Ein herzliches Hallo in die Runde.

Wege zum Pferd– NewsletterAusgabe: 313

Datum: 23.3.2015

Redaktion:

Babette Teschen und Tania Konnerth

Wie Sie sich denken können, bekommen wir viele, viele Mails. Darunter finden sich immer wieder solche, in denen uns Pferde angeboten werden. Manch einer ist eine Notsituation gekommen und sucht verzweifelt nach einem Platz, manch einer hat feststellen müssen, mit dem Pferd nicht klar zukommen. Sehr oft aber werden Pferde auch deshalb verkauft, weil sie nicht mehr zu reiten sind, sei es aus Krankheit, Alter und anderen Gründen.

Wir haben für vieles Verständnis, aber Mails, in denen wir gebeten werden, ein Pferd zu übernehmen, weil es unreitbar ist, machen uns traurig und auch wütend. Diese Gesuche zeigen Respektlosigkeit in einem Ausmaß, das uns mehr als sauer aufstößt. Ganz abgesehen davon, dass es für uns  alles andere als schön ist, nein sagen zu müssen und ausgemusterte Pferde einem ungewissen Schicksal zu überlassen, sehen wir das so:

Pferde sind keine Fahrräder, die man einfach entsorgen darf, wenn sie nicht mehr funktionieren. Es macht uns tief betroffen, wenn so deutlich wird, dass viele Menschen die Daseinsberechtigung eines Pferdes allein daran festmachen, es reiten zu können. Als ob wir Menschen eine Art garantiertes Recht auf das Reiten hätten, wenn wir uns ein Pferd halten …

Glauben Sie uns, wenn wir könnten, würden wir alle möglichen Pferde zu uns nehmen. Aber das ist natürlich nicht möglich. Wir wünschen uns, dass diese Zeilen vielleicht manch einen, der gerade überlegt, sein nicht mehr reitbares Pferd abzuschieben, zum Nachdenken bringen, was das für das Tier bedeutet und wie viel das noch mit Pferdeliebe zu tun hat.

Mit mal wieder sehr nachdenklichen Grüßen,
Babette Teschen und Tania Konnerth

 sand

Diese Woche neu

 

Das Wichtigste…


Das Wichtigste, das ich von meinem Pferd gelernt habe, ist dass Vertrauen keine Perfektion braucht.

Mira

 

Neu bei uns

Ein Übung für das gesetzte Angaloppieren

Hier bei „Wege zum Pferd“ geht es immer wieder um das gute Laufen des Pferdes (s. z.B. hier und hier). Ein Pferd soll idealerweise korrekt gestellt und gebogen sein, der Rücken soll schwingen und es soll Last mit der Hinterhand aufnehmen und losgelassen und in Balance laufen können – und das in allen Gangarten.

Während viele sich das mit ihrem Pferd im Schritt und Trab recht gut erarbeiten können, zeigen sich im Galopp häufig größere Probleme. Hier nämlich kommt es sehr schnell zu einem Balanceverlust und das Pferd versucht, sich ins Tempo zu retten, stürmt also los. In unserem Longenkurs empfehlen wir, zunächst nur das Angaloppieren zu üben, also wirklich nur die ersten Galoppsprünge und nicht mehr, um das heillose Davonstürmen zu vermeiden. Sehr gut unterstützen lässt sich das mit der folgenden Übung.

Das Angaloppieren aus dem Schulterherein

Für uns stehen die Seitengänge in der Ausbildung vor dem Galoppieren an, wir erarbeiten uns also z.B. das Schulterherein schon sehr früh. Bereits in der stellenden und biegenden Longenarbeit fragen wir ein leichtes Schulterherein ab, um z.B. das innere Hinterbein zum vermehrten Untertreten anzuregen. Zuerst nur im Schritt, dann aber auch im langsamen Trab. Das Schulterherein kann dann sehr gut durch die Arbeit an der Hand weiterentwickelt und auch unter dem Sattel erarbeitet werden.

Wenn Ihr Pferd das Schulterherein beherrscht, können Sie folgende Übung probieren – und das sowohl an der Longe als auch geritten:

  • Lassen Sie das Pferd ganze Bahn im Schulterherein traben.
  • An der nächsten langen Seite nutzen Sie den Mittelzirkel (damit haben Sie genug Strecke, um ein lockeres Schulterherein zu erarbeiten, später können Sie auch auf einen normalen Zirkel gehen), um im Moment des Abwendens sanft die Galopphilfe zu geben – wichtig: das Pferd soll auf dem Zirkel nicht mehr im Schulterherein galoppieren, sondern dort dann einfach der Zirkellinie entsprechend korrekt gebogen.
  • Freuen Sie sich über jeden Galoppimpuls des Pferdes – es muss noch gar nicht richtig angaloppieren, sondern soll erst nur verstehen, dass es aus dem Schulterherein angaloppieren soll und das möglichst ohne loszustürmen.
  • Auf dem Hufschlag gehen Sie wieder Trab, führen das Pferd behutsam zurück ins Schulterherein und lassen es wieder ganze Bahn gehen.

sh_galoppBitte schön locker und ohne große Erwartungen

Der Wechsel von Schulterherein und Angaloppieren ist sowohl für Sie als Reiter/in als auch für das Pferd eine anspruchsvolle Lektion. Geben Sie sich also beiden Zeit, die Aufgabe zu bewältigen. Vermeiden Sie jede Hektik und werden Sie nicht unwirsch, wenn Ihr Pferd beim Abwenden losstürmt, sondern setzen Sie wieder neu an. Geben Sie sich zu Beginn damit zufrieden, dass Ihr Pferd nur einen Galoppimpuls zeigt und loben Sie es ausgiebig, wenn es sich vom Tempo her leicht wieder einfangen lässt.

Üben Sie auch bitte nicht zu lang und oft, denn diese Aufgabe kostet viel Kraft und Konzentration. Bauen Sie die Übung lieber immer mal wieder zwischendurch ein, so als würden Sie einfach aus Interesse die Frage stellen: „Lass uns doch mal schauen, ob du vielleicht aus dem Schulterherein angaloppieren kannst?“ Nach und nach wird Ihr Pferd diese Frage immer öfter mit „Ja, kann ich!“ beantworten und Sie werden einen immer schöneren, gesetzten Galopp erleben dürfen.

Tipp: Probieren Sie auch aus, aus dem Schritt im Schulterherein anzugaloppieren.

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Auf Wiedersehen bis zur nächsten Ausgabe!

Ihnen und Ihren Vierbeinern eine schöne Zeit,

Babette Teschen und Tania Konnerth