Sie merken es eh…

Immer wieder kann man solche  Tipps lesen und hören:

  • „Du musst souverän sein, damit Dein Pferd Dich akzeptiert!“
  • „Du darfst keine Angst haben, Dein Pferd muss sich sicher bei Dir fühlen können.“
  • „Es ist wichtig, dass Du Gelassenheit ausstrahlst, wenn Dein Pferd nervös ist.“
  • „Lass Dir den Stress, den Du sonst hast, nicht anmerken.“
  • „Werde niemals wütend oder ungeduldig mit Deinem Pferd!“

Klingen alle gut und richtig, das Problem ist nur: sie funktionieren in der Regel nicht, weil wir damit gegen die Wirklichkeit ankämpfen, also gegen das was ist und gegen uns selbst. 

Und, mehr noch: Pferde merken eh alles.

Wir können einem Pferd Souveränität nicht vorspielen, genauso wenig wie wir uns gelassen geben können, wenn wir es nicht sind und unseren Stress können wir auch nicht verbergen. Pferde merken unsere Sorgen genauso wie unsere Ängste, sie spüren unsere Nervosität, unseren Frust und unsere Traurigkeit und sie spüren, wenn wir unzufrieden sind oder wütend oder aggressiv. 

Beispiel „Angst“

Ein sehr typisches Beispiel aus meinen Coachings ist das Thema „Angst“. Ich werde oft gerufen, weil der Mensch seine Angst besiegen will. Statt dann aber etwas gegen die Angst zu tun, gebe ich ihr erst einmal Raum. Angst, wie jedes Gefühl, hat Gründe und bevor wir uns nicht wenigstens ein Stück weit mit diesen Gründen befassen, können wir das Problem nicht lösen.

Wer Angst vor seinem Pferd hat, überfordert sich sehr oft selbst und verlangt von sich etwas, zu dem er eigentlich nicht bereit ist. Das zu erkennen und sich zu erlauben, eben im Moment zum Beispiel nicht zu galoppieren oder eben nicht auszureiten und statt dessen etwas zu tun, was sich gut und sicher anfühlt, schenkt Erleichterung und die Chance, Gutes zu erleben.

Wir sind so sehr darauf geeicht, ständig „an uns zu arbeiten“, dass wir ein Stück weit verlernt haben, auch Mitgefühl mit uns zu entwickeln. Keine Frage, Angst ist kein schönes Gefühl und der Impuls, sie einfach weghaben zu wollen, ist verständlich, aber nicht hilfreich. Sich selbst mit seiner Angst wirklich wahr- und ernstzunehmen, bedeutet, sich sich selbst zuzuwenden und für sich da zu sein. Gerade bei der Angst macht es Sinn, sich ernst zunehmen, denn Angst will uns vor etwas schützen. Im Kontakt mit der Angst können wir überhaupt erst unseren ganz eigenen Weg zu mehr Sicherheit und Selbstvertrauen finden; sie einfach überwinden zu wollen, sorgt in der Regel für ein Mehr an Angst. 

Mit unseren Gefühlen arbeiten und nicht gegen sie

Und das gilt für so ziemlich jedes Gefühl! Stress lässt sich genauso wenig wegwünschen wie Angst, Wut genauso wenig wie Ehrgeiz oder Ungeduld.

Für mich gilt für jedes „Problem“, das wir Menschen an uns weghaben wollen, dass wir es erst einmal wirklich wahrnehmen und so gut wie möglich verstehen sollten, damit wir dann damit und nicht dagegen arbeiten können. 

… und das gemeinsam mit dem Pferd!

Wenn wir dazu bereit sind, dann gewinnen wir in unserem Pferd fast immer einen echten Partner und Coach.

Je ehrlicher wir mit uns selbst sind, desto authentischer wird uns unser Pferd wahrnehmen und desto leichter wird es ihm fallen, den Prozess auf eine gute Art mitzugestalten. Pferde haben grundsätzlich kein Interesse daran, Stress zu erhöhen oder Angst zu verstärken. Sie wollen uns nicht ärgern oder noch unzufriedener machen, sondern viele von ihnen sind bestrebt, die Situation zu verbessern oder sie zumindest nicht noch zu verschlechtern. Nur oft senden wir so viele verschiedene Signale und sind in unserem Verhalten oft so unwirsch oder auch unfair, dass Pferde gar keine Chance haben, auf das eigentliche Problem zu reagieren.

Wir können nicht nur nichts vor Pferden verstecken, wir sollten es auch gar nicht versuchen, denn die auf diese Weise verzerrten, übertünchten und oft widersprüchlichen Signale sind es, die Pferden das Miteinander mit uns so schwer machen. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass wenn wir uns hingegen ehrlich so zeigen, wie wir sind, Pferde oft auf eine ganz wundervolle und manchmal unerwartete Weise reagieren – dann können sie trösten oder aufmuntern, sie können mutig werden und uns Sicherheit schenken, sie können stark werden und über sich selbst hinauswachsen und vieles mehr. Vor allem aber wird dann überhaupt erst ein echtes Miteinander möglich.

Pferd

Foto von Horst Streitferdt

20. März 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 14 Kommentare »

Missverstandenes Anti-Scheu-Training

Sehr viele Konflikte zwischen Mensch und Pferd beruhen meiner Erfahrung nach auf der Tatsache, dass Pferde leider noch immer zum Teil von Grund auf missverstandene Wesen sind. Viele Interpretationen von Pferdeverhalten und aus diesen Interpretationen entwickelte Ausbildungsansätze oder Methoden stammen aus der menschlichen Erfahrenswelt und übersehen dabei oft gründlich das Wesen Pferd. Das führt zu viel Leid und Not. 

Missverstandenes Anti-Scheu-Training

Gerade am eigentlich so gut gemeinten „Anti-Scheu-Training“ lässt sich leider sehr anschaulich zeigen, wie doll Pferde oft missverstanden werden und wie viel leichter wir es ihnen machen könnten.

Beim Anti-Scheu-Training gehen viele von folgender Grundannahme aus: Das Pferd soll lernen, den Menschen so zu vertrauen, dass es auch bei Angst ruhig stehen bleibt. Also wird es so lange mit einem gruseligen Gegenstand konfrontiert und oft auch berührt, bis es still hält. Dann wird der Gegenstand entfernt, wodurch, so nehmen viele an, das Pferd lernt, dass wenn es still stehen bleibt, die unangenehmen Dinge verschwinden. 

Schauen wir aber einmal genauer hin. 

Die Natur eines Fluchttieres ist die Flucht

Es gibt zwei Faktoren, die wir hier beachten müssen: 

Bei einem Fluchttier ist es sozusagen sein „Job“ bei angstauslösenden Dingen mit einem Scheuen zu reagieren. Das ist genetisch eingebaut und gehört zum Pferd dazu. Es dafür zu schelten oder gar zu strafen, ist keine pferdegerechte Reaktion und wird die Angst des Tieres immer eher verstärken, und ein unbedingtes Stillstehen von ihnen zu erwarten, geht komplett gegen seine Natur.

