Kommentare »

Typische Probleme mit Pferden: Mein Pferd beißt in den Strick

In dieser Kategorie widme ich mich ganz typischen Problemen mit Pferden, zu denen mich immer mal wieder Mails erreichen oder die in Gesprächen über Pferde auftauchen. Besonders soll es hier um Probleme gehen, bei denen herkömmlicherweise oft Druck oder Strafen angewendet werden, damit das Pferd etwas tut oder lässt. Ich möchte zeigen, wie es anders gehen kann. Wenn Ihr auch so eine Frage habt, schreibt sie gerne an tania@wege-zum-pferd.de

„Mein Pferd beißt in den Strick oder Zügel“

Ein sehr häufig geäußertes Ärgernis für viele Pferdemenschen ist, wenn das Pferd beim Führen in den Strick oder Zügel beißt. Ich wähle diese Formulierung bewusst, denn wir haben es hier fast immer nicht nur mit einem (für den Menschen) problemhaften Verhalten zu tun, also das Beißen in den Strick, sondern Teil des Problems ist in den meisten Fällen unsere emotionale Reaktion auf das Verhalten. Ich kenne nur wenige Dinge, über die sich Pferdemenschen so ärgern, wie darüber, wenn das Pferd in den Strick oder Zügel beißt, und ich erlebe hier, dass selbst solche, die sonst Strafe und Gewalt ablehnen, dieses Verhalten rügen oder sogar mit einem Klaps auf die Nase abzustellen versuchen.

Verstehen, worum es geht

Schauen wir uns einmal genauer an, worum es hier genau geht – und zwar von beiden Seiten her: 

  • Die Seite des Menschen – Wer mit Pferden zu tun hat, erfährt über kurz oder lang, dass es ziemlich schmerzhaft sein kann, wenn das Pferd seine Zähne einsetzt. Selbst ein kurzes Kneifen tut ganz schön weh, von einem richtigen Biss mal ganz abgesehen. Die Angst vor Bissen ist also durchaus verständlich, führt aber leider zu Maßnahmen, die das Problem nicht lösen, sondern oft eher verstärken. Was nämlich die allermeisten von uns lernen, ist, schon das Schnappen eines Pferdes zu rügen und zu bestrafen und bei einem Beißen durchaus auch richtig zuzuhauen. „Das darf man denen nicht durchgehen lassen, dann werden die zu richtigen Beißern“, hört man dann als Argument. Ich habe in dem Artikel Das Schnappen und wie man damit umgehen kann das Problem schon einmal ausführlich behandelt, hier für diesen Beitrag ist es mir wichtig, dass wir uns bewusst darüber werden, dass die allermeisten von uns emotional auf das Schnappen und Beißen von Pferden reagieren. Wir interpretieren es als „Unart“ oder „Frechheit“ und nicht wenige nehmen es höchst persönlich, wenn ihr Pferd nach ihnen schnappt. In der Folge empfinden wir dann fast immer Frust, Ärger und/oder Wut. 
  • Die Seite des Pferdes – Pferde sind Tiere, die die Welt zu einem großen Teil mit ihrem Maul erkunden. Das Pferdemaul ist sehr sensibel und wenn Pferde Gegenstände mit den Lippen ertasten, gewinnen sie darüber viele Informationen. Gleichzeitig ist das Maul mit dem überlebensnotwendigen Fressen verbunden, mit der gegenseitigen Fellpflege innerhalb einer Herde und auch mit Klärungen von Beziehungen untereinander und mit dem Spielen. Das Maul ist also für ein Pferd ein sehr wichtiger Körperteil und es nutzt diesen Körperteil vielseitig und instinktiv – und das je nach Persönlichkeit, Lebensphase und Typ dann entsprechend mehr oder weniger intensiv auch im Zusammensein mit Menschen. Hier ist aus meiner Sicht ganz entscheidend zu verstehen, dass Pferde das nicht tun, um uns zu ärgern, sondern es ist schlicht und einfach Teil ihres ganz „normalen Pferdseins“. 

Zusammengefasst: Wenn ein Pferd in den Strick beißt, reagieren die meisten von uns auf ein für das Pferd ganz natürliches Verhalten emotional negativ gefärbt – und genau daraus entsteht das Problem! 

Die Lösung beginnt bei uns

Wenn mich jemand um Rat fragt, dessen Pferd ständig in den Strick beißt, dem rate ich als erstes, den Fokus weg vom Pferd hin zu den eigenen Gefühlen zu richten. Da so ziemlich jeder das In-den-Strick-beißen eines Pferdes „abstellen“ will, ist die Sache in den allermeisten Fällen bereits sehr negativ aufgeladen und es hat sich eine ungute Spirale entwickelt: Pferd angelt nach dem Strick –> Mensch nimmt es wahr, ärgert sich und droht vielleicht auch –> Pferd beißt in den Strick –> Mensch versucht das durch Schimpfen oder Strafe zu beenden –> Pferd erlebt Stress und beißt erst recht in den Strick –> Mensch schimpft und straft noch mehr –> und so weiter.

