Geh nicht von Dir aus, sondern von Deinem Pferd – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können.

Thema des Monats:
Geh nicht von Dir aus, sondern von Deinem Pferd

Es heißt immer, dass man Pferde nicht vermenschlichen soll und doch tun wir – oft unbewusst – genau das! Scheut ein Pferd auf der bekannten Geländetour, reagieren viele mit einem „So ein Spinner!“. Will ein Pferd nicht durch eine Pfütze gehen, heißt es, dass das Pferd nur „testen“ will. Zappelt ein Pferd beim Satteln, schimpfen viele, dass es sich mal nicht so anstellen und gefälligst stillhalten soll. Und das sind nur einige Beispiele von leider vollkommen falschen Interpretationen von Pferdeverhalten.

Ein Pferd ist immer ein Pferd und wir können sein Verhalten nur dann richtig einordnen und auch beantworten, wenn wir uns seine Beweggründe und Motive klarmachen. Ein im Gelände scheuendes Pferd, „spinnt“ in diesem Moment nicht, sondern es reagiert instinktiv auf etwas, das es verunsichert oder erschreckt hat. Ein Pferd, dass nicht durch eine Pfütze gehen will, ist in diesem Moment unsicher, weil es die Bodenverhältnisse nicht einschätzen kann oder hat andere, aus seiner Sicht gute Gründe, das Durchqueren zu vermeiden. Ein Pferd, das beim Satteln zappelt, zeigt damit, dass es etwas unangenehm findet (entweder den vielleicht unpassenden Sattel, die Art des Sattelns oder was nach dem Satteln kommt). Reagieren wir in solchen oder ähnlichen Situationen vorschnell mit Unverständnis, weil es unserer Ansicht nach, keinen Grund für das Verhalten gibt, tun wir unseren Pferden Unrecht.

Wir müssen verstehen, dass Pferde vieles grundlegend anders als wir erleben und bewerten. Ihre Sinne nehmen die Umgebung anders wahr als unsere und manches erleben sie viel intensiver oder feiner als wir. Für sie sind andere Dinge wichtig oder auch gefährlich als für uns. Sie können nicht sagen, wenn ihnen etwas wehtut oder unangenehm ist, aber sie können es uns zeigen. Doch wir Menschen gehen viel zu oft vorschnell davon aus, im „Recht“ zu sein in unseren Erwartungen und Forderungen an Pferde, weil wir eine Situation nur aus unserer eigenen Sicht betrachten. Sich hier immer wieder ganz bewusst in das Pferd hineinzuversetzen und zu versuchen, die Sache mit seinen Augen zu sehen, kann das Verhältnis zu Pferden wesentlich zum Guten ändern. Mehr noch: Nur so können wir überhaupt pferdefreundlich handeln.

Frage Dich also viel öfter mal: „Wie sieht mein Pferd das Ganze gerade wohl?“ – vor allem dann, wenn Du Dich über Dein Pferd ärgerst oder Dich von ihm genervt fühlst.

19. Januar 2021 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Umgang, Verhalten 2 Kommentare »

 

2 Reaktionen zu “Geh nicht von Dir aus, sondern von Deinem Pferd – Inspiration des Monats”

 

Von Ute Just • 25. Januar 2021

Liebe Tania, genau das habe ich letztens getan, bin nach einer angenehmen Bodenarbeit mit Holgersson wie ein Kind, ganz befreit und voller Freude, durch die menschenleere Halle gerannt, mein Holgerson schaute erst etwas komisch, aber dann schloss er sich an mit einem freudigen Galoppsprung. Es war ein so irre schönes Gefühl, da war eine Verbindung auf anderer Ebene plötzlich da. Du hast so Recht. Tolle Idee. Liebe Grüße, Ute

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Das klingt wunderschön! Weiter so!
Tania

 

Von Birgit • 29. Januar 2021

Den o.g. Text kann man fast 1 zu 1 anwenden auf Kinder, Flüchtlinge, den Ehepartner, den Hund.
Ich stimme voll zu,jetzt ist nur die Frage, wie damit umgehen. Kürzlich holte ich mein Pferd zum Clickern raus. Er wusste: wir wollen Clickern. Zum Aufwärmen wollte ich vorher ein paar hundert Meter die Straße rauf und runter gehen…
Nicht so Herr Pferd. Er beharrte darauf, in der Nähe der Stalles zu bleiben. Schließlich hatte ich Clickern angekündigt und nicht laufen. Tja, wie damit umgehen?

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Hallo Birgit,
darauf kann ich nur antworten: es kommt darauf an 😉 Ich händele so etwas sehr flexibel: Bei dem einen Pferd würde ich das einfach akzeptieren, manche nehmen eben Ankündigungen sehr genau und das muss man dann auch akzeptieren. 😉 Bei einem anderen würde ich vielleicht versuchen, ihm meine Idee schmackhaft zu machen und ihm zu zeigen, dass das toll ist. Es kommt hier auf ganz viele Faktoren an: Persönlichkeit des Pferdes, Grund für das Verhalten, Stimmung, Gesamtlage, Verhältnis und anderes mehr.
Herzlich,
Tania

 

 

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