Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 13: Dann mal ganz praktisch gefragt

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Nachdem ich mit den großen Fragen bei Monty nicht wirklich weitergekommen bin, beschließe ich, dann wenigstens all die vielen kleinen zu stellen, die ich so habe. Endlich kann ich herausfinden, was mein Pferd mag und was nicht, was ich richtig mache und was falsch und was ich alles ändern kann, damit es ihm gut geht.

Theoretisch.

Denn praktisch sieht es so aus, dass ich eigentlich immer nur dieselbe, nicht wirklich hilfreiche Antwort bekomme:

„Sag mal, Monty, drückt eigentlich der Sattel irgendwo?“

„Der Sattel ist okay.“

„Ist er nur okay oder sitzt er wirklich gut? Du kannst mir das ruhig sagen. Wir können ihn umpolstern lassen. Oder wir suchen einen anderen, wenn der nicht gut ist.“

„Der Sattel ist okay.“

„Hm, ist dir denn die Satteldecke angenehm? Es gibt auch solche Polster, die man unterlegen kann, vielleicht wäre so etwas gut?

„Die Decke ist okay.“

„Hm, aber du sagst, wenn was drückt, ja? Und … , magst du dein Gebiss eigentlich oder willst du lieber ohne geritten werden? Oder mit einem anderen?“

„Es ist okay mit dem Gebiss.“

„Aber wäre es besser ohne?“

„Es ist in okay mit Gebiss.“

„Sitze ich denn eigentlich gut genug oder ist das für dich unangenehm, wenn ich dich reite?“

„Es ist okay, wie Sie sitzen.“

„Ich denke, ich bin etwas schief und komme auch hin und wieder ganz schön aus dem Gleichgewicht. Aber, ich arbeite dran, das verspreche ich.“

„Es ist okay so.“

„Monty, ist diese Bürste besser oder diese hier?“

„Die Bürsten sind okay.“

„Aber, wenn du dir eine aussuchen könntest?“

„Sie sind beide okay.“

„Monty, gehst du lieber Trab oder Galopp?“

„Ist beides okay.“

„Wir können gerne mehr von dem machen, was dir besser gefällt. Galopp ist sicher anstrengend, oder?“

„Ist beides okay.“

„Monty, …“

Da unterbricht mich mein Pferd: „Sagen Sie mal, hört das auch mal wieder auf?“

„Was denn, Monty?“

„Na, dass Sie so viele Fragen stellen.“

„Aber ich möchte doch, dass es dir gut geht!“

„Mir geht es gut.“

„Ich möchte, dass dir gefällt, was ich mache.“

„Ich bin zufrieden.“

„Ich möchte dich kennen lernen.“

„Sie kennen mich doch.“

„Ich möchte einfach mit dir reden.“

„Na, das tun wir doch mehr als genug.“

Da weiß ich mal wieder nichts mehr zu sagen und seufze. Ganz ehrlich: mit einem Pferd zu sprechen, ist viel schwieriger, als ich das je für möglich gehalten hätte.

 

–> Fortsetzung folgt

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

2. Juni 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 13: Dann mal ganz praktisch gefragt

Was wir als Pferdemenschen verstehen müssen

Zum Erscheinen der 500. Ausgabe unseres Newsletters hatten wir mal wieder zu einer Mitmach-Aktion eingeladen. Dafür hatten wir unseren Monty, das sprechende Pferd, als Anlass genommen, um Euch diese Frage zu stellen: 

„Wenn Pferde sprechen könnten,
welchen Satz sollten wir Menschen
– als Reiter/innen oder auch ganz allgemein –
am dringendsten von ihnen hören?“

Wir haben 200 Einsendungen erhalten, von denen uns viele sehr berührt haben. Es ist wundervoll, wie viele tief gehende und mitfühlende Gedanken Ihr Euch gemacht habt und wie oft wir nicken mussten, weil wir auch denken, dass uns genau das Pferde sagen wollen würden.

Wir haben hier eine kleine Auswahl als Video aufbereitet, von dem wir hoffen, dass es möglichst viele Pferdemenschen erreicht und vielleicht noch viel mehr Verständnis schaffen kann. In unserem Newsletter werden wir immer wieder noch weitere Sätze veröffentlichen.  Klickt auf das Bild, um das Video anschauen: 

Pferde verstehen

(Ein Klick auf das Bild führt zu unserem Youtube-Kanal.)

26. Mai 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 2 Kommentare »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 12: Große Fragen, kleine Antworten

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Je bewusster mir wird, dass ich tatsächlich ein sprechendes Pferd habe, desto mehr begreife ich, was das doch für eine unglaubliche Chance ist, ja, mehr noch: es ist geradezu ein Wunder! Endlich kann ich all die Fragen loswerden, mit denen ich mich schon so lange befasse – Fragen über das Pferd-Sein, darüber, wie Pferde die Welt sehen und welche Botschaften sie für uns haben – und ich bekomme Antworten von einem Pferd darauf, erfahre also, wie sie wirklich ticken und was sie denken. Wer weiß, vielleicht werde ich ein Buch darüber schreiben und zwischen Menschen und Pferden vermitteln können, wäre das nicht großartig?

