Ewiges Dauerlob?

Immer wieder stoßen wir auf ein Phänomen unter Pferdeleuten: den Unwillen, ein Pferd für Dinge zu loben, „die es eigentlich weiß und schon kann“.

  • Da steht ein Pferd superbrav, während der Mensch aufsteigt, wird aber dafür nicht gelobt.
  • Da zeigt ein Pferd ein perfektes Schulterherein im Schritt, bekommt aber keinerlei positive Bestätigung.
  • Da galoppiert ein Pferd an der Longe wundervoll gesetzt an, erhält aber keine Rückmeldung, dass das toll war.
  • Da lässt sich ein Pferd vollkommen gelassen die Hufe auskratzen, aber der Mensch reagiert nicht einmal darauf.

Danach befragt, warum in solchen Fällen sogar ein Stimmlob ausbleibt, heißt es oft: „Ach, das kann der doch.“ oder „Na, das haben wir so oft geübt, das muss sitzen.“ Aber wehe, das Pferd macht auch nur einen halben Schritt zur Seite beim Aufsteigen, wackelt im Schulterherein, stürmt in den Galopp oder zieht mit dem Bein beim Hufeauskratzen… Dann gibt es sofort Korrekturen, wenn nicht sogar Strafen und das dann aber durchaus jedes Mal, selbst wenn es wirklich nur ein Ausrutscher war.

Und dieses Missverhältnis von Lob und Strenge ist doch eigentlich ziemlich traurig. 

Kann man ein Pferd zu viel loben?

Es scheint, als würden viele denken, dass es falsch ist, ein Pferd sehr viel zu loben; so als würden Pferde die Sachen, die sie können, nicht mehr zeigen, wenn sie dafür gelobt werden. Aber es ist doch das genaue Gegenteil der Fall: Lob bringt Freude und motiviert.

Lob ist Anerkennung. Indem wir unser Pferd für etwas Tolles loben, zeigen wir ihm, dass wir zufrieden sind und uns darüber freuen, dass es seine Sache so toll macht. Unser Lob lässt Pferde wachsen und gibt ihnen das schöne Gefühl, gut zu sein.

Vielen ist gar nicht bewusst, dass wir nie genau wissen können, was für ein Pferd jeweils eine besondere Herausforderung ist und was nicht: Für ein Pferd kann es jedes Mal viel Konzentration abfordern, still stehen zu bleiben, auch wenn man es ihm nicht anmerkt (zum Beispiel, wenn es im Busch daneben raschelt oder viel Unruhe auf dem Hof ist oder weil es schwierig ist, das Reitergewicht auszubalancieren und Ähnliches). Ein gutes Schulterherein oder ein gesetztes Angaloppieren ist immer mit Konzentration und Anstrengung verbunden und deshalb nicht selbstverständlich (das Pferd tut das für uns!). Und für ein Fluchttier ist es jedes Mal gegen seine Natur, ruhig zu bleiben, wenn sein Bein festgehalten wird (auch das tut es für uns). Warum deshalb nicht einfach diese Regel einführen:

Jede gute Leistung ist IMMER ein Lob wert!

„Aber dann lobe ich ja ständig.“ heißt es dann und wir antworten dann: „Jaaaa, genau, wie wundervoll!“

Ein Training, in dem viel und freudig gelobt wird, ist ein gutes Training, denn es baut auf, motiviert, sorgt für eine lockere und entspannte Stimmung und lädt ein, weiter aktiv und konzentriert mitzuarbeiten. Es geht dabei gar nicht immer um Futterlob, ein anerkennendes „Super!“ oder ein würdigendes „Brav!“ reicht in vielen Fällen vollkommen aus, es sollte nur aus dem Herzen kommen.

Also ewiges Dauerlob? Ja, das wär’s!

lob

18. August 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Jungpferdausbildung, Umgang 19 Kommentare »

Was ist Gewalt?

Auf unseren offenen Brief hin haben wir viele tolle Reaktionen bekommen – und wir haben damit an vielen Stellen Diskussionen zum Laufen gebracht. In diesen Diskussionen taucht immer wieder ein Punkt auf, der uns bitter aufstößt: und zwar der Einwand, man müsse ja erstmal definieren, was Gewalt eigentlich ist…

Muss man das wirklich? Sollte nicht eigentlich ziemlich klar sein, was Gewalt ist und was nicht? Tja, und damit sind wir bei einem ganz entscheidenden Punkt: In der Pferdewelt scheint sich nämlich leider der Gewaltbegriff auf eine sehr ungute Art verschoben zu haben und das mit all den schlimmen Folgen, die man tagaus, tagein in der Reiterwelt sehen kann. Während wohl jeder von Gewalt gegen das Tier sprechen würde, wenn jemand ein Kaninchen schlägt, eine Katze tritt oder einem Hund mit einem Metallteil im Maul den Kopf auf die Brust ziehen würde, sind das bei Pferden ganz normale Vorgänge…

Nun werden viele rufen: Das kann man doch nicht vergleichen! Aber genau das ist der entscheidende Punkt: Warum kann man das nicht vergleichen?

