Etwas wiedergefunden…

Vor einer Weile schrieb ich hier über eine neue Herausforderung für mich: dem Nichtstun. Damit meine ich, zu seinen Pferden zu gehen, ohne etwas zu wollen, ohne etwas zu planen, sondern einfach nur um bei und mit ihnen zu sein.

Ich übe mich nun schon einige Zeit genau das und merke, dass es mir immer leichter fällt und selbstverständlicher wird. Es ist ein neuer Lernweg und ich bin inzwischen einfach nur gespannt, wohin er mich bzw. uns führen wird. Während ich am Anfang das Gefühl hatte, etwas aufgeben zu müssen, also etwas zu verlieren (nämlich das Reiten, das „Arbeiten“, das Trainieren, eben mein gewohntes Tun mit den Pferden), stelle ich nun fest, dass ich ganz viel bekomme.

Ich achte viel mehr darauf, wie mir meine Pferde entgegen kommen, was sie ausstrahlen, was sie vorschlagen und wie sich das jeweilige Miteinander an diesem Tag anfühlt. Anthony entspannt sich zusehends und ist inzwischen oft der Erste am Gatter!

Allem voran finde ich darüber hinaus etwas wieder, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es verloren hatte. Und das ist meine kindliche Liebe zu den Pferden.

Wie es anfing

Als Kind war ich einfach nur selig, wenn ich zu Pferden konnte. Es war mir vollkommen egal, ob ich nur am Zaun stand, ob ich anderen bei ihrer Arbeit mit den Pferden zuschauen konnte, ob ich Nasen streicheln oder selbst etwas mit den Pferden machen konnte. Entscheidend war, bei ihnen sein zu können. Ich wusste nichts von Trainingsanforderungen, Richtlinien oder korrektem Gymnastizieren, ich liebte sie einfach nur auf eine vollkommen reine und bedingungslose Art.

Später hatte ich dann Pflegepferde und da war die Situation zum großen Teil die, dass andere etwas mit den Pferden machten und ich mithalf, dass sie das tun konnten. So führte ich z.B. an Wochenenden mein Pflegepony oft stundenlang im Kreis, damit kleine Kinder darauf reiten konnten. Oder ich machte meine Pflegestute für den Unterricht fertig. Ich weiß nicht, wie ich es besser beschreiben soll, aber damit war ich gleichsam auf einer Ebene mit den Pferden. Wir verrichteten gemeinsam einen Job. Es waren nicht meine Pferde, ich hatte kein Mitspracherecht und ich wurde ebenso brutal ausgenutzt wie sie – und so war auch in dieser Phase das Miteinandersein das, worum es mir ging. Ich konnte mir keine Ziele mit den Pferden setzen, da ich sie kaum reiten oder etwas entscheiden durfte, ich konnte die Pferde nicht trainieren, ich bin nicht auf Turniere gegangen. Finanziell konnte ich mir hin und wieder eine Reitstunde leisten, aber die Hauptzeit verbrachte ich „nur“ mit ihnen.

Dann kamen die Ziele

Das alles änderte sich, als ich mit Aramis mein erstes eigenes Pferd bekam. Nun hatte ich also ein Pferd und war verantwortlich. Und ich wollte alles gut oder ja, natürlich am liebsten noch besser als alle anderen machen. Es gab plötzlich Trainingsziele, Dinge, die ich erreichen wollte und vieles, das es zu beachten gab. Ich wollte, dass mein Pferd gesund und fit ist und legte einen großen Schwerpunkt auf das korrekte Gymnastizieren und das Training. Damit veränderte sich sehr viel. Das steigerte sich natürlich, als wir „Wege zum Pferd“ aufbauten, da ich nun auch noch als Pferdefrau in der Öffentlichkeit stand.

Erst jetzt, wo ich mich durch Anthony darin übe, einfach nur bei meinen Pferden zu sein, ohne etwas zu wollen, ohne zu trainieren, ohne zu arbeiten, wird mir bewusst, wie sehr ich meine kindliche Liebe zu ihnen verloren hatte. Diese Erkenntnis ermöglicht es mir, in gewisser Hinsicht an den Anfang zurückzugehen. Und das ist schön!

Zurück zur Wurzel

Ich spüre wieder die hibbelige Vorfreude darauf, zu den Jungs fahren zu können, so wie ich sie als junges Mädchen immer hatte. Ich lerne, Pferde wieder zu sehen, ihre Schönheit wahrzunehmen, ihr wundervolles Sein, alles, wofür ich sie liebe. Ich merke, dass ich mir wieder mehr Zeit nehme im Stall, statt zuzusehen, wie ich mein Programm für beide in meinen eh engen Zeitplan bekommen kann. Wie viele Stunden täglich war ich als Kind bei den Pferden, egal ob es etwas zu tun gab oder nicht – und wie zackizacki habe ich dann später oft die Stallzeit erledigt…

Ich merke, dass alte Wunden zu heilen beginnen: Zum Beispiel meine ganz frühe Verzweiflung über die Ohnmacht, die ich erlebte, weil andere über die Pferde entschieden, die ich liebte, oder auch meine ständige Angst, etwas falsch zu machen mit meinen Pferden und die daraus resultierenden vollkommen überzogenen Ansprüche an mich selbst. Heilen tut auch langsam der Groll, den ich oft auf mich hatte, weil ich durchaus nicht immer im Sinne meiner Pferde gehandelt habe.

