Finde das richtige Maß! – Inspiration des Monats

Mit unserer  Rubrik Inspiration des Monats nehmen wir uns jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das wir Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es bei uns genug, aber gerade bei Basis-Themen denken wir, ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. 

Unser Tipp: Zieht Euch jeweils unsere Inspiration des Monats auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße  für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Thema des Monats:
Finde das richtige Maß!

Wir leben in einer Zeit, in der alles immer schneller, höher und weiter werden muss. Immer mehr Gewinn wird angestrebt und immer mehr Besitz. Die Ziele werden immer größer, die Erlebnisse sollen immer intensiver werden – und doch werden die meisten immer weniger satt. Dieses Phänomen ist gerade auch in der Pferdewelt deutlich zu spüren, denn viele sind vor allem eines: unzufrieden. 

Trägt uns das Pferd im Schritt, wollen wir traben. Trabt es, wollen wir galoppieren. Galoppiert es für uns, soll es springen. Und dass dann alles möglichst auf Knopfdruck unter jeder Bedingung und mit spektakulären Bewegungen und einer umwerfenden Ausstrahlung. Klappt es auf dem Platz, wollen wir ins Gelände. Und dann wollen wir Zirkuslektionen oder auf Turnieren Schleifen gewinnen und so weiter und so fort. Und selbst bei denen von uns, die nicht ganz so hoch zielen, schleicht sich oft unbemerkt eine permanente Unzufriedenheit und damit auch eine bohrende Unsicherheit ein: Läuft mein Pferd gut genug? Könnte es nicht noch mehr von hinten kommen? Trägt es den Kopf nicht zu hoch oder zu niedrig? Sollte es inzwischen nicht schon halbe Tritte zeigen? Richtig gut motiviert wirkt es eigentlich nicht, oder? Vertraut es mir auch genug? Müsste es dann nicht viel weniger scheuen? Fragen über Fragen, Ansprüche und Erwartungen, ständige Zweifel an dem, was ist  – damit zermürben wir uns selbst und auch unsere Pferde. 

Es gilt für so vieles: Wir müssen lernen, wieder zu einem gesunden Maß zu finden. Nicht jedes Pferd ist zum Dressur-Crack geboren und nicht jedes Pferd kann die vielfältigen Erwartungen moderner Freizeitreiter/innen erfüllen. Genauso kann nicht jeder zum Super-Reiter werden oder ist in der Lage, alle Sparten des Pferdetrainings mit Bravour zu meistern. Wir müssen die Ansprüche an unsere Pferde und uns selbst, die durch all das, was wir in den sozialen Medien oder auf Shows gezeigt bekommen, ins Unermessliche steigen (und von denen wir ja meist gar nicht wissen, auf welchen Wegen das Gezeigte überhaupt erreicht wurden) wieder auf ein gesundes Maß zurückschrauben. Denn das Wichtigste für ein gelungenes Miteinander ist beidseitige Zufriedenheit. Beginnen wir doch damit, uns zu erlauben, weniger zu wollen und dafür richtig stolz auf unser Pferd zu sein.  

 

Inspiration des Monats – Wege zum Pferd

 

 

10. November 2020 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Inspiration des Monats, Longieren, Reiten, Umgang 2 Kommentare »

 

2 Reaktionen zu “Finde das richtige Maß! – Inspiration des Monats”

 

Von Claudia Kretschmer • 17. November 2020

Hallo, ja das alles kann ich bestätigen, es lebt sich wirklich besser damit. Die Einstellung zum Pferd ist schöner und dann lässt sich der Horizont auch wieder etwas verändern /erweitern. Es gibt aber auch Situationen (z. B. Ausreiten) wo ich weiß das mein Pferd lieber zu zweit wäre, es mir aus familientechnischen nicht immer möglich ist mich zu verabreden. Sie macht es aber klasse dafür und ich nehme ihr Zögerlichkeiten auch in keinsterweise übel.

 

Von Sibylle Hell • 18. November 2020

wie Recht Ihr habt!
Und wie schwer es ist, sich zu freuen und zufrieden zu sein, mit dem, was ist. Und es zu erkennen!!

Leider bin ich auch so eine Kandidatin, die meistens mehr will, als möglich ist.
Aber heute habe ich mich sehr gefreut über mein Pferd und mich, weil ich völlig ohne Erwartung mit meinem Wallach das Einsteigen in den Hänger üben wollte. Ich dachte, mal sehen, wie nah wir dem Hänger kommen können, ohne dass sich Santiago aufregt. Total entspannt gingen wir zusammen zum Hänger, der offen auf einer grünen Wiese stand. Santiagos Neugier siegte über seine Angst, die er sonst beim Anblick von Hängern zeigt – und er ging nach wenigen Minuten einfach von selber rein. Blieb drin stehen und fraß dort Heu, war richtig entspannt! Das war schön, wir freuten uns beide sehr!
Fazit: Dinge spielerisch ausprobieren, kein Druck, keine Erwartung. Schauen, was möglich ist und dabei entspannt bleiben. Sich freuen an kleinsten Schritten.

 

 

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