Es geht uns hier nicht um Polemik, sondern wir halten die folgenden Fragen für unerlässlich in der Diskussion um den Gewaltbegriff:

  • Warum sollen bei Pferden andere Maßstäbe und Regeln gelten als sonst?
  • Warum soll es „erlaubter“ oder moralisch weniger verwerflich sein, Gewalt einem Pferd gegenüber anzuwenden als anderen Tieren?
  • Warum finden es fast alle normal, dass Reitanfängern im Reitunterricht oft regelrecht beigebracht wird, wie man zuschlägt, damit „ein Gaul vorwärts geht“ (und dergleichen mehr), obwohl so ziemlich jeder, der das die ersten Male sieht, das als brutal und falsch empfindet?
  • Warum gewöhnen wir uns so schnell an Gewalt und finden uns in Pferdeställen mit einer Gewaltpräsenz ab, die in Tierheimen zu Skandalen und Schließungen führen würden?
  • Warum lassen wir zu, dass unsere eigene Definition von Gewalt im Zusammensein mit Pferden plötzlich zum Gummi-Begriff wird und wir mehr und mehr abstumpfen?

Weil Pferde größer sind? Weil Pferde „gefährlicher“ sind? Weil Pferde oft nicht tun, was wir wollen? Weil man ja „Gründe“ hat, das zu tun, denn man bezweckt schließlich etwas damit? Weil man es „eigentlich“ gut meint und Pferde doch „eigentlich“ liebt? Weil wir „ein Recht“ darauf haben, dass Pferde tun, was wir wollen? Weil es (angeblich) „nicht anders geht“?

All das sind Gründe, die immer wieder für den Einsatz von Gewalt angeführt werden. Und alle liegen beim Pferd. Unsere Ansicht dazu ist, dass die Gründe aber vor allem bei uns selbst liegen: Hinter all den vielen Entschuldigungen oder Begründungen für den Einsatz von Gewalt an Pferden steckt ganz oft unsere Hilflosigkeit. Oder unsere Unwissenheit. Oder unsere Emotionen. Oder unser verdammt schlechtes Gewissen. Und meistens sogar alles zusammen (… und ja, wir wissen leider aus eigener Erfahrung, wovon wir sprechen).

Interessanterweise sind die meisten Menschen viel schneller bereit, Gewalt bei anderen zu erkennen und zu benennen als bei sich selbst – spätestens das sollte nachdenklich machen, oder nicht?

Fehler zu machen und auf Irrwege zu geraten, ist menschlich und im Affekt etwas zu tun, das wir später bereuen, ist auch menschlich. Aber Fehler, wie wiederholte und systematische Gewalt und Misshandlungen an Tieren damit entschuldigen zu wollen, dass man das ja „tun muss“, ist aus unserer Sicht unmenschlich, denn das zeugt nicht nur von einem Unvermögen zur Selbstreflexion, sondern auch von fehlender Empathie und mangelnder Ethik.

Hören wir doch endlich damit auf, den Gewaltbegriff bei Pferden anders zu definieren als sonst, damit auch in Pferdeställen die „normalen“ moralischen Maßstäbe greifen können. Denn die sind nötig, damit Pferde nicht länger misshandelt werden, nur damit sie tun, was wir wollen. Gestehen wir uns endlich ein, dass wir oft überfordert und hilflos sind, weil wir einfach nicht gelernt haben, wie man gewaltfrei mit Pferden kommunizieren und umgehen kann. Stellen wir uns unseren Schuldgefühlen und unserer Scham mit dem Ziel, es in Zukunft besser zu machen. Seien wir bereit, dazuzulernen, damit wir nicht länger behaupten müssen, dass Pferde mit Gewalt behandelt werden „müssen“, denn es gibt viele Alternativen zum Einsatz von Gewalt. Ja, es geht auch anders! Gewalt ist und bleibt Gewalt, ob Pferd oder nicht, und Gewalt ist und bleibt falsch.

Ganz praktisch heißt das:

  • Inne halten, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es wollen und nicht einfach automatisch so reagieren, wie immer.
  • Nicht einfach von anderen übernehmen, wie ein Pferd angeblich behandelt werden muss, sondern einen eigenen Weg finden, der den persönlichen Vorstellungen und vor allem auch Moralansprüchen entspricht.
  • Uns immer fragen, was die Ursache sein kann, wenn ein Pferd nicht tut, was wir wollen, denn Pferde haben immer einen Grund für ihr Verhalten.
  • Den Fehler nicht grundsätzlich beim Pferd suchen, sondern immer erstmal bei uns selbst, also das eigene Verhalten, Wissen und Können selbstkritisch hinterfragen.
  • Rat und Hilfe bei Menschen suchen, die einen gewaltfreien Umgang mit Pferden leben.
  • Pferde verstehen lernen und eine pferdegerechte Kommunikation finden.
  • Und immer wieder neu: dazulernen, dazulernen, dazulernen.

