Doppellonge mal anders: das Fahren vom Boden

Auf unseren Beitrag zum Thema Bodenarbeit mit Pferden haben wir einen Beitrag von Gesine bekommen, der sicher eine schöne Inspiration für viele ist, die mal Lust darauf haben, am Boden etwas Neues auszuprobieren. Wir selbst kennen das unter „Langzügelarbeit“ bzw „Fahren vom Boden“ und stellen das ausführlich in unserem Aufbaukurs zum Longenkurs vor. Diese Arbeit ist grundsätzlich eine wirklich nette Ergänzung zu den bereits bekannteren Bodenarbeitsweisen und eignet sich hervorragend dazu, (auch, aber nicht nur nicht-reitbare) Pferde fit zu halten.

fabHier also nun Gesines Text:

Die Arbeit an der Doppellonge kennt man ja; hier in Norwegen bin ich aber einer ein bisschen anderen Art der Doppellongen-Arbeit begegnet, die hier für viele, besonders Jungpferde in der Ausbildung, egal ob zum Reit- oder Fahrpferd, angewandt wird. Genannt wird das tømmekjøring, ”Fahren mit Leinen”, oder besser:  Fahren ohne Wagen. Natürlich wird das erstmal in der Bahn geübt, das Pferd an die Leinen gewöhnt, an die Führposition hinter dem Pferd und grundlegende Kommandos. Manche hören da auch schon wieder auf, aber dann, finde ich, wird es erst spannend. Dann geht es nämlich raus, auf die Wege, rauf und runter, rechts und links.

  • Vorteile gegenüber dem Führen: Das Pferd hat mehr Platz um sich herum, man kann schmale Wege entlang balancieren, es macht nichts, wenn das Pferd mal zur Seite hüpft; es bekommt dann nicht automatisch einen Ruck am Strick oder hüpft einen selbst über den Haufen, es kann seinen Weg in unebenem Gelände selber suchen. Auf offenen Flächen kann man auch gerne mal eine Runde oder zwei um Trab doppel-longieren, wenn man denn möchte.
  • Vorteile gegenüber dem Fahren: Man braucht keinen Wagen 🙂 Man kann alle möglichen Wege und Pfade entlanggehen, man kann im Wald klettern, ohne das Pferd zu behindern, ein paar unkontrollierte Bewegungen des Pferdes bringen einen nicht gleich in Lebensgefahr. Man kann Steigungen zum Intervall-Training nutzen, ohne dass das Pferd Gewicht ziehen muss. Dabei kann man das Pferd quasi nicht physisch überfordern, denn man läuft ja selber jeden Meter mit, und normalerweise haben unsere Pferde uns ja einiges voraus in Sachen Kondition 😉
  • Vorteile gegenüber dem Reiten: Das Pferd kann sich ohne Gewicht bewegen, man ist auf minimale Hilfengebung angewiesen, das Pferd lernt, selbständig Gefahrensituationen einzuschätzen. Reiter, die nicht hundertprozentig ausbalanciert sitzen, können so trotzdem Natur und Landschaft gemeinsam mit ihrem Pferd genießen. Man selbst lernt, sehr kleinschrittig zu trainieren, denn sollte man das Pferd mental überfordern – wird es z.B. nicht an Autos gewöhnt, bevor man an die Landstraße geht o.ä. – ja, dann geht man alleine nach Hause. Aus meiner Erfahrung ist es nicht möglich, ein Pferd an den Leinen zu behalten, wenn es das nicht will, weder mit Halfter, Sidepull noch mit Trense. (Die Verwendung von schärferen Gebissen oder Zäumungen schließt sich eh aus.) Also empfehle ich, mit einem leichten Zaum ohne Gebiss zu arbeiten, damit, wenn das Pferd mal tatsächlich auf dem Hacken kehrt macht und nach Hause rennt, es nicht zu Verletzungen im Maul kommt, sollte das Pferd auf die Leinen treten.

Herzlichen Dank an Gesine und nun die Frage in die Runde: Wer hat damit schon Erfahrungen gemacht und mag berichten? Gibt es Tipps oder weitere Anregungen? Wir sind gespannt!

14. April 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Arbeit an der Hand, Jungpferdausbildung, Longieren 12 Kommentare »

 

12 Reaktionen zu “Doppellonge mal anders: das Fahren vom Boden”

 

Von Melanie • 14. April 2015

Das Fahren vom Boden gehört für mich in jede normale Doppellongeneinheit. Gerade wenn man das Pferd motivieren möchte, aufmerksam machen möchte, ist die Änderung der Longierposition (neben, hinter dem Pferd) eine tolle Möglichkeit Abwechslung zu schaffen.
Außerdem stärt diese Art der Fortbewegung die Bindung und das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter.
Im Gelände wechsel ich auch öfter die Führposition und lasse das Pferd – wie beim Fahren vom Boden – vorne weg laufen. Hier lässt sich hervorragend das Vertrauen und auch der Gehorsam überprüfen.
Mein Pferd wird beim normalen Führen im Gelände gerne langsam und träge. Dann lasse ich ihn voraus gehen und er ist sofort wieder hellwach und stiefelt munter voran. Ich glaube für ihn ist es eine unglaubliche Anerkennung, dass ER mal die Führung übernehmen darf. Anders kann ich mir seinen Feuereifer dabei kaum erklären ^^

 

Von Nadine • 14. April 2015

Hallo,

wir haben das auch schon gemacht. Um etwas Routine ins Fahren vom Boden zu bekommen, sind wir dafür ins Gelände gegangen.

Meinem Pferd hat er auf jeden Fall jede Menge Spaß gemacht. Er geht sehr locker und vorallem geht er sehr motiviert. Beim normalen Führen wird es oft ein schlurfen, beim „Fahren“ nicht.

Außerdem trainiert das Pferd auch nach hinten zu horchen und es ist einfach generell eine Bereicherung in der Kommunikation, weil die Möglichkeiten der Kommunikation ausgebaut werden müssen. So lernt das Pferd auch auf den Menschen zu achten, wenn er nicht nur im direkten (Ein)Wirkungskreis wandelt.

So waren wir schon 1 1/2 Stunden unterwegs und für die eigene Kondition ist es natürlich super.

Liebe Grüße

 

Von Kira • 14. April 2015

Mit meiner alten Stute habe ich am Schluss als sie nur noch sehr eingeschränkt reitbar war, viel an der Doppellonge und am Langzügel gearbeitet. Und es hat riesigen Spaß gemacht. Meine junge Stute (4jährig) lernt gerade die Welt kennen und ist sehr auf mich fixiert. Mittlerweile gehen wir oft mit Glücksrad, Longiergurt und Doppellonge ausgestattet ins Gelände. Und es hilft ihr ungemein, vorzugehen und Situationen selbst einschätzen zu müssen. Beim normalen spazieren gehen schaut sie nämlich erst mich an und beurteilt dann, ob die Situation für mich in Ordnung ist. Durch das Fahren vom Boden hat sie gelernt Situationen selbst zu beurteilen und hat dadurch viel mehr Selbstvertrauen bekommen.
Liebe Grüße Kira

 

Von Yvonne • 15. April 2015

Mein Pferd hatte letztes Jahr einen Sehnenschaden der lange dauerte um richtig auszuheilen. Insgesammt sind wir ca. ein halbes Jahr gar nicht geritten. Wir gehen sehr gerne zusammen spazieren, aber als wir das NUR noch machten hatten wir beide irgendwann nur noch wenig Motivation…er schlich gelangweilt neben mir her…
Ich hatte irgendwann angefangen im Schritt zu longieren und als er selbst diese Arbeit viel viel toller fand als nur nebeneinander her zu laufen fing ich auch wieder mit Doppellonge an (am Kapzaum, ohne Gebiss) ziemlich schnell kamen wir auf die Idee mit dem „Fahren vom Boden“ und sind als das alles gut in der Bahn geklappt hat auch so ins Gelände gegangen. Mein Pferd war vom ersten Tag an wieder top motiviert und lief mit gespitzen Öhrchen züging voran, auch schmale Waldwege usw.

Es macht uns beiden großen Spaß und ich finde es ist eine gelungene und sinnvolle Abwechslung zum Alltag 🙂 noch heute findet er es viel spannender Voraus zu gehen als nur neben oder hinter mir her zu gehen bei Spaziergängen. Er geht von sich aus viel zügiger und ist immer „voll da“

 

Von Gesine • 15. April 2015

Noch ein Tipp: Vor allem bei laengeren Touren und/ oder in unwegsamen Gelaende immer einen Longiergurt benutzen! So muss man nicht so extrem auf die ideale Spannung und Hoehe der Leinen achten und das Pferd kann sich nicht so schnell in den Leinen verheddern. Und auch bei sehr ungleichen Paaren (grosser Mensch-kleines Pferd oder kleiner Mensch-grosses Pferd) nimmt einem der Longiergurt ungesunde Arm-Haltungen ab.

 

Von Steffi • 15. April 2015

Ich habe das Fahren vom Boden begonnen um meiner Stute sicherer im Gelände zu machen. Sie ist an der Hand sehr entspannt und brav, sitzt man oben ist plötzlich alles gefährlich und sie sehr angespannt.
Durch das Fahren vom Boden (kombiniert mit dem Clicker um mutiges, entspanntes gehen zu bestärken) hat sie gelernt das sie vorraus gehen kann und ihr nichts passiert ohne das ich mich als Reiter eventuell auch anspanne und ihre Nervosität noch verstärke.
Außerdem findet sie es toll wenn sie mal das Tempo (zumindest im Schritt) bestimmen darf 🙂

 

Von Sonja Hartl • 16. April 2015

Hallo,

der Beitrag hat mich begeistert. Seit einiger Zeit gehe ich mit meinem Noriker so spazieren, allerdings nur mit einer Longe, also nicht schulbuchmässig. Diese Art des Führens hat sich bei uns einfach ergeben, weil er mir im Herbst in einer schwierigen Situation auf den Fuss getreten ist, sodass ich eine gebrochen Zehe und ausgerissene Zehennägel hatte. Seit dem Unfall haben wir uns dies Art des Führens sukzessive erarbeitet, er ist damit viel entspannter, hört sehr gut auf Stimmkommando und im Gelände auf engen Wegen läßt er sich damit viel einfacher führen. Wir werden nun eine zweite Longe dazunehmen und diese Art ausprobieren. LG Sonja

 

Von Carola Schlanhof • 19. April 2015

Bei uns kam das in der Ausbildung von Lele zum Fahrpony vor, einfach weil es mir wichtig war, daß sie es kennt, im Gelände voraus zu gehen, bevor ein Wagen dranhängt (diverse Berichte von unfahrbaren Ponies nach diversen Zwischenfällen zu Beginn).

Es gab allerdings gerade anfangs Tage, an denen ich es vorzog, neben ihr zu gehen, da sie unsicher und angespannt wirkte. Da fühlte sie sich mit mir neben oder leicht vor ihr deutlich wohler. Wir haben dann die Runden auch kürzer gestaltet.

Oft waren es nur bestimmte Stellen, an denen ich neben ihrem Kopf oder auch neben ihrer Hüfte ging, um dann wieder hinter sie zu wechseln. Denn ich wollte auf jeden Fall vermeiden, daß sie alleine nach Hause läuft, da es hier schlicht und einfach Straßen mit Verkehr gibt, auch bei uns im Dorf.

Ach ja, ich hatte dabei auch immer Longiergurt oder Geschirr drauf.

