Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 41: Das Pferd hat Spaß

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

 

Monty und ich stehen nun schon für ein Weilchen zusammen in der Halle und diskutieren darüber, ob wir es mit dem Freispringen probieren wollen oder nicht. Mir wird klar, dass wir noch lange so weitermachen können. Also entscheide ich.

„So, pass auf Monty, ich nehme dir jetzt das Halfter ab. Und jetzt, schau mal, lege ich einige der Stangen hier an die Seite. Nur drei lasse ich liegen, so, ja, das ist ein guter Abstand, so müsste es gehen. Und jetzt machst du nichts weiter, als erst einmal im Schritt rüberzugehen, ja?“

Monty ist schon losgelaufen, und zwar in die hinterste Hallenecke.

„Hey, Monty, hast du gehört? Einfach nur Schritt außen rum, durch die Gasse über die Stangen.“, rufe ich ihm zu. Da er mich ignoriert, greife ich zur Peitsche und laufe lachend auf ihn zu. „Ich glaube, du brauchst ein kleines bisschen Motivation, oder?“

„Damit?“ Er starrt auf die Peitsche in meiner Hand.

„Als ob ich dich je damit verdroschen hätte, Monty, was ziehst du denn hier gerade für eine Show ab?“

„Sie wollen mir drohen.“

„Sei nicht albern, Monty, du weißt genau, dass ich die nur nutze, um dir Zeichen zu geben und ein bisschen Stimmung zu machen. Komm schon, mir zuliebe.“

„Zeichen geben, Stimmung machen, so nennt man das also. Ich mach ja schon, was Sie wollen.“, sagt mein Pferd und es klingt bitter. Ich lasse die Peitsche fallen, halte den Mund und fühle mich mal wieder richtig mies, denn er hat ja recht. Ich komme mit meiner Idee an und will die auf jeden Fall umsetzen. Das ist genau das, wie Miteinander nicht ablaufen sollte. Immer wieder tappe ich in diese Falle.

Monty läuft derweilen sehr langsam im Schritt los und ich begleite ihn. Vor der Gasse bleibt er noch mal stehen und schaut mit großen Augen.

„Wollen wir vielleicht gemeinsam durchgehen?“, frage ich vorsichtig und mache einen Schritt zur Gasse hin. Monty folgt mir zögerlich. Mit viel Geschnaube und Gegucke läuft er mit mir durch die Gasse. Da wird mir klar: Er hat tatsächlich Angst. Nun schäme ich mich wirklich. Ich schäme mich dafür, dass ich mal wieder so unsensibel war. Vielleicht geschieht es mir recht, dass er mir nicht richtig vertraut …

Wir gehen noch einmal zusammen durch die Gasse und er wirkt schon viel ruhiger. In der nächsten Runde traut sich Monty dann schon allein durch die Gasse. Ich frage ihn, ob wir aufhören wollen, denn für mich wäre es an dieser Stelle genug. Ich habe meinen Teil begriffen. Aber er schlägt vor, dass er es auch mal im Trab versuchen kann. Also verändere ich die Abstände der Stangen. Dann trabt mein Pferd tatsächlich durch die Gasse, einmal von rechts, einmal von links.

„Toll, Monty! Doch gar nicht so schlimm, oder“, frage ich ihn erleichtert.

„Bis jetzt noch nicht.“, sagt er und klingt schon viel weniger skeptisch.

„Willst du einen kleinen Hüpfer wagen?“

„Wenn Sie darauf bestehen.“

„Schau, das ist ganz niedrig.“, sage ich, gehe in die Gasse und drehe ein Cavaletti um, das vorher nur als Stange auf dem Boden lag.

Monty trabt in die Gasse und fliegt mit einem Riesensatz über den Mini-Sprung und rast dann im Galopp die Seite entlang, um die Kurve, um abrupt in den Schritt zu fallen, als wäre nichts gewesen. Ich stehe da mit offenem Mund.

„Sag mal, was war das denn?“, frage ich.

„Na, ich bin gesprungen. Das wollten Sie doch.“, sagt mein Pferd lässig, aber nicht ohne Stolz.

„Ja, und wie Du gesprungen bist, Monty. Vielleicht ein kleines bisschen übermotiviert, oder? Das war doch nur ein kleines Cavaletti.“

„Ihnen kann man aber auch nichts recht machen.“, gibt er giftig zurück, ich kann ihn dabei aber grinsen sehen.

„Doch, doch, Monty, sorry, das war toll, ehrlich. Schau mal, dann kann ich ja auch einen richtigen kleinen Sprung aufbauen, was meinst du?“

Monty sagt nichts, sondern pustet mit der Nase Staub von der Bande. In dem Moment, in dem ich fertig bin, trabt er los und galoppiert in der Gasse an, um das Hindernis wieder mit einem gigantischen Sprung zu nehmen. Ich rufe noch „Ruhig, Monty, ruuuhiiig!“ und versuche, ihn etwas langsamer werden zu lassen, keine Chance. Stattdessen rast er die ganze Runde rum, um gleich nochmal zu springen. Einmal, zweimal, dreimal, dann wechselt er die Hand und springt von der anderen Seite über den Sprung.

Ich stehe da und frage mich, wem wohl dieses breit grinsende, über die Hindernisse heizende Pferd gehört. Ich könnte schwören, dass ich sogar ein „Jippie!“ gehört habe.

„Ich fasse es nicht, Monty“, sage ich, als er nach etlichen Runden heftig atmend, aber vollkommen mit sich zufrieden zu mir geschlendert kommt. „Du bist einfach unglaublich.“

Er schaut mich herrlich selbstzufrieden an und ich muss lachen.

„Na, dann wälz dich mal, für heute reicht es mit dem Training, du Springkanone. Ab heute nenne ich dich Halla.“

„Pfffft.“, macht Monty, aber ich kann sehen, dass er sich freut.

 

–> Fortsetzung folgt

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

16. Mai 2022 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 41: Das Pferd hat Spaß

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