Dazu, wie Ihr mit dem Schnappen und Beißen am besten umgehen könnt, findet Ihr in dem oben schon genannten Artikel viele Anregungen und Tipps. Für das spezielle Problem, dass viele Pferde auf dem Strick herumkauen, ist mein Rat vor allem dieser:

Nehmt den Stress aus der Situation!

Ich selbst habe in der Vergangenheit sehr viel Energie darauf verwendet, meine sehr maulaktiven Pferde so zu erziehen, dass sie nicht in den Strick beißen. Das ist mir tatsächlich aktiv nicht gelungen, aber ich habe dabei viel gelernt über Pferde, aber vor allem auch über mich und mein Verhalten.

Manchmal muss etwas auch einfach sein dürfen

Mein Anthony beißt bis heute immer mal wieder in den Strick und ich weiß inzwischen, dass er damit Stress ausdrückt, Angst zeigt oder Unsicherheit. Das sind Gefühle, die ich ihm, wie ich heute auch weiß, einfach nicht grundsätzlich nehmen kann. Indem ich das versucht habe, habe ich ihm letztlich damit immer die Botschaft gegeben, dass er anders sein sollte und damit, dass er also „nicht richtig“ ist, wie er ist. Das zu begreifen, war ein Schlüsselmoment für mich und von da an löste sich viel Spannung zwischen uns. Hier seht Ihr zur Illustration einen schnappenden Anthony auf einem Spaziergang – ich hatte schauen wollen, ob ich mich vielleicht für ein Stück auf seinen Rücken setzen kann, und er reagierte sehr prompt mit In-den-Zügel-beißen und Schnappen nach mir: 

Pferd beißt in den Strick

Früher hat mich so etwas geärgert und ich habe geschimpft. Heute nehme ich das einfach als „Nein, jetzt nicht“ und ich versuche nicht weiter, aufzusteigen. Irgendwann später klappt es vielleicht … oder eben auch nicht. Beides ist okay. Und das folgende Foto zeigt, wie Anthony auf einem Spaziergang die Holzkugel meiner Gerte ins Maul genommen hatte. Ich hatte sie ihm angeboten, als er wieder einmal nach dem Strick zu schnappen begann, weil er unsicher wurde:

Pferd beißt in den Strick

Während er auf dieser Kugel herumlutschte und nuckelte, wie ein Fohlen, berührte mich das sehr. Es wurde mir klar, dass es eben nicht Aggressionen oder Frechheiten sind, die ihn nach dem Strick angeln lassen, sondern die Ursache ist Stress. Er will mich nicht ärgern, nicht provozieren und nicht angreifen, sondern es ist seine Art, mit Stress umzugehen. 

Immer der wichtigste Punkt: Das Pferd verstehen!

Hier sind wir wieder einmal am entscheidenden Punkt für einen pferdefreundlichen Umgang, und zwar bei der Bereitschaft, unser Pferd zu erkennen und anzunehmen. Stress, Unsicherheit und auch die Schwankungen von Gefühlen gehören zu meinem Anthony (wie es bei vielen Pferden der Fall ist), so wie eben auch das Beißen in den Strick. Seitdem ich dieses Verhalten einfach auch mal sein lassen kann, ist es kein „Problem“ mehr und er hört ganz von selbst wieder damit auf. Solange ich es aber gezielt „weg haben“ wollte, erhöhte ich den Stress und verstärkte damit das Problem. 

Meine Erfahrung ist, dass es sehr wichtig ist, Pferdeverhalten erst einmal innerlich anzunehmen, auch dann, wenn es uns nicht gefällt oder uns Angst macht. Wichtig: „Annehmen“ heißt nicht, dass wir es gut finden oder uns darüber freuen müssen, sondern mit „annehmen“ meine ich, dass wir es nicht sofort negativ bewerten und darauf reagieren, indem wir es ändern wollen. Es geht darum, es so gut wie möglich zu verstehen

Aber, was wenn … 

Nun höre ich im Geiste schon viele Abers, denn natürlich gibt es noch andere Gründe, wie zum Beispiel Provokation oder Aggression. Aber auch (oder gerade) dann ist es meiner Erfahrung nach wichtig, nicht emotional aus dem Ärger oder Genervtsein darüber heraus zu reagieren, sondern gut hinzuspüren,

