Wie finde ich den richtigen Trainer – eine Checkliste

Die meisten kommen wohl über Empfehlungen zu ihren Reitlehrern oder Trainern. Man nimmt meist zunächst den, den auch die Freundin oder der Miteinsteller hat oder geht zu der, die eh im Stall unterrichtet. Für Kurse sucht man dann vielleicht auch mal gezielter nach einem Ausbilder, zum Beispiel zu einem bestimmten Thema oder einer besonderen Reitweise. Und spätestens, wenn der Unterricht nicht so gut läuft, fragt man sich: Wie finde ich jemanden, der besser zu uns passt? 

Das Problem ist, dass viele erstmal gar nicht so recht wissen, worauf sie achten sollen, wenn es um die Auswahl eines geeigneten Trainers geht. Und dafür haben wir Euch mal eine Checkliste erstellt. Hier findet Ihr Reflexionsfragen zu den Punkten, die wir bei der Entscheidung, ob ein Reitlehrer oder eine Trainerin für Euch passt, für wichtig halten.

Wir hoffen, sie ist hilfreich für Euch!

Checkliste Trainerauswahl

17. Oktober 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Engagement und Pferdeschutz, Jungpferdausbildung, Sonstiges 0 Kommentare »

Mehr Mitsprache fürs Pferd – so geht’s!

Im herkömmlichen Umgang haben Pferde selten ein Mitspracherecht. Auf mehr oder weniger nette Art setzt der Mensch seinen Willen durch und wenn das Pferd aufmuckt, wird immer noch viel zu wenig gefragt, warum es das tut. Statt dessen werden nötigenfalls härtere Maßnahmen eingesetzt, um das Pferd eben doch zu dem zu bringen, was man von ihm will. Dabei gibt es viel schönere Wege, solche Herausforderungen gemeinsam MIT dem Pferd anzugehen und zu lösen. 

Wir möchten hier einen von diesen Wegen zeigen. Inspiriert wurde er von dem so genannten Initiatorsignal aus dem Clickertraining (wer mehr darüber wissen will, kann das in diesem Beitrag nachlesen) und abgewandelt für den Einsatz auch für Pferdeleute, die nicht klassisch clickern. 

Das ist Caruso: 

Initiatorsignal Fliegenspray(Fotos von Martin Paasch)

Caruso findet es ziemlich schrecklich, mit Anti-Fliegenspray eingesprüht zu werden (sein Blick hier zeigt sehr gut seine Skepsis). Da ihm aber Bremsen, Mücken und Fliegen das Leben im Sommer schwer machen, haben seine Menschen immer wieder versucht, ihn doch davon zu überzeugen, dass Fliegenspray gar nicht so schlimm ist. Caruso entzog sich aber immer und immer wieder deutlich dem Einsprühen, indem er auswich und den Kopf hochnahm. Selbst zu mehreren und mit viel liebevollem Zureden und Leckerlies war es oft so gut wie unmöglich, ihn einzusprühen.

Ich erzählte seiner Besitzerin Maja dann von dem Initiatorsignal und schickte ihr einen Videolink. Nun clickert Maja selbst nicht, übernahm aber die Grundidee, Caruso ein Mitspracherecht in der Sache zu geben. Und das hat sehr vieles geändert: Bis heute ist Caruso zwar noch immer kein großer Fan vom Fliegenspray – ABER: er lässt es sich inzwischen gefallen und zwar, weil er den Prozess aktiv mitgestalten kann.

Das Pferd entscheidet

Und so geht’s: Zunächst achtete Maja sehr genau darauf, was Caruso den größten Stress bei der Prozedur bereitet und fand auf diese Weise heraus, dass er einen mit dem Spray getränkten Schwamm etwas besser ertragen konnte als das Ansprühen. Und damit begann sie zu arbeiten. Allein das zeigt schon, was dieser Ansatz bewirkt: nämlich, dass wir achtsam für das Pferd und sein Problem werden und nicht einfach nur unsere Vorstellung durchziehen.

Carusos Reitbeteiligung Isabell zeigt hier, welchen Ablauf Carusos Menschen und er zusammen erarbeitet haben: Sie gibt das Spray auf einen Schwamm und hält Caruso diesen Schwamm hin, so dass er genau sehen und riechen kann, was das ist. Wenn Caruso den Schwamm berührt, darf der Mensch ihn ein Stück weit damit einreiben: 

Initiatorsignal Fliegenspray

Initiatorsignal Fliegenspray

Zeigt Caruso, dass es ihm zu viel wird, hört der Mensch sofort auf! 

Initiatorsignal Fliegenspray

Statt dessen wird wieder der Schwamm eingesprüht und Caruso hingehalten. Durch Berühren des Schwammes gibt er das Signal, wann weiter gemacht werden kann.

Initiatorsignal Fliegenspray

Auf diese Weise ist es inzwischen möglich, ihn relativ entspannt allein am ganzen Körper einzureiben, was noch zu Beginn des Sommers undenkbar war.

Initiatorsignal Fliegenspray

Gut investierte Zeit

Vielen, denen ich bei Problemen eine solche Vorgehensweise vorschlage, scheint der Zeitaufwand zu groß. Und ja, zu Beginn kann dieses Vorgehen, zugegebenermaßen, schon länger dauern. Aber der Einsatz lohnt sich, denn man bekommt auf diese Weise echte Freiwilligkeit. 

Dem Pferd ein Mitspracherecht zu geben, ist ein sehr respekt- und liebevoller Weg, die Meinung des Pferdes anzunehmen und MIT ihm zu arbeiten. Es geht nicht darum, dem Pferd komplett seinen Willen zu lassen, sondern Ziel ist, ein Problem GEMEINSAM mit dem Pferd zu lösen. 

Ganz wichtig: Schlägt man diesen Weg ein, darf man nicht zwischendurch, weil es mal schnell gehen soll, doch wieder in  einer Hauruck-Aktion das Pferd gegen seinen Willen einsprühen. Damit verspielt man sich das zuvor erarbeitete Vertrauen! Wenn mal keine Zeit ist, ist es besser, auf das Einsprühen zu verzichten und es sollten unbedingt auch alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

10. Oktober 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Gesundheit, Ideen, Umgang, Verhalten 4 Kommentare »

Die Grenze zwischen Nutzung und Missbrauch

Wir werden nicht müde, immer wieder auch darauf hinzuweisen, dass vieles in der Pferdewelt falsch läuft und eine ständige Quelle von Missbrauch gegenüber Pferden ist aus unserer Sicht der Anspruch des Menschen, ein Pferd für seine eigenen Ziele und Vorhaben zu benutzen. Deshalb gehören wir aber nicht zu denen, die Arbeit mit Pferden gleich komplett ablehnen.

Wie so oft liegt die Wahrheit nicht in den Extremen, sondern in der Mitte und sie gestaltet sich sehr vielfältig. Es ist für uns keineswegs grundsätzlich falsch, ein Pferd zu „nutzen“, ganz im Gegenteil: Gemeinsame Erlebnisse mit Pferden sind etwas Wunderschönes! Aber – und das ist leider das, was oft schiefläuft – es soll für beide Seiten etwas Schönes sein. 

Es kommt immer darauf an…

Nun gibt es keine festen Regeln, an die man sich halten kann, wenn es darum geht, was man von einem Pferd verlangen kann und wann man über seine Grenzen geht, sondern es muss im Einzelfall, je nach Stimmung, Persönlichkeit und Situation immer wieder neu überprüft werden, ob die Erwartung und Forderung des Menschen etwas ist, das das Pferd einlösen mag und kann oder eben nicht. Um hier angemessene Entscheidungen treffen zu können, müssen wir uns freimachen von herkömmlichen Sprüchen wie „Pferde müssen geritten werden!“ genauso wie von den anderen Extremen alá „Jede Arbeit mit einem Pferd ist Gewalt.“, um wirklich hinschauen und vor allem hinspüren zu können. 

Es spielen viele Faktoren in die Frage hinein, ob mit einem Pferd etwas getan werden muss oder nicht, wie zum Beispiel: 

  • die Haltung (je pferdegerechter die Haltung ist, desto weniger zwingend ist eine Beschäftigung der Pferde),
  • die Rasse (bei manchen Rassen sind Leistungswille und Temperament Zuchtziele, diese Pferde brauchen eine andere Auslastung als Rassen bei denen vielleicht Gelassenheit und Ruhe Zuchtziele sind),
  • das Alter (sehr junge Pferde brauchen, sofern sie altersgerecht gehalten werden, noch keine Beschäftigung durch den Menschen, sondern sollten möglichst Pferd sein können, während zum Beispiel gerade ältere Pferde nicht einfach vorschnell in Rente geschickt werden sollten, denn für manche von ihnen bricht eine kleine Welt zusammen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden),
  • die Gesundheit (bei gesundheitlichen Problemen sollte noch genauer überlegt werden, was mit einem Pferd wirklich gemacht werden kann und was nicht, gleichzeitig können alternative Aktivitäten mit einem Pferd es gerade bei gesundheitlichen Problemen ablenken, für Freude sorgen und auch nötig für eine Genesung sein),
  • die Persönlichkeit (ein sehr wichtiger und oft entscheidender Punkt, der unbedingt zu berücksichtigen ist!),
  • die aktuelle Situation (wie die momentane Laune und Stimmung (bei Pferd und Mensch) oder besondere Vorkommnisse, die Einfluss auf die Bereitschaft des Pferdes haben, etwas mit uns zu machen)
  • und anderes mehr. 

Es gibt Pferde, die sehr glücklich und zufrieden damit sind, einfach nur Pferd zu sein und sich hin und wieder von ihrem Menschen betüddeln zu lassen. Wenn sie artgerecht in einem funktionierenden Herdenverband leben, nicht übergewichtig sind und kein Reitergewicht zu tragen haben, müssen viele Pferde nicht unbedingt systematisch gymnastiziert werden, um gesund zu bleiben – obwohl Bewegung natürlich grundsätzlich gut ist. Für manche Pferde hingegen ist ein Grundmaß an guter und angepasster Gymnastizierung notwendig, damit sie dauerhaft gesund bleiben. Dann gibt es Pferde, die sich selbst in einer artgerechten Haltung mit Pferdegesellschaft schnell langweilen und unterfordert sind und die einfach ein Stück weit körperliche Auslastung brauchen, um zufrieden und ausgeglichen zu sein. Und viele Pferde nehmen was kommt, sie genießen Ruhe aber es macht ihnen auch nichts aus, Dinge für uns zu tun, die sie sonst vielleicht nicht tun würden; in diesen Fällen ist es gut, immer wieder darauf zu achten, dass solche Pferde auch Freudemomente erleben und nicht nur Dienst nach Vorschrift machen. 

Wo beginnt der Missbrauch?

Die Nutzung eines Pferdes ist aus unserer Sicht vollkommen in Ordnung, wenn beide dazu ja sagen, keiner darunter leidet und beide im besten Fall etwas Positives daraus ziehen können. Missbrauch findet für uns dann statt, wenn einer der Beteiligten etwas nicht will und dann mit Gewalt und Druck gezwungen wird.

Wichtig für uns Pferdemenschen ist, immer achtsam für unser Pferd zu bleiben und wahrzunehmen,

  • was es tut, weil es das von sich aus gerne macht,
  • was es für uns tut, aber nicht aus eigenem Antrieb,
  • was es tut, weil wir es ihm schmackhaft machen
  • und was es aus Angst (wovor auch immer) tut oder weil es zu kämpfen aufgehört hat. 

Das Ziel ist Freiwilligkeit

Für uns ist freudige Freiwilligkeit immer das Ziel.

Tut ein Pferd etwas, das wir möchten oder für wichtig halten, nicht, so ist es unsere Aufgabe, Wege zu suchen, die dem Pferd ein Ja zu unseren Absichten möglich machen beziehungsweise müssen wir unsere Erwartungen und Forderungen anpassen.

Hin und wieder wird es im Miteinander von Mensch und Pferd auch Momente geben, in denen wir Menschen unser Pferd zu etwas bringen müssen, das vielleicht wichtig oder gar unerlässlich ist. Je nach Dringlichkeit (z.B. durch Gefahren) ist in solchen Ausnahmesituationen unter Umständen auch Druck angemessen (der ja auch in sehr unterschiedlicher Stärke eingesetzt werden kann).

Dauerhafter Druck hingegen, ein gewohnheitsmäßiger Einsatz von Zwangsmitteln und ständige Gewalt auch im Kleinen sind aus unserer Sicht immer als Missbrauch zu bewerten und damit abzulehnen. 

Nutzung oder Missbrauch

19. September 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 4 Kommentare »

Wer darf hier was sagen?

Den meisten Pferdemenschen ist durchaus klar, dass vieles in der Pferdewelt nicht gut läuft. Gewalt gegenüber Pferden kennt so gut wie jeder und was alles in Sachen Haltung, Zucht oder Spitzensport & Co falsch läuft, wissen wir auch zur Genüge. 

Was aber passiert, wenn denn nun mal jemand den Mund aufmacht und z.B. einen hochgejubelten Ritt einer bekannten Reiterin kritisiert oder auf körperliche Auffälligkeiten eines Spitzenpferdes hinweist oder einen Denkanstoß in einer Runde von Pferdefans in Bezug auf das Gewicht eines Pferdes oder des Reiters macht oder etwas zur Haltung anmerkt oder… oder… oder…? Fast unmittelbar erfolgen Reaktionen wie: „Na, wer bist Du schon, dass Du das beurteilen willst?“ und es wird der Person schnell ein Urteilsrecht abgesprochen, weil sie z.B. nicht selbst Grand-Prix-Reiterin ist oder „nur“ ein Pony hat oder noch nicht einmal ein eigenes Pferd, sondern nur eine Reitbeteiligung… 

Mich stimmt das sehr nachdenklich. Ich selbst bin jemand, der sehr darauf achtet, einen positiven Fokus zu wahren und wenig zu kritisieren, sondern lieber den Blick auf das zu richten, was gut ist. Dennoch müssen auch kritische Gedanken möglich sein. Und, mal ganz ehrlich, wem gestehen wir eigentlich überhaupt ein Beurteilungsvermögen zu? Müssen wir uns mit einer kritischen Bemerkung oder einem Denkanstoß nicht befassen, nur weil die Person, von der das kommt, vielleicht selbst gar nicht reiten kann oder wenn, dann vielleicht nicht besonders gut? Kann ich Hinweise zum Gesundheitszustand meines Pferdes von Personen ignorieren, nur weil deren Pferd selbst krank ist? Brauche ich Bemerkungen von allen, die unter S reiten, gar keine Beachtung schenken? Und muss ich denen, die ich nicht leiden kann sowieso nicht zuhören?

Kritik ist ein schwieriges Thema

Mit Kritik und Ratschlägen ist das ganz grundsätzlich eine schwierige Sache – kaum jemand tut sich leicht, Kritik anzunehmen. Wenn wir all den vielen Nickeleien und/oder Ratschlägen, die man gefragt oder ungefragt bekommt, zu viel Beachtung schenken, weiß man letztlich gar nicht mehr, was überhaupt noch richtig ist. Insofern ist der Impuls, eine gewisse Gewichtung von solchen Hinweisen vorzunehmen und nicht alles an sich herankommen zu lassen, schon richtig.

Es stellt sich nur hier die Frage, WIE wir diese Gewichtung vornehmen – und hier tut vielleicht etwas mehr Bewusstheit Not.

Ich habe z.B. schon sehr wertvolle Hinweise gerade in Bezug auf das Miteinander von Mensch und Pferd von absoluten Laien in Sachen Pferd bekommen, die einfach nur spontan aussprachen, was ihnen durch den Kopf ging. Die wussten nichts über Hilfengebung oder Lektionen, benannten aber vollkommen unbeirrt das Unwohlsein und den Schmerzausdruck eines Pferdes, das gerade geritten wurde oder machten auch mich selbst oft schon sehr nachdenklich, wenn es um meinen eigenen Umgang mit meinem Pferd ging.

Natürlich ist es sehr bequem, Äußerungen vom Tisch zu wischen, indem man der jeweiligen Person zu wenig Kompetenz zuspricht, aber damit ist die geäußerte Sache noch lange nicht falsch. Um zum Beispiel zu beurteilen, ob es in Ordnung ist ein Kind zu schlagen, muss man nicht Erzieher sein und genauso wenig muss man eine S-Dressur reiten können, um beurteilen zu können, ob ein Pferd Schmerzen im Maul durch zu viel Zügelzug oder Sporengebohre hat. 

Tja, nehmt diese Gedanken vielleicht einfach mal als Frage für Euch selbst mit und achtet darauf, wem Ihr welche Kompetenz zu- oder absprecht und WARUM –  und ob diese vielleicht unbewusste Einteilung tatsächlich immer auch die beste beziehungsweise sinnvollste ist… 

 

12. September 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Reiten, Umgang 7 Kommentare »

Warum arbeiten Pferde eigentlich mit?

Vor einiger Zeit fragte mich eine Leserin, warum Pferde eigentlich überhaupt mit Menschen zusammenarbeiten wollen – und ganz ehrlich, diese Frage habe ich mir selbst auch schon sehr oft gestellt.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind ja die meisten Pferde tatsächlich immer wieder bereit, sehr viel für Menschen zu tun und das selbst dann,  

  • wenn sie dabei nicht gut behandelt werden,
  • sie oft nicht verstehen, was von ihnen gewollt wird und nur raten können,
  • die Arbeitsbedingungen schlecht sind, 
  • das Zubehör scheuert, nicht passt oder anderweitig Schmerzen bereitet, 
  • sie immer wieder zum Teil vollkommen ungerechtfertigt bestraft werden, 
  • die gegebenen Hilfen grob sind, 
  • die Stimme viel zu laut und unfreundlich ist,
  • das Training körperliche Schmerzen oder psychische Überforderung bedeutet, 
  • sie nicht immer genug zu fressen haben oder viel zu dick gefüttert werden, 
  • oft nicht pferdegerecht leben können
  • und vieles andere im Zusammenhang mit Menschen ganz schön unangenehm sein kann.

Tja, warum tun Pferde das? 

Dumm, oder was?

Es gibt Leute, die den Schluss ziehen, dass Pferde ziemlich dumme Tiere sein müssen oder dass es ihnen einfach so viel Spaß mit uns macht, dass sie dankbar sind oder dass das was mit ihnen gemacht wird, halt offenbar vollkommen ok so ist (sonst würden sie ja nicht mitmachen, nicht wahr?)… – Aussagen, die ich für großen Blödsinn halte. 

Ich denke, die Antwort finden wir viel mehr im Wesen der Pferde.

Die Natur der Pferde

Aus meiner Erfahrung sind Pferde grundsätzlich sehr kooperative Tiere. Als Herdentiere hängt ihr Überleben ganz wesentlich davon ab, sich in eine Gruppe einzufügen und kooperativ zu sein. Die Bereitschaft zur Mitarbeit könnte bei ihnen also ein Stück weit in den Genen liegen. Bei einigen Rassen dürfte durch gezielte Zucht auch eine Art Leistungswille eingebaut sein, also der Drang, etwas zu tun.

Viele Pferde schätzen dann sicher auch einfach die Abwechslung, die das Zusammensein mit Menschen bedeutet. Denn so, wie viele Pferde gehalten werden, gibt es viel Langeweile für sie und vieles, von dem, was Menschen mit Pferden machen, ist ja durchaus auch spannend, lustig oder wohltuend und macht Freude. Andere Pferde wiederum denken vielleicht gar nicht darüber nach, sondern nehmen es einfach wie es kommt, so wie sie auch Regen nehmen, wenn es regnet oder den Wind, wenn es stürmt oder die Sonne, wenn sie scheint. 

Ganz persönlich denke ich, dass auch die Fähigkeit von Pferden, im Hier und Jetzt zu leben, eine große Rolle dabei spielt. Sie macht es ihnen möglich, immer wieder neu zu beginnen und uns immer wieder zu verzeihen und frische Chancen zu geben. Pferdeherzen und -seelen sind sehr groß, vielleicht können sie sich tatsächlich immer und immer wieder neu für uns öffnen. 

Mitarbeit ist nicht selbstverständlich!

Wie auch immer die Antwort tatsächlich sein mag, ich habe für mich begriffen, dass ich trotz aller Bereitschaft NICHTS im Zusammensein mit Pferden als selbstverständlich nehmen darf. Mir ist sehr bewusst, dass jedes Pferd, sei es noch so klein oder zart, mir kräftemäßig überlegen ist, und dass ich kein Pferd, das nicht ein Stück weit von sich aus mitmacht, zu etwas zwingen könnte. Das Bewusstsein darüber, dass mir also jedes Pferd im Zusammensein immer etwas von sich aus schenkt, lässt mich sehr dankbar sein, vor allem dann, wenn ich immer wieder sehe, was Pferde auch für uns aushalten und wie sie all unsere Fehler und Grobheiten ertragen, ohne uns zu grollen und vor allem ohne ihre Kraft gezielt gegen uns einzusetzen. 

Ich glaube, viel wichtiger als die Frage, warum sie das alles tun, ist die, was wir daraus von ihnen lernen können, denn das ist unglaublich viel. 

5. September 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse 7 Kommentare »

Unerwartete Geschenke oder: Ein Fotoshooting für den Kosmos-Verlag

Es ist mal wieder ein Buch bei uns in Arbeit – Erscheinungstermin Sommer 2018 im Kosmos-Verlag. Und dafür gab es am letzten Wochenende ein Shooting bei uns. Zu Anthony und mir kamen wieder Gudrun Braun vom Kosmos-Verlag und Horst Streitferdt, mit dem wir schon vor einigen Jahren zu unserem Buch „Praxiskurs Bodenarbeit“ zusammengearbeitet hatten (Eindrücke von dem damaligen Shooting gibt es hier). 

Nun muss ich zugeben, dass ich in der letzten Zeit mit ziemlich schwerem Herzen an den nahenden Foto-Termin dachte. Eigentlich hatte dieses Shooting schon im Mai stattfinden sollen, doch nach Aramis‘ Tod musste ich den Termin verschieben. Und nun also ein Shooting ohne meinen Großen und dafür mit einem trauernden Anthony, der in den letzten Wochen immer wieder komplett dicht gemacht hatte…

Wie würde sich das Ganze wohl gestalten? Wie würde ich mich fühlen und wie würde sich Anthony verhalten? Ich konnte es beim besten Willen nicht absehen. 

Die Stimmung macht’s

Für mich wurden diese zwei Tage zu einem kleinen Wunder, denn: Wir hatten beide tatsächlich richtig viel Freude! 

Mit einem echten Pferdemenschen als Fotografen und inmitten eines Kreises von Menschen, die uns voller Liebe und Verständnis nach allen Kräften unterstützten, war es uns möglich unsere Trauer loszulassen und uns ganz einzulassen auf uns. Anthony schenkte mir alles, was ich mir hätte von ihm wünschen können.

Fotografie als Begleitung, nicht als Anforderung

So ein Fotoshooting kann viel Stress bedeuten, wenn man bestimmte Vorstellungen und Ziele hat, die man erreichen möchte und ich weiß nur zu gut, dass Erwartungsdruck vieles unmöglich macht. Aber aufgrund der letzten Monate hatte ich so gut wie keine Erwartungen. Ich hatte mich sogar darauf eingestellt, unter Umständen auf Anthony zu verzichten. Wenn er nicht gewollt hätte, hätte er nicht mitzumachen brauchen. Aber er wollte!

Das Gute für uns: Ich hatte nicht einen Moment lang das Gefühl, dass es an uns Erwartungen oder gar Druck gab. Wir konnten einfach so sein, wie wir waren und so konnte ganz vieles frei im Moment entstehen. Horst Streitferdt war einfach mit dabei und hielt uns in unserem Beisammen-Sein fest.

Und auch die anderen, die fotografiert wurden – unsere Stallbesitzer/innen, Volti-Kids, Coachees von mir – konnten die lockere und stressfreie Atmosphäre genießen. 

Und so ist eine ganze Fülle von richtig schönen Fotos herausgekommen, bei denen man, wie ich finde, sehen kann, dass alle mit Feuereifer dabei waren. Mehr davon zusehen gibt es spätestens bei Erscheinen des Buches 🙂

Meine größte Freude

So sehr ich mich nun an all den vielen, wundervollen Fotos freue, die entstanden sind, so ist für mich das größte Geschenk, dass Anthony aufmachen konnte und dass er in der Begeisterung, der Anerkennung und Freude von allen Beteiligten regelrecht baden konnte. Es war so wundervoll zu sehen, dass er nicht nur mitmachte, sondern tatsächlich aktiv gestaltete und sogar eigene Vorschläge machte! Sein Blick auf den Fotos ist rund, offen und ganz weich. Von der Körperausstrahlung hat er wieder mehr Spannung und Energie. Und er hat einfach an allem Möglichen richtig viel Spaß gehabt! Das macht mich sehr glücklich.

Ein ganz herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, vor allem an Horst Streitferdt, der mit seinem Einfühlungsvermögen und seiner so offenen,  verständnisvollen und positiven Ausstrahlung für eine ganz besondere Grundstimmung sorgte, und an Familie Wolpers, die Ihr uns wieder einmal in einer Weise unterstützt habt, für die ich einfach nur von Herzen danke sagen kann – es ist sooo gut, bei Euch zu sein!

29. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Sonstiges 1 Kommentar »

Gelernt ist gelernt!

Heute möchte ich den Blogbeitrag aus der letzten Woche ergänzen. Darin ging es darum, dass Pferde manchmal Sachen, die sie eigentlich kennen und können, nicht tun oder sich anders als gewohnt verhalten. Sie achten einfach viel mehr auf Details als wir und durch kleine Veränderungen oder solche, die uns gar nicht bewusst sind (z.B. Gerüche, die wir nicht wahrnehmen, Stimmungen u.ä.) kann aus ihrer Sicht alles ganz anders sein, obwohl wir selbst davon ausgehen, dass es genau dasselbe ist, was wir immer wollen. Was in diesem Beitrag keinen Platz hatte, war darauf hinzuweisen, dass Pferde auf der anderen Seite ein ganz hervorragendes Erinnerungsvermögen haben – und das soll hier nun einmal richtig gewürdigt werden!

Pferde können sich unglaublich viel merken:

  • Pferde merken sich zum Beispiel all die vielen Hilfen, Signale, Stimmkommandos und Gesten, die wir nutzen, um sie bestimmte Dinge machen zu lassen und können diese oft auch dann zuordnen, wenn sie von verschiedenen Personen gegeben werden. 
  • Sie merken sich Bewegungsabläufe (was sich z.B. zeigt, wenn man den Ablauf von Bahnfiguren verändert, oft ist das Pferd zunächst irritiert). 
  • Pferde merken sich Zeiten und Abläufe (wer einmal zu spät zur Futterzeit gekommen ist, wird das wissen).
  • Sie merken sich eine Vielzahl von unterschiedlichsten Lektionen, Übungen und Tricks. 
  • Sie lernen unzählige Gegenstände, Gerüche und Geräusche kennen, auf die sie dann vertraut reagieren. 
  • Pferde merken sich so ziemlich alle Wege, die sie schon mal gelaufen sind und oft dort auch Gegenstände (was man merken kann, wenn diese z.B. fehlen oder anders stehen). 
  • Sie merken sich Begegnungen mit anderen Pferden und Menschen und erkennen bereits getroffene Lebewesen wieder und anderes mehr.

Ich denke, wir sollten uns viel öfter dankbar bewusst machen, wie gut sich Pferde so vieles merken. Es geht wieder einmal darum, dass wir nicht alles als selbstverständlich nehmen sollten. So oft heißt es, dass Pferde eher dumme Tiere sind, schaut man sich aber einmal ganz bewusst an, was sich Pferde alles merken, welche Beziehungen sie zwischen Gelerntem und Forderungen ziehen können und zu welchen Übertragungsleistungen sie in der Lage sind, wenn sie zum Beispiel von mehreren Menschen gearbeitet werden, müssten wir eigentlich ständig begeistert über sie staunen. Und wenn wir es ihnen erlauben, sind sie sogar in der Lage Aufgaben zu kombinieren und so eigene Vorschläge und Weiterentwicklungen von Übungen und Lektionen anzubieten.

Und weil es so gut passt noch ein kleines Beispiel von uns (herzlichen Dank an Isabell Kößler für die Fotos!): 

Zum Beispiel Luftballons

Es ist fast zehn Jahre her, dass ich mit Anthony das Zertreten von Luftballons erarbeitet hatte – diese Übung findet Ihr hier ausführlich beschrieben und hier und hier gibt es noch zwei Beiträge mit Videos dazu. Deshalb war ich mir nicht sicher, wie er nun darauf reagieren würde. Nach einer Feier hatten wir neulich einige Luftballons im Stall und ich dachte mir: Probieren wir es doch einfach mal wieder.

Von weitem fand er die Ballons etwas beunruhigend, aber beim Kontakt schien er sie sofort einordnen zu können.

Ich band dann welche an einer Schnur, da diese besser zu positionieren sind und nicht vom Wind weg gepustet werden. Auch diese wurden erst einmal kurz inspiziert:

Anthony kam nicht von sich aus auf die Idee, die Luftballons zu zertreten, also lud ich ihn per Spanischen Gruß dazu ein:

Und tatsächlich schien er sich da genau daran zu erinnern, was gefragt war! Prompt landete sein Huf direkt auf einem Luftballon, der aber nicht gleich zerplatzte: 

Dann probierte er es nach einer Weile mit etwas mehr Schmackes und brachte so auch erfolgreich einen zum Platzen 🙂

Gelernt ist halt gelernt! 🙂

Habt Ihr auch Beispiele von Sachen, die Euer Pferd nach langer Zeit noch gut erinnert hat? Dann teilt sie hier gerne in den Kommentaren mit uns. 

22. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Spiele & Co, Verhalten 5 Kommentare »

Aber das klappte doch schon!

„Menno, das konnten wir doch schon!“

„Der zickt nur, denn eigentlich kann er das!“

„Es ist zum Verrücktwerden, das ging doch gestern noch problemlos!“

„Kannst Du nicht mal still stehen, bist doch sonst nicht so ein Hampelmann!“

Kommen Euch diese Sätze bekannt vor? Schon mal gehört oder auch selbst gedacht oder gesagt? 

Diese und ähnliche Sätze zeigen einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen Menschen und Pferden: nämlich dass Pferde immer im Hier und Jetzt leben und Menschen meistens nicht. 

Für ein Pferd ist jeder Tag, ja manchmal jeder Moment, in gewisser Hinsicht „neu“. Durch ihre Instinkte, ihre Sinne und ihr Wesen entspricht es ihrer Natur, jeden Moment zu leben und nicht vorauszuplanen oder groß zurückzudenken. Wir Menschen hingegen sammeln Erfahrungswissen und leiten daraus Erklärungen für Vergangenes und Schlüsse für das Jetzt und die Zukunft ab. Deshalb denken wir dann auch so etwas wie: „Mein Pferd ist 20mal problemlos an dem Traktor vorbeigegangen, also kann ich das von ihm jetzt und auch in Zukunft erwarten.“ Und wir gehen sogar meist noch weiter: „Wenn mein Pferd an diesem Traktor vorbeigeht, kann ich auch erwarten, dass es an einem anderen vorbeigeht.“ Aber genau das ist eben nicht immer einfach so der Fall und aus dieser Vorannahme des Menschen entstehen viele Ungerechtigkeiten gegenüber Pferden:

  • Wenn ein Pferd zum Beispiel in der Halle etwas Ungewöhnliches riecht und es den Kopf hochreißt und die Nüstern bläht, dann nützt es ihm nichts, wenn ihn sein Mensch anfährt: „Hey, Du kennst die Halle doch, spinn hier nicht rum!“
  • Wenn ein Pferd auf der altbekannten Geländerunde etwas sieht, das vorher nicht da war (das dem Menschen aber gar nicht auffällt), und es deshalb stehen bleibt, kann der Mensch noch so sehr darauf pochen, dass doch alles wie immer ist und Sporen und Gerte einsetzen, um das Pferd vorwärtszutreiben, dem Pferd hilft das nicht.
  • Wenn ein Pferd, das sonst immer problemlos von der Weide mitkommt, sich an einem Tag weigert, dann nützt es nichts, darauf zu bestehen, dass das „doch noch nie ein Problem“ war und das Pferd vielleicht mit Druck und Gewalt zum Mitkommen zu zwingen
  • Wenn ein Pferd bei der Hufpflege plötzlich das eine Bein ständig wegzieht, weil es ihm das Hinterbein oder der Rücken an diesem Tag weh tut, dann ist es unfair, es dafür zu strafen und das mit einem „Der kann sonst auch ruhig stehen!“ zu begründen. 
  • Und wenn ein Pferd nach einem Umzug plötzlich kaum noch zu reiten ist, weil aus dem vorher eher ruhigen Tier ein Nervenwrack geworden ist, dann ist es vollkommen ungerecht, es anzuschimpfen, dass es sich gefälligst nicht so anstellen soll oder es gar für sein Verhalten zu bestrafen.

Pferde leben im Jetzt

Wenn sie  JETZT etwas Beunruhigendes wahrnehmen, dann zeigen Pferde diese Unruhe, ganz egal, ob sie den Ort eigentlich gut kennen oder die Situation schon x-mal da war, je nach Persönlichkeit nur gering oder eben auch deutlich. Ein Mensch, der in diesen Momenten grob und unwirsch reagiert, handelt nicht pferdegerecht. 

Pferdegerechtes Denken heißt sich immer wieder bewusst zu machen, dass für ein Pferd in jedem Moment alles anders sein kann als es zuvor war, ohne dass uns das als Menschen wirklich bewusst ist: Es kann anders riechen, es kann andere Geräusche geben, die Atmosphäre kann anders sein, es selbst kann in einer anderen Stimmung sein, ihm kann etwas weh tun, wir können etwas anderes ausstrahlen, es kann windig sein oder kalt oder warm, das Nachbarpferd kann besorgt sein, in der Ferne kann ein anderes Pferd aus Not wiehern und so weiter und so fort. Und entsprechend anders kann jeweils unser Pferd sein und wir müssen verstehen, dass es das nicht willentlich macht, sondern immer als Reaktion auf etwas, das für das Pferd in diesem Moment real und wahr ist. 

Sicherheit geben

Das heißt nun nicht, dass wir jede Laune, Stimmung oder Störung zum Anlass nehmen müssen, alles, was wir gerade mit unserem Pferd tun wollten, sein zu lassen. Aber wir sollten einfach immer wieder das nötige Verständnis für unser Tier aufbringen und ihm nicht unterstellen, dass es uns ärgern oder veralbern will. Diese Annahme ist purer Unsinn und vermenschlicht Pferdeverhalten. Die Sorge eines Pferdes ist in dem jeweiligen Moment immer real für das Pferd, genauso wie es Schmerzen sind oder Aufregung und alles andere. Für uns Menschen steht an, zunächst wahrzunehmen, was unser Pferd gerade bewegt, wenn möglich die Ursache für das Verhalten auszumachen und dann so auf unser Pferd einzugehen und MIT ihm zu arbeiten, dass es sich gut und sicher aufgehoben fühlt und uns vertrauen kann. Denn das ist das Gefühl, welches wir unserem Fluchttier Pferd immer vermitteln sollten: dass es bei uns sicher ist.

Wer sein scheuendes Pferd bestraft, bestätigt es in seiner Angst. Wer einen Stressbeißer schlägt, erhöht den Stress. Wer ein Pferd mit Schmerzen zwingt, weiter Schmerzhaftes zu tun, verstärkt seine Not. Nur wenn wir verstehen, dass die Welt für unser Pferd jedes Mal eine andere sein kann, können wir so reagieren und mit ihm umgehen, dass es uns als verlässlichen Partner kennen und schätzen lernt und nur dann kann unsere Präsenz für unser Pferd beruhigend, wohltuend und tröstlich sein. 

An dieser Stelle müssen wir Menschen lernen, nicht die Pferde. Und die Lernaufgabe lautet: Annehmen, was jetzt gerade ist und nicht dem Pferd vorwerfen, dass es willentlich anders ist, als wir wollen, und deshalb sauer und ungerecht zu werden. Damit verspielen wir jede Chance auf ein vertrauensvolles Miteinander.

15. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 9 Kommentare »

Sure Foot© – The Murdoch Method

In der letzten Woche hatten wir Besuch von Pferde-Physiotherapeutin Brinja Riedel. Sie stellte uns die Sure Foot© Pads vor. Dabei handelt es sich um ein ausgefeiltes System aus verschiedenen Schaumstoffpads in unterschiedlichen Stärken. Die „Arbeit“ mit diesen Pads besteht allein darin, dass sich das Pferd darauf stellt – und das schien uns ein ideales Testfeld für Tanias Anthony zu sein, der sich mit Bewegung im Moment sehr schwer tut. 

Brinja ließ zuerst uns die Pads ausprobieren: 

Und dann durfte Anthony die Sache prüfen. 

Wie man sehen kann, war er recht angetan von der Sache:

Wir haben Euch hier einen Film von der Demo zusammengestellt, der sehr anschaulich zeigt, wie man die Pads einsetzt und wie interessiert und aktiv Anthony mitmacht. 

Es ist wirklich erstaunlich und faszinierend zu erleben, was das alleinige Stehen auf den Pads im Körper bewirkt. Neben der (Mikro-)Muskeltätigkeit für das Ausbalancieren werden das Körpergefühl, das Stehen und das Gehen zerebral neu wahrgenommen und organisiert. Die Pferde lernen, ihren Körper besser zu spüren. Die wohltuende und entspannende Wirkung und das Miteinander ohne jeden Druck (denn allein das Pferd entscheidet, worauf es seine Füße stellen mag und auch wie lange es auf den Pads stehen möchte) führen zu einem sehr innigen Zusammensein von Pferd und Mensch. Wir sind schon sehr gespannt auf die weitere Entwicklung mit Anthony und werden darüber sicher noch berichten.

An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Brinja Riedel für ihre tolle und einfühlsame Arbeit. Brinja gibt Workshops für Pferde-Physiotherapeuten und Pferdebesitzer, so dass jeder die Pads auch einmal für sich und sein Pferd ausprobieren kann – mehr Infos unter www.murdochmedthod.de

Brinja vertreibt die leider sehr hochpreisigen Pads selbst nicht, zu beziehen sind sie aber über www.petphysio-shop.de. Günstigere Alternativprodukte aus dem Humanbereich eignen sich für den Einsatz mit Pferden aufgrund der geringen Haltbarkeit nur bedingt. 

7. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Anatomie und Körper, Gesundheit, Spiele & Co, Übungen 8 Kommentare »

Fühl doch mal!

Da wir mit „Wege zum Pferd“ auch bei Facebook aktiv sind, bekommen wir dort entsprechend viel mit, vor allem auch die Diskussionen über eingestellte Videos von Trainern und Reitern. Und immer wieder erstaunt und bewegt es mich sehr, diese Diskussionen zu verfolgen.

In vielen Fällen sehe ich persönlich gestresste Pferde und hektische Menschen, ich sehe ruckende Stricke und Zügel, bohrende Sporen, „touchierende“ Gerten und schlagende Schweife, weggedrückte Rücken, zugeschnürte Mäuler und viel zu tiefe Köpfe und ich sehe so viele leere Blicke und Pferde, die wie Marionetten funktionieren … und ich frage mich: Warum wird so vieles davon toll gefunden? Warum werden Videos bejubelt? Warum schauen so wenige mal wirklich hin?

Und vor allem: FÜHLT denn kaum jemand mal beim Anschauen von Filmen? 

Ein Experiment

Ich möchte Euch mal ein Experiment vorschlagen: 

Schaut Euch Pferde-Videos immer erst einmal OHNE Ton an, also ohne Musik und ohne Kommentar. Lasst ganz bewusst nur die Bilder wirken. Achtet nicht nur auf das vordergründig Spektakuläre, wie zum Beispiel schwierige Lektionen, dramatisches Steigen, hohe Sprünge oder viel Beinaktion, sondern achtet auf die Mimik, die Körpersprache und die Stimmung des Pferdes und auf die Ausstrahlung des Menschen. Versucht erst einmal nur so viel wie möglich wahrzunehmen und lasst vor allem Eure Gefühle zu. Spürt nach, wie Ihr Euch beim Anschauen der Filme fühlt und notiert Eure ganz persönlichen Wahrnehmungen in Stichworten.

Schaut Euch erst dann die Videos noch einmal mit Musik bzw. Sprechertext an und lest erst dann die Kommentare anderer. Spürt genau hinein, ob sich Eure Wahrnehmung durch den Ton ändert und ob Ihr die Meinung der anderen teilt oder nicht und was sich für Euch am wahrhaftigsten anfühlt.

Tipp: Diese Übung könnt Ihr auch sehr gut zusammen mit jemanden durchführen, dem Ihr vertraut. Redet aber erst am Ende der Übung über Eure jeweiligen Wahrnehmungen und zwar nicht mit dem Fokus, wer nun Recht hat, sondern mit der Neugier darauf, was der andere wahrgenommen hat.

Fühlen kann (und muss) man üben

Tatsächlich gilt es das Fühlen ein Stück weit zu üben, damit wir mehr Mitgefühl für Pferde entwickeln können (denn daran fehlt es leider meinem Eindruck nach doch sehr in der Pferdewelt).

Wenn wir etwas sehen, lassen sich viele von uns schnell von anderen in unserer Wahrnehmung beeinflussen. Ein, zwei Sätze können unsere ganze Wahrnehmung in eine bestimmte Richtung lenken und wir nehmen ein Geschehen komplett anders wahr als wenn wir diese Sätze nicht gehört hätten! Deshalb ist es so wichtig, wirklich erst einmal bei sich selbst zu bleiben und nicht nur zu schauen, sondern dem, was wir da sehen, auch nachzufühlen. Und das gilt nicht nur für Videos, sondern auch für alles was wir im realen Leben mit Pferden erleben…

Inzwischen vertraue ich meinem Bauch mehr als meinem Verstand, denn es ist mein Bauch, der sich mit den Pferden verbindet und mit ihnen fühlt. So beeindrucken mich heute immer weniger Videos, die als „fantastisch“ oder „super“ angepriesen werden, als dass mich viele von ihnen vor allem traurig machen, und nur weil jemand an der Bande neben mir die „Wahnsinnsgänge“ eines Pferdes preist, entgeht mit nicht das Geriegel und Sporengepiekse und die Schmerzreaktionen des Pferdes darauf.

Ich denke, je mehr von uns beginnen, hinter die schillernden Kulissen zu schauen, die so gerne gezeigt werden, und Pferde wirklich fühlen lernen, desto mehr werden auch ihre Eindrücke schildern und manches Fragezeichen an eine umjubelte Vorführung setzen – und zwar nicht aus Neid oder Missgunst, sondern für die Pferde!

1. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse 14 Kommentare »

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