So stelle ich fest: Manchmal kann ein Zurückgehen ein Fortschritt in der eigenen Entwicklung sein. Denn so empfinde ich es im Moment: wieder in Kontakt mit der kindlichen Liebe zu den Pferden zu kommen, ist kein Rückschritt, sondern es ist ein Weiter- oder vielleicht sogar ein Ankommen. Und auch meine Pferde scheinen es so zu sehen, denn nie waren sie mir gegenüber offener, sanfter und fröhlicher. Nie habe ich eine so intensive Beziehung zu ihnen gespürt, wie im Moment.

Und an dieser Stelle gilt mein Dank vor allem Anthony, ohne den ich diesen Weg wohl nicht gefunden hätte. Danke, Kleiner, dass Du mich so unbeirrt zu dem führst, auf das es eigentlich ankommt.

Die Jungs

30. September 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang 18 Kommentare »

Das Initiatorsignal – eine Möglichkeit der Mitsprache

In der Arbeit für unseren Clickerkurs habe ich ein Video zum sogenannten „Initiatorsignal“ gesehen (bitte hier klicken, das Video ist auf Englisch). Dieses Video hat mich zu Tränen gerührt.

Dem Pferd ermöglichen, sich mitzuteilen

Bei dem Initiatorsignal geht es darum, dass das Pferd lernt, dem Menschen ein Zeichen zu geben, wenn es bereit ist, an einer Lektion weiterzuarbeiten. Es eignet sich sehr gut dazu, Pferden unangenehme Situationen oder beängstigende Dinge näher zu bringen. In dem Film ist z.B. ein Pony zu sehen, dem gezeigt wird, dass es vor einer Peitsche keine Angst zu haben braucht. Die Peitsche wird in die Luft geschlagen und das Pony erhält einen Click + Belohnung, wenn es still stehen bleibt.

Entscheidend dabei ist aber, dass es dem Menschen zuvor ein Zeichen gibt (es berührt dazu die Hand des Menschen mit der Nase), mit dem es vermitteln kann, in welchem Abstand und auch in welcher Position es bereit ist, die schlagende Peitsche zu dulden. Dieses Pferd wird also befähigt, mit dem Menschen zu kommunizieren! Ein anderes Pferd vermittelt dem Menschen durch das Zeichen, wann es bereit ist, mit einem Sattelgurt berührt zu werden, ohne nervös auf der Stelle treten zu müssen, und wieder ein anderes teilt mit, wann es bereit ist, dass der Mensch sich auf seinen Rücken schwingt.

Noch nie zuvor habe ich ein so eindrückliches Beispiel von beidseitiger Kommunikation zwischen Mensch und Pferd gesehen.

Bereit, um Erlaubnis zu fragen?

Mich haben die Szenen in diesem Video tief getroffen, denn mir wurde klar, wie oft ich über Pferde hinweggegangen bin und auch noch immer hinweggehe. Wann habe ich mir wirklich die Zeit genommen, mein Pferd zu fragen, ob es mir die Erlaubnis für all die vielen Dinge gibt, die ich von ihm will? Wie so viele von uns habe ich diese Behutsamkeit leider immer nur in den Anfängen konsequent gelebt (z.B. beim Kennenlernen, beim Erarbeiten neuer Dinge, bei der Vertrauensarbeit oder beim Einreiten), aber im Alltag habe ich es dann einfach vergessen.

Und so bin ich mal wieder einen Schritt weiter in meiner Selbstreflexion, denn ich habe mich beim Anschauen des Videos geschämt. Geschämt, dass ich, obwohl ich es inzwischen besser weiß, viel zu oft über meine Pferde hinweggehe, weil ich „mal eben schnell“ was machen will oder weil ich viel zu vieles als selbstverständlich annehme.

Sicher kann man nicht jeden Handgriff beim Pferd erfragen und das ist wohl auch nicht nötig. Aber mir fallen viele Momente ein, in denen ich das durchaus tun könnte und sollte, um meinen Pferden Respekt entgegenzubringen. Ich nehme mir vor, in Zukunft noch achtsamer sein!

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26. August 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Umgang, Vertrauenstraining 9 Kommentare »

Die Kunst des Nichtstuns

Ich bin nach 35 Jahren mit Pferden mal wieder Anfängerin. Denn ich werde in einem neuen Gebiet gefordert, in einem, in dem ich mich nicht gut auskenne. Das fühlt sich seltsam an, aber es ist auch spannend und ich möchte Euch wieder daran teilhaben lassen.

