Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 10: Die Sache mit dem „Sie“

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Ok, Monty hat natürlich recht, dass man sicher nicht aus allem ein Problem machen muss, aber es gibt Dinge, die wurmen einen doch so sehr, dass man sie nicht einfach ignorieren kann. Genau so ist es mit der Tatsache, dass Monty mich siezt. Ich finde das ziemlich schräg und irgendwie verunsichert es mich, nein, ehrlich gesagt kränkt es mich sogar.

Als Monty und ich nach der Reiteinheit am Tor zum Weidepaddock stehen, entscheide ich mich, das anzusprechen:

„Du Monty, … darf ich dich noch etwas fragen?“

„Selbstverständlich.“

„Warum siezt du mich eigentlich?“

Er schaut mich wieder nur an. Diesmal halte ich den Blick. Ich möchte eine Antwort, denn dieses Sie verunsichert mich doch sehr.

„Ach, wissen Sie“, sagt er dann „ich bevorzuge klare Verhältnisse auf der Arbeit.“

„Oh.“, sage ich, weil mir nichts anderes einfällt. Mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet.

„Ja, Sie wissen schon, es ist nicht ratsam, das Berufs- und das Privatleben allzu sehr zu vermischen, das schafft meist nur Probleme.“

„Ach so?“

„Duzen Sie denn Ihren Chef?“

„Äh, … nein.“

„Na, sehen Sie.“

„Aber, manche machen das durchaus, … dass sie ihren Chef duzen, meine ich, ist doch eigentlich auch ganz schön, … viel lockerer, vertrauter, aber … hm, … also gut“, stottere ich, nachdem ich seine unerschütterliche Miene sehe und frage beklommen: „Und …, also, dann sollte ich dich wohl auch besser siezen, oder?“

„Ach, nein, das ist nicht nötig. Wissen Sie, das war ja immer schon so, damit kann ich gut leben. Es kann einfach so bleiben, wie es ist.“

Monty wendet seinen Kopf in Richtung der anderen Pferde und tritt unruhig von einem Bein auf das andere.

„Ach, da bin ich aber sehr froh, weil das würde mir doch ziemlich schwer fallen, Monty.“, sage ich und schaue ihn liebevoll an. Doch mein Pferd starrt weiter zu den anderen Pferden und bekommt das gar nicht mit. Er macht einige Schritte nach rechts, dann nach links und wirkt immer angespannter.

„Du willst zu den anderen, richtig?“

„Ja, das wäre sehr freundlich.“, antwortet er.

„Na, dann.“ Ich öffne das Tor, er dreht den Kopf zu mir und ich nehme ihm das Halfter ab und sage: „Dann hab’ einen schönen Feierabend.“ Eigentlich meinte ich das als Scherz, aber Monty bedankt sich artig und trabt davon.

Mein Pferd sieht mich als Arbeitgeber und will mich nicht duzen …, das klingt irgendwie ziemlich verrückt, oder? Und, ehrlich gesagt, fühlt sich doof an. So bekommt die Tatsache, dass mein Pferd mit mir redet, ein bisschen so etwas wie einen schalen Nachgeschmack. Ich lasse es für diesen Moment gut sein, aber nehme mir vor, das bei Gelegenheit noch einmal anzusprechen. Da kann das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.

Fortsetzung: Kapitel 11

 

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

3. April 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 10: Die Sache mit dem „Sie“

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