Die Arbeit an der Longe – Fallbeispiel 3: Das Kleben an der äußeren Bande

Heute habe ich ein weiteres Fallbeispiel aus der praktischen Arbeit nach meinem Longenkurs für Sie (weitere Beispiele finden Sie hier und hier). 

Das Kleben an der äußeren Bande

Eine neunjährige Islandstute läuft auf dem Longierzirkel brav und lässt sich recht manierlich stellen und biegen. Sobald sie aber im Viereck longiert wird und keine äußere Begrenzung mehr hat, zieht sie heftig nach außen weg.

So gehe ich vor:

Viele Pferde neigen dazu, sich an Zäune oder Banden „anzulehnen“ und regelrecht daran zu kleben. Versucht man ein solches Pferd ohne äußere Begrenzung, also z.B. in der Mitte der Reitbahn zu longieren, zieht es sie entsprechend stark zur Wand. Das hat nichts mit Widersetzlichkeit oder Bockigkeit zu tun, sondern es handelt sich dabei schlicht und einfach um ein Balanceproblem, das sich durch gezieltes Training beheben lässt. 

Die Stute aus dem Beispiel würde ich zunächst für einige Einheiten in der Quadratvolte mit Dualgassen arbeiten. Diese geben dem Pferd zwar noch eine äußere Orientierung, sind aber schon eine deutliche Stufe weniger als die Bande. Wenn das Pferd diese Aufgabe gemeistert hat, versuche ich es für kurze Sequenzen ohne die Quadratvolte, kehre aber gleich wieder dorthin zurück, wenn das Pferd wieder nach außen driftet. Hier muss man genau die Zeit und Geduld investieren, die das Pferd braucht, um seine Schulterbalance von sich aus zu finden, bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen dauert es länger.

Parallel dazu übe ich mit einem solchen Pferd intensiv, ruhig an der Hand anzutraben. Dazu führe ich das Pferd mit meiner Hand direkt am Kappzaum vom Schritt in einen langsamen Trab und dann in diesem langsamen Trab auf Volten und größere Kreise. Das mache ich so lange, bis ich merke, dass das Pferd nicht mehr nach außen zieht und ganz leicht an der Hand ist. Sobald ich das spüre, lasse ich langsam die Longe Stück für Stück länger werden und entferne mich vorsichtig vom Pferd. Bleibt das Pferd in guter Balance, kann ich mich auf Longendistanz entfernen und normal weiter longieren. Bleibt das Pferd leicht und im guten Gleichgewicht, versuche ich dann, das Pferd vorsichtig zum aktiven, schwungvolleren Laufen zu animieren.

Merke ich aber, dass wieder Zug auf die Longe kommt, gehe ich sofort dichter an das Pferd heran und nehme das Tempo wieder heraus. Wenn nötig, gehe ich wieder so dicht an das Pferd heran, bis ich es erneut direkt am Kappzaum führen kann.

Mit solchen Pferden arbeite ich gerne auf sehr großen Plätzen, so dass ich immer viel Abstand zur Bande halten kann. So lernen die Pferde schneller, ohne Wand zum Anlehnen zu laufen.

fallbeispiel3

Tipps: Wichtig ist auch zu wissen, dass viele Pferde dann nach außen ziehen, wenn der Mensch

  • zu früh viel Tempo fordert und damit das Pferd aus dem Gleichgewicht bringt oder
  • sich körpersprachlich falsch zum Pferd ausrichtet.

Viele drehen ihren Körper beim Longieren zum Pferd hin. Dadurch „drückt“ der Mensch das Pferd gleichsam nach außen. Gerade bei Pferden, die sowieso schon dazu neigen, nach außen zu ziehen, müssen wir sehr darauf achten, unseren Körper in die Bewegungsrichtung auszurichten, also nach vorn und nicht zum Pferd hin. Die Schulter des Menschen sollte immer so gestellt sein wie die Schulter des Pferdes (genau wie beim Reiten auch).

31. Mai 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Longieren 6 Kommentare »

Das Abspulen erkennen, verstehen und auflösen

Mein letzter Beitrag über das Abspulen bei der Freiarbeit brachte viele Reaktionen und warf die Frage auf, wie man damit umgehen kann, wenn man ein solches Abspulen bei seinem Pferd bemerkt. Deshalb kommt hier nun ein weiterer Artikel, in dem ich das Thema vertiefen möchte. 

Das Abspulen erkennen

Zunächst müssen wir ein Abspulen überhaupt erst einmal erkennen. Für mich spult ein Pferd ab, wenn das Training kein Miteinander mehr ist, sondern eine mehr oder weniger einseitige Angelegenheit. Das Pferd tut Sachen, von denen es annimmt, dass es diese tun soll, ob der Mensch das nun angeregt hat oder nicht. Das kann sich in kleinen Dingen zeigen oder auch zu einem maschinenartigen Funktionieren führen, es kann momentweise auftreten oder auch ganze Einheiten bestimmen.

Mein Aramis hatte schon immer eine Tendenz zum Abspulen: Er zeigt oft Sachen, von denen er glaubt, dass ich diese gerade möchte. Das können Seitengänge sein oder ein Angaloppieren oder ein spanischer Gruß und anderes mehr. Zu Beginn fand ich das natürlich oft toll, dass er plötzlich Travers geht, scheinbar „ganz leicht“ – … nur hatte ich gar keine Hilfe dazu gegeben. Oder er galoppierte an der Longe an, obwohl ich eigentlich nur den Trab verstärken wollte – hübsch, aber nicht das, worauf es mir in diesem Moment ankam und es war auch kein übermütiges Angaloppieren aus Freude, das ich gerne angenommen hätte, sondern es fühlte sich anders an. Und auch beim Clickern zeigte er dieses Verhalten und bot mir oft alles Mögliche an, ohne überhaupt noch auf mich zu achten. 

Seine Motivation dabei war unterschiedlich: Als ein Pferd, das möglichst alles richtig machen will (vor allem mir gegenüber), tat er vieles aus Nervosität und Stress heraus. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich das eigentlich immer selbst mit meinen hohen Erwartungen an ihn ausgelöst habe. Manchmal aber spulte er auch Sachen ab, weil das eigentlich Gewünschte zu anstrengend oder schwierig war. Auch das musste ich erst lernen zu erkennen und zu akzeptieren (mir selbst erschien ja vieles gar nicht als sooo schwierig, aber genau darauf kommt es eben nicht an…) und dabei wieder an meinen Erwartungen und Ansprüchen arbeiten.

Sehr dabei geholfen hat mir die Freiarbeit, denn da wurde deutlich, dass ich jeden echten Kontakt zu Aramis verlor, wenn er abzuspulen begann. Zu Beginn lief er oft einfach um mich herum, und lief und lief und lief. Er ließ sich nicht verkleinern, nicht anhalten, reagierte auf nichts – ich konnte machen, was ich wollte. Sein Laufen hatte dabei wenig Freudvolles und ich fühlte mich hilflos und wurde traurig. Es tat mir leid, ihn so zu erleben, aber es machte mir klar, dass er auch in anderen Bereichen manchmal genauso reagierte, ohne dass ich verstanden hatte, was da geschah. Erst seitdem ich sein Abspulen als Ausdruck von Überforderung erkenne (durch Ansprüche, die Stimmung oder auch konkrete Aufgaben), kann ich es auf eine gute Art für uns auflösen. 

Verstehen, warum ein Pferd abspult

Pferde sind Gewohnheitstiere, insofern kann das Abspulen schlicht und einfach übernommenes Verhalten sein, denn auch wir Menschen sind oft Gewohnheitstiere und machen unbewusst manches immer sehr gleich. Die meisten von uns dürften das kennen, dass das Pferd z.B. immer am selben Punkt angaloppiert, nach dem Anhalten an der langen Seite gleich rückwärts geht oder genau weiß, dass nach den anstrengenden Traversalen Schluss mit der Einheit ist. So zeigen sich schnell die Trainingspunkte, die wir besonders oft gemacht haben, und das lässt sich durch etwas mehr bewusster Abwechslung meist leicht auflösen. 

