Nicos erster Kurs

So schnell melden wir uns wieder zurück (s. hier) – denn es gibt einiges zu berichten!

Im März war die Verhaltensbiologin und Buchautorin Marlitt Wendt für einen Trainingstag zum Thema Clickertraining bei uns auf unserm Hof. Petra, die den Kurs organisiert hat, sowie Alex und Nico waren mit von der Partie und so erlebte Nico seine Kurspremiere.

Es gab zwei Einheiten für unseren Nico, was hier auch als Film zu sehen ist.

Erste Einheit

Vormittags arbeitete Petra mit ihm und schnell kristallisierten sich zwei Themen heraus: Stress und Signalkontrolle.

Marlitt machte gleich zu Beginn sehr deutlich, dass das Clickern ein sehr machtvolles Instrument ist, welches beim Pferd einen sehr hohen Stresslevel erzeugen kann. Reagiert ein Pferd mit Übergriffigkeiten,  so sind im Vorfeld Fehler beim Training gemacht worden. Oft werden zum Beispiel viel zu wenig Ruhepausen in einer Einheit gemacht.

Und genau das wurde uns in unserer Arbeit mit Nico auch klar: dass wir mehr Pausen einbauen müssen. Bisher war es so, dass, wenn wir etwas mit Nico gemacht haben, wir meist oder fast immer an irgendwelchen Lektionen oder Aufgaben gearbeitet haben. Dabei gab es wenig Entspannungspausen, da uns nicht so richtig bewusst war,

  • wie wichtig diese sind und
  • wie wir sie Nico anbieten können.

Pausen hießen bisher, dass wir uns aus der Halle zurückgezogen haben. Nico kam dann hinterher, rempelte, nervte und biss in die Bande etc. Daraus schlossen wir, dass eine Pause für ihn nicht notwendig ist, da er sich in der Pause nicht wohlfühlt und er einfach weiterspielen möchte.

Nun kam ein ganz neuer Gedanke von Marlitt: Pausen bedeuten nämlich, dass man einfach nur miteinander da ist. Dass man nichts „tut“, sondern einfach nur „ist“. Genau das ist für Pferde sehr wichtig, sie können Stunden damit zubringen, einfach nebeneinander zu sein. Und dieses „einfach nur sein“ hat  eine ganz besondere Qualität.

Als Ruhezone wurde mit Stangen ein Quadrat gelegt, das die Pausen räumlich ankündigt und später dann auch wie ein Ruheanker wirken kann, wenn das Pferd oft genug erfahren hat, dass in diesem Quadrat etwas sehr Schönes stattfindet.

n2Wichtig: in dem Quadrat wird nicht (!) geklickert. Wir suchten uns die Lieblingskraulstellen beim Pferd und versuchten zu entspannen und eben wirklich nichts zu wollen. Sehr deutlich merkte man bei den Pferden, die sich auf diese Art der Ruhe einließen, dass sich ihr Ausdruck veränderte und sie in sich fühlten. Und auch für uns Menschen sind die Pausen ganz wichtig, denn unbewusst setzen wir uns (und damit auch unsere Pferde) oft ganz schön unter Erwartungsdruck. Da tut es gut, einfach mal nur ein bisschen zu sein. 🙂

Uns wurde in diesem Zusammenhang auch klar, dass wir den Erregungslevel bei Nico permanent auf einem doch recht hohen Niveau gehalten haben. Und so verwundert es eigentlich nicht, dass es deshalb auch immer mal wieder zu kleinen Übergriffigkeiten kommen musste. Wir werden also ab sofort ganz gezielt Ruhepausen einlegen und schauen, wie sich das gerade auf die kleinen Problempunkte wie Schnappen und Rempeln auswirken wird.