Theoretisch wäre es das …,  aber in der Realität läuft das alles ein bisschen anders, als ich es mir vorgestellt habe. Jetzt, da Monty tatsächlich spricht, komme ich mir irgendwie immer blöder vor mit meiner Naivität. Denn Monty geht das alles ziemlich ab.

Neulich fragte ich ihn zum Beispiel: „Monty, was denkt Ihr eigentlich über uns Menschen?“

„Nicht viel.“, war seine Antwort.

„Das kann nicht sein. Ihr macht euch doch sicher Gedanken über uns? Wie wir mit euch umgehen, wie wir uns verhalten und so etwas.“

„Nein, eigentlich nicht.“

„Das glaube ich dir nicht! Du denkst doch sicher nach über unsere Reiteinheiten oder Spaziergänge oder was ich mit dir gemacht habe, oder?“

„Nein, ich wüsste nicht, wieso.“, sagt mein Pferd.

Ich schaue ihn mit offenem Mund an und lasse es gut sein.

 

Bei der nächsten Gelegenheit fragte ich ihn: „Sag mal, was würdest du dir eigentlich für die Pferdewelt wünschen, Monty?“

„Mehr Gras.“, antwortete er.

„Nein, ich meine das anders, mehr so in Richtung, wie ein Pferdeleben idealerweise aussehen würde?“

„Mit mehr Gras.“

„Ach Monty, denk doch mal über ein ideales Miteinander von Mensch und Pferd nach, wie würdet Ihr behandelt werden wollen in einer idealen Pferdewelt?“

„Wir bekämen mehr Gras.“

Ja, genauso laufen diese Gespräche …

 

Heute versuche ich es nochmal und frage Monty: „Gibt es etwas, das du als Pferd mir als Mensch sagen möchtest?“

„Ich verstehe die Frage nicht.“, sagt Monty

„Na, was ist deine Botschaft als Pferd an mich oder an uns Menschen im Allgemeinen?“

„Ist das eine Trick-Frage?“, fragt er.

„Nein, Monty, das ist keine Trick-Frage, sondern echtes Interesse. Ich habe ein sprechendes Pferd, da kann ich doch endlich die Fragen stellen, über die ich schon so lange nachdenke. Ich bin immer überzeugt davon gewesen, dass Ihr Pferde uns Menschen etwas vermitteln und beibringen wollt. Viele sagen das, weil Ihr so weise wirkt. ‚Die Botschaft der Pferde‘ und so weiter, ich glaube, da gibt es sogar ein Buch mit diesem Titel und viele schreiben darüber, was wir alles von euch lernen können. Und ich kann nun direkt nachfragen, was für eine Chance! Also, Monty: Hast du eine Botschaft für mich?“

„Nein.“, erwidert mein Pferd.

Tja, Gespräche mit Monty sind manchmal wirklich ziemlich ernüchternd, muss ich sagen.

Fortsetzung: Kapitel 13

 

Monty - Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

12. Mai 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 12: Große Fragen, kleine Antworten

Schau immer auf das Gute – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Schau auf das Gute!

Die meisten von uns sind – nicht nur, aber vor allem eben auch – bei der Arbeit mit Pferden mehr oder weniger ausgeprägte Fehlergucker. Damit meint es natürlich kaum jemand böse, denn wir alle zielen auf Verbesserung und darauf, sich weiterzuentwickeln. Unseren Pferden tun wir damit oft aber gar nicht gut und uns selbst auch nicht. Ob nun beim Reiten, beim Longieren oder anderen Dingen, die wir mit unseren Pferden machen: Wenn wir im Training immer vor allem das wahrnehmen, was noch nicht gut oder nicht gut genug ist, sind wir ständig am Kritisieren, am Korrigieren und am Fordern. Und das frustriert viele Pferde ganz enorm und gibt uns selbst ein Gefühl von Unvermögen. 

Genau deshalb lieben wir das Prinzip der positiven Verstärkung, bei dem das Training konsequent auf Lob und positive Bestätigung aufbaut. Es verändert sich wirklich alles, wenn wir unseren Blick immer mehr auf das legen, was super ist und gut klappt und vor allem, wenn wir das Training gezielt dahingehend verändern, dass es ganz viel und immer mehr zu loben gibt – es verändert die Stimmung, das Miteinander, es verändert uns selbst und die Pferde blühen regelrecht auf! 

Viele befürchten, dass ein Fokus nur noch auf das Gute zum Nachlassen von Leistung führt oder dazu, sich etwas schön zu reden. Das aber ist unserer Erfahrung nach ganz und gar nicht der Fall, im Gegenteil: Zu erkennen, was alles schon gut läuft und mit ganz viel Lob und Freude zu arbeiten, ist ein regelrechter Motiviationsbooster für Mensch und Pferd! 

