Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 10: Die Sache mit dem „Sie“

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ok, Monty hat natürlich recht, dass man sicher nicht aus allem ein Problem machen muss, aber es gibt Dinge, die wurmen einen doch so sehr, dass man sie nicht einfach ignorieren kann. Genau so ist es mit der Tatsache, dass Monty mich siezt. Ich finde das ziemlich schräg und irgendwie verunsichert es mich, nein, ehrlich gesagt kränkt es mich sogar.

Als Monty und ich nach der Reiteinheit am Tor zum Weidepaddock stehen, entscheide ich mich, das anzusprechen:

„Du Monty, … darf ich dich noch etwas fragen?“

„Selbstverständlich.“

„Warum siezt du mich eigentlich?“

Er schaut mich wieder nur an. Diesmal halte ich den Blick. Ich möchte eine Antwort, denn dieses Sie verunsichert mich doch sehr.

„Ach, wissen Sie“, sagt er dann „ich bevorzuge klare Verhältnisse auf der Arbeit.“

„Oh.“, sage ich, weil mir nichts anderes einfällt. Mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet.

„Ja, Sie wissen schon, es ist nicht ratsam, das Berufs- und das Privatleben allzu sehr zu vermischen, das schafft meist nur Probleme.“

„Ach so?“

„Duzen Sie denn Ihren Chef?“

„Äh, … nein.“

„Na, sehen Sie.“

„Aber, manche machen das durchaus, … dass sie ihren Chef duzen, meine ich, ist doch eigentlich auch ganz schön, … viel lockerer, vertrauter, aber … hm, … also gut“, stottere ich, nachdem ich seine unerschütterliche Miene sehe und frage beklommen: „Und …, also, dann sollte ich dich wohl auch besser siezen, oder?“

„Ach, nein, das ist nicht nötig. Wissen Sie, das war ja immer schon so, damit kann ich gut leben. Es kann einfach so bleiben, wie es ist.“

Monty wendet seinen Kopf in Richtung der anderen Pferde und tritt unruhig von einem Bein auf das andere.

„Ach, da bin ich aber sehr froh, weil das würde mir doch ziemlich schwer fallen, Monty.“, sage ich und schaue ihn liebevoll an. Doch mein Pferd starrt weiter zu den anderen Pferden und bekommt das gar nicht mit. Er macht einige Schritte nach rechts, dann nach links und wirkt immer angespannter.

„Du willst zu den anderen, richtig?“

„Ja, das wäre sehr freundlich.“, antwortet er.

„Na, dann.“ Ich öffne das Tor, er dreht den Kopf zu mir und ich nehme ihm das Halfter ab und sage: „Dann hab’ einen schönen Feierabend.“ Eigentlich meinte ich das als Scherz, aber Monty bedankt sich artig und trabt davon.

Mein Pferd sieht mich als Arbeitgeber und will mich nicht duzen …, das klingt irgendwie ziemlich verrückt, oder? Und, ehrlich gesagt, fühlt sich doof an. So bekommt die Tatsache, dass mein Pferd mit mir redet, ein bisschen so etwas wie einen schalen Nachgeschmack. Ich lasse es für diesen Moment gut sein, aber nehme mir vor, das bei Gelegenheit noch einmal anzusprechen. Da kann das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.

 

Fortsetzung folgt … 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

3. April 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 10: Die Sache mit dem „Sie“

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 9: Und Reiten ist doch ein Problem

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

So schön mein Spaziergang gestern mit Monty war, so habe ich mich aber letztlich damit nur um das Thema Reiten herumgedrückt. Es ist immer noch ein Problem für mich, wie ich feststellte, als ich nach Hause fuhr.

Das Einfachste wäre wohl, nicht mehr zu reiten. Aber diesen Gedanken finde ich richtig furchtbar. Gar nicht mehr zu reiten? Reiten ist einfach so schön und es gehört zu mir und ich wollte immer ein eigenes Pferd! Ich, ich, ich… Ich höre mich an, wie ein Kleinkind und fühle mich auch ein bisschen so, aber ich will das Reiten nicht aufgeben.

Monty hat gesagt, dass es ok ist, wenn ich ihn reite. Kann man sich denn mehr wünschen, als eine ausdrückliche Zustimmung von seinem eigenen Pferd? Eigentlich nicht, oder? Und doch bin ich so verdammt unsicher. Ich frage mich warum. Ich meine, ich mache die Sache doch halbwegs anständig: Ich habe Monty nie verdroschen, ich mute ihm keine scharfen Gebisse zu, keine Hilfszügel und ich reite nicht mit Sporen. Aber, klar, ich habe ihn schon so manches Mal ordentlich getrieben, wenn er nicht vorwärts ging oder an einer Sache im Gelände nicht vorbei wollte, weil mich das irgendwie wütend gemacht hatte. Und meine Hände sind arg unruhig im Galopp und seinen Trab kann ich eigentlich gar nicht aussitzen. Und im Umgang war ich oft auch ganz schön ungeduldig…

Aber ich könnte doch jetzt versuchen, einfach alles besser zu machen. Eigentlich habe ich die größte Chance überhaupt, denn ich kann mein Pferd jederzeit fragen, was es gut findet und was nicht. Ich muss nicht mehr raten. Ich kann fragen und er antwortet. Ich muss ihm nur noch glauben.

Und so nehme ich mir heute fest vor, dass wir eine kleine Runde in der Halle reiten. Ich wäre lieber ins Gelände gegangen, aber es schüttet wie aus Eimern.

„Hey Monty, was hältst du von einer kleinen Reiteinheit in der Halle?“, frage ich mein Pferd, als ich ihn vom Auslauf hole. Seltsam, wie flatterig meine Stimme klingt.

„In Ordnung.“, antwortet er.

„Muss nicht sein, wenn du nicht magst.“, sage ich schnell, denn so richtig überzeugend klang das ja nicht.

„Ist in Ordnung.“, wiederholt er und ich zwinge mich dazu, mich damit zufrieden zu geben und es nicht weiter zu interpretieren.

Beim Putzen merke ich, dass meine Knie wieder weicher werden. Mist. Ich hatte mir doch so fest vorgenommen, kein Problem daraus zu machen.

„Du, Monty, du sagst mir aber einfach, wenn du zu irgendwas keine Lust hast, ja?“

„Ok.“

„Das meine ich ganz ernst. Jetzt, da du reden kannst, kannst du jederzeit sagen, was du nicht möchtest. Ich will nichts tun, was du nicht willst.“

„Ok.“

Boah, er könnte es mir ja ein bisschen leichter machen.

„Ist alles gut mit dir?“, frage ich.

„Ja, alles in Ordnung.“

Es fühlt sich nicht so an, aber ich halte den Mund.