Kein Pferd erschrickt oder scheut, um den Menschen zu ärgern oder weil es nicht vertraut, sondern weil es zunächst nicht anders kann. „Zunächst“ deshalb, weil dem Fluchtreflex andere natürliche Regungen ein Stück weit entgegenwirken können. Pferde sind nämlich von Natur aus auch neugierige und interessierte Wesen, weshalb sich fast alle Pferde nach dem ersten Scheuen umdrehen und schauen, was da eigentlich genau ist. 

Die Angst eines Pferdes sehen wir Menschen als Defizit, also etwas das nervig, unangenehm oder auch gefährlich sein kann, weshalb wir daran arbeiten wollen, dass das Pferd weniger Angst hat. Das ist auch sehr sinnvoll, aber wir sollten dafür auf die uns natürlicherweise zur Verfügung stehende Ressource der Neugier setzen, anstatt das Pferd „abhärten“ zu wollen.

Das Märchen von der Desensibilisierung

Immer wieder heißt es, dass Pferde „desensibilisiert“ werden müssen, indem man sie angstauslösenden Reizen aussetzt. Sie würden sich dann irgendwann daran gewöhnen. Das stimmt so aber einfach nicht.

Desensibilisierung funktioniert in den allerwenigsten Fällen, sondern führt fast immer zu einer Überreizung und damit zu mehr Stress = mehr Angst. Pferde lernen, dass sie angstauslösenden Situationen ohnmächtig ausgeliefert sind und dass Menschen ihnen nicht helfen, sondern im Gegenteil: dass sie durch Menschen in diese Situation kommen. Viele von ihnen lernen weiterhin, dass sie bestraft werden, wenn sie ihre Angst zeigen. 

Irgendwann geben die meisten Pferde tatsächlich auf und halten dann mehr oder weniger still. Damit machen sie aber eben NICHT die Erfahrung, dass sie aktiv etwas tun können, um mit Angst umzugehen, und auch nicht, dass erst bedrohlich wirkende Dinge interessant und lustig sein können. Im Gegenteil, sie erfahren, dass sie NICHTS tun können und dürfen. Was hier passiert ist, dass Pferde gebrochen werden und sie geraten in das, was man „erlernte Hilflosigkeit“ nennt. 

Tierschutzrelevante Trainingsansätze

Ein Pferd gezielt in eine aus seiner Sicht bedrohliche Situation zu bringen und das Pferd vorsätzlich zu zwingen, Nervosität und Angst auszuhalten oder gar zu verstärken, bedeutet für ein Pferd Leid und Qual. So etwas darf aus meiner Sicht nur in Notsituationen von einem Pferd gefordert werden, also in solchen Situationen, in denen es nicht anders geht, weil sonst Mensch und Tier in Gefahr geraten würden – aber das darf keinesfalls als Trainingsgrundlage gesehen werden!

Ansätze, die das so genannte Aussacken systematisch nutzen, sind für mich eh eindeutig tierschutzrelevant, da sie jedes Verständnis für das Wesen Pferd missen lassen. Aber auch die abgeschwächten, diversen Abhärtungsversuche, die herkömmlicherweise beim Anti-Scheu-Training erfolgen, sind für mich mehr als fragwürdig. Und vor allem meiner Erfahrung nach nicht zielführend!

Echte Vertrauensarbeit

Viel sinnvoller ist es, dem Pferd die Chance zu geben, in seinem eigenen Tempo Selbstbewusstsein und Mut zu entwickeln und seine natürlich Neugier zu aktivieren. Und das ist viel einfacher als die meisten annehmen und es führt zu echtem Vertrauen, nicht zu hilflosem Aufgeben. 

Vertrauen schafft niemals Abhängigkeit, sondern im Gegenteil: es schafft Unabhängigkeit.

Und das ist auch gut für uns Menschen, denn ein Pferd, das Selbstvertrauen gewinnt und vor allem Selbstsicherheit, ist ein Pferd, das auch mit neuen Situationen immer besser umgehen wird, als eines, das nur gelernt hat, auszuhalten, denn so ein Aushalten ist ja immer abhängig vom Grad der Intensität… 

Und so geht es pferdegerecht

Jedes Anti-Scheu-Training sollte immer den Fokus darauf legen, ein Pferd nicht zu überfordern oder in Not zu bringen. Stress und Angst sollten unbedingt vermieden werden und statt dessen mit viel Geduld, Zeit und Einfühlungsvermögen für gute Erfahrungen und das Wecken von Neugier gesorgt werden. 

Grundsätzlich haben sich meiner Erfahrung nach in für das Pferd bedrohlichen Situationen diese Schritte bewährt:

  1. Es ist unser Job, immer vorausschauend zu handeln und potentielle Angstfaktoren zu erkennen, wenn möglich vor dem Pferd, damit wir unser Verhalten auf das jeweilige Pferd abstimmen können. 
  2. Erschreckt sich ein Pferd, scheut es oder zeigt auf eine andere Weise Angst, dann dürfen wir es dafür nicht rügen, anbrüllen oder bestrafen, denn damit verstärken wir den Stress. Wir sollten selbst so ruhig wie möglich bleiben und dem Pferd vermitteln, dass wir die Sache auch sehen und erkennen, sie aber selbst nicht für gefährlich halten. 
  3. Dann ist immer im Einzelfall zu entscheiden, ob wir eine Situation, die unserem Pferd Angst macht, vermeiden wollen, also z.B. erst einmal weg von der bedrohlichen Situation zu gehen, oder ob wir uns annähern wollen und dem Pferd dann vermitteln können, dass wir auf es aufpassen. In manchen Fällen ist es besser, das Pferd nicht zu konfrontieren, sondern sich die Sache in Ruhe gemeinsam zu erarbeiten. Das immer wieder angeführte Argument, dass ein Pferd „dann gewinnt“, zeigt einmal mehr, wie wenig Pferde verstanden werden, denn ein ängstliches Pferd versucht nicht, „zu gewinnen“, es hat schlicht und einfach Angst. 

Bedrohliches erkunden lassen

Ein Pferd sollte also nie aktiv mit beängstigenden Objekten, wie zum Beispiel einer Plastikplane, einem Regenschirm o.ä. konfrontiert und so lange damit belästigt werden, bis es die Sache erträgt, sondern es soll die Möglichkeit haben, sich den Sachen von sich aus zu nähern und sie zu erkunden. Deshalb ist das Anti-Scheu-Training möglichst immer auf einem sicher eingezäunten Platz durchzuführen, auf dem wir das Pferd frei laufen lassen können und nicht am Strick halten müssen. Wir können dann beispielsweise die Plastikplane zunächst ganz klein und überschaubar zusammengefaltet weit weg vom Pferd auf den Boden legen. Am besten schon gleich ein Stück Möhre darauflegen und eine darin verstecken. Dann warten wir zunächst einfach ab und lassen das Pferd entscheiden.

Die meisten Pferde werden sich nach kurzer Zeit für das Objekt interessieren und hingehen. Manch eines forscher, manch eines braucht länger. Wir können dem Pferd gut zureden und es ermuntern, aber bitte nicht aktiv hinführen oder doch noch den Gegenstand zum Pferd holen. Der Impuls zur Auseinandersetzung soll immer vom Pferd ausgehen! 

