Erlaube Dir Entwicklung – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Erlaube Dir Entwicklung

Im Training mit unseren Pferden vergessen wir leider oft, dass das Lernen immer ein Entwicklungsprozess ist und das fortlaufend! Wenn die Dinge mal nicht so laufen, sind wir oft viel zu schnell frustriert, statt einfach Geduld zu haben und zuversichtlich dran zu bleiben.

Wenn wir mit etwas Neuem beginnen, zum Beispiel mit dem Longenkurs, so ist es ganz normal, zu Beginn überfordert zu sein mit der neuen Longen- und Peitschenhaltung, den neuen Hilfen und Übungen und schnell stellt sich das Gefühl ein, dass man das wahrscheinlich nie hinbekommt. Bleibt man dran und gibt sich selbst genug Zeit zum Lernen und Üben, wird es immer besser. In der nächsten Phase zeigt dann vielleicht das Pferd, dass es mit einer Lektion gar nicht klarkommt und man ist wieder frustriert und denkt, dass die Sache vielleicht doch nicht das Richtige ist, obwohl anderes schon ganz wunderbar klappt. Bekommt man das gelöst, geht es ein gutes Stück weiter, aber dann ist es vielleicht der Galopp, der einen verzweifeln lässt… und so weiter und so weiter.

Tatsache ist (und das gilt auch für viele andere Bereiche des Lebens): Es wird immer etwas geben, das wir noch nicht können und das noch nicht klappt. Das geht dem Anfänger genauso wie dem Fortgeschrittenen und das erleben auch echte Profis. Sowohl Pferde als auch wir Menschen sind nun einmal keine Maschinen und funktionieren nie gleich. Aber haben wir nicht genau deshalb Pferde, weil wir das Lebendige so lieben und zusammen mit einem anderen Lebewesen etwas machen wollen? Warum gerät uns genau das dann so oft aus dem Blickfeld und wir hadern mit dem Mangel an Fortschritten oder schieben Frust, weil einfach nichts klappen will?

Wir lieben in dieser Hinsicht das Sprichwort: „Der Weg ist das Ziel.“ Und Wege sind selten gradlinig. Je mehr Ihr den Prozess selbst, also das Lernen und das Üben und die Entwicklung lieben lernt, desto mehr werdet Ihr den Weg genießen können. Übt Euch in Nachsicht und Gelassenheit, sowohl Euch gegenüber als auch Eurem Pferd, Ihr werdet sehen, dann wird alles leichter.

Frust ist zwar menschlich, darf aber nicht zum Dauerzustand werden. Er macht uns ungehalten, ungnädig und verbissen und engt den Fokus extrem ein (nämlich auf das, was nicht klappt). Gelassenheit und Vertrauen in den Prozess hingegen öffnen den Blick für all das viele, was schon toll klappt und auch für neue Möglichkeiten, sich etwas, das noch nicht so gut geht, noch erarbeiten zu können. Es geht viel weniger ums „Ankommen“ (auf einem bestimmten Level oder in einer bestimmten Lektion), sondern auf das gemeinsame Erarbeiten – und die gemeinsame Entwicklung. 

Deshalb gilt für uns:

  • Mach Dir immer bewusst, wie viel Du und Dein Pferd schon gelernt haben. 
  • Vergiss nicht, dass Ihr gemeinsam auf einem Weg seid, es geht viel weniger um Ziele als um das Miteinander. 
  • Sei Dir darüber klar, dass Dein Ehrgeiz allein in Dir entsteht – und genau Du kannst ihn auch wieder loslassen – zugunsten von mehr Leichtigkeit, Freude und Lebendigkeit.  

Erlaube Dir Entwicklung

12. November 2019 von Tania Konnerth • Tags: , , , • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Jungpferdausbildung, Longieren, Reiten 0 Kommentare »

Frag‘ Babette: Wie erkläre ich dem Pferd die Hilfen?

„Frag‘ Babette“ ist eine neue Kategorie bei uns und der Titel ist Programm, denn hier nimmt sich Babette Fragen vor, die ihr häufig gestellt werden. Wer ebenfalls eine Frage an Babette hat, schreibt einfach eine Mail an team@wege-zum-pferd.de. Und für alle, die uns noch nicht so gut kennen: Babette arbeitet seit über 20 Jahren als Pferdetrainerin und hat sich als vor allem als Spezialistin für das gesundheitsfördernde Longieren und dem Longenkurs einen Namen gemacht. Zusammen mit Tania gibt sie seit 2008 den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ und weitere Selbstlernkurse wie Der Aufbaukurs zum Longenkurs, Sehen lernen und andere mehr heraus. 

 

Wie erkläre ich dem Pferd die Hilfen?

Diese Frage bekommen wir sehr häufig gestellt:

  • Mein Pferd reagiert nicht auf das Peitschensignal zur Schulter, was kann ich tun?
  • Mein Pferd reagiert nicht auf die treibende Gerte.
  • Wenn ich mit der Peitsche zum Pferd gehe, reagiert mein Pferd aggressiv. 

In dem folgenden Video geht Babette auf diese und weitere Themen ein. Sie beschreibt dabei ausführlich und demonstriert praktisch, wie sie Hilfen etabliert:

Hilfen erklären - Wege zum Pferd

(Link führt zu youtube)

 

15. Oktober 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Arbeit an der Hand, Jungpferdausbildung, Longieren 0 Kommentare »

Sei klar – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Sei klar!

Klarheit ist ein unerlässlich Element in der Kommunikation mit einem Pferd, wird aber gerade im Umgang mit Pferden leider oft gründlich missverstanden. Häufig wird „Klarheit“ nämlich mit „sich durchsetzen“ gleichgesetzt, was zu einer ganzen Kette von unschönen Entwicklungen im Miteinander von Mensch und Pferd führt, weil der Mensch glaubt, grob werden zu dürfen oder gar zu müssen. Schauen wir an den Anfang der Kette, so finden wir ganz oft Unsicherheit und Unwissenheit auf Seiten des Menschen, auch, aber gar nicht mal nur dem Pferd gegenüber, sondern Unsicherheit und Unwissenheit vor allem über das Ziel, also z.B. die gewünschte Lektion oder Übung. Unsicherheit und Unwissenheit führen zu Hilflosigkeit und die mündet dann oft in Grobheiten oder Gewalt.

Klarheit bedeutet, eine klare Vorstellung von dem zu haben, was man erreichen möchte, aber genau da liegt oft das Problem. Wir Menschen müssen selbst wissen, was genau eine bestimmte Lektion oder Übung wirklich beinhaltet, wir müssen sie also erst einmal selbst verstanden haben und auch wissen, wie es im besten Fall aussehen soll oder sich anfühlt (z.B. beim Reiten). Mit einem solchen (hoffentlich richtigen) Zielbild in unserer Vorstellung sind wir ganz automatisch klarer in unserer Ausstrahlung und viel gelassener in unserem Verhalten.

