Der verantwortungsvolle Umgang mit Schmerzen und Beschwerden beim Pferd

In den letzten Beiträgen hier im Blog ging es darum, wie wichtig es ist, Schmerzen und Beschwerden bei unseren Pferden zu erkennen, damit wir sie nicht einfach nutzen, obwohl es ihnen nicht gut geht – siehe dazu Der hat nichts, der läuft doch und Schmerzen beim Pferd erkennen. Heute möchte ich hier noch einige meiner Gedanken auf die Frage, wie wir verantwortungsvoll und pferdegerecht mit Schmerzen und Beschwerden unserer Pferde umgehen können, teilen.

Manchmal gibt es einfache Lösungen

Manchmal gibt es klare und einfache Lösungen: 

  • Ein Pferd zeigt starke Schmerzen in seinem rechten Vorderbein. Es kann damit kaum auftreten und läuft mehr oder weniger auf drei Beinen. Die Diagnose lautet „Hufgeschwür“, das Pferd wird behandelt und erhält einen Angussverband. Nach einigen Tagen geht es ihm deutlich besser, nach einer Woche läuft es wieder lahmfrei. 
  • Ein anderes Pferd zeigt plötzlich beim Reiten Zungenspiele, sperrt das Maul auf und reißt den Kopf hoch. Seine Reiterin vermutet, dass es Probleme mit dem Gebiss hat. Der gerufene Tierarzt findet einen entzündeten Wolfszahn und zieht ihn. Nachdem die Wunde abgeheilt ist, läuft das Pferd wieder zufrieden unter dem Reiter. 

In beiden Fällen wurden die Signale des Pferdes richtig gedeutet und es wurden Maßnahmen eingeleitet, die dem Pferd helfen konnten, so dass es ihm nach kurzer Zeit wieder besser ging. 

… oft aber nicht

In vielen Fällen sieht es aber anders aus. 

  • Ein Pferd geht immer mal wieder lahm. Der gerufene Tierarzt macht Beugeproben, die mal negativ und mal positiv ausfallen. Der Schmied wird gewechselt und das Pferd bekommt einen Beschlag. Dennoch läuft es immer wieder unrund. Selbst das Röntgen der Beine bringt keine neuen Erkenntnisse.
  • Ein anderes Pferd mag sich immer weniger bewegen. Während es früher eher schnell und temperamentvoll war, verweigert es nun mehr und mehr die Mitarbeit. Es sind keine eindeutigen Zeichen für eine Erkrankung zu erkennen. 
  • Und noch ein anderes Pferd reagiert plötzlich aggressiv auf Artgenossen und auch auf Menschen. Keiner kann sich das Verhalten erklären, da das Pferd sonst gesund wirkt. Ein Tierarzt wird nicht gerufen, statt dessen wird das Pferd allein gestellt und das Drohen nach dem Menschen bestraft. 

Schmerzen und Beschwerden bei Pferden werden keineswegs immer gleich als solche erkannt. Sie können durchaus nur sporadisch auftreten, worauf viele dem Pferd unterstellen, dass es simuliert und es trotz Schmerzen weiter (be)nutzen und sich zur Not auch entsprechend „durchsetzen“. Manche Reaktionen oder Verhaltensweisen eines Pferdes werden gar nicht mit möglichen Schmerzen oder Erkrankungen in Beziehung gesetzt, wie z.B. Bewegungsunlust, die dann viel zu oft als „Faulheit“ oder „Sturheit“ gedeutet wird, obwohl vielleicht eine noch nicht erkannte Atemproblematik oder anderes ihm die Bewegung so schwer macht. Solange ein Pferd „nur“ sein Verhalten ändert, ohne dass klare Schmerzsignale zu erkennen sind, reagieren leider viele auf von den eigenen Wünschen abweichendes Verhalten eines Pferdes unwirsch und bestrafen solche „Unarten“ oder „Widersetzlichkeiten“. Dabei zeigt das Pferd so vielleicht nur auf seine Art, dass es nicht kann oder ihm etwas weh tut.