  • ob dem Pferd vielleicht gerade langweilig ist,
  • ob es überfordert ist,
  • ob das vielleicht einfach nicht der richtige Moment für das ist, was ich vorhabe,
  • ob ich in der letzten Zeit nicht genug darauf geachtet habe, dass die Höflichkeitsregeln eingehalten werden,
  • ob ich vielleicht selbst respektlos war,
  • ob es vielleicht Hunger hat oder Zahn- oder Magenprobleme, 
  • welche schlechten Erfahrungen es zuvor gemacht hat und so weiter und so fort … 

Ich bleib dabei:

Für jedes Verhalten gibt es einen Grund
und ich kann nur dann pferdefreundliche Entscheidungen treffen,
wenn ich zumindest versuche,
die Seite meines Pferdes ein Stück weit zu verstehen,
anstatt einfach nur das Verhalten weghaben zu wollen

2. November 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Jungpferdausbildung, Umgang, Verhalten 6 Kommentare »

Sieh Dein Pferd im Ganzen! – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sieh Dein Pferd im Ganzen!

Schon als Kinder haben die meisten von uns (hoffentlich!) gelernt, dass es nicht ausreicht, ein Pferd einfach nur „süß“ zu finden und seine Mähne zu striegeln, sondern dass viel mehr dazu gehört, wenn es ihm gut gehen und es gesund bleiben soll. Also lesen wir und lernen wir, besuchen Seminare und Vorträge und wollen alles möglichst gut und richtig machen. Wir entwickeln uns dann vielleicht zu einem Experten in Sachen Hufrehe, weil unser Pferd gefährdet ist, daran zu erkranken, oder wir verschlingen alles, was wir zum Thema Hufstellung finden können oder wir lernen alles über die Anatomie und Biomechanik des Pferdes oder kennen uns bestens in allen Varianten von Zäumungen aus.

Fundiertes Wissen ist eine tolle Sache, aber selbst dabei gibt es ein „Aber“… Je tiefer wir in ein Thema einsteigen, desto größer wird die Gefahr, dass wir etwas ganz Entscheidendes verlieren: nämlich einen ganzheitlichen Blick auf unser Pferd. Ein Pferd ist nie nur ein Rücken, der uns tragen soll, ist nicht nur ein Hals, der gut bemuskelt sein soll und ist nicht nur ein Set aus vier Beinen, die möglichst spektakulär tanzen sollen. Ein Pferd ist auch nicht nur ein Darm, der möglichst reibungslos arbeiten soll, oder eine Lunge, die gut atmen soll, oder ein Set aus vier Hufen, die möglichst korrekt stehen sollen. Und ein Pferd ist erst recht nicht nur dafür da, unsere Wünsche und Erwartungen brav zu erfüllen, was immer wir auch von ihm wollen…

Allem voran ist ein Pferd ein Lebewesen mit komplexen Grundbedürfnissen, die nicht immer ganz einfach zu erfüllen sind, und körperlichen Gegebenheiten, die unseren menschlichen Erwartungen durchaus auch entgegenstehen können. Ein Pferd ist ein Tier, das soziale Bedürfnisse hat, einmal in Bezug auf Artgenossen, aber auch uns gegenüber, mit denen es gesehen und verstanden werden möchte. Und jedes Pferd bringt eine eigene Persönlichkeit mit, die selten in allen Facetten unserer Traumvorstellung entspricht.

Die große Komplexität und Verantwortung, mit der wir es als Pferdebesitzer/innen zu tun haben, kann manchmal ganz schön überfordern. Ein typischer Weg damit umzugehen, ist der, sich ganz auf einige Details zu konzentrieren, die man als „besonders wichtig“ auswählt. Sie erscheinen uns dann so bedeutungsvoll, dass wir mehr und mehr unseren Fokus darauf legen und so immer mehr von den anderen Aspekten vernachlässigen. Dann haben wir zwar vielleicht ein super gut bemuskeltes Pferd, das aber nur Dienst nach Vorschrift macht, weil ihm die Freude am Training fehlt. Oder unser Pferd bekommt die bestmögliche Futterkombi, weiß aber nicht, wie es vernünftig auf einer Kreislinie laufen soll. Oder unser Pferd erhält die beste Hufbehandlung, leidet aber zunehmend an Übergewicht… 

Der entscheidende Punkt ist: Einseitigkeit ist nie gut, selbst wenn die Intention dahinter gut ist. Viel wichtiger als einzelne Details perfekt haben zu wollen, ist immer ein möglichst breiter und ganzheitlicher Blick auf Euren Liebling. 

