Nobody is perfect – Über den Umgang mit Fehlern

Sehr oft höre ich von Pferdebesitzern: „Ich habe schon so vieles falsch gemacht im Umgang mit Pferden. In Zukunft will ich alles richtig machen.“

So sehr ich diesen Wunsch nachvollziehen kann, so versuche ich jedoch sanft allen, die so reden, diese Erwartungshaltung an sich selbst zu nehmen. Denn ich bin fest davon überzeugt: Das wird nicht gelingen! Mit einem solchen Erwartungsdruck an sich selbst ist das Versagen vorprogrammiert und mit aller Wahrscheinlichkeit ist der Frust danach noch höher.

So sehr wie uns wünschen alles richtig machen zu wollen, wir werden Fehler machen. Aber Fehler müssen nichts Schlechtes sein!

Fehler sind zum Lernen da

Wenn man mich fragt was für mich der Sinn des Lebens ist, lautet meine Antwort: Wir sollen lernen.

Und woraus lernen wir? Richtig: aus Fehlern 😉

Wenn man Fehler so betrachtet sind sie eigentlich etwas Gutes. Die Frage ist doch nur, wie gehen wir mit Fehlern um?

Konstruktiv reflektieren

Aus meiner Erfahrung ist die Art, wie wir mit unseren eigenen Fehlern und Schwächen umgehen, auch ganz entscheidend für den Umgang mit unseren Pferden. Viele Menschen, die zu sich selbst sehr streng sind, sind es auch ihren Tieren gegenüber (und übrigens auch anderen Menschen gegenüber…).

Hier einige Anregungen für konstruktivere Gedanken, wenn etwas nicht so gut gelaufen ist:

  • Situation analysieren:
    • Was ganz konkret habe ich gemacht, das ich anders machen möchte?
    • Warum habe ich das so gemacht?
    • Wie will ich es das nächste Mal tun?
    • Wie kann ich in Zukunft vermeiden, denselben Fehler noch einmal zu machen?
  • Das Problem erkennen:
    • Was genau hat zu dem Fehler geführt, den ich gemacht habe?
    • Kann ich mein Verhalten, das zu dem Fehler geführt hat, eigentlich aus mir heraus ändern?
    • Fehlen mir vielleicht Ideen oder Ansätze, etwas zu ändern?
    • Fehlt mir vielleicht Wissen, um etwas anderes zu tun?
    • Was müsste ich lernen, wenn ich den Fehler vermeiden will?
    • Wen könnte ich um Hilfe bitten?
  • Blick öffnen:
    • Was in der Situation habe ich vielleicht sogar gut gemacht?
    • Habe ich z.B. weniger heftig reagiert als in vergleichbaren Situationen?
    • Was lief bis zu dem Moment alles gut?
    • Was habe ich vielleicht alles schon gelernt und mache es heute besser als früher?

Vielleicht behalten Sie diese kleine Fragenliste einmal im Hinterkopf, um Ihre nächsten Fehler dazu zu nutzen, etwas nachsichtiger mit sich selbst zu sein und nicht in die Falle negativer Selbstkritik zu tappen. Üben Sie sich in einem konstruktiven Umgang mit dem, was nicht so gut läuft, denn dann erfüllen Fehler ihre eigentliche Funktion: wir lernen dazu!

 

25. Februar 2014 von Babette Teschen • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang 3 Kommentare »

 

3 Reaktionen zu “Nobody is perfect – Über den Umgang mit Fehlern”

 

Von Julia • 25. Februar 2014

Wie angenehm, so etwas zu lesen! 🙂
Ich versuche genau wie oben beschrieben mit Fehlern umzugehen und ich muss sagen: es klappt wirklich gut! Ich bin nunmehr seit fast einem Jahr Pferdebesitzerin und habe in dieser Zeit meinen Umgang mit Pferden definitiv verbessert und trotzdem bringen mich meine Fehler regelmäßig an den Rand der Verzweiflung….ich habe leider oft (auch an andere Menschen und mich, nicht nur an mein Pferd) viel zu hohe Erwartungen…daher begehe ich auch ab und zu noch den Fehler, mein Pferdi anzuschnauzen oder -wie erst kürzlich :(- aus lauter Wut und Verzweiflung an einem „gefährlichen“ Gegenstand vorbeizuzwingen…dafür hab ich jedes Mal ein unglaublich schlechtes Gewissen..aber trotzdem sehe ich uns auf dem richtigen Weg und hoffe, dass mein Pferd mir alle Fehler verzeiht bis wir endlich an unserem Ziel angelangt sind 🙂 auch wenn es bestimmt noch dauert, weil er voll in der Flegelphase steckt:D
Danke fürs Mutmachen und bitte macht weiter so! 🙂
LG Julia und Beach Boy 😉

 

Von Maria • 3. März 2014

Ja, es gibt vielleicht kaum einen Fehler, der schlimmer ist, als die Angst, Fehler zu machen.
Egal, ob es Turniererfolge oder der wirklich richtige Umgang sind – übertriebener Ergeiz führt immer zu Frust und Verkrampfung.
Schon, wenn ich mir vornehme, unbedingt wenigstens richtig locker zu sitzen, damit ich das Pferd nicht im Rücken störe, klappt es bestimmt nicht. Weil ich nicht locker sitzen kann, wenn ich es krampfhaft will – das wäre ja schon ein Widersprich in sich!
Mit Fröhlichkeit und etwas Mut zur Lücke klappt alles viel besser. Und ein Grund dafür, dass ich oft lieber mit Pferden als mit Menschen zu tun habe : Pferde sind bei weitem nicht so nachtragend!

.

 

Von Carina • 19. März 2014

Dieser Artikel hat mich besonders angesprochen, da ich immer wieder darauf aufmerksam werde, dass wir doch oft und gut durch Fehler lernen, ja es sorgt sogar meist für einen besseren Lerneffekt und eine längere Merkfähigkeit. Nur gerade beim Reiten, da scheint es anders zu sein. In Reitstunden, schon bei Kindern, wird ein Fehler häufig nicht als Chance gesehen, etwas aus dem Fehler und der darauf folgenden Reaktion des Pferdes zu lernen, sondern schlicht als etwas, das ausgemerzt und sofort behoben werden muss.
Ich finde diese Einstellung schade, weil damit von Anfang an gelehrt wird, nach Perfektion zu streben, jedoch sollte dies von niemanden Verlangt werden, weder von einem Mensch, noch von einem Tier. Meiner Meingung nach müssen und sollten wir nicht immer mit einem Ziel vor Augen unser Leben meistern.
Die Fixierung ist doch häufig unser ärgster Feind auf dem Weg ins Ziel. Offenheit jedoch zeigt neue Strecken, die unserer Leben erleichtern. Diese Offenheit ist das einzige, was von einem Lebewesen verlangt werden darf, denn die Offenheit ist der erste Schritt zum Vertrauensvollen Umgang mit einem Pferd.

 

 

Einen Kommentar schreiben

 

Die folgenden Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  • Herzlich Willkommen im Blog von „Wege zum Pferd“

    Hier finden Sie unser Blog und können ganz in Ruhe stöbern. Oder Sie suchen gezielt in einer der Themen-Kategorien hier weiter unten im Seitenbalken. Alternativ können Sie auch in dem Suchfeld ein Stichwort eingeben.

    Alles zum Thema Longieren finden Sie hier und unsere Beiträge zum Clickertraining hier. Eine Übersicht über unsere Kurse, E-Books und Bücher finden Sie hier.

    Und wer sind wir? Wir sind Babette Teschen und Tania Konnerth, Betreiberinnen dieser Seite seit 2008 – einen Artikel zu unserem 10-jährigen Bestehen gibt es hier. Wir teilen in diesem Blog unsere persönlichen Erfahrungen und unser Wissen mit Ihnen und Euch und freuen uns auf Kommentare und Rückmeldungen.

    Und hier geht es zu unserem Buch bei Kosmos:

  • Praktische Hilfe gesucht?

    Wir bieten Ihnen auch persönliche Unterstützung für Sie und IhrPferd – Bitte hier klicken.

  • Kategorien

  • Neueste Beiträge

  • Neueste Kommentare

  • Archive

  • Diese Seite verwendet Cookies. Personenbezogene Daten werden zum Beispiel bei den Kommentaren gespeichert. Mehr erfahren

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen