Gelernt ist gelernt!

Heute möchte ich den Blogbeitrag aus der letzten Woche ergänzen. Darin ging es darum, dass Pferde manchmal Sachen, die sie eigentlich kennen und können, nicht tun oder sich anders als gewohnt verhalten. Sie achten einfach viel mehr auf Details als wir und durch kleine Veränderungen oder solche, die uns gar nicht bewusst sind (z.B. Gerüche, die wir nicht wahrnehmen, Stimmungen u.ä.) kann aus ihrer Sicht alles ganz anders sein, obwohl wir selbst davon ausgehen, dass es genau dasselbe ist, was wir immer wollen. Was in diesem Beitrag keinen Platz hatte, war darauf hinzuweisen, dass Pferde auf der anderen Seite ein ganz hervorragendes Erinnerungsvermögen haben – und das soll hier nun einmal richtig gewürdigt werden!

Pferde können sich unglaublich viel merken:

  • Pferde merken sich zum Beispiel all die vielen Hilfen, Signale, Stimmkommandos und Gesten, die wir nutzen, um sie bestimmte Dinge machen zu lassen und können diese oft auch dann zuordnen, wenn sie von verschiedenen Personen gegeben werden. 
  • Sie merken sich Bewegungsabläufe (was sich z.B. zeigt, wenn man den Ablauf von Bahnfiguren verändert, oft ist das Pferd zunächst irritiert). 
  • Pferde merken sich Zeiten und Abläufe (wer einmal zu spät zur Futterzeit gekommen ist, wird das wissen).
  • Sie merken sich eine Vielzahl von unterschiedlichsten Lektionen, Übungen und Tricks. 
  • Sie lernen unzählige Gegenstände, Gerüche und Geräusche kennen, auf die sie dann vertraut reagieren. 
  • Pferde merken sich so ziemlich alle Wege, die sie schon mal gelaufen sind und oft dort auch Gegenstände (was man merken kann, wenn diese z.B. fehlen oder anders stehen). 
  • Sie merken sich Begegnungen mit anderen Pferden und Menschen und erkennen bereits getroffene Lebewesen wieder und anderes mehr.

Ich denke, wir sollten uns viel öfter dankbar bewusst machen, wie gut sich Pferde so vieles merken. Es geht wieder einmal darum, dass wir nicht alles als selbstverständlich nehmen sollten. So oft heißt es, dass Pferde eher dumme Tiere sind, schaut man sich aber einmal ganz bewusst an, was sich Pferde alles merken, welche Beziehungen sie zwischen Gelerntem und Forderungen ziehen können und zu welchen Übertragungsleistungen sie in der Lage sind, wenn sie zum Beispiel von mehreren Menschen gearbeitet werden, müssten wir eigentlich ständig begeistert über sie staunen. Und wenn wir es ihnen erlauben, sind sie sogar in der Lage Aufgaben zu kombinieren und so eigene Vorschläge und Weiterentwicklungen von Übungen und Lektionen anzubieten.

Und weil es so gut passt noch ein kleines Beispiel von uns (herzlichen Dank an Isabell Kössler für die Fotos!): 

Zum Beispiel Luftballons

Es ist fast zehn Jahre her, dass ich mit Anthony das Zertreten von Luftballons erarbeitet hatte – diese Übung findet Ihr hier ausführlich beschrieben und hier und hier gibt es noch zwei Beiträge mit Videos dazu. Deshalb war ich mir nicht sicher, wie er nun darauf reagieren würde. Nach einer Feier hatten wir neulich einige Luftballons im Stall und ich dachte mir: Probieren wir es doch einfach mal wieder.

Von weitem fand er die Ballons etwas beunruhigend, aber beim Kontakt schien er sie sofort einordnen zu können.

Ich band dann welche an einer Schnur, da diese besser zu positionieren sind und nicht vom Wind weg gepustet werden. Auch diese wurden erst einmal kurz inspiziert:

Anthony kam nicht von sich aus auf die Idee, die Luftballons zu zertreten, also lud ich ihn per Spanischen Gruß dazu ein:

Und tatsächlich schien er sich da genau daran zu erinnern, was gefragt war! Prompt landete sein Huf direkt auf einem Luftballon, der aber nicht gleich zerplatzte: 

Dann probierte er es nach einer Weile mit etwas mehr Schmackes und brachte so auch erfolgreich einen zum Platzen 🙂

Gelernt ist halt gelernt! 🙂

Habt Ihr auch Beispiele von Sachen, die Euer Pferd nach langer Zeit noch gut erinnert hat? Dann teilt sie hier gerne in den Kommentaren mit uns. 

22. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Spiele & Co, Verhalten 0 Kommentare »

Aber das klappte doch schon!

„Menno, das konnten wir doch schon!“

„Der zickt nur, denn eigentlich kann er das!“

„Es ist zum Verrücktwerden, das ging doch gestern noch problemlos!“

„Kannst Du nicht mal still stehen, bist doch sonst nicht so ein Hampelmann!“

Kommen Euch diese Sätze bekannt vor? Schon mal gehört oder auch selbst gedacht oder gesagt? 

