Stopp dem Streichelzwang

Vor kurzem schrieb ich darüber, wie ich durch Anthony lernte, meine Pferde nicht mehr ständig vollzusabbeln. Heute geht es um eine weitere Lektion, die ich vor allem von ihm gelernt habe: meine Pferde weniger anzutatschen. Und das zu lernen, war wirklich nicht leicht und es gelingt mir auch nicht immer… 😉

Natürlich wollen wir unsere Pferde am liebsten ständig streicheln. Sie fassen sich einfach zu gut an und wir Menschen zeigen unsere Zuneigung eben gerne durch Streicheln. Aber nicht immer tun wir unseren Pferden damit einen Gefallen.

Pferde haben nicht grundsätzlich ein Problem mit Berührungen, aber sie sind sehr verschieden, was ihr Bedürfnis nach Streicheleinheiten angeht.

  • Manche Pferde lieben es, überall gekrault zu werden,
  • andere haben ausgewählte Lieblingsstellen, an denen sie gerne kräftig gekratzt werden
  • und wieder andere bevorzugen ganz sanfte Berührungen.
  • Manche Pferden mögen bestimmte Striegel oder Bürsten lieber als andere,
  • andere finden z.B. Massagen angenehmer als Streicheleinheiten oder umgekehrt.
  • Manche Pferde sind ständig offen für menschliche Berührungen,
  • andere entscheiden lieber selbst, wann sie Kontakt wollen.
  • Und manchen Pferden bereiten Berührungen Stress.

Hinzu kommen tägliche Stimmungen und Vorlieben, so dass ein Pferd vielleicht an einem Tag gerne gestreichelt wird, ihm aber am nächsten Tag solche Knuddeleien zu viel sind. Es ist also eine gute Idee, hier wirklich mal bewusst herauszufinden, was dem eigenen Pferd gefällt und was nicht und sensibel für Zeichen von Unwohlsein zu werden.

Pferde können uns ja leider nicht einfach sagen, dass sie z.B. das Gerubbel an der Nase nicht mögen oder dass wir zu doll mit dem Metallstriegel putzen. Aber, sie zeigen es uns anders, z.B. so:

  • durch Wegdrehen
  • oder Weggehen,
  • durch ein Anlegen der Ohren
  • oder Schnappen (ggf. auch Beißen),
  • durch Kopfschlagen
  • oder Büffeln
  • u.a.

Einige dieser Äußerungen werden dann schnell als „Unarten“ abgestraft, ohne das realisiert wird, dass sich das Pferd nur gegen die ungewünschten Berührungen zu wehren versucht.

Viele Pferde zeigen ihr Unbehagen aber auch gar nicht so deutlich, sondern ziehen sich dann eher in sich selbst zurück. Sie lassen die Streicheleinheiten über sich ergehen, aber genießen sie nicht. Das zu erkennen ist nicht immer leicht und so kann es einem passieren, dass ein Pferd, dass doch „eigentlich so lieb“ ist, plötzlich beißt, ganz einfach weil es genug hat von all den ungewollten Knuddeleien. Pferd, die so auf ungewollte Streicheleinheiten reagieren, zeigen auch oft ein Verhalten, das wir dann als „stumpf“ interpretieren – sie reagieren z.B. auch auf Hilfen oder andere Signale nicht mehr, da sie diese Berührungen genauso aussitzen wie die unerwünschten Liebkosungen.

Was falsch laufen kann

Da wir Pferde lieben und den Kontakt zu ihnen, haben wir ein großes Bedürfnis danach, sie anzufassen. Wenn wir dabei allerdings nicht beachten, was das jeweilige Pferd überhaupt mag, tun wir ihnen keinen Gefallen, sondern im Gegenteil: nerven sie.

Den meisten Pferden wird z.B. hemmungslos ins Gesicht gefasst und genau das ist etwas, was viele Pferde gar nicht mögen. Auch das immer wieder zu sehende Klopfen des Halses (oft in einer Stärke, die bei mir schon ein Strafhauen wäre) ist etwas, das vielen Pferden sehr unangenehm ist.

Wir dürfen eines nicht vergessen: Pferde können eine Fliege auf ihrer Haut spüren – ihre Haut ist also sehr empfindsam. Und auch wenn Pferde sich bei der gegenseitigen Fellpflege oft ordentlich mit den Zähnen bearbeiten, heißt das nicht, dass wir ungefragt und ständig einfach zulangen können. So wir selbst auch nicht zu jederzeit für jede Art Berührung (und vor allem nicht von jedem) empfänglich sind, sind es Pferde auch nicht.

Grundsätzlich gilt: Mit einem Zuviel an unerwünschten Körperkontakten riskieren wir nicht nur ein von uns genervtes Pferd, sondern auch ein Abstumpfen auf Berührungen und verspielen uns damit die Möglichkeit, mit ganz sanften Hilfen und Signalen kommunizieren zu können.

Wie wir es besser machen können

Ein Weg, unser Pferd durch unser Bedürfnis nach Kontakt nicht zu nerven, ist:

  • herauszufinden, was unser Pferd wirklich mag und was nicht
  • und sensibel dafür zu werden, wann welche Berührungen angemessen sind und wann wir uns bremsen sollten.

Auch hier gilt es wieder einmal, sich selbst bewusster zu werden über die eigenen, oft unbewussten Handlungen und diese kritisch zu hinterfragen. So schwer es fällt, aber manchmal tun wir unseren Pferden einen großen Gefallen, wenn wir einfach nur schauen und nicht gleich anfassen. Wenn wir unseren Pferden den Raum und die Möglichkeit geben, auch mal auf uns zuzukommen und nicht immer schon selbst aktiv werden. Und wenn wir einfach immer noch ein bisschen achtsamer unserem Pferd gegenüber werden.

21. April 2011 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang 25 Kommentare »

 

25 Reaktionen zu “Stopp dem Streichelzwang”

 

Von Katsumi • 21. April 2011

Guten Morgen
Da hast du mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen. Meine Reitbeteiligung ist auch so ein „Kuschel“ Pferd und ich will sie ständig kraulen und obwohl ich weiß, dass ich das nicht ständig tun sollte, fällt es doch so unendlich schwer. Danke für die Erinnerung
PS: dein Link zu dem „weniger Reden“ Post funktioniert nicht

LG Katsumi

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Herzlichen Dank für Deinen Kommentar – den fehlerhaften Link habe ich gleich korrigiert.

Und ja, es ist oft schwer, nicht ständig zu knuddeln. Aber das Tolle ist: wenn man es wirklich einschränkt, kommen Pferde, die vorher eher weniger Kontakt wollten, oft von sich aus und beginnen zu schmusen. Und DAS ist die Selbstherrschung wert 🙂
Tania

 

Von Ramona • 21. April 2011

Schöner Beitrag!

Eine gute „Kontrollübung“ ist es übrigens, das Pferd frei, also unangebunden zu putzen.

Dann hat es die Möglichkeit zu unangenehmen/ungewünschten Berührungen Nein zu sagen durch weggehen oder wegdrehen.

Umgekehrt bekommt man auch promptes Feedback, wenn’s dem Pferd angenehm ist und es kann einem die Körperpartien zudrehen, an denen es gerade gekrault oder gekratzt werden will.

Ist allerdings nicht ganz frei von „Nebenwirkungen“. Unsere Pferde dackeln uns teilweise recht penetrant hinterher, wenn sie gekratzt oder gekrault werden wollen. 😀 Eigentlich ja schön, aber wenn man gerade was anderes machen will, nicht immer ganz ideal, wenn man auf Schritt und Tritt verfolgt wird.

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Toller Tipp, Ramona!
Tania

 

Von Iris • 21. April 2011

Liebe Tania,

ich möchte noch was ergänzen 😉 Nicht nur wir selbst sollten bei unseren Pferden „anfragen“, ob unsere Berührungen für sie ok sind, insbesondere anderen möchte ich ans Herz legen, nicht einfach hinzugehen und ein fremdes Pferd anzugrabbeln. Mich und auch Nora nervt es nämlich oft ganz schön, wenn jemand zum Beispiel beim Putzen zu uns kommt und mal eben so anfängt, sie zu betatschen, insbesondere, da ich Nora oft unangebunden stehen lasse und dann zwischen uns eine besondere Konzentration herrscht, die dadurch gestört wird. Ich denke, es ist einfach eine Frage der Höflichkeit Pferden und Menschen gegenüber, erstmal zu fragen, ob Gesellschaft und Berührungen willkommen sind.

Ich wünsch Euch schöne Ostertage, liebe Grüße,

Iris

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Dankeschön, Iris – Dir auch ein sonniges Fest!
Tania

 

Von no0815girl • 21. April 2011

Das ist mir selbst an meinem Pferd auch schon oft aufgefallen, sie zeigt es mir sehr deutlich, ob sie gerade gestreichelt/gekrault werden will oder nicht – zum Glück! Allerdings bin ich mir beim Putzen nicht sicher ob sie es geniesst oder einfach brav still steht, da werde ich mich noch mehr darauf achten. Das finde ich das Tolle an deinem Blog, dass mich deine Beträge oft dazu bringen, mehr auf ein bestimmtes Thema zu achten 🙂

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Und mich freut es sehr, ein bisschen anregen zu können!
Tania

 

Von gabriela • 25. April 2011

Hallo alle zusammen,
mir geht das „halsgeklopfe“ mancher, vor allem springreiter, seit langem auf die nerven! sowas kann sich nicht angenehm anfühlen!
Es stimmt auch dass wir unsere pfede am liebsten mit ins „bett nehmen würden“ aber pferde sind nun mal lieber im offenstall……

super beitrag, vielen dank!!

PS: schade ist nur dass die meisten „Klopfer“ diesen artikel wohl gar nicht lesen werden!! Die „Bett-nehmer“ (zum glück) aber wahrscheinlich schon!!

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Hihi, das ist ja eine originelle Unterscheidung: „Klopfer“ und „Ins-Bett-nehmer“ 😀 Ich fürchte, ich war beides und ein „Ins-Bett-nehmer“ bin ich manchmal noch immer… 😉
Tania

 

Von emy • 25. April 2011

Hottehüh ist ein wenig autistisch veranlagt was Berührungen angeht (Anti-Kuschler) – darum praktizieren wir schon lange freies Putzen: dadurch haben wir ein gutes gegenseitiges Gespür füreinander entwickelt.
Nicht nur dass er jederzeit auch mal „Nein“ sagen kann (und ich meine Strategie entsprechend anpasse), er ist auch viel vertrauensseliger und aufmerksamer mir gegenüber geworden und mittlerweile von allen Seiten und Positionen sicher „bearbeitbar“ – ganz ohne pferdische Hektik und menschliche Hechtsprünge.

Mir ist aufgefallen, dass ich ihm frei auch wesentlich mehr Lockerungsübungen „zumuten“ kann, was ihn angebunden doch recht nervös machen würde – alles Vertrauenssache also – Bindung entsteht halt nicht durch Stricke!

Eine gute Nicht-grapschen-Übung für Mensch ist, beim Begrüßen die Hände hinter dem Rücken zu verschränken und auch dort zu lassen bis Pferd fertig gegrüßt hat – so kann man sich einige Alternativen zum Begrapschen angewöhnen. Pferde begrüßen sich ja durch gegenseitiges Anschnauben Nase an Nase und tun das auch mit Menschen, wenn diese nicht schon vorher entzückt losgrapschen. Pferdchen bekommt also von mir immer einen Begrüßungsschnauber (mit Händen am Rücken, sonst wärs zu schwer für mich 🙂 ) und goutiert das sehr, im Gegensatz zum obligatorische Gesichts- und Halsgefummel – zumindest läuft er jetzt nicht mehr gleich wieder davon wenn wir uns auf der Koppel begegnen 🙂

Von den Pferden wird ständig gutes Benehmen gefordert, aber wir verhalten uns oft in Bezug auf „Pferdeetikette“ sehr unhöflich.
Das ungefragte Befummeln zählt hier sicherlich dazu – wobei das ja auch unter Menschen eher unhöflich ist…

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Ganz herzlichen Dank für Deine Gedanken!
Tania

 