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1. April 2014 von Babette Teschen • Kategorie: Clickertraining, Jungpferdausbildung 9 Kommentare »

Nicos Ausbildungsweg – der zwanzigste Monat

20 Monate lang haben wir hier nun die Ausbildung von unserem Nico dokumentiert.

Anlass für uns, einmal ein bisschen zurückzuschauen: 

  • Erinnern Sie sich noch, wie Nico im Juni 2012 komplett roh bei uns ankam?
  • Wie wir praktisch bei Null anfingen und er erstmal lernte, sich führen und anfassen zu lassen?
  • Wie schwierig die Sache mit dem Hufegeben war?
  • Dass er lernen musste, uns nicht zu beißen oder zu treten?
  • Wie wir ihn mit dem Clickertraining vertraut machten und so seine Motivation für all die vielen Dinge wecken konnten, die wir mit ihm vorhatten?
  • Wie er das Podest eroberte und lernte, Gegenstände zu apportieren?
  • Wie er gruselige Dinge kennenlernte und uns immer mehr vertraute?
  • Wie er lernte, korrekt an der Longe zu gehen?
  • Welch ein Meister er in Sachen Freiarbeit geworden ist?
  • Wie wir ihn als Handpferd mit ins Gelände nahmen?
  • Erinnern Sie sich auch an seine ersten Male unter seiner Reiterin Alex?
  • Erinnern Sie sich an seine eigenen Ideen und Einfälle, mit denen er uns immer wieder überrascht hat?
  • Und was wir sonst noch alles in den 20 gemeinsamen Monaten erlebt haben?

All das und vieles, vieles mehr haben wir hier Monat für Monat im Blog mit Ihnen geteilt – hier nachzulesen.

Mit diesem 20. Monat in Nicos Ausbildung möchten wir danke sagen für all das, was wir durch dieses Projekt lernen durften. Für uns war diese „öffentliche Ausbildung“ ein sehr lehrreiches Experiment. Wir wurden von und mit Nico an unsere Grenzen und auch darüber hinaus geführt. Wir konnten vieles von dem, was wir uns wünschten, umsetzen, an anderem sind wir gescheitert. Manches hat länger gedauert als gedacht, anderes ging schneller. Wir haben unendlich viel erreicht und manches auch nicht.

Und dass all das vollkommen normal ist, wollten wir hier immer wieder vermitteln. Keine Ausbildung ist gleich, denn jedes Pferd ist anders und jede Pferd-Mensch-Kombination auch. Wir sind sicher: je individueller ein Pferd ausgebildet wird, desto gerechter kann ihm diese Ausbildung werden.

Ab jetzt geht es in unregelmäßigen Abständen weiter

Wir haben uns entschieden, die Regelmäßigkeit der monatlichen Beiträge an dieser Stelle zu beenden, denn der Anspruch, hier weiterhin pünktlich jeden Monat Interessantes und immer Neues bieten zu müssen, setzt uns inzwischen alle etwas unter Druck. Wie in jeder Ausbildung haben auch wir Lern-Plateau-Phasen, in denen einfach nicht viel Neues passiert, sondern Altes gefestigt wird oder es sogar Rückschritte gibt. Aber, keine Sorge: Natürlich werden wir Sie über besondere Entwicklungen bei unserem Nico auf dem Laufenden halten. 🙂

Nico wird in diesem Jahr 5 und hat jetzt einen soliden Grundausbildungsstand, an dem Petra und Alex weiterhin feilen werden. Noch ist er nicht das Reitpferd, das die beiden als Zielbild im Kopf hatten, aber dafür kann er in anderen Bereichen unendlich viel mehr, als wir zu hoffen gewagt hatten. Es gibt noch immer einige Problemfelder, an denen wir arbeiten müssen und auch noch viel, was es zu lernen gibt. Der selbstbewusste Kerl fordert und fördert uns täglich und wir sind gespannt, wo es uns noch hinführen wird.

Fürs Erste haben wir noch ein schönes Video von Petra und Nico bei der Arbeit nach dem Longenkurs – viel Spaß dabei!

Nico sagt Tschüss und bis bald!

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4. März 2014 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung 7 Kommentare »

Nicos Ausbildungsweg – der neunzehnte Monat

Nico und seine Kumpels sind gut ins neue Jahr gekommen, wenngleich sein Start etwas humpelnd war. Wahrscheinlich hat er sich wieder einmal zu wild mit Ronni und Pepe gebalgt. Zum Glück haben wir ja Patrizia Harneit bei uns, die gleich Hand anlegte und Nico schnell wieder auf die Hufe brachte.

