Führen ist doch ganz einfach?

Ein Pferd führen scheint eigentlich ganz einfach zu sein. Man hält den Strick, das Pferd läuft neben einem – kein Thema, oder? Dass das durchaus ein Thema ist, kann man Tag aus, Tag ein so ziemlich überall in den Ställen beobachten. Nicht selten bekommt man den Eindruck, dass da nicht der Mensch, sondern das Pferd führt…

Es gibt wenige Dinge, bei denen ich so konsequent bin, wie beim Einhalten der von mir gewünschten Führposition. Denn ich habe festgestellt, dass sich diese Konsequenz doppelt und dreifach auszahlt. Achte ich beim Führen darauf, dass meine Pferde dort bleiben, wo ich es für sie vorsehe, wird nicht nur das Führen selbst deutlich angenehmer, sondern ich profitiere davon im gesamten Umgang.

Hier einmal ein Bild von der Führposition, wie ich sie anstrebe:

fuehrposition1.jpg

Das Pferd geht etwas schräg hinter mir. Es kriecht mir nicht in den Rücken und es überholt nicht. Es herrscht ein angenehmer Abstand zwischen uns, so dass ich bei einem möglichen Hüpfer nicht gleich angerempelt werde. Und das Pferd läuft von sich aus voran, ohne dass ich ziehen muss. Es ist auch dann, wenn es sich mal umschaut, mit seiner Aufmerksamkeit bei mir.

Wie Pferde unsere Führungsberechtigung überprüfen

Nun gibt es im Wesentlichen zwei Wege, mit denen ein Pferd prüft, ob wir es auch wirklich führen bzw. ob wir es „wert“ sind, dass es sich von uns führen lässt:

  • sie überholen uns (dazu gehört auch das Tänzeln an der Hand und das seitliche Wegspringen)
  • sie treiben uns (dazu gehört auch ein zähes Sich-Ziehen-Lassen).

Mit beiden Strategien fragen sie gleichsam nach: „Führst du wirklich?“ bzw. „Passt du auf?“ Beantworten wir diese Fragen mit einem „Nein“, indem wir unsere Pferde überholen oder in unseren Rücken gehen lassen, verringern wir unsere Glaub- und Vertrauenswürdigkeit. Für das Pferd heißt das dann vereinfacht gesagt: „Ich muss auf mich selbst aufpassen.“ und das ist in der Regel nicht wirklich das, was wir wollen. Ein Pferd, dass entscheidet, dass es auf sich selbst aufpassen muss, hört nämlich nicht mehr zu und wir brauchen immer mehr Körpereinsatz, um es führen zu können.

Das Überholen

Auf diesem Bild kann man schön sehen, wie Aramis mich deutlich überholt:

fuehrposition2.jpg

An diesem Tag machte er sich große Sorgen wegen einer Jagdhütte, die am anderen Feldrand von einem Traktor gezogen wurde und da vergaß er seine sonst gute Führerziehung. Da ich ihm in diesem Moment offenbar nicht die nötige Sicherheit geben konnte, verlor ich auch meine Führposition. Als er sich wieder beruhigte, lief er auch wieder auf „seiner“ Position.

Ich sehe sehr viele Mensch-Pferde-Paare, bei denen die Pferde eigentlich nur so laufen. Der Mensch ist hier aber nicht in der führenden Position – er wird, wenn er das nicht korrigiert, zu einem (lästigen) Anhängsel. Nicht selten sieht man, wie sich der Mensch dann mit seinem ganzen Gewicht in den Strick hängen muss, um das Pferd zu verlangsamen. Das ist nicht nur sehr anstrengend, sondern ein solches Pferd gewinnt auch kein Vertrauen zu seiner Führperson.

Hier kann man schön sehen, wie ich Anthony gerade bei einem Überholmanöver korrigiere:

fuehrposition4.jpg

Die beiden Holzstapel machten ihn etwas nervös und er wollte überholen. Ich begrenze dann vorne mit der Gerte und touchiere notfalls die Brust. Bei ganz rüden Überholmanövern halte ich das Pferd auch an und schicke es mit einem deutlichen Gertensignal einige Schritte rückwärts.

Sofern man das Überholen konsequent korrigiert, reichen im Normalfall sehr bald ganz leichte Signale mit der Hand, um das Pferd daran zu erinnern, dass es nicht überholen darf.

Das „In den Rücken gehen“

Sehr beliebt vor allem bei ranghöheren Pferden ist es, auszuprobieren, ob sie nicht vielleicht den Menschen treiben können. Dabei lässt sich das Pferd etwas zurückfallen und geht dann in den Rücken der Führperson. Viele merken diesen Test nicht und denken, ihr Pferd folgt ihnen ganz brav. Tatsächlich aber wird so die Frage „Passt du auch auf?“ mit einem „Nein.“ beantwortet. Pferde, die auf ihre Frage diese Antwort bekommen, neigen dann dazu, mal eben zum Grünstreifen zu ziehen, um zu fressen o.ä.

Wenn eines meiner Pferde in meinen Rücken geht, treibe ich es mit der Gerte zur Seite, ohne mich dabei umzudrehen oder anzuhalten. Die Stärke dieses Gertenwedelns mache ich abhängig vom Pferd und der Situation. Ich bewache auf diese Weise den Raum hinter meinem Rücken – da hat das Pferd nichts zu suchen 😉 .

Noch besser ist es, wenn ich bereits das Langsamerwerden bemerke und schon hier etwas nachtreibe, dass es erst gar nicht dazu kommt, dass das Pferd hinter mich kommen kann. Häufig sind wir Menschen aber ein bisschen zu langsam und merken gar nicht, dass das Pferd schon mitten am Nachfragen ist.

Und so möchte ich es

Hier nochmal wie es für mich sein soll:

fuehrposition3.jpg

Ich laufe leicht vor dem Pferd, der Abstand ist respektvoll, aber wir haben eine Verbindung und das Pferd ist mit der Aufmerksamkeit bei mir. Der Strick hängt leicht durch, ich muss also nicht ziehen. Die Gerte ist in neutraler Position, weil es nichts zu korrigieren gibt. Wenn ich dafür sorge, dass mein Pferd auf dieser Position läuft und sie nicht ständig in Frage stellt, steht einem entspannten Spaziergang oder einem stressfreien Führen zur Weide nichts mehr entgegen.

Ein guter Test

Ein guter Test, ob beim Führen alles so ist, wie es sein soll, ist, als Mensch plötzlich einmal stehen zu bleiben. Läuft das Pferd dann auf und rempelt einen an, hat es

a) nicht genug auf einen aufgepasst und
b) läuft es zu sehr hinter einem.

Rennt es einfach weiter, ist es

a) mit der Aufmerksamkeit auch nicht bei einem und
b) hat schon vorher zumindest im Geiste überholt.

Auch hier gilt, wie bei so vielem: konsequentes Üben zahlt sich aus.

16. Juli 2009 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang 76 Kommentare »

 

76 Reaktionen zu “Führen ist doch ganz einfach?”

 

Von Jenni • 16. Juli 2009

Ja, da sprichst du etwas wichtiges an! Mit den Hengsten führe ich den von dir beschriebenen Test laufend durch. Gerne auf dem Weg vom Paddock zum Putzplatz (ich merke dann schnell, wie sie drauf sind) oder in die Box zum Füttern. Solche Kleinigkeiten zahlen sich so sehr aus!

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Jep, man kann sehr viel aus diesen Führgeschichten ablesen – über die Laune des Pferdes, über die Beziehung zum Menschen, das Verhältnis usw.

Lieber Gruß an Dich,
Tania

 

Von CelineD. • 17. Juli 2009

Ein schöner und wichtiger Artikel der an der Basisarbeit mit dem Partner Pferd arbeitet!
Wie siehst du denn, ob dein Pferd schräg hinter dir ist, oder in deinem Rücken läuft? Ich möchte mich ja auch nicht alle fünf Sekunden umdrehen!

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Danke, Celine!

naja, das Pferd soll ja nicht meilenweit hinter einem gehen, sondern eben nur ein kleines Stück. Und da kann man das eigentlich ganz gut aus dem Augenwinkel erkennen. Und mit ein bisschen Übung und Achtsamkeit, spürt man auch, ob das Pferd eher treibend hinter oder entspannt neben einem ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass es hinter meinen Rücken kommt, wedele ich ein bisschen mit der Gerte hinter mir – ist es auf seinem richtigen Platz, wird es nicht getroffen, treffe ich es, war es hinter meinem Rücken 😉

Tania

 

Von Susi • 17. Juli 2009

und wieder geht das ganze nur mit Gerte. Schade, ich habe diesen Blog immer gelesen, weil ich dachte du gehst “ human “ mit den Pferden um und weißt was du tust. Aber immer nur mit Waffe find ich nicht gut. Das Pferd sollte in angemessenem Abstand laufen, ohne Gerte. Dann ist für mich das Ziel erreicht Solange du eine Gerte benötigst um dem Pferd Signale zu geben ist es für mich Zwang. Wenn du das Pferd allein mit deiner Körperhaltung führen kannst, dann ist es, weil das Pferd es will. In diesem Fall aber seh ich nur, daß du das Pferd zwingst zu tun was du willst. Will es aber auch das Pferd? Aramis hätte dich nicht überholt, wenn du die „Leitstute“ wärst – in keiner Situation.

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Auch das sehe ich einfach wieder ein bisschen anders. Meine Gerte ist die Verlängerung meines Arms. Und dass ich keine Leitstute bin, weiß Aramis sehr genau – so schlau sind Pferde schon, dass sie uns nicht für ein Pferd halten 😉

Ein herzlicher Gruß,
Tania

 

Von Susi • 17. Juli 2009

Tania, ich schrieb: Solange du eine Gerte benötigst um dem Pferd Signale zu geben ist es für mich Zwang
Ich schrieb nicht, das du deas Pfer dschlägst. Aber ich bin der Meinung du solltest diese Signale mit deiner Körperhaltung geben.
Ich zitiere dich:
Und dass ich keine Leitstute bin, weiß Aramis sehr genau – so schlau sind Pferde schon, dass sie uns nicht für ein Pferd halten

Dein Pferd sollte dich aber für die Leitstute halten, sonst kanns gefährlich für dich werden.

Für meine Pferde möchte ich immer die Leitstute sein. Was anderes kommt nicht in Frage. Sobald ich auf der Koppel bin, bin ich der Boss und kein anderer.
So sollte es sein, oder?

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Weißt Du, ich glaube, dass wir einfach zu einigen Punkten etwas andere Ansichten haben und etwas andere Wege gehen. Das ist doch aber nicht schlimm – es gibt halt einfach viele verschiedene Wege zum Pferd, gelle?

Herzlich,
Tania

 

Von Milka • 18. Juli 2009

Hallo Tania,
mich würde interessieren, wie du es bei Pferden handhabst, die nicht folgen wollen, also stehen bleiben etc.
Ich kann mit meiner Kleinen nicht vom Hof spazieren, weil sie alle 2 Meter anhält und die Beine in den Boden stemmt. Das stimmt mich schon traurig, weil sie mir schließlich sagt, dass sie mir nicht vertraut. Auf dem Hof allerdings haben wir gar keine Führ- und Vertrauensprobleme..
Hast du eine Idee?

Liebe Grüße,
Meike

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Hm, schwierig einzuschätzen, ohne Euch als Team zu kennen. Die Frage ist, ob sie aus Angst nicht weiterwill oder ob es eher Unlust ist. Vielleicht kann mal jemand mit Euch mitkommen und ganz behutsam von hinten nachtreiben? Dann jeden Schritt vorwärts dolle loben, damit sie weiß, dass das das Richtige ist.

Herzlich,
Tania

 

Von Verena • 18. Juli 2009

Hallo Tania,

Meine RB läuft im Schritt anständig, und hält auch wenn ich anhalte , nur sobald ich mit ihn laufen möchte, also er traben soll , fängt er an zu überholen , also seine nase ist zu weit vorne.
Was kannst du mir raten?? ich habe das schon oft geübt, mit Gerte/strick wedeln, anhalten-rückwärtsrichten, und in die andere Richtung laufen…

Und: Wenn wir auf dem Platz führen ohne Hilfsmittel üben, bleibt er manchmal nicht sofort stehen , wenn ich stehen bleibe sondern läuft einen Schritt weiter , und dreht sich dann zu mir um (also quasi Vorhandwendung)

liebe Grüße
Verena

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Auch hier finde ich es ziemlich schwierig, wirklich konkret was zu sagen, ohne Euch zusammen zu sehen. Beim Führen können viele verschiedene Aspekte eine Rolle spielen – allem voran die Körpersprache. Manchmal gibt man unbewusst Signale, die entscheidend sind, aber das kann ich so eben nicht einschätzen.

Mein Tipp wäre: Lass mal ein Video von Euch machen und schau es Dir an – oft fällt einem da schon selbst einiges auf.

Von dem was Du beschreibst, stellt ja offenbar vor allem die bremsende Einwirkung ein Problem dar. Ich benutze dafür die Gerte als Begrenzung nach vorn. Im Schritt könntest Du also z.T. mit der Gerte eine deutlichere Schranke nach vorne bilden. Was den Trab angeht: da würde ich erst einmal üben, nur ein, zwei Schritte anzutraben und wieder durchzuparieren. So kann Dein Pferd lernen, besser auf Dich zu achten.

Tania

 

Von Beate • 20. Juli 2009

Zu Susis Anmerkung: Auch unter Pferden gibt es selten die absoluten Leitstuten und die absoluten Sich-Unterordner. Und es gibt Schussel, die eben mal in einen anderen hineinlaufen, weil sie nicht aufpassen.

Als Mensch brauche ich eine Möglichkeit, mich und meine Körpersprache für das Pferd deutlich zu machen. Ich kann nicht die Ohren anlegen und mit einem Schlangenhals drohen. Deshalb ist die Gerte ein Kommunikationsmittel und meiner Meinung nach erheblich präziser zu handhaben als beispielsweise das Hilfsmittel Strick. bei allen wirklich guten Freiheitsdressuren wird mit dem Kommunikationsmittel Gerte / Peitsche gearbeitet.

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Jep, genauso sehe ich das auch 🙂

Tania

 

Von Rebekka • 20. Juli 2009

Hallo Tania, ich habe mit meiner Stute auch lange so gearbeitet, wie Du beschreibst, mit Touchieren oder rückwärts schicken. Allerdings habe ich im Frühjahr bei „Pferdisch“ einen für mich deutlich „schöneren“ Weg kennengelernt: wenn das Pferd überholt, drehe ich eine Volte zu der dem Pferd abgewendeten Seite hin mit Blick auf die Hinterhand des Pferdes, das Pferd läuft die Volte außen mit und ist somit automatisch wieder hinter mir. Das drei- bis viermal gemacht, ist das Überholen auf mega-sanfte Art korrigiert! Ich war selbst überrascht, wie das funktioniert! 🙂
Liebe Grüße
Rebekka

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Jep, das ist auch eine schöne Möglichkeit – nur z.B. an Straßen nicht immer praktikabel. Deshalb setze ich grundsätzlich auf den vorgestellten Weg, baue aber genau so etwas auch ein, wenn es vom Platz her möglich ist.

Tania

 

Von Ulrike • 20. Juli 2009

Wichtige Bemerkungen zum Führen sind das !

Milka: Mein Pferd bleibt auch immer stehen wenn ich es aus dem Stallbereich raus ins Freie führe. Da er sonst beim Spazierengehen selbst am langen Strick und mit Abstand zur Seite (Wegsituation) nicht überholt oder stehen bleibt, habe ich ihn mal beobachtet als die Herde raus auf den Teibweg zur Koppel gelassen wurde.
Auch da blieb er an bestimmten markanten Punkten stehen, kontrollierte das Gelände und lief dann wieder weiter. (Er ist Herdenführer).

