Natürlich positiv – Longieren mit positiver Verstärkung

Hier im Blog von „Wege zum Pferd“ und in unseren Kursen findet Ihr immer wieder den Begriff „positive Verstärkung“, denn wir arbeiten schon lange mit diesem sehr pferdefreundlichen Trainingsprinzip (siehe auch unseren Clickerkurs und unsere Blogbeiträge).

Die positive Verstärkung

Was genau ist eigentlich mit „positiver Verstärkung“ gemeint?

Positive Verstärkung bedeutet, dass statt
aktiv Hilfen zu geben, um ein Verhalten zu erreichen,
gewünschtes Verhalten konsequent belohnt wird,
damit das Pferd motiviert wird, genau das
von sich aus weiter oder öfter zu tun.

Der entscheidende Punkt ist also der,

  • dass wir nicht mehr mittels mehr oder weniger subtiler Hilfen vorgeben, was das Pferd tun soll, und entsprechend deutlicher werden oder gar strafen, wenn das Pferd nicht tut, was wir wollen,
  • sondern dass das Pferd lernt, die Dinge selbstständig und aus einer eigenen Motivation heraus zu tun (siehe dazu auch hier).

Und das ändert das Miteinander mit dem Pferd ganz entscheidend. Wir empfinden eine Kombination aus positiver Verstärkung und einer sanften, freundlichen Hilfengebung als einen wundervollen Weg, mit Pferden zu kommunizieren und mit ihnen zu arbeiten. 

Nun kommen immer häufiger Anfragen dazu, ob es unseren Longenkurs auch mit Anleitung für eine rein positive Verstärkung gibt. Was für eine tolle Entwicklung, denn das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Das freut uns sehr! Natürlich möchten wir das Thema deshalb hier auch aufgreifen und hier im Blog mal ganz praktisch zu zeigen, wie sich die Elemente des Longenkurses auch allein mittels positiver Verstärkung erarbeiten lassen.  

Die Grundbausteine für das Longieren mit positiver Verstärkung

Wenn wir ein Pferd über die positive Verstärkung nach dem Longenkurs arbeiten wollen, brauchen wir zunächst die Grundbausteine für die positive Verstärkung – in diesem Fall:

  • die Konditionierung auf den Click oder ein Lobwort (siehe dazu auch hier) und
  • das Targetraining als Möglichkeit, ein Pferd ohne negative Verstärkung in die Bewegung zu bekommen (siehe dazu auch hier).

Wer von Euch schon mit der positiven Verstärkung arbeitet, kennt diese Grundbausteine bereits. Aber für diejenigen, die hier neugierig auf diesen Weg geworden sind, möchte ich sie kurz vorstellen. Bitte beachten: Ich gehe hier nur auf die Basiselemente in Hinblick auf das Longieren ein, natürlich gibt es im Rahmen der Ausbildung eines Pferdes nach den Prinzipien der positiven Verstärkung viele weitere tolle und spannende Lernaufgaben und auch viele weitere Dinge zu beachten – dazu findet Ihr mehr in unserem Clickerkurs

Nehmt Euch bitte Zeit, die Basisbausteine in aller Ruhe (also in mehreren kleinen Einheiten) und mit viel Entspannung zu erarbeiten. Ein häufiges Problem, das oft dazu führt, dass das Clickertraining wieder aufgeben wird, ist dass die Pferde zu hibbelig und drängelnd werden. Das aber liegt ganz oft daran, dass der Mensch zu schnell vorgeht und nicht auf eine entspannte Grundatmosphäre achtet. Hier könnt Ihr dazu einen Blogbeitrag lesen.

Das Grundprinzip: Click = super!

Die positive Verstärkung basiert darauf, dass wir einem Pferd (oder einem anderen Tier) mit einem bestimmten Geräusch oder einem Lobwort punktgenau sagen können: „Das, was Du jetzt gerade gemacht hast, ist toll.“ Auf dieses Geräusch oder das Lobwort hin erhält das Pferd klassischerweise ein Futterlob. Bei Pferden, die es lieben, gekratzt zu werden, kann auch das Kratzen der Lieblingsstelle als Belohnung genutzt werden. Entscheidend ist, dass wir eine Belohnung wählen, die das Pferd als so attraktiv empfindet, dass es davon gerne mehr möchte. Es reicht nicht, dass wir Menschen das Lob toll finden, es muss wirklich vom Pferd als eine erstrebenswerte Sache erlebt werden, damit es motiviert ist, darauf zu achten, welches Verhalten den Click auslöst und es damit eine Belohnung verdienen kann. Das Zauberhafte an diesem kleinen Prinzip ist, dass wir damit die Basis für sehr komplexe Kommunikationsmöglichkeiten schaffen. Denn auch wenn die Belohnung an sich für das Pferd natürlich ein Anreiz ist, so verstehen die meisten Pferde sehr schnell, dass sie durch die Arbeit mit dem Click sehr viel schneller erkennen können, was genau von ihnen gewünscht ist, statt wie im herkömmlichen Umgang mittels Versuch und Irrtum (der leider oft Strafen nach sich zieht), erraten zu müssen, was der Mensch will. Und das motiviert viele Pferde sehr.

Das Geräusch wird häufig mit einem so genannten Knack-Frosch erzeugt, also mit diesem Kinderspielzeug, das das typische „Click-Geräusch“ macht (daher kommt auch die Bezeichnung Clicker-Training).  Ich persönlich nutze lieber den so genannten „Zungen-Click“, da mir der Knack-Frosch zu laut ist und ich ihn auch nicht in der Hand halten möchte. Ich mache also mit der  Zunge einen Click-Laut, der sich aber deutlich von meinem Schnalzen unterscheidet. Grundsätzlich geht jedes Geräusch, das wir wiederholt und ohne Schwierigkeiten erzeugen können, das wir ausschließlich für diesen Zweck nutzen und das dem Pferd natürlich nicht unangenehm sein darf. Man kann auch ein Lobwort nehmen, nur habe ich festgestellt, dass es kaum einem Menschen möglich ist, ein Wort zuverlässig in jeder Situation gleich zu sprechen, also unabhängig von den eigenen Emotionen. Das aber ist wichtig.