5. Oktober 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang, Verhalten 0 Kommentare »

Vergleiche Dich nicht mit anderen – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Vergleiche Dich nicht mit anderen

In Zeiten von Social-Media-Präsenzen schauen sich die meisten von uns täglich viele Fotos und Filme von anderen und ihren Pferden an. In unzähligen Accounts gibt es die tollsten Bilder und Aktionen zu sehen und bewusst oder unbewusst vergleichen wir uns und unser Pferd dann mit dem, was wir sehen. Und das kann vielfältige Folgen haben:

  • Immer öfter scheint uns das, was wir mit unserem Pferd machen, zu wenig spektakulär oder aufregend zu sein.
  • Wir sehnen uns danach, mit unserem Pferd auch springen zu können oder Bogenschießen vom Pferd auszuprobieren oder über Felder zu galoppieren, wissen aber, dass wir das selbst reiterlich gar nicht hinbekommen oder unser Pferd dafür nicht geeignet ist. 
  • Wir fragen uns, warum unser Pferd nicht irgendwie besonders sein kann. 
  • Wir kritteln plötzlich an der Mähne oder Farbe oder Figur des Pferdes herum.
  • Wir hadern immer mehr mit seinem chronischen Husten oder der einsetzenden Arthrose oder dem fehlenden Gangvermögen, anstatt unser Pferd mit seinen Schwächen zu akzeptieren.

Oder anders gesagt: Wir werden immer unzufriedener mit dem, was wir haben. Und das ist traurig! Es ist ganz wichtig, sich Folgendes klar zu machen: 

  1. Niemand außer Du selbst kannst wirklich einschätzen, was für Dich und Dein Pferd bedeutungsvoll ist und was nicht. Nur weil das, was Du mit Deinem Pferd hast und erlebst, sich vielleicht nicht auf eine aufregende Weise fotografieren oder filmen lässt, so kann es dennoch wundervoll und schön für Dich sein. Der Maßstab seid immer IHR beide – Du und Dein Pferd. 
  2. Nicht alles, was spektakulär erscheint, ist es auch wirklich. Das, was auf Instagram & Co veröffentlicht wird, soll vor allem für Likes und Kommentare sorgen. Deshalb werden dort vor allem Fotos gezeigt, die auffallen. Es können winzige Momentaufnahmen sein, die mit der eigentlichen Situation gar nichts zu tun haben. So kann von hundert Fotos vielleicht eines dabei sein, auf dem der Mensch lacht und das Pferd die Ohren spitzt, so dass pures Glück aus dem Bild strahlt, während es eigentlich nur ein zäher Versuch war, mit dem ziemlich genervten Pferd (das eigentlich lieber zu seinen Kumpels auf die Weide wollte) ein tolles Foto hinzubekommen. 
  3. Was wir auf Fotos sehen (und was uns die Bildunterschriften dazu vermitteln), muss nicht „wahr“ sein. Da waren zum Beispiel diese paar Sekunden, in denen das Pferd seinen Kopf hochwarf (…weil es eine Bremse verscheuchen wollte) und schon ist aus dem „gemütlichen Dicken“ ein „temperamentvoller Wilder“ geworden. Oder jemand hat mit einer Wieher-App ein Pferd zum aufmerksamen Gucken veranlasst, das sonst eigentlich meist in sich gekehrt ist. Und das Pferd auf dem Wahnsinns-Springfoto kann unter Umständen lahmen…

Sich mit anderen zu vergleichen, ist ein sicherer Garant für nagende und wachsende Unzufriedenheit. Lasst nicht zu, dass das passiert. Euer Pferd ist einzigartig und hat es verdient, unabhängig von vermeintlich spektakulären Fotos in den sozialen Medien von Euch gesehen, wertgeschätzt und geliebt zu werden.

7. September 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang 5 Kommentare »

Gewalt ist falsch – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Gewalt ist falsch

Mit dem Thema „Gewalt“ haben wir uns schon häufig befasst, zum Beispiel hier, hierhier und hier. Aus aktuellem Anlass gibt es nun auch eine Inspiration des Monats zu diesem Thema. Vor einigen Tagen wurde bei den Olympischen Spielen ein Pferd im Fünfkampf von seiner Reiterin nach mehreren Verweigerungen auf Zuruf der Trainerin („Hau mal richtig drauf!“) geschlagen, was eine Welle der Empörung auslöste. So wichtig es ist, das Fehlverhalten einzelner Personen zu ahnden, so greift die Empörung allein über die Reiterin zu kurz. Das Problem liegt viel tiefer, nämlich im (Reit-)System selbst und in den Glaubenssätzen und Überzeugungen, die diesem System zu Grunde liegen. Ein System, das Gewalt zum Zweck der Ausbildung und des Trainings von Pferden billigt, als notwendig bezeichnet und sogar gutheißt, ist ein krankes System. Die Tatsache, dass Reiterin und Trainerin der Meinung sind, nichts Falsches getan zu haben, zeigt das mehr als deutlich.