Diese und ähnliche Sätze zeigen einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen Menschen und Pferden: nämlich dass Pferde immer im Hier und Jetzt leben und Menschen meistens nicht. 

Für ein Pferd ist jeder Tag, ja manchmal jeder Moment, in gewisser Hinsicht „neu“. Durch ihre Instinkte, ihre Sinne und ihr Wesen entspricht es ihrer Natur, jeden Moment zu leben und nicht vorauszuplanen oder groß zurückzudenken. Wir Menschen hingegen sammeln Erfahrungswissen und leiten daraus Erklärungen für Vergangenes und Schlüsse für das Jetzt und die Zukunft ab. Deshalb denken wir dann auch so etwas wie: „Mein Pferd ist 20mal problemlos an dem Traktor vorbeigegangen, also kann ich das von ihm jetzt und auch in Zukunft erwarten.“ Und wir gehen sogar meist noch weiter: „Wenn mein Pferd an diesem Traktor vorbeigeht, kann ich auch erwarten, dass es an einem anderen vorbeigeht.“ Aber genau das ist eben nicht immer einfach so der Fall und aus dieser Vorannahme des Menschen entstehen viele Ungerechtigkeiten gegenüber Pferden:

  • Wenn ein Pferd zum Beispiel in der Halle etwas Ungewöhnliches riecht und es den Kopf hochreißt und die Nüstern bläht, dann nützt es ihm nichts, wenn ihn sein Mensch anfährt: „Hey, Du kennst die Halle doch, spinn hier nicht rum!“
  • Wenn ein Pferd auf der altbekannten Geländerunde etwas sieht, das vorher nicht da war (das dem Menschen aber gar nicht auffällt), und es deshalb stehen bleibt, kann der Mensch noch so sehr darauf pochen, dass doch alles wie immer ist und Sporen und Gerte einsetzen, um das Pferd vorwärtszutreiben, dem Pferd hilft das nicht.
  • Wenn ein Pferd, das sonst immer problemlos von der Weide mitkommt, sich an einem Tag weigert, dann nützt es nichts, darauf zu bestehen, dass das „doch noch nie ein Problem“ war und das Pferd vielleicht mit Druck und Gewalt zum Mitkommen zu zwingen
  • Wenn ein Pferd bei der Hufpflege plötzlich das eine Bein ständig wegzieht, weil es ihm das Hinterbein oder der Rücken an diesem Tag weh tut, dann ist es unfair, es dafür zu strafen und das mit einem „Der kann sonst auch ruhig stehen!“ zu begründen. 
  • Und wenn ein Pferd nach einem Umzug plötzlich kaum noch zu reiten ist, weil aus dem vorher eher ruhigen Tier ein Nervenwrack geworden ist, dann ist es vollkommen ungerecht, es anzuschimpfen, dass es sich gefälligst nicht so anstellen soll oder es gar für sein Verhalten zu bestrafen.

Pferde leben im Jetzt

Wenn sie  JETZT etwas Beunruhigendes wahrnehmen, dann zeigen Pferde diese Unruhe, ganz egal, ob sie den Ort eigentlich gut kennen oder die Situation schon x-mal da war, je nach Persönlichkeit nur gering oder eben auch deutlich. Ein Mensch, der in diesen Momenten grob und unwirsch reagiert, handelt nicht pferdegerecht. 

Pferdegerechtes Denken heißt sich immer wieder bewusst zu machen, dass für ein Pferd in jedem Moment alles anders sein kann als es zuvor war, ohne dass uns das als Menschen wirklich bewusst ist: Es kann anders riechen, es kann andere Geräusche geben, die Atmosphäre kann anders sein, es selbst kann in einer anderen Stimmung sein, ihm kann etwas weh tun, wir können etwas anderes ausstrahlen, es kann windig sein oder kalt oder warm, das Nachbarpferd kann besorgt sein, in der Ferne kann ein anderes Pferd aus Not wiehern und so weiter und so fort. Und entsprechend anders kann jeweils unser Pferd sein und wir müssen verstehen, dass es das nicht willentlich macht, sondern immer als Reaktion auf etwas, das für das Pferd in diesem Moment real und wahr ist. 

Sicherheit geben

Das heißt nun nicht, dass wir jede Laune, Stimmung oder Störung zum Anlass nehmen müssen, alles, was wir gerade mit unserem Pferd tun wollten, sein zu lassen. Aber wir sollten einfach immer wieder das nötige Verständnis für unser Tier aufbringen und ihm nicht unterstellen, dass es uns ärgern oder veralbern will. Diese Annahme ist purer Unsinn und vermenschlicht Pferdeverhalten. Die Sorge eines Pferdes ist in dem jeweiligen Moment immer real für das Pferd, genauso wie es Schmerzen sind oder Aufregung und alles andere. Für uns Menschen steht an, zunächst wahrzunehmen, was unser Pferd gerade bewegt, wenn möglich die Ursache für das Verhalten auszumachen und dann so auf unser Pferd einzugehen und MIT ihm zu arbeiten, dass es sich gut und sicher aufgehoben fühlt und uns vertrauen kann. Denn das ist das Gefühl, welches wir unserem Fluchttier Pferd immer vermitteln sollten: dass es bei uns sicher ist.