Für mich habe ich daraus die Konsequenz gezogen, daß er z.B. bei besonderen Umständen (srürmisches Wetter,Handwerker am Hof etc.) kurz schauen darf , dann aber auf mein Kommando mitlaufen muß. Bei ganz normalen Umständen strebe ich an ohne Stehenbleiben auszukommen. Ich muß ihn aber oft mit dem Arm oder der Gerte zum Weitergehen annimieren.

Sobald wir den Dunstkreis des Stalles verlassen haben, ist seine Aufmerksamkeit voll bei mir und das Stehenbleiben ist weg.

Tanja: Viel Führübungen und Bodenarbeit ist auch eine ganz gute Voraussetzung um mal längere Verletzungspausen gut zu überstehen, Mein Pferd mußte ein halbes Jahr nur Schritt geführt werden, beginnend mit 5 Minuten und wöchentlich 5 Minuten mehr. Ich glaube ohne die entsprechende Führ-vorbereitung wären wir beide verrückt geworden.

Liebe Grüsse
Ulrike

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Oh, das kann ich mir gut vorstellen! Na, das war dann aber auch wirklich eine intensive Extra-Portion Führtraining.

Herzlich,
Tania

 

Von Maja2009 • 20. Juli 2009

Finde auch, man macht sich viel zu wenig gedanken, über das Führen seines Pferds. Ich habe ein Stute, die gerne weit hinter mir herläuft und dann dösend hinter mir herschlappt. Ein „Pferdeguru“ bewertete mal diese Situation als gewollt. Nach seiner Ansicht führt so eine Leitstute ihr Herde. Die Herde kann sich auf sie verlassen und wiegt sich in Sicherheit. Deshalb würde meien Stute auch hinter mir dösen.

Ich sehe das anderster und führe mein Pferd auch so, ein Stick in meiner Hand mit Schlag wedelt wie ein Schweif hinter meinem Rücken, wenn ich aus dem Augenwinkel sehe das meine Stute zurück fällt. Der wedelnde Schlag signalisiert ihr, sie soll auf meine Höhe kommen. Anstelle des Sticks wird auch das Ende meines langen Robes verwendet, gleicher Effekt.

Dabei muss man das Pferd noch nicht mal berühren, also für mich hat das auch weder was mit Freiheitsdressur noch mit „Gewalt“ zu tun.

Liebe Grüße

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Jep, das mit dem weit-zurückfallen-lassen ist so eine Sache – genau da beginnt dann unter Umständen auch das Treiben. Die richtige Position dauerhaft zu erreichen, ist manchmal gar nicht so einfach…

Tania

 

Von Sonja • 20. Juli 2009

Wie passend das Thema! Gerade gestern hatte ich einen etwas aufregenden Spaziergang. Der Wind war zu arg, der Stallkollege, der uns im Wald entgegenkam und in die andere Richtung (gen Stall zurück) davon ritt, die Pferde, die uns von der Koppel noch hinterher wieherten und überhaupt – ich hatte mir vorgenommen, wieder einmal pro Woche alleine spazieren zu gehen und habs die letzten zwei, drei Wochen doch nicht gemacht. *seufz*

@ Meike: Mein Pferd mag auch nicht gerne vom Stall weg und bleibt auf der ersten Strecke schon ein-, zweimal stehen. Ich dreh mich dann ein bisschen nach außen um (also vom Pferd weg) und treibe sie mit der Gerte etwas an. Meistens läuft sie dann gleich wieder los und wird dafür natürlich heftigst gelobt. 🙂

@ Rebekka: Die Volte ist sicherlich ein guter Vorschlag, aber ich hatte gestern z.B. das Problem, dass mein Pferd an mir vorbeiflitzte, sich vor mich querstellte bzw. auch schon gleich komplett umdrehte, um wieder den Heimweg antreten zu können. Da hätte ich dann die Volte nicht auch noch gerne in die Richtung gemacht, die mein Pferd eh schon von sich aus eingeschlagen hatte. (Gut, ich hätte halt schneller reagieren müssen, vielleicht wäre es dann gar nicht so weit gekommen. Fakt ist, ich war es nicht. Schnell genug.)

Ansonsten mache ich es eigentlich wie Tania: bremse sie mit der Gerte vor der Brust, sag „laaaaangsam“ oder lass sie anhalten und etwas zurückgehen. Normalerweise reicht das, gestern waren aber anscheinend doch zu viele gruselige Windgeister unterwegs.

Das mit dem einfach mal stehenbleiben mache ich auch hin und wieder, gerade wenn ich merke, dass die Aufmerksamkeit grad nicht so wahnsinnig bei mir ist. 😉

Ach ja – ein sehr wichtiges Thema und hiermit gelobe ich offiziell, wieder regelmäßig spazieren zu gehen. 😉 Wir üben weiter… 🙂

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Priiiima!!! 😀

Tania

 

Von Luisa • 21. Juli 2009

Hallo,
gerne möchte ich auch meine „Senf“ dazu tragen und zwar zum Thema Gerte.
Ich denke auch, dass Pferden ebwusst ist, dass wir Menschen nunmal keine Pferde sind. Ich denke auch, dass es von daher vollkommen in Ordnung ist, eine Gerte zu benutzen. Als Hilfe um dem Pferd den richtigen Weg zu zeigen. Diese Hilfe benötigen wir (manche von uns) eben weil wir keine Pferde sind und ihre natürlich Körpersprache niemals 100%ig nachahmen können.
Die Gerte hat aber auch keinenfalls, so meine Meinung, etwas mit Zwang zu tun. Das Pferd könnte sie trotz Gerte gegen uns „auflehnen“. Es wird mit der Gerte zurechtr gewiesen, und quasi an seinen Platz gestellt. So wie Pferde es unter sich mit Körpersprache und Gesten machen. Nur wenn ein Pferd seinen Menschen respektiert, wird es dieses „Zurechtweisen“ von der Gerte auch akzeptieren. Ansonsten würde ihn dieser kleine Stock nicht stören, und es könnte den Menschen trotzdem überholen/ anknabbern etc. Somit sehe ich in der Gerte keinen Zwang. Obwohl es natürlich sehr toll ist, wenn man mit seinem Pferd ganz ohne Hilfe, frei kommunizieren kann! =)

Susi schrieb:
„Für meine Pferde möchte ich immer die Leitstute sein. Was anderes kommt nicht in Frage. Sobald ich auf der Koppel bin, bin ich der Boss und kein anderer.
So sollte es sein, oder?“

Ich finde, das Wort Boss in diesem Zusammenhang irgenwie unpassend. Ich denke viel mehr, dass wir dem Pferd gegenüber als Partner udn Freund auftauchen sollten. Natürlich muss das Pferd uns respektieren aber e4s muss auch Vertrauen zu uns haben.
Du (Susi) schreibst, dass du die Gerte als Zwang ansiehst. Gut, aber dann solltest du generell ein freundhscaftliches Verhältnis mit den Pferden anstreben und sie dir nicht unterordnen.
Wobei bei mir eben ein freundschaftliches Verhältnis tortzdem gewisse Regeln hat (kein Anrempel etc.).

So, das war nun meine Meinung =). Wenn ihr eine andere habt, ist das selbstverständlich auch okay.
Lieber Gruß,
Luisa

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Herzlich Dank für Deine Zeilen, Luisa! Ich kann da voll unterschreiben 😀

Tania

 

Von Kelly • 31. Juli 2009

Liebe Tania,

danke dass Du dieses sehr wichtige (und leider oft vernachlässigte) Thema so ausführlich ansprichst. 🙂

Herzliche Grüße. Kelly

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Danke, Kelly! Die vielen Beiträge zeigen ja auch, dass das Thema bewegt.

Tania

 

Von Kelly • 31. Juli 2009

Falls es erlaubt ist, möchte ich an dieser Stelle auch Luisa ein großes Lob und ein Dankeschön für ihre wahren Worte aussprechen :-).

Liebe Grüße. Kelly

 

Von Britta • 3. August 2009

@Susi,

hab da mal ne Frage, wie hast Du Deinem Pferd denn klargemacht, dass Du der Boss bist?

Im Round-Pen? Und hattest Du da nicht auch irgendwelche Hilfsmittel (Wurfseil etc?), zumindest am Anfang wird es ja benutzt, später sollte es nur noch zur Zierde da sein, wobei meiner Meinung nach jedes Pferd immer mal wieder austestet, ob die Rangordnung so noch ok ist. Wie sagst Du ihm denn dann, das sich nichts geändert hat, wenn Du gerade den Roundpen nicht zur Verfügung hast?

fragende Grüße
Britta

 

Von **leo** • 21. August 2009

Liebe Tania,

super, dass du dieses Thema aufgreifst. Allerdings würde mich interessieren, was du machen würdest, wenn das Pferd stehen bleibt oder sich richtig ziehen lässt?

Liebe Grüße,
Katharina

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Auf ein Ziehen lasse ich mich nicht ein – ich treibe dann touchierend mit der Gerte und lasse sofort nach, wenn Pferdi läuft. Beim Stehenbleiben überprüfe ich, ob es einen Grund dafür gibt, ansonsten treibe ich auch da nach.

Tania

 

Von Silke • 23. September 2009

Hallo Tania, wie bereits im Blog „Neues neugierig erkunden oder: Wie Pferde selbstbewusster werden“ gesagt, muss ich noch ein Punkt hinzufügen, der in diesen Blog passt – mein Pferd bleibt auch gerne einfach auf der Weide stehen! Wenn ich konsequenter werde und mit Gerte nachtreibe, dreht er sich, wie vorstehend beschrieben, einfach um und geht weg. In der Halle und auf dem Platz ist Führen kein Problem. Er steht wenn ich stehe und geht, wenn ich gehe und trabt wenn ich „trabe“… *grübel* Vielleicht hast du einen Tipp, wie ich ihn „überliste“ bevor er sich umdreht? Liebe Grüße Silke

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Ich würde nicht mit „überlisten“ arbeiten, sondern mit überzeugen. Frag Dich mal selbstkritisch, warum Dein Pferd nicht mitkommen mag, vielleicht findest du da Ansätze?

Herzlich,
Tania

 

Von prue • 2. März 2010

Hallo,

der Artikel hat mir gut gefallen. Allerdings ist in meinen Augen dein Hafi grundsätzlich schon ein mal sehr brav, auch wenn er dich mal austestet. Wenn mein Pferd gut drauf ist, oder es Richtung Koppel geht, startet er durch und ist weg. Halten ist unmöglich. Er hat diese Eigenart mitgebracht und ich hab noch keine rechte Vorstellung wie ich ihm das abgewöhnen könnte… Das einzige was mir einfällt, ist kontinuirlich Vertrauen aufbauen (Longen, Bodenarbeit, beim Reiten), dass er mich als Chef quasi im Nebeneffekt aktzeptieren lernt und dann vielleicht mit Hilfe von Leckerli beim Führen die Sache angehen oder so, wie gesagt, der Plan ist noch ausgereift. Vielleicht hast du ja einen Tipp? LG prue

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Mein Kleiner war zu Beginn auch nicht „brav“ – im Gegenteil, genau das Losreißen hatte er auch mitgebracht. Ich habe das durch sehr geduldiges Führtraining in den Griff bekommen, so dass er heute tatsächlich auch „brav“ ist 😀 Für mich ist das wirklich eine Frage der Grundlagen- und Vertrauensarbeit.
Tania

 

Von Claudia • 9. April 2010

Hallo!
Ist es schlecht wenn ich meinem Pflegepferd beim Spazierengehen „erlaube“ anzuhalten? Wenn wir von Stall weggehen ist es auch so dass sie oft nicht weiterwill – dann lasse ich sie erst stehen und in der Gegend rumschauen aber danach soll sie weiter, wenn ich weiter will, was dann auch ohne ziehen oder Gerte klappt. Ich habe das Gefühl, dass sie so mehr Spaß am Spazierengehen hat als wenn ich sie gleich weitertreibe – so bleibt sie auch weniger oft stehen und ist leichter vom Fleck zu bekommen. Ich glaube dadurch, dass es nicht immer nur nach mir,mir,mir geht und sie auch ein Mitspracherecht hat gefällt ihr das Spazierengehen besser.
Oder zeige ich ihr dadurch, dass ich ihr das Anhalten „durchgehen“ lasse, dass sie der Chef ist? Soll ich es lassen?
Was Sachen wie Anhalten wenn ich es will oder Tempo angeht bin ich konsequent, da muss sie auf mich hören und daran arbeiten wir – ich hab sie erst seit vllt. einem Monat als Pflegepferd (und mit entsprechenden kleineren oder größeren Problemen zu kämpfen 😛 – es ist immer noch so, dass sie manchmal denkt sie muss die Führung übernehmen, hat sich aber schon gebessert).

lg, Claudia

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Für mich gibt es auf solche Fragen keine einfache Antwort – ich würde sagen: es kommt immer drauf an. So wie Du es beschreibst, klingt es für mich vollkommen ok; ist doch schön, wenn Ihr so eine tolle Beziehung habt!
Tania

 

Von Lea • 13. April 2010

Interessante Diskussion. Was ich noch anmerken möchte, ich finde es noch wichtig, dass man die Führübungen auf beide Seiten macht (à la Geitner). Wie ich den Bildern entnehme machst du das Tanja. Oft ist nämlich eine Seite viel schwieriger. Zudem habe ich bei meinen „Führübungen“ gemerkt, dass man mit Baumstämmen, Wassertümpeln und anderen „Naturhindernissen“ neue Ideen einbringen kann, bei denen oft die Führposition plötzlich auch nicht mehr so klar ist. Ich mach das oft als Überprüfung.
Mein Isi stellt die Führposition immer mal wieder leicht in Frage (so leicht aufmüpfig verhält er sich auch in der Herde). Das Führen in der Position, wie du es machst, funktionniert gut. Jedoch war ich letztes Jahr in den Bergen und da müssen die Pferde halt meist auf dem schmalen Weg genau hinter der Führperson gehen. Genau da das finde ich sehr schwierig, ich habe ihn nicht im Augenwinkel. Wenns im zu langweilig wird, probiert er immer mal wieder auszuweichen, zu fressen, ev auch mal leicht zu treiben. Hat jemand einen Tip, wie ich ihn da besser unter Kontrolle habe? Wie gesagt habe ich ihn einfach nicht im Blickwinkel und merke seine „Schabernackideen“ erst, wenn er sie bereits ausführt.

LGr Lea

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Danke, Lea, für die Ergänzung mit den beiden Seiten – das finde ich auch sehr wichtig!

Zu Deiner Frage: das ist ja wirklich eine sehr spezielle Situation. Knifflig. Vielleicht mit einer zweiten Person arbeiten?

Herzlich,
Tania

 

Von Anja • 4. Juli 2010

Hallo,
wenn ich die Gerte oder das Strickende benutzen will, wenn mein Pferd einfach stehenbleibt, geht es rückwärts und von mir weg. Ich probiere sonst alles Mögliche aus. Einfach Weitergehen, aufmunternd Zureden, leichtem Zuppeln am Strick oder richtigem Ziehen und Lockerlassen. Das geht mir mit einigen Pferden auf unserem Hof so. Und immer, wenn sie zum Reiten von der Koppel oder daran vorbei geführt werden sollen. Was kann ich tun, bin dann immer recht hilflos. Mit Leckerlis lassen sie sich auch nicht wirklich austricksen. Kann man da mit einer bestimmten Körperhaltung/-sprache etwas ausrichten?
Viele Grüße, Anja

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Ja, auf jeden Fall, aber ich fürchte, da kann ich aus der Entfernung wenig konkreten Rat geben – manchmal sind es Kleinigkeiten, die entscheidend sind und ich müsste sehen, wie Du genau führst. Ein häufiger Fehler ist, dass man sich beim Führen zum Pferd umdreht, statt selbst nach vorne zu schauen und sich in die Bewegungsrichtung auszurichten. Wenn Du die Gerte in der vom Pferd abgewandten Hand hast, kannst Du da doch hinten leicht antippen, ohne dich selbst zum Pferd zu wenden.

