Über Gratwanderungen, oder: Die Pferdewelt ist bunt

In der letzten Zeit gab es eine Reihe von, sagen wir mal, „schwierigen“ Blogbeiträgen bei uns, zum Beispiel solche, in denen es um Schmerzen bei Pferden ging darum, was nicht gut läuft in der Pferdewelt und darum, was es besser zu machen gilt. Diese Texte zu schreiben, war wahrscheinlich genauso wenig leicht, wie es ist sie zu lesen, denn sie rühren vieles an, mit dem sich keiner von uns gerne beschäftigen mag. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, genau dazu wieder einmal etwas sehr Persönliches, weil ich glaube, es geht hier um eine ganz wichtige Gratwanderung, die uns alle verbindet.

Das Ziel ist gemeinsame Freude

Ganz klar: Wir alle wollen Freude mit unseren Pferden haben, deshalb schaffen wir uns Pferde an und verbringen so viel Zeit mit ihnen, wie möglich. Mit Pferden zusammensein zu können, ist doch das Schönste, was es gibt! Und es ist vollkommen verständlich, dass wir uns diese Freude nur ungern durch erhobene Zeigefinger oder Hinweise auf Unrecht trüben lassen – das geht uns nicht anders als Euch…

Wir haben“Wege zum Pferd“ immer sehr bewusst als ein Angebot geführt, das Wege zu einem freudvollen Miteinander aufzeigen will, und gerade mir war es immer extrem wichtig, gezielt einen positiven Fokus einzunehmen. Negatives haben wir zum Teil sehr bewusst ausgeblendet, weil wir glauben, dass es wichtig ist, vor allem Energie in das zu geben, was man erreichen möchte und nicht in den Kampf gegen etwas.

So habe ich mich auch lange innerlich gewehrt, Schmerzbilder rauszusuchen und Ungutes anzuprangern, weil mir die Auseinandersetzung damit selbst ins Herz schneidet. Doch auch wir leben nicht in einem Elfenbeinturm. Wir bekommen täglich mit, was in der Pferdewelt los ist und fragen uns manchmal wirklich, was all unser Einsatz eigentlich bringt, wenn sich in der Summe so wenig zu ändern scheint. Die letzten Texte sind aus aktuellen, persönlichen Erlebnissen heraus entstanden und damit aus meiner eigenen Ohnmacht heraus, vor Ort mitansehen zu müssen, was Pferde alles erleiden müssen, ohne dass ich real und praktisch etwas tun kann. Und bei mir ist das so: Wenn ich praktisch nichts tun kann, schreibe ich eben darüber, denn das Schreiben ist mein Weg. Zugegeben, dabei kann durchaus auch mal etwas ins Negative kippen,  … ganz einfach weil es das Negative eben auch tatsächlich gibt. 

Das aber heißt wiederum nicht, dass ALLES negativ ist! Schaut Euch in unserem Blog um, all die vielen positiven Ansätze überwiegen bei Weitem und das wird auch so bleiben! Wir wollen niemanden lähmen, wollen nicht frustrieren und nicht ohnmächtig machen, aber um nicht selbst in ein Gefühl der Ohnmacht und Lähmung zu kommen, müssen wir hin und wieder unser Angebot auch dafür nutzen, ein bisschen wachzurütteln. Leider ist es dann so, dass sich meist vor allem diejenigen angesprochen fühlen und in Frage stellen, die eh schon zu viel über sich selbst grübeln, aber deshalb gar nichts mehr anzusprechen, ist auch keine Lösung, weil uns unser Angebot die Möglichkeit gibt, eben auch die zu erreichen, die einfach noch ein bisschen zu wenig nachdenken und fühlen.

Letztlich geht es immer wieder darum, Vielfalt zu erkennen. Die (Pferde-)Welt ist bunt. Es gibt alle Farben, nie nur eine. Manchmal ist einem allerdings eine Farbe besonders nah, je nachdem, was man gerade selbst erlebt oder wie man sich fühlt, und in diese Farbe wird dann erstmal alles getaucht, das kenne ich von mir selbst nur allzu gut. Um bei Frust nicht alles schwarz zu malen, fordert das Schreiben von Texten für so ein Blog also immer auch ähnlich viel Selbstreflexionsvermögen wie die Arbeit mit Pferden 😉 

Bestätigung ist wichtig, Aufklärung aber auch

Ich persönlich weiß sehr genau, wie wichtig ein positiver Fokus im Leben ist und dass Ermutigung und Bestätigung die entscheidenden Energien für positive Veränderungen sind. Das gilt für alle Bereiche im Leben. Deshalb werden wir uns unsere positive Ausrichtung auf jeden Fall bewahren – einmal für uns selbst, aber natürlich vor allem auch für Euch, um all diejenigen weiter zu nähren und zu stützen, die auf guten Wegen unterwegs sind – Ihr seid diejenigen, die Pferde brauchen!

Gleichzeitig ist aber auch Wissensvermittlung nötig, denn Unwissenheit ist ganz oft eine Quelle von unschönen Dingen. Wie sollen Leute Schmerzen bei Pferden erkennen, wenn man ihnen nicht zeigt, wie Schmerz beim Pferd aussieht? Nein, es ist nicht schön, Fotos von leidenden Pferden zu sehen, aber sie sind wichtig, weil immer noch viele einfach nicht wissen, wie sie überhaupt Schmerzen erkennen können! Ein Stück weit halten wir es tatsächlich für unsere Pflicht, unsere Präsenz dafür zu nutzen, klar zu sagen, wo es hakt, denn die Unwissenheit und Ignoranz ist in vielen Bereichen immens. Deshalb bewegen sich unsere Texte zwangsläufig zwischen warmen Wohlgefühl und bohrender Unbequemlichkeit. 

Mein Traum…  

Nach wie vor ist unser Motto „Es geht auch anders!“. Wie es anders gehen kann, zeigen die meisten unserer Blogbeiträge und vor allem auch unsere Kurse, in denen wir ganz viele praktische, schöne und freudvolle Wege auffächern. Aber hin und wieder ist es aus unserer Sicht auch nötig, Klartext zu reden, um Augen zu öffnen, sonst wird uns zu Recht das Tragen einer rosaroten Brille vorgeworfen.  Rückmeldungen darüber, dass dann tatsächlich der eine oder die andere durch einen Artikel bei uns wachgerüttelt wurde und erst durch die Anstöße etwas geändert hat, machen mir Mut, dass es richtig ist, auch dafür zu schreiben – keinesfalls nur, aber eben auch.

Und nun verrate ich Euch noch etwas: Meine ganz persönliche Traumvorstellung ist die, dass die Pferdewelt irgendwann gar kein „Wege zum Pferd“ mehr braucht – wäre das nicht wundervoll?

Bis es soweit ist, denke ich, sind aber unsere Impulse – positive, wie aber auch die unbequemen – wichtig und berechtigt. Ich ganz persönlich fühle mich dabei immer wieder auf’s Neue gefordert, diese Impulse konstruktiv zu setzen, sodass sie annehm- und verarbeitbar bleiben und werde dafür weiterhin mein Bestes geben. Eure vielen schönen Geschichten und all die tollen Beispiele, wie es tatsächlich anders geht, helfen uns sehr dabei! 

Gradwanderung

Foto von Horst Streitferdt für Kosmos

6. November 2018 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Sonstiges 6 Kommentare »

 

6 Reaktionen zu “Über Gratwanderungen, oder: Die Pferdewelt ist bunt”

 

Von Alexandra • 9. November 2018

Ach, liebe Tania,

da kann ich dir in allen Punkten nur von ganzem Herzen zustimmen!

Da die Mitbesitzerin und die eigentliche Besitzerin der beiden Herren auch zu der „zeig wer der Chef ist“ Fraktion gehören, erlebe ich diese Gratwanderung sehr häufig.

Aktuell arbeiten beide nicht mit den Pferden, und verbringen auch nicht nennenswert Zeit mit ihnen. Wenn man sich aber doch mal am Stall trifft, liegt der Fokus eher auf dem Negativen, „das hat der vorher nie gemacht“
„bei dir dürfen sie alles, setz dich mal durch“.

Inzwischen sehe ich es als meine Lektion an, mich von dieser negativen Energie nicht runterziehen zu lassen und mich auf die Seite der Pferde zu stellen ohne wenn und aber. Zugegeben, klappt nicht immer, da ich mich doch noch hin und wieder frage, ob ich nicht doch was falsch mache. Ist (rein zufällig ;.))) auch ein Lebensthema von mir. Werde aber immer besser;-))

Meine Bestätigung und positive Rückmeldung kommt von den Pferden, und das ist mir auch das Wichtigste.

Frustrierend finde ich das Beharren auf den „setz dich durch“ Ansatz zwar weiterhin,hab aber aufgegeben, Energie in Überzeugungsarbeit für Ansätze wie Clickertraining zu stecken, da es momentan rein theoretische Diskusionen sind.

Jedenfalls habe ich in den letzten Jahren daraus wahnsinnig viel gelernt, über Pferde, Menschen, positive und negative Energie & die Auswirkungen,Kommunikation und vor allem über mich!

Wir können die Welt zwar nicht retten, aber unser Bestes tun, was die Gestaltung unseres unmittelbaren Umfeldes angeht. Vielleicht färbt das ja ab, und wir bewirken mehr Positives als wir annehmen!

Viele liebe Grüße

Alexandra

 

Von Julia • 11. November 2018

Hallo Tania,

ich kann absolut nachvollziehen, dass es Dir/Euch sehr schwer fällt, den schrecklichen Missständen in der Pferdewelt Aufmerksamkeit zu schenken…mir geht es genauso! Aber bitte hört nicht auf damit! Euer Angebot ist so wichtig und wertvoll!
Ab und zu teile ich Eure Beiträge mit den anderen Einstallern und auch wenn es scheinbar nichts verändert, will ich nicht müde werden, immer wieder darüber zu sprechen und meinen „Pro-Pferd-Standpunkt“ zu verteidigen.

Steter Tropfen höhlt den Stein 🙂

Alles Liebe und viel Kraft für alle, die im Sinne unsere Pferde etwas verändern wollen! <3

 

Von Anne • 12. November 2018

Liebe Tanja,

ich verfolge deine Beiträge schon einige Jahre und nehme immer wieder interessante Anregungen daraus mit. Auch mit den besten Absichten wird man immer mal wieder „betriebsblind“, so dass deine regelmäßigen Denkanstöße mich immer mal wieder auf den richtigen Pfad zurückschubsen. So auch die Artikel über die Schmerzen.
Ich finde, dass du dich nicht so dafür zu rechtfertigen brauchst (so kommt mir der obige Blog-Eintrag nämlich gerade vor), solche Themen ebenfalls zu besprechen und zu reflektieren, denn die gehören dazu und werden leider auch immer wieder unter den Tisch fallen gelassen. Das hat in meinen Augen auch nichts mit negativer Energie etc. zu tun.
Pferde sind nunmal nicht zum Reiten gemacht worden, und wenn wir das von ihnen wollen, liegt es in unserer Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sie dies schmerzfrei können. Die Definition von Tierquälerei dagegen ist es, Tieren Schmerzen zuzufügen. Da Pferde diese oft erstmal nur mit geringsten Anzeichen zeigen, gehört es für uns einfach dazu, immer wieder genau hinschauen, um sie nicht zu übersehen oder gar falsch zu deuten.

Also nochmal danke für deine Themen, die positiven wie die „negativen“ und mach weiter so!

