Ein offener Brief

Ein Wort an alle Reitschulbetreiber/innen und Reitlehrer/innen und auch an die Eltern reitender Kinder.

Die Tochter meines Lebensgefährten ist 10 Jahre alt. Sie liebt Pferde auf diese wundervolle Weise, wie es viele Mädchen tun. Schon länger hat sie Unterricht in einer Reitschule und ich nehme sie oft mit zu meinen Pferden. Sie möchte so gerne richtig reiten können, doch nun will sie nicht mehr zum Reitunterricht gehen. Warum nicht? Weil sie Pferde nicht schlagen möchte und weil sie nicht mit Sporen reiten möchte.

Bitte spürt einmal nach: Ein  zehnjähriges Mädchen verzichtet auf einen Herzenswunsch, weil sie im Reitunterricht Dinge tun soll, von denen sie genau weiß, dass sie falsch sind. Leider hat sich offenbar noch nicht viel geändert zu der Zeit, in der ich Reiten lernte. Pferde schlagen ist niemals richtig und Kinder dazu anzuleiten auch nicht.

Liebe Reitschulbetreiber/innen und Reitlehrer/innen, seid Ihr Euch eigentlich Eurer großen Verantwortung bewusst? Einmal habt Ihr Verantwortung der Kreatur Pferd gegenüber, die nicht nur Mittel zum Zweck sein darf, sondern die ein Mitgeschöpf ist. Ihr habt darüber hinaus eine große Verantwortung für die Kinder, die zu Euch kommen, weil sie Pferde lieben und sich nichts sehnlicher wünschen, als Zeit mit diesen Tieren zu verbringen. Indem Ihr Kinder dazu bringt, Gewalt gegen Pferde zu richten, schadet Ihr nicht nur den Tieren, sondern vor allem auch den Kinderseelen, denn Kinder wissen sehr genau, was falsch ist und wann sie etwas Unrechtes tun. Pferde zu schlagen, macht schlimme Schuldgefühle. Ich weiß, wovon ich rede, denn auch ich habe als Kind gelernt, Pferde zu schlagen und Gewalt anzuwenden – und auch wenn ich aus meinen Fehlern gelernt habe, trage ich bis heute die Schuld mit mir herum.

ku1Wenn schon nicht der Pferde wegen, dann wacht wenigstens der Kinder wegen auf und beendet die Gewalt Pferden gegenüber. Sucht gemeinsam mit den Kindern nach gewaltfreien Wegen eines Zusammenseins von Pferd und Mensch. Der Mensch hat kein Recht, Pferde durch Gewaltmaßnahmen seinen Willen aufzuzwingen und es ist grundfalsch, Kinder zum Schlagen von Tieren und zum Einsatz von Gewalt zu erziehen.

Reitställe könnten zu Orten werden, an denen schon kleine Kinder einen respekt- und liebevollen Umgang mit Tieren erlernen. Haben wir gerade in unserer Zeit das nicht sehr nötig? Möglich wird das aber nur, wenn IHR bereit dazu seid, die Basis dazu zu legen! Und ja, dafür müsst Ihr zunächst Euer eigenes Verhalten hinterfragen. Es ist nie zu spät, Fehler einzusehen und einen anderen Weg einzuschlagen. Nur so wird ein pferde- und kindgerechter Unterricht möglich. Ja, der braucht viel Verständnis, Zeit, Geduld und Selbstreflexion, aber er schenkt dafür Fröhlichkeit und Leichtigkeit und das nährende Gefühl, etwas Gutes zu tun, denn ein solcher Reitunterricht vermittelt persönlichkeitsfördernde Werte.

Liebe Reitschulbetreiber/innen und Reitlehrer/innen, IHR seid die Vorbilder, Ihr stellt die Weichen für den Umgang mit Pferden für die Kinder, die zu Euch kommen. Es liegt an Euch, ob Pferden auch in Zukunft Gewalt angetan wird, in dem Maße, wie es heute leider noch immer weit verbreitet ist, oder ob sich alternative Wege zum Pferd durchsetzen, die auf einem freundschaftlichen Miteinander von Mensch und Pferd beruhen, denn die gibt es! Pferde sind keine Sportgeräte, sondern Mitgeschöpfe und das sollte das Wichtigste sein, das Ihr in Euren Schulen und in Eurem Unterricht vermittelt. Dann kann Reitunterricht das sein, was er sein sollte: nicht nur eine Schulung im Umgang mit Pferden, sondern vor allem auch eine Schulung in Menschlichkeit.

Bis jetzt ist Reitunterricht leider oft das genaue Gegenteil, denn dort lernen Kinder systematisch, über ihre moralischen Bedenken hinwegzugehen und mit Stricken, Gerten und Sporen Tieren ihren Willen aufzuzwingen. Seid Ihr Euch eigentlich bewusst, was das mit Kindern macht? Seid Ihr Euch darüber im Klaren, dass wenn die Hemmschwellen von Gewalt fallen, sie nur sehr schwer wieder aufzubauen sind?

Ich weiß, dass ich mir mit diesen Zeilen nicht nur Freunde machen werde, aber ich bin einfach nur traurig und ich hoffe inständig, dass dieser offene Brief möglichst viele von Euch erreicht – und zwar nicht nur gelesen, sondern auch gefühlt. Denn nur, wenn Ihr das hier wirklich in Euch bewegt, werdet Ihr etwas ändern. Und dass sich etwas ändert, ist bitter, bitter nötig, damit Mädchen, wie die Tochter meines Lebensgefährten, nicht einfach traurig mit dem Reiten aufhören, sondern mit Freude und vor allem mit einem guten Gewissen zum Reitunterricht gehen können.

Ihr legt die Grundsteine für das Miteinander von Mensch und Pferd und Ihr habt es in der Hand, die bestehenden Irrwege zu beenden.

Diejenigen unter Euch, die sich nicht angesprochen fühlen müssen, da sie bereits andere Wege gehen, bitte ich, andere Reitlehrer/innen zu unterstützen. Viele schlimme Dinge passieren aus Hilflosigkeit und weil man nicht weiß, wie es besser geht. Lebt Ihr es vor und bietet Eure Hilfe an.

Ich hoffe auch, dass viele Eltern diesen Brief lesen, die reitende Kinder haben, denn Euch bitte ich: Geht und schaut Euch an, was Eure Kinder im Reitunterricht tun und lernen. Fragt nach und hört zu, wenn Eure Kinder von dem erzählen, was in Pferdeställen läuft. Steht ihnen bei, wenn sie nicht das tun möchten, was gang und gäbe ist und unterstützt sie dabei, offen nein zu sagen zu Gewalt und zum Schlagen. Geht zu den Reitlehrern/innen und fordert sie auf, Euren Kindern keine Gewalt beizubringen, sondern einen respektvollen Umgang mit Tieren. Überlasst hier nicht anderen, Eure Kinder zu prägen, denn es kann tiefe Narben hinterlassen, wenn Kinder Dinge tun, die sie eigentlich für falsch halten.

Macht bitte die Augen auf in Pferdeställen und schaut nicht weg, wenn Pferde geschlagen werden, sondern sagt, dass Ihr das falsch findet. Erklärt Euren Kindern, dass es nicht richtig ist, wenn Menschen Tiere schlagen oder mit Gewalt zu etwas bringen.

Sucht gemeinsam mit Euren Kindern nach Pferdemenschen, die bereit sind, Euren Kindern einen pferdegerechten Umgang zu vermitteln und seid bereit, für einen solchen Unterricht etwas mehr zu bezahlen. Was Eure Kinder damit lernen, ist Gold wert.

Ich sage allen danke, die bis hierhin gelesen haben, und wir bitten Euch gemeinsam, diesen offenen Brief zu verlinken – hier zu diesem Blogbeitrag oder zum Film – oder auszudrucken und aufzuhängen, hier gibt es ihn als PDF-Dokument.

Tania und Babette

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16. Juni 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Engagement und Pferdeschutz, Umgang 46 Kommentare »

 

46 Reaktionen zu “Ein offener Brief”

 

Von Henrikje • 16. Juni 2015

Ich kann euch so gut verstehen, der Brief ist genau mein Thema.
Vor 2 Wochen war ich in einem Reitstall, in dem wird eigentlich „pferdegerecht“ geritten, so habe ich gedacht.
Als ich dort war, wurde gerade für das Steckenpferd/kleine Hufeisen und Co geübt. Ein Mädchen wurde aufgefordert die Gerte in eine Hand zu nehmen und mal ordentlich dem Pony einen Klaps zu geben. Ein anderes Mädchen trommelte mit den Beinen am Pferdebauch rum und man hörte ständig irgendwo eine Gerte auf den Pferdepo knallen.
Ich musste so tief durchatmen, ich war so sauer, auf die Mädchen, die Pferde so lieben, auf die Reitlehrerin und wusste gar nicht was ich sagen soll, denn schließlich war ich nur zu Besuch. Zu guter Letzt wurde dem einen Mädchen geraten, eine längere Gerte am Prüfungstag zu nutzen.
Es hat sich nichts geändert, gar nichts… Der Freizeitbereich ist anspruchsvoller geworden, aber es gibt weiterhin Menschen die ihre Pferde mit neu erfundenen Werkzeugen gefügig machen.
Ich weiß, dass mein Kind, falls es reiten möchte, genauso wie meine Nichte im heimischen Stall unterrichtet wird und ich hoffe den Kindern einen netten Umgang beibringen zu können, vielleicht nicht mit vielen Turniererfolgen, dafür aber mit viel Spaß.

 

Von hkhal • 16. Juni 2015

Mir ist es damals ähnlich ergangen. Ich war beim Übergang A u L Dressur und da hat es geheißen nun endlich müsse auch ich mit Sporen und Kandare reiten, anders ginge das nicht. Für mich war dann Schluß. Inzwischen habe ich 3 Isländer. Dort fand ich vieles „pferdefreundlicher“ vor. Auch die Turnierprüfungen entsprachen viel mehr meinen Vorstellungen. Meine Kinder werden nun auf unseren eigenen Pferden unterrichtet und ich gebe auch Schulfreunden die gleiche Chance.

 

Von Janina • 16. Juni 2015

Danke für diese offenen Worte!

Neben gesundheitlichen Gründen ist genau das dafür mitverantwortlich, dass ich das Reiten vor zwei Jahren an den Nagel gehängt habe.
Selbst als ich eine RL mit humaneren Umgangsmethoden gefunden hatte, waren die jahrelang eingetrichterten Muster noch so tief in mir verankert, dass ich sofort wütend wurde, wenn etwas nicht funktionierte und mich dann wirklich beherrschen musste, dem Pferd gegenüber nicht unfair zu werden. Und das, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon mit positiver Verstärkung gearbeitet habe! O.o
Inzwischen bin ich mir sicher, den fairen Umgang auch in den Sattel mitnehmen zu können. Jetzt scheitert es leider an einem passenden RL.

Ich hoffe sehr, irgendwann jemanden zu finden, der mir das Reiten so beibringt, dass das Pferd und ich gleichermaßen Spaß haben! Und bis dahin vertreiben wir uns die Zeit vom Boden aus mit LK & Co. 😉

 

Von Jennifer • 16. Juni 2015

Hallo zusammen,

die Umstände in den Reitschulen haben dazu geführt dass wir uns nach kurzer Zeit ein eigenes Pony gekauft haben. Es tat mir einfach zu weh, zuschauen zu müssen, wie mein sensibles Mädchen hart an den Zügeln herumgerissen hat – weil sie es einfach noch nicht anders konnte. Oder wie sie angeleitet wurde, mit der Gerte aufs Pferd zu hauen, bloß weil sie auf ein viel zu großes Pony gesetzt wurde, das die Schenkelhilfen der kurzen Beine vermutlich gar nicht als solche verstehen konnte.

Nun ist sie erstmal viele, viele Monate nur an der Longe und geführt im Gelände geritten, bis der Sitz stimmte und sie freihändig reiten und „lenken“ konnte. Gestern bekam sie zum ersten Mal die Zügel in die Hand – und ich dachte, ich seh nicht recht: Das Pony weiß die viele Arbeit zu würdigen und schenkt ihr sofort eine schöne Anlehnung und geht durchs Genick.

LG

 

Von Angelika • 16. Juni 2015

Sehr schön geschrieben.
Aber: es geht nicht nur um den Umgang, es geht auch darum, wie die Pferde gehalten werden.
In allen Reitschulen die ich kenne, sind die Schulpferde „arme Schweine“.
Um die Einsteller bemüht man sich ein bisschen, aber die die am meisten arbeiten müssen, vegetieren vor sich hin.
Und: Kinder die reiten lernen wollen, sol,lten nicht nur einne gewaltfreien Umgang erlernen, sondern acuh dass man etwas für das Pferd tut- und zwar uneigennützig.

 

Von Birgit • 16. Juni 2015

ZU dem Beitrag kann ich gar nicht oft genug „Daumen hoch“ klicken.

Aber das allein reicht nicht.

Man muss auch selbst den Mund aufmachen.

Nämlich immer dort wo dieses Unrecht den Pferden gegenüber geschieht.

Ich habe mit 45 Jahren mit dem Reiten angefangen. Mein Kindheitstraum wahr gemacht.
Auch ich habe in meinem Reitunterricht beigebracht bekommen, dass das Pferd zu funktionieren hat, notfalls mit Schlägen.

Ich konnte und wollte das nie und wurde dafür belächelt.

Inzwischen habe ich ein Pferd mit dem ich jeden Tag zusammen bin. Es ist schon 28 Jahre alt und wird nicht mehr geritten. Trotzdem ist uns nie langweilig. Wir haben Doppellonge gelernt, machen Freiarbeit, Zirkuslektionen (so wie er kann 😉 ), spielen Kopf- und Fußball. Wir machen Abenteuerspaziergänge durch die Ortschaft (Bahnhof mit an- und abfahrenden Zügen und warten vor der heruntergelassenen Bahnschranke ), über Discounterparkplätze. „Mein“ Pferd geht mit mir im Gelände frei und ohne Strick mit. Wir traben zusammen und stoppen zusammen.

Die Gerte brauchen wir dafür nicht.
Das alles haben wir mit Empathie, Zeit, Freude an dem, was wir machen, Beobachtung und Geduld zusammen erlernt.
Nicht nur das Pferd- nein, auch ich muss viel lernen, damit Lui und ich eine gemeinsame Basis für unsere Ziele finden. OHNE Schläge !

Ich wurde in unserem Stall wohl für meinem Umgang mit dem Pferd belächelt. Oft mussten wir in der Halle für die Reiter Platz machen und unsere Freiarbeit abbrechen.
Notgedrungen haben wir sehr oft auf der Stallgasse unsere Zirkuslektionen gemacht.

Inzwischen freue ich mich zu sehen, dass die Reitschülerinnen, die eine Reitbeteiligung auf den Schulpferden in unserem Verein haben, mit den Schulpferden AUCH anfangen zu spielen und Bodenarbeit zu machen. Das haben sie nicht im Unterricht gelernt. Das haben sie sich bei Lui und mir abgeguckt und fragen auch WIE ich Lui z.B. das Tanzen beigebracht habe.

Was ich damit sagen will ist:

Jede(r) für sich kann und MUSS den gerechten Umgang mit den Pferden vorleben und sich nicht beirren lassen.
Ein erhobener Zeigefinger mit „Du darfst das nicht“ reicht nicht. Den pferdegerechten Umgang Vorleben und und den Mund aufmachen, wenn irgendwo dem Pferd Unrecht geschieht.
Liebe Hentikje, da hilft es dem Pferd nicht, wenn du tief durchatmen musst und sonst nichts geschieht.

 

Von Sonja . • 16. Juni 2015

Meiner Erfahrung zufolge fehlt oft schon den Eltern der Blick dafür., bzw. die Empathie mit den Tieren, weder wissen sie etwas über deren Verhalten, noch über deren Bedürfnisse. Sagt man etwas über die schlechte Haltung, heisst es, andere leben auch so und sie kommen ja eh 1 Stunde auf die Weide und wir haben ja auch Streß, was so viel heisst, ei nPferd ist weniger wert als ein Mensch und daher ist es recht un billig, dass es diesen auch so geht. Was soll man dazu noch sagen ? Ernten kann man nur da, wo die Anregungen auf furchtbaren Boden fallen, die Betroffenen müssen offen dafür sein, bei anderen erntet man nur Abwehr. Hauptsache das Kind hat Spaß… Erfahrungsgemäß funktionieren Fotos und Videos in denen man artgerechte Haltung sieht am Besten. Sie sprechen das Gefühl an, daher versuche ich diese Bilder zu verbreiten.

 

Von Andreas Werft • 16. Juni 2015

Voll ins Ausbilder Herz getroffen!

Sehr schön und dennoch eindeutig geschrieben,ich bedanke mich im Namen aller die bereits so denken und ausbilden und es ist verdammt traurig das man überhaupt über so etwas selbstverständliches wie schonende und sanfte Ausbildung von Pferd und Reiter schreiben muss!

Regelmäßig erlebe ich den Umgang zwischen Pferd und Reiter auf allen Turnier- und Trainingsplätzen dieser Welt.

Aber es sind leider nicht nur die ReitstallBesitzer und Reitlehrer, sondern auch leider auch all zu oft Eltern die ihre Kinder auf den Abreiteplätzen dazu auffordern doch mal Rein zutreffen , Sporen und Gerte zu benutzen.

Denn nicht immer sind Reitlehrer zur Unterstützung beim Turnier dabei.

Die Verantwortung liegt bei uns allen, beim Stallbesi, beim Pferdebesitzer,beim Reiter, Ausbilder und den Eltern, aber auch bei den Landesverbänden, den Turnierveranstaltern und der FN.

Denn was haben z.b. Sporen an den Stiefeln von 4 und 5 jährigen im Führzügelwettbewerb zu suchen?

Es gibt so vieles was geändert werden könnte doch dies gelingt nur wenn uns allen gemeinsam einmal die Augen aufgehen und wir an einem Strang ziehen.

Ich befürchte nur das es noch sehr lange dauern wird und unsere Pferde und Ponys noch ganz viel Geduld mit uns haben müssen bis wir es endlich verstanden haben was es bedeutet diese herrlichen Geschöpfe zu achten und zu schätzen.

Solange wie es Neid und Missgunst gibt und der Erfolg über dem Wohlbefinden des Pferdes steht, solange wird es Sporen, Sperrriemen und Schläge für Pferde geben und Menschen die nicht begreifen das nicht das Pferd am scheitern schuld ist sonder das Unvermögen des Reiters.

Wir Menschen sind schon nicht in der Lage vernünftig zuzuhören und zu kommunizieren wie soll es dann mit dem Pferd klappen wenn wir nicht lernen endlich einmal zuzuhören!

Mein Trainerteam und ich jedenfalls sind bemüht eine schonende und gesunde Ausbildung zu gewährleisten um sowohl dem Pferd als auch dem Menschen gerecht zu werden!

In der Hoffnung das es eines Tages besser sein wird,

Andreas Werft

 

Von Rebecca • 16. Juni 2015

Ein sehr wahrer und nötiger Brief, da dieses Verhalten leider in viel zu vielen Reitschulen an der Tagesordnung zu sein scheint.
Leider geht es aus dem Brief eindeutig hervor, dass ALLE Reitschulen so arbeiten. Vergesst nicht die Reitschulen, wo es anderes funktioniert. In meiner Reitschule geht es auch anders. Meine Schulponys sind fein ausgebildet, können in allen drei Gangarten mit Halsring geritten werden und Sporen sind bei uns grundsätzlich verboten. Meine tägliche Arbeit besteht darin, den Kindern zu vermitteln wie ein Pferd tickt, warum es gerade so reagiert hat und wie die jungen Reiter zu einem immer feineren Miteinander zwischen Pferd und Mensch gelangen. Das ist ein langerund zeitintensiver Weg, da es so ist, dass sehr viele Kinder heute kein oder kaum noch Körpergefühl besitzen und schon gar nicht mehr die Fähigkeit sich auf ein anderes Lebewesen einzustellen.
Das meiste grobe reiten entsteht in Reitschulen durch Leistungsdruck. Der Mitreiter hat schon ein Abzeichen mehr gemacht und damit die Prüfung zu einem bestimmten Zeitpunkt endlich klappt, wird zu unfairen Hilfsmitteln gegriffen. Der Konnkurenzdruck ist groß und geht auf Kosten der Fairness gegenüber dem Pferd. So werden rücksichtslose Reiter erzogen, und Pferde zu Sportgeräten gemacht.
Bewußt habe ich mich gegen das Absolvieren von Reitabzeichen in meinem Reitunterricht entschieden und erkläre den jungen Reitern immer wieder, warum ich mich von Turnieren, Abzeichen und Reiten als Leistungssport distanziere.
Das klappt bei uns sehr gut und die Kinder verstehen.
Also bitte nicht alle Reitschulen verteufeln, es geht auch anders!!!
Rebecca Kohlstadt

 

Von Tina • 16. Juni 2015

Nun habe ich schon lange nichts mehr kommentiert, aber dieser Beitrag hat mich tief geruehrt. Es war diese Sache, die mich mein Ausbilder-dasein hat beenden lassen wollen, zumindest fuer Kinder und Jugendliche. Unter anderem. Oder zumindest zeitweise an den nagel haengen, bis mir ein dickeres Fell gewachsen ist. Es war umgekehrt, meine junge (13j) schuelerin, mit dessen stute wir so viel fortschritte gemacht hatten, die von unreitbar bis zum galopp gekommen war in 10 monaten, wollte aber unbedingt springen. Und ich idiot (sorry, muss ich mal so sagen) sage, sie soll sich vielleicht einen springlehrer suchen, ich sei da nicht so der profi…

Mit dem Ergebnis, dass die stute gleich in der ersten stunde ueber die sprunge gepruegelt wurde, ein schaerferes gebiss gesucht wurde und die schuelerin dann mich als RL fallen liess, weil die ergebnisse nicht schnell genug kamen und sie die verschiedenen methoden ‚verwirrten‘. :seufz: Der andere RL ist nun mal auf nationaler ebene erfolgreich.

Warum ich das schreibe? Weil ihr mich gerade ermutigt habt, vielleicht doch nicht die Flinte ins Korn zu werfen. Wenn alle, die anders denken und unterrichten, die sache an den nagel haengen, wer bleibt dann noch uebrig? Ich danke euch dafuer, mal wieder, von Herzen. Zumindest werde ich die sache noch mal ueberdenken. Und liebe Eltern – lasst euch nicht von Turniererfolgen blenden. Nur weil ein junger, 22 jaehriger, erfolgreich bis S reitet, heisst das noch lange nicht, dass er ein guter RL ist. Und hoert doch bitte auf eure eigene stimme! Ich glaube, viele Eltern sehen das schon, die mutter dieses maedchens kam direkt nach der stunde zu mir (mit video!) weil ihr nicht gefiel, was mit der stute passierte… aber die tochter wollte unbedingt, und da hat die mutter dann nachgegeben. Trotz besseren wissens hat sie nicht auf ihr eigenes gefuehl gehoert!

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Hallo Tina,

bitte gib tatsächlich nicht auf – es werden Leute gebraucht, die andere Wege einschlagen, sonst ändert sich nie etwas! Fehler machen wir alle, aber wir alle haben auch immer wieder neu die Chance, die Sache besser zu machen.

Ganz herzlich,
Tania

 

Von Tania Konnerth • 16. Juni 2015

Herzlichen Dank an all Eure Kommentare – wir freuen uns so sehr darüber, welche eine große Welle dieser offene Brief schlägt. Es ist unglaublich, wie oft das jetzt schon bei Facebook geteilt wurde – ganz, ganz herzlichen Dank fürs Verbreiten!

So sehr wir den Impuls verstehen, auf das eigene Angebot hinweisen zu wollen, so bitten wir Euch aber auch hier wieder herzlich, keine URLs zu posten. Jeder kann beim Kommentieren seine URL angeben, so dass dann der Name verlinkt ist. Das muss bitte als Werbung reichen, sonst passiert es leider ganz schnell, dass die Kommentarfunktion inflationär als Werbetafel genutzt wird und das ist nicht Sinn der Sache.

Herzlich an alle,
Tania und Babette

 

Von Anonym • 16. Juni 2015

Prinzipiell finde ich es toll, wenn mehr alternative Methodik, mehr biomechanisches Wissen, mehr Psychologie und vor allem ein höheres Maß an Detailtreue im Reitunterricht gefordert wird – mit einem großen aber: Es reicht nicht, SchülerInnen das Werkzeug wegzunehmen, es muss auch korrektes, hilfreiches Werkzeug im Ersatz geboten werden!
Meine Erfahrung mit Reitställen, in denen vermeintlich pferdefreundlich unterrichtet wurde, zeigt viele Fälle in denen die Pferde mangels expliziter, feiner Hilfengebung und konsequenter Methoden auseinandergefallen über die Schulter kippend durch die Reitbahn stolpern. Das liegt nicht an einem pferdgerechten Umgang oder einer per se schlechten Reitweise, sondern an Trainern, die zwecks Einkommen versuchen Marktlücken zu füllen, ohne die Ausbildung zu haben, die ihnen ermöglicht das ideale Mittelmaß aus Leichtigkeit und Spannung mit ihrer Methode zu lehren.

Wenn ich einem Schüler die Gerte wegnehme und ihm verbiete mit dem Schenkel zu klopfen, muss ich ihm zeigen, wie er über Sitz und Körpeespannung ein positives Ergebnis erreichen kann, und wenn ich gegen grobes am Zügel ziehen argumentiere, muss ich das Konzept der leichten Anlehnung vermitteln können. Dazu gehört auch, die Schulpferde regelmäßig Korrektur zu reiten und auf ihre Psyche zu achten!
Gegen Hilfsmittel wettert es sich leicht und schnell (ist ja auch nicht falsch), aber viel wichtiger als Gerte und Hilfszügel verbannen fände ich ehrlich gesagt Reitlehrerzu finden, die so gut auf ihre Pferde achten und so gut unterrichten, dass Hilfsmittel tatsächlich keine Anwendung mehr brauchen.

Also liebe Eltern, neben täglichem Koppelgang für die Schulpferde, ordentliches Sattelzeug und kleinen Gruppen, achtet nicht nur auf das Fehlen von Hilfsmitteln, sondern bitte unbedingt auch darauf, ob eine Anmerkung des Trainers zu einer Verbesserung für Reiter und Pferd führt!
LG, jemand, der nach langjähriger, verzweifelter Suche nach einem passenden Trainer zu dem Schluss gekommen ist, dass selbst die Frau ist und über Bücher (echte Tipps: Sally Swift, Eckhardt Meyners usw.) neue Konzepte lernt 🙂

 

Von Anja Ruröde • 17. Juni 2015

Hallo,
ich Danke Euch für Euren offenen Brief. Und schließe mich dem Kommentar von Trainer Kollegen Andreas Werft an. Der sich wie ich für Pferde schonende Ausbildung einsetzt, wir geben nicht auf den verständnisvollen Umgang mit dem Pferd zu lehren, mit Zeit und Geduld.
Druck und Ungeduld haben bei uns nichts zu suchen, daran arbeiten wir Tag für Tag, denn auch wir sind Menschen, die noch lernen, auch wenn wir schon lehren dürfen…
Pferd und Reiter müssen die Zusammenhänge verstehen, angepasstes Training für beide, so dass niemand überfordert wird, damit Gewalt auch nie eine Rolle spielt, nur um seinen Willen durchzusetzen.
Ich wünsche allen reitbegeisterten Reitern viel Freude mit ihren Pferden/Ponys, und horcht in Eure Pferde hinein, wo ihre größte Freude liegt Euch zu dienen, dann sind sie gerne für Euch da, und hütet Euch vor Überforderung auf beiden Seiten, der Spaß und die Freude sollten im Vordergrund stehen.
Seit genauso wachsam bei Eurer Wahl des Trainers, und traut Euch Dinge anzusprechen, die das Pferd/Pony nicht positiv im Unterricht beantwortet, stellt die Aufforderung des Trainers in Frage, und verlangt eine Erklärung für das was der Trainer von Euch verlangt.

Im Sinne der Pferde

Reiterliche Grüße,

Anja Ruröde

 

Von Sandra Will • 17. Juni 2015

Als Ausbilderin sehe ich die Dinge sozusagen von hinten. Und stelle den Eltern reitender Kinder die Frage: Was seid ihr denn bereit und in der Lage für solchen Unterricht zu bezahlen? Ihr möchtet da nicht einfach Reitunterricht sondern bittschön eine pädagogisch wertvolle Betreuung eurer Kinder auf selbstverständlich top ausgebildeten, top gehaltenen, immer freundlichen, immer zuverlässigen, absolut gelassenen aber selbstverständlich trotzdem gehfreudigen und motivierten Ponies. Was darf das für euch kosten?
Freundliche Grüße

 

Von Easy • 17. Juni 2015

Ich für meinen Teil habe das Reiten aufgegeben.
Bin vorher jahrelang auf einem kleinen Reiterhof geritten und da die Besitzer nicht mehr so fit waren wurden die Pferde über den Winter einfach in die Box gestellt. Draußen waren die Pferde dann verständlicherweise nicht mehr zu halten und die Reitlehrerin hat den Pferden dann einfach mal von ihrem Pferd aus mit dem Ende des Westernzügels „eine gelangt“ oder mit dem Bein rübergetreten. Als ich mich geweigert habe „meinem“ Pferd selber eins mit den Zügeln drüberzuziehen hieß es nur „du verstehst das eh nicht, hast keine Ahnung von Pferden. Der braucht das. Du bist zu weich“.
Der Kinderunterricht sah dann auch so aus, dass 4-5 Kinder zur selben Zeit ritten, aber wirklich im Auge behalten kann man auf dem Platz nicht mehr als 2. Aber egal, hauptsache am Wochenende stimmt der Stundenumsatz…

Hab mir dann eine Reitbeteiligung gesucht und es war auch alles ok (hab mit dem Pferd viele Sachen von dieser Seite hier ausprobiert und bin „gewachsen“) – bis die Besitzerin ihre Pferde in den selbst gebauten Stall heimgeholt hat. 2 Pferde im Winter auf 12m² Auslauf+einer großen Box; die Folge war: im Gelände gingen die beiden ab wie sonst was und hatten ständig im Hummeln im Arsch…Bodenarbeit konnte ich nicht mehr machen, da es keinen Reitplatz gab und auf die Koppel durfte ich nicht (gehörte dem Schwiegervater) weil durch longieren und Bodenarbeit der Boden kaputt geht…(?!)
Die Besitzerin hat ihren Pferden regelmäßig die Zügel auf die Ohren geknallt wenn wieder was war und sie war sogar noch stolz darauf, so das Problem aus der Welt geschafft zu haben….
Hätte die Reitbeteiligung eh aufgegeben, aber durch das Eingesperrtsein hatte ich dann einen Reitunfall und so wurde das Ende vorgezogen.
Jetzt reite ich ganz ganz selten das Pferd von meinem Freund (gekauft von dem kleinen schon genannten Reiterhof)und gebe den beiden Hilfestellung in Sachen Bodenarbeit. Und die Erfolge können sich echt sehen lassen 🙂

 

Von Marina Lange • 17. Juni 2015

@sandrawill: das sehe ich ähnlich. Wir haben ein Angebot, dass den Wünschen dieses offenen Elternbriefes entspricht. Aber das hat halt seinen Preis. Allein das Geld was wir in die Ausbildung der Ponys gesteckt haben (an Arbeitszeit – allein das Korrekturarbeiten aller 14 Ponys) oder in unsere eigene Ausbildung.
Aber das kostet eben seinen Preis. Und erstmal klingt es wenig attraktiv: „Wie, mein 6-jähriges Kind kriegt nicht gleich ein Pferd und reitet 60 Minuten? – Und das für den Preis? Nee, da geh ich lieber zum Reitverein“…
Keiner klärt auf über Konzentrationsfähigkeit oder die Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme, geschweige denn über die Tatsache, dass zum Reiten lernen nicht nur das Sitzen auf dem Pferderücken gehört, sondern noch so viel mehr…
Aus lauter Frust hab ich dann ja den Blog meinkindwillreiten entwickelt, einfach weil ich mir den Mund fusselig geredet habe…
Neu haben wir bei uns jetzt Ponyferien im Programm… mit Lerncoaching für Kinder, die Probleme in der Schule haben – aber auch das ist natürlich teurer als der normale Ponyhof… da muss einfach noch viel viel mehr Öffentlichkeitsarbeit stattfinden. Ich frage mich ganz ehrlich, wie viele viele Ponyhöfe (die die Woche Ponyferien für 150 Euro anbieten o.ä.) existieren… das KANN nur zu Lasten der Pferde oder der reiterlichen Ausbildung gehen.
Gut, viele Ponyhöfe machen das „nur nebenbei“ oder haben einen Hauptverdiener, der irgendwo angestellt arbeitet… oder aber es gibt Familie im Hintergrund, die mitarbeitet, aber bereits Rente bekommt usw.
Eine reine Reitschule auf die Beine zu stellen kostet Geld. Punkt. Allein wenn man die Pferdeversorgung ansieht, braucht man mindestens 3 Angestellte (und wenns nur 450 euro Kräfte sind – 3 Stück wegen Krankheit und Urlaub und weil eigentlich kein Kunde von einem verlangen kann, nur für einen günstigen Preis tagtäglich 365 Tage im Jahr zu arbeiten… Auch Reitschulbesitzer haben das Recht auf Urlaub oder ein vernünftiges (!) Gehalt…

Danke, Babette und Tania für diesen tollen Beitrag. Ich teile ihn gern, weil er aus meinem Herzen spricht. Solche Beiträge helfen mir, meine Existenz zu sichern und das Leben für alle Ponys, die im Schulunterricht laufen müssen, zu verbessern!

 

Von Sabine Kaminsky • 18. Juni 2015

Hallo ,dieser offene Brief spricht mir aus dem Herzen. Vielen Dank für diese ehrlichen Worte ! Leider hat sich wirklich noch nicht allzu viel in deutschen Reitschulen geändert. Und ja, gerade die Kinder werden zu oft nicht kindgerecht und mit rüdem Ton angeleitet ,grob zu reiten . Manchmal bleibt ihnen auch nichts anderes übrig ,da viele Schulpferde schlecht ausgebildet sind oder nicht Korrektur geritten werden. V.a. nichtreitende Eltern neigen aus Unwissenheit zu einer ausgeprägten “ Geiz ist geil Mentalität „und suchen deshalb zuerst das billigste Angebot aus .Den wenigsten ist bewußt ,wie teuer eine verantwortungsvolle Haltung,Ausbildung u.Korrektur von Schulpferden ist.Ich unterrichte mittlerweile am liebsten kleine Anfängerkinder . Ihnen kann man so leicht einen freundlichen ,rücksichtsvollen Umgang mit den Ponys vermitteln .Meine große Hoffnung ist ,dass sie diese ersten positiven Erlebnisse ,die sie beim Zusammensein mit meinen Ponys hatten, nie vergessen und im Kopf behalten ,dass man anders reiten kann als in den meisten Schulställen ,dass man nicht laut und grob sein muß und viel Spass gemeinsam mit den Ponys haben kann . Ganz ohne Hauen und Stechen…

 

Von Pferdeflüsterei • 19. Juni 2015

Schrecklich, aber wahr. Tatsächlich hat sich offenbar noch nicht viel verändert. Mir ging es als Kind genau wie der Tochter deines Lebensgefährten. Ich habe aus diesem Grund auch aufgehört zu reiten, fast 20 Jahre lang. Bis ich mit 30 wieder angefangen habe. Es ist traurig, dass schon Kindern dieser falsche Umgang beigebracht wird. Warum? Weil die Pferde funktionieren müssen. Warum? Weil man sich nicht die Zeit und das Geld nehmen will, die Pferde Korrektur zu reiten und weil zurechtriegeln einfach ist, als wirklich Reiten lehren. Reitlehrer und Reitschulen haben eigentlich eine große Verantwortung und ich würde mir wünschen, dass sie sie endlich mehr wahrnehmen. Ein toller offener Brief, den ich gleich auf unserer Facebook-Seite weiterteilen werde. Danke fürs Schreiben! Alles Liebe, Petra

 

Von Claudia • 19. Juni 2015

Vielen Dank für diesen Brief! ! Genau so hatten wir es als meine Tochter vor einem halben Jahr anfing Unterricht zu nehmen. Alle Pferde krank und ungepflegt-dazu noch schlechter Umgang. Leider wohin man blickt. Hier im Umkreis gibt es keinen einzigen Stall bei dem es auch nur annähernd stimmt. Solange es gewichtsmässig geht wird sie auf unseren Shettys reiten und immer mal einen guten Kurs besuchen, für den wir dann gerne auch weiter fahren. Schade dass Empathie für Pferde noch immer nicht überall angekommen ist 🙁

 

Von Anonymus • 20. Juni 2015

Vielen Dank auch von mir für diesen Brief! Auch ich habe vor vielen, vielen Jahren mit dem harten und alltäglichen Drillunterricht „Reiten“ gelernt, wobei dies aus heutiger Sicht mit Reiten noch nicht wirklich was zu tun hatte. Und von einem respektvollen und sanften Umgang mit dem Pferd ganz zu schweigen. „Ihr müsst euch durchsetzen“ war der überall zu hörende Leitspruch in unserem Stall.

Heute, fünfzehn Jahre später, bin ich wieder in diesem Stall. Als Pferdebesitzer. Ich mache viel Freiarbeit, longiere meinen Fünfjährigen ohne Hilfszügel in immer schöner werdender Selbsthaltung und reite ihn ab und an danach noch im Schritt, damit wir beide uns langsam und stressfrei an die gebisslose Zügelführung gewöhnen können.

Geduldig beantworte ich immer wieder Fragen danach, wann ich ihn denn endlich „richtig“ mit ihm arbeiten will, damit, dass alles, was ich momentan mit ihm mache, für diesen Zeitpunkt genau „richtig“ ist. Falsch wäre es doch, es wiedermal zu überstürzen und Frust und Gefahrensituationen heraufzubeschwören. Was ist nicht „richtig“ daran, ein Pferd – auch wenn es „schon“ fünf ist – wochen- und monatelang zu longieren, frei zu arbeiten, die Beziehung zu festigen und Vertrauen auf beiden Seiten zu schaffen?

Aber wenn ich dann sehe, wie die „richtigen Reiter“ bei uns im Stall ihre Pferde zum Longieren verschnüren wie Pakete, nach fünf Minuten an der Longe die Pferde schon Runde um Runde galoppieren lassen oder unter dem Sattel die Pferde mit Sporen und scharfen Gebissen versuchen, in eine vermeintlich „gute Form“ zu trietzen, wundere ich mich eigentlich über diese Fragen, die mir gestellt werden, nicht mehr.

Vor kurzem fand auf unserem Hof das alljährliche Turnier statt mit Spring- und Dressurprüfungen bis Klasse M. Die meisten Reiter waren an sich nicht fähig, ohne Hilfsmittel einen einfachen Reiterwettbewerb zu bestehen. Und am Rande des Abreiteplatzes Eltern, die ihren Sprösslingen raten, mehr Gerte und mehr Sporen einzusetzen.

Wenn da nicht bald ein Umdenken im großen Maße geschieht, wo soll das dann alles noch hinführen?

Beste Grüße von einer Pferdefreundin, die hier lieber anonym bleiben möchte, obwohl sich sicherlich (leider!) KEINER ihrer Miteinsteller jemals auf diese Homepage verirren wird…

 

Von Karl Munt • 21. Juni 2015

Hmmm was meint diese Mutter eigentlich genau mit schlagen & “ Willen aufzwingen“?
Hat sie sich mal damit beschäftigt wie Pferde sich untereinander erziehen? Ich meine so ganz ohne Menschen, zusammen auf der Weide und nicht durch Zäune oder Gitter usw. getrennt. So mit gemischten großen Gruppen wie z. B. Stuten, Wallachen und/oder Hengsten (ein Mensch der ein Pferd aus so einer Herde holt sollte sich evtl. mit ausreichend Leckerbissen bewaffnen).
Ist ihr bewußt das es neben einem zuviel (oder zu brutal) es auch ein zu wenig (sanft, nachgiebig ) gibt?
Ist ihr bekannt das jedes Pferd einen anderen Charakter hat? (es soll sogar Pferde geben die Menschen angreifen, aber nur wenn der Mensch sich falsch verhält – oder?)
Hat sie bedacht das auch zwischen ihrer Tochter und einem Pferd auch eine Rangordnung erspielt werden muss und das Pferd nach den Spielregeln der Pferde spielt?
Auf welche weiße soll ihre Tochter sich den Respekt vor den verschiedenen Pferdecharakteren erspielen? Hat sie darüber schon mal nachgedacht das dies bei falscher Spielweise für ihre Tochter gefährlich werden könnte und sie nach einem Unglück dafür die Reitlehrer/in verantwortlich macht? Oder darf ihre Tochter nur mit „ungefährlichen“ Pferden (was auch immer das bedeutet) arbeiten bzw. welche die gut erzogen wurden (da stellt sich dann die Frage: wie wurden sie erzogen?) und am besten sicher in einer vergitterten Box in Einzelhaft steht.
Wer mich kennt weiß, das ich kein Freund von schlagen, Gerte, Sporen usw. bin, doch ganz darauf zu verzichten könnte lebensgefährlich werden (auch wenn es möglicherweise Profis gibt die jedes – JEDES – Pferd unter allen -ALLEN – Umständen mit einem lächeln und allerhöchsten einem Schwiegermutterblick erziehen können. Doch Menschen mit diesem fantastischen Können sind die Ausnahme. Und ich gebe ganz ehrlich zu, ich kann es nicht)! „Gewalt ist keine Lösung“ bin ich dafür – doch gilt das immer? In jeder Situation? Es wäre sicher schön, doch ich möchte dafür meine Hand nicht ins Feuer legen!
Pferde sind Pferde und kein Computerspiel. Wo mir im Zweifelsfall ein Cheat Code hilft oder ich/Pferd 7 leben habe.
Aber weil sie Pferde sind haben sie einen natürlichen ARTGERECHTEN Umgang verdient – dazu gehört in einer notwendigen Situation im richtigen Moment auch mal ein „Schlag“ (unter Pferden ein biss oder Tritt – kleiner Tipp: Sehr schmerzhaft – besonders für Menschen. Besser nicht ausprobieren) – ABER KEINE „Brügel Orgie“ und sowie alles gut auch ein loben und streicheln (alles auf einer harmonischen emotionalen Ebene), dann kennt das Pferd seine Rangstellung, ist glücklich und die Tochter(Mensch) kann sicher mit dem Pferd arbeiten. Aber selbstverständlich lasse ich mich gerne davon überzeugen das es auch ohne den „Schlag“ oder die „Gerte“ (die ja zumindest als Sticke eigentlich nicht zum schlagen da ist) funktioniert – aber für diese Lehrstunde suche ich das Pferd aus.
Und doch ganz ehrlich – ich mag es nicht wenn Pferde geschlagen werden! Ich muss auch der Mutter bis zu einem gewissen Grad recht geben, sie meint es sicherlich gut – doch für mich sieht sieht sie das ganze zu einseitig (Horsmanship sprech: nur mit der emotionalen ebene und nicht mit der mentalen und körperlichen Ebene).
Und ich muss jeden Tag meinem Pferd „meinen Willen aufzwingen“, genau so wie es mein Chef auf der Arbeit mit mir macht, oder diese Politik & Gesetzgeber mit mir und vielen anderen (einschließlich Tieren. Ich reite ja mein Pferd GEBISS LOS – verursacht weniger schmerzen – doch das ist ja bekanntlich VERBOTEN) oder das Rang hohe Pferd dem Rang niedrigerem. Aber ich versuche mein Pferd dafür zu motivieren des es gerne mit mir arbeitet (mein Chef und besonders diese POLITIKER motivieren mich garantiert nicht!) aber ganz ehrlich, es gelingt mir nicht immer – deshalb möchte ich dir ,mein Pferd, mein bedauern über deinen Besitzer ausrichten.
Also wäre es schön wenn die Mutter zu dem „Willen aufzwingen“ mal genau definieren würde was sie damit meint denn so macht sie jedem Pferdebesitzer ein schlechtes Gewissen – selbst den Gnadenhof Betreibern, schließlich unterdrückt schon ein aufgestellter Zaun den freien Willen eines Pferdes (leider).

 

Von Nicole Krebs • 22. Juni 2015

Das ist mir eine Herzensangelegenheit!! Seit 5 Jahren kommen Kinder zu mir und meinen Pferden und wir verbringen unsere Zeit zusammen.

Zeit haben und geben, Spiel und Spass, Vertrauen finden, Partnerschaft erfahren, respektvoll sein, im Team wachsen, Freude verspüren, Kumpel sein, Gefühle kennen lernen, Träume leben, selbstbewusst werden, Freunde finden, Mut haben, Harmonie erleben, glücklich sein…

Der Weg zur grenzenlosen Freundschaft und Harmonie!

Wer die Körpersprache der Pferde deuten kann und sich auch so auszudrücken lernt, hat einen Partner fürs Leben gefunden, der mit uns durch dick und dünn geht! Wir erwarten von unseren Pferden Respekt uns gegenüber und geben ihnen genau diesen Respekt zurück!

Bei uns sind alle willkommen, die das Pferd als Wesen kennen lernen wollen, die ohne Leistungsdruck und Stress die Zeit mit den Ponys geniessen wollen!

Wir unterstützen wo wir gebraucht werden, lassen aber den nötigen Freiraum damit jeder seinen Weg selber finden kann!

Zu uns kommen strahlende Gesichter und wir haben glückliche Pferde und Ponys – sie sind unser Spiegel :o)

Und die Nachfrage ist riesig!! Es ware schön wenn andere auch so denken würden!
Es gibt noch ganz viel zu tun bis alle Pferde ein respekt- und liebevolles Leben führen dürfen, aber ein Wandel ist in Sicht :o)

 

Von Mari • 22. Juni 2015

Der Brief macht nachdenklich.
Und auch Karl ( oben) hat sicher recht.
Bleibt die Frage, ob denn schon ein Kind als erstes lernen muss, sich so durchzusetzen?
Weiter oben schreibt eine Reitlehrerin, dass die Leute oft entsprechenden. Unterricht nicht bezahlen können / wollen.
Ich denke, es fehlt oft auch an Möglichkeiten in der Umgebung.
Vielleicht könnte man hier mal Tipps sammeln ( Entschuldigung, ich will ja die Leute nicht zur “ Konkurrenz “ schicken), aber für die Kurse hier braucht man ja ein eigenes Pferd, für welches man ja erst mit genügend Erfahrung und finanzielle Sicherheit braucht.
Gute Möglichkeiten, feinen Umgang mit Pferden zu lernen, bietet z. b. auch die barocke Reitweise – da bin ich auf der Suche nach Reitschulen in der Nähe.
Für Kinder sind auch Urlaube auf entsprechenden Reiterhöfen eine gute Option.
Aus eigener Erfahrung kenne ich z. B. die Reiterpension marli an der Ostsee ( „reiten wie von Zauberhand“, hier wird vieles vom Boden aus erarbeitet) oder Hotel Strasserwirt in Österreich
( hier gibt es zwar teilweise Hilfszügel zur Sitzschulung, aber weder Gerten noch Sporen ) empfehlen.

 

Von Mari • 22. Juni 2015

@ anonymus: mir stellen sich immer schon ein wenig die Nackenhaare hoch, wenn ich im Freizeitbereich das Wort “ arbeiten “ höre. Das klingt schon so stark ergebnisorientiert.
Bei der Arbeit muss man in möglichst wenig Zeit möglichst viel erreichen.
Reiten ist jedoch mein Hobby…

 

Von Birgit • 22. Juni 2015

Ich schicke den Brief in meinem VFD-Verteiler rum. damit errreichen wir allein in NRW einige hundert Pferdeleute. Vielleicht auch einige, die der Brief zum (Um-)denken anregt.

____________________

Super, ganz herzlichen Dank, Birgit!

Lieber Gruß,
Tania

 

Von Annika • 22. Juni 2015

Ich bin auch defintiv kein Fan von Gewalt … was man teilweise in manchen Reitschulen und auf Abreitplätzen sieht, da blutet mir als Tierfreund das Herz.

Aber dennoch finde ich, dass es schon wichtig ist, dass die Kinder lernen, durchzusetzen. Immerhin haben wir es nicht mit Plüschtieren, sondern mit 300-800 kg schweren Tieren zu tun. Ich kann ein Pferd nicht „in seine Grenzen streicheln“. Und wenn man sich anschaut, wie rau es teilweise innerhalb der Pferdeherden zu geht, ist ein Klaps in einer angemessenen Situation sicher nicht arg schmerzhaft oder traumatisierend für ein Pferd – im Gegenteil. Beim Umgang mit so großen Tieren – und gerade wenn Kinder dabei sind – müssen die einfach wissen, was sie machen dürfen und was nicht. Nicht jedes Pferd hat einen dankbaren Charakter oder endlose Geduld mit Kindern – manche Nutzen deren Unsicherheit auch einfach schamlos aus, und dann kann das auch mal ganz schnell gefährlich werden.

ich kenne auch ein ,,Arschloch-Pony“ – es hat nie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, wurde nie böse behandelt, dennoch hat es sich einen Spaß draus gemacht, bei jeder Gelegenheit abzuhauen, zu schnappen oder alle Kinder abzusetzen. Hat man einmal hart durchgegriffen, waren die Fronten geklärt und das Pony war brav. Hat dennoch abgeschnaubt und Spaß an der Arbeit gehabt, war also auch weder „gebrochen“ oder traumatisiert.

Wenn ich meinem Pferd an der Longe nicht mal mit der Peitsche Beine machen würde (Nein, ich verprügel ihn damit nicht, aber zeige ihm dennoch, dass ich sie nicht nur zur Deko in der Hand habe, wenn er nach dem 3. mal freundlich anschnalzen und Motivationsversuchen trotzdem noch meint, er müsste vor sich hin schlürfen und mich ignorieren), könnte ich ihn grad im Stall lassen. Wenn ich ihn nach dem Motto ,,Oh du hast also keine Lust? Hm ok, dann machen wir heute halt nichts“ immer in Ruhe lassen, wenn er sich eben nicht großartig bewegen mag (und das mag er eigentlich nie … ), würde er am liebsten nur auf der Koppel rumstehen und verfetten, da er einfach ein sehr fauler Typ ist. Ist man aber am Anfang einmal gröber und „zwingt“ ihn einen Moment zur Mitarbeit, wird er fleißiger, schnaubt ab und macht auch zufrieden seine Aufgabe mit und hat Spaß dran – und ist trotzdem sonst ein glückliches Pferd, weil er fair behandelt wird. Trotzdem probiert er jeden Tag neu aus, ob er heute denn auch wirklich mitmachen soll oder einfach ignorant vor sich hinschlurfen darf ….

Finde den Artikel gut, diese beschriebene rohe Gewalt ist ja teilweise auch oft zu sehen und sollte gerade in Anwesenheit von Kindern unterbunden werdne, aber an manchen Stellen finde ich ihn einfach zu einseitig. Man muss sich auch bewusst werden, was ein Tier in der Größe anrichten kann, wenn es entsprechende Charakterzüge hat und nie in Schranken gewiesen wird.

 

Von Verena • 22. Juni 2015

Danke für diesen wunderbaren, traurigen, ehrlichen Brief.
Denn ja, auch ich habe für viele Jahre das Reiten aufgegeben, weil ich Pferde nicht schlagen oder treten wollte, so wie es meine „Vorbilder“ mir beibrachten.
Ich habe für mich einen anderen Weg gefunden, nach über 10 pferdelosen Jahren.
Euer Brief hilft hoffentlich vielen Menschen da draußen, dass sie sehen, dass es noch andere Wege gibt mit Pferden zu sein. Wege, die uns und ihnen Spaß machen und uns gemeinsam wachsen lassen.
Danke für euren Mut und eure Initiative!

 

Von Birgit • 22. Juni 2015

Ich habe mir bewusst ein junges unbelastetes Pferd gekauft, das noch keine Gewalt erleben musste. Seit eineinhalb Jahren haben wir ein freundschaftliches Verhältnis ohne jede Gewalt. Ich fühle mich auch nicht als Verlierer, wenn mein Pferd mal keine Lust hat mit mir etwas zu unternehmen. Dann setzt ich mich zu Ihr auf die Weide und mache eben nix. M

it 3 Jahren bleibt sie ohne anzubinden stehen, geht mit mir spazieren ohne Strick, geht vorwärts, rückwärts, seitwärts auf Handzeichen und vieles mehr. Trotzdem werde ich von den anderen Stallkollegen belächelt, die weiter an den Zügeln zerren und ungeniert auf Ihre Pferde gewaltsam einwirken.

Wann immer ich komme wiehert mir mein Pferd entgegen und kommt angaloppiert, auch aus dem hintersten Winkel der Wiese oder wenn die Pferde untereinander spielen. Ein schöneres Geschenk kann ein Tier einem nicht machen.

Das habe ich mir durch Respekt und auch durch das Clickertraining erarbeitet. Wann immer sich Widersetzlichkeiten zeigten, lag es immer daran, das etwas nicht stimmte. Zum Beispiel beim Hufe geben ein Hufgeschwühr, das ich erst dadurch erkannte.
Wie schlecht hätte ich mich gefühlt, wenn ich mit Gewalt versucht hätte den Huf hoch zu bekommen?!

Respekt muss man sich im Leben, egal wo, erarbeiten, da braucht es nirgendwo Gewalt. Wenn wir alle, Tiere und Menschen so behandeln würden, wie wir selbst behandelt werden möchten, gäbe es keine Gewalt.

 

Von Birgit • 23. Juni 2015

Guten Morgen zusammen 🙂

Ich habe jetzt nach einer Woche die Kommentare hier nochmal gelesen. Ich finde es schön, wieviele Pferdemenschen ihren eigenen Weg efunden haben.

Was mich ein wenig erschreckt ist, dass hier geschrieben wird, das der gerechte Umgang mit den Pferden seinen Preis hat.

Für mich ist dieser (gewaltfreie) Umgang mit dem Pferd, Mensch, Tier eine Lebenseinstellung.

Soetwas kann man nicht kaufen.

Ich für meinen Teil habe es für das Pferd verfeinert, indem ich sehr viel über Pferde/Pferdeverhalten gelesen, beobachtet, abgeguckt, ausprobiert habe und auch Kurse, die MICH im Umgang mit dem Pferd weitergebracht haben, belegt habe. Gut, die Kurse haben ein wenig gekostet, klar. Aber für meine große Pferdeliebe ist es mir wert.

 

Von tara • 23. Juni 2015

Leider ist dieses ‚Phänomen‘ nicht auf Reitställe beschränkt.
Mein kleiner Neffe mag nicht mehr Fußball spielen und zum Training gehen. Es gefällt ihm nicht daß dort so rau gespielt wird, ruppig, viele Fouls, viel Geschimpfe und Gefluche, vom Trainer dazu aufgefordert. Ich frage mich, welche Werte wollen wir unseren Kindern vermitteln?

 

Von Leonie • 23. Juni 2015

Ein toller Brief – und hoffentlich wieder ein kleiner Schritt zum großen Aufschrei gegen respektlosen und groben Umgang mit Pferden!
Etwas schade finde ich, dass Ihr im Brief zwar Eurer Entsetzen über das, was Kindern in vielen Reitschulen immer noch beigebracht wird, schildert, aber nicht genauer beschreibt, was und wie alternativ gelehrt werden sollte. Das führt dann schnell dazu, dass diese Sichtweise als unrealistisch, abgehoben oder gar esoterisch abgetan wird und mit Argumenten um die Sicherheit von Kindern sofort weggewischt wird. Auch hier wird in einigen Kommentaren „gewaltfrei“ mit „streicheln“ gleichgesetzt – die Leute verstehen nur das, was sie wollen.
Die Vorstellung, dass Pferde zu unkontrollierbaren, gefährlichen Monstern mutieren, sobald man „die Zügel schleifen lässt“, ist weit verbreitet – unter Erwachsenen! Begriffe wie Dominanz und Rangordnung oder das Verhalten von Pferden untereinander, werden immer, immer wieder als Argument für einen groben und gewalttätigen Umgang herangezogen! Zwischen Schmusen und Gewalt liegt aber noch eine Menge dazwischen. Ein klarer, auf Kommunikation beruhender Umgang, der auf Respekt, Würde und Anstand basiert – das muss das Ziel sein. Und das bedeutet nicht, dass man kleine Faultiere nicht auch mal motivieren und drängeln muss, damit sie mitarbeiten oder dass man sich von seinem Pferd anrempeln lassen soll. Das „Pferde mit einem machen, was sie wollen“, wenn man nicht dauerhaft der dominante Part ist – und diesen mit Zügeln, Gerte oder einer herabwürdigenden Behandlung durchsetzt, das war das erste, was man mir (als Erwachsene!) bei meiner ersten Reitstunde vor vier Jahren, „beigebracht“ hat. Auch ich habe den Reitunterricht dort abgebrochen und mich auf den Suche nach einem anderen Umgang und einer anderen Reitweise gemacht. Und das war gar nicht so einfach. Die kleine Stieftochter kann stolz auf sich sein – denn, wenn einem das alles als völlig normal (und man selbst als albern, verweichlicht oder sogar ungeeignet) verkauft wird, ist das gar nicht einfach, seinem eigenen Instinkt zu vertrauen. Hut ab, kleine Dame! 🙂

Und ich muss es doch einmal loswerden: Jedem, der so viel Angst vor Pferden und einem Kontrollverlust hat, dass „Dominanz“ die oberste Devise ist, sei gesagt: Such Dir bitte, bitte ein anderes Hobby! Eines ohne Tiere. Fallschirmspringen ist auch sehr schön … man lernt loszulassen!

 

Von Kirsten • 23. Juni 2015

Danke, dass das mal so geschrieben wurde. ich bin Grundschullehrerin und habe mir den Brief sofort ausgedruckt um ihn an meine reitenden Kinder und Kollegen weiter zu geben. Auch ich kenne das Szenario, wenn ein Pferd mal „nicht anständig vorwärts“ geht – „hau doch mal drauf auf den Bock“ – so habe ich es im Kinderreitunterricht, aber auch bei erwachsenen Reitschülern und ihren sogenannten Lehrern gehört. Die eigenen Fehler mal anzusehen im Sitz, in der Haltung und der Einstellung ist ja auch viel schwieriger. Dann hat eben das Pferd schuld – ganz einfach, oder besser „der Bock“.
Ich habe den Reitstall verlassen und Wege gesucht das Reiten anders zu praktizieren … mir und meinem Pferd geht´s gut, aber ich denke auch viel an die armen Pferde, die es in ihrem Leben nie anders kennenlernen. Die Kinder wissen es nicht besser und nur die Starken unter ihnen verhalten sich so wie in dem Brief beschrieben und hören auf – dabei sollten gerade diese weitermachen!!
Die anderen (erwachsenen Reitschüler) sollten doch besser Motorrad fahren lernen – da kann man Macht ausüben, ohne Tiere zu verletzen und zu quälen.

 

Von Freya • 28. Juni 2015

Hallo,

ja natürlich so sollte der perfekte RU aussehen. Aber da sind nicht allein die Reitschulen und Reitlehrer dran Schuld. Was sind denn die Eltern/Kinder bereit zu zahlen? Es sollen freundliche, motivierte PFerdchen sein, regelmäßig Korrekturgeritten, freundliche Haltung, freundlicher Umgang. aber welcher Reischüler ist denn bereit, vor der Stunde eine halbe Stunde lang das Pferd zu hoen (ab einer gewissen Pferdeanzahl können nicht alle Weiden/Paddocks nache am Hof leigen)? Welches Reitkind ist bereit lange für Sitzschulung an der Longe zu Reiten und welches Elternteil zahlt für „nur“ Thoerie? Wer ist denn schon bereit für ein „Hobby“ mehr als 25€ für eine Reitstunde auszugeben? Denn wenn ich Schulpferde habe, die wöchentlich korrigiert werden, die immer motiviert arbeiten und stets freundlich sind, brauche ich Angestellte, die nur dafür da sind! Und leben müssen sie davon auch noch. Da kommen nicht nur nette kleine Engelchen an, sondern auch Kinder die gewohnt sind, das es immer nach ihrem Willen geht, die nie gelernt haben Achtung vor anderen Geschpfen zu haben und mit fremden Eigentum pfleglich umzugehen. Der RU wird demnach auch noch zur Erziehung im allgemeinen Umgang. Es ist nicht die Stunde auf dem Pferd, wo Betreuung gewünscht wird, sondern bitte schön auch davor und dannach. Es gibt Ställe in denen Kinder lernen freundlich zu reiten, und wenn mehr Eltern/Großeltern bereit wären auch mehr Geld zu bezahlen und nicht den Stall wechseln würden, nur weil die Stunde im Nachbarstall 10€ kostet, würde es auch mehr solcher Ställe geben. Es ist einfach die Schuld auf die Lehrenden zu schieben, aber man sollte sich auch an die eigenen Nase fassen und überlegen ob das was man fordert für den Preis überhaupt zu leisten ist.

 

Von Sandra Thierauf • 28. Juni 2015

Schuld sind aber nicht nur die Reitschulbetreiber sondern auch die Eltern die schnelle Erfolge für wenig Geld sehen wollen! Die ihre Kinder auf Großpferden sehen wollen und schon nach wenigen Stunden galoppieren und springen sehen wollen…Bei mir nimmt die Sitzschulung zwei Jahre in Anspruch, 2 Kinder teilen sich ein Pony. Erst wer wirklich fein reitet und einen zügelunabhängigen Sitz hat, der darf in eine 2er Gruppe. Ohne Ausbinder, ohne Sporen. Trotzdem bestehen alle meine Mädchen ihre Motivationsabzeichen der EWU mit großem Lob der Richter. Aber der Weg dahin ist lang und vielen Eltern ist der individuelle Unterricht zu teuer, wo es doch woanders schneller geht und in großen Abteilungen natürlich viel billiger ist. Ob die Pferde je eine Koppel sehen oder vier Reitstunden am Tag gehen spielt keine Rolle. Danach hat mich in 8 Jahren eigener Reitschule auch noch kaum eine Mutter/Vater gefragt. Die einzige Frage ist immer: wie teuer ist eine Stunde.

 

Von Jennifer • 28. Juni 2015

Vorerst-Hut ab ! Ich finde es sehr schön das es auch Eltern gibt die genauer hinterfragen und sich dazu Gedanken machen !
Ich selbst habe einige Jahre Reitunterricht für Kinder und Jugendliche gegeben und auch beim Therapiereiten mitgewirkt.

Und grade weil ich aus der Branche komme und ein Mensch bin, der selbst alles hinterfragt, sehe ich die Dinge jedoch gern aus mehreren Perpektiven-denn es gibt nicht nur die eine Seite 🙂

Ich selbst weigerte mich als Kind immer die Gerte zu nutzen, weinte sogar wenn man mich vor die Wahl stellte-entweder Gerte oder garnicht. Das Ergebnis sah dann so aus, das ich Angst vorm Reiten entwickelte.

Aber-nach mehreren Ausbildungen , Kursen und Hinterfragungen : Die Gerte ist und bleint ein Hilfsmittel-der Missbrauch hingegen ist eine andere Sache !!

Niemandem sollte beigebracht werden mit der Gerte „immer druff“ zu hauen!
Viel mehr sollte viel Wert auf die richtige Handhabung gelegt werden-mehr Erklärung zum wie und warum.
Ein Pferd mit einem Kind auf dem Rücken, dessen reiterliche Muskeln einfach mal noch nicht da sein können brauch Hilfe um zu verstehen. Der Reitlehrer kann viel beim nebenher gehen machen-und dennoch sollen die Reiter eine korrekte Hilfengebung lernen-auch mit der Gerte. Versteht das Pferd die schwache Hilfe nicht KANN eine fachgerechte Hilfe mit der Gerte sehr wohl helfen bzw. bestätigen- dann sind die heftigen Hacken die leider oft eingesetzt werden garnicht nötig.(wie gesagt-ich gehe hier vom fachgerechten Umgang aus).Denn für Pferde ist es ebenfalls stress wenn sie Hilfen,Kommandos einfach nicht verstehen können,weil diese falsch oder zu schwach gegeben werden. Somit „stupfen“ sie irgendwann ab-und alle Welt behauptet sie seien Stur….
Dies benötigt aber auch erwähnte Erklärungshilfe vom besagten Reitlehrer.

Und was mir oft genug schon auffiel.
Eltern sind leider auch sehr oft der Teil, der mehr fordert als das Kind da oben auf dem Pferderücken kann, bzw. als das Pferd in der Lage ist zu verstehen.

Ich selbst wurde teilweise in sehr heftige Diskussionen verwickelt, weil ich mich weigerte zu junge Kinder in den Reitunterricht aufzunehmen. Sie waren schlicht zu Jung/klein.
Die Eltern versuchten zu beharren weil sie ja immer Bilder von kleinen Kindern auf Pferden sehen. Und mit einer Gerte sollte das ja angeblich kein Problem sein.
Höfe die sich jedoch nicht leisten können auf ihrem Nein zu bleiben, setzen die Kids rauf-die Eltern wollen Erfolge sehen- das Kind bekommt eine Gerte.
Das heisst nicht das die Betreiber das gut finden-aber die Pferde brauchen Futter und tierärztliche Behandlungen- das Geld muss reinkommen.
Es muss also auf beiden Seiten mehr Aufklärung her.
Und mehr Verständnis.

Und wenn man Fragen hat, sollte man diese immer stellen. Denn es ist leicht sich negativ zu äußern- aber nur wer hinterfragt kann auch verstehen lernen und sich DANN selbst ein Bild davon machen.
Denn gute Reitschulen sind offen und antworten gerne-denn dies bezeugt ja echtes Interesse 😉

Liebe Grüße

 

Von Nina • 29. Juni 2015

Wundervoll ist dieser Brief! Und spricht auch mir aus der Seele.
Ich habe mit 13 Jahren den Weg in den Turniersport
verweigert aus diesen Gründen.. Und versucht anzusprechen, wen ich etwas gesehen habe, was nicht in Ordnung war.Das hat schon zu einem großen Streit in meiner Familie geführt, wobei ich dann der Buhmann war, weil ich ja meiner Nichte ihre „Turnierkarriere“ nicht gönnen wollte.

In Wirklichkeit hat es mich schockiert, diese Diskrepanz, sie sitzt auf einem total verspannten, zusammengezogenen Pferd, das Tier bemüht sich, kann aber gar nicht umsetzen, was sie will.. und sie beschwert sich dann, das Pferd wäre faul und würde nicht vorwärts gehen.. dabei wurde sie unterstützt von einer „Landesmeisterin“ im Reiten. Dabei könnte man es so viel einfacher haben, leichter, eleganter und erfreulicher für das Pferd. Mir selbst hat sich der Weg und der Blick geöffnet mit dem studieren der Akademischen Reitkunst und es macht so viel Spaß!

Was mir zu eurem offenen Brief noch einfällt und was mir sehr wichtig ist bei diesem Thema:
Ich finde, die Kinder leben viel gefährlicher wenn mit den Pferden und Ponies so schlecht umgegangen wird!!

Aus meinen eigenen Kindheitserfahrungen im Reitclub weiß ich das. Es ist kein Argument, dass manche Pferde
eine härtere Behandlung brauchen. Auch da liegt es in der Verantwortung der Reitlehrer nur die Tiere mit dem geeigneten Charakter herauszusuchen. Ich habe selbst 3 Pferde und 2 davon schon über 20 Jahre und daher bringt es die Erfahrung mit sich, dass ich weiß, eines meiner Pferde ist das geeignete Kinderpferd zum Reiten -die andern beiden eher nicht.

Der Idealfall ist wirklich schwer zu erreichen, das gebe ich zu. Aus meinen eigenen privaten Versuchen mit Kinderreitunterricht habe ich erkannt, dass es den kleinen Schülern entweder schnell langweilig werden kann, wenn ich die Zügel nicht aus der Hand gebe. Oder ich muss eben mit sehr einfachen Aufgaben anfangen, damit diese korrekt laufen und dann ist das „freie Rumgaloppieren“ in der Reitbahn eben noch sehr weit weg..

Aber ich denke, jeder Reitlehrer sollte Mitgefühl haben mit den Pferden und sich bemühen, dass die Kinder nicht zu Schaden kommen und von daher müsste es doch eigentlich selbstverständlich sein, dass man immer den Idealfall anstrebt!?!

 

Von Uta von tiergezwitscher • 2. Juli 2015

Mindestens ebenso interessant zu lesen wie der Brief sind die Kommentare. Im Grund wünschen sich doch alle ein faires und vertrauensvolles Miteinander zwischen Pferd und Reiter, bei dem beide Seiten nicht zu Schaden kommen, sondern Spaß miteinander haben. Auch wenn die Zielsetzung verschiedener Reitergruppen unterschiedlich ist, so kann sich echter Erfolg nur einstellen, wenn das Pferd „pferdegerecht“ behandelt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Erfolg sich an den goldenen Schleifen misst oder daran, ob mir das Pferd wiehernd entgegen kommt. Leider fragt man sich gerade bei den goldenen Schleifen manchmal, wo manche Richter ihre Augen hatten… Wenn hier ein Umdenken stattfände, dann wäre auch in diesem Segment einiges gewonnen.

 

Von Anonymus • 3. Juli 2015

@Mari: Ich gebe Dir Recht, natürlich sollte das alles ein Hobby sein. Ist es für mich auch. Aber „arbeiten“ ist doch in der Pferdebranche ein gebräuchliches Wort, von daher… Aber sicherlich, man könnte es auch entspannter umschreiben. Arbeit ist es tatsächlich nur dahingehend, dass es – zumindest bei den aktuellen Temperaturen – auch körperlich mal sehr anstrengend werden kann 🙂

Auf der anderen Seite: Natürlich ist die „Beschäftigung“ mit dem Pferd auch im Freizeitbereich ergebnisorientiert. Nicht im Hinblick auf Turnierergebnisse, aber jeder setzt sich doch Ziele, oder? Ich und mein fünfjähriger Friesenjunge stehen zum Beispiel – da noch am Anfang der Ausbildung – ständig vor neuen Herausforderungen. Und jeder Schritt, den wir meistern, ist doch ein Ergebnis. Und daran orientiert sich doch unsere täglich „Beschäftigung“, also unsere Arbeit.

Aber gut, nur nicht zu kleinkariert werden. 🙂 Jeder gibt dem Kind vielleicht einen anderen Namen.

Hauptsache, wir verfolgen alle dasselbe Ziel im Sinne des obigen Briefes!

 

Von Judith • 27. Juli 2015

Wunderbar, habe lange als Ausbilderin für die allerkleinsten und auch größeren gewirkt, und sah mich immer als Vorblid, was sie heute von mir lernen macht sie zu fairen Reitern oder zu schlechten Reitern, lange habe ich auch gegen die Missstände in dem Reitstall gekämpft in dem ich Arbeitete, leider erfolglos, so musste ich am Ende einen Schlusstrich ziehen und gehen, weil ich es nicht mehr verkraften konnte das „mein bisschen“ nicht genug war – schade das so viele Kinder ein/e so tolles Hobby/Partnerschaft nicht richtig lernen können/dürfen

 

Von Svenja • 11. August 2015

Einen Punkt würde ich gerne noch hervorheben. Anscheinend wird die Meinung vertreten, dass es jedem Kind möglich sein müsste, reiten zu lernen. 1. nicht jeder Mensch bringt die charakterlichen Fähigkeiten mit, die es braucht, um mit Pferden umzugehen. Wenn diese das schon als Kind bemerken, um so besser. Damit wird beiden Parteien viel Frust erspart. 2. muss sich nicht jeder Mensch jedes Hobby leisten können. Wenn es ein Herzenswunsch ist, dann findet man auch Mittel und Wege es sich trotzdem zu leisten und wenn das halt bedeutet sich auf einen Urlaub im Jahr zu beschränken oder nur einmal im Monat eine Reitstunde zu nehmen. Und zum Thema Preise: Wenn Kinder glücklich nach Hause kommen, sind Eltern gerne Bereit eine Menge dafür zu bezahlen.

 

Von Pia • 23. August 2015

Liebe Tania, liebe Babette,

ihr schreibt mir aus der Seele, wie den Vorschreibern vor mir auch. Ich habe auch zwei Töchter, denen ich das feine Reiten beibringen (lassen) wollte. Leider scheint es wirklich unmöglich zu sein, dies in Reitschulen zu erlernen, noch immer herrscht die „Hau den mal! Nimm die Gerte!“- Mentalität allerorten. So habe ich die Kinder selbst unterrichtet, auf einer Stute, die früher als unreitbar galt, weil sie alle Schüler abwarf und auch schon mal stieg und sich überschlug. Seit sie in unserem Besitz uns ist, wurde aus ihr allmählich ein sehr liebes und williges Verlasspony- natürlich noch immer sehr sensibel. Meine Töchter lernen auf und mit diesem Pony einen sehr feinen Umgang mit Pferden und haben auch schon mit Tierkommunikation und TTouch begonnen. Leider sind sie weit und breit allein damit und in jedem Stall sind wir Aussenseiter, die so bekloppt sind und gebisslos und ohne Ausbinder reiten!

Nach einigen Versuchen in Reitschulen (auf der Suche nach Gemeinschaft mit anderen Kindern) haben sich die Kinder jedesmal wieder für das einsame aber respektvolle Reiter-Leben entschieden. Auch sie wollen keine Pferde schlagen und auch nicht auf geschundenen Pferden mit unpassender Ausrüstung ihren „Spass“ haben. Wenn andere Kinder vom tollen Ponyhof-Urlaub berichten, können sie sich nicht so richtig mitfreuen, denn Reiterferien sind bekanntermassen selten pferdefreundlich.
Es ist schade, dass sensible Kinder offenbar in einem Paralleluniversum ihrem Pferde-Hobby nachgehen müssen. Traurig auch, zu wieviel Gewalt und Missachtung von Tieren Kinder heutzutage angestiftet werden und dies von den Eltern mitvertreten wird. Weder Hund noch Katze würde man so behandeln.

 

Von Lena • 24. August 2015

Hallo ihr Beiden,
danke für diesen offenen Brief. Leider ist es ja nicht nur das Schlagen o.ä. der Pferden sondern die Selbstverständlichkeit, das Pferde stundenlang im Kreis laufen müssen, dabei dauerhaft ausgebunden sind, mit Gerten/Fersen getrietzt und das Maul grob behandelt wird, weil auch die kleinsten Reitschüler schon Zügeln mit Gebiss in die Hand bekommen. Die Pferde nicht oder wenig auf die Weide dürfen. Sie in ihrem Leben nichts anderes sehen außer Platz/Reithalle. Die Kinder lernen Pferde als Sportmaschinen kennen, die auf Knopfdruck zu funktionieren haben. Sie lernen auch, dass es normal ist, wenn Pferde aggressiv beim putzen und satteln sind. Hinterfragt wird das Ganze nicht, weder von Reitlehrern, Eltern oder Kindern. Und DAS ist traurig, wie soll der Pferdesport harmonischer und schöner werden, wenn bei den ganz kleinen Reitern schon alles falsch gemacht wird?

 

Von Veronika • 24. August 2015

Ich hätte als Kind gerne Eltern gehabt, die soviel Interesse an meinem Hobby haben, dass ich mit dem Konflikt nicht alleine dastehe.
Boxenhaltung und Gewalt gegen Pferde war „normal“ entsprechend sahen die Reitstunden aus, kaum eine Stunde, in der nicht irgendwann alle Pferde wild durcheinander gerast sind, dass nie was Schlimmes passiert ist, ist erstaunlich.
Aber natürlich bin ich runtergefallen. Und da ich noch nie ein besonders mutiger Mensch war, hab ich wieder und wieder aus Angst aufghört zu reiten nur um von der Sehnsucht getrieben bald wieder anzufangen.
Meine Eltern waren über jedes „aufhören“ froh, schließlich ist reiten teuer und die wenigsten Ställe waren so gelegen, dass ich sie mit dem Fahrrad allein erreichen konnte.

Während meiner Ausbildung (Führerschein und eigenes Geld vorhanden) durfte ich eine wunderbare Zeit auf einem Isländerhof verbringen mit netten, fein gerittenen Schulpferden in Offenställen. Der Traum hatte ein Ende als ich zum studieren weggezogen bin, da ich jetzt wieder ohne Geld und ohne Auto dastehe.

Mein Herz platzt jedes Mal vor Neid, wenn ich Dreizehn- Vierzehnjährige sehe, die nicht nur eigene Ponies haben, sondern Eltern, die das Interesse teilen oder zumindest verfolgen, wie es in den Reitställen zugeht.

 

Von Anja • 8. März 2017

Meine Hochachtung auch an das kleine Mädchen, das erkannt hat, dass das nicht der richtige Weg für ein Miteinander mit dem Pferd ist. Und ich glaube, ihr könnt euch auch auf die Schulter klopfen, dass ihr der Kleinen das Gefühl für ein Lebewesen vermitteln konntet.

 

Von Dorothea Böhnke • 11. März 2017

Der Artikel ist richtig, aber es gibt auch die andere Seite. Das Problem ist, dass viele Eltern nicht bereit sind, für Reitstunden einen angemessenen Preis zu zahlen. Durch diese „Geiz-ist-geil“-Mentalität werden aber solche Ausbeutermethoden ggü. den Pferden gefördert, weil an allen Ecken und Enden gespart werden muss.

 

Von Gina • 23. Oktober 2017

Es wird immer wieder argumentiert, man dürfe oder solle doch ein Pferd ruhig mal grob anfassen, weil doch schließlich die Pferde untereinander sich auch mit Tritten oder Bissen erziehen würden. – Nun, die Pferde wenden diese Methoden in der Regel aber mitnichten gegenüber Menschen an. Den Pferden ist es sehr bewusst, dass wir Menschen KEINE Pferde sind, daher benehmen sie sich (wenn sie nicht böse gemacht wurden durch schlechte Erfahrengen –> Gewalt) uns gegenüber viel, viel sanfter. – Woher soll man dann bitte das „Recht“ ableiten, Pferde mit Gewalt anzufassen? Es gibt weder ein solches Recht, noch die Notwendigkeit! Die allermeisten Pferde sind extrem sanft, friedlich, geduldig uns Menschen gegenüber. Und anstatt dankbar dafür zu sein, werden sie mit Gewalt traktiert. Das soll dann auch noch dazu führen, dass beide etwas lernen, Reiter und Pferd….

 

 

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