Alina und Moonlight – ein Erfahrungsbericht zum Longenkurs

Heute haben wir wieder einmal einen Erfahrungsbericht zur Arbeit nach unserem Longenkurs für Euch: die wirklich wundervolle und hoffentlich für viele Mut machende Entwicklung von Moonlight und Alina: 

Verfasst von Alina

Hallo Ihr Lieben,

das hier ist Moonlight, sie wurde 2006 geboren. Ich erzähle Euch unsere Geschichte und wie der Longenkurs uns verändert hat – einmal als Video und auch als Text.

Wie alles begann

Fangen wir ganz vorne an: Moonlight kam in Dänemark zur Welt und mit fünf Jahren ging es dann für sie nach Deutschland zum Händler. Dort ließ sie sich nicht gerne anfassen und war noch sehr scheu. Sie versuchten sie irgendwie anzureiten, doch wohl eher schlecht als recht. Dann kam eine Familie, die noch Ponys für ihren Hof suchten. Mooni gefiel ihnen auf den ersten Blick. Sie nahmen sie mit auf ihren Kinderferienhof, um aus ihr ein Schulpony zu machen. Es war ein sehr professioneller Stall und sie gaben sich sehr viel Mühe mit ihr, doch sie machte nur langsam Fortschritte, zu oft wieder Rückschritte und benötigte mehr Zeit, als man auf einem Hof mit so vielen Pferden für ein einzelnes aufwenden kann. Zudem konnte sie von nur wenigen fortgeschrittenen Reitschülern geritten werden. Und selbst denen rannte sie regelrecht unter dem Hintern weg, buckelte, machte den Rücken fest und lief wie eine Giraffe durch die Halle.

Ich machte schon seit einigen Jahren regelmäßig in den Ferien Urlaub auf diesem Hof. Im Sommer 2012 ritt ich Moonlight dann das erste Mal und hatte mich direkt in sie verliebt. Warum genau? Keine Ahnung! Sie war echt nicht angenehm zu reiten. Im Gegenteil: die Reiterin, die Moonlight weiter ausgebildet hatte, meinte, ihr wird auf Moonlight immer schlecht. Moonlight war einfach zu sensibel für den Schulbetrieb und nicht für wechselnde Reiter gemacht. Somit stand dann für den Hof fest, dass sie Mooni in private Hände geben wollten. Ich versuchte mit aller Macht meine Eltern von Moonlight zu überzeugen, weil sich dieses graue, aufmerksame Pony sofort einen Platz in meinem Herzen verschafft hat. Und somit erfüllte sich im Sommer 2013 mein Traum seit ich denken kann: mein erstes eigenes Pony!

Doch wir hatten es nicht leicht. Bis wir anfingen, ein richtiges Team zu werden, verging ein Jahr. Bis dahin jagte ein Rückschlag den anderen. Beim Dressurreiten lief sie viel zu eilig und mit weggedrücktem Rücken, beim Longieren riss sie sich los und rannte vom Platz und beim Ausreiten ging sie regelmäßig durch.

Einmal stürzten wir dabei im Wald und sie lief ohne mich weiter. Natürlich machten wir auch Fortschritte, besonders an der Bodenarbeit hatte sie Spaß, jedoch lief alles nicht so, wie ich es erwartet und erhofft hatte.

Im Sommer 2014 wechselten wir die Trainerin, Moonlight war regelmäßig in osteopathischer Behandlung und langsam ging es in allen Bereichen voran. Sie lernte, statt mit weggedrücktem Rücken vor den Reiterhilfen wegzurennen, vorwärts-abwärts zu laufen und sich selbst zu tragen.

Durchbruch mit dem Longenkurs

Die richtigen Fortschritte, gerade was die Dressur angeht, kamen erst 2015, als wir anfingen, nach dem Longenkurs zu arbeiten. Sie verstand das Prinzip sehr schnell. Angefangen beim Führen in Stellung und dem „Anschraten“. Sie lernte, fernab von Ausbindern oder anderen Hilfsmitteln, einfach durch die Hilfen, die der Longenkurs vermittelt, ihren Rücken aufzuwölben, vorwärts-abwärts und in Biegung und Stellung zu laufen. Dies war erstmal natürlich nur phasenweise. Durchgängig und in allen Gangarten konnte sie es noch nicht halten. Und trotzdem machte Moonlight mehr Fortschritte als je zuvor. Wir wuchsen immer besser zusammen und aus dem Pony, was im Gelände durchgegangen war, ist eines geworden, welches sich draußen auch mit Halsring sicher reiten lässt. 

Ende 2015 besuchten wir unseren ersten Longenkurs bei Babette, da mir diese Arbeit mit Moonlight so viel Spaß machte und ich natürlich überprüfen wollte, ob ich ihr es bis hierhin richtig beigebracht hatte. Wir erarbeiteten uns den Slalom im Schritt und im Trab, das Schulterherein im Schritt sowie einen besseren Bewegungsablauf. Ich war mehr als begeistert von diesem Kurs und wir nahmen eine Menge mit, um Zuhause weiterzuarbeiten.

Der nächste Longenkurs folgte für uns dann schon vier Monate später. Diese Mal lernte Moonlight in Rekordschnelle das Travers und wir arbeiteten vermehrt am Galopp. Ich war wieder erstaunt, mit was für kleinen Schritten man bei Babette doch so viele Fortschritte in kürzester Zeit machen konnte. Die Lektionen waren immer ganz klein gesplittet, um es den Pferden verständlich zu machen.

Heute habe ich ein Pony, das immer motiviert ist und sich gesundheitserhaltend reiten lässt, statt unter dem Reiter wegzulaufen. An der Longe haben wir viel an fließenden Übergängen und Seitengängen geübt und das Ganze versucht, auch in der Freiarbeit umzusetzen.

Mittlerweile lässt sie sich frei in allen drei Gangarten „longieren“. 

