Eine Coaching-Woche mit Steffi und Nele

Sehr spannende und schöne Tage liegt hinter mir, denn ich hatte Steffi mit ihrer Nele für eine Woche zum Coaching bei mir. Da ich denke, dass es für Euch ganz interessant sein kann, so eine Woche einmal aus beiden Perspektiven erzählt zu bekommen, habe ich hier zunächst Steffis Bericht für Euch und weiter unten gibt es dann noch eine kleine Reflexion von mir. 

Steffis Bericht

sun5Letztes Jahr habe ich mich entschieden, zu Tania zu fahren, um eine Woche intensiv für meine Nele und mich zu haben. Mein Ziel ist es, mit meiner Nele ein ganz besonderes Team zu werden und da fehlte mir noch das eine oder andere und ich wusste einfach nicht was ich ändern muss. Und jetzt war es endlich soweit, und ich hab mich auf den Weg zu Tania gemacht.

Am Sonntag, den 01.05.2016, bin ich von Tania ganz herzlich in Empfang genommen worden, als ich mit Nele auf Klinges Landwiesenhof ankam.

Ich war super aufgeregt, denn zum einen bin ich ganz alleine gefahren und zum anderen weiß man ja vorher nicht, wie man miteinander klarkommt. Passen Schüler und Trainer zusammen? Wie werden die Trainingseinheiten? Macht meine Nele überhaupt mit in der fremden Umgebung?

Am Montagmorgen haben wir uns dann zur ersten Trainingseinheit getroffen. Ich war sehr aufgeregt, dadurch Nele natürlich auch. Beim Trensen ist Nele losgelaufen, was ich so von ihr nicht kannte. Tania beobachtete mich ganz genau, was ich deutlich gemerkt habe, und dadurch noch aufgeregter wurde. Dann hat Tania sich erstmal angeschaut, wie ich im Sattel sitze. Anschließend sind wir in die Halle gegangen, wo ich Nele den Kappzaum angelegt habe und zeigte, wie ich sie longiere. Nach der ersten Trainingseinheit hat Tania gleich klare Worte gesprochen, was ich sehr gut fand, aber mich gleichzeitig auch zum Weinen brachte. Tania hat sofort erkannt, wo mein größtes Problem war, was mich sehr berührt hat, was aber auch gleichzeitig richtig war. Da ich vorher schon auf Tanias Internetseite war, war mir auch bewusst, dass das auf mich zukommen wird: „klare Worte“ – aber genau das wollte ich auch so. Ich habe mich Tania gegenüber komplett geöffnet, weil ich mich in ihrer Nähe sehr wohl fühlte, und somit war ich auch bereit, alles anzunehmen und es auch umzusetzen.

Ich habe in unserer Woche so viel gelernt, so viel aufgenommen und ganz viel mitgenommen. Wir konnten bei jeder Trainingseinheit sehen, dass sich jedes Mal wieder etwas positiv veränderte, weil ich auch bereit war und bin, einiges zu ändern. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man seinem Pferd wieder ein kleines Stück näher kommt.

Was super spannend war, dass Nele mir ganz klar gemacht hat, wenn ich ihr nicht den richtigen Weg zeigte: Dann stellte sie sich einfach dumm und ging z.B. einfach gradeaus, obwohl sie natürlich genau wusste, dass sie eigentlich abwenden sollte 🙂 Tania und ich konnten uns darüber wirklich amüsieren, denn eines ist Nele: sie ist sehr klar in dem, was sie fordert.

Es waren auch einige Trainingseinheiten sehr emotional. Durch die vielen kleinen, tollen Fortschritte habe ganz stark gemerkt, was meine Nele braucht: LOBEN, LOBEN, LOBEN. Ich werde Nele jetzt mit ganz viel positiver Verstärkung ermutigen, denn dadurch wird sie sehr motiviert – wir beide haben dann richtig viel Spaß dabei.

Ich muss aber auch sagen, dass Tania alles ganz toll vermitteln und erklären kann, und ich das immer gut umsetzen konnte. Was mich an meisten fasziniert hat, ist diese innere Ruhe, die Tania mitbringt, da fühlte man sich rund herum pudelwohl. 

sun2Für mich ist eins sehr wichtig geworden in dieser Woche: Ich muss mich mehr auf meine Nele einlassen und dazu bin ich auch bereit. Es geht darum, Nele das Gefühl zu geben, ja komm, es ist richtig, Pferd sein zu dürfen, zeig mir was du möchtest und daraus machen wir was. Für mich steht fest, dass ich in zwei Jahren dieses Erlebnis mit Nele wiederholen möchte, das ist was ganz Besonderes. Ich bin Tania so dankbar, dass sie mir/uns so wichtige Dinge mitgeben konnte, es war und ist wunderbar. 

Einige Dinge haben sich schon gut verankert wie z.B. „nicht die Hand über den Mähnenkamm“, „Hände wieder runternehmen“, “ Schulter locker lassen“, „Gewicht verlagern“ und nie vergessen: „Bestärke deine Nele, zeig ihr, dass sie es richtig gut macht!“ 

Liebe Tania, danke für die wunderschöne Zeit mit Dir,
Steffi & Nele

 

Und nun noch ein paar Worte von mir

Steffis Zeilen haben mich sehr berührt – danke, Steffi, für diesen wundervollen Bericht!

In diesen Tagen mit den beiden ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie viel Vertrauen jemand mitbringt, der ein Coaching bei mir bucht. Die meisten kennen mich zwar über die Texte, die ich schreibe und über eMails, aber nicht allzu viele haben mich auch schon persönlich kennen gelernt. Wer nun sein Pferd einpackt, um sich eine Woche lang von mir begleiten zu lassen, geht stark in Vorleistung was das Vertrauen angeht – und das ist ein ganz, ganz kostbares Geschenk. 

Ich bin mir bei meiner Arbeit meiner Verantwortung und auch meiner Position sehr bewusst. Mensch und Pferd haben immer eine gemeinsame Geschichte. Sie haben viel erlebt und viel erreicht. Von außen erkennt man zwar vieles leichter und es ist auch nicht allzu schwer, dann eine Reihe kluger Ratschläge zu geben. Mein Job ist es aber nicht, Mensch und Pferd auf meinen eigenen Weg zu bringen, sondern ich sehe meine Aufgabe darin, sie dabei zu unterstützen, ihren gemeinsamen Weg zu finden. Mein Ziel bei jedem Coaching ist es, Türen und Türklinken zu finden und zu öffnen, um Pferd und Mensch neue Möglichkeiten aufzuzeigen. 

Im Coaching schaue ich mir als erstes das Miteinander an und lasse mich ganz ein auf das, was ich dabei fühle. Mir war gleich bei Steffis Ankunft klar, dass ich es hier nicht mit einer unsicheren Anfängerin zu tun habe, sondern mit einer tollen Pferdefrau und einem tollen Pferd. Hier stand kein konkretes Problem an, das es zu lösen gab, denn die beiden kamen bereits als eingespieltes Team bei mir an. Steffi führte ihre Nele vollkommen cool und souverän vom Hänger herunter und zum Auslauf – ich war wirklich beeindruckt, wie ruhig und gelassen beide wirkten und wie selbstverständlich alles ablief. 

Je mehr ich mich dann auf meine Coachees einlasse, desto klarer werden mir auch die Knackpunkte. Bei Steffi war das im Wesentlichen nur einer: sie war sehr gut darin, Nele klar und freundlich zu korrigieren und ihr selbstsicher einen Rahmen zu bieten, aber es fehlte die positive, freudige Rückmeldung, wenn Nele richtig reagierte oder einfach nur brav tat, was sich Steffi von ihr wünschte. Ein scheinbar kleines Element, aber ein ganz bedeutungsvolles, wenn es darum geht, wonach Steffi sich sehnte: nämlich nach einer noch intensiveren Beziehung zu ihrem Pferd. 

In meiner Arbeit habe ich den Blick nie nur auf dem Menschen oder nur auf dem Pferd, sondern es geht mir vor allem um die Beziehung. Ich spüre sozusagen immer in den Zwischenraum und was ihn füllt. Manchmal fühle ich da kaum etwas, weil noch gar keine Beziehung besteht, manchmal ist da Traurigkeit, manchmal Frust, manchmal auch Wut oder noch ganz etwas anderes. Schön ist es, wenn dort Freude ist, Leichtigkeit, Vertrauen und ähnliches. Was immer ich dort finde, das spreche ich aus. Und das kann manchmal auch sehr emotional werden, aber es stecken so viele Chancen und Möglichkeiten für alle darin, die bereit sind, sich wirklich auf die Beziehungsebene mit ihrem Pferd einzulassen.

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In der Woche mit Steffi und Nele ging es auch viel um Technik, also z.B. um die Hilfengebung beim Reiten und um das korrekte Stellen und Biegen an der Longe. Den größten Teil haben wir dabei an Feinheiten gearbeitet, denn auch hier brachte Steffi schon ganz viel Wissen und Können mit und Nele als sehr gut ausgebildetes Pferd auch.

Aber – und das ist wirklich das Entscheidende! – bei all dem bildet die Beziehungsebene immer die Basis. Ich möchte keinen Unterricht mehr geben, ohne das Wir zu reflektieren, denn ein Pferd ist kein Sportgerät und keine Maschine, sondern ein Wesen mit einer Persönlichkeit. Es will gesehen und gefühlt werden, es will sich mitteilen und ausdrücken können und es möchte verstanden werden und vor allem möchte es geben können, was es zu geben hat.

Es war schön zu erleben, wie beherzt Steffi die aufgezeigten Türklinken ergriff und die Türen und Tore weit aufstieß, um gemeinsam mit Nele ein paar neue Wege zu beschreiten. Und für die wünsche ich Euch beiden alles, alles Liebe und Gute, ich bin mir ganz sicher, Eure gemeinsame Zeit wird nun noch schöner werden!

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10. Mai 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Sonstiges 3 Kommentare »

 

3 Reaktionen zu “Eine Coaching-Woche mit Steffi und Nele”

 

Von Steffi Zagorski • 10. Mai 2016

Es war eine sehr schöne und tolle Woche. Ich kann es nur Jedem empfehlen sich mal eine Woche zu gönnen mit seinem Pferd. Man bekommt ganz neue Eindrücke und es einfach ein tolles Erlebnis. Ich verfolge die Seite Wege-Zum-Pferd schon seit Jahren somit war es für mich ein Herzenswunsch mit meiner Nele es mal zusammen erleben zu dürfen und Tania mal persönlich kennen zu lernen.
In zwei Jahren werde ich es definitiv wiederholen.

____________________

Ich freu mich schon drauf!

Lieben Dank, Steffi,
Tania

 

Von Ole Zagorski • 11. Mai 2016

Ein sehr schöner Bericht. Ich kenne nichts von Pferden, aber ich habe gerade gelernt, es geht auch gar nicht um Pferde. Es geht viel mehr um Beziehungen. Das habt ihr Drei wirklich toll gemacht. Eine sehr wertvolle Woche. Ich freue mich für Dich und für Nele. Tanja hat sicher dazu beigetragen, dass Ihr Euch noch ein kleines, wichtiges Stückchen näher kommen konntet.

 

Von Helen Michel • 12. Juni 2016

Hallo Tania
Wow, dieser Bericht ging mir direkt ins Herz, da ich seit 4 Wochen,1 x pro Woche, ein neues Mensch/Pferde paar beim Longieren, betreuen darf, da ihre zusammen Arbeit nicht mehr recht funktionieren wollte…. Das Fazit, ich endeckte fast die gleichen fehlenden Punkte, bei der Besitzerin, wie in deinem Bericht. Blieb das Pferd einfach stehen, anstelle des weitergehens, kam Mutlosigkeit, ach Sie will nicht mehr mit mir arbeiten… Dabei brauchte sie nur klare Worte und eben auch viel Lob, wenn es klappt, nun nach dem 4.x , hat es so toll geklappt, dass sie bemerkte, wie sie ihr Training mit ihrem Pferd als Selbstverständlich angesehen hatte, dabei ging die Freude und das gemeisame zusammen sein, immer mehr verloren, bis das Pferd seinen eigenen Weg gesucht hatte. Jetzt werden sie allmählich wieder ein Team und es klappt immer besser und sogar feiner.

Ich stelle das immer wieder fest, wie sich der Altag oft als selbstverständlichkeit einschleicht und die langeweile, gleich mit… Mit vielen neuen Inputs kann man das sehr gut wieder in Schwung bringen, aber es bedeutet Arbeit und dranbleiben, bevor es wieder Altäglich wird. Wie in einer Beziehung, die funktioniert auch nur, mit gegenseitiger Aufmerksamkeit, damit die gleichgültigkeit keinen Platz findet.
Toller Bericht von euch Beiden. Vielen Dank.
Liebe Grüsse
Helen

 

 

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