Buchtipp: „Bausteine Dressurreiten“ von Corinna Lehmann

„Bausteine Dressurreiten: Trainingswege Schritt für Schritt“ von Corinna Lehmann
3. Aufl. – Stuttgart: Müller Rüschlikon, 2015. – 208 S.
ISBN-10: 3-8612-7365-9.
ca. 25,- EUR (gebunden)

Corinna Lehmann verbindet hier auf anschauliche Weise anatomisches Grundwissen mit Ausbildungswegen und Trainingsbausteine für die tägliche Dressurarbeit mit dem Pferd.

Anspruchs- und gehaltvoll, dabei aber reich bebildert und kein bisschen trocken vermittelt sie fundiertes Wissen, das Ihnen ermöglicht, Ihr Pferd nach den Gesetzen der Biomechanik auszubilden.

Ein hervorragendes Buch für den fortgeschrittenen Reiter.

 

30. Mai 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Buchtipps, Reiten 0 Kommentare »

Ein Tierarztbesuch

„Dass ein Pferd so toll mitmacht und so gelassen bleibt, erlebt man auch nicht alle Tage.“ Das ist die Aussage einer Tierärztin gewesen, die wegen eines Hufgeschwürs bei uns war. Und dieses Lob galt nicht meinem Streber-Pferd Aramis, sondern es galt Anthony. Dem „neuen“ Anthony, der mehr und mehr alle um ihn herum verzaubert.

Ich schrieb hier bereits über die positiven Veränderungen, die ich bei Anthony erleben darf, seitdem ich mich entschieden habe, ihn konsequent zu clickern. Vor einigen Tagen berichtete mir auch Babette davon, dass sie ihn in diesen Tagen ganz anders und neu kennen lernt: Er wirkt offen und interessiert, ist gut gelaunt und flirtet auf unwiderstehliche Weise. Ich erlebe ihn genauso und besagter Tierarztbesuch reiht sich nun ein in eine Reihe von Erfolgserlebnissen, die kein Zufall mehr sein können.

Gute Laune als neue Basis

Anthony ist kein Held, was Schmerzen angeht, und so war er in der Vergangenheit bei Behandlungen nicht wirklich kooperativ. Immer habe ich das mit gutem Zureden, aber auch manchmal mit Strenge beantwortet – ohne großen Erfolg. Als er nun ein Hufgeschwür hatte und sich die Tierärztin mit dem Hufmesser an die Arbeit machte, clickerte ich sein ruhiges, braves Stehen genauso, als gälte es, eine neue Lektion zu lernen. Und es gab so viel zu clickern, denn er machte seine Sache so fein!

Das Tollste aber war seine Ausstrahlung: Er hatte kullerrunde Augen und empfand die ganze Behandlung offenbar fast wie eine normale Clicker-Lektion. Die Schmerzen, das Herumschneiden, das Hufverband-Anlegen – all das geriet in den Hintergrund, während er hoch motiviert dabei war, zu zeigen, dass er das bravste Clickerpony der Welt ist.

Ich war so glücklich wie gerührt.

Was ist aus meinem grummeligen Nein-Sager geworden, der oft selbst dann schlechte Laune hatte, wenn eigentlich alles perfekt zu sein schien. Nun zeigte er sich mehr als gut gelaunt, obwohl er allen Grund zu einer Missstimmung gehabt hätte.

Immer habe ich mir für Anthony vor allem eines gewünscht: dass er ein bisschen zufriedener sein würde mit sich und der Welt. Es tat mir so leid, ihn so schlecht gelaunt, so genervt und so unzufrieden zu erleben. Tja, und jetzt haben wir offenbar genau das erreicht: So zufrieden, wie der Kleine im Moment wirkt, habe ich ihn noch nie erlebt. Und das sogar mit einem Hufgeschwür. Wäre ich nicht schon vom Clicker-Weg überzeugt, allerspätestens jetzt würde ich es sein!

hufgeschwuer

22. Mai 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Clickertraining 10 Kommentare »

Gutes Pferd, böses Pferd?

Wir versuchen hier bei „Wege zum Pferd“ immer wieder die Seite der Pferde zu beleuchten, weil wir glauben, dass so gut wie alle Probleme mit Pferden ihre Ursache bei uns Menschen haben. Nun sagte jemand mal zu mir, dass anzunehmen, dass Pferde nur gut sein, kontraproduktiv ist. Dass man Pferde damit verklärt und nicht mehr realistisch einschätzt. Dass Pferde oft alles andere als „gut“ sind, sondern z.B. untereinander fies sein können und eben auch zu Menschen, um damit dann sämtliche Maßnahmen im Beherrschen von Pferden (von Dominanzgetue bis hin zu handfester Gewalt) zu rechtfertigen…

Ehrlich gesagt halte ich schon allein die Frage, ob Pferde eigentlich eher „gut“ oder doch eher „böse“ ist, für den falschen Ansatz.

Pferde sind einfach. Sie sind nicht „gut“ oder „schlecht“, sondern sie sind Pferd. Und ich glaube, dass die meisten Probleme entstehen, wenn man genau das nicht akzeptiert, sondern wenn man als Mensch von einem Pferd fordert, mehr zu sein oder auch anders zu sein als ein Pferd (nämlich z.B. ein Sportgerät, ein Partner- oder Kindersatz, der beste Freund usw.).