Beispiel: Wer ein Schulterherein führen oder reiten möchte, muss also zunächst selbst wissen, wie ein Schulterherein aussieht, was der Sinn dieser Lektion ist und worauf es dabei ankommt (und nicht nur so eine ungefähre Idee davon haben). Wie sonst sollen wir dem Pferd vermitteln können, was zu tun ist? Von sich aus wird ein Pferd kein Schulterherein gehen und es weiß auch nicht, dass es das tun soll, nur weil eine Hilfe gegeben wird (selbst wenn sie korrekt ist). Es muss die Sache erst lernen. Dafür muss es erklärt bekommen, was zu tun ist und es muss angstfrei ausprobieren können, was richtig ist und was nicht. Dem Pferd das so zu vermitteln, dass es verstehen kann, darin besteht die  konstruktive und förderliche Klarheit, die für eine gute Kommunikation sorgt.

Prüfen wir uns also immer selbst: 

  • Weiß ich in diesem Moment wirklich, was genau ich von dem Pferd will? 
  • Sind mir Sinn und Ausführung einer Lektion oder Übung klar, weiß ich also, warum ich will, dass das Pferd das macht? 
  • Habe ich eine Vorstellung von der korrekten (idealen) Ausführung der Übung oder Lektion im Kopf (und nicht nur das, was ich z.B. bei meiner Freundin oder anderen im Stall gesehen habe)? 
  • Bin ich selbst fähig, dem Pferd das, was ich möchte, zu vermitteln, also z.B. reiterlich im Sattel oder am Boden durch eine sinnvolle Kommunikation und hilfreiche Zwischenschritte?
  • Und wenn nicht: Wo und wie kann ich das lernen?

Sei klar – Wege zum Pferd

3. September 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Jungpferdausbildung, Reiten 0 Kommentare »

Was ist ein Problempferd?

So ziemlich jeder, der mit Pferden zu tun hat, kennt auch so genannte „Problempferde“. Problempferde sind zum Beispiel solche, die ihre Reiter abwerfen, die buckeln und steigen oder die davonstürmen und durchgehen. Problempferde sind aber auch die, die beißen oder treten. Und die, die faul sind und nicht vorwärtsgehen wollen. Und die, die Hilfen ignorieren und nicht tun, was sie sollen. Und die, die am Sprung verweigern oder einfach nicht angaloppieren, wenn der Mensch es will … 

Kurz und gut, Pferde gelten dann als Problempferde, wenn der Mensch sie nicht so nutzen kann, wie er es sich vorstellt – oder anders gesagt: Das Pferd macht dem Menschen Probleme und wird damit zum Problem.

Vielleicht aber ist es genau anders herum?

Nun möchte ich zu einem Gedankenexperiment einladen und die Sache einfach einmal umdrehen. Dazu können wir einmal die folgende Frage stellen:  

Ist ein Problempferd vielleicht ein Pferd,
das ein Problem mit uns Menschen hat? 

Wenn wir uns einmal klarmachen, dass Pferde natürlicherweise so gut wie nichts von dem tun, was wir Menschen von ihnen wollen, dann liegt der Gedanke nicht mehr so fern, dass genau unsere Forderungen und Erwartungen das Tier vor große Herausforderungen stellen. Wird es verständnisvoll behandelt, bekommt es Zeit zum Lernen und werden ihm seine Aufgaben auf eine pferdegerechte und angenehme Weise vermittelt, so wird es die vielen Herausforderungen meistern können, die wir ihm stellen und es wird Freude am Miteinander mit Menschen entwickeln können (viele Anregungen dazu gibt es auch hier). 

In sehr vielen Fällen aber gehen Menschen leider nicht mit den nötigen Kenntnissen über das Wesen von Pferden an die Ausbildung und das Training heran und oft bringen sie auch nur wenig Geduld, Einfühlungsvermögen oder Verständnis mit. Da sollen die Dinge möglichst schnell klappen und wenn ein Pferd nicht spurt, na, dann setzt man sich halt durch und bringt es zu dem, was man will. Die Folgen sind in weiten Bereichen überforderte und verängstigte oder auch frustrierte und abgestumpfte Pferde, die nicht lernen, aktiv und mit Spaß an Herausforderungen heranzugehen, sondern die vor allem Strafen vermeiden wollen und deshalb irgendwie funktionieren. 

Zu Problempferden werden dann solche Pferde, die nicht in diesem Sinne „funktionieren“:

  • Pferde, die vielleicht einfach nicht verstehen, was man von ihnen will.
  • Pferde, die überreizt sind angesichts all der Dinge, die Menschen von ihnen wollen.
  • Pferde, die Angst haben und nicht vertrauen.
  • Pferde mit einem starken Willen, die sich lieber auf sich selbst verlassen. 
  • Pferde, die Menschen respektlos finden und sich wehren, wenn sie unfair behandelt werden. 
  • Pferde, die aus gesundheitlichen oder psychischen Gründen nicht funktionieren können. 
  • Pferde, für die der Mensch kein Freudenanlass ist, sondern Störfaktor oder Schlimmeres.

Sind das wirklich Problempferde, nur weil sie nicht erfüllen können, was wir uns in den Kopf gesetzt haben? Wenn wir ehrlich bereit sind, über diese Frage nachzudenken, ist schon viel gewonnen für die Pferdewelt.

Problempferd

25. Juni 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus der Bereiterpraxis, Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Jungpferdausbildung, Umgang, Verhalten 3 Kommentare »

Longieren macht Spaß – ein Erfahrungsbericht zum Longenkurs

Von Lea Hogrewe zum 10jährigen Jubiläum des Longenkurses

So schnell sind zehn Jahre um! 2008 habe ich das erste mal vom Longenkurs gehört und gelesen. Schnell stand fest, das möchte ich mir mal in echt anschauen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte meine Familie mehrere Pferde, unter anderem eine Haflingerstute, mit der ich auf Turnier ging und die sich nicht „normal“ longieren ließ. Versuchte man es, rannte sie in schräger Motorradhaltung und mit viel Stress in sehr hohen Tempo um einen herum. Losgelassenheit und Freude waren da nicht zu finden. So wollte ich nicht longieren und so ritt ich sie eher, als dass ich Bodenarbeit machte.

Dann gab es einen Kurs in meiner Nähe. Zwei Stunden Fahrtzeit ist immer noch nahe bei meinem Wohnort! Es war einfach nur faszinierend: Da stand Babette und strahlte eine Ruhe und Souveränität aus, die mich sehr beeindruckte. Diese Ideenvielfalt, die der Longenkurs bietet, und das individuelle anpassen an Pferd und Mensch waren einfach für mich zu dem Zeitpunkt unbeschreiblich. Für jedes Problem hatte Babette eine Lösung und es herrschte eine Empathie, die ich immer bei der „konventionellen“ Methode vermisst habe.

Ein Erlebnis ist mir in diesem Kurs sehr in Erinnerung geblieben. Es hatte ein Herr mit seinem Friesen teilgenommen. Der Friese war recht dominant und sehr unzufrieden. Der Mann berichtete, dass das Pferd zuhause ausgebunden aus dem Longierzirkel gesprungen ist und er gerne einen besseren Weg für das Pferd gehen möchte. Am Anfang des Kurses war es nur ein Kampf zwischen den beiden. Das Pferd biss, der Mann schimpfte und buffte. Babette hatte auch für die beiden gute Vorschläge und so wurde es im Laufe des Kurses immer besser. Der Mann hat zu Beginn nicht einmal sein Pferd gelobt, so sehr hatte er die Zähne aufeinander gebissen. Am Ende der zwei Tage war eine Harmonie zwischen Mensch und Pferd entstanden, dass ich beim Schreiben immer noch Gänsehaut bekomme! Der Satz der mich am meisten beeindruckt hat war von dem Mann: „Endlich hat mir mal jemand gezeigt, wie ich ihm zeigen kann, dass er etwas gut macht.“

Nach diesem Kurs war ich Feuer und Flamme, eine alte Matratze wurde zerschnitten für Gassen und ein Kappzaum gekauft. Meine Stute war erst skeptisch, was das denn nun wieder sollte. Doch sie verstand und es kam immer mehr Ruhe in die Longeneinheiten. Ich lernte meinen Blick zu schulen und ihn liebevoll aufs Pferd zu richten. Beim Reiten wurde mir plötzlich perfektes Zügel-aus-der-Hand-kauen geschenkt, was immer mal ein wenig Schwierigkeiten gemacht hatte.

Ich besuchte weiterhin jedes Jahr mindestens einmal einen Kurs als Zuschauerin bei Babette und habe jedes Mal viele tolle Eindrücke und Ideen mit nach Hause nehmen können.

Dann kam 2009 mein großes Pferd zu mir. Schwierig und manchmal gefährlich war sie am Boden und im Sattel. Auch hier hat mir der Longenkurs unglaublich viel Unterstützung geboten. Es gab tatsächlich für jedes Problem einen, meist sogar mehrere Lösungswege! Ich lernte kleinschrittig zu denken und meine Einheiten sinnvoll aufzubauen. Doch ganz wichtig: Es macht Spaß ohne Ende und ich erfreue mich immer an meinen Pferden!

Erfahrungen zum Longenkurs

Ein paar Jahre später war ich wieder auf einem Kurs und eine Dame zeigte mit ihrem Pferd eine eindrucksvolle Einheit. Es gab ein „Aus-der-Ecke-kehrt“ mit einfachem und später mit fliegendem Galoppwechsel. Dies beeindruckte mich zutiefst. Diese Leichtigkeit, mit der die Dame und ihr Pferd zusammen Dinge taten, war sehr schön anzusehen.

Dann bei einem Kurs bekam ich die Erarbeitung der gelockten Seitengänge zu sehen. Ich kannte es nur, dass von einem weg gearbeitet wurde. Damals dachte ich mir, wenn ich Bilder davon gesehen hatte, wenn Babette es zeigte: „Ok, Babette’s Pferde machen das, aber mit einem anderen klappt das bestimmt nicht“. Dann durfte ich es erleben und war begeistert. Als ich später aktiv an einem Kurs teilnahm und wir diese Seitengänge erarbeiteten und mein Pferd da einfach sagte: „Ok, kann ich, was soll ich jetzt machen?“ war ich stolz auf mein Pferd und froh, den Longenkurs und Babette auf meinem Weg kennengelernt zu haben.

Vielen Dank für den Longenkurs! Ohne ihn würden meine Pferde mir nicht so vertrauen und ich wäre mit meinem Wissen und meinem Werdegang nicht dort, wo ich jetzt bin. Danke!

Danke an Babette für ihre Kurse! Ohne diese eindrucksvollen Veranstaltungen würde der Pferdewelt ein großes Stück Fachwissen und Herz fehlen. Auch als Zuschauer ist man immer willkommen und bekommt einen großen Schatz an Wissen an die Hand. Danke!

Vielen Dank, ohne den Longenkurs würde ich nicht da stehen, wo ich jetzt bin. Danke, dass ich mich weiterentwickeln, sanfter, verständnisvoller und pferdegerechter werden durfte! Ich habe durch den Longenkurs viel über mich selbst, meine Pferde und die gemeinsame Freude gelernt und erlebt!

Erfahrungen zum Longenkurs

28. Mai 2019 von Gastautor • Kategorie: Jungpferdausbildung, Longieren 1 Kommentar »

Probleme beim Clickertraining: Übermotiviert und unter Stress

Wir beide arbeiten ja begeistert mit dem Clickertraining. Leider gibt es aber noch immer viele Vorbehalte gegen diese Art der Ausbildung, die unserer Einschätzung nach vor allem auf Unsicherheiten, Ängsten und Unwissenheit beruhen. Vielleicht können wir hier ein bisschen Abhilfe schaffen, indem wir uns einmal einem sehr typischen Problem widmen, auf das viele stoßen, die mit dem Clickern beginnen und das nicht selten dazu führt, dass das Clickertraining wieder abgebrochen wird, obwohl sich gerade darin eine große Chance für ein harmonisches Miteinander bietet. Es geht um den Übereifer beim Pferd.

Der Übereifrige –
„Clickern macht mein Pferd ganz wuschig“

Das Problem: Isa hat mit ihrem jungen Haflingerwallach zu clickern begonnen, da sie ihn möglichst gewaltfrei ausbilden möchte. Der Einstieg klappt auch gut, der Youngster lernt schnell. Es dauert aber nicht lang und es zeigt sich ein Problem: Isas Haflinger ist vom Clickern so begeistert, dass er bald damit beginnt, hektisch alles Mögliche anzubieten und gar nicht mehr auf Isas Signale achtet. Sie ist seinem Übereifer nicht gewachsen und überlegt, mit dem Clickern wieder aufzuhören. 

Begeisterung ist etwas Gutes

Schauen wir uns einmal an, was hier passiert: Isa hat mit dem Clickertraining eine Möglichkeit gefunden, mit ihrem Pferd so zu arbeiten, dass es mit Feuereifer dabei ist. Diese Freude und Begeisterung sind etwas Gutes, denn genau darum geht es doch: unsere Pferde zur Mitarbeit zu motivieren. 

Wie aber bei so vielen, kann etwas Gutes auch ins Gegenteil umschlagen, wenn es zu extrem wird. Pferde, die sich sehr für das Clickertraining begeistern, entwickeln oft zu viel Energie und achten im Übereifer nicht mehr auf den Menschen. 

… Stress aber nicht

Bei übereifrigen Pferden schlägt die Begeisterung schnell in Stress um. Sie wollen um jeden Preis alles richtig machen und schießen dabei über das Ziel hinaus. Das ist sowohl für das Tier als auch für den Menschen unangenehm und macht ein Lernen schwer bis unmöglich. 

Hier liegen die Ursachen aber weniger im Clickertraining selbst, sondern sind zum einen in der Persönlichkeit des Pferdes oder aber noch mehr  in der Beziehung zwischen Mensch und Pferd zu suchen. 

Das Problem an sich ist leicht zu lösen: Ruhe als Übung

Das Problem des Übereifers lässt sich meist gut in den Griff bekommen, indem man von Beginn an systematisch Pausen und Ruhemomente konsequent als Übungen einbaut und auch diese clickert.

Wichtig ist, dass man eine so genannte „Null-Position“ bestimmt, also z.B. das entspannte Stehen. Immer wieder gilt es, auch diese Null-Position zu clickern, also die Pausen-Momente, in denen nichts zu tun ist, genauso attraktiv zu gestalten, wie die Lernphasen. 

