Das begriffsstutzige Wesen namens Mensch

Mein Buddy hat mir eine schöne Lektion erteilt.

Ein absolutes Lieblingsspiel von Buddy ist es, sich den Hula-Hoop-Reifen über den Kopf zu werfen:

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Er macht das sicher und mit großer Freude. Nun habe ich dieses Spiel lange Zeit nicht mehr mit ihm gemacht. Letztens wollte ich es dann wieder mit ihm spielen und Buddy schien es komplett verlernt zu haben. Er nahm den Reifen, den ich ihm anbot, kaum ins Maul, geschweige denn, dass er versuchte, den Reifen über seinen Kopf zu werfen. Ich clickerte die kleinsten Ansätze und konnte nicht glauben, dass er sich so gar nicht mehr an diese Übung erinnern sollte. Buddy verlor dann auch schnell das Interesse und ließ den Reifen links liegen. Ein paar Tage später versuchte ich es erneut, mit dem gleichen kläglichen Ergebnis. Ich muss zugeben, ich war wirklich enttäuscht. Wie konnte er diese Übung nur verlernt haben? Er ist doch sonst so ein schlaues Pony …

Beim Autofahren kam mir plötzlich der Geistesblitz! Es war der falsche Reifen! Wir hatten immer mit einem anderen Reifen geübt. Der Reifen, den ich jetzt mit hatte, hat abgeflachte Seiten, ist also kantig – hier auf den Fotos ist es der gelbe Reifen:

bh2 bh1Anscheinend konnte Buddy diesen Reifen einfach nicht in seinem Maul drehen. Also gab er nach einigen Versuchen auf. Bei meinem nächsten Besuch bei Buddy suchte ich nach einem anderen Reifen, einen, der keine abgeflachten Kanten hat, sondern schön rund ist (s. oben der graue Reifen) und sofort war Buddy wieder Feuer und Flamme und schmiss sich den Reifen gekonnt über den Hals! 

Tja Buddy, bitte entschuldige, dass ich an deinen Fähigkeiten gezweifelt habe! Es hat etwas gedauert, aber zum Glück bin ich dann doch noch darauf gekommen, dass mal wieder ICH schwer von Begriff war … 🙂

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16. Februar 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Spiele & Co, Verhalten 7 Kommentare »

 

7 Reaktionen zu “Das begriffsstutzige Wesen namens Mensch”

 

Von Heike • 16. Februar 2016

Hallo Babette, genau so einen Reifen hatte ich auch anfangs. Es ist für die Pferde wirklich unmöglich ihn zu drehen, zumal er auch viel schwerer ist.
Es sind oft so Kleinigkeiten wo wir denken das Pferd will nicht, dabei kann es einfach nicht. Danke für die Erinnerung!

 

Von Jenny • 16. Februar 2016

Schöne Geschichte 😉

Ich denke auch schon eine Weile darüber nach, ob es nicht gut wäre, wenn wir unsere Energien mal darauf richten würden, Pferden eine Sprache beizubringen, in der sie uns besser dinge mitteilen können.

Für Diskussionen über die form von hulahoop-reifen dürfte das zwar vielleicht auch nicht ausreichen, aber wenigstens für andere Dinge.

Euer Beitrag zum startsignal, mit dem das Pferd signalisieren kann „ja, bin bereit, du darfst die Übung starten“, ging ja in die Richtung. Aber sonst sind wir ja doch meist darauf fixiert, dem Pferd mitzuteilen, was wir wollen (auch wenn hier sicher etliche versuchen, auf die natürliche Kommunikation und die Bedürfnisse des pferdes zu achten und darauf einzugehen).

Mit Primaten gibt es ja Zeichensprachensysteme, die in Experimenten zur Kommunikation genutzt werden. Pferde sind weniger intelligent, aber können in versuchen ja auch abstrakte konzepte wie Mengen verstehen und kommunizieren.

Pferde könnten daher vielleicht wenigstens eine einfache Kommunikation auch mit abstrakten Konzepten lernen (z.b. Zeichen für so was wie „au das tut weh und zwar hier“, statt erdulden (zt trotz Schmerzen) oder giften; oder konzepte wie besser / schlechter bzw. lieber das als das – wäre doch zb für sattelauswahl o.ä. praktisch; oder so was wie „habe durst“, „bitte sanfter/fester“).

Keine Ahnung, ob so was (alles) geht bzw wie aufwändig es wäre. Oder was wir tun würden, wenn das Pferd jedesmal „fick dich“ sagt, wenn wir mit dem Sattel ankommen (wobei es dafür ja schon etliche pferdische stinkefingergesten gibt) 😉

Aber vielleicht würden wir bei einem pferd, was auf den hulahoop-reifen deutet und die neu erlernte geste für „nein/schlecht“ macht, künftig denken: hm, entweder es mag heute oder grundsätzlich damit nicht spielen oder es meint, dass dieser Reifen doof ist.

Ja, nur so ein gedankenexperiment…

Mit lieben Grüßen und dank für eure schöne Seite!
Jenny

 

Von Katja • 17. Februar 2016

Liebe Jenny,
die Pferde machen doch genau das. Es ist nur der Mensch, der lernen muss das Pferd zu verstehen.

 

Von Nina • 22. Februar 2016

Was für eine rührende Geschichte!
Gott sei Dank gibt es bei eurem Training keine Strafen 🙂

 

Von Silvia Geszler • 22. Februar 2016

Süß! Eine echt schöne Geschichte! Tja, wenn wir halt nicht so oft auf dem Schluach stünden,gell?1 ;-)GottseiDank sind unsere Vierbeiner wunderbare Lehrer!

 

Von Britta • 22. Februar 2016

Monstersäcke
Mein ängstliches Pferd ist vor ein paar Wochen in den Offenstall ungezogen und gruselt sich jetzt vor all den neuen Monstern (vor allem vor Rindern und Schafen). Letzte Woche standen dann auch noch alle zehn Meter Mülltonnen am Straßenrand und davor Berge von gelben Säcken.Huch!Der Ausritt war für uns beide stressig, da es alle paar Meter neue Diskussionen gab, ob man sich als Pferd denn nun vorbeitrauen kann ohne gefressen zu werden. Ganz zum Schluss ist mein Pferd dann ein paar Meter losgeschossen, weil ihm alles zu viel war. Erst dann habe ich endlich begriffen, dass ich absteigen und ihr alles von unten zeigen sollte, weil sie mir am Boden einfach mehr vertraut als im Sattel. Und sofort war mein Nervenbündel ruhig und entspannt und die Säcke wurden neugierig inspiziert. Wie schade, dass ich das nicht eher begriffen habe. Wenn man sieht, wie oft unsichere Pferde von ihren Reitern mit Gerte und Sporen vorwärts getriezt werden, muss man sich wirklich fragen, was das eigentlich bringt. Mir hat das Zuhören und Absteigen jedenfalls deutlich mehr geholfen. Danke, dass ihr immer wieder so positiv dazu motiviert, den pferdegerechteren Weg zu gehen!

 

Von Anke • 23. Februar 2016

Liebe Babette,

kannst Du Dich dem Gedanken öffnen, dass Dein Pferd selbst Dir das Bild/ Gefühl geschickt hat? Nenn es Telepathie. Ich hatte hin und wieder so ein Erlebnis. Es ist nur schwer anzunehmen. Aber es gibt noch so viel mehr zwischen Himmel und Erde…

Liebe Grüße

 

 

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