Beginne nie mit dem Zielbild

„Beginne nie mit dem Zielbild!“ – so lautet ein Leitsatz aus dem Clickertraining. Tatsächlich aber ist dieser Leitsatz nicht nur für das Clickertraining wichtig, sondern für die gesamte Pferdeausbildung. Leider wird er viel zu häufig vernachlässigt…

Beginne nie mit dem Zielbild!

Was ist mit diesem Satz gemeint?

Natürlich haben wir alle, wenn wir eine Lektion mit einem Pferd erarbeiten wollen, ihre korrekte Ausführung im Kopf. Wir denken also z.B. an ein perfektes Angaloppieren, an einen perfekten Zirkel im Trab oder an ein korrektes Schulterherein. Eine klare Vorstellung von dem zu haben, was wir uns erarbeiten wollen, ist gut, denn unsere inneren Bilder geben uns die Richtung vor. Aber eben nur die Richtung. Wir können ein Ziel anstreben, aber nicht mit diesem Ziel beginnen.

Ein guter Trainer oder Pferdemensch unterteilt deshalb jede Übung in möglichst viele Teilschritte und geht dann ganz kleinschrittig an eine Übung heran. Erst wenn ein Teilschritt vom Pferd verstanden wurde, geht er einen Schritt weiter. Manchmal muss man sogar wieder einige schon erreichte Teilschritte zurückgehen, denn Lernen ist kein geradliniger Vorgang, sondern findet in Wellen statt.

Dieses Vorgehen erspart vieles an sogenannten Widersetzlichkeiten, die entstehen, wenn ein Pferd eine Aufgabe nicht versteht oder überfordert ist. Es verhindert, dass das Pferd Fehler macht und dadurch demotiviert wird. Und es ermöglicht ein schönes Miteinander von Mensch und Pferd, da sich der Mensch auf diese Weise dem Lern- und Versteh-Tempo des Pferdes anpasst.

Ein Beispiel

Schauen wir uns einmal in der Praxis an, wie ein solch kleinschrittiges Vorgehen aussieht. Es eignet sich nicht nur dazu, dem Pferd etwas ganz Neues beizubringen, sondern auch bereits Bekanntes neu aufzubauen, z.B. um einem Pferd eine eher ungeliebte Lektion schmackhaft zu machen. Als Beispiel nehmen wir das Rückwärtsrichten, das von vielen Pferden ungern ausgeführt wird.

Wollen Sie Ihrem Pferd z.B. das Rückwärtsrichten beibringen, so erwarten Sie nicht gleich zu Beginn, dass Ihr Pferd sofort einige Schritte rückwärts macht! Und das eben bitte auch dann nicht, wenn es diese Lektion eigentlich schon beherrscht. Gehen Sie zunächst von nichts aus und setzen Sie sich als ersten Teilschritt, dass Ihr Pferd seinen Körperschwerpunkt nach hinten umlagert. Mehr nicht!

Loben Sie es dafür und üben Sie diese Gewichtsverlagerung mehrere Male.

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13. November 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Arbeit an der Hand, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Aus der Bereiterpraxis, Clickertraining, Jungpferdausbildung, Longieren, Reiten, Umgang 6 Kommentare »

Eine Verständnisfrage?!

Wenn Pferde widersetzlich sind oder ein Verhalten zeigen, das wir nicht wollen, kann das viele Ursachen haben. Immer öfter komme ich zu der Erkenntnis, dass die Hauptursache darin liegt, dass Pferde uns schlicht und einfach nicht verstehen.

Nehmen wir als Beispiel eine Begebenheit in einem meiner Kurse: Ein Kursteilnehmer kam mit seinem jungen Wallach. Das Pferd war wohl im Umgang nicht einfach und so zeigte er sich in der ersten Einheit auch recht schwierig. Er mochte es z.B. gar nicht, beim Führen die Hand des Menschen in Kopfnähe zu haben, er biss viel nach der Hand und den Führstrick und stieg auch einmal. Das Pferd war kurz vor dem Kursbesuch in Profiausbildung bei einer bekannten Trainerin und der Besitzer bekam bisher von verschiedenen Leuten zu hören, dass dieses Pferd besonders dominant sei und deshalb eine strenge, ja auch harte Hand benötige.

Der Eindruck, den ich von der ersten Minute an von dem Pferd hatte, war allerdings ein gänzlich anderer: Ich sah das Pferd und spürte eine große Unsicherheit und Anspannung. Für mich war alles an ihm – auch oder sogar gerade sein Beißen und Steigen – ein Ausdruck eines großen Unverständnisses. Dieses Pferd sendete für mich durchgehend die Botschaft: „Ich verstehe nicht!“ So unterschiedlich kann ein Pferd wahrgenommen und verstanden werden!

Da die anderen das Pferd wesentlich länger kannten als ich und es eben auch schon viel länger als ich erlebt hatten, konnte ich mich freilich nicht hinstellen und sagen: „Ich habe Recht und die anderen nicht.“ Ich denke aber, dass es unendlich wichtig ist, immer zu bedenken, dass manchmal alles auch ganz anders sein kann, als man glaubt …

Meine Erfahrung nach all den vielen Jahren, in denen ich nun mit Pferden zusammenarbeite, ist die: Nicht jedes Pferd, welches sich dem Menschen widersetzt, ist dominant, ja, meist trifft sogar das Gegenteil zu! Gerade hinter den „Aufsätzigen“ verbergen sich oft sehr ängstliche, verstörte und vor allem verunsicherte Pferdeseelen. Und für diese Pferde ist ein dominantes Auftreten des Menschen alles andere als förderlich.

Strafen allein ermöglicht noch kein Verstehen

Soweit ich es in den zwei Kurstagen mitbekommen habe, wurde mit dem jungen Wallach so verfahren: Der Umgang war streng. Auf jede falsche Aktion des Pferdes wurde konsequent reagiert. So setzte es auch während des Kurses mal den Strick. Das Pferd bekam also immer prompt und deutlich (negatives) Feedback, wenn es Fehler machte. Was ich sehr vermisste, war das Feedback für das Pferd, wenn es etwas gut und richtig gemacht hat, also ein mindestens ebenso konsequentes Lob.

Einmal forderte ich meinen Schüler auf, sein Pferd mit der Stimme zu loben, als es gerade in tollster und bravster Weise an der Longe lief. Das lehnte dieser allerdings ab, da er nichts vom Stimmlob hielt. Ich sagte ihm, dass ich das schade finde, weil das Pferd dann ja gar nicht weiß, dass es seine Sache gerade gut macht. Die Antwort darauf war: „Der weiß, dass ich ihn toll finde.“ Ob das wirklich so war? Woher sollte das Pferd das denn wissen? Es bekam doch eigentlich immer nur gesagt, dass es alles falsch macht …

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23. Oktober 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 20 Kommentare »

Was läuft alles gut?

Wenn Ihr mal schätzen solltet, wie ist wohl das Verhältnis von den Sachen, die im Miteinander mit Euren Pferden gut klappen zu denen, die nicht so gut klappen? Klappen in der Summe mehr Dinge? (Vielleicht sogar deutlich mehr?) Und wenn Ihr mal schätzen sollt, wie zufrieden oder unzufrieden Ihr oft mit Euch und/oder Eurem Pferd seid, seid Ihr dann öfter zufrieden oder eher unzufrieden?

Tatsächlich beobachte ich immer wieder, dass mit einem Blick von außen bei sehr vielen Pferd-Mensch-Paaren der Großteil wunderbar klappt, die Menschen aber leider zum Großteil unzufrieden sind, weil ihr Fokus immer auf dem liegt, was noch nicht perfekt ist. Mich macht das zunehmend traurig, weil ich denke, dass wir vor allem unseren Pferden damit ein großes Unrecht tun.

Sehr viele Menschen sind es gewohnt, den Fokus auf das zu legen, was nicht klappt. Das lernen wir bereits in der Schule, da dort unsere Fehler angestrichen werden und nicht etwa all das, was wir richtig gemacht haben. Keiner mag rot Striche und schlechte Noten und so werden wir darauf trainiert, Fehler um jeden Preis zu vermeiden. Wir gewöhnen uns an, auch bei anderen Fehler zu sehen, weil wir uns meist ein bisschen besser fühlen, wenn auch andere etwas (oder sogar noch mehr als wir) falsch machen.

Beim Reitunterricht ist es nicht anders: Da liegt fast immer der Fokus auf der Korrektur und nicht auf der Betonung der Dinge, die schon gut laufen. Also lernen wir auch hier, unsere eigenen Fehler und die anderer wie unter einer Lupe wahrzunehmen und übertragen das auch auf unser Pferd. Unser Pferd kann zu 90% der Reiteinheit superschön laufen, wir werden unseren Blick garantiert auf die 10% legen, in denen es kleine Fehler macht, etwas spannig ist oder im falschen Galopp angesprungen ist. Fragt uns dann jemand im Anschluss der Reiteinheit, wie sie war, sagen wir nicht: „Oh, es war einfach super, mein Pferd hat seinen Job fast zu 100% toll gemacht!“, sondern wir sagen so etwas wie: „Ach, der war heute wieder so flippig“ oder „Das mit dem Galopp werden wir nie hinbekommen“

Wie schade, dass das so ist! Schade, weil wir uns damit schlecht fühlen und weil auch unsere Pferde unsere Unzufriedenheit mitbekommen. Schade, weil es einfach unfair ist. Schade, weil wir so die Chance verspielen, mit unserem Pferd wirklich Freude und Spaß zu erleben. Schade, weil wir einfach oft viel zu hart mit uns und anderen sind. Ich glaube, wenn wir hier ansetzen, können wir sehr viel Gutes erreichen.

Es geht dabei nicht darum, Sachen zu beschönigen. Das ist gar nicht nötig! Es reicht vollkommen aus, fair und mit einem offenen Geist hinzuschauen, um wahrzunehmen, was wirklich ist. Wer sich einmal wirklich bewusst darauf einlässt, zu sehen, was alles gut läuft im Umgang oder im Training mit dem eigenen Pferd, wie viele Sachen kein Problem sind (und damit von uns gar nicht realisiert werden) und wie viel man tatsächlich schon gemeinsam erreicht und gelernt hat, wird sehr, sehr viel Anlass zur Freude und zum Stolz finden. Und ja, wir dürfen stolz sein! Stolz auf unsere Pferde, die so viel für uns tun und die sich immer wieder Mühe geben, unseren Forderungen nachzukommen. Aber auch stolz auf uns selbst, wenn wir etwas gelernt und umgesetzt haben, wenn wir umgedacht und unser Verhalten in Richtung „pferdegerecht“ verändern konnten. Wir alle haben immer einige Lernfelder und Baustellen und jeder macht Fehler. Die aber sind nicht schlimm, sondern gehören schlicht und einfach zu jeder Entwicklung dazu. Sie werden nur dann so riesig, wenn wir sie durch unseren Fokus in den Mittelpunkt stellen und über sie den Blick auf das Wesentliche verlieren: nämlich auf all das, was gut ist!

Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Wenn wir lernen, immer mehr auf das zu schauen, was prima läuft und schön ist, kann sich das Verhältnis zu unserem Pferd grundlegend und fundamental positiv verändern – probiert es aus und seid gespannt!

Positiver Fokus auch beim Reiten!

16. Oktober 2012 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang 9 Kommentare »

Eine positive Alternative zum Strafen

Neulich hatte ich mir hier im Blog bereits der Frage gewidmet, ob Pferdeerziehung eigentlich ohne Strafen und Gewalteinsatz möglich ist. Dort ging es mir vor allem darum, dafür zu sensibilisieren, dass ganz oft wir selbst die Ursache sind, wenn unser Pferd etwas tut, das wir dann abstrafen müssen und dass es immer erst einmal darum gehen muss, sich zu überlegen, wie sich unschönes Verhalten beim Pferd im Vorfeld vermeiden lässt.

Was aber kann man ganz konkret als Alternative zum Strafen tun, wenn das Pferd etwas tut, das wir so nicht wollen? Ich denke an Situationen wie:

  • Das Pferd hampelt am Putzplatz.
  • Es beißt, wenn wir es satteln wollen.
  • Es steigt, wenn es Stress hat.
  • U.ä.

Wie gesagt, zunächst geht es um Ursachenforschung und -behebung. Bleiben wir einfach bei den genannten drei Beispielen, bei denen sich möglicherweise folgende Ursachen finden lassen:

  • Ein noch sehr junges Pferd kann z.B. schlicht und einfach nicht lange stillstehen, damit ist es überfordert.
  • Ein unpassender Sattel wird das Pferd immer wieder zum Beißen provozieren.
  • Und wenn ein Pferd z.B. zu wenig Auslauf hat, wird es in Stressreaktionen immer wieder zum Explodieren neigen.
  • Usw.

Der erste Schritt ist also immer der, zu überlegen, warum ein Pferd das unerwünschte Verhalten zeigt und die Ursachen dafür abzustellen. Oft aber lässt ein unschönes Verhalten nicht einfach nach, nur weil wir die Ursachen gefunden und abgestellt haben oder wir möchten etwas von einem Pferd, das eigentlich nicht in seiner Natur liegt.

  • Ein junges Pferd soll eben schließlich auch nach und nach lernen, ruhig zu stehen.
  • Ein Pferd, das früher mal Satteldruck hatte, reagierte vielleicht auch auf einen passenden Sattel mit Beißen.
  • Und manch‘ ein temperamentvolles Pferd findet es einfach „spaßig“, auch mal auf zwei Beinen zu stehen.

In den meisten Fällen werden die Pferde bei Verhalten dieser Art vom Menschen getadelt und gestraft. Meine Erfahrung aber ist, dass Strafe und Tadel in den seltensten Fällen das Verhalten des Pferdes langfristig auflöst. Im Gegenteil: Oft führt ein Strafen zu Gegenreaktionen des Pferdes oder auch zu Angst.

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18. September 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 8 Kommentare »

Gedanken zum Thema „Vertrauen“

Vor kurzem schrieb ich hier über das Thema „Kühe“ und darüber, dass es manchmal Situationen geben kann, in denen unsere Pferde trotz aller guten Vorbereitung und allem Vertrauenstrainings schlicht und einfach Angst haben. Nun kam auf diesen Text u.a. die Antwort, die ich schon oft gehört habe: dass die Angst vor den Kühen (oder eben vor anderen Dingen) ein Zeichen von mangelndem Vertrauen ist. Da mir dieses Thema sehr wichtig ist, möchte ich es noch einmal aufgreifen.

Pferde sind Fluchttiere

Fakt ist: Ein Pferd ist ein Fluchttier und es wird immer ein Fluchttier bleiben. Wir können durch Gewöhnung und Training erreichen, dass Pferde mit uns Situationen bewältigen, in denen sie ihrem Instinkt nach einfach nur fliehen würden. Dann sehen wir das als Vertrauen in uns und ja, unser Pferd schenkt uns in diesem Moment vielleicht wirklich sein Vertrauen (es könnte aber auch gut sein, dass es die Sache an diesem Tag einfach nicht gruselig findet …).

Aber es wird immer auch Situationen geben, in denen ein Pferd trotz seines Vertrauens in uns Angst hat und zeigt. Manchmal sind das neue Situationen, die wir so noch nicht üben konnten. Oft aber sind das auch Situationen, die wir schon geübt haben. In denen das Pferd vielleicht sogar schon mal anders reagiert hat. In diesem Moment riecht es aber gerade vielleicht anders, der Wind ist stärker oder weht aus einer anderen Richtung oder die Nerven unseres Pferdes sind aus welchen Gründen auch immer angespannter oder was auch immer…

Dann muss man sich eben durchsetzen

Viele bestehen in einer solchen Situation dann darauf, dass das Pferd das doch kennt „und gar keine Angst haben kann“. Oft wird dann mit Gewalt der eigene Wille durchgesetzt und wenn das Pferd dann tut, was man will, sieht man es als Bestätigung, dass es tatsächlich nur „gesponnen“ hat.

Die Frage, die sich mir dabei aber stellt, ist die: Handeln wir damit wirklich pferdegerecht? Wie fühlt sich das Pferd dabei? Was geschieht mit dem Vertrauensverhältnis, das wir uns schon erarbeitet haben, wenn wir ein Pferd mit Gerten- oder Sporeneinsatz an einem Gruselobjekt vorbeireiten?

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11. September 2012 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang 11 Kommentare »

Druck oder Futterlob?

Wenn Sie mein Blog regelmäßig lesen, wissen Sie, dass ich ein großer Freund des Futterlobs bin. Ich belohne meine Pferde für Richtiges konsequent mit Leckerlies, denn für mich ist das der beste Weg, meinem Pferd

  • zu zeigen, dass es etwas richtig gemacht hat und
  • seine Motivation nicht nur zu halten, sondern immer wieder neu zu wecken.

Ich weiß, dass es auch viel Kritik am Futterlob gibt, und ich schreibe hier immer mal wieder meine Gedanken dazu auf. Heute möchte ich mich dem Argument widmen, dass Pferde untereinander ja auch nicht mit Futterlob arbeiten, sondern dass es da so läuft, dass ein Pferd dem anderen droht und ggf. seinen Wunsch auch aggressiv zum Ausdruck bringt.

Auf dieser Beobachtung basieren dann Ausbildungsmethoden, bei denen der Mensch angeleitet wird, dem Pferd solange Druck zu machen, bis das unerwünschte Verhalten gelassen oder das gewünschte Verhalten gezeigt wird. Dieser Weg wird als pferdefreundlich bezeichnet und der Einsatz von Futterlob in dieser Richtung fast immer komplett abgelehnt.

Mit Druck zu arbeiten, ist pferdegerecht?

Schauen wir uns die Sache doch einmal genauer an:

Pferde untereinander streiten um Ressourcen.  Da geht es darum, wer die rossige Stute besteigen, wer das beste Futter fressen darf, wer zuerst ans Wasser geht und um viele andere für Pferde wichtige Dinge. Uns Menschen geht es aber gar nicht darum, eine dieser Ressourcen von unseren Pferden abzuringen. Uns interessiert weder die rossige Stute, noch das Heu oder das Wasser.

Wir wollen vielmehr, dass das Pferd für uns Dinge tut, die es normalerweise nicht tun würde. Es soll uns auf seinem Rücken dulden, es soll seine Beine auf eine bestimmte Weise setzen, es soll sich überall anfassen lassen, Kunststücke zeigen, Kutschen ziehen und vieles, vieles mehr. Und am liebsten wollen wir, dass unser Pferd all das auch noch motiviert, freudig und eifrig tun.

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5. Juni 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Clickertraining, Umgang 15 Kommentare »

Nicht so launisch, bitte!

Heute widme ich mich wieder einmal meinem kleinen Anti-Nerv-Kurs  (vorherige Themen dazu waren: Stimme, Streicheln, Klarheit, nie zufrieden zu sein, pferdegerechte Erziehung) und zwar geht es um die menschlichen Launen und wie wir mit ihnen unseren Pferden das Leben oft schwer machen.

Pferde sind Gewohnheitstiere. Sie wissen es zu schätzen, wenn die Dinge so sind, wie immer, denn das bedeutet Sicherheit. Veränderungen und alles, was sie nicht einschätzen können, verunsichern hingegen viele Pferde. Auf diesem Hintergrund wird schnell klar, dass menschliche Stimmungsschwankungen für Pferde eine ziemliche Herausforderung sind. Natürlich können sie lernen, damit umzugehen, aber oft muten wir unseren Pferden, ohne uns darüber klar zu sein, mit unseren wechselhaften Befindlichkeiten sehr viel zu.

