Frag‘ Babette: Wie erkläre ich dem Pferd die Hilfen?

„Frag‘ Babette“ ist eine neue Kategorie bei uns und der Titel ist Programm, denn hier nimmt sich Babette Fragen vor, die ihr häufig gestellt werden. Wer ebenfalls eine Frage an Babette hat, schreibt einfach eine Mail an team@wege-zum-pferd.de. Und für alle, die uns noch nicht so gut kennen: Babette arbeitet seit über 20 Jahren als Pferdetrainerin und hat sich als vor allem als Spezialistin für das gesundheitsfördernde Longieren und dem Longenkurs einen Namen gemacht. Zusammen mit Tania gibt sie seit 2008 den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ und weitere Selbstlernkurse wie Der Aufbaukurs zum Longenkurs, Sehen lernen und andere mehr heraus. 

 

Wie erkläre ich dem Pferd die Hilfen?

Diese Frage bekommen wir sehr häufig gestellt:

  • Mein Pferd reagiert nicht auf das Peitschensignal zur Schulter, was kann ich tun?
  • Mein Pferd reagiert nicht auf die treibende Gerte.
  • Wenn ich mit der Peitsche zum Pferd gehe, reagiert mein Pferd aggressiv. 

In dem folgenden Video geht Babette auf diese und weitere Themen ein. Sie beschreibt dabei ausführlich und demonstriert praktisch, wie sie Hilfen etabliert:

Hilfen erklären - Wege zum Pferd

(Link führt zu youtube)

 

15. Oktober 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Arbeit an der Hand, Jungpferdausbildung, Longieren 0 Kommentare »

Die Trust Technique – ein Erfahrungsbericht

Bei meinen Praxiskursen zum Longenkurs stelle ich immer fest, dass so eine Teilnahme für viele Menschen und ihre Pferde eine sehr aufregende, ja teilweise auch stressige Situation ist. Deutlich wird dabei auch immer wieder, dass das Verhalten des Pferdes sehr stark von der Ausstrahlung des Menschen abhängt, mit dem es im Augenblick im Kontakt ist. Deshalb arbeite ich bei nervösen, angespannten und widersetzlichen Pferden zunächst vorrangig mit dem dazugehörigen Menschen, sie sind oft der entscheidende Schlüssel. Dabei bemühe ich mich, meinen zweibeinigen Schülern zu einem guten emotionalen Zustand zu verhelfen, in dem es ihnen gelingt, sich zu entspannen, gut zu atmen, schöne Bilder im Kopf zu haben und auf diese Weise eine Ausstrahlung auf das jeweilige Pferd zu haben, die  wiederum diesem hilft, sich ebenfalls zu entspannen und so seinerseits in einen Zustand zu gelangen, indem es lernen und gut mitarbeiten kann.

Es ist einfach eine Tatsache: Pferde spiegeln uns, wir können ihnen nichts vormachen – und genau das können wir auch nutzen, wenn wir bereit sind, an uns zu arbeiten.

Während mir der Zusammenhang zwischen dem inneren Zustand des Menschen und dem des Pferdes immer bewusster wurde, bekamen wir zeitgleich bei „Wege zum Pferd“ in kurzer Folge mehrere E-Mails, in denen uns Leserinnen unabhängig voneinander auf die „Trust Technique“ aufmerksam machten. Bei dieser Methode geht es spannenderweise genau um die Wirkung unserer Ausstrahlung auf unsere Pferde. Und wie es der „Zufall“ dann weiter so wollte, sprach ich darüber während einer meiner Kurse auch mit Alexia Meyer-Kahlen, die sich genau mit dieser Methode seit 2015 befasst.

Alexia ist Pferdebuchautorin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Fachberaterin für Stress-und Burnout. So war Alexia für mich die perfekte Frau für dieses interessante Thema und ich bat sie, einen Beitrag für uns zu schreiben, damit wir diese Methode hier einmal vorstellen können. Ich freue mich sehr, dass sie meiner Bitte nachgekommen ist, und für uns folgenden Gastbeitrag geschrieben hat. Viel Spaß beim Lesen und beim Ausprobieren der praktischen Übung, die Alexia am Ende des Artikels anleitet.

Die Trust Technique  – Heilung und Kommunikation in innerer Stille

Von Alexia Meyer-Kahlen

Ich bin im Sommer 2015 auf „Trust“ gestoßen, als ich mit meinen beiden Pferden in einem Pensionsstall stand, in dem es viele Probleme gab – unter anderem eine chaotische Herdenintegration, die dazu führte, dass meine Stute ständig bestiegen und der Wallach von den anderen Pferden nicht ans Heu gelassen wurde. Also Stress pur für die Pferde. Als wir ihnen in dieser Situation das „Trust“-Gefühl anboten, sogen sie es auf wie ein Schwamm und wurden zusehends sicherer und gelassener. Auch benutzten wir die in der Trust Technique  integrierte Tierkommunikation, um den Pferden Bilder von ihrem neuen Zuhause zu schicken, das wir in dieser Zeit für sie bauten. Als die Beiden Anfang Oktober endlich umziehen konnten, war es, als hätten sie niemals woanders gelebt.

Die Trust Technique  (trust-technique.com) ist laut ihrem Erfinder, dem englischen Reiki-Meister James French, im Wesentlichen eine Achtsamkeitspraxis des Menschen mit seinem Tier. In Stille gemeinsam in den gegenwärtigen Moment einzutauchen, öffnet einen Raum jenseits unserer alltäglichen Grübeleien und Emotionen. Einen Raum, in dem wir einfach gemeinsam DA SEIN können. Wir kommen in einen Zustand inneren Friedens. Wenn wir mit unserem Pferd diesen Frieden immer wieder teilen, kann sich mit der Zeit Angst in Vertrauen wandeln. Ruhe kehrt ein. Alte Wunden können heilen. Die Vertrauensbasis, die sich so aufbaut, wird sich auch auf andere Bereiche des gemeinsamen Lebens auswirken.

James French ist ein hervorragender Didaktiker, der sich bemüht, die Dinge einfach darzustellen. Mit Hilfe von drei Sinnesankern für die innere Ausrichtung (siehe nachfolgende Übung) findet man in die gedankenfreie Erfahrung inneren Friedens. Den Pferden ist dieser Zustand aus ihrem sozialen Leben vertraut und sie stimmen sich schnell ein. Das führt zu einer merklichen Entspannung: Der Blick des Pferdes wird weich, es senkt den Kopf, schließt die Augen. Irgendwann legt es sich sogar hin und fällt in einen tiefschlafähnlichen Zustand, in dem laut James French nachhaltige Heilung geschehen kann.

In den 15 Jahren, in denen es sie jetzt gibt, entwickelte sich die Trust Technique  immer weiter. Man kann sie in einem umfangreichen Online-Videokurs erlernen (allerdings nur auf Englisch), irgendwo auf der Welt den Trust Technique I have a dream – Schnuppertag besuchen oder James und seine Frau Shelley dabei antreffen, wie sie mal wieder einem Tierschutzprojekt ihre Dienste kostenfrei zur Verfügung stellen. Neben Pferden, Hunden und Katzen arbeiten sie auch mit Löwen und Bären. In England ist der „Trust-Practitioner“ mittlerweile sogar ein offiziell anerkannter Abschluss.

Seit fast dreißig Jahren begleitet Achtsamkeitspraxis mein persönliches Leben. Ich  kann mir das Zusammensein mit Pferden nicht mehr anders als auf dieser Basis vorstellen und bin immer wieder überrascht und bezaubert von der unaussprechlichen Tiefe, die sich im stillen Miteinander öffnet. Meine Stute holt sich ihre „Meditationseinheiten“ regelmäßig ab, indem sie sich einfach neben mich stellt und in ihre innere Ruhe geht. Als wolle sie mich dazu auffordern, dasselbe zu tun. Durch das Praktizieren von “Trust“ verändert sich grundlegend etwas im Pferd-Mensch-Verhältnis.


Fotos von Rachel E. Jackson

Der Trust-Ansatz ist von seiner Ausrichtung her eher passiv. Mir persönlich fehlte irgendwann ein Anschluss zu all den anderen Facetten des Zusammenseins mit dem Pferd, der über eine allgemeine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ hinausging. Ich habe mir einen achtsamkeitsbasierten Ansatz gewünscht, der mich nicht nur ins Sein, sondern auch ins Tun mit dem Pferd, etwa in die Boden- oder Freiarbeit, konkret begleitet. Einen solchen habe ich seither sowohl bei Stefan Valentin („Feine Sprache“) als auch bei Elsa Sinclair („Freedom Based Training“) gefunden, die jeder auf ihre Weise das gemeinsame Da-Sein in innerer Ruhe als ein wesentliches Element in ihre Pferdearbeit integriert haben. Die Trust Technique  ist für mich aber nach wie vor ein schöner und tiefer Weg des in Stille verbundenen Zusammenseins mit dem Pferd, der wechselseitige Heilung und Kommunikation fördert.

Übung: Ganz entspannt im Hier und Jetzt

In der Trust Technique  gibt es zwei grundlegende Stufen:

  • Auf der ersten Stufe machen wir erst uns und dann unser Pferd mit dem Zustand der Gegenwärtigkeit vertraut.
  • Auf der zweiten Stufe versuchen wir, den Zustand des inneren Ruhens im Hier und Jetzt in alles zu integrieren, was wir ohnehin mit dem Pferd so machen.

Der Zustand von Gegenwärtigkeit / reiner Präsenz / einfachem Da-Sein (oder wie immer wir ihn nennen wollen) ist ein innerer Raum, in den viele Wege und Türen führen. Die folgende Übung zeigt dir den Zugang, wie er in der Trust Technique  beschrieben wird.

Im Gegensatz zu deinen kreisenden Gedanken und aufflackernden Gefühlen, mit denen du an dem hängst, was war und auf das spekulierst, was wird, ist dein Körper der Teil von dir, der immer gegenwärtig ist.  Wenn du dich innerlich ganz auf den Körper mit seinen Sinnen ausrichtest, ankert er dich automatisch im Hier und Jetzt.

  1. Setze, stelle oder lege dich bequem und entspannt hin.
  2. Konzentriere dich nun darauf, deinen Körper so ruhig wie möglich zu halten.
  3. Dann lasse deine Augen mit weichem Blick auf einem Punkt etwa zwei Meter von dir entfernt ruhen.
  4. Dann lausche einem Geräusch, das dich gerade umgibt.
  5. Dann spüre in den Kontakt deiner Hände zum Untergrund, auf dem sie gerade aufliegen.
  6. Versuche nun, dich auf diese drei Sinneskanäle (Sehen-Hören-Empfinden) gleichzeitig zu konzentrieren.
  7. Verweile absichtslos in dem, was hier und jetzt ist.
  8. Wenn du merkst, dass ein Gedanke deine Ausrichtung unterbricht, kehre einfach wieder zum Sehen-Hören-Empfinden im gegenwärtigen Moment zurück. 

Im Gefühl der reinen Präsenz zu verweilen, braucht Zeit. Wenn du dich mit der beschriebenen Übung etwa eine Woche lang für mindestens 5 Minuten am Tag vertraut gemacht hast, kannst du sie einfach mal in Gegenwart deines Pferdes ausführen. Am besten zu einer Zeit, in der es ohnehin eine Ruhephase hat.

Du setzt oder stellst dich in seine Nähe, ohne es anzuschauen. Und begibst dich dann mit Hilfe der Konzentration auf die drei Sinneskanäle in einen Zustand von Gegenwärtigkeit. Vielleicht nimmt das Pferd deine Einladung, gemeinsam still zu werden, gerne an und hilft dir mit seiner Gegenwärtigkeit, deine eigene zu vertiefen. Irgendwann öffnet sich ein Raum, in dem ihr beide ganz eins seid. Bleibe darin, so lange du und dein Pferd es mögen.

Tipp: Auf meiner Webseite achtsamkeit-am-pferd.de findest du kostenlose Audio-Downloads für zwei weitere Übungen, um in einen Zustand innerer Ruhe zu finden: Atem beobachten (ca. 15 min.) und Körper scannen (ca. 30 min.) Die Übungen entstammen dem Buch „Feine Sprache. Die tiefe Verbindung zum Pferd und zu sich selbst“, das ich gemeinsam mit Stefan Valentin geschrieben habe. Es erscheint im Müller-Rüschlikon Verlag am 19.9.19.

Alexia Meyer-Kahlen ist Pferdebuchautorin, Psychosynthesetherapeutin und Achtsamkeitslehrerin für Mensch und Pferd. (alexia-meyer-kahlen.com)

 

Hinweis: Wir verzichten in dem Text auf das „®“ hinter dem Namen mit Hinweis auf diesen Artikel, in dem ausgeführt ist, dass die Verwendung des „®“  in Deutschland nicht erforderlich ist.  

17. September 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Sonstiges, Übungen, Umgang 9 Kommentare »

Frag‘ Babette: Wie sieht eine optimale Longeneinheit aus?

„Frag‘ Babette“ ist eine neue Kategorie bei uns und der Titel ist Programm, denn hier nimmt sich Babette Fragen vor, die ihr häufig gestellt werden. Wer ebenfalls eine Frage an Babette hat, schreibt einfach eine Mail an team@wege-zum-pferd.de. Und für alle, die uns noch nicht so gut kennen: Babette arbeitet seit über 20 Jahren als Pferdetrainerin und hat sich als vor allem als Spezialistin für das gesundheitsfördernde Longieren und dem Longenkurs einen Namen gemacht. Zusammen mit Tania gibt sie seit 2008 den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ und weitere Selbstlernkurse wie Der Aufbaukurs zum Longenkurs, Sehen lernen und andere mehr heraus. 

 

Wie sieht eine Longeneinheit optimalerweise aus?

Diese Frage bekommen wir sehr häufig gestellt. Das Bedürfnis nach einer Art Trainingsplan ist ja auch mehr als verständlich, schließlich sind viele vor allem als Einsteiger in ein neues System schnell verunsichert und fragen sich zum Beispiel:

  • Wie lange und wie oft sollte man am besten longieren?
  • Welche Übungen sollte man in welcher Reihenfolge durchführen?
  • Muss erst eine Übung sitzen, bevor man andere angehen kann?
  • Kann man schon im Trab arbeiten, wenn die Übungen im Schritt noch nicht funktionieren?
  • Welches Tempo ist „richtig“?

In dem folgenden Video geht Babette auf diese und weitere Themen ein und beschreibt ausführlich und praktisch wie sie vorgeht, um Longeneinheiten optimal zu gestalten:

Wie sieht eine optimale Longeneinheit aus – Wege zum Pferd

(Link führt zu youtube)

 

20. August 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Arbeit an der Hand, Longieren 0 Kommentare »

Wie geht es eigentlich Pepe, Ronaldo und Buddy?

Sehr häufig werde ich gefragt „Hast du eigentlich noch Pferde?“ und „Wer arbeitet deine Pferde, wenn du unterwegs bist?“ und „Wie viele Pferde hast du noch?“ Da das doch viele zu interessieren scheint, möchte ich Euch in diesem Beitrag zeigen, wie meine Pferde heute leben und erzählen, wie es ihnen geht.