Zurückblickend weiß ich nicht, wo wir ohne den Longenkurs heute wären und ob ich sie nicht irgendwann aufgegeben hätte.

Unsere ganze Geschichte könnt Ihr im folgenden Video angucken.

Viel Spaß,
Eure Alina

18. Februar 2020 von Gastautor • Kategorie: Jungpferdausbildung, Longieren 0 Kommentare »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 5: Und was mache ich jetzt?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich weiß noch genau, wie ich an diesem Tag, an dem Monty das erste Mal mit mir gesprochen hatte, sehr verwirrt von der Weide zurück zum Stall lief. Ich versuchte, zu verstehen, was da eigentlich gerade geschehen war: Mein Pferd hatte gesprochen. Ich hatte ein sprechendes Pferd. Ein ausgesprochen höfliches, sprechendes Pferd. Es siezte mich sogar.

Es gab keinen Zweifel, ich musste vollkommen verrückt geworden sein.

Und was soll ich jetzt machen, fragte ich mich. Tja, was macht man, wenn man durchdreht? Ich für meinen Teil packte Montys Sachen weg, nahm meine Jacke, schloss die Sattelkammer ab und setzte mich in mein Auto.

„Ich habe mir das schlicht und einfach eingebildet.“, sagte ich zu meinem Lenkrad. Das antwortete Gottseidank nicht, sonst hätte ich wahrscheinlich einen Schreikrampf bekommen. Ich klappte die Sonnenblende herunter und schaute in den Spiegel. „Mädel, du machst mir Sorgen.“, sagte ich dieses Mal zu mir selbst und zuckte mit den Schultern. Dann startete ich den Motor und fuhr nach Hause.

Tage, an denen sich plötzlich das Leben ändert, zeichnet meist vor allem eines aus: Sie sind endlos lang. Ich konnte mich an diesem Tag auf nichts mehr konzentrieren. Was ich auch anfing, meine Gedanken kreisten um mein sprechendes Pferd und um meinen Geisteszustand. Am liebsten wäre ich noch einmal zu Monty gefahren, um mich zu überzeugen, dass er – natürlich! – nicht sprach, aber ganz ehrlich? Ich traute mich nicht.

Genauso wenig traute ich mich, irgendjemandem davon zu erzählen. So etwas kann man einfach niemandem sagen, nicht einmal seiner besten Freundin. Die hätte ich zu gerne angerufen. Anne hat auch Pferde und wir haben schon vieles in Sachen Pferd zusammen erlebt und durchgemacht. Aber selbst sie würde wahrscheinlich an meinen Verstand zweifeln oder es für eine esoterische Spinnerei halten und nicht für eine reale Tatsache. Dass wir alle mal das Gefühl haben, eine Art „Botschaft“ von unserem Pferden zu bekommen oder hin und wieder auch mal ihre Gedanken lesen zu können, das schien mir ja noch normal (ich hatte mir das jedenfalls vorher durchaus mal eingebildet), aber dass ein Pferd wirklich spricht?   So richtig mit Worten und laut und deutlich? Das gibt’s doch nur in Büchern und Filmen.

Nun aber hatte meines gesprochen – und war das nicht eigentlich einfach großartig?

Wie oft hatte ich mir gewünscht, Monty besser zu verstehen! So wäre es zum Beispiel im Falle von Krankheiten doch ausgesprochen hilfreich, wenn ein Pferd sagen könnte, wie es ihm geht oder worin genau seine Beschwerden bestehen. Häufig hätte ich gerne wissen wollen, was ihm Sorgen bereitet hatte, wenn er mal wieder auf einem Ausritt aufgeregt auf der Stelle tänzelte oder partout nicht an einem Ort vorbeigehen wollte, an dem ich nichts Ungewöhnliches entdecken konnte. Ich hätte auch gerne gewusst, was er beim letzten Umzug in den neuen Stall gedacht hatte und vieles, vieles mehr.

Jetzt würde ich ihn das alles fragen können! Ich würde nicht mehr raten, interpretieren und spekulieren müssen, sondern er könnte mir sagen, was er braucht und was nicht, was er mag und was nicht – war das nicht genial? Wir könnten uns beim Reiten viel leichter über die nächsten Lektionen austauschen. Ich könnte einfach sagen, was ich will, weil er mich ja verstehen kann. Wow, alles würde jetzt so viel einfacher werden! Und nun würden wir ganz sicher auch die Beziehung bekommen, die ich mir immer für uns gewünscht hatte: Echte Freunde würden wir werden, die über alles einfach alles reden können.

In diesem Moment war ich sehr glücklich.

Als ich allerdings abends im Bett noch einmal über Monty nachdachte, sank meine Stimmung wieder. Monty war in seinem ganzen Wesen kein besonders anhängliches oder zugängliches Pferd, sondern immer etwas distanziert. Ich hatte nie das Gefühl, dass mein Pferd mich liebte, so wie ich es bei Hunden oft sah, die ihre Besitzer schon manchmal zu vergöttern schienen. Klar, ein Pferd war kein Hund, aber ein bisschen wollte doch jeder von seinem Pferd geliebt werden, oder?

Nun würde ich herausfinden können, was Monty wirklich über mich denkt – und das war, wenn man mal wirklich so darüber nachdachte, eine ganz schön gruselige Vorstellung! Ich meine, wir kamen ja gut miteinander aus, aber würde das jetzt, da mein Pferd seine Stimme gefunden hatte und seine Meinung äußern konnte, noch reichen? Ich fragte mich, wie mich Monty wohl ehrlich erlebte. War ich in seinen Augen eine gute Besitzerin? Die Aussicht, auf solche Fragen nun tatsächlich Antworten zu bekommen, machte mir furchtbare Angst.

Es war schon sehr spät, als ich irgendwann endlich einschlief.