Wer sein scheuendes Pferd bestraft, bestätigt es in seiner Angst. Wer einen Stressbeißer schlägt, erhöht den Stress. Wer ein Pferd mit Schmerzen zwingt, weiter Schmerzhaftes zu tun, verstärkt seine Not. Nur wenn wir verstehen, dass die Welt für unser Pferd jedes Mal eine andere sein kann, können wir so reagieren und mit ihm umgehen, dass es uns als verlässlichen Partner kennen und schätzen lernt und nur dann kann unsere Präsenz für unser Pferd beruhigend, wohltuend und tröstlich sein. 

An dieser Stelle müssen wir Menschen lernen, nicht die Pferde. Und die Lernaufgabe lautet: Annehmen, was jetzt gerade ist und nicht dem Pferd vorwerfen, dass es willentlich anders ist, als wir wollen, und deshalb sauer und ungerecht zu werden. Damit verspielen wir jede Chance auf ein vertrauensvolles Miteinander.

15. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 7 Kommentare »

Sure Foot© – The Murdoch Method

In der letzten Woche hatten wir Besuch von Pferde-Physiotherapeutin Brinja Riedel. Sie stellte uns die Sure Foot© Pads vor. Dabei handelt es sich um ein ausgefeiltes System aus verschiedenen Schaumstoffpads in unterschiedlichen Stärken. Die „Arbeit“ mit diesen Pads besteht allein darin, dass sich das Pferd darauf stellt – und das schien uns ein ideales Testfeld für Tanias Anthony zu sein, der sich mit Bewegung im Moment sehr schwer tut. 

Brinja ließ zuerst uns die Pads ausprobieren: 

Und dann durfte Anthony die Sache prüfen. 

Wie man sehen kann, war er recht angetan von der Sache:

Wir haben Euch hier einen Film von der Demo zusammengestellt, der sehr anschaulich zeigt, wie man die Pads einsetzt und wie interessiert und aktiv Anthony mitmacht. 

Es ist wirklich erstaunlich und faszinierend zu erleben, was das alleinige Stehen auf den Pads im Körper bewirkt. Neben der (Mikro-)Muskeltätigkeit für das Ausbalancieren werden das Körpergefühl, das Stehen und das Gehen zerebral neu wahrgenommen und organisiert. Die Pferde lernen, ihren Körper besser zu spüren. Die wohltuende und entspannende Wirkung und das Miteinander ohne jeden Druck (denn allein das Pferd entscheidet, worauf es seine Füße stellen mag und auch wie lange es auf den Pads stehen möchte) führen zu einem sehr innigen Zusammensein von Pferd und Mensch. Wir sind schon sehr gespannt auf die weitere Entwicklung mit Anthony und werden darüber sicher noch berichten.

An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Brinja Riedel für ihre tolle und einfühlsame Arbeit. Brinja gibt Workshops für Pferde-Physiotherapeuten und Pferdebesitzer, so dass jeder die Pads auch einmal für sich und sein Pferd ausprobieren kann – mehr Infos unter www.murdochmedthod.de

Brinja vertreibt die leider sehr hochpreisigen Pads selbst nicht, zu beziehen sind sie aber über www.petphysio-shop.de. Günstigere Alternativprodukte aus dem Humanbereich eignen sich für den Einsatz mit Pferden aufgrund der geringen Haltbarkeit nur bedingt. 

7. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Anatomie und Körper, Gesundheit, Spiele & Co, Übungen 4 Kommentare »

Fühl doch mal!

Da wir mit „Wege zum Pferd“ auch bei Facebook aktiv sind, bekommen wir dort entsprechend viel mit, vor allem auch die Diskussionen über eingestellte Videos von Trainern und Reitern. Und immer wieder erstaunt und bewegt es mich sehr, diese Diskussionen zu verfolgen.

In vielen Fällen sehe ich persönlich gestresste Pferde und hektische Menschen, ich sehe ruckende Stricke und Zügel, bohrende Sporen, „touchierende“ Gerten und schlagende Schweife, weggedrückte Rücken, zugeschnürte Mäuler und viel zu tiefe Köpfe und ich sehe so viele leere Blicke und Pferde, die wie Marionetten funktionieren … und ich frage mich: Warum wird so vieles davon toll gefunden? Warum werden Videos bejubelt? Warum schauen so wenige mal wirklich hin?

Und vor allem: FÜHLT denn kaum jemand mal beim Anschauen von Filmen? 

