Clickertraining: Mag einen das Pferd nur wegen der Leckerlis?
Ich habe Ihnen hier in meinem Blog ja bereits ausführlich das Clickertraining vorgestellt und Sie werden immer wieder lesen, dass ich gerne und häufig mit Futterlob arbeite. Für mich ist die Gabe von Futter als Belohnung eine exzellente Möglichkeit, nicht nur Lektionen sehr punktgenau erarbeiten zu können, sondern vor allem auch ein Weg, eine freudige Motivation beim Pferd zu erreichen.
Nun werde ich hin und wieder gefragt, ob uns, wenn wir mit Futterlob arbeiten, das Pferd nicht nur wegen der Leckerlis mag, die wir ihm geben. Darin schwingt die Angst, dass wir also gar keine echte Beziehung aufbauen, sondern uns die Zuneigung des Pferdes quasi nur “erkaufen”. Da das eine recht große Sorge einiger Pferdebesitzer/innen zu sein scheint, möchte ich dazu einige Gedanken schreiben.
Natürlich wird ein Mensch mit einem Futtereimer im Arm zunächst immer mit mehr Freude begrüßt werden als ein Mensch ohne Eimer.
Aber meine Erfahrung ist die, dass Pferde sehr wohl auch hinter die Futterhand schauen und ihre Zuneigung nicht erkaufen lassen. Jemand mit Futter wird zwar gerne angebettelt, aber deshalb noch lange nicht geliebt. Wer sich aber mit dem Tier befasst, tolle Sachen mit ihm macht, für eine gute Zeit miteinander sorgt und dafür, gemeinsam Spaß zu haben, der wird schnell einen guten Freund gewinnen. Und genau dafür kann Futter ein ausgesprochen nützliches Hilfsmittel sein.
Wir können davon ausgehen, dass das Clickertraining alleine nicht ausreicht, um eine echte Bindung zum Pferd aufzubauen. Aber, und das ist für mich der entscheidende Punkt: Durch das Clickertraining erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, eine gute Beziehung aufzubauen ganz enorm. Warum das so ist? Weil das Clickertraining mit der so genannten “positiven Verstärkung” arbeitet, also konsequent mit lobender Bestätigung des richtigen Verhaltens (im Gegensatz zur negativen Verstärkung, die falsches Verhalten unangenehm macht). Und überlegen Sie mal, wie gerne Sie selbst gelobt werden und Anerkennung und Bestätigung bekommen, wenn Sie etwas richtig machen! Motiviert Sie das nicht viel mehr, als wenn Ihre Fehler bestraft werden? Genauso geht es auch dem Pferd.
Wenn wir lernen, so weit wie möglich ohne Druck und Strafe mit unseren Pferden zu arbeiten, hat das viele gute Auswirkungen:
- das Pferd fühlt sich wohl,
- es hat Spaß,
- es fühlt sich sicher,
- es lernt gerne,
- und es merkt, dass es uns vertrauen kann.
Und das sind die besten Voraussetzungen dafür, dass wir eine innige Beziehung zu unserem Pferd aufbauen können. Das Futter ist dabei aus meiner Sicht nicht im Weg, sondern im Gegenteil: es ist eine Art Wegbereiter, nicht mehr und nicht weniger.
8. Mai 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang • 6 Kommentare »