Ich sattele Monty und zäume ihn und wir gehen in die Halle. Ungefähr hundertmal muss ich mich zwingen, nicht wieder nachzufragen, ob es ok ist, dass ich ihn heute reite. Dabei vergesse ich ständig das Atmen und bin schon fertig, bevor ich auf dem Pferd sitze. Dann führe ich ihn an die Aufstieghilfe.

„Also, pass auf, ich stelle jetzt meinen Fuß in den Steigbügel.“, sage ich.

„Ok.“, sagt Monty.“

„Und jetzt steige ich auf, ja?“

„Ja.“

„So, nun sitze ich auf dir, ist das ok, Monty, oder bin ich zu schwer, sitze ich doof, soll ich was anders machen?“

„Sagen Sie mal, soll das jetzt so weitergehen?“

„Was genau, Monty? Ich kann auch wieder absteigen, wenn es dir nicht recht ist!“ Ich bin bestürzt.

„Na, diese endlose Fragerei.“

„Ich meine es doch nur gut. Ich will nichts falsch machen. Ich will, dass du einverstanden bist.“

„Das habe ich doch schon gesagt.“

Ich sage nichts, sondern kämpfe mit den Tränen. Monty steht ruhig und wartet.

„Ich kann das nicht, Monty.“

„Was können Sie nicht?“, fragt mein Pferd.

„Dich reiten.“

„Bisher konnten Sie das ganz gut.“

„Ja, und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil es irgendwie nicht richtig ist.“

„Mich zu reiten ist nicht richtig? Wen wollen Sie denn sonst reiten? Bisher war doch alles gut mit mir?“

Jetzt missversteht er mich auch noch! „Ach, Monty, mit dir ist alles bestens! Du bist ein supertolles Pferd und ich möchte kein anderes außer dir reiten. Aber, … ich kann dich doch jetzt nicht einfach herumkommandieren und dir sagen, was du machen sollst.“

„Naja, Sie müssen ja nicht kommandieren. Wissen Sie, eigentlich würde ich mich jetzt wirklich gerne bewegen. So herumzustehen ist etwas langweilig und mir schlafen die Hufe ein. Also, könnten wir vielleicht…?“

Ich muss lachen und bin meinem Pferd sehr dankbar für diesen Anstupser.

„Na klar, dir schlafen die Hufe ein, wo du ja sonst auch niiieee einfach so herumstehst, nicht wahr? Also gut.“, sage ich und ich gebe reflexartig die Hilfe zum Antreten.

„Na also, geht doch.“ sagt Monty fröhlich und tritt an. Die ersten Schritte sind gemacht: Ich reite mein nun sprechendes Pferd.

Fortsetzung: Kapitel 10

 

Monty - Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

24. März 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 9: Und Reiten ist doch ein Problem

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 8: Und wie ist das mit dem Reiten?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich habe verstanden, dass mein Pferd der Ansicht ist, dass ich Probleme mache, wo gar keine sind. Aber schon im nächsten Moment merke ich, dass gleich das nächste Problem lauert. Eigentlich würde ich zu gerne mal wieder reiten, aber gerade in Bezug darauf kann ich doch unmöglich die Tatsache ignorieren, dass Monty spricht. Ich fühle mich geradezu verpflichtet, ihn zu fragen, ob es überhaupt okay ist, wenn ich ihn reite.

Also geht das Gespräch weiter.

„Monty, ich weiß, du hast gerade gesagt, dass ich nicht aus allem ein Problem machen soll. Aber wie ist es denn zum Beispiel mit dem Reiten … ich würde heute eigentlich am liebsten genau das tun, aber ist das denn okay für dich? Ich meine, ich habe nie zuvor mal nachgefragt, ob du mich denn wirklich tragen möchtest … “, sage ich leise und fürchte mich vor der Antwort.

„Selbstverständlich.“ sagt Monty.

„Einfach so?“ Ich schaue auf.

„Na, wie sonst?“

Tja, darauf habe ich keine Antwort, aber ich fühle mich komplett und vollständig gehemmt.

„Pass auf, wir gehen heute ein bisschen spazieren, was hältst du davon?“, schlage ich vor.

„Ich dachte, Sie wollten reiten?“

„Schon, aber es ist wirklich nicht so einfach.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Na, ich bin mir halt nicht sicher, ob es wirklich ok für dich ist, geritten zu werden und das gibt mir ein blödes Gefühl.“

Er schaut mich verständnislos an. „Sie sind ganz schön kompliziert.“

„Da magst du wohl recht haben …“ Ich seufze.

„Sie reiten mich, solange wir uns kennen. Warum bereitet Ihnen das jetzt ein Problem?“

„Na, weil du sprechen kannst und ich das Gefühl habe, dich fragen zu müssen.“

„Sie haben mich gefragt und ich habe geantwortet.“

„Ja, ich weiß. Aber, ach …, gehen wir heute lieber spazieren. Zum Eingewöhnen, ok?“

„Wie Sie wünschen.“

Ich beiße mir auf die Zunge, um nicht zu fragen, ob er denn dazu überhaupt Lust hat. Mach kein Problem daraus, zische ich mir selbst zu, mach kein Problem daraus.

Unschlüssig halte ich das Halfter hoch.

„Ich, äh …, ich glaube, wir müssten, … schon wegen der Versicherung und so …“

„Selbstverständlich.“, sagt Monty und hält mir seinen Kopf hin. Ich streife das Halfter über seine Ohren, schließe den seitlichen Karabiner, nehme den Strick in die Hand und wir gehen zum Tor hinaus.

Wir laufen am Feld entlang Richtung Wald. Es ist wundervolles Wetter heute: blauer Himmel, die Sonne scheint, Vögel zwitschern und es sind keine Bremsen mehr unterwegs – ein perfekter Tag.

In diesem Moment scheint es tatsächlich gar kein Problem zu geben. Ich gehe mit meinem Pferd an einem traumhaft schönen Tag im Wald spazieren. Mein Pferd kann sprechen und eigentlich ist das doch einfach nur toll. Vielleicht hat Monty wirklich recht damit, dass ich ein Problem mache, wo gar keines ist.

Aber jetzt reite ich ja auch nicht, denke ich und zweifele schon wieder. Mal sehen wie ich mich fühle, wenn ich das nächste Mal tatsächlich aufsteigen werde … Und sofort schießt mir wieder dieses mulmige Gefühl in die Knie. Herrje, wird es je wieder „normal“ sein? Aber was ist denn eigentlich normal? Sich keine Gedanken darüber zu machen, was das eigene Pferd eigentlich möchte und was nicht? So traurig es ist, aber das war bisher tatsächlich in vielen Bereichen normal für mich.