Ein Experiment

Ich möchte Euch mal ein Experiment vorschlagen: 

Schaut Euch Pferde-Videos immer erst einmal OHNE Ton an, also ohne Musik und ohne Kommentar. Lasst ganz bewusst nur die Bilder wirken. Achtet nicht nur auf das vordergründig Spektakuläre, wie zum Beispiel schwierige Lektionen, dramatisches Steigen, hohe Sprünge oder viel Beinaktion, sondern achtet auf die Mimik, die Körpersprache und die Stimmung des Pferdes und auf die Ausstrahlung des Menschen. Versucht erst einmal nur so viel wie möglich wahrzunehmen und lasst vor allem Eure Gefühle zu. Spürt nach, wie Ihr Euch beim Anschauen der Filme fühlt und notiert Eure ganz persönlichen Wahrnehmungen in Stichworten.

Schaut Euch erst dann die Videos noch einmal mit Musik bzw. Sprechertext an und lest erst dann die Kommentare anderer. Spürt genau hinein, ob sich Eure Wahrnehmung durch den Ton ändert und ob Ihr die Meinung der anderen teilt oder nicht und was sich für Euch am wahrhaftigsten anfühlt.

Tipp: Diese Übung könnt Ihr auch sehr gut zusammen mit jemanden durchführen, dem Ihr vertraut. Redet aber erst am Ende der Übung über Eure jeweiligen Wahrnehmungen und zwar nicht mit dem Fokus, wer nun Recht hat, sondern mit der Neugier darauf, was der andere wahrgenommen hat.

Fühlen kann (und muss) man üben

Tatsächlich gilt es das Fühlen ein Stück weit zu üben, damit wir mehr Mitgefühl für Pferde entwickeln können (denn daran fehlt es leider meinem Eindruck nach doch sehr in der Pferdewelt).

Wenn wir etwas sehen, lassen sich viele von uns schnell von anderen in unserer Wahrnehmung beeinflussen. Ein, zwei Sätze können unsere ganze Wahrnehmung in eine bestimmte Richtung lenken und wir nehmen ein Geschehen komplett anders wahr als wenn wir diese Sätze nicht gehört hätten! Deshalb ist es so wichtig, wirklich erst einmal bei sich selbst zu bleiben und nicht nur zu schauen, sondern dem, was wir da sehen, auch nachzufühlen. Und das gilt nicht nur für Videos, sondern auch für alles was wir im realen Leben mit Pferden erleben…

Inzwischen vertraue ich meinem Bauch mehr als meinem Verstand, denn es ist mein Bauch, der sich mit den Pferden verbindet und mit ihnen fühlt. So beeindrucken mich heute immer weniger Videos, die als „fantastisch“ oder „super“ angepriesen werden, als dass mich viele von ihnen vor allem traurig machen, und nur weil jemand an der Bande neben mir die „Wahnsinnsgänge“ eines Pferdes preist, entgeht mit nicht das Geriegel und Sporengepiekse und die Schmerzreaktionen des Pferdes darauf.

Ich denke, je mehr von uns beginnen, hinter die schillernden Kulissen zu schauen, die so gerne gezeigt werden, und Pferde wirklich fühlen lernen, desto mehr werden auch ihre Eindrücke schildern und manches Fragezeichen an eine umjubelte Vorführung setzen – und zwar nicht aus Neid oder Missgunst, sondern für die Pferde!

1. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse 14 Kommentare »

DVD-Tipp: Trageschwäche von Karin Kattwinkel

Bei der DVD „Trageschwäche – Eine neue Modekrankheit der Reitpferde?“ handelt es sich um einen Live-Mitschnitt eines Fachvortrages von Karin Kattwinkel. Karin Kattwinkel ist Fachbuchautorin, Pferdefachtherapeutin und Pferdegesundheitstrainerin, Hufpflegerin der Deutschen Gesellschaft zur Huf- und Klauenpflege (GdHK) und betreibt seit vielen Jahren ein Lehrinstitut für ganzheitliche Pferdegesundheit.

Damit wir ein Pferd reiten können ohne ihm Schmerzen zu bereiten und psychischen und/oder körperlichen Schaden zuzufügen, muss ein Pferd „tragefähig“ sein. Das bedeutet, dass das Pferd nicht nur von der  Psyche und Reife, sondern vor allem auch von seinem Gebäude und seiner Muskulatur her überhaupt dazu fähig sein muss, das zusätzliche Gewicht auf dem Rücken tragen zu können. Karin Kattwinkel zeigt in ihrem Vortrag, dass viele Pferde durch gewisse Zuchtziele, eine nicht artgerechte Haltung oder durch falsches Training körperlich oft nicht einmal in der Lage sind, auch nur ihr eigenes Körpergewicht zu tragen, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen, geschweige denn ein zusätzliches Reitergewicht. Und tatsächlich sehe auch ich in meinen Praxiskursen zum Longenkurs leider viele Pferde, die deutliche körperliche Anzeichen der sogenannten Trageerschöpfung zeigen – Karin Kattwinkel nennt diesen Zustand „Trageschwäche“.