Schwieriger ist, an der eigenen Einstellung zu arbeiten

Interessanterweise tun sich viele Menschen recht schwer damit, Nichts-Tun zu belohnen. Hier zeigt sich der weitverbreitete Ansatz, dass nur Leistung ein Lob verdient und das wiederum deckt eine Strenge auf, die viele von uns in sich haben und so unbewusst auch ausstrahlen. 

Die meisten von uns lernen das Reiten in herkömmlichen Reitschulen und entwickeln auf diese Weise die Einstellung, dass Pferde tun müssen, was der Mensch will. Der eigene Wille wird mit mehr oder weniger Druck durchgesetzt und Fehlverhalten des Pferdes wird vom Menschen mehr oder weniger freundlich korrigiert oder auch bestraft. 

In einem Pferdeleben geht es naturgemäß nicht um Leistungen oder darum, Dinge zu erreichen oder gut zu machen. Pferde wollen ihr Überleben sichern, Zugang zu Ressourcen wie Futter und Wasser haben und innerhalb ihres Sozialsystems möglichst stressfrei und harmonisch leben. Sie wollen vor allem eines: sich wohl fühlen.

Nun bringen wir Menschen, in dem wir mit Pferden arbeiten, etwas Neues in ihr Leben: nämlich Erwartungs- und Leistungsdruck. Wir Menschen haben bestimmte Vorstellungen davon, was Pferde tun und können sollen, wir stellen Forderungen und Aufgaben, die wir erfüllt sehen wollen und wir geben mehr oder weniger nette „Befehle“, die wir befolgt sehen wollen. Damit bauen wir, oft unbewusst und vielleicht sogar ungewollt Druck auf, den Pferde mit ihrer feinen Wahrnehmung spüren, egal wie sehr wie ihn auch verbergen wollen.

Manche Pferde reagieren auf Druck mit Entzug oder Verweigerung, andere wollen unbedingt ungute Erlebnisse vermeiden und setzen darauf, alles richtig machen zu wollen. Genau diese zeigen dann oft Übereifer. Da aber Pferde oft gar nicht genau wissen, was wir eigentlich von ihnen erwarten, bieten sie unter Stress oft alles Mögliche an.

Und hier müssen wir Menschen ihnen helfen, indem wir ihnen deutlich machen, dass gar nicht immer etwas getan werden muss, sondern dass es genauso gut und richtig ist,  auch einfach mal entspannt beieinander zu stehen. 

Unsere Tipps für alle anderen mit übereifrigen Pferden

  • Von Beginn an eine Null-Position einführen, in der es nur um Ruhe und Pause geht und diese nicht erst bei Übereifer, sondern auch schon zwischendurch genauso wie eine Lektion clickern und loben, um dem Pferd deutlich zu machen, dass es nicht ständig Leistung bringen muss. 
  • Die eigene Ausstrahlung, die Ansprüche und Erwartungen an das Pferd überprüfen:
    • Bin ich ungewollt zu streng?
    • Erwarte ich vielleicht zu viel von meinem Pferd?
    • Bin ich zu hart in meiner Ausstrahlung? 
    • Wie reagiere ich bei Fehlern meines Pferdes?
    • Wie geht es mir, wenn ich selbst Fehler mache?
    • Kann ich selbst auch einmal nichts tun?
    • Wie kann ich für mehr Leichtigkeit und Freude in unserem Miteinander sorgen? (Tipp: Speziell dazu gibt es viele Tipps in unserem Freudekurs.)

Und noch ein wichtiger Punkt

Manchmal müssen wir die Ursachen für ein (Fehl-)Verhalten auch außerhalb der eigentlichen Situation suchen. Wirkt ein Pferd im Training sehr fahrig, nervös und überaktiv, so kann das auch daran liegen, dass wichtige Grundbedürfnisse unerfüllt sind. Viel mehr Pferde, als man denken sollte, haben z.B. permanent Hunger, weil sie zu wenig Raufutter bekommen. Kommt nun durch das Clickertraining Futterlob ins Spiel, ist vollkommen verständlich, dass der Erregungslevel steigt! Ähnliches gilt für Pferde, die Durst haben, nicht genug Bewegung bekommen, keinen ausreichenden Kontakt zu Artgenossen haben, nicht genug Ruhe oder Schlafmöglichkeiten haben und vieles mehr. Also bitte auch immer auf das Gesamtbild schauen. 

 

 

2. April 2019 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Clickertraining, Jungpferdausbildung, Umgang, Verhalten 5 Kommentare »

Fragen zum Longenkurs: Mehr Tempo bereitet Probleme

Heute befassen wir uns wieder einmal mit einem typischen Problem, das bei der Arbeit nach dem Longenkurs auftaucht, und ich zeige Euch meine Lösungsideen zu dem Problem:

Mein Pferd läuft mittlerweile im ruhigen Tempo losgelassen und in guter Balance, aber sobald ich die Hinterhand aktivieren möchte, verschlechtert sich die Haltung meines Pferdes. Soll ich also weiterhin im ruhigen Tempo bleiben? Auch dann, wenn ich mein Pferd galoppieren lassen möchte, ist die Haltung des Pferdes schlecht. Soll ich den Galopp noch weglassen?

Meine Antwort:

Eine meiner Leitlinien lautet: Fokussiere immer nur auf ein Detail der Laufmanier zur Zeit. Das bedeutet, dass wenn man am Thema „Aktivierung der Hinterhand“ arbeitet, man in der ersten Lernphase in Kauf nehmen muss, dass sich die bisher erarbeiteten Elemente, wie Losgelassenheit, Balance oder Biegung erstmal verschlechtern dürfen. 

Es ist wichtig, sich zu trauen, „über die Klippe zu springen“. So nenne ich die Bereitschaft, eben auch eine kurzfristige Verschlechterung zu akzeptieren, um weiterzukommen. Sobald die Hinterhand aktiv ist, kümmern wir uns sogleich wieder um die Verbesserung der Losgelassenheit, Balance und Biegung – aber wir brauchen zunächst eine aktive Hinterhand, um das Puzzle überhaupt weiter zusammensetzen zu können. 

Die Aktivierung der Hinterhand ist ein sehr wichtiger Baustein, der nicht zu spät mit ins Programm genommen werden darf. Die Pferde verlieren sonst immer mehr die Hinterhand, die Lauffreude und geraten ins „Latschen“.

Um die Hinterhand zu aktivieren sind Galopp-Trab-Wechsel eine gute Möglichkeit. Deswegen nehme ich den Galopp schon relativ früh mit ins Programm.

Aber: Wichtig ist, das Pferd im Galopp nicht einfach laufen zu lassen, wenn der Galopp noch zu schlecht ist! Mit Pferden, die deutliche Probleme mit dem Galopp haben, übe ich zunächst nur das Angaloppieren. Also im Trab behutsam etwas mehr Energie hineingeben und das Pferd zum Angaloppieren ermuntern und schon nach wenigen Sprüngen, die Energie wieder sanft herausnehmen, mit der Stimme beruhigen und es wieder in den Trab durchparieren. Ganz wichtig: dabei bitte NIE mit der Longe bremsen! 