Nachdem ich hier recht ausführlich über das berichtet habe, was ich mit meinem Anthony erlebe und nachdem ich auch viele Anregungen, gut gemeinte Ratschläge und Hinweise bekommen habe, war ich ganz schön frustriert. Die Tatsache, dass ich immer wieder an denselben Punkt komme, den Eindruck zu bekommen, dass mein Pferd schon beginnt anderen leidzutun, weil sie denken, er würde vielleicht vernachlässigt oder krank sein und vor allem die Angst, nicht der richtige Mensch für ihn zu sein und dass er woanders vielleicht einfach glücklicher wäre – all das sind ja genau die Ängste, die man als Pferdebesitzer hat, nicht wahr?

Nun bin ich ja nicht allein, sondern habe Babette an meiner Seite. Und sie hat mir einen so schönen, wie auch wahren Hinweis gegeben, denn sie kennt mich wohl besser als fast jeder andere und Anthony auch. „Ich denke“, sagte sie zu mir, „es geht darum, nichts zu wollen. Immer dann, wenn du beschließt, nichts mehr von Anthony zu wollen, ist er offen und fröhlich, und immer dann, wenn du doch wieder gezielt mit ihm zu arbeiten beginnst, ändert sich seine Stimmung. Klar, mit dem Clickern machst du das auf eine nette Art, aber du willst eben doch wieder etwas von ihm. Fahr doch einfach zu ihm und verbringe einfach nur Qualitätszeit mit ihm. Kein Wollen, kein Müssen, einfach nur sein.“

Ich spürte sofort, wie das in Resonanz mit etwas in mir ging, denn ja, es stimmt, ich hatte gehofft, durch das Clickern wieder weiter zu kommen mit ihm. Ich träumte wieder von gemeinsamen Ausritten und einem „ganz normalen Arbeiten“ mit meinem Pferd. Und genau da kommt sein Stopp-Schild.

Wieder etwas Neues zu lernen

Nun sitze ich da mit einer wirklich guten Erkenntnis und stelle fest, dass ich nicht weiß, wie das geht, „nichts zu tun“. Ich habe keine Ahnung, was man mit einem Pferd macht, wenn man nichts mit ihm macht. Solange ich mit Pferden zu tun habe, fahre ich zu ihnen, um etwas mit ihnen zu machen. Um also mit ihnen zu arbeiten, zu trainieren, um etwas zu üben, um etwas „Sinnvolles“ zu tun, als Minimum wenigstens zu massieren oder ein paar Tellington-Touches zu machen.

Und nun soll ich genau das nicht tun, sondern ich soll das tun, was ich auch schon vielen anderen geraten habe: einfach nur einmal Qualitätszeit mit meinen Pferden zu verbringen. Einfach bei und mit ihnen zu sein, nicht mehr und nicht wieder.

Und das ist ein neues Lernfeld für mich.

Aber es passiert, je mehr ich mich darauf einlasse, etwas ganz Wundervolles: Anthony öffnet sich, so kitschig es klingt, wie eine Blüte. Er reagiert so unmittelbar und deutlich auf meine noch ungelenkten Versuche, nichts von ihm zu wollen. Wie das aussieht? Er steht bei mir, läuft mit mir, wenn ich einige Schritte im Auslauf mache, schaut mich aus offenen Augen an. Wenn ich bei ihm stehe, knabbelt er nicht an mir rum, sondern strahlt etwas Zufriedenes aus. Hin und wieder bringt er mich mit seinem Flehmen zum Lachen, als wolle er mir die Sache leichter machen.

Vermenschliche ich wieder mal? Vielleicht. Vielleicht aber bin ich mehr an meinem Pferd dran als je zuvor. Denn „einfach nur zu sein“, darin sind uns Pferde voraus. Das können sie so viel besser als wir. Ich möchte es auch lernen. 

zweisein

 

5. August 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang 20 Kommentare »

Neue Nachbarn

Wir haben neue Mitbewohner im Stall bekommen: Zwergrinder. Hübsche schwarze Tiere mit eindrucksvollen Hörnern.

Nun mag sich der eine oder die andere vielleicht an einen Blogbeitrag erinnern, indem ich davon berichtete, dass Aramis Kühe bisher nicht ganz so vertrauenserweckend fand, s. Hilfe, Kühe!  Dort beschrieb ich, wie ich damit umgehe, wenn wir auf einem Ausritt Kühen begegnen und Aramis Angst zeigt. Jetzt war ich natürlich gespannt, wie er auf seine neuen Nachbarn reagieren würde!

Ich führte ihn von der Sommerweide zum Stall, wo die Rinder nun stehen. Er erblickte sie natürlich sofort und blieb stehen – hoch aufgerichtet und sehr aufmerksam. Auf mein gutes Zureden hin ließ er sich dann sehr schnell zu den Rindern führen, aufgeregt ja, aber nicht ängstlich. Eigentlich sogar im Gegenteil: er fand sie spannend! Da merkt man dann doch, dass sich das jahrelange Anti-Scheutraining auszahlt.

Er näherte sich also den Hörnerträgern:

kuehe1Und mit ein kleines bisschen Ermutigung ging er noch näher heran:

kuehe2Es war schön zu sehen, wie die Neugier siegte und er dann auch ganz ohne mich in Kontakt mit der Kuh ging:

kuehe3Und die beiden dann Nase an Nase standen:

kuehe4Das einfach mal für alle, die Bedenken haben, ein Pferd an gruseligen Dingen nicht „einfach stramm vorbeizureiten“, sondern auch mal abzusteigen und zu führen. Für mich ist das ein klarer Beweis dafür: Verständnis für Pferdeängste und ein einfühlsamer Umgang mit ihnen führen nicht zu mehr Angst oder gar Widersetzlichkeiten, sondern, wie man sieht, eben genau zu dem, was man damit bezwecken möchte: zu mehr (Selbst)Vertrauen!

15. Juli 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang, Verhalten 2 Kommentare »

Die Erziehung geht weiter…

Ja, die Erziehung geht weiter, und zwar MEINE Erziehung 😉

Wie diejenigen von Euch, die hier regelmäßig mitlesen, verfolgt haben, hat mein Anthony mir irgendwann so ziemlich alles verweigert. Ich konnte ihn also nicht mehr wirklich longieren, nicht mehr reiten, Handarbeit war doof, Zirkuslektionen auch; einzig die Freiarbeit begeisterte ihn immer. Ich habe hier auch schon beschrieben, dass ich mich dann auf das Clickertraining eingelassen habe und seitdem ganz oft denke, ich hätte ein anderes Pferd (hier nachzulesen und hier und hier).

Aber Anthony wäre nicht Anthony, wenn er nun plötzlich damit aufhören würde, mich weiter zu erziehen, nicht wahr? Und so gibt es wieder zwei hübsche Begebenheiten zu berichten, die das gut illustrieren:

Ein traumhafter Tag

Da war dieser eine Sonntag, an dem mir mein Kleiner mehr als gut gelaunt entgegenkam, seinen Kopf prompt in sein Halfter steckte und mir fröhlich auf den Reitplatz folgte. Einer spontanen Eingebung nachgehend, stellte ich ihn an die Aufstieghilfe und setzte mich einfach mal wieder drauf. Click fürs brave Stehen, Click fürs Antreten, Click fürs Gehen, viiieeele Clicks fürs Lenkenlassen (das ging nämlich gar nicht mehr), Click fürs Anhalten usw.

Einer weiteren Eingebung folgend, gab ich ihm das Signal zum spanischen Schritt und begeisternd brummelnd hob er seine Beinchen wie ein stolzer Spanier.

Ihr hättet uns sehen sollen, ich weiß gar nicht, wer mehr strahlte!

Und dann geht wieder gar nichts mehr…

Zwei Tage später ging ich dann mit der Idee zu ihm, doch auch heute noch mal zu schauen, ob ihm das Spaß machen würde, und ich holte mir einen ordentlichen Korb… Schon das Halftern war etwas zäh und das Mitkommen erfolgte auch ohne allzu viel Lust. An der Aufstieghilfe ging er rückwärts und büffelte mich dann in alter Manier so richtig schön weg. Der zweite Versuch lief genauso.

Früher hätte ich gedacht, dass ich das nicht durchgehen lassen kann. Da hätte ich zumindest durchgesetzt, dass er ruhig an der Aufstieghilfe stehen bleibt. Jetzt akzeptiere ich ein so deutliches Nein von ihm. Ich schlug ihm noch etwas anderes vor, aber auch das lehnte er ab. Also brachte ich ihn wieder zurück zum Auslauf.

Einfach so? Ja, genau, einfach so.

Ich habe mit diesem Pferd so endlos viel gestritten, dass ich weiß, dass es nichts, wirklich überhaupt gar nichts bringt. Das Tolle ist, dass ich heute nicht mehr enttäuscht bin, dass ich das nicht mehr persönlich nehme. Ich nehme es als kleine Lektion von ihm zum Thema Erwartungen an und hoffe, ich konnte ihm zeigen, dass ich nicht mehr in die alten Muster falle.

Als ich dann nochmal zu Aramis ging, trabte er jedenfalls lustig neben mir her. Seine Laune war deutlich besser als zuvor und das verbuchte ich dann als Plus für mich. 🙂

Immer wieder „Zurück auf Los“ – und warum auch nicht?

Im Moment spielt er mit mir also wieder einmal das Spiel „Zurück auf Los“, das heißt, ich muss mir wieder so ziemlich alles erclickern: dass ich ihn am Halfter anfassen darf, dass er neben mir antritt, dass er sich anhalten lässt usw. Ärgere ich mich darüber? Nur im ersten Moment. Dann lasse ich innerlich los und nehme es, wie es ist und ihn, wie er eben ist.

Mir kam dabei ein Gedanke: Dass es eigentlich doch vollkommen egal ist, WORAN wir in unserem Zusammensein arbeiten, ob nun an den Seitengängen oder am Halftern, ob am Reiten oder am Anfassenlassen, ob an höheren Lektionen oder an den Grundlagen. Wir arbeiten einfach immer genau an dem, was gerade ansteht.

Und dann glimmt in dem Grummelgesicht wieder ein kleiner Funken auf und Anthony öffnet sich wieder etwas mehr. Vielleicht, weil ich auf ihn EIN- und nicht einfach über ihn hinweggehe? Das ist schön zu sehen und ich bin doch etwas stolz darauf, dass mir das inzwischen ganz gut gelingt. Ein bisschen lernfähig bin ich doch, was Kleiner?

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1. Juli 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Umgang 11 Kommentare »

Tierarztbesuch, die zweite

Ich hoffe, Ihr mögt sie noch lesen, meine momentanen Geschichten von Anthony? Ich muss das einfach teilen, weil ich sonst vor Freude platze! So lange habe ich versucht, dieses Pferd zu knacken, damit er ein bisschen fröhlicher und positiver durchs Leben gehen kann, und nun erlebe ich einen Wandel, den ich nicht mehr für möglich gehalten habe. Und das soll in die Welt! 😀

Wie die Überschrift schon sagt, kam es zu einem zweiten Tierarztbesuch, da das Hufgeschwür leider noch mal wiederkam. Und diese Behandlung fand nun wirklich unter erschwerten Bedingungen statt:

  1. war am Vormittag ein neues Pferd in die Herde gekommen (da fiel die erneute Lahmheit überhaupt erst auf, sonst hätten wir mit der Eingliederung natürlich noch gewartet).
  2. waren die Pferde, kurz bevor der Tierarzt kam, auf die Weide gelassen worden (sie kommen nur stundenweise auf die Wiese, so dass ihnen diese Zeit natürlich besonders kostbar ist).

Ich holte also Anthony aus der Herde raus, damit der Tierarzt seinen Huf untersuchen konnte. Ich erwartete keine Begeisterung, sondern eher schlechte Laune. Aber weit gefehlt! Mein Kleiner trabte (trotz Hufgeschwür) fröhlich neben mir her mit einem Gesichtsausdruck à la „Oh, was machen wir Schönes?“ (…und ja, es geht um Anthony 😉 )

Behandelt haben wir ihn durch einen E-Zaun getrennt von den anderen. Gerade als der Hufverband angelegt wurde, begann die Herde das Toben, der Neue wurde gejagt. Anthony sah das, vor allem auch, dass Aramis beteiligt war und wurde natürlich unruhig. Früher hätte mir sein Blick gesagt, dass wir das Ganze gleich vergessen können, weil er sich losreißen würde. Wenn Anthony etwas nicht wollte, konnte man nicht viel ausrichten, diese Erfahrung hatte ich oft genug gemacht…

Ich clickerte also den nächstbesten ruhigen Moment und hatte wirklich schlagartig ein aufmerksames Pferd. Obwohl alle Pferde zu uns gerannt kamen, quietschten und tobten, konnte der Hufverband angelegt werden. Ich musste weder am Strick reißen, noch schimpfen. Nur weiter clickern, wenn er bei mir war – und das war er auf eine ganz rührende Weise, denn natürlich wollte er eigentlich zu den anderen – wer hätte ihm das auch verübeln können – aber immer wieder richtete er sich auf mich aus. Ich hätte ihn knutschen können. 

Tja, und sei das noch nicht genug gewesen, saß übrigens auch noch eine fette Rinderbremse auf seinem Schlauch, die er wirklich gerne weggehabt hätte… Er hielt trotzdem den Huf hoch und ließ den Tierarzt weiterarbeiten. 

Vielleicht mögen diese Geschichten auf manch einen von Euch übertrieben wirken, aber ich berichte von ihnen, weil es wirklich genauso war. Und weil ich so lange so skeptisch war, was das Clickern angeht. Weil ich diese Veränderungen, die ich da erleben darf, noch immer nicht ganz fassen kann. Und weil ich mich so sehr darüber freue und unglaublich dankbar bin.

Mein Kleiner, Dein Ja öffnet mein Herz!

Anthony

10. Juni 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Umgang 12 Kommentare »

Gutes Pferd, böses Pferd?

Wir versuchen hier bei „Wege zum Pferd“ immer wieder die Seite der Pferde zu beleuchten, weil wir glauben, dass so gut wie alle Probleme mit Pferden ihre Ursache bei uns Menschen haben. Nun sagte jemand mal zu mir, dass anzunehmen, dass Pferde nur gut sein, kontraproduktiv ist. Dass man Pferde damit verklärt und nicht mehr realistisch einschätzt. Dass Pferde oft alles andere als „gut“ sind, sondern z.B. untereinander fies sein können und eben auch zu Menschen, um damit dann sämtliche Maßnahmen im Beherrschen von Pferden (von Dominanzgetue bis hin zu handfester Gewalt) zu rechtfertigen…

Ehrlich gesagt halte ich schon allein die Frage, ob Pferde eigentlich eher „gut“ oder doch eher „böse“ ist, für den falschen Ansatz.

Pferde sind einfach. Sie sind nicht „gut“ oder „schlecht“, sondern sie sind Pferd. Und ich glaube, dass die meisten Probleme entstehen, wenn man genau das nicht akzeptiert, sondern wenn man als Mensch von einem Pferd fordert, mehr zu sein oder auch anders zu sein als ein Pferd (nämlich z.B. ein Sportgerät, ein Partner- oder Kindersatz, der beste Freund usw.).