Das Abspulen ist aber eben häufig auch eine Vermeidungsstrategie des Pferdes, von der es sich erhofft, weniger Ärger zu bekommen. Und das kann, wie ich anhand von Aramis weiter oben aufgezeigt habe, ganz unterschiedliche Ursachen haben: Manche Pferde tun das aus Angst und Unsicherheit. Sie wollen auf keinen Fall Fehler machen, weil sie Strafen fürchten. Manche Pferde machen das auch aus Bequemlichkeit, weil es ihnen leichter erscheint, das anzubieten, was sie schon können, als etwas Neues zu erlernen. Und manche spulen das ab, was sie schon kennen, weil sie nicht verstehen, was der Mensch möchte. Es ist wichtig, die Motivation des Pferdes zum Abspulen zu erkennen, um auf eine hilfreiche Weise reagieren zu können. 

Achtung: Ein Abspulen hat eine ganz andere Energie als wenn das Pferd von sich aus eigene Vorschläge macht oder Ideen einbringt – das gilt es, gut zu unterscheiden!

Und so können wir auf das Abspulen reagieren

Das Allerwichtigste beim Abspulen ist  zu verstehen, dass es sich dabei nicht um eine Widersetzlichkeit handelt. Das Pferd ist nicht stur und nicht bockig. Sein Ziel ist eigentlich, es uns recht zu machen, nur wählt es dafür eben manchmal einen Weg, der wie das genaue Gegenteil wirkt.

Ein Pferd, das an der Longe nicht mehr zu traben aufhört, gilt bei vielen als „unerzogen“, „wild“ oder „widersetzlich“, dabei kann es schlicht und einfach unsicher sein und Angst haben, dass es Ärger gibt, wenn es langsamer wird. Gleiches gilt für Pferde, die z.B. nur noch Travers laufen oder bei der Bodenarbeit ständig spanischen Schritt anbieten. Sie sind so sehr davon überzeugt, das Richtige zu tun, dass sie gar nicht mehr zuhören. Zuhören ist aber wichtig, damit das Training wieder eine gemeinsame Angelegenheit werden kann. 

Schritt 1 lautet also: erkennen und vor allem würdigen, dass das Pferd mit seinem Abspulen etwas „Gutes“ tun will. Ich sage in solchen Momenten zu meinem Pferd: „Das ist lieb, dass Du das jetzt machst, dankeschön, aber eigentlich möchte ich etwas anderes.“

Damit wir das Pferd aus seinem inneren Film heraushohlen können, damit es wieder auf uns achtet und uns zuhört, ist es unerlässlich, die Situation zu entstressen. Selbst Pferde, die vollkommen cool wirken, können innerlich stark gestresst sein und deshalb ins Abspulen kommen. Das sind z.B. Pferde, die einem im Schritt durchgehen. Sie laufen einfach weiter und lassen sich nicht mehr anhalten. Die meisten dieser Pferde sind meiner Erfahrung nach nicht „stur“, sondern vor allem verunsichert und versuchen, etwas Richtiges zu tun.

Schritt 2  besteht deshalb darin, für Ruhe und Entspannung zu sorgen. Dafür gilt es, die eigenen Erwartungen und Ansprüche loszulassen und erst einmal nur dafür zu sorgen, dem Pferd zu vermitteln, dass alles ok ist. Hier lautet meine Botschaft an mein Pferd: „Wenn Du mir gerade nicht zuhören kannst, dann lass uns eine Pause machen.“

Achtung: Bei sehr nervösen und unsicheren Pferden ist allein das schon eine schwierige Aufgabe! Doch ohne ein Grundmaß an innerer Ruhe ist jedes Training Stress. Wer clickert, kann hier gezielt Ruhe und Entspannung clickern.

Habe ich das Abspulen auf diese Weise ruhig und liebevoll stoppen können, überlege ich, wie ich sinnvoll weitermachen kann:

  • Vielleicht ist es nötig, das Training ganz anders aufzubauen?
  • Brauchen wir mehr Freude und Spaßmomente?
  • Mehr Pausen?
  • Vielleicht überfordere ich mein Pferd mit dem, was ich will?
  • Arbeite ich mit zu viel Druck und zu wenig Lob?
  • Reagiere ich unbewusst unwirsch und streng auf Fehler?
  • Vielleicht habe ich ihm noch nicht verständlich machen können, worum es mir eigentlich geht?
  • Vielleicht kann es mir einfach auch nicht geben, was ich möchte und bietet mir deshalb etwas anderes an? 

Mit all diesen Fragen setze ich bei mir an, denn das Abspulen sehe ich als menschengemachtes Problem, das auch nur von der Menschenseite her gelöst werden kann. 

Schritt 3 beginnt mit Überlegungen, wie ich es meinem Pferd ganz praktisch leichter machen kann und wie ich es schaffe, das Training so zu gestalten, dass es nicht mehr in sein Abspulmuster fallen muss. Dazu gehören für mich diese Punkte: 

  • Fehler zu machen ist erlaubt! Sie werden nicht bestraft und nur wenn nötig, sanft korrigiert. 
  • Pausen sind mindestens so wichtig wie die Arbeit selbst, ich belohne also auch das gemeinsame Nichtstun. 
  • Ich freue mich über jede eigene Idee vom Pferd und sei sie noch so zaghaft. 
  • Ich versuche nichts zu erwarten und nichts vorauszusetzen, sondern schaue jeden Tag neu, wie die Stimmung ist.
  • Mein Ziel ist eine liebe- und freudvolle, humorvolle Grundstimmung, in der auch gelacht werden darf und das Pferd Faxen machen kann. 

Ich bin fest davon überzeugt: kein Pferd spult freiwillig ab. Das Abspulen ist für mich im besten Fall eine Verlegenheitslösung, in den meisten Fällen aber ein Ausdruck von innerer Unsicherheit und oft sogar Not. Und ich sehe es so, dass es in meiner Verantwortung liegt, dafür zu sorgen, kein Pferd überhaupt erst in eine Situation zu bringen, in der es glaubt, abspulen zu müssen.

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24. Mai 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Clickertraining, Freiarbeit, Longieren, Reiten, Umgang, Verhalten 2 Kommentare »

Eine Coaching-Woche mit Steffi und Nele

Sehr spannende und schöne Tage liegt hinter mir, denn ich hatte Steffi mit ihrer Nele für eine Woche zum Coaching bei mir. Da ich denke, dass es für Euch ganz interessant sein kann, so eine Woche einmal aus beiden Perspektiven erzählt zu bekommen, habe ich hier zunächst Steffis Bericht für Euch und weiter unten gibt es dann noch eine kleine Reflexion von mir. 

Steffis Bericht

sun5Letztes Jahr habe ich mich entschieden, zu Tania zu fahren, um eine Woche intensiv für meine Nele und mich zu haben. Mein Ziel ist es, mit meiner Nele ein ganz besonderes Team zu werden und da fehlte mir noch das eine oder andere und ich wusste einfach nicht was ich ändern muss. Und jetzt war es endlich soweit, und ich hab mich auf den Weg zu Tania gemacht.

Am Sonntag, den 01.05.2016, bin ich von Tania ganz herzlich in Empfang genommen worden, als ich mit Nele auf „Klinges Landwiesenhof“ ankam.

Ich war super aufgeregt, denn zum einen bin ich ganz alleine gefahren und zum anderen weiß man ja vorher nicht, wie man miteinander klarkommt. Passen Schüler und Trainer zusammen? Wie werden die Trainingseinheiten? Macht meine Nele überhaupt mit in der fremden Umgebung?

Am Montagmorgen haben wir uns dann zur ersten Trainingseinheit getroffen. Ich war sehr aufgeregt, dadurch Nele natürlich auch. Beim Trensen ist Nele losgelaufen, was ich so von ihr nicht kannte. Tania beobachtete mich ganz genau, was ich deutlich gemerkt habe, und dadurch noch aufgeregter wurde. Dann hat Tania sich erstmal angeschaut, wie ich im Sattel sitze. Anschließend sind wir in die Halle gegangen, wo ich Nele den Kappzaum angelegt habe und zeigte, wie ich sie longiere. Nach der ersten Trainingseinheit hat Tania gleich klare Worte gesprochen, was ich sehr gut fand, aber mich gleichzeitig auch zum Weinen brachte. Tania hat sofort erkannt, wo mein größtes Problem war, was mich sehr berührt hat, was aber auch gleichzeitig richtig war. Da ich vorher schon auf Tanias Internetseite war, war mir auch bewusst, dass das auf mich zukommen wird: „klare Worte“ – aber genau das wollte ich auch so. Ich habe mich Tania gegenüber komplett geöffnet, weil ich mich in ihrer Nähe sehr wohl fühlte, und somit war ich auch bereit, alles anzunehmen und es auch umzusetzen.

Ich habe in unserer Woche so viel gelernt, so viel aufgenommen und ganz viel mitgenommen. Wir konnten bei jeder Trainingseinheit sehen, dass sich jedes Mal wieder etwas positiv veränderte, weil ich auch bereit war und bin, einiges zu ändern. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man seinem Pferd wieder ein kleines Stück näher kommt.

Was super spannend war, dass Nele mir ganz klar gemacht hat, wenn ich ihr nicht den richtigen Weg zeigte: Dann stellte sie sich einfach dumm und ging z.B. einfach gradeaus, obwohl sie natürlich genau wusste, dass sie eigentlich abwenden sollte 🙂 Tania und ich konnten uns darüber wirklich amüsieren, denn eines ist Nele: sie ist sehr klar in dem, was sie fordert.

Es waren auch einige Trainingseinheiten sehr emotional. Durch die vielen kleinen, tollen Fortschritte habe ganz stark gemerkt, was meine Nele braucht: LOBEN, LOBEN, LOBEN. Ich werde Nele jetzt mit ganz viel positiver Verstärkung ermutigen, denn dadurch wird sie sehr motiviert – wir beide haben dann richtig viel Spaß dabei.

Ich muss aber auch sagen, dass Tania alles ganz toll vermitteln und erklären kann, und ich das immer gut umsetzen konnte. Was mich an meisten fasziniert hat, ist diese innere Ruhe, die Tania mitbringt, da fühlte man sich rund herum pudelwohl. 

sun2Für mich ist eins sehr wichtig geworden in dieser Woche: Ich muss mich mehr auf meine Nele einlassen und dazu bin ich auch bereit. Es geht darum, Nele das Gefühl zu geben, ja komm, es ist richtig, Pferd sein zu dürfen, zeig mir was du möchtest und daraus machen wir was. Für mich steht fest, dass ich in zwei Jahren dieses Erlebnis mit Nele wiederholen möchte, das ist was ganz Besonderes. Ich bin Tania so dankbar, dass sie mir/uns so wichtige Dinge mitgeben konnte, es war und ist wunderbar. 

Einige Dinge haben sich schon gut verankert wie z.B. „nicht die Hand über den Mähnenkamm“, „Hände wieder runternehmen“, “ Schulter locker lassen“, „Gewicht verlagern“ und nie vergessen: „Bestärke deine Nele, zeig ihr, dass sie es richtig gut macht!“ 

Liebe Tania, danke für die wunderschöne Zeit mit Dir,
Steffi & Nele

 

Und nun noch ein paar Worte von mir

Steffis Zeilen haben mich sehr berührt – danke, Steffi, für diesen wundervollen Bericht!

In diesen Tagen mit den beiden ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie viel Vertrauen jemand mitbringt, der ein Coaching bei mir bucht. Die meisten kennen mich zwar über die Texte, die ich schreibe und über eMails, aber nicht allzu viele haben mich auch schon persönlich kennen gelernt. Wer nun sein Pferd einpackt, um sich eine Woche lang von mir begleiten zu lassen, geht stark in Vorleistung was das Vertrauen angeht – und das ist ein ganz, ganz kostbares Geschenk. 

Ich bin mir bei meiner Arbeit meiner Verantwortung und auch meiner Position sehr bewusst. Mensch und Pferd haben immer eine gemeinsame Geschichte. Sie haben viel erlebt und viel erreicht. Von außen erkennt man zwar vieles leichter und es ist auch nicht allzu schwer, dann eine Reihe kluger Ratschläge zu geben. Mein Job ist es aber nicht, Mensch und Pferd auf meinen eigenen Weg zu bringen, sondern ich sehe meine Aufgabe darin, sie dabei zu unterstützen, ihren gemeinsamen Weg zu finden. Mein Ziel bei jedem Coaching ist es, Türen und Türklinken zu finden und zu öffnen, um Pferd und Mensch neue Möglichkeiten aufzuzeigen. 

Im Coaching schaue ich mir als erstes das Miteinander an und lasse mich ganz ein auf das, was ich dabei fühle. Mir war gleich bei Steffis Ankunft klar, dass ich es hier nicht mit einer unsicheren Anfängerin zu tun habe, sondern mit einer tollen Pferdefrau und einem tollen Pferd. Hier stand kein konkretes Problem an, das es zu lösen gab, denn die beiden kamen bereits als eingespieltes Team bei mir an. Steffi führte ihre Nele vollkommen cool und souverän vom Hänger herunter und zum Auslauf – ich war wirklich beeindruckt, wie ruhig und gelassen beide wirkten und wie selbstverständlich alles ablief. 

Je mehr ich mich dann auf meine Coachees einlasse, desto klarer werden mir auch die Knackpunkte. Bei Steffi war das im Wesentlichen nur einer: sie war sehr gut darin, Nele klar und freundlich zu korrigieren und ihr selbstsicher einen Rahmen zu bieten, aber es fehlte die positive, freudige Rückmeldung, wenn Nele richtig reagierte oder einfach nur brav tat, was sich Steffi von ihr wünschte. Ein scheinbar kleines Element, aber ein ganz bedeutungsvolles, wenn es darum geht, wonach Steffi sich sehnte: nämlich nach einer noch intensiveren Beziehung zu ihrem Pferd. 

In meiner Arbeit habe ich den Blick nie nur auf dem Menschen oder nur auf dem Pferd, sondern es geht mir vor allem um die Beziehung. Ich spüre sozusagen immer in den Zwischenraum und was ihn füllt. Manchmal fühle ich da kaum etwas, weil noch gar keine Beziehung besteht, manchmal ist da Traurigkeit, manchmal Frust, manchmal auch Wut oder noch ganz etwas anderes. Schön ist es, wenn dort Freude ist, Leichtigkeit, Vertrauen und ähnliches. Was immer ich dort finde, das spreche ich aus. Und das kann manchmal auch sehr emotional werden, aber es stecken so viele Chancen und Möglichkeiten für alle darin, die bereit sind, sich wirklich auf die Beziehungsebene mit ihrem Pferd einzulassen.

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In der Woche mit Steffi und Nele ging es auch viel um Technik, also z.B. um die Hilfengebung beim Reiten und um das korrekte Stellen und Biegen an der Longe. Den größten Teil haben wir dabei an Feinheiten gearbeitet, denn auch hier brachte Steffi schon ganz viel Wissen und Können mit und Nele als sehr gut ausgebildetes Pferd auch.

Aber – und das ist wirklich das Entscheidende! – bei all dem bildet die Beziehungsebene immer die Basis. Ich möchte keinen Unterricht mehr geben, ohne das Wir zu reflektieren, denn ein Pferd ist kein Sportgerät und keine Maschine, sondern ein Wesen mit einer Persönlichkeit. Es will gesehen und gefühlt werden, es will sich mitteilen und ausdrücken können und es möchte verstanden werden und vor allem möchte es geben können, was es zu geben hat.

