Auch ein Nein-Sager braucht Bewegung

Über diesen Winter konnte ich feststellen, dass die Kombination „Nein-Sager + Energiesparmodell“ ( = mein Anthony 😉 ) leider schnell zu Übergewicht führt, zumindest dann, wenn man dem Pferd seinen Willen, sprich, es in Ruhe lässt. Teils seinen Launen und seiner deutlichen Unlust, teils aber auch meiner mangelnden Energie (da ich im Moment selbst viel um die Ohren habe) geschuldet, habe ich in diesem Winter Anthonys Nein oft nachgegeben und immer öfter nur ein bisschen mit ihm rumgetüddelt, statt gezielt für Bewegung zu sorgen. Zu Beginn führte das zu sichtlicher Zufriedenheit bei ihm, aber in der letzten Zeit bemerkte ich neben den immer deutlicheren Speckpolstern auch ein wieder zunehmendes Genervtsein mit allem und jedem, was mich schon ahnen ließ, dass gar nichts mit ihm zu machen, auf Dauer auch keine Lösung ist.

Nun steht in wenigen Wochen die Anweidezeit an und da ist Anthonys aktuelles Kampfgewicht alles andere als gut. Ich mach mir Sorgen wegen EMS, Rehe & Co und deshalb ist jetzt Schluss mit lustig! Anthony muss definitiv abnehmen und fitter werden. Vor zwei Wochen begann ich mit einem kleinen, aber intensiven Trainings-Programm. Möglichst täglich sorge ich für Bewegung, bei Anthony heißt das im Wesentlichen, ihn laufen zu lassen.

Freiarbeit haben wir ja immer schon gemacht (etwas, für das er offen ist). Nun aber ging es mir nicht um die kleinen Kringel, die er mir immer gerne anbietet, sondern er soll in einem schönen Abstand oder auch auf dem Hufschlag laufen und das flott voran, Runde um Runde. Was würde mein Nein-Sagerlein wohl von diesem Plan halten? Ich bereitete mich darauf vor, dass meine Idee auf wenig Begeisterung treffen würde, wurde aber wieder einmal von meinem Pferd überrascht …

Ob es nun meine Klarheit ist, meine Entschlossenheit oder ob Anthony das Faulsein vielleicht sogar selbst auf den Geist ging – vom ersten Tag an ließ er sich auf das Training ein. Und wie! Er lief und lief und lief – und er läuft und läuft und läuft. Schwingender Rücken, schönes Untertreten, und immer höher geworfene Vorderbeine, dazu feine Reaktionen auf mich und zwischendurch fröhliche Buckeleinlagen – mein Pferd hat tatsächlich Spaß an der Sache!

tr1Schon kurz nach Trainingsbeginn hörte ich, dass Anthony in diesen Tagen auffällig munter in der Herde sei und nacheinander alle Pferde zum Spielen aufgefordert hatte. Auch zeigte er sich beim Abäppeln sehr anhänglich. Wenn ich komme, steht er nun am Tor, manchmal werde ich angewiehert und wenn ich ihn holen will, lässt er sich sofort halftern und geht nicht, wie oft, wenn ihm was nicht passt.

Wir halten unser Training stramm durch. Ich kombiniere das Laufen lassen mit Spieleinlagen mit Aramis zusammen und mit Spaziergängen. Ich hoffe sehr, ihn bis Anfang Mai schlanker zu bekommen und ich glaube, wir sind auf einem guten Weg dorthin!

Schreiben tue ich das hier, weil ich damit vielleicht die eine oder den anderen ermutigen kann, auch mit Nein-Sagern etwas zu machen. Ich weiß nur allzu gut, wie schwer es oft ist, sich dafür selbst zu motivieren, denn ein Dauer-Nein eines Pferdes kann einen wirklich lähmen und frustrieren. Aber auch ein Nein-Sager braucht Bewegung und im Moment sehe ich es als meinen Job an, Anthony diese zu verschaffen. Ich versuche im Moment nicht, es ihm recht zu machen und ich eiere nicht herum. Das Training ist notwendig und vielleicht ist genau meine fehlende Bereitschaft, darüber zu diskutieren, genau das, was uns im Moment gut tut: einfach machen. Der Gesundheit zuliebe, aber, wie ich feststelle, auch der Laune – seiner und meiner! Denn ja: es ist schön, wieder mit meinem Pferd zu trainieren.

7. April 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Gesundheit, Umgang 20 Kommentare »

 

20 Reaktionen zu “Auch ein Nein-Sager braucht Bewegung”

 

Von Kelly • 7. April 2015

Liebe Tania,
wie immer ein schöner Artikel. Ich freue mich sehr, dass Du und Anthony momentan so wunderbare Momente erleben. Dass Du nicht versuchst, es ihm Recht zu machen, ist vielleicht manchmal gar nicht verkehrt :-).
Was mich an dem Text leider stört ist Dein herabwürdigendes Schubladendenken. Die Begriffe Ja-Sager und Nein-Sager sind furchtbar, genauso wie Dein dazugehöriger Beitrag und der Beitrag Ja zum Nein. Man kann weder Menschen noch Pferde in Optimisten und Pessimisten aufteilen. Immer spielen die gemachten Erfahrungen und das Umfeld eine Rolle für die Einstellung des Menschen oder des Pferdes. Es gibt keine „geborenen“ Ja-Sager oder Nein-Sager, auch wenn es verschiedene Charaktäre gibt. Dieses primitive Schubladen und Schwarz-Weiß-Denken ist würdelos und hindert an Offenheit und Lebensfreude. Weiterhin ist es eine passende Entschuldigung wenn man nicht in der Lage ist die wahre Motivation zu ergründen. Im Übrigen widerspricht es vielen Aussagen Deiner sonst so ansprechenden, gefühlvollen, tiefgründigen Texte. Ich meine diese Kritik nicht böse, sondern möchte Dich einfach darauf aufmerksam machen. Ich umarme Dich ganz herzlich aus der Ferne.
Viele liebe Grüße. Kelly

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Herzlichen Dank, Kelly, für Deine Zeilen. Ich nehme Dir die Kritik nicht übel und ja, ich denke darüber nach. Genau das ist ja auch das Ziel all meiner Artikel: sie sollen nachdenklich machen, mich und andere. Ich kenne Dich virtuell ja auch schon lange genug, um mich von den doch sehr scharfen Formulierungen nicht angegriffen zu fühlen und möchte einfach die Chance nutzen, das Ganze vielleicht etwas klarer machen zu können:

Ich glaube, jeder, der mich schon etwas länger liest, kann gut erkennen, dass ich sehr differenziert in die Welt schaue und es mir keineswegs um Schubladendenken geht. Es ist schlicht und einfach meine Erfahrung, dass es grundsätzlich unterschiedliche Typen von Pferden (wie auch Menschen) gibt, natürlich auch wieder in den unterschiedlichsten Ausprägungen und natürlich auch mit unterschiedlichen Tagesformen.

Eine solche – ganz klar! – stark vereinfachte Typologisierung hat für mich nichts mit Würdelosigkeit oder Lebensfreudeverhinderung zu tun, sondern mir persönlich hat es sehr dabei geholfen, Anthony in seinem Nein-Sagen erst einmal zu erkennen und dann auch zu akzeptieren. Das Benennen ist für mich wertfrei und es hilft beim Annehmen („Ja, ok, Du bist so, wie Du bist.“), ich akzeptiere damit, was er mir entgegenbringt, und kämpfe nicht mehr dagegen an, um ihn zu ändern.

Zusätzlich ermöglicht die klare (und damit zwangsläufig vereinfachte) Formulierung in solchen Artikeln Wiedererkennungseffekte, wenn man mit ähnlichen Dingen zu tun hat.

Das sind die Gründe, warum ich immer wieder einen Begriff wie „Nein-Sager“ verwende. Dass mit solch einer Bezeichnung die komplexe und vielschichtige Persönlichkeit eines Lebewesens NICHT umfassend erfasst wird, sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Herzlich an alle,
Tania

 

Von Dagi • 7. April 2015

Liebe Tania
Danke für deinen Beitrag, der jetzt wirklich gérade zur richtigen Zeit kommt, denn mein Frieschen ist ja ein überzogener Nein Sager, der mir viel Sorgen und kopfzebrechen bereitet. Mittlerweile bin ich auch soweit, dass ich einfach seiner Gesundheit zuliebe Lektionen mit ihm arbeite!

Und du hast überhaupt kein herabwürdigendes Schubladendenken. Du sicher nicht. Manchmal braucht es einen kurzen Überbegriff um etwas zu erklären. Man kann nicht immer noch einen riesen Absatz schreiben, wie und wo das Pferd so und so reagiert und warum. Wie seine Psyche ist usw.
Eine Reduktion auf etwas ist nicht immer gleich abwertend!

Und vorallem wer bei dir schon lange mitliest, der sollte eigentlich solche Ausdrücke von dir nicht so empfinden.

mich hat dieser Text auf alle Fälle getröstet und mir auch wieder Mut gemacht, denn seit ich zwischendurch mit Klarheit zu ihm gehe, um für SEINE Gesundheit was zu üben, und nicht meinen Ego, macht er auch besser mit!

Ganz liebe Grüsse
von Dagi mit Frieschen:))

 

Von Ellen • 7. April 2015

Liebe Tania,

es ist fast verflixt. In ganz vielen Deiner Beiträge finde ich mein Stütchen und mich wieder. Ich glaube, wir sind ein ganz ähnliches Pferd-Mensch-Paar wie Du und Anthony. Ganz viele Erfahrungen decken sich, ebenso wie die Gedanken. Auch habt Ihr die selben Herausforderungen zu bewältigen.

So habe ich auf diesen neuen Beitrag förmlich gewartet, da mich genau das seit geraumer Zeit bewegt. Ich habe mich oft gefragt, wie das bei Euch mit der Freiwilligkeit funktioniert, da ja auch Haflinger zur Leichtfutter-Fraktion gehören.

Ich selbst hätte gerne auch stärker an der Freiwilligkeit festgehalten, konnte es aber ebenfalls aus gesundheitlicher Sicht nicht.Und die geht bei mir ganz klar vor. Rein über die Freiwilligkeit und positive Verstärkung konnte ich schlicht nicht genug Bewegung verschaffen. Gleichzeitig merke ich aber, dass meine Stute mit meinem klaren Fordern so unzufrieden gar nicht umgeht, wie ich das erwartet hätte. Ich stelle mir dann auch immer vor, dass ich sie in gewisser Weise fit und stark mache, auch für ihren Alltag in der Herde – ohne mich. Und das stimmt ja auch, wie Anthony es nun ebenfalls zeigt.

Und so sieht unser Zusammensein Eurem ganz ähnlich und ist eine Mischung aus Herdentoben, Spaziergängen und Longieren ganze Bahn. Das fühlt sich für uns beide derzeit gut und akzeptabel an. Meistens zumindest, denn auch da gibt es Ups and Downs die auch sehr von meiner eigenen Stimmung abhängen.

Ansonsten kann ich nur bei Dagi unterschreiben. Du würdest nicht derart refektieren und, ja, auch daran knabbern, wärst Du eine oberflächliche Schubladendenkerin. Nur manchmal hilft ein Einsortieren eben. Gerade bei Themen, die so viele Facetten haben und einen selbst derart persönlich herausfordern.

Ich freue mich, weiter von Euch zu lesen.

Ganz liebe Grüße,
Ellen

 

Von Steffi • 7. April 2015

Liebe Tania,

Ich kann dir wieder nur zustimmen 😀
meine Stütchen ist ein ab und an Neinsager.
Leider konnten wir durch einige Blockaden bei ihr, nicht wirklich viel machen. Wir sind uns irgendwann auf die Nerven gegangen, weil außer Schritt gehen nichts drin war und ich sie öfter einfach nur hab grasen lassen, weil sie auch deutlich gezeigt hat, dass sie jetzt keine Lust hat.
Nun ist das Pony pummlig und wieder so gesund, dass wir arbeiten dürfen. Gestern bin ich mit ihr auf den Platz, hatte – so wie du bei Anthony – Unlust erwartet, aber auch meine Buckelte plötzlich los und hüpfte munter über den Reitplatz.
Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern einfach ein gutes Gefühl, sie so voller Lebensfreude zu sehen.
Wir werden nun joggen- so bin auch ich in Bewegung. Im Gelände und auf dem Platz über Cavalettis, um Hütchen…

Damit auch ihre Speckpolster schnell verschwinden 😉

LG, Steffi

 

Von Miriam • 8. April 2015

Liebe Tania 🙂

Mir ist diesen Winter exakt dasselbe mit meiner Ponystute passiert und wir haben zu selben Zeit den selben Entschluss getroffen und ich musste dieselbe Feststellung machen wie du. Ein bisschen Angst habe ich noch, dass die Laune doch wieder umschlagen könnte und alles wieder den Bach runter geht aber ich werde es jetzt wenigstens nocheinmal probieren. Auch ein neues Fütterungsmodell ist für den Sommer geplant. Leider ist es beim Abnehmen ja nicht so – einmal abgenommen = immer gute Figur.
Danke für die weiteren Anregungen und den motivierenden Beitrag 🙂 vielleicht sollte ich ihn auch einmal meiner Stute zum lesen geben? 😀

Lg Miriam

 

Von Bärbel (Kosima) • 11. April 2015

Hallo Tania, ich musste Deinen sehr tiefgründigen Text immer und immer wieder lesen und es freut mich um so mehr, dass Ihr dann doch noch zu einem harmonischen Beisammensein finden konntet.
Mich beschäftigt nur sehr konkret die Frage, warum ist Anthony hin und wieder ein Nein-Sager? Das hat doch Gründe? Ich erinnere mich an einen Beitrag von Euch beiden, wo es um das Clickertraining ging. Da war Anthony auch ein Nein-Sager und später stellte sich heraus, nachdem Ihr auch den Kurs bei Marlitt machtet, dass er ja eigentlich doch ein Ja-Sager ist? Irgendwie stört mich bei Deinen Ausführungen die Bezeichnung „Nein- und Ja-Sager“. Kann man es so einfach in diese 2 Kategorien einstufen? Ist es nicht vielmehr doch das eigene „Ich“, was dem Pferd motiviert oder eben unmotivierter vermittelt, was wir von ihm möchten? Ist es nicht unsere eigene Ausstrahlung und Kreaktivität, die das Pferd zu dem macht, was es ist und was es mag oder nicht mag? Reagiert nicht jedes Pferd, welches eine enge Bindung zu seinem Menschen hat, sehr sensibel auf die Ausstrahlung und Klarheit von ihm?
Das sind Fragen, die mich auch nach mehrmaligem Lesen dieses Blog-Beitrages immer wieder beschäftigen. Sie sollen bitte nicht als Kritik verstanden werden, sondern bitte als einige Stichpunkte, die mich beschäftigen.
Ich lese sehr gern und viel in Deinem Blog und es begleitet uns ja auch schon mehrere Jahre (oh meine Güte…wo ist die Zeit geblieben…), wir kennen uns ja auch persönlich ;), aber dieses Mal tun sich bei mir diese Fragen beim Lesen Deines Blogbeitrages auf und ich sehe es etwas zwiegespalten.

Liebe Grüße
Bärbel und Kosima 🙂

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Hallo Bärbel,

vielen Dank für Deine Zeilen, schön wieder einmal von Dir zu lesen! Für mich ist es sehr interessant, dass gerade dieser Beitrag Reaktionen wie Deine und Kellys auslöst… – das werde ich für mich noch weiter durchdenken.

Wie schon bei Kelly geschrieben: für mich sind die Bezeichnungen „Ja- und Nein-Sager“ nichts weiter als wertfreie Benennungen, die mir den Umgang mit meinen Pferden leichter machen. Die Zuspitzung in die beiden „Kategorien“ kommt, weil meine beiden so unterschiedlich und damit für mich so klar zuordbar sind. Und nein, Anthony war auch nach dem Cickerkurs kein plötzlicher „Ja-Sager“ (nach meiner Einteilung), sondern er hat einfach in dieser Phase ja gesagt. Das können ja auch „Nein-Sager“ 🙂 Ich habe nie behauptet, dass „Nein-Sager“ NUR nein sagen, sondern es geht mir um das Erkennen einer grundsätzlichen Tendenz (so wie man Pferde auch in eher mutig oder eher ängstlich einteilt oder in eher hochrangig oder niederrangig usw.). Das hatte ich ja schon hier versucht, deutlich zu machen: http://www.wege-zum-pferd.de/2013/05/14/ja-und-nein-sager/ – aber wahrscheinlich ist es doch nötig, auch in Folgeartikeln auf die nötige Differenzierung hinzuweisen.

Dass ich mit meinen Stimmungen und mit meinem Ich Einfluss auf meine Pferde habe, darüber bin ich mir ziemlich bewusst und darüber habe ich ja auch schon x-mal geschrieben. Auch in diesem Artikel hier habe ich Anteile von mir benannt. Aber ich bin inzwischen fest davon überzeugt, dass kein Pferd ein „hohles Gefäß“ ist, das nur allein unsere Stimmungen auffängt und darauf reagiert, sondern jedes Pferd ist eine ausgeprägte Persönlichkeit, die von Beginn an etwas Eigenes mitbringt. Für mich war es eine sehr wichtige Lernaufgabe, zu akzeptieren, dass ich nicht alles beeinflussen kann, sondern dass manches außerhalb meiner Kontrolle liegt (gilt für Pferde wie fürs Leben – zumindest für mich 😉 ).

