Der weiche Blick

Von Carla Bauchmüller

Dies ist eine Übung nach Sally Swift (Buchtitel: „Reiten aus der Körpermitte“): der weichen Blick oder die allumfassend blickenden Augen.

Üben Sie zunächst aufrecht auf einem Stuhl sitzend. Nehmen Sie einen Moment lang Ihre Atmung und den Kontakt der Gesäßknochen zum Stuhl wahr. Heben Sie dann den rechten Zeigefinger senkrecht vor sich in Augenhöhe, etwa 40 cm von der Nasenspitze entfernt. Starren Sie mit „harten“ Augen auf diesen Finger. Wie fühlt sich jetzt Ihre Atmung an, wie der Kontakt der Gesäßknochen zum Stuhl?

Lassen Sie Ihren Blick entspannen und ganz „weich“ werden, also fokussieren Sie nicht mehr auf den Finger, sondern lassen Sie ihn bewusst unscharf werden. Sie schauen weiter geradeaus, aber achten Sie gleichzeitig auf Ihr komplettes Sichtfeld. Es fühlt sich fast an wie ein 360-Grad-Blick, so als könnten Sie auch alles um sich rum und hinter sich wahrnehmen. Wie fühlt sich jetzt Ihre Atmung an? Wie der Kontakt der Gesäßknochen zum Stuhl?

Wechseln Sie zwischen „weichen“ und „harten“ Augen. Sie können dafür auch die andere Hand nehmen, wenn der rechte Arm lahm wird vom Hochhalten. Spüren Sie sich in den Unterschied zwischen „weich“ und „hart“ ein. Was macht das mit Ihrer Körperwahrnehmung?

Üben Sie dann auf dem Pferd. Nehmen Sie auch hier zunächst Ihre Atmung und den Kontakt der Gesäßknochen zum Sattel wahr. Dann beginnen Sie mit harten Augen, indem Sie auf die Ohren Ihres Pferdes starren. Spüren Sie auch dabei wieder in Ihre Atmung und Ihren Sitz: Wie fühlt es sich an?  Und wie reagiert Ihr Pferd?

Lassen Sie dann den Blick wieder weich und allumfassend werden und nehmen Sie diesen 360-Grad-Blick ganz bewusst wahr. Wie verändert das wieder Atmung, Kontakt zum Sattel, allgemeine Balance – und Ihr Pferd?

Wechseln Sie auch hier zwischen harten und weichen Augen, und werden Sie sich dabei vor allem des Momentes bewusst, in dem Sie von hart zu weich wechseln. Ich finde immer, es fühlt sich an, als wenn man einen Vorhang öffnen würde. Es ist so auch viel leichter, den Mitreitern in der Halle rechtzeitig auszuweichen und dabei bei sich und seinem Pferd zu bleiben.

Extra-Tipp: Weiche Augen sind übrigens auch phantastische Begleiter beim Spazierengehen und natürlich auch bei der Bodenarbeit und dem Longieren!

17. Februar 2015 von Gastautor • Kategorie: Aus dem Reitunterricht und Coaching, Übungen 1 Kommentar »

 

Eine Reaktion zu “Der weiche Blick”

 

Von Claudia Heinelt • 23. Februar 2015

Noch eine Anregung meinerseits für das aufrechte Sitzen und den Kontakt mit den Sitzknochen: Nehmt statt des Stuhls am besten einen Hocker. Dann hebt eine Pobacke und schiebt die Hand derselben Körperseite darunter, mit den Fingerspitzen nach vorne Richtung Beine. Laßt Euer Gewicht wieder auf runter auf die Hand, nun spürt Ihr hoffentlich ziemlich deutlich die Rückseite des Sitzknochens. Jetzt zieht die Hand NACH HINTEN raus und nehmt den Sitzknochen quasi mit. Fühlt Ihr den Unterschied zum anderen Sitzknochen/Bein? Das Gleiche nun mit der anderen Seite. Euer Oberkörper verteilt sich dadurch besser auf dem vorderen Teil der Sitzknochen, die aufrichtende Wirkung Eures Fasziensystems kann sich besser entfalten. Weniger Verschwendung von Muskelkraft, mehr elegante Haltung, ganz von allein 🙂 Funktioniert auch prima im Büroalltag.
Liebe Grüße, Claudia

 

 

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