Eine Verständnisfrage?!

Wenn Pferde widersetzlich sind oder ein Verhalten zeigen, das wir nicht wollen, kann das viele Ursachen haben. Immer öfter komme ich zu der Erkenntnis, dass die Hauptursache darin liegt, dass Pferde uns schlicht und einfach nicht verstehen.

Nehmen wir als Beispiel eine Begebenheit in einem meiner Kurse: Ein Kursteilnehmer kam mit seinem jungen Wallach. Das Pferd war wohl im Umgang nicht einfach und so zeigte er sich in der ersten Einheit auch recht schwierig. Er mochte es z.B. gar nicht, beim Führen die Hand des Menschen in Kopfnähe zu haben, er biss viel nach der Hand und den Führstrick und stieg auch einmal. Das Pferd war kurz vor dem Kursbesuch in Profiausbildung bei einer bekannten Trainerin und der Besitzer bekam bisher von verschiedenen Leuten zu hören, dass dieses Pferd besonders dominant sei und deshalb eine strenge, ja auch harte Hand benötige.

Der Eindruck, den ich von der ersten Minute an von dem Pferd hatte, war allerdings ein gänzlich anderer: Ich sah das Pferd und spürte eine große Unsicherheit und Anspannung. Für mich war alles an ihm – auch oder sogar gerade sein Beißen und Steigen – ein Ausdruck eines großen Unverständnisses. Dieses Pferd sendete für mich durchgehend die Botschaft: „Ich verstehe nicht!“ So unterschiedlich kann ein Pferd wahrgenommen und verstanden werden!

Da die anderen das Pferd wesentlich länger kannten als ich und es eben auch schon viel länger als ich erlebt hatten, konnte ich mich freilich nicht hinstellen und sagen: „Ich habe recht und die anderen nicht.“ Ich denke aber, dass es unendlich wichtig ist, immer zu bedenken, dass manchmal alles auch ganz anders sein kann als man glaubt …

Meine Erfahrung nach all den vielen Jahren, in denen ich nun mit Pferden zusammenarbeite, ist die: Nicht jedes Pferd, welches sich dem Menschen widersetzt, ist dominant, ja, meist trifft sogar das Gegenteil zu! Gerade hinter den „Aufsätzigen“ verbergen sich oft sehr ängstliche, verstörte und vor allem verunsicherte Pferdeseelen. Und für diese Pferde ist ein dominantes Auftreten des Menschen alles andere als förderlich.

Strafen allein ermöglicht noch kein Verstehen

Soweit ich es in den zwei Kurstagen mitbekommen habe, wurde mit dem jungen Wallach so verfahren: Der Umgang war streng. Auf jede falsche Aktion des Pferdes wurde konsequent reagiert. So setzte es auch während des Kurses mal den Strick. Das Pferd bekam also immer prompt und deutlich (negatives) Feedback, wenn es Fehler machte. Was ich sehr vermisste, war das Feedback für das Pferd, wenn es etwas gut und richtig gemacht hat, also ein mindestens ebenso konsequentes Lob.

Einmal forderte ich meinen Schüler auf, sein Pferd mit der Stimme zu loben, als es gerade in tollster und bravster Weise an der Longe lief. Das lehnte dieser allerdings ab, da er nichts vom Stimmlob hielt. Ich sagte ihm, dass ich das schade finde, weil das Pferd dann ja gar nicht weiß, dass es seine Sache gerade gut macht. Die Antwort darauf war: „Der weiß, dass ich ihn toll finde.“ Ob das wirklich so war? Woher sollte das Pferd das denn wissen? Es bekam doch eigentlich immer nur gesagt, dass es alles falsch macht …

Etwas später in derselben Einheit war dann doch ein Arbeiten nah am Pferd möglich, so dass wir das Führen in Stellung üben konnten. Und tatsächlich reagierte das Pferd auf die Hilfengebung seines Menschens und ging herrliche, weiche Schritte in Führen in Stellung. Ich war begeistert und fragte den Kursteilnehmer, ob er denn merke, wie toll es gerade ist. Darauf kam die Antwort: „Ja, ich weiß es, … aber weiß mein Pferd es auch?“ Daraufhin konnte ich nur sagen: „Nein, woher sollte es das wissen, du gibst ihm ja kein Feedback…“

Lob ist der Schlüssel zum Verstehen

Wie können wir erwarten, dass ein Pferd weiß, wann es etwas richtig macht, wenn wir vor allem Fehler bestrafen, aber über Gutes kein Feedback geben? Wie soll das Pferd keine Angst vor Fehlern haben, wenn es für diese gestraft wird? Wie soll es motiviert sein, die Sachen richtig zu machen, wenn ihm das keine positive Reaktion einbringt?