Karin Kattwinkel erklärt in ihrem Vortrag anschaulich mit vielen Bildern, woran man erkennt, dass sich ein Pferd „nicht tragen“ kann, zeigt mögliche Ursachen und erklärt auch für Laien verständlich Zusammenhänge, wie beispielsweise ein verspannter Rücken zu Erkrankungen der Fesselträger führen kann oder warum ein Pferd mit zu flachen Hufen und einer zu langen Zehe nicht korrekt laufen kann.

Auch wenn es von der Technik und Aufmachung her einige Abzüge gibt (Vortragende im Dunkeln, Leinwand leicht verzerrt, was die Beurteilung der Fotos erschwert, Laserpointer kaum zu sehen), halte ich den Inhalt für so wichtig, dass die DVD jedem Pferdeausbilder und auch Pferdekäufern zusammen mit dem neuem Pferd übergeben werden sollte – dann würden sicher sehr viele mehr auf eine bessere Ausbildung ihrer Pferde achten und sie weniger auf Kosten ihrer Gesundheit reiten… 

Die DVD kostet 12,50 EUR und ist hier zu beziehen. Ergänzend gibt es dort auch noch ein Skript „Trageschwäche“ zu erwerben.

25. Juli 2017 von Babette Teschen • Kategorie: Anatomie und Körper, Buchtipps, Gesundheit 0 Kommentare »

Sei doch glücklich!

Vor einer ganzen Weile habe ich einen Blogbeitrag mit dem Titel Mach mich glücklich verfasst, in dem es mir darum ging aufzuzeigen, dass wir oft viel zu hohe Erwartungen an unsere Pferde haben. Heute möchte ich eine weitere Erwartungshaltung ansprechen, derer wir uns, denke ich, auch bewusst werden sollten. Und zwar geht es darum, dass wir von unserem Pferd erwarten, dass es glücklich und zufrieden ist. 

Ganz klar: Wer sein Pferd liebt, möchte, dass es ihm gut geht. Ich wünsche mir für meinen Anthony nichts mehr, als dass er einfach happy ist – … aber genau damit möchte ich etwas, das offenbar eben nicht so einfach erreichbar ist.

Was auch immer die Ursache ist, Anthony ist eher kein fröhliches Pferd. War er nie und wird er vielleicht nie sein. Ich glaube behaupten zu können, dass ich mir über all die Jahre, die Anthony bei mir ist, wirklich viele und auch sehr vielfältige Gedanken darüber gemacht habe, wie ich ihm gerecht werden oder wie ich wenigstens Lebensumstände für ihn schaffen kann, in denen er zufrieden und glücklich ist. Ich habe dafür auch immer wieder umfassenden Rat bei verschiedenen Fachmenschen gesucht. Immer wieder habe ich mich gefragt, was aus seiner Sicht gut wäre, ich habe viele meiner eigenen Erwartungen und Wünsche losgelassen, war immer wieder bereit, alles neu zu durchdenken und mich in meinem Tun zu hinterfragen. Ich tue also aus meiner Sicht so ziemlich alles, was möglich ist, auf seine gesundheitlichen Herausforderungen zu reagieren und seine Beschwerden so gering wie möglich zu halten (nach den Ursachen dafür habe ich natürlich auch geforscht bzw. forschen lassen). Kurz und gut: mir fällt nichts mehr ein, was ich diesem Pferd noch bieten kann, um sein Leben schöner zu gestalten und so ist es manchmal verdammt schwer auszuhalten, dass er eben trotz allem nicht so glücklich ist, wie ich es gerne hätte.

Und DA ist der entscheidende Punkt für mich: Ich bin dabei zu akzeptieren, dass es hier wieder einmal um meine Erwartungshaltung geht. Meine Vorstellung davon, wie er sein müsste, um von mir als glücklich und zufrieden gesehen zu werden, ist eben genau das: MEINE Vorstellung. Ich kann nicht wissen, ob das für ihn auch so ist. Vielleicht ist er auf seine Weise zufrieden? Vielleicht kann er nicht zufriedener sein? Ich weiß es nicht, aber wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich es halt schaffen, ihn glücklicher zu machen – und, wenn ich weiter ehrlich bin, hat das vor allem mit mir selbst zu tun…

Wenn ich einmal mit etwas Abstand auf die Sache schaue, erkenne ich, dass indem ich ihn glücklicher sehen will, ich auf eine gewisse Art nein zu ihm sage, denn ich will ihn ja anders haben als er ist. Das klingt vielleicht etwas seltsam, für mich aber wird diese Erkenntnis immer klarer und stimmiger: indem ich festlege, wie ein glücklicher Anthony auszusehen hätte, vermittele ich ihm in gewisser Hinsicht immer wieder das Gefühl, falsch zu sein. Und das will ich nicht.

Die Lösung? Wieder einmal akzeptieren zu lernen, was ist. Dass Anthony eben ein Pferd ist, der seine eigenen Stimmungen und Launen hat und diese auslebt. Dass er oft in sich gekehrt ist, sich selten über etwas freut und es kaum möglich erscheint, ihn dauerhaft für etwas zu begeistern. So ist er und indem ich ihm zugestehe, so zu sein, sage ich wirklich ja zu ihm. Vielleicht ist das in der Summe das Wichtigste, was ich für ihn tun kann!?

gluecklich

17. Juli 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse 19 Kommentare »

Wie sieht uns wohl unser Pferd?