Viele liebe Grüße,
Anne

 

Von Sabine • 13. November 2018

Liebe Tania, liebe Babette,

Ihr müsst auf jeden Fall weitermachen, den Finger in die Wunde zu legen. Wir, die wir so unvollkommen sind wie nur irgend etwas, brauchen diese Denkanstöße und für mich sind auch dazugehörige Bilder immens wichtig. Bitte deckt auf und werdet nicht müde, gegen diese „Ich-Chef-Du-nix“-Fraktion andere, Eure Wege zum Pferd, aufzuzeigen. Und ja, auch ich gehöre zu den Menschen, die den Fehler immer (!!!!) bei sich selbst suchen und so manches Mal verlässt mich auch die Zuversicht und ich denke dann: „Könnten die anderen vielleicht doch recht haben?“ Aber dann sehe ich meinem Pferd in die Augen und dann weiß ich wieder, wo’s langgeht …

Viele Grüße,
Sabine

 

Von Christa Müller • 14. November 2018

Liebe Tania, liebe Babette

es ist immer wieder schön, von Euch zu hören und auch zu sehen, wie Ihr versucht, das Positive zu stärken und auch Negatives, Ungutes auf zu zeigen! Das ist nicht einfach! Dieser Artikel spricht mir sehr aus dem Herzen. Manchmal überwältigt es einem fast, wenn man die Missstände sieht. Man kann einfach nur immer und immer wieder zeigen, erklären, VORMACHEN wie es ANDERS geht, um an dem Platz an dem wir stehen etwas zu bewirken. Viele positive Rückmeldungen meiner Kunden und schöne Fotos, von glücklicheren Pferden oder freudiger gehenden Pferden, bestätigt das. Macht weiter so, Ihr Alle, die da draussen auch Gutes tut und noch tun werdet! Haltet durch, wir unterstützen dadurch alle und vor allem die Pferde! Liebe Grüsse aus einer grad nebligen Schweiz, Christa

 

Von Alexandra • 15. November 2018

Hallo, ihr Alle,

was ich noch sagen wollte:

Es tut mir nicht nur immer wieder gut, die Blogbeiträge zu lesen, sondern auch all die Kommentare, in denen ich mich und meine Meinung wiederfinde.
Besonders wenns mal nicht gut läuft, und ich mich von den negativen menschlichen Rückmeldungen an Frau die sich nicht durchsetzen kann richtig runterziehen lasse.

Ich würde mir zwar mehr kompetente Unterstützung vor Ort wünschen,bin auch noch auf der Suche, aber bisher hab ich unseren passende Trainer noch nicht gefunden.

Dann seid ihr alle oft mein Rettungsanker, der mich auf meinem Weg hält!

Deshalb hier von mir ein Dankeschön an euch, und dieses Mal nicht nur an Babette und Tania

 

 

Einen Kommentar schreiben

 

Die folgenden Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  • Herzlich Willkommen im Blog von „Wege zum Pferd“

    Hier finden Sie unser Blog und können ganz in Ruhe stöbern. Oder Sie suchen gezielt in einer der Themen-Kategorien hier weiter unten im Seitenbalken. Alternativ können Sie auch in dem Suchfeld ein Stichwort eingeben.

    Alles zum Thema Longieren finden Sie hier und unsere Beiträge zum Clickertraining hier. Eine Übersicht über unsere Kurse, E-Books und Bücher finden Sie hier.

    Und wer sind wir? Wir sind Babette Teschen und Tania Konnerth, Betreiberinnen dieser Seite seit 2008 – einen Artikel zu unserem 10-jährigen Bestehen gibt es hier. Wir teilen in diesem Blog unsere persönlichen Erfahrungen und unser Wissen mit Ihnen und Euch und freuen uns auf Kommentare und Rückmeldungen.

    Und hier geht es zu unserem Buch bei Kosmos:

  • Praktische Hilfe gesucht?

    Wir bieten Ihnen auch persönliche Unterstützung für Sie und IhrPferd – Bitte hier klicken.

  • Kategorien

  • Neueste Beiträge

  • Neueste Kommentare

  • Archive

  • Diese Seite verwendet Cookies. Personenbezogene Daten werden zum Beispiel bei den Kommentaren gespeichert. Mehr erfahren

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen