Das Initiatorsignal – eine Möglichkeit der Mitsprache

In der Arbeit für unseren Clickerkurs habe ich ein Video zum sogenannten „Initiatorsignal“ gesehen (bitte hier klicken, das Video ist auf Englisch). Dieses Video hat mich zu Tränen gerührt.

Dem Pferd ermöglichen, sich mitzuteilen

Bei dem Initiatorsignal geht es darum, dass das Pferd lernt, dem Menschen ein Zeichen zu geben, wenn es bereit ist, an einer Lektion weiterzuarbeiten. Es eignet sich sehr gut dazu, Pferden unangenehme Situationen oder beängstigende Dinge näher zu bringen. In dem Film ist z.B. ein Pony zu sehen, dem gezeigt wird, dass es vor einer Peitsche keine Angst zu haben braucht. Die Peitsche wird in die Luft geschlagen und das Pony erhält einen Click + Belohnung, wenn es still stehen bleibt.

Entscheidend dabei ist aber, dass es dem Menschen zuvor ein Zeichen gibt (es berührt dazu die Hand des Menschen mit der Nase), mit dem es vermitteln kann, in welchem Abstand und auch in welcher Position es bereit ist, die schlagende Peitsche zu dulden. Dieses Pferd wird also befähigt, mit dem Menschen zu kommunizieren! Ein anderes Pferd vermittelt dem Menschen durch das Zeichen, wann es bereit ist, mit einem Sattelgurt berührt zu werden, ohne nervös auf der Stelle treten zu müssen, und wieder ein anderes teilt mit, wann es bereit ist, dass der Mensch sich auf seinen Rücken schwingt.

Noch nie zuvor habe ich ein so eindrückliches Beispiel von beidseitiger Kommunikation zwischen Mensch und Pferd gesehen.

Bereit, um Erlaubnis zu fragen?

Mich haben die Szenen in diesem Video tief getroffen, denn mir wurde klar, wie oft ich über Pferde hinweggegangen bin und auch noch immer hinweggehe. Wann habe ich mir wirklich die Zeit genommen, mein Pferd zu fragen, ob es mir die Erlaubnis für all die vielen Dinge gibt, die ich von ihm will? Wie so viele von uns habe ich diese Behutsamkeit leider immer nur in den Anfängen konsequent gelebt (z.B. beim Kennenlernen, beim Erarbeiten neuer Dinge, bei der Vertrauensarbeit oder beim Einreiten), aber im Alltag habe ich es dann einfach vergessen.

Und so bin ich mal wieder einen Schritt weiter in meiner Selbstreflexion, denn ich habe mich beim Anschauen des Videos geschämt. Geschämt, dass ich, obwohl ich es inzwischen besser weiß, viel zu oft über meine Pferde hinweggehe, weil ich „mal eben schnell“ was machen will oder weil ich viel zu vieles als selbstverständlich annehme.

Sicher kann man nicht jeden Handgriff beim Pferd erfragen und das ist wohl auch nicht nötig. Aber mir fallen viele Momente ein, in denen ich das durchaus tun könnte und sollte, um meinen Pferden Respekt entgegenzubringen. Ich nehme mir vor, in Zukunft noch achtsamer sein!

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26. August 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Umgang, Vertrauenstraining 9 Kommentare »

Zebras, die zweite…

Im letzten Jahr habe ich ja schon meine Versuche, aus meinen Jungs Zebras zu machen, ausführlich dokumentiert – hier nachzulesen. Auch in diesem Jahr wollte ich ihnen die Bremsenzeit wieder etwas erleichtern, aber statt mich wieder ans Streifenmalen zu machen, bestellte ich diesmal Fliegendecken im Zebra-Look. Und meine Erfahrungen damit will ich Euch natürlich auch nicht vorenthalten.

Hier also meine Hafis in der Mode des aktuellen Sommertrends:

z1z3Offenbar aber bestand recht schnell ein Bedürfnis nach mehr Lüftung 😉 – so dass Anthony dann am nächsten Tag so fotografiert wurde:

z4Tja, und irgendwie hatte ich mal wieder das Gefühl, dass meine Pferde sich köstlich über mich amüsieren…

zMein Fazit: Da die Bremsen bei uns in diesem Jahr meinem Gefühl nach nicht allzu schlimm waren, habe ich die Jungs nur für wenige Tage eingedeckt. Ich finde es immer schwer, einzuschätzen, ob bei um die 30°C eine Decke nicht vielleicht sogar unangenehmer ist als ein paar Plagegeister, aber grundsätzlich helfen Fliegendecken natürlich schon. Ob sie allerdings Zebrastreifen haben müssen, sei mal dahingestellt. Wir haben uns dieses Jahr vor allem auf Anti-Fliegen-Sprays verlassen.

 

19. August 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Gesundheit, Haltung 6 Kommentare »

Soll ich jetzt nur noch Futter in mein Pferd stopfen?

Eine ganz typische Reaktion auf das Clickertraining ist die entsetzte Frage, ob man denn jetzt ständig und wegen jedem bisschen Futter in sein Pferd stopfen muss. Ja, auch ich hatte mich das gefragt und habe deshalb lange gezögert, mit dem Clickern zu beginnen.

Bei mir waren es drei Bedenken, die ich hatte:

  • Einmal das Gewicht. Meine Hafis sind beide nicht schlank und ich sah sie schon wie Hefeklöße auseinandergehen.
  • Dann fürchtete ich, dass meine Pferde zu penetranten Bettlern werden würden.
  • Außerdem war tief in mir die Überzeugung, dass sie das, was ich von ihnen möchte, auch ohne Futter machen sollen.

 Schauen wir uns die Punkte doch einmal genauer an.

Über die Futtermenge beim Clickern

Es geht beim Clickern keinesfalls darum, massenhaft Futter ins Pferd zu stopfen. Richtig ist, dass auf jeden Click ein Futterlob erfolgen soll, und richtig ist auch, dass in manchen Phasen sehr hochfrequent (also schnell hintereinander) geclickert wird. Aber die Menge, die dabei verfüttert wird, kann viel geringer sein, als viele annehmen, denn: Ein Futterlob wirkt auch in kleinen Mengen.

Die Frage ist einfach, was man als Futterlob nutzt! Klar, wenn ich die handelsüblichen, großen Leckerlis nehmen würde, würde ich auf deutlich zu viel Extra-Futter kommen (zumal die Zusammensetzung solcher Leckerlis auch nicht immer gesundheitsfördernd ist). Aber es gibt gute Alternativen. Wenn Ihr z.B. allein die Begrüßungsmöhre für Euer Pferd in kleine Scheiben schneidet und die zum Clickern nutzt, fällt überhaupt kein Mehr an Futter an!

Ich selbst nutze am liebsten Hafer zum Clickern. Die kleinen Körner lassen sich in Mini-Portionen aufteilen, so dass ich pro Click nur wenige Körner verfüttere. Für eine normale Clickereinheit brauche ich ca. eine Handvoll Hafer (und meine Hände sind eher klein). Das ist auch für einen eher wohlgenährten Haflinger nicht viel.

Bei futtersensiblen Pferden und solchen mit ernährungsbedingten Erkrankungen sollte man mit dem Tierarzt absprechen, was in welchen Mengen vertretbar ist. Hier bewähren sich oft Luzerne-Pellets, die sehr klein sind. Ich habe auch schon von dem Tipp gehört, Gurkenstückchen zu nehmen.

Auch könnt (bei leichfuttrigen Pferden solltet!) Ihr die Menge Futter, die Ihr zum Clickern verwendet, von der normalen täglichen Futterration abziehen.

Die Sache mit dem Betteln

Das Clickertraining kommt immer wieder in Verruf, weil manche Pferde dadurch tatsächlich zu aufdringlichen Bettlern werden. Das aber ist KEIN Problem der Methode, sondern immer ein Fehler des Menschen. Ein fester Bestandteil jedes Clickertrainings sollte sowohl die Futter- als auch die Höflichkeitserziehung sein. Beides wird systematisch geclickert und auf beides sollte konsequent geachtet werden.

Es darf also kein Futter geben, wenn das Pferd bettelt (auch nicht, wenn es noch so süß dabei guckt) und Futter darf nicht einfach gedankenlos gegeben werden, weil man sein Pferd so lieb hat. Futter kommt immer nach einem Click und ein Click kommt nur, wenn das Pferd höflich ist (egal, um welche Lektion oder Aufgabe es gerade geht!).

Ich muss sagen, dass ich vor dem Clickern deutlich mehr Probleme mit meinen recht futterorientierten Hafis hatte als jetzt, seitdem ich clickere. Ich kann mit der Hand in der Futtertasche stehen, ohne dass sie betteln, einfach weil sie wissen, dass sie dann nichts bekommen.

Betteln ist aus meiner Sicht so gut wie immer ein menschengemachtes Problem und deshalb lässt es sich auch wunderbar lösen.

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12. August 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining 13 Kommentare »

Die Kunst des Nichtstuns

Ich bin nach 35 Jahren mit Pferden mal wieder Anfängerin. Denn ich werde in einem neuen Gebiet gefordert, in einem, in dem ich mich nicht gut auskenne. Das fühlt sich seltsam an, aber es ist auch spannend und ich möchte Euch wieder daran teilhaben lassen.

Nachdem ich hier recht ausführlich über das berichtet habe, was ich mit meinem Anthony erlebe und nachdem ich auch viele Anregungen, gut gemeinte Ratschläge und Hinweise bekommen habe, war ich ganz schön frustriert. Die Tatsache, dass ich immer wieder an denselben Punkt komme, den Eindruck zu bekommen, dass mein Pferd schon beginnt anderen leidzutun, weil sie denken, er würde vielleicht vernachlässigt oder krank sein und vor allem die Angst, nicht der richtige Mensch für ihn zu sein und dass er woanders vielleicht einfach glücklicher wäre – all das sind ja genau die Ängste, die man als Pferdebesitzer hat, nicht wahr?

Nun bin ich ja nicht allein, sondern habe Babette an meiner Seite. Und sie hat mir einen so schönen, wie auch wahren Hinweis gegeben, denn sie kennt mich wohl besser als fast jeder andere und Anthony auch. „Ich denke“, sagte sie zu mir, „es geht darum, nichts zu wollen. Immer dann, wenn du beschließt, nichts mehr von Anthony zu wollen, ist er offen und fröhlich, und immer dann, wenn du doch wieder gezielt mit ihm zu arbeiten beginnst, ändert sich seine Stimmung. Klar, mit dem Clickern machst du das auf eine nette Art, aber du willst eben doch wieder etwas von ihm. Fahr doch einfach zu ihm und verbringe einfach nur Qualitätszeit mit ihm. Kein Wollen, kein Müssen, einfach nur sein.“

Ich spürte sofort, wie das in Resonanz mit etwas in mir ging, denn ja, es stimmt, ich hatte gehofft, durch das Clickern wieder weiter zu kommen mit ihm. Ich träumte wieder von gemeinsamen Ausritten und einem „ganz normalen Arbeiten“ mit meinem Pferd. Und genau da kommt sein Stopp-Schild.

Wieder etwas Neues zu lernen

Nun sitze ich da mit einer wirklich guten Erkenntnis und stelle fest, dass ich nicht weiß, wie das geht, „nichts zu tun“. Ich habe keine Ahnung, was man mit einem Pferd macht, wenn man nichts mit ihm macht. Solange ich mit Pferden zu tun habe, fahre ich zu ihnen, um etwas mit ihnen zu machen. Um also mit ihnen zu arbeiten, zu trainieren, um etwas zu üben, um etwas „Sinnvolles“ zu tun, als Minimum wenigstens zu massieren oder ein paar Tellington-Touches zu machen.

Und nun soll ich genau das nicht tun, sondern ich soll das tun, was ich auch schon vielen anderen geraten habe: einfach nur einmal Qualitätszeit mit meinen Pferden zu verbringen. Einfach bei und mit ihnen zu sein, nicht mehr und nicht wieder.

Und das ist ein neues Lernfeld für mich.

Aber es passiert, je mehr ich mich darauf einlasse, etwas ganz Wundervolles: Anthony öffnet sich, so kitschig es klingt, wie eine Blüte. Er reagiert so unmittelbar und deutlich auf meine noch ungelenkten Versuche, nichts von ihm zu wollen. Wie das aussieht? Er steht bei mir, läuft mit mir, wenn ich einige Schritte im Auslauf mache, schaut mich aus offenen Augen an. Wenn ich bei ihm stehe, knabbelt er nicht an mir rum, sondern strahlt etwas Zufriedenes aus. Hin und wieder bringt er mich mit seinem Flehmen zum Lachen, als wolle er mir die Sache leichter machen.

Vermenschliche ich wieder mal? Vielleicht. Vielleicht aber bin ich mehr an meinem Pferd dran als je zuvor. Denn „einfach nur zu sein“, darin sind uns Pferde voraus. Das können sie so viel besser als wir. Ich möchte es auch lernen. 

zweisein

 

5. August 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang 20 Kommentare »

Mein persönlicher Clickerweg

Nun ist er erschienen, unser Clickerkurs.

Diesen Kurs mit Babette zu erarbeiten war für mich eine grenzüberschreitende Erfahrung, denn es war für mich alles andere als leicht, mich auf das Clickern einzulassen. Und da ich glaube, dass ich damit nicht allein bin, schreibe ich diese persönlichen Zeilen. Vielleicht können diese auch Sie ermutigen, einmal ins Clickern hineinzuschnuppern, denn zumindest für mich brauchte es dafür einiges an Mut!

Mut, alte Muster und Erfahrungen loszulassen und neu (und damit als Anfänger) zu beginnen. Den Mut und die Offenheit, dazuzulernen und mir frühere Fehler einzugestehen. Und den Mut, innere Überzeugungen loszulassen, was vielleicht das Schwerste war, da sie mir gar nicht alle bewusst waren! 

Klappt doch auch so, oder nicht?

Ich war auf meinem vorherigen Weg nicht erfolglos mit meinen Pferden gewesen, sondern ich habe beide auf einen ansehnlichen Stand ausbilden können. Aber immer wieder stieß ich auf Widerstände. Bei Aramis auf sanfte, bei Anthony auf deutliche. Lange Zeit ging ich über diese Widerstände hinweg, auf eine meist nette, manchmal, so muss ich zugeben, aber auch auf eine weniger nette Art. Und so rieb ich mich an diesen Widerständen. Nicht nur mit meinen Pferden, sondern vor allem mit mir selbst und meinen Ansprüchen, denn was ich wollte, nein, wovon ich träumte, war Freiwilligkeit. Ich wünschte mir so sehr, dass sie Ja zu dem sagten, was ich vorschlug und mir war klar, dass ich an diesem Ziel noch nicht angekommen war.

Vielleicht machte mir gerade das bisher Erreichte es so schwer, noch einmal neu anzufangen und das, was ich gelernt hatte, loszulassen. Ohne Anthony hätte ich es vielleicht nicht gewagt. Es war vor allem sein Nein, das mich an meine Grenzen und vor allem darüber hinaus brachte. Und so betrat ich Neuland.

Neues wagen und so viel bekommen

Das Clickern fordert von uns Menschen die Bereitschaft, Tiere nicht mehr nur als Befehlsempfänger und -ausführer zu sehen, sondern ihr Mitspracherecht zu akzeptieren. Das kippt so ziemlich alles, was man im herkömmlichen Umgang mit Pferden vermittelt bekommt und rüttelt damit an Grundfesten.

Wenn ein Pferd beim Clickern „Nein“ sagt, gibt es keine der herkömmlichen Antworten darauf, wie z.B. mehr Druck zu machen oder zu strafen. Wenn mir ein Pferd beim Clickern die Mitarbeit verweigert, muss ich nach den Ursachen suchen, im Außen, aber vor allem auch bei mir. Ich muss mich fragen: Was kann ich tun, damit mein Pferd mich besser versteht oder damit es Lust darauf bekommt, das zu tun, was ich vorschlage? Ich bin gefordert, ich muss attraktiv für mein Pferd sein, ja, ich muss mir sein Ja verdienen. Und das macht die Sache manchmal ganz schön unbequem.

Wie viel leichter ist es, auf das Pferd zu schimpfen, auf den „ungezogenen Bock“ oder die „dominante Zicke“. Wenn man das tut, muss man sich selbst nicht in Frage stellen. Aber ohne die Bereitschaft, das eigene Tun zu hinterfragen, verändert man nichts. Dann macht man – oft aus Hilflosigkeit! – mehr vom Gleichen. Bei manchen Pferden kann man auf diese Weise Widerstände durchbrechen (aber zu welchem Preis!), andere machen noch dichter (und können gefährlich werden). 

Ich habe für mich erkannt, dass, wenn ich nicht kämpfen will mit meinen Pferden, ich bereit sein muss, sie wirklich zu verstehen. Ich muss hinfühlen, muss meine eigenen Ansprüche zurückstellen und muss bereit sein, ihnen in ihrer Welt zu begegnen. Wenn ich das tue, begreife ich plötzlich, wie vermessen ich oft war oder wie unklar ich mich oft ausdrücke, ja, wie verwirrend die Menschenwelt für unsere Pferde doch sein muss! Und mir wird bewusst, wie wenig ich manche Geschenke geschätzt habe und stattdessen immer mehr forderte.

Seitdem ich mich wirklich für meine Pferde öffne, weil ich eingesehen habe, dass es nicht ihr Job ist, meine Erwartungen zu erfüllen, sondern dass es meine Aufgabe ist, mir unser Miteinander zu verdienen, fühle ich mich reicher denn je. Man sieht mich vielleicht nicht mehr Traversalen reiten oder an fliegenden Galoppwechseln feilen, aber dafür erlebe ich eine Innigkeit mit meinen Pferden, von der ich bisher nur geträumt habe. Verständigung, Vertrauen und gemeinsame Erlebnisse. Lachen und still sein. Als Mensch zusammen mit ihnen zu sein und Zeit mit ihnen zu verbringen, einfach so.

Keine Frage, der Clickerweg ist nicht der einzig mögliche, aber es ist einer, auf dem ich persönlich sehr viel lernen durfte und jeden Tag neu dafür beschenkt werde. Das ist erfüllend und wunderschön und deshalb bin ich einfach nur dankbar.

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28. Juli 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Erkenntnisse, Sonstiges 13 Kommentare »

Das mitdenkende Pferd – wie Nico die biegenden Hilfen verstanden hat

Heute möchten wir mal wieder einen Auszug aus Petras Tagebuch mit Ihnen teilen (für alle, die Petra noch nicht kennen: mit ihr und ihrer Tochter Alex hat Babette den jungen Nico nach den Prinzipien der positiven Verstärkung ausgebildet – lesen Sie dazu bitte hier weiter). Dieser Bericht zeigt sehr schön, was das Clickertraining u.a. so besonders macht:

Die Pferde lernen mitzudenken und uns Angebote zu machen. Wenn auf ihre Angebote kein Click erfolgt, wird das Angebot nicht wiederholt. Bekommt das Pferd aber einen Click, versteht es sogleich, was der Mensch ihm mit seiner Hilfe vermitteln möchte. So wird aus einem Monolog (Mensch sagt dem Pferd, was es tun soll) ein Dialog (Pferd fragt, Mensch antwortet).

Hier also der Auszug aus Petras Tagebuch:

Eine Reiteinheit mit Stellung und Biegung

Vor zwei Jahren haben wir Nico zu uns geholt. Seitdem sind wir zu einem tollen Team zusammengewachsen. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten hat Nico sich ganz klar für den Clickerweg entschieden. Wie klar, zeigte er uns vor Kurzem. Dieses Erlebnis hat mich ganz besonders beeindruckt.

Es ging darum, Nico die Biegung, die angehobene Schulter sowie die korrekte Stellung unter dem Sattel zu erklären. Bei der klassischen Handarbeit, der Freiarbeit und beim Longieren hat er die biegenden Hilfen schon gut verstanden. Alles, was der Mensch vom Boden aus erklärt, fällt Nico mittlerweile sehr leicht. Da die Welsh’s Spätentwickler sind, reiten wir Nico noch sehr selten, und wenn es mal der Fall ist, suchen wir uns Punkte und Linien, die im Schritt und Trab mit Genauigkeit angesteuert werden. So waren unter dem Sattel Stellung und Biegung bisher noch kein Thema.

Jetzt ging es uns aber darum, ihn immer mehr auf den Reiter zu konzentrieren und die biegenden Hilfen vom Sattel aus zu erklären. Die Brücke zum Gelernten sollte die anliegende Gerte an der Schulter sein. Die Gerte sollte ihm signalisieren, sich auf korrekte Art auf der Zirkel- oder Voltenlinie zu biegen.

Nico ging sehr konzentriert im Schritt auf Zirkellinie. Die Öhrchen waren bei Alexandra, die ihn ritt. Schnell hatte er verstanden, dass die Gerte ihm etwas zu sagen hatte.

Was uns nun wirklich begeistert hat, war, dass Nico nach dem Ausschlussverfahren Dinge ausprobierte. Alles, was er irgendwie mit der Gerte in Verbindung brachte, bot er uns an. Dabei wurde jeder Einfall, den er mit dem Gertenzeichen verband, genau ein einziges Mal angeboten – gab es keinen Click, ließ er sich etwas Neues einfallen.

  • Seine erste Idee war, ungebogen den Zirkel zu vergrößern. Kein Click? Okay, dann muss es etwas anderes sein.
  • Verkleinern? Auch nicht. Alles klar.
  • Meint Ihr etwa Schenkelweichen auf dem Zirkel?
  • Schulterherein? Nee?
  • Jetzt habe ich es!!! Ihr meint Travers.
  • …und wenn ich auf Zirkellinie den Kopf etwas reinnehme? CLICK! Jippieh. Ich hab’s!
  • Ich kann auch ganz dolle den Hals reinnehmen und das Genick gerade lassen. Das wollt ihr nicht? Okay, dann halt weniger.

Da Nico die Bewegungsabläufe selbst schon sehr gut beherrscht, war nach dem Verstehen, worum es geht, innerhalb kurzer Zeit eine perfekte Biegung vom Reiter aus abrufbar. Wir fragten ihn in dieser Einheit immer nur für ein paar Schritte. In der nächsten Einheit werden wir nach kurzer Wiederholung daran arbeiten, dass die Biegung länger gehalten wird.

Ach, es macht außergewöhnlich viel Spaß, ein mitdenkendes Clickerpferd zu haben! Ich kann jedem nur raten, diesen Weg zu beschreiten. Auch wenn es natürlich auch auf diesem Weg mal Probleme gibt, bekommt man als Ergebnis motivierte, mitdenkende Pferde, die auf freiwilliger Basis mit einer unbeschreiblichen Freude als „pferdischer Partner“ gemeinsam mit dem Menschen Dinge erarbeiten. Ich würde mit jedem Pferd immer wieder diesen Weg gehen.

…und ich denke, hätten die Pferde die Wahl, würden sie sich ebenfalls dafür entscheiden, mit positiver Verstärkung ausgebildet zu werden.

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22. Juli 2014 von Babette Teschen • Kategorie: Clickertraining, Jungpferdausbildung 6 Kommentare »

Neue Nachbarn

Wir haben neue Mitbewohner im Stall bekommen: Zwergrinder. Hübsche schwarze Tiere mit eindrucksvollen Hörnern.

Nun mag sich der eine oder die andere vielleicht an einen Blogbeitrag erinnern, indem ich davon berichtete, dass Aramis Kühe bisher nicht ganz so vertrauenserweckend fand, s. Hilfe, Kühe!  Dort beschrieb ich, wie ich damit umgehe, wenn wir auf einem Ausritt Kühen begegnen und Aramis Angst zeigt. Jetzt war ich natürlich gespannt, wie er auf seine neuen Nachbarn reagieren würde!

Ich führte ihn von der Sommerweide zum Stall, wo die Rinder nun stehen. Er erblickte sie natürlich sofort und blieb stehen – hoch aufgerichtet und sehr aufmerksam. Auf mein gutes Zureden hin ließ er sich dann sehr schnell zu den Rindern führen, aufgeregt ja, aber nicht ängstlich. Eigentlich sogar im Gegenteil: er fand sie spannend! Da merkt man dann doch, dass sich das jahrelange Anti-Scheutraining auszahlt.

Er näherte sich also den Hörnerträgern:

kuehe1Und mit ein kleines bisschen Ermutigung ging er noch näher heran:

kuehe2Es war schön zu sehen, wie die Neugier siegte und er dann auch ganz ohne mich in Kontakt mit der Kuh ging:

kuehe3Und die beiden dann Nase an Nase standen:

kuehe4Das einfach mal für alle, die Bedenken haben, ein Pferd an gruseligen Dingen nicht „einfach stramm vorbeizureiten“, sondern auch mal abzusteigen und zu führen. Für mich ist das ein klarer Beweis dafür: Verständnis für Pferdeängste und ein einfühlsamer Umgang mit ihnen führen nicht zu mehr Angst oder gar Widersetzlichkeiten, sondern, wie man sieht, eben genau zu dem, was man damit bezwecken möchte: zu mehr (Selbst)Vertrauen!

15. Juli 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang, Verhalten 2 Kommentare »

Clickern in der Praxis: Inhalieren

Anthony ist leider Huster. Im Großen und Ganzen haben wir die Sache im Griff, aber in bestimmten Phasen (z.B. bei mehr Staub o.Ä.) hustet er leider ziemlich doll. Dann hilft das vom Tierarzt empfohlene Inhalieren eines Medikamentes ganz gut. Dazu habe ich ein praktisches Plastikteil bekommen, mit dem man schnell und einfach (und vor allem ohne Strom) das Pferd ein Medikament inhalieren lassen kann – vorausgesetzt, es hält still.

Anthony ist ja nun nicht gerade für seine Kooperationsbereitschaft bekannt 😉 und hielt zu Beginn das Inhalieren für vollkommen unnötig und stillzuhalten war sowieso doof. Wie also sollte ich ihn dazu bringen, mitzuarbeiten? Denn erzwingen lässt sich mit dem Teil nichts, es wird nur angehalten, nicht fixiert. Was also tun? Ich probierte es mit dem Clickertraining – und zwar mit Erfolg.

Von Gegenwehr…

Typischerweise reagierte er auf die ersten Inhalationsversuche mit Kopfhochnehmen oder Wegdrehen:

inhalieren1Also clickerte ich zunächst jeden Moment, indem er den Kopf senkte. Ziemlich schnell blieb der Kopf recht zuverlässig unten.

Dann näherte ich mich mit dem Teil seiner Nase an und clickerte erst jede Berührung und dann nach und nach auch das immer längere Anhalten des Gummis. Und das klappte wirklich gut!

… zu Kooperation

Inzwischen gibt es kaum noch Diskussionen, sondern Anthony hält brav still und atmet durch den Gummitrichter das Medikament ein.

husten2Auf dem eher herkömmlichen Weg, also mit Strenge, Ermahnungen, Schimpfen und Halfterrucken hätte ich garantiert nie seine Bereitschaft gewinnen können, im Gegenteil: Da hätte er sich irgendwann einfach komplett entzogen. Das Inhalieren mit diesem Teil funktioniert aber wirklich nur, wenn das Pferd mitmacht, denn es reicht schon, wenn das Pferd den Kopf kurz wegdreht, damit die Sache nichts mehr bringt.

Durch das Clickern ist das Inhalieren nicht mehr nur eine Lästigkeit, sondern Anthony hat es als etwas Angenehmes kennen lernen können. Ich kann es, wenn nötig, jederzeit auf dem Paddock ohne Hilfe machen, denn: Mein Pferd arbeitet mit.

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8. Juli 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Gesundheit 8 Kommentare »

Die Erziehung geht weiter…

Ja, die Erziehung geht weiter, und zwar MEINE Erziehung 😉

Wie diejenigen von Euch, die hier regelmäßig mitlesen, verfolgt haben, hat mein Anthony mir irgendwann so ziemlich alles verweigert. Ich konnte ihn also nicht mehr wirklich longieren, nicht mehr reiten, Handarbeit war doof, Zirkuslektionen auch; einzig die Freiarbeit begeisterte ihn immer. Ich habe hier auch schon beschrieben, dass ich mich dann auf das Clickertraining eingelassen habe und seitdem ganz oft denke, ich hätte ein anderes Pferd (hier nachzulesen und hier und hier).

Aber Anthony wäre nicht Anthony, wenn er nun plötzlich damit aufhören würde, mich weiter zu erziehen, nicht wahr? Und so gibt es wieder zwei hübsche Begebenheiten zu berichten, die das gut illustrieren:

Ein traumhafter Tag

Da war dieser eine Sonntag, an dem mir mein Kleiner mehr als gut gelaunt entgegenkam, seinen Kopf prompt in sein Halfter steckte und mir fröhlich auf den Reitplatz folgte. Einer spontanen Eingebung nachgehend, stellte ich ihn an die Aufstieghilfe und setzte mich einfach mal wieder drauf. Click fürs brave Stehen, Click fürs Antreten, Click fürs Gehen, viiieeele Clicks fürs Lenkenlassen (das ging nämlich gar nicht mehr), Click fürs Anhalten usw.

Einer weiteren Eingebung folgend, gab ich ihm das Signal zum spanischen Schritt und begeisternd brummelnd hob er seine Beinchen wie ein stolzer Spanier.

Ihr hättet uns sehen sollen, ich weiß gar nicht, wer mehr strahlte!

Und dann geht wieder gar nichts mehr…

Zwei Tage später ging ich dann mit der Idee zu ihm, doch auch heute noch mal zu schauen, ob ihm das Spaß machen würde, und ich holte mir einen ordentlichen Korb… Schon das Halftern war etwas zäh und das Mitkommen erfolgte auch ohne allzu viel Lust. An der Aufstieghilfe ging er rückwärts und büffelte mich dann in alter Manier so richtig schön weg. Der zweite Versuch lief genauso.

Früher hätte ich gedacht, dass ich das nicht durchgehen lassen kann. Da hätte ich zumindest durchgesetzt, dass er ruhig an der Aufstieghilfe stehen bleibt. Jetzt akzeptiere ich ein so deutliches Nein von ihm. Ich schlug ihm noch etwas anderes vor, aber auch das lehnte er ab. Also brachte ich ihn wieder zurück zum Auslauf.

Einfach so? Ja, genau, einfach so.

Ich habe mit diesem Pferd so endlos viel gestritten, dass ich weiß, dass es nichts, wirklich überhaupt gar nichts bringt. Das Tolle ist, dass ich heute nicht mehr enttäuscht bin, dass ich das nicht mehr persönlich nehme. Ich nehme es als kleine Lektion von ihm zum Thema Erwartungen an und hoffe, ich konnte ihm zeigen, dass ich nicht mehr in die alten Muster falle.

Als ich dann nochmal zu Aramis ging, trabte er jedenfalls lustig neben mir her. Seine Laune war deutlich besser als zuvor und das verbuchte ich dann als Plus für mich. 🙂

Immer wieder „Zurück auf Los“ – und warum auch nicht?

Im Moment spielt er mit mir also wieder einmal das Spiel „Zurück auf Los“, das heißt, ich muss mir wieder so ziemlich alles erclickern: dass ich ihn am Halfter anfassen darf, dass er neben mir antritt, dass er sich anhalten lässt usw. Ärgere ich mich darüber? Nur im ersten Moment. Dann lasse ich innerlich los und nehme es, wie es ist und ihn, wie er eben ist.

Mir kam dabei ein Gedanke: Dass es eigentlich doch vollkommen egal ist, WORAN wir in unserem Zusammensein arbeiten, ob nun an den Seitengängen oder am Halftern, ob am Reiten oder am Anfassenlassen, ob an höheren Lektionen oder an den Grundlagen. Wir arbeiten einfach immer genau an dem, was gerade ansteht.

Und dann glimmt in dem Grummelgesicht wieder ein kleiner Funken auf und Anthony öffnet sich wieder etwas mehr. Vielleicht, weil ich auf ihn EIN- und nicht einfach über ihn hinweggehe? Das ist schön zu sehen und ich bin doch etwas stolz darauf, dass mir das inzwischen ganz gut gelingt. Ein bisschen lernfähig bin ich doch, was Kleiner?

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1. Juli 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Umgang 11 Kommentare »

Aramis und die Rangfolge

Die Herden, in denen unsere Pferde leben, haben alle eines gemein: sie sind von uns Menschen zusammengestellt. Das heißt, dass die Rangfolge in diesen Herden oft mehr aus der Not geboren entsteht, denn aus einem natürlichen Gefüge heraus. Wer je erlebt hat, welche unschönen Folgen es haben kann, wenn plötzlich ein Pferd in die Position des Herdenchefs kommt, ohne dafür eigentlich gemacht zu sein, weiß, wovon ich rede…

Mich fasziniert immer wieder sehr, was zwischen Pferden geschieht und wie sich das Verhältnis untereinander,  Freund- und Feindschaften und eben auch die Rangfolge entwickeln. Ich könnte da oft Stunden einfach zuschauen. Und aktuell gibt es dazu bei uns einiges zu berichten, was Ihr vielleicht ähnlich spannend findet, wie ich:

Mein Aramis war über all die Jahre, die ich ihn nun habe, eigentlich immer an Position 2 in jeder Herde. Das änderte sich erst, als der vorherige Herdenchef in einen anderen Stall umzog. Nach einer Trauerphase (denn dieses Pferd war ein dicker Kumpel von Aramis gewesen) und einigen anderen Veränderungen in der Herde übernahm Aramis die Führung und wurde, zumindest solange ich ihn kenne, zum ersten Mal überhaupt die Nummer 1 der inzwischen recht kleinen Herde. Es war schon nett, ihn so stolz als Führungsoberhaupt zu erleben, und ich denke, er hat seinen Job auch nicht schlecht gemacht.

Jetzt, Anfang Juni, kam ein neues Pferd in die Herde. Ein stattlicher Tinker, bei dem ich sofort dachte, dass das ein geborener Führer ist (und ich bin kein Pferd 😉 ).

Tja, und genau das schätzte Aramis wohl auch so ein. Mit Anthony an seiner Seite ging er sofort auf den Neuankömmling los, der das einzig Richtige tat, nämlich zu fliehen. Und so zeigte sich auch die ersten Tage dasselbe Bild: Der Tinker wurde gejagt, nicht nur von meinen Jungs, auch von den anderen Pferden.

Aber, wer genauer hinsah, konnte auch bereits beobachten, dass die Flucht nicht aus Schwäche stattfand, sondern Teil der Strategie dieses Pferdes war. Echte Führer unter Pferden brauchen kaum zu kämpfen. Sie haben eine natürliche Autorität, die von den anderen Pferden akzeptiert wird. Und genau darauf verlässt sich der Neue.

Nach einigen Tagen konnte ich z.B. beobachten, wie Anthony zur Tränke ging und der Tinker ihn scheinbar zufällig (in Wahrheit aber natürlich sehr bewusst) begleitete. Er stellte sich schräg zur Tränke, scheinbar (aber natürlich in Wahrheit überhaupt nicht) beiläufig. Anthony irritierte das durchaus, dass der Neue da so ein Auge auf ihn warf und als er fertig war, drehte er sich mit dem Hintern zu ihm, um ihn zu vertreiben. Der Tinker wich keinen Zentimeter, worauf Anthony gleichsam mit den Schultern zuckte und ging.

Das war ein klassischer Führungssieg.

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24. Juni 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Verhalten 9 Kommentare »

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