Nimm’s doch mit Humor!

Eine Sache vermisse ich sehr in der Pferdewelt und das ist der Humor. Wie verbissen wird da erzogen und trainiert, wie hart gearbeitet, wie ernst gesorgt und wie wütend und böse werden viele, wenn die gesetzten Ziele nicht erreicht oder das gewünschte Verhalten nicht gezeigt wird.

Himmel, möchte ich dann oft rufen, das Ganze soll doch Spaß machen! 

Warum sind wir nur so verbissen?

Wie kommt es nur, dass wir in dem, was doch unser Hobby ist, oft so schrecklich verbiestert sind? Warum können wir so selten darüber lachen, wenn unser Pferd seine eigenen Ideen zeigt oder über uns selbst, wenn wir zum hundertfünfzigsten Mal denselben Fehler machen? Warum reagieren wir bloß so streng, wenn unser Pferd herumkaspert oder eine Lektion nicht so zeigt, wie wir glauben, dass es das können muss? Warum sind Reitlehrer/innen oft so streng und kritteln an wirklich allem herum, obwohl es ganz viel zu loben gäbe? Warum neiden wir anderen ihren Spaß, indem wir fiese Blicke werfen oder gar gehässige Bemerkungen machen? 

Und ist Euch mal aufgefallen, dass wir oft vor allem mit uns selbst und mit unseren eigenem Pferd besonders humorlos sind? Bei anderen Pferden haben wir meist einen viel milderen Blick, finden deren Scherze witzig und sehen es auch gar nicht so eng, wenn das Angaloppieren oder das Anhalten mal nicht punktgenau funktioniert. Bei unserem eigenen Pferd und uns selbst hingegen kommt all das eher einem schweren Vergehen gleich… 

Wieder lachen lernen!

Ich wünsche mir ganz doll, dass im Pferdetraining nicht nur der Sitz geschult und die Hilfen vermittelt werden, sondern dass Pferdemenschen auch lernen, über sich selbst und ihr Pferd zu lachen. Denn im Reitunterricht wird leider meist das genaue Gegenteil vermittelt.

Statt Angst zu haben vor Fehlern und ständig unsere kritische Brille aufzuhaben, sollten wir alle erkennen, wie viel Humor Pferde haben. Ganz viele von ihnen sind echte Spaßvögel, aber den meisten ist das leider aberzogen worden.

Aber: Was ist die Welt ohne Lachen? 

Achtet doch mal darauf, wie oft in Eurem Umfeld beim Reiten oder der Arbeit mit dem Pferd gelacht wird. Wie viele strahlende Gesichter seht Ihr? Wie viel Spaß scheinen Mensch und Pferd zu haben? Oft nicht viel, oder?

Einfach anfangen!

Zugegeben, auch mir fiel es nicht gerade leicht, lockerer zu werden, wenn es um meine Pferde und mich ging. Irgendwann begann ich aber damit, ganz bewusst mehr zu lächeln und auch zu lachen. Und wenn ich ehrlich bin, dann kam das zu Beginn nicht immer von Herzen, aber das veränderte sich stetig.

Heute lache ich sehr viel mit und über meine Pferde und zwar wirklich aus dem Bauch und Herzen heraus – über die kleinen und größeren Missgeschicke und Missverständnisse, die uns immer wieder passieren, und über ihre Scherze, die sie immer öfter machen, über die Ideen, die sie so haben und vieles andere mehr.

Ich bin fest davon überzeugt, dass hier viel Potential für einen anderen, schöneren Umgang mit Pferden ist. Schaut doch gleich heute mal selbst, worüber Ihr lachen oder wenigstens lächeln könnt!

humor

6. September 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Umgang 14 Kommentare »

 

14 Reaktionen zu “Nimm’s doch mit Humor!”

 

Von Anja • 6. September 2016

Hallo Tania,
Du sprichst mir aus der Seele!
Ich habe ein Kasper-Pferd, das gerne eigene Ideen entwickelt und viele Dinge mit dem Maul durch die Gegend tragen möchte. Ich kann darüber herzlich lachen – z.B. als er ein langes Vierkantholz genau in der Mitte mit weit geöffnetem Maul hochgehoben und mir gebracht hat. Großartige Leistung!
Andere in meinem Umfeld sehen das leider anders und wir werden manchmal müde belächelt…
Macht uns nichts aus – wir haben Spaß.