Wir dürfen eines nie vergessen: Alles, was wir von unseren Pferden wollen, sind Bilder in unseren Köpfen. Pferde wissen nichts von Lektionen und darüber, wie diese nun korrekt ausgeführt werden oder nicht. Sie haben keine Idee von Bahnfiguren oder anderen Trainingszielen. Sie können nur das deuten, was sie von uns als Verhalten erleben. Und wie soll ein ständig strafender, aber nie zufrieden lobender Mensch von einem Pferd gedeutet werden? Wie kann das Pferd durch Strafen erkennen, was richtig ist? Selbst ein Pferd, das Strafen vermeiden möchte, hat unter Umständen keine Vorstellung davon, was das gewünschte Verhalten ist, wenn es nicht bestärkt wird, wenn es etwas richtig macht.

Es ist UNSERE Aufgabe, uns dem Pferd verständlich zu machen! Und genau dafür ist für mich das Loben eines Pferdes eben nicht nur eine nette Geste, sondern viel mehr der Basis-Baustein, mit dem ich meinem Pferd klar machen kann: „Ja, genau das möchte ich gerne von dir!“ Lernen findet aus meiner Sicht durch Loben statt, nicht durch Strafen.

23. Oktober 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 20 Kommentare »

 

20 Reaktionen zu “Eine Verständnisfrage?!”

 

Von Daniela • 23. Oktober 2012

Sehr schön! Nur so geht es!
Kann man das bitte in eine Pflichtlektüre für alle Pferdemenschen aufnehmen 😉

 

Von Yvonne • 23. Oktober 2012

Solche Artikel bestärken mich immer wieder in meinem Handeln. Danke dafür! Mir wurde anfangs immer gesagt: Die verarscht dich nur! Gib ihr eins auf den Zahn… Als Laie und frische Pferdebesitzerin habe ich mich dennoch von meiner Intuition leiten lassen: Nein, ich glaube, sie hat ein Problem!
Mit Herz, gesundem Menschenverstand, jede Menge Lektüre und nicht zuletzt der Hilfe von freundlichen Pferdemenschen habe ich nun ein gelassenes, motiviertes und sogar verschmustes Pferd. Ich hatte immer das Gefühl, dass meine Stute einfach eine von Grund auf missverstandene Kreatur ist.

 

Von Manuela • 24. Oktober 2012

Danke, danke, danke für diesen Beitrag.
Das kann nicht oft genug gesagt, geschrieben, gelesen und in die Welt hinaus getragen werden …

 

Von Judith • 25. Oktober 2012

Sehr schön geschrieben!!
Danke dafür und das du dein Talent die Dinge so schön zu schreiben mit uns teilst!!

 

Von Mel • 26. Oktober 2012

Danke für diesen schönen Beitrag, der mir wieder einmal mehr zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind!

 

Von Carola Schlanhof • 27. Oktober 2012

Hi Babette,

ein wohl immer aktuelles Thema…danke für die deutlichen Worte!

Ein Problem ist, wie das Pferd bekanntgibt, daß es sich nicht auskennt. Spätestens bei „Sag verdammt noch mal, was du eigentlich willst!“ (so würde ich das Beißen und Steigen übersetzen) kommt eben häufig die Angst der Menschen dazu. Manche Pferde haben einfach eine höhere Grundaggressivität und sind heftiger in der Ausdrucksweise – wie viele Menschen auch. Und viele Menschen brüllen dann einfach zurück. Mit etwas Pech eskaliert die Sache dann…
Manche Menschen fürchten sich auch einfach und tun gar nichts mehr, um den Choleriker nicht noch mehr in Rage zu bringen.

Und manche Menschen schaffen es, frustbedingte Ausbrüche weitestgehend zu verhindern bzw. rechtzeitig zu bemerken, daß es nötig ist, die Sache nochmals ruhig zu erklären – und das mit der inneren Einstellung: „Entschuldigung, daß ich mich unklar ausgedrückt habe!“

Viele Grüße

Carola

 

Von Sonja • 29. Oktober 2012

Hallo Babatte.
Danke für deine Worte.
Meinem Pferd erging es ebenso. Als Fohlen wurde er immer und immer auf den Kopf geschlagen, wenn er mal dem Menschen zu nahe kam. Er legte nur die Ohren und drohte, als ich ihn bekam. Ich hatte aber sofort begriffen, dass es nur eine Abwehrreaktion von ihm war, denn er befürchtete immer, das er wieder einen Schglag abbekommen könnte. Ich bat meine Familie – wenn schon – ihn dann bitte nur am Hals oder der Schulter zu berühren. Ich hatte das große Glück, ihn mit clickern jetzt soweit gestärkt zu haben, dass er mit Freude zu uns kommt, keine Ohren mehr anlegt, sich überall am Kopf anfassen läßt und im Moment schmiegt er seinen Kopf in meinen Arm und holt sich sein „Bussi“ ab. Dazu ist zu sagen, ich hatte am Anfang nichts mit clickern am Hut, eine Freundin überzeugte mich. Fantastisch wie meine Pferde damit lernen. Menschen die dieses Pferd vorher kannten, glauben nicht, dass es das selbe ist. Ein schönes Lob für mich und ein Dank an meinen Noco-Na, der mir vertraut und ich ihm. „Love You Baby….

 

Von Birgit • 29. Oktober 2012

Hallo Babette,
Du sprichst mir aus dem Herzen. Dominanz ist leider immer so negativ belegt, aber man kann es auch anders sehen.
Dominanz kann auch bedeuten, dass ein Pferd in einer bestimmten Situation sicher ist und Vertrauen zu sich selber hat und wenn dann noch das Menschlein am Ende des Strickes seinen Job in den Augen des Pferdes nicht so gut macht, kann ein Problem geboren sein.
Das Ding ist, wir Menschen sehen so ungerne ein, dass wir unseren Job gerade nicht so gut gemacht haben …….

Zum Glück stelle ich fest, dass immer mehr Menschen an sich arbeiten und immer weniger das Pferd als Schuldigen hinstellen. Ich denke, Du bist daran nicht unschuldig *grins*

 

Von annasbg • 29. Oktober 2012

Wunderschönen guten Morgen!

Ein wunderbarer Beitrag! Und man sieht den Pferden nach ausgiebigem Lob teilweise auch an, dass sie „stolz wie Oskar“ sind.
Ich hab mit meinen Hunden auch so gearbeitet und mein kleiner hat sich dann vor Freude und Stolz fast überschlagen.

Weiter so!

GLG, Anna

 

Von Jost • 29. Oktober 2012

Der Weg des Lobens und der vorwiegend oder gar ausschließlichen positiven Bekräftigung ist sicher der bessere Weg, nicht nur zum Pferd 😉

Ich sehe allerdings immer wieder ein großes Problem bei Menschen, welche zwar diesen Weg gehen und (immer) überaus freundlich und positiv nicht nur zu ihren Pferden sind, aber es nicht schaffen, auch ein klarer Gegenpol zu sein und klare Verhaltensgrenzen für ihr tierisches oder menschliches Gegenüber zu setzen.

Menschen, welche den Weg der (ausschließlichen) Freundlichkeit im Umgang mit ihren Pferden gehen, müssen mMn auch lernen, durch ihre souveräne Erscheinung, durch sicheres und besonnenes Auftreten und durch klares und konsequentes Verhalten im Umgang mit ihren Pferden das weite Feld des Verhaltens des Pferdes dem Menschen gegenüber für das Pferd klar und nachvollziehbar umreißen und begrenzen.

Leider haben viele Menschen (mich inbegriffen) diese natürliche Souveränität und Autorität nicht und das Ergebnis ist dann ein Pferd welches sich zwar immer positiv bekräftigt und gelobt fühlt, aber trotzdem unsicher, „widersetzlich“ und büffelig bis hin zur Gefährlichkeit in seinem Verhalten dem Menschen gegenüber ist, weil es keine klaren Grenzen kennt.

Entweder werden dann dafür von den liebenden, freundlichen, positiven Pferdehalterinnen allerhand freundliche, positive Entschuldigungen gefunden welche eigentlich nur eine Tatsache verschleiern: Mir mangelt es zwar nicht an positiver Freundlichkeit meinem Pferd gegenüber, aber an Souveränität, Autorität und Konsequenz.
Oder es kommt dann eben doch zu spontanen Ausbrüchen negativer Konsequenz, Wutanfällen und Strafen die dann entweder als notwendiges Übel („Das Pferd muss eben leider auch mal Grenzen gesetzt bekommen“) oder bestenfalls von den betreffenden Menschen selbst als völlig kontraproduktiv wahrgenommen werden.

Viele Trainerinnen berücksichtigen mMn diesen Aspekt in ihrem Unterricht zu wenig: Sie sind sich nicht der Rolle bewusst, die sie innehaben, machen sich nicht klar, welche Autorität und Souveränität sie sich durch ihre langjährige Arbeit als Trainerin erarbeitet haben. Sie berücksichtigen nicht und dass viele ihre Schülerinnen eine ganz andere Persönlichkeitsstruktur haben, in einer ganz anderen Rolle sind und viel weniger Erfahrung und Routine haben, und deshalb natürlich auch dem Pferd gegenüber etwas ganz anderes ausstrahlen als die auf ihrem positiv-freundlichen Weg zum Pferd erfolgreichen Trainerinnen selbst.

Was manche Trainerinnen der „dominanten Schule“ von FN bis NHS an „Gewaltmitteln“ und „Dominanzwerkzeugen“ zu viel und zu ausschließlich als Sanktionsmittel in ihrem Konzept lehren und anwenden, das fehlt mMn vielen Befürworterinnen des (ausschließlich) freundlich-positiven Weges an Konsequenz in ihrem Konzept und ihrem Unterricht, die Wichtigkeit und die richtige Anwendung des „Werkzeuges“ freundliche KONSEQUENZ kommt mir da manchmal zu kurz.

Wer von Natur aus oder durch langjährige Erfahrung und Routine als Trainerin mit der notwendigen Souveränität, Autorität und Konsequenz ausgestattet ist und den Weg der positiven freundlichen Bekräftigung zum Pferd erfolgreich geht und unterrichtet darf mMn nicht vergessen, auch die wichtige Rolle eines zwar positiven und freundlichen aber eben doch auch klaren und deutlich Konsequenten Verhaltens dem Pferd gegenüber mit zu unterrichten, sonst geht der Spaß an der freundlichen , positiven Bekräftigung für Pferd und Mensch oft verloren und wird zu einem freudlosen, sich immer wiederholenden aber schon lange nicht mehr von Herzen kommenden Ritual.

Mit welchen Mitteln dieses Konsequente Verhalten, Gegenpol und Grenzen sein und setzen auch positiv und freundlich verkörpert werden kann gibt sicher Stoff für –zig weitere Blogbeiträge. 😉

 

Von liane • 29. Oktober 2012

Danke für den schönen Beitrag. Ich frage mich immer wieder, weshalb einige Pferdebesitzer sich nicht einmal selbst fragen, wie sie am besten lernen und weshalb es ihnen nicht möglich ist, wie übrigens im Umgang mit Menschen auch, nur so mit Pferden und Menschen umzugehen, wie sie möchten, dass mit ihnen selbst umgegangen wird. Dann ist doch alles viel einfacher. Denn wer wünscht sich keinen freundlichen, verständnissvollen, respektvollen, konsequenten, ehrlichen und gewaltfreien Umgang. Und für die, die es leider aus eigener Erfahrung anders kennen, ist es wichtig, dass hingeschaut wird und darauf aufmerksam gemacht wird, gefragt wird und auch gehandelt wird. Da sind wir alle gefragt.

Und was den im Beitrag angesprochenen Kurs-Teilnehmer anbetrifft, hat er ja schon den ersten Schritt getan, er war in Deinem Kurs und sicher wird ihm einiges im Nachgang zum Denken angeregt haben, das hoffe ich jedenfalls.
Liane

 

Von Helen • 29. Oktober 2012

Guten Morgen Babette
Danke für diesen wichtigen Beitrag, ich versteh bis Heute nicht, warum es vielen Menschen so schwer fällt zu Loben, denn strafen geht einfach schneller oder besser… Bei jeden neuen Pferd, dass ich zum longieren bekomme, muss ich zuerst die Besi’s Aufklären, dass SIE Loben sollen und die Pferde Positiv ermuntern in dem sie alles gute Loben und das Negative einfach ignorieren sollen. Die meisten verstehen es dann erst, wenn sie sehen, wie sich ihr Pferd, über ein Lob freuen kann und aus einem lustlosen, ein freudig mitarbeitendes Pferd neu kennen lernen. Leider ist es mit der Kinder Erziehung genau das gleiche, viele Kinder sind Lust und Antriebslos, weil sie Ihre Eltern nicht Positiv in ihrem Leben unterstützen, so suchen sie sich die falschen Kumpels und holen sich sie Anerkennung dort. Meistens leider mit fatalen Folgen. Viele Grüsse
Helen

 

Von Regina • 29. Oktober 2012

Hallo Babette,
auch ich möchte für Deine schönen und wichtigen Hinweise danken. Es ist schon sehr vieles gesagt worden, dem ich mich einfach anschließen möchte, etwas aber habe ich aus eigener Erfahrung und daraus entwickelter anderer Sicht beizutragen.
Du schreibst: „Wir dürfen eines nie vergessen: Alles, was wir von unseren Pferden wollen, sind Bilder in unseren Köpfen. Pferde wissen nichts von Lektionen und darüber, wie diese nun korrekt ausgeführt werden oder nicht. Sie haben keine Idee von Bahnfiguren oder anderen Trainingszielen.“ Das sehe ich anders. Ich erlebe immer wieder, dass Pferde gerade die BILDER in unseren Köpfen sehr genau sehen können, wenn sie für sie entschlüsselbar sind, d.h. m.E., wenn sie sie mit Emotionen (positiven wie negativen) verbinden können. Und dass sie etwas von Lektionen verstehen können, vorausgesetzt, sie verbinden diese nicht mit Angst-Stress, das hat mir eindrucksvoll eine kleine Isi-Stute einer Freundin auf einem Seminar klargemacht. Sie war sehr sensibel und immer überaus hektisch und wollte deshalb alles möglichst schnell erledigen, ist ja ein bekanntes Muster, nicht nur bei Pferden. Sie wollte zwar einerseits gefallen, andererseits aber war es ihr offenbar noch wichtiger, die wahrscheinlich von ganz frühem Erleben her eingeprägte Angst vor der Überforderung – den geforderten Leistungen in Verbindung mit den dazu nötigen, aber noch fehlenden körperlichen Fähigkeiten schnellstens zu überwinden. Es war also das Hauptziel auf diesem Seminar, dass dieses Pferd Ruhe und Sicherheit finden möge. Die Besitzerin war gefordert, ihre hohe eigene Körperspannung bewusster wahrzunehmen und sich zu lockern und damit ein zusätzliches Element der möglichen Leistungsforderung aus dem gemeinsamen Arbeiten herauszunehmen. Der Ausbilder mischte Bodenarbeit mit Reiten, die Stute konnte ihm sehr schnell vertrauen, und das Paar hatte einige Erfolge mit einzelnen Übungen, sie wurden beide weicher und die Stute wesentlich ruhiger. Das entscheidende Erlebnis schien aber eine Einheit zu sein, die dem Pferd vom Boden aus ermöglichte, im Seitengang – Schritt für Schritt – endlich einmal die äußere Schulter lösen und damit freier bewegen zu können. Ich muss dazu sagen, dass die Stute auf einem Auge blind ist, und auf dieser Seite hielt sie immer die Schulter fester. Man sah ihr während und nach der Einheit an, dass sie, ohne dass sie besonders gelobt worden war, BEGRIFF, was die Übung bedeutete, und das Schönste war: Sie übte nachher auf ihrem Paddock in Eigenregie weiter! Seither ist sie ruhiger, vertrauensvoller, kann abwarten und zuhören und ausprobieren (oder ausprobieren lassen von der Reiterin), und gerade die Seitengänge sind nun mit minimaler Hilfe sicher abrufbar und scheinen ihr echt Spaß zu machen. Pferde können, wenn sie ausreichtend einfühlsam hingeführt bzw. eingeladen werden, sehr wohl positive eigene Ideen zu Bahnfiguren und Trainingszielen entwickeln, vorausgesetzt, sie haben die Chance zu begreifen, was es ihnen an eigenen Fortschritten bringt. Sie drücken dann wachsenden Stolz und Selbstvertrauen aus, der ganze Körperausdruck verändert sich, ich sage hier ja nichts Neues, es war und ist immer neu für mich nur so eindrucksvoll, es zu erleben. Und dieser Ausbilder hatte die Möglichkeit genutzt, uns allen die Verbindung zwischen dem tiefen Begreifen des Pferdes und seinen Antworten darauf offenzulegen. Das war einfach schön.
Liebe Grüße – Regina

 

Von Birgit • 30. Oktober 2012

Liebe Babette,
das ist wieder ein super Blog !!

Ich habe gerade wieder gemerkt, dass mein Pflegepferd mich nicht versteht.

Ich kann ihn ganz frei in der ganzen Halle longieren. In allen Gangarten. Wir laufen und rennen zusammen ganz frei über Stangen. Was ich aber nicht schaffe ist, mein Pflegepferd im Trab auf die andere Hand zu schicken. Und zwar nicht zur Wand und mir das Hinterteil dabei zudreht, sondern die Wendung zur Mitte hin und dann auf die andere Hand.

Das schaffe ich nur zur Hälfte. Ich habe das Gefühl ich treibe ihn mit der Schulter vorwärts und ziehe ihn mit der Schulter (als wenn ein Band zwischen uns ist) zu mir hin. Er wendet auch bis er mit dem Kopf zu mir steht. Aber er bleibt dann stehen und guckt mich fragend an: „Was nun ??“ (So kommt es mir vor 😉 ) Und ich weiss (noch) nicht was ich falsch mache.

Was ich damit sagen will ist, dass das keine Widersätzlichkeit vom Pferd ist. NEIN !! Es versteht mich nicht was ich von ihm will. Es ist an mir DAS herauszufinden !!

Ich denke, wer verstanden hat, dass das Pferd uns Menschen sehr oft nicht versteht und der Mensch einen Weg suchen muss um DAS dem Pferd zu erklären kann mit seinem Pferd sehr viel erreichen.

Danke für den Blog !

Liebe Grüße von Birgit

 

Von Christiane Wolf • 1. November 2012

Liebe Birgit,
danke für den gelungenen Beitrag. Diese Art der Bestätigung für das Pferd durch Loben ist beste Pädagogik.
— nicht nur für Pferde!!
lieben Gruß Christiane

 

Von Christiane Wolf • 1. November 2012

Liebe Babette,
danke für den gelungenen Beitrag. Diese Art der Bestätigung für das Pferd durch Loben ist beste Pädagogik.
— nicht nur für Pferde!!
lieben Gruß Christiane

 

Von Goldfasan • 2. November 2012

Danke für den tollen Bericht. Leider gibt es von dieser Sorte Mensch immer noch sehr sehr viele. Aber unsere Gruppe wächst von Tag zu Tag!!!!!! Du gibst so viele tolle Tipps. Aber was man mal gelernt hat, kann man nur mit sehr viel Diziplin ändern.
Das Verhalten der Reiter spiegelt aber auch unsere Gesellschaft. Leistung, Leistung und noch mal Leistung.
Du willst nicht = Strafe
Du machst was gut= trotzdem kein Lob oder Anerkennung.
Bemerkung= dafür bekommt du ja Gehalt.Beim Pferd= du bekommst von mir ja dein Futter
Ich würde es in vielen Fällen auch als Schmerzensgeld bezeichnen.
Da soll der Reiter es beim Pferd auf einmal anders machen? Vielen sind sich dieses Verhaltends nicht einmal bewußt. Du hast so schön in deinem Bericht beschrieben.
Danke Babette für deinen Spiegel
Aber trotzdem, unsere Gruppe wird immer größer!!!!

 

Von Mirja Kasper • 4. November 2012

Toller Bericht, und so wahr!
Ich habe bemerkt bzw. in letzter Zeit viel daran gearbeitet eher das positive bei der Arbeit oder auch im täglichen Umgang mit dem Pferd zu bestärken. So hat man ganz automatisch weniger Situationen in denen man Strafen muß. „Strafe“ reicht meistens ja schon durch ein konsequentes Verhalten und klares „Nein“ aus, d.h. die Übung oder Sache wird solange nacheinander geübt bis der erwünschte Erfolg beintritt, dann gibts dickes Lob und Leckerli ( meiner macht fast alles für fressen :-)).
Beim longieren is meiner früher immer ausgebrochen oder rein gekommen, ich hatte aber auch keine 2. Hilfe dabei, bzw. kam ich noch nich auf die Idee den Reitpletzt auf der offenen Seite einfach mal zu begrenzen. Leider machte ich damals den Fehler ihn mit einem Ruck im Maul ( Trense) und Schreien zu betsrafen, was mein Pferd aber nur aufmüpfiger werden ließ, sogar in Konfrontationshaltung.
Seitdem ich euren Newsletter bekomme habe ich immer mehr umgedacht, und bin auch hier neue Wege gegangen, denn ich fühlte mich dabei nich wohl ( das kam nur einmal vor, war aber eindeutig ein Fehler von mir).
Ich erkannte das mein Pferd ja nich wissen kann was ich von ihm möchte, bzw. das ich ihm die Möglichkeit einfach nehmen muß überhaupt zur offenen Seite hin ausbrechen zu können.
Also, der Reitplatz wurde abgegrenst, er konnte jetzt nimmer ausbrechen. Er kam immer wieder mal noch rein, bzw. drehte sich mit dem Kopf zu mir rein um die Lektion zu beenden.
Ich sagte dannklar „Nein“,holte ihn in Ausgangsposition zu mir rein, schickte ihn im Schritt wieder raus auf den Zirkel und lobte ihn wenn er da blieb. Das machte ich sooft bis es klappte, dann war die Übung beendet für den Tag. So lernte er das es nix bringt.
Jetzt, nach Wochen, longierte ich ihn das erste mal ohne Begrenzung und er lief einwandfrei. Er hat das jetzt so verinnerlicht das er nimmer auf die Idee kommt Faxen zu machen. Zudem habe ich auf das Geitnerhalfter umgestellt, fiode ich ganz tolll für Bodenarbeit da man das Pferdemaul schont, und meiner reagiert da toll drauf.
Ich habe daraus gelernt das man einfach den längeren Atem haben muß, durch Onsequenz und Lob zum Erfolg, Schritt für Schritt :).

 

Von Anja Blum • 6. November 2012

Liebe Babette,
ich kann Dir zu diesem Artikel nur gratulieren. Genauso sollte es sein und nur so kann es „funktionieren“. Leider erlebt man oft nur ein Schimpfen, Strafen, Meckern. Die armen Kreaturen sind dermaßen geduldig und erdulden eben diese Art der Kommunikation.
Übrigens empfiehlt es sich, das Loben nicht nur im Umgang mit Pferden anzuwenden. Auch ein Kind lernt dadurch effizienter, obwohl ein Kind natürlich die gesprochenen Worte versteht.
Herzliche Grüße an euch. Anja

 

Von Jenny • 24. November 2012

Sehr guter Artikel, danke dafür! Das bestätigt mich weiter in meinem Handeln!
Als frischgebackene Pferdebesitzerin einer sensiblen Sute, die jahrelang nicht gerarbeitet wurde kann ich nur sagen: Positives Feedback ist alles!
Meine Stute reagiert auf negatives Feedback sehr sensible, sie beugt sich dann ihrem Pferdedasein, aber ist alles andere als motiviert.

Positives Feedback in Form von einem motivierten „Prima“ löst bei ihr eine motivierte Haltung ein und sie versteht sofort, dass sie etwas richtig gemacht hat und es ist ihren Augen und der Haltung anzusehen, dass meine Worte richtig eingesetzt uns weiterbringen.

Ich setze bei all meinen Tieren, egal ob Hund oder Pferd nur positive Bestärkung ein und fahre super damit 🙂

 

 

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