Sei klar – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sei klar!

Klarheit ist ein unerlässlich Element in der Kommunikation mit einem Pferd, wird aber gerade im Umgang mit Pferden leider oft gründlich missverstanden. Häufig wird „Klarheit“ nämlich mit „sich durchsetzen“ gleichgesetzt, was zu einer ganzen Kette von unschönen Entwicklungen im Miteinander von Mensch und Pferd führt, weil der Mensch glaubt, grob werden zu dürfen oder gar zu müssen. Schauen wir an den Anfang der Kette, so finden wir ganz oft Unsicherheit und Unwissenheit auf Seiten des Menschen, auch, aber gar nicht mal nur dem Pferd gegenüber, sondern Unsicherheit und Unwissenheit vor allem über das Ziel, also z.B. die gewünschte Lektion oder Übung. Unsicherheit und Unwissenheit führen zu Hilflosigkeit und die mündet dann oft in Grobheiten oder Gewalt.

Klarheit bedeutet, eine klare Vorstellung von dem zu haben, was man erreichen möchte, aber genau da liegt oft das Problem. Wir Menschen müssen selbst wissen, was genau eine bestimmte Lektion oder Übung wirklich beinhaltet, wir müssen sie also erst einmal selbst verstanden haben und auch wissen, wie es im besten Fall aussehen soll oder sich anfühlt (z.B. beim Reiten). Mit einem solchen (hoffentlich richtigen) Zielbild in unserer Vorstellung sind wir ganz automatisch klarer in unserer Ausstrahlung und viel gelassener in unserem Verhalten.

Beispiel: Wer ein Schulterherein führen oder reiten möchte, muss also zunächst selbst wissen, wie ein Schulterherein aussieht, was der Sinn dieser Lektion ist und worauf es dabei ankommt (und nicht nur so eine ungefähre Idee davon haben). Wie sonst sollen wir dem Pferd vermitteln können, was zu tun ist? Von sich aus wird ein Pferd kein Schulterherein gehen und es weiß auch nicht, dass es das tun soll, nur weil eine Hilfe gegeben wird (selbst wenn sie korrekt ist). Es muss die Sache erst lernen. Dafür muss es erklärt bekommen, was zu tun ist und es muss angstfrei ausprobieren können, was richtig ist und was nicht. Dem Pferd das so zu vermitteln, dass es verstehen kann, darin besteht die  konstruktive und förderliche Klarheit, die für eine gute Kommunikation sorgt.

Prüfen wir uns also immer selbst: 

  • Weiß ich in diesem Moment wirklich, was genau ich von dem Pferd will? 
  • Sind mir Sinn und Ausführung einer Lektion oder Übung klar, weiß ich also, warum ich will, dass das Pferd das macht? 
  • Habe ich eine Vorstellung von der korrekten (idealen) Ausführung der Übung oder Lektion im Kopf (und nicht nur das, was ich z.B. bei meiner Freundin oder anderen im Stall gesehen habe)? 
  • Bin ich selbst fähig, dem Pferd das, was ich möchte, zu vermitteln, also z.B. reiterlich im Sattel oder am Boden durch eine sinnvolle Kommunikation und hilfreiche Zwischenschritte?
  • Und wenn nicht: Wo und wie kann ich das lernen?

Sei klar – Wege zum Pferd

3. September 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Jungpferdausbildung, Reiten 0 Kommentare »

Buchtipp: Was fühlt das Reitpferd? von Marlitt Wendt

„Was fühlt das Reitpferd? Signale richtig deuten – Partnerschaft verbessern“ von Marlitt Wendt
Stuttgart: Kosmos, 2018. – 158 S.
ISBN:9783440158623
ca. 27,– EUR (gebunden, durchgehend farbige Fotos)

Endlich wieder in neues Buch von Marlitt Wendt! Und noch dazu ein ausgesprochen Wichtiges, denn es kann eine klaffende Lücke im Wissen vieler Pferdemenschen schließen.  

Die Verhaltensbiologin arbeitet in „Was fühlt das Reitpferd?“ sehr detailliert heraus, woran sich Stress, Schmerzen, Angst und andere Gefühle bei Pferden erkennen lassen, ganz allgemein und speziell unter dem Sattel. Dazu werden zahlreiche Fotos, aber auch Zeichnungen genutzt, anhand derer man seinen Blick effektiv schulen kann. Leider sind von denen, die mit Pferden zu tun haben, immer noch viel zu wenige überhaupt in der Lage zu erkennen, wann es einem Pferd nicht gut geht, wann es besorgt oder gestresst ist und wann es sogar Schmerzen hat – ein Manko, das zu viel vermeidbaren Leid führt. Die subtile Mimik wird oft nicht einmal wahrgenommen und Verhalten fehl interpretiert. Da werden Pferde schnell als „ungehorsam“, „bockig“ oder „stur“ bezeichnet, dabei stehen sie in Wahrheit vielleicht unter einem enormen Stress, haben Angst oder sogar Schmerzen. Das muss sich ändern und dieses Lehrbuch bietet genau dazu wichtiges Grundlagenwissen.

Indem wir ein Pferd reiten, verlangen wir von ihm etwas, für das es natürlicherweise nicht gemacht ist. Das wissen zwar viele, aber leider sind lange nicht so viele bereit, daraus auch Konsequenzen zu ziehen: Dazu gehört vor allem auch, die eigene Reitweise und das eigene Können immer wieder selbstkritisch zu hinterfragen, bewusst und achtsam auf die Signale des Pferdes zu achten und angemessen darauf zu reagieren. Es ist wichtig, Pausen zu machen, wenn das Pferd Stress zeigt oder abzusteigen, wenn das Pferd Angst hat. Weiterhin lässt sich mittels eines belohnungsbasierten Trainings eine viel effektivere Kommunikation mit dem Pferd verwirklichen als mit herkömmlichen Ansätzen, die mit Druck und Strafen arbeiten. Wer pferdegerecht reiten und trainieren will, sollte das beachten.

Ganz am Ende des Buches spricht Marlitt Wendt von „den Opfern unseres Freizeitvergnügens“ und meint damit diejenigen Pferde, die abgestumpft und depressiv innerlich aussteigen und zu „seelenlosen Hüllen“ werden. Leider betrifft das keine Minderheit. Wer mit dem Wissen aus diesem Buch, einem offenen Herzen und auch mit dem Mut zur Selbstkritik in die Pferdewelt schaut, wird sie leider überall finden – auf Turnierplätzen genauso wie in Freizeitreiterkreisen, unter Dressurreitern wie unter Spring-, Western- oder Distanzreitern, unter Kutsch- wie unter Showpferden, also überall und das rasseübergreifend.  Damit sich das ändert, braucht es ein wachsendes Bewusstsein über die Bedürfnisse von Pferden und die Bereitschaft, nicht länger konventionellen Wegen zu folgen, sondern mit echtem Mitgefühl das zu leben, von dem wir alle doch behaupten, dass wir es haben: eine Liebe zum Pferd. „Was fühlt das Reitpferd?“ sensibilisiert eindringlich dafür, wie wichtig es ist, die eigenen Nutzungsansprüche zugunsten eines pferdegerechten, fairen und verständnisvollen Umgangs mit dem Pferd loszulassen.

Fazit: Ein sehr wichtiges Buch, das klar benennt, dass das, was wir als Freizeitvergnügen sehen – nämlich das Reiten eines Pferdes – sehr oft auf Kosten der Tiere geht und für sie nicht selten mit Stress und Schmerzen verbunden ist. Das kann jeder erkennen, der bereit ist, Pferdemimik und Körpersprache zu lesen. Dieses Buch macht auch deutlich, dass es möglich ist, sehr vieles zum Guten zu ändern, indem wir besser auf unsere Pferde achten und das Miteinander von Mensch und Pferd zu etwas Freudvollem für beide Seiten zu gestalten. 

Was fühlt das Reitpferd

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18. September 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Buchtipps, Reiten 2 Kommentare »

Reite ich mein Pferd schmerzfrei?

Die Überschrift zu diesem Blogbeitrag stellt eine Frage, die für viele von uns ziemlich unangenehm ist. Unangenehm deshalb, weil bekannt ist, dass Pferde eigentlich nicht dazu gemacht sind, unser Gewicht zu tragen. Unangenehm, weil wir nicht immer sicher sein können, dass die Art, wie wir reiten, gut für das Pferd ist. Und vielleicht auch unangenehm, weil viele von uns Reiter/innen schon manches getan haben (und tun), von dem wir wissen, dass es nicht richtig war (und ist). Mir geht es jedenfalls so.

Aber, so unangenehm sie ist, so sollte sie uns präsent sein, zumindest immer mal wieder. Denn nur, wenn wir unser Tun (in diesem Fall unsere Reiterei) selbstkritisch hinterfragen, können wir erkennen, ob wir unserem Pferd vielleicht ungewollt Schmerzen bereiten (s. zu diesem Thema auch unsere Artikel Der hat nichts, der läuft doch und Schmerzen beim Pferd erkennen) und damit die Freude am Miteinander nehmen.

Ist Reiten denn etwas Schlimmes? 

Grundsätzlich kann Reiten etwas Wundervolles sein. Wenn Pferd und Mensch als Paar einen gemeinsamen Weg finden, kann Reiten zum Tanz und zur Quelle von Freude von beiden werden.

Damit das aber möglich wird, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: 

  • Das Pferd muss in der Lage sein, den Menschen schmerzfrei und schadlos zu tragen; zu beachten sind hier insbesondere das Alter des Pferdes, sein Gesundheitszustand, sein Ausbildungsstand und anderes.
  • Der Mensch muss einen Weg der Kommunikation finden, in dem er dem Pferd seine Wünsche mitteilen kann, ohne ihm dabei wehzutun oder es einzuschüchtern. 
  • Das Pferd muss den Menschen freiwillig tragen und nicht, weil es Angst vor Strafen und Schmerzen hat. 
  • Das Pferd muss dem Menschen vertrauen.
  • Das Reiten muss in dem Maße stattfinden, in dem das jeweilige Pferd in der jeweiligen Situation ihm sowohl körperlich als auch seelisch gewachsen ist. 

Zeichen für Schmerzen bei gerittenen Pferden

Wenn Pferde beim Reiten Schmerzen haben, dann kann sich das sehr unterschiedlich äußern: 

  • Sie ticken oder lahmen deutlich. 
  • Sie drücken den Rücken weg. 
  • Sie stürmen oder schleichen. 
  • Sie schlagen mit dem Kopf oder verkriechen sich hinter dem Zügel. 
  • Im schlimmsten Fall buckeln oder steigen sie, um den Menschen (also den Schmerzauslöser) loszuwerden. 

Wodurch können wir Schmerzen beim Reiten auslösen?

Hier sind die Möglichkeiten leider vielfältig: 

  • Durch tierschutzrelevante Ausbildungs- und Reitmethoden, wie z.B. die Rollkur,
  • wenn das Pferd uns auf eine ungute Weise zu tragen versucht,
  • wenn wir es mit zu viel Gewicht belasten,
  • wenn wir ein junges Pferd zu früh reiten oder ein altes Pferd zu lange, 
  • durch eine harte Hand oder grobe Zügeleinwirkung und/ oder einen zügelabhängigen Sitz („an den Zügeln festhalten“), sowie durch ein Strafen durch Zügelzug oder gar ein Reißen an den Zügeln, 
  • durch einen unausbalancierten Sitz, durch den wir dem Pferd in den Rücken fallen, 
  • durch eine zu starken Schenkeleinwirkung, auch Bolzen genannt, 
  • wenn wir mit der Gerte schlagen,
  • wenn wir mit Sporen pieksen oder gar zustechen,   
  • durch scharfe Gebisse, vor allem solche, die durch eine Hebelwirkung unsere Kraft verstärken (und Pferden im Schlimmsten Fall den Kiefer oder das Nasenbein brechen), 
  • durch Hilfszügel, die unsere Kraft verstärken, wie z.B. Schlaufzügel, 
  • durch unpassendes Zubehör, insbesondere unpassende Sättel, aber auch kneifende oder zu eng geschnallte Zäumungen
  • und anderes mehr.

Schmerzen unter dem Reiter erkennen lernen

Wir möchten hier ein bisschen dafür sensibilisieren, wie es aussieht, wenn ein Pferd einen Reiter auf eine ungute und eben auch schmerzhafte Weise trägt.

Anregung: Vergleicht die folgenden Bilder einmal mit dem, was Ihr landauf, landab in Reitbahnen oder auf Turnieren sehr, leider selbst auf Weltsport-Veranstaltungen. 

Auf dem folgenden Foto ist ein Pferd zu sehen, dass unter seinem Reiter deutlich den Rücken weg- und den Unterhals herausdrückt. Die eingezeichneten Linien und Pfeile verdeutlichen die entscheidenden Punkte und weist darüber hinaus auf den vor Anspannung und/oder Schmerz abgestellten Schweif und den riesigen Abstand von Hinterbein zum Vorderbein. Das Pferd kann auf diese Weise kein Gewicht auf der Hinterhand aufnehmen.

Dieses Pferd trägt seinen Reiter in diesem Moment auf die denkbar ungünstigste Art. Wir müssen davon ausgehen, dass ihm das nicht nur unangenehm ist, sondern Schmerzen bereitet. Wird ein Pferd oft oder gar dauerhaft so geritten, wird es davon erhebliche Verspannungen und Schmerzen und sehr wahrscheinlich auch gesundheitliche Schäden davon tragen. So sollte kein Pferd unter dem Sattel aussehen! 

Schmerzen durch das Reiten

Wichtig: Diesem Pferd nun einfach mit Hilfszügeln den Kopf herunterzwingen, würde NICHTS an der Situation ändern, sondern den Schmerz, die Verspannungen und das Unvermögen, das Reitergewicht auf eine gute Art tragen zu können, noch verstärken. Hier muss an der Basis neu und behutsam aufgebaut werden, damit das Pferd lernen kann, das Reitergewicht auf eine gute Art zu tragen – und das gilt für Pferd und Reiter. 

Auf dem folgenden Bild lassen sich anhand der Mimik und des Halses des Pferdes viele Details benennen, die zeigen, dass sich dieses Pferd nicht wohl fühlt und sehr sicher Schmerzen hat. Gekennzeichnet sind hier im Uhrzeigersinn:

  • der in sich gekehrte Blick,
  • der viel zu eng verschnürte Sperrriemen, der es dem Pferd unmöglich macht, dem Schmerz, der durch den harten Zügeleinsatz ausgelöst wird, Ausdruck zu verleihen (es würde in dieser Situation das Maul weit aufreißen!),
  • die geblähten Nüstern,
  • die durch den Zug am Zügel und den eng zugeschnürten Sperrriemen eingeklemmten Maulwinkel,
  • der herausgedrückte Unterhals
  • und die eingequetschte Ohrspeicheldrüse durch den vom Reiter ausgelösten Ganaschenzwang

Schmerzen durch das Reiten

Und zum Schluss noch ein Bild von einem Pferd, dessen Blick uns alles sagen sollte. Die leider noch immer „moderne“ und verbreitete Reitweise des „Deep and Low“ oder auch Hyperflexion oder Rollkur genannt, zwingt Pferde durch schmerzhaften Zügelzug in eine vollkommen unnatürliche Haltung, die es ihm unmöglich macht, das Reitergewicht auf eine gesunderhaltende oder entspannte Weise zu tragen. Zu den körperlichen Beschwerden, die diese Reitweise auslöst, kommt auch noch die psychische Komponente, denn Pferde, die so geritten werden, werden ihres natürlichen Sichtfeldes beraubt, was unter anderem zur so genannten erlernten Hilflosigkeit führt. Eine solche Art zu reiten ist schlicht und einfach Tierquälerei, auch wenn damit leider noch immer Medaillen gewonnen werden…

Schmerzen durch das Reiten

Hinweis: Auf all diesen Fotos sind noch nicht einmal Hebelgebisse oder Schlaufzügel zu sehen, mit denen Pferden in einem vielfachen Maß Schmerzen zugefügt werden können. Leider ist Reitsportzubehör, welches physikalische Prinzipien nutzt, um die Kraft, die wir ausüben können, um ein Vielfaches zu erhöhen, noch immer frei käuflich. Die Schmerzen, die wir Pferden mit Stangengebissen, Schlaufzügeln & Co gewollt oder ungewollt zufügen können, sind immens und können zu schweren Verletzungen wie Kieferbrüchen oder Wirbelverletzungen führen. Hilfsmittel dieser Art gehören nicht einmal in „Profihände“, sondern schlicht und einfach verboten.

Bitte schaut hin und schenkt Pferden Eure Stimme

Reiten, das so aussieht, wie auf den hier gezeigten Bildern, ist Reiten, das Pferden Schmerzen und Qualen bereitet. Kein verantwortungsvoller Reiter, der von sich behauptet, Pferde zu lieben, sollte sein Pferd so reiten oder von einem „Ausbilder“ reiten lassen. Und wir alle sollten auch nicht länger zuschauen, wenn Pferde so geritten werden, sondern hier müssen wir eingreifen und zur Stimme unserer Pferde werden, denn sie leiden stumm. 

Pferdeleid ansprechen

 

Tipp: Wer dieses Thema vertiefen möchte, dem sei das neue Buch von Marlitt Wendt empfohlen, dass wir nächste Woche ausführlich vorstellen werden: „Was fühlt das Reitpferd?“

4. September 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Gesundheit, Reiten 5 Kommentare »

Eine fast magische Frage für das Training

Heute gibt es wieder mal ein kleines Geständnis von mir: Als wir uns an das Projekt Sehen lernen machten, hatte ich mich mit der ursprünglichen Idee zunächst etwas schwer getan, denn ich fürchtete, dass wir damit eigentlich das verstärken, was eh schon so verbreitet in der Pferdewelt ist: nämlich die Fehlerguckerei.

Skeptische oder auch besorgte Blicke, Dauerkritteleien oder Meckereien… – viele von uns gucken, bewusst oder unbewusst, leider oft vor allem negativ auf unser Pferd. Unsere Beweggründe dafür sind eigentlich fast immer gut, schließlich wollen wir das Beste für unser Pferd, doch die Wirkung ist oft gegenteilig, denn beim Pferd kommt in der Summe oft nur eines an: „Du bist falsch.“ 

Tja, und wie würde es wohl erst mit einem Kurs sein, der ausdrücklich als Lernziel hat, zu erkennen, ob eine Laufmanier gut oder eben nicht gut ist? 

Ein echter Perspektivwechsel

Nun wäre Babette nicht Babette, wenn ihre Art die Laufmanier eines Pferdes zu betrachten, nicht anders wäre! Von ihr habe ich gerade in diesem Projekt etwas gelernt, das ich mit Euch teilen möchte: Es geht darum, den Fokus nicht auf die „Fehler“ zu legen, sondern die Beurteilung der Laufmanier als Standortbestimmung in der Gesamtentwicklung zu sehen.

Und, wow, DAS ändert wirklich Grundlegendes! 

Spürt einmal nach, wie sich Euer Blick, Euer Denken und Eure Gefühle verändern, wenn Ihr Euer Pferd speziell beim Laufen (aber auch sonst) nicht mit der Frage „Was ist alles nicht gut?“ anschaut, sondern mit dieser fast schon ein bisschen magische Frage:

 „Sind wir auf einem guten Weg?

Die Frage nach der Entwicklung schafft ein Wir von Mensch und Pferd. Sie würdigt alles schon Erreichte und das, was schon gut ist. Sie verharrt nicht im Vorwurf und Hadern, sondern sie öffnet die Türen nach vorn. Damit schafft eine solche Frage eine positive, konstruktive Stimmung, die allen gut tut. 

Sind wir auf einem guten Weg?

6. Februar 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Longieren, Reiten, Umgang 0 Kommentare »

Wer darf hier was sagen?

Den meisten Pferdemenschen ist durchaus klar, dass vieles in der Pferdewelt nicht gut läuft. Gewalt gegenüber Pferden kennt so gut wie jeder und was alles in Sachen Haltung, Zucht oder Spitzensport & Co falsch läuft, wissen wir auch zur Genüge. 

Was aber passiert, wenn denn nun mal jemand den Mund aufmacht und z.B. einen hochgejubelten Ritt einer bekannten Reiterin kritisiert oder auf körperliche Auffälligkeiten eines Spitzenpferdes hinweist oder einen Denkanstoß in einer Runde von Pferdefans in Bezug auf das Gewicht eines Pferdes oder des Reiters macht oder etwas zur Haltung anmerkt oder… oder… oder…? Fast unmittelbar erfolgen Reaktionen wie: „Na, wer bist Du schon, dass Du das beurteilen willst?“ und es wird der Person schnell ein Urteilsrecht abgesprochen, weil sie z.B. nicht selbst Grand-Prix-Reiterin ist oder „nur“ ein Pony hat oder noch nicht einmal ein eigenes Pferd, sondern nur eine Reitbeteiligung… 

Mich stimmt das sehr nachdenklich. Ich selbst bin jemand, der sehr darauf achtet, einen positiven Fokus zu wahren und wenig zu kritisieren, sondern lieber den Blick auf das zu richten, was gut ist. Dennoch müssen auch kritische Gedanken möglich sein. Und, mal ganz ehrlich, wem gestehen wir eigentlich überhaupt ein Beurteilungsvermögen zu? Müssen wir uns mit einer kritischen Bemerkung oder einem Denkanstoß nicht befassen, nur weil die Person, von der das kommt, vielleicht selbst gar nicht reiten kann oder wenn, dann vielleicht nicht besonders gut? Kann ich Hinweise zum Gesundheitszustand meines Pferdes von Personen ignorieren, nur weil deren Pferd selbst krank ist? Brauche ich Bemerkungen von allen, die unter S reiten, gar keine Beachtung schenken? Und muss ich denen, die ich nicht leiden kann sowieso nicht zuhören?

Kritik ist ein schwieriges Thema

Mit Kritik und Ratschlägen ist das ganz grundsätzlich eine schwierige Sache – kaum jemand tut sich leicht, Kritik anzunehmen. Wenn wir all den vielen Nickeleien und/oder Ratschlägen, die man gefragt oder ungefragt bekommt, zu viel Beachtung schenken, weiß man letztlich gar nicht mehr, was überhaupt noch richtig ist. Insofern ist der Impuls, eine gewisse Gewichtung von solchen Hinweisen vorzunehmen und nicht alles an sich herankommen zu lassen, schon richtig.

Es stellt sich nur hier die Frage, WIE wir diese Gewichtung vornehmen – und hier tut vielleicht etwas mehr Bewusstheit Not.

Ich habe z.B. schon sehr wertvolle Hinweise gerade in Bezug auf das Miteinander von Mensch und Pferd von absoluten Laien in Sachen Pferd bekommen, die einfach nur spontan aussprachen, was ihnen durch den Kopf ging. Die wussten nichts über Hilfengebung oder Lektionen, benannten aber vollkommen unbeirrt das Unwohlsein und den Schmerzausdruck eines Pferdes, das gerade geritten wurde oder machten auch mich selbst oft schon sehr nachdenklich, wenn es um meinen eigenen Umgang mit meinem Pferd ging.

Natürlich ist es sehr bequem, Äußerungen vom Tisch zu wischen, indem man der jeweiligen Person zu wenig Kompetenz zuspricht, aber damit ist die geäußerte Sache noch lange nicht falsch. Um zum Beispiel zu beurteilen, ob es in Ordnung ist ein Kind zu schlagen, muss man nicht Erzieher sein und genauso wenig muss man eine S-Dressur reiten können, um beurteilen zu können, ob ein Pferd Schmerzen im Maul durch zu viel Zügelzug oder Sporengebohre hat. 

Tja, nehmt diese Gedanken vielleicht einfach mal als Frage für Euch selbst mit und achtet darauf, wem Ihr welche Kompetenz zu- oder absprecht und WARUM –  und ob diese vielleicht unbewusste Einteilung tatsächlich immer auch die beste beziehungsweise sinnvollste ist… 

 

12. September 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Reiten, Umgang 7 Kommentare »

Rückenprobleme – Reiten, ja oder nein?

Eigentlich sollte es diesen Blogbeitrag gar nicht geben müssen und es macht mich traurig, dass ich ihn dennoch schreiben muss… Auf meinen Kursen stellen sich bei vielen Pferden Rückenprobleme heraus und in diesem Zusammenhang kommt meist sofort die Frage nach der Reitbarkeit. Auch per Mail werden mir oft deutliche Symptome von Rückenbeschwerden beschrieben, oft verbunden mit der Frage, welcher Hilfszügel am besten hilft, damit das Pferd beim Reiten den Kopf nicht so hochreißt oder was man dagegen machen kann, wenn das Pferd unter dem Sattel buckelt. Deshalb hier also meine ganz klare Antwort auf die folgende Frage:

Kann ich ein Pferd mit Rückenproblemen reiten?

Nein! Ein Pferd mit Rückenschmerzen, oder auch nur mit dem Verdacht auf solche, darf meiner Ansicht nach genauso wenig geritten werden, wie ein Pferd, das lahmt.

Bei Rückenschmerzen tut Gerittenwerden weh

Eigentlich ist es so offensichtlich, dass man es nicht zu erklären braucht, aber da Pferde selbst mit heftigen Rückenproblemen tatsächlich geritten werden, ist es wohl doch nötig: Als Reiter sitzen wir mit unserem gesamten Gewicht (das oft nicht gerade wenig ist) GENAU auf der schmerzenden Stelle, nämlich dem Rücken. Da sollte es doch auf der Hand liegen, wie viel Leid das Reitergewicht für ein Pferd bedeutet, das Rückenschmerzen hat. 

Pferde mit Rückenproblemen haben, wenn sie geritten werden, Schmerzen, manchmal leichte, oft aber starke. Würden Pferde winseln, wimmern oder auch schreien können, könnten sie uns vielleicht deutlicher machen, was ihnen eine Qual ist. Die einzige Lautäußerung bei Schmerzen ist meist ein Stöhnen. Und wie reagieren viele Reiter/innen darauf, wenn ihr Pferd tatsächlich beim Reiten stöhnt? Sie lachen darüber und machen Witze alá „Ach, du Armer, du hast es aber auch schwer!“

Pferde haben keinen Schmerzlaut, sie äußern Schmerzen anders: Manche versuchen sich durch eine bestimmte Haltung Linderung zu verschaffen: nehmen also vielleicht den Kopf hoch und drücken den schmerzenden Rücken weg oder sie verkriechen sich hinter dem Zügel. Andere verweigern die Mitarbeit, indem sie immer langsamer werden oder auch stehen bleiben. Wieder andere zeigen das, was man so gerne als „Widersetzlichkeiten“ bezeichnet: Buckeln, Losstürmen oder auch Steigen. 

All diesen Reaktionen ist fast immer eines gemein: Sie sind Ausdruck von Not.

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Da Pferde still leiden, müssen wir die (leisen) Zeichen für Schmerzen erkennen lernen und diese genauso ernst nehmen wie eine Lautäußerung, wie z.B. ein Winseln. Wir dürfen nicht einfach über sie hinweggehen und weiter machen, wie bisher bzw. nach Hilfsmitteln suchen, damit wir weiter machen können.  Reißt ein Pferd den Kopf beim Reiten hoch, kann die Antwort nicht sein, den Kopf mit Hilfszügeln in die „richtige“ Position zu bringen, sondern es muss nach der Ursache gesucht werden. Dasselbe gilt für das Buckeln, Steigen, eine deutliche Trägheit und andere Anzeichen für Rückenschmerzen. 

Was tun bei Rückenschmerzen? 

Für mich sieht der pferdegerechte Weg bei Rückenproblemen so aus:

  • Beim Verdacht auf Rückenprobleme (s. diese Checkliste) sollte das Pferd als erstes gründlich von einem guten Tierarzt untersucht und eine sichere Diagnose gestellt werden (z.B. müssen Erkrankungen wie z.B. Kissing Spines ausgeschlossen werden). Zusätzlich rate ich zu Behandlungen von guten Physiotherapeuten/Osteopathen. 
  • Gibt es keine tierärztlichen Bedenken gegen das Training, sollte das Pferd durch gute, gymnastizierende Bodenarbeit (s. Longenkurs und Aufbaukurs) behutsam trainiert werden und das solange, bis das Pferd eine gute Laufmanier gelernt und eine gute, lockere Muskulatur entwickelt hat.
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  • Erst dann sollte sich nach einer ausreichend langen Lösephase an der Hand der Reiter für eine kurze Zeitspanne wieder auf das Pferd setzen (zu Beginn nicht länger als 10 Minuten!).
  • Wenn alles gut läuft, sieht das Ergebnis dann so aus, dass das Pferd unter dem Reiter am langen Zügel den Hals entspannt fallen lässt und locker losmarschiert. Erst von dieser Basis aus können dann langsam die Zügel aufgenommen und damit begonnen werden, dem Pferd auch unter dem Sattel eine gute Laufmanier zu vermitteln, die weiteren Rückenproblemen vorbeugt.

Leider wird das fast überall noch „anders“ gemacht. Mir ist bewusst, dass viele Menschen sich ein Pferd zum Reiten anschaffen und dass sich der Weg, den ich hier vorschlage, lang anhört. Für mich aber ist selbstverständlich, dass jeder, dem das Wohl seines Pferdes am Herzen liegt, bereit sein muss, bei Schmerzen auf das Reiten zu verzichten – und das gilt nicht nur, wenn das Pferd z.B. lahmt, sondern eben auch bei Schmerzen, die es nicht so klar zuordbar zeigen kann.

6. Juni 2017 von Babette Teschen • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Gesundheit, Longieren, Reiten 7 Kommentare »

Rückenschmerzen erkennen

Reiter und Reiterinnen sind sich oft nicht darüber bewusst, dass sehr viele Pferde unter Rückenproblemen leiden und dass eine ganze Reihe von so genannten „Widersetzlichkeiten“ auf Rückenschmerzen zurückzuführen sind. 

In unserem Beitrag Rückenprobleme beim Pferd- eine Checkliste haben wir viele Anzeichen aufgelistet, die auf mögliche Rückenschmerzen beim Pferd hinweisen können. Ergänzend zeigt Ihnen Maike Knifka, Osteopathin und Physiotherapeutin für Pferde, in unserem heutigen Blogbeitrag, wie Sie Ihr Pferd auf Anzeichen für Rückenschmerzen untersuchen können.

Ziel ist hierbei natürlich nicht, eine Selbstdiagnose zu stellen, sondern es geht darum, sensibler für Empfindlichkeiten beim Pferd zu werden und Schmerzbereiche früh zu erkennen. 

Wichtig: Diese Untersuchungen können immer nur erste Hinweise geben. Kontaktieren Sie deshalb bei Verdacht auf Schmerzen auf jeden Fall einen Tierarzt und/oder einen Physiotherapeuten.

Und geht es zum Film

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4. April 2017 von Babette Teschen • Kategorie: Anatomie und Körper, Gesundheit, Reiten 0 Kommentare »

Rückenprobleme beim Pferd – eine Checkliste

Viele Pferde haben Rückenbeschwerden. Fehler in der Ausbildung, unpassende Sättel, zu viel Gewicht auf dem Rücken, schlecht sitzende Reiter und vieles mehr können zu Verspannungen, Schmerzen und echten Schäden im Rücken des Pferdes führen. Hinzu kommt, dass Pferde von Natur eigentlich gar nicht dafür gemacht sind, ein Gewicht auf ihrem Rücken zu tragen und manche auch unter erblich bedingten Schwächen und Schäden leiden. 

Man sollte meinen, dass der Gedanke an Rückenbeschwerden eigentlich gar nicht so weit weg sein kann, aber tatsächlich werden Rückenschmerzen bei Pferden in der Praxis oft gar nicht als solche erkannt. Vielmehr werden Schmerzäußerungen fälschlicherweise oft als „Unart“, „Widersetzlichkeit“ oder „Bockigkeit“ missinterpretiert. Da beim Thema Gesundheit sehr viel vom Wissen abhängt, möchten wir hier einmal aufführen, welche Symptome tatsächlich alle auf Rückenschmerzen hinweisen können, denn sie sind sehr vielfältig. Einige liegen nahe, auf andere kommt man nicht so leicht. Viele der aufgeführten Symptome können natürlich auch andere Ursachen haben, aber bitte ziehen Sie im Verdachtsfall immer einen Physiotherapeuten bzw. Tierarzt zu Rate, um sicher auszuschließen, dass das Pferd Schmerzen im Rücken hat. 

Diese Liste gibt es hier auch als Checkliste zum Herunterladen

Anzeichen für mögliche Rückenprobleme

Rückenprobleme können sich sowohl unter dem Sattel als auch an der Longe durch diese Symptome zeigen: 

  • Das Pferd kann nicht losgelassen und entspannt laufen, sondern trägt den Kopf hoch und drückt den Rücken durch.
  • Es will nicht vorwärts gehen und ist sehr triebig.
  • Oder es wird zu eilig und stürmt davon.
  • Das Pferd buckelt, steigt oder geht durch. 
  • Der Rücken schwingt nicht nach oben, sondern nach unten.
  • Das Pferd drückt sich über den Unterhals heraus.
  • Es lässt sich nicht stellen und biegen. 
  • Es verwirft sich im Genick.
  • Es schlägt mit dem Kopf.
  • Es schlägt mit dem Schweif.
  • Es zeigt schleifende Zehen der Hinterhand, hebt die Beine nicht.
  • Es zeigt Taktunklarheiten, läuft klemmig oder geht lahm. 
  • Das Pferd zeigt wiederholt Probleme im Galopp wie Angaloppieren im Außengalopp oder Kreuzgalopp.
  • Beim Wallach/Hengst sind Schlauchgeräusche zu hören. 

Speziell unter dem Sattel können noch diese Symptome dazu kommen: 

  • Es lässt den Reiter nicht sitzen, es sitzt sich „hart“.
  • Es tritt nicht ans Gebiss. 
  • Es zeigt Zungenfehler. 
  • Das Pferd rollt sich ein.
  • Es versucht, dem Reiter die Zügel aus der Hand zu reißen.
  • Es kann nicht korrekt geschlossen stehen. 
  • Beim Springen verweigert es.

Auch diese Auffälligkeiten im Umgang können auf Rückenprobleme hinweisen:

  • Das Pferd reagiert beim Putzen über den Rücken z.B. mit Ausweichbewegungen oder es tritt zur Seite. 
  • Es verhält sich beim Satteln und/oder Aufsteigen unruhig oder deutlich aggressiv, schnappt z.B. nach dem Sattel oder beißt sogar. 
  • Das Pferd geht beim Satteln oder Aufsteigen in die Knie. 
  • Es steht und geht mit eingeklemmten Schweif oder der Schweif steht ab oder wird schief getragen. 
  • Die Hinterbeine werden auffällig hinten herausgestellt. 
  • Es gibt die Hinterhufe schlecht und zieht immer wieder weg. 
  • Es zeigt häufig ein Schmerzgesicht, wirkt gestresst und ungnädig und ist im Umgang vielleicht sogar aggressiv. 
  • Das Pferd spielt auf dem Paddock kaum mit anderen Pferden, mag sich nicht bewegen und wirkt trägt oder apathisch. 

Jedes dieser Symptome, vor allem wenn es häufig vorkommt, sollte Sie nachdenklich machen. Pferde tun nichts ohne Grund und viel öfter als die meisten Menschen annehmen, stecken echte Beschwerden hinter einem Verhalten, das viele zunächst als „Unart“ oder „Respektlosigkeit“ bezeichnen. Vergessen Sie nicht, dass Pferde uns nicht sagen können, wenn sie Schmerzen haben, aber sie zeigen es, wenn wir bereit sind, hinzuschauen. 

Und in diesem Video zeigen wir Ihnen, wie Sie auch als Laie den Rücken Ihres Pferdes untersuchen können, um besser entscheiden zu können, ob Ihr Pferd womöglich Rückenschmerzen hat. 

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21. Februar 2017 von Babette Teschen • Kategorie: Anatomie und Körper, Gesundheit, Reiten, Verhalten 9 Kommentare »

Buchtipp: Jeder Gedanke ist eine Kraft von Nicole Künzel

„Jeder Gedanke ist eine Kraft“ von Nicole Künzel
Stuttgart: Kosmos, 2015. – 208 S.
ISBN:9783440146101
ca. 25,– EUR (gebunden, durchgehend farbige Fotos)

Das Wichtigste gleich vorweg: dieses Buch erfordert die Bereitschaft zum Lesen. Natürlich kann man auch die schönen Bilder und Illustrationen anschauen, aber wirklich profitieren von dem Buch wird nur, wer es tatsächlich liest – und das ist ausgesprochen positiv gemeint!