Unsere Erwartungen bestimmen unsere Bewertung

Wir Menschen erwarten so viel von Pferden und übersehen dabei leider, dass fast alles, was wir mit ihnen machen oder von ihnen wollen, für sie NICHT natürlich ist.

Pferde in freier Wildbahn werden nicht angebunden, nicht gesattelt, nicht geritten. Keiner fasst sie überall an, reitet sie eine Stunde im Kreis oder fordert sie auf, über Oxer und Kombinationen zu springen. Pferde in der Natur ziehen keine Kutschen, machen keine Zirkuslektionen und müssen nicht im Straßenverkehr oder auf Umzügen laufen. All das und vieles mehr erwarten wir aber – oft ganz selbstverständlich – von unseren Pferden. Und dann bewerten wir Pferde, die sich unseren Erwartungen entziehen als „schlecht“ und nur die, die brav alles machen, was wir wollen, sind „gut“.

Fair ist das nicht, oder?

Anerkennen heißt wertschätzen

Ich denke, wir sollten uns viel öfter einmal klarmachen, in wie vielen Bereichen uns Pferde entgegenkommen:

  • Wie oft sie z.B. Dinge für uns tun, die vollkommen gegen ihre Natur gehen,
  • wie oft sie ihre Ängste für uns überwinden,
  • wie oft sie uns unsere Ungeduld, Launen und Ungerechtigkeiten verzeihen,
  • wie brav sie sich oft auch mit schlechten Haltungsbedingungen, zu wenig Futter und Trennungen von Artgenossen arrangieren,
  • wie oft sie sich von uns vom Futter wegführen oder aus einer Schlummerstunde holen lassen,
  • wie viel sie bereit sind zu lernen,
  • wie schwer es ihnen oft fällt zu verstehen, was wir von ihnen wollen und wie sehr sie sich aber dennoch bemühen,
  • welche großen Leistungen sie oft für uns bringen,
  • wie oft sie Unangenehmes (drückende Sättel, zu viel Reitergewicht, einengende Hilfszügel, Reiterfehler usw.) ertragen und wie oft sogar Schmerzen und
  • wie oft sie sich von uns schubsen, treten, buffen und sogar schlagen lassen, ohne sich zu wehren.

Ich glaube, dass die Bewertung unserer Pferde direkt aus unseren Erwartungen an sie entsteht – erfüllen sie diese, sind sie gut, erfüllen sie diese nicht, sind sie schlecht. Und das ist deshalb unfair, weil unsere Erwartungen sehr oft weit über das gehen, was Pferden eigen ist. Wenn wir einmal ganz bewusst anerkennen, was sie alles für uns tun, lernen wir diese Wesen noch mal auf eine ganz andere Art wertzuschätzen. 

Ein Pferd ist ein Pferd ist ein Pferd

Obwohl es eigentlich nicht nötig sein sollte, das überhaupt zu erwähnen, aber Pferde sind keine Maschinen oder Spielzeuge, die für uns Menschen entwickelt wurden, sondern Pferde sind lebendige Wesen, deren Daseinsberechtigung zunächst einfach nur ihr Sein ist. Der Mensch schafft sie sich zwar an, um bestimmte Dinge mit ihnen zu tun, aber er hat deshalb nicht auch gleichzeitig das Recht auf die Erfüllung dieser Dinge. Und ich glaube, davon gehen leider noch viele von uns aus.

Wenn ich Pferde Pferde sein lasse, bin ich diejenige, die sich auf sie einstellen muss und die von ihnen und über sie lernen muss. Ich akzeptiere sie dann in ihrem Tier-Sein und erwarte von ihnen nicht, was ich vielleicht auch von anderen Menschen oder mir selbst erwarte (denn genau das tun viele von uns!).

Wenn ich akzeptiere, dass Pferde Pferde sind, kann ich ihnen in ihrer Welt begegnen und sie von dort einladen und verlocken, gemeinsam mit mir etwas zu unternehmen. Es ist dann mein Job, dem Pferd zu zeigen, dass meine Ideen toll sind und Spaß machen und wenn ich sie nicht überzeugen kann, ist es nicht ihr Fehler, sondern meiner.

Gut, dass es Pferde gibt!

Um noch einmal zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Nach rund 35 Jahren, die ich nun mit Pferden zu tun habe, kann ich aus der Tiefe meines Herzens sagen, dass Pferde für mich ganz wundervolle Wesen mit großen Seelen sind und ja, ich glaube, Pferde sind von Natur aus „gut“.

Gut, dass es sie gibt!

13. Mai 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 16 Kommentare »

Ein anderer Blick durchs Clickern

Neulich berichtete ich ja davon, dass ich mit meinem Anthony nochmal ganz von vorne beginne, was das Longieren und auch was das Reiten angeht. Das „Neue“ daran ist vor allem, dass ich nun konsequent clickere und ihn praktisch noch einmal von vorne auszubilden beginne.

Über die positiven Folgen davon hatte ich hier schon berichtet, heute möchte ich aber noch eine Erkenntnis mit Euch teilen: Und zwar geht es um meinen Fokus.

Das Gute suchen – ganz praktisch!

Mir war bereits bewusst, dass mein Fokus entscheidend dafür ist, was ich tatsächlich wahrnehme, aber das Clickertraining zeigt mir nun noch einmal mit einer geradezu brutalen Eindeutigkeit, dass mein Fokus im Training mit meinen Pferden bis jetzt leider noch immer vor allem auf dem lag, was nicht klappte. Anthonys „Nein“ zum Longieren war mir so heftig vorgekommen, dass er in meinem Denken eigentlich gar nicht mehr longierbar war. Hätte ich schätzen sollen, wie viel in einer Einheit „doof“ gewesen war, hätte ich wohl gesagt: mindestens 70-80% …

Nun lerne ich, dass meine Wahrnehmung vollkommen falsch war.

Trotz Anthonys Freude über den neuen Weg, den ich mit ihm einschlage, ist er, was das Longieren angeht, noch immer, na, nennen wir es mal „skeptisch“. Wenn ich ihm den Kappzaum hinhalte, dreht er sich meist erst weg, ist aber per Clicker durchaus zu motivieren, den Kopf tief zu nehmen und sich den Kappzaum anlegen zu lassen. Wenn wir dann beginnen, stellt er sich, wie gehabt, extrem nach außen. Ich warte weiterhin darauf, dass er sich nach innen stellt und clickere das sofort. An guten Tagen lässt er sich dann recht schnell ein, an schlechteren stellt er sich immer mal wieder nach außen.

Aber, und darum geht es mir, dadurch, dass ich jetzt ja ganz gezielt und bewusst nach den guten Momenten suche, um sie bestätigen zu können, stelle ich fest, wie viel eigentlich in Wahrheit gut läuft und das selbst an schlechten Tagen! Die Momente, in denen er sich nach außen stellt, machen vielleicht 10%, höchstens 20% der Zeit aus und da sie keine Kämpfe mehr auslösen, sondern da ich in der Zeit einfach nur gelassen auf einen besseren Moment warte, fühlen sie sich klein und unbedeutend an! Ich erkenne also: 80-90% der Zeit ist alles gut! Mehr noch, Anthony läuft, wenn er sich dann freiwillig korrekt stellt, in einer so traumhaften und lockeren Manier wie nie zuvor.

Fehler wiegen für viele von uns leider viel mehr…

Mit jeder dieser Einheiten wird mir bewusst, wie stark ich eigentlich immer „Fehler“ meiner Pferde überbewertete, ja, sogar vollkommen überzeichnet habe (und das, obwohl ich selbst sogar schon mal über das Thema geschrieben habe, nämlich hier). Das tut mir sehr leid, denn ich habe meinen Pferden damit wirklich Unrecht getan. Mit meiner Unzufriedenheit, meinen ewigen Ansprüchen und Forderungen und meinem ständigen Bestreben, dass es besser werden muss. Klar, es ging mir darum, dass meine Pferde ja „gesund“ laufen sollen, aber ich habe dabei die Verhältnismäßigkeit in der Bewertung dessen, was sie taten, verloren und nicht gewürdigt, was sie alles toll und richtig machen. Und als Folge davon habe ich mir dann auch noch selbst oft genug die Laune verdorben, denn ich gab ja mir die Schuld, dass ich das nicht besser hinbekomme. 

Was für ein hoher Preis für meine Fehlerguckerei!

(mehr …)

29. April 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Umgang 10 Kommentare »

Wer clickert wen?

Vor Kurzem schrieb ich darüber, dass ich mit Anthony noch einmal ganz von vorne beginne, indem ich mich nun konsequent auf das Clickertraining einlasse. Tja und eigentlich dachte ich, dass ich dabei diejenige bin, die ihn clickert, aber so langsam bekomme ich meine Zweifel, denn es passiert etwas vollkommen Verblüffendes, ja, ich bin schon fast überzeugt: Anthony clickert mich!

Mein Kleiner hat sich eigentlich nie durch so etwas wie Begeisterung oder Freude ausgezeichnet, weder für bestimmte Aktivitäten noch für mich. Die wenigen Male, an denen er wirklich freudig zu mir kam, konnte ich an zwei Händen abzählen (zumindest fühlte es sich so an) und meist schien er dann am zufriedensten zu sein, wenn ich ihn mehr oder weniger in Ruhe ließ.

Das ist im Moment vollkommen anders:

  • Wenn ich komme, stehen nun zwei Haflinger am Tor und es ist nicht mehr immer Aramis, der der Erste ist.
  • Wenn Anthony liegt und ich komme, springt er auf (normalerweise blieb er immer liegen und ließ sich auch schon mal bitten).
  • Wenn ich ihn halftern möchte, dreht er nicht den Kopf weg, sondern steckt die Nase von sich aus hinein.
  • Am Ende einer Trainingseinheit steht er vor mir mit einem Gesichtsausdruck, der sagt: „Was, schon vorbei?“
  • Wenn ich ihn zurückbringe, geht er nicht gleich, sondern steht oft noch lange am Tor und guckt, wo ich bin oder bis ich den Hof verlassen habe.
  • Und ich werde tatsächlich angewiehert von Anthony!