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11. August 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Umgang 18 Kommentare »

Coaching auf Gran Canaria – ein Erfahrungsbericht

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28. Juli 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erfahrungsberichte, Freiarbeit, Jungpferdausbildung, Umgang 9 Kommentare »

Schlechte Manieren?

Neulich bekam ich wieder mal eine nette kleine Lektion von meinen Pferden serviert – vielleicht macht sie den einen oder die andere von Euch nachdenklich.

Normalerweise, wenn ich einige Zeit verreist war und dann wieder zu den Jungs komme, ist es oft ganz besonders schön (hier hatte ich darüber schon mal geschrieben), denn wir begegnen uns dann behutsam und ganz freundlich. Dieses Mal war es anders, denn ich wurde gebufft und angerempelt und die Jungs waren unruhig und ungnädig. „Na, Eure Manieren lassen aber ziemlich zu wünschen übrig!“ sagte ich zu den beiden und war ein bisschen traurig, dass unser Wiedersehen doch eher unharmonisch abgelaufen war.

Am nächsten Tag war alles anders: Die Jungs waren ganz offen und vorsichtig mit mir, beide strahlten Ruhe und Zufriedenheit aus. Da war er, der Nach-dem-Urlaub-Zauber! Und als ich mich fragte, warum es heute so anders war als gestern, wurde mir eines bewusst: Tatsächlich waren es eher MEINE Manieren gewesen, die am Tag zuvor zu wünschen übrig gelassen hatten!

  • Mein erster Gedanke, als ich die Jungs sah, war: Himmel, seid Ihr fett! Das war natürlich alles andere als freundlich (zur Entschuldigung muss ich sagen, dass ich zwei Wochen auf Gran Canaria mit einer Frau und ihrem Spanier gearbeitet hatte…, danach kommen einem die Pferde in Deutschland vor wie Michelin-Männchen).
  • Mein Fokus lag dann auf den vollkommen ausgefransten Hufen, bei denen ich dann ein bisschen was zu retten versuchte. Damit aber forderte ich natürlich gleich, dass die Jungs still stehen und „funktionieren“. Auch nicht gerade eine schöne Begrüßung.
  • Ich selbst fühlte mich müde und erschöpft, mich nervte, dass es so kalt und windig war und eigentlich war ich mit meinen Gedanken noch auf der Reise… Ich war also nicht wirklich da, was den Jungs gegenüber ebenfalls nicht nett war.

Tja, und als mir das alles klar wurde, erkannte ich natürlich, dass die Jungs wieder einmal nur auf mich reagiert und mir einen deutlichen Spiegel vorgehalten hatten. Als ich am Folgetag mit einer ganz anderen Stimmung zu ihnen ging, reagierten auch sie ganz anders. Danke, Jungs, für die Lektion in Sachen Manieren!

jungs

20. Juli 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 5 Kommentare »

Ein offener Brief

Ein Wort an alle Reitschulbetreiber/innen und Reitlehrer/innen und auch an die Eltern reitender Kinder.

Die Tochter meines Lebensgefährten ist 10 Jahre alt. Sie liebt Pferde auf diese wundervolle Weise, wie es viele Mädchen tun. Schon länger hat sie Unterricht in einer Reitschule und ich nehme sie oft mit zu meinen Pferden. Sie möchte so gerne richtig reiten können, doch nun will sie nicht mehr zum Reitunterricht gehen. Warum nicht? Weil sie Pferde nicht schlagen möchte und weil sie nicht mit Sporen reiten möchte.

Bitte spürt einmal nach: Ein  zehnjähriges Mädchen verzichtet auf einen Herzenswunsch, weil sie im Reitunterricht Dinge tun soll, von denen sie genau weiß, dass sie falsch sind. Leider hat sich offenbar noch nicht viel geändert zu der Zeit, in der ich Reiten lernte. Pferde schlagen ist niemals richtig und Kinder dazu anzuleiten auch nicht.

Liebe Reitschulbetreiber/innen und Reitlehrer/innen, seid Ihr Euch eigentlich Eurer großen Verantwortung bewusst? Einmal habt Ihr Verantwortung der Kreatur Pferd gegenüber, die nicht nur Mittel zum Zweck sein darf, sondern die ein Mitgeschöpf ist. Ihr habt darüber hinaus eine große Verantwortung für die Kinder, die zu Euch kommen, weil sie Pferde lieben und sich nichts sehnlicher wünschen, als Zeit mit diesen Tieren zu verbringen. Indem Ihr Kinder dazu bringt, Gewalt gegen Pferde zu richten, schadet Ihr nicht nur den Tieren, sondern vor allem auch den Kinderseelen, denn Kinder wissen sehr genau, was falsch ist und wann sie etwas Unrechtes tun. Pferde zu schlagen, macht schlimme Schuldgefühle. Ich weiß, wovon ich rede, denn auch ich habe als Kind gelernt, Pferde zu schlagen und Gewalt anzuwenden – und auch wenn ich aus meinen Fehlern gelernt habe, trage ich bis heute die Schuld mit mir herum.

ku1Wenn schon nicht der Pferde wegen, dann wacht wenigstens der Kinder wegen auf und beendet die Gewalt Pferden gegenüber. Sucht gemeinsam mit den Kindern nach gewaltfreien Wegen eines Zusammenseins von Pferd und Mensch. Der Mensch hat kein Recht, Pferde durch Gewaltmaßnahmen seinen Willen aufzuzwingen und es ist grundfalsch, Kinder zum Schlagen von Tieren und zum Einsatz von Gewalt zu erziehen.

Reitställe könnten zu Orten werden, an denen schon kleine Kinder einen respekt- und liebevollen Umgang mit Tieren erlernen. Haben wir gerade in unserer Zeit das nicht sehr nötig? Möglich wird das aber nur, wenn IHR bereit dazu seid, die Basis dazu zu legen! Und ja, dafür müsst Ihr zunächst Euer eigenes Verhalten hinterfragen. Es ist nie zu spät, Fehler einzusehen und einen anderen Weg einzuschlagen. Nur so wird ein pferde- und kindgerechter Unterricht möglich. Ja, der braucht viel Verständnis, Zeit, Geduld und Selbstreflexion, aber er schenkt dafür Fröhlichkeit und Leichtigkeit und das nährende Gefühl, etwas Gutes zu tun, denn ein solcher Reitunterricht vermittelt persönlichkeitsfördernde Werte.

Liebe Reitschulbetreiber/innen und Reitlehrer/innen, IHR seid die Vorbilder, Ihr stellt die Weichen für den Umgang mit Pferden für die Kinder, die zu Euch kommen. Es liegt an Euch, ob Pferden auch in Zukunft Gewalt angetan wird, in dem Maße, wie es heute leider noch immer weit verbreitet ist, oder ob sich alternative Wege zum Pferd durchsetzen, die auf einem freundschaftlichen Miteinander von Mensch und Pferd beruhen, denn die gibt es! Pferde sind keine Sportgeräte, sondern Mitgeschöpfe und das sollte das Wichtigste sein, das Ihr in Euren Schulen und in Eurem Unterricht vermittelt. Dann kann Reitunterricht das sein, was er sein sollte: nicht nur eine Schulung im Umgang mit Pferden, sondern vor allem auch eine Schulung in Menschlichkeit.

Bis jetzt ist Reitunterricht leider oft das genaue Gegenteil, denn dort lernen Kinder systematisch, über ihre moralischen Bedenken hinwegzugehen und mit Stricken, Gerten und Sporen Tieren ihren Willen aufzuzwingen. Seid Ihr Euch eigentlich bewusst, was das mit Kindern macht? Seid Ihr Euch darüber im Klaren, dass wenn die Hemmschwellen von Gewalt fallen, sie nur sehr schwer wieder aufzubauen sind?

Ich weiß, dass ich mir mit diesen Zeilen nicht nur Freunde machen werde, aber ich bin einfach nur traurig und ich hoffe inständig, dass dieser offene Brief möglichst viele von Euch erreicht – und zwar nicht nur gelesen, sondern auch gefühlt. Denn nur, wenn Ihr das hier wirklich in Euch bewegt, werdet Ihr etwas ändern. Und dass sich etwas ändert, ist bitter, bitter nötig, damit Mädchen, wie die Tochter meines Lebensgefährten, nicht einfach traurig mit dem Reiten aufhören, sondern mit Freude und vor allem mit einem guten Gewissen zum Reitunterricht gehen können.

Ihr legt die Grundsteine für das Miteinander von Mensch und Pferd und Ihr habt es in der Hand, die bestehenden Irrwege zu beenden.

Diejenigen unter Euch, die sich nicht angesprochen fühlen müssen, da sie bereits andere Wege gehen, bitte ich, andere Reitlehrer/innen zu unterstützen. Viele schlimme Dinge passieren aus Hilflosigkeit und weil man nicht weiß, wie es besser geht. Lebt Ihr es vor und bietet Eure Hilfe an.

Ich hoffe auch, dass viele Eltern diesen Brief lesen, die reitende Kinder haben, denn Euch bitte ich: Geht und schaut Euch an, was Eure Kinder im Reitunterricht tun und lernen. Fragt nach und hört zu, wenn Eure Kinder von dem erzählen, was in Pferdeställen läuft. Steht ihnen bei, wenn sie nicht das tun möchten, was gang und gäbe ist und unterstützt sie dabei, offen nein zu sagen zu Gewalt und zum Schlagen. Geht zu den Reitlehrern/innen und fordert sie auf, Euren Kindern keine Gewalt beizubringen, sondern einen respektvollen Umgang mit Tieren. Überlasst hier nicht anderen, Eure Kinder zu prägen, denn es kann tiefe Narben hinterlassen, wenn Kinder Dinge tun, die sie eigentlich für falsch halten.

Macht bitte die Augen auf in Pferdeställen und schaut nicht weg, wenn Pferde geschlagen werden, sondern sagt, dass Ihr das falsch findet. Erklärt Euren Kindern, dass es nicht richtig ist, wenn Menschen Tiere schlagen oder mit Gewalt zu etwas bringen.