Liebe Grüße
Anja

 

Von Regula • 6. September 2016

Ich bin gerade daran meinem Pferd den Humor zurückzubringen. Er nimmt alles immer so ernst und meint er müsse immer gehorchen. Er zeigt mir nur die negativen Gefühle, die positiven getraut er sich wohl nicht zu zeigen. Ich mache extra eine Lektion mit Ball und Leckerli und er wird belohnt für jede eigene Idee von Ihm.

 

Von Birgit • 6. September 2016

Ich lache jeden Tag mit und über mein Pferd….er ist ein 6 jähriger Wallach und ständig albern und ich freue mich darüber, denn als ich ihn übernommen habe vor 8 Monaten war er alles andere als lustig und spielfreudig und diese Spielfreude mache ich mir zunutze um ihm Sachen beizubringen 🙂

 

Von Marlen • 8. September 2016

Ein sehr guter Bericht danke! Als Fotografin habe ich oft genau dieses Problem gerade am Anfang, das meine Pferdemädchen mit fürchterlich verbissenen Gesichtern auf ihren Pferdchen hocken und mir etwas zeigen wollen, was mich garnicht interessiert. Da kann das Pferdchen noch so schön laufen, wenn sie dabei ein Gesicht zum weglaufen ziehen macht das jedes Bild kaputt. Es ist total schön zu sehen wenn man es immer wieder anspricht und ihnen mal Beispiele aufzeigt wie es anders geht, das dort Entwicklungen passieren. Mehr Bewusstsein und Liebe zum eigenen Pferd. Das erlebe ich ganz oft. Mit den Bildern halte ich ihnen einen Spiegel vors Gesicht und die Ergebnisse sprechen dann für sich.

Liebe Grüße Marlen

 

Von Stellbaum • 12. September 2016

Seit Jahren schon lache ich beim Reiten, wenn eine Übung nicht klappt. Wenn ich mein Pferd freundlich frage „Hast Du den Fehler gemacht oder ich?“ dann ist meine Antwort immer „Ich hab´s falsch gemacht“. Komm lass es uns fröhlich besser machen. Wer auf dem Pferd lacht, statt sich zu ärgern, ist einfach lockerer und liebevoller zu seinem Partner Pferd. Lachen befreit beide.

 

Von Birgit • 12. September 2016

da habt Ihr Recht! Das sehe ich auch immer wieder, als ob Spaß bei der Arbeit nicht sein darf. Dabei ist Spaß Grundvoraussetzung für ein harmonisches Miteinander. Mein Pferd findet das Danke sagen eine schöne Übung und ich habe den Eindruck sie weiß ganz genau was es bedeutet.
Ich sage ganz oft (unbewusst) „Daaaankeschön“, wenn sie was besonders gut macht. Das ist aber auch das Komando für die Übung ein Bein vor, Kopf zwischen die Beine. Das zeigt sie seit ein paar Wochen auch dann immer, wenn ihr gefällt, was ich mit ihr mache. Da kann ich dann immer herzlich lachen und ich habe das Gefühl sie auch. Das ist Kommuikation auf pferdisch…einfach herrlich!

 

Von Mari • 12. September 2016

Das da zum Tei
So wenig gelacht wird, liegt sicher zum Teil daran, dass etliche Reitlehrer die Wurzeln, die aus aus dem Militär stammen, noch immer nicht abgelegt haben.
Und zum Teil wohl daran, dass viele Reiter meinen, sich und anderen ( womöglich auch dem Pferd) etwas zu müssen.
Herrlich, mit Leuten zusammen zu reiten, die nicht überehrgeizig sind sondern die Gemeinschaft untereinander und mit den Pferden genießen.

 

Von Monika • 12. September 2016

Hallo Tania!
Wieder mal ein toller Artikel. Mein Hafi und ich haben – wie wohl viele – längere Zeit gebraucht, aber es zum Glück geschafft, dass wir jetzt ein humorvolles, entspanntes, liebenswertes, bewertungsfreies Miteinander leben. Dank Eurer vielen Artikel und Anregungen ist uns das gelungen.
Gerade letzte Woche sagte meine Stallnachbarin folgenden Satz: „Ich dominiere mein Pferd sehr gerne.“ Mir kamen die Tränen und noch heute trifft mich dieser Satz sehr. Ich habe überlegt, wieso sie so denkt. Und dabei ist mir aufgefallen, dass sie auch „sehr gerne“ die Menschen dominiert. Sie muss immer das „Sagen“ haben. Und sie denkt nur negativ und hat eigentlich gar keinen oder nur sehr wenig Spaß im Leben. Ihr Pferd ist einfach nur lieb und hat sich leider total untergeordnet, auch bei ihr sieht man kaum noch freudige Regungen. Meiner dagegen „lebt“ und ist aktiv, was sie dann als „unerzogen“ betitelt.
Da sie ja sehr „dominant“ ist, ist es natürlich schwer, sie zum Umdenken anzuregen. Aber ich gebe nicht auf, denn ich habe mir zum Glück ein „dickes Fell“ angeschafft.
Ganz liebe Grüße und allen hier weiterhin viel Spaß mit ihren Pferden.