Ein Beispiel

Es ist Montagnachmittag. Wir hatten ein tolles Wochenende mit Freunden und konnten uns richtig gut erholen. Auf der Arbeit gab es ein Lob vom Chef und die Tochter hat eine 1 in der Mathearbeit nach Hause gebracht. Die Sonne scheint und wir fahren gut gelaunt zum Pferd. Das freut sich, uns zu sehen und begrüßt uns mit einem Wiehern. Schöner kann es kaum sein, nicht wahr? Und so stört es uns nicht, dass das Pferd an unserer Jacke knabbert und als es uns zum Gras zieht, lachen wir und führen es locker weiter. Beim Reiten klappt vieles gut, manches nicht, vor allem nicht das Schulterherein, was neulich schon so gut war, aber was soll’s, es muss ja nicht alles perfekt sein, nicht wahr?

Am nächsten Tag fahren wir mit einer anderen Stimmung zum Pferd. Das Gerücht, dass die Abteilung, in der man arbeitet, aufgelöst werden könnte, machte heute Vormittag die Runde und nun nagt die Sorge um den Arbeitsplatz an einem. Außerdem gab es einen unschönen Streit mit dem Lebenspartner am Morgen, der noch nicht geklärt ist. Es regnet und ist kalt. Als wir beim Pferd ankommen, mag es sich nicht aufhalftern lassen. Außerdem beißt es gleich in unsere Jacke, worauf es erst einmal eins auf die Nase bekommt. Und dieses ewige Ziehen zum Gras, das kann man wirklich nicht durchgehen lassen, oder? Das Reiten wird dann auch noch eine Katastrophe, denn das Pferd stellt sich beim Schulterherein so doof an, als hätte es das noch nie zuvor gemacht. Dafür gibt es Ärger und wir lassen das Pferd mal einige Runde ordentlich galoppieren, es muss schließlich lernen, dass es nicht mit allem durchkommt.

Zugegeben, die skizzierten Tage sind vielleicht etwas überzeichnet, aber ich möchte verdeutlichen, was ganz, ganz häufig passiert: nämlich, dass wir unserem Pferd gegenüber nicht eindeutig gegenübertreten, sondern dass das, was wir „schlimm“ finden und „keinesfalls durchgehen lassen können“ genauso von unserer Stimmung abhängt, wie das, was wir „niedlich“ finden oder worüber wir locker hinwegsehen können. Und ich denke, wenn wir ehrlich sind, kennen wir alle genau das Geschilderte, oder nicht?

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29. Mai 2012 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang 8 Kommentare »

Clickertraining: Mag einen das Pferd nur wegen der Leckerlis?

Ich habe Ihnen hier in meinem Blog ja bereits ausführlich das Clickertraining vorgestellt und Sie werden immer wieder lesen, dass ich gerne und häufig mit Futterlob arbeite. Für mich ist die Gabe von Futter als Belohnung eine exzellente Möglichkeit, nicht nur Lektionen sehr punktgenau erarbeiten zu können, sondern vor allem auch ein Weg, eine freudige Motivation beim Pferd zu erreichen.

Nun werde ich hin und wieder gefragt, ob uns das Pferd, wenn wir mit Futterlob arbeiten, nicht nur wegen der Leckerlis mag, die wir ihm geben. Darin schwingt die Angst, dass wir also gar keine echte Beziehung aufbauen, sondern uns die Zuneigung des Pferdes quasi nur „erkaufen“. Da das eine recht große Sorge einiger Pferdebesitzer/innen zu sein scheint, möchte ich dazu einige Gedanken schreiben.

Natürlich wird ein Mensch mit einem Futtereimer im Arm zunächst immer mit mehr Freude begrüßt werden als ein Mensch ohne Eimer. 😉 Aber meine Erfahrung  ist die, dass Pferde sehr wohl auch hinter die Futterhand schauen und ihre Zuneigung nicht erkaufen lassen. Jemand mit Futter wird zwar gerne angebettelt, aber deshalb noch lange nicht geliebt. Wer sich aber mit dem Tier befasst, tolle Sachen mit ihm macht, für eine gute Zeit miteinander sorgt und dafür, gemeinsam Spaß zu haben, der wird schnell einen guten Freund gewinnen. Und genau dafür kann Futter ein ausgesprochen nützliches Hilfsmittel sein.

Wir können davon ausgehen, dass das Clickertraining alleine nicht ausreicht, um eine echte Bindung zum Pferd aufzubauen. Aber, und das ist für mich der entscheidende Punkt: Durch das Clickertraining erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, eine gute Beziehung aufzubauen, ganz enorm. Warum das so ist? Weil das Clickertraining mit der sogenannten „positiven Verstärkung“ arbeitet, also konsequent mit lobender Bestätigung des richtigen Verhaltens (im Gegensatz zur negativen Verstärkung, die falsches Verhalten unangenehm macht). Und überlegen Sie mal, wie gerne Sie selbst gelobt werden und Anerkennung und Bestätigung bekommen, wenn Sie etwas richtig machen! Motiviert Sie das nicht viel mehr, als wenn Ihre Fehler bestraft werden? Genauso geht es auch dem Pferd.

Wenn wir lernen, so weit wie möglich ohne Druck und Strafe mit unseren Pferden zu arbeiten, hat das viele gute Auswirkungen:

  • das Pferd fühlt sich wohl,
  • es hat Spaß,
  • es fühlt sich sicher,
  • es lernt gerne und
  • es merkt, dass es uns vertrauen kann.

Und das sind die besten Voraussetzungen dafür, dass wir eine innige Beziehung zu unserem Pferd aufbauen können. Das Futter ist dabei aus meiner Sicht nicht im Weg, sondern im Gegenteil: es ist eine Art Wegbereiter, nicht mehr und nicht weniger.

 

8. Mai 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Clickertraining, Umgang 10 Kommentare »

Gedanken zum Thema Geduld

Du musst immer mehr Zeit haben als dein Pferd!“

Dieser Spruch steht bei einer Nutzerin unseres „Wege zum Pferd“-Forums in der Signatur. Diese Worte drücken hervorragend aus, worauf es im Umgang mit Pferden ganz wesentlich ankommt: nämlich darauf, sehr viel Geduld zu haben.

Nun ist es mit der Geduld so eine Sache, denn die wenigsten von uns haben davon eine große Portion in die Wiege gelegt bekommen. Und so hat fast jeder Pferdebesitzer eine große Lernaufgabe vor sich, wenn er ein guter, geduldiger Pferdemensch werden möchte.

Wenn es einen Pferdemenschen an Geduld mangelt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit sein Pferd darunter zu leiden haben. Dieses Leiden kann sowohl die Psyche als auch die körperliche Gesundheit des Pferdes betreffen.

Schauen wir uns einmal an, wofür wir alles Geduld brauchen:

Wir brauchen Geduld, bis ein Pferd reif ist für seine Ausbildung.

Zuerst brauchen wir Geduld, dem Pferd die Zeit zu geben, die es braucht, um sowohl körperlich als auch geistig so weit entwickelt zu sein, das es in die Ausbildung als Reitpferd gehen kann. Dabei reicht nicht der Blick auf das Alter des Pferdes! Beginnen wir zu früh damit, ein Pferd zu belasten, obwohl es noch nicht die dafür notwendigen körperlichen Voraussetzungen mitbringt, gehen wir das Risiko ein, dass unser Pferd nicht lange als Reittier nutzbar sein wird. Ist das Pferd zwar körperlich reif für die Reiterbelastung, aber von seiner geistigen Entwicklung her noch nicht, so laufen wir Gefahr, das junge Pferd zu überfordern und damit Widersetztlichkeiten zu provozieren, die nicht auftreten würden, wenn wir dem Pferd noch ein paar Monate Weide mit seinen Spielkameraden gegeben hätten.

Wir brauchen in jeder Trainingseinheit die Geduld zu warten, bis das Lernumfeld stimmt.

Pferde können, genau wie wir auch, nur in einem entspannten Zustand ohne Angst und Stress gut lernen. Das Lernumfeld optimal zu gestalten, ist unsere Aufgabe. Dazu gehört einerseits, einen Ort für das Training zu wählen, an dem das Pferd sich sicher fühlt. Tut es das nicht, müssen wir es geduldig an diesen Ort gewöhnen. Weiterhin müssen wir dem Pferd mit unserer eigenen Ausstrahlung Vertrauen geben, das heißt, wir dürfen keinen Druck machen. Pferde spüren unsere Ungeduld sofort! Sie werden darauf mit Unsicherheit, Nervosität, und auch mit Widersetzlichkeiten reagieren. Es ist unsere Aufgabe, hier immer bei uns anzufangen und unsere Ausstrahlung zu verändern, damit unser Pferd sich wieder entspannen und beruhigen kann. Erst dann wird es wieder in der Lage sein, zuzuhören, um seine von uns gestellte Aufgaben überhaupt erfüllen zu können.

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24. April 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 13 Kommentare »

Was tun, wenn das Pferd nicht “funktioniert“?

Ich gehe davon aus, dass 99 % aller Reiter/innen von einem harmonischen und gewaltfreien Umgang mit ihrem Pferd träumen. Traum und Realität gehen meistens dann auseinander, wenn etwas nicht so klappt, wie wir uns das vorstellen. Das Pferd geht beim Reiten nicht vorwärts? Dann werden oftmals Sporen und Gerte so eingesetzt, dass man von einer „feinen Hilfengebung“ nicht mehr reden kann. Das Pferd gibt den Huf nicht? Also wird es in den Bauch geboxt. Das Pferd zieht beim Führen zum Gras? Also wird am Strick geruckt. Wir alle geraten immer wieder in Situationen mit unseren Pferden, in denen wir nicht weiter wissen. Und genau in diesen Situationen wird häufig Gewalt angewendet.

Nun denke  ich aber, dass jeder, der ein Lebewesen (egal ob Kind, Hund, Katze oder ein Pferd) erzieht, sich im Vorfeld Gedanken darüber machen sollte, wie er mit schwierigen Situationen umgehen möchte.  Jeder muss grundsätzlich für sich entscheiden, welchen Umgang er mit seinem Pferd möchte und auch welchen Umgang er von anderen mit seinem Pferd toleriert. Und zu dieser Frage gehört für mich auch, sich darüber Gedanken zu machen, welche Einstellung man über die Nutzung von Pferden hat.

So habe ich zum Beispiel viel darüber nachgedacht, in wieweit ich meine Bedürfnisse nach Spaß, Entspannung und der Ausübung des Reitsportes über das Wohlbefinden eines Pferdes stellen darf.  Denn es ist ja leider so, dass es nicht alle Pferde genießen, geritten zu werden. Diese Pferde zeigen das dann zum Beispiel, indem sie nicht vorwärtsgehen mögen, eventuell auch bocken oder durchgehen und oft reicht ein Blick in das Pferdeauge, um zu erkennen, dass es dem Pferd, das gerade geritten wird, nicht gut geht.

Wenn ich also ein Pferd reiten möchte, muss ich mich entscheiden,

  • ob ich die Zeichen meines Pferdes, dass es ihm nicht gut geht, ignoriere und von meinem Pferd verlange, seinen Job zu tun,
  • oder ob ich bereit bin, meine Erwartungen herunterzuschrauben und dafür Sorge zu tragen, dass es dem Pferd gut geht.

Wenn ich z.B. einem Pferd, welches nicht gehen mag, mit Härte und Sporen vorwärts zwinge, habe ich zwar meinen Willen durchgesetzt, aber ich habe auch das „Nein“ des Pferdes ignoriert.

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10. April 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Umgang 15 Kommentare »

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