Sure Foot© – The Murdoch Method

In der letzten Woche hatten wir Besuch von Pferde-Physiotherapeutin Brinja Riedel. Sie stellte uns die Sure Foot© Pads vor. Dabei handelt es sich um ein ausgefeiltes System aus verschiedenen Schaumstoffpads in unterschiedlichen Stärken. Die „Arbeit“ mit diesen Pads besteht allein darin, dass sich das Pferd darauf stellt – und das schien uns ein ideales Testfeld für Tanias Anthony zu sein, der sich mit Bewegung im Moment sehr schwer tut. 

Brinja ließ zuerst uns die Pads ausprobieren: 

Und dann durfte Anthony die Sache prüfen. 

Wie man sehen kann, war er recht angetan von der Sache:

Wir haben Euch hier einen Film von der Demo zusammengestellt, der sehr anschaulich zeigt, wie man die Pads einsetzt und wie interessiert und aktiv Anthony mitmacht. 

Es ist wirklich erstaunlich und faszinierend zu erleben, was das alleinige Stehen auf den Pads im Körper bewirkt. Neben der (Mikro-)Muskeltätigkeit für das Ausbalancieren werden das Körpergefühl, das Stehen und das Gehen zerebral neu wahrgenommen und organisiert. Die Pferde lernen, ihren Körper besser zu spüren. Die wohltuende und entspannende Wirkung und das Miteinander ohne jeden Druck (denn allein das Pferd entscheidet, worauf es seine Füße stellen mag und auch wie lange es auf den Pads stehen möchte) führen zu einem sehr innigen Zusammensein von Pferd und Mensch. Wir sind schon sehr gespannt auf die weitere Entwicklung mit Anthony und werden darüber sicher noch berichten.

An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Brinja Riedel für ihre tolle und einfühlsame Arbeit. Brinja gibt Workshops für Pferde-Physiotherapeuten und Pferdebesitzer, so dass jeder die Pads auch einmal für sich und sein Pferd ausprobieren kann – mehr Infos unter www.murdochmedthod.de

Brinja vertreibt die leider sehr hochpreisigen Pads selbst nicht, zu beziehen sind sie aber über www.petphysio-shop.de. Günstigere Alternativprodukte aus dem Humanbereich eignen sich für den Einsatz mit Pferden aufgrund der geringen Haltbarkeit nur bedingt. 

7. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Anatomie und Körper, Gesundheit, Spiele & Co, Übungen 8 Kommentare »

Die Wippe – eine Anleitung Schritt für Schritt

Heute möchte ich Euch eine schöne Übung mit Pferd vorstellen, und zwar geht es um die Wippe. Sich mit einem Pferd das Gehen über und das Stehen auf einer Wippe zu erarbeiten, hat viele positive Effekte: 

  • Wenn die Übung richtig angegangen wird, ist sie ein wundervolles Vertrauens- und Anti-Scheu-Training,
  • die Wippe fördert das Selbstbewusstsein des Pferdes,
  • es werden Balance und Gleichgewichtssinn geschult,
  • die Wippe kann gezielt zum Muskeltraining genutzt werden
  • und die ganze Sache macht großen Spaß!

Wichtig: Die Vorbereitung

Bevor Ihr Euch mit Eurem Pferd auf eine Wippe wagt, solltet Ihr erst einmal üben, dass das Pferd ohne Probleme über einen vergleichbaren, geraden Untergrund geht, also einen Holzsteg oder ähnliches. Schon das allein kann für manch ein Pferd eine große Herausforderung sein, weil unbekannte Bodenbeschaffenheiten etwas sind, das viele Pferde instinktiv meiden. Übt das bitte mit viel Verständnis und Geduld und lasst dem Pferd ausreichend Zeit, sich davon zu überzeugen, dass es auch einem ungewohnten Boden vertrauen kann. 

Die Wippe

Eine Wippe, über die ein Pferd gehen soll, muss sicher und stabil sein. Macht Euch immer klar, wie viel Gewicht da auf die Wippe kommt und dass es zu einem Scheuen und Springen kommen kann. Geht hier bitte keine Risiken ein – wenn das Material unter dem Pferdegewicht nachgibt, kann es zu unschönen Szenen oder gar Verletzungen kommen und das Vertrauen ist dann erst einmal gründlich verspielt. 

Die Wippe sollte auch nicht zu steil sein, so dass die Wippbewegung nicht zu stark wird. Es kommt hier nicht darauf an, ein spektakuläres Kunststück zu entwickeln, sondern die Wippe soll eine sinnvolle Gymnastik ermöglichen und den Gleichgewichtssinn fördern. 

Und so geht’s

Zeigt Eurem Pferd die Wippe erst einmal, ohne gleich darüber gehen zu wollen. Lasst es daran schnuppern und freut Euch über jedes Interesse an der Wippe. 

Dann führt es zu der Rampe und lasst es erst einmal in Ruhe davor stehen. Ein Fehler, den viele machen ist, gleich zu schnell auf die Wippe führen zu wollen. Dann kann die ganze Übung hektisch werden. Euer Ziel aber sollte sein, zu jedem Zeitpunkt das Vorwärts Eures Pferdes beeinflussen zu können. Ist ein Pferd zu aufgeregt oder hektisch würde ich es noch nicht auf die Wippe führen, sondern erst einmal für eine entspannte Grundstimmung sorgen. 

Wenn Euer Pferd ruhig und konzentriert bei der Sache ist, könnt Ihr es zu einem ersten Schritt auf die Wippe einladen, so dass erst einmal nur die Vorderbeine auf der Wippe stehen: 

wippe1

Wenn das Pferd zu scharren beginnt, so lasst es das ruhig tun, das ist seine Art, den Boden zu testen. Hört es nicht von sich aus auf, könnt Ihr es freundlich ansprechen, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Macht erst weiter, wenn es ruhig und gelassen mit zwei Hufen auf der Rampe stehen kann. 

Ladet es dann zu einem weiteren Schritt ein. 

Auf diesem Bild kann man gut sehen, dass Anthony zunächst nur mit den Vorderbeinen weiter vorwärtsgeht, die Hinterhand lässt er erst einmal noch auf „sicherem Terrain“: 

wippe2

Wenn ich eine solche Unsicherheit wahrnehme, lasse ich dem Pferd Zeit. Ich rede ruhig mit ihm und warte. Und so traut er sich dann, ganz auf die Rampe zu steigen und wird dafür belohnt: 

wippe3

Macht bitte nur weiter, wenn das Pferd wirklich gelassen auf der Rampe steht. Zeigt es Nervosität, Unruhe oder gar Angst, dann führt es behutsam rückwärts und führt es ersteinmal einmal um die Wippe herum, damit es sich wieder beruhigen kann. Setzt neu an und schaut, ob es schon besser geht. 

Ganz wichtig: Ein Pferd muss nicht gleich ganz über die Wippe gehen, für manche Pferde reicht es vollkommen aus, in den ersten Einheiten nur auf die Rampe zu gehen, also noch ohne Bewegung der Wippe. Gebt Eurem Pferd, die Zeit, die es braucht.   

Erst, wenn Euer Pferd keine Probleme damit hat, die Rampe zu betreten und dort ruhig stehen zu bleiben, erarbeitet Ihr Euch den schwierigsten Moment: den Kipppunkt. Dafür führt Ihr Euer Pferd langsam ein, zwei weitere Schritte vorwärts. Bleibt immer wieder ruhig stehen und achtet auf ganz viel Ruhe. Geht nicht zu schnell voran und passt gut darauf auf, dass Eure Füße nicht dort sind, wo die Wippe herunterkommt. 

Hier macht Anthony einen weiteren Schritt:

wippe4

Und hier sind wir genau auf dem Kipppunkt, die Wippe steht waagerecht:

wippe6

Hier ist er noch einen Schritt gegangen, die Wippe ist nun unten. Je nach Persönlichkeit wird das Pferd die Bewegung der Wippe als nicht schlimm empfinden oder sich vielleicht auch erschrecken. Wirkt hier beruhigend auf Euer Pferd ein und versichert ihm, dass alles in Ordnung ist. Freut Euch darüber, wie toll Euer Pferd mitmacht und lobt seinen Mut. Ein wackliger Untergrund ist für viele Pferde eine ziemlich bedrohliche Sache! 

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Haltet das Pferd möglichst wieder an und lobt es, so dass es lernt, auch nach der Bewegung ruhig auf der Wippe zu stehen. 

wippe8

Führt dann in aller Ruhe nach vorne von der Wippe herunter und beendet die Übung für diesen Moment. 

Wichtig: Sollte sich das Pferd erschrocken haben oder sehr nervös wirken, seid Ihr etwas zu schnell vorgegangen. Baut die Übung dann noch einmal neu und in kleineren Schritten auf. 

Nach und nach könnte Ihr Euch dann das flüssige Laufen über die Wippe erarbeiten.

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Fortgeschrittene können dann üben, das Pferd am Kipppunkt anzuhalten und es durch die Verlagerung seines Gewichts nach hinten und nach vorne die Wippe bewegen zu lassen. Das ist eine tolle Muskel- und Balanceübung! 

Und kleine Extra-Tricks kann man auf der Wippe natürlich auch machen!

wippe10

Viel Spaß!

30. August 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Jungpferdausbildung, Spiele & Co, Übungen 8 Kommentare »

Das Lot für die Aufrichtung am Boden und im Sattel

Von Carla Bauchmüller

Heute habe ich eine Übung für Sie, die Sie sowohl beim Führen und der Handarbeit als auch beim Reiten nutzen können: 

Hinweis: Beginnen Sie mit der Übung bitte immer zuerst am Boden und nicht gleich im Sattel, auch wenn Sie sie vor allem zum Reiten einsetzen möchten, es hilft sehr dabei, sich die inneren Bilder wirkungsvoll erarbeiten.

Stellen Sie sich also zunächst ohne Pferd aufrecht hin, Ihre Füße stehen stabil auf dem Boden, die Knie sind entspannt. Stellen Sie sich nun eine vertikale Linie vor, also ein Lot, das über Ihrem Kopf beginnt und bis zu dem Bereich zwischen Ihren Füßen fällt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, dieses Lot zu erspüren.
 Haben Sie es? Dann stellen Sie sich bitte ein ebensolches Lot etwa einen Meter vor sich vor.

Wenn Sie nun losgehen, bringen Sie gedanklich das Lot in Ihnen und das Lot vor Ihnen in Deckung. Der Clou dabei: Das Lot vor Ihnen bewegt sich von Ihnen weg, wenn Sie auf es zugehen! Es bleibt also immer etwa einen Meter vor Ihnen. Sie bleiben mit Ihrer Aufmerksamkeit bei dem Lot in Ihnen und bringen dieses Lot immer wieder mit dem Lot vor Ihnen in Deckung. Gehen Sie auf diese Weise verschiedene Wendungen und gerade Linien immer mit der Vorstellung des Lotes. Atmen Sie gleichmäßig weiter.

Sie werden feststellen, dass Ihnen das Lot Stabilität vermittelt. Es erzeugt eine gute Spannkraft ohne Verspannung. Arme und Beine können frei schwingen. Wenn Sie das Bild vom Lot verinnerlicht haben, können Sie es auch zusammen mit dem Pferd nutzen, also z.B. bei der Hand- oder Longenarbeit und damit erreichen, dass Sie gut in Ihrer eigenen Spur laufen und nicht „in Ihr Pferd fallen“. 

Im Sattel geht diese Übung ganz ähnlich: Auf Pferd sitzend stellen Sie sich ebenso das Lot vor, das durch Sie durch und weiter durch Ihr Pferd bis zum Boden geht. Das andere Lot ist wieder ungefähr einen Meter vor Ihnen.

Wenn Sie jetzt losreiten, bringen Sie wieder gedanklich das Lot in Ihnen mit dem vor Ihnen in Deckung, während aber das Lot vor Ihnen immer im Abstand von einem Meter entfernt bleibt.

Diese Übung dient dazu, senkrecht zu bleiben und auch in Wendungen nicht in der Hüfte einzuknicken. Sie finden durch die kleine Visualisierung eine gute Stabilität, Ihre Schultern und Arme bleiben entspannt. Dadurch, dass Sie dem Lot folgen, schauen Sie automatisch geradeaus und folgen einer klaren Absicht, die das Pferd wahrnimmt und sehr zu schätzen weiß.

lot_carlabauchmueller

28. Juni 2016 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Arbeit an der Hand, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 0 Kommentare »

Was sich Pferde von uns wünschen würden

Nicht nur, aber passend gerade zur Weihnachtszeit oder für die guten Vorsätze im nächsten Jahr, könnten wir einmal versuchen, die Idee, die Welt aus Pferdeaugen zu sehen, ganz praktisch umzusetzen. Dafür habe ich mir eine kleine Übung ausgedacht:

Eine Übung zum Fühlen

Geht in diesen Tagen einmal ganz bewusst zu Eurem Pferd, nur um diese Übung auszuführen. Nehmt Euch für diesen Tag nichts weiter vor mit Eurem Pferd zu tun. Wählt möglichst einen Zeitpunkt, an dem nicht allzu viel los ist im Stall, damit Ihr für eine Weile ungestört sein könnt. Plant mindestens eine halbe Stunde für diese Übung ein.

