Die erlernte Hilflosigkeit

Der Begriff der erlernten Hilflosigkeit kommt aus der Psychologie und bezeichnet einen seelischen Zustand, in dem ein Mensch oder ein Tier gelernt hat, dass er/es sich durch sein Verhalten nicht aus einer unangenehmen Situation befreien kann. In diesen Zustand verfallen z.B. viele Menschen, die im Krieg, im Gefängnis (Auffanglager/Konzentrationslager), mit einer leidvollen Krankheit oder Behinderung leben müssen. Der Zustand der erlernten Hilflosigkeit führt oft in eine Depression, also in eine schwere, psychische Erkrankung, die bis hin zur völligen Apathie bzw. Resignation gehen kann.

Auch Pferde können in den Zustand der erlernten Hilflosigkeit gelangen

Nun können nicht nur Menschen in diesen Zustand kommen, sondern auch Pferde. Der Umgang mit Pferden und auch dessen Haltung führt leider viel zu oft genau in die erlernten Hilflosigkeit, denn viele „Ausbildungskonzepte“ wollen tatsächlich genau das erreichen.

Dazu gehören:

  • das Scheuchen des Pferdes im Round-Pen, wobei das Pferd die Erfahrung machen soll dass es dem Menschen nicht entfliehen kann,
  • das sog. Aussacken des Pferdes, wobei das Pferd an einem Pfosten gebunden wird und so lange mit Gegenständen konfrontiert (beworfen, „sanft“ geschlagen) wird, bis es keinerlei Gegenwehr oder Fluchtversuch mehr zeigt,
  • das bewusst tiefe Einstellen des Pferdekopfes beim Reiten, die sog. Rollkur/Hyperflexion,
  • das ständig wiederholte Weichenlassen des Pferdes vor dem übermächtigen Menschen
  • oder auch Haltungsformen, in denen Pferde den Großteil ihres Lebens ohne direkten Kontakt zu Artgenossen in der Box verbringen müssen.

Bei all diesen Umgangsformen wird seelische und zum Teil auch körperliche Gewalt ausgeübt. Das Pferd soll lernen, dass es sich aus der Situation, die der Mensch kontrolliert, nicht befreien kann. Ziel ist ein Pferd, das nicht mehr versucht „Nein“ zu sagen. Die Pferden, bei denen diese Methoden „Erfolg“ hat, funktionieren zuverlässig auf Knopfdruck wie seelenlose Maschinen.

Manche Wege, die in die erlernte Hilflosigkeit führen, sehen für uns auf den ersten Blick „gewaltfrei“ aus, weil eben keine oder nur wenig körperliche Gewalt angewendet wird. Sie werden als „pferdegerecht“ angepriesen, sind es aber nicht.

Symptome der erlernten Hilflosigkeit

Zu erkennen, wann ein Pferd sich im Zustand der erlernten Hilflosigkeit befindet, ist nicht einfach.

Anzeichen für erlernte Hilflosigkeit können sein:

  • toter Augenausdruck,
  • das Pferd wirkt in sich gekehrt,
  • es hat kaum Interesse an der Außenwelt,
  • es hat kaum noch eigene Impulse oder Ideen,
  • das Pferd versucht sich nicht aus einer unangenehmen Situation zu befreien, selbst wenn es könnte (z.B. bleibt das Pferd mit der Nasenlinie hinter der Senkrechten, obwohl der Zügel nachgibt),
  • Fressunlust,
  • stumpfes Fell
  • u.a.

Einige Pferde, die wir in Showveranstaltungen oder auf Turnieren bestaunen dürfen, befinden sich in der erlernten Hilflosigkeit. Wir bekommen als Zuschauer das Endergebnis zu sehen und beklatschen oftmals diese „toll“ ausgebildeten Pferde, die nicht mal mit der Wimper zucken, auch wenn der Trainer sie z.B. mit Gegenständen bewirft.

Aber Achtung!

Nicht jeder Trainer, der sein völlig cooles perfekt funktionierendes Pferd präsentiert, hat das Pferd in den Zustand der erlernten Hilflosigkeit gebracht. Hier hilft nur ein Blick hinter die Kulissen um sich ein Urteil zu bilden. Informieren Sie sich, wie der Trainer sein Pferd arbeitet, auf welchem Weg er sein Pferd zu einer so „grandiosen Kooperation“ gebracht hat. Und gucken Sie genau hin, ob das Pferd das Recht hat, auch mal „Nein“ zu sagen, ob seine Augen lebendig blitzen oder ob es komplett in sich gekehrt, freudlos, resigniert und abgestumpft wirkt. So können wir unsere Wahrnehmung schulen und sensibel werden für die Anzeichen der erlernten Hilflosigkeit.

In der nächsten Woche zeige ich Ihnen dann Wege aus der erlernten Hilflosigkeit.

23. November 2010 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 25 Kommentare »

 

25 Reaktionen zu “Die erlernte Hilflosigkeit”

 

Von Meike • 23. November 2010

Sehr interessanter Artikel! Ich freue mich auf nächste Woche! 😉
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Danke!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Dagi • 23. November 2010

Wow, gerade dieses Wochenende habe ich mit einer Freundin über das disskutiert! Muss ihr dann sofort diesen Artikel zum lesen geben und bin auch riesig gespannt auf nächste Woche!!! Suuper! :d
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Danke!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Beate • 23. November 2010

..das Scheuchen des Pferdes im Round-Pen, wobei das Pferd die Erfahrung machen soll dass es dem Menschen nicht entfliehen kann

Ich bin der Meinung, daß das Pferd gerade im Roundpen seine Meinung durchsetzen kann. Es kann „Ja“ sagen, es kann aber auch „Nein “ sagen. Wobei ich hier voraussetze, dass das Pferd nicht im Galopp gejagt wird, sondern „human“ mit ihm umgegangen wird.

