Geh nicht von Dir aus, sondern von Deinem Pferd – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können.

Thema des Monats:
Geh nicht von Dir aus, sondern von Deinem Pferd

Es heißt immer, dass man Pferde nicht vermenschlichen soll und doch tun wir – oft unbewusst – genau das! Scheut ein Pferd auf der bekannten Geländetour, reagieren viele mit einem „So ein Spinner!“. Will ein Pferd nicht durch eine Pfütze gehen, heißt es, dass das Pferd nur „testen“ will. Zappelt ein Pferd beim Satteln, schimpfen viele, dass es sich mal nicht so anstellen und gefälligst stillhalten soll. Und das sind nur einige Beispiele von leider vollkommen falschen Interpretationen von Pferdeverhalten.

Ein Pferd ist immer ein Pferd und wir können sein Verhalten nur dann richtig einordnen und auch beantworten, wenn wir uns seine Beweggründe und Motive klarmachen. Ein im Gelände scheuendes Pferd, „spinnt“ in diesem Moment nicht, sondern es reagiert instinktiv auf etwas, das es verunsichert oder erschreckt hat. Ein Pferd, dass nicht durch eine Pfütze gehen will, ist in diesem Moment unsicher, weil es die Bodenverhältnisse nicht einschätzen kann oder hat andere, aus seiner Sicht gute Gründe, das Durchqueren zu vermeiden. Ein Pferd, das beim Satteln zappelt, zeigt damit, dass es etwas unangenehm findet (entweder den vielleicht unpassenden Sattel, die Art des Sattelns oder was nach dem Satteln kommt). Reagieren wir in solchen oder ähnlichen Situationen vorschnell mit Unverständnis, weil es unserer Ansicht nach, keinen Grund für das Verhalten gibt, tun wir unseren Pferden Unrecht.

Wir müssen verstehen, dass Pferde vieles grundlegend anders als wir erleben und bewerten. Ihre Sinne nehmen die Umgebung anders wahr als unsere und manches erleben sie viel intensiver oder feiner als wir. Für sie sind andere Dinge wichtig oder auch gefährlich als für uns. Sie können nicht sagen, wenn ihnen etwas wehtut oder unangenehm ist, aber sie können es uns zeigen. Doch wir Menschen gehen viel zu oft vorschnell davon aus, im „Recht“ zu sein in unseren Erwartungen und Forderungen an Pferde, weil wir eine Situation nur aus unserer eigenen Sicht betrachten. Sich hier immer wieder ganz bewusst in das Pferd hineinzuversetzen und zu versuchen, die Sache mit seinen Augen zu sehen, kann das Verhältnis zu Pferden wesentlich zum Guten ändern. Mehr noch: Nur so können wir überhaupt pferdefreundlich handeln.

Frage Dich also viel öfter mal: „Wie sieht mein Pferd das Ganze gerade wohl?“ – vor allem dann, wenn Du Dich über Dein Pferd ärgerst oder Dich von ihm genervt fühlst.

19. Januar 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Umgang, Verhalten 1 Kommentar »

Erfahrungsbericht zum Longenkurs von Ann-Sophie

Von Ann-Sophie

Paul ist ein 18-jähriger Haflingerwallach, der 2016 zu mir kam. Er war zu diesem Zeitpunkt kaum nennenswert ausgebildet und geriet zudem sehr schnell in Stress. Generell zeigte er sich ängstlich und skeptisch gegenüber den Menschen. 

Sowohl am Boden als auch aus dem Sattel konnten wir gemeinsam ein gute Basis finden. Vor allem durch die Seitengänge erlangte er Körperbewusstsein, Sicherheit und Selbstvertrauen, sodass sich seine stark ausgeprägte Schiefe langsam ausgleichen ließ und er Vertrauen in die Menschen generell, vor allem aber auch wieder in den Reiter fasste. 

Vor zwei Jahren ging die Leichtigkeit beim Reiten zurück und als den Ursachen auf den Grund gegangen wurde, stellte sich durch einen Röntgenbefund heraus, dass Paul eine leichte Arthrose im linken Fesselgelenk der Vorhand hat. Durch diesen Befund war für mich klar, dass ich ihn nicht mehr reiten möchte, da ich ihm eine zusätzliche Belastung durch mein Körpergewicht nicht zumuten möchte. Wir arbeiteten viel vom Boden aus, doch fehlte mir dabei die Möglichkeit, Paul darin zu unterstützen, seine Haltung zu verbessern. Ich recherchierte viel und stieß auf die YouTube-Videos von Babette. Begeistert von der tollen Laufmanier der Pferde in diesen Filmen war mir klar, dass ich diesen Weg auch mit meinem eignen Pferd gehen möchte.