 

Fortsetzung folgt … 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

11. Februar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 5: Und was mache ich jetzt?

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 4: Eine erste Unterhaltung mit meinem Pferd

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Da standen wir, mein Pferd und ich, in der Mitte der Reithalle und ich versuchte zu begreifen, was gerade geschah. Ich war natürlich noch nie zuvor in der Situation gewesen, dass ein Pferd mit mir gesprochen hatte, nicht meines oder irgendein anderes, und hatte deshalb keine Ahnung, was man in diesem Fall tut. Also fragte ich: „Und jetzt?“

„Ach, wenn es Ihnen nichts ausmacht, wäre es schön, wenn Sie bitte erst einmal das Mundstück entfernen könnten.“, sagte Monty und öffnete sein Maul, streckte seine Zunge heraus und schob das doppelt gebrochene Gebiss hin und her, wie um mir zu zeigen, was er meinte.

„Klar, natürlich, tut mir leid.“, sagte ich und öffnete hastig den Kehlriemen des Zaums, fasste ihn am Genickstück und striff ihn zusammen mit den Zügeln über Montys Ohren. Er gähnte herzhaft und sagte dann er mit einer deutlich klareren Stimme: „Danke, das ist besser, es spricht sich doch etwas leichter, ohne ein Metallstück auf der Zunge zu haben.“

Ich schaute ziemlich verlegen auf den Zaum in meiner Hand und wusste nichts zu sagen.

„Na, machen Sie sich mal keine Sorgen, es ist schon ok mit dem Gebiss. Ich meine, Sie ziehen ja nicht doll daran. Nur für ein Gespräch ist es einfach netter ohne, was Sie sicher nachvollziehen können.“

„Ja, natürlich.“, sagte ich.

Und dann standen wir wieder so da, ohne dass ich einen Plan hatte, wie es nun weitergehen sollte.

„Vielleicht … sollte ich auch den Sattel? Ich meine, … es ist vielleicht auch angenehmer, sich ohne Sattel zu unterhalten?“

„Ach ja, wenn Sie vielleicht so freundlich wären, gerne.“

Ich öffnete den Sattelgurt, ging um Monty herum, legte den Gurt auf der anderen Seite auf die Sitzfläche des Sattels und hob den Sattel von seinem Rücken. Monty streckte den Kopf nach vorne und schüttelte sich, während ich mit dem Sattel im Arm unschlüssig herumstand.

„Ähm, … macht es Ihnen etwas aus, wenn ich vielleicht kurz …, Sie wissen schon, es juckt immer so, da ist es schön, sich ein bisschen in den Sand zu legen.“

„Klar, kein Problem, mach nur, Monty.“, sagte ich zu meinem Pferd, der bereits nach der bestmöglichen Wälzstelle zu suchen begonnen hatte.

„Ich häng den Sattel dann einfach mal auf die Bande.“, sagte ich mehr zu mir als zu ihm. Ich hatte das dringende Bedürfnis, meine Stimme zu hören, wie, um zu überprüfen, dass ich wach war und dass das alles hier gerade wirklich passierte.

Wie immer brauchte Monty sehr lange, um sich zu entscheiden, wohin er sich legen wollte. Ich hörte, wie er vor sich hin murmelte: „Hier sieht es gut aus, … nein, Moment, nein, doch nicht …, aber hier, ja, hier …, ach nein, halt, dort drüben, ja, das sieht besser aus, aber diese Stelle dort könnte noch besser sein …, Moment, da hinten ist es ganz sicher optimal … oder vielleicht doch lieber dort …“

Ich lief rot an bei dem Gedanken, wie oft ich ihn dafür angemault hatte, dass er doch ein bisschen schneller machen solle, weil ich nicht ewig Zeit hätte und dass doch jede Stelle gleich sei. Jetzt hielt ich meinen Mund und wartete geduldig.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich ein: „Hier!“, und mein Pferd ließ sich geräuschvoll in den Hallensand fallen. Mit unfassbar vielen „Ohhhhs“ und „Ahhhs“ und „Hmmmms“ wälzte er sich von links nach rechts und von rechts nach links, rieb seinen Hals im Sand und drehte sich erneut auf die andere Seite. Ich wurde nochmal rot und schaute zur Hallentür hinaus, ob jemand vielleicht durch die Geräusche kommen würde, um zu gucken, was hier los ist, aber offenbar waren wir noch immer allein im Stall.

Dann sprang Monty auf, streckte den Hals erneut und schüttelte sich wieder. Der Staub sah im Licht, das von außen durch das Dach hereinschien, wie Nebel aus. Er hustete.

„Ist ganz schön staubig hier drin, was?“, fragte ich schuldbewusst. „Vielleicht hätte ich doch besser noch sprengen sollen.“

„Ach, machen Sie sich keine Sorgen, das geht schon. Ist ja meistens so staubig, das bin ich gewöhnt.“, sagte er und das bewirkte nicht gerade, dass ich mich besser fühlte. „Gut war das, sehr gut.“ Monty knüllte zufrieden die Augen.

Wieder stand ich unschlüssig da. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal so unsicher in meinem Leben gewesen zu sein. Monty schaute demonstrativ zur Tür.

„Also, ähm“, sagte er „wir könnten dann …“

„Ach ja, klar, dein Futter.“, sagte ich und wollte ihm den Zaum anlegen, um ihn zum Futterplatz zu führen. Aber dann hielt ich inne. Ich konnte ihn doch nicht einfach so den Zaum wieder anziehen, oder?

Er bemerkte mein Zögern.

„Ach, eigentlich ist der nicht nötig, wissen Sie, ich kenne ja den Weg.“

„Klar. Tut mir leid.“, stammelte ich, nahm den Sattel von der Bande und öffnete die Hallentür. Ich schaute Monty fragend an.

„Nach Ihnen.“, sagte er und ich ging voraus die Stallgasse entlang zum Putzplatz. Monty folgte mir. Ich brachte den Sattel weg und holte die Futterschüssel.