Wenn wir nicht erkennen, dass ein Pferd Schmerzen oder andere Beschwerden hat, können wir dadurch, dass wir es weiter „normal nutzen wollen“ und gegebenenfalls diese Nutzung mit Nachdruck oder gar Gewalt durchsetzen, das Vertrauen des Pferdes verspielen und die Beziehung vergiften. Hinzu kommt unser eigenes ungutes Gefühl, das schlechte Gewisse und die Tatsache, dass alles immer weniger Spaß macht…  

Den Weg MIT dem Pferd gehen

Ein verantwortungsvoller Umgang mit einem Pferd heißt für mich, den Weg immer MIT dem Pferd zusammen zu gehen und nicht gegen es. Das gilt ganz allgemein und eben auch für den Umgang mit Krankheiten, Schmerzen und Beschwerden. Natürlich sind wir Menschen es, die die Entscheidungen treffen, aber wir sollten das nie tun, ohne genau auf unser Pferd zu achten, auf seine Reaktionen, seine Signale, seine Stimmungen. Sie zeigen uns so viel, wenn wir bereit sind, hinzuschauen und hinzufühlen. 

Hier habe ich einmal einige Punkte zusammengestellt, die ich für wichtig halte, wenn das Pferd sich anders als gewohnt oder gewünscht verhält, wenn es krank wird oder Schmerzen hat: 

  • Wann immer sich etwas ändert im Verhalten unserer Pferde, sollten wir innehalten und hineinspüren: Was könnte uns das Pferd damit sagen wollen? Welche Ursachen kann sein Verhalten haben? Wen können wir um eine Einschätzung bitten, wenn wir selbst unsicher sind?
  • Wenn wir die Vermutung haben, dass es unserem Pferd nicht gut geht oder das es Schmerzen hat, sollten wir uns fachlichen Rat holen – und zwar nicht von irgendjemanden, sondern von Menschen, die wirklich Ahnung haben, also einem guten Tierarzt, einen guten Physiotherapeuten/Osteopathen, einem guten Hufpfleger, je nachdem in welchem Bereich die Beschwerden vermutet werden. 
  • Bei jeder Behandlung und Therapiemaßnahme gilt es ebenfalls, gut auf das Pferd und seine Reaktionen zu achten. Wenn das Pferd zu einer Behandlung deutlich nein sagt, wird sie nur schwer durchzuführen oder durchzuziehen sein. Auch hier gilt es, MIT dem Pferd zu arbeiten und nicht einfach blind Anweisungen zu folgen, selbst wenn sie eigentlich sinnvoll und richtig sind. Für Gesundwerdung und Heilung ist in gewissem Maße das Ja des Pferdes und seine Bereitschaft zur Mitarbeit nötig. 
  • So sehr wir auch wollen, dass unser Pferd möglichst schnell wieder beschwerdefrei ist, so sollten wir nicht alles, was möglich ist, auf einmal angehen. Zu viele Behandlungsansätze gleichzeitig schaden oft mehr als sie nutzen. Wichtig ist eine wirklich auf das jeweilige Pferd abgestimmte Behandlung, die den Körper, aber auch die Psyche des Pferdes berücksichtigt. Manchmal ist weniger mehr und oft braucht es vor allem Zeit und Geduld. 
  • Es gilt sich vor zu vielen „guten Ratschlägen“ zu schützen, denn davon kommen meist reichlich, wenn ein Pferd erkrankt. Jeder weiß dann genau, was wir tun sollten und jeder hat noch eine Methode parat, die wir noch nicht ausprobiert haben. So gut das gemeint sind, so basieren viele „Tipps“ leider oft auf Halbwissen, Einzelerfahrungen oder auch persönlichen Vorlieben und Interessen. Hier gilt es, besonnen zu sein und in Absprache mit den Menschen, denen man wirklich vertraut, Entscheidungen zu treffen, die sich rund und stimmig anfühlen. 
  • Die Frage, ob und wie ein Pferd, das Beschwerden oder Schmerzen hat, genutzt werden kann oder soll, ist nie leicht zu beantworten. Pauschalvorgaben wie „Bewegung tut immer gut“ können genauso falsch sein wie ein Pferd aufgrund gesundheitlicher Probleme abrupt zum Rentner zu erklären und aufs Abstellgleis zu schieben. Hier gilt es ganz besonders, gut auf das Pferd und seine Reaktionen zu achten. Sie können uns durchaus zeigen, ob ihnen Bewegung gut tut, ob sie auch mit Schmerzen Freude am Tun haben und ob sie die Aktivitäten mit uns schätzen oder nicht. Hier ist unser Einfühlungsvermögen genauso gefragt, wie ein zu schulendes Auge, um immer besser zu erkennen, was in der jeweiligen Situation angemessen ist und was nicht. 
  • Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich Beschwerden bei unseren Pferden nicht immer durch einfache Maßnahmen beheben lassen. Oft ist es schon schwer genug, die tatsächliche Ursache zu finden und selbst wenn das der Fall ist, gehen Heilungsprozesse von Krankheiten oft ihre eigene Wege und dauern viel länger als gedacht. Dann sind Geduld und starke Nerven gefragt. Oft gibt es auch keine klare Besserung, so dass das Pferd und sein Mensch mit den Schmerzen und Beschwerden leben lernen müssen. Das ist oft eine sehr schwierige Herausforderung, da hier Sorgen, Zweifel, Ängste, Frust und vieles mehr hineinspielt.
  • Ob und inwieweit ein Leben mit Schmerzen oder anderen Beschwerden lebenswert für ein Pferd ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden. So wie auch wir Menschen mit Schmerzen leben lernen können, können auch Pferde fröhlich sein, obwohl ihnen etwas weh tut. Andere geben sich innerlich auf und wollen nicht mehr. Wenn wir hier bereit sind, sehr aufmerksam in unser Pferd fühlen und achtsam für das sind, was sie uns mitteilen, können wir auch hier eine Entscheidung MIT dem Pferd darüber treffen, was zumutbar ist und was nicht. Es kann zusätzlich sehr gut tun, sich mit jemanden auszutauschen, der selbst schon in einer ähnlichen Situation war und dem man vertrauen kann. Ein Blick von außen und auch Gedanken eines anderen können manchmal sehr hilfreich sein – allerdings nur in Maßen, wenn sich zu viele einmischen, schadet es fast immer mehr als dass es nutzt. 
  • Wichtig ist vor allem bei längeren Krankheitsprozessen oder chronischen Erkrankungen, dass wir auch immer wieder bei uns selbst bleiben und uns über unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse bewusst werden. Ein krankes Pferd kann vieles auslösen: Sorgen, Angst, Frust, manchmal auch Hilflosigkeit, Ohnmacht,Wut und anderes mehr. All das ist menschlich und verständlich, nur sollten wir unsere Gefühle nicht unbewusst ungefiltert am Pferd auslassen, wie es leider immer wieder zu erleben ist. 
  • In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, sehr bewusst darauf  achten, dass wir unser Pferd nicht „krank gucken“ oder „krank denken“. Gerade wenn wir dazu tendieren, uns immer viele Sorgen zu machen, liegt unser Fokus oft zu sehr auf dem, was nicht ok ist und wie verlieren das Gesamtbild aus den Augen. Pferde können, genau wie wir Menschen, trotz einer Erkrankung oder Beschwerden ein fröhliches und zufriedenes Leben führen, sofern sie entsprechend der Problematik behandelt werden. Je besser wir selbst ja zu der Situation sagen können, desto weniger belasten wir unser Pferd mit unseren eigenen Sorgen und Ängsten.

Keiner kann wissen, was kommt

Indem wir uns ein Pferd anschaffen, übernehmen wir eine Verantwortung, derer wir uns zwar vom Kopf her meist bewusst sind, aber deren Tragweite sich nie wirklich erfassen lässt. 20 Jahre lang ein kerngesundes Pferd zu haben, das einem nichts krumm nimmt und das von Natur aus ein Sonnenschein ist, ist eine ganz andere Nummer als zum Beispiel einen starken Ekzemer, einen chronischen Huster oder ein Pferd mit regelmäßig wiederkehrenden Koliken zu haben… 

So sehr wir uns alle ein gesundes Pferd wünschen, so entwickeln sich die Dinge in der Realität oft anders. Wenn wir uns ein Pferd anschaffen, haben wir oft viele schöne Vorstellungen: Wir träumen vielleicht von langen Ausritten, von Tuniersiegen, Kutschfahrten oder Vorführungen von Zirkuslektionen. Wird unser Pferd mal krank oder verletzt es sich, geben wir ihm gerne eine Pause und warten, bis es ihm wieder gut geht. Doch dann kommt es vielleicht zu einer langwierigen Erkrankung oder einem Unfall, wodurch unser Pferd dauerhaft nicht geritten oder gearbeitet werden kann. Vielleicht erreicht es nie wieder seine volle Einsatzfähigkeit, sondern, im Gegenteil, sein Zustand wird immer schlechter. Auf diese Weise werden Ziele, Träume und Hoffnungen durch Angst, Frust und Geldsorgen abgelöst. Und damit müssen wir leben lernen – je bewusster wir das tun, desto besser wird es uns gelingen. 

Der Verantwortung gerecht werden

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Schmerzen und Beschwerden bei unseren Pferden ist eine große Aufgabe und eine nicht immer einfache Herausforderung.

  • Es geht um die Bereitschaft, sich intensiv mit dem Wesen Pferd zu befassen, um es immer besser zu verstehen und ihm gerecht zu werden.
  • Es geht darum zu verstehen, dass Pferde keine Sportgeräte sind und dass wir kein Recht auf Nutzung haben, nur weil wir viel Geld für sie bezahlen. 
  • Es geht darum, eigene Erwartungen und Bedürfnisse manchmal nicht nur für eine gewisse Zeit zurückzustellen, sondern vielleicht auch ganz loszulassen.
  • Es geht darum, dem Pferd auch trotz Beschwerden die Möglichkeit zu geben, ein lebenswertes Pferdeleben zu führen – einerseits indem wir die dafür nötigen Voraussetzungen schaffen (das betrifft die Haltung, Fütterung, Behandlungen u.a.) und andererseits daran arbeiten, dass nicht die Beschwerden und unsere Sorgen im Mittelpunkt stehen, weil wir sonst ausbrennen, sondern die gemeinsame Beziehung und das, was trotz allem noch Schönes zusammen gemacht und erlebt werden kann, damit wir daraus immer wieder Kraft schöpfen können. 
  • Es geht in manchen Fällen darum, zu lernen mit immer wieder aufkeimenden und enttäuschten Hoffnungen umzugehen, wenn Therapien erst zu greifen scheinen, aber es dann doch wieder zu Verschlechterungen kommt, obwohl man viel Geld für Tierärzte und Behandlungen ausgibt; und manchmal steht auch eine endgültige Entscheidung an.
  • Und so gut wie immer geht es auch darum, sich mit persönlichen Schlüsselthemen zu befassen, wie zum Beispiel Verlustängste, Ehrgeiz, Umgang mit Frust, Selbstfürsorge und anderes mehr.

Es geht auch um uns selbst

Ich weiß aus eigener Erfahrung nur allzu gut, wie schwer die Verantwortung wiegen kann, die wir mit dem Kauf eines Pferdes übernehmen. Wir dürfen dabei aber nicht die Verantwortung vergessen, die wir für uns selbst haben. Nur wenn wir wenigstens halbwegs gut für uns selbst sorgen, können wir auch gut für ein anderes Wesen sorgen.

Es ist wichtig, dass wir uns zwar immer wieder selbst hinterfragen, aber gleichzeitig müssen wir uns auch bewusst machen, unser Bestes zu geben. Manches können wir beeinflussen und aufhalten, aber nicht alles verhindern. Ich denke, es ist eine Aufgabe, dass wir lernen ja zu sagen zu dem, was ist, also zu akzeptieren, dass es nicht so gekommen ist, wie wir es uns gewünscht haben, aber dass wir tun, was wir können. Es ist ganz wichtig, bei allem nicht die Freude am Miteinander zu verlieren. Und genauso dürfen auch mal einfach nur traurig oder frustriert sein darüber – das alles gehört dazu.

Tipp: Für alle, die sich hier berührt fühlen, kann mein Freudekurs eine gute Unterstützung sein. 

Wenn wir merken, dass uns die Sache aufzufressen beginnt, steht an, dass wir uns Hilfe suchen – Hilfe bei der Betreuung und Versorgung unseres Pferdes, aber vielleicht auch Hilfe dabei, mit den Sorgen umzugehen, mit der Angst um unser Pferd, mit den Ansprüchen, die wir an uns selbst haben oder mit der Wut in uns oder der Ohnmacht. Eine Erkrankung unseres Pferdes kann uns sehr klar zu einem Punkt führen: und zwar zu uns selbst.  

Verantwortung Pferd

17. Juli 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Gesundheit 5 Kommentare »

 

5 Reaktionen zu “Der verantwortungsvolle Umgang mit Schmerzen und Beschwerden beim Pferd”

 

Von Claudia • 23. Juli 2018

Hallo!
Euer Beitrag ist sehr informativ, beleuchtet aber (m)ein Problem leider gar nicht: ich habe eine 22jährige, an Cushing leidende Stute, die mit Pergolid und Mönchspfeffer halbwegs gut eingestellt ist. Dazu kommt beginnend vorne rechts eine Hufrehe. Derzeit lahmt sie vorne rechts. Hinten – v.a. auch rechts – nach 2 Klinikaufenthalten kann Spat ausgeschlossen werden, vermutlich liegt eine Verkalkung der Kreuzbänder gem. dem letzten Röntgenbefund vor – tritt sie schon seit Jahren deutlich kürzer, was sich v.a. auch beim Longieren oder Bahnreiten in einer deutlichen Händigkeit gezeigt hat. Ich habe seit längerer Zeit große Probleme, mich auf dieses lahmende Pferd zu setzen. Doch wenn ich sie daheim (im Bewegungsstall mit vielen anderen Pferden) lasse und mit den zwei anderen Pferde was tue, sieht sie sich leid. Nimm ich sie als Handpferd mit, schnaubt sie ab und hat die größte Gaudi – bei Schlechtwetter oder Kälte buckelt sie wie wild umher und freut sich ihres Lebens – um am nächsten Tag wieder ziemlich schmerzbehaftet um die Ecke zu schleichen. Der Tierarzt meinte, was ich eine adipösen, zuckerkranken, ca. 70jährigen Dame zutraue, kann man mit ihr noch machen – doch teilweise benimmt sie sich eher wie ein Teenie (mit den Schmerzen am Folgetag) – soll ich ihr nun diese „Lebenslust“ (weil ich es ja besser weiß!) auch noch nehmen?! Derzeit versuchen wir halt den Spagat zwischen „das ist möglich, das darfst Du“ und „das nicht, das tut Dir nicht gut, glaub mir, ich weiß es besser“….
Ist aber nicht immer ganz leicht!
LG
Claudi

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Hallo Claudia,

schade, dass Du das Gefühl hast, dass Dein Problem nicht im Text behandelt wird, denn tatsächlich geht es darin ja genau um solche Fälle! Fälle, die eben nicht eindeutig sind, Fälle, in denen es keine einfachen, klaren Lösungen gibt. Fälle, die einen verunsichern, Sorgen bereiten und manchmal eben auch hilflos machen. Welche Symptome sich letztlich zeigen, spielt meiner Erfahrung gar keine so große Rolle, denn letztlich geht es bei allen chronischen Problemen immer wieder um die Frage: Wie lebenswert ist ein Pferdeleben unter bestimmten Umständen und wie können wir mit einem Pferd, das Beschwerden hat, eine für beide Seiten möglichst gute Zeit verbringen.

Für mich klingt es so, als würdest Du schon sehr gut auf sie achten und hören – und darauf kommt es an. Sie zeigen uns, was für sie ok ist und was nicht, sie zeigen uns oft auch, was sie brauchen und was zu viel ist. Einen Tag kann es mal so sein, den nächsten schon wieder ganz anders. Letztlich kann uns keiner in solchen Fällen sagen, was wir tun sollen, wir müssen auf das Pferd hören. Freu dich über ihre Teenagerphasen und begleite sie durch die schlechten Zeiten – chronische Erkrankungen können wir letztlich immer nur „surfen“.

Ich wünsche Euch beiden alles Liebe und Gute,
Tania

 

Von Cecile Tölke • 24. Juli 2018

Hallo liebe Tania,
danke für Euren Bericht. ich sehe es ein wenig wie meine Vorgängerin. Man tut alles mögliche und weiß eigentlich nicht ob es lebenswert ist. Wann weiß ich, dass es nötig ist meinen Wallach gehen zu lassen? Wir haben auch Phasen da hüpft er rum wir ein junges Reh, buckelt vor Freude und beansprucht seine Beine viel zu viel. Das Resultat sieht man dann die Tage darauf. Oft denke ich er wird wissen was er tut. Aber manchmal ist es auch schwer mit anzusehen 🙂
Ich möchte halt nicht, dass er leidet und ich es nicht sehe. Vielleicht ist es dann doch besser ein Pferd gehen zu lassen?
Er darf bei uns schon nur Pferd seinen mit allem was er braucht, aber ich möchte auch nicht, dass er auf der Wiese steht und Schmerzen hat. Aber wahrscheinlich kann einem dazu auch keiner wirklich Tipps geben 🙁

___________________

Nein, da gibt es keine Tipps. Bei chronischen Erkrankungen stehen die Zweifel und die Frage immer im Raum. Du bist damit nicht allein und ich denke, was Du gleich weiter unten schreibst, ist der richtige Weg: Sie teilen sich uns mit. Hör weiter auf Dein Pferd.

Alles Gute für Euch,
Tania

 

Von Cecile Tölke • 24. Juli 2018

Aber dein Bericht ist wirklich sehr schön und bringt einen wieder zu seinen Wurzeln. Danke dafür. Ich werde meinen Wallach einfach weiter im Auge behalten mich und meine Gefühle kontrollieren und wenn es soweit sein sollte, dass er nicht mehr will, wird er es mir zeigen. Da bin ich mir sicher 🙂

 

Von Annette • 24. Juli 2018

Liebe Tanja,
vielen Dank für den tollen Artikel. Du sprichst mir aus der Seele. Genau all diese Gefühle habe ich auch schon durchgemacht: Sorgen, Angst, Frust, Traurigkeit, Ratlosigkeit, das Gefühl, überfordert zu sein. Bei meiner Stute wurde kürzlich COB diagnostiziert und nun weiß ich endlich, warum sie sich immer weniger bewegen mag und nicht mehr so kann wie früher. Trotzdem denke und hoffe ich, dass mal wieder lustige Ausritte drin sein werden, oder sie auf dem Platz oder bei Bodenarbeit irgendwann mal wieder freudig mitmachen wird. Und wenn nicht, dann muss ich es halt akzeptieren, obwohl das nicht leicht ist. Vielen Dank für deinen Artikel. Er hat mich sehr berührt und auch aufgebaut und bestärkt, meinen Weg mit Nancy zu ihrem Wohl weiter zu gehen.
Viele liebe Grüße,
Annette

___________________

Alles Liebe und Gute für Euch!
Tania

 

Von Marion • 28. Juli 2018

Hallo,
das ist ein sehr schöner Artikel. Wir haben selber seit Jahren ein krankes Pony- Sydney(chronische Hufrehe). Wir haben schon viele „Krisen“ durchgemacht – schlimme Hufabszesse, schlecht bearbeitete Hufe durch diverse Hufpfleger, viele Tierarzt“Aktionen“ etc. die Liste ist unendlich. Ich habe mich trotz vieler Vorwürfe (das Tier nicht weiter leiden zu lassen) immer auf mein Gefühl verlassen. Sydney hatte zwar oft Schmerzen, was man ihr natürlich auch anmerkte, ist dann ruhig und in sich gekehrt, geht schlecht, frisst schlech, aber es gibt auch immer wieder gute Zeiten, in denen sie auch Freude am Leben hat. Derzeit ist es schon eine länger Zeit recht gut, nachdem über ca. 6 Monate ein wirklich großes Hufabzeß langsam abheilt. Destomehr freut es mich zu lesen, dass man auch einem Pferd ein Leben mit Schmerzen und Beeinträchtigungen zumuten kann – solange man die Lebensfreude noch erkennt (sie ist übrigens eine Art Beistellpony und wird somit nicht geritten o. ä.). Ich bin froh, dass ich bisher meinem Gefühl gefolgt bin, sie nicht erlösen zu lassen. Es bestärkt mich in meiner Entscheidung zu warten bis es irgendwann letztendlich nicht mehr gehen wird und ich merke, dass sie sich selber aufgegeben hat.

Das gibt es wirklich – habe ich schon bei einem anderen Pferd und auch anderen Tieren erlebt – sie zeigen uns, wenn es „genug“ ist. Aber auch dann ist es immer noch sehr sehr schwer, sie gehen zu lassen, egal ob Pferd, Hund etc. Dann tröstet mich immer der Gedanke, dass es besser für sie ist, zusammen mit den schönen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit .

danke für den aufschlussreichen Artikel
Marion

__________________

Und ein ganz herzliches Dankeschön an Dich für Deine Zeilen, sie berühren mich sehr.

Alles Liebe und Gute für Euch,
Tania

 

 

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