Fakt ist: In der konventionellen Reiterei wird noch immer das „Durchsetzen“ über das Verständnis für das Tier gesetzt, was zwangsläufig zu Gewalt führen muss. Was bei den Olympischen Spielen zu sehen war, ist in vielen Reitställen „normal“: Pferde werden geschlagen, sie werden getreten und es wird an Zügeln gerissen. Zahlreiche Reiter/innen nutzen Hebelgebisse, Flaschenzüge, Sporen und Ähnliches, um Pferde zu kontrollieren. Und zahlreiche Trainer und Ausbilderinnen setzen Rollkur, Strom und andere schmerzauslösende Mittel sowie psychische Gewalt ein, um Pferde zu gewünschten Leistungen und Aktionen zu bringen. Schon Reitanfänger/innen und Kinder werden frühzeitig angeleitet, Gewalt zu nutzen, um Pferde zu dem zu bringen, was als Aufgabe gestellt ist. Auch wenn sich schon manches zum Guten geändert hat, so sind es immer noch viel zu viele, die diesen Weg gehen und viel zu viele von uns schauen weg, wenn es passiert. 

Ob Profi oder Anfänger, ob Jung oder Alt, ob Schüler oder Trainer, ob auf einem Turnier oder im Gelände, ob am Boden oder im Sattel – Gewalt ist immer der falsche Weg. Wenn ein erfolgreicher Turnierreiter ein Pferd mit der Gerte schlägt oder mit Sporen sticht, ist das für das Pferd genauso schlimm, wie wenn es ein Freizeitreiter tut. Die Schmerzen, die durch ein Hebelgebiss oder Schlaufzügel ausgelöst werden können, sind für das Pferd dieselben, egal ob sie eine erfahrene Reiterin oder ein Anfänger verursacht. Jeder „Experte“, der Gewalt gegenüber Pferden für angemessen hält, disqualifiziert sich selbst. Außer in echten Notfällen (wenn es also darum geht, schlimme Unfälle zu vermeiden oder gar Leben zu retten) gibt es keine Rechtfertigung für den Einsatz von Gewalt gegen Pferde, um sie gefügig zu machen und die eigenen Ziele durchzusetzen. Pferde dürfen nicht geschlagen oder getreten werden und Werkzeuge, die dazu geeignet sind, Pferden Schmerzen zuzufügen, können niemals zu einem harmonischen Miteinander führen. Wir alle, die wir mit Pferden zu tun haben, tragen hier eine Mitverantwortung.

Bitte seid bereit,

  • immer wieder selbstkritisch Euer eigenes Tun zu überdenken und ggf. zu ändern,
  • nein zu sagen, wenn Trainer oder Lehrerinnen Euch auffordern, gegenüber einem Pferd Gewalt anzuwenden, und
  • Euch zu Wort zu melden, wenn Ihr Gewalt gegen Pferde beobachtet.

Gewalt darf einfach nicht länger als „normal“ gelten, denn es geht auch anders! 

 

Gewalt ist falsch

10. August 2021 von Tania Konnerth • Tags: , , , , • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Reiten, Umgang 5 Kommentare »

Du darfst Dich umentscheiden – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Du darfst Dich umentscheiden

Ganz grundsätzlich neigen wir Menschen dazu, einen einmal eingeschlagenen Weg auch dann durchzuziehen, wenn wir ahnen oder erkennen, dass er gar nicht wirklich gut ist. Dieses Phänomen lässt sich auch in der Pferdewelt sehr oft beobachten:

  • Wir bleiben bei einer Reitlehrerin oder einem Trainer, obwohl uns der Unterricht keinen Spaß macht und unser Pferd einfach nicht besser läuft, und sagen: „Ich bin doch jetzt schon so lange bei ihr/ihm …“
  • Wir folgen weiter einer Methode, obwohl sie sich nicht gut anfühlt oder uns nicht dahin bringt, wo wir eigentlich hinwollen, und begründen das dann mit einem: „Ich habe dazu schon einige Seminare gebucht und mir gerade auch noch das Online-Programm gekauft …“
  • Wir gehen mit unserem Pferd auf eine Weise um, wie es uns andere im Stall empfehlen, obwohl wir genau spüren, dass sich das Verhältnis zu unserem Pferd immer mehr verschlechtert und sagen „Das machen hier doch alle so …“
  • Wir bleiben bei unserem Schmied oder der Hufpflegerin, obwohl die Hufe immer schlechter werden und sagen: „Der/die wurde mir so sehr empfohlen …“
  • Wir reiten weiter mit einem Sattel, von dem wir selbst sehen, dass er die Muskulatur wegdrückt oder gegen den sich unser Pferd sichtbar wehrt mit Sätzen wie: „Der ist doch extra angepasst worden …“ oder „Der war richtig teuer …“

Dass wir so reagieren, liegt zum einen daran, dass unser Gehirn uns dafür belohnt, wenn wir an Gewohntem festhalten, und zum anderen fällt es vielen von uns grundsätzlich sehr schwer, Fehler einzugestehen, vor allem dann, wenn wir vielleicht schon viel Zeit, Kraft und/oder Geld investiert haben. Hinzu kommt dann oft noch ein erheblicher Gruppendruck, der uns verunsichert, schließlich wollen wir doch eben nichts falsch machen!

Es ist sehr wichtig, sich klarzumachen,  dass aber oft gerade unsere Angst davor, etwas falsch zu machen zu viel Leid führen kann, einmal auf Seite des Pferdes aber eben auch bei uns selbst.

Fühle Dich durch die folgenden Sätze ermutigt, Entscheidungen auch immer mal wieder zu überdenken:

  • Einen einmal eingeschlagenen Weg müssen wir nicht zwingend weitergehen, sondern wir können und dürfen jederzeit dazulernen und uns weiterentwickeln.
  • Jeder kann sich irren, jeder kann Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen – wichtig ist, sie zu erkennen und zu ändern!
  • Investiertes Geld oder Energie zahlt sich nicht aus, nur weil wir an dem festhalten, wofür wir es investiert haben, im Gegenteil: Die Kosten werden immer größer, wenn es keine gute Entscheidung war
  • Neue Wege können Wundervolles ermöglichen.

Bitte frage Dich also immer wieder ganz liebevoll und achtsam, ob die bisherigen Entscheidungen für Methoden, für Fachleute, für Zubehör und dergleichen mehr wirklich gut sind für Dich UND Dein Pferd. Wenn nicht, sei bereit und mutig, neue Entscheidungen zu treffen!

Umentscheiden

13. Juli 2021 von Tania Konnerth • Tags: , , , • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang 3 Kommentare »

Typische Probleme mit Pferden: Mein Pferd gibt seinen Huf nicht

In dieser Kategorie widme ich mich ganz typischen Problemen mit Pferden, zu denen mich immer mal wieder Mails erreichen oder die in Gesprächen über Pferde auftauchen. Besonders soll es hier um Probleme gehen, bei denen herkömmlicherweise oft Druck oder Strafen angewendet werden, damit das Pferd etwas tut oder lässt. Ich möchte zeigen, wie es anders gehen kann. Wenn Ihr auch so eine Frage habt, schreibt sie gerne an tania@wege-zum-pferd.de

„Mein Pferd gibt seinen Huf nicht“

Ein sehr häufiges Problem, das man so ziemlich allen Ställen beobachten kann: Der Mensch möchte seinem Pferd die Hufe auskratzen, aber es gibt seinen Huf nicht. Daraufhin wird der Mensch „deutlicher“ und das Pferd gibt seinen Huf immer weniger gern. Irgendwann reißt dem Menschen der Geduldsfaden und er wird sauer. „Der ist nur bockig“ heißt es dann oder: „Die will mich mal wieder in den Wahnsinn treiben“ und im schlimmsten Fall kommt dann die Gerte ins Spiel, bis das Pferd endlich seinen Huf gibt. Wie so oft, wird versucht, das gewünschte Verhalten notfalls zu erzwingen, anstatt sich die Sache gemeinsam mit dem Pferd zu erarbeiten.

Schauen wir uns dieses Problem einmal genauer an. 

Worum geht es hier eigentlich? 

Zunächst müssen wir uns Folgendes klarmachen: Für ein Lauf- und Fluchttier sind seine Füße noch wichtiger als für uns Menschen. Ein Bein, das nicht zu nutzen ist, weil es zum Beispiel festgehalten wird, ist, solange das Pferd nicht gelernt hat, dass ihm dabei nichts passiert, eine hochbedrohliche Angelegenheit. Aus der Balance zu kommen, ist ebenfalls kein angenehmer Zustand. So haben wir schon mal zwei nachvollziehbar gute Gründe für ein Pferd, uns seinen Huf nicht geben zu wollen. Und dann kann es auch sein, dass körperliche Beschwerden es dem Pferd unangenehm bis schmerzhaft machen können, seinen Huf länger zu heben (das bei einem Verdacht unbedingt mit einem guten Physiotherapeuten oder Arzt abklären lassen und entsprechend Rücksicht nehmen). 

Wenn ein Pferd seinen Huf nicht geben will, rucken und zerren viele Menschen an dem Bein herum oder lehnen sich auch mit ihrem Gewicht gegen das Pferd, in der Hoffnung, so den Huf zu bekommen. Genau das löst in den meisten Fällen aber nur aus, dass sich das Pferd seinerseits verstärkt gegen uns lehnt, denn es wird instinktiv gegen das Gefühl „umgekippt zu werden“ angehen. Oder es macht einen Schritt zur Seite, steht dann aber auch wieder auf allen vier Hufen, eher noch mehr davon überzeugt, dass es keine gute Idee ist, dem Menschen seinen Huf anzuvertrauen. 