Zu Beginn dachte ich an zufällige gute Laune, um das Verhalten zu erklären. Aber inzwischen bin ich mir sicher, dass das kein Zufall ist, sondern im direkten Zusammenhang mit dem neuen Weg steht, den ich nun betreten  habe. Das Clickern macht ihm nicht nur Spaß, sondern mein Pferd öffnet sich auf eine Weise, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Es ist, als ob er denkt: „Eeendlich verstehst du mich und das ist toll.“

Ich habe jedes Mal einen dicken Kloß im Hals vor Freude über diesen Wandel.

Und auch während des Trainings selbst bekomme ich sehr unmittelbare Reaktionen von meinem Pferd: Immer dann, wenn ich doch wieder in alte Muster falle, z.B. so etwas denke wie „Also echt, Anthony, das kannst du doch, warum stellst du dich so an?“ oder wenn ich von ihm etwas erwarte, wenn ich zu schnell vorauseile oder mein Fokus wieder in Richtung Korrektur statt positiver Bestätigung verrutscht, wird sein Blick grummelig und er macht dicht. Wenn ich aber offen und weich und positiv bleibe, wenn ich nur einlade, aber nichts wirklich will und wenn ich ihn einfach machen lasse und mich nicht über seinen Kasperkram ärgere, dann werden seine Augen rund, sein Maul weich und ich bekomme ganz, ganz viel geschenkt.

Ja, ich weiß, das mag vielleicht alles ein bisschen verrückt klingen, aber genau das passiert gerade: Mein Pferd und ich clickern uns gegenseitig!

anthony

22. April 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining, Umgang 19 Kommentare »

Nobody is perfect – Über den Umgang mit Fehlern

Sehr oft höre ich von Pferdebesitzern: „Ich habe schon so vieles falsch gemacht im Umgang mit Pferden. In Zukunft will ich alles richtig machen.“

So sehr ich diesen Wunsch nachvollziehen kann, so versuche ich jedoch sanft allen, die so reden, diese Erwartungshaltung an sich selbst zu nehmen. Denn ich bin fest davon überzeugt: Das wird nicht gelingen! Mit einem solchen Erwartungsdruck an sich selbst ist das Versagen vorprogrammiert und mit aller Wahrscheinlichkeit ist der Frust danach noch höher.

So sehr wie uns wünschen, alles richtig machen zu wollen, wir werden Fehler machen. Aber Fehler müssen nichts Schlechtes sein!

Fehler sind zum Lernen da

Wenn man mich fragt, was für mich der Sinn des Lebens ist, lautet meine Antwort: Wir sollen lernen.

Und woraus lernen wir? Richtig: aus Fehlern!

Wenn man Fehler so betrachtet, sind sie eigentlich etwas Gutes. Die Frage ist doch nur, wie gehen wir mit Fehlern um?

Konstruktiv reflektieren

Aus meiner Erfahrung ist die Art, wie wir mit unseren eigenen Fehlern und Schwächen umgehen, auch ganz entscheidend für den Umgang mit unseren Pferden. Viele Menschen, die zu sich selbst sehr streng sind, sind es auch ihren Tieren gegenüber (und übrigens auch anderen Menschen gegenüber…).

Hier einige Anregungen für konstruktivere Gedanken, wenn etwas nicht so gut gelaufen ist:

  • Situation analysieren:
    • Was ganz konkret habe ich gemacht, das ich anders machen möchte?
    • Warum habe ich das so gemacht?
    • Wie will ich es das nächste Mal tun?
    • Wie kann ich in Zukunft vermeiden, denselben Fehler noch einmal zu machen?
  • Das Problem erkennen:
    • Was genau hat zu dem Fehler geführt, den ich gemacht habe?
    • Kann ich mein Verhalten, das zu dem Fehler geführt hat, eigentlich aus mir heraus ändern?
    • Fehlen mir vielleicht Ideen oder Ansätze, etwas zu ändern?
    • Fehlt mir vielleicht Wissen, um etwas anderes zu tun?
    • Was müsste ich lernen, wenn ich den Fehler vermeiden will?
    • Wen könnte ich um Hilfe bitten?
  • Blick öffnen:
    • Was in der Situation habe ich vielleicht sogar gut gemacht?
    • Habe ich z.B. weniger heftig reagiert als in vergleichbaren Situationen?
    • Was lief bis zu dem Moment alles gut?
    • Was habe ich vielleicht alles schon gelernt und mache es heute besser als früher?

Vielleicht behalten Sie diese kleine Fragenliste einmal im Hinterkopf, um Ihre nächsten Fehler dazu zu nutzen, etwas nachsichtiger mit sich selbst zu sein und nicht in die Falle negativer Selbstkritik zu tappen. Üben Sie sich in einem konstruktiven Umgang mit dem, was nicht so gut läuft, denn dann erfüllen Fehler ihre eigentliche Funktion: Wir lernen dazu!

 

25. Februar 2014 von Babette Teschen • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang 3 Kommentare »

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