…es hat kaum noch eigene Impulse oder Ideen

Welche Ideen soll ein Pferd denn haben, ausser rennen, traben, laufen, fressen und saufen? Überleben ist der einzige Instinkt des Pferdes.
Ein Pferd ist ein Pferd.
Ein Pferd würde nie auf die Idee kommen über Hindernisse zu springen, sofern es drumherum laufen kann auch wenn es einen Umweg bedeutet.

Ein Pferd würde nie Kompliment machen, ein Pferd würde nie spanischen Schritt laufen – freiwillig. Auf diese Idee käme es gar nicht – es ist ein Pferd.

Wir Menschen mißbrauchen die Tiere dazu. Haben sie uns drum gebeten sie zu reiten? Haben sie uns gebeten sie zu longieren, oder zu dressieren?
Nein, dieses Recht nimmt sich der Mensch heraus.

Gruß, Beate
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Stimmt, der Mensch nimmt sich viele Rechte dem Pferd gegenüber heraus und nicht immer zum Besten für das Tier.
Trotzdem gibt es in der Art mit Pferden umzugehen und sie zu halten sehr große Unterschiede. Ich kann ein Pferd im Round Pen scheuchen um ihm seine Ausweglosigkeit klar zu machen, oder ich kann in schöner Freiarbeit in die Kommunikation gehen…
Ich kann ein Pferd mit Beinlongen ins Kompliment oder zum Hinlegen zwingen oder es mittels positiver Verstärkung dahingegen „überreden“ es von sich aus zu tun.
Ich kann ein Pferd mit groben Hilfen beim Reiten „bezwingen“ oder ich kann es kleinschrittig mit viel Lob ausbilden.

Das Pferd kann in der Zusammenarbeit mit dem Menschen immer strahlender, schöner, intelligenter, lustiger werden oder es kann immer trauriger, gedemütigter, gebrochender werden. Und wenn der Mensch aus Unwissenheit oder Absicht richtig viel Bockmist macht, kann er ein Pferd in den Zustand der erlernten Hilflosigkeit bringen. Darüber wollen wir aufklären und wollen Menschen dahin bringen, dass sie ihre Pferde so halten und so mit ihnen umgehen, dass das nicht passiert.
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Sonja • 24. November 2010

Ich kannte ein Pferd, das einen großen Teil seines Tages in seiner Box gelegen hat . Es hatte völlig aufgegeben. Es wurde täglich von einem ziemlich gefühllosen Mann mit Schlaufzügeln Dressur ( es war bis S geritten ) geritten und da es nicht mehr gut reagierte mit sehr häufigem Gerteneinsatz traktiert. Ich kannte dieses Pferd von 5-15. -jährig ein knackiges Pferd, 10-jährig schon völlig tot mit zerstörter Persönlichkeit.

Zu meiner Vorrednerin Beate : Wenn man seine Pferde in Offenstallhaltung hält und viel Kontakt mit ihnen hat, stellt man fest , das jedes seine eigenen Ideen hat. Z.B. meinen Vierjährigen habe ich schon des öfteren auf einer 1 Hektar großen Weide beim Überspringen eines großen Baumes den wir uns als Trainingshindernis hingelegt haben gesehen. Ohne Not. Er war weder von anderen Pferden bedrängt, noch gab es sonst Gründe. Er hatte einfach Spaß daran. Oder er hebt gerne Sachen vom Boden auf, wie den Hundeball oder was man sonst so hinlegt. Das tut keines unserer anderen 6 Pferde.

Ich glaube wenn man denkt, es geht den Pferden nur um Überleben, hat man deren Charakter nicht erkannt.
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Da kann ich Dir nur zustimmen!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Natalie • 24. November 2010

Hallo,
was du beschreibst hätte ich fast an meinem eigenen Pferd auch erleben müssen. Am Anfang standen wir noch in einem anderen Stall. Mein Pferd kam als ich es gekauft hatte aus einer guten Haltung. Immer kontakt zu Artgenossen im Sommer ganz draußen im Winter in der Box und über tag draußen.
Sie war noch nie weg von ihrer Pferdefamilie, bis sie zu mir kam. Dabei ging es ihr nicht gut, sie hatte Heimweh am Anfang war ganz aufgeregt. Mit der zeit hat sich das aber gelegt und alles schien in Ordnung. sie war frech, wie es die Vorbeitzer mir auch von ihr beschrieben hatten. Mein Pferd ist reisefreudig und erkundet gerne mal die weite Welt ohne ihre Leute, halt auf eigene Faust.. Jaja da kommt man shcon öfters mal ins rennen wenn sie einen ausbruch macht…
Irgendwann war es dann aber so, dass ein neues Pferd in unseren Stall kam. Meine Stute musste ihre Box räumen und kam in eine Minibox. Raus durfte sie nur noch alleine eine stunde am tag, sie hätte die neue ja treten können. Ganz grässlich, ihre Augen wurden traurig, sie war nicht mehr sie selbst, sie fing an zu weben. Zwei tage habe ich mir das angeschaut. Das waren zwei zu viel. Diesen traurigen Blick, den werde ich nicht mehr vergessen können. Aber ich denke wäre sie noch länger dageblieben und schon so weit hilflos gewesen, dass sie niht gezeigt hätte wie sie sich fühlt, dann wäre sie nun auch so ein Pferd der erlernten Hilfslosigkeit…
ein Glück hat sie nun ihre neue herde gefunden, in der sie schon seit 5 jahren glücklich lebt und alles wieder gut ist. sie ist wieder genauso frech, wie man sie eben kennt…
Ich hoffe dass die Pferde einfach nciht den Mut verlieren zu zeigen was sie fühlen. und dass es menschen gibt die sich trauen den besitzer darauf aufmerksam zu mahen, wie es dem pferd ergeht… vielleicht erreicht man ja den ein oder anderen doch und man findet einen guten weg für wenigstens manches pferd…
ich bin gespannt auf die nächste folge…
Liebe grüße natalie
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Schön, dass Du so genau bei Deinem Pferd hingeguckt hast und auf ihre Traurigkeit reagiert hast!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Ulrike • 24. November 2010

Als Reitanfänger kaufte ich ein auf A-Niveau ausgebildetes elfjähriges Warmblut-Pferd. Es war brav und ich lernte viel auf ihm und war viel im Gelände unterwegs. Als Turnier am Stall war, drehte er fast durch (sein Boxenfenster ging zum Reitplatz raus). Da wurde mir klar, daß vorher wohl manches nicht so gut gelaufen ist.Über mehrere Jahre machte ich einmal im Jahr einen mehrtägigen Kurs bei einer Tellington-Reitlehrerin.
Das größte Kompliment, das sie mir machte war, als sie sagte, mein Pferd sieht von Jahr zu Jahr jünger aus,
und als ich das erste mal bei ihr war, sah er wie ein sehr altes Pferd aus.
Ich freue mich schon auf die nächste Folge und hoffe,
daß mancher Pferdebesitzer wieder das Blitzen in den Augen seines Pferdes wecken kann.
Liebe Grüsse , Ulrike
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Was für ein schönes Kompliment 🙂 !
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Judith • 25. November 2010

Liebe Babette,

ein großes Lob von mir, dass du sehr oft solche „Tabu-Themen“ ansprichst und diese auch so schön erklärst!

Ich finde es auch traurig das es so viele Pferde in dieser Situation der erlernten Hilflosigkeit gibt 🙁

Leider war mein Pony auch mal tatsächlich in dieser Situation mit mir. Und zwar als ich die Roundpen Arbeit und Horsmanchip Bodenarbeit mit ihm gemacht hab. Er quittierte dies immer mehr und deutlicher mit einer erst inneren Resignation, dann mit einer äußerlich Sichtbaren Lustlosigkeit und mit dem „ich bin nicht mehr richtig anwesend“ Blick. Und nein, bei der Roundpen arbeit oder der Bodenarbeit nach sogenanten Pferdeflüsterern, hat ein Pferd nicht das recht mit einem NEIN aus dem Ring zu steigen… Denn dann würde die arbeit ja nichts mehr nützen. Übrigens musste ich die Übungen immer wieder machen damit sie sitzen, denn nach einer weile war die Wirkung weg 🙂
Zum Glück habe ich diesen Zustand noch rechtzeitig Bemerkt und die ganze Sache an den Nagel gehängt und mich anders Orientiert. Mein Pony sprüht nun vor Lebensfreude ich kann sein Lächeln wieder sehen und bin selber glücklich wenn er Nein sagt und ich dann – ok dann vielleicht ein andermal. Und noch schöner ist es wenn er dann auch später mal dazu Ja sagt 🙂

Ich habe auch immer das Nein bei den Übungen für den Longenkurs akzeptiert und dann an einem anderen Tag wieder Probiert und siehe da, er hatte Lust dazu sich drauf einzulassen! Er hat das geübte sogar nach einer längeren Pause nicht vergessen und kann es dann sogar noch besser 😉

Liebe Grüße
Judith
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Vielen Dank für Deinen Kommentar Judith und ich wünsche Dir noch viele glückliche „Ja“-Momente mit Deinem Pferd 🙂
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Maike • 26. November 2010

Liebe Babette,

überschneidet sich sehr mit meinen Gedanken Heut früh. Mein Kleine musste ja leider seit nunmehr 1,5 Wochen in der Box stehen. War sie Anfangs noch völlig aufgekratzt, wenn wir unseren täglichen Spaziergang machten, werden nun von Tag zu Tag ihre Augen „dichter“. Heute schlurfte sie mit hängendem Kopf hinter mir her. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr es mir in der Seele weh tat …

Morgen geht es in einen neuen Stall und zurück in den Offenstall. Wir werden alle wieder aufatmen und ich habe dann hoffentlich wieder ein eigensinniges Pferdchen mit eigener Meinung, Ansichten und Willen.

Ich befürchte du hast Recht und die Besitzer wollen oft genau dies: ein Pferd, was wie ein Sportgerät funktioniert und das teilnahmslos hinnimmt, was immer man mit ihm macht – schauderhaft!!

Als ich mich neulich mit einem Bekannten über Katzen unterhalten habe, meinte er, er würde seine Katze grundsätzlich nicht direkt Morgens nach dem Aufstehen füttern, sondern sie müsse warten. Er lasse sich doch nicht von einer Katze dominieren. Ist es die Angst vor Machtverlust? Bin ich mir meiner selbst so unsicher, dass ich mich gleich komplett in Frage gestellt fühle, wenn ich auf ein Tier höre?

Nachdenkliche Grüße
Maike
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Vielleicht liegt es einfach so stark in der Natur des Menschens das er so häufig der Meinung ist, dass er Machtspielchen spielen muss?
Selbst mit hungrigen Katzen… In Beziehungen ist es ja oft nichts anderes.
Ebenso nachdenkliche Grüße zurück,
Babette

 

Von Jochen • 26. November 2010

Liebe Babette,

ja, Pferde sind oft, viel zu oft, stille Dulder, die in der Ausweglosigkeit resignieren.

Beim Join-up im Round-pen (wobei das Pferd nun mal im Galopp im Kreis herumgejagt wird) findet m. E. noch Schlimmeres statt als nur die Lektion, daß pferd dem Menschen nicht entkommt. Es wird nämlich vom einzigen noch vorhandenen „Herdenverband“ (dem Menschen) ausgestoßen – was alleine schon eine Katastrophe ist – und es kann nicht gehorchen und weggehen. In dieser Double-bind-Zwickmühle kann es nichts richtig machen – was auch immer es versucht, alles ist falsch. Daher seine immense Erleichterung und Dankbarkeit, wenn der Mensch endlich den Druck wegnimmt. Lernen kann es so kaum etwas, außer eben Unterwürfigkeit. (Man stelle sich vor, ein Kind werde in sein Zimmer geschickt, bis es wieder lieb sei, aber man ließe es nicht hinein und bestrafe es für diesen „Ungehorsam“.)

Wenn ein Pferd nur ans Überleben denkt, dann rennt es aus Leibeskräften weg. Dabei kann es nicht grasen, nicht saufen, nicht Schritt noch Trab noch Canter gehen, sondern nur rennen. Wenn ein Pferd nicht mehr ans Überleben denkt, dann kann es das alles wieder. (Wobei jetzt nicht Resignation gemeint ist, sondern Rückkehr zum Normalzustand.)
Ich glaube, es war irgendwo hier im Praxisblog, daß jemand mal das wunderschöne Wort von den „vielen Huchmampfs“ gebraucht hat, die überall lauern. Wenn der Überlebensmodus in der Psyche herangerollt kommt, dann aber abbiegt und sich wieder verzieht, schmeckt das Gras besonders gut – aber erst dann.

Natürlich kann ich nicht für alle Pferde sprechen, aber wie oft bin ich mit Thalie (jetzt gut 3,5 Jahre) von Ausflügen zurückgekommen, bei den jeweils ersten Malen (meine Jacke wie einen Sattel tragen, ein Gebiß tragen, einen richtigen Sattel tragen, am Zügel vor mir gehen, ein Wägelchen ziehen, selbständig fahren, eine Reiterpuppe tragen, Aufsitzübungen, gelegentliche Schritte unterm Reiter, geritten werden…), wo sie dann wohl fast jedesmal 10 bis 50 Meter vor den anderen her gelaufen ist, wie eine Anführerin, bis die „Herdenmutter“ Farouche wieder die erste Stelle übernahm. Ich leite daraus nicht nur ab, daß ich ihre jungen Körperkräfte vermutlich schonend genug behandelt habe, sondern auch, daß sie stolz ist, als ein richtiges Menschenpferd angesehen zu werden. (Ich freue mich ja auch, wenn es mir gelingt, mich wie ein richtiger Pferdemensch zu benehmen.)

Bei Manolo habe ich lange gebraucht, um ihn wieder einigermaßen „frei“ zu bekommen. Er war auf Kadavergehorsam bei gleichzeitiger Wildheit nicht ge- sondern ver-trimmt, bis nicht mehr viel klappte, und das hat mir einiges an Gehirnschmalz abverlangt. Jetzt schlägt er im Gelände schon mal in aller Ruhe mit Kopfzeichen die Wegrichtung vor, und dann diskutieren wir ein wenig (über Kopfzeichen), und folgen schließlich mal seiner, mal meiner Richtung. Er hat immer noch etwas nah am Überleben gebaut (im Vergleich zu meinen beiden anderen), aber ein Spanier ist nun mal kein Kaltblut.

Ich bin gespannt auf Deine „Wege aus der erlernten Hilflosigkeit“!

Liebe Grüße aus der Provence, Jochen
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Danke für Deinen schönen Kommentar Jochen! Und liebe Grüße in die Provence!
Babette

 

Von Anja • 27. November 2010

Hallo Babette,
es ist doch immer wieder schön, wenn man in seiner Intuition bestätigt wird. Ich habe nun seid einigen Wochen einen 6-jährigen Vollblut-Pinto Wallach, vorwitzig, frech und verspielt 🙂 und habe mich schnell auf Horsemanship und ähnlichem eingeschossen… So wirklich richtig „funktioniert“ hat es bei meinem Carlos allerdings nicht und nachdem ich auch noch mit Join-ups begonnen hatte, wurde unser Verhältnis von Tag zu Tag schlimmer, irgendwie hatte ich das Gefühl, er macht mir gegenüber dicht, unsere „zusammenarbeit“ funktionierte nicht mehr, ich kam mir vor wie in einer Sackgasse und beendete prompt dieses Kapitel des „Pferdefreundlichen“ Umgangs. Wir haben seitdem unser Verhältnis noch einmal neu und von vorn begonnen, gehen entspannt spazieren, spielen miteinander, machen halt Dinge, die uns beiden Spass machen… Und prompt lese ich deinen Artikel und fühle mich bestätigt 🙂 Vielen Dank und auch ich bin schon auf deinen nächsten Artikel gespannt,
Liebe Grüße, Anja
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Unsere Intuition ist meistens ein super Ratgeber! Leider haben wir oft verlernt auf sie zu hören 😉 .
Viel Freude weiterhin mit Deinem Pferd,
Babette

 

Von Beate • 28. November 2010

Hallo,

Arbeit im Roundpen bedeutet nicht automatisch join up ( @ Jochen)