Im August 2019 besuchte ich Babette auf einem Lehrgang, an welchem ich als Zuschauerin teilnahm. Hatte ich auch vorher schon am Kappzaum longiert, so konnte ich nach diesem Input mit Paul endlich so arbeiten, dass es dem Training vom Sattel aus gleichkam. Ich hatte durch Babette einen Weg gefunden, mit ihm alle Seitengänge auch vom Boden zu erarbeiten. Die Freude, die Paul zeigte, als wir die ersten Schritte Travers an der Longe erarbeiteten, war sehr rührend. Er hatte diese Lektion immer gern gezeigt, und so hatte ich so einen Weg gefunden, sie „auf den Boden“ zu bringen. Dafür bin ich dir, Babette, unendlich dankbar.

Im Oktober 2020 durften wir nun das erste Mal als aktive Teilnehmer am Longenkurs mitmachen und übten vor allem die Seitengänge auf Distanz. Das hat uns beiden großen Spaß gemacht!

Erfahrungsbericht Longenkurs

Erfahrungsbericht LongenkursDa Paul in Situationen, in denen er neue Inhalte kennen lernt, teilweise immer noch Anzeichen von Stress zeigt, fühlte ich mich mit Babette an meiner Seite sehr wohl. Sie forderte nie zu viel von uns/ihm, sondern fand genau jenes Maß an Forderung, das zur Förderung führte und das ich für mein Pferd als angemessen halte.

Erfahrungsbericht Longenkurs

Im kommenden Jahr haben wir das Glück, wieder an einem ihrer Kurse teilnehmen zu können. Darauf freue ich mich sehr. 

Und hier könnt Ihr Ann-Sophie und Paul in einem Film anschauen.

Erfahrungsbericht Longenkurs

 

12. Januar 2021 von Gastautor • Kategorie: Arbeit an der Hand, Gesundheit, Longieren, Übungen 1 Kommentar »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Wo bleibt denn das Buch?

Ein Zusatzkapitel zur Bucherscheinung von „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth – zum ersten Kapitel geht es hier.

„Sagen Sie mal, wo bleibt denn eigentlich das Buch?“, fragt mein Pferd und schaut mich erwartungsvoll an.

„Was für ein Buch?“, frage ich unschuldig zurück.

Monty zieht beide Augenbrauen hoch, natürlich durchschaut er mich.

„Okay, okay.“, antworte ich schnell und werde rot. „Das ist noch nicht da.“

„Und wo ist es?“

„Keine Ahnung, es ist einfach noch nicht geliefert worden.“

„Aber Sie hatten es mir doch schon versprochen!“

„Ja, nicht nur dir, Monty. Es gibt inzwischen eine ganze Menge Leute, die darauf warten … Das ist eine echt blöde Sache und ich bin ganz schön sauer. Ich habe ja bisher nicht einmal selbst ein Exemplar.“

„So, so, da waren Sie wohl etwas vorschnell, nicht wahr? Ein bisschen zu ungeduldig, richtig?“ Er scheint es irgendwie zu genießen, mir das unter die Nase zu reiben.

„Ja, das war ich wohl.“, räume ich ein.

„Na, eine Möhre könnte mir über die Enttäuschung hinweghelfen.“, sagt mein Pferd großzügig.

Da muss ich lachen. Ich reiche ihm eine Möhre und seufze: „Leider kann nicht einfach auch allen anderen, die auf das Buch warten, eine Möhre geben.“

„Wissen Sie, das macht gar nichts, dann geben Sie die Möhren eben alle mir.“, grinst Monty.

„Und das hilft?“, frage ich.

„Ganz sicher!“, sagt mein Pferd.

 

Monty - Wege zum Pferd

 

*******************************************************

 

Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

7. Januar 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Wo bleibt denn das Buch?

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 24: Wünsch’ dir was!

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Es ist mitten im Advent und ich frage Monty, was er sich denn von mir zu Weihnachten wünscht.

„Eine Möhre wäre fein.“, antwortet er prompt.

„Na, du bist ja bescheiden.“, sage ich.

„Es darf auch gern ein Kilo Möhren sein.“, fügt er schnell hinzu.

Ich lache. „Na, schauen wir mal, was ich machen kann, aber mal abgesehen von Möhren, Monty, gibt es etwas, dass du dir von mir wünschst?“

„Hafer.“, sagt er.

Ich schaue ihn an und sehe sein verschmitztes Grinsen.

„Also?“, frage ich.

„Ein Kilo Hafer?“

„Ach Monty, jetzt mal im Ernst. Ich möchte so gerne wissen, womit ich dir wirklich eine Freude machen kann. Also, ob es etwas gibt, dass du zu gerne mal erleben oder ausprobieren würdest. Überleg doch mal! Etwas, von dem du immer geträumt hast?“ Ich schaute ihn an. „Abgesehen von einer Wiese, auf der dir das Gras bis zum Bauch wächst.“

Monty sagt eine ganze Weile nichts, sein Blick ist in die Ferne gerichtet. Dann lacht er plötzlich leise in sich hinein.