 

Schau auf das Gute

5. Mai 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Jungpferdausbildung, Longieren, Reiten, Umgang 0 Kommentare »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 11: Es ist genau richtig, wie es ist

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Monty und ich sind auf dem Reitplatz. Es ist einer dieser Tage, an denen die Sonne nicht so genau weiß, ob sie scheinen mag oder nicht und sich deshalb hinter einer leichten Decke aus Wolken versteckt. So ist es nicht wirklich warm und nicht wirklich kalt. Alles fühlt sich irgendwie so zwischendrin an… – und damit genauso wie ich mich gerade auf meinem Pferd fühle.

Ich reite Monty und obwohl es mein eigenes Pferd ist, auf dem ich sitze, fühlt sich nichts mehr vertraut oder bekannt an. Seit Monty spricht, ist es, als ob alles neu beginnt. Monty sagt zwar immer, dass alles einfach bleiben kann, wie es war, aber das geht einfach nicht, denn: Es IST anders, jetzt.

Ganz ehrlich, ich habe das Reiten bisher nie in Frage gestellt. Seit ich fünf bin, liebe ich Pferde. Pferde und Reiten, das gehörte für mich immer zusammen. Klar, später habe ich dann natürlich auch gelernt, dass Pferde eigentlich gar nicht dafür gemacht sind, uns auf ihrem Rücken zu tragen. Das hört man als Reiterin natürlich nicht gerne. Und die Gewalt, mit der so viele Pferde zu dem gezwungen werden, was Menschen von ihnen wollen, finde ich einfach schrecklich, aber irgendwie glaubt man ja doch immer, dass man es selbst besser macht. Und damit gibt man sich dann zufrieden.

Sind wir Menschen nicht echte Meister im Verdrängen (… und das nicht nur, wenn es um Pferde geht)? Aber in gewisser Hinsicht hat das auch seinen Sinn, stelle ich jetzt fest. Denn nicht ständig über alles nachzudenken und alles in Frage zu stellen, macht uns oft überhaupt erst handlungsfähig. Genau das ist mir durch die Tatsache, dass mein Pferd sprechen kann, ein ganzes Stück verloren gegangen und ich schätze, ich muss es mir erst wieder zurückerobern. Denn, wenn ich ehrlich bin, reite ich eigentlich gerade gar nicht, sondern ich sitze nur auf dem Rücken meines Pferdes. Ich traue mich kaum, zu atmen, geschweige denn einen Mucks zu machen. Bei jedem Handwechsel, den ich gerne reiten würde, bei jeder Hilfe, die ich geben will, bei jedem Wechsel der Gangart möchte ich vorher fragen, ob er das überhaupt möchte und ob es für ihn okay ist, das für mich zu machen. Dadurch verliert die Sache jeden Fluss und jede Natürlichkeit. Ich bin nur noch im Kopf und damit ein einziges Fragezeichen.

Und dann frage ich mich, ob es aber so nicht eigentlich sein sollte?

Natürlich nicht die quälende Unsicherheit, die mich fast handlungsunfähig macht, und nicht das schlechte Gewissen, das zu nichts führt, aber was ist mit der Behutsamkeit, mit der ich nun meine Hilfen gebe? Oder was ist mit dem Bewusstsein darüber, dass nichts selbstverständlich ist? Und was ist mit dem Respekt, der zusammen mit der Tatsache, dass mein Pferd sprechen kann, nun einen ganz neuen Stellenwert bekommen hat? Sollte genau das alles nicht die Basis jeden Miteinanders von Mensch und Pferd sein: Behutsamkeit, Bewusstsein und Respekt?

Ich war immer der Ansicht, dass ich eine von denen bin, die schon vieles ziemlich gut machen, aber jetzt wird mir klar, dass ich doch in vielem zu gedankenlos war. Man ist so schnell dabei, andere dafür zu verurteilen, was sie mit Tieren machen, nur bei sich selbst schaut man oft nicht so genau hin. Und wenn, dann hat man ein schlechtes Gewissen und schiebt das schnell wieder weg. Vielleicht gewöhnt man sich über die Zeit auch einfach an so vieles, was eigentlich nicht okay ist, einfach weil es alle machen und weil man es auch so vermittelt bekommen hat …

Aber letztlich haben wir doch in jedem Moment die Möglichkeit, uns neu zu entscheiden. Wir können grob werden oder wir können inne halten. Wir können automatisch reagieren oder nachdenken. Wir können uns durchsetzen oder auf Verständigung zielen. Sind das Gedanken, die mir auch gekommen wären, wenn mein Pferd nicht sprechen würde? Immerhin habe ich mich auch schon mal geweigert, Dinge zu machen, zu denen ich angeleitet wurde. Ich habe nein gesagt, als ich ein Pferd mit der Gerte schlagen sollte, das nicht vorwärts gehen wollte, und ich bin von einer Stute abgestiegen, die ich nicht anders im Schritt halten konnte, als den Zügel so kurz zu nehmen, dass mir die Arme weh taten. So wollte ich nie reiten: mit Kraft und Gewalt. Ich sehe aber genau das immer wieder im Stall. Es ist normal. Unnormal bin eher ich, die nun auch noch Gespräche mit ihrem Pferd führt.

Und das ist gut so, denke ich. Normal ist oft gar nicht gut, wir machen nur immer so weiter, weil Gewohnheiten einfacher sind als Neues anzugehen. Weil wir nicht auffallen wollen. Weil wir keine Ahnung haben, wie das Andere aussehen kann und uns das hilflos und ratlos macht. So wie ich mich gerade fühle, da ich nach wie vor nicht weiß, wie es nun mit mir und meinem sprechenden Pferd weitergehen wird. Alles ist offen, alles ist neu und unbekannt.

Aber ich will mich darauf einlassen. Ich möchte lernen. Ich möchte zu einem Menschen werden, den sein Pferd duzen mag. Ich möchte mir die Zuneigung meines Pferdes verdienen.

„Monty, halt mal an.“, sage ich und schlinge meine Arme um seinen Hals.

„Ach, sind Sie wieder anwesend?“, fragt er ein etwas spöttisch.

„Ja, das bin ich. Und es ist schön, dass du da bist.“, sage ich.

„Haben Sie mal wieder gegrübelt?“

„Ja, schon … Aber das ist genau richtig so.“ Ich richte mich wieder auf und fühle mich eigentlich ganz gut.

„Na, wenn Sie meinen.“

„Was hältst du von ein bisschen Bewegung?“

„Wie Sie wünschen.“, sagt mein Pferd und trabt so schwungvoll an, so dass ich zusehen muss, nicht nach hinten über zu kippen.

„Hey, das hast du doch voll absichtlich gemacht, Monty!“

„Selbstverständlich.“, sagt mein Pferd und ich lache.

–> Fortsetzung Kapitel 12

 

Monty Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

28. April 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 11: Es ist genau richtig, wie es ist

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 10: Die Sache mit dem „Sie“

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ok, Monty hat natürlich recht, dass man sicher nicht aus allem ein Problem machen muss, aber es gibt Dinge, die wurmen einen doch so sehr, dass man sie nicht einfach ignorieren kann. Genau so ist es mit der Tatsache, dass Monty mich siezt. Ich finde das ziemlich schräg und irgendwie verunsichert es mich, nein, ehrlich gesagt kränkt es mich sogar.

Als Monty und ich nach der Reiteinheit am Tor zum Weidepaddock stehen, entscheide ich mich, das anzusprechen:

„Du Monty, … darf ich dich noch etwas fragen?“

„Selbstverständlich.“

„Warum siezt du mich eigentlich?“

Er schaut mich wieder nur an. Diesmal halte ich den Blick. Ich möchte eine Antwort, denn dieses Sie verunsichert mich doch sehr.

„Ach, wissen Sie“, sagt er dann „ich bevorzuge klare Verhältnisse auf der Arbeit.“

„Oh.“, sage ich, weil mir nichts anderes einfällt. Mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet.

„Ja, Sie wissen schon, es ist nicht ratsam, das Berufs- und das Privatleben allzu sehr zu vermischen, das schafft meist nur Probleme.“

„Ach so?“

„Duzen Sie denn Ihren Chef?“

„Äh, … nein.“

„Na, sehen Sie.“

„Aber, manche machen das durchaus, … dass sie ihren Chef duzen, meine ich, ist doch eigentlich auch ganz schön, … viel lockerer, vertrauter, aber … hm, … also gut“, stottere ich, nachdem ich seine unerschütterliche Miene sehe und frage beklommen: „Und …, also, dann sollte ich dich wohl auch besser siezen, oder?“

„Ach, nein, das ist nicht nötig. Wissen Sie, das war ja immer schon so, damit kann ich gut leben. Es kann einfach so bleiben, wie es ist.“

Monty wendet seinen Kopf in Richtung der anderen Pferde und tritt unruhig von einem Bein auf das andere.

„Ach, da bin ich aber sehr froh, weil das würde mir doch ziemlich schwer fallen, Monty.“, sage ich und schaue ihn liebevoll an. Doch mein Pferd starrt weiter zu den anderen Pferden und bekommt das gar nicht mit. Er macht einige Schritte nach rechts, dann nach links und wirkt immer angespannter.

„Du willst zu den anderen, richtig?“

„Ja, das wäre sehr freundlich.“, antwortet er.

„Na, dann.“ Ich öffne das Tor, er dreht den Kopf zu mir und ich nehme ihm das Halfter ab und sage: „Dann hab’ einen schönen Feierabend.“ Eigentlich meinte ich das als Scherz, aber Monty bedankt sich artig und trabt davon.

Mein Pferd sieht mich als Arbeitgeber und will mich nicht duzen …, das klingt irgendwie ziemlich verrückt, oder? Und, ehrlich gesagt, fühlt sich doof an. So bekommt die Tatsache, dass mein Pferd mit mir redet, ein bisschen so etwas wie einen schalen Nachgeschmack. Ich lasse es für diesen Moment gut sein, aber nehme mir vor, das bei Gelegenheit noch einmal anzusprechen. Da kann das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.

Fortsetzung: Kapitel 11

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

3. April 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 10: Die Sache mit dem „Sie“

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 9: Und Reiten ist doch ein Problem

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

So schön mein Spaziergang gestern mit Monty war, so habe ich mich aber letztlich damit nur um das Thema Reiten herumgedrückt. Es ist immer noch ein Problem für mich, wie ich feststellte, als ich nach Hause fuhr.

Das Einfachste wäre wohl, nicht mehr zu reiten. Aber diesen Gedanken finde ich richtig furchtbar. Gar nicht mehr zu reiten? Reiten ist einfach so schön und es gehört zu mir und ich wollte immer ein eigenes Pferd! Ich, ich, ich… Ich höre mich an, wie ein Kleinkind und fühle mich auch ein bisschen so, aber ich will das Reiten nicht aufgeben.

Monty hat gesagt, dass es ok ist, wenn ich ihn reite. Kann man sich denn mehr wünschen, als eine ausdrückliche Zustimmung von seinem eigenen Pferd? Eigentlich nicht, oder? Und doch bin ich so verdammt unsicher. Ich frage mich warum. Ich meine, ich mache die Sache doch halbwegs anständig: Ich habe Monty nie verdroschen, ich mute ihm keine scharfen Gebisse zu, keine Hilfszügel und ich reite nicht mit Sporen. Aber, klar, ich habe ihn schon so manches Mal ordentlich getrieben, wenn er nicht vorwärts ging oder an einer Sache im Gelände nicht vorbei wollte, weil mich das irgendwie wütend gemacht hatte. Und meine Hände sind arg unruhig im Galopp und seinen Trab kann ich eigentlich gar nicht aussitzen. Und im Umgang war ich oft auch ganz schön ungeduldig…

Aber ich könnte doch jetzt versuchen, einfach alles besser zu machen. Eigentlich habe ich die größte Chance überhaupt, denn ich kann mein Pferd jederzeit fragen, was es gut findet und was nicht. Ich muss nicht mehr raten. Ich kann fragen und er antwortet. Ich muss ihm nur noch glauben.

Und so nehme ich mir heute fest vor, dass wir eine kleine Runde in der Halle reiten. Ich wäre lieber ins Gelände gegangen, aber es schüttet wie aus Eimern.

„Hey Monty, was hältst du von einer kleinen Reiteinheit in der Halle?“, frage ich mein Pferd, als ich ihn vom Auslauf hole. Seltsam, wie flatterig meine Stimme klingt.

„In Ordnung.“, antwortet er.

„Muss nicht sein, wenn du nicht magst.“, sage ich schnell, denn so richtig überzeugend klang das ja nicht.

„Ist in Ordnung.“, wiederholt er und ich zwinge mich dazu, mich damit zufrieden zu geben und es nicht weiter zu interpretieren.

Beim Putzen merke ich, dass meine Knie wieder weicher werden. Mist. Ich hatte mir doch so fest vorgenommen, kein Problem daraus zu machen.

„Du, Monty, du sagst mir aber einfach, wenn du zu irgendwas keine Lust hast, ja?“

„Ok.“

„Das meine ich ganz ernst. Jetzt, da du reden kannst, kannst du jederzeit sagen, was du nicht möchtest. Ich will nichts tun, was du nicht willst.“

„Ok.“

Boah, er könnte es mir ja ein bisschen leichter machen.

„Ist alles gut mit dir?“, frage ich.

„Ja, alles in Ordnung.“

Es fühlt sich nicht so an, aber ich halte den Mund.

Ich sattele Monty und zäume ihn und wir gehen in die Halle. Ungefähr hundertmal muss ich mich zwingen, nicht wieder nachzufragen, ob es ok ist, dass ich ihn heute reite. Dabei vergesse ich ständig das Atmen und bin schon fertig, bevor ich auf dem Pferd sitze. Dann führe ich ihn an die Aufstieghilfe.

„Also, pass auf, ich stelle jetzt meinen Fuß in den Steigbügel.“, sage ich.

„Ok.“, sagt Monty.“

„Und jetzt steige ich auf, ja?“

„Ja.“

„So, nun sitze ich auf dir, ist das ok, Monty, oder bin ich zu schwer, sitze ich doof, soll ich was anders machen?“

„Sagen Sie mal, soll das jetzt so weitergehen?“

„Was genau, Monty? Ich kann auch wieder absteigen, wenn es dir nicht recht ist!“ Ich bin bestürzt.

„Na, diese endlose Fragerei.“

„Ich meine es doch nur gut. Ich will nichts falsch machen. Ich will, dass du einverstanden bist.“

„Das habe ich doch schon gesagt.“

Ich sage nichts, sondern kämpfe mit den Tränen. Monty steht ruhig und wartet.

„Ich kann das nicht, Monty.“

„Was können Sie nicht?“, fragt mein Pferd.

„Dich reiten.“

„Bisher konnten Sie das ganz gut.“

„Ja, und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil es irgendwie nicht richtig ist.“

„Mich zu reiten ist nicht richtig? Wen wollen Sie denn sonst reiten? Bisher war doch alles gut mit mir?“

Jetzt missversteht er mich auch noch! „Ach, Monty, mit dir ist alles bestens! Du bist ein supertolles Pferd und ich möchte kein anderes außer dir reiten. Aber, … ich kann dich doch jetzt nicht einfach herumkommandieren und dir sagen, was du machen sollst.“

„Naja, Sie müssen ja nicht kommandieren. Wissen Sie, eigentlich würde ich mich jetzt wirklich gerne bewegen. So herumzustehen ist etwas langweilig und mir schlafen die Hufe ein. Also, könnten wir vielleicht…?“

Ich muss lachen und bin meinem Pferd sehr dankbar für diesen Anstupser.

„Na klar, dir schlafen die Hufe ein, wo du ja sonst auch niiieee einfach so herumstehst, nicht wahr? Also gut.“, sage ich und ich gebe reflexartig die Hilfe zum Antreten.

„Na also, geht doch.“ sagt Monty fröhlich und tritt an. Die ersten Schritte sind gemacht: Ich reite mein nun sprechendes Pferd.

Fortsetzung: Kapitel 10

 

Monty - Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

24. März 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 9: Und Reiten ist doch ein Problem

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 8: Und wie ist das mit dem Reiten?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ich habe verstanden, dass mein Pferd der Ansicht ist, dass ich Probleme mache, wo gar keine sind. Aber schon im nächsten Moment merke ich, dass gleich das nächste Problem lauert. Eigentlich würde ich zu gerne mal wieder reiten, aber gerade in Bezug darauf kann ich doch unmöglich die Tatsache ignorieren, dass Monty spricht. Ich fühle mich geradezu verpflichtet, ihn zu fragen, ob es überhaupt okay ist, wenn ich ihn reite.

Also geht das Gespräch weiter.

„Monty, ich weiß, du hast gerade gesagt, dass ich nicht aus allem ein Problem machen soll. Aber wie ist es denn zum Beispiel mit dem Reiten … ich würde heute eigentlich am liebsten genau das tun, aber ist das denn okay für dich? Ich meine, ich habe nie zuvor mal nachgefragt, ob du mich denn wirklich tragen möchtest … “, sage ich leise und fürchte mich vor der Antwort.

„Selbstverständlich.“ sagt Monty.

„Einfach so?“ Ich schaue auf.

„Na, wie sonst?“

Tja, darauf habe ich keine Antwort, aber ich fühle mich komplett und vollständig gehemmt.

„Pass auf, wir gehen heute ein bisschen spazieren, was hältst du davon?“, schlage ich vor.

„Ich dachte, Sie wollten reiten?“

„Schon, aber es ist wirklich nicht so einfach.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Na, ich bin mir halt nicht sicher, ob es wirklich ok für dich ist, geritten zu werden und das gibt mir ein blödes Gefühl.“

Er schaut mich verständnislos an. „Sie sind ganz schön kompliziert.“

„Da magst du wohl recht haben …“ Ich seufze.

„Sie reiten mich, solange wir uns kennen. Warum bereitet Ihnen das jetzt ein Problem?“

„Na, weil du sprechen kannst und ich das Gefühl habe, dich fragen zu müssen.“

„Sie haben mich gefragt und ich habe geantwortet.“

„Ja, ich weiß. Aber, ach …, gehen wir heute lieber spazieren. Zum Eingewöhnen, ok?“

„Wie Sie wünschen.“

Ich beiße mir auf die Zunge, um nicht zu fragen, ob er denn dazu überhaupt Lust hat. Mach kein Problem daraus, zische ich mir selbst zu, mach kein Problem daraus.

Unschlüssig halte ich das Halfter hoch.

„Ich, äh …, ich glaube, wir müssten, … schon wegen der Versicherung und so …“

„Selbstverständlich.“, sagt Monty und hält mir seinen Kopf hin. Ich streife das Halfter über seine Ohren, schließe den seitlichen Karabiner, nehme den Strick in die Hand und wir gehen zum Tor hinaus.

Wir laufen am Feld entlang Richtung Wald. Es ist wundervolles Wetter heute: blauer Himmel, die Sonne scheint, Vögel zwitschern und es sind keine Bremsen mehr unterwegs – ein perfekter Tag.

In diesem Moment scheint es tatsächlich gar kein Problem zu geben. Ich gehe mit meinem Pferd an einem traumhaft schönen Tag im Wald spazieren. Mein Pferd kann sprechen und eigentlich ist das doch einfach nur toll. Vielleicht hat Monty wirklich recht damit, dass ich ein Problem mache, wo gar keines ist.

Aber jetzt reite ich ja auch nicht, denke ich und zweifele schon wieder. Mal sehen wie ich mich fühle, wenn ich das nächste Mal tatsächlich aufsteigen werde … Und sofort schießt mir wieder dieses mulmige Gefühl in die Knie. Herrje, wird es je wieder „normal“ sein? Aber was ist denn eigentlich normal? Sich keine Gedanken darüber zu machen, was das eigene Pferd eigentlich möchte und was nicht? So traurig es ist, aber das war bisher tatsächlich in vielen Bereichen normal für mich.

Schluss jetzt, sage ich zu mir und beschließe, wenigstens für diesen Moment mit dem Grübeln aufzuhören und unseren Spaziergang zu genießen. Jetzt, in diesem Augenblick, ist alles gut. Monty schnaubt fröhlich neben mir ab.