Für mich ist der Roundpen das Klassenzimmer des Pferdes – hier lernt es. Es lernt den Abstand vor mir zu wahren und mich als Herdenchef zu respektieren. Aber warum, bitte, soll es lernen sich auf Kommando hinzulegen, oder spanischen Schritt zu gehen? Mir blutet das Herz, wenn ich Springreiten im Fernsehen sehe, wenn ich Dressurreiten sehe. Das ist doch alles wider der Natur des Pferdes.
Das Pferd ist ein Fluchttier. Es braucht nur einen Unterstand und genügend Auslauf.

zu meiner Vorrednerin:
Horsemanship bedeutet nicht join up und Monty Roberts spielen.
Für mich bedeutet Horsemanship eine natürliche Haltung des Pferdes und nicht join up. Ich nehme von dem Pferd nur das, was es mir bereit ist zu geben und dafür bin ich dankbar. Wenn man die Sprache der Pferde versteht und diese auch mit ihnen spricht, dann geben sie sehr viel.

zu Sonja: du sagtest:
Ich glaube wenn man denkt, es geht den Pferden nur um Überleben, hat man deren Charakter nicht erkannt.

Das Pferd ist ein Fluchttier und hat lediglich den Instinkt des Überlebens. Was hat der Charakter damit zu tun?
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Hallo Beate,
es war nicht mein Anliegen jegliche Arbeit in Round Pen schlecht zu machen. Ich arbeite selber gerne frei und auch im Round Pen. Wie bei allem geht es wieder um das WIE und mit welcher Intention ich das mache…
Vielen Dank für Deinen Kommentar!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Judith • 28. November 2010

Liebe Beate,

ich sehe das so: ein Pferd ist nur dann ein Fluchttier wenn es gejagt wird, also wenn es in einem bestimmten Moment das Gefühl hat nicht mehr in Sicherheit zu sein, was in der Natur am ehestens von Beutegreifern ausgelöst wurde oder in seltenen Fällen heut zu Tage noch wird. Ansonsten sind Pferde sehr soziale Lebewesen, die in einem Komplexen Herdenverband leben sich untereinander Stärken und gegenseitig Schutz bieten. Der Mensch sieht bei seinen Beobachtungen auch nur das was er am suchen ist oder hinein interpretiert.

Darüber hinaus denke ich wenn Pferde sich gegenseitig erziehen, gibt es dem Mensch noch lange nicht das recht das gleich mit einem Pferd umzusetzen. Ich glaube Pferde wissen sehr genau das wir Menschen sind und sie Pferde, denn wenn uns Pferde als ihresgleichen ansehen würden, würden wir ganz schnell sehr alt aussehen. Der Mensch kann sich so vieles bei und mit einem Pferd erlauben, was jedes Pferd bei einem Versuch von einem anderen Pferd mit treten und beißen quittieren würde.

Ich bin gerne für mein Pferd ein „Energiespender“ (durch Leckereien zb.) und ich möchte meinem Pferd das Gefühl geben bei mir und durch mich in Sicherheit zu sein und das es Freude und Spaß hat mit mir und unserem Tun. Und meinem Pferd macht es Spaß dazu zu lernen und sich zu Verändern durch meine Hilfe bei der „Körperarbeit“ denn andere Pferde können ihm das nicht geben. Ich helfe ihm gern ein Selbstbewusstes Pferd zu werden und zu sein und ein Körperbewusstsein zu vermitteln, dass ihm nur durch andere Pferde nicht in dieser Art Vermittelt werden könnte.

Es gibt ja verschieden Ansichten was die Sprache der Pferde ist. Ich glaube da Pferde sozial sehr weit entwickelt sind, ist es ihnen auch möglich all die unterschiedlichen Reitweisen, Methoden und Kommunikationsmöglichkeiten mit uns Menschen zu Teilen. Sie sind flexibel, wollen nur den Frieden wahren und tun sehr viel damit es auch so funktioniert wie wir Menschen uns das vorstellen. Diese Vielfallt an Kommunikationsmöglichkeit spricht schon für sich, finde ich.
Übrigens hat jedes Lebewesen einen Instinkt. Aber alle haben auch Eigenheiten, Stärken, Schwächen, Ideen und den Wunsch das beste aus ihrem Leben zu machen und es zu meistern.

Liebe Grüße
Judith

 

Von Dorothee • 29. November 2010

Wir hatten vor einiger Zeit einen Kurs für Zirkuslektionen mit einem bekannten Trainer. Der Umgangston und die Art und Weise, wie den Pferden manches beigebracht werden sollte, gefiel weder den Pferden noch den meisten Besitzern. Es kam zu heißen Diskussionen mit dem Ergebnis, das einige den Kurs abbrachen. Wir wollen Pferde, denen es Spaß macht, Neues zu lernen und die nicht in ein Schema gezwungen werden. Die das Blitzen in den Augen nicht verlernen. Dieser Trainer wird bei uns sicher kein Geld mehr verdienen. Danke für den Artikel 🙂
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„Hut ab“ vor Eurer Konsequenz den Kurs abzubrechen. Gerade im Bereich Zirkuslektionen habe ich auch schon sehr viel negatives gesehen und erlebt 🙁 .
Liebe Grüße und viel Freude weiterhin mit den tollen Vierbeinern 🙂
Babette

 

Von Anne-Barbara • 29. November 2010

Dein Beitrag bringt es wieder präzise auf den Punkt. Ich habe gerade ein Buch gelesen, in dem es darum geht- wer der Chef ist. ( eine Freundin hatte es mir empfohlen. An diesem habe ich mich sehr gerieben und dem Autor das auch mitgeteilt- weil es dort genau darum geht, diese von Dir beschriebene Macht durch den Menschen zu trainieren.

Ich habe mich mal erschrocken, als ich gesehen habe, daß eine Reiterrin beim Longieren die Longe aus der Hand gefallen ist- und das Pferdchen lief weiter Runden. Das war so ein Pferd mit stumpfen Augen.

LG Anne.
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🙁
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Vicky • 29. November 2010

Wir haben unser Pferd aus der „erlernten Hilflosigkeit“ herausgekauft, vor beinahe einem Jahr. Durch täglichen Koppel- und Weidegang in der Herde, aber auch durch Bodenarbeit nach NHS-Prinzipien lernt er nun langsam, wieder ein Pferd zu werden. Er ist neugierig geworden, bekommt Muskeln, freut sich an seiner wachsenden Kraft, Fell und Augen glänzen… und er sieht auch nicht mehr aus wie ein altes Pferd, sondern langsam aber sicher wie ein echter Neunjähriger. Aber wir arbeiten mit viel Liebe, positiver Verstärkung und Lob, und wenn etwas nicht klappt und er nein sagt, probieren wir es halt ein anderes Mal wieder.
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Wie schön!
Ich freue mich für Euer Pferd!
Liebe Grüße,
Babette

Bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil!

 

Von Nicole Heinz • 29. November 2010

Nun bin ich aber total erschrocken…über einige Kommentare…Horsemanship hört sich hier wie ein Fluch an…(ähm der Longenkurs erwartet doch genauso das das Pferd mitmacht)
Meine Madamwar als ich sie kaufte wie ein Wildpferd (rannte mich über den Haufen und so) Ich mache nun seid einem jahr Horsemanship und ich würde mal behaupten wir haben eine Menge spass…klar gibt es tage an denen auch meine Mimi keine Lust hat (geht uns ja nicht anders) aber es hat ihr soch nicht die Lebenslust genommen (von welcher art Horsemanship redet ihr denn?) Ich jage mein pferd nicht…auch binde ich nix fest oder sonstiges…aber sie geht nun auf Fingerzeichen rückwärts, Seitwärts, vorwärts…das erleichtert uns beiden unheimlich den Alltag… Trotz allem wirft sie wenn sie in der Halle frei läuft wilde den kopf herum und gerade jetzt im Winter buckelt sie sich mal richtig aus….
Auch habe ich in ihrer Wildpferdezeit angefangen mit ihr zu spielen…Fußball, Luftballons zerplatzen…nun rennt sie auf Luftballons zu und zerknallt sie und wartet auf ihren Keks…oder das drehen aus dem Tanzen macht sie super gerne (der TanzSchritt dazu den mag sie nicht)
Und zum Thema was Pferde in der Natur nicht alles tun…also wir haben einen Spanier im Stall auf der Weide geht er gerne spanischen Schritt und Piaffiert…

Ich denke das man das von Pferd zu Pferd entscheiden sollte…Also bei uns im Stall ist kein pferd was Horsemanship mit desinteresse quitiert…da blühen die erst richtig auf…
Eher umgekehrt…wir haben einen da kommt die Besitzerin ca. 1 mal im Monat…Im sommer sind sie ja 24Std draußen jetzt im Winter nachts drinne uns ist aufgefallen das er nun anzeichen von Weben zeigt aber nicht hin und her sondern dauernd rauf und runter…seine Augen sind total traurig und teilnahmelos…wenn der mal mit in die Halle darf blüht der richtig auf…
Also ich glaube das man mit spass vieles erlernen kann…meine Liebt Leckerlies (wir sind nun auf Karotten umgestiegen) und dafür tut sie seeeeeeeehr viel *grins*
z.B. zum Thema ausbinden…also wie wir richtig das vorwärts abwärts lernen sollten (unterm Sattel) wusste ich noch nicht sooo ganz…außer wie hier beschrieben also gab ich mir ca. 2 Jahre dafür…nun hatten wir letzten Monat eine Westerntrainerin bei uns die total begeister war was ich mit meiner Mimi so mache…da erzählte ich ihr von der überlegung meiner Reitbeteiligung Hilfszügel (Ausbinder zu benutzen, ganz lcoker verschnallt und so) Ich sagte ihr aber das ich das überhauptnicht will und mir 2 Jahre gegeben habe dann könnten wir das…sie grinste und meinte manchmal geht das schneller als man denkt…naja ich wollte mir ja keinen Stress machen…als wir an die Reitübungen gingen…sagte sie mir was ich machen soll…also erst ne Biegung holen und dann Zügel gaaaaaanz lang…wow war das ein erlebnis ich habe fast geheult…mein Pferdchen hatte den kopf fast aufm Boden einfach so…nun üben wir zwischendurch schön weiter und mal schauen…(klar klappt das nun erst im Schritt) und auch nicht sehr laaaaaange…aber es wird und ich wurde mal wieder bestätigt das man ein Pferd net verschnüren brauch….sondern mit spass zum erfolg kommen kann…
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Das was Du beschreibst wie ihr Horsemenship mit den Pferden betreibt, hört sich das prima an und mit Sicherheit führt diese Art und Weise des Umgangs kein Pferd in die erlernte Hilflosigkeit. Es geht auch hier wieder darum, wie etwas ausgeführt wird.
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Angela • 29. November 2010

Hallo,
mal wieder ein schöner, aufrüttelnder, nachdenklicher Beitrag, Babette.

Ich stimme dem voll zu, was du beschreibst. Auch und vor allem dem letzten Absatz, wo darauf hingewiesen wird, dass nicht jeder Trainer der ein „gut funktionierendes“ Pferd hat sich einer „bösen“ Methode bedient hat.

Ein bischen Sorgen mache ich mir immer, und etliche Kommentare machen das auch deutlich, dass viele Pferdebesitzer solche Worte wie im Beitrag als „Entschuldigung“ oder „Freischein“ nehmen ihre Pferde nicht zu erziehen. Sie glauben häufig nur ein Pferd das praktisch machen darf was es will ist glücklich.

Ich kenne so viele Pferde die eine potentielle Gefahr für jeden darstellen der mit ihnen umgeht und der Besitzer ist sich dessen nicht bewusst.

Ich mache mir auch Sorgen, dass man Roundpenarbeit oder Horsemanship auf die „böse“ Seite befördert. Dabei ist es meist nur so, dass viele die sich mit ihrem Pferd in den Roundpen begeben leider keine Ahnung und kein Gefühl für diese Art der Kommunikation haben. Sie positionieren sich falsch und können den Druck den sie über ihren Körper aufs Pferd ausüben nicht kontollieren, drücken sich dadurch widersprüchlich aus und das Pferd wird erst irre und gibt dann irgendwann auf.

Als Gegenkandidaten für den peruanischen Spinner gebe ich GaWaNi Ponyboy an. (nicht dass ich ein grosser Fan wäre, aber die Methodik ist eigentlich in Ordnung) Was er zeigt ist auch eine Art des Aussackens (freilaufend im Roundpen). Oftmals ist es eine gute Idee ein übersensibles Pferd einfach etwas „burschikoser“ zu behandeln. Immer ordentlich auf die Schulter klopfen, liebevoll(!), lauter sprechen, den Putzeimer ordentlich hinkrachen lassen, die Satteldecke draufplumpsen lassen, usw. Bzw. ein sehr sensibles Pferd auch wie ein Sensibelchen zu behandeln ist oft kontraproduktiv.

Ansonsten kann ich nur sagen dass in meinem geliebten Westernreitsport die erlernte Hilflosigkeit auch zu beobachten ist. Vor allem in der Reining auf hohem Niveau. Das Wort Futurity will ich lieber nicht mal aussprechen…..

Aber es ist wie bei allem: Methoden und Techniken können grundsätzlich einer gesunden Idee entspringen, was man damit anstellt steht auf einem anderen Papier.

LG
Angela
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Liebe Angela,
ich stimme Dir total zu!
Und natürlich sollen Pferde Erziehung geniessen! Nur kann Erziehung eben so oder so aussehen, und ich bin ganz klar für „so“ 😉
Liebe Grüße nach Spanien!
Babette

 

Von Claudia • 29. November 2010

Liebe Babette,

das ist ein ganz „heisses“ Thema finde ich. Viele der Techniken, die Du ansprichst, sieht man durchgängig und – was mir aufgefallen ist – oft bei jungen Leuten. Sie scheinen mir überzeugt zu sein, dass „richtige“ für ihr Pferd zu tun und lieben natürlich ihre Tiere. Oft sieht man auch, dass Dinge von Ausbildern kopiert werden und das oft auch falsch.
Es gab Zeiten da hab ich immer bewundert, dass manche Pferde so brav z.B. in der Mitte der Halle stehen bleiben während der Reiter weggeht. Meiner geht nach spätestens 50 Sekunden spazieren. Ich möchte damit nicht sagen dass die Leute alle ihren Tieren diese Übung aufgezwungen haben. Mir ist das bisher nie gelungen. Meisten kommt mein Wallach ganz freudig hinterhergedackelt… und guckt ganz neugierig (machst’n Du jetzt..? ) 🙂
Irgendwie ist mein Pferd sowieso ein Phänomen. Mit 4 ist er aus Polen über einen Händler gekommen und sollte beim Vorbesi an der Kutsche gehen. Irgendwann hat der das Interesse an ihm verloren und ein weiteres Pferd dazugekauft. Er stand den ganzen Tag in der Box, hatte X Reitbeteiligung und war der böse Bube. Er war giftig in der Box – da wurde auch mal mit der Peitsche reingeschlagen – und zum Putzen brauchte man Sicherheitsschuhe mit Stallkappen und einen gewissen Abstand… Als er weg sollte haben wir ihn übernommen. Trotz all der Erfahrungen hat er nie seine Schlitzohrigkeit und sein Interesse an der Umwelt verloren und blühte extrem schnell wieder auf. Er hat sicher einiges im Rucksack aber er hat nie den Spass am Leben verloren und vor allem nicht daran, mich an der Nase herumzuführen. Soll er doch durch die Halle spazieren.. 🙂

eine schöne Woche allen
LG Claudi
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🙂
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Nancy Franke • 30. November 2010

Hallo,
erst einmal ein großes Dankeschön an die vielen,kompetenten, tiefgründigen und ehrlichen Beiträge von Babette und Tania.

Ich meine, jedwede Technik, die wir seelenlos anwenden verhindert wirklichen Kontakt. Wir kommunizieren über Emotionen, ob es uns nun bewusst ist oder nicht. Und wenn ich aufmerksam hinspüre, im Kontakt gebe und nehme und ja, auch fordere und ablehne, eben lebendig im Augenblick bin, dann kann ich im Round Pen arbeiten oder auf der Wiese, ohne alles oder mit Kandare, mit Strick, Seil, Strohbändchen oder was auch immer. Weil ich die Fragen und Antworten meines Gegenübers wahrnehmen kann. Und je mehr ich lerne, desto mehr Wahlmöglichkeiten habe ich. Je weniger Angst ich habe, etwas „falsch“ zu machen, desto individueller und freier kann ich werden und muss mich nicht an einer Technik festhalten. Was bei einem Pferd das non plus ultra ist, kann bei einem anderen komplett kontraproduktiv sein. Ich bin jederzeit bereit, neue Wege zu gehen. Wenn’s für mich oder mein Gegenüber nicht passt, werde ich es merken, wenn ich denn zuhöre.
Herzliche Grüße
Nancy
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Danke für Deinen wunderschönen Kommentar Nancy!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Kristin • 9. März 2015

Judith..
Wie hast du das angestellt??ich hab das selbe Problem..
Lg

 

Von Dagmar Bruns • 5. April 2016

Hervorragend zusammengefasst! Dankesehr!

Ich habe viele Jahre damit gearbeitet, Reiter zum Thema „Gehirnwäsche bei Pferden“ aufzuklären. Ein immerwährendes Thema, da viele glauben, „endlich funktioniert mein Pferd“. Sie lassen sich von ihrer Angst treiben und merken gar nicht, dass die entsprechenden „Ausbilder“ oftmals mit ihnen genau das gleiche machen wie mit den Pferden.

 

Von Stephanie • 28. Juni 2017

Ein Schöner Artikel, der mir aus der Seele spricht. Und ich bin überzeugt davon, dass ich unser Pony vor genau so einer Situation bewahrt habe. Wir haben ihn in einer Reitschule kennen gelernt – und sofort erkannt, dass das kein Leben für ihn ist! Ein halbes Jahr war er dort, dann kam er glücklicherweise zu uns und darf jetzt ein übermütiges, albernes Pony sein und all seine kleinen Schrullen ausleben. Nix mit funktionieren, Hilfszügeln und allem, was es in einer Reitschule so gibt (selbst in einer guten mit netten Mitarbeitern … anders kann so ein herkömmlicher Betrieb wahrscheinlich nicht laufen).
Bei uns darf er auch mal sagen, wenn er keine Lust hat und dann versuchen wir eben ihn freundlich umzustimmen – und wenn er gar nicht mag, dann machen wir eben was anderes. Alles darf – nichts muss. Und wenn die gesetzten Ziele nicht nächste Woche sondern erst nächsten Monat erreicht werden – na und? Hauptsache, es macht Spaß und er ist glücklich dabei. Dann sind wir es auch!

 

Von J. Müller • 3. Juli 2017

Hallo Babette

Es ist wichtig das Reitervolk über Verhaltensanomalien beim Pferd zu informieren, da diesbezüglich noch eine grosse Unwissenheit vorhanden ist. Ich hätte noch ein zwei Ergänzungen zur erlernten Hilfslosigkeit. Diese Pferde halten sich vielfach auch abseits der Gruppe auf , es kehrt den Blick nach innen oder sondert sich ganz ab, das Ohrenspiel ist eingeschränkt, Reize wie zb das herannahen des Futterwagens wird nicht mehr wahrgenommen. Negative Ereignisse in der Vergangenheit zb frühes Absetzen von der Mutterstute, Unter/Überforderung im Training, sowie das ,
nicht ausleben können seiner Instinkte begünstigen über kurz oder Lang eine Verhaltensstörung.

 

Von Nicole • 6. Juli 2017

Ich habe mir nun alle Kommentare in Ruhe durchgelesen. Generell ist es schön, dass sich so viele Menschen mittlerweile Gedanken darüber machen, wie sie das Leben ihrer Pferde besser gestalten können. Eins verstehe ich aber nicht. Wieso wird denn bitte immer das „Horsemanship“ so angeprangert? Es gibt ja wohl überall schwarze Schafe und zu heftige Trainingsmethoden. Jeder Mensch hat die Eigenverantwortung, die Dinge und auch sich selbst zu hinterfragen und das in jeglichen Lern- und Arbeitssegmenten mit dem Partner Pferd, egal ob klassisch, Western usw. Ich habe bereits in vielen verschiedenen Lernmethoden schlechtes menschliches Verhalten gesehen, aber auch gefühlvolle Menschen im Umgang mit dem Pferd. Ich finde es ein bisschen schade, dass bestimmte Trainingsarten als generell schlecht dargestellt werden. Meines Erachtens stimmt das so nicht ganz. Es kommt ganz oft auf die Umsetzung eines jeden Einzelnen an, egal in welchem Trainingsbereich ich mich bewege.

 

Von Annett • 13. Mai 2018

Ein schöner Artikel.
Mein Pony und ich arbeiten seit 2 Jahren am gegenseitigem Vertrauen. Durch seine schlechten Erfahrungen bei den Vorbesitzern und den 5 Umzügen in den letzten 9 Jahren hat unsere Beziehung ziemlich gelitten. Bis vor ein paar Monaten bekam ich ihn nicht mal allein von der Koppel. Wenn er nicht möchte, machte er den Hals steif und rennt weg. Auf zu viel Druck reagiert er mit Anspringen und Steigen. Leider muss ich mir immer wieder anhören: der verarscht dich nur; den würde ich mal ordentlich mit der Gerte…; nimm mal ne Hengstkette….
Mit Spielchen auf der Koppel, Geduld und viel Zeit können wir heute erste kleine Spaziergänge machen. Er zeigt mir, dass er sich bei mir sicherer fühlt und ich reagiere viel gelassener auf brenzlige Situationen. Wenn ich davon erzähle oder jetzt schreibe, habe ich schon wieder Tränen in den Augen. Ob ich ihn jemals wieder reite, ist im Moment nicht wichtig. In erster Linie darf er auf unseren großen Sommerkoppeln in seiner Herde nur Pferd sein.

 

 

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