In der letzten Woche schrieb ich darüber, wie wir unsere Pferde anderen Menschen gegenüber beschreiben (hier nachzulesen). Am Ende des Artikels dachte ich dann, dass es doch sehr interessant wäre, einmal zu erfahren, wie ein Pferd uns als seinen Menschen sieht.

Auf den ersten Blick vielleicht ein witziger Gedanke, sich das einmal zu fragen, aber hui, ich merke für mich, dass darin eine ganze Menge Potential zur Selbstreflexion steckt, zumindest, wenn ich mich wirklich darauf einlasse. Nun können unsere Pferde uns das ja leider nicht direkt sagen, aber fühlt doch mal in diese Fragen hinein:

  • Wie würde mein Pferd mich wohl seinen Kumpels vorstellen?
  • Was würde es über mich erzählen?
  • Wie würde mein Pferd mich wohl beschreiben?
  • Was wären Eigenschaften oder Verhaltensweisen von mir, die mein Pferd als Erstes nennen würde? 
  • Und, wenn ich mehr als ein Pferd habe, wie unterschiedlich sehen diese mich wohl und wie würden die jeweiligen Beschreibungen jedes einzelnen Pferdes aussehen?

 Und ich frage mich weiter: 

  • Gefallen mir meine Gedanken zu den oberen Fragen oder machen sie mir eher ein ungutes Gefühl? Was genau fühlt sich gut an und was nicht?
  • Wie möchte ich am liebsten von meinem Pferd gesehen werden?
  • Was möchte ich für mein Pferd sein? 
  • Was soll es vor allem von mir wahrnehmen und mit mir verbinden? 
  • Was kann ich verändern, damit ich mehr so von ihm erlebt werde? 

Viel Denk- und Fühlstoff, findet Ihr nicht auch?

Selbstreflexion

20. Juni 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang 2 Kommentare »

Guten Tag, mein Pferd ist ein Problem

Zugegeben, die Überschrift „Guten Tag, mein Pferd ist ein Problem“ klingt vielleicht etwas seltsam. Tatsächlich aber bringt sie genau auf den Punkt, worum es hier gehen soll. 

Wenn jemand zu unserem Pferd kommt oder wenn wir anderen von unserem Pferd erzählen, passiert oft etwas Bemerkenswertes, das aber den wenigsten von uns bewusst ist: Das komplexe Wesen und Sein unseres Pferdes wird schlagartig reduziert auf ein oder zwei – fast immer negative – Aussagen.

Am deutlichsten wird das bei Pferden, die eine chronische Krankheit haben, wie z.B. Sommerekzem oder Husten. Da wird oft noch vor dem Namen die Krankheit genannt: „Ja, und das ist meine Stute, Ekzemerin.“ oder „Ich habe einen  Huster.“ Aber auch bei Problemfällen erfolgen oft solche Vorstellungen oder Beschreibungen: „Da steht er, leider ein Beißer.“ oder „Meine Stute kann ich nicht im Gelände reiten, sie ist ein Durchgänger.“ 

Was an den Sätzen falsch sei? An den Sätzen selbst nichts, aber ein Stück weit am Fokus. In ihm drückt sich aus, wie wir auf unser Pferd schauen und was an ihm wir vor allem wahrnehmen. Es ist natürlich verständlich, dass jemand, der immer wieder Sorgen oder Schwierigkeiten mit seinem Pferd hat, auch darüber redet, aber ich denke, dass es sich wirklich lohnt, einmal darauf zu achten, wie wir unser Pferd vor anderen Menschen darstellen und was das mit uns und vor allem mit unserem Pferd macht. Denn es geht hier nicht nur um Worte, sondern um viel mehr… 

Ich selbst habe meinen Anthony oft mit „Ein Neinsager“ oder „Kein leichtes Pferd.“ vorgestellt oder bezogen auf seine vielen gesundheitlichen Probleme: „Mein Montagspferdchen“. Das möchte ich ändern, denn Anthony ist so viel mehr und diese Reduzierung wird ihm einfach nicht gerecht. Auch wenn er mich manchmal wirklich fordert, so klappen unzählig viele Sachen wunderbar. Er schenkt mir sehr viel, er ist in ganz vielen Bereichen super erzogen und brav. Und er ist auch mehr als sein Husten oder seine Hufgeschwüre. 

Der entscheidende Punkt an dieser Art über unsere Pferde zu reden ist der: Kein Pferd ist nur seine Krankheit und kein Pferd ist nur ein Problem. Oft aber reden wir über unsere Pferde als seien ihre Krankheiten oder Auffälligkeiten so etwas wie ihr Name: … ist Kolikerin … ist ein Steiger … ist Freikopper … ist schwierig … ist stur … usw. Damit bestätigen und manifestieren wir in gewisser Hinsicht genau das, was wir eigentlich nicht wollen, denn wir schenken der Sache sehr viel Aufmerksamkeit und Energie. 