Sucht gemeinsam mit Euren Kindern nach Pferdemenschen, die bereit sind, Euren Kindern einen pferdegerechten Umgang zu vermitteln und seid bereit, für einen solchen Unterricht etwas mehr zu bezahlen. Was Eure Kinder damit lernen, ist Gold wert.

Ich sage allen danke, die bis hierhin gelesen haben, und wir bitten Euch gemeinsam, diesen offenen Brief zu verlinken – hier zu diesem Blogbeitrag oder zum Film – oder auszudrucken und aufzuhängen, hier gibt es ihn als PDF-Dokument.

Tania und Babette

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16. Juni 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Engagement und Pferdeschutz, Umgang 47 Kommentare »

Auf jeden Fall Abwechslung?

Bisher war ich fest davon überzeugt, dass Abwechslung in der Arbeit mit Pferden eine gute Sache ist. Ich wollte meine Jungs immer möglichst vielfältig fördern und so sah dann auch unser Trainings-Programm aus: Bodenarbeit, Longentraining, Freiarbeit, Reiten in der Bahn, Ausritte, Freispringen, Arbeit an der Hand, Zirkuslektionen, Fahren vom Boden, Spaziergänge und… und… und…

Seit kurzem bin ich dabei, das ein bisschen zu überdenken. Mein Anthony hat über die Jahre, die ich ihn nun habe, nach und nach zu so ziemlich allem, was ich mit ihm machen wollte, „nein“ gesagt – bis auf eine Sache: die Freiarbeit. Nun ging es vor einigen Wochen darum, dass ich ihn vor dem Weideauftrieb abspecken musste, denn ich fürchtete um seine Gesundheit (hier nachzulesen). Also beschloss ich, täglich 15-20 min. Lauftraining einzuführen, und zwar in Form der Freiarbeit.

Wie ich schon in dem anderen Beitrag schrieb, war ich verblüfft, wie positiv er auf das regelmäßige Training reagierte. Er nahm es so gut an, dass ich einfach dabei bleibe: Fast täglich machen wir 15-20 Minuten Freiarbeit, also immer dasselbe. Zwei-, dreimal habe ich versucht, etwas anderes vorzuschlagen, was von Anthony mit einem klaren „Nö!“ beantwortet wurde, während er sich auf die Freiarbeit jeden Tag aufs Neue einlässt, ja, mich sogar oft mit einem Wiehern dazu begrüßt.

Bei seinen täglichen Runden sehe ich, wie er immer mehr bei sich ist und sich richtiggehend selbst ausprobiert: Er scheint in sich zu spüren und auszuprobieren, was sich am besten anfühlt. Seine Haltung wird stetig besser, er schwingt immer mehr mit dem Rücken und er scheint Freude daran zu haben, seine Schritte immer weiter und schöner zu gestalten. Ich muss immer weniger Hilfen geben und kann ihn einfach nur bewundern.

Es ist unverkennbar: Anthony ist zur Zeit schlicht und einfach zufrieden mit der Freiarbeit und eben auch offenbar genau damit, dass wir immer dasselbe machen. Ich habe ihn selten so ausgeglichen und vor allem so offen mir gegenüber erlebt. Und auch wenn ich noch immer denke, dass Abwechslung im Pferdetraining eigentlich eine tolle Sache ist, so sehe ich inzwischen ein, dass es auch Pferde gibt, die Beständigkeit zu schätzen wissen. Wie immer geht es um Differenzierung und darum, die individuelle Persönlichkeit eines Pferdes zu erkennen und sich darauf einzustellen. Das vielleicht als Denkanstoß für alle, deren Pferde auch eher nein als ja sagen: Es könnte sein, dass manchmal weniger mehr ist, um ihr Herz zu gewinnen.

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2. Juni 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang 11 Kommentare »

Nomen est omen

Wie heißen eigentlich Eure Pferde? Wie ruft Ihr sie? Habt Ihr Kosenamen oder vielleicht auch Bezeichnungen, wenn sie gerade nicht tun, was Ihr möchtet? Und habt Ihr mal überlegt, ob der Name Eures Pferdes vielleicht mehr ist als „nur“ ein Name?

Ich kannte z.B. eine Speedy. Ein kleines Fuchsstütchen, die dafür bekannt war, Runde um Runde wie von Sinnen zu rasen. Ich kannte auch mal einen Panzer. Ein Norweger, der alles andere als leicht zu führen war, da man aufpassen musste, von dem Tier nicht einfach umgerannt zu werden. Auch der Vulkan, den ich kannte, machte seinem Namen alle Ehre: Seine Ausbrüche waren legendär.

Alles Zufall?