Schluss jetzt, sage ich zu mir und beschließe, wenigstens für diesen Moment mit dem Grübeln aufzuhören und unseren Spaziergang zu genießen. Jetzt, in diesem Augenblick, ist alles gut. Monty schnaubt fröhlich neben mir ab.

„Möchtest du vielleicht einen Keks, Monty?“

„Einen von denen, die so schön knuspern?“

„Ja, hab ich dabei.“

„Sehr gern.“

Ich reiche ihm den Keks und wir beenden unsere Runde.

Fortsetzung: Kapitel 9

 

Ich bin's, Ihr Pferd – Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

10. März 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 8: Und wie ist das mit dem Reiten?

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 7: Wo ist das Problem?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

In den nächsten zwei Wochen fuhr ich nur wenige Male zu Monty und war dann auch immer nur kurz da. Ich brachte ihm etwas zu fressen, wechselte einige Worte mit ihm, erzählte etwas von wegen „Zu viel zu tun … “ und „Richtig viel Stress auf der Arbeit … “ und war dann schnell wieder weg.

Doch natürlich kann ich meinem Pferd nicht ewig ausweichen. Es wird Zeit, dass ich mich auf das Neue einlasse. Heute bin ich mit der festen Absicht zum Stall gefahren, Monty zumindest von der Weide zu holen und irgendetwas mit ihm zu machen. Aber nun, wo ich mit dem Halfter in der Hand vor dem Stallgebäude stehe und hoch zur Weide laufen will, werde ich wieder immer unsicherer und unsicherer. Ich habe keine Idee, wie ich mich nun verhalten soll, denn die Tatsache, dass mein Pferd jetzt spricht, hat tatsächlich alles verändert.

Klingt dramatisch und ist es auch. Wie herrlich naiv war ich doch, bevor Monty zu reden begann, wie köstlich unwissend. Denn jetzt ist einfach nichts mehr wie zuvor: Kann ich jemanden, der sprechen kann, einfach beim Fressen stören, zur Halle führen, einen Sattel auflegen, mich drauf setzen und ihn für mich im Kreis rennen lassen? Kann ich mehr Tempo verlangen oder anzuhalten? Kann ich jemanden, der sprechen kann, einfach irgendwo wegziehen oder hindrücken? Kann ich ihn einfach so putzen oder den Schweif waschen? Ich stelle plötzlich alles in Frage.

Nun geht nichts mehr so, wie ich es gewohnt war, und die Erkenntnis, dass alles, was mir vorher vollkommen normal erschien, durch ein kleines Detail überhaupt nicht mehr selbstverständlich ist, macht mich sehr nachdenklich. Eins weiß ich jetzt schon: Wenn das eigene Pferd zu sprechen beginnt, überdenkt man alles neu, den Umgang mit dem Pferd, das eigene Verhalten gegenüber dem Pferd, die Ansprüche an das Pferd, ja sogar, was man ganz heimlich für sich denkt – also einfach alles. Und, Himmel, das macht die Sache wirklich anstrengend. Ganz ehrlich, im Moment denke ich, dass ein Fahrrad durchaus seine Vorteile hat …

Ich entscheide, am besten das zu tun, was sich geradezu anbietet, wenn das eigene Pferd sprechen kann: Ich werde mit ihm darüber reden.

Als ich zur Weide komme, steht Monty etwas abseits der anderen und döst.

„Hallo Monty“, begrüße ich ihn.

„Ah, da sind Sie ja mal wieder.“

„Ja …“, druckse ich herum.

Er schaut mich an und wartet.

„Also, Monty, … ich weiß nicht so recht, wo ich beginnen soll. Mit der Tatsache, dass du reden kannst, ist plötzlich alles anders.“

„Oh. Was genau meinen Sie mit ‚alles anders‘?“

„Na, einfach alles! Vielleicht kannst du dir das nicht vorstellen, aber ich bin schrecklich verwirrt und verunsichert. Ich weiß nicht mehr, was ich jetzt noch tun kann mit dir und was nicht, eigentlich weiß ich gar nichts mehr!“ Ich bin viel lauter geworden, als ich es vorhatte.

Mein Pferd lehnt sich etwas zurück, die Augen geweitet.

„Sorry, ich wollte nicht laut werden, ich bin nur echt verzweifelt. Früher bin ich einfach hergekommen und hab’ dich von der Weide geholt, hab’ dich geputzt und gesattelt, bin dich geritten und hab’ dich wieder zurückgebracht.“

„Und warum machen Sie genau das jetzt nicht auch?“

„Wie denn, Monty? Wie soll ich dir jetzt einfach das Halfter überstreifen und dich irgendwo hinführen?“

„Na, einfach so wie immer.“

„Nein, das geht doch nicht! Nicht mal das geht. Eigentlich geht gar nichts mehr, denn ich kann nichts mehr entscheiden oder tun, ohne dass ich das Gefühl habe, dich fragen zu müssen.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Na, … ich muss dich fragen, weil du jetzt sprichst, weil du antworten kannst.“

Er schaut mich an.

„Und damit ist alles anders.“, seufze ich und sacke in mich zusammen.

Er schaut mich weiter mit leerem Blick an.

„Es tut mir leid, aber ich verstehe wirklich nicht, worauf Sie hinauswollen. Ich bin nach wie vor ein Pferd und zwar Ihr Pferd. Damit stehe ich Ihnen zur Verfügung. Sie können alles genau so machen wie bisher. Ich wüsste nicht, warum wir irgendetwas ändern sollen.“

Ich atme schwer aus, lege den Kopf in den Nacken und starre in den Himmel. Wie kann ich mich nur verständlich machen? Wie kann ich den Zwiespalt beschreiben, in dem ich mich befinde? Von der Grundsache her finde ich es eben nicht richtig, ein anderes Wesen zu benutzen, aber genau das habe ich natürlich immer gemacht, weil, wenn es nicht spricht, es einfacher ist, weil man das als Mensch ignorieren kann, was natürlich irgendwie auch verlogen ist. Aber nur so funktioniert es doch, oder? Und ich habe immer versucht, im Sinne meines Pferdes zu handeln, wirklich! Aber ich habe mich auch mal durchgesetzt und bin sicher oft über seine Bedürfnisse hinweggegangen, wie wahrscheinlich doch jeder, oder? Aber jetzt weiß ich nicht, wie ich weitermachen soll.

Und wie kann ich ihm nun mein Problem erklären, wo er offenbar keines sieht?

„Entschuldigen Sie, hätten Sie vielleicht einen dieser leckeren Kekse für mich?“, fragt Monty.

Da muss ich lachen. Ich hole ein Leckerli aus der Tasche und gebe es ihm.