Es heißt ja, dass wir die Wirklichkeit durch unsere Gedanken und unsere Aufmerksamkeit gestalten. Ob das so stimmt, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass die Beziehung zu meinem Pferd in einem großen Maße von meinem eigenen Fokus abhängt. Sehe ich vor allem das Problem, dann wird es größer und bekommt mehr Macht und Einfluss. Richte ich meine Aufmerksamkeit hingegen auf das, was toll ist, verschwindet es natürlich nicht, aber es bekommt eine andere Gewichtung im Gesamtbild. Und das Wichtigste ist für mich: Unsere Pferde spüren sehr genau, wo unser Fokus liegt und reagieren darauf. 

Achtet doch einmal selbst darauf, wie Ihr Eure Pferde anderen vorstellt, womit Ihr sie beschreibt und was Ihr selbst bei ihnen in der Hauptsache wahrnehmt. Vielleicht reduziert Ihr ja unbewusst Eure Pferde auch in einer Weise, die nicht gerade förderlich und vielleicht auch nicht fair ist? Dann denkt daran: selbst kleine Fokusverschiebungen können Türen öffnen und damit sehr viel in Bewegung bringen.

Mein Pferd ist ein Problem

13. Juni 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Umgang 17 Kommentare »

Rückenprobleme – Reiten, ja oder nein?

Eigentlich sollte es diesen Blogbeitrag gar nicht geben müssen und es macht mich traurig, dass ich ihn dennoch schreiben muss… Auf meinen Kursen stellen sich bei vielen Pferden Rückenprobleme heraus und in diesem Zusammenhang kommt meist sofort die Frage nach der Reitbarkeit. Auch per Mail werden mir oft deutliche Symptome von Rückenbeschwerden beschrieben, oft verbunden mit der Frage, welcher Hilfszügel am besten hilft, damit das Pferd beim Reiten den Kopf nicht so hochreißt oder was man dagegen machen kann, wenn das Pferd unter dem Sattel buckelt. Deshalb hier also meine ganz klare Antwort auf die folgende Frage:

Kann ich ein Pferd mit Rückenproblemen reiten?

Nein! Ein Pferd mit Rückenschmerzen, oder auch nur mit dem Verdacht auf solche, darf meiner Ansicht nach genauso wenig geritten werden, wie ein Pferd, das lahmt.

Bei Rückenschmerzen tut Gerittenwerden weh

Eigentlich ist es so offensichtlich, dass man es nicht zu erklären braucht, aber da Pferde selbst mit heftigen Rückenproblemen tatsächlich geritten werden, ist es wohl doch nötig: Als Reiter sitzen wir mit unserem gesamten Gewicht (das oft nicht gerade wenig ist) GENAU auf der schmerzenden Stelle, nämlich dem Rücken. Da sollte es doch auf der Hand liegen, wie viel Leid das Reitergewicht für ein Pferd bedeutet, das Rückenschmerzen hat. 

Pferde mit Rückenproblemen haben, wenn sie geritten werden, Schmerzen, manchmal leichte, oft aber starke. Würden Pferde winseln, wimmern oder auch schreien können, könnten sie uns vielleicht deutlicher machen, was ihnen eine Qual ist. Die einzige Lautäußerung bei Schmerzen ist meist ein Stöhnen. Und wie reagieren viele Reiter/innen darauf, wenn ihr Pferd tatsächlich beim Reiten stöhnt? Sie lachen darüber und machen Witze alá „Ach, du Armer, du hast es aber auch schwer!“

Pferde haben keinen Schmerzlaut, sie äußern Schmerzen anders: Manche versuchen sich durch eine bestimmte Haltung Linderung zu verschaffen: nehmen also vielleicht den Kopf hoch und drücken den schmerzenden Rücken weg oder sie verkriechen sich hinter dem Zügel. Andere verweigern die Mitarbeit, indem sie immer langsamer werden oder auch stehen bleiben. Wieder andere zeigen das, was man so gerne als „Widersetzlichkeiten“ bezeichnet: Buckeln, Losstürmen oder auch Steigen. 

All diesen Reaktionen ist fast immer eines gemein: Sie sind Ausdruck von Not.

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Da Pferde still leiden, müssen wir die (leisen) Zeichen für Schmerzen erkennen lernen und diese genauso ernst nehmen wie eine Lautäußerung, wie z.B. ein Winseln. Wir dürfen nicht einfach über sie hinweggehen und weiter machen, wie bisher bzw. nach Hilfsmitteln suchen, damit wir weiter machen können.  Reißt ein Pferd den Kopf beim Reiten hoch, kann die Antwort nicht sein, den Kopf mit Hilfszügeln in die „richtige“ Position zu bringen, sondern es muss nach der Ursache gesucht werden. Dasselbe gilt für das Buckeln, Steigen, eine deutliche Trägheit und andere Anzeichen für Rückenschmerzen. 

Was tun bei Rückenschmerzen? 

