Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 23: Freundschaft, was ist das eigentlich?

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Gestern habe ich noch lange darüber nachgedacht, was eigentlich eine Freundschaft ausmacht. Wikipedia schreibt, dass Freundschaft auf gegenseitiger Zuneigung beruht und sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.

Das macht mich nachdenklich: Mag mein Pferd mich eigentlich?

„Ich hätte es schlimmer treffen können.“, hatte er gesagt. Nicht gerade eine Liebeserklärung, aber so ist Monty halt, er ist eben kein Pferd der großen Worte oder Gefühle. Aber von Zuneigung kann man da wohl trotzdem nicht sprechen, oder?

Wie kann ich es schaffen, dass mein Pferd mich mag, ich meine, so richtig gern hat? Dass er sich auf mich freut und dass er Lust hat, etwas mit mir zu machen? Moment mal, … worauf hat Monty eigentlich Lust? Er macht brav so ziemlich alles mit, was ich möchte, aber worauf davon hat er wirklich Lust? Was macht ihm wirklich Spaß, was bereitet ihm echte Freude? Ich muss gestehen, ich weiß es nicht. Aber ich werde es herausfinden, vielleicht ist das ein guter Startpunkt.

Ich frage mein Pferd also bei der nächstbesten Gelegenheit: „Sag mal, Monty, gibt es etwas, das du am liebsten magst?“

„Frisches Gras.“, sagt Monty.

„Nein, ich meine von dem, was wir zusammen machen. Magst du es, in der Halle zu laufen oder lieber im Wald? Wie findest du das Longieren oder zu springen? Gehst du lieber Schritt oder Trab oder Galopp?“

„Am liebsten gehe ich grasen.“, sagt er und fügt noch schnell hinzu: „Aber es ist okay, so wie es ist.“

„Okay, ja du sagst immer, dass du alles okay findest. Aber das meine ich  nicht. Ich möchte wissen, was dir Freude oder Spaß macht?“

„Spaß?“

„Ja, Spaß!“

„Was genau meinen Sie mit Spaß?“

„Na, Spaß halt, Freude, Lachen, etwas toll finden.“

Monty schaut mich an.

„Im Beruf geht es doch nicht um Spaß.“, sagt er, als wäre das vollkommen selbstverständlich. „Spaß hat man auf der Weide beim Grasen mit den anderen. Arbeit ist Arbeit. Ist das bei Ihnen nicht so?“

Ich überlege. Eigentlich wollte ich sagen, dass einem die Arbeit durchaus Spaß machen sollte, aber genau das kann ich von mir selbst auch nicht wirklich behaupten. Hin und wieder macht es mal ein bisschen Spaß, aber es stimmt schon: Die meiste Zeit ist Arbeit eben Arbeit. Und ehrlich gesagt, habe ich auch gar keinen anderen Anspruch. Ich muss zugeben, da hat Monty recht. Aber genau das fühlt sich furchtbar an, denn die Zeit mit Monty ist für mich doch eben gerade keine Arbeit, sondern Freizeit! Und ich möchte doch, dass mein Pferd sie auch genießen kann und nicht nur hinter sich bringt …

„Ich würde mir wünschen, dass du Spaß mit mir hast.“, sage ich leise.

„Wissen Sie, Sie sind manchmal sehr seltsam.“, sagt Monty. „Es geht mir doch gar nicht um Spaß. Ich bin zufrieden. Es geht mir gut bei Ihnen, der Job ist viel besser als der davor.“

Das ist wieder einer der Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass mir die Tatsache, dass mein Pferd sprechen kann, überhaupt nichts nützt, weil ich mich nicht verständlich machen kann. Ich kämpfe mit den Tränen und drehe mich um, um so zu tun, als würde ich etwas in der Putzkiste suchen.

Das reicht mir aber nicht, denke ich. Das ist, verdammt noch mal, nicht das, was ich will für mein Pferd. Ich will, dass er sich auf mich freut. Ich will ihm näher kommen. Ich will ihm ein echter Freund sein.

Das spreche ich aber nicht aus, weil ich kein Problem daraus machen will. Aber ich werde daran arbeiten – und das ist ein Versprechen!

–> Fortsetzung Kapitel 24

 

Monty Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

1. Dezember 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 23: Freundschaft, was ist das eigentlich?

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