„Möchtest du vielleicht einen Keks, Monty?“

„Einen von denen, die so schön knuspern?“

„Ja, hab ich dabei.“

„Sehr gern.“

Ich reiche ihm den Keks und wir beenden unsere Runde.

Fortsetzung: Kapitel 9

 

Ich bin's, Ihr Pferd – Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

10. März 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 8: Und wie ist das mit dem Reiten?

Atme! – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Atme!

Ob wir reiten, ein Pferd führen oder es einfach nur putzen, es gibt eine Sache, die so ziemlich alles, was wir mit einem Pferd tun, beeinflusst – und doch achten wir so gut wie nie bewusst darauf. Und das ist unser Atem. 

Wir atmen zwar normalerweise ganz automatisch, aber wir atmen nicht immer automatisch auch gut im Sinne von ruhig und gleichmäßig. Wenn wir zum Beispiel nervös, unsicher oder sogar ängstlich sind, atmen wir flach und schnell oder stockend und manchmal halten wir ungewollt den Atem sogar an. Nun nehmen Pferde unsere Art zu atmen deutlich wahr, da unsere Atmung unsere Körperhaltung und Körperspannung, unsere Bewegungen, Gesten und Hilfengebung, unsere Stimmlage, unsere Mimik und anderes mehr beeinflusst. Pferde als Herdentiere sind wahre Experten darin, selbst kleinste Veränderung an anderen zu erkennen und zu interpretieren. Nur so ist beispielsweise gewährleistet, dass im Falle einer Gefahr auch wirklich alle Pferde flüchten. Wenn wir also „unnormal“ atmen, vermitteln wir unserem Pferd damit ungewollt, dass etwas nicht in Ordnung ist, und es wird vielleicht unruhig, zappelig und scheut. Dadurch spannen wir uns wiederum mehr an oder reagieren unwirsch und atmen noch flacher und schneller, worauf wiederum das Pferd wirklich ängstlich werden kann. Aber nicht nur Unsicherheit vermitteln wir durch unsere Atmung, auch Missbilligung, Wut, Aggression und anderes mehr.  

Je bewusster wir uns unseres Atems sind, desto schneller merken wir, wenn wir Signale senden, die wir gar nicht senden wollen und können auch Reaktionen eines Pferdes auf uns viel besser verstehen. Mittels Atemtechniken können wir lernen, erst einmal überhaupt ein Gefühl für unseren Atem zu bekommen, um bei Bedarf immer wieder zu ruhigen und entspannten Atemzügen zu finden. Mit einem ruhigen Atem können wir unserem Pferd viel leichter Gelassenheit und Leichtigkeit und auch Freude am Miteinander vermitteln und uns auch selbst entspannen. Hier findet Ihr vier  kleine Übungen für den Anfang, die sich gut im (Pferde-)Alltag umsetzen lassen: 

Es gibt natürlich viele weitere Atemmethoden. Recherchiert ruhig mal danach und probiert verschiedene aus. Sucht Euch dann ein, zwei Atemtechniken aus, mit denen Ihr gut klar kommt, damit Ihr sie quasi immer „dabei“ habt, wenn Ihr zum Pferd geht. Es lohnt sich wirklich! 

 

Atme

3. März 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Reiten, Umgang, Verhalten 1 Kommentar »

Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 7: Wo ist das Problem?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

In den nächsten zwei Wochen fuhr ich nur wenige Male zu Monty und war dann auch immer nur kurz da. Ich brachte ihm etwas zu fressen, wechselte einige Worte mit ihm, erzählte etwas von wegen „Zu viel zu tun … “ und „Richtig viel Stress auf der Arbeit … “ und war dann schnell wieder weg.

Doch natürlich kann ich meinem Pferd nicht ewig ausweichen. Es wird Zeit, dass ich mich auf das Neue einlasse. Heute bin ich mit der festen Absicht zum Stall gefahren, Monty zumindest von der Weide zu holen und irgendetwas mit ihm zu machen. Aber nun, wo ich mit dem Halfter in der Hand vor dem Stallgebäude stehe und hoch zur Weide laufen will, werde ich wieder immer unsicherer und unsicherer. Ich habe keine Idee, wie ich mich nun verhalten soll, denn die Tatsache, dass mein Pferd jetzt spricht, hat tatsächlich alles verändert.

Klingt dramatisch und ist es auch. Wie herrlich naiv war ich doch, bevor Monty zu reden begann, wie köstlich unwissend. Denn jetzt ist einfach nichts mehr wie zuvor: Kann ich jemanden, der sprechen kann, einfach beim Fressen stören, zur Halle führen, einen Sattel auflegen, mich drauf setzen und ihn für mich im Kreis rennen lassen? Kann ich mehr Tempo verlangen oder anzuhalten? Kann ich jemanden, der sprechen kann, einfach irgendwo wegziehen oder hindrücken? Kann ich ihn einfach so putzen oder den Schweif waschen? Ich stelle plötzlich alles in Frage.