Begrüßt Euer Pferd und stellt Euch dann an den Zaun (oder, sollte es in einer Box stehen, an die Boxentür), um es einfach nur zu beobachten. Schaut bei dem zu, was es tut und fühlt Euch in Euer Pferd hinein. Lasst Euch ganz ein auf diesen Moment, ohne etwas zu wollen, ohne etwas zu erwarten und ohne etwas von Euch selbst zu fordern. Widersteht auch der Versuchung, mit dem Pferd zu reden, es zu locken oder anzufassen. Es geht darum, für einige Augenblicke nichts tun, sondern einfach nur da zu sein mit Eurem Pferd.

Gebt Euch ein bisschen Zeit und brecht möglichst nicht gleich schon nach einigen Minuten ab, weil Ihr glaubt, dass es da nichts weiter zu sehen oder zu spüren gibt. Es braucht eine Weile, um sich einlassen zu können. Lasst Eure Gedanken fließen, im Stillstand rattert unserer Denkmaschine oft besonders laut. Versucht, all die vielen Gedanken einfach im Hintergrund laufen zu lassen, und lasst Euch auf das Fühlen ein. 

Schaut Euer Pferd ganz aufmerksam und offen an – Euer Pferd als Ganzes und auch die vielen kleinen Details. Versucht, nicht zu bewerten oder einzuordnen („Oh, wie sehen denn die Hufe aus!“ oder „Er ist einfach zu fett!“ usw.), sondern nehmt mit einem staunenden Herzen das Lebewesen wahr, das dort ist.

Noch ein kleiner Tipp: Tut für diese Übung so, als wüsstet Ihr nichts von diesem Pferd und lasst nur das wirken, was Ihr in diesem Moment spüren könnt.

Und dann stellt Euch ganz behutsam diese Frage:

Wenn es sprechen könnte,
was würde sich dieses Pferd
wohl von mir wünschen?

pferdewuensche

Wenn Ihr mögt, dann teilt gerne Eure Erfahrungen hier mit uns und anderen.

1. Dezember 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Übungen, Umgang 9 Kommentare »

Die Füße erden

Von Carla Bauchmüller

Ich kann immer genau sagen, wenn meine Reitschüler die Zehen verkrampfen: die Erdung – und damit die Balance – gehen verloren und die Verspannung zieht hinauf bis in die Hüfte. Und deshalb gibt es heute eine schöne, einfache Übung zum Erden der Füße.

Unter Erden versteht man das sichere, entspannte Gefühl im Steigbügel – der Fuß ruht also regelrecht im Steigbügel. Dazu ist der Fuß flach, das heißt der Absatz ist zwar der tiefste Punkt, aber der Absatz wird nicht aktiv heruntergedrückt:

fuss

Um das Gefühl des Erdens zu erlangen, ziehen Sie zunächst die Zehen eines Fußes fest zusammen, machen Sie also den Fuß ganz klein, so als würden Sie mit dem Fuß eine Faust ballen wollen. Spreizen Sie dann entspannt Ihre Zehen im Schuh. 
Wechseln Sie rechten und linken Fuß ab.


Tipp: Sie können das An- und Entspannen auch beim Schrittreiten im Rhythmus der Pferdebewegung machen.


Spannen Sie zum Abschluss der Übung alle Zehen gleichzeitig an, halten Sie das einen Moment und entspannen Sie dann wieder.
 Es sollte sich so anfühlen, als stünde man mit entspannt gespreizten Zehen in weichem, warmen Sand (stellen Sie sich dieses Bild ruhig vor!). Bleiben Sie bei den nun hoffentlich entspannt gespreizten Zehen. Der Fuß sollte jetzt locker im Steigbügel ruhen – so fühlt sich ein geerdeter Fuß an.

27. Oktober 2015 von Gastautor • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 6 Kommentare »

Die drei Sitzformen im Trab

Von Carla Bauchmüller

In dieser Übung wird im Trab zwischen den Positionen Aussitzen, Leichttraben und „Federn“ im Entlastungssitz gewechselt. Das Wechseln zwischen diesen drei Sitzformen schult die Balance und Koordination, macht außerdem locker und Spaß.

Sie beginnen im Leichttraben, um erstmal in einen guten Takt zu finden. Dann gehen Sie in den Entlastungssitz, indem Sie über dem Pferderücken „schwebend“ „federn“. Sie gehen dabei nicht mehr mit der Pferdebewegung mit in das Auf und Ab des Leichttrabens, sondern behalten bei jeden Tritt des Pferdes den etwa gleichen (geringen) Abstand zum Pferderücken bei und federn die Bewegung gleichmäßig in Hüftgelenken, Knien und Fußgelenken ab. Die Steigbügel sollten ausreichend kurz sein, um Ihnen diese Haltung und die „tanzenden Knie“ zu ermöglichen.

Nehmen Sie sich Zeit, die richtige Position und Ihr Gleichgewicht in Ruhe zu finden.

Dann können Sie beginnen, zwischen Leichttraben und Federn zu wechseln: Sie federn, bis sich die Beine locker und schwingend anfühlen und die Fersen weich in Richtung Boden federn, dann traben Sie leicht und behalten dabei das „geerdete“ Gefühl in den Füßen bei.

Diese Übung ist besonders wirkungsvoll, wenn Sie dazu neigen, im Leichttraben mit den Knien zu klemmen. Das Federn lockert die Knie-, Fuß- und Hüftgelenke und dieses lockere Gefühl kann mit ins Leichttraben hinein genommen werden.

Tipp: Wenn Sie sich im Wechseln zwischen Leichttraben und Federn wohl fühlen, können Sie die dazu passenden Trabtritte zählen, z.B. dreimal Leichttraben, sechsmal Federn etc. So können Sie gleichzeitig Ihr Rhythmusgefühl schulen.

Wenn diese Übung soweit gut klappt, können Sie das Aussitzen mit dazu nehmen. Das geht folgendermaßen:

Sie beginnen wieder mit dem Federn. Fühlen Sie im Federn bewusst in das wechselseitige Heben und Senken des Pferderückens hinein. Sie werden spüren, wie Ihr rechtes und linkes Bein abwechselnd rechts und links durch Hüft-, Knie- und Fußgelenk nach unten federn. Wenn Sie sich nun langsam aufrichten und dabei Ihre Hüfte in Richtung tiefsten Punkt des Sattels schwingen lassen, dann tasten Sie sich langsam federnd ans Aussitzen ran. Wenn Sie sich damit weiterhin wohlfühlen, können Sie immer näher zum Sattel kommen, bis Sie zwei oder drei Schritte aussitzen. Bevor es unbequem wird, traben Sie wieder leicht.

Beginnen Sie den Zyklus von vorne: Leichttraben, Federn, ans Aussitzen herantasten, eventuell aussitzen, wieder leichttraben und so weiter. Nehmen Sie sich für jede Position so viel Zeit, wie Sie brauchen, um ins Gleichgewicht zu kommen.

Achtung: Wichtig ist zu beachten, dass die Hüfte in der Position des Federns etwas nach hinten geht und die Schultern etwas vorgenommen werden, um im Gleichgewicht zu sein. Wenn Sie sich nun in die Aussitzposition vorarbeiten, müssen Sie Ihre Hüfte wieder in Richtung zur Mitte des Sattels bringen, sonst sitzen Sie auf dem Hinterzwiesel. Die Zügel sind ggf. im Federn auch etwas kürzer, weil die Hände weiter vorne sind als im Aussitzen, hier also bei Bedarf mehr nachgeben.

Tipp: Auch im Wechsel der drei Sitzformen können Sie wieder mit dem Zählen beginnen, dreimal Leichttraben, sechsmal Federn etc.

Auf den Abbildungen sehen Sie die gedachten Linien, die man durch den Reiter ziehen kann: Ohrläppchen-Schulte-Hüfte- Absatz im Dressursitz:

dressursitz

Und die Schulter-Hüfte-Absatz im Entlastungssitz:

entlastungssitz

 

1. September 2015 von Gastautor • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 4 Kommentare »

Rückwärts-Fahrradfahren in Wendungen

Von Carla Bauchmüller

Dies ist eine kurze Auffrischung und eine spannende Erweiterung einer Übung, die wir bereits vorgestellt haben: das Rückwärts-Fahrradfahren.

Zur Erinnerung: Die Bewegung des Pferderückens im Schritt bewegt Ihre Gesäßknochen in einer dreidimensionalen, rollenden Bewegung, die sich anfühlt, als wenn Ihre Gesäßknochen rückwärts Fahrrad fahren würden. Spüren Sie sich zunächst noch Mal in Ruhe in diese Bewegung im Schritt auf gerader Linie ein, und spüren Sie dann, wie sich diese Bewegung im Reiten um die Ecken verändert:

Ihr innerer Gesäßknochen wird in der Wendung mehr in die Auf- und Abbewegung mitgenommen, der äußere stärker in die Vor- und Zurückbewegung, was ein flaches Oval entstehen lässt. Die Bewegung des inneren Gesäßknochens ist zunächst nicht so wichtig, konzentrieren Sie sich auf den äußeren. Durch diese Betonung der Vor- und Zurückbewegung des äußeren Gesäßknochens wird Ihr Oberkörper fast unmerklich im Rhythmus der Pferdebewegung mit in die Wendung gedreht.

Wenn Sie auf beiden Händen diese Bewegung erspüren können, dann wenden Sie an der nächsten langen Seite ab, indem Sie die Bewegung des äußeren Gesäßknochens bewusst mehr vor- und zurückbetonen. Sie werden vielleicht zunächst auch eine leichte Zügelhilfe dazu nehmen müssen, aber sehr bald schon wird Ihr Pferd wie von Zauberhand alleine mit der Veränderung Ihrer Gesäßknochen-Bewegung abwenden.

Achtung: Die Bewegung ist sehr klein. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, mehr als nötig zu machen.

Am Einfachsten ist es zunächst, wenn Sie nach dem Abwenden von der einen langen Seite gerade auf die andere lange Seite zureiten, um dann wieder auf derselben Hand weiter zu reiten. Danach wechseln Sie die Hand, und üben dort ebenso.

Später können Sie dann auch Volten und Zirkel dazu nehmen. Auf einer Volte oder einem Zirkel folgen Sie dieser Bewegung die ganze Zeit so, wie das Pferd Sie in diese Bewegung mitnimmt. Es erleichtert Ihnen und Ihrem Pferd, eine schöne Balance auf Volten und Zirkeln zu halten.

Das Prinzip bleibt immer gleich: Sie initiieren die Abwendbewegung mit Ihren Gesäßknochen und Ihr Pferd folgt Ihnen dann in diese Bewegung. Wenn es richtig gut klappt, ist es wie ein Tanz, bei dem der Reiter die Bewegung unsichtbar einleitet und das Pferd folgt.

4. August 2015 von Gastautor • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 2 Kommentare »

Eine Übung für das gesetzte Angaloppieren

Hier bei „Wege zum Pferd“ geht es immer wieder um das gute Laufen des Pferdes (s. z.B. hier und hier). Ein Pferd soll idealerweise korrekt gestellt und gebogen sein, der Rücken soll schwingen und es soll Last mit der Hinterhand aufnehmen und losgelassen und in Balance laufen können – und das in allen Gangarten.

Während viele sich das mit ihrem Pferd im Schritt und Trab recht gut erarbeiten können, zeigen sich im Galopp häufig größere Probleme. Hier nämlich kommt es sehr schnell zu einem Balanceverlust und das Pferd versucht, sich ins Tempo zu retten, stürmt also los. In unserem Longenkurs empfehlen wir, zunächst nur das Angaloppieren zu üben, also wirklich nur die ersten Galoppsprünge und nicht mehr, um das heillose Davonstürmen zu vermeiden. Sehr gut unterstützen lässt sich das mit der folgenden Übung.

Das Angaloppieren aus dem Schulterherein

Für uns stehen die Seitengänge in der Ausbildung vor dem Galoppieren an, wir erarbeiten uns also z.B. das Schulterherein schon sehr früh. Bereits in der stellenden und biegenden Longenarbeit fragen wir ein leichtes Schulterherein ab, um z.B. das innere Hinterbein zum vermehrten Untertreten anzuregen. Zuerst nur im Schritt, dann aber auch im langsamen Trab. Das Schulterherein kann dann sehr gut durch die Arbeit an der Hand weiterentwickelt und auch unter dem Sattel erarbeitet werden.