Wenn wir nun aber zum Beispiel ein Pferdebein bandagieren oder einen Verband anlegen oder es auch einfach nur putzen wollen, reagieren wir hingegen schnell genervt, wenn das Pferd seinen Huf hebt (weil ihm das vielleicht ungewohnt, unangenehm oder unheimlich ist). In diesen Fällen bekommt das Pferd nicht selten Ärger fürs „Herumzappeln“, ohne dass wir uns klarmachen, dass es ja gar nicht wirklich wissen kann, wann es nun den Huf heben soll und wann nicht,  wenn wir immer dasselbe machen – also das Bein anfassen. Mal gibt es Ärger fürs Nichtheben des Beines, dann gibt es welchen für das Heben des Hufes. Das ist natürlich höchst verwirrend für ein Pferd und so kann das Hufegeben schnell stressbehaftet oder sogar vergiftet werden. 

Klare Signale für eine klare Kommunikation

Überlegen wir doch einmal: Jedes Pferd hebt problemlos sein Bein, wenn es eine Fliege verscheuchen will. Hier tut es das aus eigenem Antrieb heraus. Es steht dabei sicher und ausbalanciert und hat keinen Stress, höchstens vielleicht durch das Kitzeln der Fliege. 😉

Und genau das können wir prima nutzen! 

Ich bringe meinem Pferd bei, auf ein kleines Signal hin seinen Huf von sich aus zu heben – eine Anleitung dazu findet Ihr hier. Das ist viel leichter als oft vermutet, erfordert nur ein bisschen Konsequenz von uns. Ich beachte dabei die folgenden Punkte:

  1. Zunächst überlege ich mir ein eindeutiges Signal, welches das Pferd gut erkennen kann und das ihm nicht unangenehm ist, also zum Beispiel ein Stimmsignal oder ein Antippen oder auch nur ein Zeigen zum Bein. 
  2. Ich belohne jede noch so kleine richtige Reaktion prompt, also auch schon das erste Zucken des Beines. 
  3. Hebt das Pferd sein Bein nicht, wirke ich nicht stärker ein und ich schimpfe und strafe auch nicht, sondern ich warte auf den entscheidenden Moment, den ich belohnen kann. Für den Anfang kann ich mit einer Gerte ein bisschen „Fliege“ spielen (vorausgesetzt, das Pferd hat keine Angst vor Gerten!).
  4. Wenn das Pferd das Bein hebt, schnappe ich mir nicht sofort seinen Huf und halte ihn fest, sondern ich etabliere erst einmal das Heben des Beines als etwas vollkommen Selbstverständliches. Erst wenn das wirklich sitzt, berühre ich sanft das Bein und schau, ob es für das Pferd okay ist, wenn ich meine Hand darum lege. Das längere Halten des Hufes erarbeite ich mir dann einfühlsam und Schritt für Schritt – immer darauf achtend, dass mein Pferd freiwillig und entspannt mitmacht. Den Huf lasse ich dann auch nicht einfach fallen, sondern setze ihn sanft ab.
  5. Sollte mal durch ein doofes Erlebnis, wie z.B. ein Hufgeschwür oder ein Erschrecken beim Auskratzen die Sache wieder nicht mehr so gut laufen, erarbeite ich es mir neu (das geht in der Regel sehr schnell). 

Hier seht Ihr, wie Anthony seinen Huf nur auf ein Zeichen hin von sich aus anhebt – vorne und auch hinten:

Parallel dazu übe ich, dass er den Huf am Boden lässt, wenn ich sein Bein anfasse und entlangstreiche, da ich zum Beispiel beim Verarzten von Wunden oder beim Putzen gerne möchte, dass er den Fuß nicht hochhebt: 

Hier noch mal gut zu sehen: Anthony hebt den Huf selbst und erst dann erst nehme ich ihn, um ihn auszukratzen: 

Und dasselbe hinten: 

Wie auf den Bildern zu sehen ist, kann ich Anthony frei die Hufe auskratzen, denn für ihn ist dabei nichts Stressiges. Das ist immer ein guter Test für mich. Ich lobe und belohne das Hufegeben auch später immer wieder, damit es eine positiv besetzte Sache bleibt!

Extra-Tipp: Es sehr sinnvoll sein, das Heben der Hufe mit verschiedenen Personen zu erarbeiten und zu üben, denn nur weil ein Pferd lernt, einem Menschen zu vertrauen, wird es nicht automatisch jedem seinen Huf geben wollen. Da aber das Heben der Hufe auch bei anderen Menschen wichtig ist, also zum Beispiel bei der Hufpflege oder für nötige Kontrollen oder Behandlungen, sollte es auch daran gewöhnt werden und es entspannt auszuführen.

6. Juli 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Jungpferdausbildung, Sonstiges, Umgang, Verhalten 0 Kommentare »

Jungpferdausbildung mit Tania: Die ersten Schritte unter einem Reiter

Vor kurzem habe ich hier gezeigt, wie das erste Aufsteigen bei einem Jungpferd für mich auf eine pferdefreundliche Art erfolgen kann. Hier soll es nun um die ersten Schritte unter dem Reiter gehen. 