Von Sarah • 25. April 2011

Hallo,
ich möchte auch unbedingt loswerden, wie gut mir dieser Beitrag gefallen hat!
Ich finde es sehr wichtig, dass man genau darauf achtet, was dem tierischen Freund gefällt und was nicht – schließlich wollen wir ja Freunde bleiben 😉
Ich habe selbst auch die Erfahrung gemacht, dass Pferde sehr unterschiedliche Vorlieben haben was z.b. das Kraulen angeht. Mein erstes Pferd, liebte es eeeewig an die Ohren gekrault / massiert zu werden, eigentlich gallt das für den gesamten Kopf. Meine jetzige Tinkerstute würde ich auch am liebsten den ganzen Tag knuddeln 😉 Sie hat mir aber sofort gezeigt, dass nicht jeder und gleich ihren Kopf streicheln darf und Ohren kraulen geht gar nicht. Ich muss mich sehr zurück halten, das nicht zu tun, schaffe das aber ihr zu liebe.
Erst als sie einige Zeit bei mir war, gab sie mir zu verstehen,dass ich sie auch sanft am Kopf streicheln darf. Immernoch ist es so, dass sie ganz klar entscheidet und zeigt wann sie es möchte und wann nicht.
Danke für den Beitrag, ich konnte mich und meine Cara sehr gut darin wieder finden!
LG 🙂

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Freut mich sehr, Sarah!
Tania

 

Von Sarah • 25. April 2011

Ups: Korrektur:
an „den“ Ohren gekrault zu werden..
😉

 

Von ladym • 25. April 2011

Oh, das ist ja ein schöner Beitrag. Ich habe letztens erst darüber nachgedacht, dass ich meinem Bedürfnis ein Pferd zu streicheln, auch nicht immer nachkommen sollte.
Ganz deutlich habe ich das auf einem Naturschutzhof zu spüren bekommen. Da laufen immer 2-3 Ponnies frei herum. Die Besucher streicheln sie fleissig, das habe ich schon in der Vergangenheit bemerkt, wenn ich immer mal da war. Diesmal hatte das eine Pony schon ein ziemlich genervtes Gesicht gemacht und auch schon gezischt, als ich mich nur näherte. Ich hatte keine Absicht es zu streicheln. Ich hab einen großen Bogen drum gemacht.
Seit ich reite, streichle ich auch das Reitpferd nicht mehr immer (es verfällt dann augenblicklich in Tiefschlaf *g*). Ich habe aber auch oft ein starkes Bedürfnis Pferde zu streicheln. Andererseits möcht ich aber auch nicht gebissen oder verjagt werden 🙂 Deshalb lass ichs 🙂 und erfreue mich am Anblick 🙂
LG

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Ich denke einfach, achtsam sein und sensibel dafür werden, ob ein Pferd angefasst werden will oder nicht, ist der entscheidende Punkt. Und ja, oft ist einfach nur anschauen auch schön 🙂
Tania

 

Von Katinka • 25. April 2011

Hi, hi ich bin auch eher in Pferd-ins-Bett-nehmer. 😉
Allerdings ist mein Pferd auch ein ins-Bett-kommer! 😉

(Ich weiß, er würde mit ins Haus kommen! Er war schon auf der Terrasse und hat Kuchen und Saft geklaut! -Trippel-trappel-Pony- 🙂 )

Unsere beiden Pferde vertragen sich ganz gut, allerdings ist es tatsächlich so, dass mein Wallach ein Schmusebär ist, der permanent Kontakt such, während die Stute gern etwas Abstand hat.

Grundsätzlich texte ich mein Pferd auch nicht zu, aber beim Ausreiten unterhalt ich mih leider (!) zu oft mit meiner Freundin. Die Quittung kommt fix – Pferdchen enscheidet dann nämlich selbst, was nun ansteht. Verkneife ich mir das Getratsche, klappt das mit dem Ausreiten auch besser. :-p

Also: Öfter mal die Klappe halten. 😉

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Oh ja, das mit der Aufmerksamkeit kenne ich auch!
Tania

 

Von Angela • 26. April 2011

Hi,
ich bin selber so ein komisches „Viech“.

ICH selber bin eher ein wenig körperbetonter Mensch, oder besser, ich mag nicht wenn mir andere Menschen uneingeladen zu nahe kommen oder mich gar anfassen. (Ausnahme sind meine enge Familie und allerbeste Freunde)

Deshalb verhalte ich mich gegenüber anderen Menschen und Tieren so, als würden sie wie ich fühlen. Sehr viele Tiere fühlen wohl tatsächlich wie ich, vor allem Pferde.

Ich finde es sehr schön, wenn man „offiziell“ von einem Pferd zum Schmusen eingeladen wird, auf die Einladung wartet und spürt wann wieder genug ist.

LG
Angela

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Genau diese Sensibilität finde ich toll – danke, für Deine Zeilen!
Tania

 

Von Jessy • 26. April 2011

Ich mache einigen Jahren Horsemanship und muss sagen, dass sich meine „Antennen“ im Bezug auf Pferde und dem Umgang sehr verfeinert haben. Die Begrüßung eines mir fremden Pferdes beginnt meinerseits erstmal mit anschauen und dann mit einem netten Handrücken unter die Nase halten meinerseits. Meist kann mann dann schon merken, ob das Pferd eine Berührung zuläßt oder eher nicht. Wenn es zurückweicht..nun gut…dann nehme ich auch die Hand weg. Das ein oder andere Mal jedoch wird die Hand auch lecker abgeschleckt vom Hotti 😉

Halsklopfen finde ich eines der schlimmsten Angewohnheiten die ein Reiter haben kann. Vorallem Kinder meinen ja…je doller der Klopfer, je größer das Lob. 🙁

LG Jessy

__________________________

Jau, wird ihn leider ja oft auch genauso beigebracht…
Tania

 

Von Jenny • 27. April 2011

Ich habe bei meinen 2 Pferden eins was toatl gern kuschelt dafür nicht zu gern geputzt wird.
Das andere mag nicht so kuscheln dafür jedoch putzen.
Die beiden zeigen mir ziemlich genau ob, wo und wielnage sie gestreichelt sein wollen.
Meien Stute kommt nur mit dem Kopf zu mir und möchte nur schnuppern nicht streicheln.
Wenn es beiden zuviel wird gehen sie zurück.
Schön ist aber auch, wenn wir 3 graulen und putzen machen.

____________________

Es ist schön, dass Du Deine Pferde in ihren Unterschiedlichkeiten wahrnehmen kannst!
Tania

 

Von Christiane • 27. April 2011

Wann will sie bekuschelt/beschmust/geputzt werden und wo mag Tante Pferd es am Liebsten…
Leider nimmt meine Stute die Meisten meiner Bemühungen ehr mit Gleichmut hin…
Mein erster Liebling hingegen fand es herrlich von vorn nach hinten und oben nach unten begrüßt zu werden, da er dadurch lästiges Ungeziefer aus Ohren, zwischen den Beinen oder am Bauch los wurde…
Über Winter verringerte ich meine Begrüßung dann immer auf die Suche nach neuen Schmarren und die Kontrolle alter Wunden.

Wie ist es eigentlich umgekehrt,also wenn das Pferd Körperkotakt aufnimmt?
Meine Stute fäng häufig an mich mit den Lippen zu bearbeiten, wenn ich an ihrem „kranken“ Bein zugange bin. Meist schnubbelt sie an mir herum, oder versucht um mich herum zu gucken. Ab und an nimmt sie aber auch mal die Zähne, zwickt mich vorsichtig oder will mich flohen.
In meinem Umfeld heißt es, solch ein Verhalten wäre frech und zeuge von Unerzogenheit.
Mmmhhhh… ehrlich gesagt, finde ich es schön, wenn sie sowas macht. Ich denke, sie interessiert sich für mich und das was ich mache, oder möchte mir etwas Gutes tun.

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Meiner Ansicht nach kann man so ein Verhalten nur aus Eurer Beziehung heraus interpretieren. Wenn Du es schön findest und sie dabei nicht grob wird, sehe ich da keinen Grund, das zu unterbinden. Das ist dann einfach Teil Eures Miteinanders 😀
Tania

 

Von Eva • 28. April 2011

Mir gefallen die Beiträge, überhaupt die ganzen Seiten. Seit ich nicht mehr nur Stunden nehme, sondern auch so meine Zeit bei den Pferden verbringe, habe ich viel mehr über sie gelernt. so klopfe ich schon lange nicht mehr den Hals, sondern kraule sie kurz, weil ich das auch auf dem Paddock tue und sie freuen sich normalerweise immer und machen einen Papageienschnabel :D. Man kann das Pferd nicht zu sehr vermenschlichen, es bringt ihm nichts, wenn man ihm „auf die Schulter klopft“. Es ist wie eine Redensart, die man eigentlich nur versteht, wenn man sie kennt. Insgesamt finde ich diese „Lehrbuchregeln“, an die alle sich halten ein bisschen dämlich. Warum ein Pferd z.B. nicht einfach mal auf der rechten Seite führen? Abwechslung ist spannender, genauso wie unterschiedliche Belohnung. Wozu allen nacheifern, wenn man keine logische Bergündung dafür hat, dass das Pferd weiß, was dieses „Klopfen“ ist. Wenn der Mensch zufrieden ist, spürt das Pferd es sowieso, dafür braucht es kein Signal, sondern einfach nur eine bekannte Bestätigung. Pferde kraulen sich ja bekanntlich untereinander und klopfen nicht.

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Eine prima Einstellung hast Du! Und ich mag auch als Mensch dieses Schulterklopfen gar nicht.
Tania

 

Von Miriam • 17. Juni 2011

Hallo Tanja,

Ein schoener Artikel. Ich hatte einmal einen Reitlehrer, der mir das schon vor 15 Jahren gesagt hat. „Wie wuerdest du dich denn fuehlen, wenn dir dauernd ins Gesicht getatscht wird? Oder wenn dir jemand staendig einen Klapps auf den Hinterkopf gibt?“ Das ist mir bis heute im Gedaechtnis geblieben – ich wuerde mich scheusslich fuehlen! Deshalb streichle ich grundsaetzlich kein Pferd wenn ich es zum ersten mal kennen lerne – erst darf es beschnuppern, wer ich bin. Ich halte die Hand hin, wenn es mehr will wird es das schon zeigen. Und klopfen am Hals gibt es auch nciht, lieber ein wenig kraulen am Widerrist wenn es etwas gut gemacht hat.

Bei meinem Pferd bin ich leider nicht so, den wuerde ich, wenn ich koennte, die ganze Zeit durchknuddeln 😀 Wir haben aber eine Vereinbarung getroffen – ich darf ihn umarmen und kraulen und streicheln wenn er frei, ohne Halfter, Strick etc steht, wenn es ihm zu bunt wird darf er weglaufen. Aber oftmals bleibt er nun sogar eine gute Stunde so stehen und ich darf ihn streicheln etc, er doest dann halt vor sich hin oder krault auch zurueck. Was er in letzter Zeit sogar von sich aus sucht, weil kein anderes Pferd ihm so lange die Maehne kraulen kann wie ich, die Fliegen jedoch sooo jucken 😉
Wenn er angebunden ist, streichel ich ihn grundsaetzlich nicht, weil er dann nicht wirklich sagen kann, wenn er das nicht will 🙂

Gruss
Miriam

_________________

Das finde ich eine super Lösung! Ist ja auch nicht so, dass alle Pferde da sofort genervt sind. Viele werden gerne gestreichelt. Wichtig finde ich nur eben auch, dass das Pferd da ein Mitspracherecht hat. Und das stellst Du ja auf eine sehr gute Art sicher.
Tania

 

Von Kathi • 26. Februar 2013

Danke,
mir hat das alles zu lesen sehr geholfen. Bisher hatte ich nur 2 Pferde, die sehr kuschelig waren und nie gezeigt haben, dass sie kraulen,streicheln oder auch putzen nicht gern haben.Da diese sich auch ohne Halfter und Strick immer gern in meiner Nähe aufgehalten haben und sich ganz selbstverständlich auch so putzen ließen,glaubte ich schon meine jetzige Stute mag mich nicht gern in ihrer Nähe. Jetzt ist mir klar, dass dies gar nicht so sein muss. Sie kann es einfach nicht leiden ständig angefasst zu werden. Ich werde das ab heute ganz genau beobachten und besser auf sie und vor allem auf mein Verhalten achten.

______________________

Freut mich sehr, Kathi, dass ich Dir da einige Impulse geben konnte. Vielleicht möchte das Pferd auch nur anders berührt werden. Sei einfach achtsam, dann findest Du das sicher heraus.

Herzlich,
Tania

 

Von Birgit • 2. September 2013

Hihi

damit ich mein Pflegepferd nicht zuquatsche hatte man mir mal empfohlen, einen Bleistift zwischen die Zähne zu nehmen während ich mit dem Pferd umgehe……

Es funktioniert !

Es wird einem dabei wirklich bewusst wieviel man mit dem Pferd doch redet ……

LG Birgit

 

Von Beate • 4. September 2013

Ein schöner Artikel! Ich habe schon oft beobachtet, dass viele Menschen nicht auf den Widerhall ihrer Streicheleinheiten achten. Da ich selbst zu den Lebewesen gehöre, die es nicht so mit „angefasst-werden“ haben, achte ich immer auf den Ausdruck des Tieres, ob es das, was ich da tue, gut findet oder nicht. Man kann es gerade bei Pferden so leicht erkennen: an der (Elch-)Nase, an dem Augenausdruck, der dann irgendwie ganz konzentriert nach innen zu „lauschen“ scheint, an dem leichten Heran(d)rücken der Körperstelle….
Katzen sind übrigens sehr gute Trainingspartner für Menschen, denen das Beachten der Körpersprache anderer Lebewesen nicht naturgegeben ist, da sie da sehr eindeutig sind 😉

 

Von Susanne • 4. September 2013

Also mal vom Geklopfe und Begrabschen abgesehen: Ich texte die Pferde ständig zu. Also nicht ohne „Luft“ zu holen, aber ich arbeite in einem Berittstall auf kleinster Ebene (Hege und Pflege der Stallung und der Tiere)und habe beim Anfangskontakt nicht die Zeit, stundenlang herausfinden zu können, ob Kraulen hinterm Ohr oder doch lieber auf der Stirn gewünscht ist. Meine persönliche Erfahrung ist, dass gerade die unerfahrenen Jungpferde sich schnell an das Anfassen am ganzen Körper gewöhnen, wenn ich ihnen mit leiser, ruhiger Stimme beim Putzen erzähle, was ich gerade tue und wie wunderschön sie sind. Klar, dass sie nicht den Sinn meiner Worte verstehen, aber dieser ruhige Singsang senkt ihre Nervosität und sie hören mir zu oder besser gesagt, sie geben MIR ihre Konzentration statt den ganzen unberuhigenden, neuen Dingen um sie herum. Und nach dem Putzen war bisher jeder soweit, dass er sich vertrauensvoll von mir die Ställe, die Reithalle, den Putzplatz etc. zeigen lies, auch wenn es mal körperliche „Problemzonen“ zwischen uns gab. Wenn sie dann in die „Schule“ gehen, ist nicht mehr alles fremd… Aber ganz klar: Die Minuten, dass der Erstkontakt zwischen uns von der Neugier des Pferdes hergestellt werden muss, hab ich immer! Und Begrabschen fremder oder gar angebundener Pferde wird bei uns von „oben“ untersagt ;-). Mal wieder ein toller Beitrag und heute so aktuell wie vor 2 Jahren!

 

Von Sue_k • 7. Februar 2014

Ich möchte mich mit meinem Anliegen bzw meiner Unsicherheit gerne in die Unterhaltung hier einreihen u hoffe dass der thread nicht schon in Vergessenheit geraten ist.

Ich habe mein Pferd(16) nun schon seit 10 Jahren. Er ist extrem sensibel und hatte beim Vorbesitzer wohl auch einige negative Erfahrungen gemacht. Eigentlich sind wir beide ein gutes Team- ich konnte ihm seine Angst vor der Gerte nehmen, ihm die gebisslose(er hatte braven im maul) -klassische Reitweise beibringen etc. Er ist sehr sehr gelehrig und reagiert unterm Sattel auf kleinste Signale und lernt mittlerweile sogar die Ansätze zur piaffe.
Er ist leistungsstark und möchte beschäftigt werden..auch Gelände mag er sehr.

Mein Problem ist dass ich manchmal das Gefühl habe dass er mich vielleicht nicht mag. Er blubbert mich zwar an wenn ich komme- aber erst seitdem er regelmäßig von mir gefüttert wird. Das macht er auch bei anderen Personen. Er ist sehr sanft u vorsichtig im Umgang..aber sobald ich ihn streicheln will geht er(zB in der Box) erstmal ein oder zwei Schritte zurück. Will ich ihn im Gesicht anfassen dreht er den Kopf weg. Nase geht gar nicht.
Auch sonst habe ich noch keine kraul/schmuse-Stelle gefunden die er länger als ein paar Sekunden ohne Fluchtversuch duldet…ich habe deshalb oft Zweifel ob er mich überhaupt leiden kann? Wie würdet ihr das denn deuten?

Ach ja, wenn ich in seine paddockbox komme, kommt er meist auf mich zu…außer es gibt gerade Heu…dann kommt er nicht, läuft aber auch nicht weg wenn ich ihn hole.auf der Koppel dasselbe…

 

Von Sue_k • 7. Februar 2014

Nachtrag: ich habe mein Pferd nicht seit 10 sondern seit 6 Jahren…Tippfehler

 

Von Brigitte Spellerberg • 23. Oktober 2017

Vielleicht sollte man seinem oder den Pferden einfach mal zuhören. Mein Narcos zeigt mir sehr deutlich wann, wo ,wie er gestreichelt oder gebürstet werden will. Von Fremden lässt er sich nicht anfassen und ich sage es auch immer das ich nicht möchte das mein Pferd angefasst wird. Ich fasse ja auch nicht die Tiere von anderen an. Ausserdem zeige ich meinem Pferd auch immer was ich mache und lasse ihn an allem schnuppern, soviel Zeit muss sein.
Das hat was mit Respekt zu tun finde ich.

 

Von Gina • 23. Oktober 2017

ich habe herausgefunden, dass mein Pferd lieber fest gekrault wird oder gekratzt, als gestreichelt. Mähnenkamm kraulen und massieren ist das Beliebteste. Aber da wir uns schon lange und gut kennen, mag sie es auch gerne wenn ich ihr Gesicht streichle und die Stirn leicht massiere, das liebt sie. Hat sie mal ein Stück Heu oder ein Haar im Auge, darf ich ihr das freistehend auf dem Paddock herausfummeln, ohne sie anbinden zu müssen. Dass beim Putzen manche Bürsten unbeliebter sind als andere, ist ziemlich einfach zu bemerken. Es wunderte mich schon oft, wie konsequent meistens die Signale der Pferde ignoriert werden: z.B. Ohren anlegen beim Putzen oder beim Satteln – so etwas wird so gut wie nie als ein Hinweis darauf gesehen, dass etwas nicht stimmt – irgendwo etwas wehtut/ Sattel nicht passt/…etc. – sondern stets nur als „Laune“ bzw. Bockigkeit abgetan. Pferde tun doch nie etwas ohne Grund. Meine darf sich auch mal kurz leicht an mir das Gesicht reiben. Ich finde das nicht respektlos. Ich erlaube es ihr schließlich durch meine Körpersprache und sie macht das nie zu fest. Schließlich haben Pferde keine Hände. Übrigens haben wir nach dem Abtrensen ein kleines Ritual: ich hatte ihr danach mal die Maulwinkel massiert, und ab da wollte sie das jedes Mal haben nach dem Abtrensen und hielt mir sofort den Kopf hin. Ich finde, jeder Pferdebesitzer sollte kleine, liebevolle Rituale haben mit seinem Pferd, die beiden gefallen.

 

Von Ulle • 18. März 2018

Danke für den tollen Text!!
Ein Kommentar hat mjr auch sehr gut gefallen..Bindung entsteht nicht durch Stricke..
Das trifft es so genial…Danke

 

 

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