Wenn Ihr Pferd das Schulterherein beherrscht, können Sie folgende Übung probieren – und das sowohl an der Longe als auch geritten:

  • Lassen Sie das Pferd ganze Bahn im Schulterherein traben.
  • An der nächsten langen Seite nutzen Sie den Mittelzirkel (damit haben Sie genug Strecke, um ein lockeres Schulterherein zu erarbeiten, später können Sie auch auf einen normalen Zirkel gehen), um im Moment des Abwendens sanft die Galopphilfe zu geben – wichtig: das Pferd soll auf dem Zirkel nicht mehr im Schulterherein galoppieren, sondern dort dann einfach der Zirkellinie entsprechend korrekt gebogen.
  • Freuen Sie sich über jeden Galoppimpuls des Pferdes – es muss noch gar nicht richtig angaloppieren, sondern soll erst nur verstehen, dass es aus dem Schulterherein angaloppieren soll und das möglichst ohne loszustürmen.
  • Auf dem Hufschlag gehen Sie wieder Trab, führen das Pferd behutsam zurück ins Schulterherein und lassen es wieder ganze Bahn gehen.

sh_galoppBitte schön locker und ohne große Erwartungen

Der Wechsel von Schulterherein und Angaloppieren ist sowohl für Sie als Reiter/in als auch für das Pferd eine anspruchsvolle Lektion. Geben Sie sich also beiden Zeit, die Aufgabe zu bewältigen. Vermeiden Sie jede Hektik und werden Sie nicht unwirsch, wenn Ihr Pferd beim Abwenden losstürmt, sondern setzen Sie wieder neu an. Geben Sie sich zu Beginn damit zufrieden, dass Ihr Pferd nur einen Galoppimpuls zeigt und loben Sie es ausgiebig, wenn es sich vom Tempo her leicht wieder einfangen lässt.

Üben Sie auch bitte nicht zu lang und oft, denn diese Aufgabe kostet viel Kraft und Konzentration. Bauen Sie die Übung lieber immer mal wieder zwischendurch ein, so als würden Sie einfach aus Interesse die Frage stellen: „Lass uns doch mal schauen, ob du vielleicht aus dem Schulterherein angaloppieren kannst?“ Nach und nach wird Ihr Pferd diese Frage immer öfter mit „Ja, kann ich!“ beantworten und Sie werden einen immer schöneren, gesetzten Galopp erleben dürfen.

Tipp: Probieren Sie auch aus, aus dem Schritt im Schulterherein anzugaloppieren.

17. März 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Longieren, Reiten, Übungen 3 Kommentare »

Der weiche Blick

Von Carla Bauchmüller

Dies ist eine Übung nach Sally Swift (Buchtitel: „Reiten aus der Körpermitte“): der weichen Blick oder die allumfassend blickenden Augen.

Üben Sie zunächst aufrecht auf einem Stuhl sitzend. Nehmen Sie einen Moment lang Ihre Atmung und den Kontakt der Gesäßknochen zum Stuhl wahr. Heben Sie dann den rechten Zeigefinger senkrecht vor sich in Augenhöhe, etwa 40 cm von der Nasenspitze entfernt. Starren Sie mit „harten“ Augen auf diesen Finger. Wie fühlt sich jetzt Ihre Atmung an, wie der Kontakt der Gesäßknochen zum Stuhl?

Lassen Sie Ihren Blick entspannen und ganz „weich“ werden, also fokussieren Sie nicht mehr auf den Finger, sondern lassen Sie ihn bewusst unscharf werden. Sie schauen weiter geradeaus, aber achten Sie gleichzeitig auf Ihr komplettes Sichtfeld. Es fühlt sich fast an wie ein 360-Grad-Blick, so als könnten Sie auch alles um sich rum und hinter sich wahrnehmen. Wie fühlt sich jetzt Ihre Atmung an? Wie der Kontakt der Gesäßknochen zum Stuhl?

Wechseln Sie zwischen „weichen“ und „harten“ Augen. Sie können dafür auch die andere Hand nehmen, wenn der rechte Arm lahm wird vom Hochhalten. Spüren Sie sich in den Unterschied zwischen „weich“ und „hart“ ein. Was macht das mit Ihrer Körperwahrnehmung?

Üben Sie dann auf dem Pferd. Nehmen Sie auch hier zunächst Ihre Atmung und den Kontakt der Gesäßknochen zum Sattel wahr. Dann beginnen Sie mit harten Augen, indem Sie auf die Ohren Ihres Pferdes starren. Spüren Sie auch dabei wieder in Ihre Atmung und Ihren Sitz: Wie fühlt es sich an?  Und wie reagiert Ihr Pferd?

Lassen Sie dann den Blick wieder weich und allumfassend werden und nehmen Sie diesen 360-Grad-Blick ganz bewusst wahr. Wie verändert das wieder Atmung, Kontakt zum Sattel, allgemeine Balance – und Ihr Pferd?

Wechseln Sie auch hier zwischen harten und weichen Augen, und werden Sie sich dabei vor allem des Momentes bewusst, in dem Sie von hart zu weich wechseln. Ich finde immer, es fühlt sich an, als wenn man einen Vorhang öffnen würde. Es ist so auch viel leichter, den Mitreitern in der Halle rechtzeitig auszuweichen und dabei bei sich und seinem Pferd zu bleiben.

Extra-Tipp: Weiche Augen sind übrigens auch phantastische Begleiter beim Spazierengehen und natürlich auch bei der Bodenarbeit und dem Longieren!

17. Februar 2015 von Gastautor • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Übungen 1 Kommentar »

Bleibt der Arm locker?

Ich beobachte im Reit- aber auch im Longenunterricht immer wieder, dass viele Menschen in der Schulterpartie und den Armen stark verspannt sind. Aber nur mit lockeren Armen können wir weiche Hilfen am Zügel oder der Longe geben! Und so besteht eine große Lernherausforderung für uns darin, die Schultern und die Arme immer wieder zu entspannen. Das ist besonders schwierig, wenn unser Restkörper andere Sachen macht. Je mehr wir uns konzentrieren, z.B. aufs Treiben mit den Schenkeln oder auf unseren Sitz oder die korrekte Longierposition, desto schneller machen wir uns in der Schulterpartie fest und spannen die Arme und Hände an. Falls Sie das auch von sich kennen, habe ich hier einige Anregungen für Sie, wie Sie daran arbeiten können.

Erstmal durchatmen

Viele, die zum Pferd kommen, bringen Stress mit. Vielleicht gab es Ärger auf der Arbeit oder einen Streit mit den Kindern oder uns machen die Finanzen oder die Gesundheit eines geliebten Menschen Sorgen oder was auch immer es bei Ihnen ist. Auf Stress reagieren wir fast alle mit hochgezogenen Schultern und Anspannung in den Armen. Noch bevor Sie also zum Pferd gehen (geschweige denn mit ihm arbeiten), sollten Sie einige Male ruhig und tief durchatmen. Ziehen Sie beim Einatmen Ihre Schultern bis hoch zu den Ohren und lassen Sie sie beim Ausatmen locker nach unten fallen. Sie können die Schultern auch genüsslich kreisen und so die ganze Partie lockern.

Nehmen Sie die ruhige Atmung mit, Ihr Pferd wird das mit Freude und Erleichterung wahrnehmen (denn Pferde reagieren sehr sensibel auf unseren Stress).

Eine Partnerübung für mehr Bewusstheit

Es gibt eine einfache, kleine Übung, mit der Sie überhaupt erst einmal spüren lernen können, ob Sie Ihre Arme wirklich lockern können. Dazu brauchen Sie einen menschlichen Partner, der Sie bei der Übung unterstützt.

Ihr Partner hält locker einen Arm von Ihnen. Lassen Sie diesen Arm ganz entspannt. Wenn Ihr Partner kleine Bewegungen mit Ihrem Arm macht, lassen Sie diese Bewegungen zu.

Ihr Partner gibt Ihnen Feedback, ob Sie wirklich locker in der Schulter oder im Arm sind. Denn oft denken wir nur, dass wir locker sind, halten aber unbewusst dennoch gegen. Ihr Übungspartner wird das merken und kann Ihnen sagen, wann Sie tatsächlich loslassen.

(mehr …)

22. Mai 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Longieren, Reiten, Übungen 5 Kommentare »

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