Tja, denke ich, vielleicht bin tatsächlich nur ich das Problem. Vielleicht sollte ich, so wie er es sagt, wirklich einfach das machen, was ich immer gemacht habe. Ob das geht?

Fortsetzung: Kapitel 8

 

Monty Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

25. Februar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 7: Wo ist das Problem?

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 6: Ich glaub, ich pack das nicht!

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Am nächsten Morgen war ich schon früh auf dem Weg zum Stall. Ich hatte ziemlich schlecht geschlafen in dieser Nacht, und war viel früher als sonst aufgestanden, denn ich konnte es kaum erwarten, zu Monty zu fahren.

Entweder wäre heute wieder alles normal, dann musste ich damit leben, dass meine Phantasie doch manchmal ein bisschen zu lebhaft wurde (in diesem Fall würde der Punkt „Therapeuten suchen“ ganz nach oben auf meine Checkliste kommen) oder ich würde meinem sprechenden Pferd all die Fragen stellen können, die mir auf der Seele brannten (und das waren viele, ich würde in diesem Fall eine lange Liste erstellen). Wie auch immer, ich musste wissen, woran ich nun tatsächlich war.

Als ich zum Auslauf an der Weide kam, lagen fast alle Pferde und dösten in der Morgensonne, so auch Monty. Ich öffnete leise das Tor und ging langsam und vorsichtig zu der Herde.

Da keiner von ihnen durch mich beunruhigt erschien, näherte ich mich Monty, der in Brustlage mit geschlossenen Augen dalag.

„Hi, Monty.“, flüsterte ich. Er reagierte nicht, so, als hätte er mich gar nicht wahrgenommen. Puh, also doch kein sprechendes Pferd, dachte ich und wusste nicht, ob ich nun erleichtert oder traurig war. Ich setzte mich selbst in den Sand.

„Na, Sie sind aber früh dran heute.“, sagte mein Pferd nach einer Weile, ohne die Augen zu öffnen.

Er spricht also doch, dachte ich und wusste wieder nicht, was das in mir auslöste: Schreck oder Freude?

„Ach …, ja, ich konnte schlecht schlafen.“

„Das tut mir leid.“

„Ich bin halt so durcheinander, weil du jetzt sprichst und ich war mir nicht sicher, ob es wirklich so ist oder ich mir das nur eingebildet hatte, und nun wollte ich herkommen, um, … naja, herauszufinden, ob du wirklich sprichst.“

Dazu sagte Monty nichts. Er döste einfach weiter. In diesem Moment wirkte wieder alles genau wie immer, so dass ich mich fragte, ob das Ganze nicht doch einfach nur in meinem Kopf stattfand. Immerhin wäre das doch deutlich wahrscheinlicher, wenn auch nicht beruhigender.

Dann gähnte Monty herzhaft und stand mit einem „Na, dann wollen wir mal.“ auf.

„Oh, du hättest doch ruhig liegen bleiben können.“, rief ich und rappelte mich selbst hoch.

„Die Arbeit ruft.“, sagte er. „Stört es Sie, wenn ich noch kurz…“ Er schaute zur Tränke.

„Nein, nein, natürlich nicht, geh trinken, Monty!“, Es war mir höchst unangenehm, dass mich mein Pferd um Erlaubnis fragte, trinken zu gehen, und ich dachte daran, wie oft ich ihn einfach so von der Weide geführt hatte, ohne zu prüfen, ob er vielleicht Durst hatte. Ich schämte mich.

Und als ich ihn da so zur Tränke laufen sah und vielleicht zum ersten Mal wirklich begriff, dass mein Pferd nun sprach, klopfte mir das Herz bis zum Hals. Ich bekam regelrecht Panik, als er wieder auf mich zu trottete. Das alles wuchs mir über den Kopf.

„Weißt du, Monty“, sagte ich und lachte auf eine befremdlich künstliche Art viel zu laut „eigentlich hatte ich heute nur ganz kurz vorbeischauen wollen. Also, keine Arbeit, du hast frei. Kannst dich wieder hinlegen und weiterschlafen. Äh … – möchtest du ein Leckerli?“ Ich hielt es ihm unmittelbar unters Maul, worauf er es reflexartig nahm. „Gut,  … also dann, … hab einen schönen Tag.“, stammelte ich, drehte mich um und konnte mich gerade noch davon abhalten zu rennen. Aber ich verschwand sehr schnellen Schrittes.

Als ich wieder im Auto saß, versuchte ich, meine Atmung zu beruhigen. Mir standen Schweißperlen auf der Stirn und ich zitterte. Das Ganze machte mir große Angst.

Würde ich damit umgehen können, ein sprechendes Pferd zu haben? Ich wusste es wirklich nicht.

Fortsetzung: Kapitel 7

Ich bin's, Ihr Pferd – Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

19. Februar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 6: Ich glaub, ich pack das nicht!

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 5: Und was mache ich jetzt?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich weiß noch genau, wie ich an diesem Tag, an dem Monty das erste Mal mit mir gesprochen hatte, sehr verwirrt von der Weide zurück zum Stall lief. Ich versuchte, zu verstehen, was da eigentlich gerade geschehen war: Mein Pferd hatte gesprochen. Ich hatte ein sprechendes Pferd. Ein ausgesprochen höfliches, sprechendes Pferd. Es siezte mich sogar.

Es gab keinen Zweifel, ich musste vollkommen verrückt geworden sein.

Und was soll ich jetzt machen, fragte ich mich. Tja, was macht man, wenn man durchdreht? Ich für meinen Teil packte Montys Sachen weg, nahm meine Jacke, schloss die Sattelkammer ab und setzte mich in mein Auto.

„Ich habe mir das schlicht und einfach eingebildet.“, sagte ich zu meinem Lenkrad. Das antwortete Gottseidank nicht, sonst hätte ich wahrscheinlich einen Schreikrampf bekommen. Ich klappte die Sonnenblende herunter und schaute in den Spiegel. „Mädel, du machst mir Sorgen.“, sagte ich dieses Mal zu mir selbst und zuckte mit den Schultern. Dann startete ich den Motor und fuhr nach Hause.

Tage, an denen sich plötzlich das Leben ändert, zeichnet meist vor allem eines aus: Sie sind endlos lang. Ich konnte mich an diesem Tag auf nichts mehr konzentrieren. Was ich auch anfing, meine Gedanken kreisten um mein sprechendes Pferd und um meinen Geisteszustand. Am liebsten wäre ich noch einmal zu Monty gefahren, um mich zu überzeugen, dass er – natürlich! – nicht sprach, aber ganz ehrlich? Ich traute mich nicht.

Genauso wenig traute ich mich, irgendjemandem davon zu erzählen. So etwas kann man einfach niemandem sagen, nicht einmal seiner besten Freundin. Die hätte ich zu gerne angerufen. Anne hat auch Pferde und wir haben schon vieles in Sachen Pferd zusammen erlebt und durchgemacht. Aber selbst sie würde wahrscheinlich an meinen Verstand zweifeln oder es für eine esoterische Spinnerei halten und nicht für eine reale Tatsache. Dass wir alle mal das Gefühl haben, eine Art „Botschaft“ von unserem Pferden zu bekommen oder hin und wieder auch mal ihre Gedanken lesen zu können, das schien mir ja noch normal (ich hatte mir das jedenfalls vorher durchaus mal eingebildet), aber dass ein Pferd wirklich spricht?   So richtig mit Worten und laut und deutlich? Das gibt’s doch nur in Büchern und Filmen.

Nun aber hatte meines gesprochen – und war das nicht eigentlich einfach großartig?

Wie oft hatte ich mir gewünscht, Monty besser zu verstehen! So wäre es zum Beispiel im Falle von Krankheiten doch ausgesprochen hilfreich, wenn ein Pferd sagen könnte, wie es ihm geht oder worin genau seine Beschwerden bestehen. Häufig hätte ich gerne wissen wollen, was ihm Sorgen bereitet hatte, wenn er mal wieder auf einem Ausritt aufgeregt auf der Stelle tänzelte oder partout nicht an einem Ort vorbeigehen wollte, an dem ich nichts Ungewöhnliches entdecken konnte. Ich hätte auch gerne gewusst, was er beim letzten Umzug in den neuen Stall gedacht hatte und vieles, vieles mehr.

Jetzt würde ich ihn das alles fragen können! Ich würde nicht mehr raten, interpretieren und spekulieren müssen, sondern er könnte mir sagen, was er braucht und was nicht, was er mag und was nicht – war das nicht genial? Wir könnten uns beim Reiten viel leichter über die nächsten Lektionen austauschen. Ich könnte einfach sagen, was ich will, weil er mich ja verstehen kann. Wow, alles würde jetzt so viel einfacher werden! Und nun würden wir ganz sicher auch die Beziehung bekommen, die ich mir immer für uns gewünscht hatte: Echte Freunde würden wir werden, die über alles einfach alles reden können.

In diesem Moment war ich sehr glücklich.

Als ich allerdings abends im Bett noch einmal über Monty nachdachte, sank meine Stimmung wieder. Monty war in seinem ganzen Wesen kein besonders anhängliches oder zugängliches Pferd, sondern immer etwas distanziert. Ich hatte nie das Gefühl, dass mein Pferd mich liebte, so wie ich es bei Hunden oft sah, die ihre Besitzer schon manchmal zu vergöttern schienen. Klar, ein Pferd war kein Hund, aber ein bisschen wollte doch jeder von seinem Pferd geliebt werden, oder?

Nun würde ich herausfinden können, was Monty wirklich über mich denkt – und das war, wenn man mal wirklich so darüber nachdachte, eine ganz schön gruselige Vorstellung! Ich meine, wir kamen ja gut miteinander aus, aber würde das jetzt, da mein Pferd seine Stimme gefunden hatte und seine Meinung äußern konnte, noch reichen? Ich fragte mich, wie mich Monty wohl ehrlich erlebte. War ich in seinen Augen eine gute Besitzerin? Die Aussicht, auf solche Fragen nun tatsächlich Antworten zu bekommen, machte mir furchtbare Angst.

Es war schon sehr spät, als ich irgendwann endlich einschlief.

–>Fortsetzung: Kapitel 6

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

11. Februar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 5: Und was mache ich jetzt?

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 4: Eine erste Unterhaltung mit meinem Pferd

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Da standen wir, mein Pferd und ich, in der Mitte der Reithalle und ich versuchte zu begreifen, was gerade geschah. Ich war natürlich noch nie zuvor in der Situation gewesen, dass ein Pferd mit mir gesprochen hatte, nicht meines oder irgendein anderes, und hatte deshalb keine Ahnung, was man in diesem Fall tut. Also fragte ich: „Und jetzt?“

„Ach, wenn es Ihnen nichts ausmacht, wäre es schön, wenn Sie bitte erst einmal das Mundstück entfernen könnten.“, sagte Monty und öffnete sein Maul, streckte seine Zunge heraus und schob das doppelt gebrochene Gebiss hin und her, wie um mir zu zeigen, was er meinte.

„Klar, natürlich, tut mir leid.“, sagte ich und öffnete hastig den Kehlriemen des Zaums, fasste ihn am Genickstück und striff ihn zusammen mit den Zügeln über Montys Ohren. Er gähnte herzhaft und sagte dann er mit einer deutlich klareren Stimme: „Danke, das ist besser, es spricht sich doch etwas leichter, ohne ein Metallstück auf der Zunge zu haben.“

Ich schaute ziemlich verlegen auf den Zaum in meiner Hand und wusste nichts zu sagen.

„Na, machen Sie sich mal keine Sorgen, es ist schon ok mit dem Gebiss. Ich meine, Sie ziehen ja nicht doll daran. Nur für ein Gespräch ist es einfach netter ohne, was Sie sicher nachvollziehen können.“

„Ja, natürlich.“, sagte ich.

Und dann standen wir wieder so da, ohne dass ich einen Plan hatte, wie es nun weitergehen sollte.

„Vielleicht … sollte ich auch den Sattel? Ich meine, … es ist vielleicht auch angenehmer, sich ohne Sattel zu unterhalten?“

„Ach ja, wenn Sie vielleicht so freundlich wären, gerne.“

Ich öffnete den Sattelgurt, ging um Monty herum, legte den Gurt auf der anderen Seite auf die Sitzfläche des Sattels und hob den Sattel von seinem Rücken. Monty streckte den Kopf nach vorne und schüttelte sich, während ich mit dem Sattel im Arm unschlüssig herumstand.

„Ähm, … macht es Ihnen etwas aus, wenn ich vielleicht kurz …, Sie wissen schon, es juckt immer so, da ist es schön, sich ein bisschen in den Sand zu legen.“

„Klar, kein Problem, mach nur, Monty.“, sagte ich zu meinem Pferd, der bereits nach der bestmöglichen Wälzstelle zu suchen begonnen hatte.

„Ich häng den Sattel dann einfach mal auf die Bande.“, sagte ich mehr zu mir als zu ihm. Ich hatte das dringende Bedürfnis, meine Stimme zu hören, wie, um zu überprüfen, dass ich wach war und dass das alles hier gerade wirklich passierte.

Wie immer brauchte Monty sehr lange, um sich zu entscheiden, wohin er sich legen wollte. Ich hörte, wie er vor sich hin murmelte: „Hier sieht es gut aus, … nein, Moment, nein, doch nicht …, aber hier, ja, hier …, ach nein, halt, dort drüben, ja, das sieht besser aus, aber diese Stelle dort könnte noch besser sein …, Moment, da hinten ist es ganz sicher optimal … oder vielleicht doch lieber dort …“

Ich lief rot an bei dem Gedanken, wie oft ich ihn dafür angemault hatte, dass er doch ein bisschen schneller machen solle, weil ich nicht ewig Zeit hätte und dass doch jede Stelle gleich sei. Jetzt hielt ich meinen Mund und wartete geduldig.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich ein: „Hier!“, und mein Pferd ließ sich geräuschvoll in den Hallensand fallen. Mit unfassbar vielen „Ohhhhs“ und „Ahhhs“ und „Hmmmms“ wälzte er sich von links nach rechts und von rechts nach links, rieb seinen Hals im Sand und drehte sich erneut auf die andere Seite. Ich wurde nochmal rot und schaute zur Hallentür hinaus, ob jemand vielleicht durch die Geräusche kommen würde, um zu gucken, was hier los ist, aber offenbar waren wir noch immer allein im Stall.

Dann sprang Monty auf, streckte den Hals erneut und schüttelte sich wieder. Der Staub sah im Licht, das von außen durch das Dach hereinschien, wie Nebel aus. Er hustete.

„Ist ganz schön staubig hier drin, was?“, fragte ich schuldbewusst. „Vielleicht hätte ich doch besser noch sprengen sollen.“

„Ach, machen Sie sich keine Sorgen, das geht schon. Ist ja meistens so staubig, das bin ich gewöhnt.“, sagte er und das bewirkte nicht gerade, dass ich mich besser fühlte. „Gut war das, sehr gut.“ Monty knüllte zufrieden die Augen.

Wieder stand ich unschlüssig da. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal so unsicher in meinem Leben gewesen zu sein. Monty schaute demonstrativ zur Tür.

„Also, ähm“, sagte er „wir könnten dann …“

„Ach ja, klar, dein Futter.“, sagte ich und wollte ihm den Zaum anlegen, um ihn zum Futterplatz zu führen. Aber dann hielt ich inne. Ich konnte ihn doch nicht einfach so den Zaum wieder anziehen, oder?

Er bemerkte mein Zögern.

„Ach, eigentlich ist der nicht nötig, wissen Sie, ich kenne ja den Weg.“

„Klar. Tut mir leid.“, stammelte ich, nahm den Sattel von der Bande und öffnete die Hallentür. Ich schaute Monty fragend an.

„Nach Ihnen.“, sagte er und ich ging voraus die Stallgasse entlang zum Putzplatz. Monty folgte mir. Ich brachte den Sattel weg und holte die Futterschüssel.

„Soll ich, äh, sie einfach hier hinstellen?“

„Ja, gerne. Dankeschön.“, sagte mein Pferd und begann zu fressen.

Und wieder stand ich etwas hilflos herum. Normalerweise hatte ich, während Monty fraß, immer seine Hufe ausgekratzt und war mit der Wurzelbürste über sein Fell gegangen. Das konnte ich doch jetzt nicht einfach auch so machen, oder? Plötzlich schien es mir unhöflich, ihn beim Fressen zu stören, darüber hatte ich nie zuvor nachgedacht. Ich wartete, bis er fertig war, was deutlich schneller ging als seine Suche nach dem richtigen Platz zum Wälzen.

Dann fragte ich: „Die Hufe? Also, ich meine, ich würde gerne die Hufe, äh … , auskratzen.“

„Selbstverständlich.“, sagte mein Pferd und ich kratzte seine Hufe aus.

„Vielleicht noch ein bisschen abbürsten?“, fragte ich ihn.

„Ach, das muss gar nicht sein.“, sagte er.

„Ok, klar, dann also zur Weide?“

„Ja, gerne.“

Ich griff nach dem Halfter und zögerte.

„Ok, ich verstehe, dass du auch so mitkommen würdest, aber die anderen, … weißt du, ich weiß nicht, was die sagen, wenn du so ganz frei …, ach, ich bin verwirrt, … alles ist so seltsam gerade.“

„Kein Problem, nutzen Sie ruhig das Halfter.“, sagte er und hielt mir den Kopf hin. Ich halfterte ihn auf und kam mir vollkommen idiotisch dabei vor, mein nun sprechendes Pferd am Strick zur Weide zu führen.

Als ich das Weidetor geöffnet hatte und wir hindurchgegangen waren, drehte er sich zu mir und ich zog das Halfter wieder ab.

„Hätten Sie vielleicht noch einen dieser leckeren Kekse, die so schön knuspern, für mich?“, fragte mein Pferd.

„Klar, … Moment …“, sagte ich und wühlte in meiner Jackentasche. Ich reichte ihm ein Leckerli und er nahm es mit seinen Lippen und zerkaute es geräuschvoll.

„Na, dann Tschüss, Monty.“, sagte ich, doch er hatte sich schon umgedreht und trabte los zu den anderen Pferden.

Er hat sich gar nicht von mir verabschiedet, dachte ich und irgendwie gab mir das einen Stich.

—> Fortsetzung: Kapitel 5

Monty - Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

6. Februar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 4: Eine erste Unterhaltung mit meinem Pferd

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 3: Und plötzlich spricht mein Pferd

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich also in der Reithalle den Satz hörte, der mein Leben verändern sollte:„Ich bin’s, Ihr Pferd.“

„Mein Pferd.“, wiederholte ich ziemlich blöde.

„Ähm …, ja, Sie wissen schon, der große Braune, auf dem Sie gerade sitzen?“, kam die Antwort von unten.

Für einen Moment wusste ich weder, was ich sagen, noch, was ich tun sollte. Ich hatte mal einen Meditationsworkshop gebucht. Man sollte seinen Geist leeren, hieß es da, und daran war ich kläglich gescheitert. Jetzt hatte ich den leersten Geist auf diesem Planeten, da war ich mir sicher. Und weil das so war, tat ich das, was ich als Reiterin immer tue, wenn ich nicht weiterweiß: Ich stieg ab.

Als ich neben Monty stand und ihn anschaute, wirkte er wie immer. Er guckte mich mehr oder weniger interessiert an, normalerweise bekam er ein Leckerli von mir, wenn wir fertig waren, was ich jetzt aber komplett vergaß.

„Du hast jetzt nicht gerade mit mir geredet, oder?“, fragte ich mein Pferd und kam mir ziemlich albern dabei vor.

Monty schaute mich weiter an.

Ich atmete aus. Was einem der eigene Verstand doch so für Streiche spielen konnte. Sie war mir so real vorgekommen, diese Stimme, so als wäre das wirklich geschehen. Ich zog die Steigbügel hoch und löste den Gurt. Monty seufzte hörbar, was mich wieder stutzen ließ. Ein Seufzen? Ich meine, so ein richtig hörbares Seufzen? Seit wann seufzen Pferde so?