Tania

 

Von Sandra • 20. September 2010

Hallo, also mir geht es im Moment ähnlich wie anderen hier, wie ich gelesen habe.

Mein Pferd (5 Jahre) weigert sich den Gang von der Koppel mit mir zu machen. Ist wirklich anstrengend, voer allem wenn man Reitsunde hat, die RL nicht warten lassen möchte und Pferdchen sich keinen Millimeter bewegen läßt.

Weiß im Moment überhaupt nicht was ich machen soll.

Denke aber bei ihm ist es eine Sache des „Ausprobierens“ denn er ist manchmal ganz schön respektlos.

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Als erstes würde ich ein bisschen früher losfahren, dann bist Du nicht unter Zeitdruck. Pferde haben ein feines Gespür für so etwas. Wenn Du mehr Zeit bringst, so eine Sache auch ggf. mal „auszusitzen“, dürfte das Spiel sicher schon weniger interessant sein 😀

Zum anderen würde ich gezielt daran arbeiten, dass mein Pferd sich freut mich zu sehen und mit mir zu kommen – also es z.B. auch öfter mal nur zum Füttern holen, zum Verwöhnen und nicht nur zum Arbeiten.
Tania

 

Von Nina • 27. Dezember 2011

Hallo,
ich finde deine Führposition so sehr gut.
Allerdings führe ich in der Position auf Kopfhöhe des Pferdes, also ganz minimal weiter hinten.
(in der Reitschule habe ich noch gelernt auf Schulterhöhe des Pferdes zu laufen, was ich allerdings als suboptimal eingestuft habe)

Ich hatte einige Jahre lang eine anfangs sehr rüpelhafte RB. Mir wurde geraten gar nicht spazieren zu gehen, gar keine Bodenarbeit zu machen, etc. Allerdings wurde mir erlaubt, alles auszuprobieren.

Ich habe es dann einfach probiert.
Immer wenn er überholen wollte, stehen bleiben, zurück an die Position schicken, weiterschreiten.
Habe insbesondere darauf geachtet, dass der Kopf nicht zu hoch kommt, sondern immer auf etwa auf meiner Hüfthöhe liegt (also eigentlich sehr tief), aber dadurch wirkte er auf mich komischerweise deutlich ruhiger.

War er brav und ruhig, habe ich hin und wieder belohnend sein Ohr gekrault, oder mit seinen Lippen gescherzt (mochte er beides sehr gern) / Beides ohne stehen zu bleiben /. Die Überholmanöver haben sich dann sehr schnell erledigt. Kam er ja nicht weit mit…

Nach einigen Monaten konnte ich ihn sogar angenehm im Trab mit zum joggen nehmen, ohne dass er Anstalten gemacht hat.

Denke das ganze ist einfach eine Übungssache, das Pferd lernt halt, wie er sich verhalten muss um möglichst schnell vorwärts zu kommen…

Grüße Nina

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Hallo Nina,

super, dass Du das angegangen ist! Wenn man es vermeidet, kann das Pferd ja nichts lernen. Da ist es viel besser, das genauso geduldig zu erarbeiten, wie Du es gemacht hast!
Tania

 

Von Katja1 • 11. März 2012

Hallo Tania!
Ja das stimmt, der Atikel trifft es ganz genau 🙂
Ich habe mal ein Frage und zwar woher hast du diesen super Kappzaum?
Ich kenne nur diese dicken, unhandlichen Dinger.. Ist das eine Serreta?

LG

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Hallo Katja,

danke für Deinen Kommentar. Bei dem Kappzaum handelt es sich nicht um eine Serreta, sondern um einen schlichten Lederkappzaum. Es ist das Modell „Viena“ von El Caballo.

Tania

 

Von Tanja • 10. Juli 2012

Seit wir Führtraining gemacht haben (und natürlich immer mal wieder machen) gehe ich super gerne mit meinem Pferd spazieren. Vorher war es mehr Stress als Entspannung, jetzt ist es umgekehrt 🙂

 

Von Katniss • 30. Juli 2012

Hallo Tanja,

unser neues Pferdchen ist auf dem linken Auge blind. Würdest du es trotzdem auf der linken Seite laufen lassen oder lieber rechts?

LG Katniss

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Hallo Katniss,

ich würde beides üben, aber ruhig mehr rechts führen, wenn das besser geht.

Herzlich,
Tania

 

Von Shetty • 11. August 2012

Hallo,
mein problem ist mein Norwegerchen ( rang Hoch )
lässt sich förmlich hinter her schleifen, er lässt sich ziehen wie ein Esel, klar weiß ich das er das macht um zu Zeigen das er mich treibt, doch ich schaffe es oft nicht ihn neben mir laufen zu lassen, wenn ich von hinten mit der Gerte treibe dreht er sich um und steht endweder mit dem Kopf zu mir oder mit dem Po und dann tritt er aus. Habe nur mit ihm diese probleme bei allen anderen klappt es, was kann ich tun ??? selbst die meisten Trainer sind daran verzweifelt.
Lg

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Hallo,

ich fürchte, da kommen wir an die Grenzen dessen, was in so einem Blog möglich ist. Um da Rat geben zu können, müsste ich Euch vor Ort sehen. Gerade beim Führen spielen die eigene Körpersprache, Ausstrahlung, Energie und vieles andere mehr eine große Rolle. Wenn ich Dir da jetzt etwas schreibe, ist das nur Stochern im Dunkeln.

Aber als Anregung vielleicht: Hast Du mal über das Clickertraining nachgedacht? Das ist ein schöner Weg, Pferde für eine motivierte Mitarbeit zu gewinnen – und mit einem motivierten Pferd, ist das Führen meist kein Problem mehr.

Herzlich,
Tania

 

Von Marry • 30. Oktober 2012

Hallo Tania,

bin durch zufall auf deinen Block gestoßen und finde ihn ganz toll, zudem passt er wie die Faußt aufs Auge zu meiner Situation. Hab seit 3 Monaten eine 1 1/2 Järige Shire Stute, die mich überhaupt nicht ernst nimmt, sie überholt mich sehr oft, lässt sich nicht bremsen (auch nicht durch Gerte vor die Brust) und wird immer sehr nervös sobald wir bisschen weiter von der Herde weg kommen. Leider ist sie mir schon 5x beim führen duchgegangen, da ich sie nicht halten konnte, sie ist dann immer zur Weide zurück gelaufen.
Nun hab ich das Gefühl, dass sie sich das angewohnt hat und immer abhauen will wenn ihr was nicht. Sie rempelt mich, bleibt nicht stehen, überholt mich und wenn es ihr zu doof wird geht sie durch. Leider steht mir keine Halle oder Round Pen zur Verfügung in dem ich Üben könnte und Erfahrung mit Horsemanship oder der gleichen hat auch keiner am Stall. Ich weiß im Blog ist es schwierig zu Urteilen, aber hast du dennoch ein paar Tips für mich ?
Viele Grüße Maria

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Hallo Maria,

ganz ehrlich? Ich finde das alles, was Du beschreibst, sehr unglücklich. Ein so junges Pferd sollte idealerweise noch vollkommen frei in einer altersgemischten Herde aufwachsen können und nur Pferd sein dürfen. Das ist ja noch ein Baby! Und natürlich ist das Tier unsicher, wenn Du es von der Herde wegführen willst. Du verlangst da viel zu viel von dem jungen Tier. Lass ihr noch Zeit und beginne Deine ersten Führversuche dann am besten in Gesellschaft eines ruhigen, älteren Tieres.

Alles Gute,
Tania

 

Von Marry • 31. Oktober 2012

Hallo Tania,

danke für die ehrliche Meinung.
Wann meinst du, dass ich denn mit dem „Führtrainig“ beginnen sollte, wenn ich sie jetzt noch damit überfordere? Sie lebt in einem Offenstall in einer gemischten Herde und kann die ganze Woche tun und lassen was sie will, ich komm so ca. 2-4 mal die Woche und putze sie und versuch eben ein kleines Stück spazieren zu gehen und eben da passieren dann die Sachen wie geschildert. Viele sagen, wenn ich das jetzt nicht in den Griff bekomm, wird es immer schlimmer, denn sie wird ja auch noch größer und schwerer. Du meinst aber ich solle sie erstmal stehen lassen, oder? Ich freu mich auf alle Ratschläge.
Danke! Viele Grüße Maria

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Hallo Maria,

es ist immer schwer, aus der Distanz heraus Tipps zu geben, da ich weder Dich noch das Pferd kenne, noch über die Umstände weiß. Aber „Arbeiten“ mit einem so jungen Pferd, das würde ich persönlich vermeiden. Es heißt oft, dass schon Fohlen die Grundlagen lernen müssen, dem will ich nicht grundsätzlich widersprechen. Wenn man sich dazu entscheidet, würde ich einen Weg wählen, der auf Spiel und Freude setzt. Schau doch mal, ob das Clickertraining nicht etwas für Euch ist.

Alles Gute,
Tania

 

Von Mirja • 2. Februar 2013

Hallo Tanja,

finde es toll hier immer so gute Tipps zu bekommen, bin öfters mal frustriert wenn sich alles so langsam zu entwickeln scheint, aber vielleicht muß ich mir und meinen jungen bald 7 j. Pferd noch mehr Zeit geben.
Wenn er gut drauf ist und es weg geht vom Hof ist er eher langsam bzw. zögerlich, läuft aber in guter Führposition, gehts dann etwas weiter weg bzw. wieder zurück Richtung Hof kanns ihm oftmals nicht schnell genug gehen, bzw. auch bei Situationen die ihn verunsichern. Ich habe dann das Gefühl das er gar nicht bei mir ist, nur in der Gegend rum schaut. Vor ihm zu gehen getraue ich mir in diesen Situationen nicht zu da ich Angst habe er überrennt mich einfach, oder rempelt mich heftig an. Ich versuche immer wieder auf mich aufmerksam zu machen das ich noch da bin indem ich KOmmandos geben wie steh und zurück. Meist hört er auch darauf, wenn auch nich immer sofort- aber gehts weiter dann gehts wieder von vorne los. Immerhin hab ich es letztens dann doch wieder geschafft das er auf den Heimweg dann doch noch ruhiger wurde, den Kopf entspannt hängen ließ, neben mir lief und auf Kommando langsam und steh super reagierte. Und immerhin, er hat sich beim führen noch nie losgerissen oder mich meterweit weggezerrt, is doch schonmal was.
Ich dühre ihn seit einer Weile mit dem Geitner Halfter, den Strick in den jeweiligen Loch auf dem ich gehe. Trense wollte ich dazu nicht mehr verwenden um sein Maul nicht zu beanspruchen.
Was hältst du von dme Halfter? Ich merke auf jeden Fall eine viel bessere Wirkung als mit normalen Halfter, damit würde ich nie rausgehen.
Und eine Frage noch zum Kappzaum. Habe mit jetzt in Verbindung mit eurem Longenkurs, den ich ausprobieren möchte, den Kappzaum von Loesdau „Profi“ geholt. Is der auch geeignet zum sparzieren gehen? Wäre ja sicher ne gute Sache damit er sich da besser dran gewöhnt, oder???
In welchen Ring hake ich denn da am besten den Führstrick ein? Auch in der Mitte oder auf der Seite wo ich führe???
Würde mich sehr über eine Antwort freuen da ich echt total viel von euch halte und mir wünschen würde Trainer wie du und Babette zu haben :-).
Die Sache mit der Gerte is ne tolle Idee, ich ließ sie komnsequent weg beim sparzieren gehen weil ich dachte das muß so ohne Gerte alles gehen, aber ich denke mal da habe ich wohl zu hochgegriffen, und ich möchte daran arbeiten diese gezielt als Kommunikationsmittel einzusetzen, im Sinne des Longenkurses, eben auf sanfte Art.

Danke schonmal !

Liebe GRüße,
Mirja und Doriath

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Hallo Mirja,

schön, dass Du Dir so viele Gedanken machst! Aus der Entfernung ist es mit Tipps immer nicht so leicht, aber vielleicht versuchst Du es mal mit kleineren Spaziergängen. Ich habe immer wieder gute Erfahrungen gemacht, die Anforderungen erstmal ganz stark zu reduzieren, um möglichst viele gute Momente zu sammeln.

Das Geitner-Halfter kenne ich nicht. Du kannst den Kappzaum durchaus auch zum Spazierengehen nutzen, ich würde ihn dann aber nicht ganz so fest verschnallen, wie es zum Longieren meist nötig ist.

Ansonsten: Hab Geduld, das wird alles,
Tania

 

Von Mirja • 4. Februar 2013

danke Tanja für die Antwort.
Ja, du hast recht, ich gehe kleine Runden, bzw. auch mal nur die Straße vor und zurück. Zudem sind wir vor 10 Wochen erst umgezogen, also völlig neue Gegend, im „alten“ Gelände konnte ich sogar einen langen Ausritt alleine mit ihm in allen Gangarten machen- aber selbst da hatte er natürlich bessere und schlechtere Tage- also muß ich mir das alles eben wieder von vorne erarbeiten.
Ich habe da ihn aber wohl auch einfach mal überfordert indem ich in unbekannter Gegend eine zu große Runde verlangte.
Werde dann mal den Kappzaum zum sparzieren gehen verwenden, und danke für den Tipp das man ihn dann etwas lockerer schnallt!

Ja, und an meiner Geduld arbeite ich 🙂

LG,MIrja

 

Von Moni • 5. Februar 2014

Hallo Tanja,
ich weiß, der Blog ist schon älter, aber vielleicht liest Du das hier noch: Ich mache mir schon länger übers Führen Gedanken, da meine 8-jährige Stute ein eher unsicherer Typ ist. Ich probiere derzeit verschiedene Führvarianten aus, auch situationsabhängig. Jetzt ist es so, dass meine Stute, wenn sie mit dem Kopf neben meiner Schulter läuft sie bemerkt irgendetwas, das sie verunsichert, anfängt, mich mit der Nase an der Schulter oder dem Oberarm anzustupsen. Was will sie mir bloß damit sagen? Will sie mich in Sicherheit bringen?? oder ist das respektlos? Ich weise sie bisher freundlich ab und versuche einfach weiterzugehen. In der Folge verkriecht sie sich dann aber meist hinter meinem Rücken. Ich bin mir also nicht sicher, was die richtige „Antwort“ auf diese Stupserei ist. Ich muss dazu sagen, dass sie im Umgang außerordentlich rücksichtsvoll gegenüber dem Menschen ist, sie hat mir noch nie den Strick aus der Hand gezogen, mich über den Haufen gerannt oder dergleichen. Wenn sie allerdings neben sich etwas angstauslösendes bemerkt, drängt sie mich mit der Schulter schon mal auf die Seite, weil sie eben Sicherheitsabstand zwischen sich und das Objekt bringen möchte. Wie soll ich also mit dem Stupsen (ist wirklich ganz vorsichtig, kein Rempeln oder Schubsen!) umgehen??
Liebe Grüße und danke für die tolle Seite!
Moni

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Hallo Moni,

aus der Entfernung ist es fast unmöglich, ein Verhalten wirklich zu beurteilen. Aber nach allem, was Du über das Pferd schreibst, sehe ich in dem Stupsen keine Respektlosigkeit, sondern vielmehr eine Frage: „Beschützt Du mich?“ Und auf die würde ich liebevoll mit „Ja, ich pass auf.“ antworten.

Alles Gute,
Tania

 

Von Moni • 8. Februar 2014

Hallo Tania,
danke für die schnelle Beantwortung.
Viele Grüße
Moni

 

Von Jana • 11. Juni 2014

Hallo Tania,
ich weiß, dass es schwierig ist, ein Verhalten zu beurteilen, ohne es vor Ort zu sehen, aber vielleicht kannst Du uns trotzdem einen Rat geben!

