Die Sache mit dem Gruppendruck

Babette und ich denken ja viel darüber nach, warum in der Pferdewelt manches so schief läuft. Eine Ursache besteht meiner Ansicht nach in dem Phänomen „Gruppendruck“: Vieles wird gemacht, weil die anderen es auch so machen und weil man schnell zum Außenseiter wird, wenn man auffällt. Dann wird gelästert und gelacht, etwas, das die wenigsten von uns mögen.

Leute, die ihre Pferde in Eigenregie halten, haben es in dieser Hinsicht wahrscheinlich einfacher. Sie sind zwar auf sich gestellt, aber haben viel weniger Druck von außen als Reiter/innen, die in einer Reitschule oder in einem Verein sind. Je mehr Leute da sind, desto schwieriger scheint es oft, die eigenen Entscheidungen nicht in Hinblick auf die lästernden Leute am Hallenrand oder auf den Reitlehrer zu treffen, der gerade in der Halle reitet.

Ich weiß noch sehr genau, wie ich reiten lernte. Es war ein kleiner Stall in einem Berliner Außenbezirk. „Pferdegerecht“ war damals noch ein Fremdwort und so lernte ich sehr viel Schlimmes kennen und leider auch selbst zu tun – und genau dazu wurde man dann auch immer wieder ermuntert. Bis zum heutigen Tag versuche ich mich von den Automatismen zu befreien, die sich damals als Kind in mein Hirn brannten, wie z.B. „Setz dich durch, der veräppelt dich nur!“ oder „Der braucht mal ordentlich eins mit der Gerte“ oder „Da musst du nur mal kräftig zulangen, dann weiß er, wo es langgeht“ usw.
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11. Juli 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Reiten 17 Kommentare »

Die Versammlung

Der letzte Punkt der Ausbildungsskala der FN ist die Versammlung – das Ziel vieler Reiterträume.

Ein versammeltes Pferd bewegt sich leichtfüßig, kraftvoll, harmonisch und schonend für Sehnen, Bänder und Gelenke. Die Fähigkeit, sich zu versammeln, dient somit der Gesunderhaltung Ihres Pferdes.

Nun werde ich häufig gefragt:

  • Woran erkenne ich Versammlung?
  • Und wie erreiche ich Versammlung?

Definition:

In der Versammlung nehmen die Hinterbeine des Pferdes mehr Last auf. Durch Beugung der Hanken (die großen Gelenke der Hinterhand = Hüftgelenk, Kniegelenk und Sprunggelenk) senkt sich die Kruppe ab und die Vorhand des Pferdes richtet sich auf in dem Maße, in dem sich das Pferd hinten senkt (relative Aufrichtung). Dabei wölbt das Pferd den Rücken auf und es verkürzt seinen Rahmen (wird kürzer). Der Schwerpunkt des Pferdes sollte möglichst tief und weit zurückliegen.

Wenn Sie diese Haltung nachempfinden wollen, können Sie sich mal im Kniebeugegang (in etwa wie bei der Skigymnastik) eine Runden um die Reitbahn bewegen. Und, anstrengend? Für die Pferde auch 🙂
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8. Juli 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Anatomie und Körper, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten 1 Kommentar »

Reiten heißt Fragen beantworten

Bei dem amerikanischen Pferdetrainer Mark Rashid (s.a. unsere Buchtipps) fand ich neulich eine sehr gute Anregung: Er sprach davon, dass unsere Pferde uns beim Reiten ständig Fragen stellen und wir es oft versäumen, die kleinen Fragen wahrzunehmen und zu beantworten. So ritt er z.B. sein Pferd Buck im Schritt an. Buck fragte relativ schnell nach, ob er langsamer werden dürfte, indem er es einfach probierte. Mark Rashid beantwortete das mit einem „Küsschen-Laut“ und sagte so: „Nein, Buck, bitte wieder schneller.“ Dann demonstrierte er, was passierte, wenn er die Frage nicht beantwortete: Buck wurde immer langsamer und schlurfte nur noch.

Die Grundidee dieser Überlegung ist Folgende: Reiten ist wie ein ständiges Zwiegespräch zweier Lebewesen. Wenn wir versäumen, die Fragen unseres Pferdes („Darf ich langsamer werden?“, „Darf ich schneller werden?“) oder auch die Feststellungen („Das Pferd dort drüben interessiert mich.“ oder „Das Gras sieht lecker aus.“) zu beantworten, entscheiden sie selbst. In den meisten Fällen setzen wir dann erst ein, wenn schon viele kleine Entscheidungen zu einer Reaktion geführt haben, die wir nicht wollen (das Pferd ist zu langsam oder zu schnell, es läuft zu dem Zaun, wo das andere Pferd steht, es rupft ein Grasbüschel usw.). Dann allerdings muss die Reaktion deutlich stärker ausfallen, als sie nötig gewesen wäre, wenn wir früher reagiert hätten!

Wow – so einfach diese Erkenntnis erscheint, so viel Potential liegt in ihr! Der Einsatz feiner Hilfen erfordert also eine große Achtsamkeit und Aufmerksamkeit von meiner Seite. Ich bin gefordert, die Kommunikation nicht nur einseitig zu gestalten – also nach dem Motto „Ich sage, was gemacht wird.“, sondern ich muss mich öffnen für die Signale meines Pferdes, für seine Fragen, für seine Äußerungen und ich muss darauf reagieren.
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4. Juli 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Reiten 4 Kommentare »

Kinderarbeit, nein danke!

Mein Youngster hat vor kurzem seinen letzten Milchzahn verloren. Für mich ist das ein kleiner Meilenstein in Sachen Erwachsenwerden, ein symbolischer Abschied von seiner Kindheit.

jungpferd2.jpgNun bekomme ich im Austausch mit anderen immer wieder mit, dass schon 3jährige eingeritten und ausgebildet werden und nicht selten bereits in diesem Alter auf erste Turniere gehen. Mir tut das immer richtig weh, jetzt noch mehr, wo ich die Entwicklung meines Kleinen verfolgen konnte.

Als ich ihn bekam, war er 3 Jahre und 3 Monate. Er war noch durch und durch Kind. Natürlich hätte ich ihn auch schon mit diesem Alter anreiten können, aber das wäre mir nicht im Traum eingefallen, denn nicht nur weil etwas geht, muss man es auch tun. Ganz abgesehen davon, dass Pferde mit 3 Jahren noch ganz erheblich wachsen (die Wachstumsfugen haben sich also noch nicht geschlossen, wodurch durch eine Belastung Schäden auftreten können), sie sind einfach vom Kopf her auch noch mehr Fohlen als alles andere.
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2. Juli 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Reiten 15 Kommentare »

Gymnastizierung versus Lektionen

Ich habe gerade mal wieder einen Denkmechanismus bei mir verändern können, der sich ausgesprochen positiv auf das Miteinander mit meinen Pferden auswirkt:

Ich habe zwar immer davon gesprochen, dass ich mein Pferd beim Reiten in der Bahn „gymnastizieren“ will, klar, aber Hand aufs Herz, mir ging es auch ums Lektionen-reiten. Ehrgeizig, wie ich bin, habe ich viel Energie darauf verwendet, meinem Großen die tollsten Sachen beizubringen und ich habe es genossen, wenn die Leute gestaunt haben, was er alles kann. Ja, ich habe schon auch gerne angegeben mit ihm.

Inzwischen weiß ich, dass ich vor lauter Lektionen die Grundlagen vernachlässigt habe. Vor lauter Seitengängen kam es mir gar nicht mehr in den Sinn, mal zu schauen, ob mein Pferd eigentlich noch eine einfache Volte in Spur laufen kann. Und ich denke, ich muss noch weitergehen: durch all die vielen Übungen in den Seitengängen habe ich mein Pferd geradezu gezeigt, wie er sich manch einer Anstrengung erfolgreich entziehen kann.

Fazit: Zurück auf Los.
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20. Juni 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Reiten 7 Kommentare »

Die Sache mit der Anlehnung

Wenn man sich mal in den Reihallen umschaut oder durch Internet-Foren streift, das Thema „Anlehnung“ ist überall präsent. Offenbar kann man sehr Unterschiedliches darunter verstehen und die allgemeine Unsicherheit darüber mag dazuführen, das vom schlabbernden Zügel bis hin zum auf die Brust gezogenen Pferd so ziemlich alles zu sehen ist.

Ich habe das Reiten in einem sehr kleinen Stall gelernt bei leider ziemlich schlechten Reitlehrerinnen. Dort war das Motto: vorne festhalten, hinten draufhauen und dabei möglichst oben bleiben. 🙁 Mit meinen Reitbeteiligungen lernte ich dann andere Reitweisen kennen. Aber erst mit meinem eigenen Pferd begann ich guten Unterricht zu nehmen und mich auch mit Büchern und Videos und Seminaren fortzubilden.

Was die Anlehnung angeht, so war ich da bis vor kurzem immer noch skeptisch. Aramis neigte schon immer zum Einrollen (ein Erbe der Zeit vor mir) und hat bisher einen Dauerkontakt möglichst vermieden. Ich selbst wollte auf keinen Fall mit Dauerzug reiten, wie ich es so oft sehe. Das führte dazu, dass ich den Zügel möglichst wenig anfasste.
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28. Mai 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Reiten 12 Kommentare »

Ein Mutmacher

Heute ein Mutmacher für alle, die glauben, mit ihrem Pferd in eine Sackgasse geraten zu sein: Es gibt auch dort Wege hinaus!

Mein Großer, Aramis, entschied im Herbst 2005, dass er keine Lust mehr auf Bahnarbeit hatte. Er verweigerte schlicht und einfach den Dienst, blieb stehen und ging rückwärts. Sein Verhalten hatte keine gesundheitlichen Gründe, denn draußen lief er nach wie vor hoch motiviert – einzig die Bahnarbeit verweigerte er. Ich akzeptierte sein „Nein“, weil ich wusste, dass ich es mit meinen Ansprüchen übertrieben hatte und ging mit ihm dann nur noch ins Gelände. In der Bahn machte ich Handarbeit und ich longierte ihn. Wann immer ich es mal wieder probierte, ihn in der Bahn zu arbeiten, kam sein „Nein“.

Im September 2007 kam Babette das erste Mal zu uns und ermutigte mich, Aramis‘ „Nein“ aufzulösen.
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23. Mai 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Reiten 4 Kommentare »

Wie Ihr Pferd lernt, die Trense zu nehmen

Als wir auf der Messe HansePferd waren, stand gegenüber von unserem Messestand ein hübscher Scheckhengst, der zweimal täglich für seine Vorführung unter den Sattel „fertig gemacht“ wurde, wobei Sie das „fertig machen“ in diesem Fall leider wörtlich nehmen dürfen…

Für diese Aktion waren jedes Mal drei Personen nötig. Es ging darum, das Pferd irgendwie mit Sattel und Trense auszustatten. Es hatte deutlichen Sattelzwang und auch das Auftrensen war purer Stress für das arme Tier. Alles geschah hektisch und mit viel Tadel für das Pferd. Entschuldigen Sie den harten Vergleich, aber für mich wirkte es eher wie eine Vergewaltigung als etwas anderes. Der Gesichtsausdruck des Pferdes zeigte so viel Stress und Leid, dass ich es nicht aus meinem Kopf bekomme.

Viele Pferde haben Satteln und Trensen als unangenehm, vielleicht sogar schmerzhaft kennengelernt und sagen seitdem mehr oder weniger „Nein“ zu dieser Prozedur. Und so beginnt für Mensch und Tier das Miteinander schon vor der der eigentlichen Arbeit mit Angst, Stress und Kampf. Viele Reiter nehmen diesen Zustand als gegeben hin.

Bitte machen Sie das nicht!
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22. Mai 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Arbeit an der Hand, Ausrüstung, Reiten 34 Kommentare »

Mein mulmiges Gefühl

Auf einer meiner längeren Geländestrecken muss ich zweimal eine Bundestraße überqueren. An der einen Stelle dürfen die Autos 100kmh fahren, aber dort ist alles gut einzusehen und es ist auch ausreichend Platz, um ggf. ausweichen oder eine Volte reiten zu können, sollte es nötig sein. Die andere Stelle ist eine Kreuzung am Beginn einer Ortschaft. Hier ist die Geschwindigkeit zwar auf 70kmh beschränkt, aber dadurch, dass die Autos eben auch von vorne und von hinten kommen können und die Straße recht schwer einsehbar ist, hatte ich an dieser Stelle immer ein mulmiges Gefühl. Aramis ist ein ruhiges und gelassenes Pferd, aber er findet die Dorfstraße nach der Kreuzung doch recht gruslig, da dort u.a. Schweine und Gänse sind.

Zu Beginn bin ich immer eisern über diese Kreuzung geritten. Ich möchte nicht wissen, wie oft ich selbst das Scheuen durch mein ungutes Gefühl ausgelöst habe, aber wirklich entspannt konnten wir eigentlich kaum ein einziges Mal dieses Stück des Weges bewältigen. Irgendwann beschloss ich spontan, einige Meter vor der Kreuzung abzusteigen. Ich konnte den Großen ruhig über die Bundesstraße führen und wir schauten uns in Ruhe den gruseligen Hof an. Als ein LKW kam, konnte ich vollkommen ruhig bleiben und so blieb es auch mein Pferd. Am Ende der Straße stieg ich dann wieder auf und wir ritten gemütlich weiter.

Als Gedanke habe ich mir die Frage mitgenommen, warum es einem manchmal nur so fern ist, vom sprichwörtlich „hohen Ross“ herunterzukommen. An dieser Stelle abzusteigen, ist nicht feige, sondern schlicht und einfach vernünftig, ja, vielleicht sogar schlau (vorausgesetzt natürlich, man kann sein Pferd sicher führen). 🙂

16. Mai 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Reiten 8 Kommentare »

Eine interessante Erkenntnis

Da ich mir in meiner reitlehrerlosen Zeit eine Art „Chopper-Sitz“ angewohnt hatte, also so richtig schön mit tiefgedrückten Absätzen und nach vorne gestreckten Beinen, hat Babette mit mir die letzten Wochen intensiv an meinen Beinen und Fußgelenken gearbeitet.

Ich habe in hohem Maß von ihren Übungen zum blockierten Fußgelenk profitieren können. Sorgenkind war allerdings immer noch mein linker Fuß, bei dem ich immer wieder dazu neigte, unbewusst den Absatz herunterzudrücken.

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18. März 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Reiten 0 Kommentare »

  • Reitkurs

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