Als ich 2014 die Entscheidung traf meinen Hof aufzugeben, bedeutete diese Entscheidung nicht nur für mich eine große Veränderung in meinem Leben, auch für meine Pferde. Auch sie zogen aus ihrem langjährigen Zuhause aus und bekamen eine neue Heimat, mit neuen Kumpels und neuen Aufgaben bzw. „Nicht-Aufgaben“. 

Buddy

Buddy ist ja das Shetty meiner Tochter. Da sie nach Hannover zum Studieren ging, suchten wir für ihn einen Platz, wo er wieder eine Aufgabe hat. Buddy ist ein Pferd, das etwas tun will, er wird unglücklich, wenn er nicht „bespaßt“ wird. Und wir hatten das große Glück, eine tolle Pferdefrau zu kennen, die einen kleinen Stall hat, auf dem sie mit Kindern und Ponys arbeitet. Ihre Pferde werden optimal gehalten, behandelt und versorgt und ich könnte mir keinen besseren Platz für Buddy wünschen. Dort darf er regelmäßig sein gesamtes Arsenal an Kunststückchen und Spielereien zeigen, die wir ihm beigebracht haben und die er so sehr liebt.

Er gehört nach wie vor uns und wir besuchen ihn regelmäßig, auch wenn die Abstände dazwischen manchmal schon sehr lang sind. Was einfach wunderschön ist: Auch wenn ich mal zwei Monate nicht zu Besuch war, reicht ein Ruf und Buddy kommt! Er erkennt uns immer sofort, er vergisst uns in keinster Weise. 

Wenn Lena Buddy besucht, ist die Freude bei Beiden riesengroß

Zusammenfassend kann ich sagen: Buddy geht es rundum gut 🙂 und so möchte ich an dieser Stelle ein riesengroßes Danke sagen an Marita, dass sie so gut für unseren Buddy sorgt und er ein so glückliches Leben bei ihr führen darf!

Pepe

Pepe ist im Juli 2016 gemeinsam mit Ronaldo auf einen wunderschönen Paddock-Trail in der Nähe von Lüneburg gezogen.


Foto: Maren O´Sullivan

Foto: Maren O´Sullivan

Foto: Maren O´Sullivan

Pepe hatte 2013 einen Tritt ans Karpalgelenk bekommen, welches daraufhin stark anschwoll, und er deutlich lahmte. Leider hat sich aus dieser Verletzung eine Arthrose gebildet, die sich im Verlauf der Jahre weiter verschlechterte. Dadurch ist Pepe nicht mehr „belastbar“. Ich habe eine tolle Pflege-/Reitbeteiligung, die sich um Pepe kümmert und auch ab und an noch kleine Schrittrunden mit ihm ins Gelände geht. Ich selber reite ihn nicht mehr. 

Neues Leben, neue Freunde

Abgesehen von der Arthrose im Karpalgelenk geht es Pepe sehr gut. Er fühlt sich auf dem Trail sehr wohl und macht einen rundum zufriedenen Eindruck. Wir haben in diesem Stall eine sehr nette, hilfsbereite Gemeinschaft und ich habe zwei liebe Miteinstellerinnen, die Pepe mit füttern wenn ich „on Tour“ bin. Diese werden sehr gut angenommen und so werden, selbst wenn ich da bin und die Versorgung meiner Pferde erledige, Kathrin und Anette gerne gefragt, ob nicht vielleicht noch ein Futtereimer „drin“ ist. Das sieht dann so aus:

 

Ronaldo

Auch Ronaldo lebt seit 2016 auf dem Paddock-Trail und genießt sein Pferdeleben. Ich habe ihn ja schon mit deutlichen körperlichen Handicaps übernommen (wie und warum Ronaldo zu mir kam könnt Ihr hier nachlesen) und außer einigen Malen zu Zeiten der Korrekturausbildung bin ich ihn nie wirklich geritten. Ich reite ihn auch heute nicht und Ronaldo führt ein sehr entspanntes, sorgenfreies Leben auf dem Trail. Wie Pepe freut auch er sich, wenn ich komme, und holt sich seinen bis zum Rand gefüllten Eimer ab, denn nach wie vor ist Ronnie sehr schwerfuttrig und es ist geht viel Futter ins Pferd, damit er überhaupt ein bisschen was auf den Rippen hat.

Auch Ronaldo wird von meinen Stallkolleginnen mit gefüttert und ich möchte mich an dieser Stelle sehr bei Christiane, Kathrin und Anette bedanken <3 ! Und bei meiner Stallchefin Maren, die einen so schönen Platz für Pferde erschaffen hat und immer ein wachsames Auge auf alle ihr anvertrauten Pferde hat.

So bin ich also heute nur noch die Futterlieferantin für meine Pferde, die sich freut, wenn sie ihren Pferden über ihre zufriedenen Nasen streicheln darf. Ja, manchmal vermisse ich die Ausritte mit Pepe und die Zeiten, in denen ich noch so intensiv mit ihnen „gearbeitet“ hatte, dass sie gut bemuskelt waren und wunderschön liefen. Und es war nicht einfach, die Ansprüche, die ich an mich selbst als „gute“ Pferdebesitzerin stelle, so deutlich herunterzufahren.

Aber, die Dinge ändern sich … Heute ist mir am wichtigsten, das meine Pferde ein glückliches Leben in einer schönen Herde führen können und ich dadurch nur ein kleines schlechtes Gewissen habe, nicht mehr so für sie da zu sein, wie ich es früher war und wie es auch immer mein eigener Anspruch an mich gewesen ist. Das Leben ist Veränderung. Und dazu gehört halt manchmal auch das Loslassen von etwas, was schön und intensiv war. Mir geht es in meinem neuen Leben sehr gut. Und ich spüre, meinen drei Pferden geht es in ihrem neuen Leben auch sehr gut. Und somit ist alles anders, aber gut 🙂

Und wer möchte, kann sich hier noch ein paar bewegte Bilder den Dreien anschauen.

5. Februar 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Sonstiges 2 Kommentare »

Fragen zum Longenkurs: Mehr Tempo bereitet Probleme

Heute befassen wir uns wieder einmal mit einem typischen Problem, das bei der Arbeit nach dem Longenkurs auftaucht, und ich zeige Euch meine Lösungsideen zu dem Problem:

Mein Pferd läuft mittlerweile im ruhigen Tempo losgelassen und in guter Balance, aber sobald ich die Hinterhand aktivieren möchte, verschlechtert sich die Haltung meines Pferdes. Soll ich also weiterhin im ruhigen Tempo bleiben? Auch dann, wenn ich mein Pferd galoppieren lassen möchte, ist die Haltung des Pferdes schlecht. Soll ich den Galopp noch weglassen?

Meine Antwort:

Eine meiner Leitlinien lautet: Fokussiere immer nur auf ein Detail der Laufmanier zur Zeit. Das bedeutet, dass wenn man am Thema „Aktivierung der Hinterhand“ arbeitet, man in der ersten Lernphase in Kauf nehmen muss, dass sich die bisher erarbeiteten Elemente, wie Losgelassenheit, Balance oder Biegung erstmal verschlechtern dürfen. 

Es ist wichtig, sich zu trauen, „über die Klippe zu springen“. So nenne ich die Bereitschaft, eben auch eine kurzfristige Verschlechterung zu akzeptieren, um weiterzukommen. Sobald die Hinterhand aktiv ist, kümmern wir uns sogleich wieder um die Verbesserung der Losgelassenheit, Balance und Biegung – aber wir brauchen zunächst eine aktive Hinterhand, um das Puzzle überhaupt weiter zusammensetzen zu können. 