Sobald das Pferd im Trab ist, lasse ich ihm Zeit, wieder zu einer guten Balance zu finden und arbeite wie zuvor mit gefühlvollen Hilfen an einer Verbesserung der Losgelassenheit und Haltung (dichter herangehen, beruhigen, Tempo rausnehmen, vorsichtig Volten einbauen und dabei darauf achten, das Pferd nicht über die Longe auf die Volten zu ziehen). Wenn es wieder in guter Losgelassenheit und Haltung läuft, lasse ich es noch einmal vorsichtig und so ruhig wie möglich angaloppieren.

Sowie das Pferd im Angaloppieren sicherer wird, kann ich den Galopp verlängern. Tritt eine Verschlechterung auf, gehe ich zurück zum Angaloppieren. Als Richtlinie würde ich sagen: pro Einheit das Angaloppieren maximal sechs- bis achtmal üben (jede Hand drei- bis viermal). Sollte der Galopp das Pferd noch sehr stressen, übe ich dies nicht in jeder Longeneinheit, sondern je nach Pferd nur in jeder dritten bis sechsten Einheit. Und das allerwichtigste: Belohnen Sie jedes Bemühen Ihres Pferdes sehr!

Aktive Hinterhand

22. Januar 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung, Longieren 1 Kommentar »

Das Schnappen beim Pferd und wie man damit umgehen kann

Das Schnappen eines Pferdes sorgt nicht nur für viel Unruhe im Miteinander, sondern bereitet vielen Pferdemenschen auch Sorgen, denn keiner möchte schließlich einen Beißer haben. Da wir selbst reichlich Erfahrung mit schnappenden Pferden haben, haben wir hier einmal einen kleinen Problemlösungsplan erstellt. 

Hinweis: Das Schnappen oder die Angst davor, dass ein Pferd zu schnappen beginnen kann, ist auch ein häufiger Grund, warum viele davon absehen, ihr Pferd nach dem Clickertraining auszubilden. Tatsächlich aber ist das Clickern fast nie der Grund für das Schnappen, sondern es macht nur das schon bestehende Problem sichtbarer. Die folgenden Tipps beziehen sich auf den Umgang sowohl für nicht-clickernde als auch für clickernde Pferdemenschen. 

Check: Warum schnappt das Pferd? 

Zu Beginn eines jeden Problems steht für uns die Frage: Warum macht das Pferd das? 

Das Schnappen kann ganz verschiedene Gründe haben: 

Zunächst gehört das Schnappen in gewissem Grad zum ganz normalen Verhalten von Pferden und ist vor allem für männliche Pferde schlicht und einfach typisch. Pferde erforschen die Welt mit ihrem Maul und viele Spiele untereinander sind „Maulspiele“. Indem wir das Verhalten nicht grundsätzlich als „Unart“ interpretieren, sondern zunächst einfach als ganz natürliches Verhalten, können wir ganz anders damit umgehen. 

Bei dieser Art des natürlichen Schnappens wirkt das Pferd verspielt oder auch nervig-aufdringlich, aber nicht aggressiv. Wird das Schnappen schärfer oder wirkt es wie eine Drohung, müssen wir in andere Richtungen denken: 

  • Steht das Pferd vielleicht unter Stress? Sind die Erwartungen, die wir gerade haben, vielleicht zu hoch, die Anforderungen zu schwer? Fürchtet das Pferd, bestraft zu werden, wenn es nicht tut, was es soll? Hat es vielleicht Schwierigkeiten zu verstehen, was von ihm gefordert ist? Auf Unsicherheit, Verwirrung, Angst und Stress reagieren viele Pferde mit Schnappen. 
  • Hat das Pferd ausreichend artgerechte Bewegung und Kontakt mit Artgenossen? Pferde, die ihre natürlichen Bedürfnisse nicht mit anderen Pferden ausleben können, lassen diese oft am Menschen aus, einfach, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. 
  • Ein sehr penetrantes Schnappen kann auch ein Zeichen dafür sein, dass das Pferd Hunger hat. Viele Pferde bekommen zu wenig Raufutter und haben deshalb ständig Hunger. Wenn wir nun mit ihnen arbeiten wollen, fällt es ihnen schwer sich zu konzentrieren, statt dessen äußern sie ihren Unmut durch Verhaltensweisen wie das Schnappen. Kommt bei einem hungrigen Pferd Futterlob als positiver Verstärker hinzu, kann es verständlicherweise gierig reagieren. 
  • Wird das Schnappen zunehmend aggressiv, ist auch an Schmerzen zu denken. Ein Beispiel dafür ist das Schnappen beim Satteln und Nachsatteln. Das Schnappen oder Beißen kann hier ein klares Zeichen des Pferdes sein, dass ihm der Sattel unangenehm ist oder sogar wehtut. Manchmal führen auch schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit zu dauerhaften Drohgebärden, weil das Pferd so etwas nicht mehr erleben will. 

Tipp: Es kann sehr hilfreich sein, einmal eine neutrale Person zu befragen, welchen Eindruck das Pferd macht oder sich das Miteinander mit etwas Abstand auf einem Video anzuschauen. In der Situation  selbst erlebt man ein Verhalten oft ganz anders als wenn man von außen darauf schaut. 

Strafen ist aus unserer Sicht der falsche Weg

Viele haben Angst, dass ein schnappendes Pferd zu einem Beißer wird, wenn sie das Schnappen nicht bestrafen. Und so wird jedes Mal, wenn das Pferd schnappt, drohend „Lass das!“ gezischt oder das Pferd bekommt einen Klaps auf die Nase. In den wenigsten Fällen lassen sich schnappende Pferde dadurch vom Schnappen abhalten, im Gegenteil, man kann den Eindruck bekommen, dass genau diese Aufmerksamkeit durch den Menschen viele Pferde geradezu herausfordert, erst recht zu schnappen. Und so verbringen nicht wenige Pferd-Mensch-Paare viel Zeit damit, dass der eine schnappt und der andere schimpft und klapst. Wirklich glücklich ist damit keiner, aber es scheint kaum einen Ausweg auf dem Dilemma zu geben, schließlich kann man dem Pferd das nicht durchgehen lassen!? Das gesetzte Fragezeichen ist entscheidend, denn unserer Erfahrung nach macht es in den allermeisten Fällen tatsächlich viel mehr Sinn, auf das Schnappen nicht einzugehen, als es zu bestrafen. Dazu gleich mehr.

Schauen wir uns zunächst noch kurz an, was oft passiert, wenn ein Mensch mit einem eh schon schnappenden Pferd zu clickern beginnt: Wenn Futter ins Spiel kommt, werden viele Pferde aufgeregt. Und unter Aufregung verstärken sich bestimmte Verhaltensweisen, wie eben auch das Schnappen. Wenn der Mensch nun auch noch inkonsequent in der Futtergabe ist, also mal nach dem Click füttert, mal aber nur, weil das Pferd so süß ist oder wenn es ihn gerade bedrängt oder um es zu bestechen, dann kann es sehr gut dazu kommen, dass das Schnappen stärker wird. Straft der Mensch dann stärker oder zieht er die Hand mit dem Futter weg, weil er fürchtet, gebissen zu werden, kann damit genau das provoziert werden: Auch das Pferd wird schneller und beißt unter Umständen auch mal zu. 

Erkennen, mit welcher Art Schnappen man es zu tun hat

Wie schon ausgeführt gehört das Schnappen mit zum natürlichen Verhaltensrepertoire von Pferden und so sollten wir es auch sehen: Es kann eine spielerische Geste sein oder auch Ausdruck von Stress oder Unsicherheit. Und diesen Unterschied müssen wir erkennen!

Der Situation angemessen reagieren

Je besser wir verstehen lernen, warum ein Pferd zu schnappen beginnt, desto pferdegerechter können wir reagieren. Schnappt ein Pferd aus Stress, Überforderung, Unsicherheit oder körperlichen Beschwerden heraus, müssen wir anders reagieren als wenn es wirklich eine Provokation ist (was sehr viel seltener der Fall ist als die meisten annehmen!). 

Bis zu einem gewissen Grad müssen wir gerade bei jungen, männlichen Pferden damit leben, dass sie maulaktiv sind. Hier sollten wir auf keinen Fall jedes Schnappen beantworten, sondern uns in Gelassenheit üben. Je mehr wir das Ganze mit Humor nehmen können, desto weniger ernst werden wir reagieren, worauf in der Folge das Pferd auch nicht selbst aggressiv werden wird. Wann immer möglich, raten wir dazu, das Schnappen zu ignorieren. Ist wirklich einmal eine Grenze zu ziehen, sollten wir das so emotionslos wie möglich machen und mit einer authentischen Autorität. Es ist wichtig, nicht wütend zu werden (oder gar zu bleiben), sondern nur ein deutliches Signal zu geben, zum Beispiel mit einer deutlichen stimmlichen Ermahnung.

Ganz wichtig: Sich selbst überprüfen

Bevor wir beim Pferd ansetzen, sollten wir immer zuerst unser eigenes Verhalten überprüfen. Viele Schnappereien sind schlicht und einfach hausgemacht, zum Beispiel durch achtlose Gabe von Leckerlies oder inkonsequentem oder achtlosen Verhalten dem Pferd gegenüber. Viele finden das Schnappen ja eigentlich auch „so süß“ und bestärken ein Pferd damit unbewusst darin.

Tipp: Hier ruhig öfter mal sich selbst im Zusammensein mit dem Pferd filmen und hinterher anschauen, es ist erstaunlich, wie viel einem da oft auffällt. 

Gegenseitiger Respekt als Basis

Statt den Fokus auf das Schnappen zu legen, raten wir generell dazu, gegenseitigen Respekt zu erarbeiten. Das geht bei aufdringlichen und rüpeligen Pferden am besten durch Abstand. 

Wir merken oft selbst nicht, dass wir einem Pferd ständig zu nahe kommen. Wir suchen die Nähe des Pferdes, weil wir es so lieb haben und weil es so schön zu streicheln und so süß ist, laden es damit aber ungewollt ein, uns selbst eben auch zu nahe zu kommen. Es hat sich unserer Erfahrung nach sehr bewährt, konsequent für einen gewissen Grundabstand zum Pferd zu sorgen, wenn wir neben ihm stehen oder am Boden mit ihm arbeiten. Es gibt hier keine feste Größe, sondern der Abstand ist dann gut, wenn der Mensch unbedrängt vom Pferd sein kann. Je nach Persönlichkeit oder Stimmungslage kann das auch mal gut mehr als eine Armlänge Entfernung sein, denn Pferde sind durch ihre langen Hälse in der Lage, uns sehr schnell sehr nah mit ihrem Maul zu kommen. 

Eine Grundregel kann lauten: Je aufdringlicher das Pferd, desto größer der Abstand. Allerdings ist wichtig zu beachten, dass der Abstand nicht dauerhaft gefordert werden sollte, sondern gerade bei anhänglichen Pferden (die oft einfach unsicher sind), gilt es, den Abstand immer wieder selbst zu verkürzen, also zum Pferd hinzutreten, es freundlich anzusprechen oder auch am Hals zu streicheln (möglichst nicht im Gesicht, da man so das Schnappen geradezu einlädt) und dann wieder für Abstand sorgt. Bei etwas bulligeren Pferden kann es eine gute Übung sein, das Pferd freundlich zu bitten, einen Schritt rück- oder seitwärts zu machen, sonst kann man auch einfach selbst wieder einen Schritt weggehen – aber gut darauf achten, dass das Pferd nicht gleich hinterher kommt!

Wird diese Respekt-Übung neu eingeführt, kann sie zu einer gewissen Geduldsprobe werden, denn es gibt durchaus Pferde, die von sich aus immer und immer wieder den Abstand zum Menschen reduzieren und ihm zu nahe kommen. Hier ist es wichtig, nicht sauer oder gar aggressiv zu werden, sondern ruhig und gelassen zu bleiben und das Spielchen des Pferdes humorvoll zu nehmen. 

Das Schnappen in eine Übung leiten

Eine weitere Maßnahme bei sehr maulaktiven Pferden kann sein, sich mit ihnen eine Übung zu erarbeiten. Wir können einem solchen Pferd beibringen, Sachen aufzuheben und darüber das Verhalten ein Stück weit steuern. Pferde lernen meist schnell, wofür es eine Belohnung gibt und wofür nicht und arbeiten entsprechend mit. 

Mein Anthony hebt zum Beispiel gerne Dinge auf, was sich als sehr praktisch erweisen kann: 

Das Schnappen beim Pferd

Fazit: Ein Problem wird oft erst ein Problem, wenn wir eines daraus machen

Für das Schnappen, wie für viele andere so genannte Unarten bei Pferden gilt, dass diese meist erst dann zu einem Problem werden, wenn wir a) nicht bereit sind zu verstehen, warum ein Pferd tut, was es tut, und b) durch unser eigenes Verhalten erst ein Problem daraus machen. Das Verhalten eines Pferdes ist zunächst immer nur als Kommunikation zu sehen und wir sollten uns immer fragen, was es uns sagen will. Dann können wir die Sache zusammen mit dem Pferd lösen, statt es zu bestrafen. Das erweist sich in der Praxis für uns immer wieder als der sinnvollste und beste Weg.

20. November 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Jungpferdausbildung, Umgang, Verhalten 12 Kommentare »

10 Jahre Longenkurs oder: Neue Wege sind nicht immer leicht

Arbeit nach dem Longenkurs

Babettes Longenkurs gibt es jetzt seit 10 Jahren.

Zu diesem Jubiläum haben wir unsere Leserschaft nach Erfahrungsberichten zur Arbeit nach dem Longenkurs gefragt und dazu sind uns ganz wundervolle Texte und Fotos geschickt worden. Dafür ein dickes Dankeschön für alle Einsendungen und Gratulationen, wie beispielsweise die von Daniela und ihrer Stute links auf dem Foto 🙂 

Aus einigen Erfahrungsberichten werden wir noch extra Blogbeiträge machen, doch an dieser Stelle möchten wir schon mal ein paar Ausschnitte und Bilder mit Euch teilen. Wir hoffen, dass diese Euch Mut machen, wenn es mal nicht so gut vorangeht, oder auch neugierig, falls Ihr diese Arbeit selbst noch nicht kennt. 