Es war schön zu erleben, wie beherzt Steffi die aufgezeigten Türklinken ergriff und die Türen und Tore weit aufstieß, um gemeinsam mit Nele ein paar neue Wege zu beschreiten. Und für die wünsche ich Euch beiden alles, alles Liebe und Gute, ich bin mir ganz sicher, Eure gemeinsame Zeit wird nun noch schöner werden!

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10. Mai 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erfahrungsberichte, Sonstiges 3 Kommentare »

Die Arbeit an der Longe – Fallbeispiel 2: Zäh, mühsam und steif

Nach dem ersten Fallbeispiel zur praktischen Arbeit nach meinem Longenkurs möchte ich hier nun wieder exemplarisch auf ein ganz typisches Problem beim Longieren eingehen:

Zäh, mühsam und steif

Ein 17-jähriger Welsh-Cob ist eher gemütlich veranlagt. Er schlurft über den Platz und lässt sich auch mit viel Mühe kaum motivieren. Im Hals bleibt er sehr starr und lässt sich kaum stellen. 

Wenn ein Pferd sehr schwer zu motivieren ist und steif und unbeweglich ist, mache ich mich immer zuerst auf die Suche nach möglichen Ursachen. Gibt es vielleicht körperliche Probleme, die seine Motivation bremsen und den starren Hals verursachen? Ein Pferd mit Schmerzen oder Beschwerden wird zwangsläufig zäh und unmotiviert sein. Liegt vielleicht ein Mineralstoffmangel vor? Ein Pferd wie diesen Wallach würde ich also zunächst immer erst einmal von einem guten Pferdphysiotherapeuten/Osteopathen und/oder einen Tierarzt untersuchen und wenn nötig behandeln lassen.

Sind körperliche Ursachen ausgeschlossen, schaue ich mir auch die Lebensumstände des Tieres kritisch an: Wird das Pferd artgerecht gehalten? Hat es Kontakt mit anderen Pferden, kann es sich frei bewegen, hat es Freude- und Spaßmomente in seinem Alltag? Und wie sieht es mit dem Futter aus? Bekommt es genug zu fressen, um Energie zu haben? Auch hier sollten, wenn nötig, Änderungen erfolgen, damit das Pferd wieder mehr Lebensfreude und Energie hat. 

Um die Motivation im Training selbst zu verbessern, eignet sich aus meiner Sicht am besten das Clickertraining. Wichtig ist, die Pferde zu begeistern und herauszufinden, woran sie Spaß haben. Ewig eintöniges Laufen im Kreis und ein Mensch, der in der Mitte steht und ständig treibt, nehmen vielen Pferden schnell jeden Spaß an der Sache! Ganz entscheidend ist auch, solche Pferde nicht müde zu arbeiten, denn so lernen sie nur, ihre Reserven noch mehr zu schonen.

Mit eher unmotivierten Pferden mache ich kurze, witzige Einheiten mit vielen Spielchen: Slalom longieren, Achten longieren, mit dem Pferd die lange Seite um die Wette laufen usw. Jedes Mehr an Vorwärts und jede positive Reaktion auf treibende Hilfen lobe ich begeistert. Ich habe immer wieder festgestellt, welchen großen Einfluss meine eigene Stimmung und Energie auf die Pferde hat. Ich muss also gleichsam mit positiver Kraft in Vorleistung gehen und hoffe damit, auch das Pferd begeistern zu können. 

Bei der praktischen Arbeit wechsle ich dann häufig zwischen verschiedenen Arbeitsphasen: Auf der einen Seite nutze ich ruhige Schrittphasen mit gezielter Biegearbeit (Seitengänge) und einer Lockerung des Halses mittels Massagen und Dehnübungen. Hier lasse ich übrigens das Pferd zunächst das Tempo bestimmen. Ständiges Treiben führt bei eher phlegmatischen Pferden in der Regel zu immer mehr Abstumpfung.

Dann würde ich wieder eine peppige Phase einlegen, in der ich mit viel Energie und Freude versuchen würde, das Pferd zum frischen Laufen zu animieren. Hier würde ich zunächst den Schwerpunkt noch nicht auf die Laufhaltung legen, also nicht schon versuchen zu sehr an Biegung und Aufrichtung des Pferdes zu arbeiten. Hauptsache es kommt überhaupt erstmal ein Vorwärts, dass ich dann auch prompt begeistert lobe. Erst wenn das Pferd von sich aus gut vorwärtsläuft und wieder Motivation und Freude an der Longe zeigt, würde ich den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Laufmanier legen. 

Wichtig ist, immer sowohl den Körper des Pferdes zu berücksichtigen, aber eben auch seine Stimmung. Beides beeinflusst sich wechselseitig: Ein motiviertes Pferd läuft freier und lockerer und ein Körper, der sich gut anfühlt, weil er locker ist und nicht verspannt ist, führt zu mehr Motivation.  

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3. Mai 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Jungpferdausbildung, Longieren 5 Kommentare »

Ronni erteilt Tania eine kleine Lektion

Wenn Babette für ihre Kurse unterwegs bin, füttere ich hin und wieder ihren Ronni. Neulich hat er mir eine nette, kleine Lektion erteilt, über die ich hier berichten möchte.

Ronni ist kein einfaches Pferd und als ich ihn zum ersten Mal zum Füttern vom Paddock holte, war ich ganz überrascht, wie offen, freundlich und zugewandt er auf mich reagierte. Schnell stand er schon am Tor, wenn ich kam, ja, wieherte mir sogar leise zu. Immer nimmt er den Kopf ganz tief runter für mich, damit ich es mit dem Halftern leichter habe (bei diesem Riesenross ist das mit meinem 1,55m eine sehr willkommene Serviceleistung 😉 ). 

Es reizte mich, mal zu schauen, ob Ronni nicht auch Lust auf ein bisschen Freiarbeit mit mir hätte, und mit Babettes Einwilligung beschloss ich dann neulich, mit ihm in die Halle zu gehen. Ich lief fröhlich voraus, Ronni am lockeren Strick hinter mir. Kurz vor der Halle rammte er dann die Vorderbeine in die Erde und riss den Kopf hoch, so dass mir der Strick recht schmerzhaft durch die Finger gezogen wurde. 

Ich drehte mich um und da stand Ronni mit hoch erhobenem Kopf, aufgerissenen Augen und einem klaren Nein! vor mir – und mir wurde sofort bewusst, wie unachtsam und respektlos  ich gewesen war!

Ganz klar MEIN Fehler!

Von außen betrachtet hätten viele vielleicht gesagt: „Boah, ist der bockig!“ oder „Na, dem würde ich schon zeigen, was mitkommen heißt.“ – tatsächlich aber lag der Fehler nicht bei Ronni, sondern ganz klar BEI MIR.

Ich hatte genau den Fehler gemacht, über den ich so oft schreibe: Ich hatte etwas als selbstverständlich genommen, was nicht selbstverständlich ist. Die Tatsache, dass Ronni mir vertraut, zum Futterplatz und wieder zurück zum Paddock zu gehen, ist eine Sache, deshalb habe ich mir aber noch lange nicht „verdient“, dass er auch in die Halle mit mir geht! Natürlich hätte ich ihn erst fragen und einladen sollen und ihm ausreichend Zeit geben müssen, damit er die Chance hat, sich zu entscheiden, mit mir zu gehen. Stattdessen lief ich einfach drauflos, ohne auf das Pferd zu achten. Ich entschuldigte mich sofort bei ihm und erklärte ihm, dass nichts Schlimmes passieren würde. Es dauerte nur wenige Momente und er senkte den Kopf, um mir in die Halle zu folgen. 

Ja, solche Fehler können leicht passieren, mir wie jedem anderen auch. Und sie sind auch nicht schlimm, solange wir sie als UNSERE Fehler erkennen.

Vertrauen ist leider schnell verspielt … 

In vielen Fällen würde ein Pferd für seine Weigerung in die Halle zu gehen, ausgeschimpft oder sogar bestraft werden, sein Verhalten würde als Widersetzlichkeit interpretiert werden, die schmerzende Hand würde oft zu einer wütenden Gegenreaktion führen, wie z.B. ein Rucken am Strick. Doch hätte ich so reagiert und hätte ich mich „durchsetzen“ wollen, hätte ich damit Ronni über alle Maßen enttäuscht bzw. ihn voll und ganz in seinen Ängsten bestätigt. Damit hätte ich sehr wahrscheinlich die kleine, schon vorhandene Portion Vertrauen verspielt und ich hätte wahrscheinlich sogar riskiert, dass er sich mit einer weiteren Kopfbewegung losgerissen hätte.

Indem ich mich aber sofort bei ihm entschuldigte, selbst erst einmal durchatmete und ihn dann respektvoll, höflich und achtsam fragte, ob er mitkommen würde, fühlte er sich in seinen Bedenken angenommen und schenkte mir das Vertrauen, mit mir in die Halle zu gehen. 

Danke, Ronni, dass Du mir gezeigt hast, dass ich nicht nur schlaue Dinge schreiben, sondern auch selbst befolgen sollte!

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26. April 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 13 Kommentare »

Die Arbeit an der Longe – Fallbeispiel 1: das hektische Pferd

Mit meinem Longenkurs gebe ich eine sehr praxisorientierte Anleitung für das korrekte Longieren nach biomechanischen Grundsätzen und zeige darin kleinschrittig, wie sich das gute Laufen erarbeiten lässt. In der Praxis zeigen sich dann oft recht ähnliche Probleme oder Herausforderungen und so denke ich, dass es für viele von Ihnen hilfreich ist, wenn ich hier hin und wieder anhand von Praxisbeispielen aufzeige, wie ich mit ihnen umgehe. 

Alles zu hektisch!

Eine junge Warmblutstute wirkt an der Longe sehr nervös. Sie gibt zwar schnell im Genick nach, drängt aber auch immer wieder nach innen und zeigt kurze, hektische Tritte. 

So gehe ich vor:

Zunächst muss die innere Losgelassenheit des Pferdes erarbeitet werden und dafür muss ich als Longierende viel Ruhe in die Einheiten bringen. Mittels Führübungen wie z.B. das „Führen in Stellung“ und mit beruhigenden Übungen wie das Kopf tief arbeite ich ein nervöses Pferd erst einmal solange, bis es ruhig im Schritt auf etwas Distanz zu mir gehen und sich immer besser entspannen kann. Erst dann lasse ich das Pferd für ein paar Schritte ruhig antraben und pariere es gleich wieder durch, möglichst, bevor das Pferd wieder hektisch oder zu schnell geworden ist.

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Ruhe vor allem anderen

Bleibt das Pferd im Trab entspannt und ruhig, darf es im Trab bleiben. Ich gehe mit ca. drei Metern Abstand neben dem Pferd auf Kopfhöhe mit und wirke beruhigend auf das Pferd ein. Meiner Erfahrung nach wirke ich beruhigend auf Pferde, wenn ich mich selber etwas klein mache und mit leisen, beruhigenden Worten mit dem Pferd sanft rede. Grundsätzlich gilt, dass Sie die Energie ausstrahlen sollten, die Sie sich vom Pferd wünschen. Um zu beruhigen, strahlen Sie also so viel Gelassenheit und Ruhe aus wie nur möglich. Stellung und Biegung können zu diesem Zeitpunkt noch vernachlässigt werden, zunächst muss das Pferd gelernt haben, wirklich stabil losgelassen neben dem Menschen zu traben. In den Momenten, in denen das Pferd nach innen drängt, gebe ich mit einer Gerte oder einer kurzen Fahrpeitsche langsame, vorsichtige Berührungen an die Schulter, bzw. bei sehr sensiblen Pferden reicht oft auch schon das Hinzeigen mit der Gerte zur Schulter des Pferdes.

Achtung: Das Pferd darf dadurch nicht wieder Stress bekommen! Ist das der Fall, wurde die Hilfe zu schnell und/oder zu stark gegeben. Auf keinen Fall darf das Pferd Angst vor der Hilfe haben.

Hilfe durch eine innere Bande

Sehr hilfreich ist für solche Pferde auch die Arbeit mit einer inneren Bande aus Dualgassen. Diese Bande hilft dem Pferd, seine Lauflinie zu halten, wodurch das Hereindrängen auch ohne viele Hilfen oft gut verhindert wird.

Hält das Pferd dann seine Lauflinie auf dem Kreis und trabt ruhig auf dem Zirkel, beginne ich damit, mit weichen Impulsen an der Longe, um um etwas mehr Stellung zu bitten. In Kombination mit der Gertenhilfe zur Schulter sollte sich das Pferd im Laufe der Zeit immer mehr aufrichten und biegen lassen. Jede richtige Idee des Pferdes, sich im Genick zu stellen, die innere Schulter anzuheben und sich zu biegen, lobe ich begeistert.

Bleibt das Pferd ruhig und hat sich die Haltung verbessert, verlängere ich langsam die Longe und versuche behutsam, mit etwas mehr Energie und vorsichtig treibenden Hilfen die Hinterhand des Pferdes aktiver zu machen und die Schritte des Pferdes zu vergrößern. Gerät das Pferd dabei wieder in Hektik, muss der Mensch das Pferd erst wieder beruhigen. Klappt das im Trab nicht, geht man wieder zurück zur Schrittarbeit. Ist das Pferd wieder entspannt, versucht man es erneut und geht erst über das ruhige Antraben wieder in die Trabarbeit.

Bei nervösen Pferden, egal welchen Alters, empfehle ich also grundsätzlich dieses schrittweise Vorgehen:

  • Ruhe und Losgelassenheit erarbeiten,
  • an der Verbesserung der Haltung feilen,
  • dann die vorsichtige Vergrößerung der Distanz zum Menschen und
  • erst dann das Erarbeiten von Schwung und einem frischen Vorwärts.

Und hier finden Sie Fallbeispiel 2: Mühsam, zäh und steif

29. März 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Jungpferdausbildung, Longieren 4 Kommentare »

Das begriffsstutzige Wesen namens Mensch

Mein Buddy hat mir eine schöne Lektion erteilt.

Ein absolutes Lieblingsspiel von Buddy ist es, sich den Hula-Hoop-Reifen über den Kopf zu werfen:

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Er macht das sicher und mit großer Freude. Nun habe ich dieses Spiel lange Zeit nicht mehr mit ihm gemacht. Letztens wollte ich es dann wieder mit ihm spielen und Buddy schien es komplett verlernt zu haben. Er nahm den Reifen, den ich ihm anbot, kaum ins Maul, geschweige denn, dass er versuchte, den Reifen über seinen Kopf zu werfen. Ich clickerte die kleinsten Ansätze und konnte nicht glauben, dass er sich so gar nicht mehr an diese Übung erinnern sollte. Buddy verlor dann auch schnell das Interesse und ließ den Reifen links liegen. Ein paar Tage später versuchte ich es erneut, mit dem gleichen kläglichen Ergebnis. Ich muss zugeben, ich war wirklich enttäuscht. Wie konnte er diese Übung nur verlernt haben? Er ist doch sonst so ein schlaues Pony …

Beim Autofahren kam mir plötzlich der Geistesblitz! Es war der falsche Reifen! Wir hatten immer mit einem anderen Reifen geübt. Der Reifen, den ich jetzt mit hatte, hat abgeflachte Seiten, ist also kantig – hier auf den Fotos ist es der gelbe Reifen:

bh2 bh1Anscheinend konnte Buddy diesen Reifen einfach nicht in seinem Maul drehen. Also gab er nach einigen Versuchen auf. Bei meinem nächsten Besuch bei Buddy suchte ich nach einem anderen Reifen, einen, der keine abgeflachten Kanten hat, sondern schön rund ist (s. oben der graue Reifen) und sofort war Buddy wieder Feuer und Flamme und schmiss sich den Reifen gekonnt über den Hals! 

Tja Buddy, bitte entschuldige, dass ich an deinen Fähigkeiten gezweifelt habe! Es hat etwas gedauert, aber zum Glück bin ich dann doch noch darauf gekommen, dass mal wieder ICH schwer von Begriff war … 🙂

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16. Februar 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Spiele & Co, Verhalten 7 Kommentare »

Probleme bei der Freiarbeit und Lösungen dazu

Es gibt einige Probleme, die immer wieder bei der Freiarbeit auftauchen. Konkrete Anleitungen sind leider schwer zu geben, da die Freiarbeit sehr individuell ist und es oft auf Feinheiten und Kleinigkeiten ankommt, die gar nicht alle beschrieben werden können. Dennoch möchte ich in diesem Blogbeitrag versuchen, einige Gedanken zu den Ursachen von Problemen aufzuzeigen und mögliche Lösungsansätze geben. 

Fehler sind menschlich!

Gleich vorweg das Wichtigste: Wie bei jeder Arbeit mit Pferden gilt auch für die Freiarbeit der Grundsatz: nicht das Pferd macht etwas falsch, sondern der Mensch. Das zu verinnerlichen ist bei der Freiarbeit besonders wichtig, weil hier die Fehler des Menschen noch deutlich sichtbarer werden (sie können ja nicht durch Hilfsmittel kaschiert werden). 

Nun aber auch gleich die erleichternde Botschaft: Fehler bei der Freiarbeit sind vollkommen normal und ja, im doppelten Wortsinn menschlich. Es ist immer wieder eine große Herausforderung, sich einem Pferd verständlich zu machen. Während wir bei allen anderen Arbeitsformen Stricke, Zügel oder andere Möglichkeiten haben, uns (auf eine mehr oder weniger nette Art) durch direkten Kontakt mitzuteilen oder auch „durchzusetzen“, fällt das bei der Freiarbeit weg. Hier haben wir nur unsere Körpersprache, unsere Stimme und unsere Energie/Ausstrahlung und als Hilfsmittel vielleicht eine Peitsche (aber selbst der kann sich das Pferd im Normalfall durch Weglaufen entziehen – und ein aggressives Scheuchen oder gar ein Schlagen mit einer Peitsche ist in der Freiarbeit ein absolutes Tabu, da es jegliches Vertrauen zerstören kann und damit der Freiarbeit jede Grundlage entzieht). 

Für mich ist die Freiarbeit die ehrlichste Arbeit mit dem Pferd, da sie auf der Bereitschaft gegenseitigen Zuhörens und Respekts basiert. Und das muss sich jeder erst erarbeiten und ein Stück verdienen – also keine Angst vor Fehlern, aber dafür bitte viel Bereitschaft, sich selbst und das eigene Tun zu hinterfragen!  

Schauen wir uns einmal an, was alles passieren kann: 

Das Pferd hört nicht zu

Unter dieser Überschrift lassen sich eine ganze Reihe von Problemen fassen, wie z.B.: 

  • das Pferd rast und buckelt los und reagiert nicht auf den Menschen, 
  • das Pferd entscheidet über Richtung und Tempo,
  • das Pferd läuft Runde um Runde und lässt sich weder verkleinern noch irgendwie sonst erreichen, 
  • das Pferd steht am Tor und will nicht mitarbeiten
  • und ähnliches mehr.

Wie bei jedem anderen Problem auch, müssen wir zunächst die Ursache herausfinden, um zu überlegen, wie wir sinnvollerweise vorgehen können. 

Wenn das Pferd immer dann, wenn es frei gelassen wird, rast und buckelt, lässt sich vermuten, dass es nicht genug Bewegung oder alternativ Angst hat.

Zu wenig Bewegung ist in der Regel ein Problem der Haltung, manchmal nur punktuell, wenn  z.B. Dauerfrost oder Glatteis die Bewegungen der Pferde einschränken, meist aber ist es eine nicht artgerechte Haltung, wie Boxen, Einzelhaft und Mini-Paddocks. Hier kann nur eine Änderung der Haltung wirklich dafür sorgen, dass das Pferd sich nicht mehr sofort austoben muss, wenn es denn mal frei gelassen wird.

Rennt und tobt das Pferd aus Angst, ist herauszufinden, was seine Angst auslöst. Hat es Angst vor der Peitsche? Vor dem Menschen, der vielleicht unbewusst zu viel Druck macht? Hat es schlechte Erfahrungen beim Freilaufen gemacht, die immer noch nachwirken? Nur wenn wir erkennen, was dem Pferd Angst macht, können wir die Ursachen dafür beseitigen. 

Wenn das Pferd selbstständig über Tempo und Richtung entscheidet, hat der Mensch es noch nicht geschafft, auf eine gute Weise wichtig genug für das Pferd zu sein. Hier gilt es, beim kleinen Einmaleins der Kommunikation anzufangen und als Mensch z.B. erst einmal damit zu beginnen, auf eine friedliche, aber klare Weise Raum in der Halle bzw. auf dem Platz einzunehmen und so dem Pferd zu vermitteln, dass es auf ihn zu achten hat. Erst darauf lässt sich dann aufbauen.

Läuft ein Pferd einfach los und rennt Runde um Runde, ohne auf den Menschen zu achten (meist übrigens in Außenstellung), dann spult es das ab, von dem es glaubt, dass es von ihm erwartet wird. Man kann das oft bei Pferden sehen, die auf eine schlechte Weise longiert oder per Join up gearbeitet wurden. Solchen Pferden gilt es ganz behutsam und sanft zu zeigen, wie Freiarbeit aussehen kann und dass es auch eigene Ideen einbringen darf. Manchmal ist dafür viel Einfühlungsvermögen und Geduld nötig, denn solche Pferde haben große Angst, Fehler zu machen und dafür bestraft zu werden. 

Rennt oder geht das Pferd immer wieder zum Ausgang, um dort stehen zu bleiben, zeigt es deutlich, dass es kein Interesse an der Freiarbeit hat. Hier gilt es herauszufinden, ob es die eigene Ausstrahlung und Erwartungshaltung ist, die es dem Pferd schwer macht, oder fehlende Motivation oder Freude, oder ob es vielleicht einfach noch überhaupt nicht verstanden hat, worum es geht. 

Das Pferd will nicht laufen

Häufig wird auch beschrieben, dass ein Pferd gar nicht weg vom Menschen und sich auch nicht wirklich bewegen will. Das wird dann fast immer als „Faulheit“ oder „Respektlosigkeit“ gedeutet. Leider sind diese Interpretationen oft vollkommen falsch!

Die meiner Erfahrung nach häufigste Ursache für ein Kleben am Menschen bei der Freiarbeit ist die, dass das Pferd nicht versteht, was der Mensch von ihm will. Es ist verunsichert, weil der Mensch sich nicht klar ausdrücken kann. Manche Pferde reagieren darauf, indem sie losrennen, sehr viele Pferde aber bleiben einfach in der Nähe des Menschen. Und das unterstützt der Mensch dann oft noch durch unbedachtes Lob, in dem er sich freut, dass das Pferd „so kuschelig“ ist und es dann streichelt oder gar ein Leckerli gibt, weil es doch so süß ist. Wenn danach dann rüde versucht wird, das Pferd nun aber endlich wegzuschicken und zum Laufen zu bringen, kann das Tier überhaupt nicht mehr verstehen, was der Mensch eigentlich von ihm will …  

Wenn ein Pferd nicht laufen möchte, liegt das in den meisten Fällen an der Körpersprache oder Ausstrahlung des Menschen. Sehr viele bremsen die Lauflust ihrer Pferde ganz konkret durch falsche Signale oder durch die eigene (fehlende) Energie. Hier gilt es, sich der Körpersprache und -haltung, der eigenen Energie und Ausstrahlung und der Signale, die man selbst – oft unbewusst – sendet (vielleicht auch aus Angst, dass das Pferd fallen könnte, wenn es schneller wird, oder einen umrennt), bewusst zu werden. Videoaufnahmen von sich selbst leisten da eine gute Hilfe und natürlich auch das Feedback anderer, wenn sie denn den nötigen Blick dafür mitbringen.

Eine generelle Bewegungsunlust kann Ursachen haben, die außerhalb der Freiarbeit liegen: vielleicht hat das Pferd Schmerzen oder zu wenig Energie, vielleicht ist es traurig oder müde. 

Das Pferd hat keine Freude an der Freiarbeit

Hin und wieder beschreiben Leute, dass ihr Pferd bei der Freiarbeit irgendwie grimmig aussieht. Es tut zwar vielleicht alles, was gewünscht wird, hat aber angelegte Ohren, der Blick ist in sich gekehrt und es zeigt keinerlei Freude an dem Tun. In seltenen Fällen wird das Pferd sogar aggressiv, droht also zu treten oder zu beißen oder es steigt. 

Hier muss zunächst überprüft werden, ob unsere Interpretation tatsächlich richtig ist, denn wenn sich ein Pferd konzentriert, kann es durchaus ernst aussehen oder wenn es vor Freude einen Sprung macht, heißt das noch lange nicht, dass es tatsächlich nach uns schlagen wollte. Auch kann es sein, dass dem Pferd z.B. das Steigen beigebracht wurde und es denkt, dass es das tun soll. Hier ist es sehr wichtig, die Motivation des Pferdes zu erkennen, damit wir sein Verhalten nicht falsch deuten. 

Wenn wir uns aber sicher sind, dass das Pferd wirklich sauer ist, müssen wir auch hier versuchen, die Ursachen zu finden:

  • Ist es so nur bei der Freiarbeit oder auch in anderen Bereichen?
  • Hat es vielleicht körperliche Probleme, die die Arbeit schmerzhaft machen? 
  • Verbindet es Freiarbeit vielleicht mit etwas Unangenehmen (schlechten Erfahrungen o.ä.)?
  • Wissen wir, was unserem Pferd Freude macht?
  • Loben wir genug und vor allem auf eine Art, die für das Pferd auch wirklich eine Belohnung ist?
  • Fordern wir vielleicht zu viel?
  • Sind wir zu streng?
  • Darf das Pferd sich selbst einbringen oder muss es nur funktionieren?
  • Welche Ausstrahlung haben wir selbst bei dieser Arbeit?

Da wir bei der Freiarbeit ein Pferd nicht wirklich zwingen können, zeigen sich hier grundlegende Motivationsprobleme oder auch eine eventuelle Abneigung gegen Menschen oft deutlicher als bei anderen Arbeiten. Das macht es für uns Menschen nicht immer leicht, schenkt uns aber gleichzeitig die große Chance, solch verärgerte Pferde wirklich kennen und verstehen zu lernen und uns eine im Idealfall freudige Mitarbeit ehrlich zu verdienen. Ein verärgertes oder trauriges Pferd, das bereit ist, sich neu zu öffnen und einzulassen, ist eines der schönsten Geschenke überhaupt. 

Mehr Mut zum Miteinander

In der Summe glaube ich, dass die meisten Probleme in der Freiarbeit entstehen, weil wir nicht bereit sind, ein Pferd in seinem Pferdsein anzunehmen, sondern auch hier alles kontrollieren und bestimmen wollen. Aber genau das ist eben nicht Sinn der Freiarbeit.

Wer gerne mit seinem Pferd frei arbeiten möchte, sollte weniger auf das schauen, was oft so spektakulär in Videos gezeigt wird, als vielmehr bereit sein, seinem Pferd zuzuhören und mit ihm zusammen einen ganz eigenen Weg zu finden.

Wenn wir aufhören, etwas zu wollen und unsere Erwartungen und Vorstellungen darüber, wie das jetzt alles zu sein hat, loslassen, zeigen uns Pferde oft selbst, wozu sie Lust haben und wie die Arbeit aussehen kann. Das Wörtchen „frei“ deutet an, dass wir für die Freiarbeit eben auch eine Portion Bereitschaft mitbringen müssen, sich ein Stück weit vom Pferd leiten und vor allem überraschen zu lassen.

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 (Foto von Horst Streitferdt)

2. Februar 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Freiarbeit, Jungpferdausbildung, Umgang 12 Kommentare »

Wie für mich gute Freiarbeit aussieht

Nachdem ich in diesem Beitrag aufgeführt habe, welche Irrtümer es zur Freiarbeit gibt, möchte ich heute zeigen, worauf es bei dieser Arbeit meiner Ansicht nach ankommt. (Alle Fotos sind wieder von Horst Streitferdt, vielen Dank dafür!)

Die Grundstimmung bei der Freiarbeit sollte ruhig und entspannt sein. 

Freiarbeit heißt nicht, sein Pferd wie wild herumtoben zu lassen, sondern das Ziel sollte immer ein ruhiges und entspanntes Arbeiten sein und das auch in den höheren Gangarten.

freiarbeit4Ein sich aufpushendes Pferd hört nicht zu und kann damit für uns gefährlich werden und läuft fast immer schlecht (siehe dazu auch weiter unten). Wirklich gemeinsam arbeiten können wir nur, wenn wir die Aufmerksamkeit des Pferdes haben und auch sein Vertrauen. Das Pferd muss also bereit und in der Lage sein, auf uns zu achten und es darf keine Angst haben – nicht vor uns, nicht vor der Peitsche oder davor mit irgendetwas gescheucht zu werden.  

Freiarbeit ist nicht immer spektakulär.

Aus dem Grundsatz, dass die Freiarbeit ruhig und entspannt sein sollte, folgt auch, dass Freiarbeit keineswegs immer spektakulär ist, sondern es kann gut sein, dass man von außen nicht viel sehen kann. Manchmal geht es z.B. nur um ganz kleine, ja, fast unscheinbare Dinge, wie z.B. die Bereitschaft des Pferdes auf eine Körperdrehung hin eine Volte zu verkleinern oder darum, auf kleinste Signale langsamer zu werden. Wildes Springen und Buckeln hat viel weniger mit Freiarbeit zu tun, als z.B. ein ruhiges Traben in guter Laufmanier. 

Die folgenden Bilder zeigen Babette in der Freiarbeit mit Ronni. Da Ronni schnell dazu neigt sich aufzuregen, nutzt Babette das Kopf tief in verschiedenen Varianten, um ihn immer wieder runterzuholen, damit er entspannen kann. Von außen sieht das nach nicht viel aus, aber für die Beziehung und das Miteinander, sind diese Phasen ganz entscheidend!

freiarbeit10 freiarbeit9Dadurch das Babette immer wieder viel Ruhe in die gemeinsame Arbeit bringt, ist es Ronni möglich, sich wirklich auf sie zu konzentrieren und z.B. sogar gelassen und aufmerksam anzugaloppieren: 

freiarbeit8Bei der Freiarbeit geht es darum, zu erspüren, wie es dem Pferd gerade geht, was es braucht und wie wir mit ihm kommunizieren können. Ein Pferd, bei dem das Adrenalin durch die Adern rauscht oder das Angst oder Stress hat, kann kaum auf Signale achten, sondern will sich abreagieren oder fliehen. Das sieht vielleicht auf den ersten Blick „ganz toll“ aus, hat aber nichts mit Freiarbeit zu tun. Es kann dann schnell für uns selbst gefährlich werden und auch dem Pferd schaden! Deshalb ist es wichtig, ohne viel Druck zu arbeiten und auch immer wieder Pausen einzulegen. 