Nun geht nichts mehr so, wie ich es gewohnt war, und die Erkenntnis, dass alles, was mir vorher vollkommen normal erschien, durch ein kleines Detail überhaupt nicht mehr selbstverständlich ist, macht mich sehr nachdenklich. Eins weiß ich jetzt schon: Wenn das eigene Pferd zu sprechen beginnt, überdenkt man alles neu, den Umgang mit dem Pferd, das eigene Verhalten gegenüber dem Pferd, die Ansprüche an das Pferd, ja sogar, was man ganz heimlich für sich denkt – also einfach alles. Und, Himmel, das macht die Sache wirklich anstrengend. Ganz ehrlich, im Moment denke ich, dass ein Fahrrad durchaus seine Vorteile hat …

Ich entscheide, am besten das zu tun, was sich geradezu anbietet, wenn das eigene Pferd sprechen kann: Ich werde mit ihm darüber reden.

Als ich zur Weide komme, steht Monty etwas abseits der anderen und döst.

„Hallo Monty“, begrüße ich ihn.

„Ah, da sind Sie ja mal wieder.“

„Ja …“, druckse ich herum.

Er schaut mich an und wartet.

„Also, Monty, … ich weiß nicht so recht, wo ich beginnen soll. Mit der Tatsache, dass du reden kannst, ist plötzlich alles anders.“

„Oh. Was genau meinen Sie mit ‚alles anders‘?“

„Na, einfach alles! Vielleicht kannst du dir das nicht vorstellen, aber ich bin schrecklich verwirrt und verunsichert. Ich weiß nicht mehr, was ich jetzt noch tun kann mit dir und was nicht, eigentlich weiß ich gar nichts mehr!“ Ich bin viel lauter geworden, als ich es vorhatte.

Mein Pferd lehnt sich etwas zurück, die Augen geweitet.

„Sorry, ich wollte nicht laut werden, ich bin nur echt verzweifelt. Früher bin ich einfach hergekommen und hab’ dich von der Weide geholt, hab’ dich geputzt und gesattelt, bin dich geritten und hab’ dich wieder zurückgebracht.“

„Und warum machen Sie genau das jetzt nicht auch?“

„Wie denn, Monty? Wie soll ich dir jetzt einfach das Halfter überstreifen und dich irgendwo hinführen?“

„Na, einfach so wie immer.“

„Nein, das geht doch nicht! Nicht mal das geht. Eigentlich geht gar nichts mehr, denn ich kann nichts mehr entscheiden oder tun, ohne dass ich das Gefühl habe, dich fragen zu müssen.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Na, … ich muss dich fragen, weil du jetzt sprichst, weil du antworten kannst.“

Er schaut mich an.

„Und damit ist alles anders.“, seufze ich und sacke in mich zusammen.

Er schaut mich weiter mit leerem Blick an.

„Es tut mir leid, aber ich verstehe wirklich nicht, worauf Sie hinauswollen. Ich bin nach wie vor ein Pferd und zwar Ihr Pferd. Damit stehe ich Ihnen zur Verfügung. Sie können alles genau so machen wie bisher. Ich wüsste nicht, warum wir irgendetwas ändern sollen.“

Ich atme schwer aus, lege den Kopf in den Nacken und starre in den Himmel. Wie kann ich mich nur verständlich machen? Wie kann ich den Zwiespalt beschreiben, in dem ich mich befinde? Von der Grundsache her finde ich es eben nicht richtig, ein anderes Wesen zu benutzen, aber genau das habe ich natürlich immer gemacht, weil, wenn es nicht spricht, es einfacher ist, weil man das als Mensch ignorieren kann, was natürlich irgendwie auch verlogen ist. Aber nur so funktioniert es doch, oder? Und ich habe immer versucht, im Sinne meines Pferdes zu handeln, wirklich! Aber ich habe mich auch mal durchgesetzt und bin sicher oft über seine Bedürfnisse hinweggegangen, wie wahrscheinlich doch jeder, oder? Aber jetzt weiß ich nicht, wie ich weitermachen soll.

Und wie kann ich ihm nun mein Problem erklären, wo er offenbar keines sieht?

„Entschuldigen Sie, hätten Sie vielleicht einen dieser leckeren Kekse für mich?“, fragt Monty.

Da muss ich lachen. Ich hole ein Leckerli aus der Tasche und gebe es ihm.

Tja, denke ich, vielleicht bin tatsächlich nur ich das Problem. Vielleicht sollte ich, so wie er es sagt, wirklich einfach das machen, was ich immer gemacht habe. Ob das geht?

Fortsetzung: Kapitel 8

 

Monty Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

25. Februar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 7: Wo ist das Problem?

  • Über Tania Konnerth

    Ich bin Tania Konnerth und habe seit fast vierzig Jahren mit Pferden zu tun. Die meisten kennen mich zusammen mit meinen beiden Haflingern Aramis und Anthony. Aramis musste ich mit fast 25 Jahren gehen lassen, nun sind also Anthony und ich übrig.

    In diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von Pferden, über meine Erkenntnisse und Entwicklung.

    Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

    Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de und www.mein-achtsames-ich.de nachzulesen.

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