Als erstes möchten wir Victorias Video mit Euch teilen. Ihre Geschichte hat uns sehr berührt und sie zeigt, was für ein wunderschöner Weg die Arbeit nach dem Longenkurs sein kann. Klickt hier oder direkt auf das folgende Bild, um Euch den kleinen Film bei Youtube anzuschauen:

Video 10 Jahre Longenkurs

Henrikje hat uns dann mit einer sehr berührenden Offenheit geschrieben, was sie mit dem Longenkurs verbindet: „Die Frage ist schwierig zu beantworten, tatsächlich würde ich sagen, der Longenkurs ist unbequem. Denn er ist für mich wirklich unbequem gewesen, diese Selbstreflexion, das ständige Hinterfragen und dann hat auf einmal auch das Pferd eine Meinung. Eiieiieii, ich sag euch, das war schockierend. Denn mein Training war bis dato schockierend … „ –  und damit trifft sie wohl einen der entscheidendsten Punkte: Der Longenkurs ist keine reine „Trainingsmethode“, sondern er ist eine Einladung und auch eine Aufforderung, unser eigenes Tun zu prüfen und zu hinterfragen. Er ist für die allermeisten ein neuer Weg.

Arbeit nach dem LongenkursAm einfachsten haben es sicher diejenigen, die schon in jungen Jahren eine „andere“ als die herkömmliche Herangehensweise im Umgang mit Pferden kennen lernen konnten und deshalb gleich neu- und weniger um-lernen mussten, wie zum Beispiel Carina, die unseren Longenkurs mit 15 entdeckte, hier rechts in der Anfangsphase zu sehen. 

Für diejenigen von uns, die in normalen Reitschulen groß geworden sind, ist der Weg oft schwieriger. Und das kann unter Umständen zu  Unsicherheit und Frust führen, denn rückwirkend zu erkennen, dass manches nicht so gut war, was man gemacht hat, kann auch lähmen. Die meisten treffen irgendwann auf die Frage, wie man denn nun damit umgehen soll, wenn ein Pferd nicht mitmachen will und man eben keine Gewalt anwenden will. Bisher schien die Antwort klar: man setzt sich durch, … aber genau das will man ja nicht mehr tun. Da fragt sich manch‘ einer möglicherweise sogar, ob man überhaupt noch etwas mit Pferden tun sollte und stellt für den Moment vielleicht alles in Frage. Ja, ein neuer Weg wirft immer auch viele Fragezeichen auf…

Unsere Antwort darauf war nie, Pferde einfach in Ruhe zu lassen, wenn sie nicht mitmachen wollen, sondern unsere Anregungen zielen konsequent darauf, ein freudvolles Miteinander von Mensch und Pferd zu erreichen, also ein Training, das beiden Spaß macht. Das ist und bleibt auch eines der Hauptziele der Arbeit nach dem Longenkurs. Denn: Es gibt sie, die schönen Wege, das echte Miteinander und die Freude am gemeinsamen Tun! Und wer Babette in ihren Kursen mit den Pferden erlebt, kann immer wieder sehen, wie sie auch solche Pferde wieder ins „aktive“ Leben holen kann, die eigentlich schon dicht gemacht haben. 

Also, ja, der Longenkurs kann anstrengend sein, für Körper, Geist und Seele – aber er ist bei weitem NICHT NUR anstrengend, sondern im Gegenteil: Diese Arbeit ist in der Folge dann eben auch gewinnbringend für Körper, Geist und Seele zusammen – und das bei Mensch und Pferd.

Ein neuer Weg kann zu viel Wundervollem führen, das man sonst nie erlebt hätte! 

Arbeit nach dem LongenkursFeedbacks, wie das von Beate: „Du mit deinem Training, Babette, damals noch auf deinem Hof, ganz für mich allein ;-), ganz intensiv und Tania mit ihren Gesprächen, Ihr habt mich im Laufe der Zeit völlig umgekrempelt.“ oder von Helen: „… Irgendwas fehlte da noch für die gute Laufmanier, ich wusste einfach nicht weiter, bis der Tag X kam, ich las einen Bericht von Babette (…), wie die Pferde gesund laufen lernen, an der Longe (…) Ich war sehr begeistert, verschlang buchstäblich alles von ihr und dann probierte ich es aus, und die Pferde liefen einfach viel schöner, auch gerade in der Volte (und nicht mehr auf der Vorhand wie ein Motorrad) konstanter an der Longe, es war kaum zu beschreiben.“ zeigen, dass sich das Umlernen und Dranbleiben wirklich lohnt. 

Claudia  geht noch auf einen weiteren Punkt ein: „Für mich tat sich eine neue Welt auf und ich begriff, wie viel Spaß es macht, mit dem Pferd gemeinsam vom Boden aus zu arbeiten.“ Tatsächlich liegt für viele der Fokus des Zusammenseins mit Pferden vor allem beim Reiten, aber nicht alle Pferde können oder wollen geritten werden, manchmal nur phasenweise nicht, manchmal auch dauerhaft. Und auch uns Menschen tut es oft gut, nicht nur auf das Reiten fixiert zu sein, vor allem dann, wenn wir immer mal wieder auch mit Ängsten zu tun haben oder merken, dass unser Ehrgeiz nicht immer kontrollierbar ist. Der Longenkurs bietet ein sinnvolles, gesundheitserhaltendes und fitness-förderndes Miteinander, das Freude macht – und führt letztlich durchaus oft auch wieder zurück zum Reiten und zwar auf eine für beide Seiten gute Art.

Ganz besonders freuen uns auch immer wieder die vielen Geschichten, in denen die Arbeit nach dem Longenkurs kranken Pferden helfen konnte. Stellvertretend dafür  ein Foto von Katharinas Aramis, bei dem kurz nach dem Kauf das Kissing-Spines-Syndrom diagnostiziert wurde. Heute schreibt sie: „Nicht nur Aramis, sondern auch mir hat unser anfangs oft steiniger Weg geholfen, da ich heute deutlich selbstbewusster und strukturierter an unser Training gehe und wir eine gute und abwechslungsreiche Mischung haben, unsere Zeit miteinander zu gestalten. Wir haben uns gemeinsam weiterentwickelt, sind zusammen durch Höhen und Tiefen gegangen und genießen heute endlich unbeschwert und ohne viele Gedanken an das KSS unsere gemeinsame Zeit.“

Arbeit nach dem Longenkurs

Und zum Abschluss haben wir noch ein tolles Gedicht, das uns Carolin geschickt hat: 

Als der Longenkurs 2008 erschien,
dachte ich sofort: “Das ist was für ihn!“

Ihr fragt euch, für wen? Wofür?
Na, für meinen Islandwallach Birtingür!

2002 lernte ich diese gute Seele kennen,
ab 2005 durfte ich ihn mein Eigen nennen.

Wir waren beide in den besten Jahren,
sind von Turnier zu Turnier und von Kurs zu Kurs gefahren.

Aber schon nach kurzer Zeit hab ich kapiert,
mein Pferd braucht etwas andres, damit es wieder fröhlich galoppiert!

Der arme Kerl war ganz tief in sich gekehrt,
hat sich schon bald gegen nichts mehr gewehrt.
Hat sich bei allem nur noch fest gemacht,
und Frauchen hat kaum noch gelacht.