Auch in der Freiarbeit geht es um das korrekte Laufen.

Wenn Pferde in einer Halle oder auf dem Reitplatz toben, laufen sie leider alles andere als gesundheitsfördernd, sondern so, wie sie auch in der freien Natur toben würden. Dort aber haben sie eine weite Fläche zur Verfügung, während auf einem Reitplatz oder in der Halle schon nach wenigen Metern Begrenzung kommt und das Pferd deshalb ständig Kurven laufen muss. Und hier kann man deutlich sehen, wie schief Anthony beim freien Toben in die Kurven geht: 

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Das geht stark auf die Gelenke und ist auf Dauer gesundheitsschädigend. Es ist kein Drama, wenn es an „lustigen“ Tagen mal zu solchen Bewegungsausbrüchen kommt,  aber diese sollten nicht auch noch vom Menschen herausgefordert oder provoziert werden, sondern das Ziel muss immer darin bestehen, die Energie des Pferdes in eine gute Laufmanier fließen zu lassen. 

Wie auch beim Longieren können wir dem Pferd vermitteln, dass es beim Abwenden die innere Schulter anheben und sich stellen und biegen muss, um sich nicht wie ein Motorrad in die Kurve zu werfen, sondern eher wie eine Eisenbahn auf Schienen zu sein. Petra zeigt hier, wie sie Nico an seine innere Schulter erinnert, damit er sich mehr stellt und biegt: 

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Und ebenfalls wie beim Longieren ist es auch bei der Freiarbeit hilfreich, Hilfsmittel zu nutzen, um es dem Pferd leichter zu machen, sich das korrekte Laufen zu erarbeiten. Ich selbst arbeite dafür gerne mit Dualgassen (nach Michael Geitner) und einer Quadratvolte. Auf dem folgenden Bild ist zu sehen, wie mir die Gasse dabei hilft, dass Anthony auch im schwungvollen Trab nicht nach innen driftet, sondern sein Gewicht selbstständig etwas mehr nach außen bringt. Er stellt sich nahezu perfekt selbst im Genick, um die anstehende Kurve ausbalanciert meistern zu können. 

freiarbeit2

Und dasselbe ist hier beim Angaloppieren zu sehen – die Gassen geben Anthony die nötige Orientierung, nicht einfach im Galopp nach vorne zu preschen, sondern gesetzt anzugaloppieren: 

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Positive Verstärkung ist das A und O

Gute Freiarbeit zeigt dem Pferd, genau wie gute Longenarbeit, wie es Kurven gesundheitsschonend bewältigen kann, nämlich in Stellung und Biegung, mit der nötigen Aufrichtung und Balance. Dafür müssen wir die entsprechenden körpersprachlichen Signale geben und es dem Pferd konsequent vermitteln, wenn es seine Sache gut und richtig macht. Nur so wird das Pferd dauerhaft motiviert sein, freiwillig und freudig mitzuarbeiten.

Ich kombiniere die Freiarbeit gerne mit dem Clickertraining, da das Futterlob in den meisten Fällen die wirkungsvollste Möglichkeit ist, dem Pferd zu sagen, dass etwas prima ist. Man kann das Pferd aber natürlich auch durch Stimmlob und Streicheleinheiten bestätigen. 

Die Freude darf nie zu kurz kommen

Selbst wenn es, wie beschrieben, auch bei der Freiarbeit darum geht, sich mit dem Pferd ein korrektes Laufen zu erarbeiten, sollte auch hier die Freude nie zu kurz kommen.

Wenn unser Pferd zwischendurch mal einen eigenen Einfall, oder Lust auf etwas ganz anderes hat oder einen Freudenbuckler einlegt, dann sollten wir das nicht sofort streng unterbinden. Lachen wir doch einfach über unser Pferd und lassen es gewähren. Wir können jederzeit neu entscheiden, ob wir seiner Idee folgen oder es doch noch einmal zu einer konzentrierten Arbeit einladen möchten. Und sollte es mal einer dieser Tage sein, an denen unser Pferd den sprichwörtlichen Clown verschluckt hat, dann albern wir halt einfach mit ihm herum! In dem Wort Freiarbeit steckt das Wort „frei“ und da verbietet sich ein verbissener Anspruch von ganz allein. 

Freiarbeit ist vor allem eines: gute Kommunikation

Die Essenz guter Freiarbeit ist eine pferdegerechte Kommunikation, die zu einem achtsamen und respektvollen Miteinander von Mensch und Pferd führt. Hierbei spielen die Grundatmosphäre, die Körpersprache und die Bereitschaft, einander zuzuhören und der Versuch, einander zu verstehen, eine entscheidende Rolle. 

In einem weiteren Beitrag wird es um Probleme in der Freiarbeit gehen und wie diese zu lösen sind.

19. Januar 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Freiarbeit, Jungpferdausbildung, Umgang 3 Kommentare »

Wie wir wirken oder: Die Sache mit den anderen, Teil 2

In der letzten Woche habe ich beleuchtet, was andere Leute im Stall für mich bedeuten und wie ich damit umgehe. Heute möchte ich den Blick auf die andere Seite lenken: nämlich was meine eigene Anwesenheit vielleicht für andere mit sich bringt.

Jeder kennt das Gefühl beobachtet zu werden und meist ist das kein angenehmes Gefühl. In Pferdeställen wird das Unbehagen oft noch durch eine Portion Missgunst, durch allgegenwärtige Lästereien und zum Teil auch durch handfeste Feindseligkeiten verstärkt. So kann das Reiten oder Zusammensein mit dem eigenen Pferd zu einer Qual werden und manch einer hat sich sicher schon entschieden, lieber nichts zu machen, wenn zu erwarten ist, dass bestimmte Leute zuschauen…

Ich habe das große Glück in einem kleinen, ruhigen und sehr friedvollen Stall zu sein. Bei uns steht niemand an der Bande und lästert und das ist etwas sehr Kostbares. Und dennoch kann jeder von uns für andere eine Quelle an Unsicherheit sein, das ist mir neulich sehr klar geworden.

Es sollte eine Sattelmessung mit einem Impression-Pad stattfinden und da ich noch etwas Zeit hatte, schaute ich zu. Während wir zu zweit an der Hallentür standen, wurde die Stute, für die die Sattelmessung gemacht wurde, geritten. Irgendwann sagte die Reiterin: „Ihr macht mich ja ganz nervös!“ Gut, dass sie das so sagen konnte, denn tatsächlich war mir nicht bewusst gewesen, dass wir durch unser interessiertes Schauen und unser Reden eine verständlicherweise verunsichernde Wirkung hatten – prüfend, kritisch, abschätzend. Und damit veränderte sich die Stimmung für die Reiterin ganz wesentlich.

Wie schön, dass dieses Erlebnis genau nach dem Schreiben meines letzten Blogbeitrags kam, denn so bewusst ich mir auch darüber war, wie andere auf mich wirken, so hatte ich mir bisher eher wenige Gedanken über meine eigene Präsenz gemacht. Zwar lasse ich Leute, die gerade etwas mit ihrem Pferd machen, in der Regel ganz bewusst in Ruhe, aber allein mein Schauen und ganz sicher auch meine Gedanken, die ich oft automatisch habe, haben dennoch eine Wirkung. Ich werde in Zukunft versuchen, hier achtsamer zu sein und, wenn ich schon gucke, ganz gezielt gute Gedanken zu senden. Vielleicht kann Euch Text Euch dazu anregen, mal zu überlegen, wie oft Ihr selbst mit anderen zusammensteht und anderen beim Reiten zuschaut und dabei vielleicht auch noch miteinander über die Person redet – und wie das möglicherweise wirkt. Ich denke, ein etwas achtsamerer Umgang untereinander kann die Stimmung in vielen Ställen nur verbessern, meint Ihr nicht?

28. April 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Sonstiges 4 Kommentare »

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