Meine Tochter und ich sind seit zwei Jahren Besitzerinnen eines jetzt dreijährigen Wallachs. Seit wir vor ca. 1 1/2 Jahren Eure Seite entdeckt haben, sind wir begeisterte „Clickerinnen“. Restlos überzeugt von der positiven Verstärkung, hat unser Kleiner vom Hufe geben übers Stillstehen bis zur Vorhandwendung schon soviel gelernt.

Leider haben wir seit ca. 2 Monaten ein großes Führproblem. Es hat damit angefangen, dass unser Pony, wenn wir es von der Winterkoppel bspw. zur Bodenarbeit auf den Reitplatz gebracht haben, nicht mehr zurück zu seinen Kumpels auf die Koppel wollte. Er blieb einfach wie angewurzelt stehen. Nun haben wir anfangs versucht, ihn seitwärts antreten zu lassen oder ihn mit der Gerte an der Kruppe anzutippen. Auch die freundliche Aufforderung zum Rückwärtsrichten und der Versuch, ihn daraus wieder antreten zu lassen, brachte keinen Erfolg, ebenso wenig konnte eine zweite Person von hinten etwas ausrichten. Irgendwann haben wir nur noch mit durchhängendem Strick dagestanden und gewartet, bis es ihm zu langweilig wurde und er von sich aus wieder vorwärts ging, was durchaus sein Zeit dauern konnte. Dieses Vorwärtsgehen haben wir durch clickern belohnt. Zwischenzeitlich wurde es etwas besser, als wir auf die Idee gekommen sind, ihn mit dem Target, auf das er konditioniert ist, zu bewegen. Mittlerweile klappt auch das immer schlechter.

Unser Pferd steht zwischenzeitlich auf der Sommerkoppel. Es gibt (seltene) Tage, da geht er ohne Probleme mit, wenn wir ihn von dort holen (in der korrekten Führposition, wie von Dir beschrieben) aber vermehrt bleibt er an einer bestimmten Stelle stehen (kurz vor einer Biegung auf einen schmaleren Weg, an dem sich rechts die Stallmauer und links der Reitplatz befindet) und dann steht er.

Da es mehrere Wege in Stall gibt, haben wir probiert, ob er sich dort vielleicht besser entlang führen lässt – leider ohne Erfolg. Wenn wir allerdings mit ihm auf dem Reitplatz oder seinem Paddock üben, klappt das Führen sehr gut!

Sehr frustrierend ist auch, dass Stallkollegen („die ja schon immer wussten, dass das mit den Leckerlies völlig falsch ist“) sich jetzt darin bestätigt sehen. Das Verhalten unseres Pferdes könne nur von dieser „Bestechung“ kommen und unser Pferd würde uns nicht als „Chef“ ansehen. Das setzt uns unterbewusst sicher auch unter Druck und wir sind bestimmt auch mehr oder weniger angespannt, wenn wir ihn von der Koppel holen.

Hast Du vielleicht irgendeine Idee, wie wir das Problem gelöst bekommen?

Liebe Grüße
Jana

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Hallo Jana,

als allererstes würde ich einen Sch…. darauf geben, was andere sagen. Es ist immer wieder traurig, dass solche Reaktionen kommen, wenn jemand Schwierigkeiten hat, aber so ist das. Lasst Euch davon nicht beirren.

Mir kommen zwei Sachen in den Sinn:

Einmal die Frage, warum das Pferd nicht zurück zu seinen Kumpels wollte. Was ist da in der Herde, warum er nicht zurück wollte?

Und dann ist Euer Pferd noch sehr, sehr jung und kommt jetzt mitten ins Flegelalter. Es ist sehr typisch, dass in diesem Alter vieles nicht klappt, was vorher funktionierte. Auch bei Anthony gab es Phasen, wo das Führen alles andere als einfach war. Vielleicht habt Ihr die Möglichkeit, ein ruhiges Pferd mitzunehmen? Ich würde wahrscheinlich auf Spaziergänge erstmal verzichten und die notwendigen Wege weiter so erarbeiten, wie Ihr es tut. Vieles, was plötzlich nicht geht, geht genauso plötzlich wieder.

Euch alles Gute,
Tania

 

Von Jana • 17. Juni 2014

Liebe Tania,
vielen lieben Dank für Deine Rückmeldung und vor allem dafür, dass Du uns den Rücken gestärkt und uns darin bestätigt hast, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Du hast recht, man sollte auf das Gerede der anderen nichts geben! Es ist wirklich schade aber anscheinend heute zur Normalität geworden, dass vor allem hinter vorgehaltener Hand über denjenigen geredet wird, der einen anderen Weg beschreitet, als die Allgemeinheit. Da muss man schon eine gute Portion Selbstbewustsein haben.

Seit unserem „Hilferuf“ an Dich ist unser Führproblem übrigens nicht mehr aufgetreten :). Wir haben – glaube ich – einfach auf unser Pferd geschaut und uns seinem Rhythmus angepasst. Uns ist aufgefallen, dass er viel besser geht, wenn er als einer der letzten Pferde im Stall ist. Seitdem wir unsere Bodenarbeitszeit um eine Stunde nach hinten verlegt haben, geht er den Weg Koppel-Reitplatz-Stall ohne Probleme.

Vielleicht liegt es aber auch an unserem Anti-Schreck-Training und der extra Portion Vertrauen, die er durch das „Planen-Training“ zu uns aufbaut.

Oder es ist einfach nur, wie Du sagst: im Flegelalter ist vieles, was plötzlich nicht geht, genauso plötzlich wieder da!

Alles Liebe
Jana

P.S. Auf Deinen Anthony kannst Du wirklich stolz sein. Und ja – wir mögen die Geschichten von ihm in jedem Fall noch lesen!!

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Ach schön,

das freut mich sehr, so Gutes von Euch zu lesen!

Macht einfach weiter so,
Tania

 

Von Melli • 12. Juli 2014

Hallo Tania,

Danke, dass du solche Themen ansprichst und sie mit der restlichen Reiterwelt teilst!
Ich komme gerade total verzweifelt und sauer aus dem Reitstall genau aus dem Grund, den du oben beschrieben hast. Meine RB hatte kissing spines und kann seit seiner OP nur geführt und longiert werden. Aber das ist leichter gesagt als getan! Beim Schritt führen in der Halle lässt er sich immer ziehen, bleibt einfach stehen und geht keinen Schritt weiter. Er läuft hinter mich , zwickt mich, auf gebogenen Linien läuft er seitwärts von mir weg, überholt mich und bleibt nicht stehen wenn ich es will. Nun wollte ich heute mitt ihm einen entspannten 5 -Minuten Spaziergang machen weil ich wusste, mehr geht eh nicht. Also Trense drauf und Richtung Hoftor. Schon auf Halben Weg hat er angefangen zu tribbeln und zu scheuen bis er schließlich nur noch wild an der Hand rumgesprungen ist. Ich hab ihn dann mehrmals rûckwärts gerichtet, auch mit angelegter Gerte vor der Brust aber irgendwann wurde es mir zu gefährlich und ich bin frustriert zurück zum Anbindeplatz.
Ich werde deine Methode das nächste Mal ausprobieren denn laut Besitzerin läuft er ja ganz brav , aber nur bei ihr. Ich hoffe es hilft, denn auf seinen Fehlenden Respekt hab ich keine Lust mehr … Also danke nochmal für den tollen Beitrag!!

Liebste Grüße , Melli

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Hallo Melli,

für mich klingt das nicht nach „fehlendem Respekt“, sondern danach, dass das Pferd mit dem Spaziergang überfordert ist. Es scheint Dir noch nicht so zu vertrauen, dass es Dir nach draußen folgen mag. Meine Empfehlung wäre, mit sehr viel Geduld erst einmal am Grundvertrauen zu arbeiten.

Alles Gute,
Tania

 

Von Stina • 20. Juli 2014

Hallo Tania

 

Von Stina • 20. Juli 2014

Oh der erste Versuch ist gescheitert
Also schreibe ich dir mein Problem noch mal.
Ich habe ein einjähriges und ein zweijähriges shetty. Mit denen habe ich nun fleißig geübt und das führen klappt super. Nun wollte mit dem traben an der Hand anfangen, aber mit meinem einjährigen klappt es leider nicht. Endweder er stämmt sich voll dagegen oder er fängt an mich zu beißen beim traben. Ich weiß nicht wie ich das ändern kann. Ohne strick folgt er mir eigentlich auf Schritt und tritt und ohne strick klappt auch das traben. Ich weiß nicht was sein Problem ist mit strick zu traben.

Liebe grüße
Stina

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Hallo Stina,

da muss ich zurückfragen: Warum sollen denn Deine Babys (denn das sind die Shettys ja noch!) schon an der Hand traben können? Ich bin da ganz ehrlich und finde diese Arbeit einfach zu früh. Im Schritt führen reicht in diesem Alter doch vollkommen aus! Lass ihnen noch ein bisschen ihre Kindheit und beginne erst später mit dem „richtigen“ Führtraining, dann sind sie auch reif genug, das zu lernen.

Alles Gute für Euch,
Tania

 

Von Melli • 22. Juli 2014

Hallo Tania,
Erstmal danke für deine Antwort!
Was würdest du denn an meiner Stelle für Übungen machen, damit er wieder mehr vertrauen hat?
Es kann gut möglich sein, dass er sein Vertrauen aufgrund eines bestimmten Ereignisses verloren hat. Kurz vor seiner OP bin ich mit ihm allein im Schritt ausgeritten und von weiter her kam eine stallkollegin mit zwei Pferden an der Hand. Er ist total unter mir ausgerastet und hat gebuckelt , wollte mit Zurück zum stall, da bin ich ihm natürlich sehr in den Rücken gefallen was bestimmt sehr schmerzhaft war. Bevor wir beide im Bach oder Stacheldraht gelandet sind bin ich abgestiegen und habe ihn zurück zum Stall geführt. Sozusagen „aufgegeben“.
Hört sich das für dich nach einem Auslöser an?
Zudem muss man noch sagen, dass er bis er ca. 9 war, noch Hengst war.

Liebe Grüße
Melanie

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Ja klar, kann genau so etwas ein Auslöser sein! Und so eine Operation steckt ein Pferd doch auch nicht einfach weg. Mit viel Geduld und in ganz kleinen Schritten könnte Ihr Euch da sicher wieder neues Vertrauen erarbeitet. Vielleicht könnte Dir dabei auch unser Anti-Angst-Kurs helfen.

Herzlich,
Tania

 

Von Heike • 25. Juli 2014

Hallo Tania, ich habe vor ein paar Wochen einen kleinen, sehr eigenwilligen & selbstbewußten Lipizzaner ‚adoptiert‘, der sich nur ganz schwer von mir führen lässt und manchmal ganz einfach bockbeinig stehen bleibt. Ganz am Anfang folgte er mir auf einen Wimpernschlag (ich habe ihn aus einem für ihn unschönen Leben ‚gerettet‘). Dann hat er offenbar festgestellt, dass ich nicht die geboren Leitstute bin und ließ sich erst mal gar nicht mehr von mir führen (obwohl er auf der Weide brav auf mich zu kommt, er mag mich). Mit vielen Möhrchen und der Unterstützung meiner Trainerin haben wir es dann geschafft, dass er (meistens) mitgeht. Aber seit einigen Tagen ist es wieder schlechter geworden: Er mag nicht mehr mit mir spazieren gehen, auch nicht das kleinste Stück. Da er auch nicht auf die Gerte zu Vorwärts reagierte, mache ich jetzt ‚Schritt für Schritt‘ Übungen: Ich streichle ihn mit der Gerte ab, gebe ein Stimmsignal & lege die Gerte auf seine Hinterhand, vibriere … touchiere und zupfe dabei am Halfter. Dann geht er einen Schritt nach vorn … mehr aber auch nicht. Auch mein Ziel: mit immer leichteren Hilfen voran zu kommen, geht nicht auf. Nach einer Zeit wird es ihm dann zu blöd und er schaut mich sauer an und bleibt stehen. … und eine Lösung für unser Problem scheint das auch nicht zu sein. Ich bin für jeden Tipp dankbar! Liebe Grüße: Heike

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Hallo Heike,

ich fürchte, aus der Entfernung kann ich da nicht viel helfen. Es spielen ja so viele Faktoren beim Führen eine Rolle, wie die eigene Körperhaltung, Ausstrahlung, Umgebung, Stimmung und vieles mehr. Ein „bockbeiniges“ Stehenbleiben kann übrigens auch ein Zeichen von Unsicherheit sein. Nicht alle Pferde, die Angst haben, scheuen oder tänzeln, manche gehen ins Erstarren. Wenn solch ein Verhalten eher plötzlich auftritt, kann z.B. ein Geruch das Pferd verunsichern, den wir nicht mal wahrnehmen. Eine andere Idee: Das Pferd spürt Deine eigene Unsicherheit und zögert deshalb.

Ich denke, das ist mit einer einfühlsamen Trainerin vor Ort besser zu lösen als per Ferndiagnose im Netz.

Alles Gute,
Tania

 

Von doris • 27. Juli 2014

liebe tania, danke für deinen beitrag und die vielen interessanten reaktionen. mein 6 jähriger huzule, den ich seit einem jahr habe und in unterschiedlicher intensität bodenarbeit mache, hatte von beginn an schwierigkeiten beim führen ( er lebt im offenstall, ist herdenchef und mag gar nich von seinen mädls weg) anfangs wurzelte er an und war durch nichts zum weitergehen zu bewegen. ich bekam von einer trainerin den tipp, konstant am strick zu ziehen, bis er einen schritt macht, dann sofort locker zu lassen und zu loben, was auch gut funktionierte. derzeit haben wir das spiel, dass er beim führen antrabt, mich seitlich überholt und sich vor mich hinstellt. ich schicke ihn dann einige schritte zurück und gehe weiter. dieses spiel wiederholt sich mehrmals. manchmal schüttle ich auch am strick um ihn abzubremsen. insgesamt ist es für mich oft eine ungute situation, weil ich merke, wie ungern und unwillig er eigentlich mit mir geht. mich verunsichert sein verhalten auch sehr, was er natürlich sofort spürt und darauf reagiert. was kann ich machen, damit ich ihm mehr vertrauen kann? ich bin überzeugt, dass mein vertrauen zu ihm abhängt von seinem vertrauen in mich.
lieber gruss
doris

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Hallo Doris,

ich fürchte, auch hier kommen wir an die Grenzen solch einer Fernberatung. Ich kann Euch ja nicht sehen und weiß sofern nichts über Deine Ausstrahlung, Körperhaltung usw. und kann auch nicht einschätzen, warum das Pferd sich so verhält. Hat er denn genug Bewegung? Auch im Offenstall fehlen ja manchmal die Möglichkeiten, sich als Pferd wirklich auszutoben. Wirkt er unsicher dabei oder einfach fröhlich? Hat sich was am Futter geändert? Fragen über Fragen…

Es gibt einfach so viele Faktoren die da hineinspielen, tut mir leid, dass ich dazu nichts Konkretes sagen kann.

Herzlich,
Tania

 

Von Bettina • 15. August 2014

Liebe Tania!
Vielen Dank für diesen Beitrag und auch für all die anderen! Eure Seite beflügelt mich regelmäßig! Nun wollte ich fragen, ob du mir einen Tip zu meiner Kaltblutdame geben könntest? Ich verstehe, aus der Ferne ist das immer ein großes Problem, aber ich fühle mich als könnte ich momentan den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen! Ich bin so traurig über die Situation…
Ich habe meine „Kleine“ vor 2 Jahren bekommen, sie war 4 und wäre sie roh gewesen, hätte ich uns glücklicher eingeschätzt. Sie ist ein unglaublich kluges, feines und charakterstarkes Wesen. All das schätze ich so sehr an ihr. Ihr Züchter interpretierte diese Eigenschaften aber als Sturheit und Bösartigkeit und seine Mittel im Umgang wurden immer grober, bis er sie schließlich absichtlich mit dem Traktor anfuhr, um sie beim longieren vorwärts zu bringen… Diese Geschichten kannte ich anfangs nicht und ich war doch recht überrascht über ihr immer wieder aggressives Verhalten, das scheinbar grundlos aus ihr herausbrach. Mein erstes Pferd und ich hatten uns aber schon unsterblich in die tapfere Kämpferin verliebt und ich war sicher, dass wir das hin bekommen würden. Anfangs wurde alles auch besser und besser. (Sicher gab es Aufs und Abs, dennoch!) Dann wurde mein geliebter Freund, mein erstes Pferd, an dem sich meine Stute so stark orientierte leider totkrank und auf uns alle warteten harte Monate zwischen Hoffen und Bangen wärend einem hoffnungslosen Kampf. Ich schreibe das alles, weil seither alles viel schlechter ging, mit meiner Stute und der Hauptgrund war sicher meine immer zornige, traurige, verzweifelte Stimmung in dieser Zeit. Meine Stute ist sehr fein, auch wenn sie als Kaltblut von den meisten nicht so empfunden wird!!
In dieser Zeit überrannte sie mich 2 Mal beim Führen und riss sich immer wieder los, bis ich es sein ließ weil ich zu viel Angst um sie und andere Menschen hatte. Nach dem Tod meines ersten Pferdes arbeitete ich nun wieder mit ihr am grundlegenden Umgang. (Weichen ohne Berührung, Vorder und Hinterhandendung, respektvoller Abstand ect.) Alles ausschließlich mit positiver Verstärkung und in ihrer Umgebung. Auf unserem Gelände funktioniert das Führen auch immer. Nun habe ich mich vor 2 Wochen mit ihr wieder getraut den ca. 700 m langen Weg zur großen Koppel mit ihr zu wagen. Das hat super geklappt! Bis heute… Da riss sie sich wieder los, rempelte mich und lief davon. Ich muss zugeben, dass ich heute nicht so ausgeglichen war, wie in den Tagen zuvor. Aber ich bin ja nur ein fehlerhafter Mensch der nicht immer auf knopfdruck zufrieden und ausgeglichen ist… Verstellen würde sie durchschauen, bevor ich den Gedanken noch selbst zuende gedacht hätte und scharfe Mittel wie Gebiss kommt für mich nicht in Frage. (1.ist das nicht mein Zugang und 2. schärfer als ein Traktor werd ich eh nicht und auf den hat sie noch ausgeschlagen als der Bauer sie damit angeschoben hat…) Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber kann es sein, dass ihr die Welt zu groß ist? Weil Zuhause alles gut klappt und dann beim raus gehen hab ich den Eindruck 2000% sicher und zufrieden sein zu müssen um ihr Sicherheit zu geben die sie braucht. In den ersten 4 Lebensjahren war sie fast nur im Kuhstall eingesperrt. Auf die Koppel wurde sie gebracht, indem man ihr eine Eisenkette um den Hals legte und sie hinter dem Traktor herzog. Ich hab oft den Eindruck sie ist überfordert und kann nicht anders. Es ist so verrückt, weil sie sonst mein feinstes Pferd ist! Wenn alles ok ist, wie es in letzter Zeit meistens war, ist sie auch beim Führen perfekt. Bleibt in der richtigen Position, würd nie überholen, geht, wo man es ihr sagt. Und dann passiert irgendetwas (meist an ein und der selben Stelle)und das Pferd ist nicht wieder zu erkennen. Vielleicht ist es aber doch nur meine Unsicherheit und ich bin mit meinen negativen Gedanken an der Situation schuld.
Ich würde ihr einfach gern in jeder Hinsicht mehr bieten! Entspannt und mit Freude die Welt entdecken… Ich hoffe wir schaffen das isgendwann!
lg Bettina

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Hallo Bettina,

mein Gott, was gibt es nur für traurige Geschichten. Ganz ehrlich, ich empfinde es als Wunder, dass sich das Pferd, nach all dem, was man mit ihr gemacht hat, überhaupt führen lässt. Mit solchen Vorerfahrungen hätte es mich nicht gewundert, wenn sie sich dem Menschen ganz verweigern würde. Insofern finde ich es ganz großartig, was Du Dir mit Ihr erarbeitet hast!

Rückfälle gibt es immer mal, bei jedem. Klar ist so ein Losreißen eine sehr unschöne Sache, aber deshalb würde ich auf keinen Fall alles in Frage stellen. So wie Du es machst, also überlegen, was der Grund sein kann, und dann einfach weiter am Wir arbeiten. Mit 6 Jahren ist sie als Kaltblut mitten in der Pubertät, da können einfach mal solche Aussetzer kommen. Versuch, das schnell wieder loszulassen.

Aber Ihr schafft das, da bin ich mir sicher.

Noch eine Idee: Vielleicht wäre das Clickertraining etwas für Euch?

Alles, alles Gute,
Tania

 

Von Bettina • 15. August 2014

Liebe Tania!
Vielen lieben Dank für deine Antwort!! Die baut mich gerade richtig auf!! Die meisten fragen mich nur, warum ich mir das alles überhaupt mit ihr antue. Die Antwort, dass ich meine Stute sehr liebe und schätze zählt dann irgendwie nicht…
Und es stimmt, ich empfinde es auch so, dass meine liebe Stute sehr viel gelernt hat,in den letzten Jahren.
Dass sie immer gleich so körperlich wird wenns nicht mehr passt, kränkt mich ehrlich gesagt immer(ist total vermenschlicht aber da kann ich noch nicht ganz aus meiner Haut), weil ich ja nie so zu ihr bin. Aber sie hat es in ihrer Kindheit halt einfach nicht anders gelernt…
Wir werden weiter machen und ich werde vor allem an mir selbst weiter arbeiten müssen, damit wir voran kommen! 😉
Über Clickertrainig denke ich schon lange mit ihr nach! Ich fürchte nur, dass ich selbst vielleicht ein bischen zu doof bin, Clicker, Führstrich und Leckerchen richtig zu koordinieren! Ich werde mich weiter einlesen, dann trau ich es mir ja vielleicht doch zu!!
Vielen, Vielen Dank nochmal!!
Glg Bettina

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Sehr gern!Lass dich nicht durch andere verunsichern, sondern höre auf Dein Gefühl. Es ist Dein Pferd und es ist Dein Weg.

Noch kurz zum Clickern: Ich nutze den Zungenclick, weil mir das Getüddel mit dem Clicker auch zu viel war 😉

Herzlich,
Tania

 

Von Anika • 17. August 2014

Hallo Tania!
Zunächst einmal ein großes Lob an dich, ich lese hier immer sehr gerne mit. Und das Thema Führen liegt mir selber sehr am Herzen. Ich habe mir ein Islandpferd aus „professionellem Beritt“ zugelegt. Und das Reiten war auch nicht das Problem. Aber meine Blika von der Koppel zu holen oder zurückzubringen, endete mehr als einmal mit aufgeschürften Knien und einer Bruchlandung im Gebüsch für mich. Losreißen und wegrennen war an der Tagesordnung, und der Frust war wirklich groß. Meine Reitlehrerin riet mir, alles auf Null zu setzen und mit den Grundlagen anzufangen. Reiten war gestrichen. Und sie hatte ja recht, wenn schon das Führen nicht klappt, kann es über kurz oder lang auch beim Reiten nur problematisch werden. Also hab ich ganz klein angefangen.Ich hab mir damals einen Plan gemacht, was ich in drei Wochen erreichen wollte. Und schnell aufgegeben. Zumindest in meinem Fall musste ich lernen, es dauert, so lang es eben dauert :-). Also hab ich damit angefangen, sie anzuhalftern auf der Koppel. Wenns geklappt hat, Leckerli und fertig. Dann bis zum Koppeltor führen. Dann kurz rausholen und kleine Strecken in Sichtweite der anderen Pferde hin und her führen. Und immer das Pferd beobachtet. Wenns für einen von uns beiden zuviel wurde, haben wir den Rückweg umgehend angetreten. Es hat mal besser und mal schlechter geklappt. Und es hat sich sicher der eine oder andere über unsere minimalen Fortschritte amüsiert. Aber ich hab an meiner Minimaltechnik festgehalten, auch wenns manchmal schwierig war. Ich bin mehr als einmal für drei Schritte mit dem Pferd an den Stall gefahren. Wirtschaftlich ist das sicher nicht, und ich hab mich oft gefragt, ob das überhaupt noch was wird. Es hat sechs Wochen gedauert, bis wir ohne Probleme die 1000 Meter bis zum Stall bewältigt haben. Und über ein halbes Jahr bis zum ersten Spaziergang richtig im Gelände. Das Ganze hat mich viele Nerven gekostet. Aber meine Geduld hat sich im Nachhinein wirklich gelohnt, nachdem das mit dem Führen geklappt hat, ging alles andere fast von allein. Ich habe meine Stute jetzt vier Jahre, und ich bin sehr froh mit ihr. Wir kommen entgegen düsterer Prohezeiungen diverser Stallgefährten überall hin. Dafür, dass es so lange gedauert hat und ich ihr gefühlte 5 Millionen Grasbüschel, Zaunpfosten, Wasserrinnen, Steine und Stromaggregate zeigen musste, bis wir zum ersten Mal unfallfrei in die Stallgasse einmarschieren konnten, ist sie heute sehr gelassen. Von der Koppel runter zum Stall kommt sie mittlerweile auch ohne Halfter mit. Auch dann, wenn uns jemand mit Pferd entgegen kommt. Weil sie weiß, dass nix passiert und es unten am Stall direkt was gibt :-). Im Gebüsch lande ich nur noch, wenn ich nicht aufpasse, wo ich hintrete. Dabei müsst ich jetzt wirklich wissen, wo auf diesem Weg die Wurzeln rausstehen ;-). Was ich damit sagen will, ist, habt Geduld, es lohnt sich, das Führen auch auf dem ganz langen Weg zu erarbeiten. Danke, Tania, dass ihr auf eurer Website Vertrauen und Bodenarbeit immer so sehr zum Thema macht,ich hab bei euch viele gute Anregungen und Tipps bekommen!
Liebe Grüße
Anika

 

Von Bettina • 9. November 2014

Liebe Tania!
Ich habe hier im August über meine Stute Elly berichtet und nehme mir nun schon seit Wochen vor, mich hier noch einmal kurz zu melden um einfach nochmal !!DANKESCHÖN!! zu sagen!
Deine Nachrichten haben mich beide sehr aufgebaut und das hat Elly und mir total geholfen. Es geht uns sehr gut im Moment und deinen Satz, dass Elly mit ihren 6 Jahren ja gerade mitten in der Pubertät steck,halte ich mir besonders vor Augen. 😉 Elly und mir macht unser Zusammensein großen Spaß und wir lernen jeden Tag mehr, uns gegenseitig zu vertrauen. Mittlerweile muss ich sagen, dass sie das feinste von meinen drei Pferden geworden ist!
Deine freundlichen und hilfreichen Worte kamen genau zur richtigen Zeit!
Darum nocheinmal von Herzen: Danke!!!
von ELLY und Bettina

P.S.: der Tipp mit dem Zungenclick ist spitze!! 😉 Meine kluge Elly reagiert super darauf!

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Das freu mich sehr, Bettina!

Herzlich,
Tania

 

Von Steinhauser Christa • 11. Dezember 2014

Hallo Tania,
Ich habe auch ein Problem mit dem Führen und zwar mein Pferd hatte Hufrehe, war dann ca 5 Wochen nur in der Box gestanden. In dieser Zeit habe ich ihn nur zum Putzplatz und zurück geführt, ein paar Meter, da war es super brav. Seit 2 Wochen darf er jetzt im Schritt geführt werden. In der ersten Woche, hat das mein Mann und meine RB gemacht, weil die Vormittags Zeit haben, wenn es ruhiger ist in der Reithalle. Es soll ja nichts eskalieren. Am Wochenende habe ich versucht zu führen und nach ca 2 Minuten hat mein Pferd angefangen den Kopf nach oben zu werfen und dann hat er sich vor mich gestellt und hat nach hinten ausgeschlagen. Dann habe ich versucht ihn weiterzuführen und er wollte sich nicht beruhigen. Dann habe ich es aufgegeben. Am nächsten Tag habe ich mit einer Reiterin aus dem Stall darüber gesprochen, wie könnte ich mein Problem lösen und Sie hat gesagt sie versucht ihn selber zu führen. Gute 10 Minuten hat sie geführt und der war super brav. Dann habe ich zum Schluss erneut versucht, 2 Runden ging es gut und dann hat der sich wieder vor mich gestellt und versucht herum zu hüpfen. Ich habe nicht gleich aufgegeben, aber ich wollte nichts provozieren. Meine Helferin hat dann wieder übernommen und der war wieder super brav. Dann habe ich erfahren, dass auch mein Mann und meine RB Probleme hatten in der ersten Woche. Dann habe ich beim TA nachgefragt wie es denn weitergehen soll und er hat jetzt Schrittreiten angeordnet. Dieses hat nun die Bereiterin vom Hof übernommen, eine Stunde vor dem Schrittreiten kriegt der eine Beruhigungspaste und es geht ganz gut. Die will auch kein Risiko eingehen. Ist dann aber nächste Woche im Urlaub. Also, mich stört , dass wir drei (die am meisten mit ihm zu tun) ihn im Moment nicht führen können. Habt ihr Erfahrung/Tipps für uns?
Herzliche Grüße, Christa

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Hallo Christa,

nach solchen Zwangsruhe-Phasen ist es mit vielen Pferden schwierig, denn es sind nun mal Lauftiere und die Energie will sich entladen. Führen und reiten sollte das Pferd wohl zur Zeit erstmal nur jemand mit viel innerer Ruhe, der sich nicht verunsichern lässt. Das wird sich ganz sicher geben, sobald sich das Pferd wieder mehr bewegen darf. Muss das Pferd denn immer noch in der Box stehen?

Herzlich,
Tania

 

Von Christa • 12. Dezember 2014

Danke Tania,

vielen Dank für deine Worte, dass ist sehr beruhigend für mich. Ja, er steht noch überwiegend in der Box. Vorne an den Hufen hatte er einen Querschnitt, da er die ersten 2 Wochen nach der Hufrehe auf Keile gestellt war. Wenn der Huf halb ausgewachsen ist, darf er wieder Alles. Wahrscheinlich schon im Januar. Ich finde eure Seite echt super. Schöne Adventszeit und herzliche Grüße, Christa.

 

Von Tina • 20. Dezember 2014

Hallo Tanja,
Ich habe mit meiner Stute ein, ich hoffe, kleines Problem. Sie ist eher rangniedrig, temperamentvoll und suberbrav im Umgang und beim Reiten.
Wir machen auch Bodenarbeit und das macht sie auch super mit…jetzt mein Problem, wenn ich mit ihr am langen Strick traben will, folgt sie sofort, legt aber die Ohren an und macht ein ziemlich unnettes Gesicht.Sie ueberholt mich dann auch immer…
Ich habe sie mittlerweile fast 15 Jahre, sie lebt bei mir im Offenstall und wird nächstes Jahr 20 :-). Sie wird von mir freizeitmäßig western geritten.
vielleicht hast du eine Idee wie ihr Gesichtsausdruck und Habitus zu werten ist?

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Hallo Tina,

so etwas aus der Ferne zu beurteilen, ist immer schwierig, so dass ich da leider nicht wirklich Konkretes sagen kann. Angelegte Ohren müssen nicht immer Aggressivität bedeuten, manchmal ist es auch ein Zeichen von Konzentration. In der Kombination mit dem Überholen könnte es auch Unsicherheit sein. Aber vielleicht mag sie auch wirklich einfach nicht neben Dir traben, aus welchen Gründen auch immer.

Herzlich,
Tania

 

Von Sabine • 3. Januar 2015

Hallo Tania,
meine 6-jährige Stute muss aufgrund einer Beinverletzung schon seit 6 Wochen in der Box stehen und darf nur 2 x tägl. 30 Min. Schritt geführt werden. Das wurde mit der Zeit aber immer schwerer. Sie regt sich vermehrt auf, erschreckt sich ständig und ist für mich dann kaum noch ansprechbar. Sie springt oft ganz unvermittelt los und möchte „explodieren“. Zuerst sprang sie immer eher von mir weg und buckelte dann oder stieg. Das konnte ich noch ganz gut halten. Vor 2 Tagen auf einem Spaziergang sprang sie aber ganz unvermittelt direkt an mir vorbei nach vorne und trat dann gezielt nach mir aus. Sie traf meine rechte Hand, so dass mir der Strick entglitt, und rannte dann im vollen Galopp davon. Abgesehen davon, dass ich meine Hand erst mal nicht mehr benutzen kann, habe ich nun auch tatsächlich Angst, sie zu führen bzw. irgendjemand anderem das zuzumuten. Es ist echt gefährlich. Mit ihrem Bein fangen wir jetzt auch wieder bei Null an, so dass sie noch sehr lange stehen muss. Was kann ich bloß tun, damit sich wieder gegenseitiges Vertrauen aufbaut? Die meisten Bodenarbeitsübungen setzen ja ein gesundes Pferd voraus, dass sich auch bewegen darf. Aber was kann man mit einem verletzten Pferd machen? Ich bin echt verzweifelt und möchte meine Stute jetzt nicht komplett in der Box „versauern“ lassen, nur weil sie niemand mehr führen kann.
Danke im Voraus und liebe Grüße,
Sabine

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Hallo Sabine,

ja, das ist immer wieder eine sehr schwierige und belastende Situation. Es geht halt einfach komplett gegen die Natur des Pferdes, nur in einer Box zu stehen und das zeigt sich dann eben genauso, wie Ihr es gerade erlebt. Ich denke, ich würde wohl versuchen, mit das Führen über das Clickern zu erarbeiten und versuchen auf diese Weise das Pferd zu motivieren und aufmerksam zu machen. Vielleicht hilft auch die Anwesenheit eines wirklich ruhigen Pferdes, das sich nicht anstecken lässt. Aber, ganz klar, Du kämpfst da gegen die Natur an, so dass es sicher immer wieder Phasen geben wird, in denen das Pferd einfach zu gerne rennen würde.

Ich wünsche Euch ganz schnell gute Besserung und alles Gute,
Tania

 

Von Sabine • 9. Januar 2015

Hallo Tania,
vielen Dank für deine Antwort.
Ich werde deine Tips berücksichtigen, sobald meine Stute wieder laufen kann. Nach ihrem „Ausflug“ ist sie nun leider stocklahm und wir haben absolute Boxenruhe und müssen bei Null anfangen.
Liebe Grüße,
Sabine

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Ach mensch, das tut mir sehr leid – ich wünsch ganz doll gute Besserung!
Tania

 

Von Eva • 1. Februar 2015

Hallo Tania,

ich lande immer wieder in Situationen, wo ich nicht sicher bin, wie ich die Balance zwischen Clickertraining und „normaler“ Erziehung am besten gestalten kann. Gerade ist mir das beim Führen passiert: Ich habe eine sehr unsichere, schreckhafte Stute, die auch noch nicht lange bei mir ist (und bin selbst ein tendenziell leicht zu verunsichernder Mensch;-)und habe mir in den vergangenen Wochen intensiv das Führen mit Target (Hand und Stick) erarbeitet und war sehr zufrieden mit uns beiden. Nun bin ich heute nach längerer Zeit mit zwei anderen Reitern und Pferden zu Fuß eine Runde spazieren gegangen und von unseren Führtrainings-Erfolgen war rein gar nichts mehr zu merken. Sie war die ganze Zeit unter Stress und die korrekte Führposition ist uns kaum gelungen. Ich war nun hin und her gerissen ob ich sie mit Nachdruck korrigieren und auf der korrekten Position bestehen sollte oder das gängige Clickerprinzip (unerwünschtes Ignorieren, erwünschtes Clickern)anwenden sollte. Was meinst du? Wie machst du es mittlerweile mit dem Führtraining?

Würde mich über eine Antwort sehr freuen!

Lieben Gruß, Eva

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Hallo Eva,

wie immer ist es sehr schwer, aus der Distanz konkreten Rat zu geben, aber ich denke, ein Problem steckt allein in diesen Worten hier: „Nun bin ich heute nach längerer Zeit mit zwei anderen Reitern und Pferden zu Fuß eine Runde spazieren gegangen…“ – Du schreibst, dass das Pferd noch nicht lange bei Dir ist und dass Ihr beide eher unsicher seid. Dann gehst Du „nach längerer Zeit“ und „mit zwei anderen Reitern“ gleich „eine Runde spazieren“. Das klingt gleich nach mehreren Faktoren, die wahrscheinlich ganz anders waren als das, was Du bisher geübt hast, oder? Ich tippe also darauf, dass der Schritt viel zu groß war. Wenn Du z.B. das Targettraining bisher auf dem Platz oder in der Halle geübt hast, ist es natürlich draußen im Gelände ganz etwas anderes und muss auch dort kleinschrittig entwickelt werden. Wenn Du bisher beim Üben allein warst, ist die Anwesenheit von anderen ebenfalls etwas ganz anderes und muss ebenfalls kleinschrittig geübt werden. „Eine Runde“ ist dann oft viel zu viel.

Mein Rat wäre also: viel kleinschrittiger weiter machen und vor allem dann, wenn das Pferd so deutlich Stress bekommt, erstmal abbrechen und in Ruhe wieder neu aufbauen.

Alles Gute,
Tania

 

Von Eva • 3. Februar 2015

Hallo Tania,

lieben Dank für deine Tipps, vermutlich hast du recht, ich habe bisher viel kleinschrittiger geübt! Irgendwie hab ich gedacht/gehofft dass die Anwesenheit von 2 sehr ausgeglichenen Pferden ausreichend wäre um den Spaziergang zu einem gelungenen Erlebnis werden zu lassen. Irrtum bzw wieder was gelernt;-).Um selbst sicherer zu werden, bin ich auch seit einiger Zeit auf der Suche nach guter Unterstützung, leider ist das nicht so einfach, wenn man auf Druck verzichten möchte. Eine Clickertrainerin hab ich schon mal nicht finden können hier in der Nähe,leider. Parelli und Natural Horsemanship scheiden meinem Empfinden nach aus – oder kann man das so nicht verallgemeinern? Welche Ausbildungsmethoden arbeiten denn noch mit positiver Verstärkung? Das Tellington-Training?

Viele liebe Grüße! Eva

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Hallo Eva,

ich würde beim Clickertraining bleiben. Vielleicht kannst Du einfach mal Kurse, z.B. bei Marlitt Wendt besuchen, selbst nur als Zuschauer kann man da viel lernen.

Alles Gute,
Tania

 

Von MarionA • 18. Februar 2015

Liebe Tania,

sobald ich meine Stute einmal in der Halle habe, klappt das Führtraining mehr oder weniger gut. Unser großes Problem ist, sie aus dem Stall bzw. von ihrer Box weg zu bekommen. Ich habe meine Hafi-Stute seit Ende Oktober aus einer Zuchtauflösung, sie ist tragend und bekommt demnächst das Fohlen. Leider gab es Probleme im Stall, in den ich sie im Oktober geholt habe, so dass wir nach 6 Wochen erneut umziehen mussten. Nun fühlt sich Mina wohl, steht bei Haflingern und anderen Stuten und in der Box fühlt sie sich sicher. Möchte ich nun etwas mit ihr in die Halle oder Spazieren gehen, geht sie mir 2-3 Schritte hinterher, aber dann steht sie wie angewurzelt. Mit Druck (Gerte, Treiben) wird es noch schlimmer, da verengen sich die Nüstern extrem. Gut zureden und mit Geduld warten, geht einigermaßen, aber nur Schritt für Schritt – so dass wir manchmal gut 20 Minuten brauchen, ob nur 20 Meter hinter uns zu bringen. Sobald sie vom sicheren Stalltrakt weg ist, folgt sie mir – überholt mich aber auch gelegentlich, weil alles so aufregend ist. Da mache ich dann Volten mit ihr, um sie zu bremsen oder halte an und richte sie rückwärts…… Ich weiß, dass es eine Vertrauenssache ist. Meine Frage ist nun: Wie kann ich es stärken, dass sie besser mit mir von der Box weggeht? Soll ich geduldig sein und warten, bis sie mir nachkommt, auch wenn es dauert? (Und meine Stute hat echt einen langen Atem!!!!) Löse ich es nur so? Dass es sicherlich auch am Fohlen liegt, ist mir klar – aber eben auch, dass sie mir noch nicht vertraut und das jedesmal wieder aufs neue testet…..
Danke für eine Antwort,
Marion

 

Von Eva • 18. Februar 2015

Ich habe das selbe Problem wie MarionA – auch vertrauensbedingt. Bei mir dauert es manchmal auch ewig, selbst mit Clicker und Target… DIE eine Lösung, die immer funktioniert, habe ich auch noch nicht gefunden. Manchmal atme ich tief durch, komme selbst wieder runter und stelle mir bildlich vor, wie wir gleich entspannt weiter gehen und was wir dann Schönes machen. Manchmal klappt das Target und manchmal die Führposition „Dingo“ aus dem TellingtonTraining. Echt schwierig… Ich hoffe, dass sich das Thema irgendwann erledigt, je öfter wir üben… Ich wäre aber auch dankbar für Tipps;-)

 

Von Marielle • 18. Februar 2015

Hallo Tania,
ich habe ein großes Problem damit mein Pferd zur Weide zu führen. Sie fängt schon 100 meter davor an schneller zu werden, bzw loszurennen oder auch zu steigen, wenn ich sie zurück halte. Sie ist ein sehr temperamentvolles Pferd, das viel Energie hat. Sie ist jetzt 6 Jahre alt und hat damit von einen auf den anderen Tag angefangen, keine Ahnung wieso. Mittlerweile drücke ich mich sogar schon davor sie wieder raus zu stellen und reite sie nur dann, wenn ich sie danach direkt in der Box lassen kann…ich weiß, dass das falsch ist und es das Problem nicht behebt. Darum suche ich nun um Hilfe.
Führtraining mache ich bereits schon mit ihr, in der Halle oder draußen, nicht in der Nähe der Weide, klappt das auch super. Nur eben auf dem Weg zur Weide setzt sie sich ohne Rücksicht über mich hinweg. Ich bin dieses rücksichtslose Verhalten echt satt… Wie rätst du mir das Problem zu behandeln? Danke schon mal 🙂

 

Von Tania Konnerth • 18. Februar 2015

Hallo Ihr,

ich staune immer wieder, wie viele Fragen hier in zu diesem Beitrag aufkommen und so leid es mir tut, aber ich kann beim besten Willen keinen konkreten Rat für Einzelfälle geben, ohne Euch mit Euren Pferden zu sehen, denn es spielen einfach so viele Faktoren beim Führen eine Rolle, die zu beachten sind.

Grundsätzlich würde ich ein Nicht-Mitkommen-Wollen als Ausdruck des Pferdes immer ernst nehmen und zwar nicht als „Test-Versuch“, sondern als Meinungsbekundung. Die Frage, die ich mir dann stellen würde: „Warum möchte mein Pferd nicht mitkommen?“ bzw. „Was kann ich tun, damit mein Pferd GERNE mit mir kommt?“

Ich werde mal überlegen, ob ich vielleicht noch mal etwas Ausführlicheres zum Führen schreiben kann, mit konkreten Fallbeispielen, oder so. Ist halt nur wirklich nicht einfach, da, wie gesagt, ganz viele Faktoren beim Führen reinspielen.

Herzlich,
Tania

 

Von Eva • 5. März 2015

Nachtrag zu meinem Kommentar vom 18.2.2015:

Hallo Tania, ich bin jetzt etwas schlauer, was die Führprobleme von mir und meiner Stute angeht und möchte das gern hier teilen. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen noch mal anders über die Probleme nachzudenken.

Das Führproblem mit meiner Stute habe ich seitdem ich sie habe, also seit gut 6 Monaten. Sobald es von der Weide runtergeht, wurde es problematisch. Anfangs hatten wir – im Nachhinein betrachtet – trotzdem Erfolgserlebnisse, auch wenn es schwierig war. Ca. ab November wurde es deutlich schlechter – ist mir auch erst im Nachhinein so richtig klar geworden. Zu diesem Zeitpunkt endete die Weidesaison und die kleine Herde wird seitdem täglich morgens und abends von einem Paddock zum anderen getrieben. Ich hatte mir das angeschaut und fand es ruhig und vernünftig, ohne hektisches Gescheuche oder Druck. Trotzdem hatte ich ab diesem Zeitpunkt massive Probleme mit dem Führen auf genau dieser Strecke. Zeitgleich hatte ich aber auch ein unschönes Erlebnis mit meiner Trainerin und als Konsequenz einen Trainerwechsel. Bzw. ich war dann erstmal trainerlos und habe in den ganz dunklen Wintermonaten nur geclickert und überwiegend in der Nähe der Herde gearbeitet. Dadurch hat sich unser Vertrauensverhältnis gestärkt, aber die Probleme mit dem Weg blieben wie sie sind.

Nun habe ich mit einer neuen Trainerin angefangen zu arbeiten, die nach Tellington-Jones arbeitet und sehr sanft, geduldig und respektvoll mit den Pferden umgeht. Trotzdem bekam ich einen Anruf von der Stallbesitzerin, dass mein Pferd Probleme beim morgendlichen Runtertreiben macht. Sie traut sich nicht, obwohl die anderen vorgehen und wartet so lange bis sie schließlich in Panik gerät, weil die anderen ja jetzt so weit weg sind – und dann nimmt sie halsbrecherische Abkürzungen über Zäune und Pforten! Also war ich am nächsten Tag morgens mit der Trainerin vor Ort – und erfahre dann erst, dass dies nicht das erste Mal war, sondern dass dieses Problem schon seit ca. November besteht und nicht immer, aber immer mal wieder zu solchen gefährlichen Panik-Abkürzungen geführt hat! Du kannst dir vermutlich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe! Ich hätte ihr schon längst helfen können, wenn ich das gewusst hätte, nur hat mir niemand bescheid gegeben! Ich habe gedacht, es läge nur an unserem Vertrauensverhältnis, dass sie den Weg nicht mit mir gehen mag und nun erfahre ich, dass sie den Weg nicht mal mit ihrer eigenen Herde gehen mag!! Wieviel Not hätte ich ihr ersparen können, wenn ich das sofort erfahren hätte! Und wieviele Zweifel an mir selbst… Echt traurig, sowas.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nun wird sie täglich morgens durch meine Trainerin mit Körperarbeit auf den Weg vorbereitet und je nachdem wie gruselig es ist, geht sie ihn dann allein mit der Herde oder wird geführt. Ich hoffe, dass wir es so in den Griff bekommen, auch wenn das sehr betreuungsintensiv (und teuer;-)) ist. Die Alternative, dass ich den Stall wechsel, um ihr das Hoch- und Runtertreiben zu ersparen, ist vermutlich nicht die günstigste, da sie sich in der Herde sehr gut eingelebt hat… Auch, wenn mein Vertrauensverhältnis zu diesem Stall nun eindeutig gestört ist und ich spontan am liebsten wechseln würde. Aber es ist vermutlich auch gar nicht so einfach, einen richtig guten Stall zu finden…So oder so steht jetzt erstmal sehr viel Vertauensarbeit und Stärkung ihres Selbstvertrauens auf dem Programm… Ich hoffe, dass das alles ein gutes Ende nimmt, bin sehr in Sorge und habe Angst vor Rückschlägen, wenn sie wieder ohne Betreuung den Weg mit ihrer Herde gehen soll…

Lieben Gruß, Eva

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Danke, Eva, für das Teilen dieser Geschichte. Das zeigt so gut, dass die Gründe für das Verhalten eines Pferdes überall liegen können, dass es aber immer welche gibt! Und erst wenn man weiß, wo die Wurzel liegt, kann man auch wirklich an dem Problem arbeiten.

Euch beiden weiterhin alles, alles Gute,
Tania

 

Von Claudia • 10. März 2015

Hallo Tanja,
sehr interessant. Bin ziemlicher Anfänger was Pferde angeht aber durch meine Erfahrung mit Hunden denke ich, dass man doch viel übertragen kann. Das mit der Gerte würde ich auch eher als Verlängerung des Arms sehen, Du tust dem Pferd damit ja nicht weh sondern machst es nur aufmerksam. Wenn man mit Hunden läuft ist auch ein bestimmtes Auftreten und eine gerade Körperhaltung sehr wichtig. Ich denke, das spielt beim Führen eines Pferdes genauso eine Rolle..
Liebe Grüße, Claudia

 

Von Renate • 4. November 2015

hallo tanja, ich bin über den tip einer kollegin auf deine seite gestossen und habe hier ein paar gute übungen gefunden. ich habe seit 3 1/2 monaten einen pre aus spanien, der noch in seinem heimatland kastriert worden ist. er wurde mit 4 jahren angeritten, danach nichts mehr gemacht, höchstens etwas longiert. es klappt schon recht gut mit dem spazieren gehen, obwohl er auf dem heimweg meine position öfters in frage stellt. wenn er nicht auf meine signale hört, lasse ich ihn ein paar tritte rückwärts treten. oder lass ihn in einem kreis um much herumgehen, bis er wieder auf seiner position ist. leider ist er da recht hartnäckig. auch bei stresssituationen schiesst er an mir vorbei und dreht sich mir zu. ich versuche, dieses verhalten zu ignorieren und laufe ganz normal weiter, da er die tendenz hat zu steigen, wenn ich stehen bleibe und er nicht weg kann bei solchen situationen. er regt sich dann auf und ist kaum mehr zu beruhigen. irgendwelche übungen dann zu verlangen, wie seitwärts treten etc sind dann völlig kontraproduktiv. vielleicht hast du da eine idee, wie ich das besser hinkriege? liebe grüsse, renate

 

Von Renate • 4. November 2015

…ich muss dazu vielleicht noch sagen, dass er auf neues recht neugierig zugeht um es zu beschnuppern. auch autos etc passiert er mittlerweile brav, auch wenn noch etwas angespannt. es gibt einfach so tage, an denen er sich wegen eines traktors etc. völlig in was hinein steigert und ich ihn nicht mehr beruhigen kann. also nicht dass du denkst, obiger artikel wäre alltäglich. gott sei dank nicht, aber ich habe die angst, wenn wir in eben solchen stresssituationen sind, etwas falsch zu machen, gerade jetzt, wo ich noch am anfang stehe. auch mit reiten zeigt er dieses verhalten. meist recht entspannt und neugierig, aber schnell überfordert, wenn z.bsp. in der nähe eine motorsäge rotiert oder unerwartet ein tracker um die ecke braust. in solchen gemütszuständen genügt auch ein velofahrer um nach vorne zu schiessen, obwohl er diesen schon lange im blickfeld hatte. das ist wohl das kernproblem, er ist mal so, mal so und das macht es für mich sehr schwierig, ihm gerecht zu weden.

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Hallo Renate,

wie immer ist es leider sehr schwer, aus der Ferne praktischen Rat zu geben, weil natürlich Du selbst eine große Rolle spielst (Deine Ausstrahlung, Haltung, Deine Bewegungen usw.). Für mich liegt der Schlüssel in der Erkenntnis, dass das Pferd schnell überfordert ist, also vielleicht einfach noch weniger erwarten. So lange hast Du ihn ja noch nicht, Vertrauen braucht einfach seine Zeit. Mach kleinere Ausflüge und versuche ihn durch ein behutsames Anti-Scheu-Training ein bisschen lockerer zu bekommen, das wäre mein Rat.

Alles Gute,
Tania

 

Von Andrea • 15. Februar 2016

Hallo Tania,
beim Führn habe ich ein ganz anderes Problem:
Mein Isländerwallach (16 J.) – der sonst lieb und verlässlich ist – geht zwar meistens anständig neben mir (ohne Vorwärtsdrang oder zurückfallen lassen), aber immer öfter schnappt er beim Führen nach mir. Immer nur kurz und nur nach der Jacke (nie feste) und scheut sofort zurück. Ich habe es sowohl mit ignorieren als auch mit sofortigem zurück "schlagen" versucht. Es hilft alles nicht. Er macht es nicht immer und irgendwann hört er auch auf. Die ersten Jahre hat er es nicht gemacht. Das hat er sich (für mich ohne erkennbaren Grund) iregndwann angewöhnt.
Ich hoffe, Du hast eine Idee dazu.
Liebe Grüße
Andrea

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Hallo Andrea,

das Hapsen ist ein häufiges Problem. Ich habe da inzwischen meine eigene Theorie bzw. meinen eigenen Ansatz: Ich glaube, dass wir dadurch, dass wir uns darüber ärgern, das Hapsen fördern. Das Pferd macht die Erfahrung, dass es durch das Hapsen Aufmerksamkeit bekommt und wiederholt das Verhalten (auch wenn es negative Aufmerksamkeit ist). Wenn ich mich überhaupt nicht „bewegen“ lasse vom Hapsen, hört es in der Regel komplett auf, im Gegensatz dazu, ich mich ärgere, reagiere, es abstrafe und „weghaben“ will.

Herzlich,
Tania

 

Von Sabine • 15. Februar 2016

Liebe Tania.
Ersteinmal möchte ich Euch Lob und Anerkennung zollen für Eure tolle und vor allem hilfreiche Seite.
Ich bin stolzer Besitzer Eures Longen-, Angst- und Clickerkurses und bin heilfroh, Euch gefunden zu haben.
Mein Eldorado ist vielleicht dem Ronaldo von Babette sehr ähnlich, nur daß mir leider die nötige Erfahrung und manchmal vielleicht auch Zeit fehlte.
Ich persönlich habe ein großes Problem: Wieviel Druck darf ich im Erarbeiten von höflichen Umgangsformen anwenden, wenn ich eigentlich mit positiver Verstärkung arbeiten will. Wenn mein Pferd mich bei der freien Arbeit vollkommen ignoriert;quasi die Lippen spitzend pfeifend davon schlendert um erst mal hier und dort zu gucken und zu schnuppern.Wann beginnt negative Verstärkung?

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Hallo Sabine,

Deine Frage passt jetzt leider nicht so ganz hierher und sie ist auch nicht mal eben mit zwei Sätzen zu beantworten. Im Clickerkurs findest Du dazu eigentlich immer wieder recht ausführliche Gedanken und Anregungen.

Dennoch ein kurzer Gedanken dazu: Wenn Dein Pferd kein Interesse hat, würde ich versuchen, herauszufinden, was Dein Pferd interessiert. Du möchtest ja echte Motivation, im Idealfall Freude und Begeisterung; wenn Du mit Druck sein Interesse gewinnst, wird er die wohl eher nicht empfinden.

Herzlich,
Tania

 

Von Ellen • 15. Februar 2016

Hallo Tania,

da ich soeben von einem zweistündigen Spaziergang mit meiner Stute zurück bin, fällt mir dazu einiges ein:
Ich muss vorweg schicken, dass ich eigentlich lieber reite, als spazieren gehe. Daher kommt es eher selten vor aber der Ablauf ist immer gleich, meine Stute versucht zu Beginn immer zu fressen. Da muss ich extrem konsequent sein und sehr früh reagieren. Aber wenn ich da gut aufpasse und sie beim führen wecke, indem ich plötzlich stehen bleibe und dabei noch eine bremsende Körperhaltung einnehme, wird sie richtig sensibel. Das finde ich toll und zeigt, dass korrektes Führen vom Pferd sehr schnell erlernt wird. Aber sie fragen immer wieder nach, ich denke, weil es für sie überlebenswichtig ist. Und ja, wenn ich mein Pferd führen kann, kann ich es verladen, reiten, einfach durch brenzlige Situationen bringe, weil,es mir vertraut. Aber ich muss immer wieder beweisen, dass ich vertrauenswürdig bin. Naja, vielleicht braucht meine Stute da auch etwas mehr Sicherheit, sie übernimmt das aufpassen nämlich am liebsten für Ihre Herde selbst

 

Von Birgit • 15. Februar 2016

Hallo Tania,
wenn ich sehe wie hier in den Reitschulen den Kindern das „Führen“ beigebracht wird kann ich nur mit dem Kopf schütteln…Geführt wird ganz eng mit der Hand am Panikhaken(!),meist wird dabei das Pferd unbewusst zu sich hingezogen,Position des Führenden ist an der Schulter,letztens ist wohl ein Mädchen vor das Pferd geraten,das Pferd daraufhin gestolpert und das Kind was oben sass heruntergefallen…also richtiges Führen ist superwichtig auch zur Unfallvermeidung.
Wenn diese „Reitschulkinder“ dann mal zu unseren Ponys kommen müssen sie erstmal lernen mehr Strick zu geben weil sonst klappt das Führen um Hütchen im Slalom,über die Plastikplane,einen kleinen Sprung nämlich gar nicht…einige müssen sich richtig überwinden sie glauben sie hätten so keine Kontrolle mehr…traurig,das Pferd wird oft als „Gegner“ gesehen…
Wenn ich mit meinem „Oldie“ spazierengehe wechsle ich ganz oft die Positionen,wir kennen uns allerdings auch schon 19 Jahre,bin mit ihm als Dreijährigen schon spazierengegangen…ich gehe auch oft schräg hinter ihm an der Longe durchs Gelände,auch im Trab…er hält sehr zuverlässig auf Zischlaut an…
Falls doch mal ein Schreckgespenst auftaucht gehe ich in der vorderen Position.Wenn wir vorbei sind wieder weiter hinten.Dadurch ist mein Wallach viel selbstbewusster geworden mit den Jahren…
Interessant finde ich auch immer die Verwandlung die in ihm vorgeht,gehe ich vor ihm schaltet er quasi in den Schlafmodus,falle ich zurück bekommt er ganz wache Augen und sieht irgendwie stolz aus das er das Kommando übernehmen darf,er nutzt es aber nie aus…
Mir ist klar das es ein wunderschönes „Geschenk“ ist so ein Pferd zu haben und es hat auch viel Zeit gekostet aber es lohnt sich wirklich die Zeit zu investieren…

 

Von Dagmar • 16. Februar 2016

Hallo Tania,
du schreibst, dass, wenn das Pferd hinter dir geht, dieses ein "von hinten treiben" eines ranghohen Tieres ist. Dass kann man m.E. so aber nicht verallgemeinern. Ich hatte bis vor zwei Jahren einen deutlich rangniederen 13jährigen Haflinger Nico, der beim Spazierengehen immer!! hinter mir ging und eher etwas triebig war, d.h. ich musste ihn ab und zu energisch mit der Gerte antippen, damit er etwas flotter ging. Er war, außer bei der Handarbeit, selten davon zu überzeugen, in meinem Tempo neben mir zu gehen.
Jetzt besitze ich seit ca. einem halben Jahr einen deutlich ranghöheren Haflinger, der flott vorwärts und gerne und korrekt neben mir geht, mich aber auch nicht (bis auf seltene Ausnahmen, z.B. beim Erschrecken) überholt. Das ist für mich natürlich viel angenehmer zum Laufen. Deswegen glaube ich nicht, dass Nico mich treiben wollte, sondern eher keine Lust am Spazierengehen hatte.
LG Dagmar

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Hallo Dagmar,

nein, verallgemeinern kann man eigentlich gar nichts, das stimmt natürlich. Ein „Hinter dem Menschen gehen“ kann ja sehr unterschiedlich aussehen, so wie Du es beschreibst, ist es wohl tatsächlich her ein Trödeln o.ä. Wenn aber ein Pferd gezielt hinterm Rücken geht, kann es durch aus ein Treiben-Wollen sein. Wie immer kann man das nur in der konkreten Situation wirklich beurteilen 🙂

Herzlich,
Tania

 

Von Jenny • 9. März 2016

Hallo an alle

Ich gehe seit einem Monat 1x in der Woche mit einem Pferd spazieren. Das Pferd läuft mir zu weit vorne (Brust vor meinen Beinen), dies wird vom Besitzer aber toleriert. Nun darf ich das Pferd nicht zu streng massregeln (nur mit strick & nicht zu dolle) und auch Kreise seien nicht ideal, da Wirbelsäuleprobleme vorhanden sind. Seht ihr da irgendeine Chance,ob das überhaupt möglich ist, wenn sich das Pferd nur bei mir an „Spezial-regeln“ halten muss? Ich versuche momentan mit Geräuschen zu arbeiten und das Pferd immer (und immer) wieder zurück zuschicken, aber es scheint mir, das macht es zum teil noch etwas nervöser und natürlich ist sie dann auch nicht ein spassiges / entspanntes Sparzieren gehen… Jedesmal wenn sie nach der „Arbeit“ losgelassen wird, dreht sie sich sofort mit angelegten Ohren weg (das mache sie schon immer).. Für mich ist es ein ziemlich deutliches Zeichen, dass sie mit uns nicht gerne Zeit verbringt.. Bin dankbar für alle Tipps.
Lg Jenny

 

Von antje95028@t-online.de • 4. Mai 2016

Hallo Du,
ich habe einen mit 4 Jahren gelegten Deckhengst. Er war im Deckeinsatz, ging regelmäßig in der Kutsche. Da ich meist alleine bin, reite ich ihn nun täglich. Er ist ein total umgängliches schweres Warmblut. Man kann ihn ohne Sattel reiten, allein oder zu zweit ins
Gelände, er bockt selten unterm Sattel und auch im Stall nur positives.Er ist täglich mit seinem Kumpel auf der Koppel. Ich kann ihn zu Hause auch ohne Strick "führen". So nun wollen wir aber zum Reitturnier.
Letztes Jahr im Mai hat er 20 min. nach dem Abladen nur gewiehert, hat sich dann reiten lassen. War zwar mehr an der Umgebung interessiert, aber handelbar. Nächstes Reitturnier, runter vom Hänger, Schweifrübe und Kopf in die Höhe, das Getänzel begann. Hat sich reiten lassen, außer das er total elektrisiert war. Letztes Reitturnier, er kommt völlig relaxt vom Hänger, tapst mir hinterher wie zu Hause, er sieht Ponies, eine Stute mit nem Fohlen und aus wars. Das Imponiergehabe beginnt erneut. Ich habe ihn auf den Hänger zurückgebracht. Ich hatte keinen Mut ihn zu reiten.

Was kann ich bei so stark gegensätzlichen Verhaltensweisen tun ? Welche Möglichkeiten habe ich?
Ich fühle mich richtig entmutigt.

Ich würde mich riesig freuen einen Rat zu erhalten.

Herzliche Grüße

_____________________

Hallo Antje,

aus der Entfernung ist bei so etwas kaum Rat zu geben. Von dem, was Du schreibst, würde ich sagen, dass das Pferd schlicht und einfach mit der Präsenz so vieler fremder Pferde überfordert ist. Man könnte vielleicht versuchen, ihn erstmal in kleinen Portionen mit anderen Pferden zu konfrontieren, um zu schauen, ob er sich daran gewöhnt. Vielleicht aber werden es auch dauerhaft einfach zu viele Reize sein, das kann ich von hier nicht beurteilen.

Herzlich,
Tania

 

Von Jeannina • 15. Mai 2016

Hallo,
Ich habe ein kleines Problem mit meinem Araber Oneymo.
Wir haben ihn als Fohlenselbst gezogen leder haben wir irgendetwas an der Erziehung falsch gemacht so das wir das Problem nicht wieder beheben können.
Als Fohlen war Oneymo schon sehr wild als ich mit ihm spazieren gegangen binn , ich habe zwei Narben am arm .

Aber leider macht er es immer noch .
Es gibt manche Tage wo er Super lieb ist und auf einmal kommt ein ausraster (er schlägt mit dem Kopf,geht vorne und hinten hoch,rennt ins feld…) Wenn er es dann geschaft hat auszureisse spielt er total ferückt und lässt sich kaum einfangen.
Das blöde ist aber noch das er das nur manchmal macht und nicht immer also muss mann immer auf halb acht sein.
Ich freue mich über hilfreiche Antworten.
Jana

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Hallo Jana,

das klingt nicht gut, aber so leid es mir tut, da kann ich keinen Rat per Ferndiagnose geben, da ich viel mehr über das Pferd, die Haltung und den Umgang wissen müsste. Ich würde dazu raten, vor Ort kompetenten, pferdegerechte Hilfe zu suchen und das Führen noch einmal von Null an aufzubauen.

Alles Gute,
Tania

 

Von Dine • 16. Mai 2016

Hallo,

ich hätte niemals gedacht, dass ich mit dem Führen eines Pferdes Probleme haben könnte, doch nun ist es tatsächlich so gekommen:
Zu mir: Pferdebesitzer seit 27 Jahren, teilweise mit jungen Pferden gearbeitet und einen Stall mit Einstellern und deren Pferde betreut.
Zum Pferd: Stute, selbstbewusst, jung, unausgebildet und roh. Halftern klappt inzwischen gut, Tagelang lief sie hervorragend am Strick und dann irgendwann nicht mehr. Sie fand heraus, dass es eben nicht immer auf die Weide zu den Kumpels geht und obwohl wir sie immer versucht haben zu motivieren, entschied sie selbst, dass sie nicht mitgehen will und stemmte alle vier Füße in den Boden und sagte nein.
Sie macht das bei jeder Person, sofern die Menschen, die sie führen wollen, nicht zu zweit sind, dann geht sie anstandslos mit. Wir haben die Führposition überprüft, mehrfach angeführt, sind Kreise gegangen und haben mit der Gerte erst angetippt und schließlich auch mal Druck gemacht… mit dem Ergebnis, dass sie nun den Kopf ins Gesicht schlägt oder mit den Vorderbeinen ausschlägt und sich auf der Weide nicht mehr fangen lässt. Kurzum, es wird schlimmer, je mehr man versucht sich durchzusetzen.
Ihre Körperhaltung, die zunächst noch positiv war und ihre aufgeschlossene Art ist seitdem eher abweisend und gereizt.
Die Menschen, die mit ihr umgehen, haben selbst bereits erfolgreich Pferde ausgebildet, dennoch ist die Entwicklung momentan eher rückläufig. Also wie gehen wir weiter vor?
LG

 

Von Tania Konnerth • 17. Mai 2016

Ich möchte hier noch mal ganz allgemein antworten, da sich die konkreten Einzelfragen häufen. So gerne ich helfen möchte, aber es ist leider NICHT möglich, aus der Entfernung konkreten Rat zu geben, denn es spielen sehr, sehr viele Faktoren eine Rolle, die alle berücksichtigt werden müssen.

Es ist bemerkenswert, dass wir zu keinem anderen Themen so viele Anfragen zu Einzelproblemen erhalten wie zum Thema Führen. Der Grund liegt auf der Hand (und wird trotzdem oft übersehen): Das Führen ist ein komplexes Basisthema, das viele als „einfach“ voraussetzen, dass aber meiner Ansicht nach sehr gründlich und gewissenhaft erarbeitet werden sollte. Genau im (oft nicht vorhandenen oder ungünstig erfolgten) Führtraining liegt die Ursache vieler, vieler anderer Probleme.

Ich werde mal schauen, ob ich vielleicht noch etwas Hilfreiches inform eines Blogbeitrags zusammenschreiben kann, aber letztlich muss vor Ort mit Pferd und Mensch geschaut werden, wo genau die Ursachen für die Problem liegen – von der Haltung über die Persönlichkeit bis hin zu Umgang, Kommunikation und vielem mehr.

Herzlich,
Tania

 

Von Carina • 18. Mai 2016

Meiner Erfahrung nach (und auch nach dem, was man hier so an Kommentaren liest) hat es gerade bei Basisthemen wie Führen mit der Mitsprache des Pferdes schnell ein Ende. Wenn des Pferd nicht weitergeht, wird geschlagen (oder "Druck gemacht", wie es netter umschrieben wird), wenn es davon läuft, kommen schärfere Gebisse zum Einsatz. Wenn das Pferd dann nicht mehr fliehen kann und zu kämpfen beginnt, heißt es, es ist gefährlich, und kommt zum Schlachter.
Ich war auch so (und falle gelegentlich zurück in diese Muster), aber mein Kaltblut war und ist hartnäckig genug, mir zu zeigen, dass es so nicht läuft, ich lerne seit 6 Jahren mit ihm ständig dazu und habe viele Diskussionen über ihn geführt, die mich teilweise auch zum Heulen brachten, z.B. "Schau dass du ihn loswirst!", "Mach Salami aus ihm!", "Jedes Pferd, das funktioniert, ist mal richtig rangenommen worden!", "Den hast du auch umsonst!".
Wir haben mit dem Führen wieder mal von vorne begonnen, mit hoher Bestärkungsrate und gelegentlichem Davonstürmen. Ist eben so, ich meide frequentierte Wege und mache meistens Freiarbeit (bei der er um einiges mehr kann als die meisten der Pferde in der Umgebung unter dem Sattel). Geritten wird er wahrscheinlich nie werden. Na und?
Meine anderen beiden Damen sind das, was man allgemein als "funktionierende Pferde" bezeichnet. Seit sie aber wissen, dass sie ein Mitspracherecht haben, sagen sie eben manchmal auch "nein" und lassen sich bitten (oder auch nicht). Dann muss ich mir eingestehen, dass ich wohl wieder etwas gemacht habe, was ihre Motivation bremst.

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn man beginnt, zu fragen statt zu befehlen, muss man auch die Antwort akzeptieren können.

_________________

Ein toller Kommentar, Carina, ganz herzlichen Dank dafür!

Ergänzt noch zu Deinem letzten Satz: … und lernen, Fragen anders zu stellen oder auch gleich ganz andere Fragen.

Herzlich,
Tania

 

Von Carina • 27. Mai 2016

Das richtige Führen ist absolut wichtig. Nicht nur für die Frage der Rollenverteilung auch für die Sicherheit. Leider wird es viel zu schnell unterschätzt.

 

Von Irene • 26. März 2017

Liebe Tanja, ich habe eine Frage: mein noch junger Haflinger (2 Jahre) wurde das erste Mal alleine von der Herde weg zum Stall geführt. Er hatte viel Angst. Der Hinweg ging noch ganz gut, im Stall beruhigte er sich aber nur wenig. Dann wollte ich ihn zurückführen und er riß sich los, galoppierte ca. 400 Meter durch das Dorf und wartete bei er Herde brav auf mich, lies sich sofort wieder anfassen.Zum Glück ist nichts passiert, aber der Schreck sitzt mir in den Knochen. Was kann ich besser machen, um das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen. Ich habe jetzt auch Angst.
Lieber Gruß von Irene

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Hallo Irene,

ja, das glaub ich gerne, dass Dir der Schrecken noch in den Knochen sitzt – und Deinem Pferd ganz sicher auch. Auch ohne dabei gewesen zu sein, scheint mir das ein typischer Fall von Überforderung zu sein. Dein Pferd ist noch sooo jung, das muss er erst ganz behutsam lernen.

Ich würde das jetzt erstmal ruhen lassen und dann irgendwann mit viel Abstand in ganz kleinen Mini-Schritten neu aufbauen, also mit wirklich kleinen Schritten, erstmal nur vor’s Tor, dann ein paar Meter laufen, dann zwei, drei Minuten usw. Immer darauf achten, dass er und Du entspannt bleiben. Nimm Dir alle Zeit der Welt, mit Ruhe und Geduld wird das alles wieder.

Ich kann Dir auch sehr unseren Anti-Angst-Kurs empfehlen, da beschreiben wir ganz ausführlich, wie man gerade solche schwierigen und eben sehr oft angstbesetzten Aufgaben gemeinsam meistern kann: http://www.wege-zum-pferd.de/produkte/der-anti-angst-kurs/

Alles Gute,
Tania

 

Von Aileen Knop • 23. Mai 2017

Hallo, ein sehr interessanter und hilfreicher Artikel..
Ich habe eine sehr schwierige 8 Jährige Schimmelstute. Habe 2 Jahre nur Bodenarbeit gemacht und das steigen, treten und beißen gut im Griff. Führen klappt mittlerweile auch recht gut. ABER sobald ich mit ihr rausgehe zum spazieren (immer mit anderen Pferden) regt sie sich plötzlich über etwas aus und dreht sich permanent im Kreis um mich. so schnell, dass ich kaum handeln kann und schauen muss, das sie mich nicht in Gefahr bringt oder umrennt. Sie ist dann auch meistens die einzige die so aufgeregt ist. Ich hebe dann die andere Hand um Sie einzugrenzen, aber dann piaffiert sie seitlich neben mir. Wie kann ich da am besten reagieren. Liebe Grüße Aileen

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Hallo Aileen,

schau mal hier: http://www.wege-zum-pferd.de/2016/04/12/einfach-nur/

Für manche Pferde bedeutet das Rausgehen – auch und manchmal sogar gerade mit anderen – großer Stress. Da helfen nur Verständnis für das Pferd und ganz kleine Schritte – und in manchen Fällen muss man es auch einfach akzeptieren. Mit dem Älterwerden kann es gut sein, dass die Stute selbstsicherer wird, aber vielleicht ist sie einfach kein Gelände-Pferd.

Alles Gute für Euch,
Tania

 

Von Anja Stahlmann • 18. Dezember 2017

Hallo, auch ich kann ein Lied zu diesem Thema singen….
Erst heute war ich wieder mit meinem Hafi unterwegs und musste ihn dauern korrigieren. Bzw. Ich habe ihn korrigiert, aber müsste es wirklich sein?
Kurz zur Vorgeschichte:
Ich habe Sunny seit ca. 3 Monaten. Er ist 17 Jahre, mit 12 Jahren zum Wallach geworden, nachdem er die meiste Zeit seines Lebens bei einem Bauern stand, ohne Erziehung, nur für sich selbst verantwortlich. Dann sollte er und sein Sohn zum Schlachter und wurden gerettet.
Die letzten 4 Jahre gehörte er einer Frau, , die ihn, mit viel Geduld sehr gut hinbekommen hat.
Was aber leider auch bei ihr ein Problem war, er übernimmt schnell die Führung. Mal kurz nicht aufgepasst schon achtet er auf alles andere nur nicht mehr auf mich. Wir machen viel Bodenarbeit, da haben wir auch nicht so sehr Probleme mit der Führposition. Aber beim Spazierengehen sieht es so aus: Er läuft die meiste Zeit mit seiner Schulter neben mir und macht den Anschein er muss auf mich aufpassen. Wenn ich allerdings anhalte, bleibt er gleich stehen, lässt sich rückwärtsrichten, oder geht auf mein Kommando Schritt für Schritt…..
Momentan bin ich beim Spazierengehen dauern damit beschäftigt über Gerte und Bodenarbeitsstrick seine Position klar zu machen, das ist ganz schön anstrengend.
Heute habe ich dann mal beobachtet, dass er, wenn wir Schulter an Schulter laufen zufrieden ist, aufmerksam mit gegenüber und entspannt. Er überholt mich dann auch nicht weiter. Gebe ich da zu viel von meiner Führposition ab?
Hat er noch zu wenig Vertrauen in mich, um mir zu folgen? Trifft da Erziehung auf Vertrauen? Diese verlaufende Führposition, die wir uns vorstellen, kann ich die wirklich mit Gerte und/oder Strickschleudern etc. erziehen? Oder durch Vertrauen erarbeiten?
Ich denke, so, wie ich es jetzt versuche, komme ich nicht weiter. Geht es auch anders?
Liebe Grüße
Anja

_________________

Hallo Anja,

wie ich immer wieder schreibe sind Ferndiagnosen, ohne Euch zu sehen, eigentlich nicht möglich. Aber wenn Dein Pferd in einer bestimmten Position zufrieden und aufmerksam mitläuft, ist das doch wunderbar. Dann nimm das an und freu Dich einfach!

Und gibt Euch beiden Zeit: 3 Monate ist noch eine so kurze Zeit, Ihr seid doch beide erst gerade dabei, Euch kennen zu lernen. Vertrauen braucht viel, viel Zeit und vor allem, die Bereitschaft, einander wahrzunehmen und aufeinander einzugehen.

Alles Gute für Euch,
Tania

 

Von Annika • 21. April 2018

Meine 7 jährige Stute korrigiert sich beim Anhalten selbst. (geht zurück, wenn sie mir zu nah ist) Das finde ich optimal. Ihr 1-jähriger Sohn muss noch lernen. Mit der Stute hat plötzliches Anhalten und Zurückschicken sehr gut und schnell funktioniert, aber der Kleine ist wohl noch einen Tick sturer, lässt sich büffelig schwerer zurückschicken und läuft ohne Respekt auf. Daran lässt sich ja arbeiten, auch wenn ein Büffel immer anstrengend ist.
Aber er will die ganze Zeit den Strick fressen und ist dadurch natürlich total abgelenkt. Und wenn er ihn hat, ist es fast unmöglich, ihn aus dem Maul zu bekommen. Zunge kitzeln, schütteln, nein. So ein anstrengender kleiner Kerl.

Den Tipp mit der Volte finde ich übrigens richtig gut. Passt nur nicht zu meinem Problem.

Tanja, was hältst du von der Aussage, dass man bei der Position schräg vor dem Pferd das Pferd nicht mehr ausreichend im Blick hat und nicht auf es reagieren kann bzw. ja nichts mitbekommt.
Ich finde die hierbeschriebene Art eigentlich am besten.

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Hallo Annika,

mein Text ist ja nun auch schon ein bisschen älter und auch wenn ich das vom Grundprinzip noch genauso sehe und auch praktiziere, sehe ich es inzwischen noch etwas differenzierter. Meiner Erfahrung nach gibt es keine „feste“ Position, die für alle Pferde und in allen Situationen gut ist, denn das Führen eines Pferdes ist ja ein Prozess in Bewegung. Also ändern sich auch die Positionen. Wo ich als Führende laufen und wo das Pferd, hängt für mich von ganz vielen verschiedenen Faktoren ab. Bei manchen Pferden habe ich zum Beispiel gerne mehr Abstand, so dass genug Platz da ist, wenn sie mal hüpfen, bei anderen fühle ich mich auch mit weniger Abstand wohl. Bei einigen finde ich es überhaupt nicht schlimm, wenn sie mal überholen, bei anderen achte ich ein bisschen mehr darauf, dass sie nicht ganz so viel selbst entscheiden. Wie immer gilt für mich: Es soll sich gut für beide anfühlen.

Wenn ein Pferd schräg seitlich neben mit geht, habe ich es bisher dennoch immer gut im Blick haben können (ich will ja nicht jeden Schritt kontrollieren).

Herzlich,
Tania

PS: Und für Deinen 1jährigen möchte ich Dir gerne noch eine große Portion Nachsicht mitschicken. Das ist ja noch ein Baby, gib ihm Zeit. Ihn jetzt schon als „büffelig“ zu bezeichnen, macht etwas mit ihm und auch mit Eurem Verhältnis. Hab einfach ganz viel Verständnis und Geduld und erkläre ihm ganz freundlich und liebevoll was Du möchtest.

 

 

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