Selbstkritisch hinterfragen: Wer soll der erste Reiter sein?

Zunächst ist es wichtig, dass die Person, unter der das Pferd seine ersten Schritte machen soll, so viel Ruhe und Gelassenheit wie möglich ausstrahlt. So verständlich es ist, dass die meisten Besitzer/innen natürlich gerne selbst die Ersten sein wollen, die das Pferd reiten, so ist das nicht immer die beste Entscheidung. Jede/r sollte sich hier gut prüfen:

  • Kann ich einem jungen Pferd genug Sicherheit und Ruhe vermitteln?
  • Bin ich ohne Angst und frei von inneren Bildern dazu, was alles passieren könnte?
  • Bin ich mir meiner Atmung und Körperspannung bewusst und kann ich zuverlässig einschätzen, ob ich wirklich Ruhe und Gelassenheit ausstrahle? 
  • Bin ich vom Sitz und meiner eigenen Balance her sicher genug, mit einem kleinen Hüpfer oder einem Losrennen liebevoll umgehen zu können, ohne zu schimpfen oder grob zu werden?
  • Und auch diese Frage sollten wir uns stellen: Bin ich leicht genug für den komplett untrainierten Rücken des Jungpferdes?

Gelassenheit vermitteln und immer im Tempo des Pferdes vorgehen!

Dann ist das Wichtigste: Geduld, Geduld und nochmal Geduld. Einen Menschen auf dem Rücken zu tragen ist für viele Pferde im Stand gar kein so großes Problem (vorausgesetzt, man nimmt sich die Zeit, das gemeinsam mit ihnen zu arbeiten). Aber mit dem ungewohnten Gewicht tatsächlich zu laufen, ist etwas ganz anderes. Und da kann es leider selbst bei einem „ganz ruhig“ wirkenden Pferd zu Schreckreaktionen kommen. Je achtsamer wir hier auf das Pferd achten und wirklich nur weitermachen, wenn es entspannt und offen dafür ist, desto sicherer wird alle Beteiligten.

Wir müssen uns bewusst machen, dass unser Gewicht ein Pferd sehr stark in seiner Balance beeinflusst – und aus der Balance zu geraten, ist für viele Pferde unangenehm oder sogar beängstigend. Um zu vermeiden, dass das Pferd unsicher wird oder gar Angst bekommt, sollte die Entscheidung für die ersten Schritte vom Pferd selbst getroffen werden. Also bitte nicht am Strick oder Zügel ziehen oder es mit der Gerte antreiben, sondern einfach erstmal abwarten (und bitte erst recht nicht mit den Beinen treiben, denn diese Hilfe ist dem Pferd ja noch vollkommen unbekannt und kann sensible Gemüter wirklich sehr verunsichern).

Tipp: Der Helfer vom Boden kann sich ein Stück vom Pferd entfernen und es dazu ermutigen, ihm zu folgen. Sollte das Pferd darauf hin aber nicht vorwärtsgehen, dann wartet einfach ein bisschen ab oder probiert es in der nächsten Einheit noch einmal. 

Tritt das Pferd tatsächlich an, zeigt ihm ruhig und liebevoll Eure Freude! Versucht, auch wenn sich die Schritte sehr schwankend anfühlen, es so wenig wie möglich zu stören, sondern geht jede Bewegung weich und mit einem ruhigen Atem mit. Lasst das Pferd dann nach wenigen Schritten anhalten und lobt es freudig. Gebt ihm Zeit, bewusst nachzuspüren, wie sich der Mensch auf dem Rücken anfühlt, und dafür, all das, was es gerade erlebt, zu verarbeiten. Wenn es noch einmal antreten mag, super, aber dann reicht es auch! Hier können wir schnell den Fehler machen, zu viel zu wollen. Bitte widersteht der Versuchung, gleich ganze Runden laufen zu wollen, sondern gebt Euch bitte wirklich mit wenigen Schritten zufrieden. So klein diese Schritte vielleicht auch wirken mögen, sie sind ein riesiger Schritt in der Ausbildung und sie bilden das Fundament für das weitere Gerittenwerden.

Hier könnt Ihr in einem kleinen Video sehen (Link führt zu Youtube) sehen, wie Mucki seine ersten Schritte mit einem Menschen auf dem Rücken machte.

Die ersten Schritte unter einem Reiter

Und noch ein Lesetipp: Mit dem Herzen voran – der Reitkurs von „Wege zum Pferd“. 

21. Juni 2021 von Tania Konnerth • Tags: , , , , , • Kategorie: Aus der Bereiterpraxis, Jungpferdausbildung, Reiten, Umgang 0 Kommentare »

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