Unsere Erwartungen bestimmen unsere Bewertung

Wir Menschen erwarten so viel von Pferden und übersehen dabei leider, dass fast alles, was wir mit ihnen machen oder von ihnen wollen, für sie NICHT natürlich ist.

Pferde in freier Wildbahn werden nicht angebunden, nicht gesattelt, nicht geritten. Keiner fasst sie überall an, reitet sie eine Stunde im Kreis oder fordert sie auf, über Oxer und Kombinationen zu springen. Pferde in der Natur ziehen keine Kutschen, machen keine Zirkuslektionen und müssen nicht im Straßenverkehr oder auf Umzügen laufen. All das und vieles mehr erwarten wir aber – oft ganz selbstverständlich – von unseren Pferden. Und dann bewerten wir Pferde, die sich unseren Erwartungen entziehen als „schlecht“ und nur die, die brav alles machen, was wir wollen, sind „gut“.

Fair ist das nicht, oder?

Anerkennen heißt wertschätzen

Ich denke, wir sollten uns viel öfter einmal klarmachen, in wie vielen Bereichen uns Pferde entgegenkommen:

  • Wie oft sie z.B. Dinge für uns tun, die vollkommen gegen ihre Natur gehen,
  • wie oft sie ihre Ängste für uns überwinden,
  • wie oft sie uns unsere Ungeduld, Launen und Ungerechtigkeiten verzeihen,
  • wie brav sie sich oft auch mit schlechten Haltungsbedingungen, zu wenig Futter und Trennungen von Artgenossen arrangieren,
  • wie oft sie sich von uns vom Futter wegführen oder aus einer Schlummerstunde holen lassen,
  • wie viel sie bereit sind zu lernen,
  • wie schwer es ihnen oft fällt zu verstehen, was wir von ihnen wollen und wie sehr sie sich aber dennoch bemühen,
  • welche großen Leistungen sie oft für uns bringen,
  • wie oft sie Unangenehmes (drückende Sättel, zu viel Reitergewicht, einengende Hilfszügel, Reiterfehler usw.) ertragen und wie oft sogar Schmerzen und
  • wie oft sie sich von uns schubsen, treten, buffen und sogar schlagen lassen, ohne sich zu wehren.

Ich glaube, dass die Bewertung unserer Pferde direkt aus unseren Erwartungen an sie entsteht – erfüllen sie diese, sind sie gut, erfüllen sie diese nicht, sind sie schlecht. Und das ist deshalb unfair, weil unsere Erwartungen sehr oft weit über das gehen, was Pferden eigen ist. Wenn wir einmal ganz bewusst anerkennen, was sie alles für uns tun, lernen wir diese Wesen noch mal auf eine ganz andere Art wertzuschätzen. 

Ein Pferd ist ein Pferd ist ein Pferd

Obwohl es eigentlich nicht nötig sein sollte, das überhaupt zu erwähnen, aber Pferde sind keine Maschinen oder Spielzeuge, die für uns Menschen entwickelt wurden, sondern Pferde sind lebendige Wesen, deren Daseinsberechtigung zunächst einfach nur ihr Sein ist. Der Mensch schafft sie sich zwar an, um bestimmte Dinge mit ihnen zu tun, aber er hat deshalb nicht auch gleichzeitig das Recht auf die Erfüllung dieser Dinge. Und ich glaube, davon gehen leider noch viele von uns aus.

Wenn ich Pferde Pferde sein lasse, bin ich diejenige, die sich auf sie einstellen muss und die von ihnen und über sie lernen muss. Ich akzeptiere sie dann in ihrem Tier-Sein und erwarte von ihnen nicht, was ich vielleicht auch von anderen Menschen oder mir selbst erwarte (denn genau das tun viele von uns!).

Wenn ich akzeptiere, dass Pferde Pferde sind, kann ich ihnen in ihrer Welt begegnen und sie von dort einladen und verlocken, gemeinsam mit mir etwas zu unternehmen. Es ist dann mein Job, dem Pferd zu zeigen, dass meine Ideen toll sind und Spaß machen und wenn ich sie nicht überzeugen kann, ist es nicht ihr Fehler, sondern meiner.

Gut, dass es Pferde gibt!

Um noch einmal zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Nach rund 35 Jahren, die ich nun mit Pferden zu tun habe, kann ich aus der Tiefe meines Herzens sagen, dass Pferde für mich ganz wundervolle Wesen mit großen Seelen sind und ja, ich glaube, Pferde sind von Natur aus „gut“.

Gut, dass es sie gibt!

13. Mai 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 16 Kommentare »

Der schönste Tag im Jahr

… zumindest ist er das für unsere Pferde: der Tag des Anweidens.

Tor auf und los geht’s – alle drei Herden donnern los:

anweiden14_3anweiden14_2anweiden14_5Einige Runde werden buckelnd, tobend und in Vollgas gedreht…

anweiden14_4anweiden14_7… bis es dann genüsslich zum wichtigen Teil übergeht:

anweiden14_9 (mehr …)

6. Mai 2014 von Tania Konnerth • Kategorie: Haltung, Sonstiges 3 Kommentare »

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