Mag sein, aber ich glaube inzwischen fest daran, dass ein Name ein Pferd prägen oder zumindest sein Verhalten beeinflussen kann. Wenn wir Menschen etwas sagen, haben wir dazu immer auch Bilder im Kopf. Pferde verstehen wohl wahrscheinlich nicht die genauen Worte, die wir sagen, aber sie sind sehr empfänglich für unsere Ausstrahlung, für Stimmungen und für Bilder. Das kann man immer wieder gut sehen, wenn Menschen ängstlich sind und daraufhin sogar eigentlich ruhige Pferde plötzlich scheuen oder dass sehr phlegmatische Menschen manchen Wildfang zur Schlaftablette machen können. Und ich glaube, dass die Bezeichnungen, die wir für ein Pferd wählen, eben auch ein Ausdruck unserer Einstellung zu dem Pferd sein können.

Tja, und was macht es nun mit einem Pferd, wenn es von allen Satan, Ratte oder Räuber gerufen wird? Oder eines, das von seinem Besitzer, so liebevoll es auch gemeint sein mag, immer „Angsthase“ oder „Doofi“ genannt wird? Welche Auswirkungen hat es, wenn ein Pferd „No go“ heißt oder nur „Zicke“ gerufen wird?

Manch einer mag diese Gedanken vielleicht für übertrieben halten, aber ich bin inzwischen recht feinfühlig für Namen und Kosenamen geworden, da ich schon zu oft erlebt habe, dass man schnell genau das bekommt, was man immer wieder ruft…

Ich habe mich z.B. mal dabei erwischt, wie ich Anthony eine Zeitlang unbewusst immer mit „Na, mein Grummelchen“ begrüßte. Als mir das auffiel, habe ich es mir sofort wieder abgewöhnt. Sicher ist sicher. 😉

19. Mai 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang 32 Kommentare »

Alles nur Dressur?

Das Clickertraining wird von Kritikern gerne als „Pudeldressur“ abgewertet. Auch ich hatte zu Beginn gedacht, dass man sich mit dem Clicker Lektionen nicht ehrlich erarbeitet, sondern ein Pferd durch Futter abrichtet, zu tun, was man will. Aber tatsächlich ist das Gegenteil der Fall!

Die Konditionierung auf den Click …

Es stimmt, dass beim Clickertraining eine Konditionierung erfolgt. Und zwar darauf, dass ein „Click“ (ob nun per Knack-Frosch oder per Zunge oder als Ton auf einer Pfeife) das bedeutet: „Das, was du gerade gemacht hast, war toll und dafür bekommst du was Leckeres.“ Dieser Teil ist Konditionierung oder im Kritikerjargon die „Dressur“.

… als Weg zum aktiven Lernen

Was aber dahintersteckt, ist Folgendes: Click + Futterlob (abgekürzt als C+B) bilden die Basis dafür, dass eine echte Kommunikation und selbstständiges Lernen möglich werden. Mit C+B habe ich die Möglichkeit, einem Pferd punktgenau zu vermitteln, welches Verhalten erwünscht ist, also richtig im Sinne einer auszuführenden Lektion oder einfach auch nur angenehm für mich (z.B. Höflichkeit im Umgang o.Ä.).

Mit dem Clickern wird ein Pferd also nicht dressiert, zu tun, was man will, sondern durch das Clickern kann es VERSTEHEN lernen, welches Verhalten gewollt ist (und damit für es selbst zum Erfolg führt, also zum C+B). Der Prozess des Verstehens ist das Entscheidende, was das Clickern auf der einen Seite so wirkungsvoll, aber auch so spannend macht. Im Gegensatz zu einer Dressur wird das Pferd nämlich zum Mitdenken angeregt. Petra hat in diesem Blogbeitrag ein sehr anschauliches Beispiel für dieses Mitdenken bei Nico gegeben. Das Pferd kann sogar eigene Vorschläge machen, also den Lernprozess aktiv mitgestalten und es liegt an uns Trainern, zu entscheiden, welche von den Vorschlägen wir annehmen möchten und welche lieber nicht.

Statt Hilfengebung findet Kommunikation statt

In der herkömmlichen Pferdeausbildung wird mit Hilfen gearbeitet. Man gibt eine Hilfe solange und ggf. auch immer stärker, bis das Pferd tut, was man möchte, wobei Fehlverhalten korrigiert oder sogar bestraft wird. Das Pferd lernt durch Versuch und Irrtum mehr oder weniger zuzuordnen, was es bei welcher Hilfe tun soll. Eigentlich soll es hierbei einfach nur tun, was man ihm mit der Hilfe zu vermitteln versucht… – und das ist doch ziemlich nah an dem dran, was man Dressur nennt, oder nicht?

