… denn zum Reiten sind sie da!?

In der Ausgabe 313 unseres Newsletters haben wir ein Thema angeschnitten, das viel Resonanz brachte. Und zwar ging es darum, dass offenbar Pferde für viele Menschen nur dann eine Daseinsberechtigung haben, wenn sie geritten werden können – und „Daseinsberechtigung“ ist in diesem Fall tragischerweise oft wörtlich gemeint. Unreitbare Pferde werden nicht nur oft einfach abgeschoben, sondern erleben häufig noch Schlimmeres …

Unter den vielen Mails, die wir zu dem Thema bekommen haben, hat uns vor allem die von Birgit auf ein Problem aufmerksam gemacht, dessen wir uns tatsächlich so nicht bewusst waren, und wir glauben, dass es tatsächlich sehr, sehr wichtig ist:

Ich möchte (…) anregen zu einem Umdenken und zu einem anderen Bewusstsein über das, was man mit einem Pferd machen kann. In vielen Ställen und in vielen Reit-Gemeinschaften hat eine andere Beschäftigung mit dem Pferd als das sportliche Reiten überhaupt keinen Stellenwert. Es ist dann für die betroffenen Menschen umso schwerer, für sich und ihre Pferde einen neuen, anderen Weg zu suchen.

Ab und an finden sich ja in den einschlägigen Zeitschriften Artikel, was man alles mit einem Pferd machen kann, ohne es zu reiten. Aber diese Artikel müssten forciert werden. Das Nicht-Reiten müsste gesellschaftsfähig gemacht werden! Vielleicht auch mal ein nicht gerittenes Pferd auf die Titelseite.

Wenn Artikel über die Arbeit am Boden erscheinen, dann gehen sie schnell in die Richtung von höheren Lektionen. Das können aber viele Pferde nicht (mehr). Ich würde mir in allen Reiterzeitschriften, nicht nur in „Cavallo“ und „Mein Pferd“, eine Rubrik wünschen „Was tun, wenn mein Pferd nicht (mehr) reitbar ist“ oder so ähnlich. Die Beschäftigungsmöglichkeiten sind doch so vielfältig und gehen über reines Spazierengehen total hinaus, aber es fehlt die gesellschaftliche Akzeptanz!

Ich habe selbst zwei nicht-reitbare Pferde und ein inzwischen Reitbares. Wir machen so viel Sachen mit den Nicht-Reitbaren und es macht so viel Spaß. Selbst auf „niedrigem“ Sportniveau kann man den Pferden noch so viel beibringen und so viele anregende Dinge mit ihnen machen, die auch für den Menschen selbst einen hohen Grad an Zufriedenheit bringen.

Viele Grüße
Birgit Oberkötter

In dem Satz Das Nicht-Reiten müsste gesellschaftsfähig gemacht werden! steckt für uns der entscheidende Punkt für diesen Blogbeitrag. Obwohl sich da in den letzten Jahren schon viel getan hat und es inzwischen eine ganze Reihe von großen Trainer-Namen für die Bodenarbeit gibt, so dient die Arbeit am Boden vielen leider immer noch vor allem dazu, zum Reiten zu kommen oder sie ist tatsächlich nur ein „Ersatz“, wird also noch immer nicht als gleichwertig mit dem Reiten gesehen. „Pferde sind zum Reiten da“ – davon scheinen die meisten Menschen fest überzeugt, und das, obwohl sich zumindest bei Pferdeleuten inzwischen herumgesprochen haben sollte, dass Pferde anatomisch eigentlich gar nicht dafür gedacht sind, zusätzliches Gewicht auf dem Rücken zu tragen …

Wir möchten hier gerne Ideen sammeln, wie es zu schaffen ist, dass das Reiten immer mehr nur noch eine Möglichkeit von vielen wird, und sich nicht alles darauf konzentriert! Birgit hat ja selbst bereits angeregt, dass in den Pferdezeitschriften mehr und viel selbstverständlicher darüber berichtet werden müsste, denn tatsächlich werden die Spielarten der Bodenarbeit immer noch als etwas „Besonderes“ dargestellt oder gezielt als Vorbereitung für das (Ein)Reiten. Hier könnten die Medien ganz sicher viel bewirken. 

Hier bei „Wege zum Pferd“ ist der Anteil der Bodenarbeitsthemen, wie wir denken, sehr hoch – so verbreiten wir mit dem Longenkurs fundiertes Knowhow für ein sinnvolles Bodentraining nach den Regeln der Biomechanik und zeigen mit dem Clickerkurs alle möglichen Variationen der Zusammenarbeit mit dem Pferd. Wir werden unsere Seite weiterhin konsequent dafür nutzen, die Vielfalt der Möglichkeiten aufzuzeigen, mit einem Pferd zu arbeiten und Freude zu haben, und hoffen damit, unseren Teil dazu zu tun, dass der Fokus weg vom Reiten hin zu einem Miteinander geht, bei dem das Pferd Partner statt Sportgerät ist.

Ideen, die uns darüber hinaus gekommen sind:

  • Anfänger-Unterricht könnte zunächst NUR am Boden statt finden, denn so schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: pferdeunerfahrene Menschen können den richtigen Umgang mit den Tieren lernen und werden von Beginn an mit den verschiedenen Möglichkeiten vertraut gemacht, was man außer Reiten mit einem Pferd noch alles machen kann. Vielleicht könnte man auch darüber nachdenken, Anfänger in Paaren zu unterrichten, so dass  im Wechsel einer vom Boden aus mit dem Pferd arbeitet, während der andere zunächst einfach seinen Sitz schult.
  • Im normalen Reitunterricht könnte man zu Beginn und zum Ende Bodenarbeitsübungen vorstellen (die oft genauso erlernt und auch korrigiert werden sollten, wie das Reiten).
  • In jedem Stall könnte mindestens zweimal in der Woche Bodenarbeitstage eingerichtet werden, an denen dann in Longieren, in der Arbeit an der Hand, in Zirkuslektionen, Freiarbeit und dergleichen mehr guter Unterricht angeboten wird. 
  • Bei der Ausbildung sollten Bereiter die Wichtigkeit der Bodenarbeit einerseits selbst erkennen (und nicht nur das Longieren als Weg sehen, möglichst schnell zum Reiten zu kommen, wie es leider noch so oft der Fall ist) und auch den Eigentümern deutlich machen, dass die Ausbildung am Boden unerlässlich ist.
  • Pferdebesitzer, die eine Reitbeteiligung auf ihrem Pferd bieten, könnten fordern, dass die Pferde nicht nur geritten werden, sondern dass auch ausdrücklich Bodenarbeit gemacht werden soll.
  • Wenn Turniere ausgerichtet werden, könnte es gleichwertige Wettbewerbe am Boden geben.
  • Tierärzte und Pferdephysiotherapeuten könnten darüber aufklären, was das Reiten für den Pferderücken bedeutet und dass gute Bodenarbeit auch Gesundheitsvorsorge bedeutet.

Und nun seid Ihr alle gefragt: Was fällt Euch zu dem Thema ein?

  • Was könnten Sie ganz persönlich in Ihrem eigenen Kreis machen?
  • Was könnte in Ihrem Stall gemacht werden?
  • Was könnte reitsport-übergreifend gemacht werden?
  • Was könnten Medien und Reit-Institutionen machen?
  • Was ist sonst noch möglich?

Wir sind gespannt!

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31. März 2015 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Sonstiges 34 Kommentare »

 

34 Reaktionen zu “… denn zum Reiten sind sie da!?”

 

Von Fiona • 31. März 2015

Ihr sprecht mir aus der Seele. Wenn es um Pferde geht liegt der Fokus immer auf dem reiten. Ich merke das an mir selbst:ich gehe dreimal die Woche zu meiner Reitbeteiligung. Bodenarbeit mache ich allein mit ihr,wenn ich möchte bekomme ich Reitunterricht. Jetzt kommt mir jede Woche aufs neue der Gedanke: „Zweimal Bodenarbeit diese Woche ist zu viel,dann schaffe ich es ja nur einmal AUFS Pferd. Und da muss ich mich doch weiterentwickeln/meinen Sitz trainieren/sonst irgendwas tun“.
Dabei ist mir das reiten an sich gar nicht so wichtig. Aber man bekommt das einfach so mit,dass reiten das ist,um das es letzten Endes wirklich geht. Die Pferde die ich kenne,kennen gar keine Bodenarbeit. Da wird sich dann teilweise nur aufgeregt wenn es unterm Sattel nicht klappt. Dran gearbeitet wird aber nicht,liegt ja am blöden Gaul…

 

Von Chris • 31. März 2015

Es gibt auch noch einen ganz anderen Aspekt – was, wenn der Reiter z.B. aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reiten kann? Und sich entschließt, sein gut gerittenes Pferd nicht zu verkaufen, sondern in Zukunft die wirklich breite Palette von Möglichkeiten am Boden nutzen möchte?
Da stößt man in den Ställen aber auf ganz großen Wiederstand und Unverständnis.
Reiten in der Halle ist immer ok, auch bei 10 Reitern, die sich gegenseitig in die Quere kommen. Beim Longieren sieht es da schon ganz anders aus. Das gleiche gilt für Freiarbeit – die macht man am besten nachts, da darf man dann aber nicht in den Stall…..
Und die Ställe, wo das möglich ist, sind rar gesät – da muss dringend ein Umdenken stattfinden. Ich fürchte, das dauert noch Jahre, wenn es überhaupt passiert. Und weil ihr immer wieder solche Themen ansprecht, bin ich schon seit Jahren ein großer Fan von Wege-zum-Pferd!

 

Von Eva • 31. März 2015

Ich finde den Ansatz Bodenarbeit, Zirkuslektionen etc. in die Ausbildung und den Unterricht zu integrieren ganz, ganz wichtig. Ich habe früher als Kind nur Reiten gelernt, erst mit Anfang 30 (Wiedereinsteiger) und meiner ersten Reitbeteiligung habe ich das ganze drumherum und Ansätze von Bodenarbeit kennen gelernt.

Nun mag ich mein erstes eigenes Pferd tatsächlich noch nicht guten Gewissens reiten. Und stoße sehr schnell an meine Wissensgrenzen bei Bodenarbeit etc., weil es mir einfach nie gezeigt wurde. Aus der Ferne betrachtet sieht es so einfach aus, aber tatsächlich muss man auf so viele Feinheiten achten! Mit dem Umsetzen von Wissen aus Büchern tue ich mich leider immer etwas schwer. Ich verstehe zwar schnell das Prinzip, aber in der Praxis machen mir dann die Feinheiten zu schaffen und ich bin schnell frustriert und befürchte dann auch, dass ich mit meinen Fehlern das Pferd zu sehr verwirre… Zum Glück habe ich eine Trainerin gefunden, die mir das alles nun beibringt und die eines ihrer eigenen Pferde auch zunächst 2 Jahre lang nur vom Boden aus beschäftigt hat. Das Bodenarbeit-Lernen finde ich genauso anspruchsvoll wie das Reiten-Lernen. Ein frühzeitiger Unterricht damals als Kind hätte mir sicher sehr geholfen!

Viele Grüße! Eva

 

Von Susann • 31. März 2015

Und was, wenn der Mensch gar nicht (mehr) reiten WILL? Eben weil er weiß, dass es dem Pferd schaden könnte oder weil er einfach Freude an der Beschäftigung vom Boden aus – auf Augenhöhe – mit dem Pferd hat. Der Focus liegt zu oft beim nicht reitBAREN Pferd oder beim erkrankten Menschen. Als ob dies ein Wegfall einer Funktion wegen „kaputt“ ist. 😉 Man kann sich auch entscheiden, ganz bewusst, sein Pferd nicht reiten zu wollen. Dann ist es doch so, dass Boden“arbeit“ nicht mehr als Ersatz dient sondern als selbstverständliche Variante des Kontaktes zum Pferd.
Als ich noch Reitunterricht gab, waren die ersten Einheiten auf unbestimmte Zeit immer am Boden für jeden Schüler…Allerdings „rechnet“ sich das nicht für den normalen Reitschul-Betrieb, weil man Einzelstunden gibt und vielleicht nicht nach 50 min pünktlich endet. Und es erfordert Schüler, die bereit sind, erstmal vom Boden aus zu lernen. Schon Kinder werden durchs öffentliche Bild, das von Pferden erlebt wird, aufs Reiten focussiert.
Die Verbindung der Wörter „Pferd“ und „reiten“ sollte etwas aufgelöst werden…das können wir durch Vorleben erreichen und durch Aufklärung…
Ich persönlich werde z.B. meine 2jährige Tinkerstute nicht irgendwann einreiten…Ich will mit ihr erleben, was alles möglich ist, wenn ich sie nicht dazu zwinge, dieserart für sie Unnatürliches zu leisten. Übrigens bin ich bis vor einem knappen Jahr selbst noch geritten, habe eigene Pferde und bin nicht aus gesundheitlichen Gründen zum Verzichten aufs Reiten gezwuungen. Zwei meiner Pferde sind jung und fit genug, um eigentlich geritten werden zu können. Es ist meine Entscheidung für einen anderen Weg.

 

Von Yvonne Zander • 31. März 2015

Vielen lieben Dank für diesen tollen Artikel!!
Ich selbst bin stolze Besitzerin eines 3einhalbjährigen Welshcobs, welcher bereits seit etwas mehr als zwei Jahren bei mir ist. Eingeritten wird er nicht, bevor er sechs ist, denn mir ist der Wachstum sehr wohl bewusst. Vor meinem Pönie hatte ich einen Pferdeopa, der durch ein Lungenleiden ebenfalls nicht reitbar war. Ihr seht, ich saß schon ewig nicht mehr auf einem Pferd. Was mache ich stattdessen? Mein Pönie wird langsam nach dem Longenkurs gearbeitet, wir üben und im Fahren am Boden (für die Kutsche später), machen ganz viel Freiarbeit, ausgedehnte Spaziergängen und Zirkustricks. Es gibt so viele Ideen, dass ich gar nicht wüsste, wann ich auch noch reiten sollte ;-). Und das schöne: Meine Freundin und ich haben in unserem Offenstall letztens ein kleines Spaßturnier veranstaltet, der Großteil hat zu Fuß teilgenommen und jetzt richtig Lust bekommen weiter zu üben.
Ich denke viele Pferdemenschen haben nur wenig Ideen, was man alles machen kann und wie viel Spaß auch alternative Ideen bringen. Davon abgesehen habt ihr Recht, leider ist die gesellschaftliche Akzeptanz für Bodenarbeit nicht sehr groß. Umso mehr freue ich mich, dass bspw. eine Frau Gunzer sagt, die Langzügelarbeit mache ihr so einen Spaß, dass sie gar nicht mehr aufs Pferd rauf möchte. Das kann ich nur bestätigen, mir fehlt nix 🙂

 

Von Ellen • 31. März 2015

Wieder solch ein schöner Beitrag!
Und Dir, liebe Birgit, danke für Deine so erfüllend wahren Worte!

Es muss diesbezüglich noch viel getan werden. Und dennoch habe ich inzwischen durchaus das Gefühl, dass in den Köpfen sehr viel Bewegung ist. Immer häufiger treffe ich auf meinen Streifzügen draußen auf Spaziergänger mit Pferd.

Früher noch ein sehr seltenes und überraschendes Bild „ja, ist das arme Pferd denn krank?“, ist es jetzt schon ein alltäglicheres. Und das ist gut so!

Ich bin ja auch so eine. 🙂 Habe ein Pferd im besten Alter von knapp sechs Jahren, entferne mich aber innerlich immer mehr vom Einreiten/ Reiten. Einfach weil es so viele Dinge gibt, die uns beiden deutlich besser gefallen. Wir lieben es, die Welt spazierenderweise auf Augenhöhe zu entdecken, dabei mal gemeinsam zu rennen, im Laub zu stöbern …. das gibt mir selbst tatsächlich auch so viel mehr und meine Stute spiegelt mir das gleiche zurück.

Aber natürlich kommen immer wieder diese Fragen danach, wann ich mein Pferd denn nun ENDLICH mal anreite. Inzwischen sage ich einfach: „Dann, wenn es sich ergibt und für uns beide passt. Und wenn dieser Augenblick nicht kommt, dann eben nie.“.

Seit ich diese Einstellung habe, ist auch mein Pferd zufriedener. Der Druck ist nämlich draußen und wir können unsere Ausflüge, Zirkustricks etc. umso intensiver genießen.

LG!

 

Von Jenny • 31. März 2015

wie immer ein toller beitrag. 1000 dank!

ich glaube, ich wäre ein bisschen vorsichtig, so viel gewicht auf bodenarbeit und andere „beschäftigungsmöglichkeiten“ zu legen, und würde mehr auf gemeinsame ruhige zeit zusammen setzen. ich glaube, gerade kindern, die auch gerne einfach mal mit einem tier kuscheln und selbst agil sind, kann man das gut vermitteln, dass es schön ist, bei einem pferd (draußen) zu sein, sich selbst zu bewegen, statt ständig das pferd zu bewegen (z.b. durch spiele wie: rausfinden, wo ein pferd gerne gestreichelt wird, selbst misten, rausfinden, wie man dinge im stall reparieren kann etc.).

ich selbst habe seit gut vier jahren wieder unterschiedliche, zt. inzwischen verstorbene reitbeteilungspferde, bei denen ich zugegebenermaßen auch manchmal ein bisschen mit mir haderte, weil sie defacto fast alle nicht reitbar waren (wobei die diagnose „nicht reitbar“, weil psychisch und/oder physisch nicht zumutbar, immer von mir stammte, nicht von den besitzer*innen, die meist versuchen, reitbare pferde anzubieten, weil idR nur das geld bringt).

zwischenzeitlich hatte ich mal jüngeres, falsch verstanden (!) antiautoritär erzognes pferd (d.h. treten, beißen, steigen, menschen angreifen, plus besitzerin, die es doof fand, dass ich änderungsbedarf sah und nach monaten dann doch auch mal reiten wollte ;-)…). das pferd, mit dem man immer 100% wach und wirklich zt ein bisschen vorsichtig sein musste, hat mir echt die augen geöffnet. ich merke, mit meinem jetzigen senior, der auch seine eigenheiten hat, wieder sehr deutlich wie ich es einfach genieße, seinen paddock zu misten, ihn zu putzen oder zu kraulen.

pferde sind so wunderbar ruhige wesen und ich habe oft das gefühl, sie wollen einem eigentlich sagen: wir könnten doch eigentlich heute gemütlich nebeneinander auf der weide rumlungern und grasen. 😉

ihr schreibt ja auch in eurem blog immer wieder gegen den leistungsdruck mit blick auf pferde und sich selbst an. das kann ich nur unterstreichen – auch bezüglich der bodenarbeit, wo manche menschen, ihre pferde vermutlich mehr nerven als beim reiten.

ich persönlich denke inzwischen: am wichtigsten ist, dass die haltungsbedingungen stimmen (v.a. auslauf, kumpels, gut abgestimmte futterrationen). denn viele pferde verbringen 22-24h am tag ohne die besitzer_innen, und wenn diese zeit gut ist, ist seeeehr viel gewonnen. außerdem entsteht bei genügend auslauf und nicht zu viel futter weniger stress mit „ich muss das pferd noch bewegen“ und mensch kann wirklich ohne äußere zwänge überlegen, was den jetzt für mensch und tier gemeinsam nett wäre.

mit liebem dank und vielen grüßen,
j.

 

Von Miriam • 31. März 2015

Toll, dieser Artikel und die Reaktionen darauf.
Ich habe ein reitbares Pferd und dennoch ist reiten genau das, was ich am wenigsten mache.Ich mache sehr viel Boden- und Freiarbeit. Dabei achte ich auch auf genügend Abwechslung. Ich liebe es meinem Pferd auf Augenhöhe zu begegnen. Auch ausgedehnte Spaziergänge stehen regelmässig auf unserem Programm. Früher bin ich deshalb oft als „Gassigeher“ belächelt worden. Das ein Pferd nur ausgelastet ist, wenn es geritten wird, habe ich noch nie nachvollziehen können und diese Meinung teile ich auch nicht.
Ich wünsche mir auch, das in diesem Bereich ein Umdenken stattfindet.
Zum Glück stehe ich jetzt in einem Stall, wo mein Pferd optimale Haltungsbedingungen vor findet und ich nicht als Exot gesehen werde. Es gibt viele Gleichgesinnte bei uns. Das ist eine Wohltat, das man sich nicht ständig rechtfertigen muss, warum man nicht im Sattel sitzt.
LG

 

Von Beste Grüße • 31. März 2015

Ich reite unglaublich gern.
Aber ich habe null Leistungsanspruch. Das Einzige, was mir dahingehend wichtig ist, ist, dass mein Pony so fit bleibt, dass es mich noch lange tragen mag. Nicht nur aber auch deswegen machen wir viel Bodenarbeit, lernen grad die Handarbeit kennen und schauen auch sonst mal interessiert hierhin und dorthin.
Reiten ist für mich kein Sport sondern eine Fortbewegungsart, die es mir erlaubt, meinen Drang nach Draußen zu befriedigen. Reitenderweise komme ich viel herum, lerne die Gegend auch jenseits der befahrenen und begangenen Wege kennen und kann meinen Aktionsradius über das „fußläufige“ hinaus erweitern. Und dann habe ich auch noch so einen netten, höflichen und interessierten Partner dabei ;).
Reiten ist mir sehr wichtig, aber mein plüschiger Kumpel ist mir wichtiger, hat der keine Lust mehr, dann geh ich halt zu Fuß.
Ich glaube, das Problem ist der Sport und damit der Leistungsanspruch, der aus der kommerziellen Verwertung entsteht. Je mehr Geld im Spiel ist, desto weniger wert ist das Lebewesen. Dummerweise haben aber viele erfolgreiche Reiter eine Vorbildfunktion und stacheln ganze Horden von Pferdeverrückten an, es ihnen gleichzutun und einen ähnlichen Ruhm oder Anerkennung zu ernten. Der Mensch sehnt sich nach Anerkennung und definiert sich gern darüber.
Lässt man Ruhm und Anerkennung weg, bleibt nur noch das Pferd und Du. Und das ist es, worum es geht. Egal, ob geritten oder gelaufen 😉

 

Von Eva • 1. April 2015

Toller Schluss-Satz von meinem Vor-Kommentator! Und so wahr!

Ich reite auch unheimlich gern im Gelände, aber nur, wenn mein Pferd ebenfalls freudig und freiwillig mitmacht und draußen entspannt ist! Ich möchte, dass wir ein Team sind, das gemeinsam schöne Dinge macht oder erlebt und das zieht sich durch alle Aktivitäten: Wenn mein Pferd bei der Bodenarbeit ein griesgrämiges Gesicht macht und sichtlich nicht möchte, dann fühle ich mich damit nicht wohl und überlege, woran es liegt und was wir anders machen können. Genauso beim Reiten, Putzen, Spazierengehen, in die Sonnne gucken oder was auch immer. Es fällt mir nicht immer leicht, herauszufinden, was gerade am besten dran ist und ob ich vielleicht doch nur stärker motivieren muss, statt gleich aufzugeben und etwas anderes anzubieten. Aber so ist es halt – ein Auf und Ab, das immer wieder Reflexion, Achtsamkeit, Innehalten und Flexibilität erfordert.

Ich denke, dass neben Leistungsdruck und Streben nach Ruhm und Anerkennung auch mangelndes Wissen eine große Rolle spielt. Bevor ich vor einigen Jahren „Wege zum Pferd“ entdeckt habe, war mir leider auch nicht bewusst, dass das „normale“ Longieren eher schädlich als nützlich ist. Und ich hatte auch ein schlechtes Gewissen, wenn ich meine Reitbeteiligung nicht mindestens jeden 2. Tag geritten bin. Ich wusste es einfach nicht besser und habe die gängigen Meinungen erstmal übernommen.

Und mit Sicherheit kann man bei der Bodenarbeit genauso viel falsch machen wie beim Reiten! Es ist also in jedem Bereich der Arbeit und des Umgangs mit Pferden wichtig, dass man nicht aufhört zu Lernen und Dinge zu hinterfragen. Je mehr sich eure Texte von Wege zum Pferd in der Reiterwelt verbreiten, umso besser!:-)

 

Von Margot • 1. April 2015

Ein interessantes Thema. Und, danke an Jennys Kommentar. Ich „darf“ vielleicht da nicht zu viel sagen, da ich erst vor einem halben Jahr umgedacht und mein Pferd umgesattelt habe.
Mir fällt auf, dass man mit Pferden anscheinend immer etwas machen muss. Und das nicht zuletzt im Freizeitbereich. Und, ganz wichtig, man macht das dann meist nach XY oder im Sinne von Z. Vor 20 Jahren war es – gefühlt – leichter, einfach ein bisschen auszureiten und mit dem Pferd zu bummeln. Inzwischen ist ein großer Markt entstanden, der einem sagt, was man alles mit seinem Pferd machen kann. Ich möchte nichts davon als schlecht verunglimpfen, bitte nicht. Deswegen nenne ich auch keine Bezeichnungen, wir kennen sie alle, die neuen Meister, die neuen Ausrüstungsgegenstände. Aber ist es nicht völlig egal, was man mit seinem Pferd macht, wenn es für das Tier in Ordnung ist? Ich bin mir sicher das kaum ein Pferd etwas dagegen hätte, wenn man es viermal die Woche entspannt durch den Wald reitet.
Der schönste Ausrüstungsgegenstand ist für mich die Packtasche. Da kann man Kekse, Äpfel und Getränke reintun und mit Freunden und Pferden einen schönen Nachmittag haben.
Und, nichts gegen Fachwissen. Es ist toll, dass man inzwischen viel Nützliches über Haltung und Reiten weiß. Ich habe erst den Versuch gewagt, meinem Pferd die Eisen abzunehmen. Prompt wusste jeder einen Rat. Komischerweise waren sie alle konträr. Ich habe in einem größeren Stall normale Freizeitreiter zu Dutzenden gesehen, die sich nicht leiden konnten, weil jeder sich anders mit seinem Pferd beschäftigt hat und der jeweils eigene Umgang der richtige war.
Können wir uns nicht auf den gemeinsamen Nenner „Pferde gernhaben“ einigen? Ich reite nämlich sehr gern und mein Pferd kommt auch aus der Herde zum Koppelzaun, wenn ich es holen will. Für mich ist eher die Frage, ob man sich im Stall ständig selbstverwirklichen muss. Kann man nicht einfach eine gute Zeit haben, mit den Menschen und Tieren? Ich habe oft andersherum das Gefühl, dass ich Bodenarbeit machen müsste, weil ich mein Pferd sonst nicht gern habe.

 

Von Kelly • 1. April 2015

Hallo Tania, hallo Babette,

vielen Dank für diesen tollen Artikel.
Besonders schlimm finde ich, dass unreitbare Pferde als billige sog. „Beistellpferde“ gehandelt werden. Gerade unreitbare Pferde haben oft schwere gesundheitliche Probleme, die einer Behandlung bedürfen. Nur sind diese unreitbaren Pferde das den Menschen bzw. Reitern nicht mehr wert und leiden stumm als „Beistellpferde“. Wenn es dann gar nicht mehr geht kommen sie zum Schlachter und das nächste billige Beistellpferd aus dem online-Anzeigenmarkt kommt her. Das ist sehr traurig!

Meine „unreitbare“ Stute Lea ist seit nunmehr fast 19 Jahren bei mir. Im August 1996 habe ich sie in furchtbarem Zustand gekauft. Lea´s Gesundheit ist zwar immer noch eine Baustelle, aber sie ist ein glückliches, lebensfrohes Pferd. Und uns wird bestimmt nicht langweilig, Lea und ich unternehmen sehr viele Spaziergänge und andere Dinge. Ich bin sehr glücklich, den Weg zur Beschäftigung vom Boden aus gefunden zu haben. Der Mensch ist so viel mehr auf Augenhöhe mit dem Pferd, im wahrsten Sinne der Worte. Und es bereitet so viel Freude.
Mein Wallach Smokey kam mit vielen Problemen zu mir, die wir alle – körperlich sowie psychisch – mit sinnvoller, überlegter Bodenarbeit (in Zusammenarbeit mit einer Pferdephysiotherapeutin) in den Griff bekamen. Er ist wieder reitbar, ich bin aber dennoch mit ihm hauptsächlich mit Bodenarbeit beschäftigt, einfach deshalb weil es uns Beiden so viel Spaß macht und unser Zusammensein bereichert.
Seit einem halben Jahr haben wir noch eine junge Stute. Mit Lilly mache ich gelegentlich Bodenarbeit und es macht ihr großen Spaß, zudem schult es ihr Körpergefühl und ihre Balance.
Menschen, die nicht erkennen welchen wahren WERT Bodenarbeit hat, sind eigentlich zu bemitleiden. Nur durch die Beschäftigung vom Boden aus, kann man Pferden wirklich nahe kommen, ihre Körpersprache verstehen und mit ihnen 1:1 kommunizieren. Ich spreche oft in meinem (Reiter-) Bekanntenkreis darüber und lade Menschen zu mir ein um meinen Pferden und mir zuzugucken. Bei manchen Menschen stellen sich Überlegungen ein, bei Anderen leider nicht. Sehr schwierig ist es auch kompetente Bodenarbeitslehrer zu finden, denn wenn die Bodenarbeit negativ geprägt wird, bereitet sie wenig Freude. Und die positive Bestärkung ist leider noch selten im Umgang mit Pferden.
Wer Bilder von unserer Bodenarbeit sehen möchte, kann sich auf unserer Webseite http://www.meinPferdetraum.de umgucken :-).
Viele Grüße. Kelly

 

Von Julia • 1. April 2015

Mal wieder ein Artikel genau zur richtigen Zeit! Mein gesunder, junger Wallach wird von mir nun seit gut 6 Monaten nicht mehr geritten. Ursprünglich gab es tausend Gründe für mich, weswegen ich ihn nicht guten Gewissens reiten konnte. Ich hab mir immer vorgenommen, wieder anzufangen sobald dieser oder jener Umstand sich geändert hat. Nun sind die Umstände optimal und ich sehe mich damit konfrontiert, dass ich schlichtweg nicht reiten möchte.

Verliere ich das Interesse? Bin ich nicht ehrgeizig genug gar faul? Leidet mein Pferd unter dem Umstand dass er nicht „vernünftig“ gearbeitet wird? Kann ich es verantworten, dass der teure Sattel im Schrank verstaubt? Und was müssen die anderen nur über mich denken?

Völlig unnötige Zweifel!

Ein Pferd nicht zu reiten, kann Türen öffnen, die wahrlich Wunderbares bereithalten. Ich bin 17 Jahre lang geritten… Jetzt ist Zeit für was Neues! Dank dieses Artikels und der Kommentare konnte ich das endlich akzeptieren. Danke!

 

Von Heidrun • 4. April 2015

Hallo…ein uneingeschränktes Ja zum Artikel und zu allen Beiträgen!!
Als Reitbeteiligung habe ich auch einen Friesen bekommen, der für die Dressurarbeit „nicht mehr geeignet“ war. Die Besitzerin sagte mir aber, dass er im Gelände durchaus noch „seinen Dienst“ tue.
Kurze Zeit nachdem ich Tarik übernommen hatte, entdeckte ich „Wege zum Pferd“…und seitdem ist alles anders. Wir machen Bodenarbeit (ich lerne und bekomme viel erklärt), gehen viel spazieren, üben Kunststückchen und spielen!! Vor allen in Ballspielen ist er groß!! Was wir aber sehr oft machen, ist…Fahren!!
Vielleicht ist das auch etwas, was mehr unter das Volk gebracht werden sollte. Gewiss gibt es auch für das Fahren eine Turnierlandschaft und alles ist auf Leistung geprägt. Darum geht es mir aber nicht. Ich betreibe das Freizeitfahren mit einer leichten Gig(die merkt er gar nicht), wir sind ganz entspannt unterwegs, er kommt locker und gelöst zu Hause an…und ich habe einen fantastischen Nachmittag hinter mir, mit jeder Menge Natur,einem zufriedenen Pferd, einer massiven „Entschleunigung“ (nicht unwichtig heutzutage), einfach fantastisch.
Auch eine Möglichkeit für jemanden, der nicht mehr reiten möchte und es aus Krankheitsgründen nicht mehr kann. Ich reite sehr gerne, merke aber auch, dass für mein Pferd das Fahren bekömmlicher ist…und habe umgedacht. Es ist auch nicht so, dass ich das Fahren schon konnte, ich habe es erst mit Tarik (und seiner Besitzerin, die es kann)gelernt und lerne immer noch. Aber das ist ja auch wieder das Neue, auf das man sich einlassen muss, man muss umdenken und bereit sein, neue Erfahrungen zu machen.
Fazit: Fahren ist eine bemerkenswerte Alternative!!

