Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 6: Ich glaub, ich pack das nicht!

Aus „Ich bin’s, Ihr Pferd“ von Tania Konnerth
– zum ersten Kapitel geht es hier.

Am nächsten Morgen war ich schon früh auf dem Weg zum Stall. Ich hatte ziemlich schlecht geschlafen in dieser Nacht, und war viel früher als sonst aufgestanden, denn ich konnte es kaum erwarten, zu Monty zu fahren.

Entweder wäre heute wieder alles normal, dann musste ich damit leben, dass meine Phantasie doch manchmal ein bisschen zu lebhaft wurde (in diesem Fall würde der Punkt „Therapeuten suchen“ ganz nach oben auf meine Checkliste kommen) oder ich würde meinem sprechenden Pferd all die Fragen stellen können, die mir auf der Seele brannten (und das waren viele, ich würde in diesem Fall eine lange Liste erstellen). Wie auch immer, ich musste wissen, woran ich nun tatsächlich war.

Als ich zum Auslauf an der Weide kam, lagen fast alle Pferde und dösten in der Morgensonne, so auch Monty. Ich öffnete leise das Tor und ging langsam und vorsichtig zu der Herde.

Da keiner von ihnen durch mich beunruhigt erschien, näherte ich mich Monty, der in Brustlage mit geschlossenen Augen dalag.

„Hi, Monty.“, flüsterte ich. Er reagierte nicht, so, als hätte er mich gar nicht wahrgenommen. Puh, also doch kein sprechendes Pferd, dachte ich und wusste nicht, ob ich nun erleichtert oder traurig war. Ich setzte mich selbst in den Sand.

„Na, Sie sind aber früh dran heute.“, sagte mein Pferd nach einer Weile, ohne die Augen zu öffnen.

Er spricht also doch, dachte ich und wusste wieder nicht, was das in mir auslöste: Schreck oder Freude?

„Ach …, ja, ich konnte schlecht schlafen.“

„Das tut mir leid.“

„Ich bin halt so durcheinander, weil du jetzt sprichst und ich war mir nicht sicher, ob es wirklich so ist oder ich mir das nur eingebildet hatte, und nun wollte ich herkommen, um, … naja, herauszufinden, ob du wirklich sprichst.“

Dazu sagte Monty nichts. Er döste einfach weiter. In diesem Moment wirkte wieder alles genau wie immer, so dass ich mich fragte, ob das Ganze nicht doch einfach nur in meinem Kopf stattfand. Immerhin wäre das doch deutlich wahrscheinlicher, wenn auch nicht beruhigender.

Dann gähnte Monty herzhaft und stand mit einem „Na, dann wollen wir mal.“ auf.

„Oh, du hättest doch ruhig liegen bleiben können.“, rief ich und rappelte mich selbst hoch.

„Die Arbeit ruft.“, sagte er. „Stört es Sie, wenn ich noch kurz…“ Er schaute zur Tränke.

„Nein, nein, natürlich nicht, geh trinken, Monty!“, Es war mir höchst unangenehm, dass mich mein Pferd um Erlaubnis fragte, trinken zu gehen, und ich dachte daran, wie oft ich ihn einfach so von der Weide geführt hatte, ohne zu prüfen, ob er vielleicht Durst hatte. Ich schämte mich.

Und als ich ihn da so zur Tränke laufen sah und vielleicht zum ersten Mal wirklich begriff, dass mein Pferd nun sprach, klopfte mir das Herz bis zum Hals. Ich bekam regelrecht Panik, als er wieder auf mich zu trottete. Das alles wuchs mir über den Kopf.

„Weißt du, Monty“, sagte ich und lachte auf eine befremdlich künstliche Art viel zu laut „eigentlich hatte ich heute nur ganz kurz vorbeischauen wollen. Also, keine Arbeit, du hast frei. Kannst dich wieder hinlegen und weiterschlafen. Äh … – möchtest du ein Leckerli?“ Ich hielt es ihm unmittelbar unters Maul, worauf er es reflexartig nahm. „Gut,  … also dann, … hab einen schönen Tag.“, stammelte ich, drehte mich um und konnte mich gerade noch davon abhalten zu rennen. Aber ich verschwand sehr schnellen Schrittes.

Als ich wieder im Auto saß, versuchte ich, meine Atmung zu beruhigen. Mir standen Schweißperlen auf der Stirn und ich zitterte. Das Ganze machte mir große Angst.

Würde ich damit umgehen können, ein sprechendes Pferd zu haben? Ich wusste es wirklich nicht.

Fortsetzung: Kapitel 7

Ich bin's, Ihr Pferd – Wege zum Pferd

 

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Tania Konnerth

Wer erzählt Montys Geschichten?

Die Geschichten von Monty schreibt Tania Konnerth. Sie hat seit über 40 Jahren mit Pferden zu tun und hat – unter uns gesagt – inzwischen immer öfter das Gefühl, dass Pferde tatsächlich sprechen können.

Tania arbeitet als Schriftstellerin und Autorin in Lüneburg und gibt zusammen mit Babette Teschen den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ heraus. Mehr von ihr gibt es unter www.tania-konnerth.de

19. Februar 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Geschichten von einem sprechenden Pferd, Sonstiges Kommentare deaktiviert für Ich bin’s, Ihr Pferd – Kapitel 6: Ich glaub, ich pack das nicht!

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