Mittlerweile fahren wir lieber, wenn wir ins Gelände gehen. Da darf sie dann auch schneller, als ich mit meiner mäßigen Kondi bieten könnte. Oder wir gehen ganz normal spazieren, mit Pony neben mir (weil ich sie ganz egoistisch gerne neben mir spüre) bzw. mit beiden Ponies gleichzeitig.

Viele Grüße

Carola

 

Von Sabine • 20. April 2015

Hallo!
Ich kenne das auch und machte es bisher mit fast allen von meinen „Jungen“ – in letzter Zeit habe ich es aber etwas hintangestellt, weil wir vor 7 Jahren den Stall gewechselt haben und nun so ein buckliges, tlw. wirklich steiles 😉 Gelände haben, dass ich es konditionell einfach nicht mehr schaffe, da den Pferden hinterherzugehen (tlw. wollen die bergauf auch lieber im Galopp….) – daher bin ich aufs Handpferdreiten umgestiegen – aber da lass ich manchmal das Handpferd vorne gehen und das klappt ganz gut.
Lustig ist diese Art des Bewegens, Trainierens usf in Form des Fahrens vom Boden aus auf alle Fälle und ich kann mit hinsichtlich ihrer Erfahrungen den „Vorschreiberinnen“ vollinhaltlich nur anschließen! Liebe Grüße Sabine

 

Von Anna • 20. April 2015

Hallo ihr Lieben!
Mit meiner jungen Stute hab ich die Erfahrung gemacht, dass sie nicht gerne geht, wenn ich sie führe. Es begann mit stehen bleiben bis hin zu steigen und schlagen. Sie mag es einfach nicht….. Mit Bussen, LKW udgl. hatte sie nie Probleme.
Dann fing ich an, mit der Doppellonge zu arbeiten, um sie später ein zu fahren. Als sie die Lenkung kapiert hatte, begann ich sehr schnell, auch auf Straßen und Wegen mit ihr zu gehen. Das macht ihr total Spaß! Von Anfang an ging sie frisch und munter vorwärts. Mittlerweile fahre ich sie richtig und sie ist mit Eifer dabei!
Spazieren zu gehen war mir einfach zu gefährlich und so hatte ich eine super Alternative gefunden. Auch wenn die Leute uns manchmal komisch nach schauten….

 

Von Daniela • 30. Mai 2017

Hallo zusammen,

wir haben gerade mit der Doppellonge angefangen. Meine süße wird jetzt 9 und ist oft ein totaler Hibbel*lach*
Damals als Sie 4 war hab ich das schonmal versucht und es ging total nach hinten los. Ich war mir viel zu unsicher und hatte Angst was die Prinzessin einfach gemerkt hat. Jetzt sind wir beide reifer vertrauen uns total und lieben die Arbeit an der Doppellonge.
Wir werden jetzt mal ein paar Hindernisse in der Halle oder auf dem Platz aufbauen und dann bald mal die erste Runde im Gelände drehen. Was soll ich sagen. Ich freue mich meeeeeega darauf.
Wir haben auch zum reiten einen LG Zaum und mit dem klappt das an der Doppellonge prima. Die Idee mit dem Longiergurt ist eigentlich total logisch aber da bin ich vorher gar nicht drauf gekommen. Super Idee!!!

 

Von Anni Christin • 20. Juni 2017

Hallo ich habe meinen Friese gerne im Gelände gefahren vom Boden aus … Ich konnte ihn in allen 3 Gangarten fahren (auch wenn ich beim galoppieren sehr große Schritte machen musste) egal ob im Straßenverkehr ob im Wald auf der sprungstrecke oder bei der quardrille ( war die einzige die dabei gefahren ist) auch Seitengänge waren kein Problem…. Meine jetzige reitbeteiligung fahre ich vom Boden her ein im Moment und auch die ersten kleinen gelöndestrecken im Schritt waren schon drinnen freue mich auf weitere

 

 

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