 

Von SE • 12. September 2016

Vielen Dank für den tollen Beitrag! Tatsächlich ist es oft so, dass man total verbissen ist und das lachen verlernt hat. Gerade gestern ging mir so etwas bei einem Ausritt mit meiner Süßen durch den Kopf. Früher, als Kind, hat man so einen Ausritt total genossen, ohne darüber nachzudenken, ok müssen wir mehr traben, sollen wir mehr galoppieren? Sondern man hat einfach den Augenblick genossen und genau das möchte ich auch wieder lernen. Weg von dem verbissenen hin zu mehr genießen und lachen 🙂

 

Von Monika • 12. September 2016

Hallo ihr 2!
Ich habe euren Newsletter erst vor einigen Tagen abonniert. War gespannt drauf. Ich habe ihn eben ganz in Ruhe genossen und bin begeistert! Genau das ist die Art und Weise, wie ich mir vorstelle, dass man mit einem Pferd als unserem Mitgeschöpf umgehen sollte. Wobei dasselbe auch für Hunde … gilt.
Ich hoffe sehr, dass da ein allgemeines Umdenken stattfindet, aber ich denke, es hat sich in den letzten Jahren schon einiges getan. Stichwort horsemanship.
Seid stolz auf eure Arbeit und macht weiter so!
Viele Grüße, Monika

 

Von katharina nitzsche • 12. September 2016

Hallo! Ich finde das total schrecklich das der Humor wenn der Humor weg ist. Ich war vor kurzem bei einem Kurs und da wurde auch kaum gelacht. Das war nicht schön. Mein Sohn und ich haben unsere Ponys angelacht und uns an igren Reaktionen erfreut. Die meißten anderen: ernste Gesichter,Pferde ausdruckslos, gelangweilt,abwartend ohne Regung. Die Mimik sprach Bände! Sie werden oft einfach „benutzt“,sollen artig sein und alles perfekt machen. Bloß keine eigene Idee haben.

 

Von Susi • 12. September 2016

Ach ihr Beiden seid so toll! Ihr habt mein Leben und meine Einstellung zum Pferd sehr verändert. Auch wenn mir innerlich schon immer klar war, dass ich es genau so und nicht anders wollte, so bin ich doch froh, euch gefunden zu haben und immer wieder solch schöne Sachen und Anregungen zu lesen, die ganz in meinem Sinne sind. Denn wenn man so in einer Stallgemeinschaft ist und eine solche Einstellung hat, dann kommt man sich manchmal schon recht einsam vor und wird ziemlich beäugt, auch wenn man versucht offen zu sein. Klar entschädigt einen das Pony für alles, wenn es freudig am Zaun steht sobald man kommt und trotzdem ist es toll zu wissen, dass es noch andere gibt die so denken.
Herr Pony ist sehr glücklich und dankbar, dass ihr mir immer wieder Anregungen gebt. Ich bin wirklich sehr entspannt, geduldig und humorvoll geworden. Ich hätte vor einem Dreiviertel Jahr nicht gedacht, dass ein Pony einen so verändern kann!

Hört bitte niemals auf!
Susi

 

Von Meli • 13. September 2016

Hallo zusammen!

Bei diesem Thema fällt mir wieder die Kinderreitstunde ein, die ich letztens beobachtet hatte…es war nicht ein lachendes Kind dabei und der Ton der Reitlehrerin war so schroff, dass ich nur dachte: „Wenn ich dort Unterricht hätte würde ich weinend vom Pferd steigen und aufhören zu Reiten“.

Gottseidank geht’s in unserer Hausfrauenreitstunde sehr lustig zu und unsere Reitlehrerin achtet besonders darauf, dass Pferd und Reiter zufrieden sind.

Wir sind auch eher die Außenseiter an unserem Stall und werden schon mal belächelt von dem einen oder anderen, aber wir sind stolz darauf es anders zu machen.

Wir lächeln und loben und freuen uns auch über die vielen, schönen, kleinen Dinge mit unseren Pferden.

Have a smile!

 

Von Tania Konnerth • 13. September 2016

Wow, so viele tolle Kommentare – ich freu mich riesig!

Danke an alle und fröhliches Lachen mit Euren Pferden!
Tania

 

 

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