Ich trat nach vorn zu meinem Pferd und schaute ihm in die Augen, na ja, mehr abwechselnd in je eines der Augen, denn in beide gleichzeitig zu schauen, ist ja nicht wirklich möglich.

„Du hast tatsächlich mit mir gesprochen, stimmt’s?“

Er schaute mich weiter an.

„Komm schon, Monty, sag es mir, ich werde damit klarkommen.“

Darauf schloss mein Pferd die Augen, atmete hörbar ein, öffnete die Augen wieder und sagte: „Also gut: Ja, das war ich.“

Meine Knie wurden weich und für einen Moment dachte ich, ich falle einfach um. Montys Augen wurden groß, er schien sich Sorgen zu machen. Ich beugte mich nach vorn, stemmte meine Arme auf meine Oberschenkel, um mich zu stützen, und atmete einige Male tief ein und aus.

„Also, das muss ich erstmal verdauen. Ich höre mein Pferd sprechen. Einfach so spricht mein Pferd. Das ist doch verrückt! Nein, … ICH bin verrückt geworden!“

Dann schaute ich zu Monty hoch: „Bin ich verrückt?“

„Ich würde sagen, nicht mehr als sonst.“ antwortete mein Pferd.

Ich richtete mich empört auf und sah Monty breit grinsen – wer hätte gedacht, dass Pferde grinsen können? Da musste ich selbst lachen.

„Ganz schön frech, Monty!“

„Entschuldigen Sie, aber der war einfach zu gut.“, sagte er und hatte irgendwie recht.

Fortsetzung: Kapitel 4 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

28. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 3: Und plötzlich spricht mein Pferd

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 2: Wer ich bin und wie ich zu Monty kam

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Bevor ich weiter von dem Tag berichte, der mein Leben veränderte, sollte ich mich vielleicht erst einmal vorstellen: Ich heiße Isa Dost, bin 31 Jahre alt und lebe in Hamburg. Ich bin Hotelfachangestellte, liebe Instagram und Serien auf Netflix und kämpfe ständig ein bisschen gegen zu viel Gewicht. Zur Zeit bin ich Single und finde das gar nicht schlimm. Ach ja, und natürlich bin ich pferdebegeistert und das seit meiner Kindheit.

Seit gut einem Jahr gehört Monty zu mir, ein zwölfjähriger Hannoveraner-Wallach, mit dem ich mir meinen allergrößten Herzenswunsch erfüllt habe: ein eigenes Pferd.

Ich habe Monty in der Reitschule kennen gelernt, in der ich einmal die Woche zum Unterricht ging. Ein sehr braves Pferd, zwar riesig groß und steif wie ein Brett, aber er machte es mir immer leicht, weil er artig alles tat, was ich von ihm wollte und nicht scheute oder bockte. Den meisten war Monty zu langweilig und in den Gängen zu hart, aber ich schätzte gerade das Berechenbare an ihm und fragte oft, ob ich nicht wieder ihn für die Reitstunde bekommen könnte.

Dazu muss ich sagen, dass ich leider nie eine Heldin in Sachen Pferde war. Ja, als Kind war ich noch etwas unerschrockener gewesen. Ich hatte mit acht Jahren meinen ersten Reitunterricht  in einem Stall bekommen, zu dem ich selbst mit dem Rad fahren konnte und war dann fast täglich dort. Damals flog ich so oft von den Ponys, dass ich zu zählen aufgehört hatte, und stieg auch nach dem dritten Mal tapfer wieder auf. Je älter ich   dann aber wurde, desto mehr wusste ich brave und verlässliche Pferde zu schätzen. Die Hibbelköpfe überließ ich immer öfter gerne den anderen.

Einige Wochen vor meinem 30. Geburtstag geriet ich in eine ziemliche Sinnkrise, wohl etwas, das viele in diesem Alter erleben, diese Zahl hat ja auch irgendwie etwas Einschneidendes, oder nicht? Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass mir mein Leben durch die Finger rinnt. Als Jugendliche hatte ich von so vielem geträumt, aber nichts davon hatte ich je umgesetzt. So war ein eigenes Pferd schon immer mein großer Wunsch gewesen. Aber immer hatte es Gründe dagegen gegeben – zu jung, kein Geld, zu unsichere Lebensumstände, was, wenn ich Kinder bekommen würde oder ins Ausland würde gehen wollen und so weiter. An diesem Abend betrank ich mich fürchterlich und versprach mir, bevor ich ins Bett fiel, dass ich mir zum 30. Geburtstag ein Pferd schenken würde.

Wahrscheinlich hätte ich im Normalfall mein Versprechen schon am nächsten Morgen wieder vergessen, wenn ich da nicht auf dem Sofatisch diesen zerknitterten Zettel mit einem vollkommen krakeligen „Ich will ein Pferd“ darauf gefunden hätte. Mir brummte der Schädel und ich wollte ihn einfach wegwerfen, aber dann hielt ich inne. Ich schaute noch einmal auf die Worte, die ich am Abend zuvor geschrieben hatte, und spürte, dass die Entscheidung stand: Ich würde mir den Traum von einem eigenen Pferd erfüllen und zwar so schnell wie möglich.

Noch am selben Tag besorgte ich mir einen Stapel von Pferdezeitungen, in denen es Verkaufsanzeigen gab. Aufgeregt wie ein kleines Kind blätterte ich durch die vielen Angebote. Wunderschöne Pferde waren dabei. Nicht alle waren bezahlbar und mit Beschreibungen wie „lauffreudig“ (was übersetzt meist „Durchgänger“ hieß) oder „menschenbezogen“ (was so gut wie immer mit „aufdringlicher Bettler“ zu übersetzen war) entsprachen die meisten nicht wirklich dem, was ich für mich suchte, aber ich vereinbarte drei Besichtigungstermine.

Diese allerdings verliefen mehr als enttäuschend. Beim ersten  Termin war das Pferd bereits verkauft. Man entschuldigte sich, mich nicht angerufen zu haben, aber man hätte da auch noch zwei andere Pferde, die man mir zeigen könnte. Ich schaute sie mir höflich an, sagte, nein danke, und fuhr wieder ab. Beim zweiten Pferd war es schon ein Abenteuer, dem jungen Mann zuzuschauen, der mir das Pferd vorreiten sollte. Zweimal hätte er fast einen Abgang gemacht. Auch hier bedankte ich mich höflich und fuhr wieder heim. Beim dritten Pferd stellte sich heraus, dass es keinen Pferdepass hatte und eine ganze Menge anderes ziemlich seltsam klang. Auch das war mir nicht geheuer.

Ein Pferd über Anzeigen zu kaufen, schien offenbar nicht der richtige Weg für mich zu sein. Vielleicht sollte ich die Sache doch lieber ganz lassen, dachte ich bei mir. So ein Pferd kostet doch schon sehr viel Geld und Zeit und erst die Verantwortung, vielleicht war das einfach ein Wink des Schicksals? Das zu denken, tat allerdings richtig fies weh.

Ich rief meine Freundin Anne an und erzählte ihr von dem Desaster und von meinen Zweifeln und endete mit einem weinerlichen „Aber ich möchte doch so gerne ein Pferd!“ Ihre Reaktion darauf war diese: „Und warum fragst du nicht mal nach, ob du Monty kaufen kannst?“

Monty? Ein Schulpferd? Noch dazu viel zu groß, braun und ein Warmblut? So gerne ich ihn mochte, aber er war eigentlich das genaue Gegenteil von dem Pferd, das ich mir für mich aussuchen würde. Ich hatte immer von einem Isländer mit einer langen Mähne geträumt oder von einem knuffigen Haflinger … Und sicher würde ich ihn auch nicht bekommen, er wurde doch in der Reitschule gebraucht. Und doch ließ mich die Idee nicht mehr los.

Würde es tatsächlich nicht unglaublich viele Vorteile haben, ein Pferd zu kaufen, das man schon so gut kannte, wie ich den Monty, überlegte ich abends im Bett. Noch dazu so ein verlässliches Pferd wie ihn? Ich würde genau wissen, was mich erwartet. Ich würde ein höfliches, gut erzogenes Pferd bekommen. An seiner Steifheit könnten wir arbeiten, dann würde er sicher auch bequemer werden und irgendwann ganz toll laufen. Mir gefiel die Idee immer besser.

Als ich zur nächsten Reitstunde ging, fragte ich die Reitlehrerin, ob sie wisse, ob manchmal auch Schulpferde zum Verkauf ständen. Sie sagte, ich solle doch einfach direkt Hannes fragen. Der war auch gerade da. Also ging ich zu Hannes Schulte, dem Besitzer der Reitschule.

„Den Monty wollen Sie kaufen?“, fragte er mich und schaute auf. „Ja, das ist ein feiner Kerl. Kein Bewegungswunder, aber ein guter Charakter.“

Da Schulte nicht weitersprach, überlegte ich fieberhaft, was ich  nun sagen könnte. Sollte ich ihm eine Summe nennen? Aber welche? Sollte ich etwas anderes sagen? Aber was?

Dann räusperte er sich und sagte: „Also, ich hätt’ den Monty schon gerne noch weiter hier behalten, weil ich auf den auch Anfänger setzen kann. Aber ich freu mich auch immer darüber, wenn eines der Pferde seinen Menschen findet.“

Tja, und so kaufte ich Monty.

–> Fortsetzung: Kapitel 3

Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

14. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 2: Wer ich bin und wie ich zu Monty kam

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 1: Ein Tag, der alles ändert

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth

Es gibt Tage, an denen verändert sich auf einen Schlag dein ganzes Leben und es fragt nicht einmal, ob du das überhaupt möchtest. Das kann eine einzige Sache sein und trotzdem ist plötzlich nichts ist mehr so wie zuvor. Was du bisher sicher zu wissen glaubtest, verpufft in einem Wölkchen und du fängst quasi ganz von vorne an. Ein solcher Tag bei mir war der Tag, an dem mein Pferd mit mir zu sprechen begann.

Es war ein Dienstag und ich hatte frei, so dass ich schon am Vormittag zum Stall fahren konnte. Das machte ich immer gerne, denn ich genoss es, die kleine Anlage hin und wieder ganz für mich allein zu haben. Ich ritt mein Pferd Monty in der Reithalle. Wunderbar entspannt ließ ich mich im Schritt am langen Zügel von ihm herumtragen und schaute auf mein Handy.

Dann kam es mir plötzlich vor, als hätte ich ein leises Räuspern gehört. Ich schaute kurz auf, aber es war niemand in der Halle – klar, ich war ja auch allein da. Also blickte ich wieder auf mein Handy und scrollte mich weiter durch den Instagram-Thread einer Reiterin, die immer so schick angezogen war und aussah, wie aus dem Ei gepellt. Wie machte die das nur? Ich brauchte nur in die Nähe eines Pferdes zu kommen und war nicht nur staubig und voller Heu, sondern hatte auch sofort die unvermeidlichen Möhren- oder Leckerli-Flecken auf meinem Pulli.

Da war es wieder, dieses seltsame Räuspern.

Woher kam das nur? Ich bildete mir das doch nicht ein, oder? Vielleicht hockte irgendwo jemand und machte sich einen Scherz mit mir? Aber wer sollte das tun und warum? Bei der nächsten Runde horchte ich sehr genau in jede Richtung und auch nach draußen – doch nun hörte ich wieder nichts.

Hm, das ist ja doch ein bisschen merkwürdig, dachte ich.

Ich wechselte den Foto-Thread und schaute mir Pferdefotos an,  #pferdeschoenheiten – feurige Araber, bildhübsche Vollblüter, Isländer mit traumhaft langen Mähnen, hach, …

„Ähm, entschuldigen Sie bitte, dauert das noch sehr lange?“

Ich fiel fast vom Pferd, so erschrak ich. Jemand sprach mit mir, aber es war keiner da. Ich hörte eine männliche Stimme, ohne dass ein Mann da war. Nun wurde es wirklich unheimlich.

„Sehr lustig!“, rief ich laut, obwohl ich es gar nicht lustig fand und auch nicht wusste, wer es hören sollte.

„Ach, das tut mir leid, ich wollte Sie nicht stören. Ich dachte nur, dass wir vielleicht auch aufhören könnten, wenn Sie nichts weiter machen möchten heute, denn, ähm, so ist es ein bisschen, wie soll ich sagen, … langweilig.“, sagte die Stimme.

Ich packte mein Handy in meine Jackentasche, richtete mich im Sattel auf und rief: „Also, jetzt ist aber gut. Wer spricht denn da?“ Meine Stimme kippte bedenklich ins Hysterische, obwohl ich das selbst etwas übertrieben fand, konnte ich nichts dagegen tun. Um diese Zeit ist normalerweise niemand im Stall und wenn, dann sicher kein unsichtbarer Mann.

„Oh, ach so, ja …  tut mir leid, ich dachte, Sie wüssten, wer hier spricht. Also: Ich bin’s, Ihr Pferd.“

—> Fortsetzung: Kapitel 2

Ich bin's, Ihr Pferd – Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

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14. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 1: Ein Tag, der alles ändert

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