Auch im Clickertraining gibt man Signale. Allerdings werden die erst eingeführt, NACHDEM das Pferd die eigentliche Lektion schon verstanden hat. Damit kann es die Beziehung herstellen zwischen dem erwünschten Verhalten und dem Zeichen, auf das es dann das Verhalten zeigen soll und muss nicht raten, was der Mensch nun eigentlich will. Hier bildet also das Verstehen die Grundlage. Darüber hinaus kann das Pferd auch jederzeit entscheiden, das Verhalten trotz des Signals nicht zu zeigen. Es wird dafür nicht korrigiert und nicht bestraft. Damit es das Verhalten zuverlässig zeigt, ist es die Aufgabe des Menschen, die Zusammenarbeit so interessant und motivierend zu gestalten, dass sie dem Pferd Freude macht. Nur dann wird es freiwillig tun, was wir möchten. Und das, so meinen wir, klingt doch alles andere als Dressur, oder was meinen Sie?

dressur

12. Mai 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Umgang 12 Kommentare »

Die Sache mit den anderen…

Ich mache mir viele Gedanken darüber, wie ich meinen Pferden gerecht werden und unser Miteinander möglichst bewusst und gewinnbringend für beide Seiten leben kann. Und in diesem Zusammenhang ist mir immer wieder deutlich geworden, dass ich, wenn ich zu meinen Pferden fahre, mich dort ganz auf sie konzentrieren und konsequent bei ihnen bleiben will. Das wirkt sich zwangsläufig auf das Miteinander mit anderen Pferdeleuten im Stall aus. Denn, so hart das klingt: Andere Menschen bedeuten Ablenkungen. Das meine ich kein bisschen böse, sondern es ist eine Tatsache, derer wir uns bewusst sein sollten, gerade, wenn es uns darum geht, achtsam für unsere Pferde zu sein. Babette hat zu diesem Thema auch schon mal was verfasst, s. hier und in diesem Artikel bin ich auf das Thema „Gruppenzwang“ eingegangen. Mit dem heutigen Beitrag möchte ich ganz bei meinen eigenen Erfahrungen bleiben, schaut, was Ihr Euch daraus mitnehmen könnt.

Meine Entscheidung (bzw. mein Bedürfnis), in erster Linie meine Pferde zu besuchen, wenn ich in den Stall fahre, hat auch schon früher dazu geführt, dass ich immer versuch(t)e, eher ruhige Momente im Stall zu finden, also Zeiten, an denen wenig los ist und ich idealerweise allein da bin. Genauso halte ich mich auch sehr zurück, wenn ich andere mit ihren Pferden zusammen sehe, denn ich möchte nicht stören. Wahrscheinlich wirke ich dadurch leider oft ungesellig, ja, vielleicht sogar abweisend, und das tut mir leid. Aber genau das lässt sich kaum verhindern, wenn ich die Priorität im Stall konsequent auf meine Pferde legen will.

Es beginnt schon, wenn ich komme und Aramis freudig brummelnd zum Tor kommt und schon ungeduldig scharrt, weil er weiß, dass er gleich was Leckeres zu fressen bekommt. In diesem Moment kann ich mich nicht wirklich auf einen freundschaftlichen Plausch mit Miteinstellern einlassen und ja, in diesen Momenten lasse ich sogar Babette stehen und gehe erst zu meinem Pferd, denn er ist mein Date in diesem Moment und niemand anderes. 

Und es geht mit lauter solcher Einzelentscheidungen weiter:

  • Wie lange mute ich meinem Pferd zu, am Anbinder zu stehen, wenn mir jemand etwas erzählen will?
  • Unterhalte ich mich, während ich meine Pferde putze, mit jemanden oder will ich mich auch beim Putzen wirklich meinen Pferden widmen?
  • Unterbreche ich Übungen oder auch nur mein Bei-meinem-Pferd-sein, wenn jemand in den Stall kommt, um zu reden, mir etwas zu zeigen oder mich um Hilfe zu bitten?
  • Schaue ich, während ich eigentlich bei meinen Pferden bin, rüber zu den anderen, wie sie reiten oder mit ihren Pferden umgehen?
  • Reite ich mit jemanden zusammen aus?

Natürlich freue ich mich, die anderen im Stall zu sehen, und auch ich quatsche gerne. Aber, und darum geht es mir, ich setze Prioritäten. Zum Stall zu fahren bedeutet für mich, meine Pferde zu besuchen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich möchte für sie da sein und ich möchte auf sie eingehen können. Dafür muss ich mich für sie öffnen und mich auf sie einlassen, auf ihre Stimmung und auch auf meine, auf ihr Tempo und auch meines, auf ihre Zeichen und auf meine eigene Körpersprache. Und das erfordert Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

DSC_0022Die Kommunikation mit Pferden ist so vielschichtig und kann unglaublich fein sein, wenn wir wirklich bei unseren Pferden bleiben und uns nicht ablenken lassen – ablenken durch andere Menschen, durch Gespräche, durch das, was andere mit ihren Pferden machen, durch Fremdstimmungen usw.

Ich stelle immer wieder fest, dass ich „anders“ bin, wenn ich allein mit meinen Pferden bin oder wenn ich meine Aufmerksamkeit aufteile. Und so ist es mir am liebsten, wenn ich mich erst einmal ganz in Ruhe meinen Pferden widmen kann – und danach bin ich dann durchaus auch für ein Schwätzchen zu haben. Es ist ein Abwägen und ein Zwiespalt zwischen meinen Pferden und den anderen Menschen, der nicht immer leicht ist. Dass ich mich im Zweifelsfall für meine Pferde entscheide, hat nichts damit zu tun, dass ich andere nicht mag – und so kann dieser Beitrag vielleicht auch eine Erklärung bieten, warum manch ein Pferdemensch so eigenbrötlerisch wirkt; es hat oft überhaupt nichts mit einer Entscheidung gegen andere zu tun, sondern es ist eine Entscheidung für die eigenen Pferde.