Die Konditionierung auf den Click

Als Erstes müssen wir dem Pferd die Bedeutung des Clicks vermitteln. Dafür können wir gleich den zweiten Grundbaustein nutzen, nämlich das Targettraining. Hierfür soll ein Pferd ein Zielobjekt (= Target) mit der Nase berühren. Da die meisten Pferde Dinge naturgemäß gerne neugierig mit der Nase erforschen, braucht man meist nur das Target vor die Nase des Pferdes zu halten und ein bisschen zu warten.

Hier seht Ihr ein paar Fotos aus der allerersten Einheit, die ich mit dem zu diesem Zeitpunkt vierjährigen Norwegerwallach Mucki gemacht habe. Als Target nutze ich eine Fliegenklatsche. Zuerst hat Mucki noch keine Idee, was ich von ihm möchte und interessiert sich mehr für mich. Ich warte einfach, bis er – zufällig oder bewusst – zum Target schaut und mache bei dem ersten Ansatz  meinen Zungenclick und gebe ihm etwas Futter. Die meisten Pferde brauchen nicht lange, um zu verstehen, dass es um das Target geht. Je nach Persönlichkeit werden sie es neugierig berühren und das clicke ich natürlich sofort, worauf wieder die Belohnung folgt. Mucki hatte innerhalb kürzester Zeit verstanden, dass eine Berührung der Fliegenklatsche Click + Futter bedeutet. 

Positive Verstärkung

Noch eine kleine Extra-Erklärung: Auf dem Boden steht eine Futterschüssel, in die ich das Futter für Mucki werfe. Mucki hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelernt, Futter ruhig aus der Hand zu nehmen; im Eifer erwischte er deshalb auch mal die Hand. Um das Futter überhaupt erstmal ins Spiel zu bringen und um selbst gelassen zu bleiben, warf ich es nach dem Click einfach in die Futterschüssel. 

Wichtig: Da die meisten Pferde das Prinzip des Clickertrainings fast schneller verstehen als wir Menschen, berühren sie dann das Target immer wieder von sich aus, worauf der Mensch begeistert sein Click-Geräusch macht und das Pferd belohnt. Und damit clickert das Pferd dann Euch 🙂 Damit geht Ihr am besten um, indem Ihr ein Signal zum Berühren des Targets einführt. Ich benutze dafür das Wort „Touch“ (englisch für „Berühre“). Ich halte das Target hin und sage „Touch“ und clicke, wenn das Pferd es berührt. Berührt es das Target ohne mein Signal gibt es keinen Click (aber auch keine Strafe!). Das übe ich, bis es zuverlässig sitzt. Hier spricht man davon, ein Verhalten unter Signalkontrolle zu stellen. Damit kann man eher übereifrige Pferde sanft bremsen und dazu anhalten, aufmerksam zu sein. 

Kopf- und Halsposition beeinflussen

Mit dem Target habe ich nun schon tolle Möglichkeiten, mein Pferd aufzuwärmen und zu dehnen, denn ich kann das Target und damit auch den Pferdekopf und Hals in ganz unterschiedliche Positionen bringen. Das ist hier bei Anthony prima zu sehen: 

Positive Verstärkung

Der Clou ist, dass das Pferd alle Bewegungen von sich aus ausführt. 

In die Bewegung kommen 

Beim Longieren geht es ja aber nicht ums Stillstehen, sondern um Bewegung, also müssen wir uns nun noch das Vorwärtslaufen mit der positiven Verstärkung erarbeiten. Hierfür können wir ebenfalls bestens das Targetraining nutzen. 

Auf den folgenden Fotos könnt Ihr die dreijährige Haflingerstute Ally sehen, der ich da gerade das Antreten mit dem Target erkläre. Nachdem sie verstanden hatte, dass sie das Target berühren soll, fing ich an, das Target etwas weiter weg zu halten, bis sie den ersten Schritt vorwärts machte. Da folgte natürlich gleich ein Click und reichlich Lob. Und so war es ganz einfach, ihr zu vermitteln, dass es nun darum geht, dem Target zu folgen. Auch hier kann ich dann ein Stimmkomando einführen, wie z.B. ein Schnalzen oder ein „Und Scheritt“ oder Ähnliches.

Targettraining

Damit haben wir nun also ein Pferd, das wir nur durch positive Verstärkung im Schritt antreten und vorwärtsgehen lassen können und dessen Kopf- und Halshaltung wir beeinflussen können. Auf dem dritten Bild ist gut zu sehen, wie schön sich die noch vollkommen untrainierte und unausgebildete Jungstute bereits etwas stellt und biegt. Die ersten Schritte zum guten Laufen auf dem Kreis sind damit gemacht! 

Tipp: Gewöhnt Euch gleich an, auch mal in der Bewegung zu füttern, damit das Pferd bei einem Click nicht immer automatisch stehenbleibt. So habt Ihr die Möglichkeit, auch in der Bewegung weiterzuarbeiten.

Noch ein Hinweis: Für alle, die die positive Verstärkung noch gar nicht kennen: Es ist natürlich nicht so gedacht, dass man nun ständig nur clickt und füttert. Wenn ein Lernschritt sitzt, schleicht man das Clicken und Füttern dafür sanft aus, in dem man variabel clickt und ein Verlaufslob nutzt. Wenn ich mir zum Beispiel das Antreten im Schritt erarbeite, clicke ich nicht mehr das bloße Berühren des Targets, wie zu Beginn, sondern ich clicke erst nach ein oder zwei Schritten, dann nach drei oder vier Schritten usw. 

(Fortsetzung hier)

31. August 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Jungpferdausbildung, Longieren, Übungen 0 Kommentare »

Erfahrungsbericht zum Longenkurs von Ann-Sophie

Von Ann-Sophie

Paul ist ein 18-jähriger Haflingerwallach, der 2016 zu mir kam. Er war zu diesem Zeitpunkt kaum nennenswert ausgebildet und geriet zudem sehr schnell in Stress. Generell zeigte er sich ängstlich und skeptisch gegenüber den Menschen. 

Sowohl am Boden als auch aus dem Sattel konnten wir gemeinsam ein gute Basis finden. Vor allem durch die Seitengänge erlangte er Körperbewusstsein, Sicherheit und Selbstvertrauen, sodass sich seine stark ausgeprägte Schiefe langsam ausgleichen ließ und er Vertrauen in die Menschen generell, vor allem aber auch wieder in den Reiter fasste. 