„Ja? Ist dir was eingefallen?“ Ich bin ganz aufgeregt.

„Ach, nur eine dumme Kinderei.“, sagt er verlegen.

„Raus damit, Monty!“

„Ach, nein. Wissen Sie, das ist mir peinlich.“

Peinlich? Was kann einem Pferd denn peinlich sein, denke ich.

„Monty, nun sag schon, ich würde es wirklich gerne wissen.“

„Aber Sie dürfen nicht lachen und Sie dürfen es auch keinem weitersagen.“, fordert er und schaut mich ernst an.

„Niemals, Monty, dein Geheimnis ist sicher bei mir.“, sage ich und schaffe es, ernsthaft zu klingen, obwohl ich mir ein Schmunzeln kaum verkneifen kann. Wenn ich jetzt lache, erfahre ich es nie, da bin ich mir sicher.

Er schaut wieder in die Ferne.

„Ich wollte immer ein Indianer-Pony sein.“, sagt er nach einer Weile.

„Ein Indianer-Pony?“, rufe ich entgeistert und muss laut auflachen.

„Sehen Sie, es ist peinlich, ich wusste es.“

„Nein, nein, sorry, Monty, das ist nicht peinlich.“

„Sie haben gelacht.“

„Aber nur, weil es so unerwartet kommt.“

„Was meinen Sie mit unerwartet?“

„Na ja, Monty, du hast ein Stockmaß von 1,78m und wirkst eher wie ein englischer Gentleman …“

„Oh, vielen Dank.“

„… da kommt man nicht so einfach darauf, dass du gerne ein Indianer-Pony wärst.“

„Natürlich nicht für immer.“, sagt er. „Aber einmal durch die Prärie rasen, um Bisons zu jagen …“

„Aber hast du nicht panische Angst vor Kühen?“, rufe ich.

„Sehen Sie, deshalb wollte ich das nicht erzählen, Sie haben immer was zu meckern und machen sich lustig über mich.“ Jetzt ist er wirklich beleidigt.

„Tut mir leid, Monty, das war nicht nett von mir und ich entschuldige mich bei dir. Ich bin nur wirklich erstaunt. Es ist schön, dass du darüber sprichst. Ich freue mich, dass du es mit mir teilst. Ehrlich.“

Ich schaue selbst ein bisschen in die Ferne und träume. „Ja, es muss toll sein, die Weiten der Prärie vor sich zu haben, endlos, ohne Straßen und Häuser, einfach nur Natur und Freiheit.“

Mein Pferd und ich seufzen gemeinsam und in diesem Moment ist es schon ein bisschen wie Weihnachten.

 

–> Fortsetzung folgt

 

Monty - Wege zum Pferd

 

*******************************************************

 

Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

20. Dezember 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 24: Wünsch’ dir was!

Mach Dich verständlich! – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Mach Dich verständlich

Die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd ist nicht immer leicht. Pferde bemühen sich wirklich sehr, uns zu verstehen, aber oft geben wir dem Pferd sehr viel mehr und auch andere Botschaften, als wir uns bewusst sind! Während unser menschlicher Fokus beim Kommunizieren vor allem auf dem Geben von Zeichen liegt (Worte, Handsignale, Hilfen), spielen für Pferde Faktoren wie Körpersprache, Ausstrahlung und Energie eine oft größere Rolle. Genau über diese Ebene von Kommunikation sind sich aber viele von uns gar nicht bewusst und so geben wir oft andere Signale als geplant oder manchmal auch widersprüchliche und gegensätzliche. Statt aber in aller Ruhe einen Schritt zurückzumachen und das eigene Kommunikationsverhalten zu reflektieren, interpretieren leider viele von uns eine Nicht- oder Falsch-Reaktion des Pferdes häufig als „Ungehorsam“ oder „Bockigkeit“: „Der weiß genau, was ich von ihm will, der hat nur keine Lust.“ oder „Heute stellt sie sich mal wieder richtig dumm, aber darauf falle ich nicht rein.“

Die Folge ist dann, dass die eh schon schlecht verständlichen oder widersprüchlichen Signale verstärkt werden, weil man sich „durchsetzen“ will. Es dürfte auf der Hand liegen, dass die Sache auf diese Weise für Pferde nicht verständlicher wird, sondern im Gegenteil, wir erzeugen dadurch nur Stress, der es dem Pferd noch schwerer macht, uns zu verstehen … 

Wenn ein Pferd nicht tut, was wir möchten, müssen wir uns immer fragen, was die Ursache dafür ist. Beim Thema Kommunikation sind wir also gefordert, das Wie unserer Kommunikation selbstkritisch zu hinterfragen: 

  • Kann ich mir wirklich sicher sein, dass mein Pferd mich in der jeweiligen Situation versteht? Was macht mich da so überzeugt?
  • Was könnte ich vielleicht ausstrahlen oder senden, das meinem Pferd etwas anderes vermittelt, als ich beabsichtige? 
  • Wie kann ich es meinem Pferd ganz konkret leichter machen, mich wirklich zu verstehen? Woran kann ich da bei mir arbeiten?
  • Welche konkreten Übungen, Zwischenschritte oder Lernbausteine könnten meinem Pferd dabei helfen, besser zu verstehen (und auch auszuführen), was ich mir von ihm wünsche? 

Und dazu gleich ein ganz praktischer Tipp: Um sich des eigenen Kommunikationsverhaltens bewusster zu werden, helfen Videoaufnahmen enorm. Inzwischen ist das technisch herrlich simpel geworden: Einfach das Handy auf ein kleines Stativ stellen und ein paar Bodenlektionen oder Reiteinheiten mitfilmen – das gibt sehr viel Stoff für Selbstanalysen und Selbstreflexion. Wir staunen immer wieder, wie viel wir durch solche Videoaufnahmen sowohl über unser Pferd als auch über uns selbst lernen. 

Mach Dich verständlich

8. Dezember 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Jungpferdausbildung, Reiten 1 Kommentar »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 23: Freundschaft, was ist das eigentlich?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Gestern habe ich noch lange darüber nachgedacht, was eigentlich eine Freundschaft ausmacht. Wikipedia schreibt, dass Freundschaft auf gegenseitiger Zuneigung beruht und sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.

Das macht mich nachdenklich: Mag mein Pferd mich eigentlich?

„Ich hätte es schlimmer treffen können.“, hatte er gesagt. Nicht gerade eine Liebeserklärung, aber so ist Monty halt, er ist eben kein Pferd der großen Worte oder Gefühle. Aber von Zuneigung kann man da wohl trotzdem nicht sprechen, oder?

Wie kann ich es schaffen, dass mein Pferd mich mag, ich meine, so richtig gern hat? Dass er sich auf mich freut und dass er Lust hat, etwas mit mir zu machen? Moment mal, … worauf hat Monty eigentlich Lust? Er macht brav so ziemlich alles mit, was ich möchte, aber worauf davon hat er wirklich Lust? Was macht ihm wirklich Spaß, was bereitet ihm echte Freude? Ich muss gestehen, ich weiß es nicht. Aber ich werde es herausfinden, vielleicht ist das ein guter Startpunkt.

Ich frage mein Pferd also bei der nächstbesten Gelegenheit: „Sag mal, Monty, gibt es etwas, das du am liebsten magst?“

„Frisches Gras.“, sagt Monty.

„Nein, ich meine von dem, was wir zusammen machen. Magst du es, in der Halle zu laufen oder lieber im Wald? Wie findest du das Longieren oder zu springen? Gehst du lieber Schritt oder Trab oder Galopp?“

„Am liebsten gehe ich grasen.“, sagt er und fügt noch schnell hinzu: „Aber es ist okay, so wie es ist.“

„Okay, ja du sagst immer, dass du alles okay findest. Aber das meine ich  nicht. Ich möchte wissen, was dir Freude oder Spaß macht?“

„Spaß?“

„Ja, Spaß!“

„Was genau meinen Sie mit Spaß?“

„Na, Spaß halt, Freude, Lachen, etwas toll finden.“

Monty schaut mich an.

„Im Beruf geht es doch nicht um Spaß.“, sagt er, als wäre das vollkommen selbstverständlich. „Spaß hat man auf der Weide beim Grasen mit den anderen. Arbeit ist Arbeit. Ist das bei Ihnen nicht so?“

Ich überlege. Eigentlich wollte ich sagen, dass einem die Arbeit durchaus Spaß machen sollte, aber genau das kann ich von mir selbst auch nicht wirklich behaupten. Hin und wieder macht es mal ein bisschen Spaß, aber es stimmt schon: Die meiste Zeit ist Arbeit eben Arbeit. Und ehrlich gesagt, habe ich auch gar keinen anderen Anspruch. Ich muss zugeben, da hat Monty recht. Aber genau das fühlt sich furchtbar an, denn die Zeit mit Monty ist für mich doch eben gerade keine Arbeit, sondern Freizeit! Und ich möchte doch, dass mein Pferd sie auch genießen kann und nicht nur hinter sich bringt …

„Ich würde mir wünschen, dass du Spaß mit mir hast.“, sage ich leise.

„Wissen Sie, Sie sind manchmal sehr seltsam.“, sagt Monty. „Es geht mir doch gar nicht um Spaß. Ich bin zufrieden. Es geht mir gut bei Ihnen, der Job ist viel besser als der davor.“

Das ist wieder einer der Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass mir die Tatsache, dass mein Pferd sprechen kann, überhaupt nichts nützt, weil ich mich nicht verständlich machen kann. Ich kämpfe mit den Tränen und drehe mich um, um so zu tun, als würde ich etwas in der Putzkiste suchen.

Das reicht mir aber nicht, denke ich. Das ist, verdammt noch mal, nicht das, was ich will für mein Pferd. Ich will, dass er sich auf mich freut. Ich will ihm näher kommen. Ich will ihm ein echter Freund sein.

Das spreche ich aber nicht aus, weil ich kein Problem daraus machen will. Aber ich werde daran arbeiten – und das ist ein Versprechen!

–> Fortsetzung Kapitel 24

 

Monty Wege zum Pferd

 

*******************************************************

 

Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

1. Dezember 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 23: Freundschaft, was ist das eigentlich?

Train the Trainer – das Spiel

Wir haben eine tolle Entdeckung gemacht, von der wir Euch berichten wollen: Und zwar gibt es ein Spiel, welches einem die Grundprinzipien des Clickertrainings nicht nur auf eine unterhaltsame, sondern auch auf ganz praktische Weise verstehen und trainieren lässt: „Train the Trainer“ von Corinna Lenz und Wibke Deutsch.

Spieletest – Wege zum PferdWir befassen uns ja nun schon seit vielen Jahren mit den Prinzipien des Clickertrainings, weil für uns die positive Verstärkung der pferdefreundlichste Weg im Training und Miteinander ist, den wir kennen. Und auch wenn wir selbst keine strikten Technikerinnen sind, so kommt es bei der Arbeit mit der positiven Verstärkung schon auf einige Grundelemente an, durch die die ganze Sache erst richtig wirkungsvoll wird. Es geht zum Beispiel darum, 

  • ein Lernziel konsequent in viele, ganz kleine Einzelziele zu unterteilen,
  • bereits kleinste richtige Schritte zu erkennen,
  • diese punktgenau zu markern und 
  • bei all dem eine locker-fröhliche Haltung zu haben (denn wenn man vor lauter Konzentration zu ernst wird, kippt die Stimmung trotz allem Positiven schnell…). 

Eine sehr effektive Möglichkeit, das alles zu verstehen und auch zu üben, ist das so genannte „Train the Trainer“-Verfahren, bei dem wir Menschen uns gegenseitig clickern (wir haben hier schon einmal darüber berichtet). Nun hat ja aber nicht jeder einen guten Trainer zur Hand und da kommt das Spiel „Train the Trainer“ von Corinna Lenz und Wibke Deutsch genau richtig. Wir haben es für Euch getestet.

Öffnet man die Spielkiste, lacht erst einmal das innere Kind, denn es gibt darin lauter wundervoll bunte Dinge, wie Hütchen und Wollbällchen, Wäscheklammern, einen kleinen Laster und anderes mehr.

train the trainer – wege zum pferd

Die Graphik des Spielfelds ist hübsch, aber auch „erwachsen“ genug illustriert, dass deutlich wird, dass es hier zwar um Spaß, aber eben auch um mehr geht. Gleiches gilt für die verschiedenen großen und kleinen Karten, die im Laufe des Spieles zum Einsatz kommen. Im Begleitbuch werden zunächst die Grundprinzipien des Clickerns für all jene gut verständlich erklärt, die bisher noch nicht genau wussten, was zum Beispiel mit Begriffen wie „Target“ oder „freies Formen“ überhaupt gemeint ist. Und dann kann es auch gleich mit den Anfängerkarten losgehen, mit denen genau diese Grundlagen ausprobiert werden können. Einer ist immer der Trainer und clickert dann den anderen (bzw. einen der anderen, wenn es mehrere Spieler sind). Wichtig ist, dass während der Trainingseinheiten nicht gesprochen werden darf (es sei denn, es gibt auf einer Karte eine Anweisung dazu) – und genau das macht es dann eben auch knifflig und spannend. Ausdrücklich erlaubt und erwünscht ist aber der Austausch nach der praktischen Einheit, denn das ist ja sozusagen der Clou beim Train-the-Trainer: dass man mit einem menschlichen Partner die Sache besprechen und ein Feedback bekommen kann.

Das Spiel ist aus unserer Sicht sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Clickernde eine tolle Sache. Wir haben festgestellt, dass man selbst bei den zunächst noch recht einfachen Aufgabenstellungen immer wieder an Punkte kommt, die man entweder bereits aus der Clickerpraxis mit Pferden schon kennt oder auf die man schnell treffen wird, wenn man damit beginnt: So fragt man sich zum Beispiel, wie man eine einmal entstandene Idee beim anderen wieder aus dem Kopf bekommt oder wie man eine bestimmte Nuance erreichen kann – und das eben ohne reden zu können! Der anschließende Austausch mit dem menschlichen Gegenüber ist dann höchst nützlich und hilfreich, da man konkret nachfragen kann, wie etwas gewirkt hat, was verständlich war oder was frustrierend. So wird einem vieles sehr, sehr viel klarer. 

Und das Beste: Spaß macht es auch noch!

Wir haben das Spiel bisher nur zu zweit gespielt, es können aber auch mehrere Spieler teilnehmen. Die Spieldauer beträgt ca. 90 min, es gibt aber auch eine Kurzvariante mit ca. 30 min. Und wenn man allein mit den Kärtchen arbeitet, also ohne tatsächlich mit den Figuren über das Spielfeld zu wandern, kann man die Dauer vollkommen frei gestalten und zum Beispiel auch mal kleine Trainingsrunden ganz gezielt zum freien Formen oder zum Targettraining durchführen. 

Auf der Seite des Verlags könnt Ihr eine Beschreibung und ein Video zum Spiel anschauen und es auch bestellen – oder Ihr lernt Corinna Lenz und Wibke Deutsch und ihr Spiel auf dieser Seite kennen.

Train the Trainer – Wege zum Pferd

 

 

24. November 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Buchtipps, Clickertraining, Spiele & Co, Umgang 1 Kommentar »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 22: Können wir nicht Freunde sein?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Nach der wundervollen Reiteinheit schaue ich meinem Pferd beim Fressen zu. Ich bin immer noch richtig geflasht darüber, wie leicht auf einmal alles war, als Monty sich herausgefordert fühlte und von sich aus mitmachte. Davon möchte ich mehr für uns – ja, am liebsten sollte es doch immer so sein, das Reiten: voller Energie, Leichtigkeit und Freude, ohne Druck und die ständigen Zweifel.

Aber, was genau war denn eigentlich anders als sonst? War es wirklich nur der Eigenantrieb von Monty? Oder vielleicht meine humorvolle Art, also die Tatsache, dass ich einfach mal nicht alles so bierernst genommen habe, sondern lachen konnte über uns? Oder war es das Gemeinschaftliche? Ich glaube, es war alles zusammen. Wir waren in diesem Moment wirklich gemeinsam bei der Sache, nicht einer für den anderen oder weil er muss, sondern in diesem Moment war es eine unsere Entscheidung, seine und meine. Und es war eine auf Augenhöhe. Ja, es war fast so, wie unter Freunden.

„Du, Monty, mal so ganz grundsätzlich: Glaubst du, dass Freundschaft zwischen Mensch und Pferd möglich ist?“, frage ich ihn ganz spontan.

Wenn ich seinen Blick richtig deute, dann hat er mal wieder mit den Augen gerollt.

„Oh, sorry … du kannst auch gerne erst einmal auffressen.“

„Vielen Dank.“, sagt er und leckt mit Hingabe noch eine Weile seine eh schon leere Schüssel aus. Als er fertig ist, greife ich das Thema noch mal auf.

„Also, nochmal zur Freundschaft… Ich weiß ja, du siehst mich als deinen Arbeitgeber, aber mal so theoretisch: Hältst du es für möglich, dass Pferde und Menschen auch Freunde sein können?“

„Ich würde lieber nicht antworten, wenn Ihnen das Recht ist.“

Ich könnte jetzt verletzt und beleidigt sein, aber ich kenne mein Pferd ja inzwischen ein bisschen und ich möchte schon gerne eine Antwort. Also schmolle ich nicht, sondern sage beherzt: „Ich würde aber wirklich gerne wissen, was du dazu sagst.“

„Also gut, was wollen Sie denn von mir hören?“

„Na, deine ehrliche Meinung.“

„Sind Sie sich da sicher?“

„Ja, natürlich.“, sage ich und schlucke, weil ich mir plötzlich   tatsächlich nicht mehr ganz so sicher bin.

„Also gut, dann: Nein, das glaube ich nicht.“

„Oh.“, sage ich und muss das erstmal sacken lassen. Nach einer Weile frage ich: „Und warum nicht?“

„Weil Menschen Menschen sind und Pferde Pferde.“

„Aber das allein ist doch kein Grund.“, rufe ich. „Es gibt doch viele Freundschaften zwischen ganz verschiedenen Wesen, auch zwischen Pferd und Mensch!“

„Sie haben mich gefragt, ich habe geantwortet.“

„Aber vielleicht siehst du das nur so, weil du es noch nicht erlebt hast. Vielleicht erscheint es dir deshalb unmöglich …“, sage ich leise und füge dann hinzu: „Ich wäre dir sehr gern ein echter Freund.“

„Aber, … Sie sind doch meine Besitzerin.“, sagt Monty und klingt ehrlich verwirrt.

„Muss sich das denn ausschließen?“, frage ich noch leiser und bin mir nicht sicher, ob er es überhaupt gehört hat. Auf dem Weg zur Weide laufe ich still und noch nachdenklicher als sonst neben meinem Pferd.

–> Fortsetzung: Kapitel 23

 

Monty – Wege zum Pferd

 

*******************************************************

 

Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

17. November 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 22: Können wir nicht Freunde sein?

Finde das richtige Maß! – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Finde das richtige Maß!

Wir leben in einer Zeit, in der alles immer schneller, höher und weiter werden muss. Immer mehr Gewinn wird angestrebt und immer mehr Besitz. Die Ziele werden immer größer, die Erlebnisse sollen immer intensiver werden – und doch werden die meisten immer weniger satt. Dieses Phänomen ist gerade auch in der Pferdewelt deutlich zu spüren, denn viele sind vor allem eines: unzufrieden. 

Trägt uns das Pferd im Schritt, wollen wir traben. Trabt es, wollen wir galoppieren. Galoppiert es für uns, soll es springen. Und dass dann alles möglichst auf Knopfdruck unter jeder Bedingung und mit spektakulären Bewegungen und einer umwerfenden Ausstrahlung. Klappt es auf dem Platz, wollen wir ins Gelände. Und dann wollen wir Zirkuslektionen oder auf Turnieren Schleifen gewinnen und so weiter und so fort. Und selbst bei denen von uns, die nicht ganz so hoch zielen, schleicht sich oft unbemerkt eine permanente Unzufriedenheit und damit auch eine bohrende Unsicherheit ein: Läuft mein Pferd gut genug? Könnte es nicht noch mehr von hinten kommen? Trägt es den Kopf nicht zu hoch oder zu niedrig? Sollte es inzwischen nicht schon halbe Tritte zeigen? Richtig gut motiviert wirkt es eigentlich nicht, oder? Vertraut es mir auch genug? Müsste es dann nicht viel weniger scheuen? Fragen über Fragen, Ansprüche und Erwartungen, ständige Zweifel an dem, was ist  – damit zermürben wir uns selbst und auch unsere Pferde. 

Es gilt für so vieles: Wir müssen lernen, wieder zu einem gesunden Maß zu finden. Nicht jedes Pferd ist zum Dressur-Crack geboren und nicht jedes Pferd kann die vielfältigen Erwartungen moderner Freizeitreiter/innen erfüllen. Genauso kann nicht jeder zum Super-Reiter werden oder ist in der Lage, alle Sparten des Pferdetrainings mit Bravour zu meistern. Wir müssen die Ansprüche an unsere Pferde und uns selbst, die durch all das, was wir in den sozialen Medien oder auf Shows gezeigt bekommen, ins Unermessliche steigen (und von denen wir ja meist gar nicht wissen, auf welchen Wegen das Gezeigte überhaupt erreicht wurden) wieder auf ein gesundes Maß zurückschrauben. Denn das Wichtigste für ein gelungenes Miteinander ist beidseitige Zufriedenheit. Beginnen wir doch damit, uns zu erlauben, weniger zu wollen und dafür richtig stolz auf unser Pferd zu sein.  

 

Inspiration des Monats – Wege zum Pferd

 

 

10. November 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Longieren, Reiten, Umgang 2 Kommentare »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 21: Wer schlurft hier?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Die nächste Reiteinheit gestaltet sich genauso zäh wie die letzte. War Monty eigentlich immer so unmotiviert unterwegs und es ist mir nur nicht aufgefallen? Der Gedanke versetzt mir irgendwie einen Stich.

„Monty, nimm es mir bitte nicht übel, aber du schlurfst.“, sage ich, als er in gewohnter Gemächlichkeit seine Runden dreht.

„Ich?“

„Ja, du. Wer sonst?“

„Ich weiß nicht, was Sie meinen.“, sagt mein Pferd etwas pikiert.

„Naja, du hebst die Beine nicht und du läufst ohne Schwung.“

„Bisher war es für Sie durchaus ausreichend.“, entgegnet Monty nun säuerlich.

Ja, bisher war das ausreichend. Weil ich nicht darüber nachgedacht habe und weil ich es nicht hinterfragt habe. Jetzt aber wünsche ich doch aber, dass Monty fröhlich ist, dass er Freude am Reiten hat und daran, etwas mit mir zu machen. Wenn er so zäh ist, nimmt mir das selbst jeden Spaß und am liebsten würde ich absteigen. Eigentlich wollte ich ihn ein bisschen an seinem Stolz packen mit dem Schlurfen, damit er sich mehr Mühe gibt. Aber meine Worte erreichen mal wieder nicht das, was ich beabsichtige, und er reagiert wieder beleidigt. Und irgendwie kann ich ihn sogar verstehen, … wer wird schon gerne angenörgelt?

Da erinnere ich mich an einen Tipp, den ich mal gelesen habe, nämlich den, dass man Pferde mit schnell aufeinanderfolgenden Schritt-Trab-Wechseln munterer machen kann. Einen Versuch ist es wert, denke ich, denn mit Reden komme ich nicht weiter.

Ich pariere Monty also durch in den Schritt, trabe ihn gleich wieder an, pariere wieder durch und trabe noch mal an, pariere erneut durch und trabe wieder an.

„Entschuldigen Sie, aber könnten Sie sich vielleicht mal entscheiden?“, motzt mein Pferd.

„Mich entscheiden?“, flöte ich ganz unschuldig, als wüsste ich gar nicht, was er meint.

„Naja, wollen Sie nun Schritt oder wollen Sie Trab? So macht einen das ja ganz kirre.“

„Ach, ich wollte nur mal schauen, wie schnell du eigentlich zwischen den beiden Gangarten hin- und herwechseln kannst. Manche Pferde können das richtig schnell, aber offenbar kann das nicht jedes Pferd … “

Monty sagt nichts, aber ich bin mir sicher, dass es in ihm arbeitet. Er lässt sich nicht gerne sagen, dass andere etwas besser können als er.

„Ich kann das auch schnell.“, sagt er dann.

„Echt? Wow, würde ich gerne mal erleben, Monty!“

„Wie Sie wünschen.“, antwortet er und fällt so prompt in den Schritt, dass ich nach vorne kippe, weil ich damit nicht gerechnet habe.

„War das etwa zu schnell für Sie?“, fragt er und trabt so schnell an, dass es mich fast nach hinten legt. Ich muss erstmal die Zügel sortieren, die mir vor Schreck aus der Hand gefallen sind.

„Oder das?“, kichert er. Mein Pferd kann kichern, denke ich erstaunt.

„Touché, Monty.“, lache ich.

Dann nehme ich die Herausforderung an: Ich gebe die Hilfen für den Schritt, denke aber schon im Durchparieren ans Antraben, also flott und frei nach vorne. Monty, der mich gerne noch mal vorführen will, ist bereit und trabt so kraftvoll aus dem Durchparieren an, dass es eine wahre Freude ist. Ich juchze und Monty schnaubt.

Solche Übergänge muss man allerdings auch erstmal sitzen können, stelle ich fest und muss mich nun ganz bewusst darauf konzentrieren, die Bewegungen weich durch mich fließen zu lassen, um ihn in den nächsten Übergängen nicht durch meinen Sitz oder meine Hände zu stören. Es gelingt mir immer besser und Monty legt sich mächtig ins Zeug. So schön kann reiten sein!

Beim nächsten Übergang lasse ich im Trab die Zügel aus der Hand gleiten, trabe leicht und wir schweben für einige Runden durch die Halle, als würden Montys Hufe kaum den Boden berühren.

Als ich ihn dann wieder Schritt gehen lasse und begeistert „Oh, war das toll!“ rufe, schnaubt mein Pferd ab, höchst zufrieden mit sich selbst.

„Also, wer schlurft hier?“, fragt Monty.

„Na, du jedenfalls nicht!“, sage ich zu meinem Pferd.

–> Fortsetzung Kapitel 22

 

Monty - Wege zum Pferd

 

*******************************************************

 

Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

3. November 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 21: Wer schlurft hier?

  • Herzlich Willkommen im Blog von „Wege zum Pferd“

    Hier finden Sie unser Blog und können ganz in Ruhe stöbern. Oder Sie suchen gezielt in einer der Themen-Kategorien hier weiter unten im Seitenbalken. Alternativ können Sie auch in dem Suchfeld ein Stichwort eingeben.

    Alles zum Thema Longieren finden Sie hier und unsere Beiträge zum Clickertraining hier. Eine Übersicht über unsere Kurse, E-Books und Bücher finden Sie hier.

    Und wer sind wir? Wir sind Babette Teschen und Tania Konnerth, Betreiberinnen dieser Seite seit 2008 – einen Artikel zu unserem 10-jährigen Bestehen gibt es hier. Wir teilen in diesem Blog unsere persönlichen Erfahrungen und unser Wissen mit Ihnen und Euch und freuen uns auf Kommentare und Rückmeldungen.

    NEU bei uns: Mit dem Herzen voran – der Reitkurs von "Wege zum Pferd":

    Und hier geht es zu unseren Büchern bei Kosmos:

  • Kategorien

  • Neue Beiträge

  • Neue Kommentare

  • Archive