„Soll ich, äh, sie einfach hier hinstellen?“

„Ja, gerne. Dankeschön.“, sagte mein Pferd und begann zu fressen.

Und wieder stand ich etwas hilflos herum. Normalerweise hatte ich, während Monty fraß, immer seine Hufe ausgekratzt und war mit der Wurzelbürste über sein Fell gegangen. Das konnte ich doch jetzt nicht einfach auch so machen, oder? Plötzlich schien es mir unhöflich, ihn beim Fressen zu stören, darüber hatte ich nie zuvor nachgedacht. Ich wartete, bis er fertig war, was deutlich schneller ging als seine Suche nach dem richtigen Platz zum Wälzen.

Dann fragte ich: „Die Hufe? Also, ich meine, ich würde gerne die Hufe, äh … , auskratzen.“

„Selbstverständlich.“, sagte mein Pferd und ich kratzte seine Hufe aus.

„Vielleicht noch ein bisschen abbürsten?“, fragte ich ihn.

„Ach, das muss gar nicht sein.“, sagte er.

„Ok, klar, dann also zur Weide?“

„Ja, gerne.“

Ich griff nach dem Halfter und zögerte.

„Ok, ich verstehe, dass du auch so mitkommen würdest, aber die anderen, … weißt du, ich weiß nicht, was die sagen, wenn du so ganz frei …, ach, ich bin verwirrt, … alles ist so seltsam gerade.“

„Kein Problem, nutzen Sie ruhig das Halfter.“, sagte er und hielt mir den Kopf hin. Ich halfterte ihn auf und kam mir vollkommen idiotisch dabei vor, mein nun sprechendes Pferd am Strick zur Weide zu führen.

Als ich das Weidetor geöffnet hatte und wir hindurchgegangen waren, drehte er sich zu mir und ich zog das Halfter wieder ab.

„Hätten Sie vielleicht noch einen dieser leckeren Kekse, die so schön knuspern, für mich?“, fragte mein Pferd.

„Klar, … Moment …“, sagte ich und wühlte in meiner Jackentasche. Ich reichte ihm ein Leckerli und er nahm es mit seinen Lippen und zerkaute es geräuschvoll.

„Na, dann Tschüss, Monty.“, sagte ich, doch er hatte sich schon umgedreht und trabte los zu den anderen Pferden.

Er hat sich gar nicht von mir verabschiedet, dachte ich und irgendwie gab mir das einen Stich.

—> Fortsetzung: Kapitel 5

Monty - Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

6. Februar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 4: Eine erste Unterhaltung mit meinem Pferd

Sei flexibel – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sei flexibel!

Klare Ausbildungssysteme und konkrete Übungsvorgaben sind bei vielen von uns beliebt, weil sie uns Orientierung und damit ein Gefühl von Sicherheit geben. Das Problem dabei ist nur, dass sie uns leider selten dazu anregen, flexibel oder sogar kreativ mit unserem Pferd zu arbeiten – aber genau das ist in den meisten Fällen nicht nur sinnvoll, sondern sogar nötig!  

Nehmen wir unseren Longenkurs als Beispiel: Da sind die einzelnen Übungen hintereinander aufgeführt, aber es ist ein Denkfehler, dass sie deshalb auch NUR in genau dieser Reihenfolge, also aufeinander aufbauend auszuführen sind. Natürlich beschreiben die Übungen in groben Zügen die Ausbildung von „kann noch nicht viel“ bis hin zu „läuft super“, ABER es ist keinesfalls so gedacht, dass erst eine Übung sitzen muss, bevor man zur anderen übergehen kann. In so einem Kurs muss man das Ganze ja in eine Reihenfolge bringen, um einen Text schreiben zu können, aber die Übungen des Longenkurses sind viel mehr wie die Farben in einem Malkasten zu sehen. Sie stehen Euch jederzeit alle zur Verfügung, um ein für den jeweiligen Tag passendes Longierbild zu malen. So kann es durchaus sinnvoll sein, auch mal ein Pferd im Galopp anspringen zu lassen, dass sich noch nicht gut stellt und biegt, um es zum Beispiel aufzuwecken oder es in Schwung zu bringen. Genauso kann es Sinn machen, mit einem Pferd, das eigentlich schon in einer guten Manier läuft, mal wieder ein bisschen die Übung „Anschraten“ zu machen, weil es sich gerade beim Antraben immer kurz verwirft.

Und das gilt aus unserer Sicht für fast alles, was wir mit Pferden tun. Beim Reiten gelten Seitengänge zum Beispiel als fortgeschrittene Lektionen. Wir setzen sie allerdings gerne – in angepasster Form – auch schon bei Pferden ein, die wir gerade erst ausbilden, wenn wir ihnen zum Beispiel eine erste Vorstellung von Biegung und Balanceverschiebung vermitteln möchten.  

Wir sind fest davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, in der Ausbildung und in der Arbeit mit Pferden flexibel und kreativ zu sein, da uns das ermöglicht, auf die Bedürfnisse des Pferdes einzugehen und situationsbezogen Lösungen zu entwickeln, um die jeweiligen Bausteine zu vermitteln, die wir brauchen. Das menschliche Bedürfnis, das erst einmal eine Sache sitzen muss, bevor man etwas anderes machen kann, ist oft genau das, was es vielen Pferden schwer macht und manchen von ihnen die Freude an der Sache nimmt.

Nehmt aus dieser Inspiration doch einmal diesen Grundgedanken mit: Wenn etwas zäh wird und sich doof anfühlt, macht es fast immer Sinn, sich einen anderen Zugang zu überlegen. Oder, um in dem Symbol mit der Palette zu bleiben: Seid mutig und malt bunte Bilder mit Euren Pferden! 🙂

 

Sei flexibel

4. Februar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Longieren, Reiten, Umgang 1 Kommentar »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 3: Und plötzlich spricht mein Pferd

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich also in der Reithalle den Satz hörte, der mein Leben verändern sollte:„Ich bin’s, Ihr Pferd.“

„Mein Pferd.“, wiederholte ich ziemlich blöde.