Für mich sieht der pferdegerechte Weg bei Rückenproblemen so aus:

  • Beim Verdacht auf Rückenprobleme (s. diese Checkliste) sollte das Pferd als erstes gründlich von einem guten Tierarzt untersucht und eine sichere Diagnose gestellt werden (z.B. müssen Erkrankungen wie z.B. Kissing Spines ausgeschlossen werden). Zusätzlich rate ich zu Behandlungen von guten Physiotherapeuten/Osteopathen. 
  • Gibt es keine tierärztlichen Bedenken gegen das Training, sollte das Pferd durch gute, gymnastizierende Bodenarbeit (s. Longenkurs und Aufbaukurs) behutsam trainiert werden und das solange, bis das Pferd eine gute Laufmanier gelernt und eine gute, lockere Muskulatur entwickelt hat.
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  • Erst dann sollte sich nach einer ausreichend langen Lösephase an der Hand der Reiter für eine kurze Zeitspanne wieder auf das Pferd setzen (zu Beginn nicht länger als 10 Minuten!).
  • Wenn alles gut läuft, sieht das Ergebnis dann so aus, dass das Pferd unter dem Reiter am langen Zügel den Hals entspannt fallen lässt und locker losmarschiert. Erst von dieser Basis aus können dann langsam die Zügel aufgenommen und damit begonnen werden, dem Pferd auch unter dem Sattel eine gute Laufmanier zu vermitteln, die weiteren Rückenproblemen vorbeugt.

Leider wird das fast überall noch „anders“ gemacht. Mir ist bewusst, dass viele Menschen sich ein Pferd zum Reiten anschaffen und dass sich der Weg, den ich hier vorschlage, lang anhört. Für mich aber ist selbstverständlich, dass jeder, dem das Wohl seines Pferdes am Herzen liegt, bereit sein muss, bei Schmerzen auf das Reiten zu verzichten – und das gilt nicht nur, wenn das Pferd z.B. lahmt, sondern eben auch bei Schmerzen, die es nicht so klar zuordbar zeigen kann.

6. Juni 2017 von Babette Teschen • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Gesundheit, Longieren, Reiten 7 Kommentare »

Dominanz ist nicht pferdegerecht

Was wir hier schon lange immer wieder aufs Neue schreiben, ist nun endlich auch wissenschaftlich bestätigt: Die Dominanztheorie ist menschliches Denken und NICHT pferdegerecht. 

Wissenschaftliche Studien widerlegen die Dominanztheorie

In diesem mehr als wichtigen Artikel wird ein Positionspapier der Internationalen Gesellschaft für Pferdewissenschaften ISES (International Society for Equitation Science) zusammengefasst – den Originaltext gibt es hier

In diesem Papier wird

  • einerseits darauf hingewiesen, dass zahlreiche Studien des Sozialverhaltens von wild lebenden Pferden sowie von Hauspferden gezeigt haben, dass es in den Herden keine Dominanz-Hierarchien oder Alpha-Positionen gibt
  • und andererseits wird deutlich betont, dass Ausbildungskonzepte und Beziehungen, die auf der Dominanz-Theorie aufbauen, gegen das Pferdewohl gehen können. 

Mehr noch: Das immer wieder als „natürliches Pferdeverhalten“ erklärte Dominanz-Gebahren ist Pferden fremd. Pferde sind auf ein soziales Miteinander angewiesen. Kommt es zu einem Streit um Ressourcen, findet dieser punktuell statt, aber es konnte nicht beobachtet werden, dass es Pferden darum geht, ein anderes Pferd grundsätzlich zu beherrschen. 

… und beschreiben den oft daraus resultierenden Missbrauch

Weiterhin wird ganz klar benannt, dass die Dominanz-Theorie häufig dazu dient, nicht pferdegerechtes Verhalten zu rechtfertigen, z.B.:

  • Bestrafung,
  • aggressives Verhalten dem Pferd gegenüber,
  • Einschüchterung,
  • Missbrauch,
  • Gewalt.

Aggressivität löst bei Pferden Angst aus und natürlicherweise versuchen Pferde einem aggressiven Gegenüber auszuweichen und Begegnungen mit ihm zu vermeiden. Das heißt, dass nicht nur die Pferde unter der falschen Behandlung leiden, sondern auch die Beziehung von Mensch und Pferd.  

Wie Mensch-Pferd-Beziehungen aussehen sollen

Die Dominanztheorie ist als Basis für eine harmonische Beziehung von Mensch und Pferd nach Ansicht der Forscher ungeeignet. Mensch-Pferd-Beziehungen sollten immer auf einem Verständnis der natürlichen Verhaltensweisen von Pferden basieren und nicht auf menschlichen Interpretationen aus der eigenen Erfahrenswelt. 

Wichtig für ein harmonisches Verhältnis sind also echtes Verständnis für Pferde und ein ruhiger, klarer und beständiger Umgang. 

dominanz_ist_nicht_pferdegerecht

 

30. Mai 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 12 Kommentare »

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