Nun interessiert mich: Wie seht und wie haltet Ihr das?

Und hier könnt Ihr noch mehr zu dem Thema lesen. 

21. April 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Sonstiges, Umgang 31 Kommentare »

Auch ein Nein-Sager braucht Bewegung

Über diesen Winter konnte ich feststellen, dass die Kombination „Nein-Sager + Energiesparmodell“ ( = mein Anthony 😉 ) leider schnell zu Übergewicht führt, zumindest dann, wenn man dem Pferd seinen Willen, sprich, es in Ruhe lässt. Teils seinen Launen und seiner deutlichen Unlust, teils aber auch meiner mangelnden Energie (da ich im Moment selbst viel um die Ohren habe) geschuldet, habe ich in diesem Winter Anthonys Nein oft nachgegeben und immer öfter nur ein bisschen mit ihm rumgetüddelt, statt gezielt für Bewegung zu sorgen. Zu Beginn führte das zu sichtlicher Zufriedenheit bei ihm, aber in der letzten Zeit bemerkte ich neben den immer deutlicheren Speckpolstern auch ein wieder zunehmendes Genervtsein mit allem und jedem, was mich schon ahnen ließ, dass gar nichts mit ihm zu machen, auf Dauer auch keine Lösung ist.

Nun steht in wenigen Wochen die Anweidezeit an und da ist Anthonys aktuelles Kampfgewicht alles andere als gut. Ich mach mir Sorgen wegen EMS, Rehe & Co und deshalb ist jetzt Schluss mit lustig! Anthony muss definitiv abnehmen und fitter werden. Vor zwei Wochen begann ich mit einem kleinen, aber intensiven Trainings-Programm. Möglichst täglich sorge ich für Bewegung, bei Anthony heißt das im Wesentlichen, ihn laufen zu lassen.

Freiarbeit haben wir ja immer schon gemacht (etwas, für das er offen ist). Nun aber ging es mir nicht um die kleinen Kringel, die er mir immer gerne anbietet, sondern er soll in einem schönen Abstand oder auch auf dem Hufschlag laufen und das flott voran, Runde um Runde. Was würde mein Nein-Sagerlein wohl von diesem Plan halten? Ich bereitete mich darauf vor, dass meine Idee auf wenig Begeisterung treffen würde, wurde aber wieder einmal von meinem Pferd überrascht …

Ob es nun meine Klarheit ist, meine Entschlossenheit oder ob Anthony das Faulsein vielleicht sogar selbst auf den Geist ging – vom ersten Tag an ließ er sich auf das Training ein. Und wie! Er lief und lief und lief – und er läuft und läuft und läuft. Schwingender Rücken, schönes Untertreten, und immer höher geworfene Vorderbeine, dazu feine Reaktionen auf mich und zwischendurch fröhliche Buckeleinlagen – mein Pferd hat tatsächlich Spaß an der Sache!

tr1Schon kurz nach Trainingsbeginn hörte ich, dass Anthony in diesen Tagen auffällig munter in der Herde sei und nacheinander alle Pferde zum Spielen aufgefordert hatte. Auch zeigte er sich beim Abäppeln sehr anhänglich. Wenn ich komme, steht er nun am Tor, manchmal werde ich angewiehert und wenn ich ihn holen will, lässt er sich sofort halftern und geht nicht, wie oft, wenn ihm was nicht passt.

Wir halten unser Training stramm durch. Ich kombiniere das Laufen lassen mit Spieleinlagen mit Aramis zusammen und mit Spaziergängen. Ich hoffe sehr, ihn bis Anfang Mai schlanker zu bekommen und ich glaube, wir sind auf einem guten Weg dorthin!

Schreiben tue ich das hier, weil ich damit vielleicht die eine oder den anderen ermutigen kann, auch mit Nein-Sagern etwas zu machen. Ich weiß nur allzu gut, wie schwer es oft ist, sich dafür selbst zu motivieren, denn ein Dauer-Nein eines Pferdes kann einen wirklich lähmen und frustrieren. Aber auch ein Nein-Sager braucht Bewegung und im Moment sehe ich es als meinen Job an, Anthony diese zu verschaffen. Ich versuche im Moment nicht, es ihm recht zu machen und ich eiere nicht herum. Das Training ist notwendig und vielleicht ist genau meine fehlende Bereitschaft, darüber zu diskutieren, genau das, was uns im Moment gut tut: einfach machen. Der Gesundheit zuliebe, aber, wie ich feststelle, auch der Laune – seiner und meiner! Denn ja: es ist schön, wieder mit meinem Pferd zu trainieren.

7. April 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Gesundheit, Umgang 21 Kommentare »

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