„Ähm …, ja, Sie wissen schon, der große Braune, auf dem Sie gerade sitzen?“, kam die Antwort von unten.

Für einen Moment wusste ich weder, was ich sagen, noch, was ich tun sollte. Ich hatte mal einen Meditationsworkshop gebucht. Man sollte seinen Geist leeren, hieß es da, und daran war ich kläglich gescheitert. Jetzt hatte ich den leersten Geist auf diesem Planeten, da war ich mir sicher. Und weil das so war, tat ich das, was ich als Reiterin immer tue, wenn ich nicht weiterweiß: Ich stieg ab.

Als ich neben Monty stand und ihn anschaute, wirkte er wie immer. Er guckte mich mehr oder weniger interessiert an, normalerweise bekam er ein Leckerli von mir, wenn wir fertig waren, was ich jetzt aber komplett vergaß.

„Du hast jetzt nicht gerade mit mir geredet, oder?“, fragte ich mein Pferd und kam mir ziemlich albern dabei vor.

Monty schaute mich weiter an.

Ich atmete aus. Was einem der eigene Verstand doch so für Streiche spielen konnte. Sie war mir so real vorgekommen, diese Stimme, so als wäre das wirklich geschehen. Ich zog die Steigbügel hoch und löste den Gurt. Monty seufzte hörbar, was mich wieder stutzen ließ. Ein Seufzen? Ich meine, so ein richtig hörbares Seufzen? Seit wann seufzen Pferde so?

Ich trat nach vorn zu meinem Pferd und schaute ihm in die Augen, na ja, mehr abwechselnd in je eines der Augen, denn in beide gleichzeitig zu schauen, ist ja nicht wirklich möglich.

„Du hast tatsächlich mit mir gesprochen, stimmt’s?“

Er schaute mich weiter an.

„Komm schon, Monty, sag es mir, ich werde damit klarkommen.“

Darauf schloss mein Pferd die Augen, atmete hörbar ein, öffnete die Augen wieder und sagte: „Also gut: Ja, das war ich.“

Meine Knie wurden weich und für einen Moment dachte ich, ich falle einfach um. Montys Augen wurden groß, er schien sich Sorgen zu machen. Ich beugte mich nach vorn, stemmte meine Arme auf meine Oberschenkel, um mich zu stützen, und atmete einige Male tief ein und aus.

„Also, das muss ich erstmal verdauen. Ich höre mein Pferd sprechen. Einfach so spricht mein Pferd. Das ist doch verrückt! Nein, … ICH bin verrückt geworden!“

Dann schaute ich zu Monty hoch: „Bin ich verrückt?“

„Ich würde sagen, nicht mehr als sonst.“ antwortete mein Pferd.

Ich richtete mich empört auf und sah Monty breit grinsen – wer hätte gedacht, dass Pferde grinsen können? Da musste ich selbst lachen.

„Ganz schön frech, Monty!“

„Entschuldigen Sie, aber der war einfach zu gut.“, sagte er und hatte irgendwie recht.

Fortsetzung: Kapitel 4 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

28. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 3: Und plötzlich spricht mein Pferd

Buchtipp: „Vom Abschied meines besten Freundes“ von Ann-Rebecka Madsen

„Vom Abschied meines besten Freundes: Wenn Pferde von uns gehen“ von Ann-Rebecka Madsen
tredition, 2019. – 242 S.
ISBN:978-3-7497-8320-5
21,95 EUR (broschiert, mit Illustrationen und Fotos, z.T. farbig)

Nachdem ich 2017 meinen geliebten Aramis gehen lassen musste, dachte ich schon oft, dass ich eigentlich gerne ein Buch über Abschied und Trauer schreiben würde, denn irgendwann steht dieser Schritt ja für uns alle an, die wir Tiere haben. Aber das war mir noch nicht möglich, dafür hätte ich wohl noch einige Jahre Trauerarbeit gebraucht … Und so empfand ich Erleichterung und Freude zugleich, dass sich Ann-Rebecka Madsen dieses wichtigen Themas angenommen hat. Denn zu wissen, nicht allein zu sein, kann unendlich tröstlich sein in den tiefen Phasen von Trauer und Schmerz. 

„Vom Abschied meines besten Freundes“ ist kein leichtes Buch, wie sollte es das auch sein, bei diesem Thema. Aber es ist ein liebevolles und tröstliches Buch, das zu lesen ein bisschen wie ein Austausch mit einer guten Freundin sein kann – zurückdenken und sich erinnern, sich wiederfinden, verstanden werden und vor allem: traurig sein dürfen. Viele Trauernde erleben nach einer gewissen Zeit, dass das Umfeld davon ausgeht, dass der Schmerz nachlässt. Schmerz und Trauer haben aber immer ihren eigenen, ganz individuellen Verlauf. Bei dem einen kommen sie schnell und heftig und kehren immer wieder für eine lange Zeit zurück. Andere empfinden zunächst gar nicht viel und erleben erst zeitverzögert, was es bedeutet, das geliebte Wesen verloren zu haben. Und so gibt es viele verschiedene Spielarten dessen, was wir empfinden können, wenn wir ein Pferd (oder anderes Tier) verlieren. Trauer ist immer individuell und das wird auch in diesem Buch sehr deutlich. 

Gegliedert ist das Buch in vier Teile: Zunächst berichtet die Autorin in tagebuchartigen, sehr berührenden Einträgen von ihrem ganz persönlichen Verlust, dem Tod ihres Isländers Funi. Im zweiten Teil kommen viele andere Pferdebesitzerinnen zu Wort, die ihre eigenen Verlust-Geschichten erzählen, was sehr nahe geht und zeigt, wie viele Facetten Abschied haben kann. Dem kurzen, dritten Kapitel „Aufstehen und weitergehen“ folgt dann noch ein hilfreicher Sachteil zu den Themen Tod und Trauer.