Die Aktivierung der Hinterhand ist ein sehr wichtiger Baustein, der nicht zu spät mit ins Programm genommen werden darf. Die Pferde verlieren sonst immer mehr die Hinterhand, die Lauffreude und geraten ins „Latschen“.

Um die Hinterhand zu aktivieren sind Galopp-Trab-Wechsel eine gute Möglichkeit. Deswegen nehme ich den Galopp schon relativ früh mit ins Programm.

Aber: Wichtig ist, das Pferd im Galopp nicht einfach laufen zu lassen, wenn der Galopp noch zu schlecht ist! Mit Pferden, die deutliche Probleme mit dem Galopp haben, übe ich zunächst nur das Angaloppieren. Also im Trab behutsam etwas mehr Energie hineingeben und das Pferd zum Angaloppieren ermuntern und schon nach wenigen Sprüngen, die Energie wieder sanft herausnehmen, mit der Stimme beruhigen und es wieder in den Trab durchparieren. Ganz wichtig: dabei bitte NIE mit der Longe bremsen! 

Sobald das Pferd im Trab ist, lasse ich ihm Zeit, wieder zu einer guten Balance zu finden und arbeite wie zuvor mit gefühlvollen Hilfen an einer Verbesserung der Losgelassenheit und Haltung (dichter herangehen, beruhigen, Tempo rausnehmen, vorsichtig Volten einbauen und dabei darauf achten, das Pferd nicht über die Longe auf die Volten zu ziehen). Wenn es wieder in guter Losgelassenheit und Haltung läuft, lasse ich es noch einmal vorsichtig und so ruhig wie möglich angaloppieren.

Sowie das Pferd im Angaloppieren sicherer wird, kann ich den Galopp verlängern. Tritt eine Verschlechterung auf, gehe ich zurück zum Angaloppieren. Als Richtlinie würde ich sagen: pro Einheit das Angaloppieren maximal sechs- bis achtmal üben (jede Hand drei- bis viermal). Sollte der Galopp das Pferd noch sehr stressen, übe ich dies nicht in jeder Longeneinheit, sondern je nach Pferd nur in jeder dritten bis sechsten Einheit. Und das allerwichtigste: Belohnen Sie jedes Bemühen Ihres Pferdes sehr!

Aktive Hinterhand

22. Januar 2019 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung, Longieren 1 Kommentar »

So gewöhnt man ein Pferd an eine erfrischende Dusche

Dieser Sommer hat sich ja schon recht heiß präsentiert und da passt es doch gut, einmal das Thema „Duschen“ anzugehen. Viele Pferdeleute gehen vorschnell davon aus, dass sie ihrem Pferd einen Gefallen tun, wenn sie es nach dem Training kalt abduschen – und machen dann die Erfahrung, dass das manchmal keine Begeisterung, sondern Scheuen und Ausweichen auslöst. Lange nicht jedes Pferd stellt sich freiwillig und begeistert unter die Brause, viele haben schlicht und einfach erst einmal Angst!

Statt das Pferd dann dafür ungeduldig zu rügen oder gar zu bestrafen und es dazu zu bringen, die Dusche zu ertragen, ist es viel sinnvoller, es erst einmal Schritt für Schritt erst an den Schlauch, dann an das Wasser und erst dann ans Abgeduscht-werden zu gewöhnen. Dann kann eine kleine Dusche ein prima Wellnessprogramm sein! 

Einige werden sich bestimmt noch an unseren Nico erinnern, dessen Grundausbildung wir hier dokumentiert hatten. Von ihm gibt es einige schöne Aufnahmen, mit denen wir gut zeigen können, wie wir einem Pferd den Wasserschlauch nahebringen. Denn Nico fand das, was aus diesem komischen, schlangenförmigen Gebilde kommt, zunächst auch recht gruselig und so gewöhnten wir ihn kleinschrittig mit dem Weg der positiven Verstärkung daran.

Bekanntschaft mit dem Schlauch

Viele Pferde haben schon vor dem Schlauch allein Angst, ohne dass Wasser aus ihm kommt. Eigentlich kein Wunder, denn immerhin hat er doch das Aussehen einer großen Schlange. Also haben wir Nico zunächst den Schlauch ohne Wasser gezeigt.

n1

Jeder Blick und jede Annäherung an den Schlauch haben wir mittels Click und Belohnung verstärkt, bis Nico keinerlei Bedenken vor dem Schlauch zeigte und damit spielte:

n2Dann wurde das Wasser angestellt und – ganz wichtig!!! – der Wasserstrahl erst einmal WEG von Nico gehalten. Drehen Sie das Wasser erst mal nur wenig auf. So konnte Nico sich die Sache in Ruhe anschauen, ohne sich bedroht zu fühlen. Bei sehr ängstlichen Pferden sollte ruhig eine zweite Person den Schlauch mit einem noch deutlich größeren Abstand vom Pferd weghalten. Auch hier wieder jedes noch so kleine Interesse an dem Geschehen loben! Nico hingegen fand das, was Alex da machte, ziemlich interessant: 

n3Als nächstes zeigte Alex ihm dann, wie ungefährlich das Wasser ist, das da aus dem Schlauch kommt, indem sie es auf ihre Hand laufen und Nico daran teilhaben ließ. Nico war neugierig und aktiv dabei:

n4Dann durfte Nico das Wasser erst einmal mit dem Maul erkunden. Das ist wichtig, da Pferde alles Neue mit dem Maul ertasten. Hätten Petra und Alex das Wasser gleich an die Beine gehalten, wäre das einen deutlichen Schritt zu schnell gewesen. So aber konnte Nico das Wasser erstmal erschmecken:n5Wenn deutlich ist, dass das Pferd das Wasser nicht mehr als gruselig empfindet, kann man den Strahl behutsam näher an das Pferd bringen und vorsichtig die Hufe und Beine ansprühen. Weicht das Pferd aus oder wird es unruhig, bitte  unbedingt erstmal wieder einige Schritte zurückgehen und abwarten, bis das Pferd wieder entspannt ist. Bestärken und Loben Sie jeden Impuls des Pferdes, von sich aus Kontakt zum Wasser aufzunehmen. Viele werden an dieser Stelle ungeduldig und beginnen, ihr Pferd trotz Unruhe abzuspritzen. Dieses Überrumpeln oder Erzwingen ist leider nicht dazu geeignet, ein Pferd zu einer freudigen Wasserratte zu machen. Hier gilt es, ganz im Tempo des Pferdes vorzugehen, denn die Sache soll ihm ja guttun und was unter Stress stattfindet, tut nie gut. Macht ein Pferd hingegen gute Erfahrungen, kann es sich durchaus zum echten Dusch-Fan entwickeln, so wie Tanias Anthony. Wie auf dem folgenden Foto gut zu sehen ist, könnte er auch einfach weggehen, da er nicht am Strick gehalten wird. Statt dessen genießt er die Abkühlung: 

Pferd duschen

Extra-Tipp: Wer die Möglichkeit hat, kann die Gewöhnung an das Wasser auch sehr gut frei in einem abgezäunten Bereich angehen. Ohne Halfter und Strick hat das Pferd alle Möglichkeiten, den Prozess selbst mitzugestalten und der Mensch lernt, sich auf es einzustellen.

Wichtig!