Sollte ein Pferd so viel Angst haben, dass es überhaupt keinen Impuls zeigt, sich mit dem Gegenstand zu befassen, kann man selbst ein bisschen etwas damit tun, also es „beschnuppern“, mit dem Fuß berühren usw. Jedes Hinschauen können wir bereits freudig loben. Oft ist es gut, den Gegenstand ruhig noch weiter wegzulegen oder mit etwas zu beginnen, vor dem dieses Pferd keine Angst hat, damit es die Erfahrung machen kann, dass es eine tolle Sache ist, sich mit Dingen zu befassen. 

Das Ziel ist (Selbst-)Vertrauen

Durch diese Vorgehensweise entsteht das, was ich beim Anti-Scheu-Training anpeile: echtes (Selbst-)Vertrauen.

Ein Pferd mit (Selbst-)Vertrauen ist Neuem gegenüber viel aufgeschlossener als eines, das nur gelernt hat, Stressfaktoren zu ertragen. Pferde, die durch ein Anti-Scheu-Training innerlich wachsen konnten, sind verlässlicher auch in vollkommen neuen Situationen und die Chance, dass sie sich in wirklich brenzligen Situationen vom Menschen beruhigen lassen, ist deutlich größer. Mehr zu diesem Thema bietet auch unser Anti-Angst-Kurs.

Foto von Horst Streitferdt

13. März 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Jungpferdausbildung, Umgang, Verhalten 7 Kommentare »

Rat gesucht: Wie weicht mein Pferd?

Wir bekommen viele Fragen per Mail und es ist nicht immer leicht, diese zu beantworten, da gerade bei Ferndiagnosen die Gefahr besteht, am eigentlichen Problem vorbeizuschreiben. Aber genau an dieser Tatsache kann man gut deutlich machen, was zwischen Mensch und Pferd oft nicht optimal läuft, denn selbst vor Ort kann einem genau das leicht passieren.  

Beispiel: Der Fels in der Brandung

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, was zu tun ist, wenn man einem Pferd das Weichen beibringen will, das Tier aber wie ein Fels in der Brandung stehen bleibt. Die Fragende beschrieb dann noch das recht gängige Vorgehen mit verschiedenen Stufen von Druck („Fell“, „Haut“ und „Muskel“), aber das Pferd reagierte auf keine Stufe. 

Wenn ich eine solche Frage gestellt bekomme, springe ich nicht an die Stelle, wo die Person steht, die mir die Frage stellt. Ich gehe vielmehr etliche Schritte zurück und versuche das Gesamtbild zu sehen.  

Der Wunsch der Fragestellerin war eigentlich nur ein Tipp oder eine Technik, mit der sie das Pferd innerhalb der Methode, die sie nutzte, bewegen kann. Nun greifen aber Methoden jeder Art leider sehr oft viel zu kurz. Ein Pferd ist ja keine Maschine, bei der man nur verschiedene Knöpfe und Hebel nutzen muss, um den gewünschten Effekt zu erhalten, sondern ein Pferd ist ein komplexes Lebewesen. Das beschriebene System der verschiedenen Druckstufen führt bei vielen Pferden zur Gegenwehr, denn Druck erzeugt oft einfach nur Gegendruck. 

Die Frage ist für mich in einem solchen Fall nicht die, wie man das Pferd doch bewegen kann, sondern ich möchte das Verhalten des Pferdes verstehen, bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann, was zu tun ist. Ich frage also: Warum mag das Pferd nicht weichen?

Oder ist vielleicht alles ganz anders?

Statt also auf solche Mails mit einem kurzen Tipp zu antworten, versuche ich den Blick immer auf das Miteinander mit dem Pferd zu legen, also in diesem Fall

  • einerseits auf das Pferd, das vielleicht einfach nicht versteht, was es tun soll, das es keinen Fehler machen will, auf die Tatsache, dass es sich in der Nähe des Menschen vielleicht einfach sicherer fühlt, ob es gesundheitliche oder andere Gründe für das Verhalten geben kann usw.,
  • andererseits auf die eigene Ausstrahlung, mögliche widersprüchliche Botschaften und die (vielleicht viel zu starke oder nicht eindeutige) Qualität der Energie, mit der das Pferd weggeschickt werden soll und
  • im dritten Schritt dann auf die gemeinsame Kommunikation, also auf das Verstehen und Verstanden werden, die Stimmung und das Grundgefühl, das zwischen Mensch und Pferd ist und ähnliches. 

Weniger Methoden, dafür mehr Verständnis

Pferden, die sehr „am Menschen“ kleben, tut man oft großes Unrecht, wenn man sie rüde über Druck wegschickt, weil sie einfach gar nicht verstanden haben, worum es dem Menschen geht oder sie haben Gründe nicht zu tun, was der Mensch will. Sie suchen zum Beispiel Nähe, vielleicht aus Unsicherheit, manchmal auch weil sie sich beim Menschen einfach nur wohl fühlen oder sie spüren dass der Mensch die Nähe des Pferdes gern hat und können die widersprüchlichen Signale nicht deuten. Viele Menschen aber interpretieren das Verhalten als „Verweigerung“, „Widersetzlichkeit“ oder sogar als „Dominanz„… 

Einfach einen Tipp für „mehr Druck“ oder „Druck an einer besonderen Stelle“ zu geben, ist sinnlos, wenn es um das komplexe Thema „Kommunikation“ geht. Druck ist hier aus meiner Sicht vollkommen fehl am Platze. Es gilt viel mehr, dem Pferd behutsam und vor allem für das Pferd auf eine gute Weise verständlich zu erklären, dass es eben manchmal auch etwas Abstand einnehmen soll und das das nichts Schlimmes ist. Tipp: Eine Möglichkeit, dem Pferd das Kommando „Ab“ beizubringen, findet Ihr hier erklärt.  

Bei so gut wie allen Fragen, die uns erreichen, ist es also mit einem einfachen „Tipp“ oder einer „Methode“ nicht getan, sondern es ist sinnvoll und nötig, den Blick von dem vermeintlichen Problem wegzunehmen, das fast immer nur ein Symptom ist, und zu schauen, worum es wirklich geht. Zugegeben, das ist zunächst immer etwas anstrengender, führt aber zuverlässig zu viel pferdegerechteren und schöneren Lösungen für beide Seiten. 

Wie weicht mein Pferd?

22. Februar 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Umgang, Verhalten 3 Kommentare »

Eine fast magische Frage für das Training

Heute gibt es wieder mal ein kleines Geständnis von mir: Als wir uns an das Projekt Sehen lernen machten, hatte ich mich mit der ursprünglichen Idee zunächst etwas schwer getan, denn ich fürchtete, dass wir damit eigentlich das verstärken, was eh schon so verbreitet in der Pferdewelt ist: nämlich die Fehlerguckerei.

Skeptische oder auch besorgte Blicke, Dauerkritteleien oder Meckereien… – viele von uns gucken, bewusst oder unbewusst, leider oft vor allem negativ auf unser Pferd. Unsere Beweggründe dafür sind eigentlich fast immer gut, schließlich wollen wir das Beste für unser Pferd, doch die Wirkung ist oft gegenteilig, denn beim Pferd kommt in der Summe oft nur eines an: „Du bist falsch.“ 

Tja, und wie würde es wohl erst mit einem Kurs sein, der ausdrücklich als Lernziel hat, zu erkennen, ob eine Laufmanier gut oder eben nicht gut ist? 

Ein echter Perspektivwechsel

Nun wäre Babette nicht Babette, wenn ihre Art die Laufmanier eines Pferdes zu betrachten, nicht anders wäre! Von ihr habe ich gerade in diesem Projekt etwas gelernt, das ich mit Euch teilen möchte: Es geht darum, den Fokus nicht auf die „Fehler“ zu legen, sondern die Beurteilung der Laufmanier als Standortbestimmung in der Gesamtentwicklung zu sehen.

Und, wow, DAS ändert wirklich Grundlegendes! 

Spürt einmal nach, wie sich Euer Blick, Euer Denken und Eure Gefühle verändern, wenn Ihr Euer Pferd speziell beim Laufen (aber auch sonst) nicht mit der Frage „Was ist alles nicht gut?“ anschaut, sondern mit dieser fast schon ein bisschen magische Frage:

 „Sind wir auf einem guten Weg?

Die Frage nach der Entwicklung schafft ein Wir von Mensch und Pferd. Sie würdigt alles schon Erreichte und das, was schon gut ist. Sie verharrt nicht im Vorwurf und Hadern, sondern sie öffnet die Türen nach vorn. Damit schafft eine solche Frage eine positive, konstruktive Stimmung, die allen gut tut. 

Sind wir auf einem guten Weg?

6. Februar 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Erkenntnisse, Longieren, Reiten, Umgang 0 Kommentare »

Die Sache mit der Komfortzone

Der Begriff „Komfortzone“ stammt eigentlich aus unserer Menschenwelt, ich finde ihn aber auch für das Miteinander mit Pferden sehr nützlich, da er uns einiges klarer machen kann.

Mit „Komfortzone“ wird der Bereich beschrieben, in dem wir uns wohl und sicher und vertraut fühlen oder auf das Pferd übertragen: Die Komfortzone eines Pferdes ist der Bereich, in dem es sich entspannen kann und keine Angst oder Nervosität zeigt.  

Komfortzonen haben verschieden Größen

Die jeweilige Komfortzone kann bei Pferden, genauso wie bei uns Menschen, sehr unterschiedlich sein:

  • Es gibt Pferde, die haben eine große Komfortzone bzw. einen großen Bereich, in denen sie sich auch immer noch wohl fühlen. Das sind Pferde, die, wenn man mit unbekannten Gegenständen kommt, neugierig reagieren, die neuen Aufgaben im Training immer erst einmal offen gegenüber sind und das sind Pferde, mit denen man zum Beispiel einfach mal in ein neues Gelände reiten kann, wo sie vielleicht ein bisschen mehr gucken, dabei aber vor allem offen, motiviert und neugierig sind. 
  • Pferde mit einer sehr kleinen Komfortzone zeigen bei allem was neu und unbekannt ist, deutlich Stress. Selbst kleine Gegenstände, die vorher nicht da waren, werden sofort geortet und mit Schnauben und langen Hälsen quittiert. Solche Pferde reagieren bei neuen Trainingsschritten oft übernervös nach dem Motto „Huch, was jetzt, nein, also das kann ich gar nicht!“ oder blockieren einfach (und werden dann häufig als „stur“ bezeichnet, obwohl sie tatsächlich gestresst sind oder sogar Angst haben). 

Und dazwischen gibt es vielfältigste Abstufungen. 

Komfortzonen sind variabel

Was die Sache nun etwas schwierig macht: Komfortzonen sind meist nicht fest definiert, sondern können durchaus variabel sein. An einem Tag können wir mit unserem Pferd vielleicht locker ausreiten, am nächsten Tag bekommen wir es nicht mal vom Hof, so gestresst ist es. Einen Tag lang findet unser Pferd eine Plastikplane langweilig, einige Wochen mag es nicht einmal den Huf darauf stellen.

Solch ein Verhalten ist für uns Menschen oft schwierig zu verstehen und wir bezeichnen solche Pferde dann leider oft vorschnell als „Spinner“ oder unterstellen ihnen, dass sie uns nur ärgern wollen. Aber überlegen wir doch einmal kurz, wie das bei uns selbst ist: Ist denn bei uns immer alles gleich? Reagieren nicht auch wir an manchen Tagen viel gestresster auf Anforderungen, die außerhalb des Gewohnten liegen, während wir Ähnliches an anderen sogar sehr anregend finden können? 

Grundsätzlich sind Komfortzonen stark stimmungs- und befindlichkeitsabhängig. Faktoren wie Belastungen, Stress und Druck können Komfortzonen schrumpfen lassen, während eine gute Versorgung, eine positive Stimmung und gut gefüllte Batterien Komfortzonen weiten. Darüber hinaus spielen äußere Faktoren eine Rolle, wie z.B. Gerüche, Geräusche, Wind, Wetter, Anwesenheit anderer (durch deren Stimmungen oder Anspannungen) und vieles mehr. Hier ist immer im Hinterkopf zu behalten, dass unsere Pferde oft sehr viel mehr wahrnehmen als wir Menschen. 

Dehnübungen für die Komfortzone

Wer sich immer nur innerhalb seiner Komfortzone bewegt, wird über die Zeit feststellen, dass sie tendenziell kleiner wird. Hin und wieder mal aus der Komfortzone zu treten, sorgt hingegen dafür, dass sie gleich bleibt oder eher größer wird. Aber, und das ist ganz wichtig, die eigene Komfortzone zu verlassen, sollte immer mit viel Achtsamkeit erfolgen und nie als Hauruck-Aktion. 

Bei Pferden ist es nun leider so, dass viele Menschen sich gar nicht bewusst darüber sind, dass sie ihr Pferd eigentlich ständig aus seiner Komfortzone holen. Denkt mal an die Pferde, die eigentlich immer unter Strom stehen, die sich in der Reithalle ständig erschrecken oder die auf einem Ausritt alle paar Meter hüpfen. Solche Pferde sind oft viel zu weit weg von ihrer Komfortzone, sprich: sie sind komplett überfordert. Dasselbe kann aber auch für Pferde gelten, die ungewöhnlich ruhig erscheinen, auch wenn sie z.B. gerade auf einer Messe oder einem Turnierplatz ankommen. Nicht jedes dieser Pferde ist wirklich gelassen, sondern viele von ihnen schalten einfach ab, um den hohen Stresspegel überhaupt aushalten zu können. 

Komfortzonen bewusst erkennen und bewusst mit ihnen arbeiten

Ich würde mir sehr wünschen, dass die Idee der Komfortzone mehr Beachtung im Umgang mit Pferden findet, denn sie kann uns dafür sensibilisieren, dass wir manchmal viel zu viel von unseren Tieren erwarten und dass auftretende Probleme oder so genannte Widersetzlichkeiten eben oft einer tatsächlichen Überforderung geschuldet sind und nicht daher kommen, weil uns ein Pferd ärgern will oder weil es „spinnt“. 

Nehmt doch mal diesen Denkanstoß mit zum Stall und versucht ein Gefühl für die Komfortzone Eures Pferdes zu bekommen. Und wenn Ihr schon mal dabei seid, auch gleich noch für Eure eigene. Es ist höchst spannend, sich einmal zu fragen, inwieweit sich diese vielleicht unterscheiden und in welchen Bereichen Ihr zusammen in Eure Komfortzone seid. 

Komfortzone

23. Januar 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 5 Kommentare »

Der Tod einer Stute und was er in mir ausgelöst hat

In der Pferdewelt dreht sich seit Wochen vieles um eine Tragödie: Bei einem Kurs für zirzensische Lektionen kam beim Training der Lektion „Kompliment“ ein Pferd um’s Leben. Auf Facebook wird nun diskutiert, wer Schuld daran ist und der Trainer wird unter anderem als „Mörder“ verurteilt. 

Ein Blick zurück

Mich hat das Geschehen tief bewegt, denn ein fast identischer Vorfall hat vor vielen Jahren ein Umdenken bei mir in Gang gebracht. Wer das Interview, welches Antoinette Hitzinger in der Pferdekonferenz mit Tania und mir geführt hat, gesehen hat, kennt die Geschichte bereits, denn dort habe ich sie erzählt. Und auch in einem früheren Beitrag von mir, mein Dank an mein Pferd Mariscal, habe ich von diesem Vorfall bereits berichtet.

Damals war mein Pferd Mariscal in derselben Situation wie die Stute Evita aus besagtem Kurs. Ich wollte, dass Mariscal lernt, so lange im Kompliment zu bleiben, bis ich das Kommando „Auf!“ gebe. Er hatte schon gelernt, nur auf das Anlegen der Gerte ans Röhrbein ins Kompliment zu gehen, aber er stand schnell wieder auf. Da ich mit Mariscal damals auf Vorführungen ging und mir auch einiges in dieser Richtung für die Zukunft für uns erträumte, machte so eine halbgut ausgeführte Lektion freilich nichts her. Also bat ich einen bekannten, in der Pferdewelt hoch angesehenen Trainer (es handelte sich nicht um den Trainer, bei dem Evita zu Tode kam), mir zu zeigen, wie ich Mariscal dazu bringen konnte, im Kompliment zu verharren. Ich bat ihn dabei aber auch, auf Gewalt und Zwang zu verzichten, da ich schon damals in der Richtung „Freiwilligkeit“ unterwegs war und vor allem auch wusste, wie Mariscal bei Druck und Zwang reagierte.

Mariscal kannte die Arbeit mit der Beinlonge, die auch bei der Stute Evita angewandt wurde. Er hatte an sich auch kein Problem damit, nur wenn man versuchte ihn mit der Longe unten zu halten, reagierte er panisch. Das sagte ich dem Trainer und bat ihn, Mariscal nicht unten zu halten. Genau das aber machte der Trainer. Auch mein Pferd kämpfte, kam aber bei der Aktion mit dem Leben davon, denn irgendwann hatte der Trainer es „geschafft“: Mein Pferd blieb unten. Mit einem Gesichtsausdruck der Resignation, gebrochen, aufgegeben …

Und ich hatte nicht eingegriffen.

Ich war zu feige gewesen, hatte zu viel Respekt vor dem Trainer und wollte doch auch so gerne das Zielbild erreichen. Bis heute fühle ich mich unendlich schlecht, wenn ich an diesen Vorfall denke. Wie konnte ich meinem Pferd nur so was antun? Wie ihn so im Stich lassen? Und wofür? Für mein Ego? Damit ich auf Shows mit ihm angeben konnte? Damit mich die Zuschauer dafür bewundern würden, wie viel Vertrauen doch mein Pferd zu mir hat? 

Ich stand damals ganz am Anfang meiner Trainerlaufbahn. Ich fing gerade erst an, Unterricht und Kurse zu geben und war auf der Suche nach Kunden. Mein Hof stand finanziell schlecht da, Geld musste reinkommen. Und wie bekommt man Kunden? Zum Beispiel indem man Auftritte macht und auf Messen geht. Meine Motivation war sicherlich eine Mischung aus „Es muss gut sein, damit die Menschen mich gut finden und bei mir Unterricht nehmen wollen.“ und meinem persönlichen Ego, welches zeigen wollte, was ich alles Tolles mit meinen Pferden kann. 

Rechtfertigt eine dieser Motivationen es, ein Lebewesen so gegen sein Nein zu zwingen? Ja, dann welche? Das eigene finanzielle Überleben? Wenn nein, gibt es überhaupt eine Motivation, die rechtfertigt, dass wir ein Lebewesen so bezwingen dürfen? 

Was ist eine Lektion wert?

Und wie schaut es mit anderen Bereichen im Umgang mit dem Pferd aus? Was ist mit einem „Nein“ des Pferdes unter dem Sattel? Wo ist es richtig, dass wir uns „durchsetzen“ und wo fängt Gewalt an? Wer schon länger auf unserer Seite mitliest weiß, dass uns diese Fragen immer und immer wieder beschäftigen.

Ich lebe seit über 5 Jahren aus ethischen Motiven vegan. Ich möchte nicht, dass Tiere für mich getötet werden oder dass sie für mich leiden müssen. Dadurch setze ich mich auch immer wieder mit der Frage auseinander „Wie vegan ist es, Pferde zu reiten, zu trainieren  und, ja, auch zu longieren?“ 

Auf meinen Kursen treffe ich regelmäßig auf Pferde, die nein zum Longieren sagen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Einige Pferde haben Angst, andere keine Lust, andere haben körperliche Probleme … – und bei jedem Pferd versuche ich den Spagat

  • zwischen meinem Sein als Trainerin, die dem Pferd helfen möchte sich besser bewegen zu können und es gut auf seinen Weg als Reit-oder Fahrpferd vorzubereiten und
  • meinem Sein als Tierliebhaberin, Tierrechtlerin und Veganerin. 

Ich bin heute in der glücklichen Situation als Trainerin gefragt zu sein. Meine Kurse sind seit Jahren gut besucht und ich habe es heute nicht mehr nötig, mich auf Messen „auszustellen“. Meine Pferde müssen also nichts mehr zeigen, ich bin raus aus dem Druck.

Was aber wäre, wenn es anders wäre? 

Schöner Schein, doch wie sieht es dahinter aus?

Shows wie die Apassionata und andere werden massenhaft besucht. Die Menschen wollen Pferde sehen, die sich in jeder Situation hinlegen und alles mit sich machen lassen. Und ja, sicherlich wird es das eine oder andere Pferd geben, welches solche Lektionen tatsächlich freiwillig und ohne Zwang gelernt hat, aber ich habe genug Einblick hinter die Kulissen, dass ich weiß, dass gerade auch bei Zirkuslektionen oft mit sehr viel Druck und Zwang gearbeitet wird. Dem Pferd dann als Belohnung ein Leckerchen ins Maul zu schieben, ändert nichts an der Tatsache, dass oft mit sehr viel negativer Verstärkung gearbeitet wird bis hin zu drastischer Gewalt. Wer mit seinem Pferd auf Aufritten brillieren möchte, kann eben nicht auf Freiwilligkeit setzen, hier müssen die Pferde „funktionieren“.

Und so sollte sich also meiner Ansicht nach jeder, der nun über den schlimmen Vorfall von Evita urteilt, auch sehr genau überlegen, wobei sie/er selbst applaudiert: Für eine beeindruckende Messevorführung? Bei einer Show wie Apassionata? Bei einer Dressurvorführung? Bei einem Springturnier? Bei einer Vielseitigkeitsprüfung? Wie sicher können wir uns sein, dass die Pferde dort freiwillig tun, was von ihnen verlangt wird?

Der Weg ist wichtiger als das Ziel

Ich habe inzwischen gelernt, dass ich mich nicht mehr von einem Zielbild beeindrucken lasse. Bevor ich beurteile, ob ich gut finde, was ich sehe oder nicht, will ich wissen, wie der Weg dorthin aussah. Ich will wissen, wie mit einem Nein des Pferdes umgegangen wird. Darf das Pferd nein sagen? Wird dann vielleicht nach einem anderen Weg gesucht? Wird vielleicht sogar ganz auf diese Übung verzichtet? Mir ist sehr wohl bewusst, dass man nicht jedes Nein eines Pferdes einfach so annehmen kann, denn dann wäre eine gefahrlose Lebensgemeinschaft nicht möglich. Wenn mein Pferd gerade nicht am Straßenrand stehen bleiben möchte, obwohl ein Auto kommt, kann ich natürlich nicht sagen: „Na gut, dann geh halt …“

Ein Aufruf zu mehr Achtsamkeit

Mir tun alle Beteiligten dieses Vorfalls sehr leid, allen voran natürlich Evita. Aber vielleicht kann ihr Tod dazu beitragen, dass wir Pferdemenschen achtsamer werden:

  • dass wir bereit sind mehr hinzuspüren, ob das, was wir gerade tun, richtig ist.
  • dass wir uns fragen, ob wir das, was wir gerade tun, aus ethisch-moralischer Sicht „tun dürfen“
  • oder ob wir die Grenzen unseres Pferdes gerade überschreiten.
  • dass wir lernen, ein „Nein“ eines Pferdes nicht als „Ungehorsamkeit“ zu sehen, sondern als Ausdruck seiner Not, seines „Nicht-könnens“ oder „Nicht-verstehen“.

Vielleicht kann Evita so helfen, dass Leben und die seelische Gesundheit anderer Pferde zu retten. 

Ich hoffe, dass Mariscal mir verziehen hat, und vielleicht kann ich mir irgendwann auch verzeihen. Ich werde mir den Rest meines Trainerlebens die größte Mühe geben, den Spagat zwischen Trainerin und pferdeliebende Veganerin hinzubekommen. Ich möchte immer weiter lernen, das Nein eines Pferdes zum richtigen Zeitpunkt zu akzeptieren und ansonsten daran arbeiten, es auf pferdefreundlichen, sanften Wegen zu versuchen, ein Nein in ein freiwilliges Ja umzuwandeln. Denn ich möchte, dass es den Pferden mit uns Menschen gut geht! Körperlich und seelisch. Und ein schönes, pferdefreundliches Training hilft dem Pferd dabei, dass es ihm gut geht. Da ich merke, wie vielen Pferden die Arbeit nach dem Longenkurs gut tut, dass sie Freude daran haben, es ihnen körperlich und seelisch besser geht, ist es für mich keine Option zu sagen, dass ich keine Trainerin mehr sein möchte. 

Das Thema „Verurteilung“ von anderen

In den Diskussionen stürzen sich viele Menschen verurteilend auf die Beteiligten des Unfalls:

  • Die Besitzerin ist schuld, weil sie nicht eingegriffen hat. Ich bin leise und danke dem Schicksal, dass mein Pferd damals nicht zu Tode kam, als ich verantwortlich war, dass mein Pferd mit einer Beinlonge am Boden lag.
  • Der Trainer ist schuld, weil er die Situation nicht richtig eingeschätzt hat. Ich bin leise und danke dem Schicksal, dass noch kein Pferd, welches ich gearbeitet habe, bei den vielen Situationen, die ich in meinem Trainerleben falsch eingeschätzt habe, zu Schaden kam.

Jeder, der hier jemand anderen als „schuldig“ und als „Mörder“ verurteilt, sollte reflektieren, was er selbst mit seinem Konsum verschuldet. Jedes Schnitzel war mal ein lebendiges, fühlendes Leben und mit dem Kauf von Fleisch geben wir rückwirkend seine Tötung in Auftrag. Und ja, auch ich habe die längste Zeit meines Lebens Fleisch gegessen. 

Lasst uns doch auf hören zu verurteilen, sondern statt dessen anfangen zu reflektieren! Selbst anfangen, achtsamer zu werden, unsere Motive und Techniken mehr zu hinterfragen und uns bemühen immer behutsamer und liebevoller mit Mensch und Tier umzugehen. Genau hinzuschauen. Vor der eigenen Tür zu kehren und Mitgefühl entwicklen. Für den Trainer, für die Besitzerin des Pferdes, für Evita und für all die anderen Pferde sowie für die Masse an Lebewesen, die für unseren Genuss, für unseren Spaß leiden und sterben. 

Was wir durch Evitas Schicksal lernen können

  • Schauen Sie sich den Trainer, bei dem Sie mit Ihrem Pferd einen Kurs belegen möchten oder bei dem Sie Unterricht nehmen möchten, zunächst als Zuschauer an. Machen Sie sich in Ruhe ein Bild, ob Ihnen die Art des Trainers mit Pferden umzugehen, gefällt und entspricht.
  • Machen Sie sich mit den Inhalten des Kurses vertraut. Welche Lektionen werden trainiert? Welche dieser Lektionen möchten Sie üben? Warum möchten Sie die Lektion üben? Wie wichtig ist Ihnen diese Lektion? Welche unterschiedlichen Methoden gibt es, die Lektionen zu üben? Welche sagen Ihnen zu, welche nicht? Welchen Weg möchten Sie gehen?
  • Machen Sie sich im Vorfeld bewusst, was Sie möchten und was nicht. Überlegen Sie, in welcher Situation Sie eine Übung oder einen Kurs abrechen werden. Wo sind Ihre Grenzen? Was möchten Sie unter keinen Umständen zulassen? Üben Sie im Vorfeld, wie Sie einschreiten könnten. Was sagen Sie, wenn der Trainer etwas mit Ihrem Pferd macht, was Sie nicht möchten? Trainieren Sie ein Einschreiten mental, damit Sie dann, wenn es nötig werden sollte, vorbereitet sind. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass Sie in der Situation überfordert sind und nicht reagieren werden.
  • Machen Sie sich Ihrer Verantwortung für Ihr Pferd jeden Tag aufs Neue bewusst. Lernen Sie es kennen und lernen Sie, sein Nein zu hören. Und lernen Sie, welchen Umgang, welche Hilfengebung es braucht, damit es ja sagen kann.

16. Januar 2018 von Babette Teschen • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Sonstiges, Umgang 25 Kommentare »

Das Dankbarkeitsexperiment

Ich denke in diesen Tagen viel über das Thema „Dankbarkeit“ nach. Immer noch unendlich traurig über den Verlust meines Aramis, schöpfe ich mit vollen Armen aus all den Erinnerungen und dem, was er mir schenkte. Ich bin sehr froh, dass ich schon all die letzten Jahre mit ihm sehr bewusst voller Dankbarkeit für jeden Augenblick war. Ich wusste das, was er mir schenkte genauso zu schätzen, wie das, was uns verband und vor allem ihn genauso wie er war. Und ich war mir auch immer klar darüber, dass unser Zusammensein, unser Miteinander und sein Tun für mich nicht selbstverständlich waren und diese Wertschätzung konnte ich ihn in den Jahren mehr und mehr spüren lassen. So wuchsen wir gerade in den letzten Jahren noch mehr zusammen. 

Wenn ich mich nun umschaue und so manche Mensch-Pferd-Paare sehe, möchte ich oft laut rufen: „Hey, statt Dich darüber zu ärgern, dass Dein Pferd falsch im Galopp anspringt, sag‘ doch danke dafür dass es Dich gerade trägt. Und hey, statt damit zu hadern, dass Du immer noch keinen runden Zirkel mit ihm hinbekommst, sag danke, dass Du Zeit mit ihm verbringen kannst! Und hey, statt zu schimpfen, wenn es sich mal wieder gar nicht konzentrieren kann, dann sag ihm doch: Schön, dass es Dich gibt!“ 

Dankbar zu sein verändert viel

Wer das nun für ein bisschen gefühlsduselig hält, hat natürlich recht, denn ich schreibe das aus meinem Schmerz heraus und weil mir mein Großer so sehr fehlt. ABER darüber hinaus steckt darin ein ganz wunderbar praktischer Tipp, der das Zusammensein mit unserem Pferd so viel schöner machen kann! 

Ich höre schon den Einwurf, dass man doch aber nicht einfach über alles hinweg gehen kann und dass man doch zusehen muss, dass man vorankommt… – und ich kann diese Gedanken verstehen. Immer mehr komme ich aber dazu, dass es doch vor allem die Freude an- und miteinander sein sollte, die unsere gemeinsame Zeit prägt und nicht Kritik, Hadereien oder Geschimpfe. 

Das Experiment

Wenn Ihr mutig seid, dann möchte ich Euch zu einem Experiment einladen – „mutig“ deshalb, weil meiner Erfahrung nach Dankbarkeit wie eine Portion Magie sein kann, die alles verändert – aber zum Guten!

Was würde wohl passieren, wenn wir immer dann, wenn wir merken, dass wir uns gerade über unser Pferd zu ärgern beginnen (möglichst nicht erst, wenn wir schon stinksauer sind, aber im Notfall eben auch erst dann) und selbst zurufen würden:

Wofür kann ich jetzt gerade
Danke! zu meinem Pferd sagen?

Spür doch mal hinein oder besser noch: Probiere es tatsächlich aus. Und wenn Du magst, schreib mir über Deine Erfahrungen. 

Dankbarkeit

Foto von Horst Streitferdt

5. Dezember 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang 15 Kommentare »

Buchtipp: Was denkt mein Pferd? von Ilja van de Kasteele

„Was denkt mein Pferd? Pferdeverhalten auf einen Blick“ von Ilja van de Kasteele
Stuttgart: Kosmos, 2017. – 96 S.
ISBN: 9783440143858
ca. 10,– EUR (broschiert, durchgehend farbige Fotos)

Dieser toll aufgemachte und reich illustrierte Ratgeber ist eine echte Wundertüte, denn es steckt so viel mehr darin, als man auf den ersten Blick vermuten sollte! Das Cover hatte mich annehmen lassen, dass in dem Buch vor allem die Mimik von Pferden gedeutet wird, aber tatsächlich geht es um sehr, sehr viel mehr.

Pferdetrainer Ilja van de Kasteele behandelt in „Was denkt mein Pferd“ eine enorme Fülle an Themen und zeigt konsequent auf, wie wir die Sachen aus der Sicht des Pferdes betrachten können. 

Da geht es darum,

  • was Pferde brauchen,
  • wie wir uns Pferden annähern sollte,
  • wie gute Führung aussieht,
  • wie Mensch und Pferd ein Team werden können und
  • wie sich Missverständnisse vermeiden lassen.

Für jedes einzelne Thema, wie z.B. „Nehmen Sie sich Zeit“, „Privatsphäre respektieren“, „Führen ohne Druck“, „Kommunikation lernen“, „Gewohnheiten durchbrechen“ und viele andere mehr gibt es eine Doppelseite mit einer exzellenten Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und anschaulichen Fotos. Durchgehend finden sich hilfreiche Informationen, wichtige Denkanstöße und praktische Hinweise für ein gelungenes Miteinander. Wer dieses recht schmale Band liest, erfährt sehr viel mehr über Pferde als aus manch dickem Wälzer.

Eine schöne, kleine Besonderes ist, dass die Pferde auf den Fotos mit Namen genannt werden. Das macht das Buch nicht nur sehr persönlich, sondern zeigt auch den tiefen Respekt den Pferden gegenüber, der „Was denkt mein Pferd“ zugrunde liegt.

Fazit: Im allerbesten Sinne eine Art Gebrauchsanweisung und Sprachführer zugleich– eine dicke Leseempfehlung von mir!

Direkt beim Kosmos-Verlag bestellen. 

28. November 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Buchtipps, Umgang, Verhalten 0 Kommentare »

Das Nein als Kurskorrektur

Mit dem Nein eines Pferdes umzugehen, ist für viele von uns sehr schwierig. Herkömmlicherweise wird Pferden ein Nein kaum zugestanden, es folgt dann meist mehr (Nach)Druck oder gar eine Bestrafung. Bei ausgeprägten Nein-Sagern kann das zu bösen Konflikten führen und nicht selten werden solche Pferde irgendwann „aussortiert“. Da ich mit meinem Anthony einen Meister im Nein-Sagen habe, komme ich nicht darum herum, mich immer wieder aufs Neue mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Wie viele Zweifel, wie viel Hadern und wie viele Tränen mich seine Neins schon gekostet haben… – und zu wie vielen Erkenntnissen, zu wie vielen Einsichten und Lernschritten sie mir verhalfen!

Aktuell bin ich wieder intensiv dabei, von ihm zu lernen. 

Ja zum Nein

Bisher versuchte ich vor allem, etwas zu verändern: das Nein, die Umstände, die Ausrüstung, die Anforderungen, die Erwartungen, die Zeiten, die Dauer, die Ansprache, die Kommunikation, die Motivation, die Stimmung, ihn und mich und so weiter und so fort. Einige dieser Aktionen bewirkten nicht viel, andere wirkten kurz und manches änderte tatsächlich etwas, … aber dann folgt sein Nein an anderer Stelle. 

Kurz und gut: Was immer ich tat, Anthonys Neins blieben ein Bestandteil unserer Beziehung und inzwischen bin ich an dem Punkt angekommen, sie als zu ihm gehörend zu sehen. Denn das war vielleicht von Beginn an die Aufgabe: Ja zu seinem Nein zu sagen. 

Das Nein als Leitplanke

Anthony hat mich über die Jahre gelehrt, ein Nein nicht automatisch persönlich gegen mich zu nehmen, sondern es vielmehr als eine Art Leitplanke in unserem Miteinander zu verstehen. Mit seinen Neins steckt Anthony sein Terrain ab. Ja zu seinem Nein zu sagen heißt also, ihn anzunehmen wie er ist und mit den Grenzen, die er setzt. 

Manchmal muss ich nur warten. 

Manchmal loslassen. 

Manchmal nach einem anderen Weg suchen. 

Und manchmal schlicht und einfach wieder nach Hause fahren.