Vor zwei Jahren ging die Leichtigkeit beim Reiten zurück und als den Ursachen auf den Grund gegangen wurde, stellte sich durch einen Röntgenbefund heraus, dass Paul eine leichte Arthrose im linken Fesselgelenk der Vorhand hat. Durch diesen Befund war für mich klar, dass ich ihn nicht mehr reiten möchte, da ich ihm eine zusätzliche Belastung durch mein Körpergewicht nicht zumuten möchte. Wir arbeiteten viel vom Boden aus, doch fehlte mir dabei die Möglichkeit, Paul darin zu unterstützen, seine Haltung zu verbessern. Ich recherchierte viel und stieß auf die YouTube-Videos von Babette. Begeistert von der tollen Laufmanier der Pferde in diesen Filmen war mir klar, dass ich diesen Weg auch mit meinem eignen Pferd gehen möchte.

Im August 2019 besuchte ich Babette auf einem Lehrgang, an welchem ich als Zuschauerin teilnahm. Hatte ich auch vorher schon am Kappzaum longiert, so konnte ich nach diesem Input mit Paul endlich so arbeiten, dass es dem Training vom Sattel aus gleichkam. Ich hatte durch Babette einen Weg gefunden, mit ihm alle Seitengänge auch vom Boden zu erarbeiten. Die Freude, die Paul zeigte, als wir die ersten Schritte Travers an der Longe erarbeiteten, war sehr rührend. Er hatte diese Lektion immer gern gezeigt, und so hatte ich so einen Weg gefunden, sie „auf den Boden“ zu bringen. Dafür bin ich dir, Babette, unendlich dankbar.

Im Oktober 2020 durften wir nun das erste Mal als aktive Teilnehmer am Longenkurs mitmachen und übten vor allem die Seitengänge auf Distanz. Das hat uns beiden großen Spaß gemacht!

Erfahrungsbericht Longenkurs

Erfahrungsbericht LongenkursDa Paul in Situationen, in denen er neue Inhalte kennen lernt, teilweise immer noch Anzeichen von Stress zeigt, fühlte ich mich mit Babette an meiner Seite sehr wohl. Sie forderte nie zu viel von uns/ihm, sondern fand genau jenes Maß an Forderung, das zur Förderung führte und das ich für mein Pferd als angemessen halte.

Erfahrungsbericht Longenkurs

Im kommenden Jahr haben wir das Glück, wieder an einem ihrer Kurse teilnehmen zu können. Darauf freue ich mich sehr. 

Und hier könnt Ihr Ann-Sophie und Paul in einem Film anschauen.

Erfahrungsbericht Longenkurs

 

12. Januar 2021 von Gastautor • Kategorie: Arbeit an der Hand, Erfahrungsberichte, Gesundheit, Longieren, Übungen 1 Kommentar »

Die Trust Technique – ein Erfahrungsbericht

Bei meinen Praxiskursen zum Longenkurs stelle ich immer fest, dass so eine Teilnahme für viele Menschen und ihre Pferde eine sehr aufregende, ja teilweise auch stressige Situation ist. Deutlich wird dabei auch immer wieder, dass das Verhalten des Pferdes sehr stark von der Ausstrahlung des Menschen abhängt, mit dem es im Augenblick im Kontakt ist. Deshalb arbeite ich bei nervösen, angespannten und widersetzlichen Pferden zunächst vorrangig mit dem dazugehörigen Menschen, sie sind oft der entscheidende Schlüssel. Dabei bemühe ich mich, meinen zweibeinigen Schülern zu einem guten emotionalen Zustand zu verhelfen, in dem es ihnen gelingt, sich zu entspannen, gut zu atmen, schöne Bilder im Kopf zu haben und auf diese Weise eine Ausstrahlung auf das jeweilige Pferd zu haben, die  wiederum diesem hilft, sich ebenfalls zu entspannen und so seinerseits in einen Zustand zu gelangen, indem es lernen und gut mitarbeiten kann.

Es ist einfach eine Tatsache: Pferde spiegeln uns, wir können ihnen nichts vormachen – und genau das können wir auch nutzen, wenn wir bereit sind, an uns zu arbeiten.

Während mir der Zusammenhang zwischen dem inneren Zustand des Menschen und dem des Pferdes immer bewusster wurde, bekamen wir zeitgleich bei „Wege zum Pferd“ in kurzer Folge mehrere E-Mails, in denen uns Leserinnen unabhängig voneinander auf die „Trust Technique“ aufmerksam machten. Bei dieser Methode geht es spannenderweise genau um die Wirkung unserer Ausstrahlung auf unsere Pferde. Und wie es der „Zufall“ dann weiter so wollte, sprach ich darüber während einer meiner Kurse auch mit Alexia Meyer-Kahlen, die sich genau mit dieser Methode seit 2015 befasst.

Alexia ist Pferdebuchautorin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Fachberaterin für Stress-und Burnout. So war Alexia für mich die perfekte Frau für dieses interessante Thema und ich bat sie, einen Beitrag für uns zu schreiben, damit wir diese Methode hier einmal vorstellen können. Ich freue mich sehr, dass sie meiner Bitte nachgekommen ist, und für uns folgenden Gastbeitrag geschrieben hat. Viel Spaß beim Lesen und beim Ausprobieren der praktischen Übung, die Alexia am Ende des Artikels anleitet.

Die Trust Technique  – Heilung und Kommunikation in innerer Stille

Von Alexia Meyer-Kahlen

Ich bin im Sommer 2015 auf „Trust“ gestoßen, als ich mit meinen beiden Pferden in einem Pensionsstall stand, in dem es viele Probleme gab – unter anderem eine chaotische Herdenintegration, die dazu führte, dass meine Stute ständig bestiegen und der Wallach von den anderen Pferden nicht ans Heu gelassen wurde. Also Stress pur für die Pferde. Als wir ihnen in dieser Situation das „Trust“-Gefühl anboten, sogen sie es auf wie ein Schwamm und wurden zusehends sicherer und gelassener. Auch benutzten wir die in der Trust Technique  integrierte Tierkommunikation, um den Pferden Bilder von ihrem neuen Zuhause zu schicken, das wir in dieser Zeit für sie bauten. Als die Beiden Anfang Oktober endlich umziehen konnten, war es, als hätten sie niemals woanders gelebt.