Reiten war keine Freude mehr,
also musste eine Alternative her.

Der Longenkurs kam gerade zur rechten Zeit,
das damalige Forum dazu hat uns befreit!

Anfangs taten wir uns schwer,
wir kannten nichts Entspanntes mehr.
Doch als ich das Clickern noch begann,
war es für uns der Neuanfang!

Birtingur lernte sich zu freuen,
sagte endlich JA zu allem Neuen!
Konnte traben wie ein großer Held,
aus dem Kopf war der feste Tölt!

Auch neue Freunde traf ich beim LK,
die wohnten sogar ganz nah!

Aber nicht nur Birtingur durfte profitieren,
auch mein Jungpferd konnte ich inspirieren!
Mit dem Longenkurs begann er seine Karriere,
– ob er ohne ihn auch schon so weit wäre?!

Meine eigene Persönlichkeit hat sich ebenfalls sehr entfaltet,
die Arbeit mit dem Pferd habe ich vollkommen neu gestaltet.
Wir sagen sehr oft ja zueinander,
gehen alle Wege MITeinander.

Lieber Longenkurs, wir danken dir so sehr!
Das Leben gibt uns mit dir so viel mehr!

10 Jahre Longenkurs

In diesem Sinne: Auf die nächsten 10 Jahre Longenkurs! 

16. Oktober 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Jungpferdausbildung, Longieren 4 Kommentare »

So gewöhnt man ein Pferd an eine erfrischende Dusche

Dieser Sommer hat sich ja schon recht heiß präsentiert und da passt es doch gut, einmal das Thema „Duschen“ anzugehen. Viele Pferdeleute gehen vorschnell davon aus, dass sie ihrem Pferd einen Gefallen tun, wenn sie es nach dem Training kalt abduschen – und machen dann die Erfahrung, dass das manchmal keine Begeisterung, sondern Scheuen und Ausweichen auslöst. Lange nicht jedes Pferd stellt sich freiwillig und begeistert unter die Brause, viele haben schlicht und einfach erst einmal Angst!

Statt das Pferd dann dafür ungeduldig zu rügen oder gar zu bestrafen und es dazu zu bringen, die Dusche zu ertragen, ist es viel sinnvoller, es erst einmal Schritt für Schritt erst an den Schlauch, dann an das Wasser und erst dann ans Abgeduscht-werden zu gewöhnen. Dann kann eine kleine Dusche ein prima Wellnessprogramm sein! 

Einige werden sich bestimmt noch an unseren Nico erinnern, dessen Grundausbildung wir hier dokumentiert hatten. Von ihm gibt es einige schöne Aufnahmen, mit denen wir gut zeigen können, wie wir einem Pferd den Wasserschlauch nahebringen. Denn Nico fand das, was aus diesem komischen, schlangenförmigen Gebilde kommt, zunächst auch recht gruselig und so gewöhnten wir ihn kleinschrittig mit dem Weg der positiven Verstärkung daran.

Bekanntschaft mit dem Schlauch

Viele Pferde haben schon vor dem Schlauch allein Angst, ohne dass Wasser aus ihm kommt. Eigentlich kein Wunder, denn immerhin hat er doch das Aussehen einer großen Schlange. Also haben wir Nico zunächst den Schlauch ohne Wasser gezeigt.

n1

Jeder Blick und jede Annäherung an den Schlauch haben wir mittels Click und Belohnung verstärkt, bis Nico keinerlei Bedenken vor dem Schlauch zeigte und damit spielte:

n2Dann wurde das Wasser angestellt und – ganz wichtig!!! – der Wasserstrahl erst einmal WEG von Nico gehalten. Drehen Sie das Wasser erst mal nur wenig auf. So konnte Nico sich die Sache in Ruhe anschauen, ohne sich bedroht zu fühlen. Bei sehr ängstlichen Pferden sollte ruhig eine zweite Person den Schlauch mit einem noch deutlich größeren Abstand vom Pferd weghalten. Auch hier wieder jedes noch so kleine Interesse an dem Geschehen loben! Nico hingegen fand das, was Alex da machte, ziemlich interessant: 

n3Als nächstes zeigte Alex ihm dann, wie ungefährlich das Wasser ist, das da aus dem Schlauch kommt, indem sie es auf ihre Hand laufen und Nico daran teilhaben ließ. Nico war neugierig und aktiv dabei:

n4Dann durfte Nico das Wasser erst einmal mit dem Maul erkunden. Das ist wichtig, da Pferde alles Neue mit dem Maul ertasten. Hätten Petra und Alex das Wasser gleich an die Beine gehalten, wäre das einen deutlichen Schritt zu schnell gewesen. So aber konnte Nico das Wasser erstmal erschmecken:n5Wenn deutlich ist, dass das Pferd das Wasser nicht mehr als gruselig empfindet, kann man den Strahl behutsam näher an das Pferd bringen und vorsichtig die Hufe und Beine ansprühen. Weicht das Pferd aus oder wird es unruhig, bitte  unbedingt erstmal wieder einige Schritte zurückgehen und abwarten, bis das Pferd wieder entspannt ist. Bestärken und Loben Sie jeden Impuls des Pferdes, von sich aus Kontakt zum Wasser aufzunehmen. Viele werden an dieser Stelle ungeduldig und beginnen, ihr Pferd trotz Unruhe abzuspritzen. Dieses Überrumpeln oder Erzwingen ist leider nicht dazu geeignet, ein Pferd zu einer freudigen Wasserratte zu machen. Hier gilt es, ganz im Tempo des Pferdes vorzugehen, denn die Sache soll ihm ja guttun und was unter Stress stattfindet, tut nie gut. Macht ein Pferd hingegen gute Erfahrungen, kann es sich durchaus zum echten Dusch-Fan entwickeln, so wie Tanias Anthony. Wie auf dem folgenden Foto gut zu sehen ist, könnte er auch einfach weggehen, da er nicht am Strick gehalten wird. Statt dessen genießt er die Abkühlung: 

Pferd duschen

Extra-Tipp: Wer die Möglichkeit hat, kann die Gewöhnung an das Wasser auch sehr gut frei in einem abgezäunten Bereich angehen. Ohne Halfter und Strick hat das Pferd alle Möglichkeiten, den Prozess selbst mitzugestalten und der Mensch lernt, sich auf es einzustellen.

Wichtig!

Wenn sich ein Pferd gar nicht davon überzeugen lässt, dass eine Dusche mit dem Wasserstrahl eine feine Sache ist,  empfiehlt sich der Versuch, ihm das Wasser auf einem anderen Weg nahezubringen. Vielleicht kann es genießen, mit einem nassen Schwamm abgewaschen zu werden. Vielleicht ist ein Rasensprenger, den man auf den Paddock stellt, (natürlich nur unter Aufsicht) ein Weg, sich einer Dusche anzunähern. Es kann aber auch gut sein, dass ein Pferd das Wasser generell als zu kalt empfindet und deshalb keine Freude daran hat. Nicht immer ist das, was wir für gut halten auch wirklich gut für das Pferd, es sollte deshalb grundsätzlich ein Mitspracherecht haben!

Pferd duschen

19. Juni 2018 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung, Spiele & Co, Umgang 3 Kommentare »

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