Clickern in der Praxis: Inhalieren

Anthony ist leider Huster. Im Großen und Ganzen haben wir die Sache im Griff, aber in bestimmten Phasen (z.B. bei mehr Staub o.ä.) hustet er leider ziemlich doll. Dann hilft das vom Tierarzt empfohlene Inhalieren eines Medikamentes ganz gut. Dazu habe ich ein praktisches Plastikteil bekommen, mit dem man schnell und einfach (und vor allem ohne Strom) das Pferd ein Medikament inhalieren lassen kann – vorausgesetzt, es hält still.

Anthony ist ja nun nicht gerade für seine Kooperationsbereitschaft bekannt 😉 und hielt zu Beginn das Inhalieren für vollkommen unnötig und still zu halten war sowieso doof. Wie also sollte ich ihn dazu bringen, mitzuarbeiten? Denn erzwingen lässt sich mit dem Teil nichts, es wird nur angehalten, nicht fixiert. Was also tun? Ich probierte es mit dem Clickertraining – und zwar mit Erfolg.

Von Gegenwehr…

Typischerweise reagierte er auf die ersten Inhalationsversuche mit Kopfhochnehmen oder Wegdrehen:

inhalieren1Also clickerte ich zunächst jeden Moment, indem er den Kopf senkte. Ziemlich schnell blieb der Kopf recht zuverlässig unten.

Dann näherte ich mich mit dem Teil seiner Nase an und clickerte erst jede Berührung und dann nach und nach auch das immer längere Anhalten des Gummis. Und das klappte wirklich gut!

… zu Kooperation

Inzwischen gibt es kaum noch Diskussionen, sondern Anthony hält brav still und atmet durch den Gummitrichter das Medikament ein.

husten2Auf dem eher herkömmlichen Weg, also mit Strenge, Ermahnungen, Schimpfen und Halfterrucken hätte ich garantiert nie seine Bereitschaft gewinnen können, im Gegenteil: Da hätte er sich irgendwann einfach komplett entzogen. Das Inhalieren mit diesem Teil funktioniert aber wirklich nur, wenn das Pferd mitmacht, denn es es reicht schon, wenn das Pferd den Kopf kurz wegdreht, damit die Sache nichts mehr bringt.

Durch das Clickern ist das Inhalieren nicht mehr nur eine Lästigkeit, sondern Anthony hat es als etwas Angenehmes kennen lernen können. Ich kann es, wenn nötig, jederzeit auf dem Paddock ohne Hilfe machen, denn: mein Pferd arbeitet mit.

husten3

 

8. Juli 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Gesundheit 7 Kommentare »

 

7 Reaktionen zu “Clickern in der Praxis: Inhalieren”

 

Von Britta • 9. Juli 2014

Tolle Arbeit, ich bin immer erstaunt, was man so alles erclickern kann 🙂
Darf ich fragen, wie lange und wie viel ihr trainiert habt?
Meine alte Stute lässt sich partout nicht mit Fliegenspray einsprühen. Habe nun auch mit dem Clickern angefangen, wir tun uns aber sehr schwer und kommen nicht voran. Da müssen wir uns wohl noch mehr in Geduld üben und kleinschrittiger denken.

______________________

Hallo Britta,

das ging recht schnell. Schon innerhalb weniger Minuten hielt er seine Nase viel ruhiger hin.

Probier nicht gleich zu sprühen, sondern gewöhne das Pferd erst nur an die Flasche. Dann sprühst Du erstmal nur mit Wasser in die Luft und langsam näher ans Pferd. Erst wenn das Pferd dabei ganz locker bleibt, das richtige Fliegenspray nehmen (der Geruch ist für viele Pferde beunruhigend) udn auch hier erst weg vom Pferd sprühen und sich langsam annähern. Und schau Dir vielleicht auch dieses Video an. Da wird gezeigt, wie das Pferd erst die Fliegensprayflasche als Target kennenlernt und dann durch Berühren der Flasche dem Menschen das Zeichen geben kann, dass es bereit ist, weiter zumachen. Ich fand das sehr inspirierend!

Herzlich,
Tania

 

Von Manfred • 15. Juli 2014

Liebe Tania,

es freut mich total, dass ihr (Du und Dein Pferd) durch das Clickertraining auch so positive Erlebnisse sammelt. Da mach selbst das Verarzten auf einmal Spaß. 😉

Selbst Dinge, die den Pferden oftmals total viel Stress und Angst machen, lassen sich auf diese Weise wunderbar und mit Begeisterung erarbeiten. 🙂

Schön zu sehen, was es doch für alternative Wege gibt, all dieser Schwierigkeiten zu überwinden.

Liebe Grüße
Manfred

 

Von Hildegard Wiegand • 15. Juli 2014

Liebe Babette,
Du schreibst,daß man Kindern klarmachen muß, daß die Pferde sehr viel nur für sie tun.
Nicht nur für Kinder,auch für uns Erwachsene tun sie immmer wieder sehr viel ,was gegen ihre Natur ist. Dafür sollten wir jeden Tag dankbar sein und uns bei den Pferden bedanken.
So wurden sie z.B.noch nie gefragt,ob sie überhaupt geritten werden möchten.
Liebe Grüße
Hildegard

 

Von Anke Scharbatke • 15. Juli 2014

Hallo liebes „Wege zum Pferd-Team“,

auch ich habe eine sehr eigensinnige Islandstute die ziemlich genau weiß, was sie möchte und was nicht. Inhalieren mit einem Eimer um die Nase gehörte definitiv nicht dazu. Leider muss aber auch sie gelegentlich inhalieren. Da ich bei ihr aber schon des öfteren erfolgreich das Clickern eingesetzt habe, war das Inhalieren dann auch kein Problem. Innerhalb weniger Tage hat sie den selbstgebauten Eimer, das Handtuch zum Abdichten und das Zischen und Brummen des Inhaliergerätes akzeptiert. Inzwischen döst sie beim Inhalieren eine Runde und ist dabei völlig entspannt. Ich kann nur jedem empfehlen, es auf diesem Weg zu versuchen. Schimpfen und zu starker Druck brächte mich bei dieser Stute keinen Schritt weiter.

Liebe Grüße Anke

 

Von Alex • 16. November 2014

So ähnlich habe ich meiner Reitbeteiligung die „Ein-Nüsternmaske“ auch schmackhaft gemacht. Leider muss ich es bei jedem mal erneut „erklickern“. Trotzdem bin ich schneller fertig, als wenn er die ganze Zeit vor mir wegläuft 😉

Eigentlich war mein Ziel auch, ihm den Eimer schmackhaft zu machen. Aber irgendwie will das so gar nicht funktionieren. Sein Problem ist dabei weniger der Eimer als viel mehr, dass er da nicht rauskommt, wenn er will. Er setzt doch soo gerne seinen willen durch. Was mach ich denn da? Mit Eimer am Kopf kann ich ja nicht klickern und belohnen – und das rauskommen ist ja nicht gewollt.

Ich habe ihm auch schon ein bisschen Müsli in den Eimer getan. Quasi „indirektes Klickern“, hihi, aber auch das führte nicht zum Erfolg. Im Gegenteil. Er war richtig garstig, dass er zum kauen nicht raus kommen durfte. Groß genug ist der Eimer definitiv, denn er kann ja kauen. Hätte nur gerne seinen Willen und Freiraum… 😉

Diesbezüglich vllt. noch eine Idee? Schritt für Schritt?

Lg, Alex

 

Von Ellen • 29. Februar 2016

Hallo,
Da mein Pferd Asthma hat, muss ich auch von Zeit zu Zeit inhalieren. Da das Medikament bis tief in die Bronchien gehen muss, ist es immens wichtig, dass das Pferd freiwillig und entspannt mitarbeitet. Ich habe dazu meinem Pferd zunächst den Eimer gezeigt und immer wieder Möhrenscheibchen reingeworfen. So konnte sie freiwillig den Kopf reinstecken, nachdem das gut klappte, hab ich den Eimer umgehängt und immer Möhrenscheibchen rein; dann hab ich den Schlauch aufgesteckt, das fand sie ganz gefährlich, aber mit zureden und möhrchen könnte man das dann mal kurz aushalten. Man darf nicht vergessen, dass Pferde nur durch Nüstern atmen können und dann da noch was drüber zu streifen, wo diese Pferde u. U. eh schlecht Luft bekommen, ist schon seeehr viel verlangt. Hätte nicht gedacht, dass meine kopfscheue Stute das mal so entspannt mitmacht. Aber sie merken recht schnell, dass es hilft Also Schritt für Schritt lernt es bestimmt jedes Pferd.

Möchte aber an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass Husten bei Pferden fast immer Fütterungsfehler sind. Heu tränken oder bedampfen ist bei empfindlichen Pferden meist ein Leben lang unumgänglich. In den seltensten Fällen ist das Pferd erkältet, aber das hör ich leider immer wieder von Besitzern hustender Pferde.

Liebe Grüße, Ellen

Liebe Grüße an alle

 

Von Nadine • 3. März 2016

Auch meine Stute muss inhalieren, allerdings nur Kochsalzlösung. Ich benutze hierzu ein Inhaliergerät, einen Eimer, den ich ihr mit einem Strick umhänge, und ein Handtuch, um den Eimer halbwegs abzudichten.

Wir haben das anfangs zu zweit geübt, wobei die zweite Person den Eimer hingehalten hat. So konnte sie anfangs den Kopf immer rausziehen. Bald hat sie gelernt, dass im Eimer ein Leckerlie auf sie wartet und den Kopf von allein reingesteckt. Das war also nicht das Problem.

Sie hatte vor allem Angst vor dem Nebel, der aus dem Vernebler kommt, den ich in ein Loch im Eimer stecke. Also war es wichtig, zuerst den Vernebler anzustecken und dann den Schlauch anzuschließen, damit sie den Nebel nicht sieht.

Wir haben zwar nicht geclickert, aber viel gelobt, wenn sie still gehalten hat. Mit Stress und schimpfen kommt man bei sowas definitiv nicht weiter. Jetzt ist es Gewohnheit, und sie weiß, dass es ihr „Job“ ist, dafür zu sorgen, dass sie den Vernebler nicht an der Wand vom Eimer abstreift oder dass sie den Kopf nicht so stark herumschwenken darf, dass der Schlauch abgeht. Mit viel Geduld und Lob hat sie das alles schnell gelernt, und meine Stute ist immer recht misstrauisch und schreckhaft.

Liebe Grüße, Nadine

 

 

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