Schön ist, dass Ann-Rebecka Madsen in ihrem Buch offene Worte wählt und die Dinge klar beim Namen nennt. Die meisten Menschen verdrängen die Auseinandersetzung mit dem Tod, obwohl er uns doch alle irgendwann betrifft – Sterben, Tod und Trauer dürfen keine Tabuthemen sein, denn sie gehören zu jedem Leben dazu. Es kann sehr, sehr hilfreich sein, ein Buch zu einem solch schmerzlichen Thema zu lesen – nicht um sich selbst zu quälen, ganz im Gegenteil, sondern um das Erlebte verarbeiten zu können, um sich Trauer und Schmerz zu erlauben und sie besser zu verstehen und um auch wieder nach vorne schauen zu können und den Weg auch nach dem Verlust weiterzugehen.

Es freut mich ganz besonders, dass auch mein Aramis in diesem Buch auftaucht, denn auch wenn es mir nicht möglich war, ein ganzes Buch zu diesem Thema zu schreiben, so konnte ich wenigstens unsere eigene Geschichte für „Vom Abschied meines besten Freundes“ beitragen. 

Fazit: Ein ebenso trauriges wie tröstliches Buch, das eine Lücke auf dem Pferdebuchmarkt schließt.

Vom Abschied meines besten Freundes

Leseproben und Bestellmöglichkeiten hier.

 

21. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Buchtipps, Sonstiges 3 Kommentare »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 2: Wer ich bin und wie ich zu Monty kam

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Bevor ich weiter von dem Tag berichte, der mein Leben veränderte, sollte ich mich vielleicht erst einmal vorstellen: Ich heiße Isa Dost, bin 31 Jahre alt und lebe in Hamburg. Ich bin Hotelfachangestellte, liebe Instagram und Serien auf Netflix und kämpfe ständig ein bisschen gegen zu viel Gewicht. Zur Zeit bin ich Single und finde das gar nicht schlimm. Ach ja, und natürlich bin ich pferdebegeistert und das seit meiner Kindheit.

Seit gut einem Jahr gehört Monty zu mir, ein zwölfjähriger Hannoveraner-Wallach, mit dem ich mir meinen allergrößten Herzenswunsch erfüllt habe: ein eigenes Pferd.

Ich habe Monty in der Reitschule kennen gelernt, in der ich einmal die Woche zum Unterricht ging. Ein sehr braves Pferd, zwar riesig groß und steif wie ein Brett, aber er machte es mir immer leicht, weil er artig alles tat, was ich von ihm wollte und nicht scheute oder bockte. Den meisten war Monty zu langweilig und in den Gängen zu hart, aber ich schätzte gerade das Berechenbare an ihm und fragte oft, ob ich nicht wieder ihn für die Reitstunde bekommen könnte.

Dazu muss ich sagen, dass ich leider nie eine Heldin in Sachen Pferde war. Ja, als Kind war ich noch etwas unerschrockener gewesen. Ich hatte mit acht Jahren meinen ersten Reitunterricht  in einem Stall bekommen, zu dem ich selbst mit dem Rad fahren konnte und war dann fast täglich dort. Damals flog ich so oft von den Ponys, dass ich zu zählen aufgehört hatte, und stieg auch nach dem dritten Mal tapfer wieder auf. Je älter ich   dann aber wurde, desto mehr wusste ich brave und verlässliche Pferde zu schätzen. Die Hibbelköpfe überließ ich immer öfter gerne den anderen.

Einige Wochen vor meinem 30. Geburtstag geriet ich in eine ziemliche Sinnkrise, wohl etwas, das viele in diesem Alter erleben, diese Zahl hat ja auch irgendwie etwas Einschneidendes, oder nicht? Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass mir mein Leben durch die Finger rinnt. Als Jugendliche hatte ich von so vielem geträumt, aber nichts davon hatte ich je umgesetzt. So war ein eigenes Pferd schon immer mein großer Wunsch gewesen. Aber immer hatte es Gründe dagegen gegeben – zu jung, kein Geld, zu unsichere Lebensumstände, was, wenn ich Kinder bekommen würde oder ins Ausland würde gehen wollen und so weiter. An diesem Abend betrank ich mich fürchterlich und versprach mir, bevor ich ins Bett fiel, dass ich mir zum 30. Geburtstag ein Pferd schenken würde.

Wahrscheinlich hätte ich im Normalfall mein Versprechen schon am nächsten Morgen wieder vergessen, wenn ich da nicht auf dem Sofatisch diesen zerknitterten Zettel mit einem vollkommen krakeligen „Ich will ein Pferd“ darauf gefunden hätte. Mir brummte der Schädel und ich wollte ihn einfach wegwerfen, aber dann hielt ich inne. Ich schaute noch einmal auf die Worte, die ich am Abend zuvor geschrieben hatte, und spürte, dass die Entscheidung stand: Ich würde mir den Traum von einem eigenen Pferd erfüllen und zwar so schnell wie möglich.

Noch am selben Tag besorgte ich mir einen Stapel von Pferdezeitungen, in denen es Verkaufsanzeigen gab. Aufgeregt wie ein kleines Kind blätterte ich durch die vielen Angebote. Wunderschöne Pferde waren dabei. Nicht alle waren bezahlbar und mit Beschreibungen wie „lauffreudig“ (was übersetzt meist „Durchgänger“ hieß) oder „menschenbezogen“ (was so gut wie immer mit „aufdringlicher Bettler“ zu übersetzen war) entsprachen die meisten nicht wirklich dem, was ich für mich suchte, aber ich vereinbarte drei Besichtigungstermine.