Die Trust Technique  (trust-technique.com) ist laut ihrem Erfinder, dem englischen Reiki-Meister James French, im Wesentlichen eine Achtsamkeitspraxis des Menschen mit seinem Tier. In Stille gemeinsam in den gegenwärtigen Moment einzutauchen, öffnet einen Raum jenseits unserer alltäglichen Grübeleien und Emotionen. Einen Raum, in dem wir einfach gemeinsam DA SEIN können. Wir kommen in einen Zustand inneren Friedens. Wenn wir mit unserem Pferd diesen Frieden immer wieder teilen, kann sich mit der Zeit Angst in Vertrauen wandeln. Ruhe kehrt ein. Alte Wunden können heilen. Die Vertrauensbasis, die sich so aufbaut, wird sich auch auf andere Bereiche des gemeinsamen Lebens auswirken.

James French ist ein hervorragender Didaktiker, der sich bemüht, die Dinge einfach darzustellen. Mit Hilfe von drei Sinnesankern für die innere Ausrichtung (siehe nachfolgende Übung) findet man in die gedankenfreie Erfahrung inneren Friedens. Den Pferden ist dieser Zustand aus ihrem sozialen Leben vertraut und sie stimmen sich schnell ein. Das führt zu einer merklichen Entspannung: Der Blick des Pferdes wird weich, es senkt den Kopf, schließt die Augen. Irgendwann legt es sich sogar hin und fällt in einen tiefschlafähnlichen Zustand, in dem laut James French nachhaltige Heilung geschehen kann.

In den 15 Jahren, in denen es sie jetzt gibt, entwickelte sich die Trust Technique  immer weiter. Man kann sie in einem umfangreichen Online-Videokurs erlernen (allerdings nur auf Englisch), irgendwo auf der Welt den Trust Technique I have a dream – Schnuppertag besuchen oder James und seine Frau Shelley dabei antreffen, wie sie mal wieder einem Tierschutzprojekt ihre Dienste kostenfrei zur Verfügung stellen. Neben Pferden, Hunden und Katzen arbeiten sie auch mit Löwen und Bären. In England ist der „Trust-Practitioner“ mittlerweile sogar ein offiziell anerkannter Abschluss.

Seit fast dreißig Jahren begleitet Achtsamkeitspraxis mein persönliches Leben. Ich  kann mir das Zusammensein mit Pferden nicht mehr anders als auf dieser Basis vorstellen und bin immer wieder überrascht und bezaubert von der unaussprechlichen Tiefe, die sich im stillen Miteinander öffnet. Meine Stute holt sich ihre „Meditationseinheiten“ regelmäßig ab, indem sie sich einfach neben mich stellt und in ihre innere Ruhe geht. Als wolle sie mich dazu auffordern, dasselbe zu tun. Durch das Praktizieren von “Trust“ verändert sich grundlegend etwas im Pferd-Mensch-Verhältnis.


Fotos von Rachel E. Jackson

Der Trust-Ansatz ist von seiner Ausrichtung her eher passiv. Mir persönlich fehlte irgendwann ein Anschluss zu all den anderen Facetten des Zusammenseins mit dem Pferd, der über eine allgemeine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ hinausging. Ich habe mir einen achtsamkeitsbasierten Ansatz gewünscht, der mich nicht nur ins Sein, sondern auch ins Tun mit dem Pferd, etwa in die Boden- oder Freiarbeit, konkret begleitet. Einen solchen habe ich seither sowohl bei Stefan Valentin („Feine Sprache“) als auch bei Elsa Sinclair („Freedom Based Training“) gefunden, die jeder auf ihre Weise das gemeinsame Da-Sein in innerer Ruhe als ein wesentliches Element in ihre Pferdearbeit integriert haben. Die Trust Technique  ist für mich aber nach wie vor ein schöner und tiefer Weg des in Stille verbundenen Zusammenseins mit dem Pferd, der wechselseitige Heilung und Kommunikation fördert.

Übung: Ganz entspannt im Hier und Jetzt

In der Trust Technique  gibt es zwei grundlegende Stufen:

  • Auf der ersten Stufe machen wir erst uns und dann unser Pferd mit dem Zustand der Gegenwärtigkeit vertraut.
  • Auf der zweiten Stufe versuchen wir, den Zustand des inneren Ruhens im Hier und Jetzt in alles zu integrieren, was wir ohnehin mit dem Pferd so machen.

Der Zustand von Gegenwärtigkeit / reiner Präsenz / einfachem Da-Sein (oder wie immer wir ihn nennen wollen) ist ein innerer Raum, in den viele Wege und Türen führen. Die folgende Übung zeigt dir den Zugang, wie er in der Trust Technique  beschrieben wird.

Im Gegensatz zu deinen kreisenden Gedanken und aufflackernden Gefühlen, mit denen du an dem hängst, was war und auf das spekulierst, was wird, ist dein Körper der Teil von dir, der immer gegenwärtig ist.  Wenn du dich innerlich ganz auf den Körper mit seinen Sinnen ausrichtest, ankert er dich automatisch im Hier und Jetzt.

  1. Setze, stelle oder lege dich bequem und entspannt hin.
  2. Konzentriere dich nun darauf, deinen Körper so ruhig wie möglich zu halten.
  3. Dann lasse deine Augen mit weichem Blick auf einem Punkt etwa zwei Meter von dir entfernt ruhen.
  4. Dann lausche einem Geräusch, das dich gerade umgibt.
  5. Dann spüre in den Kontakt deiner Hände zum Untergrund, auf dem sie gerade aufliegen.
  6. Versuche nun, dich auf diese drei Sinneskanäle (Sehen-Hören-Empfinden) gleichzeitig zu konzentrieren.
  7. Verweile absichtslos in dem, was hier und jetzt ist.
  8. Wenn du merkst, dass ein Gedanke deine Ausrichtung unterbricht, kehre einfach wieder zum Sehen-Hören-Empfinden im gegenwärtigen Moment zurück. 

Im Gefühl der reinen Präsenz zu verweilen, braucht Zeit. Wenn du dich mit der beschriebenen Übung etwa eine Woche lang für mindestens 5 Minuten am Tag vertraut gemacht hast, kannst du sie einfach mal in Gegenwart deines Pferdes ausführen. Am besten zu einer Zeit, in der es ohnehin eine Ruhephase hat.

Du setzt oder stellst dich in seine Nähe, ohne es anzuschauen. Und begibst dich dann mit Hilfe der Konzentration auf die drei Sinneskanäle in einen Zustand von Gegenwärtigkeit. Vielleicht nimmt das Pferd deine Einladung, gemeinsam still zu werden, gerne an und hilft dir mit seiner Gegenwärtigkeit, deine eigene zu vertiefen. Irgendwann öffnet sich ein Raum, in dem ihr beide ganz eins seid. Bleibe darin, so lange du und dein Pferd es mögen.

Tipp: Auf meiner Webseite achtsamkeit-am-pferd.de findest du kostenlose Audio-Downloads für zwei weitere Übungen, um in einen Zustand innerer Ruhe zu finden: Atem beobachten (ca. 15 min.) und Körper scannen (ca. 30 min.) Die Übungen entstammen dem Buch „Feine Sprache. Die tiefe Verbindung zum Pferd und zu sich selbst“, das ich gemeinsam mit Stefan Valentin geschrieben habe. Es erscheint im Müller-Rüschlikon Verlag am 19.9.19.

Alexia Meyer-Kahlen ist Pferdebuchautorin, Psychosynthesetherapeutin und Achtsamkeitslehrerin für Mensch und Pferd. (alexia-meyer-kahlen.com)

 

Hinweis: Wir verzichten in dem Text auf das „®“ hinter dem Namen mit Hinweis auf diesen Artikel, in dem ausgeführt ist, dass die Verwendung des „®“  in Deutschland nicht erforderlich ist.  

17. September 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Erfahrungsberichte, Sonstiges, Übungen, Umgang 10 Kommentare »

Sure Foot© – The Murdoch Method

In der letzten Woche hatten wir Besuch von Pferde-Physiotherapeutin Brinja Riedel. Sie stellte uns die Sure Foot© Pads vor. Dabei handelt es sich um ein ausgefeiltes System aus verschiedenen Schaumstoffpads in unterschiedlichen Stärken. Die „Arbeit“ mit diesen Pads besteht allein darin, dass sich das Pferd darauf stellt – und das schien uns ein ideales Testfeld für Tanias Anthony zu sein, der sich mit Bewegung im Moment sehr schwer tut. 

Brinja ließ zuerst uns die Pads ausprobieren: 

Und dann durfte Anthony die Sache prüfen. 

Wie man sehen kann, war er recht angetan von der Sache:

Wir haben Euch hier einen Film von der Demo zusammengestellt, der sehr anschaulich zeigt, wie man die Pads einsetzt und wie interessiert und aktiv Anthony mitmacht. 

Es ist wirklich erstaunlich und faszinierend zu erleben, was das alleinige Stehen auf den Pads im Körper bewirkt. Neben der (Mikro-)Muskeltätigkeit für das Ausbalancieren werden das Körpergefühl, das Stehen und das Gehen zerebral neu wahrgenommen und organisiert. Die Pferde lernen, ihren Körper besser zu spüren. Die wohltuende und entspannende Wirkung und das Miteinander ohne jeden Druck (denn allein das Pferd entscheidet, worauf es seine Füße stellen mag und auch wie lange es auf den Pads stehen möchte) führen zu einem sehr innigen Zusammensein von Pferd und Mensch. Wir sind schon sehr gespannt auf die weitere Entwicklung mit Anthony und werden darüber sicher noch berichten.

An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Brinja Riedel für ihre tolle und einfühlsame Arbeit. Brinja gibt Workshops für Pferde-Physiotherapeuten und Pferdebesitzer, so dass jeder die Pads auch einmal für sich und sein Pferd ausprobieren kann – mehr Infos unter www.murdochmedthod.de

Brinja vertreibt die leider sehr hochpreisigen Pads selbst nicht, zu beziehen sind sie aber über www.petphysio-shop.de. Günstigere Alternativprodukte aus dem Humanbereich eignen sich für den Einsatz mit Pferden aufgrund der geringen Haltbarkeit nur bedingt. 

7. August 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Anatomie und Körper, Erfahrungsberichte, Gesundheit, Spiele & Co, Übungen 10 Kommentare »

Die Wippe – eine Anleitung Schritt für Schritt

Heute möchte ich Euch eine schöne Übung mit Pferd vorstellen, und zwar geht es um die Wippe. Sich mit einem Pferd das Gehen über und das Stehen auf einer Wippe zu erarbeiten, hat viele positive Effekte: 

  • Wenn die Übung richtig angegangen wird, ist sie ein wundervolles Vertrauens- und Anti-Scheu-Training,
  • die Wippe fördert das Selbstbewusstsein des Pferdes,
  • es werden Balance und Gleichgewichtssinn geschult,
  • die Wippe kann gezielt zum Muskeltraining genutzt werden
  • und die ganze Sache macht großen Spaß!

Wichtig: Die Vorbereitung

Bevor Ihr Euch mit Eurem Pferd auf eine Wippe wagt, solltet Ihr erst einmal üben, dass das Pferd ohne Probleme über einen vergleichbaren, geraden Untergrund geht, also einen Holzsteg oder ähnliches. Schon das allein kann für manch ein Pferd eine große Herausforderung sein, weil unbekannte Bodenbeschaffenheiten etwas sind, das viele Pferde instinktiv meiden. Übt das bitte mit viel Verständnis und Geduld und lasst dem Pferd ausreichend Zeit, sich davon zu überzeugen, dass es auch einem ungewohnten Boden vertrauen kann. 

Die Wippe

Eine Wippe, über die ein Pferd gehen soll, muss sicher und stabil sein. Macht Euch immer klar, wie viel Gewicht da auf die Wippe kommt und dass es zu einem Scheuen und Springen kommen kann. Geht hier bitte keine Risiken ein – wenn das Material unter dem Pferdegewicht nachgibt, kann es zu unschönen Szenen oder gar Verletzungen kommen und das Vertrauen ist dann erst einmal gründlich verspielt. 

Die Wippe sollte auch nicht zu steil sein, so dass die Wippbewegung nicht zu stark wird. Es kommt hier nicht darauf an, ein spektakuläres Kunststück zu entwickeln, sondern die Wippe soll eine sinnvolle Gymnastik ermöglichen und den Gleichgewichtssinn fördern. 

Und so geht’s

Zeigt Eurem Pferd die Wippe erst einmal, ohne gleich darüber gehen zu wollen. Lasst es daran schnuppern und freut Euch über jedes Interesse an der Wippe. 

Dann führt es zu der Rampe und lasst es erst einmal in Ruhe vor der Wippe stehen. Ein Fehler, den viele machen, ist, gleich zu schnell auf die Wippe führen zu wollen. Dann kann die ganze Übung hektisch werden. Euer Ziel aber sollte sein, zu jedem Zeitpunkt das Vorwärts Eures Pferdes beeinflussen zu können. Ist ein Pferd zu aufgeregt oder hektisch, würde ich es noch nicht auf die Wippe führen, sondern erst einmal für eine entspannte Grundstimmung sorgen. 