Vielleicht liege ich falsch, aber meiner Auffassung nach könnte die Akzeptanz, dass es unterschiedliche Typen von Pferden gibt, zu mehr Verständnis im Umgang mit ihnen führen und viel in Bewegung setzen. Eigentlich kommen wir da zu einer sehr grundsätzlichen Diskussion in der Pferdewelt, die ich mit meinen Artikeln durchaus anstoßen möchte: Meiner Erfahrung nach gibt keine/r gerne zu, dass das eigene Pferd zu etwas Nein sagt und deshalb werden alle möglichen Wege gesucht, um Pferde eben doch zu dem zu bringen, was man von ihnen will. Wozu das führt, kann man so ziemlich überall in der Pferdwelt sehen… In der Praxis wird vielen tendenziellen Nein-Sagern das ihrer Persönlichkeit entsprechende natürliche Nein ganz oft durch Härte, Hilfs- und Gewaltmitteln und Strafen ausgetrieben (und nur die Extremfälle werden dann aggressiv und wehren sich) und eine Frage, die man sich dazu stellen muss, ist ob wir dazu eigentlich das Recht haben und wie ein anderer Umgang mit dem Nein von Pferden aussehen kann. Ich schreibe hier über meinen eigenen Weg, weil ich denke, dass es hilfreich ist, dass auch über das Nein von Pferden gesprochen wird und was das für uns und im ganz praktischen Umgang bedeutet.

Danke für die Anregungen und herzliche Grüße an alle,
Tania

 

Von Manuela • 11. April 2015

Hallo liebe Tania,

gerade Deine Antwort auf Bärbels Kommentar kann ich nur DICK unterstreichen. Es ist absolut an der Zeit und auch notwendig und hilfreich, dass man ganz klar feststellt: Jedes Pferd ist wie jeder Mensch und jedes andere Tier ein Individuum, das Respekt und Einfühlungsvermögen verdient hat. Es ist nicht dazu da, menschliche Erwartungen zu erfüllen. Und es ist auch kein Sportgerät, das zu funktionieren hat, nur weil man viel Geld dafür ausgegeben hat. Es hat das Recht, seine eigenen Gefühle und Gedanken in die gemeinsame Zeit mit dem Menschen einzubringen, und der Mensch hat diese Gedanken und Gefühle zu respektieren.
Ich z.B. bin in meinem 40-jährigen Reiterinnen-Leben quasi ausschließlich Pferden begegnet, die willig und motiviert alles gemacht haben, was man von ihnen wollte. Klar hat man gemerkt, dass sie nach dem zehnten Mal über den Sprung setzen dann auch mal etwas müde wurden, aber sie wären auch noch ein zwölftes und fünfzehntes Mal drüber gesprungen, wenn der Mensch es denn so wollte. Das war dann zwar nicht gut für ihre Gesundheit – aber egal … 🙁
Dann trat mein selbstbewusster Hafi-Mann in mein Leben, und alles wurde anders. Ich wollte meine Dressurlektionen mit ihm reiten – er verweigerte sich, ging steif und lustlos, bockte rum oder ließ sich gar nicht vorwärts bewegen. Fast nichts ging mehr „von selbst“. Ich musste meine Denkweise, was das Arbeiten mit dem Pferd angeht, komplett umstellen, musste mich frei machen von Erwartungen, von Schemata, von Althergebrachtem. Es hat mich unglaublich weiter gebracht – charakterlich und reiterlich gesehen – ich war noch nie mit so viel Gefühl an, bei und auf dem Pferd wie heute. Eine neue Welt hat sich für mich geöffnet. Aber der Weg dahin: Ein Horror. Tränen, Wutausbrüche, Verzweiflung – da tat es mir immer gut, auf eurer Seite von ähnlichen Erfahrungen zu lesen. Ich bekam Tipps zum Durchhalten, nicht Aufgeben, und wie man sich aus dunklen Löchern herausgräbt. Eure Ehrlichkeit hat mich immer überzeugt, mich getröstet, mich wieder aufgebaut und mir den Glauben gegeben – wir schaffen das!
Natürlich darf man diesen einen Artikel, den Du nun über Deinen „Nein-Sager“ geschrieben hast, nicht solitär betrachten. So viele Erlebnisberichte mit unzähligen Beispielen zu Anthonys Verhalten und Deinem Umgang damit sind diesem Beitrag voraus gegangen – mir sind solche Gedanken wie Kelly und Bärbel sie hatten beim Lesen nicht gekommen. Wohl auch, weil ich an diesem Punkt, an dem Du jetzt bist, mit meinem Hafi vor ca. 1,5 Jahren war. Er war träge, verwöhnt, zu dick – ich hatte ihn einfach „leben“ lassen und alles was er „nicht wollte“ von ihm ferngehalten. Und ab und zu mal Fußball-Spielen bringt leider auch keine Traumfigur … Just zu dem Zeitpunkt trat eine andere Reitlehrerin in mein Leben, die unser ganzes Training (vom Clickern einmal abgesehen) positiv, spaßig, voller Lob-Momente gestaltete. „Arbeit“ gab es bei ihr nicht mehr – alles war Spaß. Und ein Satz von ihr hallt bis heute noch in mir nach: „Wenn es für Dich ok ist, ist es auch für ihn ok. Mach es einfach!“ Ich wusste also, er ist gesund, er KANN, und ich muss nun dafür sorgen, dass er auch WILL. Mich innerlich frei und fröhlich zu machen, war das Schwierigste dabei – die Schatten der Vergangenheit sind lang. Aber als ich gesehen habe, wie mein Hafi sich fröhlich auf mich einließ, wurde ich immer sicherer. Und heute klappen auch wieder die Trab-Traversalen und Galopp-Pirouetten – nur im Gegensatz zu früher mit einer nie gekannten Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Und das, wo er jetzt 20 Jahre auf dem Buckel hat. Ich mache jeden Tag etwas anderes mit ihm, gehe auch mal nur grasen an der Hand oder Wellness-Kraulen oder „nur Koppel“. Ich reite nie an zwei Tagen hintereinander und muss mich immer wieder bremsen, dass ich nicht in eine erneute Erwartungsfalle tappe, nach dem Motto: Das hat heute super geklappt, da machen wir morgen weiter. Das wäre fatal …
Manche Dinge habe ich komplett aus unserem Training gestrichen – die mag er einfach aber sowas von gar nicht! Leider ist das Longieren am Kappzaum eines davon. 🙁 Dafür geht er toll an der Doppellonge – er braucht wohl den äußeren Zügel. Und das ist ja auch ein tolles Training – man muss dann auch nicht immer alles durchziehen, was für das Pferd „gesund“ ist. Wenn es nicht mit Freude dabei ist, dann verspannt es sich, und es bringt gar nichts. Es gibt so viele andere „gesunde“ Dinge, die man machen kann. 😉
Langer Rede kurzer Sinn: Bitte sei weiterhin so offen, ehrlich und reflektiert – viele Pferd/Mensch-Paare profitieren davon!

Ganz liebe Grüße
von Manuela

 

Von Manuela • 12. April 2015

Noch ein Nachtrag zu meinem Beitrag oben: Was ich vor lauter Schreiberei nun ganz vergessen habe zu sagen: Mir hat es auch sehr weitergeholfen, einfach irgendwann einzusehen, dass es Pferde gibt, die strikt „nein“ zu Dingen sagen, die man von ihnen erwartet. Ich kannte das so nicht! Und – ganz ehrlich – wer das selbst noch nicht so erlebt hat, der kann einfach nicht mitreden. Man macht sich keine Vorstellung davon, wie schwer der Umgang mit einem solchen Pferdetyp ist.
Ich dachte, alle Pferde wären immer zu allem bereit, hätten immer Lust auf welche Arbeit auch immer und würden ihr und mein Tun nie hinterfragen! Nennt mich naiv – ich wusste es einfach nicht besser …
Ich habe einen Osteopathen, Tierarzt, Heilpraktiker nach dem nächsten geholt, nur um mir sagen zu lassen, dass mein Pferd keine gesundheitlichen Probleme hat.
Es ist auch leider nicht so, dass das Pferd automatisch gute Laune bekommt, nur weil man selbst fröhlich und unbeschwert daher gelaufen kommt. Man weiß einfach irgendwann nicht mehr, was man noch machen soll. Man gibt sich solch eine Mühe mit seinem Pferd, beschreitet „alternative Wege“, und kriegt trotzdem von seinem Pferd ständig den Mittelfinger gezeigt. Und um einen herum behandeln die Leute ihre Pferde wie den letzten Dreck, und die laufen und laufen und laufen bis sie nicht mehr können. Das frustriert und lässt einen an Aufgeben denken.
Die Zeit, in der ich daher mein Pferd nur habe „leben“ (und dick und faul) werden lassen, haben wir beide einfach gebraucht. Ich musste nachdenken wie es weitergehen soll, mein Pferd hat angefangen zu begreifen, dass NUR so ein bequemes Leben auch nicht das Wahre ist. Er ist ja sehr, sehr schlau und neugierig – es wurde ihm einfach zu langweilig. Als ich dann nach dem Motto „Alles kann, nichts muss“ das Training wieder aufgenommen habe, war etwas zwischen uns passiert. Ich konnte seine Stimmungen besser wahrnehmen, und er ließ sich endlich mehr auf mich ein. Ich war wichtig für ihn geworden.
Ich genieße die Zeit, die wir momentan erleben – diese Motivation und Leichtigkeit. Und wenn dann wieder eine „Mittelfinger“-Phase kommt, können wir die beide hoffentlich entspannter durchleben …
Das war mir einfach noch wichtig zu schreiben … 😉

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Danke, Manuela! Ich finde mich sehr in Deinen Beschreibungen wieder und sehe es wie Du: der Umgang mit dieser Art von Nein ist wirklich eine spezielle Herausforderung. Und erst durch diese Herausforderung habe ich gelernt, auch die zarten kleinen Neins von eher motivierten (also ja sagenden) Pferden wahr- und ernst zu nehmen und mir Gedanken darüber zu machen, ob es ok ist, wie normalerweise mit einem Nein eines Pferdes umgegangen wird. Als ich mit dem Reiten begann wurde mir traurigerweise beigebracht, ein Nein vom Pferd immer als Kampfansage zu sehen und mich „durchzusetzen“. Letztlich lernte ich erst durch Anthony und seiner Art nein zu sagen, achtsamer auch allen anderen Pferden gegenüber zu werden. Deshalb sehe ich ja auch die Bezeichnung „Nein-Sager“ nicht als negativ (und will sie eben auch so nicht verstanden wissen), im Gegenteil – wie ich immer wieder schreibe: ich habe durch Anthony mehr über Pferde und mich selbst gelernt als von allen anderen Pferden.

Herzlich,
Tania

 

Von Marina Lange • 13. April 2015

Hallo Tania,

den Begriff „ja- und neinsager“ kenne ich in ähnlicher Form aus dem NLP, konkret: aus dem Verkaufstraining. Hier ist es so, dass man, wenn man einen „nein-sager“ vor sich sitzen hat, seine Formulierungen eher in der verneinenden Variante wählt (Beispiel: „Sie haben aber sicherlich kein Interesse an unserem Produkt“ – führt bei dieser Formulierung zu einer gegengesetzten Reaktion beim potentiellen Kunden) dies ist jetzt sehr flach beschrieben, es gibt noch viel mehr Aspekte zu beachten. Worauf ich hinausmöchte:

Auch bei Pferden habe ich festgestellt, dass eine solche „reverse psychology“, also umgekehrte Psychologie funktioniert. Hintergrund: Ich bin seit einiger Zeit in der Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Hier gibt es als Interventionsmaßnahme den Begriff der „paradoxen Intervention“, um Verhaltensänderungen bei Kindern zu bewirken. Nachdem ich das erfuhr, testete ich dieses bei meinen „Energiesparmodellen“.

Ich hatte Anton (ein Norweger) am Seil und forderte von ihm nun nicht mehr „schneller, mehr untertreten, mehr Aufrichtung“, sondern „langsamer! Fast stehen, so langsam!“ ohne sonstige gymnastizierende Haltung o.ä. – und ich stellte fest, dass Anton plötzlich von allein schneller wurde, ja geradezu eilig wurde! Ein paar mal diese Übung gemacht, und schon konnte man beobachten, wie Anton immer weniger langsam gehen wollte…

Auch die Kinder, mit denen ich arbeite, setzen diese Technik seit einiger Zeit erfolgreich ein. Wenn ein Pony partout nicht traben möchte, geht es eben Schritt – aber im Minimaltempo. Es dauert nicht lange, da möchte das Pony uuuuuunbedingt schneller 🙂

Alles liebe und eine schöne Woche!

Marina Lange

 

Von Claudia • 13. April 2015

Hallihallo,

ich lebe auch mit so einem Neinsager zusammen, allerdings betrifft das nur die Halle, das Rundpen und den Longierzirkel. Auf dem Springplatz draußen ist die schon deutlich anders. Aber erst recht in gute Laune kommt er, wenn wir einen Ausritt mit seinem Kumpel machen. Mein Tom ist gerade 23 Jahre alt geworden, sein Kumpel ist 11 Jahre. Dem zeigt er im Gelände dann, wer der Schnellere ist! 😀
Wir reiten also viele aus und lassen die zwei auch mal laufen! Das macht uns (meiner Tochter und mir) herrlich viel Spaß und glaube auch den Pferden. Meine Reitbeteiligung sorgt dann daheim auf dem Platz für die entsprechende Gymnastik. Auch viel motivierte ist er im Roudpen, wenn sein Kumpel mit kommt. Der ist sehr lauffreudig dort und motiviert ihn gleich mit. So sorgen wir mit einem abwechslungsreichen Programm für eine schlanke Linie! 🙂

 

Von Silvia • 13. April 2015

Hallo, auch habe eine sogenannte Ab- und An-Neinsagerin, die mich oft an die Grenze der Verzweiflung bringt. Immer wieder zeigt sie mir, dass sie einen eigenen Willen hat, der häufig gar nicht zu meinem passt. Viele Tiefs habe ich durchleben müssen. Aber jede Herausforderung angenommen und viele Wege kennengelernt. Oft auch von waager Angst begleitet – wenn ihre Auflehnungsaktionen, Agressionen zu heftig wurden – der ja kein guter Berater ist. Ich habe Hilfe von Therapeuten erhalten, neue Ausbildungswege kennengelernt, viel ausprobiert und trotzdem hat sie nach vielen Jahren des gemeinsamen Zusammenseins das Neinsagen beibehalten. Es ist halt ihre Natur, alles zu hinterfragen.
Ich liebe mein Pferd, und trotzdem denke ich manchmal, tue ich ihr einen Gefallen, sie bei mir zu lassen? Vielleicht würde sie sich woanders wohler fühlen. In einer größeren Herde mit mehr Sicherheit. Denn viele Probleme entstehen durch ihre Ängstlichkeit/Unsicherheit. Auch auf dem Reitplatz hat es Jahre gedauert, damit sie durchlässig, vertrauensvoll mitarbeitet. Das ist auch nur mit Hilfe einer jungen Barockausbilderin gelungen, der wir viel zu verdanken haben. Trotzdem gibt es immer noch Tage der Aufsässigkeit. Z.B. in letzter Zeit beim Ausreiten, da will sie plötzlich nicht mehr weitergehen, steigt, bockt und will mit Gewalt zurück. Ich verhalte mich dann ganz ruhig, sitze den Anfall aus, obwohl sich alles in mir auflehnt. Versuche sie zu beruhigen, steige ab und gehe mit ihr zu Fuß weiter, bis ich irgendwann weiterreiten kann, als ob nichts gewesen wäre. Oder beim Ablongieren mir dem Kappzaum flippt sie auch die erste Zeit vollkommen aus. Mit der Doppellonge klappt es natürlich besser. Was sie liebt ist die Bodenarbeit. Voll motiviert arbeitet sie mit, freut sich sichtlich übers Lob. Auch Springen mag sie sehr gerne. Die Zäune sind bei mir mittlerweile alle 2m hoch. Auch wenn sie mein Auto kommen hört, wiehert sie schon von weitem, läuft mir entgegen. Das macht mich glücklich – denn – ich liebe mein Pferd, trotz allem.
Liebe Grüße
Silvia

 

Von Sabine • 13. April 2015

Ich denke, es sind nicht nur die Pferde, die „Dauer Nein-Sager“. Für mich trifft es genauso zu! Dieser Winter war sehr nass und ganz oft habe ich mich dabei erwischt, nur das Nötigste Draußen zu tun. Schnell Stall machen, alle 2 Tage Wiese abäppeln, Pferde schnell füttern und dann ganz schnell wieder rein ins trockne.
Der Winterspeck hat auch diesmal bei mir angesetzt. es dauert immer eine geraume Zeit, um sich selbst in den Popo zu treten und wieder in Gang zu kommen.
Das Wetter ist Gott sei Dank schön und nun fällt es auch nicht mehr schwer sich zu überwinden. Meine Pferde haben mich noch erkannt und trotz Winterschlaf nichts verlernt. So arbeiten wir gemeinsam „schwer“ und sind gemeinsam schnell aus der Puste. Wir sind ein Team, egal in welchen Lebenslagen.
Liebe sonnige Frühlingsgrüße sabine

 

Von Wencke • 14. April 2015

Liebe Tania,
ich lese sehr gerne Euren Blog und bin begeistert von Eurem Longenkurs. Dieser Beitrag hat mich nun zum ersten Mal motiviert, etwas zu schreiben. Beim ersten Lesen meinte ich, vieles wieder zu erkennen, was auch meine Stute so an Verhaltensweisen zeigt. Beim Nachdenken darüber, habe ich fest gestellt, dass ich das gar nicht beurteilen kann, denn ich habe ja noch nie miterlebt, was Anthony tut. Wiedererkannt habe ich also nur die „Deutung“ deinerseits, die mit meiner offenbar ähnlich ist.
Wenn man davon ausgeht, dass es in dieser Welt keine „Wahrheit“ gibt, sondern nur viele individuelle Wahrnehmungen von Verhalten, dann sehen wir nur das, was wir sehen können oder (unbewusst) wollen.
Zu „Deiner“ Wahrnehmung über Anthony (und meiner über meine Stute) würde ich sagen:
Wenn ich Deinen Text lese und mir dabei vorstelle, Du würdest nicht über Dein Pferd sondern über Deinen Mann/ Partner schreiben, würde ich Dir wünschen, Deine Stimmung und Dein Wohlbefinden weniger von ihm abhängig zu machen und Dich mehr selbst darum zu kümmern, dass es Dir gut geht. Ich jedenfalls habe schon oft den Eindruck gehabt, dass meine Stute an meiner „Abhängigkeit“ von ihren Stimmungen mehr zu tragen hat, als an meinem Gewicht auf ihrem Rücken. Natürlich kann mein Pferd unterschiedlich gelaunt sein. Und natürlich bemühe ich mich darum, ihr zuzuhören. Aber in erster Linie liebt sie Klarheit. Und Stärke. Denn ich nehme sie aus ihrer Herde heraus und damit übernehme ich die Verantwortung für ihr Wohlbefinden. Das muss ich gut machen. Oder – wenn es mir aufgrund meiner Stimmung nicht möglich ist – sie sein lassen. Es ist nicht ihr Job, mir ein gutes Gefühl zu geben, sondern meiner.
Und wenn ich mich mit ihr nicht gut fühle, dann weil ich jede ihrer Gesten als PERSÖNLICHE Ablehnung deute (und damit womöglich eine alte Erfahrung wiederhole).
Ich liebe meine Stute sehr. Aber es ist nicht ihr Job, mich glücklich zu machen. Und wenn sie meine Grenzen überschreitet, dann weil ich nicht klar bin darüber, wo oder was meine Grenzen sind.
Das war jetzt viel mehr Text, als ich eigentlich schreiben wollte. Ich mag eigentlich keine umfangreichen Interpretationen von Pferdeverhalten. Pferde sind einfach. Und darum so klar. Wir sind kompliziert. Und darum so unklar. Ich glaube, darum sind für Pferde häufig unangenehme Begleiter.
Wencke

 

Von Wencke • 14. April 2015

Huch, ein Wort fehlt! Ich wollte schreiben, „darum sind WIR für Pferde häufig unangenehme Begleiter“.
Tsss…
Wencke

 

Von Tania Konnerth • 14. April 2015

Herzlichen Dank, Wencke, für Deinen Kommentar – da stecken für mich ganz viel wertvolle Gedanken drin. Vor allem das mit der Abhängigkeit…

Das könnte im Moment auch ein Schlüssel sein: in dieser Phase mache ich mich nicht abhängig von seiner Stimmung, sondern ich trainiere mit ihm, weil mir seine Gesundheit wichtig ist. Sprich: ich sorge im Moment für mich (… und damit auch für ihn).

Sehr spannend!
Tania

 

Von Ellen • 14. April 2015

Hallo Manuela,

auch Deine Beiträge finde ich besonders wertvoll und unterschreibe sie voll. Danke Dir dafür!

LG!
Ellen

 

Von Simone • 15. April 2015

Hallo,

ich habe auch so einen Nein-Sager. Es ist für mich manchmal echt schwer, dann selbst auch die Lust am arbeiten mit ihm nicht zu verlieren. Man fühlt sich fast schon als Tierquäler wenn man so ein Pferd hat und man sucht den „Fehler“ ja auch bei sich selbst.

Ich versuche immer einen guten Weg für uns zu finden. Wenn es dann mal eine Woche öfters Unterricht gab, wird die Woche drauf nur 2,3 mal ausgeritten usw. Damit fahre ich ganz gut. Ich habe jetzt auch ein bischen mit Clickertraining angefangen, schließlich muss man sich dafür schonmal nicht sooo viel bewegen und bekommt sogar noch Karotten 😉
Klar ab und zu deprimiert mich seine „lass mich doch einfach in Ruhe“ Einstellung schon, manchmal sehe ich aber auch einfach drüber hinweg und dann klappt alles meist auch besser.

 

Von Manuela • 18. April 2015

Liebe Tania,

schön, dass ich Dir auch einmal eine kleine Aufmunterung und bestätigende Gedanken zukommen lassen konnte. 😉
Ich bin auch durch den Umgang mit meinem „Nein-Sager“ viel sensibler geworden, was die Bedürfnisse anderer Pferde in meiner Umgebung angeht. Ich erkenne kleinste Anzeichen von „Nein“, wenn ihre Besitzer noch meinen, alles ist supi. Das ist ganz schön hart, weil man meist nicht viel machen kann, um zu helfen. Zum Glück stehe ich mittlerweile in einem Stall, in dem die meisten sehr achtsam mit ihren Pferden umgehen. Und – die meisten meinen es ja auch gut. Sie wissen es nur nicht besser …
Wenckes Beitrag finde ich auch sehr interessant, ich habe lange darüber nachgedacht. Das höre ich von meiner Reitlehrerin auch öfter: „Nicht denken, machen / fühlen!“ Wir Menschen sind wirklich sehr kopfgesteuert. Ein Pferd denkt nicht nach, WARUM sein Koppelkumpel das gerade gemacht hat, es reagiert einfach prompt und angemessen, und schon weiß der andere woran er ist.
Aber es ist auch nicht so, dass mich das „Nein“ meines Pferdes verletzt (klar – schon ein bisschen …), es geht mir mehr um SEINE Befindlichkeit und wie ich IHN glücklich machen kann – nicht mich … Und klar enttäuscht es einen, wenn nach all´ den Mühen doch nur ein „genervtes Augenrollen“ rüberkommt – wie bei einem pubertierenden Kind, dem man einfach nichts recht machen kann. Aber dann war ich eigentlich immer mehr über mich selbst enttäuscht, weil ich es immer noch nicht geschafft hatte, den richtigen Umgang mit ihm zu finden.
Ich halte mich schon für sehr klar, und mein Pferd überschreitet auch keine Grenzen, trotzdem zeigt er mir einfach in manchen Momenten: „Das kannst Du jetzt aber sowas von vergessen, dass ich das mache!“ Da hilft kein Clickern, keine Klarheit, keine Geduld, keine Fröhlichkeit. Wenn ich nicht brutal werden will (und das will und werde ich auch nicht), dann muss ich ihn einfach damit in Ruhe lassen. Überschreitet er damit eine Grenze, weil er nicht macht was ich will?
Ich für mich kann auch sagen, dass ich nicht von seinen Stimmungen abhängig bin. Ich freue mich eigentlich immer über das Zusammensein mit ihm – egal, ob er sich nun gerade auf das einlässt was ich möchte, oder nicht. Ich bin ein von Grund auf positiver Mensch und weiß auch, dass ich alleine für mein Glück verantwortlich bin. Nicht mein Mann und nicht meine Tiere.
Aber ich vergrößere auch mein Glück, wenn ich andere glücklich mache, daher belastet mich auch nicht das „Nein“ meines Pferdes an sich, sondern eher mein Umgang damit. Meine Stimmung geht nur dann in den Keller, wenn ich meine, dass ich ihm gegenüber unfair war und ihm an dem Tag nicht gerecht geworden bin, nicht sensibel genug auf ihn reagiert habe, es einfach „hakte“, er nicht glücklich mit mir war. Das liegt immer an mir! Nicht an ihm – er „ist“ einfach. Und genau das habe ich eben in den letzten Jahren immer mehr gelernt – mich nicht von Erwartungen leiten zu lassen. Denn wenn die enttäuscht werden, dann ist ja immer einer „Schuld“: nämlich der, der die Erwartungen nicht erfüllt hat. Ich versuche so zu denken wie mein Pferd: von Tag zu Tag. Was gestern war ist egal, heute ist wieder die „Stunde Null“. Das klappt mal besser und mal schlechter … 😉

Liebe Grüße an alle!

 

Von Claudia • 20. April 2015

Gestern habe ich mich so erschrocken über das Thema dicke Pferde und EMS ( warum wohl…seufz), daß ich hier erstmal zum Erholen weitergelesen habe. Ich finde es sehr plausibel, daß Pferde nein sagen, während andere ganz eifrig bei der Sache sind. Insofern bin ich einverstanden damit ein Nein wahrzunehmen und vor allem ja dazu zu sagen. Beim darüber schlafen kommt mir aber noch ein anderer Gedanke: was wenn Nein-sager einfach nur eine höhere Körperspannung bei ihrem Menschenpartner brauchen, damit das was jetzt gemeinsam zu machen ist auch durchdringt? Nette sensible Menschen fühlen sich oft mit hoher Körperspannung nicht so wohl, sie sind eher und lieber mit sich in Harmonie und entspannt…wie sensible Pferde auch…aber es gibt doch auch unter den Menschen die klassischen nicht sehr sensiblen lauten Normalos, die auch erstmal Neinsagen, weil sie etwas doof und langweilig finden…eben nicht spannend…nicht zum mitschwingen. Ich komme wohl auf diesen Gedanken, weil ich gerade zwei unterschiedliche Trainings durchlebe: Clickertraining bei einer sehr guten aber auch sehr zarten Lehrerin und NHS bei einer bodenständigen robusten Trainerin. Die eine völlig ohne Druck, die andere mit geballter Kraft. Beide mag ich und beide sind gut und gut für die Pferde und die Menschen…aber so verschieden… Ich komme aber auch drauf weil Tania zwei Situationen beschreibt wo es anders läuft.Clickern und: jetzt muss es aber sein…..und beide sind neu, anders und vor allem für Tania mit höherem inneren Energielevel verbunden..einer größeren Entschlossenheit.
Bin gespannt auf eure Erfahrungen
Liebe Grüße Clau

 

Von Eva • 20. April 2015

Hallo zusammen,

der Artikel und die Kommentare beschäftigen mich nun schon eine ganze Weile. So viele geballte Anregungen und Denkanstöße! Ich bin noch ganz am Anfang mit meinen „Nein-Sager-Erfahrungen“, aber ich denke, dass es die eine Lösung für einen speziellen Nein-Fall mit einem speziellen Pferd einfach nicht gibt. Zumindest erlebe ich das so. Manchmal klappt es mit Clickern, manchmal mit Abwarten, manchmal mit Entspannungsübungen, manchmal mit in Ruhe lassen, manchmal mit mehr Energie und innerer Überzeugung oder inneren Bildern.

Ich versuche derzeit aufzuhören darüber nachzudenken, wann ich was machen will/sollte. Ich plane nicht mehr im Vorwege, wenn ich zu meinem Pferd fahre und entscheide immer im Augenblick, was wir jetzt machen und auf welche Art und Weise ich weitermache, wenn ein Nein kommt. Keine Pauschalen Vorgehensweisen mehr im Kopf, kein Idealbild, keine festen Vorsätze. Damit habe ich momentan Erfolg, bin selbst viel entspannter und fröhlicher und genieße die gemeinsame Zeit viel mehr. Ich bin viel mehr im Hier und Jetzt und viel aufmerksamer und bewusster, ohne dass ich sehr viel Nachdenken muss. Über diese Erfahrung bin ich sehr dankbar, da es mir in meinem gesamten Alltag zu Gute kommt. Da kann ich den oft gehörten Satz „Jeder bekommt das Pferd, das er braucht“ mal wieder von Herzen bejahen!

Und ich denke, dass dieses Lernen und Erfahrungen machen immer weiter gehen wird, ich werde nie „fertig“ sein damit. Es wird immer wieder neue Herausforderungen geben. Dazu habe ich heute morgen einen schönen Spruch gelesen: „Sobald du die Antwort hast, ändert das Leben die Frage“.

Viele Grüße an alle! Eva

 

 

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