Nicole Künzel hat nämlich ein anspruchsvolles und tiefgehendes Buch darüber verfasst, wie unsere Gedanken praktischen Einfluss auf alles haben, was wir mit Pferden tun (… und auch darüber hinaus). Es geht darum, sich darüber bewusst zu werden, mit welchen inneren Bildern, Einstellungen und Überzeugungen wir zu unserem Pferd gehen und mit ihm arbeiten und wie sich das auf das Miteinander auswirkt. Dieser Schritt ist wichtig, um dann zu erkennen, wie man die eigenen Gedanken positiv verändern kann, um damit auch die Beziehung und das Miteinander mit dem Pferd positiv zu verändern. 

Wem das ein bisschen zu abgehoben klingt, der sei beruhigt, denn die Autorin bleibt auf praktischen Boden. Ihre Erkenntnisse fußen in der Hinforschung und werden immer wieder durch Texte der Verhaltensbiologin Marlitt Wendt gestützt. Es geht darum, wie Mensch und Tier z.B. Stress erleben oder wie sie lernen, es geht darum, wie wir Beziehung leben können und auch ganz konkret um die Arbeit mit inneren Bildern beim Reiten. Vielfältige Gedanken verschiedener namhafter Pferdemenschen ergänzen und bereichern die Ausführungen. 

Fazit: Ein höchst interessantes Buch, das ich mit viel Gewinn gelesen habe und jedem empfehlen kann, der ahnt oder schon weiß, dass zwischen Mensch und Pferd viel mehr geschieht, als nur Hilfengebung. Dieses Buch könnte noch ein bisschen mehr als nur Ihr Verhältnis zu Ihrem Pferd verändern… 

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Oder direkt beim Kosmos-Verlag. 

24. Januar 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Buchtipps, Reiten, Umgang, Verhalten 3 Kommentare »

Das Lot für die Aufrichtung am Boden und im Sattel

Von Carla Bauchmüller

Heute habe ich eine Übung für Sie, die Sie sowohl beim Führen und der Handarbeit als auch beim Reiten nutzen können: 

Hinweis: Beginnen Sie mit der Übung bitte immer zuerst am Boden und nicht gleich im Sattel, auch wenn Sie sie vor allem zum Reiten einsetzen möchten, es hilft sehr dabei, sich die inneren Bilder wirkungsvoll erarbeiten.

Stellen Sie sich also zunächst ohne Pferd aufrecht hin, Ihre Füße stehen stabil auf dem Boden, die Knie sind entspannt. Stellen Sie sich nun eine vertikale Linie vor, also ein Lot, das über Ihrem Kopf beginnt und bis zu dem Bereich zwischen Ihren Füßen fällt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, dieses Lot zu erspüren.
 Haben Sie es? Dann stellen Sie sich bitte ein ebensolches Lot etwa einen Meter vor sich vor.

Wenn Sie nun losgehen, bringen Sie gedanklich das Lot in Ihnen und das Lot vor Ihnen in Deckung. Der Clou dabei: Das Lot vor Ihnen bewegt sich von Ihnen weg, wenn Sie auf es zugehen! Es bleibt also immer etwa einen Meter vor Ihnen. Sie bleiben mit Ihrer Aufmerksamkeit bei dem Lot in Ihnen und bringen dieses Lot immer wieder mit dem Lot vor Ihnen in Deckung. Gehen Sie auf diese Weise verschiedene Wendungen und gerade Linien immer mit der Vorstellung des Lotes. Atmen Sie gleichmäßig weiter.

Sie werden feststellen, dass Ihnen das Lot Stabilität vermittelt. Es erzeugt eine gute Spannkraft ohne Verspannung. Arme und Beine können frei schwingen. Wenn Sie das Bild vom Lot verinnerlicht haben, können Sie es auch zusammen mit dem Pferd nutzen, also z.B. bei der Hand- oder Longenarbeit und damit erreichen, dass Sie gut in Ihrer eigenen Spur laufen und nicht „in Ihr Pferd fallen“. 

Im Sattel geht diese Übung ganz ähnlich: Auf Pferd sitzend stellen Sie sich ebenso das Lot vor, das durch Sie durch und weiter durch Ihr Pferd bis zum Boden geht. Das andere Lot ist wieder ungefähr einen Meter vor Ihnen.

Wenn Sie jetzt losreiten, bringen Sie wieder gedanklich das Lot in Ihnen mit dem vor Ihnen in Deckung, während aber das Lot vor Ihnen immer im Abstand von einem Meter entfernt bleibt.

Diese Übung dient dazu, senkrecht zu bleiben und auch in Wendungen nicht in der Hüfte einzuknicken. Sie finden durch die kleine Visualisierung eine gute Stabilität, Ihre Schultern und Arme bleiben entspannt. Dadurch, dass Sie dem Lot folgen, schauen Sie automatisch geradeaus und folgen einer klaren Absicht, die das Pferd wahrnimmt und sehr zu schätzen weiß.

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28. Juni 2016 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Arbeit an der Hand, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 0 Kommentare »

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