Wenn sich ein Pferd gar nicht davon überzeugen lässt, dass eine Dusche mit dem Wasserstrahl eine feine Sache ist,  empfiehlt sich der Versuch, ihm das Wasser auf einem anderen Weg nahezubringen. Vielleicht kann es genießen, mit einem nassen Schwamm abgewaschen zu werden. Vielleicht ist ein Rasensprenger, den man auf den Paddock stellt, (natürlich nur unter Aufsicht) ein Weg, sich einer Dusche anzunähern. Es kann aber auch gut sein, dass ein Pferd das Wasser generell als zu kalt empfindet und deshalb keine Freude daran hat. Nicht immer ist das, was wir für gut halten auch wirklich gut für das Pferd, es sollte deshalb grundsätzlich ein Mitspracherecht haben!

Pferd duschen

19. Juni 2018 von Babette Teschen • Kategorie: Jungpferdausbildung, Spiele & Co, Umgang 3 Kommentare »

Fragen zum Longenkurs: Wie lange und wie oft?

Heute gebe ich Antworten auf zwei Grundsatzfragen zum Longenkurs:

  • Wie lange soll eine Trainingseinheit dauern?
  • Wie oft sollte man an der Longe arbeiten?

Meine Antwort:

Die Dauer der Einheiten richtet sich nach verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel dem Alter und Trainingszustand des Pferdes. Bei einem jungen Pferd reichen 15 min. Bei einem Pferd, das erst langsam wieder ins Training genommen wird, arbeiten wir die meiste Zeit im Schritt und steigern das Training langsam.

30 Minuten sind eine grobe Richtlinie für ein Pferd, welches das 3. Lebensjahr erreicht hat oder älter ist. Dabei darf die Einheit an sich aber auch länger sein. Die 30 min sind dann die Arbeitszeit und was noch hinzuzurechnen ist, ist die Zeit, die wir uns nehmen sollten, um eventuell verspannte Muskeln zu massieren, passende Dehnübungen durchzuführen oder einfach nur mit dem Pferd zusammen zu sein und Qualitätszeit zu genießen, also z.B. in der Bahn zu stehen und das Pferd an seiner Lieblingsstelle zu kraulen oder einfach ohne Anforderung mit dem Pferd über den Platz zu spazieren. Diese Pausen sollte man regelmäßig in die Arbeit einstreuen.

Hier einmal ein Beispiel für die Gestaltung einer Longeneinheit:

  • 10-15 min wärmen wir das Pferd im ruhigen Tempo auf ( z.B. mit Führen in Stellung, Seitengängen, Anschraten, auf Distanz im Schritt und langsamen Trab auf kurzer Distanz von ca. 2-3 Metern Bahnfiguren wandern)
  • 5 Minuten Massage/Wellness/Dehnungen/Beziehungspflege
  • 5-10 Min. schwungvolles Vorwärts mit aktiver Hinterhand, Trab-Galoppübergänge, Zirkel verschieben, ganze Bahn mit großer Longendistanz, an der langen Seite zulegen lassen, Fokus auf Lauffreude, wach machen, gemeinsam Spaß haben.
  • 5 Minuten Massage/Wellness/Dehnungen/Beziehungspflege
  • 5-10 Minuten gymnastizierende Übungen an der Hand, alternativ für fortgeschrittene Pferde Seitengänge longiert im Wechsel mit Slalom, Volten –  Schwerpunkt auf Biegung und Lastaufnahme der Hinterhand.
  • 5 Minuten Aktivierung der Hinterhand, Galopp
  • 5-10 Minuten Cool-down-Phase im ruhigen Tempo, Dehnen, Massage

In diesem Beispiel wäre man mit dem Pferd 45-50 Minuten auf dem Platz, das Pferd würde aber „nur“ ca. 30-35 Min. arbeiten, davon max. 15 Minuten im höheren Tempo, der Rest in ruhiger Manier.

Zur Häufigkeit der Einheiten

Für mich gilt der Leitsatz: „Der Muskel wächst am Ruhetag“. Wir sollten also im Training die Anforderungen an das Pferd möglichst nicht an aufeinanderfolgenden Tagen gleich halten. Deswegen longiere ich die Pferde auch nicht täglich, abgesehen davon, dass dem Pferd dann sehr wahrscheinlich die Longenarbeit auch bald fad wird und es nicht mehr motiviert sein wird. Nehmen Sie Ihr Pferd also lieber maximal jeden 2. Tag an die Longe und nutzen Sie die Tage dazwischen, die Zeit mit Ihrem Pferd“anders“ zu verbringen, sei es mit einem schönen Ausritt oder Spaziergängen, mit Clickertraining, mit Bodenarbeit zur Verbesserung der Kommunikation, für ein bisschen Freispringen oder auch für das Training unter dem Sattel …

Hat Ihr Pferd an der Longe bereits eine gute Laufmanier entwickelt und steht es körperlich gut da, „muss“ man theoretisch nicht longieren. Ich empfehle das Longieren aber auch bei gut trainierten Pferden mindestens 1 x  die Woche, um den guten Zustand des Pferdes zu halten. Und ganz grundsätzlich kann das Training an der Longe für Abwechslung sorgen und das Pferd wieder lockern, sollte es nötig sein.

Ansonsten gilt: Sie können so oft an der Longe arbeiten, wie es Ihrem Pferd und Ihnen Spaß bereitet und es Ihrem Pferd gut tut.

27. März 2018 von Babette Teschen • Kategorie: Longieren 1 Kommentar »

Fragen zum Longenkurs – Probleme beim Führen in Stellung

Heute mal wieder eine häufig gestellte Frage zum Longenkurs und meine Antwort mit Lösungsideen zu dem Problem:

Frage: Was mache ich, wenn das Führen in Stellung nur mit der Hand auf der Nase nicht aber mit Abstand klappt?

Ich arbeite seit einiger Zeit nach dem Longenkurs an Führen in Stellung. Soweit scheint es ganz gut zu gehen. Aber sobald ich versuche, etwas Abstand zu meiner Stute zu nehmen, fällt sie aus der Stellung heraus, also immer dann, wenn ich den Kontakt zum Kappzaum verliere. Sollte ich es erst mal dabei lassen und weiter am Kappzaum führen? Wie lange sollte man innerhalb einer Einheit machen? Das Führen in Stellung ist ja die Grundlage von allen weiterführenden Übungen, kann ich, auch wenn das noch nicht gut klappt, dennoch andere Übungen machen?  Allerdings können wir ja auch nicht eine halbe Stunde nur Führen in Stellung machen, oder? Die Stresspunkte habe ich auch schon massiert. Die hohle Seite geht natürlich besser als die händige Seite.
Wie soll ich weiter vorgehen. Was sollte ich ändern?

Meine Antwort:

Das Führen in Stellung ist eine Übung, die folgende Frage an das Pferd stellt: „Kannst Du Dich auf einen leichten, lockenden Impuls am Kappzaum im Genick stellen?“ Wir möchten mit ihr dem Pferd die Hilfe der Longe erklären und überprüfen, ob das Pferd im Genick locker ist und sich stellen kann. Dann versuchen wir die gleiche Frage auf Distanz zu stellen, indem wir an der Longe sanft lockende Impulse geben und beobachten, ob unser Pferd im Genick ebenfalls richtig reagiert. Bekommen wir auf Distanz noch keine Antwort wissen wir, dass das Pferd die „Brücke“ noch nicht verstanden hat. Wir müssen diese Erklärung für das Pferd noch mal wiederholen, was aber nicht in derselben Einheit passieren muss! 

Eine wichtige Grundregel bei meiner Arbeit mit dem Pferd lautet immer:

„Arbeite Dein Pferd so, dass es motiviert und
 im „Ja“ bleibt und durch das, was Du mit ihm tust,
nicht genervt und unleidlich werden muss.“

Aus dieser Grundregel folgt, dass man keine Übung zu lange und ausschließlich machen darf. Und nein, keine Übung muss erst perfekt sein, bevor ich andere Übungen mache. Die gute Laufmanier setzt sich ja aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Stellung und Biegung ist ein wichtiger Baustein, aber ebenso wichtig sind Takt, eine aktive Hinterhand, Balance usw.

In der Regel mache ich das Führen in Stellung auf jeder Hand für ein, zwei Zirkel und wechsele dann in eine der vielen anderen Übungen, die wir im Longenkurs beschreiben, auch wenn das Führen in Stellung noch nicht perfekt ist. So würde ich als nächstes vielleicht das Pferd etwas in der Quadratvolte longieren und dabei üben, den Zirkel zu vergrößern (also das Pferd hinter die Quadratvolte zu dirigieren und nach zwei, drei Runden den Zirkel zu verkleinern und mein Pferd wieder in die Quadratvolte zurückzuholen) oder ich gehe mit dem Pferd ganze Bahn und achte dabei auf fleißige, raumgreifende Bewegungen in einem gleichmäßigen Takt.  Oder ich longiere den Slalom, um an unserer gemeinsamen Kommunikation über die Körpersprache zu arbeiten. Auch würde ich mit dem Pferd schon das langsame Antraben in entspannter Haltung üben (das so genannte Anschraten) und schauen, ob mein Pferd schon ein paar Schritte Konterschulterherein gehen kann. 

Jede Übung dauert bei meiner Arbeit immer nur einige, wenige Minuten und jede Übung legt den Schwerpunkt auf einen anderen Baustein der Laufmanier, in der Hoffnung, dass sich das Puzzle „Gutes Laufen auf einer Kreisbahn“ immer weiter zusammensetzt.

Wichtig ist, dabei immer die Psyche des Pferdes, im Blick zu behalten und zu schauen, was dem Pferd leicht fällt, was ihm Spaß macht, um den Hauptteil der Zeit in diesem positiven Bereich zu arbeiten. Von da aus arbeiten wir uns immer mal kurz an die Themen heran, die noch schwierig sind und bei denen das Pferd noch Probleme zeigt. 

Es geht also nie darum, erst einmal nur bei der Übung „Führen in Stellung“ zu bleiben, sondern das Pferd soll abwechslungsreich und vor allem flexibel gearbeitet werden, damit es nach und nach mit Freude und Spaß an der Sache alle Hilfen und die Körpersprache sowie die korrekten Bausteine der guten Laufmanier erlernt.

27. Februar 2018 von Babette Teschen • Kategorie: Arbeit an der Hand, Longieren 2 Kommentare »

Fragen zum Longenkurs: Mein Pferd wehrt sich gegen die Hand am Kappzaum

Einige Fragen zu meinem Longenkurs bekomme ich so häufig, dass ich mir überlegt habe, meine Antworten einfach einmal als  Blogbeiträge zu veröffentlichen. Auch über den Longenkurs hinaus können diese Antworten bestimmt einige hilfreiche Anregungen für den Umgang mit Problemen bieten. 

Frage: Was soll ich tun, wenn sich mein Pferd gegen die Hand am Kappzaum wehrt?

Mein Pferd akzeptiert die Hand am Kappzaum nicht.  Es reagiert widersetzlich,  fängt an zu schnappen und  mit dem Kopf zu schlagen.

Was soll ich tun?

Dass Pferde am Anfang gegen die Hand am Kappzaum angehen, ist ein weit verbreitetes Problem, denn tatsächlich mögen viele Pferde zunächst weder die Nähe des Menschen am Kopf, noch das Anfassen so nah an der Nase. 

Wichtig ist, dass wir immer in dem Rahmen arbeiten, der für das Pferd in Ordnung ist und von da aus dann das Pferd langsam sowohl an unsere Position am Kopf als auch an die Hand am Kappzaum gewöhnen. Man kann sich die Hand am Kappzaum sehr leicht „vergiften“ und damit negativ besetzen, so dass das Pferd immer angespannt und gestresst sein wird, sobald wir mit der Hand dicht an seinen Kopf gehen. Genau das soll nicht passieren und deshalb gilt es zunächst einfühlsam herauszufinden, wo für das Pferd die Grenze ist.

Ich gebe solchen Pferden zunächst die Distanz, in der sie loslassen können und keine Stresssignale senden, wie zum Beispiel

  • Falten über den Augen/Sorgenblick,
  • hochgezogene Nüstern,
  • verkniffenes Maul,
  • angespannte Gesichtsmuskulatur,
  • zurückgelegte Ohren
  • „Widersetzlichkeit“ zeigen, wie eben zu schnappen, mit dem Kopf zu schlagen,
  • und ähnliches.

All das sind Zeichen dafür, dass ich schon zu nah am Pferd bin. Erst wenn sich das Pferd wirklich entspannt und locker wirkt, habe ich den momentanen Wohlfühlabstand gefunden. Ich arbeite zunächst von dieser Distanz aus und übe dann behutsam von dort aus das kleinschrittige Annähern.

Immer nur schrittweise vorgehen

Nehmen wir an, ich brauche zwei Meter Distanz zum Pferd, damit es losgelassen und stressfrei laufen kann. Dann gehe ich zunächst nur für einige kurze Momente ohne Druck und Erwartungen 30 cm dichter an mein Pferd und entferne mich wieder. So arbeite ich mich heran, bis das Pferd keine Sorgen mehr bekommt, wenn ich dauerhaft in einem Abstand von 1.70 cm neben ihm gehe. Von da aus kann ich beim nächsten Mal vielleicht beginnen, mich auf 1.50 anzunähern und so weiter.

Konnte ich mich so bis an mein Pferd heranarbeiten und akzeptiert mein Pferd ohne Stress, dass ich direkt neben ihm gehe, fasse ich kurz locker auf das Kappzaumeisen, aber ohne etwas tun zu wollen (also noch ohne jede Einwirkung!). Hält mein Pferd still, nehme ich gleich die Hand wieder weg und lobe mein Pferd.

Sollte das Pferd versuchen, durch Kopfschlagen oder Schnappen die Hand wegzubekommen, versuche ich mit der Hand ganz sanft am Kappzaumeisen zu bleiben, ohne aber dabei das Pferd festhalten zu wollen oder auf das Schnappen mit Strafe zu reagieren. Ich bleibe einfach locker dran. Genau so, wie der Strick der vorne am Kappzaum hängt und nicht abgeht, so verhält sich nun meine Hand. In dem Moment, in dem das Pferd drei Sekunden ohne Fehler die Hand am Kappzaum akzeptiert, nehme ich die Hand sofort wieder weg und lobe.

Nimmt man die Hand weg, wenn das Pferd schnappt oder mit dem Kopf schlägt, kann das Pferd daraus den Schluss ziehen, dass es damit die Hand los wird. Wir wollen ihm ja aber vermitteln, dass die Hand auf der Nase gar nichts Schlimmes ist und da ruhig bleiben darf.

Reagiert man auf die Widersetzlichkeit des Pferdes mit Ärger, Strafen oder in einer anderen Art negativ, verbindet das Pferd immer mehr Stress mit der Hand am Kappzaum und das Verhalten wird sich verschlimmern.

Unerwünschtes Verhalten nicht strafen, sondern ignorieren

Meine Erfahrung zeigt, dass ein locker-entspanntes Ignorieren von Fehlverhalten mit geduldiger Gewöhnung am sichersten dazu führt, dass das Pferd kein widersetzliches Verhalten mehr zeigen muss. Es braucht dafür vor allem eines: Vertrauen. Das Pferd muss immer wieder die Erfahrung machen können, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn der Mensch auf Kopfhöhe mitgeht und seine Hand auf das Kappzaumeisen legt. 

Solange das Pferd die Nähe und die Hand am Kappzaum noch nicht akzeptieren kann, mache ich die Übungen an der Longe einfach aus der Distanz heraus, die für mein Pferd noch im grünen Bereich sind. Das Longieren in der Quadratvolte, den Slalom, ganze Bahn zu longieren, die Übung „Volten verschieben“ – all das kann ich wunderbar mit  Pferden aus der Distanz machen, wenn sie die Hand am Kappzaum noch nicht akzeptieren.

Oft hilft allein schon das eigene Loslassen des Anspruchs, das Pferd unbedingt direkt am Kappzaum stellen und führen zu wollen, denn häufig sind wir dabei unbewusst selbst angespannt und in einer Habacht-Stellung, die sich auf das Pferd überträgt. 

Extra-Tipp: Das Akzeptieren der Hand am Kappzaum kann man sich auch sehr gut über das Clickertraining erarbeiten.

Hand auf dem Kappzaum

30. Januar 2018 von Babette Teschen • Kategorie: Longieren 4 Kommentare »

Der Tod einer Stute und was er in mir ausgelöst hat

In der Pferdewelt dreht sich seit Wochen vieles um eine Tragödie: Bei einem Kurs für zirzensische Lektionen kam beim Training der Lektion „Kompliment“ ein Pferd um’s Leben. Auf Facebook wird nun diskutiert, wer Schuld daran ist und der Trainer wird unter anderem als „Mörder“ verurteilt. 

Ein Blick zurück

Mich hat das Geschehen tief bewegt, denn ein fast identischer Vorfall hat vor vielen Jahren ein Umdenken bei mir in Gang gebracht. Wer das Interview, welches Antoinette Hitzinger in der Pferdekonferenz mit Tania und mir geführt hat, gesehen hat, kennt die Geschichte bereits, denn dort habe ich sie erzählt. Und auch in einem früheren Beitrag von mir, mein Dank an mein Pferd Mariscal, habe ich von diesem Vorfall bereits berichtet.

Damals war mein Pferd Mariscal in derselben Situation wie die Stute Evita aus besagtem Kurs. Ich wollte, dass Mariscal lernt, so lange im Kompliment zu bleiben, bis ich das Kommando „Auf!“ gebe. Er hatte schon gelernt, nur auf das Anlegen der Gerte ans Röhrbein ins Kompliment zu gehen, aber er stand schnell wieder auf. Da ich mit Mariscal damals auf Vorführungen ging und mir auch einiges in dieser Richtung für die Zukunft für uns erträumte, machte so eine halbgut ausgeführte Lektion freilich nichts her. Also bat ich einen bekannten, in der Pferdewelt hoch angesehenen Trainer (es handelte sich nicht um den Trainer, bei dem Evita zu Tode kam), mir zu zeigen, wie ich Mariscal dazu bringen konnte, im Kompliment zu verharren. Ich bat ihn dabei aber auch, auf Gewalt und Zwang zu verzichten, da ich schon damals in der Richtung „Freiwilligkeit“ unterwegs war und vor allem auch wusste, wie Mariscal bei Druck und Zwang reagierte.

Mariscal kannte die Arbeit mit der Beinlonge, die auch bei der Stute Evita angewandt wurde. Er hatte an sich auch kein Problem damit, nur wenn man versuchte ihn mit der Longe unten zu halten, reagierte er panisch. Das sagte ich dem Trainer und bat ihn, Mariscal nicht unten zu halten. Genau das aber machte der Trainer. Auch mein Pferd kämpfte, kam aber bei der Aktion mit dem Leben davon, denn irgendwann hatte der Trainer es „geschafft“: Mein Pferd blieb unten. Mit einem Gesichtsausdruck der Resignation, gebrochen, aufgegeben …

Und ich hatte nicht eingegriffen.

Ich war zu feige gewesen, hatte zu viel Respekt vor dem Trainer und wollte doch auch so gerne das Zielbild erreichen. Bis heute fühle ich mich unendlich schlecht, wenn ich an diesen Vorfall denke. Wie konnte ich meinem Pferd nur so was antun? Wie ihn so im Stich lassen? Und wofür? Für mein Ego? Damit ich auf Shows mit ihm angeben konnte? Damit mich die Zuschauer dafür bewundern würden, wie viel Vertrauen doch mein Pferd zu mir hat? 

Ich stand damals ganz am Anfang meiner Trainerlaufbahn. Ich fing gerade erst an, Unterricht und Kurse zu geben und war auf der Suche nach Kunden. Mein Hof stand finanziell schlecht da, Geld musste reinkommen. Und wie bekommt man Kunden? Zum Beispiel indem man Auftritte macht und auf Messen geht. Meine Motivation war sicherlich eine Mischung aus „Es muss gut sein, damit die Menschen mich gut finden und bei mir Unterricht nehmen wollen.“ und meinem persönlichen Ego, welches zeigen wollte, was ich alles Tolles mit meinen Pferden kann. 

Rechtfertigt eine dieser Motivationen es, ein Lebewesen so gegen sein Nein zu zwingen? Ja, dann welche? Das eigene finanzielle Überleben? Wenn nein, gibt es überhaupt eine Motivation, die rechtfertigt, dass wir ein Lebewesen so bezwingen dürfen? 

Was ist eine Lektion wert?

Und wie schaut es mit anderen Bereichen im Umgang mit dem Pferd aus? Was ist mit einem „Nein“ des Pferdes unter dem Sattel? Wo ist es richtig, dass wir uns „durchsetzen“ und wo fängt Gewalt an? Wer schon länger auf unserer Seite mitliest weiß, dass uns diese Fragen immer und immer wieder beschäftigen.

Ich lebe seit über 5 Jahren aus ethischen Motiven vegan. Ich möchte nicht, dass Tiere für mich getötet werden oder dass sie für mich leiden müssen. Dadurch setze ich mich auch immer wieder mit der Frage auseinander „Wie vegan ist es, Pferde zu reiten, zu trainieren  und, ja, auch zu longieren?“ 

Auf meinen Kursen treffe ich regelmäßig auf Pferde, die nein zum Longieren sagen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Einige Pferde haben Angst, andere keine Lust, andere haben körperliche Probleme … – und bei jedem Pferd versuche ich den Spagat

  • zwischen meinem Sein als Trainerin, die dem Pferd helfen möchte sich besser bewegen zu können und es gut auf seinen Weg als Reit-oder Fahrpferd vorzubereiten und
  • meinem Sein als Tierliebhaberin, Tierrechtlerin und Veganerin. 

Ich bin heute in der glücklichen Situation als Trainerin gefragt zu sein. Meine Kurse sind seit Jahren gut besucht und ich habe es heute nicht mehr nötig, mich auf Messen „auszustellen“. Meine Pferde müssen also nichts mehr zeigen, ich bin raus aus dem Druck.

Was aber wäre, wenn es anders wäre? 

Schöner Schein, doch wie sieht es dahinter aus?

Shows wie die Apassionata und andere werden massenhaft besucht. Die Menschen wollen Pferde sehen, die sich in jeder Situation hinlegen und alles mit sich machen lassen. Und ja, sicherlich wird es das eine oder andere Pferd geben, welches solche Lektionen tatsächlich freiwillig und ohne Zwang gelernt hat, aber ich habe genug Einblick hinter die Kulissen, dass ich weiß, dass gerade auch bei Zirkuslektionen oft mit sehr viel Druck und Zwang gearbeitet wird. Dem Pferd dann als Belohnung ein Leckerchen ins Maul zu schieben, ändert nichts an der Tatsache, dass oft mit sehr viel negativer Verstärkung gearbeitet wird bis hin zu drastischer Gewalt. Wer mit seinem Pferd auf Aufritten brillieren möchte, kann eben nicht auf Freiwilligkeit setzen, hier müssen die Pferde „funktionieren“.

