Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 36: Ich bekomme ein Lob

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Montys Wunde ist fast verheilt, aber ich will ihn noch nicht reiten. Also gehen wir gerade viel spazieren, so wie auch heute. Wir sind im kleinen Wäldchen unterwegs und ich gehe so meinen eigenen Gedanken nach, als Monty plötzlich stehen bleibt und den Kopf zu mir dreht.

„Alles klar, Monty?“, frage ich etwas erstaunt, denn normalerweise bin ich es, die ein Gespräch beginnt, nicht er.

„Wissen Sie, ich würde Ihnen gerne etwas sagen.“

„Na klar, Monty, raus damit.“, sagte ich und versuche, nicht so unsicher zu klingen, wie ich mich gerade fühle. Wer weiß schon, was jetzt kommt.

„Es ist viel angenehmer mit Ihnen geworden ohne den Stress.“

„Oh, das freut mich zu hören, Dankeschön.“, sage ich und werde sogar ein bisschen rot. „Was genau meinst du denn mit Stress?“, hake ich nach, weil ich die Kritik darin natürlich auch höre.

„Ach, früher musste oft alles sehr zackig und schnell gehen. Wissen Sie, Menschen sind immer so hektisch. Alles folgt Schlag auf Schlag.“ Dann fügt schnell hinzu: „Aber, das meine ich bei Ihnen jetzt natürlich nicht wörtlich.“, sagt er und lacht über seinen eigenen Witz.

Im ersten Moment will ich mich verteidigen, denn ich hatte oft gedacht, dass ich Monty geradezu endlos viel Zeit lassen würde. Seine Tendenz zum Herumtrödeln hatte mich oft gereizt, aber ich war eigentlich ganz stolz auf mich gewesen, dass es mir immer besser gelungen war, ihm Zeit zu lassen, und jetzt sagte er mir, ich sei immer so zackig gewesen? Ich hielt mich aber zurück und ließ seine Worte erst einmal in mir nachklingen.

„Tja, ich glaube, du hast Recht, Monty. Ich bin oft viel zu hektisch, das fällt mir jetzt selbst auf. Eigentlich ist das hier doch meine Freizeit, die ich genießen sollte, und ich dachte auch, ich wäre entspannt, wenn ich herkomme. Aber es ist oft nicht so einfach, aus dem Stress herauszukommen, den man so mitbringt, von der Arbeit und dem Leben draußen.“

Ich denke weiter nach.

„Du hast tatsächlich ein ganz anderes Tempo als ich. Jedenfalls wenn du nicht gerade eilig zu deinen Kumpels willst oder wenn nicht gerade ein Grasbüschel vollkommen unwiderstehlich ist, nicht wahr?“, lache ich.

„Na, das ist etwas ganz anderes.“, sagt Monty.

„Schon klar.“ Ich zwinkere ihm zu. „Aber, im Ernst: Bevor du gesprochen hast, habe ich dich sicherlich viel zu oft überrumpelt, das tut mir leid. Da habe ich viel mehr automatisch gemacht, ohne über alles nachzudenken. Manches sollte einfach zacki-zacki funktionieren, weil ich mir das in den Kopf gesetzt hatte. Und das geht jetzt nicht mehr, zumindest nicht mehr so leicht. Siehst du, und das meinte ich am Anfang, als ich sagte, dass nun alles anders ist. Für mich ist tatsächlich vieles anders geworden. Aber ich weiß, hektisch bin ich manchmal trotzdem noch. Das kannst du mir dann ruhig sagen, ich versuche, es zu ändern, ja?“

Wir stehen noch für ein Weilchen mitten auf dem Weg in dem kleinen Wäldchen und atmen tief ein und aus. Die Vögel zwitschern in den Bäumen über uns und das Herbstlaub riecht feucht und erdig.

„Schön ist das.“, sage ich. „Wie gut es tut, auch einfach mal nur dazustehen.“

Statt einer Antwort schnaubt Monty zufrieden ab und wir gehen ganz gemütlich zurück.

 

–> Fortsetzung Kapitel 37

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

6. Dezember 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 36: Ich bekomme ein Lob

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