Und das alles möglichst ohne zu hadern, ohne mir leid zu tun und vor allem, ohne dagegen zu kämpfen. Und in diesem „Es-so-sein-lassen-können“ öffnet sich gerade eine neue Tür.

Mut zu anderen Wegen

Durch mein Ja zu Anthonys Nein gehen wir nun immer mehr seinen Weg. Das Annehmen seines Neins fühlt sich immer mehr so an, als nähme er mich an die Hand (bzw. an den Huf 😉 ), um mir zu zeigen, worum es ihm geht. Mein Ja zu seinem Nein macht es mir möglich, Führung abzugeben.

Und in diesem Prozess wird mir klar, das es verdammt schwer sein kann, sich anzuvertrauen und einzulassen. Ich bin voller Vorstellungen, Erwartungen und Bilder, die ich erfüllt sehen oder erreichen will, und sie alle stehen mir im Weg, wenn ich mich von Anthony führen lassen will. Ich muss sie oft mühsam zur Seite schaffen, drüber steigen oder drum herumlaufen und scheitere daran auch manchmal immer noch. Aber immer öfter schaffe ich es, bei einem Nein von ihm ganz weich zu bleiben. Weich und offen. Dann lasse ich es zu und warte einfach. Manchmal passiert etwas und manchmal nicht. Beides ist ok. 

Wir sind damit auf einem neuen Weg – Anthonys Weg. 

Ja zum NeinFoto von Horst Streitferdt

 

21. November 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 14 Kommentare »

Großzügigkeit ist ein Zeichen von Stärke

Leider ist immer wieder zu hören, dass wir einem Pferd nichts durchgehen lassen dürfen, da wir sonst unsere „Führungsposition“ verlieren, oder dass wir unerwünschtes Verhalten immer sofort konsequent beantworten müssen, da uns das Pferd sonst auf der Nase herumtanzt. Diese Aussagen basieren auf irrigen Annahmen über die Rangfolge von Pferden und ihre Bedeutung. Demnach gibt es angeblich feste Positionen und wer ranghöher ist, kann die Rangniedrigen wegschicken bzw. muss es sogar tun, um ranghoch zu bleiben. Der Mensch soll nach diesen Konzepten immer den höchsten Rang haben und muss also Fehlverhalten sofort quittieren. In der Praxis besteht das dann zum Beispiel in einem mehr oder weniger deutlichen Wegschicken, in einem Ermahnen oder einem Anbrüllen, in einem Rucken am Strick oder gar in Schlägen oder Tritten.  

Ein Blick in die Natur

Wie gut, dass es Menschen wie Marc Lubetzki gibt, der Pferde in freier Wildbahn filmt und uns solche Filme zur Verfügung stellt, damit wir wirklich etwas über Pferdeverhalten lernen können und nicht nur glauben müssen, was uns manch‘ ein Trainingskonzept weismachen will. Ob ein Pferd auch mal nachgibt oder gar weicht, hat nämlich keineswegs immer etwas mit der Rangfolge zu tun, sondern ganz im Gegenteil: Es kann sogar ein Zeichen von Stärke sein, dass ein Pferd eine Auseinandersetzung meidet, indem es z.B. einfach geht! Ihm ist die Sache gerade keinen Streit wert, an seiner Position kratzt das deshalb aber kein bisschen. 

Tja, und genau da können wir doch sehr viel für unser eigenes Verhalten lernen! Wie verbissen reagieren wir oft auf kleinste „Fehltritte“ unseres Pferdes oder auf das, was wir als „anmaßend“ oder gar „dominant“ interpretieren und beantworten das dann mit großem Nachdruck (aus der Sicht des Pferdes ganz sicher oft vollkommen übertrieben…).

Kontrollsucht ist ein Zeichen von Unsicherheit

Es ist ein großer Irrtum, dass wir als Mensch jeden Schritt und jedes Verhalten unseres Pferdes kontrollieren müssen. Dieser Anspruch sorgt für viel Leid und zeigt eigentlich vor allem eines: unsere Unsicherheit und Angst. Souveräne Menschen haben kein Problem damit, ihrem Pferd auch mal einen Scherz oder eine Unachtsamkeit durchgehen zu lassen und sie werden auch bei Frechheiten oder Widersetzlichkeiten nicht gleich böse, sondern reagieren gelassen und mit Bedacht. Unsichere Menschen reagieren hingegen oft genau wie unsichere Pferde: überempfindlich und aggressiv. 

Interessanterweise wird ja oft das Argument angebracht, dass Pferde untereinander auch nicht zimperlich sind – nun sind es aber gerade meist unsichere Pferde und solche, die aufgrund einer ungünstigen Herdenzusammensetzung plötzlich einen höheren Rang einnehmen als er ihnen natürlicherweise entspricht, die wie Bullys reagieren und andere Pferde angehen. Souveräne Tiere sieht man selten wirklich aggressiv werden, bei ihnen reichen oft minimale Signale, damit die anderen wissen, wann man ihnen besser aus dem Weg geht. Pferde, die mit lautem Geschrei und aggressiven Gesten versuchen, sich Respekt zu verschaffen, sind nicht souverän. 

Reflexionsfrage:
Wollen wir wirklich das Verhalten
eines Pferdebullys als Entschuldigung für unsere
eigenen Aggressionen nehmen? 

Gewusst, wann es darauf ankommt!

Entscheidend ist, einschätzen zu können, in welchen Momenten es wichtig ist, dass das Pferd auf uns hört und nicht selbst entscheidet und in welchen wir ihm Freiheiten schenken können. Und genau dieses Einschätzungsvermögen macht für mich einen guten Pferdemenschen aus. 

Es gilt sich zu fragen: 

  • Warum tut mein Pferd das gerade bzw. warum tut es nicht, was ich möchte? 
  • Hat sein Verhalten oder seine Verweigerung unmittelbar mit mir zu tun oder vielleicht mit etwas anderem? Was könnte alles der Auslöser sein, was die Ursachen?
  • Achtet mein Pferd eigentlich überhaupt gerade auf mich und wenn nicht, was ist der Grund dafür?
  • Was braucht mein Pferd in diesem Moment, um überhaupt auf mich achten zu können?
  • Ist es in diesem Moment wirklich wichtig, meine Forderung durchzusetzen bzw. muss ich sein Verhalten sofort beantworten oder kann ich erstmal abwarten?

Um solche Fragen für sich beantworten zu können, braucht es darüberhinaus ein gutes Einschätzungsvermögen über die folgenden Punkte:

  • einmal über die Persönlichkeit des Pferdes, mit dem ich es zu tun habe,
  • dann über das Verhältnis, das ich mit diesem Pferd habe, 
  • über meine momentane Ausstrahlung und Wirkung (auch Stimmung),
  • und auch über die jeweiligen Situation, in der wir uns gerade befinden. 

Aus Prinzip immer auf sein (leider oft nur vermeintliches!) „Recht“ zu bestehen, lässt uns kleinlich, zickig, mürrisch und leider auch ganz oft unfair und aggressiv werden. Großzügigkeit und Nachsicht hingegen machen das Miteinander für alle viel angenehmer … und sind ein Zeichen von Stärke!

Nachsicht

7. November 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 5 Kommentare »

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