Diese allerdings verliefen mehr als enttäuschend. Beim ersten  Termin war das Pferd bereits verkauft. Man entschuldigte sich, mich nicht angerufen zu haben, aber man hätte da auch noch zwei andere Pferde, die man mir zeigen könnte. Ich schaute sie mir höflich an, sagte, nein danke, und fuhr wieder ab. Beim zweiten Pferd war es schon ein Abenteuer, dem jungen Mann zuzuschauen, der mir das Pferd vorreiten sollte. Zweimal hätte er fast einen Abgang gemacht. Auch hier bedankte ich mich höflich und fuhr wieder heim. Beim dritten Pferd stellte sich heraus, dass es keinen Pferdepass hatte und eine ganze Menge anderes ziemlich seltsam klang. Auch das war mir nicht geheuer.

Ein Pferd über Anzeigen zu kaufen, schien offenbar nicht der richtige Weg für mich zu sein. Vielleicht sollte ich die Sache doch lieber ganz lassen, dachte ich bei mir. So ein Pferd kostet doch schon sehr viel Geld und Zeit und erst die Verantwortung, vielleicht war das einfach ein Wink des Schicksals? Das zu denken, tat allerdings richtig fies weh.

Ich rief meine Freundin Anne an und erzählte ihr von dem Desaster und von meinen Zweifeln und endete mit einem weinerlichen „Aber ich möchte doch so gerne ein Pferd!“ Ihre Reaktion darauf war diese: „Und warum fragst du nicht mal nach, ob du Monty kaufen kannst?“

Monty? Ein Schulpferd? Noch dazu viel zu groß, braun und ein Warmblut? So gerne ich ihn mochte, aber er war eigentlich das genaue Gegenteil von dem Pferd, das ich mir für mich aussuchen würde. Ich hatte immer von einem Isländer mit einer langen Mähne geträumt oder von einem knuffigen Haflinger … Und sicher würde ich ihn auch nicht bekommen, er wurde doch in der Reitschule gebraucht. Und doch ließ mich die Idee nicht mehr los.

Würde es tatsächlich nicht unglaublich viele Vorteile haben, ein Pferd zu kaufen, das man schon so gut kannte, wie ich den Monty, überlegte ich abends im Bett. Noch dazu so ein verlässliches Pferd wie ihn? Ich würde genau wissen, was mich erwartet. Ich würde ein höfliches, gut erzogenes Pferd bekommen. An seiner Steifheit könnten wir arbeiten, dann würde er sicher auch bequemer werden und irgendwann ganz toll laufen. Mir gefiel die Idee immer besser.

Als ich zur nächsten Reitstunde ging, fragte ich die Reitlehrerin, ob sie wisse, ob manchmal auch Schulpferde zum Verkauf ständen. Sie sagte, ich solle doch einfach direkt Hannes fragen. Der war auch gerade da. Also ging ich zu Hannes Schulte, dem Besitzer der Reitschule.

„Den Monty wollen Sie kaufen?“, fragte er mich und schaute auf. „Ja, das ist ein feiner Kerl. Kein Bewegungswunder, aber ein guter Charakter.“

Da Schulte nicht weitersprach, überlegte ich fieberhaft, was ich  nun sagen könnte. Sollte ich ihm eine Summe nennen? Aber welche? Sollte ich etwas anderes sagen? Aber was?

Dann räusperte er sich und sagte: „Also, ich hätt’ den Monty schon gerne noch weiter hier behalten, weil ich auf den auch Anfänger setzen kann. Aber ich freu mich auch immer darüber, wenn eines der Pferde seinen Menschen findet.“

Tja, und so kaufte ich Monty.

–> Fortsetzung: Kapitel 3

Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

14. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 2: Wer ich bin und wie ich zu Monty kam

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 1: Ein Tag, der alles ändert

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth

Es gibt Tage, an denen verändert sich auf einen Schlag dein ganzes Leben und es fragt nicht einmal, ob du das überhaupt möchtest. Das kann eine einzige Sache sein und trotzdem ist plötzlich nichts ist mehr so wie zuvor. Was du bisher sicher zu wissen glaubtest, verpufft in einem Wölkchen und du fängst quasi ganz von vorne an. Ein solcher Tag bei mir war der Tag, an dem mein Pferd mit mir zu sprechen begann.

Es war ein Dienstag und ich hatte frei, so dass ich schon am Vormittag zum Stall fahren konnte. Das machte ich immer gerne, denn ich genoss es, die kleine Anlage hin und wieder ganz für mich allein zu haben. Ich ritt mein Pferd Monty in der Reithalle. Wunderbar entspannt ließ ich mich im Schritt am langen Zügel von ihm herumtragen und schaute auf mein Handy.

Dann kam es mir plötzlich vor, als hätte ich ein leises Räuspern gehört. Ich schaute kurz auf, aber es war niemand in der Halle – klar, ich war ja auch allein da. Also blickte ich wieder auf mein Handy und scrollte mich weiter durch den Instagram-Thread einer Reiterin, die immer so schick angezogen war und aussah, wie aus dem Ei gepellt. Wie machte die das nur? Ich brauchte nur in die Nähe eines Pferdes zu kommen und war nicht nur staubig und voller Heu, sondern hatte auch sofort die unvermeidlichen Möhren- oder Leckerli-Flecken auf meinem Pulli.

Da war es wieder, dieses seltsame Räuspern.

Woher kam das nur? Ich bildete mir das doch nicht ein, oder? Vielleicht hockte irgendwo jemand und machte sich einen Scherz mit mir? Aber wer sollte das tun und warum? Bei der nächsten Runde horchte ich sehr genau in jede Richtung und auch nach draußen – doch nun hörte ich wieder nichts.

Hm, das ist ja doch ein bisschen merkwürdig, dachte ich.

Ich wechselte den Foto-Thread und schaute mir Pferdefotos an,  #pferdeschoenheiten – feurige Araber, bildhübsche Vollblüter, Isländer mit traumhaft langen Mähnen, hach, …

„Ähm, entschuldigen Sie bitte, dauert das noch sehr lange?“

Ich fiel fast vom Pferd, so erschrak ich. Jemand sprach mit mir, aber es war keiner da. Ich hörte eine männliche Stimme, ohne dass ein Mann da war. Nun wurde es wirklich unheimlich.

„Sehr lustig!“, rief ich laut, obwohl ich es gar nicht lustig fand und auch nicht wusste, wer es hören sollte.

„Ach, das tut mir leid, ich wollte Sie nicht stören. Ich dachte nur, dass wir vielleicht auch aufhören könnten, wenn Sie nichts weiter machen möchten heute, denn, ähm, so ist es ein bisschen, wie soll ich sagen, … langweilig.“, sagte die Stimme.

Ich packte mein Handy in meine Jackentasche, richtete mich im Sattel auf und rief: „Also, jetzt ist aber gut. Wer spricht denn da?“ Meine Stimme kippte bedenklich ins Hysterische, obwohl ich das selbst etwas übertrieben fand, konnte ich nichts dagegen tun. Um diese Zeit ist normalerweise niemand im Stall und wenn, dann sicher kein unsichtbarer Mann.

„Oh, ach so, ja …  tut mir leid, ich dachte, Sie wüssten, wer hier spricht. Also: Ich bin’s, Ihr Pferd.“

—> Fortsetzung: Kapitel 2

Ich bin's, Ihr Pferd – Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

14. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 1: Ein Tag, der alles ändert

Lache viel öfter – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Lache viel öfter!

Mal Hand auf’s Herz: Wie viel lachst Du, wenn Du etwas mit Deinem Pferd machst? Beim Putzen? Beim Führen? Beim Reiten? Beim Longieren? Im Unterricht? 

Es wäre superschön, wenn Du jetzt antwortest: Sehr viel! Denn schau Dich einmal um: in vielen Pferdeställen wird leider nur wenig gelacht. Statt dessen nehmen wir so vieles ganz furchtbar ernst, hadern mit uns und unserem Pferd bei Fehlern, sind unzufrieden, unwirsch und werden oft sogar wütend. 

Dabei gibt es sehr viele Anlässe zum Lachen: Wir können zum Beispiel bestens über uns selbst lachen: zum Beispiel wenn wir mal wieder hoffnungsloses Longengetüddel veranstalten, zum zwanzigsten Mal in der Reiteinheit auf dem falschen Fuß leichttraben oder immer noch Renvers mit Travers verwechseln. Oder über unser Pferd: vielleicht über die empörten Blicke bei neuen Übungen, über das betonte „Boah, das ist aber viel zu anstrengend!“, über den amüsierten Blick, wenn wir gerade mal selbst wieder mit etwas durcheinander kommen und gar nicht mehr genau wissen, was wir eigentlich wollten oder das regelrechte Grinsen wenn sie selbst einen Scherz machen. Und erst recht über Pferde untereinander: über deren Mimik, deren Spiele und Faxen, deren witzige Einfälle und vieles, vieles mehr. 

Wenn wir mit etwas Abstand auf alles schauen, gibt es tatsächlich unendlich viele witzige Situationen und Momente zu entdecken, über die wir aber deshalb viel zu selten lachen, weil wir sie eben oft gar nicht wahrnehmen, weil wir viel zu sehr nur auf das schauen, was noch nicht klappt und uns darüber ärgern.

Deshalb lautet die Inspiration dieses Monats: Betrachtet Euch immer mal wieder mit ein bisschen Abstand von außen, lernt über Euch selbst zu lachen und entdeckt auch den feinen Humor, den ganz viele Pferde haben. Öfter mal zu lächeln und auch herzlich lachen zu können, verändert ganz viel zum Positiven.

Tipp: In unserem Freudekurs geht es unter anderem auch um dieses Thema!

Lache öfter

7. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang 5 Kommentare »

Suche nach dem Verbindenden – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Suche nach dem Verbindendem

Es gibt in der Pferdewelt (nicht nur, aber eben auch da) etwas, das unnötig viel Leid schafft: und zwar das ständige Gegeneinander. Turnier- gegen Freizeitreiter, Western- gegen Klassikreiter, Boxpferdehalter gegen Offenstaller, Ponyreiter gegen Großpferdereiter, konventionell gegen Clickertraining – … die Liste ist endlos und beliebig kombinierbar.

Was uns bei all dem vielleicht nicht bewusst ist: Durch Grabenkriege, die wir im Kleinen wie im Großen miteinander führen, leiden nicht nur wir selbst, sondern auch unsere Pferde. Nicht nur, dass sie die Härte, die wir oft im Stall-Alltag entwickeln, um uns gegen vermeintliche „Feinde“ abzugrenzen oder vor Kritik und Angriffen zu schützen, genau spüren, sondern wir nehmen uns auch die Möglichkeit zum Dazulernen, zum Ausprobieren und zur Weiterentwicklung. In einem Umfeld aus Be- und Abwertungen gehen Freude, Leichtigkeit, Experimentierfreude, Motivation und Lerneifer leider sehr schnell verloren. 

Zunächst sind wir doch alle vor allem eines: Menschen, die Pferde lieben. Dieses Bewusstsein könnte eine sehr starke Basis für ein konstruktives Miteinander sein, wenn…,  ja, wenn wir statt Abgrenzung Offenheit leben würden.  Dann könnten wir neugierig und offen auf andere Denkansätze und Umgehensweisen reagieren und zusammen überlegen, wie sich das Beste aus allen Welten vereinen lässt. Pferde brauchen keine Sparten, Pferde brauchen offene Herzen. 

Frage Dich, wann immer Du andere Pferdemenschen erlebst:

  • Was verbindet mich alles mit diesem Menschen?
  • Was kann und möchte ich von diesem Menschen lernen? 
  • Was habe ich diesem Menschen vielleicht zu geben? 

Suche nach dem Verbindendem

10. Dezember 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten 1 Kommentar »

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