11In diesem Monat haben wir wieder den Schwerpunkt auf die Grundlagenarbeit gelegt. Im Alltag wird man schnell wieder luschig und das rächt sich bei unserem Nico prompt. So war er wieder bei manchen Sachen etwas unleidlich. Geht ihm z.B. etwas nicht schnell genug oder versteht er nicht, was wir von ihm möchten, wird er gerne rempelig und schnappig. Deswegen haben wir an seiner Geduld gearbeitet. Dazu haben wir ihm eine Frisbee-Scheibe als Target zum Berühren mit der Nase hingehalten und streng darauf geachtet, dass er das Ziel nur berührt, wenn wir das Kommando dazu geben. Für ein übereifriges und ungeduldiges Pferd ist das eine sehr schwere Aufgabe!

gtAuch an einem weiteren Problem haben wir zielgerichtet gearbeitet: Nico schnappt immer mal wieder nach der Hand, wenn wir uns dichter seinem Kopf nähern, z.B. beim Zügel aufnehmen bei der klassischen Handarbeit. Das nervt! Deswegen versuchen wir jetzt das Thema mittels Clickertraining hoffentlich endgültig in den Griff zu bekommen. Petra geht kleinschrittig mit der Hand am Strick hoch und wenn Nico dabei nicht schnappt, gibt es Click und Belohnung (C+B).

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell Nicos Verhalten sich verbessert, wenn wir wieder klar und eindeutig mit ihm sind. Er fordert das tatsächlich zu 100 % von uns. Wo man bei anderen Pferden schon mal Fünfe gerade sein lassen kann, geht das bei unserem Nico sofort ins Negative. Da ist er ein prima Lehrmeister für uns. 🙂 

00 Als Ausgleich für die anstrengende Konzentrationsarbeit durfte Nico dann noch etwas Freihüpfen und hatte dabei ordentlich Spaß. 🙂

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01Und hier gibt es, wie immer, das Ganze auch als Film anzuschauen.

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21. Januar 2014 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung 11 Kommentare »

Nicos Ausbildungsweg – der achtzehnte Monat

Letzten Monat hatten wir ja bei Nico eine Blockade im Becken gefunden, die unsere osteopathische Physiotherapeutin Maike Knifka behandelt hat. Alex und Petra haben brav die Hausaufgaben gemacht, die Maike ihnen aufgegeben hatte, wozu vor allem das Geradeaus-Laufen im Gelände gehörte. So konnten wir nach und nach deutlich eine Verbesserung beobachten. Mittlerweile ist Nicos Gang wieder viel besser und wir beginnen nun langsam damit, Nico wieder „normal“ zu arbeiten, wozu erst einmal wieder vor allem das Training an der Longe gehört.

Petra und Alex haben darüber hinaus an der Verfeinerung von Übungen gefeilt, die Nico schon kann und die er nun in wirklich schöner Manier ausführt. Besonders schöne Einheiten gibt es in der Freiarbeit. Hier ist mittlerweile eine so feine Kommunikation entstanden, dass das Zuschauen einfach nur eine wahre Freude ist. Hier gibt es einen Film, mit dem Ihr Euch selbst davon überzeugen könnt. 🙂

Und von einem besonderen Ereignis möchte ich noch berichten:

Petra und Alex waren mit Nico spazieren. Sie unterhielten sich gerade darüber, wie toll das mittlerweile mit Nico klappt, als Nico sich wegen eines Hundes, der aus einem Gebüsch sprang, doll erschrak. Er riss sich los und lief über ein Feld Richtung Heimat davon … Petra und Alex riefen Nico und was machte der coole Typ? Er drehte im Galopp um und lief zu seinen beiden Frauen zurück, stoppte vor ihnen und so konnten die drei wieder zusammen zurück nach Hause marschieren.

Mich hat dieses Ereignis wirklich beeindruckt! Ich sehe ja bei jeder gemeinsamen Einheit, wie stark die Verbindung zwischen den dreien ist, aber das ein flüchtendes Pferd auf Zuruf zu seinen Menschen läuft anstatt zurück zum Hof und seiner Herde, das empfinde ich schon als einen sehr, sehr großen Vertrauensbeweis und als ein riesiges Kompliment für Petra und Alex.

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10. Dezember 2013 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung 7 Kommentare »

Nicos Ausbildungsweg – der siebzehnte Monat

Letztens habe ich ja an dieser Stelle von der unschönen Premiere berichtet, dass Nico Alexandra kurz nach dem Aufsitzen abgebuckelt hatte. In der darauffolgenden gemeinsamen Einheit wollten wir dann noch mal in Ruhe schauen, ob es tatsächlich der neue Sattel war, der Nico zum Rodeopferd mutieren ließ. Deswegen sattelten wir Nico wieder mit dem „Unglückssattel“ und wollten zunächst etwas Handarbeit damit machen. Dabei fiel uns sehr bald auf, dass Nico nicht normal ging. Er trat nicht gleichmäßig mit der Hinterhand. Die rechte Hüfte sah höher aus, den Schweif trug er schiefer als sonst und er fiel auch nicht so entspannt, wie er es normalerweise tut. Unsere Vermutung war, dass Nico eine akute Blockade hat, und so entschieden wir Maike Knifka zu Rate zu ziehen. Maike ist osteopathische Physiotherapeutin und unterrichtet ebenso wie Petra und ich nach dem Longenkurs. Maike war gerade im wohlverdientem Urlaub, so konnte sie leider nicht sofort kommen, aber kaum wieder daheim, kam sie und sah sich unseren Nico genauestens an.

Tja, wer guckt hier eigentlich wen an?

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Die Untersuchung beginnt:

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4Maike bestätigte, was wir schon vermutet haben: Nicos Becken steht nicht gerade.

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Toll war, dass Maike ein Becken mitgebracht hatte und uns mit diesem zeigen konnte, wie Nicos Becken gekippt ist:

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Nico darf natürlich auch mal gucken. 🙂

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Dann folgte die Behandlung:

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Zwischendrin guckte Maike sich Nico immer wieder in der Bewegung an.

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Und das Ganze gibt es natürlich auch wieder als Film.

Hier noch zusammengefasst Maikes Befund:

„Mein Eindruck ist, dass Nico sein rechtes Hinterbein aufgrund einer deutlich tastbaren Verspannung im hinteren Teil des langen Rückenmuskels (und anderen beteiligten Muskeln der Oberlinie) verkürzt vorführt und wenig kraftvoll damit abschiebt. Die Beweglichkeit der rechten Beckenseite ist damit eingeschränkt und auch die in der Bewegung von hinten erkennbare Beckenasymmetrie hängt damit zusammen, da Nico durch die rechtsseitig vermehrte Muskelspannung das gesamte Becken leicht verschoben nach vorne/oben fixiert. Diese Unregelmäßigkeit in der Bewegung wird von hinten natürlich auch nach vorne übertragen und „stört“ den bei allen Pferden sensiblen Bereich des Übergangs von der Hals- zur Brustwirbelsäule, bei dem die Wirbelsäule einen recht scharfen Knick beschreibt. Darüber hinaus wird dieser Übergang auch dadurch etwas mehr als sonst beansprucht, da Nico durch seine kleine Einschränkung im Hinterhandbereich seine Sicherheit bietende Vorhandlastigkeit verstärkt. Somit wirkt sich eine meiner Ansicht nach harmlose Verspannung an der einen Stelle auf verschiedene Art und Weise auf den gesamten Pferdekörper aus, bis ganz nach vorne zum Atlas, der dieselbe leichte Fehlstellung eingenommen hat, wie das Kreuzbein und das Becken. Ursache für dieses verspannte Muskelareal könnte durchaus auch die heftige Gegenwehr gegen den Sattel gewesen sein. Da Nicos Einschränkung einseitig ist, ist es logisch, dass sich die Auswirkungen daraus viel mehr auf dem Kreis zeigen als auf der Geraden. Eine Manifestierung erfolgt daher wahrscheinlich auch intensiver durch die Longenarbeit, weswegen ich euch so viel Bewegung auf der Geraden/ im Gelände wie möglich empfehle.“

Und damit sehen wir uns mal wieder darin bestätigt, dass Pferde einen Grund haben, wenn sie „widersetzlich“ sind und das statt Strafen immer eine Ursachenforschung betrieben werden muss.

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12. November 2013 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung 4 Kommentare »

Eine Nicopremiere, die wir uns gerne erspart hätten …

Jeden Monat lesen Sie hier im Blog, welche tollen neuen Sachen unser Jungpferd Nico wieder gelernt hat. Eine Premiere folgt der nächsten und in der Regel sind sie alle wundervoll. Aber manchmal erleben wir auch Premieren, auf die wir sehr gerne verzichtet hätten, so z.B. die, als Alex einen ordentlichen Abgang von Nico gemacht hat … 

Da wir hier ehrlich und offen über alle Aspekte der Jungpferdausbildung berichten möchten und vor allem auch auf Fehler hinweisen wollen, die vermeidbar sind, haben wir uns entschieden, auch dieses Erlebnis ausführlich zu schildern: 

Nico zeigte sich bisher unter seiner Reiterin Alex immer total cool. Nie bekam er Sorgenfalten um die Augen, wenn sie auf ihm saß, er verspannte sich nicht, er erschrak während keiner der Turnübungen, die Alex auf ihm machte und wenn er sich mal vor einem Geräusch oder Ähnlichem erschreckte, zuckte er maximal etwas zusammen, aber er schoss nie los und buckelte auch nie. So fühlte sich Alex schon nach ein paar Einheiten sehr sicher auf Nico und das Vertrauen auf beiden Seiten ist sehr groß.

Bisher wurde Nico immer nur entweder mit einem Sattelpad oder mit einem von meinen baumlosen Sätteln geritten. Nun war es aber so weit, dass Nico seinen eigenen richtigen Sattel bekommen sollte. Petra bestellte also den Sattler unseres Vertrauens und ließ für Nico einen Sattel mit Baum anpassen. Was dann passierte, lesen Sie hier in Petras Tagebucheintrag:

Wir waren so gespannt, wie sich der neue Sattel anfühlt, dass wir heute nach der Arbeit zu Nico fuhren. Erstmal machten wir etwas Longenarbeit mit ihm, um zu sehen, wie er stimmungsmäßig drauf war. Er wirkte motiviert, ausgeglichen und zufrieden. Also legten wir ihm den Sattel auf den Rücken und (und das war unser Fehler!!!!) Alex stieg auch gleich auf. Ich wollte noch die Aufstieghilfe hinter das Cavaletti stellen,  da spielte Nico bereits wilde Sau. Ich habe noch nie ein so buckelndes Pferd gesehen. Er hörte auf nichts mehr, war mit allen Vieren in der Luft und buckelte und buckelte. Es sah fast aus wie bei einem Rodeo im Fernsehen.

Alex fiel relativ schnell von Nico herunter, glücklicherweise ist ihr nichts passiert. Ich hatte vorher noch Helm und Weste eingepackt, wie gut! Keine von uns weiß mehr, wie sie gefallen ist, aber sie hatte keine Verletzungen. Nico buckelte selbst dann weiter, als Alex bereits unten war. Er nahm nichts mehr wahr, war nur bestrebt, das fürchterliche Ding auf seinem Rücken loszuwerden. Irgendwann hielt er dann an und wir nahmen den Sattel ab. Das Ganze war für uns alle ein übles Erlebnis.

Erstaunt hat mich dann Alex, denn sie wollte unbedingt, dass wir noch Babettes Sattel auflegen und sie wollte erneut aufsteigen. Wir longierten Nico also erstmal noch ein bisschen und legten ihm dann den bekannten, baumlosen Sattel auf. Noch einmal longierten wir Nico einige Runden (mit dem Sattel). Dann stieg Alex auf und ich habe beide im Schritt noch einige Runden geführt. Das war dann für uns alle ein guter Abschluss.

Ich kann nur hoffen, dass uns nie etwas Schlimmeres passieren wird. Ich hatte in diesem Moment so eine wahnsinnige Angst um meine Tochter. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie es hätte ausgehen können.

Was war nur passiert?

Hat Nico plötzlich seine „Widersetzlichkeit“ entdeckt? Nein, mit Sicherheit nicht!

Petra und Alex haben nur nicht bedacht, dass sich dieser Sattel mit Sicherheit für Nico komplett anders anfühlte, als alles, was er bisher auf seinem Rücken hatte und auch sonst war einiges anders als gewohnt.

  • Normalerweise hatten wir ihn an alles Neue immer in ganz kleinen Schritten herangeführt, dieses Mal aber wurde genau das ausgelassen.
  • Normalerweise wurde Nico immer vor dem Reiten etwas laufen gelassen, um sich auszutoben, und er wurde dann immer erst mit dem Sattel auf seinem Rücken longiert.
  • Normalerweise hat Petra Alex nach dem Aufsteigen immer noch einige Runden geführt und ist dann mehr und mehr auf Abstand gegangen, um irgendwann dann die Longe abzumachen.

Wie das aber so ist: Irgendwann geht man davon aus, dass man dieses Prozedere nicht mehr braucht und wird nachlässiger. Zwei kleine, aber wichtige Schritte, nämlich Nico zuerst mit dem neuen Sattel zu longieren und Alex damit zu führen, wurden ausgelassen und das ging prompt in die Hose …

Nico hat sich bei der Aktion mit Sicherheit mindestens ebenso erschrocken wie Alex und Petra. Nico wollte Alex NICHT loswerden, weil er nicht geritten werden will oder weil er „ungezogen“ oder „bockig“ war. Man merkt Nico deutlich an, dass er mit dem Reiten nichts Negatives verbindet und keinen Widerwillen dabei empfindet, im Gegenteil. Nico guckt mit offenen, runden Kulleraugen und vermittelt uns das Gefühl, dass er das Reiten als ein weiteres lustiges Spiel mit uns ansieht.

Viele Menschen hätten Nico nach so einer Aktion wahrscheinlich gestraft, aber das wäre grundfalsch gewesen! Petra und Alex haben es genau richtig gemacht: Sie sind wieder zu etwas Bekannten gegangen, haben noch in Ruhe etwas mit Nico gearbeitet und da die Situation dann wieder entspannt war, stieg Alex noch mal kurz auf. So hat sich das Erlebnis zum Glück weder bei Nico noch bei Alex negativ festgesetzt. In der Zwischenzeit ist Alex auch schon wieder „ganz normal“ geritten und Nico war wieder genauso entspannt und brav wie die Male davor.

Wir sind uns alle einig: Das war eine Premiere, die wir nicht wiederholen wollen! Aber wir haben auch wieder etwas Wichtiges von unserem Nico gelernt: nämlich dass man nichts als selbstverständlich nehmen darf.

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22. Oktober 2013 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung 12 Kommentare »

Nicos Ausbildungsweg – der sechzehnte Monat

Im letzten Monat hatten wir Nico ja schon mal mit Luftballons konfrontiert. Bereits in der zweiten Einheit hat uns Nico mal wieder gezeigt, was für eine coole Socke er ist: Der Knall der zerplatzenden Ballons hat ihm kaum noch ein Zucken entlockt. So haben wir ihn an fliegende Luftballons gewöhnt und hatten dabei eine Menge Spaß. 🙂

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n4Nur fand Nico bald heraus, dass wir sehr begeistert davon sind, wenn er den Luftballon zum Platzen bringt und damit war das neue Lieblingsspiel für Nico klar: Luftballons killen!n6n7

Neben dem Spiel haben wir dann noch weiter an Nicos Ausbildung zum Reitpferd gearbeitet. So übte Alex mit ihm das ruhige Stehen an einer Aufstiegshilfe, während sie von beiden Seiten auf- und abstieg:

1n2Beim Reiten trabte Alex das erste Mal auf Nico leicht:

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Petra longierte Nico auf dem Reitplatz:

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2… und feilte weiter an der Handarbeit, Freiarbeit und Beziehungspflege. 🙂

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Wir finden, Nico wirkt langsam richtig erwachsen, findet Ihr nicht?

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Na ja, … manchmal jedenfalls. 😉

Und wenn Ihr wissen möchtet, wie Nico es schafft, seine Frauen total glücklich zu machen, dann schaut Euch diesen Film bis zum Ende an!

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8. Oktober 2013 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung 7 Kommentare »

Nicos Ausbildungsweg – der fünfzehnte Monat

Nico hat dadurch, dass Petra, Alex und ich momentan sehr viel um die Ohren haben, mehr oder weniger eine Zwangspause. Warum schreibe ich „Zwangspause“, obwohl ich normalerweise ausdrücklich Pausen in der Jungpferdausbildung rate? Weil Nico die Welt nicht mehr versteht, wenn Petra und Alex nichts mit ihm machen, und enttäuscht und frustriert reagiert.

Ja, eigentlich empfehle ich, einem Pferd während seiner Ausbildung längere Pausen zu gönnen, in der das Jungpferd einfach noch mal nur Pferd sein darf und sich das Gelernte in Ruhe setzen kann. So eine Pause darf gerne ein halbes Jahr oder länger dauern. Und eigentlich haben wir auch die besten Voraussetzungen für so eine schöne Pause: Nico steht mit seinen Kumpels auf der Sommerweide und könnte einfach sein faules Leben genießen. Aber sobald er Petra oder Alex kommen sieht, rennt er voller Begeisterung zum Tor und ist offenkundig enttäuscht, wenn sie ihn nicht rausholen und bespaßen. Für Nico ist die „Arbeit“ eben keine Arbeit, sondern ein wunderbares Spiel, bei dem er Zuwendung und Bestätigung bekommt und viel Freude hat. Ich stelle mir das ganz ähnlich vor, wie wenn ich einem 6-jährigen Kind die tägliche Spielstunde entziehen würde als „Belohnung“ für seine tolle Entwicklung – kaum ein Kind würde sich wohl darüber freuen, oder?

Nach wie vor bin ich grundsätzlich für das Einbauen einer Trainingspause, aber auch hier gilt, wie bei allem anderen auch: Man muss es individuell sehen und je nach Einzelfall entscheiden. Nicht immer ist das, was für die meisten gut und richtig ist, für das eigene Pferd ebenso gut und richtig. Und so machen wir, wenn unsere Zeit es zulässt, doch immer mal wieder eine Einheit mit unserem Nico.

Einige von Euch mögen sich vielleicht fragen, warum wir beim Reiten noch nicht weiter sind. Immerhin sind andere Pferde nach ein bis zwei Monaten Beritt ja schon fast turnierfertig … Das Schöne an unserem Ausbildungsweg ist für uns: Wir haben Zeit! Das Reiten ist kein Schwerpunkt unseres Weges, im Gegenteil. Noch können wir die Male, die Alex auf Nico saß, an zwei Händen abzählen. Wir möchten, dass Nico es zwar schon kennenlernt, dass ein Mensch auf ihm sitzt, und wir vermitteln ihm auch nach und nach die Hilfengebung von oben, aber das „richtige“ Reiten ist noch nicht unser Ziel.

Wir wollen Nico viel Zeit geben, seinen Geist und seinen Körper zu entwickeln. Nico ist jetzt 4,5 Jahre alt. Noch sind nicht alle Wachstumsfugen geschlossen, sein Körper sollte also noch nicht lange mit Gewicht belastet werden. Wir möchten Nico trotz eines Reitpferd-Daseins ein langes, gesundes Leben schenken und dafür ist eine späte Belastung durchs Reiten für mich eine Grundvoraussetzung. So werden wir auch in den nächsten Monaten weiterhin viel vom Boden aus mit Nico „arbeiten“. Zum Glück gehen uns bei der unendlichen Vielzahl an tollen Dingen, die man vom Boden aus mit einem Pferd machen kann, die Ideen noch lange nicht aus. 🙂

Hier folgen nun noch einige Bilder aus diesem Monat und der übliche Film ist hier anzusehen.

Dehnübungen mit Handtarget

Petra übt mit Nico Dehnübungen des Halses über die Führung mit dem Handtarget:

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n2n3Super macht er das!

Bei der Dehnung von Schulter- und Hinterhandmuskulatur muss Petra allerdings selbst anpacken:

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Langzügel

Es folgt die erste Einheit am langen Zügel:

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Und ein Extra: die Knallgewöhnung

Ein unerfreuliches Thema macht es sinnvoll, Nico an Knallgeräusche zu gewöhnen. An unsere Weide grenzen von zwei Seiten Maisfelder. In diesen Maisfeldern halten sich gerne Wildschweine auf. Leider drücken die Jäger regelmäßig die Felder durch und so wird teilweise in unmittelbarer Nähe der Pferde, ohne auf diese Rücksicht zu nehmen, geschossen. Unsere Pferde sind fast alle Profi-Luftballonzerknaller und durch etliche Silvester im Offenstall relativ schussfest, nur Nico kennt so eine Knallerei noch nicht. Also wollen wir auch aus Nico einen Luftballonzerknaller machen und bereiten ihn auf seine neue Aufgabe vor.

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Zunächst haben wir einen Luftballon an eine Peitsche gebunden und lassen den Luftballon vor Nico weichen. So verliert er schnell seine Skepsis davor und sieht den Luftballon als Target.

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Dann lassen wir in etwas Entfernung Luftballons zerplatzen. Die ersten Male erschrickt Nico, aber ein paar Knaller später bleibt er schon ruhig stehen.

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Nach der Aufregung darf Nico noch zur Entspannung etwas  Teppich ausrollen – ein sehr beliebtes Spiel. 🙂

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10. September 2013 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung 4 Kommentare »

Nicos Ausbildungsweg – der vierzehnte Monat

Der Juli war sehr heiß und leider komplett bremsenverseucht. Die Pferde trauten sich kaum auf die Weide, die sich am Waldrand befindet, und standen fast nur auf dem Paddock, wo sich weniger dieser lästigen Biester aufhalten.

Auch Nico ging deshalb zur Bremsenabwehr den Modetrend dieser Saison mit: Der Zebralook.

n1Bei dem Wetter kommt eine kleine Abkühlung gerade recht:

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 Nico lernt, seine Beine bewusst zu setzen:

n4n5n5Und zeigt, dass auch Zebras schön an der Longe laufen können:

n3n4Petra etabliert weiter die Zügelhilfen vom Boden aus:

n6Und bringt Nico ein Haltesignal mit dem Halsring bei:

n7Nico bekommt langsam einen schönen Hals, findet Ihr nicht?

Gerne wollten wir Nicos musikalisches Talent fördern. Wir dachten daran, ihn „Alle meine Entchen“ mit einer Fahrradtröte hupen zu lassen. Leider überlebte die Tröte nur die ersten Akkorde … 😉

n8Und hier könnt Ihr auch diesen Monat wieder in bewegten Bilder sehen.

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20. August 2013 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung 6 Kommentare »

Nicos Ausbildungsweg – der dreizehnte Monat

Nico genießt das Leben mit seinen Kumpels auf der Weide.

In diesem Monat hatten wir in der Region ein schlimmes Hochwasser und so haben ein paar Tiere bei uns auf dem Hof Unterschlupf gesucht. Darunter auch eine kleine Herde von 30 Schafen. Ich weiß nicht, warum Schafe so gruselig auf Pferde wirken, aber trotz der Versicherung unsererseits, dass wir es hier mit Vegetariern zu tun haben, die wirklich keine Pferde essen, waren all unsere Pferde sehr zögerlich den kleinen Wolltieren gegenüber. Für uns war das natürlich eine prima Gelegenheit, mit Nico zu üben und so haben wir den Schafen den einen und anderen Besuch abgestattet.

Hier liegen sie noch alle friedlich im Schatten ihres Anhängers:

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Nico guckt sich das Ganze aus sicherer Entfernung an. Ganz sicher ist er sich noch nicht, ob er lieber flüchten möchte oder doch mal näher ran gehen sollte?

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Alex fragt Übungen wie das Kopf tief, Bein hoch und verschiedene Kopftargets ab.

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Nico macht mit und entspannt Stück für Stück immer mehr.

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Die Schafe sind mittlerweile auch munter und kommen gucken, was wir so treiben.

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Mittlerweile hat Nico sich schon ganz mutig bis an den Zaun getraut.

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Und schaut den Wollknäulen tief in die Augen 🙂

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So ein tapferes Pferd!

Dann trafen wir Vorbereitungen für den ersten „Ausritt“:

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Okay,  „Ausritt“ ist vielleicht noch etwas übertrieben, aber immerhin sind wir wieder einen großen Schritt vorangekommen: Babette hat den gesattelten Nico als Handpferd mit in den Wald genommen. Als er schön entspannt war, hat sich Alex für ein paar Minuten auf ihn gesetzt. Und das hat er prima mitgemacht! Zu gerne würden wir das jetzt öfter wiederholen, aber leider sind zur Zeit die Bremsen so schlimm unterwegs, dass sie uns den Gang in den Wald gründlich vermiesen.

Dafür gab es für Nico dann die erste Einheit an der Doppellonge:

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Und all das ist natürlich auch wieder im Film anzuschauen: hier klicken! 🙂

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9. Juli 2013 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung 2 Kommentare »

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