Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 37: Da ist was (oder auch nicht)

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

 

Wegen des aktuellen Sauwetters habe ich Monty zum überdachten Teil des Putzplatzes geführt. Während Monty beim Putzen sonst gerne döst, ist er heute ein Nervenwrack. Er kann kaum ruhig stehen, sondern will immer rausschauen. Ich versuche, das zu ignorieren und selbst Ruhe auszustrahlen, was nicht gerade einfach ist, wenn man ständig aufpassen muss, nicht über den Haufen gerannt zu werden.

„Monty, geh bitte mal einen Schritt zur Seite.“

Mein Pferd ist taub. 

„Mooonty.“, rufe ich laut und er schreckt zusammen.

„Ja, oh, was denn?“

„Mach mal ein bisschen Platz bitte, du quetschst mich total ein. Was gibt es denn da so Wichtiges zu sehen, dass du unbedingt immer hinaus starren musst?“

„Ich … ich weiß auch nicht.“

„Heute ist also mal wieder einer dieser Tage, vielleicht sollten wir lieber nichts machen?“

„Was? Nein, geht schon, kein Problem.“

Wieder schießt er unerwartet herum.

„Ey!“, brülle ich und ich buffe ihn reflexartig in die Seite.

„Na, na – Sie müssen nicht grob werden.“, sagt er etwas irritiert.

„Doch, denn du stehst auf meinem Fuß!“

„Oh!“ Er hebt den Huf und macht einen Schritt von mir weg „Entschuldigen Sie, das wollte ich nicht.“ Doch noch während er spricht, ist er mit seiner Aufmerksamkeit schon wieder draußen.

Ich reibe meinen Fuß und versuche, meine Wut in den Griff zu bekommen. An solchen Tagen ist es echt nicht einfach mit diesem Riesentier. Da wird mein sonst so höfliches Pferd zum Rabauken und ich könnte glatt meine eigenen Manieren und guten Vorsätze vergessen.

„Monty … MONTY!“ Ich muss wieder laut werden, damit er mich überhaupt wahrnimmt. „Kann ich irgendetwas tun? Da draußen ist nichts, es ist nur windig, sonst nichts.“

Er schaut mich fast mitleidsvoll an, mich Ahnungslose, denn aus seiner Sicht bin ich einfach mal wieder zu doof, etwas mitzubekommen.

„Da ist was.“

„Was soll denn da sein, Monty? Da ist nichts. Es ist alles in bester Ordnung, glaub mir doch bitte.“

Aber mein Pferd steht weiterhin wie ein Flitzebogen im Anschlag da und hört mich wieder nicht. Ich atme durch, einmal, zweimal. Eigentlich denke ich immer, dass er mir doch langsam mal vertrauen müsste, aber in solchen Momenten macht es offenbar keinen Unterschied, ob ich da bin oder nicht. Und das tut weh. Das ist schlimmer, als gesiezt zu werden.

Einen Moment lang tue ich mir furchtbar leid, weil mir mein Pferd nicht vertraut, aber dann wird mir klar, dass sich Monty wirklich Sorgen macht und dass ich ihm in diesen Moment einfach nicht das geben kann, was er braucht. Und es hilft auch nicht, wenn ich mich damit fertig mache, das macht es nur noch schlimmer.

Ich gehe einmal um ihn herum auf die andere Seite, so dass er mich sieht, und sagte: „Pass auf, Monty, ich bringe dich jetzt zurück zu den anderen. Ich glaube, die sind gerade besser für dich, als ich es bin. Aber du musst dann schon auf mich aufpassen auf dem Weg, ja? Nicht losreißen und mich nicht über den Haufen rennen. Dafür passe ich gut auf dich auf. Dir wird nichts passieren, okay?“

Obwohl Monty wirklich unter Strom steht, schaffen wir es heil zur Weide. Kaum dass ich das Halfter abgezogen habe, rast er los, mein sonst so ruhiges und gelassenes Pferd …

Pferde, denke ich, … Pferde. Manches versteht man selbst dann nichts, wenn das eigene Pferd sprechen kann. Aber ich bin ein bisschen stolz auf meine Entscheidung, ihn zurückzubringen. Langsam lerne ich wenigstens, mit meinem Nichtverstehen besser umzugehen. Das ist doch auch schon was. 

–> Weiter mit Kapitel 38

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Bleckede. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de.

17. Januar 2022 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 37: Da ist was (oder auch nicht)

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