Und so sollte sich also meiner Ansicht nach jeder, der nun über den schlimmen Vorfall von Evita urteilt, auch sehr genau überlegen, wobei sie/er selbst applaudiert: Für eine beeindruckende Messevorführung? Bei einer Show wie Apassionata? Bei einer Dressurvorführung? Bei einem Springturnier? Bei einer Vielseitigkeitsprüfung? Wie sicher können wir uns sein, dass die Pferde dort freiwillig tun, was von ihnen verlangt wird?

Der Weg ist wichtiger als das Ziel

Ich habe inzwischen gelernt, dass ich mich nicht mehr von einem Zielbild beeindrucken lasse. Bevor ich beurteile, ob ich gut finde, was ich sehe oder nicht, will ich wissen, wie der Weg dorthin aussah. Ich will wissen, wie mit einem Nein des Pferdes umgegangen wird. Darf das Pferd nein sagen? Wird dann vielleicht nach einem anderen Weg gesucht? Wird vielleicht sogar ganz auf diese Übung verzichtet? Mir ist sehr wohl bewusst, dass man nicht jedes Nein eines Pferdes einfach so annehmen kann, denn dann wäre eine gefahrlose Lebensgemeinschaft nicht möglich. Wenn mein Pferd gerade nicht am Straßenrand stehen bleiben möchte, obwohl ein Auto kommt, kann ich natürlich nicht sagen: „Na gut, dann geh halt …“

Ein Aufruf zu mehr Achtsamkeit

Mir tun alle Beteiligten dieses Vorfalls sehr leid, allen voran natürlich Evita. Aber vielleicht kann ihr Tod dazu beitragen, dass wir Pferdemenschen achtsamer werden:

  • dass wir bereit sind mehr hinzuspüren, ob das, was wir gerade tun, richtig ist.
  • dass wir uns fragen, ob wir das, was wir gerade tun, aus ethisch-moralischer Sicht „tun dürfen“
  • oder ob wir die Grenzen unseres Pferdes gerade überschreiten.
  • dass wir lernen, ein „Nein“ eines Pferdes nicht als „Ungehorsamkeit“ zu sehen, sondern als Ausdruck seiner Not, seines „Nicht-könnens“ oder „Nicht-verstehen“.

Vielleicht kann Evita so helfen, dass Leben und die seelische Gesundheit anderer Pferde zu retten. 

Ich hoffe, dass Mariscal mir verziehen hat, und vielleicht kann ich mir irgendwann auch verzeihen. Ich werde mir den Rest meines Trainerlebens die größte Mühe geben, den Spagat zwischen Trainerin und pferdeliebende Veganerin hinzubekommen. Ich möchte immer weiter lernen, das Nein eines Pferdes zum richtigen Zeitpunkt zu akzeptieren und ansonsten daran arbeiten, es auf pferdefreundlichen, sanften Wegen zu versuchen, ein Nein in ein freiwilliges Ja umzuwandeln. Denn ich möchte, dass es den Pferden mit uns Menschen gut geht! Körperlich und seelisch. Und ein schönes, pferdefreundliches Training hilft dem Pferd dabei, dass es ihm gut geht. Da ich merke, wie vielen Pferden die Arbeit nach dem Longenkurs gut tut, dass sie Freude daran haben, es ihnen körperlich und seelisch besser geht, ist es für mich keine Option zu sagen, dass ich keine Trainerin mehr sein möchte. 

Das Thema „Verurteilung“ von anderen

In den Diskussionen stürzen sich viele Menschen verurteilend auf die Beteiligten des Unfalls:

  • Die Besitzerin ist schuld, weil sie nicht eingegriffen hat. Ich bin leise und danke dem Schicksal, dass mein Pferd damals nicht zu Tode kam, als ich verantwortlich war, dass mein Pferd mit einer Beinlonge am Boden lag.
  • Der Trainer ist schuld, weil er die Situation nicht richtig eingeschätzt hat. Ich bin leise und danke dem Schicksal, dass noch kein Pferd, welches ich gearbeitet habe, bei den vielen Situationen, die ich in meinem Trainerleben falsch eingeschätzt habe, zu Schaden kam.

Jeder, der hier jemand anderen als „schuldig“ und als „Mörder“ verurteilt, sollte reflektieren, was er selbst mit seinem Konsum verschuldet. Jedes Schnitzel war mal ein lebendiges, fühlendes Leben und mit dem Kauf von Fleisch geben wir rückwirkend seine Tötung in Auftrag. Und ja, auch ich habe die längste Zeit meines Lebens Fleisch gegessen. 

Lasst uns doch auf hören zu verurteilen, sondern statt dessen anfangen zu reflektieren! Selbst anfangen, achtsamer zu werden, unsere Motive und Techniken mehr zu hinterfragen und uns bemühen immer behutsamer und liebevoller mit Mensch und Tier umzugehen. Genau hinzuschauen. Vor der eigenen Tür zu kehren und Mitgefühl entwicklen. Für den Trainer, für die Besitzerin des Pferdes, für Evita und für all die anderen Pferde sowie für die Masse an Lebewesen, die für unseren Genuss, für unseren Spaß leiden und sterben. 

Was wir durch Evitas Schicksal lernen können

  • Schauen Sie sich den Trainer, bei dem Sie mit Ihrem Pferd einen Kurs belegen möchten oder bei dem Sie Unterricht nehmen möchten, zunächst als Zuschauer an. Machen Sie sich in Ruhe ein Bild, ob Ihnen die Art des Trainers mit Pferden umzugehen, gefällt und entspricht.
  • Machen Sie sich mit den Inhalten des Kurses vertraut. Welche Lektionen werden trainiert? Welche dieser Lektionen möchten Sie üben? Warum möchten Sie die Lektion üben? Wie wichtig ist Ihnen diese Lektion? Welche unterschiedlichen Methoden gibt es, die Lektionen zu üben? Welche sagen Ihnen zu, welche nicht? Welchen Weg möchten Sie gehen?
  • Machen Sie sich im Vorfeld bewusst, was Sie möchten und was nicht. Überlegen Sie, in welcher Situation Sie eine Übung oder einen Kurs abrechen werden. Wo sind Ihre Grenzen? Was möchten Sie unter keinen Umständen zulassen? Üben Sie im Vorfeld, wie Sie einschreiten könnten. Was sagen Sie, wenn der Trainer etwas mit Ihrem Pferd macht, was Sie nicht möchten? Trainieren Sie ein Einschreiten mental, damit Sie dann, wenn es nötig werden sollte, vorbereitet sind. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass Sie in der Situation überfordert sind und nicht reagieren werden.
  • Machen Sie sich Ihrer Verantwortung für Ihr Pferd jeden Tag aufs Neue bewusst. Lernen Sie es kennen und lernen Sie, sein Nein zu hören. Und lernen Sie, welchen Umgang, welche Hilfengebung es braucht, damit es ja sagen kann.

16. Januar 2018 von Babette Teschen • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Sonstiges, Umgang 25 Kommentare »

  • Über Babette Teschen

  • Kategorien

  • Neue Beiträge

  • Neue Kommentare

  • Archive

  • Diese Seite verwendet nur Cookies, die für den Betrieb der Webseite nötig sind. Personenbezogene Daten werden zum Beispiel bei den Kommentaren gespeichert. Mehr erfahren

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen