Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 1: Ein Tag, der alles ändert

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth

Es gibt Tage, an denen verändert sich auf einen Schlag dein ganzes Leben und es fragt nicht einmal, ob du das überhaupt möchtest. Das kann eine einzige Sache sein und trotzdem ist plötzlich nichts ist mehr so wie zuvor. Was du bisher sicher zu wissen glaubtest, verpufft in einem Wölkchen und du fängst quasi ganz von vorne an. Ein solcher Tag bei mir war der Tag, an dem mein Pferd mit mir zu sprechen begann.

Es war ein Dienstag und ich hatte frei, so dass ich schon am Vormittag zum Stall fahren konnte. Das machte ich immer gerne, denn ich genoss es, die kleine Anlage hin und wieder ganz für mich allein zu haben. Ich ritt mein Pferd Monty in der Reithalle. Wunderbar entspannt ließ ich mich im Schritt am langen Zügel von ihm herumtragen und schaute auf mein Handy.

Dann kam es mir plötzlich vor, als hätte ich ein leises Räuspern gehört. Ich schaute kurz auf, aber es war niemand in der Halle – klar, ich war ja auch allein da. Also blickte ich wieder auf mein Handy und scrollte mich weiter durch den Instagram-Thread einer Reiterin, die immer so schick angezogen war und aussah, wie aus dem Ei gepellt. Wie machte die das nur? Ich brauchte nur in die Nähe eines Pferdes zu kommen und war nicht nur staubig und voller Heu, sondern hatte auch sofort die unvermeidlichen Möhren- oder Leckerli-Flecken auf meinem Pulli.

Da war es wieder, dieses seltsame Räuspern.

Woher kam das nur? Ich bildete mir das doch nicht ein, oder? Vielleicht hockte irgendwo jemand und machte sich einen Scherz mit mir? Aber wer sollte das tun und warum? Bei der nächsten Runde horchte ich sehr genau in jede Richtung und auch nach draußen – doch nun hörte ich wieder nichts.

Hm, das ist ja doch ein bisschen merkwürdig, dachte ich.

Ich wechselte den Foto-Thread und schaute mir Pferdefotos an,  #pferdeschoenheiten – feurige Araber, bildhübsche Vollblüter, Isländer mit traumhaft langen Mähnen, hach, …

„Ähm, entschuldigen Sie bitte, dauert das noch sehr lange?“

Ich fiel fast vom Pferd, so erschrak ich. Jemand sprach mit mir, aber es war keiner da. Ich hörte eine männliche Stimme, ohne dass ein Mann da war. Nun wurde es wirklich unheimlich.

„Sehr lustig!“, rief ich laut, obwohl ich es gar nicht lustig fand und auch nicht wusste, wer es hören sollte.

„Ach, das tut mir leid, ich wollte Sie nicht stören. Ich dachte nur, dass wir vielleicht auch aufhören könnten, wenn Sie nichts weiter machen möchten heute, denn, ähm, so ist es ein bisschen, wie soll ich sagen, … langweilig.“, sagte die Stimme.

Ich packte mein Handy in meine Jackentasche, richtete mich im Sattel auf und rief: „Also, jetzt ist aber gut. Wer spricht denn da?“ Meine Stimme kippte bedenklich ins Hysterische, obwohl ich das selbst etwas übertrieben fand, konnte ich nichts dagegen tun. Um diese Zeit ist normalerweise niemand im Stall und wenn, dann sicher kein unsichtbarer Mann.

„Oh, ach so, ja …  tut mir leid, ich dachte, Sie wüssten, wer hier spricht. Also: Ich bin’s, Ihr Pferd.“

—> Fortsetzung: Kapitel 2

Ich bin's, Ihr Pferd – Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

14. Januar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 1: Ein Tag, der alles ändert

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