Typische Probleme mit Pferden: „Mein Pferd steht beim Aufsteigen nicht still“

Beim Reiten gibt es ein Problem, das zwar viele haben, über das aber wenig geschrieben oder gesprochen wird: und zwar geht es um das ruhige Stehenbleiben an der Aufstieghilfe. In unserem Reitkurs „Mit dem Herzen voran“ gibt es zu diesem Thema ein ganzes Kapitel, denn für uns ist ein entspanntes und ruhiges Aufsteigen unerlässlich für das pferdefreundliche Reiten. Meist aber sieht man leider noch immer das:

  • Pferde, die an der Aufstieghilfe nicht stillstehen oder erst gar nicht hingehen wollen,
  • Reiter die ungehalten werden und schimpfen,
  • Leute, die das Pferd festhalten, damit überhaupt aufgestiegen werden kann.

Für viele ist es „normal“, dass der Anfang der Reitstunde so beginnt, aber genau so sollte und so muss es auch nicht sein.

Beim Aufsteigen hat das Pferd die Möglichkeit, uns sehr klar zu zeigen, ob es geritten werden möchte oder nicht und es ist an uns, das Signal unseres Pferdes wahr und ernst zu nehmen. Ein Pferd, das beim Aufsteigen nicht still steht, ist vor allem eines: eine Chance, wirklich pferdefreundlich zu handeln. Aus meiner Sicht ist es falsch und unfair, das Pferd dafür zu bestrafen oder zu versuchen, trotzdem irgendwie in den Sattel zu kommen, „weil man dem Pferd das nicht durchgehen lassen darf“. Pferde können nicht mit Worten reden, aber sie sprechen durch ihr Verhalten mit uns und zeigen uns oft sehr klar, wenn etwas nicht stimmt. Da für ein gutes und pferdefreundliches Reiten Kooperation unerlässlich ist, müssen wir uns hier konstruktiv mit der Aussage des Pferdes auseinandersetzen. Wenn wir sie hingegen ignorieren oder übergehen, handeln wir nicht pferdegerecht. 

Mögliche Ursachen erkennen

Ein Pferd, das nicht an eine Aufstieghilfe treten will oder dort unruhig und zappelig wird, macht deutlich, dass ihm das Aufsteigen Stress bereitet. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben, wie zum Beispiel diese: 

  • Das Pferd hat nie auf eine positive Weise gelernt, ruhig und entspannt an der Aufstieghilfe zu stehen.
  • Das Aufsteigen selbst ist unangenehm für das Pferd, zum Beispiel wenn ohne Aufstieghilfe aufgestiegen wird, wenn die Zügel zu fest aufgenommen werden, wenn der Mensch das Pferd unachtsam mit den Füßen bufft oder sich zu hart und schwer in den Sattel plumpsen lässt. 
  • Das Pferd nimmt ein unter Umständen unbewusstes Gefühl wie Unsicherheit oder Angst beim Menschen wahr oder spürt Wut oder Aggression und reagiert darauf.
  • Das Pferd verbindet Ungutes mit einem Menschen auf seinem Rücken, wie zum Beispiel ein zu grobes Reiten oder ein zu hartes Training, zu viel Gewicht, einen unpassenden Sattel oder Ähnliches.
  • Das Pferd ist abgelenkt oder wegen irgendetwas besorgt, es ist hungrig oder vielleicht nicht auf dem rechten Posten oder es will an diesem Tag einfach lieber nicht geritten werden.

Je nach Ursache gilt es dann gegebenenfalls, zunächst auf das Reiten zu verzichten und gemeinsam an dem Problem zu arbeiten.

Das Aufsteigen als Lektion

Wenn ich ein Pferd reiten möchte, dann soll es damit einverstanden sein. Ich möchte mich eingeladen fühlen, auf seinen Rücken zu steigen und es nicht erzwingen. Deshalb steige ich nicht auf ein Pferd, dass mich nicht ruhig und entspannt aufsteigen lässt.

Ich sehe das Aufsteigen bereits als eine „Lektion“, die ich mir gemeinsam mit dem Pferd erarbeite. Ich übe das zunächst frei, denn damit stelle ich sicher, dass ich das Pferd nicht unbewusst dazu bringe, stehen zu bleiben, obwohl es eigentlich gar nicht will. Viele Pferde, die gerne zeigen würden, dass sie nicht möchten, dass der Reiter aufsteigt, trauen sich genau das gar nicht mehr, da sie grob dazu gebracht wurden, still zu stehen. 

Hier seht Ihr eine kleine Sequenz mit meinem Anthony, wie ich das freie Aufsteigen angehe und auch immer wieder übe, oft  auch ohne dann tatsächlich zu reiten: 

Freies Aufsteigen

Zunächst geht es dabei nur um ein ruhiges Stehen an der Aufstieghilfe. Erst wenn das der Fall ist, probiere ich, ob ich auch aufsteigen darf. Anthony  kann mir jederzeit zeigen, ob er einverstanden ist, dass ich mich auf seinen Rücken setze oder nicht. Manchmal tut er das schon, wenn ich nur an der Aufstieghilfe stehe, während er an anderen Tagen vollkommen selbstverständlich stehen bleibt und deutlich einverstanden ist. Da es auch Tage gibt, an denen er sich die Sache erst überlegen muss, frage ich immer ein paar Mal freundlich nach, wenn er nicht stehen bleibt und zum Beispiel rückwärts geht oder seitwärts tritt. 

Auch wenn ich ein anderes Pferd reite, steige ich nur auf, wenn es damit einverstanden ist. Hier seht Ihr Skjöran, der meiner Stallbesitzerin gehört und den ich für unseren Reitkurs reiten durfte: 

Aufsteigen

Wie Ihr sehen könnt, nehme ich die Zügel zum Aufsteigen nicht auf, sondern lasse sie locker auf dem Hals liegen. Ich möchte ehrlich wissen, ob das Pferd ruhig stehen bleibt oder eben nicht. Mir dieses Ja zu Beginn einer Reiteinheit abzuholen, gehört für mich so selbstverständlich dazu, wie man beim Tanzen einen Partner fragt und nicht einfach auf die Tanzfläche zerrt. Äußert mein Pferd Bedenken oder Abwehr, dann schaue ich, was nötig ist, damit mich mein Pferd gerne auf seinen Rücken lässt.

Fazit

Für mich gilt: Wir sollten immer eine klare Einwilligung von unserem Pferd zum Aufsteigen bekommen und es nicht erzwingen wollen. Für mich gilt:

Wenn ein Pferd nicht möchte,
dass ich aufsteige, dann lasse ich es und
frage mich stattdessen, warum es das wohl nicht will.

(Und nein, ich habe nicht ein einziges Mal die Erfahrung gemacht, dass Pferde so etwas „ausnutzen“, ganz im Gegenteil: Pferde, die die Erfahrung machen, dass man auf sie und ihre Bedürfnisse eingeht, sind viel motivierter und freudvoller dabei, etwas für uns zu tun.)

19. Oktober 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten 4 Kommentare »

Sieh Dein Pferd im Ganzen! – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sieh Dein Pferd im Ganzen!

Schon als Kinder haben die meisten von uns (hoffentlich!) gelernt, dass es nicht ausreicht, ein Pferd einfach nur „süß“ zu finden und seine Mähne zu striegeln, sondern dass viel mehr dazu gehört, wenn es ihm gut gehen und es gesund bleiben soll. Also lesen wir und lernen wir, besuchen Seminare und Vorträge und wollen alles möglichst gut und richtig machen. Wir entwickeln uns dann vielleicht zu einem Experten in Sachen Hufrehe, weil unser Pferd gefährdet ist, daran zu erkranken, oder wir verschlingen alles, was wir zum Thema Hufstellung finden können oder wir lernen alles über die Anatomie und Biomechanik des Pferdes oder kennen uns bestens in allen Varianten von Zäumungen aus.

Fundiertes Wissen ist eine tolle Sache, aber selbst dabei gibt es ein „Aber“… Je tiefer wir in ein Thema einsteigen, desto größer wird die Gefahr, dass wir etwas ganz Entscheidendes verlieren: nämlich einen ganzheitlichen Blick auf unser Pferd. Ein Pferd ist nie nur ein Rücken, der uns tragen soll, ist nicht nur ein Hals, der gut bemuskelt sein soll und ist nicht nur ein Set aus vier Beinen, die möglichst spektakulär tanzen sollen. Ein Pferd ist auch nicht nur ein Darm, der möglichst reibungslos arbeiten soll, oder eine Lunge, die gut atmen soll, oder ein Set aus vier Hufen, die möglichst korrekt stehen sollen. Und ein Pferd ist erst recht nicht nur dafür da, unsere Wünsche und Erwartungen brav zu erfüllen, was immer wir auch von ihm wollen…

Allem voran ist ein Pferd ein Lebewesen mit komplexen Grundbedürfnissen, die nicht immer ganz einfach zu erfüllen sind, und körperlichen Gegebenheiten, die unseren menschlichen Erwartungen durchaus auch entgegenstehen können. Ein Pferd ist ein Tier, das soziale Bedürfnisse hat, einmal in Bezug auf Artgenossen, aber auch uns gegenüber, mit denen es gesehen und verstanden werden möchte. Und jedes Pferd bringt eine eigene Persönlichkeit mit, die selten in allen Facetten unserer Traumvorstellung entspricht.

Die große Komplexität und Verantwortung, mit der wir es als Pferdebesitzer/innen zu tun haben, kann manchmal ganz schön überfordern. Ein typischer Weg damit umzugehen, ist der, sich ganz auf einige Details zu konzentrieren, die man als „besonders wichtig“ auswählt. Sie erscheinen uns dann so bedeutungsvoll, dass wir mehr und mehr unseren Fokus darauf legen und so immer mehr von den anderen Aspekten vernachlässigen. Dann haben wir zwar vielleicht ein super gut bemuskeltes Pferd, das aber nur Dienst nach Vorschrift macht, weil ihm die Freude am Training fehlt. Oder unser Pferd bekommt die bestmögliche Futterkombi, weiß aber nicht, wie es vernünftig auf einer Kreislinie laufen soll. Oder unser Pferd erhält die beste Hufbehandlung, leidet aber zunehmend an Übergewicht… 

Der entscheidende Punkt ist: Einseitigkeit ist nie gut, selbst wenn die Intention dahinter gut ist. Viel wichtiger als einzelne Details perfekt haben zu wollen, ist immer ein möglichst breiter und ganzheitlicher Blick auf Euren Liebling. 

5. Oktober 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang, Verhalten 0 Kommentare »

Vergleiche Dich nicht mit anderen – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Vergleiche Dich nicht mit anderen

In Zeiten von Social-Media-Präsenzen schauen sich die meisten von uns täglich viele Fotos und Filme von anderen und ihren Pferden an. In unzähligen Accounts gibt es die tollsten Bilder und Aktionen zu sehen und bewusst oder unbewusst vergleichen wir uns und unser Pferd dann mit dem, was wir sehen. Und das kann vielfältige Folgen haben:

  • Immer öfter scheint uns das, was wir mit unserem Pferd machen, zu wenig spektakulär oder aufregend zu sein.
  • Wir sehnen uns danach, mit unserem Pferd auch springen zu können oder Bogenschießen vom Pferd auszuprobieren oder über Felder zu galoppieren, wissen aber, dass wir das selbst reiterlich gar nicht hinbekommen oder unser Pferd dafür nicht geeignet ist. 
  • Wir fragen uns, warum unser Pferd nicht irgendwie besonders sein kann. 
  • Wir kritteln plötzlich an der Mähne oder Farbe oder Figur des Pferdes herum.
  • Wir hadern immer mehr mit seinem chronischen Husten oder der einsetzenden Arthrose oder dem fehlenden Gangvermögen, anstatt unser Pferd mit seinen Schwächen zu akzeptieren.

Oder anders gesagt: Wir werden immer unzufriedener mit dem, was wir haben. Und das ist traurig! Es ist ganz wichtig, sich Folgendes klar zu machen: 

  1. Niemand außer Du selbst kannst wirklich einschätzen, was für Dich und Dein Pferd bedeutungsvoll ist und was nicht. Nur weil das, was Du mit Deinem Pferd hast und erlebst, sich vielleicht nicht auf eine aufregende Weise fotografieren oder filmen lässt, so kann es dennoch wundervoll und schön für Dich sein. Der Maßstab seid immer IHR beide – Du und Dein Pferd. 
  2. Nicht alles, was spektakulär erscheint, ist es auch wirklich. Das, was auf Instagram & Co veröffentlicht wird, soll vor allem für Likes und Kommentare sorgen. Deshalb werden dort vor allem Fotos gezeigt, die auffallen. Es können winzige Momentaufnahmen sein, die mit der eigentlichen Situation gar nichts zu tun haben. So kann von hundert Fotos vielleicht eines dabei sein, auf dem der Mensch lacht und das Pferd die Ohren spitzt, so dass pures Glück aus dem Bild strahlt, während es eigentlich nur ein zäher Versuch war, mit dem ziemlich genervten Pferd (das eigentlich lieber zu seinen Kumpels auf die Weide wollte) ein tolles Foto hinzubekommen. 
  3. Was wir auf Fotos sehen (und was uns die Bildunterschriften dazu vermitteln), muss nicht „wahr“ sein. Da waren zum Beispiel diese paar Sekunden, in denen das Pferd seinen Kopf hochwarf (…weil es eine Bremse verscheuchen wollte) und schon ist aus dem „gemütlichen Dicken“ ein „temperamentvoller Wilder“ geworden. Oder jemand hat mit einer Wieher-App ein Pferd zum aufmerksamen Gucken veranlasst, das sonst eigentlich meist in sich gekehrt ist. Und das Pferd auf dem Wahnsinns-Springfoto kann unter Umständen lahmen…

Sich mit anderen zu vergleichen, ist ein sicherer Garant für nagende und wachsende Unzufriedenheit. Lasst nicht zu, dass das passiert. Euer Pferd ist einzigartig und hat es verdient, unabhängig von vermeintlich spektakulären Fotos in den sozialen Medien von Euch gesehen, wertgeschätzt und geliebt zu werden.

7. September 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang 5 Kommentare »

Eine tolle Entwicklung – der Erfahrungsbericht von Daniela und Ebony

Hier möchten wir zwei Mails von Daniela mit Euch teilen, über die wir uns riesig gefreut haben. Es liegen anderthalb Jahre zwischen der ersten und der zweiten Mail und wir hoffen, dass sie möglichst vielen von Euch Mut machen, den ganz eigenen Weg zum Pferd zu finden, denn der ist einfach wunderschön!

 

Liebe Babette Teschen,
liebe Tania Konnerth,

Seit ca. vier Monaten arbeite ich mit meinem Pferd nach Ihrem Konzept und bin unglaublich glücklich, dass ich auf Ihre Homepage und die Bücher gestoßen bin.

Letztes Jahr im Juli habe ich mir eine zweijährige Friesenstute gekauft. Am Anfang lief auch alles super. Ebony stand im Offenstall, war ausgeglichen und lernwillig. Wir machten Spaziergänge nur mit Halfter, sie hatte viel Spaß an Zirzensik. Kurz gesagt: es war alles perfekt.

Dieser Zustand dauerte circa drei Monate an. Dann kam leider die Wende. Ebony fing an zu lahmen, sie stand eigentlich nur noch auf drei Beinen. Sämtliche Untersuchungen ergaben keinen Befund, der Verdacht auf einen Haarriss im Röhrbein war aber gegeben. Ebony musste aus dem Offenstall in eine Box umziehen und sechs Wochen fest stehen. Natürlich wurde die Unzufriedenheit immer größer. Als Ebony nach sechs Wochen die Box zur tierärztlichen Untersuchung wieder verlassen durfte, war das nur mit doppelter Sedierung möglich. Plötzlich erschreckte sie sich und trotz Sedierung kam sämtliche überschüssige Energie raus. Sie machte mehrere Bocksprünge und feuert nach hinten aus. Dabei traf sie mich mit beiden Hinterbeinen am Oberschenkel. Mir war im Endeffekt nichts Schlimmes passiert, aber Muskel, Nerven und Gewebe in dem Bereich sind irreversibel kaputt. Seit diesem Tag hatte ich Angst vor meinem Pferd. Ebony spürte diese Angst und fing an, gegen mich zu gehen, und ich fand keinen Ausweg aus diesem Teufelskreis.

Im Januar wechselten wir dann den Stall. Ich stellte Ebony auf die Koppel und fing erst Ende März ganz langsam wieder mit ihr an. Ich habe Ihren Clickerkurs gemacht, das Buch über Bodenarbeit gelesen und auch „10 Wege zu meinem Pferd“. Seit wir diesen Weg eingeschlagen haben, geht es stetig bergauf. Wir konnten gegenseitig neues Vertrauen aufbauen und auch wenn es mal nicht so gut läuft, weiß ich, dass es morgen schon wieder anders aussehen kann. Als ich vor einigen Tagen mit einer Freundin und unseren beiden Pferden spazieren war, regte sich die Stute meiner Freundin plötzlich furchtbar auf, tänzelte rum und war kaum zu bändigen. Ebony machte natürlich sofort mit. Aber mit Kopf senken, Clickern usw. brachte ich sie zur Ruhe. Wir gingen dann vor und pufferten das Ganze ab.

Vorgestern war ich mit Ebony alleine spazieren. Wir trafen auf zwei andere Pferde und sie wollte unbedingt hinterher. Sie galoppierte wild bockend um mich herum. Auch hier konnte ich ruhig bleiben und mein Pferd wieder zur Besinnung bringen. Wir gingen entspannt in den Stall zurück. Noch vor drei Monaten hätte ich mit Ebony vor Angst den Hof nicht verlassen und jetzt können wir sogar solch eine Situation gelassen angehen.
Auf dem Platz arbeiten wir oft mit dem Target-Stick und selbst longieren klappt wieder ohne Probleme. Ihren Longenkurs werde ich demnächst auch noch angehen.

Ich danke Ihnen sehr für diese super geschrieben Bücher und dafür, dass sie sehr viele Denkanstöße für verschiedene Wege geben. Machen Sie weiter so! Ich folge Ihnen auf jeden Fall.

Viele liebe Grüße,
Daniela Fietzek mit Ebony

*****

Liebe Tania,
liebe Babette,

ich hatte euch letztes Jahr im Juni schon mal eine Mail geschrieben und berichtet, dass ich durch Eure tollen Ratschläge wieder einen Weg zu meiner Stute Ebony gefunden habe. Jetzt möchte ich Euch gerne ein Feedback geben, wie es bei uns weitergegangen ist.

Ebony ist jetzt gerade fünf geworden und entwickelt sich super. Wir haben nach dem Longenkurs gearbeitet und auch viele Elemente aus dem Aufbaukurs, wie z.B. Doppellonge und klassische Handarbeit, dazu genommen. Euren neuesten Kurs habe ich natürlich auch schon gekauft und wir fangen gerade Schritt für Schritt mit dem Reiten an.

Selbstverständlich arbeiten wir auch weiterhin an gegenseitigem Vertrauen und sind inzwischen zu einem super Team geworden. Ich habe gar keine Angst mehr vor Ebony und kann jede Situation mit ruhigem Kopf meistern. Auch lange Spaziergänge zu unbekannten Orten sind problemlos möglich. Wir waren im August sogar gemeinsam schwimmen. Das war für mich immer ein großer Wunsch und ich hatte gehofft, dies mit Ebony irgendwann zu schaffen.

Auch mein neunjähriger Sohn kann inzwischen problemlos mit Ebony umgehen. Das freut mich besonders!

Alle zwei bis drei Monate wird Ebony physiotherapeutisch von Philipp Lomax behandelt. Er ist total begeistert über den Muskelaufbau von ihr und sagt, was sie in ein paar Monaten aufgebaut hat, schaffen andere erst in mehreren Jahren. Er hat mich nach dem Ausbilder gefragt und ich habe ihm gesagt, dass ich sie allein nach Eurem Kurs arbeite. Ein großes Lob daher auch von ihm an Euch und die super Übungen. 

Bleibt gesund und macht weiter wie bisher. Ihr seid super!

Liebe Grüße,
Daniela Fietzek

24. August 2021 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Erfahrungsberichte, Jungpferdausbildung, Reiten 1 Kommentar »

Gewalt ist falsch – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Gewalt ist falsch

Mit dem Thema „Gewalt“ haben wir uns schon häufig befasst, zum Beispiel hier, hierhier und hier. Aus aktuellem Anlass gibt es nun auch eine Inspiration des Monats zu diesem Thema. Vor einigen Tagen wurde bei den Olympischen Spielen ein Pferd im Fünfkampf von seiner Reiterin nach mehreren Verweigerungen auf Zuruf der Trainerin („Hau mal richtig drauf!“) geschlagen, was eine Welle der Empörung auslöste. So wichtig es ist, das Fehlverhalten einzelner Personen zu ahnden, so greift die Empörung allein über die Reiterin zu kurz. Das Problem liegt viel tiefer, nämlich im (Reit-)System selbst und in den Glaubenssätzen und Überzeugungen, die diesem System zu Grunde liegen. Ein System, das Gewalt zum Zweck der Ausbildung und des Trainings von Pferden billigt, als notwendig bezeichnet und sogar gutheißt, ist ein krankes System. Die Tatsache, dass Reiterin und Trainerin der Meinung sind, nichts Falsches getan zu haben, zeigt das mehr als deutlich.

Fakt ist: In der konventionellen Reiterei wird noch immer das „Durchsetzen“ über das Verständnis für das Tier gesetzt, was zwangsläufig zu Gewalt führen muss. Was bei den Olympischen Spielen zu sehen war, ist in vielen Reitställen „normal“: Pferde werden geschlagen, sie werden getreten und es wird an Zügeln gerissen. Zahlreiche Reiter/innen nutzen Hebelgebisse, Flaschenzüge, Sporen und Ähnliches, um Pferde zu kontrollieren. Und zahlreiche Trainer und Ausbilderinnen setzen Rollkur, Strom und andere schmerzauslösende Mittel sowie psychische Gewalt ein, um Pferde zu gewünschten Leistungen und Aktionen zu bringen. Schon Reitanfänger/innen und Kinder werden frühzeitig angeleitet, Gewalt zu nutzen, um Pferde zu dem zu bringen, was als Aufgabe gestellt ist. Auch wenn sich schon manches zum Guten geändert hat, so sind es immer noch viel zu viele, die diesen Weg gehen und viel zu viele von uns schauen weg, wenn es passiert. 

Ob Profi oder Anfänger, ob Jung oder Alt, ob Schüler oder Trainer, ob auf einem Turnier oder im Gelände, ob am Boden oder im Sattel – Gewalt ist immer der falsche Weg. Wenn ein erfolgreicher Turnierreiter ein Pferd mit der Gerte schlägt oder mit Sporen sticht, ist das für das Pferd genauso schlimm, wie wenn es ein Freizeitreiter tut. Die Schmerzen, die durch ein Hebelgebiss oder Schlaufzügel ausgelöst werden können, sind für das Pferd dieselben, egal ob sie eine erfahrene Reiterin oder ein Anfänger verursacht. Jeder „Experte“, der Gewalt gegenüber Pferden für angemessen hält, disqualifiziert sich selbst. Außer in echten Notfällen (wenn es also darum geht, schlimme Unfälle zu vermeiden oder gar Leben zu retten) gibt es keine Rechtfertigung für den Einsatz von Gewalt gegen Pferde, um sie gefügig zu machen und die eigenen Ziele durchzusetzen. Pferde dürfen nicht geschlagen oder getreten werden und Werkzeuge, die dazu geeignet sind, Pferden Schmerzen zuzufügen, können niemals zu einem harmonischen Miteinander führen. Wir alle, die wir mit Pferden zu tun haben, tragen hier eine Mitverantwortung.

Bitte seid bereit,

  • immer wieder selbstkritisch Euer eigenes Tun zu überdenken und ggf. zu ändern,
  • nein zu sagen, wenn Trainer oder Lehrerinnen Euch auffordern, gegenüber einem Pferd Gewalt anzuwenden, und
  • Euch zu Wort zu melden, wenn Ihr Gewalt gegen Pferde beobachtet.

Gewalt darf einfach nicht länger als „normal“ gelten, denn es geht auch anders! 

 

Gewalt ist falsch

10. August 2021 von Tania Konnerth • Tags: , , , , • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Reiten, Umgang 5 Kommentare »

Du darfst Dich umentscheiden – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Du darfst Dich umentscheiden

Ganz grundsätzlich neigen wir Menschen dazu, einen einmal eingeschlagenen Weg auch dann durchzuziehen, wenn wir ahnen oder erkennen, dass er gar nicht wirklich gut ist. Dieses Phänomen lässt sich auch in der Pferdewelt sehr oft beobachten:

  • Wir bleiben bei einer Reitlehrerin oder einem Trainer, obwohl uns der Unterricht keinen Spaß macht und unser Pferd einfach nicht besser läuft, und sagen: „Ich bin doch jetzt schon so lange bei ihr/ihm …“
  • Wir folgen weiter einer Methode, obwohl sie sich nicht gut anfühlt oder uns nicht dahin bringt, wo wir eigentlich hinwollen, und begründen das dann mit einem: „Ich habe dazu schon einige Seminare gebucht und mir gerade auch noch das Online-Programm gekauft …“
  • Wir gehen mit unserem Pferd auf eine Weise um, wie es uns andere im Stall empfehlen, obwohl wir genau spüren, dass sich das Verhältnis zu unserem Pferd immer mehr verschlechtert und sagen „Das machen hier doch alle so …“
  • Wir bleiben bei unserem Schmied oder der Hufpflegerin, obwohl die Hufe immer schlechter werden und sagen: „Der/die wurde mir so sehr empfohlen …“
  • Wir reiten weiter mit einem Sattel, von dem wir selbst sehen, dass er die Muskulatur wegdrückt oder gegen den sich unser Pferd sichtbar wehrt mit Sätzen wie: „Der ist doch extra angepasst worden …“ oder „Der war richtig teuer …“

Dass wir so reagieren, liegt zum einen daran, dass unser Gehirn uns dafür belohnt, wenn wir an Gewohntem festhalten, und zum anderen fällt es vielen von uns grundsätzlich sehr schwer, Fehler einzugestehen, vor allem dann, wenn wir vielleicht schon viel Zeit, Kraft und/oder Geld investiert haben. Hinzu kommt dann oft noch ein erheblicher Gruppendruck, der uns verunsichert, schließlich wollen wir doch eben nichts falsch machen!

Es ist sehr wichtig, sich klarzumachen,  dass aber oft gerade unsere Angst davor, etwas falsch zu machen zu viel Leid führen kann, einmal auf Seite des Pferdes aber eben auch bei uns selbst.

Fühle Dich durch die folgenden Sätze ermutigt, Entscheidungen auch immer mal wieder zu überdenken:

  • Einen einmal eingeschlagenen Weg müssen wir nicht zwingend weitergehen, sondern wir können und dürfen jederzeit dazulernen und uns weiterentwickeln.
  • Jeder kann sich irren, jeder kann Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen – wichtig ist, sie zu erkennen und zu ändern!
  • Investiertes Geld oder Energie zahlt sich nicht aus, nur weil wir an dem festhalten, wofür wir es investiert haben, im Gegenteil: Die Kosten werden immer größer, wenn es keine gute Entscheidung war
  • Neue Wege können Wundervolles ermöglichen.

Bitte frage Dich also immer wieder ganz liebevoll und achtsam, ob die bisherigen Entscheidungen für Methoden, für Fachleute, für Zubehör und dergleichen mehr wirklich gut sind für Dich UND Dein Pferd. Wenn nicht, sei bereit und mutig, neue Entscheidungen zu treffen!

Umentscheiden

13. Juli 2021 von Tania Konnerth • Tags: , , , • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang 3 Kommentare »

Jungpferdausbildung mit Tania: Die ersten Schritte unter einem Reiter

Vor kurzem habe ich hier gezeigt, wie das erste Aufsteigen bei einem Jungpferd für mich auf eine pferdefreundliche Art erfolgen kann. Hier soll es nun um die ersten Schritte unter dem Reiter gehen. 

Selbstkritisch hinterfragen: Wer soll der erste Reiter sein?

Zunächst ist es wichtig, dass die Person, unter der das Pferd seine ersten Schritte machen soll, so viel Ruhe und Gelassenheit wie möglich ausstrahlt. So verständlich es ist, dass die meisten Besitzer/innen natürlich gerne selbst die Ersten sein wollen, die das Pferd reiten, so ist das nicht immer die beste Entscheidung. Jede/r sollte sich hier gut prüfen:

  • Kann ich einem jungen Pferd genug Sicherheit und Ruhe vermitteln?
  • Bin ich ohne Angst und frei von inneren Bildern dazu, was alles passieren könnte?
  • Bin ich mir meiner Atmung und Körperspannung bewusst und kann ich zuverlässig einschätzen, ob ich wirklich Ruhe und Gelassenheit ausstrahle? 
  • Bin ich vom Sitz und meiner eigenen Balance her sicher genug, mit einem kleinen Hüpfer oder einem Losrennen liebevoll umgehen zu können, ohne zu schimpfen oder grob zu werden?
  • Und auch diese Frage sollten wir uns stellen: Bin ich leicht genug für den komplett untrainierten Rücken des Jungpferdes?

Gelassenheit vermitteln und immer im Tempo des Pferdes vorgehen!

Dann ist das Wichtigste: Geduld, Geduld und nochmal Geduld. Einen Menschen auf dem Rücken zu tragen ist für viele Pferde im Stand gar kein so großes Problem (vorausgesetzt, man nimmt sich die Zeit, das gemeinsam mit ihnen zu arbeiten). Aber mit dem ungewohnten Gewicht tatsächlich zu laufen, ist etwas ganz anderes. Und da kann es leider selbst bei einem „ganz ruhig“ wirkenden Pferd zu Schreckreaktionen kommen. Je achtsamer wir hier auf das Pferd achten und wirklich nur weitermachen, wenn es entspannt und offen dafür ist, desto sicherer wird alle Beteiligten.

Wir müssen uns bewusst machen, dass unser Gewicht ein Pferd sehr stark in seiner Balance beeinflusst – und aus der Balance zu geraten, ist für viele Pferde unangenehm oder sogar beängstigend. Um zu vermeiden, dass das Pferd unsicher wird oder gar Angst bekommt, sollte die Entscheidung für die ersten Schritte vom Pferd selbst getroffen werden. Also bitte nicht am Strick oder Zügel ziehen oder es mit der Gerte antreiben, sondern einfach erstmal abwarten (und bitte erst recht nicht mit den Beinen treiben, denn diese Hilfe ist dem Pferd ja noch vollkommen unbekannt und kann sensible Gemüter wirklich sehr verunsichern).

Tipp: Der Helfer vom Boden kann sich ein Stück vom Pferd entfernen und es dazu ermutigen, ihm zu folgen. Sollte das Pferd darauf hin aber nicht vorwärtsgehen, dann wartet einfach ein bisschen ab oder probiert es in der nächsten Einheit noch einmal. 

Tritt das Pferd tatsächlich an, zeigt ihm ruhig und liebevoll Eure Freude! Versucht, auch wenn sich die Schritte sehr schwankend anfühlen, es so wenig wie möglich zu stören, sondern geht jede Bewegung weich und mit einem ruhigen Atem mit. Lasst das Pferd dann nach wenigen Schritten anhalten und lobt es freudig. Gebt ihm Zeit, bewusst nachzuspüren, wie sich der Mensch auf dem Rücken anfühlt, und dafür, all das, was es gerade erlebt, zu verarbeiten. Wenn es noch einmal antreten mag, super, aber dann reicht es auch! Hier können wir schnell den Fehler machen, zu viel zu wollen. Bitte widersteht der Versuchung, gleich ganze Runden laufen zu wollen, sondern gebt Euch bitte wirklich mit wenigen Schritten zufrieden. So klein diese Schritte vielleicht auch wirken mögen, sie sind ein riesiger Schritt in der Ausbildung und sie bilden das Fundament für das weitere Gerittenwerden.

Hier könnt Ihr in einem kleinen Video sehen (Link führt zu Youtube) sehen, wie Mucki seine ersten Schritte mit einem Menschen auf dem Rücken machte.

Die ersten Schritte unter einem Reiter

Und noch ein Lesetipp: Mit dem Herzen voran – der Reitkurs von „Wege zum Pferd“. 

21. Juni 2021 von Tania Konnerth • Tags: , , , , , • Kategorie: Aus der Bereiterpraxis, Jungpferdausbildung, Reiten, Umgang 0 Kommentare »

Lerne, über Dich selbst zu lachen – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Lerne, über Dich selbst zu lachen

Pferde sind unsere Liebe und Leidenschaft und das tollste Hobby auf der Welt – und doch sind viele von uns im Umgang, aber vor allem im Training schrecklich streng und ernst. Wir erlauben uns selbst oft nicht den kleinsten Fehler und geben genau das auch unbewusst und damit ungewollt an unsere Pferde weiter. Was uns hier oft am meisten fehlt, ist die Fähigkeit, auch mal über uns selbst zu lachen.

Auch mal über sich selbst lachen zu können, ist aus meiner Sicht mit die wichtigste Zutat für ein freudvolles und leichtes Miteinander mit Pferden (und eigentlich auch für alle anderen Beziehungen in unserem Leben). Und so sollten wir uns viel öfter auf eine liebevolle Art den Witz und die Komik vieler Situationen und Begebenheiten mit Pferden und unseres eigenen Verhaltens bewusst machen. Das ändert sehr viel zum Guten, vor allem bei den so genannten „schwierigeren“ Pferden, die sich häufig als gar nicht sooo schwierig erweisen, wenn wir etwas lockerer werden und uns selbst nicht so furchtbar ernst nehmen. Manchmal wollen sie uns nämlich genau das abgewöhnen. Pferde haben ganz oft einen tollen Sinn für Humor und weisen uns auf vielfältige Weise darauf hin, wenn „es“ mal wieder mit uns durchgeht (… leider wird das aber oft als „Unart“ oder auch „Widersetzlichkeit“ interpretiert und mit Rügen oder gar Strafen beantwortet…). 

Lerne also, innerlich immer mal wieder einen Schritt zur Seite zu machen und Dir mit etwas Abstand selbst zuzuschauen, vor allem dann, wenn Du merkst, dass Du wütend oder gereizt bist und immer verbissener und ernster wirst. Vieles ist wirklich ziemlich lustig, wenn wir uns etwas mehr Spaß und Leichtigkeit erlauben. Und gemeinsam lachen zu können, tut einfach allen gut! 

Lach mal über dich selbst

Lesetipp: Der Freudekurs

15. Juni 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang 0 Kommentare »

Achte auf Deine Energie! – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Achte auf Deine Energie!

Im Zusammenhang mit Pferden wird häufig von „Temperament“ gesprochen oder auch von „Energie“: Beim Anweiden oder im Spiel bewundern wir die sprühende Energie unserer Tiere, auf Ausritten würden wir die Energie manchmal gerne etwas reduzieren und bei der Bahnarbeit vermissen wir sie, wenn unser Pferd eher träge um die Kurven schlurft.

Aber, … bist Du Dir eigentlich darüber bewusst, dass auch Du ganz unterschiedliche Arten von Energie ausstrahlst und dass Dein Pferd Deine Energie sehr genau wahrnimmt, deutet und darauf reagiert, ob Du nun willst oder nicht? 

Vielen von uns fällt es ziemlich schwer, ein Bewusstsein für die eigene Energie zu bekommen, dabei brauchen wir oft nur unser Pferd anzuschauen. Pferde sind wahre Meister darin, unsere Stimmungen wahrzunehmen. Sie wissen genau, wann wir gereizt sind oder locker, wann wir etwas von ihnen wollen, wann wir abgelenkt oder traurig sind, wann wir gut gelaunt und wann wir gestresst sind, auch wenn wir noch so sehr versuchen, etwas anderes auszustrahlen. Und sie nehmen unsere Energie nicht nur wahr, sondern sie reagieren oft unmittelbar darauf.  So benehmen sich viele Pferde sich ganz anders, wenn ihr Mensch gestresst ist oder bedrückt, und es ist auch immer wieder sehr spannend zu sehen, wie sehr sich ein und dasselbe Pferd bei verschiedenen Menschen verändern kann.

Unsere eigene Energie spielt also eine große Rolle im Miteinander mit unserem Pferd – im Umgang, im Training am Boden und im Sattel. Und so gilt die Regel:

Je bewusster wir uns unserer eigenen Ausstrahlung werden,
desto besser können wir mit Pferden kommunizieren.

Unsere Energie äußert sich

  • in unserer Mimik, unseren Gesten und unserer Stimme, aber auch
  • in unserer Ausstrahlung,
  • in unserer Körperhaltung
  • und in unserer Körperspannung.

Versuche im Zusammensein Deinem Pferd ab sofort immer mal wieder ganz bewusst zu überlegen, was Du wohl gerade ausstrahlst und wie Du in dem jeweiligen Moment auf Dein Pferd wirkst. Es braucht ein bisschen Übung, aber allein das Innehalten und bewusste Nachspüren ermöglicht immer mehr Achtsamkeit. Und noch ein Tipp: Hier können Videoaufnahmen sehr hilfreich sein, die man sich später in Ruhe anschauen kann und somit sich selbst einmal etwas aus der Distanz heraus wahrnehmen kann. Das schult das Bewusstsein!

Achte auf Deine Energie

25. Mai 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang, Verhalten 1 Kommentar »

Jungpferdausbildung mit Tania: Das erste Aufsteigen

Als ich meinen Anthony bekam, war er ein noch roher Dreijähriger, denn es war schon immer mein Wunsch gewesen, einmal ein Pferd von Beginn an selbst ausbilden zu können. Als er vier Jahre alt war, begann ich langsam damit, ans Reiten zu denken, und erarbeitete mir ganz behutsam das erste Aufsteigen. Ich bereitete das Ganze in vielen kleinen Schritten vor, so dass das tatsächliche Aufsteigen kaum noch überraschend für ihn kam und zu einem wunderschönen Erlebnis für uns beide wurde. Erst später erfuhr ich, wie dieses so wichtige und prägende Ereignis leider herkömmlicherweise aussieht …

Als ich mitbekam, dass es für viele vollkommen normal ist, dass ein junges Pferd in einer Box von zwei, drei Leuten festgehalten wird, damit jemand auf seinen Rücken steigen kann, kamen mir, ehrlich gesagt, die Tränen. Warum wird etwas, das doch den Grundstein für das ganze Leben als Reitpferd legt, so brutal gemacht, wo es doch ganz anders gehen kann? Warum gibt man einem Tier, das man viele, viele Jahre reiten will, zu Beginn nicht die Zeit, die es braucht, um ein freiwilliges Ja als Einladung zu bekommen, sondern erzwingt das Aufsteigen? Ich werde es nie verstehen. Das Argument „Zeitdruck“ lasse ich nicht gelten, denn auch wenn es vielleicht zunächst länger dauert, so spart man sich durch ein besonnenes und pferdegerechtes Umgehen später sehr viel Ärger und das macht die Sache dreimal wieder wett.

Als ich mich das erste Mal auf Anthonys Rücken setzte, war ich mit ihm allein in der Halle. Er trug nur ein Halfter mit Zügeln und er blieb von sich aus vollkommen ruhig und gelassen an der Aufstieghilfe stehen, während ich sanft auf seinen Rücken glitt. Wer schon ein bisschen länger bei uns mitliest, weiß, dass Anthony alles andere als ein einfaches Pferd ist, sondern ein hochsensibles Tier mit einem ausgeprägten eigenen Willen. Ich hatte es also nicht „besonders einfach“, sondern ich habe es einfach gut vorbereitet. Mit ein bisschen Zeit, Geduld, Einfühlungsvermögen  und der Bereitschaft, in kleinen Schritten vorzugehen, kann jedes erste Aufsteigen zu einem schönen und guten Erlebnis für ein Pferd werden und das Aufsteigen auch für Pferde, die bereits schlechte Erfahrungen gemacht, neu entwickelt werden. Für mich ist eine positive Erstbesteigung eine ganz entscheidende Grundvoraussetzung für die weitere Ausbildung zum Reitpferd und ein entspanntes Aufsteigen ganz generell ein Muss für das pferdefreundliche Reiten

Da ich zur Zeit den fünfjährigen Norwegerwallach „Mucki“ und seine Besitzerin Daniela Baars ein bisschen bei der Ausbildung unterstützen darf, kann ich Euch hier einmal ein kleines Video davon zeigen, was ich als eine pferdefreundliche „Erstbesteigung“ empfinde und wie wir genau vorgegangen sind. Zu diesem Zeitpunkt hatte Daniela schon folgende Punkte vorgearbeitet: 

  • Mucki war vollkommen vertraut mit Berührungen am gesamten Körper und Rücken.
  • Er wurde behutsam an ein Reitpad gewöhnt und auch, damit zu laufen. 
  • Er lernte Gewicht auf dem Rücken kennen und zeigte dabei keinen Stress oder Unsicherheiten. 
  • Daniela brachte ihm das selbstständige Herantreten an eine Aufstieghilfe bei (was inzwischen eine seiner absoluten Lieblingsübungen ist, das macht er frei und sogar vom Gras weg!). 
  • Er war daran gewöhnt, dass Daniela auf der Aufstieghilfe steht und von dort aus seinen Rücken berührt. 

Diese Schritte sind aus meiner Sicht nötig, bevor man überhaupt ans erste Aufsteigen denken kann und so würde ich auch bei Pferden vorgehen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben und Angst oder Unruhe zeigen, wenn man aufsteigen möchte.  Jeder einzelne dieser Schritte sollte ebenfalls mit Geduld und Einfühlungsvermögen vermittelt werden. Das  Tempo sollte immer das Pferd vorgeben – ein Pferd lernt schneller, ein anderes braucht länger. Als bei Mucki all diese Punkte erfüllt waren, schauten Daniela und ich mal, ob er auch einverstanden damit ist, wenn ich mich auf seinen Rücken setze – hier könnt Ihr das kleine Video dazu sehen (Link führt zu Youtube): 

Das erste Aufsteigen

Und noch ein Lesetipp: Mit dem Herzen voran – der Reitkurs von „Wege zum Pferd“. 

10. Mai 2021 von Tania Konnerth • Tags: , , , , , • Kategorie: Aus der Bereiterpraxis, Jungpferdausbildung, Reiten, Umgang 1 Kommentar »

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