Lieben Gruß an alle,

Heidrun

 

Von Amena Rauf- Vater • 5. April 2015

Liebe Verfasserinnen,
das ist ein guter Anstoßartikel zu einem für Menschen und Pferden wichtigem Thema: Generell ist weniger oft mehr- und viele Pferde erholen sich blendend, wenn sie in einer gepflegten Umgebung mit Pferdekollegen wieder sie selbst sein dürfen- und die dazu gehörigen Menschen lernen, loszulassen und ihren Geist mit anderen Tätogkeiten und Erfahrungen aufzufrischen. Ich selbst reite bis S, habe den Richterschein etc.- also die ganz konservative Ausbildung. Meine Kollegen können nicht verstehen, dass bei uns so manches S ausgebildete Pferd einfach mal monatelang Pause hat- „einfach so“ – und wir bei der Beobachtung lernen, wie sehr sich bewegungsaktive Pferde selbst weiter trainieren- und wie froh die Bequemeren sind, mal einfach nur rumhängen zu dürfen. Wie bei Menschen auch entspannt sich jedes Lebewesen anders- und krank ist dabei keines- ganz im Gegenteil.Die Forderung schon von Anfängern, ihre Pferde „zu arbeiten“, spiegelt nur den eigenen Frust über die druckvollen Lebensverhältnisse wieder ( leider auch unglücklich oben im Text formuliert- wir sollten unbedingt weg vom „Arbeiten eines Pferdes“ hin zum gemeinsamen Lernen, Beschäftigen und Erfahrungen Sammeln kommen ). Also- erlaubt den Pferde, so häufig wie möglich ein Pferd inmitten anderer Pferde zu sein, falls Ihr es emotional aushalten könnt, jemanden anderes für das Nichtstun zu finanzieren:-)- als Geschenk bekommt Ihr innere Ruhe, fantastische Erkenntnisse über die wirkliche Intelligenz dieser Geschöpfe, akzeptiert die Möglichkeiten und Grenzen und seid wie Pippi Langstrumpf „ich mach miur die Welt, wie sie MIR gefällt“. Los gehts- wenn eine S- Dressurausbilderin das kann, könnt Ihr das auch! Bis bald und herzliche Grüße! Ihre Amena Rauf- Vater

 

Von Christiane Berger • 6. April 2015

Hallo in die runde
ja, ein toller Artikel und sehr sehr wahr.
Ich denke es ist vor allem auch wichtig, wie schon im Artikel in dem Brief erwähnt, daß in den Medien umgedacht wird, denn leider sind die meisten Menschen „Schafe“ und machen einfach das mit „was man so gemacht wird und in der Reklame, in den Medien etc kursiert). Ich war auf einem Hof, der ursprünglich eher absolut keine Reitclubathmosphäre hatte und konnte anfangs im Reitviereck vieles machen – spielen, Freilaufelassen und spielen, Dualaktivierung und mir in einer Ecke mal ein gebasteltes Roundpen einrichten. Dann kamen immer mehr Leute mit „Reitambitionen und es wurde unmöglich, etwas frei zu machen, in einer Ecke „absperrren“ ging nicht mehr „wir brauchen den Hufchlag, Bodenarbeit kannst du in der Mitte machen“… Dann konnte ich nichts mehr aufbauen, weil immer mehrere Reiter unterwegs waren mit Springparcours etc… welche von allen benutzt werden konnten, klar, aber im Sattel.. Und dann hieß es plötzlich: Du kannst in der Mitte nicht mit einem Fähnchen oder sowas arbeiten, da scheut meiner auf dem Hufschlag…“ Ein Wochenplan funktionnierte nicht… Dann stand sogar letztendlich : Vorrang hat Reiten, dann Bodenarbeit dann Freiarbeit – Fazit: es ging nur noch Reiten. Da bin ich mit meinen beiden Pferden zu einem anderen Bauern umgezogen. Nun haben wir nur noch Wiese, aber wir können dort auch spielen, Roundpen abstecken… der Boden ist nicht ideal, aber Perfektion gibt es eben nicht auf dieser Welt. Nur: Reiter die oft mit Pferden spielen oder nich klassische Bodenarbeit machen, werden immer noch oft einfach nicht für voll genommen.

 

Von stefanie • 6. April 2015

ich habe ein shetty-1,10m und gut trainiert durch euren longenkurs ein jahr!! lang.der vater der vorbesitzerin sagte er wär schon drauf gewesen(90kg)shettys sind ja so stark.er sagte auch diesen hengst ohne gebiss zu reiten wäre unmöglich.er ist leicht ohne gebiss zu reiten ,aber ich merke es tut ihm nicht gut( ich wiege 50kg), er zieht genauso brav das sulky. mit mir und drei kindern.reiten nur fuer die kinder(2 und 4 jahre).mein 4 jähriger reitet allein,ohne gebiss! habe seit 10 monaten einen 12 jährigen vb araber wallach,nicht angeritten gekauft.vielleicht dauert es noch ein jahr bis ich ihn reiten kann,bis dahin ist er ein schmusepferd und bodenarbeit mit dem longenkurs liebt er.erst habe ich ihn seelisch und körperlich aufgebaut und er bekommt soviel zeit wie er braucht.vielleicht bin ich es auch ,die soviel zeit braucht.oft sind meine pferde auch klueger…

 

Von Andrea • 6. April 2015

HANDPFERDREITEN!!!
Meine Oldiestute (31 Jahre) ist zwar noch reitbar, aber ich setze aufgrund des geringeren Gewichtes nur mehr Kinder drauf, die auch schon reiten können. Und wenn sich mal kein Kind findet, dann geht Oldie als Handpferd mit – so habe ich meine „Junge“ (mit 20 Jahren *g*) für die Arbeit in der Bahn aufgewärmt und Old-Madame hat ihre 20min gemütlich Schritt-Trab, vlt. auch 1 Galopprunde absolviert. Sie lässt sich auch nicht „abstellen“ – fordert ganz energisch die Beschäftigung mit ihr ein.
Nichtsdestotrotz habe ich vor über 20 Jahren einen damals 13jährigen Wallach, den ich von Geburt an kannte, töten lassen aufgrund einer Arthrose. Würde ich heute vermutlich nicht mehr machen…. damals war es die richtige Entscheidung. Grund: nicht mehr reitbar! Heute weiß ich es besser. Ich hätte ihn aber nicht hergeschenkt oder sonst wo abgeschoben (naja, es wurde dann halt der Pferdehimmel), und ich denke, es fällt so eine Entscheidung kaum jemand leicht und ich verurteile diese Menschen auch nicht gleich mal.
Lang leben unsere Pferde!

 

Von Melanie • 6. April 2015

Ich reite – ja – auch durchaus mit sportlichem Anspruch. Ich freue mich daran mir gemeinsam mit meinem Pferd etwas zu erarbeiten – ja – auch Lektionen zu reiten. Ja – es wird für uns beide auch mal anstrengend – und Ja!!! Mein Pferd kommt beim reiten ins Schwitzen.
Dennoch genieße ich Spaziergänge mit ihm und arbeite mit ihm auch am Boden. Wir machen Dualaktivierung, Doppellonge, Handarbeit, wir üben uns an kleinen Künststückchen und Tricks. Dennoch nimmt Reiten für uns einen hohen Stellenwert ein. Egal ob Gelände oder Dressur. Ich empfinde große Dankbarkeit, dass wir so eine innige Bindung zueinander haben – OBWOHL ich mich oft als sportlicher Coach sehe und ihn auch vor Herausforderungen stelle. Aber diesen Spagat schaffen wir – eben WEIL ich oft vom hohen Ross herabsteige und ihm hier auf Augenhöhe begegne.
Es geht nicht darum ein unreitbares Pferd zu beschäftigen oder den eigenen Körper zu schonen, weil man nicht mehr reiten kann. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, seinem Pferd mehr als bloßes reiten zu bieten. Erst wenn man verstanden hat, welche Bereicherung in den Alltag einkehrt wenn man den Sattel verlässt, wird dies zur Selbstverständlichkeit ohne Scheu vor der gesellschaftlichen Meinung – ein Pferd müsse man reiten.
Jeder kann mit gutem Beispiel voran gehen ohne den Zeigefinger mahnend heben zu müssen – ohne sich als moralische Instanz aufzuschwingen. Natürlich kann man drüber reden. Aber Forderungen zu stellen, nach mehr Bodenarbeit, wird erst mal Gegendruck erzeugen. Wie immer wenn man versucht althergebrachtes zu verändern. Leute die reiten (und nur reiten) sind ok. Besser wäre es (vielleicht) wenn sie hin und wieder absteigen. Aber nichts ist ansteckender wie Freude – also selbst zeigen, wie viel Freude man an seinem Pferd hat. Bei mir am Stall wird immer mehr dualaktiviert – weil man den Pferden den Spass daran ansieht. Nicht weil die, die es tun, sagen, dass das besser sei als reiten. 🙂

 

Von Micki • 6. April 2015

zu der Frage: was könnte reitsportübergreifend gemacht werden? Zufällig ist mir die April-Ausgabe der „Horseman“ in die Hände gefallen. Dort gibt es einen großen Artikel über „Natur und Extrem Trail“ – Anlagen in Deutschland und wie Pferd und Mensch sich so etwas erarbeiten – vom Boden aus…Ich finde es toll, dass solche Anlagen gebaut werden und es werden mehr. Danke für Eure tollen Artikel, sie bringen mich und mein Pferd näher zusammen.

 

Von Conni • 6. April 2015

Ich hatte bisher zwei Pferde, die durch Reiten verdorben waren. Sowohl körperlich als auch seelisch. Denn sie wurden einfach benutzt. Da sie ihren Zweck nicht mehr erfüllten, wurden sie weitergereicht.
So stand ich vor der größten Herausforderung meines Lebens und lernte, dass es mehr und vor allem sehr viel Erfüllenderes gibt als Reiten.
Um das zu erkennen, muss man sich bloß die anatomischen Gegebenheiten des Pferdes ansehen. Es ist kein Fortbewegungsmittel und wenn als solches eingesetzt wird, erfordert dies viel Wissen und eine behutsame Ausbildung seitens des Besitzers.
Leider ist das oft nicht der Fall. Beim spazieren gehen werde ich manchmal belächelt. Wenn ich mir die Pferd-Reiter-Paare ansehe, die mir bei solchen Ausflügen entgegen kommen, bin ich unendlich froh, nicht dazu zu gehören! In letzter Zeit habe ich mir rund 20 verschiedene Ställe angesehen und so traurig es ist, sehen über 80 Prozent der Pferde fertig aus. Sie sehen aus wie Nutzobjekte.
Mein Ziel ist es, dass mein Pferd eine eigene Meinung entwickelt und diese im Rahmen unserer Partnerschaft auch zeigt. Diese Erfüllung lässt viele staunen, wenn mich das Pferd beispielsweise beim gemeinsamen Schwimmen über den See zieht, es beim Kaffeetrinken anständig neben meinem Stuhl parkt, in brenzligen Situationen stets bei mir bleibt oder sich neben mir ablegt.
Das sind Dinge, die mir tausendmal wichtiger sind als Reiten und ich würde diese Erfahrungen um nichts in der Welt eintauschen!
Wichtig ist, die Augen aufzumachen und nicht nur hinzusehen, sondern auch hinzuspüren: Wie reagiert das Pferd beim Auflegen des Sattels? Bleibt es still stehen beim Aufsteigen?
Wenn das nicht einmal klappt, sollte man unten bleiben.
Das Schlimme: viele setzen ihr Wohl über das des Pferdes und machen trotz deutlicher Gegenwehr weiter. Das ist auch als „vorsätzliche Unwissenheit“ bekannt: Man weiß im Innersten genau, dass etwas falsch läuft und handelt trotzdem nach Schema F, weil es einem jahrelang so eingetrichtert wurde.
Aber es findet ein Umdenken statt. Jeder sollte auf sich selber achten und seinen persönlichen Weg, der sich richtig anfühlt, durchsetzen. Mir fiel das anfangs auch schwer und ich ließ mich verunsichern und zu Dingen verleiten, die das Pferd dann aber mit Ablehnung quittierte. Ich stand vor der Frage, was mir wichtiger war: Die Akzeptanz der anderen oder ein glückliches Pferd. Darum geht es nämlich: eine individuelle Entscheidung pro Pferd und pro Partnerschaft.

 

Von Falta, Andrea • 6. April 2015

Ich finde es toll, dass das hier thematisiert wird. Ich bin als jugendliche geritten, hatte noch nie etwas von Bodenarbeit gehört oder gesehen, alles ging um´s Reiten. 30 Jahre später habe ich Hals über Kopf, ein nicht ausgebildetes 12-jähriges Pferd übernommen. Klar, war, das Pferd muss gut ausgebildet sein, dass ich mich sicher mit ihr fühle mit meiner mangelnden Reiterfahrung, klar war auch, ich will sie selbst ausbilden, um richtig Bindung aufzubauen. Wir waren viel am Boden unterwegs, ich habe keine Mühe gescheut km weit mir ihr auf einen Reiterhof zu laufen und mich da reinzufinden. Nach 4 Monaten konnte ich allmählich ganz alleine mit ihr ins Gelände reiten, sie hat nie ein anderes Pferd dazu gebraucht. Ich glaube, wir haben ein ziemlich gutes Vertrauensverhältnis. Es ist toll, sie zu reiten und natürlich war das mein Ziel. Warum ich das schreibe? Wir sind immer noch 2-3 Mal (meistens 3 mal) die Woche auf dem Reiterhof, wo ich am Boden mit ihr arbeite. Von meinem Gefühl her bin ich ihr das schuldig – ohne Reitergewicht – weiter an ihrem Körpergefühl und ihren Bewegungsabläufen zu arbeiten. Und an unserem Verhältnis. Es ist unvorstellbar für mich, sie wegzugeben, wenn sie nicht mehr reitbar ist. Ich fände es sehr wichtig, dass in der Basisausbildung des Reiters die Bodenarbeit ein fester Bestandteil werden sollte. Ich glaube, nur so kann man Pferde lange gesund und reitbar halten. Und ich kann nicht verstehen, wie ich einen treuen Freund einfach abgeben kann, weil er nicht mehr in der Lage ist, mich zu tragen.

 

Von Tabea Dreismann • 6. April 2015

Ein sehr interessantes Thema mit vielen Aspekten! Was mir insgesamt immer wieder auffällt bei vielen Reitern, die eben nur reiten, ist der allgemeine Mangel an bewusstem, reflektiertem Umgang mit dem Pferd. Das fängt schon beim Hufe auskratzen an, wo das Pferd vertrauensvoll den Huf hinhält und der Mensch ihn nach dem auskratzen einfach fallen lässt. Und hört beim Reiten auf, wo fast ausschließlich auf dem Zirkel oder ganze Bahn geritten wird und wenn das Pferd den Kopf runter macht, ist alles gut.
Der erste Schritt zur Bodenarbeit ist also auch damit verbunden, mehr über sein eigenes Verhalten nachzudenken und zu reflektieren. Wieso führe ich eigentlich von links und führe ich es wirklich, oder ziehe ich das Pferd hinter mir her? Wieso longiere ich immer auf einem gleich großen Kreis?
Und das bildet dann die Grundlage für einen ganz neuen Umgang mit dem Pferd!

 

Von Jana • 7. April 2015

Hallo 🙂

Was für ein toller Artikel!
Auch ich beschäftige mich mit meiner Tinkerstute zu 99% am Boden, gestern hatten wir unseren allerersten gemeinsamen Ausritt (10 Minuten) seit ich sie habe. Es war ein wunderbares Gefühl, wir waren beide zufrieden und entspannt. Und dennoch:
Ich liebe die „Arbeit“ am Boden.
Sowohl mit eurem Clicker- als auch Longenkurs haben wir sehr, sehr viel erreicht und es macht einfach Spaß. Sie ist immer eifrig bei der Sache, ist motiviert, kommt angetrabt wenn sie mich sieht. Ich bin mir sicher, dass dieses Vertrauen auf jeden Fall der Bodenarbeit zu verdanken ist.
Vom nicht anfassen lassen vor einem Jahr ist sie zum absoluten Verlasspony geworden. In jeder erdenklichen Situation bleibt sie nun cool und wir können einander blind vertrauen.
Häufig sehe ich Pferd-Mensch-Paare, welche nur im Sattel „harmonieren“. Wobei auch hier bei genauem Hinsehen keine beiderseitige Freude zu erkennen ist.
Es gbt so viele fantastische Möglichkeiten am Boden gemeinsam die schönste Zeit zu verbringen und ich würde mich unglaublich freuen hier regelmäßig noch mehr Anregungen zu finden 🙂

 

Von Sabine • 7. April 2015

Ich schätze die Arbeit von Sadko G. Solinski. Seine Art zu denken und sein Umgang/ Gymnastizierung von/ mit Pferden.