Wenn Euer Pferd ruhig und konzentriert bei der Sache ist, könnt Ihr es zu einem ersten Schritt auf die Wippe einladen, so dass erst einmal nur die Vorderbeine auf der Wippe stehen: 

wippe1

Wenn das Pferd zu scharren beginnt, so lasst es das ruhig tun. Das ist einfach seine Art, den Boden zu testen. Hört es nicht von sich aus auf, könnt Ihr es freundlich ansprechen, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Macht erst weiter, wenn es ruhig und gelassen mit zwei Hufen auf der Rampe stehen kann. 

Ladet es dann zu einem weiteren Schritt ein. 

Auf diesem Bild kann man gut sehen, dass Anthony zunächst nur mit den Vorderbeinen weiter vorwärtsgeht, die Hinterhand lässt er erst einmal noch auf „sicherem Terrain“: 

wippe2

Wenn ich eine solche Unsicherheit wahrnehme, lasse ich dem Pferd Zeit. Ich rede ruhig mit ihm und warte. Und so traut er sich dann, ganz auf die Rampe zu steigen und wird dafür belohnt: 

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Macht bitte nur weiter, wenn das Pferd wirklich gelassen auf der Rampe steht. Zeigt es Nervosität, Unruhe oder gar Angst, dann führt es behutsam rückwärts und führt es erst einmal einmal um die Wippe herum, damit es sich wieder beruhigen kann. Setzt neu an und schaut, ob es schon besser geht. 

Ganz wichtig: Ein Pferd muss nicht gleich ganz über die Wippe gehen. Für manche Pferde reicht es vollkommen aus, in den ersten Einheiten nur auf die Rampe zu gehen, also noch ohne Bewegung der Wippe. Gebt Eurem Pferd die Zeit, die es braucht.   

Erst wenn Euer Pferd keine Probleme damit hat, die Rampe zu betreten und dort ruhig stehen zu bleiben, erarbeitet Ihr Euch den schwierigsten Moment: den Kipppunkt. Dafür führt Ihr Euer Pferd langsam ein, zwei weitere Schritte vorwärts. Bleibt immer wieder ruhig stehen und achtet auf ganz viel Ruhe. Geht nicht zu schnell voran und passt gut darauf auf, dass Eure Füße nicht dort sind, wo die Wippe herunterkommt. 

Hier macht Anthony einen weiteren Schritt:

wippe4

Und hier sind wir genau auf dem Kipppunkt, die Wippe steht waagerecht:

wippe6

Hier ist er noch einen Schritt gegangen, die Wippe ist nun unten. Je nach Persönlichkeit wird das Pferd die Bewegung der Wippe als nicht schlimm empfinden oder sich vielleicht auch erschrecken. Wirkt hier beruhigend auf Euer Pferd ein und versichert ihm, dass alles in Ordnung ist. Freut Euch darüber, wie toll Euer Pferd mitmacht und lobt seinen Mut. Ein wackliger Untergrund ist für viele Pferde eine ziemlich bedrohliche Sache! 

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Haltet das Pferd möglichst wieder an und lobt es, so dass es lernt, auch nach der Bewegung ruhig auf der Wippe zu stehen. 

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Führt dann in aller Ruhe nach vorne von der Wippe herunter und beendet die Übung für diesen Moment. 

Wichtig: Sollte sich das Pferd erschrocken haben oder sehr nervös wirken, seid Ihr etwas zu schnell vorgegangen. Baut die Übung dann noch einmal neu und in kleineren Schritten auf. 

Nach und nach könnte Ihr Euch dann das flüssige Laufen über die Wippe erarbeiten.

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Fortgeschrittene können dann üben, das Pferd am Kipppunkt anzuhalten und es durch die Verlagerung seines Gewichts nach hinten und nach vorne die Wippe bewegen zu lassen. Das ist eine tolle Muskel- und Balanceübung! 

Und kleine Extra-Tricks kann man auf der Wippe natürlich auch machen!

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Viel Spaß!

30. August 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Jungpferdausbildung, Spiele & Co, Übungen 8 Kommentare »

Das Lot für die Aufrichtung am Boden und im Sattel

Von Carla Bauchmüller

Heute habe ich eine Übung für Sie, die Sie sowohl beim Führen und der Handarbeit als auch beim Reiten nutzen können: 

Hinweis: Beginnen Sie mit der Übung bitte immer zuerst am Boden und nicht gleich im Sattel, auch wenn Sie sie vor allem zum Reiten einsetzen möchten, es hilft sehr dabei, sich die inneren Bilder wirkungsvoll erarbeiten.

Stellen Sie sich also zunächst ohne Pferd aufrecht hin, Ihre Füße stehen stabil auf dem Boden, die Knie sind entspannt. Stellen Sie sich nun eine vertikale Linie vor, also ein Lot, das über Ihrem Kopf beginnt und bis zu dem Bereich zwischen Ihren Füßen fällt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, dieses Lot zu erspüren.
 Haben Sie es? Dann stellen Sie sich bitte ein ebensolches Lot etwa einen Meter vor sich vor.

Wenn Sie nun losgehen, bringen Sie gedanklich das Lot in Ihnen und das Lot vor Ihnen in Deckung. Der Clou dabei: Das Lot vor Ihnen bewegt sich von Ihnen weg, wenn Sie auf es zugehen! Es bleibt also immer etwa einen Meter vor Ihnen. Sie bleiben mit Ihrer Aufmerksamkeit bei dem Lot in Ihnen und bringen dieses Lot immer wieder mit dem Lot vor Ihnen in Deckung. Gehen Sie auf diese Weise verschiedene Wendungen und gerade Linien immer mit der Vorstellung des Lotes. Atmen Sie gleichmäßig weiter.

Sie werden feststellen, dass Ihnen das Lot Stabilität vermittelt. Es erzeugt eine gute Spannkraft ohne Verspannung. Arme und Beine können frei schwingen. Wenn Sie das Bild vom Lot verinnerlicht haben, können Sie es auch zusammen mit dem Pferd nutzen, also z.B. bei der Hand- oder Longenarbeit und damit erreichen, dass Sie gut in Ihrer eigenen Spur laufen und nicht „in Ihr Pferd fallen“. 

Im Sattel geht diese Übung ganz ähnlich: Auf Pferd sitzend stellen Sie sich ebenso das Lot vor, das durch Sie durch und weiter durch Ihr Pferd bis zum Boden geht. Das andere Lot ist wieder ungefähr einen Meter vor Ihnen.

Wenn Sie jetzt losreiten, bringen Sie wieder gedanklich das Lot in Ihnen mit dem vor Ihnen in Deckung, während aber das Lot vor Ihnen immer im Abstand von einem Meter entfernt bleibt.

Diese Übung dient dazu, senkrecht zu bleiben und auch in Wendungen nicht in der Hüfte einzuknicken. Sie finden durch die kleine Visualisierung eine gute Stabilität, Ihre Schultern und Arme bleiben entspannt. Dadurch, dass Sie dem Lot folgen, schauen Sie automatisch geradeaus und folgen einer klaren Absicht, die das Pferd wahrnimmt und sehr zu schätzen weiß.

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28. Juni 2016 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Arbeit an der Hand, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 0 Kommentare »

Was sich Pferde von uns wünschen würden

Nicht nur, aber gerade passend zur Weihnachtszeit oder für die guten Vorsätze im nächsten Jahr, könnten wir einmal versuchen, die Idee, die Welt aus Pferdeaugen zu sehen, ganz praktisch umzusetzen. Dafür habe ich mir eine kleine Übung ausgedacht:

Eine Übung zum Fühlen

Geht in diesen Tagen einmal ganz bewusst zu Eurem Pferd, nur um diese Übung auszuführen. Nehmt Euch für diesen Tag nichts weiter vor mit Eurem Pferd. Wählt möglichst einen Zeitpunkt, an dem nicht allzu viel los ist im Stall, damit Ihr für eine Weile ungestört sein könnt. Plant mindestens eine halbe Stunde für diese Übung ein.

Begrüßt Euer Pferd und stellt Euch dann an den Zaun (oder, sollte es in einer Box stehen, an die Boxentür), um es einfach nur zu beobachten. Schaut bei dem zu, was es tut und fühlt Euch in Euer Pferd hinein. Lasst Euch ganz ein auf diesen Moment, ohne etwas zu wollen, ohne etwas zu erwarten, und ohne etwas von Euch selbst zu fordern. Widersteht auch der Versuchung, mit dem Pferd zu reden, es zu locken oder anzufassen. Es geht darum, für einige Augenblicke nichts tun, sondern einfach nur da zu sein mit Eurem Pferd.

Gebt Euch ein bisschen Zeit und brecht möglichst nicht gleich schon nach einigen Minuten ab, weil Ihr glaubt, dass es da nichts weiter zu sehen oder zu spüren gibt. Es braucht eine Weile, um sich einlassen zu können. Lasst Eure Gedanken fließen, im Stillstand rattert unserer Denkmaschine oft besonders laut. Versucht, all die vielen Gedanken einfach im Hintergrund laufen zu lassen, und lasst Euch auf das Fühlen ein. 

Schaut Euer Pferd ganz aufmerksam und offen an – Euer Pferd als Ganzes und auch die vielen kleinen Details. Versucht, nicht zu bewerten oder einzuordnen („Oh, wie sehen denn die Hufe aus!“ oder „Er ist einfach zu fett!“ usw.), sondern nehmt mit einem staunenden Herzen das Lebewesen wahr, das dort ist.

Noch ein kleiner Tipp: Tut für diese Übung so, als wüsstet Ihr nichts von diesem Pferd und lasst nur das wirken, was Ihr in diesem Moment spüren könnt.

Und dann stellt Euch ganz behutsam diese Frage:

Wenn es sprechen könnte,
was würde sich dieses Pferd
wohl von mir wünschen?

pferdewuensche

Wenn Ihr mögt, dann teilt gerne Eure Erfahrungen hier mit uns und anderen.

1. Dezember 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Übungen, Umgang 9 Kommentare »

Die Füße erden

Von Carla Bauchmüller

Ich kann immer genau sagen, wenn meine Reitschüler die Zehen verkrampfen: die Erdung – und damit die Balance – gehen verloren und die Verspannung zieht hinauf bis in die Hüfte. Und deshalb gibt es heute eine schöne, einfache Übung zum Erden der Füße.

Unter Erden versteht man das sichere, entspannte Gefühl im Steigbügel – der Fuß ruht also regelrecht im Steigbügel. Dazu ist der Fuß flach, das heißt der Absatz ist zwar der tiefste Punkt, aber der Absatz wird nicht aktiv heruntergedrückt:

fuss

Um das Gefühl des Erdens zu erlangen, ziehen Sie zunächst die Zehen eines Fußes fest zusammen, machen Sie also den Fuß ganz klein, so als würden Sie mit dem Fuß eine Faust ballen wollen. Spreizen Sie dann entspannt Ihre Zehen im Schuh. 
Wechseln Sie rechten und linken Fuß ab.


Tipp: Sie können das An- und Entspannen auch beim Schrittreiten im Rhythmus der Pferdebewegung machen.


Spannen Sie zum Abschluss der Übung alle Zehen gleichzeitig an, halten Sie das einen Moment und entspannen Sie dann wieder.
 Es sollte sich so anfühlen, als stünde man mit entspannt gespreizten Zehen in weichem, warmen Sand (stellen Sie sich dieses Bild ruhig vor!). Bleiben Sie bei den nun hoffentlich entspannt gespreizten Zehen. Der Fuß sollte jetzt locker im Steigbügel ruhen – so fühlt sich ein geerdeter Fuß an.

27. Oktober 2015 von Gastautor • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 6 Kommentare »

Die drei Sitzformen im Trab

Von Carla Bauchmüller

In dieser Übung wird im Trab zwischen den Positionen Aussitzen, Leichttraben und „Federn“ im Entlastungssitz gewechselt. Das Wechseln zwischen diesen drei Sitzformen schult die Balance und Koordination, macht außerdem locker und Spaß.

Sie beginnen im Leichttraben, um erstmal in einen guten Takt zu finden. Dann gehen Sie in den Entlastungssitz, indem Sie über dem Pferderücken „schwebend“ „federn“. Sie gehen dabei nicht mehr mit der Pferdebewegung mit in das Auf und Ab des Leichttrabens, sondern behalten bei jeden Tritt des Pferdes den etwa gleichen (geringen) Abstand zum Pferderücken bei und federn die Bewegung gleichmäßig in Hüftgelenken, Knien und Fußgelenken ab. Die Steigbügel sollten ausreichend kurz sein, um Ihnen diese Haltung und die „tanzenden Knie“ zu ermöglichen.

Nehmen Sie sich Zeit, die richtige Position und Ihr Gleichgewicht in Ruhe zu finden.

Dann können Sie beginnen, zwischen Leichttraben und Federn zu wechseln: Sie federn, bis sich die Beine locker und schwingend anfühlen und die Fersen weich in Richtung Boden federn, dann traben Sie leicht und behalten dabei das „geerdete“ Gefühl in den Füßen bei.

Diese Übung ist besonders wirkungsvoll, wenn Sie dazu neigen, im Leichttraben mit den Knien zu klemmen. Das Federn lockert die Knie-, Fuß- und Hüftgelenke und dieses lockere Gefühl kann mit ins Leichttraben hinein genommen werden.

Tipp: Wenn Sie sich im Wechseln zwischen Leichttraben und Federn wohl fühlen, können Sie die dazu passenden Trabtritte zählen, z.B. dreimal Leichttraben, sechsmal Federn etc. So können Sie gleichzeitig Ihr Rhythmusgefühl schulen.

Wenn diese Übung soweit gut klappt, können Sie das Aussitzen mit dazu nehmen. Das geht folgendermaßen:

Sie beginnen wieder mit dem Federn. Fühlen Sie im Federn bewusst in das wechselseitige Heben und Senken des Pferderückens hinein. Sie werden spüren, wie Ihr rechtes und linkes Bein abwechselnd rechts und links durch Hüft-, Knie- und Fußgelenk nach unten federn. Wenn Sie sich nun langsam aufrichten und dabei Ihre Hüfte in Richtung tiefsten Punkt des Sattels schwingen lassen, dann tasten Sie sich langsam federnd ans Aussitzen ran. Wenn Sie sich damit weiterhin wohlfühlen, können Sie immer näher zum Sattel kommen, bis Sie zwei oder drei Schritte aussitzen. Bevor es unbequem wird, traben Sie wieder leicht.

Beginnen Sie den Zyklus von vorne: Leichttraben, Federn, ans Aussitzen herantasten, eventuell aussitzen, wieder leichttraben und so weiter. Nehmen Sie sich für jede Position so viel Zeit, wie Sie brauchen, um ins Gleichgewicht zu kommen.

Achtung: Wichtig ist zu beachten, dass die Hüfte in der Position des Federns etwas nach hinten geht und die Schultern etwas vorgenommen werden, um im Gleichgewicht zu sein. Wenn Sie sich nun in die Aussitzposition vorarbeiten, müssen Sie Ihre Hüfte wieder in Richtung zur Mitte des Sattels bringen, sonst sitzen Sie auf dem Hinterzwiesel. Die Zügel sind ggf. im Federn auch etwas kürzer, weil die Hände weiter vorne sind als im Aussitzen, hier also bei Bedarf mehr nachgeben.

Tipp: Auch im Wechsel der drei Sitzformen können Sie wieder mit dem Zählen beginnen, dreimal Leichttraben, sechsmal Federn etc.

Auf den Abbildungen sehen Sie die gedachten Linien, die man durch den Reiter ziehen kann: Ohrläppchen-Schulte-Hüfte- Absatz im Dressursitz:

dressursitz

Und die Schulter-Hüfte-Absatz im Entlastungssitz:

entlastungssitz

 

1. September 2015 von Gastautor • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 4 Kommentare »

Rückwärts-Fahrradfahren in Wendungen

Von Carla Bauchmüller

Dies ist eine kurze Auffrischung und eine spannende Erweiterung einer Übung, die wir bereits vorgestellt haben: das Rückwärts-Fahrradfahren.

Zur Erinnerung: Die Bewegung des Pferderückens im Schritt bewegt Ihre Gesäßknochen in einer dreidimensionalen, rollenden Bewegung, die sich anfühlt, als wenn Ihre Gesäßknochen rückwärts Fahrrad fahren würden. Spüren Sie sich zunächst noch Mal in Ruhe in diese Bewegung im Schritt auf gerader Linie ein, und spüren Sie dann, wie sich diese Bewegung im Reiten um die Ecken verändert:

Ihr innerer Gesäßknochen wird in der Wendung mehr in die Auf- und Abbewegung mitgenommen, der äußere stärker in die Vor- und Zurückbewegung, was ein flaches Oval entstehen lässt. Die Bewegung des inneren Gesäßknochens ist zunächst nicht so wichtig, konzentrieren Sie sich auf den äußeren. Durch diese Betonung der Vor- und Zurückbewegung des äußeren Gesäßknochens wird Ihr Oberkörper fast unmerklich im Rhythmus der Pferdebewegung mit in die Wendung gedreht.

Wenn Sie auf beiden Händen diese Bewegung erspüren können, dann wenden Sie an der nächsten langen Seite ab, indem Sie die Bewegung des äußeren Gesäßknochens bewusst mehr vor- und zurückbetonen. Sie werden vielleicht zunächst auch eine leichte Zügelhilfe dazu nehmen müssen, aber sehr bald schon wird Ihr Pferd wie von Zauberhand alleine mit der Veränderung Ihrer Gesäßknochen-Bewegung abwenden.

Achtung: Die Bewegung ist sehr klein. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, mehr als nötig zu machen.

Am Einfachsten ist es zunächst, wenn Sie nach dem Abwenden von der einen langen Seite gerade auf die andere lange Seite zureiten, um dann wieder auf derselben Hand weiter zu reiten. Danach wechseln Sie die Hand, und üben dort ebenso.

Später können Sie dann auch Volten und Zirkel dazu nehmen. Auf einer Volte oder einem Zirkel folgen Sie dieser Bewegung die ganze Zeit so, wie das Pferd Sie in diese Bewegung mitnimmt. Es erleichtert Ihnen und Ihrem Pferd, eine schöne Balance auf Volten und Zirkeln zu halten.

Das Prinzip bleibt immer gleich: Sie initiieren die Abwendbewegung mit Ihren Gesäßknochen und Ihr Pferd folgt Ihnen dann in diese Bewegung. Wenn es richtig gut klappt, ist es wie ein Tanz, bei dem der Reiter die Bewegung unsichtbar einleitet und das Pferd folgt.

4. August 2015 von Gastautor • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 2 Kommentare »

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