Ein Zitat aus einem Nachruf von Susanne Truetsch und Leonie Schulte-Uentrop hat mir erwähnenswert gut gefallen:

Auf die Frage, ob er noch Spaß am Reiten habe, sagte er einmal zu mir: „Ich reite nicht aus Spaß. Ich habe nur Spaß am Spaß des Pferdes.“

Herzliche Grüße aus dem Süden Deutschlands
Sabine

 

Von Petra Frey • 7. April 2015

Ich kann mich Eurem Artikel nur anschließen.
Bei mir und meinem Pferd ist es Vorraussetzung, daß eine „Reitbeteiligugn“ sich zunächst das Vertrauen vom Boden aus erarbeitet.
Sonst ist sie/er nicht der/die Richtige

 

Von Leonie • 7. April 2015

Danke für diesen tollen Beitrag, der mir so aus der Seele spricht! Ich habe mich gefreut, dass das, was mich seit vier Jahren (seit ich zum ersten Mal mit Pferden zu tun bekam) umtreibt, jetzt zum Thema gemacht wird. Ich hatte darauf gehofft, dass Ihr es noch einmal aufgreift, als letztens der Beitrag über die Abgabe von Pferden, die nicht reitbar sind, kam. Deswegen hier auch mein erster Eintrag in ein Forum bzw. Gästebuch überhaupt. Noch mehr habe ich mich aber über die vielen Einträge gefreut, die zeigen, dass man mit dieser Haltung nicht allein dasteht. Wo seid Ihr alle bloß?
Ich war schon etwas mutlos, da ich mit meinen Zweifeln an der Reiterei an sich und meiner Begeisterung für alles was das freie Miteinander von meinem Pferd und mir fördert, hier recht allein auf weiter Flur bin. Aber vielleicht findet ja doch ganz allmählich ein Umdenken statt.
Das muss m. E. nach vor allem auch bei Eltern stattfinden. Schon ein paar Mal habe ich erlebt, dass Eltern die treibende Kraft waren, das Kind aufs Pferd zu bekommen, während die Kinder selbst viel mehr Spaß daran hatten, mit den Shettys des Stalls zu toben und Tricks einzuüben.
Erst vor kurzem haben mir Nachbarn vom Pferd erzählt, das sie für ihre Tochter gekauft hatten – und das, weil es Schwierigkeiten beim Reiten gab, gleich wieder die Rückreise antreten musste. Abgesehen davon, dass die Schwierigkeiten wahrscheinlich sogar zu beheben gewesen wären, fiel immer wieder der Satz: „Aber sie will ja reiten.“ Ja, ein sehr liebes Pferd, schmusebedürftig, freundlich und sehr gelehrig – toll am Boden, aber „unsere Tochter will ja reiten.“ Oder als die kleine Tochter einer Bekannten ein Shetty bewundert, kommt von der Mutter der Satz: „Nein, das wär nichts für dich. Du willst doch reiten.“ Wenn man Kindern gleich beibringen würde, dass Pferde Pferde sind – und nicht automatisch und nur zum Reiten da und dass man sie auch dann noch hat und sich kümmern muss, wenn man nicht mehr auf ihnen reiten kann oder möchte, müsste man die nächsten Generationen vielleicht gar nicht mehr groß zum Umdenken bewegen.
Und Reitschulen würden es dann auch eher „wagen“ den Kindern Theorie und Bodenarbeit beizubringen, wenn sie nicht fürchten müssten, dass die Eltern darauf bestehen, dass in einer Reitstunde ausschließlich geritten wird. (Das erzählte mir der Besitzer des Reitstalls in dem ich meinen ersten Pferdekontakt hatte. Ich war so empört über den Umgang mit den Pferden und darüber, dass kein Wissen vermittelt wurde – und das war sein Argument: Eltern lassen das nicht zu.)

Danke für Eure tolle Seite und die Mühe, die Ihr Euch macht!
Herzliche Grüße von Leonie, Gästebuch-Debütantin

 

Von Nicole • 7. April 2015

Hallo Ihr Lieben, ich nehme seit einiger Zeit Reitunterricht bei einer Trainerin von Peggy Cummings, die nach ihrer Connected Riding-Methode unterrichtet. Bei ihr beginnt jede Stunde mit Bodenarbeit und Tellington-Körperübungen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel leichter das Reiten danach fällt, die Pferde sind einfach viel besser darauf vorbereitet. Warum also das nicht auch für andere Reitstunden übernehmen, es muss ja nicht Connected Groundwork vorher sein…

Viele Grüße
Nicole

 

Von Nina • 8. April 2015

Cooler Beitrag und spannende Kommentare!

Noch ein, zwei Gedanken dazu: mega wichtig ist auch hier die Haltung der Pferde. Wenn sie genügend Möglichkeit haben, sich unter Artgenossen zu bewegen und beschäftigen, ist die Notwendigkeit gleich nicht mehr so hoch, täglich vom Menschen „bewegt“ werden zu müssen.

Bodenarbeit finde ich auch super, und Gymnastizierung vom Boden gehört für mich einfach dazu. Doch Achtung: man kann sehr schnell auch hier Druck machen, sich selber und dem Pferd. Für mich geht es immer mehr einfach darum, mit Pferden zu SEIN, ohne etwas zu machen oder zu verlangen. Wie Ihr selbst auch immer wieder so schön schreibt, geben die Pferde das tausendfach zurück.

Kleine Werbung für den Tellington TTouch – gar nicht so schwer zu lernen und ein Geschenk für Mensch und Tier 🙂 Er ist einfach fantastisch, wenn sich mal Pferd und/oder Mensch nicht bewegen mögen, und die Verbindung, die dabei entsteht, ist genial! Wenn meine Stute zum Beispiel mal zeigt, dass ihr irgendwo was weh tut (sie „zickig“ ist, wie man meinen könnte), dann touche ich sie einfach statt mit ihr was zu unternehmen, und unsere Welt ist wieder total in Ordnung. Meistens merke ich im Nachhinein, dass ich auch zu müde gewesen wäre für irgend eine Arbeit… 😉

Liebe Grüsse
Nina

 

Von Marina Lange • 10. April 2015

Hallo ihr,

ihr sprecht mir aus der Seele. Seit 7 Jahren betreibe ich jetzt die Natural Kids Ranch und das Thema „mein Kind saß heute aber nur 2 Minuten auf dem Pferd, ich zahle hier schließlich fürs Reiten und nicht fürs xy“ begegnet mir regelmäßig.

Hier etwas „Nähkästchen“ was wir so machen:
– Bodenarbeit nach Parelli (7 Spiele mit Hindernissen und im Gelände, also 3-5 Gangarten, verschiedene Richtungen, verschiedene Hindernisse,… etc.)
– Ponypainting (Das Pony als Leinwand – unsere Ponys schlafen dabei immer ein, weil es eine so entspannte Stimmung ist)
– Ponyfresswettbewerb (welches Pony frißt als erstes seinen Eimer leer?)
– Ponyputzwettbewerb (wer hat das sauberste Pony? Wo muss überhaupt geputzt werden und wo unter Umständen nicht?)
– uvm… Spaziergänge, Klickertraining, unseren Ponys wird nicht langweilig, auch ohne Reiter obendrauf 🙂

Herzliche Grüße

Marina Lange (Dipl. Sozialpädagogin)

 

Von Beate B. • 11. Mai 2015

Hallo, auch ich möchte mich hier kurz outen! Heute war wieder mal so ein wunderschöner Tag, an dem ich dachte: Du könntest ja mal wieder reiten! Im Stall angekommen, habe ich meine zwei Pferde vom Paddock geholt und angefangen zu putzen. Die Lust aufs Reiten verging mir immer mehr, je länger ich putzte und mit meinen Pferden kuschelte. Dann kam meine RB, die in den letzten Wochen etwas kränkelte. Auch sie kam nur zum Pferd, weil sie einfach mal wieder „Pferd streicheln“ musste. Ich überließ ihr meine ältere Stute und ging mit meiner anderen spazieren. Wir waren mind. 1 Stunde unterwegs und es war wunderbar. Zwischendurch haben wir immer wieder ein paar Longiereinheiten gemacht und sind über ein paar Natursprünge drüber. Wir hatten beide unseren Spaß und kamen gut gelaunt an den Stall zurück, wo meine Stute dann noch etwas grasen durfte. Reiten habe ich heute nicht vermisst (meine Stute noch weniger), ganz im Gegenteil. Vor ein paar Jahren hätte ich mir das noch nicht vorstellen können und als ich anfing, mit meinen Pferden vom Boden aus zu arbeiten, und begeistert von Bodenarbeit erzählte und was man alles machen kann, haben mich schon manche etwas komisch angeschaut. Andere konnten mit dem Wort Bodenarbeit schlechthin garnichts anfangen. Mittlerweile sind auch andere ganz begeistert davon, dass man ja nicht immer reiten muss. Vor einiger Zeit haben wir eine Schatzsuche mit Handpferd gemacht. Das hat allen viel Spaß gemacht und war wirklich mal was ganz anderes. Neue Ideen haben wir immer wieder und dementsprechend wird unser Equipment ständig erweitert. Jeden Tag zu Reiten, dazu habe ich einfach keine Lust mehr! Meine Pferde waren noch nie so gut durchtrainiert wie in den Jahren, in denen sie so wenig geritten wurden.

Herzliche Grüße
Beate

 

Von Lisa • 9. Mai 2016

Hallo, einen super Beitrag habt ihr geschrieben! Ich selbst habe zwei Reitbeteilligungen- ein Schulpony und ein Privatpferd. Zum Glück dürfen wir sogut wie alles mit den Schulis machen und „müssen“ nicht nur reiten (so ist das im Nachbarstall). Für das Schulpony komme ich einmal die Woche und wir gehen meistens in den Wald spazieren. Das freut mich richtig wie ich sehe, dass er richtig anfängt aufzublühen. Was uns beiden auch richtig viel Spaß macht, ist richtig im Wald- also nicht auf den Wegen- herum zu streifen, da folgt er mir auf Schritt und Tritt. Auf meiner anderen Reitbeteilligung habe ich einmal die Woche Reitstunde. Ein anderes mal komme ich und gehe spazieren oder mache Bodenarbeit. Sie hat Kissing Spines und die ersten Monate konnte ich sie garnicht reiten, aufgrund ihres Rückens. Das fand ich aber garnicht schlimm und wir haben uns erstmal am Boden kennen gelernt. Lg Lisa

 

Von Barbara • 19. Oktober 2016

wo fang ich am besten an…

als kind hab ich reiten gelernt (jukel-niveau auf dem eigenen pony). das pony galt schnell als "rotzfrech!!", man muss sich ordentlich durchsetzen. und als kind nimmt man an, was einem die reitlehrer und erfahrenen turnierreiter sagen, sei auch richtig. mit 11 hab ich das erste mal schluffen(!!!) verpasst bekommen. gerte und sporen waren standard, aber nicht als hilfe, sondern mehr, um dem pony "zu zeigen, wer oben sitzt"… tja, als kind wollte ich aber mit dem pony gut klar kommen, eine freundschaft haben. ich hab schnell die lust am reiten verloren…

mit anfang 20 dann habe ich angefangen, mich in der theorie mit bodenarbeit zu beschäftigen. von parelli über roberts bis hin zur ethologie – alles dabei.ich kann nicht mehr aufzählen, wie viele bücher ich verschlungen habe, wie viele dokus geschaut usw.

dann habe ich vor rund 2 jahren auf eigene faust ein pflegepferd gesucht – und gefunden. mit ihm hab ich all die theorie in der praxis gelernt. was soll ich sagen- die lust am pferd ist wieder da, stärker, als es je war. und ich habe kapiert, was ich als kind alles falsch gemacht habe, ohne es besser zu wissen. es gibt so viele dinge, die ich heute auf keinen fall mehr machen würde!!!

ich bin mit so einer riesen begeisterung bei der bodenarbeit dabei gewesen, ich kann es kaum in worte fassen. jedoch liegt die betonung auf "gewesen".aufgrund diverser umstände habe ich für mein pflegepferd keine zeit mehr, es steht weiter weg und die fahrerei kann ich mir nicht mehr leisten. darum habe ich mich vor drei monaten an einer konventionellen reitschule angemeldet, direkt in der nähe, eine hobbystunde die woche, um wenigstens etwas umgang mit pferden zu haben. und da kommt der große knick: ich diskutiere ständig darüber, was ich dem schulpferd nicht alles umschnallen will. ich diskutiere ständig, warum ich keinen sperriemen nutzen will. ich muss mich dauernd rechtfertigen…. mein schulpferd hat leichten gurtzwang, weshalb ich den bereich, in dem der gurt liegt, vor dem aufsatteln massiere. so lange, bis mein schulpferd anfängt, sich zu entspannen. so lässt er das aufsatteln deutlich ruhiger geschehen. jedoch werde ich deswegen belächelt als eine, die eigentlich ein pferd zum "knuddeln" haben will…. NEIN, will ich nicht! aber wenn es ihm gut tut, warum soll ich das sein lassen? wenn man sogar wegen solcher kleinigkeiten bezüglich eines achtsamen umgangs mit dem pferd in konventionellen reitschulen derart belächelt wird (und JA, das gerede hinter meinem rücken krieg ich auch mit), dann sehe ich leider schwarz, was eine schnelle, generelle veränderung im umgang mit pferden angeht. mittlerweile bin ich so weit, dass ich überlege, die reitstunden sein zu lassen.

ich habe schon gefragt, ob ich mit meinem schulpferd mal eine einheit am boden machen könnte, einfach damit ich ihn besser kennen lerne und er auch mal was anderes zu tun hat – nö…vielleicht irgendwann, wenn ich im sattel sicherer bin. meiner meinung muss ich kein guter reiter sein, um am boden mit einem pferd vernünftig arbeiten zu können. die bodenarbeit mit meinem vorigen pflegepferd habe ich mit hilfe einer tollen trainerin erlernt. ohne mich hier selbst gut darstellen zu wollen: sie war echt sehr gut zufrieden mit mir und hat mir sogar eines ihrer eigenen pferde angeboten, um das 1-2 mal die woche am boden zu beschäftigen. wenn eine professionelle trainerin mir sogar ihr eigenes pferd als pflegepferd anbietet, sehe ich das als großes kompliment. aber in der reitschule scheint das gar nix zu bedeuten. wobei ich mit pferden am boden weitaus mehr "drauf habe", als wenn ich im sattel sitze. ich vermisse die bodenarbeit unheimlich!!!

ich werd noch einige male versuchen, den reitlehrer zu überzeugen, mir doch wenigstens einmal die chance zu geben. ansonsten hör ich bald auf…. eben weil sie grade nicht nur zum reiten da sind. durch das, was ich alles gelernt habe, bin ich auf jeden fall weniger reiterin, als viel mehr "bodenarbeiterin". ich liebe es einfach!!!!

 

Von Karoline • 3. November 2019

Ein super wichtiger Beitrag! Ich habe ihn bei Google gefunden, ich wollte wissen, ob andere ihre Pferde auch bewusst nicht reiten…Als Wiedereinsteigerin, ende 30, habe ich mir einen toll ausgebildeten Islandwallach, 10 jährig gekauft. Da ich lange Jahre sehr aktive Dressurreiterin war, sehnte ich mich am meisten nach einer Pferdeseele, die mein Freund wird, mit dem ich Zeit verbringen kann. Das Reiten war mir eigentlich schon lange nicht mehr wichtig. Dann war ich fast wieder ‚im Training‘ und stellte fest, dass er immer widerwilliger von der Wiese kam, je mehr ich ihn geritten bin. Der letzte Tropfen, der bei mir zu einem endgültigen Umdenken geführt hat, war dieser: Voller Enthusiasmus zeigte ich meinem Freund ein YouTube Video von einer dieser Frauen, die einen Mustang zähmen und alle möglichen Tricks beibringen. Er war nicht wie erwartet so fasziniert wie ich, sondern sagte nur: „Warum lasst ihr die Pferde nicht einfach in Ruhe, die sollen immer irgendwelche Sachen machen, das sind doch keine Sklaven!“ Ich hab das bis jetzt noch nie so gesehen, aber nachdem ich darueber nachgedacht habe, entschieden: Ich will keinen Sklaven, ich will einen Freund. Auf Augenhöhe, mit Mitspracherecht, der nicht permanent gegängelt und herumkommandiert wird. Schliesslich wuerde ich das einem richtigen echten Freund auch nicht antun, geschweige denn, mich auf ihn raufzusetzen, wo ich weiss, dass es ihm schadet. Jetzt lebt mein kleiner in einem riesigen Paddock Paradise, hier bei mir in England, mit gigantischem Waldgebiet zur freien Verfügung, und seinen Pferdefreunden. Er hat sich total verändert, aus seiner Aengstlichkeit ist grosse Neugier und eine echte Persönlichkeit entstanden. Bitte veröffentlicht mehr solche Artikel, Pferde sind eindeutig NICHT zum Reiten da, es sind kleine Seelen, die geliebt werden wollen, nicht benutzt.

 

 

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